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Healing Factors for the Social Organism
GA 198

3 July 1920, Dornach

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Healing Factors for the Social Organism, tr. SOL
  1. Heilfaktoren für den sozialen Organismus

Zehnter Vortrag

Tenth Lecture

[ 1 ] Gestern versuchte ich darzulegen, in welch einem Zeitenernste wir eigentlich drinnenstehen, an einer Betrachtung oder durch eine Betrachtung, die anknüpfte an das Oswald Spenglersche Buch «Der Untergang des Abendlandes». Ich bemerkte, daß denjenigen, der solche Dinge heute mit dem dazu nötigen Ernst zu nehmen weiß, eine große Kultursorge überkommen müsse, jene Kultursorge, die sich in einer ganz bestimmten Weise charakterisieren läßt, nämlich die Sorge, die daraus hervorgeht, daß unsere Zivilisation nicht weiter sich entwickeln kann ohne einen Einschlag, der von seiten der Initiationswissenschaft der Welt wird, daß es also nötig sei, daß alles Tun, alles Wollen der Menschen befruchtet werde durch dasjenige, was heute geistig erschaut werden kann. Dann, wenn die Schwelle, die da ist zwischen der physischen und überphysischen Welt, überschritten wird aus jenem Wissen, das nichts entnehmen kann der physischen Welt, das aber durch und durch aufklärend wirkt für diese physische Welt, müssen aus diesem Wissen auch die Antriebe kommen zum sozialen Leben in der Gegenwart und in der nächsten Zukunft. Und es ist eigentlich heute der Mensch veranlaßt, alles als antiquiert zu betrachten, was hereinragt aus der althergebrachten Kulturströmung; er ist veranlaßt, tatsächlich alle Fragen, die es heute geben kann, in den Gesichtswinkel hineinzurücken, der gegeben ist durch diese Initiationswissenschaft. Die Kultursorge ergibt sich dann, wenn man daneben sieht, wie von allen Seiten gegen dasjenige, was sich geltend machen will als solche Initiationsweisheit, angestürmt wird, und wie alle äußeren Zivilisationskräfte in der Gegenwart eigentlich darauf gerichtet sind, solche Initiationswissenschaft nicht zu einem realen Faktor in unserer Zivilisation werden zu lassen. Da stehen sich eben Notwendigkeit und Ablehnung in der denkbar schroffsten Weise fast auf allen Gebieten unseres heutigen Lebens gegenüber, und man möchte gerade an diejenigen immer wieder erneut Appelle richten, welche es wenigstens in ihrem Herzen ernst nehmen können mit der Forderung nach einem Neuaufbau unseres Kultur- und Zivilisationslebens. Statt dessen sehen wir, daß wegen der Schläfrigkeit gerade der fortgeschrittensten Teile der gegenwärtigen Menschheit jene allerdings wachenden Persönlichkeiten und Gruppen immer die Oberhand gewinnen, welche ganz bestimmte spirituelle Impulse aus der Vergangenheit in die Gegenwart wie Schatten herübertragen und welche trotz allem genau wissen, was sie eigentlich wollen. Während also diejenigen, die sich heute fortschrittlich nennen, sich zersplittern in einzelnen Fragen, sich zersplittern in den oder jenen Programmen, die kaum weitersehen, als die Nase gewachsen ist, sehen wir überall die alten spirituellen Strömungen, die bereits hinlänglich gezeigt haben, wie sie die moderne Zivilisation in eine Katastrophe hineinführen mußten, überall am Werke, und wir sehen sie, ich möchte sagen, «glücklich» am Werke. Das ist etwas, das nicht hinlänglich genug von allen Seiten eigentlich betrachtet werden kann, und auf das man immer wiederum und wiederum von neuem zurückkommen sollte.

[ 1 ] Yesterday I attempted to explain the gravity of the times we are actually living in, through a reflection that drew on Oswald Spengler’s book *The Decline of the West*. I noted that anyone who knows how to take such matters seriously today must be overcome by a profound concern for culture—a concern that can be characterized in a very specific way, namely, the concern arising from the fact that our civilization cannot continue to develop without an impulse coming from the science of initiation; that it is therefore necessary for all human activity, all human will must be fertilized by that which can be spiritually perceived today. Then, when the threshold between the physical and the supersensible world is crossed through that knowledge which can draw nothing from the physical world, yet which has a thoroughly enlightening effect on this physical world, the impetus for social life in the present and in the near future must also come from this knowledge. And today, people are actually led to regard everything that stems from the traditional cultural current as antiquated; they are led, in fact, to view all questions that may arise today from the perspective provided by this science of initiation. Concern for culture arises when one observes, at the same time, how what seeks to assert itself as such initiatory wisdom is under attack from all sides, and how all external forces of civilization in the present are in fact directed toward preventing such initiatory science from becoming a real factor in our civilization. Here, necessity and rejection stand in opposition to one another in the most stark manner imaginable in almost all areas of our present-day life, and one would like to appeal again and again precisely to those who can at least take seriously, in their hearts, the call for a rebuilding of our cultural and civilizational life. Instead, we see that, due to the lethargy of even the most advanced segments of contemporary humanity, the upper hand is always gained by those indeed vigilant individuals and groups who carry very specific spiritual impulses from the past into the present like shadows, and who, despite everything, know exactly what they actually want. So while those who call themselves progressive today are fragmented over individual issues, fragmented over this or that program that barely sees beyond the end of its nose, we see the old spiritual currents—which have already amply demonstrated how they were bound to lead modern civilization into catastrophe—at work everywhere, and we see them, I would say, “happily” at work. This is something that cannot be considered sufficiently from all sides, and to which one should return again and again anew.

[ 2 ] Ich habe Ihnen öfters eine Bemerkung bei verschiedenen Gelegenheiten gemacht. Ich habe gesagt: Wenn man heute bekannt wird mit dem, was aus der heutigen Initiation heraus sich ergeben kann, was man heute wissen kann, aus den Entwickelungsbedingungen der Menschheit heraus wissen kann über die geistige Welt und ihren Zusammenhang mit der physischen Welt, so gerät man eigentlich erst in das rechte Erstaunen gegenüber dem, was überliefert worden ist als die Urweisheit der Menschheit. Diese Urweisheit der Menschheit in ihrer eigentlichen Gestalt ist ja verlorengegangen, und nur ihre späteren Spuren haben sich in den verschiedensten Dokumenten, Denkmälern und so weiter erhalten. Das Allerwichtigste hat die Kirche, als sie sich im Abendlande ausbreitete, über Afrika und Vorderasien ausbreitete, aus Berechnung mit aller Wucht zerstört. Aber dasjenige, was sich erhalten hat, das wird heute von der Gelehrsamkeit gesammelt und ist in allerlei Schriften heute zu lesen, allerdings schwierig zu lesen, weil die gegenwärtige philologische Gelehrsamkeit die Dinge, die sie der Welt mitzuteilen hat, möglichst durch Kommentierungen, durch die Art und Weise, wie die Dinge der Welt übergeben werden, unlesbar macht. Aber die Dinge werden mitgeteilt. Man kann jedoch sagen, sie können ja nicht gelesen werden, denn die wichtigsten Dinge können nur herausgelesen werden, wenn man den verlorengegangenen Leseschlüssel wieder entdeckt. Und man kann ihn nicht durch eine historische Forschung auf dem Wege unserer Gelehrsamkeit entdecken. Da kann man im Grunde genommen nur die Worte heraufbringen. Den eigentlichen tieferen Sinn kann man heute nicht mehr anders finden, als wenn man unabhängig von dem, was überliefert ist, aus der geistigen Welt selbst heraus die Wahrheiten, die Tatsachen wieder entdeckt und dann aus der heutigen, ganz bewußten Initiationswissenschaft heraus Einsicht gewinnen kann in dasjenige, was in der alten atavistischen, von den Göttern überlieferten Urweisheit enthalten war. Man kann nur mit dem, was heute ganz ursprünglich aus den Kräften des geistigen Forschens heraus erforscht wird, mit dem nur kann man herangehen an die alte Urweisheit und auch die äußeren Urkunden kann man eigentlich nur mit dem in Wirklichkeit lesen.

[ 2 ] I have often made a remark to you on various occasions. I have said: When one becomes acquainted today with what can arise from modern initiation—what one can know today, based on the conditions of humanity’s development, about the spiritual world and its connection to the physical world—only then does one truly begin to feel a sense of wonder at what has been handed down as the primordial wisdom of humanity. This primordial wisdom of humanity in its true form has, after all, been lost, and only its later traces have been preserved in a wide variety of documents, monuments, and so on. The most important aspects of it were deliberately and ruthlessly destroyed by the Church as it spread throughout the West, across Africa, and into the Near East. But what has been preserved is now being collected by scholars and can be read today in all manner of writings—though it is difficult to read, because contemporary philological scholarship renders the things it has to communicate to the world as unreadable as possible through commentaries and the very manner in which these things are presented to the world. Yet the things are being communicated. One might say, however, that they cannot actually be read, for the most important things can only be gleaned if one rediscovers the lost key to reading them. And this key cannot be discovered through historical research conducted in the manner of our scholarship. In essence, one can only bring the words to light. Today, the true, deeper meaning can no longer be found in any other way than by rediscovering the truths and facts from within the spiritual world itself—independently of what has been handed down—and then, through today’s fully conscious science of initiation, gaining insight into what was contained in the ancient, atavistic primordial wisdom handed down by the gods. Only through what is being researched today in a truly original way from the forces of spiritual inquiry—only through that can one approach the ancient primordial wisdom, and in reality, one can truly read the external documents only through that as well.

[ 3 ] So wird zum Beispiel überliefert auch von der Gelehrsamkeit, wie in den alten Mysterien eine Art Sonnenkult war, wie in diesen alten Mysterien dasjenige, was eben die heutige Wissenschaft mit dem Worte «Sonne» bezeichnet, oder wofür sie, besser gesagt, nur das Wort «Sonne» hat, wie das als eine Art höchster Gottheit verehrt worden ist. Aber man bekommt keinen Begriff von dem, was eigentlich in den alten Mysterien mit der Sonne, womit man ja im Grunde genommen belegt das, was man sich als zentralen Himmelskörper unseres Planetensystems vorstellt, was man mit diesem Wort «Sonne» ursprünglich ausdrücken wollte. In jenen alten Mysterien wurde die Sonne, diese physische Sonne, die das physische Auge schaut, nur angesehen als eine Art Rückspiegelung desjenigen, was die geistige Sonne ist. Diese geistige Sonne war nicht an einen Ort gebunden. Sie war etwas Außerräumliches. Sie war dasjenige, was der Initiierte in sich aufnahm, was der Initiierte als die zentrale Geistigkeit der Welt aufnahm und zu seinem eigenen Wesen machte. Und nur dann, wenn man wirklich aus heutiger Initiationserkenntnis heraus einen Begriff bekommt von dem, was da als Sonnenwesen verehrt worden ist, was da als Sonnenwesen erlebt worden ist, wenn in den Mysterien von diesem Sonnenwesen in Ritualien gelehrt worden ist, erst dann bekommt man auch eine richtige Vorstellung, wie diese alten Menschen sich gesagt haben: Willst du Erdenbewohner dich zu demjenigen erheben, was der Ursprung deines eigenen Wesens in Wahrheit ist, dann darfst du gar nicht auf dieser Erde bleiben. Du siehst auf dieser Erde Mineralien, Pflanzen, Tiere, du siehst auch deine physischen Mitmenschen. Das alles ist ja irdisch. Aber in dir lebt etwas, was nicht irdisch ist, und wenn du alles dasjenige weißt, was man wissen kann über die Mineralien, über die Pflanzen, über die Tiere und über den physischen Menschen, so weißt du noch lange nicht dasjenige, was dich führt zu einer Erkenntnis des Wesens des Menschen, denn dieses Wesen des Menschen kann niemals gewußt werden durch ein Wissen, das sich bezieht auf Irdisches, weil dieses Wesen des Menschen überhaupt nicht verwandt ist mit dem Irdischen, sondern verwandt ist mit dem Überirdischen, das sich abspielt zunächst in dem Lichte der Sonne.

[ 3 ] For example, it is also handed down by scholars that in the ancient mysteries there was a kind of sun cult, and that in these ancient mysteries, that which modern science designates with the word “sun”—or, rather, for which it has only the word “sun”—was worshiped as a kind of supreme deity. But one cannot grasp what was actually meant by the “sun” in the ancient mysteries—which, after all, essentially refers to what we conceive of as the central celestial body of our planetary system, and what the word “sun” was originally intended to express. In those ancient mysteries, the Sun—this physical Sun that the physical eye sees—was regarded merely as a kind of reflection of what the spiritual Sun is. This spiritual Sun was not bound to any particular place. It was something beyond space. It was that which the initiate absorbed into himself, which the initiate absorbed as the central spirituality of the world and made part of his own being. And only when one truly gains, based on today’s knowledge of initiation, a conception of what was venerated there as the solar being—what was experienced there as the solar being—when this solar being was taught about in rituals within the Mysteries—only then does one also gain a proper understanding of how those ancient people said to themselves: If you, inhabitants of the Earth, wish to rise to that which is in truth the origin of your own being, then you must not remain on this Earth at all. You see minerals, plants, and animals on this Earth; you also see your fellow human beings in their physical form. All of this is, of course, earthly. But within you lives something that is not earthly, and even if you know everything there is to know about minerals, plants, animals, and physical human beings, you are still far from knowing what leads you to an understanding of the essence of the human being, for this essence of the human being can never be known through knowledge that relates to the earthly, because this essence of the human being is not at all related to the earthly, but is related to the super-earthly, which unfolds first and foremost in the light of the sun.

[ 4 ] So also wurden aufgefordert die Mysteriendiener des grauen Altertums, um ihr eigenes Wesen zu erkennen, um das «Erkenne dich selbst» bei sich zu erfüllen, den geistigen Blick hinaufzuwenden zu der Sonne, zu der Sonne im geistigen Sinne, weil auf der Erde nichts zu finden war von dem, was den Menschen konstituiert, was des Menschen Wesen ausmacht. Erst wenn man die ganze Fülle dieser zentralen Vorstellungen jener alten Mysterien, die in einem gewissen Zeitabschnitt ebenso in Vorderasien zu finden waren wie auf dem irischen Eiland, erst wenn man diese geheimnisvolle Verbindung der Menschenseele mit dem Sonnenwesen durchschaut und sich sagen kann: Die Menschen des grauen Altertums mußten über die Erde hinausgehen, um ihr eigenes Wesen zu finden —, dann erst bekommt man auch eine richtige Vorstellung von der ganzen Bedeutung des Mysteriums von Golgatha für das Erdenleben, denn nur dann kann man einsehen, daß eben da ein großes kosmisches Ereignis sich abgespielt hat, das für die Erde eine fundamentale, eine zentrale Bedeutung hatte. Erst dadurch konnte man einsehen, daß dasjenige Wesen, zu dem aufgeschaut haben die Sonnenanbeter, diejenigen, die ihr Antlitz, ihr geistiges Antlitz zur Sonne gerichtet haben, um das Wesen des Menschen zu erleben, daß die nun, wenn sie im rechten Sinne die Zeitenströmung miterlebten, sich sagten: Jenes Wesen, das in den alten Mysterien gesucht worden ist außer der Erde, das ist nun herabgestiegen und hat sich mit der Erdenentwickelung verbunden, — Wie sollte man denn eine Vorstellung von dem Wesen des Christus, von dem ganzen Vorgange des Mysteriums von Golgatha erkunden anders als dadurch, daß man sah, wie das Wesen, das vorerst nicht auf der Erde war, das nur in außerirdischen Regionen zu suchen war, wie das Wesen von dem Mysterium von Golgatha an gefunden werden kann in der Welt der Menschen, wenn es auf die rechte Weise in der Welt der Menschen gesucht wird.

[ 4 ] Thus, the initiates of ancient times were called upon—in order to recognize their own being, to fulfill the command “Know thyself”—to turn their spiritual gaze upward toward the sun, toward the sun in the spiritual sense, because nothing could be found on Earth of what constitutes a human being, of what defines the human essence. Only when one grasps the full richness of these central concepts of those ancient mysteries—which, during a certain period, could be found in the Near East just as on the island of Ireland—only when one penetrates this mysterious connection between the human soul and the solar being and can say to oneself: “The people of ancient times had to go beyond the Earth to find their own essence”—only then does one gain a true understanding of the full significance of the Mystery of Golgotha for earthly life, for only then can one realize that a great cosmic event took place there, one that had a fundamental, central significance for the Earth. Only through this could one realize that the very being to whom the sun-worshippers looked up—those who turned their faces, their spiritual faces, toward the sun in order to experience the essence of the human being—that these people, when they truly experienced the flow of time, said to themselves: That being which had been sought in the ancient mysteries beyond the Earth has now descended and united itself with Earth’s evolution, — How, then, could one gain an understanding of the essence of Christ, of the entire process of the Mystery of Golgotha, other than by seeing how that Being—which was not initially on Earth, which could only be sought in extra-terrestrial regions—can be found in the human world from the Mystery of Golgotha onward, if one seeks it in the human world in the right way.

[ 5 ] So eigentlich bekommt erst dasjenige, was wir vom anthroposophischen Standpunkte aus über das Mysterium von Golgatha zu sagen haben, seine richtige Schattierung, wenn wir es abmessen an demjenigen, was gedacht wurde von den alten Mysteriendienern, wenn wir wissen, was Sonnenverehrung und Sonnenweisheit in diesen alten Mysterien war. Dann erst wissen wir recht zu würdigen, was es heißt, wenn von Christus, dem Sonnengeiste gesprochen wird in der Gegenwart. So wurde versucht in meinen Vorträgen, die dann wiedergegeben sind in dem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache», zu zeigen, wie alles vorchristliche Leben war ein Hinaufstieg zu dem Mysterium von Golgatha, und wie das Mysterium von Golgatha auf den welthistorischen Plan herausruft als ein Mysterium für die ganze Menschheit dasjenige, was sich im einzelnen symbolisch und allegorisch, wenn wir so sprechen wollten, aber verdichtet zum Ritual in den alten Mysterien eben nur abspielte im Abbilde, jetzt Wirklichkeit wurde als das Mysterium von Golgatha für die ganze Menschheit. So ist gerade schon im Ausgangspunkt — denn diese Vorträge gehören zu den allerersten, die ich im Laufe unserer anthroposophischen Strömung gehalten habe —, so ist innerhalb unserer anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft von allem Anfange an der Ton erklungen, welcher vor allen Dingen darauf sieht, daß in der richtigen Weise in die Erdenentwickelung hineingestellt werde das Mysterium von Golgatha. In einer entsprechenden Weise ist ja immer versucht worden, jenen eigentümlichen Fortschritt zu charakterisieren, welcher vom Vorchristlichen über das Christliche hinein von unserer Zeit erst im rechten Sinne begriffen werden muß.

[ 5 ] In fact, what we have to say about the Mystery of Golgotha from an anthroposophical standpoint only takes on its true nuance when we measure it against what was conceived by the ancient mystery priests, when we understand what sun worship and solar wisdom meant in those ancient mysteries. Only then can we truly appreciate what it means when we speak of Christ, the Sun Spirit, in the present. Thus, in my lectures—which are reproduced in the book *Christianity as a Mystical Fact*—I attempted to show how all pre-Christian life was an ascent toward the Mystery of Golgotha, and how the Mystery of Golgotha steps onto the world-historical stage as a mystery for all humanity—that which, in the ancient mysteries, played out only as a reflection, symbolically and allegorically, if we were to put it that way, but condensed into ritual, has now become reality as the Mystery of Golgotha for all humanity. Thus, right from the very beginning—for these lectures are among the very first I have given in the course of our anthroposophical movement—the tone has resounded within our anthroposophically oriented spiritual science from the very outset, a tone that is concerned above all with ensuring that the Mystery of Golgotha is properly situated within the development of the Earth. In a corresponding way, attempts have always been made to characterize that unique progression—from the pre-Christian era through the Christian era—which can only be properly understood in our time.

[ 6 ] Nun handelt es sich darum, daß man richtig versteht, wie diejenigen Strömungen, die eine gewisse Spiritualität aus alten Zeiten in die Gegenwart heraufbringen, wie diese zu diesen Dingen eigentlich gestellt sind. Da möchte ich heute — und morgen soll das weiter ausgeführt werden — auf das Folgende hinweisen. Wenn Sie sich bekanntmachen mit dem, was sich erhalten hat in den christlichen Bekenntnissen als Ritualien — im Evangelischen hat sich das ja zum großen Teile sehr abgedämpft, in den katholischen Ritualien finden Sie noch vieles, aber es ist auch in die evangelischen Gebete manches übergegangen —, wenn Sie all das nehmen, so finden Sie wenig, mit dem Sie eigentlich eine ganz ernsthafte Anschauung verbinden können, wenn Sie nicht wiederum von der Geisteswissenschaft ausgehen und dasjenige, was als Worthülsen überliefert ist, mit diesen geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen durchdringen.

[ 6 ] The point now is to understand correctly how those movements that bring a certain spirituality from ancient times into the present actually relate to these matters. Today—and this will be elaborated further tomorrow—I would like to point out the following. If you familiarize yourselves with what has been preserved in the Christian creeds as rituals—in the Protestant tradition, this has, for the most part, been greatly toned down, whereas in Catholic rituals you will still find much, though some elements have also found their way into Protestant prayers—if you take all of that, you will find little with which you can actually associate a truly serious perspective, unless you start from spiritual science and imbue what has been handed down as empty phrases with these spiritual-scientific insights.

[ 7 ] Wenn Sie zum Beispiel das Meßritual oder ein anderes Ritual der katholischen Kirche nehmen, so finden Sie Worte, viele Worte. Sie finden aber, wenn Sie ehrlich diese Dinge anschauen, daß Sie zwar diese Worte aufnehmen können, respektive die Gläubigen diese Worte aufnehmen können, daß aber nur, wenn man mit vollem Ernste an die Sache geht, mit diesen Worten ein wirklicher Sinn zu verbinden ist. Im Evangelischen ist es ja nicht anders. Woher kommt denn das? Sehen Sie, wenn man tatsächlich und vor allen Dingen mit den Mitteln der Geisteswissenschaft nachforscht über so etwas wie das katholische Meßritual, und für andere Ritualien ist es ähnlich, dann kommt man darauf, daß diese Dinge weit älter sind als die Begründung des Christentums. Wenn man das Meßritual nimmt, so wird man, um seinen Inhalt zu verstehen, zurückgehen müssen in sehr alte Formen der alten Mysterien. In einer gewissen ähnlichen Weise ist in den alten Mysterien ritualiter vorgegangen worden, wie beim Ablauf des Meßrituals vorgegangen wird. Und die Sache ist diese, daß, als das Mysterium von Golgatha sich innerhalb der Erdenentwickelung ereignete, gewissermaßen die Weisen, die wirklich Weisen aller Mysterienrichtungen, die ja biblisch repräsentiert sind durch die «Drei Weisen aus dem Morgenlande», gewissermaßen zum Opfer dargebracht haben ihr Ritual, ihre Anschauung und ihre Erkenntnisse, um das Mysterium von Golgatha zu ehren und zu begreifen. Es wurde gewissermaßen übertragen dasjenige, was den alten Göttern dargebracht wurde, auf den neuen Gott, der durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist. So daß, wenn man nun, ich möchte sagen, mit geistigem Saft durchdringen will die Formeln der heutigen Kirche, man zu einem solchen geistigen Saft nur kommt, wenn man zurückschaut auf den Sinn, der in den Mysterien mit diesen Dingen verbunden worden ist. Sonst bleiben sie leer, sonst bleiben sie ohne Inhalt. Wenn sie leer bleiben, ohne Inhalt, dann kann man allerdings Gemeinden damit einschläfern, einlullen, aber man kann sie nicht erwecken, man kann sie nicht zur wirklichen Verbindung mit der geistigen Welt bringen, man kann nur dafür sorgen, daß die Gemeinde in ihren Gliedern seelisch sanft schläft.

[ 7 ] If you take, for example, the Mass or another ritual of the Catholic Church, you will find words—many words. But if you look at these things honestly, you’ll find that while you—or rather, the faithful—can take in these words, a true meaning can only be attached to them if one approaches the matter with the utmost seriousness. It’s no different in Protestantism. Where does this come from? You see, if one actually investigates something like the Catholic Mass—and the same applies to other rituals—especially using the methods of spiritual science, one comes to realize that these things are far older than the founding of Christianity. If one takes the Mass, one must go back to very ancient forms of the ancient mysteries in order to understand its content. In a certain sense, the rituals of the ancient mysteries were conducted in a manner similar to the sequence of the Mass. And the point is this: when the Mystery of Golgotha took place within the course of Earth’s evolution, the sages—the true sages of all mystery traditions, who are, after all, represented in the Bible by the “Three Wise Men from the East”— in a sense offered up their ritual, their worldview, and their insights as a sacrifice to honor and comprehend the Mystery of Golgotha. In a sense, what had been offered to the old gods was transferred to the new God who had passed through the Mystery of Golgotha. So that if one now wishes, I might say, to imbue the formulas of today’s church with spiritual vitality, one can attain such spiritual vitality only by looking back to the meaning that was associated with these things in the Mysteries. Otherwise, they remain empty; otherwise, they remain devoid of content. If they remain empty, devoid of content, then one can certainly lull congregations to sleep with them, but one cannot awaken them; one cannot bring them into a true connection with the spiritual world; one can only ensure that the congregation sleeps gently in its members.

[ 8 ] Wir leben heute in einer Zeit, in der eigentlich die Geister aufgeweckt werden müssen. Das können Sie ja aus einer solchen Betrachtung entnehmen wie die, die wir gestern angestellt haben. Man hat aber durch viele Jahrhunderte hindurch die Geister eingeschläfert, indem man heraufgebracht hat als Tradition, als Überlieferung dasjenige, was eigentlich aus den alten Mysterien stammt und wofür der inhaltliche Sinn verlorengegangen ist. In solchen Dingen, die dem Wortlaute nach entlehnt sind den alten Mysterien, in denen man nicht bloß den Wortlaut hatte, sondern den inneren Sinn, in solchen Dingen haben die Religionsbekenntnisse ein mächtiges, man darf sagen magisch wirkendes Mittel, um auf weite Kreise der Gemeinden seeleneinschläfernd zu wirken, denn den Worthülsen bleibt in einem gewissen Sinne die Wirkung. Und diese Wirkung möchten sich die Bekenntnisse bewahren, möchten nicht diese Wirkungsmöglichkeit verlieren. Wenn daher heute eine Geistesströmung auftritt, welche wiederum aus ursprünglicher Erkenntnis heraus hinweist auf den Inhalt dieser Dinge, dann ist das selbstverständlich niemandem fataler als denjenigen, die nur den leeren Wortschwall, die leere Worthülse bewahren möchten. Man kann leicht sagen: Die Kirchen bewahren diese leeren Worthülsen. — Aber der moderne Sinn, jener moderne Sinn, der sich heute in allen möglichen Bewegungen eben modernster Art auch geltend macht, der kümmert sich nicht um diese Bekenntnisse. Vor allen Dingen kann man großtun und vom Gesichtspunkte moderner Wissenschaftlichkeit aus erklären, man sei hinaus über diese Worthülsen, man sei aufgeklärt. Man ist aber nicht aufgeklärt, wenn man zum Beispiel im Sinne der modernen Naturwissenschaft eine Weltanschauung begründet, wie es die modernen monistischen Weltanschauungen sind, wie es die Weltanschauungen sind, die die modernen sozialen Einrichtungen bewirken möchten. Man ist aus dem Grunde nicht aufgeklärt, weil diese moderne Wissenschaft nichts anderes ist als die Fortsetzung jener Worthülsen. Ohne daß sie es weiß, ist sie das. Sie studieren heute Naturwissenschaft, und in dem Augenblicke, wo Sie zu den Naturgesetzen aufsteigen, haben Sie nur die Destillate der mittelalterlichen Worthülsen, in denen sogar im Mittelalter noch viel mehr war von dem alten Sinn, als heute in der Wissenschaft ist. Kein Wunder, daß wir in der Niedergangszeit leben!

[ 8 ] We live today in a time when people’s spirits really need to be awakened. You can see this from a reflection such as the one we undertook yesterday. But over many centuries, people have lulled the spirits to sleep by presenting as tradition—as a legacy—that which actually originates from the ancient mysteries, yet whose inner meaning has been lost. In such matters—which, in terms of wording, are borrowed from the ancient mysteries, where one had not merely the wording but the inner meaning—in such matters, the religious creeds possess a powerful, one might say magically effective, means of lulling the souls of broad segments of the congregations to sleep, for the empty phrases retain their effect in a certain sense. And the creeds wish to preserve this effect; they do not wish to lose this potential for influence. Therefore, when a spiritual current emerges today that, based on original insight, points once again to the substance of these matters, this is, of course, most detrimental to those who wish to preserve only the empty torrent of words, the empty phrases. It is easy to say: The churches preserve these empty phrases. — But the modern mindset—that very modern mindset which today asserts itself in all manner of movements of the most modern kind—does not care about these creeds. Above all, one can put on airs and declare, from the standpoint of modern scientific thinking, that one has moved beyond these empty phrases, that one is enlightened. But one is not enlightened if, for example, one establishes a worldview in the spirit of modern natural science—such as the modern monistic worldviews, or the worldviews that modern social institutions seek to bring about. One is not enlightened for this very reason: because this modern science is nothing other than the continuation of those empty phrases. Without realizing it, that is exactly what it is. You study natural science today, and the moment you ascend to the laws of nature, you have nothing but the distillates of medieval empty phrases—phrases in which, even in the Middle Ages, there was far more of the old meaning than there is in science today. No wonder we are living in a time of decline!

[ 9 ] Aber auf der anderen Seite können Sie daraus ersehen, wie sehr es den Trägern solcher Erkenntnisse darum zu tun sein muß, daß ihr Ursprung nicht enthüllt werde. Ein großer Teil der neuesten Bemühungen der verschiedenen Bekenntnisse, die das Abendland in die Katastrophe hineingeritten haben, geht dahin, alles das mit allen möglichen Mitteln zu bekämpfen, was gerade auf den Ursprung desjenigen hinweist, was in den Wortformeln der einzelnen christlichen Bekenntnisse enthalten ist. Gerade die offiziellen Vertreter der christlichen Bekenntnisse sind am allermeisten bemüht, nicht aufkommen zu lassen, was auf den Ursprung ihrer Wortformeln hinweist, weil sie dadurch außerstande werden würden, die Seelen ihrer Gemeinden schlafend zu erhalten. Denn in dem Augenblicke, wo man hineingießt in diese Wortformeln wirklichen Geist, in dem Augenblick, wo sich die Menschen bereit finden, solchen Geist aufzunehmen, in diesem Augenblicke sieht man, wie es mit dem Schlafenlassen der Seelen nicht weitergeht. Die Seelen können sich allerdings verschließen, weiterschlafen, aber sie finden dann doch nicht die nötige Ruhe in diesem Schlafe; sie fangen wenigstens an, von allerlei zu träumen. Jedenfalls aber sieht nur derjenige die heutigen Bekenntnisse richtig an, der sich sagt: In diesen Bekenntnissen stecken die Worthülsen für große Weltengeheimnisse. Aber die Träger dieser Worthülsen sind heute bestrebt, diesen Ursprung abzuleugnen und zu verfolgen diejenigen, die auf diesen Ursprung hinweisen.

[ 9 ] But on the other hand, you can see from this how much those who possess such knowledge must be concerned that its origin not be revealed. A large part of the most recent efforts by the various denominations—which have led the West into catastrophe—is directed toward combating, by every possible means, anything that points specifically to the origin of what is contained in the verbal formulas of the individual Christian denominations. It is precisely the official representatives of the Christian denominations who are most eager to prevent anything from coming to light that points to the origin of their verbal formulas, because this would render them incapable of keeping the souls of their congregations asleep. For the moment one infuses these verbal formulas with a true spirit—the moment people find themselves ready to receive such a spirit—it becomes clear that keeping the souls asleep is no longer possible. The souls may indeed close themselves off and continue to sleep, but they will not find the necessary peace in this sleep; at the very least, they will begin to dream all manner of things. In any case, however, only those who say to themselves, “These creeds contain the empty phrases for great cosmic mysteries,” can view today’s creeds correctly. But the bearers of these empty phrases today strive to deny this origin and to persecute those who point to it.

[ 10 ] Nehmen Sie ein konkretes Beispiel. Sei es auf seiten der evangelischen Professoren oder Pastoren, sei es auf seiten der katholischen, sei es auf seiten der Universitäts-«Pastoren» der Naturgeschichte, der Physiologie, der Mathematik oder dergleichen, der Astronomie, kurz, sei es auf seiten des Pfaffentums jeglicher Richtung, des atheistischen oder des theistischen, Sie werden heute finden, daß man sich lustig macht darüber, und man weiß nicht, wie sehr man dabei nach dem Spruche verfährt: Man spottet seiner selbst und weiß nicht wie! — Denn alle diese Bekenntnisse, woher haben sie denn dasjenige, was sie aus ihren verschiedenen Religionsbüchern ihren schlafenden gläubigen Seelen geben? Aus der Akasha-Chronik! Nur soll die Spur verwischt werden. Es soll verwischt werden, daß im alten atavistischen Hellsehen aus der Akasha-Chronik dasjenige geschöpft worden ist, was in allen religiösen Urkunden einschließlich der Bibel steckt. Wenn daher in der heutigen Zeit jemand kommt und auf diese Akasha-Chronik hinweist und sagt: Das ist Unsinn! — dann sagt er damit selbstverständlich, daß auch dasjenige, was er selbst lehrt, Unsinn ist, denn es hat dieselbe Quelle. Diese selbe Quelle wird damit verleugnet; es wird über diese Quelle gelogen, nur ist es von Amts wegen, daß über diese Quelle gelogen wird. Das ist das Korrumpierende in unserer Zeit, denn das schläfert die Seelen ein. Das bringt die Menschen überall auf die konfusesten Urteile auch im alltäglichen Leben. Das bewirkt schon, daß man selbst heute Anhänger anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft sein kann und noch immer nicht so weit gekommen ist, daß man mit offenen Augen die Dinge sieht, die sich abspielen, daß man auf gewisse Zusammenhänge gar nicht hinschauen will. Und wenn man hinschaut, so interpretiert man sie in der Regel ins Gegenteil um.

[ 10 ] Give a specific example. Whether on the part of Protestant professors or pastors, whether on the part of Catholic ones, whether on the part of the university “pastors” of natural history, physiology, mathematics, or the like—astronomy, in short—whether on the part of the clergy of any persuasion, whether atheistic or theistic, you will find today that people are making fun of it, and they do not realize how closely they are following the saying: “They mock themselves and do not even know it!” — For all these creeds—where do they get what they impart to the slumbering souls of their believers from their various religious texts? From the Akashic Records! But the trail is to be covered up. It is to be obscured that what is contained in all religious texts, including the Bible, was drawn from the Akashic Records through ancient, atavistic clairvoyance. So when someone today comes along and points to this Akashic Records and says, “That’s nonsense!”—then he is, of course, saying that what he himself teaches is also nonsense, for it comes from the same source. This very source is thereby denied; lies are told about this source, only now these lies are told by official authority. That is what is corrupting our time, for it lulls the souls to sleep. It leads people everywhere to the most confused judgments, even in everyday life. This means that even today, one can be a follower of anthroposophically oriented spiritual science and still not have reached the point where one sees what is happening with open eyes—indeed, one does not even want to look at certain connections. And when one does look, one usually interprets them in exactly the opposite way.

[ 11 ] Ich möchte Sie da auf eine heutige Zeiterscheinung aufmerksam machen, von der ich schon jetzt sage, daß sie noch in den mannigfaltigsten Farben schillern wird, weil diejenigen, denen sie zupaß kommt, sich noch lange katzbalgen werden. Aber heute weist diese Zeiterscheinung schon auf tiefere Zusammenhänge hin. Vielleicht ist es Ihnen aufgefallen, daß die Welt heute überall sagt: Die Entente lenkt ein, sie geht etwas ab von den furchtbaren Bestimmungen des Versailler Friedens. Man weist mit einer gewissen Befriedigung von Mitteleuropa aus auf solche Dinge hin; man bespricht solches in neutralen Ländern. Aber man bringt das nicht in Zusammenhang mit derjenigen Erscheinung, mit der es im Zusammenhang steht. Wenn auch die Mächte sich noch katzbalgen werden und der Zusammenhang wiederum verdeckt werden wird, heute steht es im Zusammenhang. Fehrenbach ist deutscher Reichskanzler; er gehört dem Zentrum an. Der römische Klerikalismus ist daran, ungeheure Eroberungen in der Welt zu machen, und man denkt anders jetzt, wo die Chancen von Rom besser stehen, als sie vor Wochen gestanden haben, über die Revision des Versailler Friedens, als man etwa gedacht hat. Es macht nichts aus, daß diejenigen im ehemaligen Deutschland, die immer die gescheiten Politiker sind, gesagt haben: Die Entente wird ja keine Freude haben gerade an Fehrenbach, dem Reaktionär!

[ 11 ] I would like to draw your attention to a contemporary phenomenon, about which I can already say that it will continue to shimmer in the most varied hues, because those who stand to gain from it will continue to squabble for a long time to come. But even today, this phenomenon already points to deeper connections. Perhaps you have noticed that the world is saying everywhere today: The Entente is backing down; it is moving somewhat away from the terrible provisions of the Treaty of Versailles. People in Central Europe point to such things with a certain satisfaction; they discuss them in neutral countries. But they do not connect this to the phenomenon with which it is actually linked. Even if the powers will continue to squabble and the connection will once again be obscured, today it is indeed connected. Fehrenbach is the German Reich Chancellor; he belongs to the Center Party. Roman clericalism is in the process of making tremendous inroads throughout the world, and now that Rome’s prospects are better than they were weeks ago, people are thinking differently about the revision of the Treaty of Versailles than they might have thought before. It doesn’t matter that those in former Germany—who are always the shrewd politicians—have said: “The Entente certainly won’t be pleased with Fehrenbach, the reactionary!”

[ 12 ] Wenn man diese Dinge durchschauen will, dann muß man ganz andere Dinge noch ins Auge fassen, um ein wenig zu beurteilen, was eigentlich in den Strömungen der Zivilisationsentwickelung liegt. Es dürfte Ihnen bekannt sein, daß fast jede zwölfte Predigt, gering gerechnet, irgendwo in dem Felde der katholischen Kirche gegen das Freimaurertum wettert. Es ist Ihnen ja wohl eine ganz bekannte Erscheinung. Nun, dieses Wettern gegen das Freimaurertum, es darf heute gegenüber gewissen Strömungen, die wohl wissen, was siettun und die zum Beispiel vom westlichen Zentrum ausgehen, die Menschen interessieren. Denn wir haben es da zu tun auf der einen Seite mit der römischen Kirchenströmung; ich sage jetzt nicht, mit dem Christentum, sondern mit der römischen Kirchenströmung, denn Christen gibt es wenige, Anhänger der römischen Kirche viele. Wir haben es auf der anderen Seite zu tun mit einer ganzen Reihe von geheimen Gesellschaften, die in den englisch-amerikanischen Ländern sind, und ich habe ja während des Krieges auf die Tendenzen, die Ziele solcher Geheimgesellschaften hingewiesen. Es gibt solche Geheimgesellschaften der verschiedensten Färbung. Diejenigen, die in den sogenannten unteren Graden solcher Geheimgesellschaften sind, wissen in der Regel sehr wenig von dem, was die obersten Leiter eigentlich beabsichtigen; aber auch innerhalb der obersten Leitungen gibt es die mannigfaltigsten Strömungen. Von einer solchen Strömung, die sich aber wiederum hineinstellt in ein Ganzes, das wir heute nicht betrachten wollen — wir wollen uns beschränken auf eine solche Strömung —, von einer solchen Strömung möchte ich heute sprechen. Sehen Sie, da gibt es solche Strömungen, welche aufbauen auf dem Freimaurertum. Das Freimaurertum hat zunächst für seine Angehörigen drei Grade, die heute auch schon im Grunde genommen Worthülsen, Wortformeln, rituelle Hülsen, rituelle Formeln geworden sind, aus denen heraus der Sinn nur gefunden werden kann, wenn man mit moderner Geist-Erkenntnis, moderner Geistesschau in diese Dinge hineinleuchtet. Aber immerhin, bei allen solchen Gesellschaften sind die drei untersten Grade so geformt, daß immerhin überschaut werden kann von dem, der Geist genug hat, um das Ritual richtig zu verfolgen, wie dieses Ritual auf uralten Zeremonien, Mysterienzeremonien beruht. Und es kann in einem gewissen Sinne — allerdings nicht, wenn man dieses Ritual bloß auf sich wirken läßt, sondern wenn man es beleuchtet mit geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen —, es kann so etwas erahnt werden, wie es der Zusammenhang zwischen dem ist, was sich in den Mysterien vollzog vor dem Mysterium von Golgatha und zwischen dem, was die Aufgabe der Menschheit ist nach dem Mysterium von Golgatha. Aber nun ist in vielen solcher maurerischen Strömungen daraufgesetzt worden auf diese drei Grade eine ganze Summe von höheren Graden. Ich rede jetzt, das will ich noch einmal bemerken, nicht im allgemeinen von den Hochgraden, sondern von gewissen Hochgraden gewisser freimaurerischer Orden und anderer okkulter Gesellschaften, des Oddfellows-Orden und so weiter, wiederum nicht von allen, denn auf diesem Gebiete ist immer das Echte von dem Unechten außerordentlich schwer zu unterscheiden; aber ich rede von gewissen sehr verbreiteten Strömungen auf diesem Gebiete. Da wird aufgebaut auf den drei niedersten Graden, in denen die Menschen eingeweiht werden in das Menschsein, in das «Erkenne dich selbst», in das Geheimnis des Todes und seinen Zusammenhang mit dem Lauf des Kosmos, da wird aufgebaut ein ganzes System von hohen Graden. Mancher dieser Orden hat fünfundneunzig Grade. Sie können sich denken, wie stolz man sein kann, wenn man in fünfundneunzig Graden eingeweiht ist. Nur können Sie sich nicht denken, wie mager diese Einweihungen sind, weil man sich gewöhnlich etwas außerordentlich Tiefes und Bedeutsames hinter jenen leeren Worthülsen vorstellt, aber sie sind da. Sie haben allerdings, ich möchte sagen, gewisse Ranken dieser ganzen Dinge, der Worthülsen, zu ihren Inhalten. Es steckt eben in diesen Worthülsen doch manches, und es wird immer dann gerechnet von denen, die solche Worthülsen geben, daß es doch einige Menschen gibt, die dann nachdenken, die daran denken, daß da auch etwas drinnenstecken müßte,

[ 12 ] If one wants to understand these things, one must consider entirely different factors in order to gain some insight into what actually lies at the heart of the currents of civilization’s development. You are probably aware that, at a conservative estimate, nearly one in every twelve sermons somewhere within the Catholic Church rails against Freemasonry. This is, after all, a phenomenon with which you are quite familiar. Well, this railing against Freemasonry may be of interest to people today in light of certain currents—currents that know exactly what they are doing and that, for example, originate from the West. For we are dealing here, on the one hand, with the Roman Catholic movement; I am not speaking now of Christianity, but of the Roman Catholic movement, for there are few Christians, but many adherents of the Roman Catholic Church. On the other hand, we are dealing with a whole series of secret societies in the Anglo-American countries, and I did, after all, point out during the war the tendencies and goals of such secret societies. There are such secret societies of the most diverse kinds. Those who are in the so-called lower degrees of such secret societies generally know very little of what the top leaders actually intend; but even within the top leadership there are the most diverse currents. I would like to speak today about one such current—which, however, is itself part of a larger whole that we will not consider today; we will limit ourselves to this one current. You see, there are such currents that build upon Freemasonry. Freemasonry initially has three degrees for its members, which today have essentially become empty phrases, verbal formulas, ritual shells, and ritual formulas—from which meaning can only be found if one sheds light on these things with modern spiritual insight, modern spiritual vision. But at any rate, in all such societies, the three lowest degrees are structured in such a way that anyone with sufficient spiritual insight to follow the ritual correctly can at least grasp how this ritual is based on ancient ceremonies—mystical ceremonies. And in a certain sense—though not merely by allowing this ritual to take effect upon oneself, but by illuminating it with insights from spiritual science—one can sense something of the connection between what took place in the mysteries before the Mystery of Golgotha and what humanity’s task is after the Mystery of Golgotha. But now, in many such Masonic movements, a whole series of higher degrees has been superimposed upon these three degrees. I am speaking now—and I want to note this once again—not in general terms about the higher degrees, but about certain higher degrees of certain Masonic orders and other occult societies, such as the Odd Fellows and so on; nor am I speaking of all of them, for in this field it is always extremely difficult to distinguish the genuine from the inauthentic; but I am speaking of certain very widespread currents in this field. Building upon the three lowest degrees—in which people are initiated into humanity, into “Know Thyself,” and into the mystery of death and its connection to the course of the cosmos—an entire system of high degrees is constructed. Some of these orders have ninety-five degrees. You can imagine how proud one might be to be initiated into ninety-five degrees. But you cannot imagine how meager these initiations are, because people usually imagine something extraordinarily profound and significant behind those empty phrases—yet they are there. They do, however—I would say—have certain threads connecting all these things, these empty phrases, to their actual content. There is, after all, quite a bit hidden within these empty phrases, and those who use such phrases always count on the fact that there are some people who will then reflect on them, who will think that there must be something inside them as well,

[ 13 ] Nun ergibt sich etwas sehr Eigentümliches. Wenn nun wirklich Menschen kommen, die nachdenken, was in diesen Hochgraden drinnensteckt, die ihnen verliehen worden sind, oder in die sie eingeweiht worden sind — es gibt Menschen, die dann anfangen nachzudenken —, dann stellt sich ein ganz bestimmter Erfolg ein. Wenn diese Menschen auch schon nachgedacht haben in den drei niederen Graden und irgendwie wenigstens etwas geahnt haben in den drei niederen Graden, dann wird das, was sie in den drei niederen Graden erahnt haben, vollständig kaputtgemacht durch dasjenige, was ihnen eingepflanzt wird bei den Hochgraden. Da wird ein furchtbarer Nebel ausgegossen über dasjenige, was in den drei niederen Graden etwa erahnt werden kann. Und ohne daß die Menschen meistens in ihrem Bewußtsein irgendwelche Klarheit darüber haben, werden sie in diesen Hochgraden benebelt. Woher kommt das? Das kommt davon her, daß in gewissen Zeiträumen, Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts, aber bis in unsere Zeiten herein, gewisse Leute sich eingeschlichen haben in jene maurerischen Orden, drinnen waren und diese Hochgrade hineingetragen haben, diese Hochgrade innerhalb des Maurertums ausgebildet haben, so daß in einer Anzahl dieser Hochgrad-Maurerorden diese Fremdkörper drinnen sind; Hochgrade, ausgebaut von fremden Persönlichkeiten, die sich hineingeschlichen haben. Die Menschen sind ja leichtgläubig, auch dann oftmals, wenn sie eingeweiht sind in die Sachen. Und diejenigen, die sich eingeschlichen haben, das sind die Mitglieder der «Gesellschaft Jesu», das sind die Jesuiten. In einem bestimmten Zeitpunkte, vom Ende des 18. Jahrhunderts ab, wimmelte es in den Freimaurerorden von Jesuiten, und die machten für gewisse Orden die Hochgrade. So daß Sie Jesuitismus nicht etwa nur da finden, wo über Freimaurertum geschimpft wird oder gegen das Freimaurertum gepredigt wird, sondern Sie finden in den Hochgraden sehr, sehr viel reinsten Jesuitismus. Das schadet ja alles nichts nach Ansicht des Jesuitismus, daß man über dasjenige, was man selber eingerichtet hat, herfällt, denn das gehört auf diesem Gebiete zur Politik, zur richtigen Menschenlenkung. Wenn man die Menschen einem bestimmten Ziele zuführen will, einem klaren, einem dem Menschen klaren Ziel, nicht bloß dem Leitenden, dem Führenden klaren Ziel, dann ist es gut, wenn man sie bloß von einer Seite her anfaßt und ihnen einen Weg zu diesem Ziele zeigt. Wenn man aber sie möglichst dumpf und schläfrig halten will, zeigt man ihnen zwei Wege oder vielleicht sogar mehrere, aber zunächst genügen zwei. Einer geht so, und einer geht so (siehe Zeichnung). Man ist Jesuit, indem man der Gesellschaft Jesu offiziell angehört, und nimmt diesen Weg, oder man ist Jesuit, indem man irgendeinem Hochgrad-Freimaurerorden angehört und nimmt diesen Weg. Dann guckt der Mensch hin. Er wird sich sehr schwer zurechtfinden. Man kann ihn sehr leicht verwirren.

[ 13 ] Now something very peculiar happens. When people actually begin to reflect on what lies within these higher degrees—which have been bestowed upon them or into which they have been initiated—there are people who then start to think—a very specific result sets in. Even if these people have already reflected on the three lower degrees and have somehow at least sensed something in them, what they sensed in the three lower degrees is completely destroyed by what is instilled in them in the higher degrees. A terrible fog is cast over whatever might have been sensed in the three lower degrees. And without people usually having any clarity about it in their consciousness, they are clouded over in these higher degrees. Where does this come from? It stems from the fact that during certain periods—the late 18th and early 19th centuries, but continuing right up to our own time—certain people infiltrated those Masonic orders, gained entry, and introduced these higher degrees, establishing them within Freemasonry, so that in a number of these higher-degree Masonic orders, these foreign elements are present; High Degrees, developed by outside figures who have infiltrated them. People are, after all, gullible, even when they are well-versed in these matters. And those who have infiltrated them are the members of the “Society of Jesus”—the Jesuits. At a certain point in time, starting at the end of the 18th century, the Masonic orders were teeming with Jesuits, and they established the high degrees for certain orders. So you don’t just find Jesuitism where Freemasonry is reviled or preached against, but you find a great deal of the purest Jesuitism within the high degrees themselves. From the Jesuit perspective, it does no harm at all to attack what one has oneself established, for in this realm that is part of politics—of the proper guidance of people. If one wants to lead people toward a specific goal—a clear goal, one that is clear to the people themselves, not merely to the leader—then it is best to approach them from only one side and show them a path to that goal. But if one wants to keep them as dull and drowsy as possible, one shows them two paths, or perhaps even more, though two are sufficient for now. One path goes this way, and one goes that way (see drawing). One is a Jesuit by officially belonging to the Society of Jesus and taking this path, or one is a Jesuit by belonging to some high-degree Masonic order and taking that path. Then the person looks around. He will find it very difficult to find his way. It is very easy to confuse him.

Diagram 1 Diagram 1

[ 14 ] Unser öffentliches Leben ist in der mannigfaltigsten Weise durchzogen von solchen verwirrenden Strömungen. Die Menschen hätten heute alle Ursache, eben aufzuwachen und die Dinge sich anzusehen, denn man braucht nicht den Dingen zu verfallen. Aber die meisten verfallen heute diesen Dingen. Man braucht ja nur auf ein etwas längeres Leben hinzusehen, um zu wissen, wie Menschen, mit denen zusammen man jung war, und die noch leben, statt sich irgendwelcher geisteswissenschaftlichen Richtung zuzuwenden, ganz in den Schoß der katholischen Kirche zurückgegangen sind. Solche Beispiele sind mir viele bekannt. Sie weisen nur hin auf manches, was eben in unserer Zeit sich vollzieht, und es geht nicht an, auf diese Dinge nicht aufmerksam zu machen, nicht hinzuweisen. Namentlich gegenwärtig ist es von allerdringlichster Notwendigkeit, daß unsere anthroposophischen Freunde hingewiesen werden auf solche Dinge, wenn es auch vielleicht nur bei einem recht kleinen Teil irgendwie zum wirklich nötigen Ernst die Veranlassung sein kann. Denn gerade an diesem Ernste fehlt es ja in der Gegenwart, an diesem Ernst, den man so sehr herbeisehnen möchte. Sie müssen sich einmal bekanntmachen damit, daß wir es auf dem Boden der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft zu tun haben mit einer wichtigen Wendung. Selbstverständlich mußte zunächst diese geistige Bewegung beginnen — ich will diese Dinge morgen noch genauer ausführen, ich will heute nur einiges fadenzeichnen und werde morgen genauer auf einige Dinge gerade auf diesem Gebiete eingehen —, es mußte zunächst eine Summe von geistigen Wahrheiten vermittelt werden. Jetzt stehen wir vor der Notwendigkeit, vor der unbedingten Notwendigkeit, diese geistigen Wahrheiten praktisch zu machen. Diese Wendung sollte unter uns tüchtig ernst berücksichtigt werden. Solange die anthroposophische Bewegung bloß eine geisteswissenschaftliche Bewegung war, eine Bewegung der Lehre, der Ideenverbreitung, so lange war sie eben etwas, das gewissermaßen forttrug wie in einem Flußbette eine Strömung, die geistig war. Da mochten sich Cliquen, da mochten sich viel Tändelei, Spielerei, nebulose Mystik unter den Anhängern geltend machen, der Geist schafft sich immer seinen Weg und er geht über Cliquenwesen, über Vorurteile, über Selbstsucht hinweg. In dem Augenblicke, wo die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft ins soziale Leben eingreifen will, wo sie praktisch werden will, wie sie es seit mehr als einem Jahre tut, da ist das nicht mehr angängig, da stehen wir wirklich vor neuen seelischen Aufgaben, und diese neuen seelischen Aufgaben müssen mit Ernst erfaßt werden. Da muß tatsächlich einmal verstanden werden, daß es mit dem Cliquenwesen, mit alledem, was als Tändelei, als Spielerei, als falsche Mystik eingezogen ist in unsere Reihen, nicht weitergehen kann, weil das zerstörerisch wirken würde. Man muß sich eben das sagen: Die Dinge werden ernst gegenüber dem, was in der Gegenwart durch die Welt wallt. — Und demgegenüber habe ich ja so oftmals gesagt: Man möchte noch etwas ganz anderes in seine Worte legen können, als man gemeiniglich legen kann, um eine Resonanz hervorzurufen in den Seelen für dasjenige, was man eigentlich zu sagen hat gegenüber den Angelegenheiten der Gegenwart. Dasjenige, was gesagt wird, findet ja so wenig Echo; verzeihen Sie schon eben, daß ich das so trocken und unverhohlen ausspreche, aber es findet wenig Echo. Immer wieder und wiederum wird darauf hingewiesen, daß die Dinge nicht gleich durchschaut werden können, daß man erst eine Weile vorwärtskommen will und so weiter. Aber würde man sich nicht von Vorurteilen täuschen lassen, würde man nicht Vorurteile sogar lieben, so würde man viel eher ergriffen werden von dem eigentlichen Impuls, der in diesem hier gemeinten geisteswissenschaftlichen Leben liegt. Auf seiten der Gegner wird das durchaus gewußt und erkannt, und ich möchte sagen: Die Gegner zeigen, daß man wahrhaftig kein Genie zu sein braucht, um die wirksamen Mittel zu finden.

[ 14 ] Our public life is permeated in the most diverse ways by such confusing currents. People today have every reason to wake up and take a good look at things, for there is no need to succumb to them. But most people today do succumb to these things. One need only look back over a somewhat longer span of life to see how people with whom one was young—and who are still alive—have, instead of turning to some form of spiritual science, returned entirely to the bosom of the Catholic Church. I know of many such examples. They merely point to some of what is taking place in our time, and it is unacceptable not to draw attention to these things, not to point them out. Especially at the present time, it is of the utmost urgency that our anthroposophical friends be made aware of such things, even if this may only serve to inspire the truly necessary seriousness in a very small number of them. For it is precisely this seriousness that is lacking today—the very seriousness for which we so deeply long. You must first come to terms with the fact that, on the basis of anthroposophically oriented spiritual science, we are facing an important turning point. Of course, this spiritual movement had to begin—I will elaborate on these matters in greater detail tomorrow; today I will merely outline a few points and will go into more detail tomorrow on certain aspects specifically in this area—it was first necessary to convey a body of spiritual truths. Now we face the necessity—the absolute necessity—of putting these spiritual truths into practice. This turning point should be taken very seriously among us. As long as the anthroposophical movement was merely a spiritual-scientific movement—a movement of teaching and the dissemination of ideas—it was, so to speak, something that carried on like a spiritual current in a riverbed. Even if cliques, even if a great deal of frivolity, playfulness, and nebulous mysticism were to take hold among the followers, the spirit always forges its own path and transcends cliques, prejudices, and selfishness. The moment anthroposophically oriented spiritual science seeks to intervene in social life—the moment it seeks to become practical, as it has been doing for more than a year—that approach is no longer viable; we are truly faced with new spiritual tasks, and these new spiritual tasks must be taken seriously. We must truly understand once and for all that clique mentality—and everything that has crept into our ranks as frivolity, as playfulness, as false mysticism—cannot continue, because it would have a destructive effect. One simply has to tell oneself this: Things are becoming serious in the face of what is currently sweeping through the world. — And in contrast to that, I have said so often: One would like to be able to imbue one’s words with something quite different from what one can usually do, in order to evoke a resonance in people’s souls for what one actually has to say regarding the affairs of the present. What is said finds so little echo; please forgive me for putting it so bluntly and openly, but it finds little echo. Time and again, it is pointed out that things cannot be understood immediately, that one must first make some progress, and so on. But if one were not deceived by prejudices—if one did not even cherish prejudices—one would be much more readily moved by the actual impulse that lies at the heart of this spiritual-scientific life I am referring to. The opponents are well aware of this, and I would like to say: The opponents demonstrate that one truly does not need to be a genius to find effective means.

[ 15 ] Ich habe hier, bevor ich abgereist bin, einen öffentlichen Vortrag gehalten: «Die Wahrheit über die Anthroposophie und deren Verteidigung wider die Unwahrheit.» Ich habe in jenem Vortrage, selbstverständlich nur als eine Redewendung, gesagt, die Angriffe, welche von dem sogenannten «Spektator» erschienen sind, könne ich nicht zuschreiben einem gebildeten Menschen, denn ein gebildeter Mensch könne unmöglich so etwas von sich geben, wie dort wiedergegeben ist; ich könne auch nicht annehmen, daß es irgend jemand von sich gegeben hat, der irgend etwas an Bildung, eine Gymnasial- oder eine akademische Schulung hinter sich hat, denn Stil und Haltung wiesen eben auf einen durchaus ungebildeten Menschen hin. — Es war, wie gesagt, nur eine Redewendung, und so bin ich überrascht worden von dem Titelblatte der nun als Broschüre vereinigten Aufsätze. Die Broschüre heißt «Das Geheimnis des Tempels von Dornach. Erster Teil», ein zweiter kommt also noch: «Geschichtliches über die Theosophie und ihre Ableger», von Max Kully, Pfarrer von Arlesheim. Es scheint also doch, wenn Arlesheim nicht einen Pfarrer hat, der ohne Gymnasiumsund Theologiestudium ist, es scheint also doch ein gebildeter Mensch zu sein, der diese Dinge geschrieben hat.

[ 15 ] Before I left, I gave a public lecture here titled: “The Truth About Anthroposophy and Its Defense Against Falsehood.” In that lecture, I said—of course, merely as a figure of speech—that I could not attribute the attacks published by the so-called “Spektator” to an educated person, for an educated person could not possibly utter such things as are reproduced there; nor could I assume that it had been written by anyone who had received any education—whether a high school or university education—since the style and tone clearly pointed to a thoroughly uneducated person. — As I said, it was merely a figure of speech, and so I was taken aback by the title page of the essays, now compiled into a pamphlet. The pamphlet is titled “The Secret of the Temple at Dornach: Part One”; a second part is thus still to come: “A Historical Account of Theosophy and Its Offshoots,” by Max Kully, pastor of Arlesheim. It would seem, then, that unless Arlesheim has a pastor who has not attended high school or studied theology, the person who wrote these things must indeed be an educated individual.

[ 16 ] Nun — das andere folgt noch —, versprochen wird der zweite Teil dieser Broschüre, die bereits angefangen ist: es wird sehr genau berichtet über diese Dinge. Gesagt wird, sie wird eine Aufklärung bieten über Steiner-Methode, okkultes Schulen und Lehrgebäude. Steiner im Urteil ehemaliger "Theologen. Steiner als Finanzmann und in seiner allerneuesten Rolle als Soziologe. — Also Sie sehen, es werden noch mancherlei Dinge da nachkommen!

[ 16 ] Well—more on that later—the second part of this brochure, which has already been started, is promised: it will provide a very detailed account of these matters. It is said that it will shed light on the Steiner method, occult schools, and doctrinal systems; Steiner as judged by former “theologians”; Steiner as a financier; and in his very latest role as a sociologist. — So, as you can see, there are still many things to come!

[ 17 ] Und immerhin, einiges Interessante ist auch in diesem Broschürchen, das mir heute in die Hand gegeben worden ist mit einem Pack von Angriffen, die in der letzten Zeit gekommen sind. Sie sehen, es ist ein nettes Päckchen! Ich habe.die Dinge nur so etwas durchgeflogen, aber immerhin, interessant ist doch die Art und Weise, wie jener «gebildete Mann» schreibt. Ich brauche Sie ja nicht zu erinnern daran, was ich hier gesagt habe über die Kenntnis dieses Mannes von der AkashaChronik. Er hat so darüber geschrieben, wie wenn das ein Buch wäre, das man in der Bibliothek hat und aus dem man abschreibt. Jetzt sagt er in einem Nachtrage zu seinem Artikel: «Steiner kam in seinem Vortrag» — es ist jener Vortrag über «Die Wahrheit über die Anthroposophie...» — «auch auf die Akasha-Chronik zu sprechen. Er bestritt und bespöttelte das, was Spektator im «Katholischen Sonntagsblatt> über diese Sache brachte.»

[ 17 ] And after all, there are some interesting things in this little pamphlet that was handed to me today, along with a bundle of attacks that have come in recently. As you can see, it’s quite a nice little bundle! I’ve only skimmed through these things, but still, the way that “educated man” writes is interesting. I certainly don’t need to remind you of what I’ve said here about this man’s knowledge of the Akashic Records. He wrote about it as if it were a book you’d find in a library and copy from. Now, in an addendum to his article, he says: “In his lecture”—it’s that lecture on ‘The Truth About Anthroposophy...’—“Steiner also touched on the Akashic Records. He denied and mocked what *Spektator* published in the *Katholisches Sonntagsblatt* on this subject.”

[ 18 ] Also jener «gebildete Mann» hat etwas über die Akasha-Chronik aus den ihm überlieferten Vorträgen von Stuttgart und Düsseldorf und aus der Vaterunser-Erklärung entnommen, und, weil nötig war zu sagen, daß der «Tropf» nicht imstande ist, so etwas zu verstehen, weil er aber glaubt, daß die Unfehlbarkeit der Kirche selbstverständlich auch in ihm wirke, er nicht fehlbar sein kann, so findet er es nötig, zu sagen, ich verleugnete meine eigenen Schriften, er sagt das, obwohl bloß dasjenige verleugnet werden mußte, was der Pfarrer von Arlesheim sagt!

[ 18 ] So this “educated man” has gleaned something about the Akashic Records from the lectures delivered in Stuttgart and Düsseldorf that were passed down to him, and from the explanation of the Lord’s Prayer; and, because it was necessary to say that the “fool” is incapable of understanding such things—yet since he believes that the infallibility of the Church naturally extends to him as well— he cannot be fallible, he therefore feels it necessary to say that I denied my own writings—he says this even though the only thing that had to be denied was what the pastor of Arlesheim says!

[ 19 ] Sie sehen, die Dinge gehen etwas weit in bezug auf dasjenige, was hier genügend gekennzeichnet worden ist in jenem Vortrage, bevor ich abgereist bin. Nun aber, was jetzt kommt, das ist doch einigermaßen auffallend; mir nicht, denn ich werde nicht zurückschrecken, auch wenn solche Dinge nicht erlogen sein sollten, doch dasjenige zu sagen, was ich im Sinne der heutigen Zeit notwendig erachte, daß es gesagt werden muß. Aber ich bitte Sie doch, mit einiger Aufmerksamkeit den folgenden Sätzen zuzuhören: «Seither wurden wir in diesem Punkte von autoritativer Seite eingeweiht. Unter Akasha-Chronik versteht der Theosoph eine angeblich in der geistigen Welt vorhandene» und so weiter. Es wäre doch ganz nützlich, wenn Sie hinhören würden darauf und vor allen Dingen ein wenig Ihre Augen daraufhin einrichten würden, daß von dieser Seite gesagt werden kann: «Seither» — also seit dem 5. Juni 1920 — «wurden wir in diesem Punkte von autoritativer Seite eingeweiht.» Das heißt, wenn es nicht erlogen ist, so ist diesem Pfarrer von irgend jemandem, der die Vorträge hier hört, gesagt worden, was er nach den Zyklen unter Akasha-Chronik zu verstehen hat. Ich möchte doch auf diese Tatsache eben, wie gesagt, falls es nicht erlogen ist, Ihre Aufmerksamkeit ein wenig richten; denn es könnte doch sein, daß unter uns sich Leute fänden, welche über einen solchen Satz einfach leichtsinnig hinweglesen. Es geschehen ja allerlei Dinge. In dem Päckchen finde ich zum Beispiel auch einen netten Artikel, der nun von evangelisch-klerikaler Seite geschrieben ist. Eben setzt sich die ganze Sache aus dem katholischen Lager in das evangelische hinein fort, und wir haben es bereits mit einer Fortsetzung eines Artikels zu tun im «Evangelischen Schulblatt», das übrigens sehr merkwürdige Eigentümlichkeiten hat. Jenes «Schweizerisches Evangelisches Schulblatt», Organ des evangelischen Schulvereins der Schweiz, Wochenblatt für christliche Erziehung in Haus und Schule, hat im «Büchertisch» angekündigt «Flugschriften», darunter «Der Kampf um die neue Kunst» von dem Jesuitenpater Kreitmaier! Das nur so nebenbei. Sie sehen aber, die Leute finden sich merkwürdig doch zusammen!

[ 19 ] As you can see, things are going a bit too far in relation to what was sufficiently outlined here in that lecture before I left. But now, what follows is quite striking; not to me, for I will not shy away—even if such things are not false—from saying what I consider necessary in light of the times we live in, that it must be said. But I do ask you to listen to the following statements with some attention: “Since then, we have been initiated into this matter by an authoritative source. By ‘Akasha Chronicle,’ the theosophist means something that supposedly exists in the spiritual world,” and so on. It would be quite helpful if you would listen to this and, above all, focus your attention a little on the fact that it can be said from this perspective: “Since then”—that is, since June 5, 1920—“we have been informed on this point by an authoritative source.” That is to say, if this is not a lie, then this pastor has been told by someone here listening to the lectures what he is to understand by the “cycles” in the Akashic Records. I would like to draw your attention a little to this fact—as I said, if it is not a lie—because it could well be that there are people among us who would simply skim over such a statement carelessly. All sorts of things happen, after all. In the package, for example, I also find a nice article written from a Protestant clerical perspective. The whole issue is now spilling over from the Catholic camp into the Protestant one, and we are already dealing with a follow-up to an article in the *Evangelisches Schulblatt*, which, incidentally, has some very peculiar characteristics. That “Schweizerisches Evangelisches Schulblatt”—the official publication of the Protestant School Association of Switzerland, a weekly journal for Christian education in the home and school—has announced in its “Book Corner” a series of “pamphlets,” including “The Struggle for the New Art” by the Jesuit Father Kreitmaier! Just a side note. But you see, people do come together in strange ways!

[ 20 ] Aber ich möchte Ihnen doch ein Stückchen vorlesen von jener Kritik, die in diesem «Evangelischen Schulblatt» enthalten ist. Es ist da über alles mögliche die Rede; aber wir wollen besonders jene Kritik lesen, welche die Dreigliederung betrifft, die «Kernpunkte» betrifft, und ich bitte Sie, jetzt ein wenig achtzugeben:

[ 20 ] But I would like to read you a short excerpt from that review, which appears in this *Evangelisches Schulblatt*. It discusses all sorts of things; but let us focus in particular on the part of the review that concerns the threefold social order and the “key points,” and I ask you to pay close attention now:

[ 21 ] «Die hochgepriesene Städtekultur soll also nach dem dreiteiligen Steinerschen Sozialismus aufs Land verpflanzt werden! Die Bauersfrau muß endlich Musikstunden bekommen und Kurse nehmen, wie sie ihre Stube schmücken soll. Der Bauernsohn wird einem eurythmischen Tanzkränzchen angehören, wo er «sich bewegen; lernt, falls er einmal in eine feinere Familie kommt. Seine Schwester wird Präludien des «wohltemperierten Klaviers tanzen, oder, wenn sie nicht so begabt ist, wenigstens den Schlager «das haben die Mädchen so gerne. Warum sind die Landleute von diesen herrlichen Errungenschaften schnöde ausgeschlossen? Nun — «weil der politische Staat das nicht für nötig finder... Wie wird dieses arme, vernachlässigte Volk einst glücklich sein, wenn dieser Städteparfum in Konkurrenz tritt mit den entsetzlichen Misthaufen und dem Hühnerdreck vor den Häusern! Wie wird diese Poesie der sauberen Wäsche mit Stehkragen und Lackschuhen die bäuerliche Prosa der Stall-Atmosphäre endlich verdrängen! Und erst die russische Sauberkeit, die uns endlich Badanstalten bringen wird, die man in Deutschland noch nicht einmal findet, wie der arme enttäuschte russische Kriegsgefangene rührend erzählt hat... Welch einem Paradies gehen wir entgegen!! Statt daß nach Feierabend der Bauer vor seinem Häuschen sitzt und gemütlich seine Pfeife raucht, oder gar frevelhaft bei einem Glase Bier seinen Jaß klopft, wird er also in den «gründlichen und demokratischen» Vortragszyklen seinen Bildungshunger an der Steinerschen Phraseologie stillen. Wie aber reimt sich das, wenn es gleich nachher heißt, diese biederen Landleute würden sich, nachdem die «wahre Bildung sie tüchtig gemacht har, niemals «besonders nach Städtekultur sehnen, die dem Volke lediglich den Nachteil unhygienischen Lebens bieten könnte? Ja, da steht sogar, die sozialen Explosionszentren würden dadurch entvölkert, indem man die Städtekultur aufs Land bringt. Sie, die man eben noch in den höchsten Tönen gepriesen hat, soll gleichzeitig die Dörfler abschrecken, Städter werden zu wollen. Das ist doch ein Widerspruch, und die ganze Annahme steht auf so schwachen Füßen, daß ein Säugling sie umblasen kann.

[ 21 ] “So, according to Steiner’s three-part socialism, this much-praised urban culture is to be transplanted to the countryside! The farmer’s wife must finally receive music lessons and take courses on how to decorate her living room. The farmer’s son will join a little eurythmy dance circle, where he’ll ‘learn to move,’ in case he ever ends up in a more refined family. His sister will dance to preludes from *The Well-Tempered Clavier*, or, if she isn’t quite as talented, at least to the popular tune—‘that’s what girls like so much.’ Why are country folk so contemptuously excluded from these magnificent achievements? Well—“because the political state doesn’t consider it necessary...” How happy these poor, neglected people will one day be when this urban fragrance competes with the appalling manure piles and chicken droppings in front of their houses! How will this poetry of clean laundry, stand-up collars, and patent leather shoes finally supplant the rustic prose of the barn atmosphere! And then there’s Russian cleanliness, which will finally bring us public bathhouses that aren’t even found in Germany yet, as the poor, disillusioned Russian prisoner of war so movingly recounted... What a paradise we are heading toward!! Instead of the farmer sitting in front of his little cottage after work, comfortably smoking his pipe—or, heaven forbid, playing a game of Jass over a glass of beer—he will thus satisfy his thirst for knowledge with Steiner’s phraseology in these “thorough and democratic” lecture series. But how does that fit together when it is stated immediately afterward that these honest country folk, once “true education has made them capable,” would never “particularly yearn for urban culture, which could offer the people nothing but the disadvantages of an unhygienic life”? Indeed, it even states that the hotbeds of social unrest would be depopulated by bringing urban culture to the countryside. This very culture—which has just been praised to the highest degree—is simultaneously supposed to deter villagers from wanting to become city dwellers. This is clearly a contradiction, and the entire assumption rests on such shaky ground that even an infant could knock it over.

[ 22 ] «Wir werden also konfus und fragen uns, was denn eigentlich Steiner will. Wir müssen vor allen Dingen einmal Steiner lesen lernen. Vielleicht kommen wir dann auf die Spur. In diesen Fabriken mit Bildungsgenossenschaften, Fachbibliotheken, Badanstalten, Heimstätteschmükkungskursen und so weiter, ist natürlich auch der — selbstverständlich vom Fabrikanten zu speisende — Fonds nicht vergessen, der nicht nur das alles bezahlt, sondern — aufpassen! — «zugleich durch ausreichende Mittel die Möglichkeit besitzt, die besten Vertreter des Geisteslebens zu Vortragskursen zu gewinnen». Da liegt wohl (es gibt ja etwas zu gewinnen) der Hase im Pfeffer, und es ist gar nicht nötig, daß dahinter noch extra steht «dadurch ist beiden geholfen». Herr Steiner vermutet eben ganz richtig, daß diese Fabrikarbeiter-Bildungsgenossenschaften Geldmittel flüssig machen, die er doch so gerne «verdienen» möchte. Er nennt das klassisch «der Wissenschaft die nötigen Mittel zur weiteren Entwicklung zufließen lassen». Diese Absichten sind doch so durchsichtig und alles so plump, wenn wir nur unsere Nase ein bißchen zwischen die Zeilen stecken.

[ 22 ] “So we get confused and ask ourselves what Steiner actually wants. Above all, we must first learn to read Steiner. Perhaps then we’ll be on the right track. In these factories with educational cooperatives, specialized libraries, bathhouses, home decoration courses, and so on, the fund—which, of course, must be financed by the factory owner—is naturally not forgotten; it not only pays for all of this but—pay attention! — “at the same time, through sufficient funds, has the ability to attract the best representatives of intellectual life to lecture series.” That’s probably (since there’s something to be gained) where the rub lies, and there’s no need at all to add afterward, “this helps both sides.” Mr. Steiner correctly surmises that these factory workers’ educational cooperatives generate the funds he so eagerly wishes to “earn.” He classically refers to this as “allowing the necessary funds to flow to science for its further development.” These intentions are so transparent and the whole thing so clumsy—if we just read a little between the lines.

[ 23 ] «Sollen wir denn wirklich die Hand zu den überall frech aufstrebenden Nivellierungstendenzen (dazu gehört vor allem auch der Ausschluß jeglichen Religionsunterrichts aus der Schule) bieten, dadurch, daß wir den Bildungsbrei selbst auf das Land und in die Fabriken hineinschmieren? Das ganze Leben sollte es uns doch lehren, daß es ein heller Unsinn ist, alle Menschen auf die gleiche Bildungsstufe bringen zu wollen. Generation auf Generation scheitert an diesem widernatürlichen Problem, aber nirgends will man davon lernen, selbst nicht im Naheliegendsten: der Natur! Wir brauchen nur einen Blick in die Tier- oder gar in die Pflanzenwelt zu werfen, um überall die gewaltigsten Verschiedenheiten ihrer Geschöpfe zu erkennen. Nie wird das Menschengeschlecht eine Ausnahme machen, die ganze Vergangenheit lehrt uns die Tatsache, daß eine kleine Minderheit einer großen Vielheit gegenüber steht, daß immer nur einzelne Befähigte hervorragen. Dürfte denn nicht auch einmal ein bißchen Qualitätsgefühl für diese Verschiedenheiten (vor allem in Rassen- und Nationalitätenfragen) in einem Schulprogramm Platz finden? Wir würden wohl bald dahinterkommen, wo das Volk krank ist! Sicher nicht auf dem Lande.

[ 23 ] “Are we really to go along with the trends toward uniformity that are brazenly on the rise everywhere—including, above all, the exclusion of all religious instruction from schools—by smearing this educational mush even into the countryside and the factories? Surely life itself should teach us that it is utter nonsense to want to bring all people to the same educational level. Generation after generation has failed at this unnatural problem, yet nowhere is anyone willing to learn from it—not even from the most obvious source: nature! We need only cast a glance at the animal kingdom—or even the plant world—to recognize everywhere the most tremendous differences among its creatures. The human race will never be an exception; the entire past teaches us the fact that a small minority stands in contrast to a great multitude, that only a few gifted individuals ever excel. Shouldn’t a little appreciation for these differences (especially in matters of race and nationality) find its way into a school curriculum for once? We would probably soon discover where the people are ailing! Certainly not in the countryside.

[ 24 ] «Doch genug! Ich habe den beabsichtigten Umfang meiner Entgegnung längst überschritten. Sie ließe sich bequem aufs Doppelte und Dreifache ausdehnen, wollte ich den ganzen Komplex von Weltfremdheit und Mangel an Wirklichkeitssinn, der in dem Artikel sich geltend macht, unter die Sonde nehmen. ([Fußnote:] Wenn gewünscht, kann ich darüber in weiteren Artikeln erschöpfend Auskunft geben, und werde dabei die Gelegenheit nicht versäumen, die ganze Steinerei in das ihr gebührende Licht zu rücken!) Aber eines darf ich wohl noch fragen: Woher nimmt Herr Pfarrer Ernst die kühne Behauptung, daß «wir im Keim erstreben, was Steiner im Großen wilb?... »

[ 24 ] “But enough! I have long since exceeded the intended scope of my response. It could easily be expanded to twice or three times its current length if I were to thoroughly examine the entire complex of naivety and lack of a sense of reality that is evident in the article. ([Footnote:] If desired, I can provide exhaustive information on this in further articles, and I will not miss the opportunity to cast the entire Steiner movement in its proper light!) But I must ask one more question: Where does Pastor Ernst get the audacious claim that “we are striving in the embryonic stage for what Steiner sought on a grand scale?... ”

[ 25 ] Nun, ich las das und ich fragte mich; woher denn eigentlich das, was da widerlegt wird als die Tendenz, «die Städtekultur aufs Land zu bringen zu dem Mist und Hühnerdreck auf das Land» und so weiter, komme, ich fragte mich: Ja, wo steht denn das in den «Kernpunkten» oder in unserer Literatur über die Dreigliederung, wenn das hier angegriffen wird? — Endlich kam ich darauf, daß mir nicht nur zwei Nummern von diesem «schönen» Blatte übergeben worden sind, sondern auch noch ein drittes. Diese «schönen» Angriffe mit dem Titel «Ein falscher Prophet»- die ich vorgelesen habe, die stehen in Nummer 26 und Nummer 27, und in der Nummer 23, da steht ein Artikel: «Das Verhältnis von Schule und Staat nach Dr. Steiner», und dieser Artikel enthält all die Dinge als Ausflüsse, als notwendig im Sinne der Dreigliederung, die in Nummer 26 und 27 weiter ausgemalt und angegriffen werden. Dieser Artikel ist von Pfarrer Ernst in Salez geschrieben und ist außerordentlich wohlwollend geschrieben, aber eben so geschrieben, daß Dreigliederung da sein soll, um «die Städtekultur aufs Land zu tragen» und so weiter. Sie sehen also, man kommt nicht nur zu Schaden, wenn man von Pfarrern angegriffen wird, sondern erst recht, wenn man von Pfarrern verteidigt wird! Man braucht gar nicht so ungeheuer froh zu sein, wenn man Anhänger hat auf dieser Seite, denn die Anhänger machen es im Grunde genommen noch schlimmer als die Gegner.

[ 25 ] Well, I read that and asked myself: Where exactly does this come from—what is being refuted here as the tendency to “bring city culture to the countryside, along with the manure and chicken droppings,” and so on? I asked myself: Where exactly does that say in the “Key Points” or in our literature on the threefold social order, if that’s what’s being attacked here? — Finally, it occurred to me that I had been given not just two issues of this “wonderful” magazine, but a third as well. These “wonderful” attacks, titled “A False Prophet”—which I read aloud—appear in issues 26 and 27, and in issue 23 there is an article: “The Relationship Between School and State According to Dr. Steiner,” and this article contains all the ideas—as natural consequences, as necessary in the sense of the threefold order—that are further elaborated upon and attacked in issues 26 and 27. This article was written by Pastor Ernst in Salez and is written in an exceptionally benevolent tone, but it is written in such a way that the threefold social order is supposed to exist in order to “bring urban culture to the countryside” and so on. So you see, one suffers harm not only when attacked by pastors, but even more so when defended by them! There’s really no need to be all that thrilled to have supporters on this side, because, when it comes down to it, the supporters actually make things worse than the opponents do.

[ 26 ] Nun, einige von unseren Freunden könnten auch daran etwas lernen; denn ich muß mich bei solchen Sachen doch immer wieder erinnern, wie oft ich hören konnte: Da und dort war ich wieder in einer Kirche, und da hat einer ganz anthroposophisch oder theosophisch gepredigt. — Ich habe oftmals aufmerksam gemacht, wie man auf solche Dinge nicht hereinfallen sollte, und wie die Dinge eigentlich stehen. Aber ich konnte Sie heute wenigstens mit dem Interessanten überraschen, daß man nun bereits solche Anhänger hat, die dann Widerlegungen hervorrufen, in denen man sich überhaupt nicht mehr auskennt!

[ 26 ] Well, some of our friends could learn a thing or two from this as well; for whenever I encounter such things, I am reminded time and again of how often I have heard: “Here and there I was in a church again, and someone was preaching in a thoroughly anthroposophical or theosophical manner.” — I have often pointed out that one should not be taken in by such things, and explained how things actually stand. But today I was at least able to surprise you with the interesting fact that there are now already such followers who then provoke rebuttals in which one is no longer at all familiar with the subject matter!

[ 27 ] Wir wollen morgen in etwas noch ernsterer Weise über die Noten, die heute angeschlagen worden sind, weitersprechen.

[ 27 ] Tomorrow we intend to discuss the notes that were raised today in a somewhat more serious manner.