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The Rudolf Steiner Archive

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The Bridge Between the Spiritual and
Physical Realms of Human Beings
GA 202

25 December 1920, Dornach

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Fünfzehnter Vortrag

Fifteenth Lecture

[ 1 ] Nach zwei Richtungen können wir sehen, wenn es sich darum handelt, im Sinne des Weihnachtsmysteriums das Ereignis von Golgatha zu verstehen: nach dem Sternenhimmel auf der einen Seite mit all seinen Geheimnissen und nach dem Menscheninneren auf der anderen Seite mit all seinen Geheimnissen. Ich habe ja im Laufe dieser Tage darauf hingedeutet, wie aus dem Sternenhimmel heraus die sogenannten Magier aus dem Morgenlande erkannt haben die Ankunft des Christus Jesus auf Erden, wie aus den Schauungen, die aus dem Menscheninneren heraus sich entwickeln, die armen Hirten des Feldes die Ankündigung dieses Menschenheilandes empfangen haben. Auf diese beiden Richtungen, aus denen im Grunde genommen dem Menschen alle Erkenntnis kommt, aus denen ihm also auch die höchste Erkenntnis von dem eigentlichen Erdensinn kommen mußte, wollen wir heute noch einmal unser Augenmerk richten.

[ 1 ] When it comes to understanding the event at Golgotha in the light of the Christmas mystery, we can look in two directions: toward the starry sky on the one hand, with all its mysteries, and toward the inner life of the human being on the other, with all its mysteries. Over the course of these days, I have pointed out how the so-called Magi from the East recognized the arrival of Christ Jesus on earth through the starry sky, and how the poor shepherds in the fields received the announcement of this Savior through the visions that arise from within the human soul. Today we want to turn our attention once more to these two sources, from which, in essence, all human knowledge springs—and from which, therefore, the highest knowledge of the true meaning of life on earth must also have come to us.

[ 2 ] Wenn wir in die Zeiten zurückblicken, die dem Mysterium von Golgatha vorangegangen sind, dann finden wir eine ganz andere Stellung der Menschenseele zu dem Universum und zu sich selber als nach dem Mysterium von Golgatha. Allerdings, für die äußere Geschichtsbetrachtung zeigt sich das nicht in ganz intensivem Sinne, aus dem Grunde, weil in ausgesprochenem Maße die alte Erkenntnis ja Zeiten angehört, die Jahrtausende in der nachatlantischen Zeit dem Mysterium von Golgatha vorangegangen sind. Als das Mysterium von Golgatha herangenaht ist, war diese Art von Erkenntnissen schon schwächer geworden, und wir können sagen, daß es eben nur einzelne, besonders auserlesene Menschen waren wie die drei Magier aus dem Morgenlande, die eine so weitgehende Erkenntnis haben konnten, wie sie bei diesen zutage trat, und daß auf der anderen Seite nur ganz besonders bevorzugte, für Innerliches empfängliche Hirten, also Menschen aus dem Volke, solche Schauungen aus dem Schlafe entwickeln konnten, wie sie diese Hirten entwickelt haben. Aber es waren das eben Erbstücke alter Erkenntnisbeziehung des Menschen zum Weltenall sowohl auf der einen Seite bei den Magiern wie auf der anderen Seite bei den Hirten.

[ 2 ] When we look back at the times that preceded the Mystery of Golgotha, we find that the human soul’s relationship to the universe and to itself was quite different than it was after the Mystery of Golgotha. However, from an external historical perspective, this is not apparent in a particularly intense sense, for the reason that this ancient knowledge belongs, to a marked degree, to times that preceded the Mystery of Golgotha by millennia in the post-Atlantean era. As the Mystery of Golgotha drew near, this kind of knowledge had already grown weaker, and we can say that it was only a few, particularly chosen individuals—such as the three Magi from the East—who could possess such far-reaching insight as was evident in their case; and that, on the other hand, only very specially favored shepherds—that is, people of the common folk who were receptive to inner realities—could develop such visions from sleep as these shepherds did. But these were precisely the legacies of humanity’s ancient relationship of knowledge with the universe—both on the one hand with the Magi and on the other hand with the shepherds.

[ 3 ] Auch wir können noch nicht sagen, insbesondere nicht für unsere gegenwärtige Zeit, daß die Menschheit schon in besonders deutlicher Weise diejenige Erkenntnisart ausdrücken würde, die seit dem Mysterium von Golgatha eben in die Menschheitsentwickelung eingezogen ist, aber im allgemeinen gilt doch das, was wir uns heute abend vor die Seele führen wollen. Die vorchristliche Art, sich zum Sternenhimmel zu verhalten, war so, daß die Menschen nicht etwa die Sterne bloß in dieser prosaischen, abstrakten Art sahen, wie man sie jetzt sieht. Daß diese Menschen in älteren Zeiten von den Sternen sprachen wie von Lebewesen, das kam nicht etwa, wie eine höchst unvollkommene Wissenschaft glaubt, aus einer bloßen Erdichtung, sondern das kam aus einer geistigen, wenn auch instinktiven, atavistischen Anschauung des Sternenhimmels. Man sah den Sternenhimmel eben in älteren Zeiten so, daß man nicht bloß die Lichtpunkte oder Lichtflächen sah, sondern daß man da etwas Geistiges sah, das man in dem Sinne bezeichnen konnte, wie diese alten Menschen die Sternbilder bezeichneten, denn sie empfanden die einzelnen Planeten unseres Planetensystems von lebendigen Wesen beseelt. Man sah eben das Geistige in dem weiten Sternenhimmel. Und in diesem Zusammenhange, in dem diese alten Menschen den Sternenhimmel in seinem geistigen Elemente sahen, sahen sie auch alles das, was sich auf die mineralische und auf die pflanzliche Welt bezieht. Also den Sternenhimmel, die mineralische und die pflanzliche Welt, diese drei Gebiete des Daseins sahen diese alten Menschen mit einem Erkenntnisvermögen. Sie sprachen von den Sternen als beseelten Wesen, sie sprachen aber auch von den Mineralien und von den Pflanzen als beseelten Wesen.

[ 3 ] We, too, cannot yet say—especially not in our present time—that humanity is already expressing in a particularly clear way the kind of knowledge that has been woven into human development since the Mystery of Golgotha; but in general, what we wish to bring to mind this evening does hold true. The pre-Christian attitude toward the starry sky was such that people did not view the stars merely in the prosaic, abstract way in which they are viewed today. The fact that people in earlier times spoke of the stars as if they were living beings did not stem, as a highly imperfect science believes, from mere imagination, but rather from a spiritual—albeit instinctive, atavistic—perception of the starry sky. In earlier times, people viewed the starry sky not merely as points or patches of light, but as something spiritual—which could be described in the same sense that these ancient people described the constellations, for they perceived the individual planets of our solar system as being animated by living beings. They simply saw the spiritual in the vast starry sky. And in this context, in which these ancient people saw the starry sky in its spiritual elements, they also saw everything pertaining to the mineral and plant worlds. Thus, the starry sky, the mineral world, and the plant world—these three realms of existence—were perceived by these ancient people through their capacity for insight. They spoke of the stars as animated beings, but they also spoke of minerals and plants as animated beings.

[ 4 ] Wir dürfen uns eben nicht vorstellen, daß das Erkenntnisvermögen dieser alten Zeiten für die Menschen so war wie das unsere. Ich habe vor einiger Zeit Ihnen eine Stufe des Erkennens vorgeführt, die gar nicht so sehr von der unseren verschieden ist, aber die sich vorzustellen im Grunde genommen schon vielen Menschen der Gegenwart Schwierigkeiten macht. Ich habe gesagt, daß die Griechen gerade in ihrer frühesten Kultur die blaue Farbe überhaupt nicht sahen, daß sie also nicht über sich den blauen Himmel hatten. Das war etwas, was die Griechen nicht hatten. Sie empfanden die Farbe mehr nach der aktiven, nach der rotgelben Seite hin. Sie malten auch nicht mit dem, was heute unsere blauen Nuancen sind. Dieses Blau, das trat erst später auf für das menschliche Wahrnehmen.

[ 4 ] We must not imagine that people’s capacity for knowledge in those ancient times was the same as ours. Some time ago, I described to you a stage of cognition that is not all that different from our own, but which, in essence, many people today still find difficult to imagine. I said that the Greeks, especially in their earliest culture, did not perceive the color blue at all—that is to say, they did not have a blue sky above them. That was something the Greeks lacked. They perceived color more on the active, red-yellow side. Nor did they paint with what we today consider to be shades of blue. This blue only appeared later in human perception.

[ 5 ] Stellen Sie sich einmal vor, daß alle blauen Nuancen wegbleiben aus der Welt, also auch alles Grün anders aussieht, als es für uns heute aussieht, dann werden Sie sich sagen müssen: Noch für den Griechen sah die Welt um ihn herum anders aus als für die gegenwärtige Menschheit. In einem noch viel größeren Maße verschieden von unserer Welt sah die Umwelt für die Menschen älterer Zeiten aus. Aus der Welt, die die Alten überschaut haben, zog sich allmählich das Geistige zurück. Aus den Sternenwelten, aus den mineralischen Welten, aus den pflanzlichen Welten zog sich das Geistige zurück, und indem sich das Geistige zurückzog, wurden matter die lebendigen, die aktiven Farben. Dagegen hob sich aus dem Untergrund heraus dasjenige, was sich als Blau empfinden ließ. Und indem immer mehr und mehr in der Menschheit heraufkam die Fähigkeit für das Blaue, für die dunkleren Farben, verwandelte sich das, was die Alten empfunden haben in ihrer lebendig ansprechenden, ich möchte sagen aktiv farbenreichen Astrologie, in die graue, farblose Geometrie, Mechanik, mit der wir heute, indem wir diese Geometrie und Mechanik aus unserem Inneren herausholen, nicht mehr in unserer Umgebung dasjenige sehen, was die Geheimnisse der Sternenwelten sind. Es verwandelte sich die alte Astrologie in diese Welt, wie wir sie uns heute vorstellen im kopernikanisch-galileischkeplerschen Sinne, in die Welt der Himmelsmechanik, in die Welt der Mathematik. Das ist die eine Seite.

[ 5 ] Just imagine that all shades of blue were to disappear from the world—so that even all the green would look different from how it appears to us today—then you would have to admit: Even to the Greeks, the world around them looked different than it does to people today. To an even greater extent, the world appeared different to people of earlier times than it does to us today. The spiritual gradually withdrew from the world as the ancients perceived it. The spiritual withdrew from the worlds of the stars, from the mineral worlds, and from the plant worlds; and as the spiritual withdrew, the living, active colors grew duller. In contrast, what could be perceived as blue rose up from the depths. And as the capacity for blue—for the darker colors—arose more and more within humanity, what the ancients had experienced in their vividly appealing, I would say, actively colorful astrology, into the gray, colorless geometry and mechanics with which we today—by drawing this geometry and mechanics from within ourselves—no longer perceive in our surroundings the mysteries of the starry worlds. Ancient astrology was transformed into this world, as we imagine it today in the Copernican-Galilean-Keplerian sense—into the world of celestial mechanics, into the world of mathematics. That is one side of it.

[ 6 ] Die andere Seite ist, daß in jenen alten Zeiten eine intensive innere Fähigkeit des Menschen vorhanden war, wahrzunehmen, was aus der Erde heraus, gewissermaßen als die Fluida der Erde, den Menschen umströmte. Also, ich möchte sagen, wie das Gegenstück des Sternenhimmels kündigten sich an durch ein inneres Wahrnehmungsvermögen, durch gewisse innere Fähigkeiten die Fluiden der Erde, die Qualitäten der Erde. Eine feine Empfänglichkeit hatte der Mensch in alten Zeiten für all das, was die Eigentümlichkeiten des Klimas seines Landes waren, für all das, was die Eigentümlichkeiten des Bodens waren. Ob der Mensch auf einem Kalkboden lebte, ob er auf einem Granitboden lebte, das bedeutete für ihn ein anderes Aufströmen dessen, was in der Erde war. Aber was er so aufströmen fühlte, das stellte sich ihm nicht etwa wie ein bloß dunkles Gefühl dar, wie ein stumpfes, dumpfes Erlebnis, sondern es stieg in ihm auf als Farben, Wolken, die er innerlich durchempfand. Und ebenso wie er die Erdentiefen empfand, so empfand er bei seinem Mitmenschen die Menschenseele, so empfand er auch das tierische Leben. Lebhafter, intensiver war dieses Empfinden. Wie es eine Art äußeren Erkenntnisvermögens war, durch das der Mensch hineinschaute in den Sternenhimmel, durch das er die Mineralien, die Pflanzen überblickte in ihrer Geistigkeit mit atavistischem, instinktivem Hellsehen, so nahm er durch ein instinktives, innerliches Schauen wahr, was in den Erdentiefen geistig lebte. Nicht etwa bloß sprach er vom Kalkboden, sondern bestimmte elementarische Wesenheiten stiegen ihm auf, anderer Art aus dem Kalkboden, anderer Art aus dem Granit- oder Gneisboden.

[ 6 ] The other side of the matter is that in those ancient times, human beings possessed an intense inner ability to perceive what emanated from the Earth—as it were, the Earth’s fluids—and surrounded them. So, I would like to say that, just as the starry sky revealed itself through an inner faculty of perception, so too did the Earth’s fluids and the qualities of the Earth manifest themselves through certain inner faculties. In ancient times, people had a subtle sensitivity to all the distinctive characteristics of their country’s climate, to all the distinctive characteristics of the soil. Whether a person lived on limestone soil or on granite soil, this meant a different kind of upwelling for them of what was within the Earth. But what they felt welling up in this way did not present itself to them as a mere dark feeling, as a dull, muted experience; rather, it rose within them as colors and clouds that they felt deeply within themselves. And just as they sensed the depths of the earth, so too did they sense the human soul in their fellow human beings, and so too did they sense animal life. This perception was more vivid, more intense. Just as there was a kind of external faculty of perception through which human beings gazed into the starry sky, through which they surveyed the minerals and plants in their spiritual nature with atavistic, instinctive clairvoyance, so too did they perceive, through an instinctive, inner vision, what lived spiritually in the depths of the earth. He did not merely speak of limestone soil; rather, specific elemental beings arose to him—of one kind from the limestone soil, of another kind from the granite or gneiss soil.

[ 7 ] Er empfand auch dasjenige, was in den anderen Menschen lebte als Aurisches, das aber den Menschen gewissermaßen angekleidet war von der Erde her, und insbesondere empfand er die Tiere in ihrer Aura als Erdenwesen. Für ihn setzte sich gewissermaßen das, was in der Erde lebte als der Grund und Boden, als die innere Erdenwärme, in der ganzen Tierwelt fort. Wenn der alte Mensch die Schmetterlinge über die Pflanzen hinfliegen sah, so sah er sie immer so, daß sie hinter sich herzogen dasjenige, was sich aus der Erde heraus schuf. Wie in einer aurischen Wolke nahm er wahr, was über die Erde hin an Tierischem huschte. All das zog sich allmählich zurück, und die prosaische Welt blieb für das menschliche Wahrnehmen übrig, das sich nach außen verlegte, so daß der Mensch jetzt anfing, seine Umwelt so zu erblicken, wie wir heute die farbige Umwelt sehen, ohne das Geistige wahrzunehmen. Und dasjenige, was der Mensch so durch inneres Wahrnehmen gesehen hatte, das verwandelte sich in unsere moderne Naturerkenntnis; das, was er durch äußeres Wahrnehmen geistig gesehen hatte, verwandelte sich in unsere moderne Mathematik und Mechanik.

[ 7 ] He also perceived what lived within other human beings as auric, but which was, so to speak, clothed by the Earth; and in particular, he perceived animals in their auras as earthly beings. For him, what lived in the earth—as the soil itself, as the earth’s inner warmth—continued, as it were, throughout the entire animal world. When the ancient human saw butterflies flitting over the plants, he always perceived them as trailing behind them that which was emerging from the earth. He perceived what flitted across the earth in the form of animals as if in an auric cloud. All of this gradually receded, and the prosaic world remained for human perception, which shifted outward, so that human beings now began to view their surroundings as we see the colorful world today, without perceiving the spiritual. And what human beings had thus seen through inner perception was transformed into our modern understanding of nature; what they had spiritually perceived through outer perception was transformed into our modern mathematics and mechanics.

[ 8 ] So haben wir auf der einen Seite aus dem, was die armen Hirten auf dem Felde zu ihrem inneren Anschauen brachte, die moderne Naturanschauung entwickelt, und aus dem, was die Magier aus dem Morgenlande zur Wahrnehmung des Sterns brachte, der den Christus ankündigte, aus dem haben wir entwickelt unsere trockene Mathematik und Mechanik. So viel war in jener Zeit eben noch bei einzelnen Menschen für die äußere Wahrnehmung und die innere Wahrnehmung erhalten, daß sich das Geburtsmysterium Jesu in dieser Weise nach beiden Seiten hin ankündigen konnte.

[ 8 ] Thus, on the one hand, we have developed our modern view of nature from what the poor shepherds in the fields perceived inwardly, and from what the Magi from the East perceived regarding the star that heralded the coming of Christ, we have developed our dry mathematics and mechanics. So much of both outer and inner perception had still been preserved in individual people at that time that the mystery of Jesus’ birth could be heralded in this way from both perspectives.

[ 9 ] Was lag denn nun aber eigentlich diesem Wahrnehmen zugrunde? Nun, in der Zeit, die wir durchmachen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, also die wir durchgemacht haben, bevor wir durch die _ Geburt in das irdische Dasein eingetreten sind, in dieser Zeit durchlebten wir eigentlich Weltenräume. Da war unsere Individualität nicht so gebunden an jenen Raum, den unsere Haut umschließt, sondern es war dieses Dasein ausgedehnt über Weltenräume. Und jene alte Fähigkeit des magischen Schauens, die also die Weisen aus dem Morgen lande, die Magier aus dem Morgenlande noch zeigten, das war im ‘wesentlichen eine Fähigkeit, die besonders stark hereindrang in den Menschen aus der Zeit zwischen dem Tode und der Geburt, also eine vorgeburtliche Fähigkeit. Das, was da innerhalb der Sternenwelt die Seele vor der Geburt erlebte, das wurde auferweckt zu einer besonderen Fähigkeit bei denen, die Schüler der Magier wurden. Indem die Schüler der Magier diese besonderen Fähigkeiten entwickelten, konnten sie gewissermaßen sagen: Ich habe ja ganz Bestimmtes erlebt, bevor ich hier auf diese Erdenwelt herabgestiegen bin, mit Merkur, mit Sonne, mit Mond, mit Saturn, mit Jupiter. — Und daß gewissermaßen diese kosmische Erinnerung auftauchte, das brachte sie dazu, das Geistige nun auch in der ganzen Außenwelt zu sehen, das Schicksal des Menschen auf Erden zu sehen aus dem, was man innerhalb der Sternenwelt sah durch die Erinnerung an das vorgeburtliche Dasein.

[ 9 ] But what, then, actually underlay this perception? Well, during the time we go through between death and a new birth—that is, the time we went through before we entered earthly existence through _birth—during that time we actually lived through worlds. There, our individuality was not so bound to the space enclosed by our skin, but rather this existence extended across cosmic realms. And that ancient ability of magical vision—which the sages of the East and the magicians of the Orient still possessed—was essentially an ability that penetrated particularly deeply into human beings during the time between death and birth; in other words, a prenatal ability. What the soul experienced within the world of the stars before birth was awakened as a special ability in those who became disciples of the magicians. As the disciples of the magicians developed these special abilities, they could, so to speak, say: “I have indeed experienced very specific things before I descended here into this earthly world—with Mercury, with the Sun, with the Moon, with Saturn, with Jupiter.” — And the fact that this cosmic memory, so to speak, surfaced led them to now see the spiritual in the entire outer world as well, to see the destiny of human beings on Earth through what they had seen within the world of the stars via the memory of their pre-birth existence.

[ 10 ] Diejenigen Fähigkeiten, mit denen man die Erdentiefen, die Menschenseelengeheimnisse, das Wesen des Tierischen wahrnahm, das waren Fähigkeiten, die aber erst keimhaft in dem Menschen entwickelt waren, und die dann erst nach dem Tode auftraten, also nachtodliche Fähigkeiten, die erst schaffend werden sollten nach dem Tode, aber junge, keimkräftige Fähigkeiten. Wenn diese Fähigkeiten auch für den Menschen erst besonders schaffend sind nach dem Tode, so treten sie doch im irdischen Leben als keimkräftige Fähigkeiten ganz besonders in der ersten Zeit des Erdenlebens bei dem Kinde auf. Die Wachstumskräfte, die besonders das heranwachsende Kind hat, die ja aus dem Geistigen heraus sprossen und sprießen, die treten dann in späteren Jahren beim Menschen mehr zurück, die ziehen sich zurück, und gerade diejenigen Kräfte, die vor der Geburt da waren, die füllen uns dann mehr aus. Aber nach dem Tode treten dafür diese kindlichen Fähigkeiten wieder auf. Nur besonders begabte Menschen erhalten sie sich bis ins späteste Alter hinein. Denn — ich habe es hier schon einmal erwähnt — was wir an genialen Fähigkeiten haben in späteren Jahren, verdanken wir dem Umstande, daß wir kindlicher geblieben sind als diejenigen, die nicht oder weniger diese Fähigkeiten haben. Das Forterhalten von kindlichen Fähigkeiten ins spätere Alter hinein stattet uns mit besonderen Erfindungsfähigkeiten und dergleichen aus. Je mehr wir, trotzdem wir reif werden, uns kindliche Fähigkeiten erhalten können, desto schaffendere, schöpferischere Menschen sind wir ja. Diese schöpferischen Kräfte aber treten dann nach dem Tode wiederum besonders auf.

[ 10 ] The abilities with which one perceived the depths of the earth, the mysteries of the human soul, and the nature of the animal realm—these were abilities that had only developed in a nascent form within the human being and that emerged only after death; that is, postmortem abilities that were to become creative only after death, but were young and full of potential. Although these abilities only become particularly creative for human beings after death, they do appear in earthly life as vibrant, nascent abilities—especially in the early stages of a child’s earthly existence. The growth forces that the growing child possesses in particular—which, after all, sprout and continue to sprout from the spiritual—then recede in later years; they withdraw, and it is precisely those forces that were present before birth that come to fill us more fully. But after death, these childlike abilities reappear. Only particularly gifted people retain them well into old age. For—as I have already mentioned here—the genius-like abilities we possess in later years are due to the fact that we have remained more childlike than those who lack these abilities or possess them to a lesser degree. The preservation of childlike abilities into later life endows us with special inventive abilities and the like. The more we are able to retain childlike abilities—despite maturing—the more productive and creative we are. These creative forces, however, then emerge particularly strongly again after death.

[ 11 ] Es hat insbesondere bei einzelnen Völkern der vorchristlichen Zeit die Möglichkeit gegeben, mit den Fähigkeiten, die einem aus dem Vorgeburtlichen geblieben sind, die nachtodlichen Fähigkeiten zu befruchten. Dadurch, daß diese Völker weniger jene Erkenntnisse ausbildeten, die gerade bei den Magiern aus dem Morgenlande aufgetreten sind — indem sie diese Erkenntnisse mehr zurücktreten und die nachtodlichen Fähigkeiten mehr hervortreten ließen und beide sich so durchdrangen, daß die vorgeburtlichen Fähigkeiten die nachtodlichen befruchteten, belebten —, dadurch bildete sich bei solchen Menschen dann die Gabe der Prophetie aus, die Gabe, aus den nachtodlichen Fähigkeiten prophetisch die Zukunft vorauszusagen. Was wir die jüdischen Propheten nennen, das sind Menschen, bei denen sich die Fähigkeiten besonders ausbildeten, welche die nachtodlichen waren, die aber da nicht bloß beim Instinktiven blieben wie bei den armen Hirten bei der Verkündigung auf dem Felde, sondern die durchdrungen wurden von jenen anderen Fähigkeiten, die intensiver ausgebildet wurden bei solchen Leuten wie bei den Magiern aus dem Morgenlande, und die ja zu ganz besonderen Erkenntnissen führten, Erkenntnissen, die sich auf die Geheimnisse des Sternenhimmels und seiner Vorgänge beziehen.

[ 11 ] Among certain peoples of the pre-Christian era, in particular, there was the possibility of using the abilities retained from the pre-birth stage to enrich the post-death abilities. Because these peoples developed to a lesser extent the insights that had emerged specifically among the magi of the Orient—by allowing these insights to recede into the background and letting the post-death faculties come to the fore, so that the two interpenetrated in such a way that the pre-birth faculties enriched and enlivened the post-death faculties— the gift of prophecy developed in such people—the gift of prophetically foretelling the future through post-death faculties. What we call the Jewish prophets are people in whom the post-death abilities developed particularly strongly; yet they did not remain merely at the level of instinct, as was the case with the poor shepherds at the Annunciation in the fields, but were imbued with those other abilities that were more intensely developed in people such as the Magi from the East, and which indeed led to very special insights—insights relating to the mysteries of the starry sky and its processes.

[ 12 ] Nun wird es Ihnen begreiflich erscheinen, wie zusammenstimmen mußte die Verkündigung der Hirten auf dem Felde und die Erkenntnis der Magier aus dem Morgenlande. Die Erkenntnis der Magier aus dem Morgenlande ist ja auf ihrem Gebiete so gewesen, daß sie besonders tiefe Geheimnisse des Sternenhimmels schauen konnten. Da konnten sie dahin kommen, daß aus jenen Welten, in denen der Mensch ist zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, aus denen ihnen die Fähigkeiten wurden, durch welche sie den Sternenhimmel durchdrangen, daß aus einer Erhöhung dieser Erkenntnis ihnen die Anschauung wurde: Da, aus dieser Welt, der unser Leben zwischen der Geburt und dem Tod zunächst nicht angehört, der aber angehört unser Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, aus der begibt sich ein Wesen, der Christus, zur Erde herunter. — Aus den Sternenerkenntnissen ergab sich für die Magier das Herannahen des Christus.

[ 12 ] Now it will seem clear to you how the announcement of the shepherds in the fields and the insight of the Magi from the East must have been in harmony. The insight of the Magi from the East was such in their field that they were able to perceive particularly profound mysteries of the starry heavens. Thus they were able to arrive at the realization that from those worlds in which the human being exists between death and a new birth—from which they derived the abilities that enabled them to penetrate the starry heavens—that from an elevation of this insight came the vision: From that world—to which our life between birth and death does not initially belong, but to which our life between death and a new birth does belong—a being, the Christ, descends to Earth. —From their knowledge of the stars, the Magi discerned the coming of the Christ.

[ 13 ] Und was ergab sich für die Hirten auf dem Felde, welche die besondere Fähigkeit entwickelten, in die Erdentiefen hinein zu empfinden? Nun, die Erde wurde eben etwas anderes, als der Christus herannahte. Die Erde verspürte dieses Herannahen des Christus. Die Erde trug in sich neue Kräfte, die eben dadurch kamen, daß der Christus herannahte. Dasjenige, was die Erde reflektierte, die Art, wie die Erde reagierte auf das Herannahen des Christus, das empfanden aus den Erdentiefen heraus die Hirten auf dem Felde in ihrem frommen Sinn. So kündigten für die Magier aus dem Morgenlande die Raumesweiten dasselbe an, was für die Hirten die Erdentiefen ankündigten.

[ 13 ] And what happened to the shepherds in the fields, who developed the special ability to sense into the depths of the earth? Well, the earth itself became something different as Christ drew near. The earth sensed Christ’s approach. The earth carried within it new forces that arose precisely because Christ was approaching. What the earth reflected—the way the earth reacted to Christ’s approach—was sensed by the shepherds in the field from the depths of the earth through their devout intuition. Thus, for the Magi from the East, the vastness of space heralded the same thing that the depths of the earth heralded to the shepherds.

[ 14 ] Es war das die Zeit, in der eben noch Reste vorhanden waren von jenen alten Erkenntnissen. Daher müssen wir hinschauen auf solche auch für die damalige Zeit Ausnahmemenschen, wie es die drei Magier aus dem Morgenlande waren, und wie es auch diese besonderen Hirten auf dem Felde waren. Beide in ihrer Art hatten bewahrt dasjenige, was für die allgemeine Menschheit schon mehr oder weniger dahingeschwunden war. Deshalb konnte sich ihnen das Mysterium von Golgatha, indem es herannahte, in der Weise ankündigen, wie es sich ihnen angekündigt hat.

[ 14 ] It was a time when remnants of those ancient insights were still present. Therefore, we must turn our attention to those who were exceptional even by the standards of that era—such as the three Magi from the East, and these particular shepherds in the fields. Both, in their own way, had preserved what had already more or less faded away for humanity at large. That is why, as it drew near, the Mystery of Golgotha was able to reveal itself to them in the way it did.

[ 15 ] Man muß diese Dinge durchaus so betrachten, daß man zu der gewöhnlichen geschichtlichen Art der Anschauung dasjenige hinzunimmt, was geisteswissenschaftlich an Erkenntnis dem Menschen sich ergeben kann. Man muß gewissermaßen versuchen zu durchmessen die Raumesweiten und die Seelentiefen. Und durchmißt man in der richtigen Weise von einem bestimmten Gesichtspunkte aus die Raumesweiten, dann lernt man die Art und Weise verstehen, wie die Magier aus dem Morgenlande das Herannahen des Mysteriums von Golgatha erlebt haben. Versucht man zu ergründen die Seelentiefen, dann wird einem ein Verständnis davon, wie sich den Hirten angekündigt hat dasjenige, was da der Erde so nahe kam, daß die Erde selber schon in sich die Kräfte dieses Nahekommenden vernahm. Was an vorgeburtlichen Fähigkeiten bei den Magiern sich ausdrückte, das entspricht mehr einem Intellektuellen, einem Erkennen. Allerdings war das Intellektuelle dazumal noch ein anderes als heute. Was dagegen bei den Hirten wirkte, das entspricht mehr einem Wollen, und das Wollen ist es zu gleicher Zeit, welches die Wachstumskräfte im Universum darstellt. So daß, ich möchte sagen, die Hirten verbunden wurden mit ihrem Wollen dem, was da der Erde sich nahte als das Christus-Wesen. Man fühlt auch, wie die Erzählungen von den Magiern aus dem Morgenlande — wenn sie auch in den heutigen Bibeln höchst unvollkommen stehen —, wie sie wiedergeben die Erkenntnisart, in der sich die Magier dem Mysterium von Golgatha nahen: es ist das, was im äußeren Bewußtsein für sie lebt. Und wir fühlen bei der Erzählung, bei dieser innigen Erzählung, wie die Hirtenverkündigung im Evangelium steht, daß da auf den Willen der Menschen, auf das Gemüt, auf das innere Emotionelle hingewiesen wird. «Offenbarung des Gottes aus den Himmeln und Friede den Menschen auf der Erde, die eines guten Willens sind.» Man fühlt das Strömen des Willens in der Hirtenverkündigung. Und wenn Sie das Lichtvolle der Magiererkenntnis fühlen, so fühlen Sie die ganz andere Art.

[ 15 ] One must certainly view these things in such a way that one adds to the usual historical perspective the insights that can be gained through spiritual science. One must, so to speak, attempt to fathom the vastness of space and the depths of the soul. And if one fathoms the vastness of space in the right way from a specific point of view, then one learns to understand the manner in which the Magi from the East experienced the approach of the Mystery of Golgotha. If one attempts to fathom the depths of the soul, one gains an understanding of how what was drawing so close to the Earth—so close that the Earth itself already sensed within itself the forces of this approaching event—was revealed to the shepherds. What was expressed in the magicians as pre-birth abilities corresponds more to an intellectual faculty, to a form of cognition. However, intellectual understanding at that time was different from what it is today. What, on the other hand, was at work in the shepherds corresponds more to a will, and it is this will that simultaneously represents the forces of growth in the universe. So that, I would say, the shepherds were connected through their will to that which was approaching the Earth as the Christ Being. One also senses how the stories of the Magi from the East—even though they are presented in a highly imperfect way in today’s Bibles—reflect the kind of insight with which the Magi approached the Mystery of Golgotha: it is what lives for them in their outer consciousness. And in this narrative—this heartfelt account of the Annunciation to the shepherds as it appears in the Gospel—we sense how it points to human will, to the soul, and to inner emotion: “Revelation of God from heaven, and peace on earth to people of good will.” One senses the flow of the will in the Annunciation to the Shepherds. And when you sense the radiance of magical knowledge, you sense a completely different kind of experience.

[ 16 ] So kommen wir der ganzen tiefen Bedeutung dessen, was da im Neuen Testamente erzählt wird als Magiererkenntnis und Hirtenverkündigung, nahe, wenn wir versuchen, ganz tief hineinzublicken in Menschenerkenntnis und Menschenwollen, in Vorgeburtliches und Nachtodliches.

[ 16 ] In this way, we come close to the full, profound meaning of what is recounted in the New Testament—as magical insight and the proclamation of the shepherds—when we try to look deeply into human understanding and human will, into what precedes birth and what follows death.

[ 17 ] Für uns, sagte ich, ist das, was für die Alten als Sternenwelt, als mineralische Welt, als pflanzliche Welt eine lebendige Geistwelt war, für uns ist es Mathematik, Mechanik geworden. Das, was früher Innenerkenntnis war, das ist an die Oberfläche gezogen. Wenn wir uns den Menschen vergegenwärtigen und uns seine Innenerkenntnis, wie sie besonders bei den Hirten aufgetreten ist, als Inneres vorstellen, und das, was bei den Magiern aufgetreten ist, als das Äußere vorstellen, so ist diese äußere Erkenntnis bei den Magiern das, was in Raumesweiten hinausreicht, um den Geist wahrzunehmen; das, was als Inneres lebt, führt zu den Schauungen, welche die Erdentiefen wahrnehmen, aber auch geistig.

[ 17 ] For us, I said, what was a living spiritual world for our ancestors—the world of the stars, the mineral world, and the plant world—has become mathematics and mechanics. What used to be inner knowledge has been drawn to the surface. If we consider the human being and imagine his inner knowledge—as it appeared especially among the shepherds—as the inner realm, and what appeared among the magicians as the outer realm, then this outer knowledge among the magicians is what reaches out into the vastness of space to perceive the spirit; what lives as the inner realm leads to the visions that perceive the depths of the earth, but also spiritually.

[ 18 ] Und was da Innenerkenntnis ist, was bei den Hirten hervorgetreten ist (siehe Zeichnung, rot), das wächst sich in der weiteren Entwickelung der Menschheit immer mehr und mehr’nach außen und wird zu der heutigen Außenwahrnehmung. Das wird das, was wir heute die Erfahrungswahrnehmung nennen. Was dagegen bei den Magiern die Erkenntnis der belebten Sternenwelt vermittelt hat, das zieht sich nach dem Inneren, ich möchte sagen, mehr nach dem Gehirn zurück, und das wird unsere mathematische, unsere mechanische Welt (grün). Es hat also eine Kreuzung stattgefunden. Was früher, in der vorchristlichen Zeit, Innenerkenntnis war, bildhafte, naive, instinktive Imagination, das wird unsere Außenerkenntnis, wird sinnliche Wahrnehmung; was Außenerkenntnis war, womit man die Sternenwelt umfaßte, das zieht sich nach dem Inneren und wird die trockene geometrisch-mathematisch-mechanische Welt, die wir nunmehr aus dem Inneren heraus haben.

[ 18 ] And what is inner insight—what emerged among the shepherds (see drawing, red)—grows more and more “outward” in the further development of humanity and becomes what we today call external perception. This becomes what we today call experiential perception. What, on the other hand, conveyed to the magicians an understanding of the animate world of the stars, withdraws inward—I would say, more toward the brain—and this becomes our mathematical, our mechanical world (green). A crossover has thus taken place. What used to be, in pre-Christian times, inner knowledge—pictorial, naive, instinctive imagination—becomes our outer knowledge, becomes sensory perception; what was outer knowledge, through which one encompassed the world of the stars, withdraws inward and becomes the dry, geometric-mathematical-mechanical world that we now have from within.

[ 19 ] Der gegenwärtige Mensch nimmt durch innere Erleuchtung ja nichts anderes wahr als Mathematisch-Mechanisches. Und nur auserlesene Geister, wie etwa Novalis, schwingen sich dazu auf, das Gedichthafte, das tief Phantasievolle von so etwas zu empfinden und auch dichterisch darzustellen, wie es eben das mathematisch-mechanische Innere ist, das Novalis in so schöner Weise, harmonisch geradezu, besungen hat. Was da Novalis besingt, ist für den gewöhnlichen Menschen heute die trokkene Welt der Dreiecke, der Vierecke, die trockene Welt der Quadrate und Summen und Differenzen, das ist für den gewöhnlichen Menschen jene Welt, wo wir etwa aussprechen, wie die Resultante aus zwei Kräften sich im Parallelogramm ausspricht. Der gewöhnliche Mensch ist prosaisch genug, um diese Welt als nüchtern, als trocken zu empfinden; er mag sie nicht. Der auserlesene Novalis besingt sie, weil in ihm noch etwas lebt von dem Nachklang dessen, was diese Welt war, als sie sich noch nicht in das Innere zurückgezogen hatte. Da war sie jene Welt, aus welcher der Jupiter-, der Saturngeist, aus der heraus der Geist des Widders, des Stiers, der Zwillinge wahrgenommen wurde. Das war die alte, lichterfüllte Sternenwelt, die sich nur zurückgezogen hat und zunächst im ersten Stadium ihres Zurückziehens die scheinbar trockene, mechanisch-mathematische Welt ist.

[ 19 ] Through inner enlightenment, modern man perceives nothing other than the mathematical and mechanical. And only select minds, such as Novalis, rise to the level of perceiving the poetic, the deeply imaginative aspect of such things and also of portraying it poetically—for it is precisely this mathematical-mechanical inner world that Novalis has celebrated in such a beautiful, indeed harmonious, way. What Novalis sings of is, for the ordinary person today, the arid world of triangles and quadrilaterals, the arid world of squares, sums, and differences; for the ordinary person, this is the world where we, for example, describe how the resultant of two forces manifests itself in a parallelogram. The average person is prosaic enough to perceive this world as sober, as dry; they do not like it. The exceptional Novalis sings of it because within him still lives something of the echo of what this world was when it had not yet withdrawn into the inner realm. There it was, that world from which the spirit of Jupiter and Saturn, and from which the spirit of Aries, Taurus, and Gemini were perceived. That was the ancient, light-filled world of the stars, which has merely withdrawn and, in the first stage of its withdrawal, appears as the seemingly dry, mechanical-mathematical world.

[ 20 ] Und dasjenige, was sich auf andere Weise verintensivierte bei den Hirten des Feldes zum Vernehmen der Stimme des Engels der Höhe, das ist in uns — trocken, nüchtern, abgeschwächt — zu der Wahrnehmung der äußeren Sinneswelt geworden. Damit nehmen wir heute Mineralien und Pflanzen und Sterne wahr, während wir mit dem anderen, kaum ausgesprochen, wahrnehmen die Erdentiefen oder die Menschen- und Tierwelt. Aber was heute abgeschwächt ist zu der mathematisch-mechanisch-phoronomischen Welt, das, was einst die Astrologie war, das hatte für die alte Erkenntnis eine solche Kraft in sich, daß sich als Himmelswesen für die Magier durch diese Erkenntnis enthüllte der Christus. Und der tiefe Einfluß auf die Erde, die ganze Gewalt, mit welcher der Christus in der Erde wirken sollte, sie verkündete — nicht für das, was heute unsere gewöhnliche Sinneserkenntnis ist, mit der wir nichts sehen als die grüne Fläche des Grases, die braunen Felle der Tiere —, für diese Erkenntnis, als sie noch im Inneren war, als sie noch nicht herausgezogen war in die bloßen Augen, in die bloße Haut, sie kündigte bei den Hirten des Feldes dasjenige an, was der Christus der Erde werden sollte.

[ 20 ] And what took on a different intensity for the shepherds in the fields as they heard the voice of the angel from on high has become within us—dry, sober, and diminished—the perception of the external sensory world. Through this, we perceive minerals, plants, and stars today, while through the other—barely articulated—we perceive the depths of the earth or the world of humans and animals. But what has today been weakened into the mathematical-mechanical-phoronomic world—that which was once astrology—possessed such power within it for ancient knowledge that Christ revealed Himself to the magicians as a celestial being through this knowledge. And the profound influence on the Earth, the full power with which Christ was to work within the Earth, it proclaimed—not to what is today our ordinary sensory perception, with which we see nothing but the green surface of the grass, the brown hides of the animals—but to this perception, when it was still within, when it had not yet been drawn out into the mere eyes, into the mere skin; it announced to the shepherds in the fields what Christ was to become for the Earth.

[ 21 ] Wir müssen den Weg wiederum zurückfinden, wir müssen wiederum die Möglichkeit finden können, daß das Innere, das heute nur trockene Mathematik ist, sich bildhaft intensiviert zur Imagination. Wir müssen die Imagination, die uns die Initiationswissenschaft liefert, begreifen lernen. Was ist denn in diesen Imaginationen enthalten? Sie sind ja eine Fortsetzung dessen, durch das die Magier aus dem Morgenlande das Herannahen des Christus erkannt haben. Die Imaginationen sind die Sprossen, die Nachkommen dessen, was die Alten gesehen haben in den Sternbildern, in den Sternenimaginationen, in den mineralischen Imaginationen, dem Gold, Silber, Kupfer. So haben in entsprechenden Imaginationen die Alten gesehen, und die Nachkommen von alledem sind heute die mathematischen Fähigkeiten. Die mathematischen Fähigkeiten werden heute jene Fähigkeiten, die die Imaginationen verstehen. Und so wird man aus der Ausbildung des Inneren zu suchen haben das Verständnis der Christus-Wesenheit.

[ 21 ] We must find our way back; we must once again be able to find the possibility for the inner world—which today is nothing but dry mathematics—to intensify into vivid imagery. We must learn to grasp the imagery provided to us by the science of initiation. What, then, is contained in these imaginations? They are, after all, a continuation of that through which the magicians of the East recognized the coming of Christ. The imaginations are the offshoots, the descendants of what the ancients saw in the constellations, in the stellar imaginations, in the mineral imaginations—gold, silver, and copper. Thus, the ancients saw through corresponding imaginations, and the descendants of all this are today’s mathematical abilities. Mathematical abilities today are becoming the very faculties that comprehend these imaginations. And so, through the cultivation of the inner self, we must seek an understanding of the Christ-being.

[ 22 ] Aber auch die äußere Wahrnehmung muß vertieft werden. Die äußere Wahrnehmung, sie ist selbst ein Abkömmling von dem, was einstmals die inneren Erlebnisse waren, die instinktiver Natur waren. Die Kraft, die bei den Hirten der Verkündigung noch im Inneren, in den Herzen war, sie ist heute nur in den Augen, in den Ohren. Sie hat sich ganz in die Außenseite des Menschen hineingeschoben und nimmt daher nur das Äußere wahr, den Sinnesteppich. Aber sie muß noch weiter nach außen gehen. Dazu muß aber der Mensch seinen Leib verlassen und der Inspiration fähig werden. Dann wird diese Inspiration, also die heute nach außen zu erringende Wahrnehmung, aus der Initiationswissenschaft heraus dasselbe geben können, was dem naiven Innenerkennen der Hirten auf dem Felde gegeben wurde durch die Verkündigung.

[ 22 ] But external perception, too, must be deepened. External perception is itself a descendant of what were once inner experiences of an instinctive nature. The power that, at the time of the Annunciation, was still within the shepherds—in their hearts—is today found only in their eyes and ears. It has shifted entirely to the outer side of the human being and therefore perceives only the external world, the tapestry of the senses. But it must go even further outward. To do so, however, the human being must leave his body and become capable of inspiration. Then this inspiration—that is, the perception to be attained outwardly today—will be able to provide, through the science of initiation, the very same thing that was given to the shepherds’ naive inner recognition in the field through the Annunciation.

[ 23 ] Wenn so, wie einstmals Astrologie bei den Magiern und menschliche Herzensanschauung bei den Hirten des Feldes, das in dem neueren Menschen zusammenwirkt, was aus der Initiationswissenschaft durch Imagination und Inspiration kommt, dann wird der Mensch durch die Erkenntnisse der Imagination und Inspiration sich wiederum erheben zum geistigen Ergreifen des lebendigen Christus. Man muß es verstehen, wie die Isis, die lebendige, die göttliche Sophia, verlorengehen mußte gegenüber jener Entwickelung, welche die Astrologie in die Mathematik, in die Geometrie, in die Mechanik hineingetrieben hat. Man wird es aber auch verstehen, daß, wenn aus diesem Leichenfelde, aus Mathematik, Phoronomie und Geometrie, auferweckt wird die lebendige Imagination, daß dieses dann das Finden der Isis bedeutet, das Finden der neuen Isis, der göttlichen Sophia, die der Mensch finden muß, wenn die Christus-Kraft, die er seit dem Mysterium von Golgatha hat, in ihm lebendig, voll lebendig, das heißt, lichtvoll durchdrungen werden soll.

[ 23 ] If, just as astrology once did among the Magi and the intuition of the human heart among the shepherds of the field, what comes from the science of initiation through imagination and inspiration works together within modern humanity, then humanity will, through the insights of imagination and inspiration, rise once more to a spiritual grasp of the living Christ. One must understand how Isis—the living, the divine Sophia—had to be lost in the face of that development which drove astrology into mathematics, geometry, and mechanics. But one will also understand that when, from this field of corpses—from mathematics, phoronomy, and geometry, the living imagination is raised up, this then signifies the finding of Isis—the finding of the new Isis, the divine Sophia—whom humanity must find if the Christ-force, which it has possessed since the Mystery of Golgotha, is to become alive within it, fully alive—that is, permeated with light.

[ 24 ] Wir stehen eben vor dieser Zeitenwende. Die äußere Erde wird dem Menschen nicht diejenigen Güter geben, nach welchen er in der neueren Zeit gewohnt worden ist zu verlangen. Die großen Konflikte, welche die furchtbaren Katastrophen der letzten Jahre hervorgerufen haben, sie haben einen großen Teil der Erde schon in ein Kulturtrümmerfeld verwandelt. Weitere Konflikte werden folgen. Die Menschen bereiten sich vor zu dem nächsten großen Weltkriege. In weiterer Weise wird die Kultur zertrümmert werden. Aus dem, was gerade der neueren Menschheit sich als das Wertvollste für Erkenntnis und Wollen ergeben hat, aus dem wird unmittelbar nichts zu gewinnen sein. Das äußere Erdendasein, insoferne es ein Ergebnis früherer Zeiten ist, es wird vergehen, und ganz vergeblich hoffen diejenigen, welche glauben, die alten Denk- und Willensgewohnheiten fortsetzen zu können. Was heraufkommen muß, das ist ein neues Erkennen und ein neues Wollen auf allen Gebieten. Wir müssen uns bekanntmachen mit dem Gedanken des Hingehens einer Kultur, einer Zivilisation; aber wir müssen hineinschauen in das menschliche Herz, in den Geist, der in dem Menschen wohnt. Wir müssen Vertrauen haben zu diesem Menschenherzen und zu diesem Menschengeiste, die in uns wohnen, damit durch alles das, was wir tun können innerhalb der Zertrümmerung der alten Zivilisation, neue Gebilde entstehen, wirkliche Neugebilde entstehen.

[ 24 ] We are now standing on the threshold of this turning point in history. The material world will not provide humanity with the goods it has become accustomed to demanding in recent times. The great conflicts that have caused the terrible catastrophes of recent years have already turned a large part of the Earth into a wasteland of cultural ruin. Further conflicts will follow. People are preparing for the next great world war. Civilization will be shattered even further. From what has emerged as the most valuable source of knowledge and will for modern humanity, there will be nothing to be gained in the immediate future. Outward earthly existence, insofar as it is a product of earlier times, will pass away, and those who believe they can continue the old habits of thought and will are hoping in vain. What must emerge is a new understanding and a new will in all areas. We must familiarize ourselves with the idea of the passing of a culture, of a civilization; but we must look into the human heart, into the spirit that dwells within the human being. We must have confidence in this human heart and this human spirit that dwell within us, so that through everything we can do amid the shattering of the old civilization, new forms may arise—truly new forms.

[ 25 ] Diese Neugebilde werden nicht entstehen, wenn wir uns nicht dazu bequemen, wirklich ernsthaftig ins Auge zu fassen, was für die Menschheit notwendigerweise geschehen muß. Lesen Sie nach in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Dort ist Ihnen geschildert, wie der Mensch, wenn er zu den höheren Erkenntnissen gelangen will, zuerst sich ein Verständnis entwickeln muß für das, was man die Begegnung mit dem Hüter der Schwelle nennt. Da ist darauf hingewiesen, wie diese Begegnung mit dem Hüter der Schwelle bedeutet, daß Wollen, Fühlen, Denken sich trennen in einer gewissen Weise, daß eine Dreiheit aus der menschlichen chaotischen Einheit entstehen muß. Dieses Verständnis, das für den Schüler der geistigen Wissenschaft sich eröffnen muß, indem ihm klar wird, was der Hüter der Schwelle ist, dieses Verständnis muß sich der ganzen neueren Menschheit in bezug auf den Zivilisationsgang eröffnen. Wenn auch nicht für das äußere Bewußtsein, für die inneren Erlebnisse geht die Menschheit durch das Gebiet durch, das man auch als ein Gebiet des Hüters der Schwelle bezeichnen kann.

[ 25 ] These new entities will not come into being unless we bring ourselves to truly and earnestly consider what must necessarily happen for humanity. Please refer to my book How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?. There you will find a description of how, if a person wishes to attain higher knowledge, they must first develop an understanding of what is called the encounter with the Keeper of the Threshold. It is pointed out there how this encounter with the Keeper of the Threshold means that willing, feeling, and thinking must separate in a certain way, so that a triad must emerge from the chaotic unity of the human being. This understanding, which must open up to the student of spiritual science as they come to realize what the Keeper of the Threshold is, must also open up to all of modern humanity in relation to the course of civilization. Even if not for outer consciousness, in terms of inner experiences, humanity is passing through the realm that can also be described as the realm of the Keeper of the Threshold.

[ 26 ] Die neuere Menschheit überschreitet eine Schwelle, an der ein bedeutsamer Hüter steht, ein ernster Hüter. Und dieser ernste Hüter spricht vor allen Dingen das aus: Bleibet nicht hängen an dem, was sich heraufverpflanzt hat aus den alten Zeiten. Sehet in eure Herzen, sehet in eure Seelen, daß ihr Neugebilde schaffen könnet! Diese Neugebilde könnet ihr nur schaffen, wenn ihr den Glauben habt, daß aus der geistigen Welt heraus die Erkenntniskräfte und die Willenskräfte zu diesem geistigen Neuschaffen kommen können. — Was dem einzelnen Menschen beim Betreten der höheren Erkenntniswelten ein besonders intensives Ereignis sein muß, gewissermaßen unbewußt geht es für die ganze Menschheit in der Gegenwart vor sich. Und diejenigen, die sich zusammengeschlossen haben als anthroposophische Gemeinschaft, sie sollten einsehen, daß es zum Notwendigsten in der Gegenwart gehört, die Menschen zum Verständnis dieses Durchgehens durch das Schwellengebiet zu bringen.

[ 26 ] Modern humanity is crossing a threshold where a significant guardian stands, a solemn guardian. And this solemn guardian declares, above all else: Do not cling to what has been carried over from ancient times. Look into your hearts, look into your souls, so that you may create new forms! You can create these new forms only if you have the faith that the powers of knowledge and the powers of will can come from the spiritual world to bring about this spiritual re-creation. — What must be a particularly intense experience for the individual upon entering the higher realms of knowledge is, in a sense, taking place unconsciously for all of humanity at the present time. And those who have come together as the anthroposophical community should realize that one of the most essential tasks at the present time is to help people understand this passage through the threshold region.

[ 27 ] So wie der Mensch als Erkennender begreifen muß, daß sein Denken, Fühlen und Wollen sich in einer gewissen Weise trennt, und er es im höheren Sinne zusammenhalten muß, so muß der neueren Menschheit begreiflich gemacht werden, daß sich Geistesleben, Rechts- oder Staatsleben und Wirtschaftsleben voneinander trennen müssen und ein höheres Band des Zusammenhalts geschaffen werden muß, als es der bisherige Staat war. Nicht sind es irgendwelche Programme, Ideen, nicht sind es irgendwelche Ideologien, welche einzelne dazu bringen können, anzuerkennen diese Notwendigkeit einer Dreigliederung des sozialen Organismus; sondern die tiefe Erkenntnis von der Fortentwickelung der Menschheit ist es, die uns zeigt, daß diese Entwickelung an ein Schwellengebiet gelangt, daß der ernste Hüter dasteht, daß er verlangt — so wie er für den einzelnen Menschen verlangt, der zur höheren Erkenntnis fortschreitet: Erdulde die Trennung in Vorstellen, Fühlen, Wollen —, daß er so für die ganze Menschheit verlangt: Gliedere auseinander dasjenige, was in chaotischer Einheit in dem Götzen Staat verflochten war bis heute, gliedere das auseinander in ein geistiges Gebilde, in ein Rechts-Staatsgebilde, in ein Wirtschaftsgebiet. — Sonst kommt die Menschheit nicht weiter, sonst birst auseinander, fällt auseinander das alte Chaos. Dann aber, wenn es auseinanderfällt, wird es nicht die für die Menschheit notwendige Gestalt haben, sondern eine ahrimanische oder luziferische Gestalt, während ihm die Christus gemäße Gestalt allein die aus der Geisteswissenschaft heraus erfolgende Erkenntnis von dem Schwellengang in der Gegenwart geben kann.

[ 27 ] Just as human beings, as thinking beings, must understand that their thinking, feeling, and willing are, in a certain sense, separate, and that they must hold them together in a higher sense, so must modern humanity be made to understand that spiritual life, legal or political life, and economic life must be separated from one another, and that a higher bond of cohesion must be created than the state has been up to now. It is not merely programs, ideas, or ideologies that can lead individuals to recognize this necessity for a threefold social order; but rather it is the deep insight into the further development of humanity that shows us that this development is reaching a threshold, that the solemn guardian stands there, demanding—just as he demands of the individual human being who is progressing toward higher knowledge: “Endure the separation of thinking, feeling, and willing”—that he demands the same of all humanity: “Separate what has been intertwined in chaotic unity within the idol of the State until now; separate it into a spiritual entity, into a legal-state entity, into an economic sphere.” — Otherwise, humanity will not move forward; otherwise, the old chaos will burst apart and fall apart. But when it falls apart, it will not take on the form necessary for humanity, but rather an Ahrimanic or Luciferic form, whereas only the form in accordance with Christ can provide the insight into the threshold passage in the present that arises from spiritual science.

[ 28 ] Das ist etwas, was wir, wenn wir richtig Anthroposophie verstehen, uns auch jetzt in der Weihnachtszeit sagen müssen. Uns muß das Kindlein, das in der Krippe liegt, das Kindlein sein der geistigen Entwickelung in eine Menschenzukunft hinein. Wie die Hirten auf dem Felde ihren Gang angetreten haben nach der Verkündigung, wie die Magier des Morgenlandes ihren Gang angetreten haben nach der Verkündigung, um zu schauen, wie als kleines Kind erschien dasjenige, was die Menschenwelt vorwärtsbringen sollte, so muß die neue Menschenwelt den Gang machen zur Initiationswissenschaft, um aus der Initiationswissenschaft, ich möchte sagen in der Gestalt des kleinen Kindes, wahrzunehmen, was da werden soll für die Zukunft der von der Geisteswissenschaft getragene dreigliedrige soziale Organismus. Bersten müßte die alte Staatsform, wenn der Mensch sie nicht zur Gliederung brächte, bersten müßte sie so, daß sie von selbst, von sich aus, entwickeln würde auf der einen Seite ein Geistesgebiet — das aber dann erst recht chaotisch wäre, das vollständig ahrimanisch-luziferische Züge annähme und auf der anderen Seite ein wirtschaftliches Gebiet, wiederum mit luziferisch-ahrimanischen Zügen, und das eine wie das andere würde Fetzen des Staatsgebildes nach sich ziehen. Im Orient würden sich mehr ahrimanisch-luziferische Geiststaaten entwickeln, im Westen mehr ahrimanisch-luziferische Wirtschaftsstaaten, wenn der Mensch nicht durch die Durchchristung seines Wesens begreift, wie er das vermeiden kann, wie er aus seiner Erkenntnis, aus seinem Willen heraus die Dreigliederung dessen, was auseinander will, vornehmen kann.

[ 28 ] This is something we must remind ourselves of even now, during the Christmas season, if we are to truly understand anthroposophy. The little child lying in the manger must be for us the child of spiritual development leading into the future of humanity. Just as the shepherds in the fields set out after the Annunciation, just as the Magi from the East set out after the Annunciation to see how that which was to advance the human world appeared as a small child, so must the new human world set out toward the science of initiation, in order to perceive through the science of initiation— I would say in the form of the little child, to perceive what is to become of the threefold social organism supported by spiritual science for the future. The old form of government would have to burst apart—if humanity did not structure it—it would have to burst apart in such a way that it would develop, of its own accord, on the one hand, a spiritual realm—which, however, would then be all the more chaotic, taking on completely Ahrimanic-Luciferic traits—and, on the other hand, an economic realm, again with Luciferic-Ahrimanic traits, and both would drag along fragments of the state structure. In the East, more Ahrimanic-Luciferic spiritual states would develop; in the West, more Ahrimanic-Luciferic economic states—unless human beings, through the Christification of their being, come to understand how they can avoid this, and how, out of their knowledge and their will, they can carry out the threefold division of that which seeks to separate.

[ 29 ] Das wird dann sein die durchchristete menschliche Erkenntnis, das wird sein das durchchristete menschliche Wollen, und das wird sich in keiner anderen Art ausleben, als daß es das alte Idol des Einheitsstaates in seine entsprechenden drei Glieder auseinanderzieht. Diejenigen, die dann recht im Geistesleben drinnenstehen, die werden gleich den Hirten auf dem Felde erkennen, was die Erde erfährt durch das Christus-Wesen. Und diejenigen, die recht im Wirtschaftsleben, in den wirtschaftlichen Assoziationen drinnenstehen, die werden im rechten Sinne einen Willen entwickeln, der eine durchchristete soziale Ordnung bringt.

[ 29 ] This will then be human knowledge permeated by Christ; this will be human will permeated by Christ; and it will manifest itself in no other way than by dismantling the old idol of the unitary state into its three corresponding parts. Those who are then truly immersed in spiritual life will, like shepherds in the field, recognize what the earth is experiencing through the Christ Being. And those who are truly immersed in economic life, in economic associations, will develop, in the true sense, a will that brings about a Christ-imbued social order.