The Social Question as a
Question of Consciousness
GA 191
19 October 1919, Dornach
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
The Social Question as a Question of Consciousness, tr. SOL
Neunter Vortrag
Ninth Lecture
[ 1 ] In diesen Betrachtungen habe ich Ihnen von den verschiedensten Gesichtspunkten aus davon gesprochen, daß ein Zusammenhang besteht zwischen der Aufnahme geisteswissenschaftlicher Erkenntnis und zwischen dem sozialen Verständnis, welches. sich immer mehr und mehr verbreiten soll unter der Menschheit. Es wird Ihnen wahrscheinlich das Bedürfnis entstanden sein, gründlicher noch die Frage aufzuwerfen: Wie ist denn das innere Verhältnis der Beziehungen der Menschen, die wir sozial nennen, zu dem, was als Empfinden in uns sich ausbilden kann dadurch, daß wir allmählich uns einleben in geisteswissenschaftliche Vorstellungen? — Die geisteswissenschaftlichen Vorstellungen zeigen uns ja zunächst ein gewisses inneres Seelengestimmtsein dadurch, daß sie uns begreiflich machen dasjenige, was man im gewöhnlichen Leben zwar erlebt, aber eigentlich als das Unbegreiflichste empfinden muß: das menschliche Schicksal. Dieses menschliche Schicksal wird von einem gewissen Gesichtspunkte aus begreiflich dadurch, daß man das Gesetz von den wiederholten Erdenleben und ihrem Zusammenhange kennenlernt, das Gesetz vom Karma. Man lernt kennen, wie ein Erdenleben, das wir antreten und absolvieren, abhängig ist von unseren früheren Erdenleben. Wir haben ja auch schon gesprochen von den Kräften, die aus einem Erdenleben in das andere herüberspielen, und haben daraus gesehen, wie gewissermaßen die kosmische Technik des Schicksalsgestaltens ist.
[ 1 ] In these reflections, I have spoken to you from a wide variety of perspectives about the connection that exists between the assimilation of spiritual scientific knowledge and the social understanding that is to become increasingly widespread among humanity. You have probably felt the need to explore this question even more thoroughly: What is the inner relationship between the connections among human beings—which we call “social”—and what can develop within us as a feeling as we gradually become attuned to spiritual scientific concepts? — Spiritual scientific concepts reveal to us, first and foremost, a certain inner spiritual disposition by making comprehensible to us that which, although experienced in ordinary life, must actually be perceived as the most incomprehensible thing of all: human destiny. From a certain point of view, this human destiny becomes comprehensible through our coming to know the law of repeated earthly lives and their interconnection—the law of karma. We come to understand how an earthly life that we embark upon and complete depends on our previous earthly lives. We have, after all, already spoken of the forces that carry over from one earthly life into the next, and from this we have seen, as it were, the cosmic mechanism by which destiny is shaped.
[ 2 ] Nun empfinden Sie es ja alle, daß heute der Mensch, wenn er keine höheren Erkenntnisse erringt, nur dunkel ahnen kann, wie sein Schicksal durch die Gesetze der aufeinanderfolgenden Erdenleben sich gestaltet. Dasjenige, was wir als das Karma bezeichnen, ist ja etwas, was theoretisch verhältnismäßig leicht heute begriffen werden kann. Sie können das ersehen aus der letzten Auflage meiner «Theosophie», in der ja das betreffende Kapitel über das Karma umgestaltet ist. Aber jenes wirkliche Sehen des Lebens, von dem ich gestern gesprochen habe, jenes einfache, durch Vorurteil und Voranschauung nicht getrübte Anschauen des Lebens, welches sofort enthüllen würde das Schicksalsgesetz, das haben ja heute noch die wenigsten Menschen. Würden die Menschen das, was im Leben vorgeht, tatsächlich so sehen, wie ich gestern von dem einfachen, unvoreingenommenen Sehen gesprochen habe, dann würde der gesunde Menschenverstand von dem Schicksalsgesetz sprechen im Sinne der Geisteswissenschaft. Aber das ist eben für die meisten Menschen heute noch nicht der Fall. Vor allen Dingen ist für die meisten Menschen wegen des mangelnden einfachen Sehens nicht durchsichtig, in welcher Art das Ich-Bewußtsein in der Seele lebt. Es gibt ja sogar heute Philosophen, welche von dem Ich-Bewußtsein so sprechen, als ob dieses Ich-Bewußtsein das Allergewisseste wäre, gewissermaßen das Allerrealste wäre. Man kann sagen, das ist ebenso wahr auf der einen Seite, wie es einseitig, ja fast unrichtig auf der anderen Seite ist. Denn, wie nehmen wir eigentlich unser menschliches Ich wahr?
[ 2 ] Now, you all realize that today, unless a person attains higher knowledge, they can only dimly sense how their destiny is shaped by the laws governing successive earthly lives. What we call karma is, after all, something that can be understood relatively easily in theory today. You can see this in the latest edition of my *Theosophy*, in which the chapter on karma has been revised. But that true vision of life of which I spoke yesterday—that simple view of life, unclouded by prejudice or preconceptions, which would immediately reveal the law of destiny—is something that very few people possess today. If people were to actually see what happens in life in the way I spoke of yesterday—that simple, unbiased way of seeing—then common sense would speak of the law of destiny in the sense of spiritual science. But that is simply not yet the case for most people today. Above all, because of this lack of simple perception, it is not clear to most people in what way the “I”-consciousness lives within the soul. There are even philosophers today who speak of the “I”-consciousness as if it were the most certain thing of all—in a sense, the most real thing of all. One could say that this is just as true on the one hand as it is one-sided—indeed, almost incorrect—on the other. For how do we actually perceive our human “I”?
[ 3 ] Sie haben ja gestern in bezug auf das Innenleben erfahren, wie das Gedankenleben eigentlich nur der Abglanz des vorgeburtlichen Lebens ist, wie das Willensleben das Embryonale, das Keimhafte des nachtodlichen Lebens ist, wie also dasjenige, was in unserer Seele spielt, im Grunde genommen durchaus nicht haftet an demjenigen, was uns als Leib umhüllt von der Geburt bis zum Tode, und wie unser außerleibliches, ja außerzeitliches Sein hereinspielt in unser Denken auf der einen Seite, in unser Wollen auf der anderen Seite. Sie wissen aber auch, wie wir auf unser Leben zurückblicken und die Empfindung haben, daß wir den geschlossenen Lebenslauf als Erinnerung hinter uns haben. Wir können sehr leicht als Menschen die Vorstellung bekommen: Wir haben den Lebenslauf bewußt durchmessen und im Gedächtnis aufbewahrt von demjenigen Zeitpunkte an, bis zu dem wir uns zurückerinnern. Es kommt dem Menschen vor, daß, wenn hier (siehe Zeichnung) der Moment der Gegenwart ist, er sich zurückerinnert bis zu dem Moment in der Kindheit, bis zu dem er sich eben erinnert. Sie sehen leicht ein, daß dies ein gewaltiger Irrtum ist. Wenn Sie Ihr Leben zurückverfolgen bis zu dem Moment, bis zu dem Sie sich in Ihrer Kindheit zurückerinnern, und dies ansehen als eine geschlossene Strömung, so ist das natürlich total falsch, denn Sie nehmen ja bei einer solchen Rückerinnerung in Wirklichkeit zunächst nur wahr die 'Tagesereignisse des letzten Tages, an dem Sie die Rückschau anstellen; dann ist die Nacht dazwischen, dann wiederum der vorhergehende Tag, dann wiederum die Nacht, in der Sie nichts wahrnehmen, dann wiederum der vorher gehende Tag und so weiter.
[ 3 ] Yesterday, with regard to inner life, you learned how our life of thought is really only a reflection of prenatal life, how our life of will is the embryonic, germinal stage of life after death, and how, therefore, what takes place within our soul is, in essence, not at all bound to that which envelops us as a body from birth to death, and how our extra-physical, indeed extra-temporal being influences our thinking on the one hand and our willing on the other. But you also know how we look back on our lives and have the feeling that we have the completed course of our lives behind us as a memory. As human beings, we can very easily form the idea that we have consciously traversed the course of our lives and preserved it in memory from the earliest point in time we can recall. It seems to a person that, if here (see drawing) is the moment of the present, they recall back to the moment in childhood as far back as they can remember. You can easily see that this is a tremendous mistake. If you trace your life back to the moment you can recall from your childhood and view this as a continuous flow, that is, of course, completely wrong, because in such a recollection you actually perceive, at first, only the “events of the last day on which you are looking back”; then there is the night in between, then the preceding day, then the night again—during which you perceive nothing—then the preceding day again, and so on.
[ 4 ] Also es ist eine gewaltige Lebensillusion, wenn Sie einfach übersehen, daß ja diese Rückerinnerung, diese bewußte Rückerinnerung, Ihnen keine geschlossene Strömung gibt, sondern in Wirklichkeit eine fortwährend unterbrochene Strömung gibt, indem ausgespart sind aus dieser Rückerinnerung alle die Zeiten, die Sie verschlafen haben. Also Sie haben nicht eine kontinuierliche Rückerinnerungslinie, sondern eine diskontinuierliche Rückerinnerungslinie, eine fortwährend unterbrochene Rückerinnerungslinie.
[ 4 ] So it is a tremendous illusion about life if you simply overlook the fact that this recollection—this conscious recollection—does not provide you with a continuous flow, but in reality provides a constantly interrupted flow, since all the times you slept through are omitted from this recollection. So you do not have a continuous line of recollection, but rather a discontinuous line of recollection, a line of recollection that is constantly interrupted.


[ 5 ] Nun möchte ich, damit ich Ihnen die Bedeutung dessen, was ich eigentlich hier sagen will, klarmachen kann, Ihnen ein Bild vermitteln. Nehmen Sie einmal an, Sie haben folgendes Bild: eine weiße Scheibe und innerhalb dieser Scheibe einen dunklen Fleck. Sie können nun fragen: Was nehme ich hier wahr? — Die weiße Scheibe. Da, wo kein Weiß ist, da sehen Sie den schwarzen Fleck. Ich will jetzt nicht darüber diskutieren, ob der schwarze Fleck ein Reales ist oder nur das Fehlen des Weißen. Aber Sie sehen diesen schwarzen Fleck. Sie sehen, dieser schwarze Fleck ist dort, wo kein Weiß ist, in der weißen Scheibe drinnen. Nehmen Sie dieses Bild, so können Sie es anwenden auf die Art, wie Sie im gewöhnlichen Leben eigentlich Ihr Ich wahrnehmen. So wenig Sie hier (in der Mitte) etwas wahrnehmen, wo der schwarze Fleck ist, so wenig nehmen Sie eigentlich Ihr Ich wahr. Sie nehmen Ihr Ich gar nicht wahr, sondern Sie nehmen Ihre Erlebnisse wahr, die Sie während Ihrer verschiedenen Tagwachen durchgemacht haben. Und Ihr Ich nehmen Sie überhaupt nicht wahr; bloß dadurch, daß irgendwo, wenn Sie Ihre Erlebnisse überblicken, Ihre Erlebnisse nicht da sind, wie hier im schwarzen Fleck kein Weiß ist, nehmen Sie Ihr Ich wahr. Indem Sie zurückschauen auf Ihr Leben, nehmen Sie die Erlebnisse wahr, und Sie nehmen nicht wahr diese Unterbrechungen. Dafür nehmen Sie Ihr Ich wahr. Es ist also das Fehlen der Tageserlebnisse, das Ihnen in Wirklichkeit die Vorstellung Ihres Ich gibt, das heißt, indem Sie «Ich» sagen, nehmen Sie diejenige Zeit Ihres Lebens wahr, die Sie verschlafen haben.
[ 5 ] Now, in order to make clear to you the meaning of what I’m actually trying to say here, I’d like to paint a picture for you. Imagine you have the following image: a white circle, and inside that circle, a dark spot. You might ask: What am I perceiving here? — The white circle. Where there is no white, you see the black spot. I don’t want to discuss here whether the black spot is a real entity or merely the absence of white. But you see this black spot. You see that this black spot is where there is no white, inside the white circle. If you take this image, you can apply it to the way you actually perceive your “I” in everyday life. Just as you perceive nothing here (in the center), where the black spot is, so too do you actually perceive your “I” just as little. You do not perceive your “I” at all; rather, you perceive the experiences you have gone through during your various waking hours. And you do not perceive your “I” at all; it is only because, when you survey your experiences, your experiences are not present—just as there is no white in the black spot here—that you perceive your “I.” By looking back on your life, you perceive the experiences, and you do not perceive these gaps. Instead, you perceive your “I.” It is therefore the absence of daytime experiences that actually gives you the concept of your “I”; that is to say, by saying “I,” you perceive that part of your life which you have slept through.
[ 6 ] In der Tat, das Ausgesparte im Leben, wenn Sie zurückblicken, ist die Veranlassung zu Ihrer Ich-Wahrnehmung. Nehmen Sie an, Sie würden gar nicht schlafen, Sie würden immer wachen, dann würden Sie keine Ich-Wahrnehmung beim Rückblick haben. Sie würden sich vorkommen wie ein Wesen, das ichlos schwimmt in den Ereignissen des Weltendaseins.
[ 6 ] In fact, when you look back, what you have left out of your life is the basis for your sense of self. Suppose you never slept at all, that you were always awake; then, looking back, you would have no sense of self. You would feel like a being floating without a self through the events of existence in the world.
[ 7 ] Es ist außerordentlich bedeutsam, diese Dinge einfach zu sehen. Denn jeder Mensch glaubt, die Wahrnehmung des Ich sei ein Erlebnis. Nein, die Wahrnehmung des Ich ist das jeweilige Loch in den Erlebnissen. Das bitte ich Sie zunächst festzuhalten.
[ 7 ] It is extremely important to simply see these things. For everyone believes that the perception of the “I” is an experience. No, the perception of the “I” is the gap in those experiences. I ask you to keep this in mind first of all.
[ 8 ] Und nun bitte ich Sie, sich daran zu erinnern, wie ich Ihnen immer und immer wiederum gesagt habe, daß der Mensch nicht nur schläft, wenn er schläft, sondern daß der Mensch auch schläft, wenn er wacht. Der Mensch wacht ja eigentlich nur mit Bezug auf seine Sinnes- und Vorstellungswelt. Nur in seinen Sinneswahrnehmungen und in seinen Vorstellungen ist der Mensch wirklich wach. In bezug auf sein Wollen schläft er. Geradesowenig wie der Mensch hineinsieht in das, was er vollbringt vom Einschlafen bis zum Aufwachen, so wenig sieht er in die inneren Impulse seines Wollens hinein. Ich habe gestern davon gesprochen, wie der «Kerl» oder die «Kerlin» sich anschauen in ihren Handlungen, aber das Wollen nicht sehen. Mit Bezug auf das Wollen schläft der Mensch. Er schläft auch bei Tage, indem er ein wollender Mensch ist. Er wacht nur, indem er ein sinnlich wahrnehmender und verstandesmäßig Begriffe, Vorstellungen bildender Mensch ist. Er ist nur halb wach; für den anderen, für den wollenden Teil seines Wesens schläft der Mensch auch wachend.
[ 8 ] And now I ask you to remember, as I have told you time and time again, that a person is not only asleep when he sleeps, but that a person is also asleep when he is awake. A person is, in fact, awake only in relation to their sensory and imaginative world. It is only in their sensory perceptions and in their imaginings that a person is truly awake. In relation to their will, they are asleep. Just as a person does not look into what they do from the moment they fall asleep until they wake up, so too do they not look into the inner impulses of their will. Yesterday I spoke of how people observe themselves in their actions but do not see their volition. With regard to volition, a person is asleep. They are also asleep during the day insofar as they are a being of volition. They are awake only insofar as they are a being who perceives through the senses and forms concepts and ideas through the intellect. They are only half-awake; as for the other part—the volitional part of their being—a person remains asleep even while awake.
[ 9 ] Und nun werden Sie begreifen, wie es sich eigentlich mit dem Ich verhält. Das geht gar nicht herein als ein reales Wesen in Ihre Sinneswahrnehmungen und in Ihre Vorstellungen, sondern das bleibt im Wollen unten und schläft da weiter auch vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Deshalb können Sie es als ein reales Wesen nie sehen, sondern nur als den ausgesparten Kreis in der Mitte. Sie können das dunkle Gefühl haben, daß Sie ein Ich haben, indem aus dem Wollen heraus Ihnen etwas erklingt von dem, was Sie wie ein Loch in Ihren Seelenerlebnissen haben. Aber die Wahrnehmung des Ich ist eben eine durchaus negative. Das ist außerordentlich wichtig einzusehen. Es ist notwendig, daß jene oberflächliche Ich-Vorstellung, die auch in vielen Philosophien der Neuzeit figuriert, in ihrer Nichtigkeit erkannt werde. Denn erst, wenn man diesen ganzen Tatbestand, den ich hier Ihnen auseinandergesetzt habe, durchschaut, wird man verstehen, innerlich verstehen das Verhältnis von Mensch zu Mensch im Leben.
[ 9 ] And now you will understand what the “I” is really like. It does not enter your sensory perceptions or your ideas as a real entity at all, but remains down in your will and continues to slumber there, even from the moment you wake up until you fall asleep. That is why you can never see it as a real entity, but only as the missing circle in the center. You may have the vague sense that you have a “I,” in that something resonates within you from the realm of volition—something that feels like a void in your soul experiences. But the perception of the “I” is, in fact, an entirely negative one. It is extremely important to recognize this. It is necessary that this superficial conception of the “I”—which also features in many modern philosophies—be recognized for its futility. For only when one sees through this entire situation, which I have laid out for you here, will one understand—truly understand—the relationship between human beings in life.
[ 10 ] Ich habe dieses Verhältnis von Mensch zu Mensch im Leben in der neuen Auflage meiner «Philosophie der Freiheit» geschildert in einer jener Erweiterungen, die ich dem Buche in der neuen Auflage eingefügt habe. Wir nehmen nicht nur, wie ich eben jetzt auseinandergesetzt habe, unser eigenes Ich, allerdings negativ, wahr, sondern wir nehmen auch das Ich des anderen Menschen wahr. Wir könnten es nicht wahrnehmen, wenn das Ich in unserem eigenen Bewußtsein wäre. Wäre das Ich in unserem eigenen Bewußtsein, dann wäre das Verhältnis von Mensch zu Mensch ein recht fatales; dann würden wit durch die Welt gehen und nur immer in unserem Bewußtsein innerhalb unserer Sinnes- und Vorstellungswelt Ich, Ich, Ich haben. Wir würden an den anderen Menschen vorbeigehen und sie nur als Schatten empfinden, und würden uns wundern, wenn wir die Hand ausstrecken, daß diese Schatten unsere Hand aufhalten. Wir würden uns das gar nicht erklären können, woher das kommt, daß wir nicht durch einen Menschen durchgreifen können. Das alles würde bewirken die Tatsache, daß wir das Ich substantiell, nicht bloß als Vorstellung eines Negativums in unseren Vorstellungen und in unserem Sinnesleben darinnen hätten. Wir haben es nicht darin. Wir haben es nur in unserem Wollen und in dem Gefühl, das aus dem Wollen ausstrahlt. Da ist das Ich eigentlich darin, aber nicht im Vorstellungs- und nicht im Sinnesleben unmittelbar.
[ 10 ] I have described this relationship between human beings in the new edition of my *Philosophy of Freedom* in one of the additions I included in the book for this edition. As I have just explained, we not only perceive our own “I”—albeit negatively—but we also perceive the “I” of the other person. We could not perceive it if the “I” were within our own consciousness. If the “I” were within our own consciousness, then the relationship between human beings would be quite disastrous; then we would walk through the world with nothing but “I, I, I” in our consciousness, within our world of senses and imagination. We would pass by other people and perceive them only as shadows, and we would be surprised when we reached out our hand to find that these shadows stopped our hand. We would be completely unable to explain why we cannot reach right through a person. All of this would result from the fact that we would possess the “I” as a substantial entity, not merely as a negative concept within our imagination and sensory life. We do not possess it there. We possess it only in our will and in the feeling that radiates from the will. That is where the “I” actually resides, but not directly within our imagination or sensory life.
[ 11 ] Wenn wir nun den anderen Menschen wahrnehmen, so nehmen wir ihn eigentlich durch unser Wollen wahr. Es ist ja die hirnverbrannte Vorstellung heute gar nicht so selten unter solchen Menschen, die sich als Philosophen dünken, die da sagt: Wenn wir einem Menschen gegenüberstehen, so finden wir so ein Formgebilde: oben sind Haare, dann kommt eine Stirne, dann ist da eine Nase, ein Mund und so weiter. Wir haben uns öfter im Spiegel gesehen; da schauen wir geradeso aus wie der, der vor uns steht. Und da wir ein Ich haben, schließen wir durch Analogie, daß der andere auch ein Ich hat. — Das ist eine hirnverbrannte Vorstellung, ein wirklicher, richtiger Unsinn! Denn wir nehmen das Ich des anderen tatsächlich ebenso wahr wie unser eigenes Ich, wenn auch als Negativum. Und gerade deshalb, weil unser Ich nicht in unserem Bewußtsein, sondern außerhalb unseres Bewußtseins ist, wie das Wollen auch, deshalb können wir uns in das Ich des anderen versetzen. Wäre das Ich in unserem Bewußtsein, so würden wir uns nicht in das Ich des anderen versetzen können und würden ihn nur wie in einem Schattendasein wahrnehmen. Und wie geschieht diese Wahrnehmung des anderen? Da findet etwas wie ein sehr komplizierter Prozeß statt, wenn wir den anderen wahrnehmen. Wir stehen ihm gegenüber: er nimmt gewissermaßen unsere Aufmerksamkeit in Anspruch und schläfert uns für einen ganz kurzen Augenblick ein. Er hypnotisiert uns, er schläfert uns ein für einen Augenblick. Unser Menschheitsgefühl wird dadurch tatsächlich für einen ganz kurzen Augenblick wie in Schlaf versetzt. Wir wehren uns dagegen und machen unsere Persönlichkeit geltend. Das ist nun wie der Pendelausschlag: Schlafen in dem anderen, Aufwachen in uns selbst, wiederum dadurch Schlafen in dem anderen, Aufwachen in uns selbst. Und dieser komplizierte Prozeß des Hin- und Herpendelns zwischen dem Einschlafen in dem anderen und Aufwachen in uns selbst, der findet in uns statt, wenn wir dem anderen gegenüberstehen. Das ist ein Vorgang in unserem Wollen. Wir nehmen ihn nur nicht wahr, weil wir unser Wollen gar nicht wahrnehmen. Aber dieses fortwährende Hin- und Hervibtieren, das findet statt, wie es in meiner «Philosophie der Freiheit» beschrieben ist.
[ 11 ] When we perceive another person, we actually perceive them through our will. After all, it is not at all uncommon today—even among those who consider themselves philosophers—to hold the absurd notion that when we stand face to face with another person, we encounter a kind of form: hair on top, then a forehead, then a nose, a mouth, and so on. We’ve seen ourselves in the mirror many times; there we look exactly like the person standing in front of us. And since we have a self, we conclude by analogy that the other person also has a self. — That is a preposterous notion, utter nonsense! For we actually perceive the other person’s self just as we perceive our own self, albeit as a negative image. And precisely because our “I” is not within our consciousness but outside of it—just as volition is—we are able to put ourselves in the other’s “I.” If the “I” were within our consciousness, we would not be able to put ourselves in the other’s “I” and would perceive him only as if in a shadowy existence. And how does this perception of the other take place? Something like a very complicated process occurs when we perceive the other. We stand face to face with them: they, so to speak, capture our attention and lull us to sleep for a very brief moment. They hypnotize us; they lull us to sleep for a moment. Our sense of humanity is thereby actually put to sleep, as it were, for a very brief moment. We resist this and assert our personality. This is like the swing of a pendulum: falling asleep in the other, waking up within ourselves, and then, as a result, falling asleep in the other again, waking up within ourselves. And this complex process of swinging back and forth between falling asleep in the other and waking up within ourselves takes place within us when we stand face to face with the other. This is a process within our will. We simply do not perceive it because we do not perceive our will at all. But this constant back-and-forth oscillation takes place, as described in my *Philosophy of Freedom*.
[ 12 ] Sehen Sie, in diesem Vibrieren zwischen dem Einschlafen in dem anderen und Aufwachen in uns selbst haben Sie das Urelement, gewissermaßen das Atom des sozialen Zusammenlebens der Menschen. Das ist das Urelement desjenigen, was soziales Leben von Mensch zu Mensch ist. Es ruhen also dieses Urelement und damit auch alle komplizierten Gebilde des sozialen Lebens eigentlich in demjenigen Teile unseres Wesens, der schläft, auch wenn wir wachend sind. Das soziale Leben ist im wesentlichen höchstens ein träumendes Wesen des wachenden Menschen; es ist nicht ein völlig waches Leben, das der Mensch lebt im sozialen Leben. Daher ist das Soziale so schwer für das gewöhnliche Leben faßbar, weil es eigentlich gar nicht ein völlig waches Leben ist, weil es ein träumerisches Leben ist, und weil wir uns eigentlich immer, um uns selbst in uns aufrechtzuerhalten, wehren müssen gegen das soziale Empfinden, gegen das Empfinden in dem anderen.
[ 12 ] You see, in this oscillation between falling asleep in the other and waking up within ourselves lies the primordial element—the atom, so to speak, of human social coexistence. This is the primordial element of what constitutes social life from person to person. So this primordial element—and with it all the complex structures of social life—actually resides in that part of our being that is asleep, even when we are awake. Social life is, in essence, at most a dreamlike state of the waking human being; it is not a fully awake life that a person lives in social life. This is why the social realm is so difficult to grasp in ordinary life: because it is not actually a fully awake life at all, because it is a dreamlike existence, and because, in order to maintain our sense of self within ourselves, we must constantly resist social sentiment—the sentiment we perceive in others.
[ 13 ] Nun denken Sie einmal, wie kompliziert das unser Leben macht, daß wir mit den verschiedenen Menschen solche Verhältnisse eingehen, die in einem fortwährenden Einschlafen und Aufwachen bestehen. Der eine Mensch ist so, der andere Mensch ist so. Wir schlafen in ihn hinein. Dieses Hineinschlafen ist so, wie der andere Mensch ist. Wir gehen da im Einschlafen in ihm auf. Erinnern Sie sich nur einmal an folgendes: Denken Sie sich, Sie haben jetzt, meinetwillen in der Zwischenpause oder sonst hier irgendwie im Saale, mit so und so vielen Menschen gesprochen. In die haben Sie sich alle hineingeschlafen, und das ist, nachdem Sie aufwachen aus ihnen, immer wiederum in Ihnen da. Damit nehmen Sie herüber etwas von der Wesenheit dieser Menschen. Das alles vibriert von Mensch zu Mensch, das wellt von Mensch zu Mensch. Es ist im Grunde genommen ein dämmeriges, dunkles Element, das in diesem sozialen Zusammenleben der Menschen waltet. Und das Gegenwartsbewußtsein des Menschen hat nicht viel von diesem sozialen Empfinden, das da dunkel, dämmerig von Mensch zu Mensch wellt und webt.
[ 13 ] Now just think how complicated this makes our lives—that we enter into such relationships with different people that consist of a constant falling asleep and waking up. One person is like this, another is like that. We fall asleep into them. This falling asleep is just as the other person is. As we drift off, we merge with them. Just remember the following: Imagine that you have just spoken—let’s say during the intermission or at some other point here in the hall—with so many people. You have drifted off into each of them, and once you awaken from them, that experience remains within you. In doing so, you carry over something of these people’s essence. All of this vibrates from person to person; it ripples from person to person. It is, in essence, a dim, dark element that prevails in this social coexistence of human beings. And human consciousness in the present moment is largely unaware of this social sensibility, which ripples and weaves darkly and dimly from person to person.
[ 14 ] In unserer Zeit ist es nun so, daß es eben unsere Aufgabe ist als Menschen der Gegenwart — das können Sie aus den verschiedenen : Betrachtungen, die wir angestellt haben, ersehen —, uns allmählich aus den alten Blutsverhältnissen heraus aufzuschwingen zu einem Verständnis desjenigen, was so dämmerig, dunkel unter uns sozial webt und wellt. Es ist eine der wichtigsten Aufgaben der Gegenwart, sich Verständnis für dieses Weben und Wellen zu erwerben. Dasjenige, was ich nenne die «Dreigliederung des sozialen Organismus», ist im Grunde genommen nur eine solche Struktur des menschlichen Zusammenlebens, daß der Mensch nach und nach, nach einer Anzahl von Generationen in die Möglichkeit kommen könne, dieses Weben und Wesen von Mensch zu Mensch, das man als das soziale Element bezeichnen kann, wirklich verständnisvoll in sich aufzunehmen. Dieses Verständnis kann nur kommen dadurch, daß selbständig neben das wirtschaftliche Leben treten das rechtliche Leben und das geistige Leben, namentlich daß das geistige Leben in völlig freier Weise den anderen beiden Lebensgebieten gegenübersteht.
[ 14 ] In our time, it is now the case that it is precisely our task as people of the present—as you can see from the various : observations we have made—to gradually rise above the old blood ties and develop an understanding of that which weaves and undulates so dimly and obscurely among us socially. One of the most important tasks of our time is to gain an understanding of this weaving and undulating. What I call the “threefold social order” is, in essence, simply a structure of human coexistence that enables people, little by little—over the course of several generations—to truly and comprehensively internalize this interweaving and essence of human-to-human relations, which can be described as the social element. This understanding can only come about when legal life and spiritual life stand independently alongside economic life—namely, when spiritual life stands in a completely free relationship to the other two spheres of life.
[ 15 ] Es ist die wichtigste öffentliche Aufgabe der gegenwärtigen und der nächst zukünftigen Menschheit, diese Dreigliederung vorzunehmen, damit die Menschheit überhaupt weiterbestehen könne, damit sie zu wirklich sozialem innerem Erfühlen des Menschenlebens kommen könne. Die Menschheit hat in der neueren Zeit, seit der Mitte des 15. Jahrhunderts, den Gang zu diesem Verständnis angetreten. Schwierig ist es in der Gegenwart nur aus dem Grunde, weil zum erstenmal in der ganzen Menschheitsentwickelung der Erde appelliert wird von den göttlich-geistigen Mächten der Welt an das Bewußtsein der Menschen. Alles, was bisher an Fortschritten bewirkt worden ist, ist mehr oder weniger unbewußt bewirkt worden. Das, was zunächst zu tun ist, ist, daß in bewußter Weise eine soziale Struktur angestrebt werde. Alte soziale Strukturen sind hervorgegangen aus Blutsverbänden, aus der kleinen und großen Familie, aus der Sippe, den Klassen und so weiter. Die haben sich dann erweitert zu Volkszusammenhängen. Heute zappelt die Menschheit, indem sie in einer verlogenen Weise glaubt, sich an solche Zusammenhänge halten zu können, in Volkszusammenhängen, während sie im Grunde genommen längst überwunden hat, was Volkszusammenhänge sind, während längst die Notwendigkeit da ist, zu anderen sozialen Zusammengehörigkeiten zu kommen, als sie die Blutsverwandtschaft durch die Völker darstellt.
[ 15 ] It is the most important public task of humanity today and in the near future to bring about this threefold social order, so that humanity may continue to exist at all, and so that it may attain a truly social, inner sense of human life. In recent times, since the middle of the 15th century, humanity has embarked on the path toward this understanding. The difficulty at present stems solely from the fact that, for the first time in the entire history of human development on Earth, the divine-spiritual powers of the world are appealing to human consciousness. All the progress achieved so far has been brought about more or less unconsciously. The first step is to consciously strive for a social structure. Old social structures arose from blood ties—from the immediate and extended family, the clan, the classes, and so on. These then expanded into national contexts. Today, humanity flounders, falsely believing it can cling to such ties—to national communities—while in reality it has long since transcended what national communities represent, and while the need has long existed to move toward forms of social belonging other than those represented by blood kinship through national communities.
[ 16 ] Ich habe Ihnen gesagt, daß gewissermaßen die erste Etappe auf diesem Wege zu einem solchen Verständnis, wie es für die Gegenwart und für die nächste Zukunft notwendig ist, diese war, daß sich mit der Reformation heraufentwickelt hat die Herrschaft des ökonomischen Menschen. Ich habe Sie darauf verwiesen, wie in alten Zeiten der Eingeweihte, der Initiierte geherrscht hat, wie dann der Priester geherrscht hat, und wie dann seit der Mitte des 15. Jahrhunderts der ökonomische Mensch zu dem Herrschenden geworden ist. Seit der Reformation mußten diejenigen, die sonst Purpurmantel trugen und Herrscher votstellten, die Puppen werden der ökonomischen Menschen, wenn sie herrschen wollten. In Wahrheit haben immer mehr und mehr seit der Mitte des 15. Jahrhunderts die ökonomischen Menschen geherrscht, diejenigen Menschen, die die Ökonomie der verschiedenen Territorien der Erde besorgten. Wenn dem Namen nach andere herrschten, so war das nur eben dem Namen nach, und die Regierungen wurden im Grunde genommen ganz durchdrungen von den ökonomischen Prinzipien. Man redet natürlich nicht gerne davon, daß man alles dasjenige, was man tut seit der Reformation, unter wirtschaftlichem Gesichtspunkte tut. Man redet von Idealen und so weiter. Aber das sind für den Vertreter der wirklichen Geschichte nur Masken. Um nicht gar zu sehr den Schleier zu lüften, wurden auch seit der Reformation noch Kultusminister, Unterrichtsminister, Justizminister und so weiter bestellt. Aber die alle waren eigentlich nur etwas schwächer nuancierte Wirtschaftsminister. Wer auf die Realitäten geht, der kann das schon sehen, höchstens daß sie alte Überlieferungen übertrugen, aber im wesentlichen doch unter wirtschaftlichen Rücksichten.
[ 16 ] I have told you that, in a sense, the first stage on this path toward the kind of understanding necessary for the present and the near future was the rise, with the Reformation, of the dominance of the economic man. I have pointed out to you how, in ancient times, the initiate ruled; how, later, the priest ruled; and how, since the middle of the 15th century, the economic man has become the ruler. Since the Reformation, those who otherwise wore purple robes and posed as rulers had to become the puppets of the economic man if they wanted to rule. In truth, since the mid-15th century, the economic man—those who managed the economies of the various territories of the earth—has increasingly held sway. If others ruled in name only, it was just that—in name only—and governments were, in essence, completely permeated by economic principles. Of course, people do not like to admit that everything they have done since the Reformation has been done from an economic perspective. They speak of ideals and so on. But for the student of true history, these are merely masks. In order not to lift the veil too much, ministers of religion, ministers of education, ministers of justice, and so on have continued to be appointed since the Reformation. But all of them were, in reality, merely slightly less nuanced versions of ministers of the economy. Anyone who looks at the realities can see this—at most, they carried on old traditions, but essentially they acted according to economic considerations.
[ 17 ] In dieser Beziehung hat die katholische Kirche eigentlich verstanden, gerade im Zeitalter der Reformation recht zeitgemäß zu sein. Die katholische Kirche hat im Grunde genommen in dem Aufgange des Reformationszeitalters am besten verstanden, den Fortschritt ganz im Sinne des neueren ökonomischen Prinzips zu besorgen. Man braucht ja nur eine "Tatsache aus den anderen Tatsachen herauszugreifen. Bis zu dieser Zeit hatte es die Kirche dahin gebracht, nahe aneinanderzurücken höchste geistige Angelegenheiten und trivialste weltliche Angelegenheiten. Man konnte in alten Zeiten Sünden abbüßen durch allerlei Taten. Nach und nach ist es dahin gekommen, daß man Sünden abbüßen konnte dadurch, daß man bezahlte. Und der Papst hat es, schneller eigentlich als die anderen, die weltlichen Mächte, sehr gut verstanden, mit dem Fortschritt der neueren Zeit zu rechnen. Er hat vorausgenommen seine Einkünfte der späteren Zeit aus dem Abbüßen der Sünden. Wenn man die Macht hat, daß einem bezahlt werden die von den Menschen begangenen Sünden dafür, daß sie erlassen werden, so bedeutet das eine ganz gewaltige zukünftige Einnahme. Und wenn diese so gesichert ist, wie etwas gesichert sein kann durch den Glauben der Menschen, dann bedeutet es eine sehr sichere Einnahme. Das größte Bankhaus der Sieneser hat es deshalb als ein sicheres Geschäft angesehen, dem Papst so und so viel von den künftigen Sündenabbüßungen der Menschheit abzukaufen. Der Papst bezog, während er diese Gelder schon gut verwendete, von einem Sieneser Bankhaus Riesensummen. Und das Bankhaus stellte sich den Tetzel an zum Eintreiben dieser Summen. Der zog dann in den Ländern Mitteleuropas herum und trieb die Summen wieder ein für das Sieneser Bankhaus.
[ 17 ] In this regard, the Catholic Church actually understood how to be quite in step with the times, especially during the Age of the Reformation. Essentially, at the dawn of the Reformation, the Catholic Church best understood how to promote progress entirely in line with the newer economic principle. One need only “single out one fact from among the others.” Up until that time, the Church had managed to bring the highest spiritual matters and the most trivial worldly matters into close proximity. In ancient times, one could atone for sins through all manner of deeds. Gradually, it came to pass that one could atone for sins simply by paying. And the Pope—actually more quickly than the other secular powers—understood very well how to capitalize on the progress of modern times. He anticipated his future income from the indulgence of sins. If one has the power to be paid for the sins committed by people in exchange for their remission, that means a truly enormous future income. And if this income is as secure as anything can be through people’s faith, then it represents a very secure source of revenue. The largest Sienese banking house therefore regarded it as a safe investment to purchase a certain amount of humanity’s future indulgences from the Pope. While the Pope was already putting these funds to good use, he received enormous sums from a Sienese banking house. And the banking house enlisted Tetzel to collect these sums. He then traveled throughout the countries of Central Europe and collected the sums on behalf of the Sienese banking house.
[ 18 ] Sie sehen, die Kirche hat es außerordentlich gut verstanden, mit den Verhältnissen der neueren Zeit zu rechnen. Das ist auch Geschichte! Diese Geschichte muß durchaus ins Auge gefaßt werden.
[ 18 ] As you can see, the Church has been exceptionally adept at adapting to modern circumstances. That, too, is history! This history must certainly be taken into account.
[ 19 ] Der ökonomische Mensch kam herauf. Die Kirche war da. Aber schließlich ist ja die Verwaltung der geistlichen Angelegenheiten mit Hilfe des Sieneser Bankhauses und seines Eintreibers, seines Agenten, für das eigentlich Geistliche doch nur eine Maske. Und wenn Sie die neuere Geschichte studieren, so werden Sie schon finden, daß es eine tiefe Bedeutung hat, wenn man davon spricht, daß der ökonomische Mensch der herrschende wurde. Der Papst ist nur dadurch ein so starker Herrscher geblieben, daß er im rechten Moment verstanden hat, auch ein ökonomischer Mensch zu werden, daß er sich dem ökonomischen Typus anbequente.
[ 19 ] The economic man emerged. The Church was there. But ultimately, the administration of spiritual affairs—carried out with the help of the Sienese banking house and its collector, its agent—is, for what is truly spiritual, merely a mask. And if you study recent history, you will find that it is deeply significant when people speak of the “economic man” becoming the dominant figure. The Pope has remained such a powerful ruler only because he understood, at the right moment, that he too had to become an “economic man”—that he had to adapt to the economic model.
[ 20 ] Ja, der ökonomische Typus herrschte seit der Reformation. Er löste ab den alten Priestertypus. Im 19. Jahrhundert war die allgemeine Menschheit erst so weit, wie die Kirche, die viel besser den Fortschritt verstand, schon zur Zeit der Reformation war. Aber der ökonomische Typus Mensch herrschte nur bis ins 19. Jahrhundert. Im 19. Jahrhundert wurde wiederum ein anderer Typus herrschend. Wenn man davon spricht, daß er herrschend wurde, dieser Typus, so bedeutet das, daß die maßgeblichen Einflüsse in der sozialen Struktur von diesem Typus abhängen. Im 19. Jahrhundert, in dem ersten, zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts wurde dann maßgebend der Wucherer, will sagen: der Bankier. Wenn Sie nämlich eine sachgemäße Definition suchen würden des Bankiers, dann wird die Geschichte außerordentlich brenzlig. Wenn man nämlich aus wirklich sozial-ökonomischen Untergründen heraus eine Definition aufstellt — man vermeidet das sehr gern — des Bankiers, des großen und des kleinen, dann soll man nur ja nicht gleichzeitig suchen nach einer Definition des Wucherers. Denn diese beiden Definitionen werden einander gleichen; sie können nur sich einander gleichen. Aber das ist etwas, was die neuere Menschheit ebenso sorgfältig als ein Geheimnis gehütet hat, wie gewisse Geheimgesellschaften ihre «Zeichen» und «Worte» gehütet haben. Man hat das nicht so unter die allgemeine Menschheit hinausgestreut. Das ist ein Geheimnis im sozialen Leben geblieben.
[ 20 ] Yes, the economic type had prevailed since the Reformation. It replaced the old priestly type. In the 19th century, humanity as a whole had only reached the point that the Church—which understood progress much better—had already reached at the time of the Reformation. But the economic type of human being prevailed only until the 19th century. In the 19th century, yet another type became dominant. When we say that this type became dominant, it means that the decisive influences in the social structure depend on this type. In the 19th century—specifically, in the first and second decades of the 19th century—the usurer, that is to say, the banker, became the dominant figure. For if you were to seek a proper definition of the banker, history would become extremely precarious. For if one were to formulate a definition—something people are very keen to avoid—of the banker, both large and small, based on genuine socio-economic foundations, one must under no circumstances simultaneously seek a definition of the usurer. For these two definitions would be identical; they can only be identical. But this is something that modern humanity has guarded as carefully as a secret as certain secret societies have guarded their “signs” and “words.” It has not been widely disseminated among the general public. It has remained a secret in social life.
[ 21 ] Der Bankier wurde der Herrschende. Und wenn man untersucht, wie sich die soziale Struktur im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelt hat, dann findet man, daß mit dem ersten, zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts der Bankier, dieser spezielle ökonomische Typus, der nur ökonomisiert mit dem Gelde, es ist, der nun, geradeso wie früher der ökonomische Mensch, im weiteren Umfange auf alles, was als soziale Struktur sich herausstellt, auf alle Gesetze der Länder und so weiter seinen maßgebenden Einfluß ausübt. Es ist sehr wichtig, diese Verhältnisse zu durchschauen, es ist sehr wichtig, zu durchschauen, daß der ökonomische Typus Mensch herrschend wird seit der Reformation, daß der Bankier herrschend wird seit dem Beginne des 19. Jahrhunderts. Und man kann nicht die öffentlichen Angelegenheiten der zivilisierten Welt in der neuesten Zeit verstehen, wenn man nicht in ihnen eine Geschichte der Herrschaft des Bankierwesens sieht. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ist dann das eingetreten, was ich 1908 in meinem Nürnberger Vortragszyklus bereits angeführt habe: In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und noch etwas hinein in die zweite Hälfte war individuell der Träger des Geldes der Herrschende; dann aber verwandelte sich dieses Herrscherprinzip so, daß das Geld als solches herrschend wurde. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war aber der einzelne individuelle Mensch als Bankier noch Herrscher. Ich habe das durch ein Beispiel illustriert, wenn Sie sich erinnern. Ich habe Ihnen erzählt, wie der Pariser Rothschild einmal «angepumpt» werden sollte, nun ja, von dem König von Frankreich. Nicht wahr, wenn der Pariser Rothschild von dem König von Frankreich angepumpt werden sollte, so verrät das schon ein bißchen, wer eigentlich der Herrschende ist. Nun, Könige pumpen nicht direkt, nicht wahr. Während der König also seinen Minister hinschickte — «Finanzminister» nennt man ja diese Art von Wirtschaftsminister —, hatte der Rothschild gerade mit einem Lederhändler zu tun. Der Diener sagte dem abgesandten Minister des Königs von Frankreich, er solle im Vorzimmer warten. Das erschien natürlich wiederum dem Minister des Königs von Frankreich als etwas höchst Ungewöhnliches, daß er warten solle, während der Rothschild mit einem Lederhändler verhandelt. Er soll warten? Er wartet nicht, sondern reißt die Türe auf: Ich komme zu Ihnen im Auftrage des Königs von Frankreich. — Bitte, nehmen Sie sich einen Stuhl —, sagte Rothschild. Das war dem Minister natürlich völlig unbegreiflich, Ja, aber ich bin der Abgesandte des Königs von Frankreich! Nehmen Sie zwei Stühle und setzen Sie sich!
[ 21 ] The banker became the ruler. And if one examines how the social structure developed over the course of the 19th century, one finds that, beginning in the first and second decades of the 19th century, the banker—this specific economic type who deals solely in money— that is, the one who—just as the “economic man” did in the past—now exerts a decisive influence on a broader scale over everything that constitutes social structure, over all the laws of the countries, and so on. It is very important to understand these circumstances; it is very important to realize that the economic type of human being has been dominant since the Reformation, and that the banker has been dominant since the beginning of the 19th century. And one cannot understand the public affairs of the civilized world in recent times unless one sees in them a history of the dominance of the banking system. Toward the end of the 19th century, what I had already pointed out in my 1908 lecture series in Nuremberg came to pass: In the first half of the 19th century and well into the second half, the individual who held the money was the ruler; but then this principle of rule transformed in such a way that money itself became the ruler. In the first half of the 19th century, however, the individual human being, as a banker, was still the ruler. I illustrated this with an example, if you recall. I told you how the Parisian Rothschild was once to be “borrowed from”—well, by the King of France. Isn’t it true that if the Parisian Rothschild was to be “borrowed from” by the King of France, that already reveals a little about who is actually in control? Well, kings don’t borrow directly, do they? So while the king sent his minister—one calls this kind of economic minister the “Minister of Finance”—the Rothschild was in the middle of a transaction with a leather merchant. The servant told the minister sent by the King of France to wait in the anteroom. Naturally, this struck the King of France’s minister as highly unusual—that he should have to wait while the Rothschild was negotiating with a leather merchant. Wait? He didn’t wait; instead, he flung open the door: “I have come to you on behalf of the King of France.” —“Please, have a seat,” said Rothschild. This was, of course, completely incomprehensible to the minister. “Yes, but I am the envoy of the King of France! Take two chairs and sit down!”
[ 22 ] Sehen Sie, da war noch der einzelne individuelle Bankier der Herrschende. Das ging allmählich über in die Herrschaft der Aktien, der Geldnoten als solcher. Und wir sind ja allmählich hineingesegelt in die Zeit, in der der einzelne Geldbesitzer nicht mehr das Wesentliche ist, sondern das abstrakte, zusammengehäufte Kapital. Es kann einer einmal heute reich sein, morgen arm. Der Mensch selber kugelt hinauf und kugelt hinunter. Die Aktiengesellschaft, die abstrakte — ich habe das dazumal 1908 in Nürnberg ausgeführt —, ist dasjenige, was hertschend geworden ist.
[ 22 ] You see, back then it was still the individual banker who held the reins of power. That gradually gave way to the dominance of stocks and banknotes as such. And we have gradually drifted into an era in which the individual money owner is no longer the essential factor, but rather abstract, accumulated capital. One person can be rich today and poor tomorrow. The individual himself rises and falls. The joint-stock company, the abstract entity—I elaborated on this back in 1908 in Nuremberg—is what has come to rule.
[ 23 ] Damit aber ist die menschliche Entwickelung angelangt an einem Extrem, an einem Äußersten. Denn sobald das Geld als solches herrscht, sobald das Geld der eigentlich treibende Motor ist, ist die Zeit erfüllt, in der abgelöst werden muß, ich möchte sagen, die bloße bare Ziffer im Gelde durch Realitäten. Nun ist das Geld das Allergeistigste der Wirtschaft. Es ist dasjenige von der Wirtschaft, was nur geistig erfaßt werden kann. Es hat ja auch nur einen geistigen Wert, das Geld, nur einen Wert in der menschlichen Anerkennung. Essen kann man zwar Brot und Fleisch, aber Geld kann man nicht essen. Man kann wirklich für die Menschen Brauchbares erwerben durch Geld, wenn das Geld anerkannt ist. Es hat bloß einen seelischen, einen geistigen Wert, einen Begriffswert, einen Vorstellungswert. Es ist eben die Zeit erfüllt; es muß eintreten das, daß umschlägt die Entwickelung von dem rein wirtschaftlich Geistigen des Geldes zu dem wirklich im Geiste Erfaßten. Und das, was durch die Dreigliederung als soziales Verständnis gefordert werden soll, das ist dasjenige, was sich unmittelbar anschließen muß an die Herrschaft des allerabstraktesten Wirtschaftlichen, des Geldes. Denn so dunkel, so dämmerig das soziale Verständnis, wie ich geschildert habe, unter den Menschen lebt, so heil muß es eigentlich werden. Denn denken Sie sich einmal, dieses (siehe Zeichnung) wäre ein Menschenleben der Gegenwart von der Geburt bis zum Tode. Dieses Leben würde so durchlebt, daß der Mensch sich soziales Verständnis drinnen erwirbt, daß wirklich das soziale Leben, die soziale Struktur nicht gebaut wäre auf die Geldgeltung, die er hat, sondern auf soziales Verständnis. Dann würde der Mensch durch die Pforte des Todes gehen, durchleben die Zeit bis zur nächsten Geburt und dann wiederum sein Leben von der Geburt bis zum Tode durchleben. Dasjenige, was sich der Mensch hier zwischen Geburt und Tod aneignet an sozialem Verständnis, das liegt ja auch innerlich in ihm. Das geht vor allen Dingen in das schiafende Wollen hinein, von dem ich gestern gesprochen habe; das wird durch die Todespforte getragen. So daß der Mensch sein soziales Verständnis durch die Todespforte trägt bis zur Weltenmitternacht und es dann wiederum durch die Geburt ins nächste Erdenleben hineinträgt.
[ 23 ] But with this, human development has reached an extreme, an ultimate point. For as soon as money reigns as such, as soon as money is the actual driving force, the time has come when—I would say—the mere bare numbers in money must be replaced by realities. Now, money is the most spiritual aspect of the economy. It is that part of the economy which can only be grasped spiritually. After all, money has only a spiritual value—only a value in human recognition. One can eat bread and meat, but one cannot eat money. One can indeed acquire things that are useful to people through money, provided that the money is recognized. It has only a spiritual value, a conceptual value, a value of the imagination. The time has indeed come; there must be a shift in development from the purely economic-spiritual nature of money to that which is truly grasped in the spirit. And what the threefold social order is intended to bring about—namely, social understanding—is precisely what must immediately follow the dominance of the most abstract economic entity of all: money. For as obscure and dim as social understanding is among people, as I have described, so thoroughly must it actually be healed. For just imagine, for a moment, that this (see diagram) were a human life in the present, from birth to death. This life would be lived in such a way that the human being would acquire social understanding within it, so that social life and social structure would truly be built not on the value of money that one possesses, but on social understanding. Then the person would pass through the gate of death, live through the time until the next birth, and then once again live out their life from birth to death. What a person acquires here between birth and death in terms of social understanding is, after all, also inwardly within them. Above all, this flows into the creative will I spoke of yesterday; it is carried through the gate of death. Thus, a person carries their social understanding through the gate of death to the midnight of the world and then carries it again through birth into the next earthly life.
[ 24 ] Was wird nun dieses Verständnis, das man sich durch soziales Verständnis erwirbt, in dem nächsten Erdenleben ? — Das ist die große Frage, die heute schon aufgeworfen werden muß. Das wird das Verständnis für das Karma. Das heißt, wir haben im weltgeschichtlichen Verlauf der Menschheitsentwickelung gegenwärtig die Zeitepoche erreicht, in welcher die Menschheit sich soziales Verständnis erwerben muß; denn dieses soziale Verständnis liefert für die nächste Inkarnation das Verständnis für das Karma. Aber es kann sich kein Mensch soziales Verständnis erwerben anders, als daß er sich Verständnis für das Geistige erwirbt.
[ 24 ] What will become of this understanding—which is acquired through social understanding—in the next earthly life? —That is the great question that must already be raised today. It will become an understanding of karma. This means that, in the course of world history and human development, we have now reached the epoch in which humanity must acquire social understanding; for this social understanding provides the understanding of karma for the next incarnation. But no human being can acquire social understanding except by acquiring an understanding of the spiritual.
[ 25 ] Sie sehen, wie die Dinge zusammenhängen, Sie sehen, wie das soziale Verständnis hängt an dem geistigen Verständnis, an einer spirituellen Welterfassung und Weltanschauung, und wie davon abhängt dasjenige, was als ein bewußtes Erkennen des Schicksals im Laufe der Menschheitsentwickelung für die Menschen eintreten muß, die dann mit sozialem Verständnis durch die Pforte des Todes gehen, wiedergeboren werden und nach der Wiedergeburt verstehen werden ihr Schicksal.
[ 25 ] You can see how things are connected, You see how social understanding is linked to intellectual understanding, to a spiritual perception of the world and a worldview, and how this determines what must occur as a conscious recognition of destiny in the course of human evolution for those who, endowed with social understanding, pass through the gate of death, are reborn, and will understand their destiny after rebirth.
[ 26 ] Das ist es, worauf es ankommt, daß man so recht einsieht, wie die Dinge in der Menschheitsentwickelung im Erdenlauf zusammenhängen. Wir leben in der Epoche der Notwendigkeit des sozialen Verständnisses. Wir werden wiedergeboten werden in der Epoche des Schicksalsverständnisses der einzelnen Menschen. Es ist wahrhaftig nicht aus einem bloßen abstrakten Impuls heraus, daß man heute von der Notwendigkeit des sozialen Verständnisses spricht, sondern es hängt das zusammen mit den innersten Entwickelungsimpulsen der Erdenmenschheit überhaupt.
[ 26 ] This is what matters: truly understanding how things are interconnected in the course of human development throughout Earth’s history. We are living in an era in which social understanding is essential. We will be reborn in an era of understanding the destiny of individual human beings. It is truly not out of a mere abstract impulse that people speak today of the necessity of social understanding, but rather it is connected to the innermost developmental impulses of humanity on Earth as a whole.
[ 27 ] Das ist dasjenige, was ich Ihnen heute einmal nahelegen wollte, meine lieben Freunde. Wir werden das nächstemal von diesen Dingen weiter sprechen.
[ 27 ] That is what I wanted to share with you today, my dear friends. We will continue discussing these matters next time.
[ 28 ] Die Vorträge in Zürich — Sie wissen, morgen ist der öffentliche Vortrag in Basel — müssen, weil ein anderer Saal als der zunächst in Aussicht genommene gewählt werden mußte, um zwei Tage verschoben werden, so daß der erste Vortrag am 24. Oktober stattfindet, dann sind Vorträge am 25., 26., 28., 29, und 30. Oktober, und am 31. Oktober ist eine eurythmische Darstellung in Zürich. Dadurch ist es mit natürlich nicht möglich, am nächsten Sonnabend und Sonntag hier vorzutragen, und ich werde daher für diejenigen Freunde, die Zeit und Lust haben, am nächsten Donnerstag um halb acht hier zu erscheinen, am Donnerstag fortsetzen.
[ 28 ] The lectures in Zurich—as you know, the public lecture in Basel is tomorrow—have had to be postponed by two days because a different hall had to be chosen than the one originally planned, so that the first lecture will take place on October 24, followed by lectures on the 25th, 26th, 28th, 29th, and 30th of October, and on October 31st there will be a eurythmy performance in Zurich. This, of course, makes it impossible for me to give lectures here next Saturday and Sunday, so I will continue next Thursday for those friends who have the time and desire to come here at half past seven on Thursday.
