Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

The Spiritual Backgrounds of the Outer World
The Fall of the Spirits of Darkness
GA 201

14 May 1920, Dornach

Translate the original German text into any language:

Vierzehnter Vortrag

Fourteenth Lecture

[ 1 ] Das Wesentliche dieser nächsten Betrachtungen soll sein zu erkennen, wie die beiden weltgeschichtlichen Strömungen, die heidnische und die christliche, für unser Leben zusammenkommen, wie sie ineinanderwirken, wie sie zusammenhängen mit dem Geschehen im ganzen Weltenall. Dazu, um dies nun etwas genauer zu durchdringen, ist allerdings heute noch eine Art von Vorbetrachtung nötig. Es handelt sich darum, daß wir möglichst exakt auseinanderhalten, wodurch sich unterscheiden müssen heidnische Weltanschauung im weitesten Sinne — die ja durchaus auch noch auf dem Grunde unserer Weltanschauung nicht nur ist, sondern sein muß und christliche Weltanschauung, die zum geringsten Teile eigentlich heute schon ihrer vollen Wirklichkeit nach in die menschlichen Gemüter übergegangen ist. Es handelt sich darum, daß wir eines, was ich ja öfter hier betont habe, genau ins Seelenauge fassen. Das ist, daß wir heute angekommen sind bei einem unvermittelten Nebeneinanderstehen desjenigen, was wir nennen können naturwissenschaftliches Weltbild und desjenigen, was wir nennen die moralische Weltordnung, zu der natürlich auch die religiöse Weltanschauung gehört. Mehr als er sich bewußt ist, sind für den gegenwärtigen Menschen naturwissenschaftliches Geschehen und moralisches Geschehen zwei voneinander ganz weit abliegende Dinge, die er im Grunde genommen gar nicht verbinden kann, wenn er wirklich vom Gesichtspunkt der heutigen Weltanschauung aus ganz ehrlich vor sich selbst dastehen will. Das ist es ja, warum ein großer Teil gerade der fortgeschrittenen Theologie des 19. und 20. Jahrhunderts im Grunde genommen gar keine Christologie hat. Ich habe schon darauf aufmerksam gemacht, daß es ja solche Bücher gibt, wie Adolf Harnacks «Wesen des Christentums», bei denen es gar keinen Grund gibt, warum darinnen überhaupt der Christus-Name genannt wird. Denn dasjenige, was als «Christus» auftritt, ist darinnen nichts anderes als genau die Gottheit, welche im Alten Testament als Jahve, als Jehova-Gottheit vorkommt. Es ist im Grunde genommen kein wirklicher Unterschied zwischen diesem Wesen, das zum Beispiel Harnack «Christus» nennt,und dem Jahve-Gott; ich meine, es ist kein Unterschied in dem, was über das Christus-Wesen gesagt wird und dem, was von den Bekennern der alttestamentlichen Weltanschauung über ihren Jehova gesagt wird. Und wenn wir gar die ChristusVorstellung vieler Gegenwartsmenschen nehmen und sie zusammenhalten mit dem, was diese Menschen sonst als Lebensauffassung haben, so ist gar kein Grund, daß diese Menschen eigentlich von Christus und Christentum sprechen. Denn wenn jemand von Christus und Christentum spricht und zum Beispiel das nationale Wesen so auffaßt, wie viele Menschen der Gegenwart, so ist das ein völliger Widerspruch. Diese Dinge fallen dem Gegenwartsmenschen nur aus dem Grunde nicht auf, weil er es vermeidet, in mutiger Art eine Konsequenz zu ziehen aus dem, was ihm eigentlich heute vorliegt. Aber der tiefste Spalt, die tiefste Kluft ist vorhanden zwischen der naturwissenschaftlichen Anschauung der Dinge und der christlichen Anschauung der Dinge. Und es ist die wichtigste Aufgabe unserer Zeit, eine Brücke zu bauen über die Kluft. Naturwissenschaftliche Weltanschauung, so wie sie heute, ich möchte sagen, der Bauer hat — er weiß es nur nicht, aber er hat sie —, ist so eigentlich erst ein Kind des 19. Jahrhunderts. Und es ist auch ganz gut, nicht immer bloß die Dinge abstrakt zu charakterisieren, sondern auch da ein wenig in das Konkrete hineinzuschauen.

[ 1 ] The essence of these next reflections is to recognize how the two currents of world history—the pagan and the Christian—converge in our lives, how they interact, and how they are connected to events throughout the entire universe. However, in order to understand this in somewhat greater detail, a kind of preliminary consideration is still necessary today. The point is that we must distinguish as precisely as possible between what constitutes the pagan worldview in the broadest sense—which, after all, not only still lies at the foundation of our worldview but must do so—and the Christian worldview, which, even today, has already entered human minds to at least some extent in its full reality. The point is that we must grasp clearly in the eye of the soul something I have often emphasized here. That is, we have now arrived at a situation where what we might call the scientific worldview and what we call the moral world order—which naturally includes the religious worldview—stand side by side without any mediation. More than he realizes, for modern man, scientific reality and moral reality are two things that lie very far apart from one another—things he cannot, in essence, connect at all if he truly wishes to be completely honest with himself from the standpoint of today’s worldview. That is precisely why a large part of the so-called advanced theology of the 19th and 20th centuries, in essence, lacks any Christology at all. I have already pointed out that there are books, such as Adolf Harnack’s *The Essence of Christianity*, in which there is absolutely no reason why the name “Christ” is mentioned at all. For what appears as “Christ” in these works is nothing other than precisely the deity who appears in the Old Testament as Yahweh, as the God of Jehovah. There is, in essence, no real difference between this being—whom Harnack, for example, calls “Christ”—and the God Yahweh; I mean, there is no difference between what is said about the Christ-being and what is said by the adherents of the Old Testament worldview about their Jehovah. And if we even take the conception of Christ held by many people today and compare it with their general outlook on life, there is actually no reason for these people to speak of Christ and Christianity at all. For if someone speaks of Christ and Christianity while, for example, conceiving of national identity in the way many people do today, this is a complete contradiction. The only reason these things do not strike modern people as contradictory is that they avoid courageously drawing a logical conclusion from what is actually before them today. But the deepest rift, the deepest chasm, exists between the scientific view of things and the Christian view of things. And it is the most important task of our time to build a bridge across this chasm. The scientific worldview, as it exists today—I would say the farmer has it; he just doesn’t know it, but he has it—is actually only a child of the 19th century. And it is also quite good not always to characterize things merely in the abstract, but to look a little into the concrete as well.

[ 2 ] Ich habe Ihnen ja öfter einen Namen genannt, der einer hervorragenden Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts angehörte und der uns sogleich dahin führt, die naturwissenschaftliche Weltanschauung so ganz exakt ins Auge zu fassen, möchte ich sagen; es ist der Name Julius Robert Mayer, mit dem wir — wenn auch mit Bezug auf Julius Robert Mayer das in vieler Beziehung mißverständlich ist — doch verknüpfen müssen die naturwissenschaftliche Weltanschauung des 19. Jahrhunderts. Sie wissen, in populärer Art wird ja immer gesagt, daß auf Julius Robert Mayer zurückgeht die Aufstellung des sogenannten Gesetzes von der Erhaltung der Kraft; genauer gesprochen, daß das Weltenall in sich schließt eine konstante Summe von Kräften, die nicht vermehrt und nicht vermindert werden können und die nur sich ineinander umwandeln. Wärme, mechanische Kraft, Elektrizität, chemische Kraft, sie wandeln sich ineinander um. Aber die Summe der im Weltenall vorhandenen Kraftmengen bleibt immer dieselbe. So denkt ja heute selbstverständlich jeder Physiker. Wenn auch die Menschen im populären Bewußtsein nicht aufmerksam werden auf dieses Gesetz von der Erhaltung der Kraft und der Energie, sie denken über die Naturerscheinungen so, wie man nur unter dem Einfluß dieses Gesetzes von der Erhaltung der Kraft denken kann. Ich meine, Sie sollten sich klarmachen, daß ja etwas im Handeln eines Wesens liegen kann, das einem gewissen Prinzip entspricht, ohne daß das Wesen imstande ist, sich dieses Prinzip klar zu machen. Wenn Sie einem Hunde zum Beispiel klarmachen wollten, daß eine doppelt so große Menge von Fleisch darauf beruht, daß die einfache Menge eben zweimal genommen worden ist, so würden Sie das nicht können. Der Hund würde das nicht bewußt in sich aufnehmen können, aber er wird praktisch nach diesem Prinzip doch handeln. Wenn er die Wahl hat, ein kleines oder ein doppelt so großes Stück Fleisch zu schnappen, so wird er in der Regel, wenn sonst die Bedingungen die gleichen sind, nach dem doppelt so großen schnappen. Jedenfalls kann man unter dem Einflusse eines Prinzipes stehen, ohne sich dieses Prinzip in seiner abstrakten Form als solches zu explizieren. So kann man sagen: Gewiß, die meisten Menschen denken nicht an das Gesetz von der Erhaltung der Kraft, aber sie stellen sich die ganze Natur so vor, weil in der Schule gelehrt wird, daß das Gesetz von der Erhaltung der Kraft bestehe. Es ist nun interessant, hinzusehen, wie die Denkungsweise Julius Robert Mayers sich äußerte, wenn es darauf ankam, anderen gegenüber, die noch nicht so dachten wie er, diese Denkungsweise scharf hinzustellen.

[ 2 ] I have often mentioned to you a name that belonged to an outstanding figure of the 19th century and that immediately leads us, I might say, to take a very precise look at the scientific worldview; it is the name Julius Robert Mayer, with whom—even though this is misleading in many respects when applied to Julius Robert Mayer himself—we must nevertheless associate the scientific worldview of the 19th century. As you know, it is commonly said that the formulation of the so-called law of conservation of energy goes back to Julius Robert Mayer; more precisely, that the universe contains a constant sum of forces that cannot be increased or decreased and that merely transform into one another. Heat, mechanical force, electricity, and chemical force—they transform into one another. But the sum of the forces present in the universe always remains the same. This is, of course, how every physicist thinks today. Even if people in popular consciousness do not pay attention to this law of conservation of force and energy, they think about natural phenomena in a way that is only possible under the influence of this law of conservation of force. I mean, you should realize that there can indeed be something in a being’s actions that corresponds to a certain principle, without the being being able to grasp this principle clearly. If, for example, you wanted to explain to a dog that a quantity of meat twice as large is simply the result of taking the original amount twice, you would not be able to do so. The dog would not be able to consciously grasp this, but in practice it would still act according to this principle. If it has the choice of snatching a small piece of meat or one twice as large, it will generally, all other conditions being equal, go for the one that is twice as large. In any case, one can be under the influence of a principle without being able to articulate that principle in its abstract form as such. Thus, one can say: Certainly, most people do not think about the law of conservation of energy, but they conceive of the whole of nature in this way because they are taught in school that the law of conservation of energy exists. It is now interesting to observe how Julius Robert Mayer’s way of thinking manifested itself when it came to sharply presenting this way of thinking to others who did not yet think as he did.

[ 3 ] Julius Robert Mayer hatte einen Freund, der in einer Art Memoiren verschiedene Gespräche aufgezeichnet hat, die er mit Julius Robert Mayer geführt hat. Da erzählt er ganz interessante Tatsachen; Tatsachen, durch die man gründlich hinschauen kann auf die Denkweise des Naturdenkens des 19. Jahrhunderts. Vor allen Dingen, um etwas äußerlich zu charakterisieren, möchte ich das Folgende erwähnen: Julius Robert Mayer war so drinnen in der ganzen Vorstellungsart, die ihn zu dieser Vorstellung, zu diesem Erhalten von der Kraft, zu diesem bloßen Umwandeln einer Kraft in die andere führte, daß er in der Regel, wenn er einem Freund auf der Straße begegnete, gar nicht anders konnte, als schon von weitem ihm zuzurufen: Aus nichts wird nichts! — Das ist ja das Wort, das auch an der Spitze der Urabhandlung 1842 von Julius Robert Mayer immer wiederkehrt: Aus nichts wird nichts. Es kam auch vor, daß Julius Robert Mayer diesen Freund besuchte — Rümelin hieß er —, anklopfte, die Türe aufmachte und rief: «Aus nichts wird nichts!» Das war die Anrede, bevor ein Gruß erfolgte. So gründlich war Julius Robert Mayer in diesem «Aus nichts wird nichts» drinnen.

[ 3 ] Julius Robert Mayer had a friend who, in a kind of memoir, recorded various conversations he had with Julius Robert Mayer. In it, he recounts some very interesting facts—facts that provide a thorough insight into the way of thinking characteristic of 19th-century natural philosophy. Above all, to characterize something from an external perspective, I would like to mention the following: Julius Robert Mayer was so deeply immersed in the entire mode of thinking that led him to this conception—to this notion of the preservation of force, to this mere transformation of one force into another—that, as a rule, whenever he met a friend on the street, he could not help but call out to him from a distance: “Nothing comes from nothing!”—That is, after all, the phrase that recurs again and again at the beginning of Julius Robert Mayer’s seminal treatise from 1842: “Nothing comes from nothing.” It also happened that Julius Robert Mayer would visit this friend—whose name was Rümelin—knock on the door, open it, and exclaim: “Nothing comes from nothing!” That was his opening remark, even before he offered a greeting. That is how thoroughly Julius Robert Mayer was immersed in this “Nothing comes from nothing.”

[ 4 ] Nun erzählt Rümelin von einem einmal stattgehabten sehr interessanten Gespräch, in dem, da der Rümelin noch nicht viel wußte von diesem Gesetz der Erhaltung der Kraft, auseinandergesetzt werden sollte, worinnen es eigentlich besteht. Da sagte Julius Robert Mayer zu Rümelin: Wenn zwei Pferde eine Kutsche ziehen — und Julius Robert Mayer war ja Heilbronner, sein Denkmal steht auch in Heilbronn —, wenn zwei Pferde eine Kutsche ziehen, und sie fahren weiter, was ist der Effekt? — Da sagte Rümelin: Nun ja, der Effekt ist, daß die in der Kutsche Sitzenden meinetwegen bis Öhringen kommen. — Aber wenn sie wieder umkehren und zurückfahren, ohne daß sie dort in Öhringen irgend etwas getan haben, so daß sie wieder in Heilbronn ankommen? — Da sagte Rümelin: Das ist zwar dann so, daß zufällig der eine Weg den anderen aufgehoben hat und dadurch scheinbar kein Effekt da ist, aber es ist doch der wirkliche Effekt der, daß die Leute, die Menschen von Heilbronn nach Öhringen gefahren und von Öhringen wiederum nach Heilbronn zurückgekehrt sind. — Nein, sagte Julius Robert Mayer, das ist nur ein Nebenerfolg, das hat gar nichts zu tun mit dem, was eigentlich geschehen ist. Dasjenige, was geschehen ist durch die Aufwendung der Kraft von seiten der Pferde, das ist etwas ganz anderes. Das ist, daß durch diese von den Pferden aufgewendete Kraft erstens die Pferde selbst heißer geworden sind, die Pferde sind wärmer geworden; zweitens, die Wagenachsen sind wärmer geworden, um die sich die Räder herumbewegen; drittens, wenn wir abmessen würden mit einem feinen Thermometer die Rillen auf dem Erdboden, über die die Räder gefahren sind, so würden wir finden, daß da in den Rillen die Wärme etwas höher ist als auf beiden Seiten. Das ist der wirkliche Effekt. Es sind auch in den Pferden Stoffe verbrannt durch den Stoffwechsel. Das alles ist der wirkliche Effekt. Das andere, daß die Leute von Heilbronn nach Öhringen und wieder zurück gefahren sind, das ist alles Motiv, Nebeneffekt, aber nicht dasjenige, was wirkliches physikalisches Geschehen ist. Wirkliches physikalisches Geschehen ist die aufgewendete Kraft der Pferde; die Umwandelung in die erhöhte Wärme der Pferde; die erhöhte Wärme der Wagenachsen; in dem Verbrauch der Wagenschmiere durch die Wärme, der eintritt, wenn man die Räder schmiert; die Erwärmung der Rillen auf der Straße und so weiter. Und wenn man mißt — Julius Robert Mayer hat ja dann gemessen und hat die entsprechende Maßzahl angegeben —, wenn man mißt, so ist alle die Kraft, welche die Pferde angewendet haben, restlos übergegangen in diese Wärme. Das andere ist alles Nebeneffekt.

[ 4 ] Rümelin then recounts a very interesting conversation that took place once, in which—since Rümelin did not yet know much about this law of conservation of energy—they sought to explain exactly what it consists of. Then Julius Robert Mayer said to Rümelin: “When two horses pull a carriage—and Julius Robert Mayer was, after all, from Heilbronn; his monument also stands in Heilbronn—when two horses pull a carriage and they keep going, what is the effect?” — Rümelin replied: “Well, the effect is that the people sitting in the carriage get to Öhringen, for all I care.” — “But what if they turn around and drive back without having done anything there in Öhringen, so that they arrive back in Heilbronn?” — Then Rümelin said: “It is true that, in this case, one journey happened to cancel out the other, and thus there appears to be no effect, but the real effect is still that the people traveled from Heilbronn to Öhringen and returned from Öhringen to Heilbronn.” — No,” said Julius Robert Mayer, “that’s just a side effect; it has nothing to do with what actually happened. What happened as a result of the horses expending their energy is something entirely different. First, because of the energy expended by the horses, the horses themselves became hotter—they grew warmer; second, the axles of the carriages—around which the wheels turn—became warmer; third, if we were to measure with a sensitive thermometer the ruts in the ground over which the wheels passed, we would find that the temperature in those ruts is slightly higher than on either side. That is the real effect. Substances have also been burned within the horses through metabolism. All of this is the actual effect. The other aspect—that people traveled from Heilbronn to Öhringen and back again—is merely a motive, a side effect, but not what constitutes a real physical phenomenon. The actual physical phenomenon is the force exerted by the horses; its conversion into the increased heat of the horses; the increased heat of the wagon axles; the consumption of the wagon grease due to the heat generated when the wheels are greased; the heating of the ruts in the road, and so on. And when one measures—Julius Robert Mayer did measure this and provided the corresponding numerical value—when one measures, all the force exerted by the horses has been completely converted into this heat. Everything else is merely a side effect.

[ 5 ] Sie sehen, das hat natürlich eine gewisse Wirkung für unsere Anschauung. Da kommt zuletzt doch das heraus, daß man sagen muß: Ja, man muß nun reinlich das Naturgeschehen loslösen von alledem, was Nebeneffekt ist im Sinne des streng naturwissenschaftlichen Denkers. Denn dieser Nebeneffekt, der hat ja mit naturwissenschaftlichem Denken im Sinne des 19. Jahrhunderts eigentlich gar nichts zu tun. Der springt gewissermaßen über das naturwissenschaftliche Geschehen so hin. Wenn wir aber wieder fragen: Worin äußert sich denn all das, was wir moralische Weltordnung nennen? Worin äußert sich denn all das, was wir Menschenwert und Menschenwürde nennen? — Doch wahrhaftig nicht darinnen, daß sich die aufgewendete Kraft der Pferde in die erhöhte Wärme der Wagenachsen unnwandelt, sondern da ist der Nebeneffekt die Hauptsache! Aber bedenken Sie doch, daß bei alledem, was als naturwissenschaftliche Betrachtung angestellt wird, dieser Nebeneffekt ganz ausgelassen wird. Die Menschen des 19. Jahrhunderts und schon Kant im 18. Jahrhundert, sie haben Anschauungen gebildet über das Werden des Weltenalls bloß aus denjenigen Prinzipien heraus, die Julius Robert Mayer scharf begrenzt, indem er alles dasjenige, was wirklich bloß der Natur angehört, absondert von dem, was Nebeneffekt ist.

[ 5 ] As you can see, this naturally has a certain effect on our perspective. Ultimately, it leads to the conclusion that one must say: Yes, one must now clearly separate natural phenomena from everything that is a side effect, in the sense of the strictly scientific thinker. For this side effect actually has nothing to do with scientific thinking in the 19th-century sense. It, so to speak, simply leaps over the scientific process. But if we ask again: In what form does all that we call the moral world order manifest itself? In what form does all that which we call human value and human dignity manifest itself? — Certainly not in the fact that the energy expended by the horses is converted into the increased heat of the wagon axles; rather, the side effect is the main point! But consider that in all scientific inquiry, this side effect is entirely omitted. The people of the 19th century—and even Kant in the 18th century—formed their views on the origin of the universe solely on the basis of those principles that Julius Robert Mayer sharply delineated, by separating everything that truly belongs to nature alone from what is a side effect.

[ 6 ] Wenn wir einmal die Sache ordentlich ins Auge fassen, dann müssen wir ja sagen, dann muß aus denjenigen Prinzipien heraus, die so als Naturprinzipien erkannt werden, das Weltenall konstruiert werden. Und alles dasjenige, was zum Beispiel durch das Christentum geschehen ist, ist ein Nebeneffekt, genau ebenso ein Nebeneffekt, wie es ein Nebeneffekt ist, daß die Menschen mit der Kutsche von Heilbronn bis Öhringen fahren. Es kommt gar nicht in Betracht für die naturwissenschaftliche Anschauung, was die Leute da zu tun haben. Aber wiederum, kreuzen sich nicht in irgendeiner Weise doch die beiden Strömungen?

[ 6 ] If we take a proper look at the matter, then we must say that the universe must be constructed on the basis of those principles that are recognized as natural principles. And everything that has come about through Christianity, for example, is a side effect—just as much a side effect as it is a side effect that people travel by carriage from Heilbronn to Öhringen. From the perspective of the natural sciences, what people are doing there is completely irrelevant. But then again, don’t these two currents intersect in some way after all?

[ 7 ] Nehmen wir nun einmal an, Rümelin hätte sich nicht gleich beruhigt, sondern hätte etwa folgenden Einwand gemacht — ich weiß, für den Physiker der Gegenwart ist das kein gültiger Einwand, aber für den Aufbau einer Gesamtweltanschauung ist es doch ein gültiger Einwand —, nehmen wir an, es würde folgendes gesagt: Wenn das Motiv bei den Leuten, die von Heilbronn nach Öhringen gefahren sind, nicht dagewesen wäre, so würden ja die Pferde ihre Kraftaufwendungen nicht gemacht haben; die ganze Umwandelung in Wärme würde nicht geschehen sein, oder sie würde an einem ganz anderen Orte in ganz anderem Zusammenhange geschehen sein. Also dasjenige, was geschieht, muß naturwissenschaftlich so betrachtet werden, daß es sich nur auf das erstreckt, was gar nicht bis zum letzten Grund, warum es geschehen ist, führt. Es wäre ja nicht geschehen, wenn die Leute nicht geglaubt hätten, sie hätten in Öhringen etwas zu tun. Es greift also dasjenige, was die Naturwissenschaft als einen Nebeneffekt ansehen muß, doch in das Naturgeschehen hinein. Oder nehmen wit an, die Leute hätten in Öhringen zu einer ganz bestimmten Stunde etwas zu tun gehabt. Die Wagenachsen wären nicht nur heiß geworden, sondern es wäre eine zerbrochen, so hätten sie nicht weiterfahren können. Dann wäre dieses, was da geschehen ist, das Zerbrechen der Wagenachse, selbstverständlich durchaus naturwissenschaftlich erklärbar. Aber was nun durch dieses Naturereignis geschehen ist, daß da irgend etwas nicht vollzogen werden konnte, was hätte vollzogen werden sollen, das hat unter Umständen — man kann sich das leicht vorstellen — wiederum ganz ungeheuer weite Folgen, sogar für andere Naturprozesse, die dann eingeleitet werden infolge dieser Folgen.

[ 7 ] Let’s suppose for a moment that Rümelin hadn’t calmed down right away, but had raised an objection along the following lines—I know that for today’s physicists this isn’t a valid objection, but for the development of a comprehensive worldview it is indeed a valid one—let’s suppose the following were said: If the motive had not been present in the people who traveled from Heilbronn to Öhringen, then the horses would not have expended their energy; the entire conversion into heat would not have taken place, or it would have occurred in a completely different place and in a completely different context. Thus, from a scientific perspective, what happens must be viewed in such a way that it extends only to what does not, in the end, lead to the ultimate reason why it happened. After all, it would not have happened if the people had not believed they had business in Öhringen. Therefore, what science must regard as a side effect does, in fact, play a role in natural events. Or let’s assume the people had business to attend to in Öhringen at a very specific time. Not only would the wagon axles have become hot, but one would have broken, and they would not have been able to continue their journey. Then what happened there—the breaking of the wagon axle—would, of course, be entirely explainable from a scientific standpoint. But what has now come about as a result of this natural event—namely, that something which should have been accomplished could not be carried out—may, under certain circumstances—as one can easily imagine—in turn have incredibly far-reaching consequences, even for other natural processes that are then set in motion as a result of these consequences.

[ 8 ] Sie sehen also, da treten, auch wenn man bloß auf logischem Boden stehen bleibt, doch ganz bedeutsame, schwerwiegende Fragen auf. Und diese Fragen, die da auftreten, das muß schon gesagt werden, sie können von der Weltanschauung, zu der heute aus den Voraussetzungen unserer Bildung heraus sich ein Mensch ehrlich bekennen kann, ohne Geisteswissenschaft nicht beantwortet werden. Sie können gar nicht beantwortet werden. Denn bevor die Richtung gegeben wurde zu diesem naturwissenschaftlichen Denken, die ja erst bei Julius Robert Mayer zu solcher Exaktheit geführt hat, war durchaus nicht jener scharfe Trennungsstrich da zwischen dem naturwissenschaftlichen Denken und dem moralischen Denken. Wenn Sie noch das 13. Jahrhundert, das 12. Jahrhundert nehmen, so klingen fortwährend ineinander diejenigen Dinge, die die Menschen über die moralische Ordnung zu sagen haben und die sie über die physische Ordnung zu sagen haben. Die Menschen lesen heute nur nicht mehr ordentlich. Aus den älteren Zeiten sind ja nicht viel Dinge vorhanden, die, ich möchte sagen, ganz unverfälscht auf unsere Tage gekommen sind. Aber selbst wenn Sie solche Schriften, welche die Nachzügler der alten Weltanschauungen sind, heute nehmen, so werden Sie darinnen allerlei entdecken, das Ihnen beweist, daß man in älteren Zeiten das Moralische ins Physische hineingetragen und das Physische bis zum Moralischen heraufgehoben hat. Lesen Sie nur einmal bei den, ich möchte sagen, schon ziemlich verfälschten, aber immerhin noch heute annähernd lesbaren Schriften des Basilius Valentinus, lesen Sie da über die Metalle, über die Planeten, lesen Sie über Heilmittel, Sie werden fast in jeder Zeile auf Eigenschaftswörter stoßen, die den Metallen beigelegt werden: gute, schlechte Metalle oder kluge Metalle und dergleichen, die Ihnen zeigen, daß selbst in dieses Gebiet etwas von moralischem Denken hineingetragen worden ist. Das kann heute selbstverständlich nicht sein. Denn nachdem die Abstraktion so weit gegangen ist, daß man das Naturgeschehen so heraussondert aus alledem, was Nebeneffekt ist, wie es Julius Robert Mayer getan hat, kann man selbstverständlich nicht sagen, es ist eine Güte der Pferdefüße, die sich bewegen, daß sie die Wagenschmiere verbrauchen durch die Wärme, die entwickelt wird infolge dieser Bewegung. Da ist es nicht möglich in diesem naturwissenschaftlichen Zusammenhang, irgendwelche moralische Kategorien hineinzutragen. Da stehen beide Gebiete, natürliches Gebiet und moralisches Gebiet, ganz radikal nebeneinander. Und wenn das Weltengeschehen so wäre, wie es vorgestellt wird von dieser Vorstellungsart, so könnte der Mensch in unserer Welt überhaupt nicht existieren. Der Mensch würde gar nicht da sein. Denn was ist denn der Grund für die gegenwärtige physische Gestalt des Menschen?

[ 8 ] So you see, even if one remains strictly on logical ground, quite significant and serious questions arise. And these questions that arise—it must be said—cannot be answered without the humanities, given the worldview to which a person today can honestly adhere based on the foundations of our education. They simply cannot be answered. For before the shift toward this scientific way of thinking—which only reached such precision with Julius Robert Mayer—there was by no means such a sharp dividing line between scientific thinking and moral thinking. If you look back to the 13th or 12th centuries, the things people had to say about the moral order and the physical order were constantly intertwined. People today simply no longer read properly. From earlier times, there aren’t many things that, I would say, have come down to our day entirely unadulterated. But even if you take such writings today—which are the remnants of the old worldviews—you will discover all sorts of things in them that prove to you that, in earlier times, the moral was carried into the physical, and the physical was elevated to the moral. Just read, for example, the—I would say—already quite distorted, but still roughly legible today, writings of Basilius Valentinus; read there about the metals, about the planets, read about remedies, and in almost every line you will come across adjectives attributed to the metals: good, bad, or wise metals, and the like—which show you that even in this field, elements of moral thinking have been introduced. Of course, that cannot be the case today. For once abstraction has gone so far that one isolates natural phenomena from all that is a side effect—as Julius Robert Mayer did—one cannot, of course, say that it is a virtue of the horses’ hooves, as they move, that they consume the wagon grease through the heat generated as a result of this movement. It is not possible, within this scientific context, to introduce any moral categories whatsoever. The two realms—the natural realm and the moral realm—stand completely apart from one another. And if the workings of the universe were as this way of thinking presents them, human beings could not exist at all in our world. Human beings would not exist at all. For what, after all, is the reason for the current physical form of human beings?

[ 9 ] Indem ich hier von der physischen Gestalt des Menschen spreche, bitte ich Sie durchaus, das Wort «Gestalt» ernst zu nehmen. Die Naturdenker von heute nehmen das Wort «menschliche Gestalt» nicht ernst. Denn was tun sie? Sie tun zum Beispiel das Folgende. Sie zählen, wie es Huxley oder andere getan haben, die Knochen des Menschen, die Knochen der höheren Tiere, und aus dem, was sie da als Zahl bekommen, leiten sie her, daß der Mensch eben nur eine höherentwickelte Stufe der Tierheit ist. Oder sie zählen die Muskeln und so weiter. Wir haben immer darauf hinweisen müssen, daß das Wesentliche ja ist, daß die tierische Rückgratslinie im wesentlichen horizontal ist, die menschliche Rückgratslinie im wesentlichen vertikal ist (Tafel 26, links). Und wenn auch gewisse Tiere sich aufrichten, so ist das bei ihnen nicht das Wesentliche, sondern das Wesentliche ist die horizontale Rückgratslinie. Und davon hängt nun die ganze Gestaltung ab. Also, ich bitte Sie, völlig ernst zu nehmen, was ich mit dem Worte Gestalt ausdrücken will.

[ 9 ] When I speak here of the physical form of human beings, I ask you to take the word “form” seriously. Today’s natural philosophers do not take the term “human form” seriously. For what do they do? They do the following, for example. They count—as Huxley and others have done—the bones of humans and the bones of higher animals, and from the numbers they arrive at, they conclude that humans are merely a more highly developed stage of animality. Or they count the muscles and so on. We have always had to point out that the essential point is that the animal spinal line is essentially horizontal, while the human spinal line is essentially vertical (Plate 26, left). And even if certain animals stand upright, that is not the essential feature for them; rather, the essential feature is the horizontal spinal line. And the entire form depends on this. So, I ask you to take what I mean by the word “form” completely seriously.

Blackboard DrawingZeichnung auf einer Tafel

[ 10 ] Diese Gestalt des Menschen, wo haben wir ihre Ursache, ihre, ich möchte sagen, zunächst physische Ursache auf geistige Art im Weltenall zu suchen? Nun, ich habe auf diesen Punkt schon hingewiesen in diesen Betrachtungen. Ich habe Sie darauf hingewiesen: Der Sternenhimmel, den wir hier schematisch so zeichnen wollen — meinetwillen als Tierkreis mit seinen Sternbildern (Tafel 26, rechts) —, der bewegt sich — scheinbar oder wirklich, das ist uns jetzt gleichgültig — um die Erde herum; die Sonne auch. Die Sonne nimmt also denselben Weg. Aber wenn wir in Betracht ziehen, was man ja wissen kann, daß die Sonne ihren Frühjahrsaufgangspunkt jedes Jahr verschiebt, um ein kleines Stück gegenüber den Sternen zurückbleibt, so kommen wir zu einer außerordentlich wichtigen Tatsache. Es wird ja dieses ganze Rücken des Frühlingspunktes an den Sternbildern gesehen dadurch, daß das Sternbild, wenn man ein bestimmtes ins Auge faßt, im folgenden Jahre früher aufgeht als die Sonne, respektive früher untergeht. Das lehrt uns ja, daß die Sonne zurückbleibt. Und ich habe Sie darauf aufmerksam gemacht, daß ja schon die alten Ägypter wußten: Wenn man den Kreis in 360 Grade teilt, so bleibt in 72 Jahren die Sonne hinter den Sternen um einen solchen Grad zurück; in 360 mal 72 Jahren, was 25920 Jahre sind, bleibt sie um den ganzen Kreis zurück, das heißt, sie kommt wiederum zu dem Stern, mit dem sie zugleich aufgegangen ist vor 25 920 Jahren.

[ 10 ] This form of the human being—where are we to seek its cause, its—I would say—primarily physical cause, in a spiritual sense within the universe? Well, I have already touched on this point in these reflections. I have pointed out to you: The starry sky, which we will sketch here schematically—for my part, as the zodiac with its constellations (Plate 26, right)—moves—apparently or actually, that is of no consequence to us now—around the Earth; the Sun does as well. The Sun, then, follows the same path. But when we consider—as we know—that the Sun shifts its vernal equinox position each year, lagging slightly behind the stars, we arrive at an extraordinarily important fact. This entire retrograde motion of the vernal equinox relative to the constellations is observed in that, when we focus on a specific constellation, it rises earlier than the Sun—or sets earlier—in the following year. This teaches us that the Sun is lagging behind. And I have pointed out to you that even the ancient Egyptians knew: If one divides the circle into 360 degrees, the Sun lags behind the stars by one such degree every 72 years; in 360 times 72 years—which is 25,920 years—it lags behind by the entire circle, that is, it returns to the star with which it rose simultaneously 25,920 years ago.

[ 11 ] Sie haben also da die Tatsache gegeben, daß im Weltenall — wie gesagt, jetzt will ich mich nicht darum bekümmern, ob nun das scheinbar oder wirklich ist — die Sterne herumgehen und die Sonne herumgeht. Aber die wichtige Tatsache liegt vor, daß die Sonne langsamer geht, daß die Sonne um einen Grad des ganzen Weltenkreises zurückbleibt nach 72 Jahren. Diese 72 Jahre — ich habe auch darauf schon hingewiesen — sind ja die normale Maximallebensdauer des Menschen. Also, der Mensch lebt 72 Jahre, gerade diejenige Zeitdauer, die die Sonne um einen Grad im Weltenkreis gegenüber den anderen Sternen zurückbleibt.

[ 11 ] So you have presented the fact that in the universe—as I said, I don’t want to concern myself now with whether this is merely an illusion or reality—the stars move around and the sun moves around. But the important fact is that the Sun moves more slowly, that after 72 years the Sun lags behind by one degree of the entire celestial sphere. These 72 years—as I have already pointed out—are, after all, the normal maximum lifespan of a human being. So, a human being lives 72 years—precisely the length of time it takes for the Sun to lag behind the other stars by one degree on the celestial sphere.

[ 12 ] Wir haben ja von diesen Dingen keine richtige Empfindung mehr. Noch in den hebräischen Mysterien sagte der Lehrer zu seinen Schülern, ihnen dies sehr, sehr tief einprägend: Jahve ist es, der bewirkt, daß die Sonne hinter den Sternen zurückbleibt. Und Jahve bildet mit der Kraft, die da die Sonne zurückhält, die menschliche Gestalt aus, die sein Ebenbild ist. Also wohlgemerkt: die Sterne laufen schneller, die Sonne läuft langsamer. Da entsteht eine Kraftdifferenz. Und diese Kraftdifferenz wäre nach diesen alten Mysterien das, was die Gestalt des Menschen bewirkt. Aus der Zeit heraus wird der Mensch so geboren, daß er sein Dasein verdankt den Unterschieden in der Geschwindigkeit zwischen dem Sternenweltentag und dem Sonnenweltentag. Wir würden heute in unserer Sprache sagen: Wäre die Sonne nicht im Weltenall, wäre sie ein Stern wie die anderen Sterne, der mit derselben Geschwindigkeit ginge wie die anderen Sterne, was wäre die Folge? — Die Folge wäre, daß die luziferischen Mächte allein herrschten. Daß nicht die luziferischen Mächte allein herrschen im Weltenall, sondern der Mensch in die Lage kommt, sich den luziferischen Mächten zu entziehen mit seiner ganzen Wesenheit, das ist verdankt dem Umstande, daß die Sonne die Geschwindigkeit der Sterne nicht mitmacht, sondern hinter ihnen zurückbleibt, nicht die Luzifer-Geschwindigkeit entfaltet, sondern die Jahve-Geschwindigkeit entfaltet. Wiederum, wenn bloß die Sonnen-Geschwindigkeit da wäre und nicht die Sternen-Geschwindigkeit, dann würde der Mensch nicht dazu kommen, mit seinem Verstande seiner übrigen Entwickelung voranzueilen. Und das ginge sozusagen auch nicht zusammen mit der Gesamtentwickelung des Menschen. Sehen Sie, in unserer Zeit ist ja das ganz besonders auffällig. Wenn man Geisteswissenschaft ernst nimmt, so weiß man natürlich ganz gut, man hat mit 36 Jahren zum Beispiel Dinge begriffen, die man noch nicht begreifen konnte mit 25 Jahren. Denn es gehört Erleben zum Begreifen von gewissen Dingen dazu. Das wird heute wenig zugegeben, denn der Mensch mit 25 Jahren fühlt sich fertig. Er ist aber nur im Verstande fertig, er ist nicht im Erleben fertig. Das Erleben geht langsamer als das Verständigwerden. Würde man dies bedenken, daß das Erleben langsamer geht als das Verständigwerden, so würden nicht die jüngsten Leute heute schon ihren Standpunkt haben, denn sie würden wissen, daß sie gar nicht die Standpunkte haben können, zu denen nötig ist, etwas erlebt zu haben. Der Verstand geht mit den Sternen, das Erleben geht mit der Sonne. Und wenn Sie die Sache so nehmen, daß Sie sich einfach das menschliche Leben vorlegen — 72 Jahre, wenn nicht Elementarereignisse eintreten, durch die der Mensch weniger alt wird oder älter wird —, wenn Sie sich das menschliche Leben vorlegen, so werden Sie sich sagen, es dauert so lange, bis die Sonne mit ihrem Frühlingspunkt um einen Grad zurückgerückt ist. So lange kann es dauern. Warum dauert es denn so lange? Der Grund liegt in einer gewissen kosmischen Feinheit. Aber ich bitte Sie dennoch, mir heute bei der Vorbetrachtung in dieses Gebiet zu folgen.

[ 12 ] We no longer have any real sense of these things. Even in the Hebrew mysteries, the teacher would say to his students, impressing this upon them very, very deeply: It is Yahweh who causes the sun to lag behind the stars. And with the power that holds back the sun, Yahweh forms the human figure, which is made in his image. So, mind you: the stars move faster, the sun moves slower. This creates a difference in force. And according to these ancient mysteries, this difference in force is what brings about the human form. Out of time, the human being is born in such a way that he owes his existence to the differences in speed between the cosmic day of the stars and the cosmic day of the sun. In our language today, we would say: If the Sun were not in the universe, if it were a star like the other stars, moving at the same speed as the other stars, what would be the consequence? — The consequence would be that the Luciferic forces alone would reign. The fact that the Luciferic forces do not reign alone in the universe, but that human beings are able to withdraw from the Luciferic forces with their entire being, is due to the fact that the Sun does not keep pace with the stars, but lags behind them; it does not unfold the Luciferic speed, but rather the Yahweh speed. Conversely, if only the speed of the Sun existed and not the speed of the stars, then human beings would not be able to use their intellect to outpace the rest of their development. And that, so to speak, would also be incompatible with the overall development of the human being. You see, this is particularly noticeable in our time. If one takes spiritual science seriously, one naturally knows quite well that, at the age of 36, for example, one has grasped things that one could not yet grasp at the age of 25. For experience is part of grasping certain things. This is rarely acknowledged today, because a person at the age of 25 feels complete. But they are complete only in their intellect; they are not complete in their experience. Experience progresses more slowly than intellectual understanding. If people were to consider that experience progresses more slowly than intellectual understanding, the youngest people today would not already have fixed viewpoints, for they would know that they cannot possibly hold viewpoints that require having experienced certain things. The intellect moves with the stars; experience moves with the sun. And if you approach the matter by simply considering human life—72 years, barring extraordinary events that cause a person to live shorter or longer—if you consider human life, you will say to yourself that it takes as long as it takes for the sun to move back one degree from its vernal equinox. It can take that long. Why does it take so long? The reason lies in a certain cosmic subtlety. But I nevertheless ask you to follow me today as we explore this area in our preliminary consideration.

[ 13 ] Sehen Sie, es ist so: Wenn man in einem gewissen Jahre eine Mondfinsternis betrachtet, so liegt ein gewisses Datum vor, in dem die Mondfinsternis auftreten kann. Die Mondfinsternis kehrt ungefähr nach 18 Jahren wiederum zum selben Datum, respektive zur selben Konstellation zurück. Es ist ein periodischer Rhythmus in den Finsternissen, der 18 Jahre umfaßt. 72 durch 4 macht 18. Das ist das gerade Viertel eines Weltentages und das gerade Viertel eines Menschenlebens. Der Mensch, wenn ich mich so ausdrücken darf, erträgt vier solcher Finsternisperioden. Warum? Weil wirklich im Weltenall alles zahlenmäßig zusammenstimmt. Der Mensch hat, was mit seiner rhythmischen Herztätigkeit zusammenhängt, durchschnittlich nicht nur 72 Lebensjahre, sondern auch durchschnittlich 72 Pulsschläge und 18 Atemzüge. Das ist wiederum das Viertel. Dieser Zahlenzusammenhang, der im Weltenall ausgedrückt ist — man nannte die Periode von 18 Jahren, weil sie die Chaldäer zuerst vertreten haben, die chaldäische Sarosperiode —, dieser Rhythmus, der besteht zwischen der Sarosperiode und der Sonnenperiode, dieser selbe Rhythmus besteht auch im Menschen in seiner innerlichen Beweglichkeit zwischen Atemzug und Pulsschlag. Plato sagte nicht umsonst: Gott geometrisiert, arithmetisiert. — Bedenken Sie, daß wegen des Viertels, das auf unsere Atmungstätigkeit entfällt, wir richtig verteilen müssen die Atmungstätigkeit so, daß sie nicht zusammenfällt mit der Pulstätigkeit, sondern diese schneller ist. Und das entspricht der Tatsache, daß wir in unseren 72 Lebensjahren, denen zugeordnet ist unsere Herztätigkeit, Pulstätigkeit, viermal ertragen die Sarosperiode, weil wir in ihr viermal enthalten haben unsere Atmungstätigkeit. Ganz auf das Weltenall hin konstruiert ist unsere menschliche Organisation. Ihre Bedeutung werden wir aber nur dann einsehen, wenn wir noch einen anderen Zusammenhang ins Auge fassen.

[ 13 ] You see, it’s like this: When you observe a lunar eclipse in a given year, there is a specific date on which the lunar eclipse can occur. The lunar eclipse returns to the same date—or rather, to the same constellation—approximately every 18 years. There is a periodic rhythm in the eclipses that spans 18 years. 72 divided by 4 equals 18. That is exactly one-quarter of a world day and exactly one-quarter of a human life. Human beings, if I may put it this way, endure four such eclipse periods. Why? Because in the universe, everything truly harmonizes numerically. In connection with the rhythmic activity of the heart, a human being has, on average, not only 72 years of life, but also an average of 72 heartbeats and 18 breaths. That, in turn, is a quarter. This numerical correlation, which is expressed in the universe—the 18-year period was called the Chaldean Saros period because the Chaldeans were the first to describe it—this rhythm that exists between the Saros period and the solar period, this very same rhythm also exists within the human being in his inner movement between breath and heartbeat. It was not for nothing that Plato said: “God geometers and arithmetizes.”—Consider that, because of the quarter that corresponds to our breathing activity, we must properly distribute our breathing so that it does not coincide with our pulse, but rather so that the pulse is faster. And this corresponds to the fact that during our 72 years of life—to which our heart activity and pulse activity are assigned—we undergo the Saros period four times, because our breathing activity is contained within it four times. Our human organization is constructed entirely in relation to the universe. However, we will only grasp its significance if we take another connection into account.

[ 14 ] Man kommt mit dem, was ich Ihnen in einer der letzten Betrachtungen sagte, mit der Bewegung des Mondes, mit der Umdrehung des Mondes um seine Achse nur dann zu Rande, wenn man seine Umdrehung nicht auf den Sonnentag, sondern auf den Sternentag bezieht. Wenn man die Sternenzeit ins Auge faßt, so kommt eine kürzere Zeit, 27% Tage, für die Umdrehung des Mondes in Betracht. So daß wir eigentlich nur dann mit unserer Mondbewegung zurecht kommen, wenn wir sie nicht zueignen der Sonnenbewegung, sondern zueignen der Sternbewegung. Die Sonnenbewegung fällt also in einer gewissen Weise aus einem System, dem der Mond angehört und dem die Sterne angehören, heraus. Wir sind also im Weltenall so drinnenstehend, daß wir auf der einen Seite zugeordnet sind der Sternen-Mond-Bewegung, auf der anderen Seite zugeordnet sind der Sonnenbewegung.

[ 14 ] One can only make sense of what I told you in one of my recent reflections—the motion of the Moon, the Moon’s rotation around its axis—if one relates its rotation not to the solar day but to the sidereal day. If one considers sidereal time, a shorter period—27% of a day—is required for the Moon’s rotation. Thus, we can truly make sense of the Moon’s motion only when we do not attribute it to the Sun’s motion, but rather to the motion of the stars. The Sun’s motion, therefore, falls in a certain sense outside a system to which the Moon belongs and to which the stars belong. We are thus situated within the universe in such a way that, on the one hand, we are aligned with the movement of the stars and the Moon, and on the other hand, with the movement of the Sun.

[ 15 ] Hier sehen Sie schon nach und nach auseinanderfallen die Sonnenastronomie und die Sternenastronomie. Wie ich Ihnen das letzte Mal sagte, kommen wir nicht zurecht, wenn wir nur eine Astronomie haben. Da werfen wir alles durcheinander. Wir kommen nur zurecht, wenn wir uns nicht auf eine Astronomie beschränken, sondern wenn wir uns sagen, auf der einen Seite ist das System der Sterne, das auch den Mond in sich faßt in einer gewissen Beziehung, auf der anderen Seite ist das System, zu dem die Sonne gehört. Die durchdringen sich gegenseitig. Die wirken zusammen. Aber wir tun nicht recht, wenn wir die gleiche Gesetzmäßigkeit auf beides anwenden.

[ 15 ] Here you can already see solar astronomy and stellar astronomy gradually diverging. As I told you last time, we won’t get anywhere if we have only one kind of astronomy. We’ll just end up mixing everything up. We can only make sense of it if we do not limit ourselves to a single branch of astronomy, but rather recognize that, on the one hand, there is the system of the stars—which, in a certain sense, also includes the Moon—and, on the other hand, there is the system to which the Sun belongs. These two systems interpenetrate one another. They interact. But we are mistaken if we apply the same set of laws to both.

[ 16 ] Dann, wenn man einsieht, daß wir zunächst zwei ganz verschiedene Astronomien haben, dann werden wir uns sagen: Das kosmische Geschehen, in dem wir drinnenstehen, das hat zwei Ursprünge zunächst. Aber wir stehen in ihm so drinnen, daß diese zwei Strömungen in uns Menschen gerade zusammenfließen. In uns Menschen fließen sie zusammen. Und was geschieht in uns Menschen? Sehen Sie, nehmen Sie einmal an, in uns Menschen geschähe nur dasjenige, was der Naturforscher von heute gelten lassen kann, dann würde, wenn ich schematisch zeichne (Tafel 27, ganz links, ohne die Striche am Kopf), allerlei vor sich gehen im menschlichen Organismus, Stoffbewegungen und so weiter. Die würden sich auf den übrigen Organismus erstrecken und auch in das Gehirn hinein, beziehungsweise in die Sinne hineingehen. Aber was wäre die Folge, wenn die ganze Stoffumwandelung, welche in dem menschlichen Organismus stattfindet und die hineingestellt ist in den Kosmos, so wie ich es jetzt beschrieben habe, wenn diese ganze Stoffumwandelung ins Gehirn sich hineinerstreckte? Wir würden niemals das Bewußtsein haben können, daß wir selber denken. Sauerstoff, Eisen, die anderen Stoffe, Kohlenstoff und so weiter, von denen müßten wir sagen, sie denken in uns in ihren gegenseitigen Beziehungen. Aber das haben wir ja gar nicht als Tatbestand des Bewußtseins gegeben. Es ist ja keine Rede davon, daß wir das als Tatbestand des Bewußtseins gegeben haben. Wir haben als Tatbestand des Bewußtseins den Inhalt unseres Seelenlebens gegeben. Der kann unter gar keiner anderen Voraussetzung da sein, als daß dieses ganze stoffliche Geschehen sich abbaut, sich vernichtet (die Striche werden in den Kopf gezeichnet), daß in uns tatsächlich keine Erhaltung der Kraft und des Stoffes vorhanden ist, sondern Platz gemacht wird durch Stoffvernichtung für die Entwickelung des Gedankenlebens. In der Tat ist der Mensch der einzige Schauplatz, in dem eine wirkliche Stoffvernichtung stattfindet. Auf das kommt man in unserer Zeit nicht, in der man ja eine Menschenerkenntnis gar nicht entfaltet, sondern alles nur ins Auge faßt, was Außermenschliches ist.

[ 16 ] Then, once we realize that we initially have two entirely different forms of astronomy, we will say to ourselves: The cosmic process in which we are immersed has, at first, two origins. But we are so deeply immersed in it that these two currents actually converge within us humans. They converge within us human beings. And what happens within us human beings? You see, suppose that only what today’s natural scientist can accept were to occur within us human beings; then, if I were to draw a schematic diagram (Plate 27, far left, without the lines at the top), all sorts of things would be taking place in the human organism—material processes and so on. These processes would extend to the rest of the organism and also enter the brain, or rather, the senses. But what would be the consequence if the entire metabolic process that takes place in the human organism—and which is embedded in the cosmos, just as I have now described it—if this entire metabolic process were to extend into the brain? We would never be able to have the awareness that we ourselves are thinking. Oxygen, iron, the other substances—carbon and so on—we would have to say that they think within us through their mutual relationships. But we have not at all posited that as a fact of consciousness. There is no question of our having posited that as a fact of consciousness. We have posited the content of our inner life as a fact of consciousness. This can exist under no other condition than that this entire material process breaks down and is annihilated (the lines are drawn in the mind), that within us there is in fact no preservation of energy or matter, but rather space is made through the annihilation of matter for the development of the life of thought. In fact, the human being is the only arena in which true annihilation of matter takes place. People do not come to this realization in our time, in which an understanding of the human being is not developed at all, but instead one focuses solely on everything that is extra-human.

Blackboard DrawingBlackboard Drawing

[ 17 ] Wenn wir nun voraussetzen, daß nach 72 Jahren die Sonne um einen Grad zurückbleibt im Himmelskreise, daß da ist ein Geschwindigkeitsunterschied zwischen der Sternbewegung und der Sonnenbewegung, der in uns wirkt, der in uns zusammenläuft — und wenn wir uns nun vorstellen, daß wir die Bildung unseres Hauptes von dem Sternenhimmel haben, und, indem wir nach einer sehr schönen Redensart «das Licht der Welt erblicken», in die Sonnenbewegung eingefaßt werden, so müssen wir uns sagen: Es ist fortwährend in uns die Tendenz, mit einer geringeren Geschwindigkeit der schnelleren Geschwindigkeit der Sterne entgegenzuwirken. Was die Sterne in uns anrichten, dem wird entgegengewirkt. Was ist der Effekt dieses Entgegenwirkens? Der Effekt dieses Entgegenwirkens ist der Abbau desjenigen, was materiell die Sterne in uns bewirken: Der Abbau. Der Abbau der reinen materiellen Gesetze, der durch die Sonnenwirkung geschieht. Wir können also sagen: Würden wir mit den Sternen schreiten, indem wir als Menschen dutch die Welt schreiten, wir würden so mit den Sternen schreiten, daß wir den materiellen Gesetzen des Weltenalls unterlägen. Aber wir tun das nicht. Die Sonnengesetze wirken dagegen. Sie halten uns zurück. Da ist etwas in uns, was zurückhält. Man kann berechnen — diese Rechnung kann ich Ihnen allerdings hier nicht ausführen, erstens würde sie zu lange dauern und zweitens würden Sie ja nicht folgen —, man kann berechnen, wenn eine gewisse Bewegung geschieht (Tafel 27, rechts, der Pfeil abwärts), also da eine Strömung geschieht mit einer gewissen Geschwindigkeit, und diese Strömung mit einer anderen zusammenfließt, wobei allerdings vorausgesetzt werden muß, daß dann die andere Strömung nicht auch so fließe, sondern entgegengesetzt (Pfeil aufwärts); daß, wenn diese beiden Strömungen so fließen, daß sie ineinanderfließen. Also bitte, denken Sie sich, ein Wind wirbelt mit einer gewissen Geschwindigkeit von oben nach unten und ein anderer von unten nach oben, und sie wirbeln ineinander (Mitte der Zeichnung rechts). Wenn man den Geschwindigkeitsunterschied nimmt zwischen der heruntergehenden Strömung und der hinaufgehenden Strömung, so daß die hinaufgehende Strömung sich zu der hinuntergehenden Strömung gerade so verhält, daß ein Geschwindigkeitsunterschied herauskommt, der dasselbe Verhältnis trägt, wie der Geschwindigkeitsunterschied in der Sternenzeit und der Sonnenzeit, dann würde, wenn das durcheinanderwirbelte, durch den Wirbel eine Verdichtung entstehen, die ihre bestimmte Form bekommt. Nicht wahr, das wirbelt herunter (Mitte der Tafel); dadurch, daß das andere hier hinaufwirbelt, mit einer größeren Geschwindigkeit hineinstößt — von oben nach unten würde die geringere Geschwindigkeit sein —, das stößt hier hinein, gibt hier durch den Zusammenstoß eine Verdichtung, eine gewisse Figur. Und diese Figur ist — abgesehen von allem, was sie beeinträchtigt, ich zeichne nur schematisch — die Umrißfigur, die Silhouette des menschlichen Herzens. So daß es möglich ist, daß Sie durch die Begegnung der Luzifer-Strömung und der Jahve-Strömung richtig konstruieren die Figur des menschlichen Herzens. Diese Figur des menschlichen Herzens ist einfach herauskonstruiert aus Verhältnissen des Weltenalls. Man muß geradezu sagen: Sobald man annimmt, daß die Sonnenbewegung der Ausdruck ist einer weniger schnellen Bewegung, die entgegenkommt einer schnelleren Bewegung, dann werden wir so eingeschaltet in diese beiden Bewegungen, daß daraus die Silhouette unseres Herzens entsteht. Daran ist die übrige menschliche Gestalt angegliedert. Sie sehen daraus, welche Geheimnisse eigentlich im Kosmos verborgen sind. Denn in dem Augenblick, wo ich sage: Wir haben zwei Astronomien, und diese zwei Astronomien, die wirken zusammen in ihren Ergebnissen was ist das Ergebnis? Das Ergebnis ist das menschliche Herz. Die ganze naturwissenschaftliche Richtung der Gegenwart, die geht darauf aus, diese zwei Strömungen nicht voneinander zu unterscheiden. Daher vollzieht sich an ihr das tragische Geschick, daß in einer anderen Weise das Zusammenwirken auseinanderfällt in das Naturgeschehen, insofern es Julius Robert Mayer dachte, und in die Nebeneffekte. Weil man nicht in der Lage ist, kosmisch dasjenige, was aus zwei Quellen heraus zusammenwirkt, zusammenzudenken, fällt für das Denken die Welt in zwei Extreme auseinander.

[ 17 ] If we now assume that after 72 years the Sun lags behind by one degree in the celestial sphere, that there is a difference in speed between the motion of the stars and the motion of the Sun, which affects us and converges within us—and if we now imagine that the form of our head comes from the starry sky, and, as we “see the light of the world” according to a very beautiful saying, are enveloped in the Sun’s movement—then we must tell ourselves: There is a constant tendency within us to counteract the faster speed of the stars with a slower speed. What the stars bring about within us is counteracted. What is the effect of this counteraction? The effect of this counteraction is the dissolution of what the stars materially bring about within us: dissolution. The dissolution of the purely material laws, which occurs through the influence of the sun. We can therefore say: If we were to move with the stars as we, as human beings, move through the world, we would move with the stars in such a way that we would be subject to the material laws of the universe. But we do not do that. The laws of the Sun work against it. They hold us back. There is something within us that holds us back. One can calculate—though I cannot work out this calculation for you here; first, it would take too long, and second, you would not be able to follow it— one can calculate that when a certain movement occurs (Plate 27, right, the downward arrow)—that is, when a current flows at a certain speed—and this current merges with another, provided, of course, that the other current does not flow in the same direction but in the opposite direction (upward arrow); that is, if these two currents flow in such a way that they merge into one another. So please, imagine a wind swirling at a certain speed from top to bottom and another from bottom to top, and they swirl into one another (center of the drawing on the right). If we take the difference in speed between the downward current and the upward current, such that the upward current is to the downward current in exactly such a ratio that the resulting speed difference bears the same ratio as the difference in speed between sidereal time and solar time, then, as they swirl together, the vortex would create a compression that takes on a specific shape. Isn’t that right? One swirls downward (center of the board); because the other swirls upward here, striking it at a greater speed—from top to bottom, the speed would be lower—it strikes here, and the collision creates a compression, a certain shape. And this figure is—setting aside everything that affects it; I am drawing only schematically—the outline, the silhouette of the human heart. So it is possible for you to correctly construct the figure of the human heart through the encounter of the Lucifer current and the Yahweh current. This figure of the human heart is simply constructed from the relationships of the universe. One must say quite plainly: As soon as one assumes that the movement of the sun is the expression of a slower movement that meets a faster movement, then we become so intertwined with these two movements that the silhouette of our heart emerges from them. The rest of the human form is attached to this. From this you can see what mysteries are actually hidden in the cosmos. For the moment I say: We have two forms of astronomy, and these two forms of astronomy interact in their results—what is the result? The result is the human heart. The entire current trend in the natural sciences is aimed at not distinguishing these two currents from one another. Hence, the tragic fate befalls it that this interplay falls apart in a different way—into natural phenomena, as Julius Robert Mayer conceived them, and into side effects. Because we are unable to conceive, from a cosmic perspective, that which interacts from two sources as a unified whole, the world falls apart into two extremes for thought.

[ 18 ] Hier liegt zunächst der kosmische Aspekt für ungeheuer Bedeutsames in bezug auf das Menschen- und Weltbegreifen. Und ohne daß man aus unseren heutigen Voraussetzungen heraus wieder erneuert jene Erkenntnisse, die einmal da waren in den alten Mysterien, als man das Christentum erwartet hat, so erwartet hat, wie ich es in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» beschrieben habe, ohne daß man erneuert diese alten Erkenntnisse in einer Gestalt, wie sie heute sein müssen, bleibt alles Erkennen eine Illusion. Denn dasjenige, was das Bedeutsamste im menschlichen Herzen zum Ausdruck bringt, es ist ja überall vorhanden. Überall sind die Geschehnisse so, daß sie erklärbar sind durch das Zusammenfließen zweier Strömungen, die aus verschiedenen Quellen kommen. Niemals wird man die ganz andersartige Hineinstellung des Mysteriums von Golgatha in den übrigen Werdegang unserer Erde begreifen, wenn man nicht schon im Kosmos anfängt mit diesem Begreifen. Ich wollte Ihnen heute in dieser Vorbesprechung den Grund legen, den wir brauchen, um dann morgen und übermorgen darauf aufbauen zu können.

[ 18 ] Herein lies, first and foremost, the cosmic aspect of something of immense significance for our understanding of humanity and the world. And unless we, based on our present-day premises, renew those insights that once existed in the ancient mysteries—when Christianity was anticipated, anticipated in the way I described in my book *Christianity as a Mystical Fact*—unless we renew these ancient insights in a form appropriate to today, all knowledge remains an illusion. For that which expresses what is most significant in the human heart is, after all, present everywhere. Everywhere, events are such that they can be explained by the convergence of two currents flowing from different sources. One will never understand the entirely unique way in which the Mystery of Golgotha is embedded in the rest of our Earth’s history unless one begins this understanding right here in the cosmos. In this preliminary discussion today, I wanted to lay the foundation we need so that we can build upon it tomorrow and the day after.