Contrasts in Human Development
GA 197
24 June 1920, Stuttgart
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Contrasts in Human Development, tr. SOL
Fünfter Vortrag
Fifth Lecture
[ 1 ] Da heute noch einmal Gelegenheit ist, zu Ihnen gerade als zu den Freunden der anthroposophischen Bewegung zu sprechen, bevor ich abreise, so möchte ich dem nachkommen, was mir in gewisser Beziehung ein Herzenswunsch ist: einiges zu besprechen, was jetzt notwendig ist zu besprechen. Vielleicht wird ja das meiste von dem, was ich gerade heute zu sagen habe, eine Art Wiederholung sein von Dingen, die öfter aus den verschiedensten Gesichtspunkten heraus erwähnt worden sind, die heute auch schon eine Rolle spielen in den Betrachtungen, die in öffentlichen Vorträgen dargestellt werden. Aber aus gewissen Gründen heraus ist es doch notwendig, daß wir uns über einige Dinge heute noch einmal unterhalten.
[ 1 ] Since I have another opportunity today to speak to you—precisely as friends of the anthroposophical movement—before I depart, I would like to fulfill what is, in a certain sense, a heartfelt desire of mine: to discuss a few things that need to be discussed now. Perhaps most of what I have to say today will be a sort of repetition of things that have been mentioned frequently from a wide variety of perspectives—things that are already playing a role in the reflections presented in public lectures. But for certain reasons, it is nevertheless necessary that we discuss some of these matters once again today.
[ 2 ] Es muß ja, wie ich oftmals betont habe, durchaus verstanden werden von einer genügend großen Anzahl von Menschen, wenn der Niedergang, in den wir uns hineingeritten haben als gegenwärtige zivilisierte Welt, nicht zum völligen Ruin führen soll, daß die gegenwärtige Zivilisation durchtränkt werden muß mit gewissen Impulsen, die nur aus der geisteswissenschaftlichen Erfassung der Welt im weitesten Umfange kommen können.
[ 2 ] As I have often emphasized, it must be understood by a sufficiently large number of people—if the decline into which we, as the present civilized world, have plunged is not to lead to complete ruin—that present-day civilization must be imbued with certain impulses that can come only from an understanding of the world through the spiritual sciences in the broadest sense.
[ 3 ] Der Materialismus, der heraufgezogen ist seit den letzten drei bis vier Jahrhunderten in der europäischen Welt, der dann seinen Höhepunkt erlangt hat im 19. Jahrhundert und sich überschlagen hat im 20. Jahrhundert, dieser Materialismus hat ja eine Eigentümlichkeit, die besonders paradox sich ausnimmt, wenn man nicht richtig auf die Gründe einzugehen weiß, um die es sich dabei eigentlich handelt. Dieser Materialismus hat nämlich die Eigentümlichkeit, daß ihm völlig versagt ist, die materielle Welt in ihrer Wirklichkeit zu erkennen. Ich habe Ihnen ja vielleicht auch hier schon ein Beispiel dafür angeführt. Überall findet man aus der materialistischen Denk weise der neueren Zeit heraus die Anschauung vertreten, die eine breite Offentlichkeit ergriffen hat, daß unser Herz innerhalb unseres Organismus eine Art von Pumpe sei, welche das Blut durch den Organismus pumpt. In den mannigfaltigsten Varianten findet man diese Anschauung von dem Pumpwerk des menschlichen Herzens heute ausgebaut. Nun ist ja die Sache nicht so, sondern dasjenige, was Wirklichkeit ist, das muß so aufgefaßt werden, daß man sagt: Unser ganzes rhythmisches Zirkulationssystem ist ein Lebendiges, und nicht irgend etwas, was zu vergleichen ist mit irgendwelchen Kanälen oder dergleichen, durch die Wasser fließt, das durch ein Pumpwerk in seinen Kreislauf getrieben wird. Unser rhythmisches Zirkulationssystem, unser Blutsystem ist ein Lebendiges. Es wird in seiner Lebendigkeit erhalten durch die verschiedenen Faktoren, von denen die gröbsten sind: Atmung, Hunger, Durst und dergleichen, also Dinge, die durchaus geistig-seelischer Natur sind. Es bringen ganz primäre Ursprünge unser lebendiges Blutsystem in rhythmische Bewegung, und das, was Bewegung des Herzens ist, rührt davon her, daß dieses Geistige sich einschaltet in diesen Blutrhythmus. Der Blutrhythmus ist das Primäre, Lebendige, und das Herz wird mitgerissen von diesem Blutrhythmus. Die Tatsachen sind also völlig entgegengesetzt dem, was heute von der gebräuchlichen Physiologie von allen Lehrkanzeln herunter verkündet und daher auch von der Schule und von frühester Kindheit an den Menschen eingepaukt wird.
[ 3 ] Materialism, which has been on the rise in the European world for the past three to four centuries, reached its peak in the 19th century and ran rampant in the 20th century; this materialism has a peculiarity that appears particularly paradoxical if one does not know how to properly address the underlying reasons at play. Namely, this materialism is characterized by its complete inability to recognize the material world in its true reality. I may have already given you an example of this here. Everywhere, based on modern materialistic thinking, one finds the view—which has taken hold among the general public—that our heart is a kind of pump within our organism that pumps blood through the body. This view of the human heart as a pump is elaborated today in a wide variety of forms. But that is not the case; rather, reality must be understood in such a way that we say: Our entire rhythmic circulatory system is a living entity, and not something that can be compared to channels or the like through which water flows, driven into its cycle by a pump. Our rhythmic circulatory system, our blood system, is a living entity. Its vitality is sustained by various factors, the most basic of which are: breathing, hunger, thirst, and the like—that is, things that are entirely of a spiritual-soul nature. Entirely primary sources set our living blood system in rhythmic motion, and what constitutes the movement of the heart stems from the fact that this spiritual element intervenes in this blood rhythm. The blood rhythm is the primary, living force, and the heart is carried along by this blood rhythm. The facts are therefore completely contrary to what is proclaimed today by conventional physiology from every pulpit and is thus also drummed into people in school and from earliest childhood.
[ 4 ] Wir müssen also sagen: Der Materialismus hat nicht einmal vermocht, das in Wirklichkeit zu erkennen, was die materiellen Vorgänge im menschlichen Organismus sind, die sich auf das Herz beziehen. Er hat gerade das Materielle völlig mißverstanden. Das ist aber nur ein Beispiel für viele. Gerade das Materielle ist absolut unerklärt geblieben unter dem Einflusse des Materialismus. Das Herz ist keine Pumpe, sondern es ist etwas, was man eher ansehen kann als ein Sinnesorgan, das einzuschalten ist in den menschlichen Organismus, damit der Mensch in seinem Unterbewußtsein durch das Herz eine Art unterbewußtes Wahrnehmen hat von seiner Zirkulation, so wie man durch das Auge eine Wahrnehmung hat von den Farben der äußeren Welt. Das Herz ist im Grunde genommen ein in die Blutzirkulation eingeschaltetes Sinnesorgan. Von alledem wird das völlige Gegenteil heute gelehrt.
[ 4 ] We must therefore say: Materialism has not even been able to recognize, in reality, what the material processes in the human organism are that relate to the heart. It has completely misunderstood the material aspect. But this is just one example among many. It is precisely the material aspect that has remained completely unexplained under the influence of materialism. The heart is not a pump; rather, it is something that can be regarded more as a sensory organ integrated into the human organism, so that a person, in their subconscious, has a kind of subconscious perception of their circulation through the heart—just as one has a perception of the colors of the external world through the eye. The heart is, in essence, a sensory organ integrated into the blood circulation. Today, however, the exact opposite of all this is taught.
[ 5 ] Nun, das ist scheinbar ein recht in der Ecke stehendes Beispiel. Ich kann mir denken, daß mancher Philister heute geneigt ist zu sagen: Was soll das schon für Unheil anrichten, wenn die Menschen eine ganz falsche Ansicht über das Wesen des menschlichen Herzens haben! Eher wird man schon zugeben müssen, daß es eine ganz allgemein bedenkliche Bedeutung hat, wenn alle Ärzte eine falsche Ansicht über das Wesen des menschlichen Herzens haben. Denn ob die Ärzte eine richtige oder falsche Ansicht über das Herz haben, davon hängt doch vieles im menschlichen Leben ab. — Aber so ist es ja mit andern Dingen auch. Und dadurch, daß alle Dinge im Leben zusammenhängen, dadurch ist die Menschheit heute geradezu erfüllt von lauter verkehrten Gedanken, von ganz inversen Gedanken. Und man könnte glauben, wenn man nur wollte, daß das Hängen in verkehrten Gedanken nun überhaupt unser ganzes Denken ruiniert. Das tut es nämlich auch. Unser Denken wird gründlich ruiniert dadurch, daß wir uns auf den verschiedensten Gebieten gewöhnen, weil es uns eingepaukt wird von unserer Kindheit an, das Gegenteil von dem Wirklichen zu denken. Wir gewöhnen uns dadurch niemals ein sicheres, zielbewußtes Denken an. Denn wie kann ein zielbewußtes Denken herauskommen zum Beispiel im sozialen Leben, wenn man in den Dingen, wo vor allen Dingen die Wahrheit gesucht werden muß, auf dem entgegengesetzten Wege ist?
[ 5 ] Well, this seems to be a rather obscure example. I can imagine that some philistines today might be inclined to say: What harm could it possibly do if people have a completely wrong view of the nature of the human heart! Rather, one must admit that it has a generally alarming significance if all doctors have a false view of the nature of the human heart. For whether doctors have a correct or false view of the heart, much in human life depends on it. — But that’s how it is with other things as well. And because everything in life is interconnected, humanity today is downright filled with nothing but inverted thoughts, with completely reversed ideas. And one could believe, if one only wanted to, that this fixation on inverted thoughts is now ruining our entire way of thinking. For that is indeed what it does. Our thinking is thoroughly ruined by the fact that, in the most diverse fields, we become accustomed—because it is drummed into us from childhood onward—to thinking the opposite of what is real. As a result, we never develop a confident, purposeful way of thinking. For how can purposeful thinking emerge—for example, in social life—if, in matters where the truth must be sought above all else, we are following the opposite path?
[ 6 ] Aber sehen Sie, gewisse Dinge bleiben überhaupt heute dem Menschen verschlossen, die wichtig sind zu wissen. Wenn heute in den gebräuchlichen Anstalten, in den physiologischen, biologischen Laboratorien oder Kliniken oder sonstigen Anstalten der menschliche Organismus untersucht wird, so untersucht man, sagen wir, das Gehirn, indem man es Stück für Stück, so wie es zunächst ausschaut, analysiert, und man untersucht die Leber, indem man sie geradeso analysiert. Aber indem man das tut, sieht man niemals auf etwas, was ganz spezifisch ist für das Verständnis des Menschen. Unsere ganze heutige Hauptesorganisation und alles das, was von derselben beherrscht wird, ist etwas wesentlich anderes als unser übriger menschlicher Organismus.
[ 6 ] But you see, even today, certain things that are important to know remain completely hidden from people. When the human organism is examined today in standard institutions—in physiological and biological laboratories, clinics, or other facilities—one examines, say, the brain by analyzing it piece by piece, just as it appears at first glance, and one examines the liver by analyzing it in exactly the same way. But in doing so, one never looks at anything that is specifically relevant to understanding the human being. Our entire central nervous system today—and everything governed by it—is something fundamentally different from the rest of our human organism.
[ 7 ] Was da zugrunde liegt, will ich Ihnen auf folgende Weise zeigen: Es ist etwas, was Sie zeichnen können in der folgenden Weise. Ich will allmählich zu dem, was ich eigentlich sagen will, hinführen. Sie können sagen: Der Mensch hat zwei Wahrnehmungsorgane, deren Wahrnehmungsrichtungen etwa diese sind (siehe Zeichnung, a). Und in einem gewissen Verhältnis zu diesen Wahrnehmungsrichtungen stehen zwei andere Wahrnehmungsrichtungen, die, wenn ich sie schematisch zeichnen will, so zu zeichnen sind (b):
[ 7 ] I’d like to show you what underlies this in the following way: It’s something you can draw as shown below. I want to gradually lead up to what I actually want to say. You could say: Human beings have two organs of perception, whose directions of perception are roughly these (see drawing, a). And in a certain relationship to these directions of perception are two other directions of perception, which, if I were to draw them schematically, would look like this (b):


[ 8 ] Das sind vier Wahrnehmungsrichtungen, die der Mensch hat, deren Linien so verlaufen, wie ich es hier in dieser Weise aufgezeichnet habe.
[ 8 ] These are the four directions of perception that humans have, the lines of which run as I have depicted them here.
[ 9 ] Ich habe absichtlich nicht gesagt, wo am menschlichen Organismus diese Wahrnehmungsrichtungen liegen. Wenn ich hier nichts zeichne als zwei Richtungen (a), die man gewissermaßen ausstreckt und mit denen man wahrnimmt, und da zwei andere (b), durch die man seitlich wahrnimmt, so ist es völlig gleichgültig, ob das hier die Gefühls- oder Empfindungsrichtungen sind, die durch meine zwei Beine gehen, und ob das da die Gefühlsrichtungen sind, die durch meine Arme gehen. Da haben Sie etwas Zusammenstimmendes. Ich nehme gewissermaßen meine eigene Schwere wahr, indem ich mit meinen zwei Beinen auf dem Boden stehe. Da nehme ich wirklich etwas wahr. Und ich nehme etwas wahr jedesmal, wenn ich auch nichts berühre, wenn ich meine Hand, meinen Arm ausstrecke. Das kann ich so zeichnen (a). Aber ich kann auch etwas ganz anderes meinen mit derselben Zeichnung. Denken Sie sich, ich habe die Horizontale, dann kann ich mit diesen beiden Richtungen die beiden Augenachsen meinen, dann zeichne ich die beiden Augenachsen so hin. Und mit dieser Richtung (b) kann ich die Ohrenrichtung meinen, und ich kann dasselbe Schema für Augen- und Ohrenwahrnehmungen haben. Das eine Mal habe ich den ganzen Organismus, nur im rechten Winkel gedreht, im Kopfe, das andere Mal in dem übrigen Organismus drinnen. Von einem gewissen höheren Gesichtspunkte aus ist beides dasselbe. Unsere zwei Beine sind nur fleischgewordene Richtungen des Wahrnehmens, die wir in einer geistigeren Weise auch haben, indem sie sich vom Gehirn durch die Augen ausstrecken und da Farben wahrnehmen, während wir sonst die Schwere wahrnehmen und alles, was damit zusammenhängt. Wir sehen unser Gewicht und wir treten auf die Farben, könnten wir etwa sagen, wenn wir die beiden Dinge, aber ganz organisch, miteinander verwechseln wollten. Ich höre die Kreide, ich berühre das C oder Cis. Das ist nur ein gradueller Unterschied. Das, was da am Kopfe ist, ist im rechten Winkel gedreht, geistiger, das andere ist in der Vertikalebene und ist materiell. Aber beides geht zum Schluß auf dasselbe zurück. Nur von dem einen weiß ich, von dem, was meine Augen betreten an Farben, was meine Ohren berühren an Tönen, von dem weiß ich, das ist in meinem gewöhnlichen Bewußtsein. Von dem, was meine Beine sehen von den Verhältnissen der Schwere, und von dem, was meine Arme hören von allen andern Verhältnissen, die da in Betracht kommen, ist alles im Unterbewußtsein. Und das, was da im Unterbewußtsein ist, das sind die Verhältnisse des Kosmischen. Mit diesem ganzen Uhnterbewußtsein weiß ich das Kosmische, weiß ich das Verhältnis der Erde zu den andern Weltenkörpern, weiß ich dasjenige, was mit der Schwere universell zusammenhängt. Mit den Armen höre ich die Sphärenmusik, nicht natürlich mit den Ohren. So daß wir sagen können: Wir bestehen aus unserem sogenannten niederen Organismus, der ein unterbewußtes kosmisches Bewußtsein hat, und aus unserem Haupte, das ein irdisches Bewußtsein, aber eben ein «bewußtes» Bewußtsein hat. Auf diesen Unterschied ist die ganze menschliche Organisation hingebildet. Wie wir äußerlich gestaltet sind, das hängt durchaus ab von diesen Gegensätzen. Und Sie wissen ja: Das, was wir heute als Kopf an uns tragen, das ist der umgestaltete Leib aus der früheren Inkarnation, dem früheren Erdenleben, während unser jetziger übriger Organismus zum Kopf im nächsten Erdenleben wird. Diese Metamorphose machen wir von einem Erdenleben zum andern durch. Der Kopf ist daher der übrige umgestaltete Organismus. Der ist gewissermaßen mehr vollkommen, mehr fertig. Und weil er das ist, sind die Beine so fein geworden, daß sie sich als Sehfühlfäden aus den Augen heraus erstrecken, um da höchst beweglich auf die Farben zu treten. Die Arme des vorigen Lebens sind so ätherisch geworden, daß sie sich jetzt bei den Ohren herauserstrecken und die Töne berühren.
[ 9 ] I deliberately did not specify where in the human organism these directions of perception are located. If I draw here nothing more than two directions (a)—which one extends, so to speak, and through which one perceives—and there two others (b)—through which one perceives laterally—then it is completely irrelevant whether these are the directions of sensation or feeling that run through my two legs, and whether those are the directions of sensation that run through my arms. There you have something that corresponds. I perceive, so to speak, my own weight by standing on the ground with my two legs. There I am truly perceiving something. And I perceive something every time I extend my hand or arm, even if I’m not touching anything. I can draw that like this (a). But I can also mean something entirely different with the same drawing. Imagine I have the horizontal line; then I can use these two directions to represent the two eye axes, and I’ll draw the two eye axes like this. And with this direction (b), I can refer to the direction of the ears, and I can use the same pattern for perceptions involving the eyes and ears. In one case, I have the entire organism—merely rotated at a right angle—in my mind; in the other, it is located within the rest of the organism. From a certain higher perspective, both are the same. Our two legs are merely directions of perception made flesh, which we also possess in a more spiritual sense, as they extend from the brain through the eyes and perceive colors there, while otherwise we perceive gravity and everything associated with it. We see our weight and we step on the colors, we might say, if we wanted to confuse the two things—but in a completely organic way. I hear the chalk; I touch the C or C-sharp. That is only a gradual difference. What is up there in the head is turned at a right angle, more spiritual; the other is in the vertical plane and is material. But in the end, both boil down to the same thing. I am aware only of the one—of the colors my eyes perceive, of the sounds my ears hear—that is within my ordinary consciousness. As for what my legs perceive regarding the relationships of gravity, and what my arms perceive regarding all other relationships that come into play, all of that is in the subconscious. And what is in the subconscious are the relationships of the cosmic. Through this entire subconscious, I know the cosmic; I know the relationship of the Earth to the other celestial bodies; I know that which is universally connected to gravity. With my arms I hear the music of the spheres—not, of course, with my ears. So we can say: We consist of our so-called lower organism, which possesses a subconscious cosmic consciousness, and of our head, which possesses an earthly consciousness—but specifically a “conscious” consciousness. The entire human organization is shaped around this distinction. How we are physically formed depends entirely on these opposites. And as you know: what we carry today as our head is the transformed body from our previous incarnation, our previous earthly life, while the rest of our current organism will become the head in our next earthly life. We undergo this metamorphosis from one earthly life to the next. The head is therefore the remaining, transformed organism. It is, so to speak, more perfect, more complete. And because it is so, the legs have become so delicate that they extend from the eyes as threads of sight and feeling, in order to step with the utmost agility upon the colors. The arms of the previous life have become so ethereal that they now extend from the ears and touch the sounds.
[ 10 ] Nehmen Sie einmal diese konkreten Erkenntnisse des Menschen. Es ist ja gar nichts damit getan, wenn die Leute wissen, es gibt wiederholte Erdenleben und so weiter. Das sind schließlich Dogmen, und da ist es gleich, ob man Dogmen der katholischen oder evangelischen Kirche hat, oder ob man das Dogma von der Wiederholung der Erdenleben hat. Es beginnt das eigentliche Denken erst dann, wenn man in die konkreten Ereignisse eintritt, erst wenn man begreifen kann: Du schaust das menschliche Haupt an, da siehst du es als Umgestaltung deines Leibes aus dem vorigen Erdenleben, den du dir allerdings hauptlos denken mußt, denn das vorige Haupt ist die Umgestaltung eines Leibes in einem noch früheren Erdenleben. Aber in dem, was du jetzt als Haupt siehst, siehst du den umgestalteten Organismus des früheren Erdenlebens. Und was du jetzt siehst als übrigen Organismus, darin siehst du, was im nächsten Leben zum Haupte werden wird, wo sich die Arme so metamorphosiert haben werden, daß sie zu Ohren geworden sind, und die Beine sich so metamorphosiert haben werden, daß sie zu Augen geworden sind. Erst dann, wenn man so hineinschaut in das Materielle und es in seiner geistigen Umwandlung begreift, wenn man den Geist so hat, daß er in das Materielle hineinleuchten kann, dann erst ist dasjenige da, was die Menschheit heute notwendig braucht. Und erst wenn man den menschlichen Geist so organisiert hat, daß er nicht solche Torheiten verkündet, wie sie verkündet worden sind, namentlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als mögliche soziale Anschauungen, erst dann ist man wirklich reif dazu, solche sozialen Anschauungen zu gewinnen, die als Wirklichkeiten in die Welt hineingetragen werden können. Es ist heute notwendig, daß dieses gründlich durchschaut werde. Es ist eine ernste Angelegenheit, daß sich heute die Leute sagen: Dasjenige, was verehrt wird als die Wissenschaft, die sich heraufgebildet hat, das, was verkündet wird überall, das muß durch etwas anderes ersetzt werden. Es geht gar nicht anders.
[ 10 ] Consider, for a moment, these concrete insights gained by human beings. After all, it accomplishes nothing if people simply know that there are repeated earthly lives and so on. These are, after all, dogmas—and it makes no difference whether one holds to the dogmas of the Catholic or Protestant Church, or whether one holds to the dogma of repeated earthly lives. True thinking begins only when one delves into concrete events, only when one can grasp: You look at the human head, and there you see it as the transformation of your body from your previous earthly life—which you must, of course, imagine as headless, for that previous head is itself the transformation of a body from an even earlier earthly life. But in what you now see as the head, you see the transformed organism of the previous earthly life. And in what you now see as the rest of the organism, you see what will become the head in the next life—where the arms will have metamorphosed into ears, and the legs will have metamorphosed into eyes. Only when one looks into the material world in this way and comprehends it in its spiritual transformation—when one possesses a spirit capable of shedding light upon the material world—only then is what humanity needs today truly present. And only when the human spirit has been organized in such a way that it no longer proclaims such follies as were proclaimed—particularly in the second half of the 19th century—as possible social views, only then is one truly ready to gain social views that can be brought into the world as realities. It is necessary today that this be thoroughly understood. It is a serious matter that people today are saying to themselves: What is revered as the science that has developed, what is proclaimed everywhere—that must be replaced by something else. There is simply no other way.
[ 11 ] Es ist ein Unsinn, wie ich neulich auch in einem öffentlichen Vortrage sagte, von der Errichtung von Volkshochschulen zu reden und zu glauben, man könne das, was getrieben wird heute in unseren gewöhnlichen Hochschulen, in die Volkshochschulen verpflanzen. Das, was an unseren Hochschulen getrieben wird, das hat uns ja in diese Katastrophen hineingetrieben, weil es die wenigen führenden Persönlichkeiten als ihre materialistische Grundgesinnung gehabt haben; nun soll es in die ganzen Massen hineingetragen werden, das heißt, es sollen Millionen hineinreiten in die Katastrophen, in die sie hineingeritten worden sind durch eine falsche geistige Führung von wenigen. Was für wenige nichts taugt, soll jetzt für viele ausgestreut werden. So bequem geht es doch nicht mit der Verbreitung der Volksbildung, daß man das, was an Universitäten lebt, einfach hinausträgt, denn dadurch trägt man hinaus, was für den Menschen überhaupt ungeeignet ist. Das klingt heute radikal, aber es gehört zu dem Allernotwendigsten, daß das unbedingt durchschaut wird,wenn man nur im Entferntesten daran denkt, daß der Niedergang nicht weiterrollen soll, sondern daß ein Aufbau zustande kommen soll.
[ 11 ] It is nonsense—as I also said recently in a public lecture—to talk about establishing adult education centers and to believe that what is being done today in our regular universities can be transplanted into those centers. What is being done at our universities is precisely what has driven us into these catastrophes, because it has been the fundamental materialistic mindset of a few leading figures; now it is to be carried out among the masses—that is, millions are to be led into the catastrophes into which they were led by the false intellectual guidance of a few. What is of no use to a few is now to be spread among the many. The dissemination of public education is not as simple as just carrying out what exists at universities, for in doing so, one is spreading what is fundamentally unsuitable for human beings. This may sound radical today, but it is absolutely essential to see through this if one even remotely considers that the decline should not be allowed to continue, but that a process of rebuilding must take place.
[ 12 ] Das ist es, wovon man möchte reden können in Worten, die wirklich die Herzen ergreifen. Es müssen möglichst viele Herzen ergriffen werden von diesen konkreten Wahrheiten. Deshalb war es mir ein solches Bedürfnis, in öffentlichen Vorträgen darauf hinzuweisen, wie wir es doch schon dazu gebracht haben in unserer Waldorfschule, daß in einzelnen Zweigen Anthroposophie positiv hineingetragen wurde in den Geschichtsunterricht. Ebensogut konnte ich auch den anthropologischen Unterricht in der fünften Klasse erwähnen, wo auch Anthroposophie wirkte, wirkte, nicht indem man den Kindern Anthroposophie lehrt — das würde uns nicht einfallen —, sondern indem man belebt den Unterricht durch das, was aus der Anthroposophie kommt, indem man Anthroposophie in den Unterrichtsstoff einfließen läßt. Das wirkt weckend auf die Seelen der Kinder; sie werden ganz anders durch diese Einflüsse. Es wäre eine Bequemlichkeit, wenn man Anthroposophie in den Schulen einfach lehren wollte. Darauf kommt es wahrhaftig nicht an, sondern darauf, daß man dasjenige, was man lehrt, den Kindern zu beleben versteht durch Anthroposophie. Dazu allerdings muß die Anthroposophie in einem selbst völlig lebendig werden, und das ist ja etwas, was so unendlich schwierig geht: daß die Anthroposophie lebendig wird in den Menschen. Denn es wäre heute schon möglich in einer gewissen Beziehung, daß die mannigfaltigsten Zweige nicht etwa nur der Wissenschaft, sondern ich sage geradezu: die mannigfaltigsten Zweige des Lebens durchdrungen wären von dem, was durch das Leben in der Anthroposophie kommen kann.
[ 12 ] That is what we would like to be able to talk about in words that truly touch people’s hearts. As many hearts as possible must be moved by these concrete truths. That is why I felt such a strong need to point out in public lectures how we have already managed, in our Waldorf school, to positively incorporate anthroposophy into history lessons in certain subjects. I could just as well have mentioned the anthropology lessons in the fifth grade, where anthroposophy also had an effect—not by teaching anthroposophy to the children—that would never occur to us—but by enlivening the lessons with what comes from anthroposophy, by allowing anthroposophy to flow into the curriculum. This has a stimulating effect on the children’s souls; they are transformed by these influences. It would be too easy simply to teach anthroposophy in schools. That is truly not the point; rather, the point is to know how to bring to life what is being taught to the children through anthroposophy. To do this, however, anthroposophy must become fully alive within oneself, and that is something that is so infinitely difficult: for anthroposophy to come alive in people. For it would already be possible today, in a certain sense, for the most diverse branches—not merely of science, but, I would go so far as to say, the most diverse branches of life—to be permeated by what can come through life in anthroposophy.
[ 13 ] Das ist so eine allgemeine Betrachtung. Ich will eine spezielle Betrachtung daran knüpfen, aus der Sie werden ersehen können, wie die Dinge zusammenhängen, die hier in Betracht kommen.
[ 13 ] That is a general observation. I would like to follow up with a specific analysis from which you will be able to see how the various factors under consideration here are connected.
[ 14 ] Sie wissen Ja, in der heute weitverbreiteten marxistischen Weltanschauung und Lebensauffassung, die ihren radikalen Ausdruck in dem weltzerstörenden Leninismus und Trotzkismus findet, in dieser marxistischen Lebensauffassung spielt eine große Rolle die Anschauung, die man die «materialistische Geschichtsauffassung» nennt, und namentlich das Dogma von der grundlegenden Wirkung der Produktionsverhältnisse. Es ist ein Dogma, zu dem heute Millionen von Menschen aus dem Proletariat sich bekennen, das Dogma, daß dasjenige, was Sitte, Recht, Wissenschaft, Religion und so weiter ist, etwas ist, was wie ein Rauch, wie eine Ideologie — Sie können in den «Kernpunkten» Genaueres darüber nachlesen — aufsteigt aus den Produktionsverhältnissen, während die Produktionsverhältnisse das einzig Wirkliche wären, dasjenige, was man in der Geschichtsbetrachtung zugrunde zu legen habe.
[ 14 ] You know, in the Marxist worldview and philosophy of life that is widespread today—and which finds its most radical expression in the world-destroying ideologies of Leninism and Trotskyism—the so-called “materialist conception of history” plays a major role, particularly the dogma of the fundamental influence of the relations of production. It is a dogma to which millions of people from the proletariat subscribe today—the dogma that what constitutes customs, law, science, religion, and so on is something that, like smoke, like an ideology — you can read more about this in the “Key Points” — while the relations of production are the only reality, the basis upon which one must ground one’s view of history.
[ 15 ] Ich hielt es von ganz besonderer Wichtigkeit seinerzeit — und eigentlich hängt das zusammen mit meiner ganzen Meinung, daß ich etwas habe tun können in der Berliner Arbeiter-Bildungsschule, von dem man hätte ausgehen können —, in proletarischen Kreisen über diese Anschauung von der alleinigen Wirksamkeit der Produktionsverhältnisse im menschlichen Werdegang aufklärend zu sprechen, und ich habe daher nicht materialistische Geschichtsauffassung, sondern die Wahrheit zu verkünden versucht. Das war dann ja auch der Grund, warum ich herausgeworfen wurde, weil das geradeso damals den Führern widerstrebt hat wie jetzt die Idee der Dreigliederung, weil tatsächlich innerhalb der sozialistischen Bewegung dazumal und heute noch ein viel blinderes Autoritätsgefühl und Autoritätsglaube war und ist als in der Katholischen Kirche.
[ 15 ] At the time, I considered it of particular importance—and this is actually connected to my overall belief that I was able to accomplish something at the Berlin Workers’ Educational School that could have served as a starting point—to speak in an enlightening manner in proletarian circles about this view of the sole influence of relations of production on human development, and I therefore sought to proclaim not a materialist conception of history, but the truth. That was, in fact, the reason why I was expelled—because at that time it was just as repugnant to the leaders as the idea of the threefold social order is today—since, in fact, within the socialist movement back then and even today, there was and is a much more blind sense of authority and belief in authority than there is in the Catholic Church.
[ 16 ] Aber Sie sehen, dasjenige, um was es sich gerade handelt, das ist, zu durchschauen, richtig zu durchschauen, wie die Dinge auch sozial in der Welt zusammenhängen. Wer eine richtige Einsicht gewinnt in das, was ich angedeutet habe in meinem Buche «Von Seelenrätseln» als die naturgegebene Dreigliederung des menschlichen Organismus, wer diese Gliederung des Menschen in den Nerven-Sinnesorganismus, den rhythmischen Organismus und den Stoffwechselorganismus versteht, der denkt so, daß er dieses Denken dann auch auf das soziale Leben anwenden kann. Wenn man so etwas tut, so kommen die Toren von heute und sagen: Du machst Analogien; weil der menschliche Leib dreigegliedert ist, gliederst du auch den sozialen Organismus. — Das ist Unsinn! Das tun die «Kernpunkte» gewiß nicht, da wird nicht mit Analogien gearbeitet. Es wird bloß gesagt, daß, wenn einer sein Denken aus den spanischen Stiefeln herauskriegt, in die es durch die heutige Gelehrsamkeit und namentlich das heutige öffentliche Leben eingeschnürt ist, er dieses Denken dadurch, daß es auf Wirklichkeitsgemäßes kommt im menschlichen Organismus, so weit frei bekommt, daß er auch im Sozialen ordentlich denken kann, während das Denken, das das Gehirn des Menschen neben die Leber legt und alles als gleiche Substanzen untersucht, niemals zu einer vernünftigen Einsicht kommen kann.
[ 16 ] But you see, what this is really about is seeing through—truly seeing through—how things are interconnected in the world, even in a social sense. Anyone who gains a true insight into what I have indicated in my book The Mysteries of the Soul as the natural threefold structure of the human organism—anyone who understands this division of the human being into the nervous-sensory organism, the rhythmic organism, and the metabolic organism—thinks in such a way that they can then apply this way of thinking to social life as well. When one does something like this, the fools of today come along and say: “You’re drawing analogies; because the human body is tripartite, you’re also dividing the social organism.” — That’s nonsense! The “Key Points” certainly do not do that; they do not work with analogies. They merely state that if a person can free their thinking from the straitjacket into which it has been constrained by contemporary scholarship and, in particular, by contemporary public life, he frees that thinking—by grounding it in what corresponds to reality within the human organism—to such an extent that he can also think properly in the social sphere, whereas thinking that places the human brain alongside the liver and examines everything as identical substances can never arrive at a reasonable understanding.
[ 17 ] Wenn man so äußerlich Analogien bilden würde, dann würde man sagen: Wir haben die Dreigliederung des sozialen Organismus und die Dreigliederung des menschlichen Organismus. Der Kopf ist das geistige Organ, also muß man es vergleichen mit dem geistigen Leben des dreigliedrigen Organismus; das rhythmische System, das bringt Einklang zwischen den verschiedenen Funktionen als Herztätigkeit, als Atmungstätigkeit — also Rechtsteil des sozialen Organismus; den Stoffwechsel, das Gröbste, Materiellste, dasjenige, worauf der Mystiker mit einer gewissen Verachtung herabsieht, trotzdem auch er erklärt, daß er essen und trinken muß, den vergleicht man mit dem wirtschaftlichen Leben.
[ 17 ] If one were to draw such external analogies, one would say: We have the threefold structure of the social organism and the threefold structure of the human organism. The head is the spiritual organ, so it must be compared to the spiritual life of the threefold organism; the rhythmic system, which brings harmony between the various functions such as heart activity and respiratory activity—that is, the right side of the social organism; metabolism, the coarsest and most material aspect, the very thing upon which the mystic looks down with a certain disdain, even though he, too, acknowledges that he must eat and drink—this is compared to the economic life.
[ 18 ] Das ist aber nicht so! Ich habe öfter darauf aufmerksam gemacht bei andern Gelegenheiten, daß die Dinge eben in Wirklichkeit anders liegen, als man nach bloßen Analogien glaubt, daß man zum Beispiel nicht sagen kann, die Sommerzeit lasse sich mit dem Wachzustand der Erde vergleichen und die Winterzeit mit dem Schlafzustand. Die Wahrheit ist eine andere. Im Sommer schläft die Erde, im Winter wacht sie. Das habe ich ja in seinen Einzelheiten ausgeführt.
[ 18 ] But that is not the case! I have often pointed out on other occasions that, in reality, things are different from what one might believe based on mere analogies—for example, one cannot say that summertime can be compared to the Earth’s waking state and wintertime to its sleeping state. The truth is different. In summer, the Earth sleeps; in winter, it is awake. I have, in fact, explained this in detail.
[ 19 ] Aber so ist es auch, wenn man auf die Wirklichkeit und nicht auf Analogien geht, bei dem Vergleichen des sozialen Organismus mit dem menschlichen Organismus. Da muß man vergleichen just das Wirtschaftsleben im sozialen Organismus mit der menschlichen Kopftätigkeit; dasjenige, was Rechtsleben ist, das muß man allerdings — weil es das Mittlere ist, so haben sich die Leute auch nicht geirrt bei der Analogie — mit der rhythmischen Tätigkeit vergleichen. Aber das Geistesleben, das muß man vergleichen mit dem Stoffwechsel. Also das Wirtschaftsleben ist zu vergleichen mit den geistigen Organen, das geistige Leben im sozialen Organismus mit den Stoffwechselorganen. Da hilft nichts. Das Wirtschaftsleben ist der Kopf des sozialen Organismus, und das geistige Leben ist Magen, Leber und Milz für den sozialen Organismus, nicht für den einzelnen individuellen Menschen. Das ist natürlich wieder viel zu unbequem, wenn man in spanischen Stiefeln steckt, daß man zu unterscheiden hat das soziale Leben und das Leben des einzelnen, des individuellen Menschen.
[ 19 ] But this is also true when one focuses on reality rather than on analogies when comparing the social organism to the human organism. There, one must compare economic life in the social organism with human mental activity; as for legal life, one must—because it occupies the middle ground, which is why people were not mistaken in drawing the analogy—compare it with rhythmic activity. But spiritual life must be compared to metabolism. Thus, economic life is to be compared to the spiritual organs, and spiritual life in the social organism to the metabolic organs. There’s no getting around it. Economic life is the head of the social organism, and spiritual life is the stomach, liver, and spleen of the social organism—not of the individual human being. Of course, this is once again far too inconvenient when one is stuck in Spanish boots—that one must distinguish between social life and the life of the individual human being.
[ 20 ] Hier kommt es abermals darauf an, durch Geisteswissenschaft vorbereitet auf die Wirklichkeit hinzusehen und nicht Analogien und vertrackteSymbolistik zu treiben. Dann kommt man schon auf mancherlei wichtige Dinge. Man kommt zum Beispiel darauf, daß man sich sagen kann: Ja, dann aber muß ja das Wirtschaftsleben, wenn es eigentlich der Kopf ist im sozialen Organismus, so wie der menschliche Kopf von dem übrigen Organismus zehren. Dann kann man nicht sagen, Sittlichkeit, Erkenntnis, religiöses Leben sei eine Ideologie, die aufsteigt aus dem Wirtschaftsleben. Nein, ganz im Gegenteil! Das Wirtschaftsleben ist etwas, was abhängt von dem geistigen Leben, vom Stoffwechsel des sozialen Organismus, wie der menschliche Kopf abhängt vom Atmen, von Magen und Leber und Milz. Dann kommt man darauf, einzusehen, daß das Wirtschaftsleben dasjenige ist, was aufsteigt aus dem geistigen und religiösen Leben. Wenn der Mensch keinen Magen hätte, könnte er keinen Kopf haben. Gewiß könnte er auch keinen Magen haben, wenn er keinen Kopf hätte, aber schließlich wird der Kopf vom Magen genährt, und ebenso wird unterhalten das Wirtschaftsleben vom geistigen Leben und nicht umgekehrt. Daher ist das ein Irrwahn, ein furchtbarer Aberglaube, der heute sich als sozialistische Theorie über die ganze zivilisierte Welt zu verbreiten droht, weil niemand darauf bedacht war in den letzten Jahrhunderten, die Wahrheit zu erforschen, sondern jeder nur aus den Emotionen heraus dasjenige als Wahrheit verkündigte, was ihm nach seiner Klasse und nach seinem Standpunkt angemessen war. Jetzt erst sieht man ein, welcher Irrwahn es ist, die Produktionsverhältnisse als die Grundlage für das geschichtliche Geschehen anzusehen. Denn man kommt jetzt darauf, wirklich die Tatsachen zu vergleichen, nicht Analogien zu verbreiten. Man schaut jetzt in der richtigen Weise hin und sieht ein, daß, wenn der Stoffwechsel untergraben wird im menschlichen Organismus, der Kopf leidet, daß also jedesmal, wenn das Ethische, das Religiöse, das Erkenntnisleben untergraben wird, im sozialen Organismus nicht ein gesunder Stoffwechsel wirkt und das Wirtschaftsleben dann zugrunde gehen muß. Vom Wirtschaftsleben hängt gar nichts ab, sondern primär hängt alles ab von Anschauungen, von Ideen, von dem geistigen Leben der Menschen.
[ 20 ] Here, once again, it is essential to look at reality with a mind prepared by spiritual science, rather than resorting to analogies and convoluted symbolism. Then one can discover all sorts of important things. For example, one comes to realize that one can say: Yes, but if economic life is truly the head of the social organism, then it must, just as the human head does, draw sustenance from the rest of the organism. Then one cannot say that morality, knowledge, and religious life are an ideology that arises from economic life. No, quite the opposite! Economic life is something that depends on spiritual life, on the metabolism of the social organism, just as the human head depends on breathing, on the stomach, liver, and spleen. Then one comes to realize that economic life is what arises from spiritual and religious life. If a person had no stomach, he could have no head. Of course, they could not have a stomach either if they had no head, but ultimately the head is nourished by the stomach, and in the same way, economic life is sustained by spiritual life—and not the other way around. Therefore, it is a delusion—a terrible superstition—that today threatens to spread throughout the entire civilized world as socialist theory, because no one in recent centuries has been concerned with seeking out the truth; rather, everyone has simply proclaimed as truth, out of emotion, whatever suited them according to their class and their point of view. Only now do people realize what a delusion it is to regard the relations of production as the foundation of historical events. For people are now beginning to truly compare the facts, rather than propagate analogies. People are now looking at things in the right way and realizing that when metabolism is undermined in the human organism, the mind suffers; that is, whenever the ethical, the religious, and the life of knowledge are undermined, a healthy metabolism does not function in the social organism, and economic life must then collapse. Nothing depends on economic life at all; rather, everything depends primarily on worldviews, on ideas, on the spiritual life of human beings.
[ 21 ] Und so wie unser Kopf eigentlich fortwährend stirbt — ich habe das in andern Vorträgen ausgeführt —, so wie wir unseren Kopforganismus nur dadurch unterhalten, daß er in fortwährendem Absterben ist, gegen das sich der übrige Organismus auflehnt, so ist es mit dem Wirtschaftsleben. Das Wirtschaftsleben ist dasjenige, welches den geschichtlichen Fortgang der Menschheit fortwährend zum Absterben bringt, das nicht etwa das übrige aus sich hervortreibt, sondern nur den Tod von allem hervorbringt. Und dieser Tod muß fortwährend wieder ausgeglichen werden durch dasjenige, was im geistigen Organismus hervorgebracht wird. Also gerade das Umgekehrte ist wahr. Wer im materialistischen Sinne behauptet, das Wirtschaftsleben sei die Grundlage von dem, was fortschreitet, sagt nicht das Wahre. Die Wahrheit ist, daß das Wirtschaftsleben die Grundlage dessen ist, was immer wiederum in Etappen abstirbt und dessen Absterben vom Geiste aus ausgeglichen werden muß. So vorzugehen, wie jetzt in Rußland vorgegangen wird, bedeutet, der Welt zum Absterben zu verhelfen. Es gibt keine andere Möglichkeit, wenn man in dieser Weise fortarbeitet, als der Welt zum Absterben zu verhelfen, aus dem einfachen Grunde, weil in dem, was man da verrichtet, die Gesetzmäßigkeit des Absterbens drinnen liegt.
[ 21 ] And just as our mind is, in fact, constantly dying—as I have explained in other lectures—just as we sustain our mental organism only because it is in a state of constant dying, against which the rest of the organism rebels, so it is with economic life. Economic life is that which continually brings about the withering away of humanity’s historical progress; it does not drive the rest out of itself, but merely brings about the death of everything. And this death must continually be counterbalanced by that which is brought forth within the spiritual organism. Thus, the exact opposite is true. Anyone who claims, in a materialistic sense, that economic life is the foundation of what progresses is not speaking the truth. The truth is that economic life is the foundation of that which repeatedly dies in stages, and whose death must be counterbalanced by the spirit. To proceed as is currently being done in Russia means to help the world die. If one continues to work in this manner, there is no other possibility than to help the world die, for the simple reason that the law of decay is inherent in what is being done there.
[ 22 ] Sie sehen, welche sozial eminent wichtigen Dinge hier vorliegen. Das war es, was ich immer wieder in den verschiedensten Tönen versuchte, seit den zwei Jahrzehnten, seitdem Anthroposophie unter uns getrieben wird, durch die verschiedenen Vorträge durchleuchten zu lassen und klarzumachen, daß es sich bei uns wahrhaftig nicht darum handelt, eine innere seelisch-wollüstige Weltauffassung und Lebensanschauung, eine Art geistigen Snobismus zu kultivieren, sondern daß es sich handelt um dasjenige, was das Zeitalter als seinen wichtigsten Impuls braucht.
[ 22 ] You can see what socially significant issues are at stake here. This is what I have been trying to convey time and again, in a variety of ways, for the past two decades, since anthroposophy has been practiced among us, to shed light on this through various lectures and to make it clear that for us it is truly not a matter of cultivating an inner, spiritually self-indulgent worldview and outlook on life—a kind of spiritual snobbery—but rather of addressing what the age needs as its most important impulse.
[ 23 ] Ich wollte dies heute noch einmal vor Ihnen aussprechen in einer wieder etwas andern Form, zusammenhängend mit verschiedenen Dingen, die uns aufklären können über das Wesen des Menschen, weil es jetzt wichtig ist, daß diejenigen, die als Freunde unserer anthroposophischen Bewegung sich bekennen, den Zusammenhang dieser anthroposophischen Bewegung mit dem, was sonst jetzt unter uns vorgeht, einsehen.
[ 23 ] I wanted to speak about this once again today in a slightly different way, in connection with various matters that can shed light on the nature of the human being, because it is now important that those who profess to be friends of our anthroposophical movement understand the connection between this anthroposophical movement and what else is currently taking place among us.
[ 24 ] Es ist ja, da jetzt oftmals alles in einer recht entstellten Form besprochen wird, was von mir oder andern Freunden ausgeht, es ist ja schwer, einer großen, auch anthroposophischen Versammlung so ganz frei die Dinge zu sagen, aber es muß, weil man ja keine andere Gelegenheit hat, im engeren Kreise so ohne weiteres zu sprechen, und weil über die Dinge gesprochen werden muß, auf einiges aufmerksam gemacht werden. Wir müssen uns dessen bewußt sein, besonders hier in Stuttgart, daß dasjenige, woran wir gehangen haben seit zwei Jahrzehnten als anthroposophischer Bewegung, eben doch in ein neues Stadium getreten ist, und daß wir dadurch, wenn wir es ehrlich meinen mit dieser Bewegung, die Verpflichtung auf uns genommen haben, mitzugehen mit diesem Umschwung, uns anzupassen diesem Umschwung. Sie müssen das nur ordentlich erfassen, daß, indem durch unsere Freunde Molt, Kühn, Unger, Leinhas und einige andere hier der Versuch unternommen worden ist, praktisch die Konsequenz der anthroposophischen Lebensauffassung zu ziehen, daß dadurch eben etwas geschehen ist, was uns alle angeht, was uns alle so angeht, daß wir uns dafür interessieren müssen in unserem ganzen Verhalten. Es ist so, daß bis dahin eigentlich — fassen wir das nur ganz scharf ins Auge — die anthroposophische Bewegung eine Weltenströmung war. Eine geistige Weltenströmung ist eben etwas Geistiges. Etwas Geistiges, das geht seinen Weg. Es mögen sich Cliquen bilden, es mögen sich noch so verwerfliche kleine Zusammenrottungen bilden, die persönliche und was weiß ich welche Interessen noch haben, selbst über einen solchen Un-«Rat» wie den Max Seiling kann eine geistigeBewegung hinweggehen. Man muß es ja natürlich in dieser oder jener Weise richtig behandeln, aber so lange es sich um eine bloß geistige Bewegung handelt, kann darüber hinweggegangen werden. Aber nun haben wir doch drei Dinge herausgebildet aus dieser geistigen Bewegung.
[ 24 ] Since everything that comes from me or other friends is often discussed in a rather distorted way these days, it is indeed difficult to speak quite freely to a large gathering—even an anthroposophical one—but because we have no other opportunity to speak so freely in a smaller circle, and because these matters must be discussed, certain points must be brought to your attention. We must be aware—especially here in Stuttgart—that what we have held dear for two decades as the anthroposophical movement has indeed entered a new stage, and that, if we are sincere about this movement, we have thereby taken upon ourselves the obligation to go along with this shift and adapt to it. You simply need to grasp this clearly: the fact that our friends Molt, Kühn, Unger, Leinhas, and a few others here have attempted to draw the practical consequences of the anthroposophical view of life means that something has happened that concerns us all—so deeply that we must take it into account in our entire conduct. The fact is that up until then—let’s just take a very clear look at this—the anthroposophical movement was a world current. A spiritual world movement is, after all, something spiritual. Something spiritual goes its own way. Cliques may form; even the most reprehensible little cliques may form, with their personal and who-knows-what other interests; a spiritual movement can even rise above such a “misguided” figure as Max Seiling. Of course, one must deal with it properly in one way or another, but as long as it is merely a spiritual movement, it can be overlooked. But now we have, after all, distilled three things from this spiritual movement.
[ 25 ] Das erste war dasjenige, was sich an meinen Aufruf vom vorigen Jahr angeschlossen hat. Das ist übergegangen in die ja heute noch fragwürdige Dreigliederungsbewegung, in den Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus, der eigentlich dasjenige, was gewollt worden ist, bis jetzt auch nicht in annähernder Weise hat erreichen können. Denn das, was mit dem Aufruf gemeint war, ist ja in einem gewissen Sinne abgelehnt worden, und es wäre gut, wenn ein vollständiges Bewußtsein davon vorhanden wäre, daß es abgelehnt worden ist, daß das wenigste davon erfüllt ist, was mit diesem Aufruf gemeint war.
[ 25 ] The first was the one that followed my appeal from last year. This evolved into the Threefold Social Order Movement—which is still questionable today—and the League for the Threefold Social Order, which, in fact, has not yet been able to come even close to achieving what was originally intended. For what was intended by the appeal has, in a certain sense, been rejected, and it would be good if there were a full awareness that it has been rejected, that not even the slightest part of what was intended by this appeal has been fulfilled.
[ 26 ] Ich bin dadurch selbstverständlich zu manchem genötigt. Als zum Beispiel in Dornach die Idee auftrat, man solle einen weiteren Aufruf machen, der im internationalen Leben klarmachen würde, was Dornach der Welt bedeutet, da mußte ich den Freunden klarmachen: Ja, draußen im gewöhnlichen Leben, das aber jetzt seinem Zusammenbruche entgegengeht, da ist man gewöhnt, Aufruf an Aufruf, Programm an Programm herauszusetzen. Das kann man nicht aus der anthroposophischen Bewegung heraus. Da handelt es sich darum, einzusehen, daß es in einer gewissen Weise im höchsten Grade ungesund ist, wenn irgend etwas gemacht wird, was nicht gelingt. Da handelt es sich darum, daß man tatsächlich in der allerpräzisesten Weise die Chancen des Gelingens ins Auge faßt, daß man nicht bloß das, was einem gerade einfällt, tut, sondern daß man nur das tut, was gelingen kann. Deshalb sagte ich dazumal das Wort, das wichtig ist und das ich bitte zu erwägen: Es wird mir nicht einfallen, in einer ähnlichen Weise wiederum einen Aufruf zu machen, denn ein zweites Mal darf nicht mit einem Aufruf dasselbe geschehen, was mit dem ersten geschehen ist. — Ich konnte hier noch geschehen lassen den Kulturratsaufruf, der nicht von mir selbst gemacht worden ist, aber man muß sich klar sein, daß die Dinge anfangen, ungeheuer viel ernster zu sein, als der Mensch heute geneigt ist, sie aufzufassen, wenn etwas wie die anthroposophische Bewegung im Hintergrunde ist.
[ 26 ] This naturally compels me to do certain things. For example, when the idea arose in Dornach that we should issue another appeal to make clear to the international community what Dornach means to the world, I had to explain to my friends: Yes, out there in ordinary life—which is now heading toward collapse—people are accustomed to issuing appeal after appeal, program after program. But that cannot be done from within the anthroposophical movement. The point here is to realize that, in a certain sense, it is extremely unhealthy to do anything that is not likely to succeed. The point is to assess the chances of success in the most precise way possible—not merely to do whatever happens to come to mind, but to do only what can succeed. That is why I said at the time—and this is important, and I ask you to consider it—that it will not occur to me to issue another appeal in a similar manner, for what happened with the first appeal must not happen a second time. — I could still allow the Cultural Council’s appeal—which I did not initiate myself—to take place here, but one must be clear that things are beginning to be far more serious than people today are inclined to perceive them when something like the anthroposophical movement is in the background.
[ 27 ] Nun haben wir drei Dinge gewissermaßen herausgebildet aus der anthroposophischen Bewegung, von denen jedes etwas ganz anderes darstellt:
[ 27 ] We have now, so to speak, identified three aspects of the anthroposophical movement, each of which represents something entirely different:
[ 28 ] Die Dreigliederung aus jenem Aufruf — wir müssen daran arbeiten, denn sie wird zum Teil abgelehnt; das zweite Glied ist die Waldorfschule; das dritte die finanzielle, kommerzielle, industrielle Unternehmung «Der Kommende Tag».
[ 28 ] The three-part structure outlined in that appeal—we must work on it, because it is partly rejected; the second part is the Waldorf School; the third is the financial, commercial, and industrial enterprise “Der Kommende Tag.”
[ 29 ] Nun bin ich in früheren Zeiten, als wir nur die anthroposophische Bewegung hatten — ich spreche heute nur von Stuttgart —, hierhergekommen nach Stuttgart, da war ich ja vielleicht drei bis vier Tage da, aber Sie wissen, mit wievielen Menschen ich immer einzeln sprechen konnte. Das alles waren Dinge, die, wie jetzt der Erfolg zeigt, von einer gewissen Bedeutung waren. Es war nicht bedeutungslos, daß dasjenige, was sich mittlerweile ereignet hatte — man wird mich verstehen, wenn man mich verstehen will —, in solchen Unterredungen mit einzelnen Persönlichkeiten wiederum zurechtgerückt werden konnte. Dann konnte die Sache wieder fortgehen bis zum nächsten Mal. Nun, so wie die Sachen unmittelbar stehen, hat man eigentlich jetzt, nachdem sich diese äußeren Dinge herausgebildet haben, mit Sitzungen vom Morgen bis zum Abend, ja bis in die Nacht hinein zu tun, und es kann nicht die Rede sein davon, jene alten Gewohnheiten fortzusetzen, die da waren, als wir noch eine anthroposophische Bewegung waren. Von alledem empfinden sehr viele nichts anderes, als daß es eine Unannehmlichkeit sei, daß es nicht mehr ist wie früher. Es ist aber notwendig, auf den ganzen Umschwung hinzuschauen und sich wirklich zu sagen: Es ist etwas anders geworden seit dem Frühling des vorigen Jahres, und dem muß Rechnung getragen werden.
[ 29 ] Back in the day, when we only had the anthroposophical movement—I’m speaking only of Stuttgart today—I came here to Stuttgart; I was there for perhaps three or four days, but you know how many people I was always able to speak with individually. All of these were things that, as success now shows, were of a certain significance. It was not insignificant that what had happened in the meantime—people will understand me if they want to—could be put back into perspective in such conversations with individual people. Then the work could continue until the next time. Well, as things stand at the moment, now that these external circumstances have taken shape, we are actually dealing with meetings from morning until evening, even into the night, and there can be no question of continuing those old habits that existed when we were still an anthroposophical movement. Many people perceive all of this as nothing more than an inconvenience—that things are no longer as they used to be. But it is necessary to look at the entire shift and truly say to oneself: Things have changed somewhat since last spring, and that must be taken into account.
[ 30 ] Nun wird es ja nicht so bleiben können, wie es jetzt ist, aber daß es nicht so bleiben kann, dazu muß mitgearbeitet werden. So kann es aus dem Grunde nicht bleiben, weil alles das, was geschieht, sei es für die Waldorfschule, sei es für den Dreigliederungsbund, sei es für den «Kommenden Tag», ja auf der Grundlage der geistigen Arbeit entsteht. Ohne die geistige Arbeit, die geleistet worden ist und weiter geleistet werden muß, hat ja das alles keinen Sinn. Diese geistige Arbeit muß dem Ganzen Konfiguration, muß dem Ganzen Kraft und Inhalt geben. Wenn wir dazu kommen, wozu wir kommen würden, wenn die Sache so weitergehen würde, so wäre die Folge, daß die jetzigen Einrichtungen die ursprüngliche geistige Bewegung auffressen würden; da entziehen wir der Sache ihre ursprünglichen Grundlagen. Es darf das, was herauswächst aus der anthroposophischen Bewegung, nicht auffressen diese anthroposophische Bewegung selbst.
[ 30 ] Things certainly cannot remain as they are now, but for them not to remain that way, we must work toward that end. It cannot remain this way for the simple reason that everything that happens—whether for the Waldorf School, the Threefold Society, or The Coming Day—arises precisely on the basis of spiritual work. Without the spiritual work that has been done and must continue to be done, none of this makes any sense. This spiritual work must give the whole its form, its strength, and its substance. If we were to reach the point we would reach if things continued this way, the result would be that the current institutions would devour the original spiritual movement; in doing so, we would strip the movement of its original foundations. That which grows out of the anthroposophical movement must not devour the anthroposophical movement itself.
[ 31 ] Sie sehen, ich muß sehr ernste Dinge heute besprechen, und es werden mich einige wenigstens verstehen. Aber die Sache kann nicht anders werden, wenn wir nicht das eine Realität sein lassen, daß eben anthroposophisch wirklich viele Jahre, jahrzehntelang gearbeitet worden ist. Diese Arbeit muß eine Realität sein.
[ 31 ] As you can see, I have to discuss some very serious matters today, and at least some of you will understand me. But the situation cannot change unless we acknowledge the reality that, from an anthroposophical perspective, work has indeed been going on for many years—for decades. This work must be recognized as a reality.
[ 32 ] Nun bitte ich Sie, zu dem hinzuzunehmen eines: In der Welt gibt es viel Kampf, aber wo ist eigentlich am meisten Kampf? Er spielt sich nur in einer gewissen Form ab, man merkt es nicht, aber er ist am allermeisten im geistigen Leben. Und zum Beispiel in dem, was sich anthroposophische Bewegung nennt, da ist ja kein Ende des Kampfes. Als aus den alten Usancen heraus — man mußte anknüpfen an sie, Sie wissen ja warum — unsere Bewegung sich gestaltete, das heißt, viele von den Leuten mit den alten theosophischen Gewohnheiten sich anschlossen an unsere Bewegung, hatte ich die Empfindung, daß ein Herr, der damals ein ganz besonders heftiger Verteidiger gerade unserer Richtung war, sehr bald mit allen möglichen andern Leuten streiten werde; denn der Kampf ist etwas, was sich da gerade furchtbar herausbildet. Ja, ich habe sogar immer betont: Der Herr, der so ein ganz waschechter Theosoph ist, er wird nicht nur mit andern Leuten streiten, sondern seine linke und seine rechte Hälfte werden in einen furchtbaren Kampf kommen. Man wird erleben, daß die linke Seite dieser Persönlichkeit mit der rechten in der furchtbarsten Weise zankt.
[ 32 ] Now I ask you to consider one more thing: There is much struggle in the world, but where, in fact, is the struggle greatest? It takes place only in a certain form; one does not notice it, but it is most prevalent in spiritual life. And, for example, in what is called the anthroposophical movement, there is indeed no end to the struggle. As our movement took shape out of the old customs—we had to build upon them, you know why—our movement took shape, that is, many people with the old theosophical habits joined our movement, I had the feeling that a gentleman who at that time was a particularly fierce defender of our very direction would very soon be arguing with all sorts of other people; for conflict is something that emerges there in a truly terrible way. Yes, I have even always emphasized: The gentleman who is such a genuine Theosophist will not only quarrel with other people, but his left and right halves will engage in a terrible struggle. We will see that the left side of this personality will quarrel with the right in the most terrible way.
[ 33 ] Es muß eben selbstverständlich der andere Pol entwickelt werden, der Pol, der die fortwährend vorhandenen, aus dem Wesen jeder geistigen Bewegung entstehenden Kämpfe — weil jede geistige Bewegung auf die Individualität hinarbeitet — überwinden muß. Es muß der andere Pol vorhanden sein, der Pol der Menschenverständigung, der Pol, der darin besteht, daß man in den Menschen eindringen kann, daß man in die Lebensimpulse eines andern Menschen sich vertiefen kann und so weiter. Es muß möglich sein, daß dasjenige, was wir jetzt als Dreigliederungsarbeit, was wir als «Kommender Tag», was wir als Waldorfschule treiben, getragen wird von einer guten, moralischen Grundlage unserer anthroposophischen Bewegung hier in Stuttgart, von derjenigen moralischen Grundlage, die erarbeitet worden ist seit Jahrzehnten, oder wenigstens erarbeitet werden sollte. Davon muß es getragen sein, denn nur so kommen wir weiter und können uns wiederum ein Gleichgewicht zurückerobern zwischen dem Leben in Sitzungen und dem notwendigen geistigen Arbeiten, das doch die Grundlage bilden muß. Aber wir kommen natürlich nicht dazu, wenn fortwährend solche Dinge sich abspielen hier wie etwa, daß man gesagt bekommt: Da ist wiederum etwas Schreckliches geschehen, da ist ein Mensch, der stänkert fortwährend, der ist schädlich für alle übrigen. — Das mag sein, das kann richtig sein. Aber mir ist es bis jetzt, trotzdem mir solche Dinge während meiner jetzigen Anwesenheit unzählige Male entgegengetreten sind, nicht gelungen, eine solche Sache so weit zu verfolgen, daß, wenn ich zu dem zweiten gekommen bin, er mir dasselbe gesagt hätte wie der erste. Und beim fünften, sechsten wurde es schon das Gegenteil von dem, was mir der erste verkündet hatte. Ja, ich erzähle nur Tatsachen. Ich will keine Kritik üben, ich will nicht tadeln oder loben, wirklich auch das erstere nicht, aber es ist so. Dasjenige aber, was notwendig ist, daß es gerade auf anthroposophischem Boden sich entwickele — ich habe es ja öfter ausgeführt —, ist ein absolutes, treffsicheres Wahrheitsgefühl. Es ist sehr schwierig, in all diesen Dingen weiter zu arbeiten, wenn nicht die Grundlage da ist von Wahrheit, von unmittelbar wirklicher Wahrheit. Ist diese Grundlage von wirklicher Wahrheit da, dann muß es doch so sein, daß, wenn irgend etwas an einen herantritt und man verfolgt es noch bei dem fünften oder sechsten, es sich noch in derselben Weise darstellt. Aber ich erlebe, daß mir etwas, was «furchtbar» ist, mitgeteilt wird und jeder, den ich frage, etwas anderes sagt. Ich kann ja selbstverständlich nicht die Dinge, die ich von andern Quellen her weiß, im äußeren Leben anwenden; das habe ich oftmals ausgeführt. Darum handelt es sich nicht, ob ich die Sache weiß oder nicht, ob das richtig sei oder nicht, sondern darum handelt es sich, ob der erste dasselbe sagt wie der sechste, siebente; nicht um mein Wissen handelt es sich. Ich lasse mir in der Regel keine Illusionen vormachen und frage auch gar nicht darum irgend jemand, sondern um ganz anderer Gründe willen. Mich interessiert gewöhnlich gar nicht sehr stark, was mir mitgeteilt wird, aber es handelt sich jetzt darum, daß ich hinschauen kann auf das, was der erste und was der siebente sagt, und da stellt sich sehr häufig heraus, daß der eine etwas sagt, und beim siebenten ist es eben das Gegenteil. Nun glaube ich, folgt mit einer gewissen Evidenz daraus etwas: daß eines davon nicht wahr ist. Das scheint mir doch daraus zu folgen.
[ 33 ] It goes without saying that the other pole must be developed—the pole that must overcome the constantly present struggles arising from the very nature of every spiritual movement, since every spiritual movement works toward individuality. The other pole must be present—the pole of human understanding, the pole that consists in being able to penetrate into people, to immerse oneself in the life impulses of another human being, and so on. It must be possible for what we now do as the Threefold Social Order initiative, what we do as “The Coming Day,” and what we do as the Waldorf School to be supported by a sound moral foundation of our anthroposophical movement here in Stuttgart—the moral foundation that has been developed over decades, or at least should have been developed. It must be grounded in this, for only in this way can we move forward and regain a balance between our life in meetings and the necessary spiritual work, which must, after all, form the foundation. But of course we cannot get to that point if such things are constantly happening here—such as being told: “Something terrible has happened again; there is a person who is constantly stirring up trouble, who is harmful to everyone else.”—That may be the case; it may be true. But so far—even though I’ve encountered such things countless times during my current stay—I haven’t managed to follow up on any such matter to the point where, when I spoke to the second person, they would have told me the same thing as the first. And by the fifth or sixth person, it had already become the opposite of what the first had told me. Yes, I am merely stating facts. I do not wish to criticize; I do not wish to reproach or praise—truly, not even the former—but that is how it is. What is necessary, however, for this to develop precisely on anthroposophical ground—as I have often explained—is an absolute, unerring sense of truth. It is very difficult to continue working on all these matters if the foundation of truth—of immediately real truth—is not there. If this foundation of real truth is present, then it must be the case that when something comes to you and you follow it through to the fifth or sixth instance, it still presents itself in the same way. But I find that when I’m told something that is “terrible,” everyone I ask says something different. Of course, I cannot apply in my outer life the things I know from other sources; I have often pointed this out. That is not the point—whether I know the matter or not, whether it is correct or not—but rather the point is whether the first person says the same thing as the sixth or seventh; it is not about my knowledge. As a rule, I do not allow myself to be led into illusions, nor do I ask anyone about it at all, but for entirely different reasons. I’m usually not very interested in what I’m told, but the point now is that I can look at what the first person says and what the seventh says, and very often it turns out that one says one thing, while the seventh says exactly the opposite. Now I believe that something follows from this with a certain degree of evidence: that one of them is not true. That seems to me to follow from this.
[ 34 ] Ja, im äußeren physischen Leben, das ja jetzt gerade deshalb dem Niedergang entgegengeht, hat man immer nicht bemerken wollen die Funktion, die einschneidende Bedeutung der Unwahrheit. Auch wenn sie nicht beabsichtigt ist, wirkt die Unwahrheit doch zerstörend. Auf dem Boden, auf dem anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft steht, müßte man unter allen Umständen einsehen: Das, was im physischen Leben eine zerstörende Bombe ist, das ist im Geistigen eine Unwahrheit. Sie ist eine zerstörende Kraft, ein zerstörendes Instrument, und zwar ein ganz real zerstörendes Instrument. Es würde tatsächlich wiederum möglich sein, trotz der vielen Gründungen zu großer fruchtbarer Arbeit zu kommen auch auf geistigem Gebiete, wenn man diesen Dingen einige Aufmerksamkeit zuwenden würde, aber eine sachliche Aufmerksamkeit, nicht eine persönliche Aufmerksamkeit.
[ 34 ] Yes, in outer physical life—which is now heading toward decline precisely for this reason—people have consistently refused to acknowledge the function and the far-reaching significance of untruth. Even when it is unintentional, untruth still has a destructive effect. From the perspective of anthroposophically oriented spiritual science, one must recognize under all circumstances: What is a destructive bomb in physical life is untruth in the spiritual realm. It is a destructive force, a destructive instrument—and indeed, a very real destructive instrument. It would indeed be possible, despite the many foundations that have been laid, to achieve great and fruitful work in the spiritual realm as well, if one were to give these matters some attention—but an objective attention, not a personal one.
[ 35 ] Sie wissen, es ist nicht meine Art, Philippiken zu halten; Moralpauken zu halten ist ja nicht meine Art. Aber ich muß Tatsachen, die mir insbesondere jetzt stark entgegengetreten sind, wirklich einmal zur Sprache bringen, weil wir in einer ernsten Lage drinnenstehen. Wir stehen vor Unternehmungen, die nicht mißlingen dürfen, die gelingen müssen, bei denen gar keine Rede davon sein kann, daß sie irgendwie mißlingen, von denen wir heute sagen müssen: sie werden gelingen. Aber daß sie nicht die ursprüngliche anthroposophische Bewegung auffressen, das hängt davon ab, daß ein jeder wirklich mitarbeitet daran, daß das, was sich moralisch ergeben sollte aus der jahrzehntelangen Arbeit, wirklich da sei. Dazu muß jeder mitarbeiten. Das ist schon einmal notwendig, daß dazu jeder mitarbeitet.
[ 35 ] You know it’s not my style to deliver scathing tirades; lecturing on morality isn’t my style, after all. But I really must address some facts that have struck me particularly hard right now, because we find ourselves in a serious situation. We are facing undertakings that must not fail, that must succeed—undertakings where there can be no question whatsoever of them failing in any way, and about which we must say today: they will succeed. But whether they will devour the original anthroposophical movement depends on each and every one of us truly contributing to ensuring that what should have emerged morally from decades of work is actually present. Everyone must contribute to this. It is absolutely necessary that everyone contribute to this.
[ 36 ] Mir tut es im Herzen weh, daß ich fast keinen der Wünsche befriedigen kann, die jetzt so zahlreich an mich herantreten. Aber ich muß immer die Freunde abweisen, weil ja einfach die Zeit sich nicht verdoppeln läßt und nicht bloß vom Morgen zum Abend, sondern in die Nächte hinein Sitzungen sind. Man kann nicht zu gleicher Zeit mit einzelnen Menschen sprechen selbstverständlich. Aber wenn nicht — die Dinge hängen zusammen — durch eine Besinnung im weitesten Kreise unserer Mitarbeiterschaft diese Dinge weggenommen werden, die so hineinspielen in alles Leben hier und die eben charakterisiert sind mit dem, was ich eben jetzt charakterisiert habe, wenn diese Dinge nicht durch Insichgehen jedes einzelnen gerade heute an diesem Orte aus der Welt geschaffen werden, so ist es gar nicht möglich, daß man die Zeit findet, um die wirklich grundlegende geistige Arbeit zu leisten. Dasjenige, wozu Anthroposophie geführt hat, das wird gelingen. Aber wenn in gewissen Dingen nicht Änderungen eintreten, dann wird es die ursprüngliche geistige Bewegung auffressen und dann würde man durch den Willen der sogenannten Träger dieser geistigen Bewegung einen neuen Materialismus haben, indem eben die geistige Bewegung, die zugrunde liegt, zum Absterben gebracht worden ist. Der Geist will gepflegt sein, wenn er nicht zum Absterben kommen soll. Und der Materialismus besteht nicht durch sich selber etwa, den Materialismus kann man nicht begründen, geradesowenig wie man einen Leichnam macht. Ein Leichnam entsteht, wenn der Organismus von der Seele verlassen wird. So auch kann alles dasjenige, was hier aus geistigen Grundlagen, aus Beseeltem heraus geschaffen wird, ein bloß Materielles werden, wenn nicht die Neigung dazu da ist, das Geistige nun wirklich zu pflegen. Dazu ist aber notwendig, daß vor allen Dingen die moralische Grundlage, die ethische Grundlage, die hat erarbeitet werden können, aufmerksam ins Auge gefaßt wird. Vor allen Dingen muß aufmerksam ins Auge gefaßt werden, daß man sich nicht Illusionen hingibt, daß man sich nicht mit Beurteilungen zufrieden gibt, die einem bequem sind, sondern daß man rücksichtslos auf das Leben hinschaut.
[ 36 ] It pains me deeply that I can fulfill almost none of the requests that are now coming my way in such great numbers. But I must always turn my friends away, because time simply cannot be doubled—and meetings go on not just from morning to evening, but well into the night. Of course, one cannot speak with individual people all at the same time. But if not—things are interconnected — through a process of self-reflection among the broadest circle of our collaborators, these things that play such a role in all life here and are characterized precisely by what I have just described—if these things are not eliminated through each individual’s introspection right here and now, then it is simply impossible to find the time to carry out the truly fundamental spiritual work. What anthroposophy has led to will succeed. But if changes do not occur in certain areas, then it will consume the original spiritual movement, and then—through the will of the so-called bearers of this spiritual movement—we would end up with a new materialism, in that the spiritual movement that underlies it would have been allowed to die out. The spirit must be nurtured if it is not to die out. And materialism does not exist by itself, so to speak; materialism cannot be established any more than one can create a corpse. A corpse comes into being when the soul leaves the organism. In the same way, everything that is created here on spiritual foundations, out of the animated, can become merely material if there is no inclination to truly nurture the spiritual. For this, however, it is necessary, above all, to carefully consider the moral foundation—the ethical foundation—that has been developed. Above all, one must carefully bear in mind not to succumb to illusions, not to be satisfied with judgments that are convenient, but to look at life without compromise.
[ 37 ] Es ist wirklich sehr schlimm, wenn man zum Beispiel sagt: Dreigliederung ist ein schönes Ding, dem muß man anhängen, und weil man sich dann so wohl fühlt, sagt man: Ich gründe jetzt etwas, das ist ganz im Sinne der Dreigliederung; da bin ich dann ein braver Mensch. Ich kann mich als ein so braver Mensch fühlen, wenn ich etwas gründe, was ein Kern der Dreigliederung ist. — Moralisch sich die Finger ablecken vor lauter innerer Wollust, das kann man, wenn man so etwas macht, aber Wirklichkeitssinn braucht man deshalb nicht zu haben. Denn die Dreigliederungsidee ist gerade deshalb eine so wirklichkeitsgemäße Idee, weil man suchen muß, sie mit allen Kräften in die Wirklichkeit umzusetzen. Aber sie ist wegen des unwirklichkeitsgemäßen Geistes in manchem so widerstrebend, daß sie vor allen Dingen erst in eine genügend große Anzahl von Köpfen hinein muß. Man muß den nötigen Wirklichkeitssinn und praktischen Sinn haben.
[ 37 ] It is truly very bad when, for example, one says: “Threefolding is a wonderful thing; one must adhere to it,” and because one then feels so good, one says: “I am now founding something that is entirely in the spirit of threefolding; then I am a good person.” I can feel like such a good person when I establish something that is at the heart of the threefold order. — You can morally lick your fingers out of sheer inner delight when you do something like that, but you don’t need to have a sense of reality because of it. For the idea of the threefold social order is precisely such a realistic idea because one must strive with all one’s might to translate it into reality. But because of the unrealistic spirit in many people, it is so repulsive that, above all, it must first take root in a sufficiently large number of minds. One must possess the necessary sense of reality and practical sense.
[ 38 ] Vor acht Tagen mußte ich hier reden über die Konsequenzen der Dreigliederung für die Bewirtschaftung von Grund und Boden. Ich habe gesagt, daß die Dreigliederung selbstverständlich dahin arbeitet, daß der soziale Austausch, die sozialen Verhältnisse für Grund und Boden so sein werden, daß man Grund und Boden nicht kaufen und verkaufen kann wie eine Ware. Das ist etwas, was ganz aus der Realität heraus ist, und das entgegengesetzte Verhältnis ist ein Irreales. Das mußte ich an dem Tage auseinandersetzen, an dem ich hier sogar zu spät gekommen bin, weil wir den ganzen Tag auf dem Lande herumgefahren sind, um Güter zu kaufen. Man kann sich nicht, wenn man Sinn hat für Wirklichkeit, so auf den Boden der Dreigliederung stellen, daß man sagt: Ich muß doch ein guter Mensch sein; ich bilde einen Kern der Dreigliederung. — Nein, man muß ohne Illusionen sich dem hingeben, daß es unmöglich ist, heute für die Dreigliederung in gewisser Beziehung anders zu arbeiten, gerade das zu arbeiten, was das Wichtigste ist, wenn man nicht herausarbeitet aus der unmittelbaren Gegenwart.
[ 38 ] Eight days ago, I had to speak here about the consequences of the threefold social order for land management. I said that the threefold social order naturally works toward a situation in which social exchange and social relations regarding land are such that land cannot be bought and sold like a commodity. This is something that arises entirely from reality, and the opposite situation is an illusion. I had to explain this on the very day I even arrived here late because we had spent the entire day driving around the countryside buying estates. If one has a sense of reality, one cannot adopt a position regarding the threefold social order that leads one to say: “I must surely be a good person; I form a core of the threefold order.” — No, one must accept without illusions that it is impossible today to work for the threefold order in a certain sense—to work precisely on what is most important—unless one draws it out of the immediate present.
[ 39 ] Nicht darum handelt es sich, daß man sich die Finger moralisch ableckt, um zu sagen, man ist Anhänger einer Idee. Dadurch wird sie unfruchtbar und abstrakt. Es handelt sich aber darum, daß man die Wirklichkeit durchschaut, daß man das Notwendige erkennt. Das ist der Unterschied zwischen Utopisten, Dogmatikern und den Praktikern, daß allerdings der Praktiker in der Idee so weit geht, als irgend gegangen werden kann, daß er aber nicht in irgendeinem Weltfremden lebt bloß aus innerer Wollust, sondern daß er die Wirklichkeit anfaßt. Illusionen geben wir uns wirklich nur aus innerer Wollust heraus hin. Das muß eingesehen werden. Und vieles andere noch muß eingesehen werden, was in dieser Richtung liegt. Und ich konnte nicht umhin, trotzdem mancherlei auch für diese Stunde vorgelegen hätte, als diese Stunde noch zu benützen vor meiner Abreise, um gerade auf so manches hinzuweisen, was mir in der mannigfaltigsten Weise so en passant gezeigt worden ist, das aber hineinbrandet in die fruchtbringende Tätigkeit. Die leidet vor allen Dingen dadurch, daß es eigentlich immer notwendig wird, endlose Debatten über Dinge zu führen, die in einer halben Stunde abgetan sein könnten, weil immer sich Dinge hineinmischen, die eigentlich gar nicht da sein sollten. Wenn man heute gewöhnt ist an gesundes Denken — und daran muß man sich gewöhnen, wenn man die Geisteswissenschaft zustande bringen will, die hier vorgetragen wird —, und wenn man dann versetzt wird, ich rede da nicht Theorien, inmitten desjenigen, was heute im Geschäftsleben in der sogenannten Praxis vor sich geht, so läßt sich das eigentlich am besten so charakterisieren, daß man soviel als möglich die Zeit tottritt, die Zeit verschwendet. Denn es gibt heute Praktiker, die sich rühmen, den ganzen Tag zu tun zu haben. Wenn sie nicht die Zeit verschwenden würden, könnte ihre vielleicht zehnstündige Arbeit in einer Stunde reichlich gemacht werden. Zeit totgetreten wird gerade im heutigen sogenannten praktischen Leben. Und man erzeugt dadurch, daß die Zeit totgetreten wird, ein Auseinanderzerren der Gedanken. Man hat eigentlich das Gefühl, wenn man heute in diesen Betrieb des sogenannten praktischen Lebens hineinkommt, daß man sich fortwährend in einer Nudelfabrik glaubt, wo die Gedanken, die konzentriert da sein sollten, wie der Strudelteig oder Nudelteig auseinandergezogen werden, wo alles breit auseinandergezogen wird. Es ist entsetzlich, diesen auseinandergezogenen Gedanken zu begegnen, die heute als Lebenspraxis kultiviert werden. Wenn man mit diesen Gedanken die Welt durchschauen will, diejenigen Dinge durchschauen will, von denen ich heute gesprochen habe, um eine Einleitung zu geben, dann würde man niemals zu irgend etwas kommen. Denn dieses ganze strudelteigige Denken ist eben aus dem Totschlagen der Zeit entstanden, indem dasjenige, was konzentriert sein sollte und nur dann als Gedanken wirken könnte, auseinandergezogen nichts mehr ist. Denn das, was in einer gewissen Dichtigkeit seine Funktionen vollzieht, taugt natürlich nichts mehr, wenn es dünn und schleißig wird. Und so taugt vieles von dem, was in der neueren Wirtschaft figuriert, ganz und gar nicht dazu, irgendwie die Welt weiterzubringen. Das würde gerade unsere Aufgabe sein, auch in bezug auf das praktische Leben zu einem wiederum kompendiösen Denken zu kommen, und nicht die Zeit totzuschlagen. Aber heute muß noch die Zeit totgeschlagen werden, wenn die anthroposophische Bewegung, die gerade hinter unseren Unternehmungen steht, nicht ist, was sie sein müßte: Eine durch und durch wahre Bewegung, in der dasjenige, was lügenhaft ist, sich selber ausscheidet, weil man es nicht darin brauchen kann, weil es sich gleich offenbaren wird.
[ 39 ] It is not a matter of morally licking one’s fingers just to say that one is a follower of an idea. That renders the idea sterile and abstract. Rather, it is a matter of seeing through reality, of recognizing what is necessary. That is the difference between utopians, dogmatists, and practitioners: the practitioner does indeed take the idea as far as it can possibly go, but he does not live in some unworldly realm merely out of inner self-indulgence; rather, he engages with reality. We truly indulge in illusions only out of inner self-indulgence. This must be understood. And there is much more that needs to be recognized along these lines. And I could not help but use this hour—even though there were many other things that could have been discussed—to point out precisely some of the things that have been shown to me in the most varied ways, just in passing, but which cut right to the heart of fruitful activity. This activity suffers above all because it actually always becomes necessary to engage in endless debates about matters that could be settled in half an hour, since things that really shouldn’t be there always get mixed in. If one is accustomed today to sound thinking—and one must become accustomed to this if one wishes to bring about the spiritual science that is being presented here—and if one is then placed and I’m not talking about theories here—into the midst of what goes on today in business life in so-called “practice,” then the best way to characterize it is that people kill time as much as possible; they waste time. For there are practitioners today who boast of being busy all day long. If they weren’t wasting time, their perhaps ten hours of work could easily be done in an hour. Time is being wasted precisely in today’s so-called practical life. And by wasting time, one causes the thoughts to become scattered. In fact, when one enters into this machinery of so-called practical life today, one has the feeling of being constantly in a pasta factory, where thoughts—which ought to be concentrated—are stretched out like strudel dough or pasta dough, where everything is pulled wide apart. It is appalling to encounter these stretched-out thoughts, which are cultivated today as a way of life. If one were to try to see through the world with these thoughts—to see through the very things I have spoken of today as an introduction—one would never arrive at anything. For this entire strudel-dough-like way of thinking has arisen precisely from the squandering of time, in which that which ought to be concentrated—and could only then function as thought—is stretched out and becomes nothing. For that which performs its functions with a certain density is, of course, no longer of any use when it becomes thin and insubstantial. And so much of what features in the modern economy is completely unsuitable for advancing the world in any way. It would be precisely our task to return to a more concise way of thinking, even with regard to practical life, and not to kill time. But today, time must still be wasted if the anthroposophical movement—which stands behind our very undertakings—is not what it ought to be: a thoroughly true movement in which that which is false is weeded out on its own, because it has no place within it, because it will immediately reveal itself.
[ 40 ] Das ist dasjenige, was ich, ohne irgend jemand zu meinen — ich bitte, nicht wieder zu erzählen, ich habe das öder jenes treffen wollen —, Ihnen heute sagen wollte. Ich wollte allgemeine Tatbestände charakterisieren, ich habe sie charakterisieren müssen, denn wir stehen heute vor ernsten Weltsituationen, und im Grunde genommen spielt sich wirklich in dem, was hier unter uns in Stuttgart vorgeht, das ab, was an Ernst in der ganzen Zivilisation drinnen ist. Und wir könnten an dem, was zwischen uns spukt, manches lernen über das, was in der ganzen Welt spukt.
[ 40 ] That is what I wanted to tell you today—without referring to anyone in particular; please do not repeat that I meant to single out this or that person. I wanted to describe general circumstances; I had to describe them, because we are facing serious global situations today, and, fundamentally speaking, what is happening here among us in Stuttgart truly reflects the gravity of the situation facing all of civilization. And from what is haunting us here, we could learn a great deal about what is haunting the entire world.
[ 41 ] Es war nicht bös gemeint. Es sollte auch keine philiströse Philippika sein, keine Kanzelrede, sondern eine Besprechung desjenigen, was mir eigentlich erst indirekt in den letzten vierzehn Tagen immer wieder und wiederum vor Augen und vor die Seele getreten ist.
[ 41 ] It was not meant maliciously. Nor was it intended to be a philistine tirade, nor a pulpit sermon, but rather a discussion of what has, in fact, only indirectly come to my mind and touched my soul time and again over the past fourteen days.
