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Old and New Initiation Methods
Drama and Poetry in the Shift
of Consciousness in the Modern Era
GA 210

11 February 1922, Dornach

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4. Alte und nene Einweihunsgmethoden I

4. Old and New Dedication Methods I

[ 1 ] Heute möchte ich zu Ihnen über ein Thema sprechen, das vielleicht wiederum einige Gesichtspunkte abgeben kann für die Beurteilung des gegenwärtigen Geisteslebens im Zusammenhange mit dem, was in der Menschheitsentwickelung vorangegangen ist. In der Tat ist das Geistesleben der Menschheit, wie ich oftmals auseinandergesetzt habe, seit dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts gegenüber früheren Zeiten ein durch und durch anderes geworden, und wir stehen heute vor der Notwendigkeit, in einer gewissen Weise, aber vollbewußt und besonnen, wiederum zurückzukehren zu dem Durchschauen des geistigen Teiles unseres Weltzusammenhanges. Der geistige Teil unseres Weltzusammenhanges wurde ja von alter instinktiver Geistesschau durchdrungen, und am meisten in den ältesten Zeiten der irdischen Zivilisationsentwickelung. Es trat dann immer mehr und mehr die Fähigkeit der Menschen zurück, in dieser instinktiven Weise zum Geistigen vorzudringen, und in der Zeit, in welcher der Rückgang so stark bemerkbar war, daß die Menschheit einen neuen Einschlag brauchte, kam dann das Mysterium von Golgatha.

[ 1 ] Today I would like to speak to you about a topic that may, in turn, offer some perspectives for assessing contemporary spiritual life in the context of what has preceded it in human development. In fact, as I have often explained, humanity’s spiritual life has, since the first third of the 15th century, become thoroughly different from what it was in earlier times, and we are now faced with the necessity of returning—in a certain way, but fully consciously and thoughtfully—to an understanding of the spiritual aspect of our world context. The spiritual aspect of our world context was, after all, permeated by an ancient, instinctive spiritual insight, most notably in the earliest periods of earthly civilizational development. Then, more and more, people’s ability to penetrate the spiritual realm in this instinctive way began to recede, and at the time when this decline was so pronounced that humanity needed a new direction, the Mystery of Golgotha came about.

[ 2 ] Nun möchte ich heute erwähnen, daß vor dem Mysterium von Golgatha die Menschen, insofern sie auf das geistige Leben hingesehen haben, zu gleicher Zeit auch auf jene Institutionen hingesehen haben, die wir in der allgemeinen Menschheitszivilisation als die Mysterien kennen. Man konnte sich gewissermaßen in diesen ältesten Zeiten der Menschheit nicht denken, daß eine geistige Anschauung, daß ein geistiges Wissen sich anders ausbreiten könne, als indem es aus den Mysterien seinen Ursprung nahm. Und wenn wir das Bewußtsein untersuchen, das die Menschen gehabt haben, die in dieser Zeit, wenn sie überhaupt Wissen haben wollten, zu den Mysterien hinschauten, so ergibt sich uns etwa das folgende Bild: Alles, was äußeres, nicht aus den Mysterien stammendes, sondern von den Menschen selbst errungenes Verstandeswissen ist, das kam ja eigentlich erst in der späteren griechischen Zeit auf. Da erst geschah es, daß die Menschen aus sich selbst heraus, ohne Zuhilfenahme der Mysterien, zu gewissen Wahrheiten kommen wollten. Daher rechnet man ja auch, wenn man die Sache richtig versteht, den Gang der wissenschaftlichen Entwickelung erst von der Zeit des Thales an. Ich habe das Nötige in meinen «Rätseln der Philosophie» auseinandergesetzt. Alles, was vorher liegt, sucht Wissen durchaus mit Hilfe der Mysterien. Nun, wenn man dieses Bewußtsein, das da zugrunde lag, untersucht, so kommt man darauf, daß innerhalb der Mysterien von denjenigen, die die Mysterien leiteten und von ihren Schülern ein Wichtigstes in dem gesehen wurde, was man den «Fürsten dieser Welt» nannte — damit meinte man die Erde —, im Gegensatz zu den Fürsten, das heißt zu den Geistwesen anderer Welten.

[ 2 ] Today I would like to mention that, before the Mystery of Golgotha, people—insofar as they looked toward spiritual life—also looked toward those institutions that we know in general human civilization as the mysteries. In these earliest times of humanity, one could not, so to speak, conceive that a spiritual insight, that spiritual knowledge, could spread in any way other than by originating from the Mysteries. And if we examine the consciousness of the people who, in that era—if they sought knowledge at all—turned to the Mysteries, the following picture emerges: All external intellectual knowledge—that which did not originate in the Mysteries but was attained by human beings themselves—actually did not emerge until the later Greek period. It was only then that people sought to arrive at certain truths from within themselves, without the aid of the Mysteries. That is why, if one understands the matter correctly, the course of scientific development is generally considered to have begun only with the time of Thales. I have elaborated on this in my Riddles of Philosophy. Everything that came before sought knowledge entirely with the help of the Mysteries. Now, if one examines this underlying consciousness, one comes to the conclusion that within the Mysteries, those who led the Mysteries and their disciples regarded as of the utmost importance what was called the “Prince of this World”—by which they meant the Earth—in contrast to the princes, that is, the spiritual beings of other worlds.

[ 3 ] Wenn wir heute in unserer Sprache von dem «Fürsten dieser Welt» sprechen, wie er im Bewußtsein der alten Welt lebte, so würden wir etwa von der ahrimanischen Wesenheit sprechen. Wir würden also mit der ahrimanischen Wesenheit etwa diesen Fürsten des irdischen Lebens treffen. Wenn wir auf die Offenbarung im Geistigen sehen, die von der Seite des Fürsten dieser Welt hergeleitet werden kann, so müssen wir gerade auf das Intellektualistische des menschlichen Erkennens hinweisen. Die Mysterienleiter würden das, was im griechischen selbständigen, außerhalb der Mysterien entstandenen Wissen lebte, durchaus bezeichnet haben als ein Wissen, eingegeben von dem Fürsten dieser Welt. Dagegen haben sie die Aufgabe der Mysterien darin gesehen, den Menschen in eine geistige Anschauung einzuführen, die von dem Fürsten dieser Welt abbringt und die menschliche Seele zu einem Sich-Einleben in Welten führt, die nicht von dem Fürsten dieser Welt beherrscht werden. Man muß, wenn man die Dinge, um die es sich da handelt, in der richtigen Weise sehen will, sich solcher Ausdrücke bedienen, und es sollte niemand irgend etwas Abergläubisches oder dergleichen mit dem Gebrauche solcher Ausdrücke verbinden.

[ 3 ] When we speak today in our language of the “Prince of this World,” as he existed in the consciousness of the ancient world, we would be referring, so to speak, to the Ahrimanic entity. We would thus encounter, in the Ahrimanic entity, this Prince of earthly life, so to speak. When we look at the spiritual revelation that can be derived from the side of the Prince of this World, we must point specifically to the intellectualistic aspect of human cognition. The leaders of the Mysteries would certainly have described what existed in independent Greek knowledge—knowledge that arose outside the Mysteries—as knowledge inspired by the Prince of this World. In contrast, they saw the task of the Mysteries as introducing human beings to a spiritual vision that turns them away from the Prince of this World and leads the human soul to immerse itself in worlds not ruled by the Prince of this World. If one wishes to view the matters at hand in the correct way, one must make use of such expressions, and no one should associate anything superstitious or the like with the use of such expressions.

[ 4 ] Ich will Ihnen ein Bild entwerfen, wie etwa ein in die griechischen oder ägyptischen, in die persischen oder in andere Mysterien Eingeweihter über den Fürsten dieser Welt in älteren Zeiten gedacht hat. Da muß man sich schon klar darüber sein, daß wenn die Betreffenden auch andere Namen gehabt haben, sie dennoch durchaus von dem Christus-Wesen gesprochen haben, Man spricht ja nicht nur von dem Christus-Wesen, wenn man den Christus-Namen ausspricht. Wenn wir auch selbstverständlich den Christus-Namen aussprechen müssen, indem wir von dem Christus-Wesen sprechen, bezeichnen wir doch mit dem Christus eigentlich erst die in Betracht kommende Wesenheit, nachdem sie durch das Mysterium von Golgatha durchgegangen ist und sich mit der Erdenzivilisation verbunden hat. Sie war eben vor dem Mysterium von Golgatha nicht mit der Erdenzivilisation verbunden. Sie lebte gewissermaßen als das große Sonnenwesen außerhalb der irdischen Welt. Erst das Mysterium von Golgatha bezeichnet die Verbindung dieses außerhalb der irdischen Welt lebenden Wesens mit der Erdenwelt selber. Aber als solches außerirdisches Wesen kannten es durchaus die in die Mysterien Eingeweihten. Als solches Wesen erkannte es auch derjenige, den man den Fürsten dieser Welt nannte, das geistige Wesen ahrimanischer Natur. Er fühlte sich gewissermaßen — wie gesagt, ich schildere, was im Bewußtsein der Mysterieneingeweihten lebte — als Herr der Erde. Er konnte sich sagen: Was die Menschen durch die Kräfte der Erde haben, das haben sie von mir. — Dagegen wußte er auch, daß außerhalb der Erde der Christus lebte und auf das menschliche Leben einen Einfluß hatte, und zwar auf Umwegen durch die Mysterien, deren Lehren dann popularisiert und hinausgetragen wurden unter die Völker.

[ 4 ] I want to paint a picture for you of how someone initiated into the Greek, Egyptian, Persian, or other mysteries might have thought of the Prince of this World in ancient times. One must be clear about the fact that even if those concerned used other names, they were nevertheless speaking of the Christ Being. After all, one does not speak of the Christ Being only when one utters the name “Christ.” Although we must, of course, utter the name “Christ” when speaking of the Christ Being, we actually use the term “Christ” to designate the Being in question only after it has passed through the Mystery of Golgotha and united itself with earthly civilization. Before the Mystery of Golgotha, it was not united with earthly civilization. It lived, so to speak, as the great solar being outside the earthly world. It was only the Mystery of Golgotha that marked the connection of this being—living outside the earthly world—with the earthly world itself. But as such an extraterrestrial being, it was certainly known to those initiated into the Mysteries. The one who was called the Prince of this World—the spiritual being of Ahrimanic nature—also recognized it as such a being. He felt, in a sense—as I said, I am describing what lived in the consciousness of the initiates of the Mysteries—that he was the lord of the Earth. He could say to himself: Whatever people have through the forces of the Earth, they have from me. — On the other hand, he also knew that Christ lived outside the Earth and exerted an influence on human life, albeit indirectly through the Mysteries, whose teachings were then popularized and carried out among the peoples.

[ 5 ] Will man das, was da im Bewußtsein lebte, noch genauer beschreiben, so muß man sagen, die Eingeweihten der Mysterien dachten sich: Der Fürst dieser Welt hat seinen hauptsächlichsten Einfluß auf die physische Leiblichkeit des Menschen; diese steht ganz in seiner Botmäßigkeit, und er fühlt sich als Herr dieser physischen Leiblichkeit des Menschen. Nicht konnte er sich als Herr dessen fühlen, was die ätherische und astralische Wesenheit des Menschen, also der Lebensleib und das Seelische waren. Diesen Lebensleib und das Seelische sah man unter dem Einflusse einer außerirdischen Wesenheit stehen; da sah man schon immer die Kräfte der Christus-Wesenheit in den Menschen einfließen. Nur konnte der Mensch das, was von der Christus-Wesenheit in ihn einfließen sollte, überhaupt nicht durch die Kräfte seiner Seele erhalten, sondern nur dadurch, daß er sich an dasjenige wandte, was der Mysterieneingeweihte bekam, nachdem er in der entsprechenden Weise vorbereitet war. Man stellte sich die Mysterien eben so vor, daß durch sie das Außerirdische gewissermaßen aufgefangen und zu dem Menschen geleitet wurde. So daß sich der Fürst dieser Welt sagte: Hier auf dieser Erde bin ich Herr. Hier aus dieser Erde zieht der physische Leib des Menschen seine Kräfte, und zu diesen Kräften des physischen Leibes gehört auch der menschliche irdische Verstand. Da bin ich Herr. Hier auf dieser Erde macht mir nichts meine Herrschaft streitig. Es fließt ein auf diese Erde das Außerirdische auf dem Umwege durch die Mysterien. Das will ich dulden.

[ 5 ] If one wishes to describe what was alive in consciousness even more precisely, one must say that the initiates of the Mysteries thought to themselves: The Prince of this world exerts his greatest influence on the physical body of the human being; this is entirely subject to him, and he feels himself to be the master of this physical body of the human being. He could not feel himself to be the master of what constituted the human being’s etheric and astral nature—that is, the life body and the soul. This life body and the soul were seen to be under the influence of an extraterrestrial being; for people had always seen the forces of the Christ Being flowing into human beings. However, human beings could not receive what was to flow into them from the Christ Being through the powers of their own souls at all, but only by turning to what the initiate of the mysteries received after being prepared in the appropriate manner. The Mysteries were conceived in such a way that, through them, the extraterrestrial was, so to speak, captured and channeled to human beings. So that the Prince of this World said to himself: Here on this Earth, I am lord. Here, from this Earth, the physical body of the human being draws its powers, and the human earthly intellect also belongs to these powers of the physical body. There I am lord. Here on this earth, nothing challenges my dominion. The otherworldly flows into this earth by a roundabout route through the Mysteries. I will tolerate that.

[ 6 ] Aber gerade deswegen lehnte sich der Fürst dieser Welt auf gegen das Mysterium von Golgatha, weil er nun seine Erdenherrschaft teilen sollte mit dem Christus, der durch das Mysterium von Golgatha auf die Erde heruntergestiegen war. Als einen Nebenbuhler in der Erdenherrschaft empfand der Fürst dieser Welt den Christus. Er hätte sich gut gefallen lassen gewissermaßen die Mitregierung von außerhalb der Erde herein, aber er wollte sich nicht gefallen lassen die Nebenbuhlerschaft hier innerhalb dieses Erdenbereiches selbst.

[ 6 ] But it was precisely for this reason that the prince of this world rebelled against the Mystery of Golgotha: because he was now to share his dominion over the earth with the Christ, who had descended to earth through the Mystery of Golgotha. The prince of this world perceived the Christ as a rival for dominion over the earth. He would have been willing, so to speak, to accept co-rule from outside the earth, but he would not tolerate having a rival right here within the realm of the earth itself.

[ 7 ] Und da haben wir aus dem Geiste der alten Mysterien heraus den Hinweis auf die eigentliche Gegnerschaft des Fürsten dieser Welt gegenüber dem Christus. Diese Gegnerschaft wurde wiederum stark empfunden durch das ganze Mittelalter hindurch bis in das 15. Jahrhundert herein, bei denen, die in diese Dinge eingeweiht waren. Wenn man bis in das 15. Jahrhundert herein von dem Fürsten dieser Welt und von dem Christus sprach, so geschah es durchaus in diesem Sinne. Und man hatte ein gewisses Bewußtsein davon, daß sozusagen zwei Herrschaften da sind: Eine, die früher, vor dem Mysterium von Golgatha, in berechtigter Weise die menschliche Leiblichkeit beherrscht hat, die jetzt aber mit Bezug auf die menschliche Leiblichkeit ihr Wirken teilen muß mit der andern Herrschaft, mit dem Christus. Denn der Christus strahlt nun nicht mehr bloß auf das Seelische, das heißt auf das Astralische und das Ätherische, seine Wirkungen aus, sondern er will nunmehr auch seine Wirkungen ausstrahlen auf die physische Leiblichkeit des Menschen, das heißt auf das, was sich durch die physische Leiblichkeit des Menschen äußert, nämlich auf das Intellektualistische, auf die eigenen Fähigkeiten des Menschen im weitesten Sinne. Der Christus sollte leben in der ganzen menschlichen Natur. Das war es ja im Grunde genommen, was durch das Mysterium von Golgatha in die Menschheit gekommen ist.

[ 7 ] And here, in the spirit of the ancient mysteries, we find a reference to the fundamental opposition of the prince of this world to Christ. This opposition was, in turn, keenly felt throughout the Middle Ages and well into the 15th century by those who were initiated into these matters. When people spoke of the Prince of this World and of Christ well into the 15th century, they did so entirely in this sense. And there was a certain awareness that, so to speak, there are two dominions: one that formerly, before the Mystery of Golgotha, rightfully ruled over human physicality, but which must now share its influence over human physicality with the other dominion—with Christ. For Christ no longer radiates His effects merely upon the soul—that is, upon the astral and etheric—but He now also wishes to radiate His effects upon the physical body of the human being, that is, upon that which is expressed through the human physical body: namely, upon the intellectual, upon the human being’s own faculties in the broadest sense. Christ was to live in the whole of human nature. That, after all, was essentially what came into humanity through the Mystery of Golgotha.

[ 8 ] Vor dem Mysterium von Golgatha ist denen, die um diese Dinge wußten, gar nicht eingefallen, das Wissen von den ewigen Dingen innerhalb des Bereiches dessen zu suchen, was der menschliche Kopf ersinnen kann, oder was die andern Seelenkräfte, auch die Gemütskräfte, aus sich selbst heraus erlangen können. Das wurde den Mysterien überlassen. Es war also durchaus vor dem Mysterium von Golgatha ein starkes Bewußtsein davon vorhanden, daß irdisches Wissen, irdisches Empfinden etwas anderes ist als das Empfinden der überirdischen Mächte. Und man versteht die ersten Jahrhunderte des Mittelalters nur in ihrer besonderen geistigen Konfiguration, wenn man eben ein klares Bewußtsein von diesem Tatbestand hat.

[ 8 ] Before the Mystery of Golgotha, it never occurred to those who knew about these things to seek knowledge of eternal matters within the realm of what the human mind can conceive, or what the other soul forces—including the powers of the emotions—can attain on their own. That was left to the mysteries. Thus, even before the Mystery of Golgotha, there was a strong awareness that earthly knowledge and earthly perception are something other than the perception of the supersensible powers. And one can only understand the early centuries of the Middle Ages in their particular spiritual configuration if one has a clear awareness of this fact.

[ 9 ] Nun kann es vielleicht über diesen Tatbestand ganz besonders aufklärend sein, wenn man hinsieht auf etwas, das ja als eine Art von Hauptsache innerhalb der verschiedensten Mysterienstätten angesehen worden ist. Gewiß, die Vorbereitungen und die späteren Prüfungen und so weiter, die der Mysterienschüler, der Einzuweihende, durchzumachen hatte, waren für die verschiedenen Mysterienstätten verschieden. Aber das Verschiedene nimmt sich auf diesen Gebieten auch nur so aus, wie etwa wenn man von verschiedenen Seiten auf einen Berg hinaufsteigt und oben doch, trotz der verschiedenen Wege, auf dem einen Gipfel ankommt. Zuletzt führte alles doch zu dem einen Mysterienziel. Nun kann man, wenn die Dinge auch modifiziert waren, dennoch zwei Maßnahmen dieser Mysterien, denen sich jeder zu unterwerfen hatte, als die Hauptsache bezeichnen. Das war der sogenannte Vergessenheitstrunk, und als zweites etwas, was innerhalb der Mysterienvorgänge so auf den Menschen wirkte wie ein starker Schreck, wie das Hineinleben in eine starke Angst. Beide Dinge dürfen heute nicht mehr in derselben Weise durchgemacht werden zum Behufe der Erlangung höherer übersinnlicher Erkenntnisse. Es muß heute alles seelisch-geistig durchgemacht werden, während die Mysterienschüler der alten Zeiten die Dinge so durchgemacht haben, daß sie dabei immer Physisches in Anspruch nehmen mußten. Aber bewirkt wird doch etwas Ähnliches, nur daß bei dem heutigen geistigen Erstreben der höheren Erkenntnis alles in die Sphäre des Bewußtseins hereinfällt, während es früher in die Sphäre des Instinktiven, des Traumhaften hineingefallen ist. Denn dadurch, daß so etwas wie der Vergessenheitstrunk in allen Mysterien gereicht worden ist und so etwas herbeigeführt wurde wie ein physischer Schreck, dadurch wurde in der Tat der Mensch abgedämpft in bezug auf seinen äußeren Intellektualismus, der zwar dumpfer war als der heutige, ihn aber doch beherrschte in bezug auf dasjenige, was sich auf die äußere Welt bezog.

[ 9 ] Now, it may be particularly enlightening to examine this fact by looking at something that has been regarded as a kind of central element within the various mystery schools. Certainly, the preparations and the subsequent trials and so on that the mystery student, the initiate, had to undergo varied from one mystery center to another. But the differences in these areas are only apparent, much like when one climbs a mountain from different sides and yet, despite the different paths, arrives at the same summit. Ultimately, everything led to that one goal of the mysteries. Now, even though the details may have varied, one can still identify two key elements of these mysteries to which everyone had to submit. The first was the so-called “drink of forgetfulness,” and the second was something that, within the mystery rituals, had the effect on the person of a severe shock, like being plunged into a state of intense fear. Today, neither of these things may be undergone in the same way for the purpose of attaining higher supersensible knowledge. Today, everything must be experienced on a soul-spiritual level, whereas the mystery students of ancient times underwent these experiences in such a way that they always had to rely on the physical realm. Yet something similar is achieved; it is just that in today’s spiritual striving for higher knowledge, everything falls within the sphere of consciousness, whereas in the past it fell into the sphere of the instinctive and the dreamlike. For by the fact that something like the “drink of forgetfulness” was administered in all the mysteries, and something like a physical shock was induced, human beings were in fact tempered with regard to their external intellectualism—which, though more dull than today’s, nevertheless dominated them in matters relating to the external world.

[ 10 ] In ein dumpfes Leben wurde also der Mensch sowohl durch den Vergessenheitstrunk wie durch das andere, das einem Schreck, einem Angsterregen verglichen werden kann, hineingeführt. Was hatte der Vergessenheitstrunk denn für eine Bedeutung? Es kam dabei nicht darauf an, daß der Mensch irgend etwas vergaß. Er vergaß allerdings durch diesen Trunk. Aber die Wirkung, die dieser haben sollte, erhielt er dadurch, daß er in ein bestimmtes Zeremonial getaucht war, daß er in einer bestimmten Weise zubereitet war, daß gewisse Vorbereitungen gemacht wurden, bevor man den Trunk bekam. Es war aber durchaus ein physischer Trunk, der durch die Art und Weise, wie er gereicht wurde, allerdings bewirkte, was man nennen kann: Der Mensch vergaß sein Leben seit der Geburt. Es ist das etwas, was durch seelisch-geistige Entwickelung heute auch wiederum erreicht wird. Nur wird es heute dadurch erreicht, daß zuerst ein deutliches Bewußtsein von einem großen Lebenstableau hervorgerufen wird, das alles umfaßt seit der Geburt. Dann wird das unterdrückt, und dadurch wird der Mensch in die geistige Weise seines Lebens vor der Geburt oder vor der Konzeption eingeführt. Das wurde in der mehr physischen Weise erreicht im alten Vergessenheitstrunk.

[ 10 ] Thus, man was led into a dull existence both by the potion of forgetfulness and by the other, which can be compared to a shock or a feeling of dread. What, then, was the significance of the potion of forgetfulness? It was not a matter of man forgetting anything. He did, however, forget as a result of this potion. But the effect it was intended to have came from the fact that it was steeped in a specific ritual, that it was prepared in a specific way, and that certain preparations were made before the drink was served. It was, however, very much a physical drink which, through the manner in which it was administered, did indeed bring about what one might call: the person forgot their life since birth. This is something that is achieved again today through soul-spiritual development. The difference is that today it is achieved by first evoking a clear awareness of a vast panorama of life encompassing everything since birth. This awareness is then suppressed, thereby introducing the person to the spiritual mode of life prior to birth or conception. This was achieved in a more physical manner through the ancient potion of forgetfulness.

[ 11 ] Aber das ist ja nicht das Wesentliche, daß der Mensch vergißt. Das Negative ist überhaupt niemals das Wesentliche. Das Positive, was dadurch erreicht wurde, das ist, daß das Denken beweglicher und intensiver wurde. Aber dumpfer wurde es auch. Es wurde traumhafter, weil eben an den physischen Organismus herangegangen wurde. Die Wirkung dieses Vergessenheitstrunkes auf den physischen Organismus war — man kann sie ganz genau beschreiben —, daß das Gehirn, wenn ich mich so ausdrücken darf, flüssiger gemacht wurde als es im gewöhnlichen Leben ist. Dadurch, daß das Gehirn flüssiger gemacht wurde, daß also der Mensch mehr mit dem Gehirnwasser statt mit den festen Bestandteilen dachte, dadurch wurde sein Denken beweglicher, intensiver.

[ 11 ] But that is not the essential point—that a person forgets. The negative aspect is never the essential point. The positive result achieved through this is that thinking became more agile and intense. But it also became more dull. It became more dreamlike, precisely because it was directed toward the physical organism. The effect of this “potion of forgetfulness” on the physical organism was—and this can be described quite precisely—that the brain, if I may put it that way, was made more fluid than it is in ordinary life. Because the brain was made more fluid—that is, because the person thought more with the cerebrospinal fluid than with its solid components—their thinking became more agile and more intense.

[ 12 ] Heute muß das auf dem direkten Weg erreicht werden, nämlich durch seelisch-geistige Entwickelung, wie das beschrieben ist in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und im zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft im Umriß». Dazumal wurde aber das Gehirn sozusagen durch äußere Einwirkungen flüssiger gemacht. Damit aber wurde erreicht, daß des Menschen geistig-seelische Wesenheit, so wie sie ist, bevor der Mensch durch die Konzeption sich mit einer physischen Leiblichkeit verbindet, wie sie also in der geistigen Welt ist, als Geistig-Seelisches sich wiederum durchdrängen kann durch das Gehirn. Das ist das Wesentliche.

[ 12 ] Today, this must be achieved by a direct path, namely through soul-spiritual development, as described in How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds? and in the second part of my Outline of Esoteric Science. At that time, however, the brain was, so to speak, made more fluid through external influences. This made it possible for the human soul-spiritual being—as it is before the human being unites with a physical body through conception, that is, as it exists in the spiritual world—to permeate the brain once again as a soul-spiritual entity. That is the essential point.

[ 13 ] Graphisch aufgezeichnet, würde das sich so ausnehmen [Hier beginnt die Zeichnung zu Tafel 5]: Nehmen Sie an, das wäre die Konstitution des Gehirnes ( grün), dann ist das so für den Menschen, der geboren ist, daß das Geistig-Seelische (rot) halt davor macht. Das Gehirn ist so konstituiert, daß dieses innere Geistig-Seelische, das der Mensch hat, nicht durch das Gehirn durch kann. Der Mensch ist da drinnen nicht erfüllt von diesem Geistig-Seelischen. Dafür aber können die äußeren Wahrnehmungen herein und können sich durch die Sinne — ich habe hier das Auge gezeichnet — im Gehirn geltend machen. Ich möchte sagen, so geartet ist das Gehirn in der heutigen Konstitution, daß dasjenige, was im Menschen das Ewige ist, nicht herauf kann in das Gehirn. Dadurch aber können die äußeren Eindrücke hinein. Indem der Mensch den Vergessenheitstrunk bekam, erhielt er die Möglichkeit, in das Gehirn dasjenige hineinzubekommen, was geistig-seelisch vor der Konzeption oder vor der Geburt war (rot). Das ist das eine.

[ 13 ] If we were to depict this graphically, it would look like this [Here the drawing for Plate 5 begins]: Suppose this were the structure of the brain (green); then, for a human being who has been born, the spiritual-soul aspect (red) stops short of it. The brain is constituted in such a way that this inner spiritual-soul aspect that a human being possesses cannot pass through the brain. The human being is not filled with this spiritual-soul aspect within the brain. Instead, however, external perceptions can enter and make themselves felt in the brain through the senses—I have drawn the eye here. I would like to say that the brain, in its present constitution, is such that what is eternal in the human being cannot rise up into the brain. External impressions, however, can enter through it. By receiving the “drink of forgetfulness,” the human being gained the ability to bring into the brain that which was spiritual-soul-related before conception or before birth (red). That is one aspect.

[ 14 ] Das andere ist das, was ich nannte: eine Art Schreck wurde auf den Menschen ausgeübt. Nun, nehmen Sie einmal, wie der Schreck auf den Menschen wirkt: man erstarrt. Und es kann einen Schreck geben, der wirklich eine Art Erstarrung des ganzen Menschen hervorruft. Beim Menschen, so wie er im gewöhnlichen Leben ist, wo er herumlaufen kann — der erstarrte, der kataleptische Mensch kann nicht herumlaufen, bei dem sind eben die Muskeln erstarrt —, bei dem nicht erstarrten Menschen also saugt der übrige Körper dieses Ewige auf (weiß mit rot). Es wird in unserem Blute, in unseren Muskeln unten, das Geistig-Seelische, das Ewige aufgesogen. Dadurch kann es wiederum nicht wahrgenommen werden. Ins Gehirn kann es nicht herauf, da unten wird es aufgesogen. Es kann also nicht wahrgenommen werden, aber es tritt frei und selbständig heraus, wenn die Muskeln erstarren.

[ 14 ] The other aspect is what I called: a kind of terror was inflicted upon the person. Now, consider how terror affects a person: one freezes. And there can be a terror that truly causes a kind of paralysis of the entire person. In a person as they are in ordinary life, where they can walk around—the frozen, cataleptic person cannot walk around, for their muscles are frozen—in the person who is not frozen, the rest of the body absorbs this Eternal (white with red). The spiritual-soul aspect, the eternal, is absorbed into our blood and into our muscles below. As a result, it cannot be perceived. It cannot rise up into the brain; it is absorbed down below. So it cannot be perceived, but it emerges freely and independently when the muscles stiffen.

[ 15 ] Diese Muskelstarre wurde hervorgerufen durch die Schockwirkung. Und dadurch wurde nun von dem übrigen Organismus, außer dem Gehirn, nicht aufgesogen das Geistig-Seelische, sondern es wurde frei. So daß der Mensch im Gehirn drinnen das Geistig-Seelische hatte, weil ihm sein Gehirn durch den Vergessenheitstrunk weich geworden war, und der übrige Organismus wurde gewissermaßen verhindert an dem Aufsaugen des Geistig-Seelischen. Dadurch wurde das Geistig-Seelische wahrgenommen. Der Mensch bekam also von zwei Seiten her die Möglichkeit, sein Geistig-Seelisches wahrzunehmen. Im gewöhnlichen Leben konnte er es nicht wahrnehmen, denn durch das Gehirn, durch das er sonst wahrnimmt, konnte er es nicht aufnehmen; da kommt es nicht hinein. Aus dem übrigen Organismus, durch das Wollen und so weiter, konnte es auch nicht wahrgenommen werden, denn der übrige Organismus sog es auf. Nun wurde ihm sein Gehirn verweicht, natürlich nur für die Momente der Erkenntnis. Dadurch schoß das Geistig-Seelische in das Gehirn hinein. Der übrige Körper wurde ihm erstarrt. Dadurch sog er das Geistig-Seelische nicht auf. Und der Mensch stand gewissermaßen in seinem verweichten Gehirn einerseits und in seinem erstarrten Organsystem andererseits wie in einem Gehäuse da; er stand da im Geistig-Seelischen, das ihm nach zwei Seiten gegeben war.

[ 15 ] This muscular rigidity was caused by the shock. And as a result, the spiritual-soul aspect was not absorbed by the rest of the organism—except for the brain—but was set free. So the person had the spiritual-soul aspect within the brain, because his brain had become softened by the potion of forgetfulness, and the rest of the organism was, so to speak, prevented from absorbing the spiritual-soul aspect. As a result, the spiritual-soul aspect was perceived. The person thus gained the ability to perceive his spiritual-soul aspect from two sides. In ordinary life, he could not perceive it, for he could not take it in through the brain—the organ through which he normally perceives; it does not enter there. Nor could it be perceived through the rest of the organism—through the will and so on—because the rest of the organism absorbed it. Now his brain was softened, of course only for the moments of insight. As a result, the spiritual-soul aspect surged into his brain. The rest of his body became rigid. Consequently, he did not absorb the spiritual-soul aspect. And the person stood, as it were, in his softened brain on the one hand and in his rigid organ system on the other, as if in a casing; he stood there in the spiritual-soul aspect that was given to him from two sides.

[ 16 ] Sie sehen also, worauf diese Dinge, die so äußerlich beschrieben werden, eigentlich hinausmünden. Ich bemerke ausdrücklich, daß heute diese Dinge nicht nachgemacht werden können. Die Menschen würden auch nicht wissen, wie sie sie nachmachen sollen. Es würde ihnen heute auch nicht gut bekommen. Heute muß eben alles auf geistig-seelische Weise erreicht werden. Aber man kann durchaus sagen: Wenn so in den Mysterien die Menschen den Vergessenheitstrunk bekommen hatten und die andere Wirkung der physischen Erstarrung ihnen das Wahrnehmen des Geistig-Seelischen in sich ermöglichte, dann waren sie «Christen». In den Mysterien wurden sie Christen.

[ 16 ] So you see where these things, which are described in such an external way, actually lead. I want to emphasize that these things cannot be replicated today. People wouldn’t even know how to replicate them. Nor would they do them any good today. Today, everything must simply be attained through spiritual and soul-related means. But one can certainly say: When, in the mysteries, people had received the potion of forgetfulness and the other effect—physical numbness—enabled them to perceive the spiritual and soul-related within themselves, then they were “Christians.” In the mysteries, they became Christians.

[ 17 ] Es ist das durchaus im Bewußtsein der ersten Kirchenväter vorhanden gewesen. Das wird nur heute den Leuten nicht gesagt, oder es wird sogar geleugnet. Bei den ersten Kirchenvätern ist ein deutliches Bewußtsein vorhanden gewesen, daß die Menschen durch die Mysterien Christen geworden waren. Daher finden wir Stellen bei den ersten Kirchenvätern, daß Heraklit und Sokrates, trotzdem sie vor dem Mysterium von Golgatha lebten, Christen waren, wenn sie auch zu ihrer Zeit Atheisten genannt worden sind. Diese Stelle habe ich ja öfter zitiert, sie findet sich bei den ersten Kirchenvätern.

[ 17 ] This was certainly part of the consciousness of the early Church Fathers. It’s just that people aren’t told this today, or it is even denied. The early Church Fathers were clearly aware that people had become Christians through the mysteries. That is why we find passages among the early Church Fathers stating that Heraclitus and Socrates—even though they lived before the Mystery of Golgotha—were Christians, even though they were called atheists in their own time. I have quoted this passage many times; it can be found in the writings of the early Church Fathers.

[ 18 ] So könnte man also sagen: Um diesen Menschen, der da herauskam aus dem andern, machte sich der Fürst dieser Welt nach der Ansicht der älteren Mysterienleiter und Eingeweihten nichts zu tun; den überließ er dem Christus. Aber er wollte nicht, daß der Christus auf die Erde herunterkommt und vom ganzen Menschen Besitz ergreift. Das ist in den Evangelien dadurch angedeutet, daß die Dämonen, das heißt die unteren Diener des Fürsten dieser Welt, vernahmen: Der Christus ist angekommen, er ist da. — Da lehnten sie sich auf. Das ist in den Evangelien klar angedeutet. Sie erkannten ihn, und sie wurden wild.

[ 18 ] So one could say: According to the view of the older mystery leaders and initiates, the Prince of this World took no interest in this human being who emerged from the other; he left him to Christ. But he did not want Christ to come down to earth and take possession of the whole human being. This is hinted at in the Gospels by the fact that the demons—that is, the lower servants of the Prince of this World—heard: “Christ has arrived; he is here.” — Then they rebelled. This is clearly indicated in the Gospels. They recognized him, and they became frenzied.

[ 19 ] Wir müssen uns also durchaus klar sein, daß, wenn wir über irdische Entwickelungsverhältnisse sprechen, wir ein Wesentliches des Mysteriums von Golgatha darin sehen müssen, daß diejenige geistige Macht, welche bis zum Mysterium von Golgatha hin den durchaus berechtigten Einfluß auf die menschliche Leiblichkeit hatte, in der Folgezeit diesen Einfluß mit dem Christus zu teilen hatte. Daher nennt das Mittelalter den Fürsten dieser Welt den «widerrechtlichen Fürsten dieser Welt». Dieser Ausdruck ist eigentlich nicht gerechtfertigt innerhalb der alten heidnischen Anschauung, aber er trat als eine durchaus durch die Sache gerechtfertigte Bezeichnung dann innerhalb des Mittelalters ein.

[ 19 ] We must therefore be perfectly clear that, when we speak of earthly conditions of development, we must see an essential aspect of the Mystery of Golgotha in the fact that the spiritual power which, up until the Mystery of Golgotha, had a fully justified influence on human physicality, had to share this influence with Christ in the period that followed. This is why the Middle Ages referred to the prince of this world as the “unlawful prince of this world.” This expression is not actually justified within the old pagan worldview, but it came into use during the Middle Ages as a designation that was entirely justified by the circumstances.

[ 20 ] Das ist das Wesentliche in bezug auf die geistige Entwickelung der Menschheit, daß für die älteren Zeiten gewissermaßen der Leib von dem Geistig-Seelischen zurückgezogen worden ist. Die Gehirnwirkung wurde aufgehoben, indem das Gehirn von dem Vergessenheitstrunk weicher gemacht wurde. Die aufsaugende Kraft des übrigen Organismus wurde aufgehoben, indem der übrige Organismus verhärtet wurde durch den Schock. Also der Leib wurde zurückgezogen in diesen älteren Zeiten von dem Geistig-Seelischen.

[ 20 ] The essential point regarding the spiritual development of humanity is that, in earlier times, the body was, so to speak, withdrawn from the spiritual-soul aspect. The brain’s activity was suspended by softening the brain with the “drink of forgetfulness.” The absorptive power of the rest of the organism was suspended by hardening the rest of the organism through the shock. Thus, in those earlier times, the body was withdrawn from the spiritual-soul realm.

[ 21 ] Die neuere Bestrebung besteht darin, daß nun nicht der Leib zurückgezogen wird, sondern daß der Geist herausgezogen wird, indem die geistig-seelischen Kräfte verstärkt, erkraftet werden. Es muß also durchaus das Umgekehrte in unserer Zeit stattfinden, es muß der Geist herausgezogen werden. Es darf gewissermaßen keine Veränderung eintreten innerhalb des Physisch-Leiblichen. Denn der Mensch ist, namentlich seit dem 15. Jahrhundert, so organisiert, daß eine Veränderung in seiner Leiblichkeit in der Weise, wie sie durchaus üblich war bei den alten Mysterienschülern, ein Krankhaftes bedeuten würde. Es würde pathologisch sein, und das darf bei einer normalen Entwickelung nicht eintreten.

[ 21 ] The more recent effort consists in not withdrawing the body, but rather in drawing out the spirit by strengthening and invigorating the spiritual and soul forces. Thus, the exact opposite must take place in our time; the spirit must be drawn out. In a sense, no change may occur within the physical body. For human beings, especially since the 15th century, are organized in such a way that a change in their physical nature—of the kind that was quite common among the ancient mystery school students—would be pathological. It would be pathological, and that must not occur in the course of normal development.

[ 22 ] Ich charakterisiere Ihnen das alles, um Ihnen eine Vorstellung davon zu geben, was unter dem immer wiederkehrenden Begriff älterer Zeiten von dem Fürsten dieser Welt zu verstehen ist. Dieser Fürst dieser Welt, der dann im Mittelalter zu dem «widerrechtlichen Fürsten dieser Welt» geworden ist, ist eine ahrimanartige Wesenheit. Wir können eine solche Wesenheit überall verfolgen, in der äußeren Natur und im Inneren des Menschen. Und eigentlich erst dann, wenn wir in die Lage kommen, eine solche Wesenheit in ihren Wirkungen sowohl in der äußeren Natur wie im Inneren des Menschen zu verfolgen, lernen wir allmählich eine solche Wesenheit verstehen.

[ 22 ] I am describing all this to you to give you an idea of what is meant by the recurring term from earlier times, “the prince of this world.” This prince of this world, who in the Middle Ages became the “unlawful prince of this world,” is an Ahriman-like entity. We can trace such an entity everywhere, in the external natural world and within the human being. And it is only when we are able to trace such an entity in its effects—both in the external natural world and within the human being—that we gradually begin to understand it.

[ 23 ] Wenden Sie den Blick in die äußere Natur. Sie finden in der äußeren Natur zwei Kontraste. Man muß diese Kontraste nur in ihrer ganzen Eigentümlichkeit empfinden. Denken Sie einmal an den blauen Himmel. Gewiß, der blaue Himmel kann, insbesondere in südlichen Gegenden, in einer ganz andern Weise beurteilt werden als ich es hier charakterisieren muß. Das ist dann der Fall, wenn die Erde eingehüllt ist, gewissermaßen die Luftschichte der Erde durchdrungen ist von Sonnenwirkung. Dann hat man nicht die reine Wirkung des bloß blauen Himmels, dann ist diese durch etwas anderes gewissermaßen überzogen. Wenn man aber die reine Wirkung des blauen Himmels hat, dann hat man eine Kältewirkung. Der blaue Himmel als solcher wirkt kalt. Und das, was Sie empfinden können bei einem kalten blauen Himmel, der nicht gemildert ist durch Erdenschwüle, das ist im weiten Umkreise das Ahrimanische. Man möchte sagen, das Ahrimanische bewirkt, daß der Raum in die Bläue erstarrt. Beachten Sie diesen Ausdruck! Er hat allerdings etwas Ungewöhnliches, aber wenn Sie nach und nach fühlen lernen, was das heißt, «der Raum erstarrt in die Bläue», dann haben Sie für die äußere Natur den ahrimanischen Einschlag.

[ 23 ] Turn your gaze to the natural world. You will find two contrasts in the natural world. One need only perceive these contrasts in all their distinctiveness. Think for a moment about the blue sky. Certainly, the blue sky—especially in southern regions—can be perceived in a completely different way than I must characterize it here. This is the case when the Earth is enveloped, when, so to speak, the Earth’s atmosphere is permeated by the sun’s rays. Then one does not experience the pure effect of the sky being merely blue; rather, this effect is, so to speak, overlaid by something else. But when one experiences the pure effect of the blue sky, one experiences a sensation of cold. The blue sky as such has a cold effect. And what you can sense in a cold blue sky—one that is not tempered by earthly humidity—is, in a broad sense, the Ahrimanic. One might say that the Ahrimanic causes space to solidify into the blue. Take note of this expression! It does have something unusual about it, but if you gradually learn to feel what it means for “space to solidify into the blue,” then you will have grasped the Ahrimanic influence on the external natural world.

[ 24 ] Die Kontrastwirkung haben Sie, wenn Sie rötlich oder gelblich die ziehenden Wolken erblicken. Es ist genau die entgegengesetzte Wirkung. Es hat etwas Warmes. Das kann natürlich auch da wiederum durch die Kälte der Erdenumgebung kaschiert sein, aber im ganzen hat die rötlich umsäumte Wolke, die gelbliche Wolke etwas Warmes. Das ist die entgegengesetzte Wirkung, sie ist eine Luftwirkung. Zwischen beiden polarischen Gegensätzen spielt sich dann ab, was eigentlich dem Erdenleben des Menschen frommt. So daß man sagen kann: Der mittelalterliche Mensch dachte sich in dem Wirken des zur Bläue erstarrten Raumes auf die Erde die kosmische Wirkung des Fürsten dieser Welt.

[ 24 ] You see this contrast when you look at the passing clouds, which appear reddish or yellowish. It is precisely the opposite effect. There is something warm about it. Of course, this can also be masked by the cold of the Earth’s surroundings, but on the whole, the reddish-edged cloud, the yellowish cloud, has something warm about it. This is the opposite effect; it is an atmospheric effect. What actually benefits human life on Earth unfolds between these two polar opposites. So one can say: Medieval people imagined the cosmic influence of the Prince of this World in the effect of space, frozen into blue, upon the Earth.

[ 25 ] Sehen wir dann in den Menschen hinein, dann haben wir in ihm einen Zustand zu verzeichnen, durch den der Mensch blaß wird. Sie wissen, das Blasse des Menschen hat immer etwas Fahles, Bläuliches. Dieses Blaßwerden des Menschen, dieses Sich-Erfühlen in der Kälte, das ist das Erfühlen der ahrimanischen Wirkung im Menschen, während die Gerötetheit das Luziferische in der Menschennatur ausmacht. Erst wenn man aus allen diesen Einzelheiten zusammensetzt, was die ahrimanische Wesenheit, die Wesenheit des Fürsten dieser Welt eigentlich ist, bekommt man eine vollständige Vorstellung davon. Dann wiederum, wenn man die blassen, manchmal so gescheiten, aber immer linienhaften Gedanken des Menschen nimmt, wenn man das eigentlich Intellektualistische nimmt, dann hat man wiederum in bezug auf die Kopfwirkung des Menschen das Ahrimanische, das des Fürsten dieser Welt.

[ 25 ] If we then look into the human being, we observe a state in which the person turns pale. You know, the pallor of a human being always has a waxy, bluish quality. This paleness in a person, this feeling of coldness, is the sensation of the Ahrimanic influence within the person, whereas the redness represents the Luciferic aspect of human nature. Only when one pieces together from all these details what the Ahrimanic being—the being of the Prince of this World—actually is does one gain a complete understanding of it. Then again, when one considers the pale, sometimes so clever, but always linear thoughts of human beings—when one considers what is essentially intellectual—one finds, in relation to the human being’s mental activity, the Ahrimanic, that of the Prince of this World.

[ 26 ] Diese Dinge müssen heute vom Geistig-Seelischen aus durchschaut werden. Man muß fühlen in der Bläue, in dem menschlichen Blaßwerden, in dem Sich-innerlich-Verzehren, Sich-kalt-Erfühlen, in dem Durchdrungensein mit blassen abstrakten Gedanken, in all dem muß man fühlen das Ahrimanische, die Herrschaft des Fürsten dieser Welt. Und man muß die wärmende Wirkung des Christus-Impulses fühlen.

[ 26 ] These things must be understood today from a spiritual-psychic perspective. One must sense, in the pallor, in the human turning pale, in the inner wasting away, in the feeling of coldness, in being permeated by pale, abstract thoughts—in all of this one must sense the Ahrimanic, the dominion of the Prince of this World. And one must feel the warming effect of the Christ impulse.

[ 27 ] Es ist für die Gegenwart dieses Erkennen der einerseits ganz andersartigen Einweihung der alten Zeiten gegenüber unserem Einweihungsprinzip in einem gewissen Sinne lehrreich und auch notwendig. Es ist ja einmal so, daß es durchaus schon Menschen in der Gegenwart gibt, die nur noch nicht den Mut haben, zur anthroposophischen Bewegung heranzukommen, die aber eine tiefe Sehnsucht haben nach demjenigen, was zuletzt doch nur die anthroposophische Bewegung geben kann, nach dem Verwandeln der Seele, um erst nach der Verwandlung zu den maßgebenden Erkenntnissen zu kommen. Natürlich lehnt der größte Teil der heutigen Menschheit dieses Verwandeln der Seele ab und glaubt, man könne zu dem, was der Mensch überhaupt an Wissen erlangen kann, durch die gewöhnliche Seelenverfassung kommen, die man durch die gewöhnliche Erziehung und durch das gewöhnliche Leben erlangt. So sagte mir während meiner letzten Reise ein Mann, der sich viel bemüht, aus den philosophischen Möglichkeiten der Gegenwart heraus, aber ohne Anthroposophie, zu einer Art Erkenntnis zu kommen: Ja, es wäre doch an der Anthroposophie vor allen Dingen interessant und wäre wichtig darzutun, wie diese höheren Erkenntnisse erlangt werden, denn überall — dieses «überall» ist natürlich sehr relativ zu nehmen — träte in den heutigen Weltanschauungen die Erkenntnis auf, daß es nicht allein vom Intellekt, sondern vom Willen abhänge, ob der Mensch wirkliche Erkenntnisse erlangen könne oder nicht. Und um die Umarbeitung des Willens handelte es sich ja auch bei den alten Mysterien.

[ 27 ] For our time, this recognition of the initiation of ancient times—which, on the one hand, is quite different from our principle of initiation—is, in a certain sense, instructive and also necessary. After all, there are indeed people today who simply do not yet have the courage to approach the anthroposophical movement, but who have a deep longing for what, in the end, only the anthroposophical movement can provide: the transformation of the soul, so that only after this transformation can one arrive at the decisive insights. Of course, the majority of humanity today rejects this transformation of the soul and believes that whatever knowledge a person can attain at all can be achieved through the ordinary state of the soul acquired through ordinary education and ordinary life. During my last trip, for example, a man who strives hard to arrive at a kind of insight based on the philosophical possibilities of the present—but without anthroposophy—said to me: “Yes, what would be most interesting about anthroposophy—and it would be important to demonstrate—is how these higher insights are attained, for everywhere—and this ‘everywhere’ must, of course, be taken very relatively—the recognition arises in today’s worldviews that it depends not only on the intellect but also on the will whether a person can attain true insight or not.” And the transformation of the will was, after all, also the focus of the ancient mysteries.

[ 28 ] Wenn Sie nun nachsehen, was ich beschrieben habe von den alten Mysterien in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache», dann werden Sie sehen, daß der durchgreifende, der radikale Unterschied dieses alten Erkenntnisstrebens gegenüber dem heutigen darin besteht, daß beim alten Erkenntnisstreben durchaus Vorbereitungen des Willens notwendig waren. Der Wille mußte eine andere Richtung einnehmen als er sie im gewöhnlichen Leben hatte. Der Wille mußte gereinigt, geläutert werden, er mußte gewissermaßen sich umwandeln und auf eine höhere Stufe kommen. Der Mensch mußte sein weltliches Wollen, das unter der Herrschaft des Fürsten dieser Welt steht, in eine andere Richtung bringen. Er mußte also erst durch eine Willenskultur hinkommen an denjenigen Ort, wo man dann Erkenntnisse gewinnen kann, während der heutige Mensch glaubt, man könne da stehenbleiben, wo man eben durch die gewöhnliche Erziehung steht. Und das intellektuelle Leben ist ja nur vorhanden durch die gewöhnliche Konfiguration des Gehirnes. Wird diese verweicht, wie ich es angedeutet habe, dann tritt vor allen Dingen im Gehirn die starke Möglichkeit auf, die Gedanken zu wollen, überall die Gedanken zu wollen. Und wiederum wird das Wollen bewußt, indem der Leib erstarrt; das heißt, es treten im Wollen selber Gedanken auf. Das tritt auch heute auf, wenn auf den Wegen, wie sie von mir geschildert worden sind, eben Erkenntnisse höherer Welten möglich geworden sind.

[ 28 ] If you now look at what I have described regarding the ancient mysteries in my book Christianity as a Mystical Fact, you will see that the fundamental, radical difference between this ancient quest for knowledge and today’s lies in the fact that the ancient quest for knowledge absolutely required a preparation of the will. The will had to take a different direction than it did in ordinary life. The will had to be purified and refined; it had to, so to speak, transform itself and rise to a higher level. A person had to redirect their worldly will—which is under the dominion of the prince of this world—in a different direction. Thus, they first had to reach, through a discipline of the will, that place where one can then gain insights, whereas people today believe one can remain exactly where one stands as a result of ordinary education. And intellectual life exists only through the ordinary configuration of the brain. If this is softened, as I have indicated, then—above all in the brain—the strong capacity arises to will thoughts, to will thoughts everywhere. And in turn, the act of willing becomes conscious as the body stiffens; that is, thoughts arise within the act of willing itself. This also occurs today when, through the paths I have described, insights into higher worlds have become possible.

[ 29 ] Das ist ein sehr bedeutsames Zeichen, daß es heute schon wiederum Menschen gibt, die davon durchdrungen sind, man reiche mit dem bloßen Intellektualismus nicht aus, es brauche eine Willenskultur, um zu den den Menschen möglichen Erkenntnissen zu kommen. Und so sieht man, wenn man auf die im Großen einem entgegentretenden Erscheinungen blickt, daß eben zahlreiche Menschen herankommen, um von geistigen Dingen zu hören. Auch aus den Dingen, die einem, ich möchte sagen in den Zwischenzeiten vor das Seelenauge treten, sieht man, daß es Menschen gibt, die nun wiederum glauben, daß eine Willenskultur notwendig ist, um zur Erkenntnis zu kommen. Alles das zeigt aber, daß heute ein starkes Bedürfnis nach geistigem Leben vorhanden ist. Die Menschen glauben freilich, weil sie nicht den Mut haben, zur Anthroposophie heranzukommen, weil sie die Anthroposophie für etwas Absonderliches halten, auf allerlei andern Wegen das erreichen zu können, was sie eigentlich erstreben. Es wird sich aber die Welt überzeugen müssen, daß es eben nur auf anthroposophischem Wege erreicht werden kann. Das heißt, mißverstehen Sie mich nicht: Was bis heute schon als Anthroposophie hervorgetreten ist, will ich durchaus nicht als ein allgemein Gültiges, als ein Selbstverständliches ansehen. Nur die Richtung, in der sich diese Anthroposophie bewegt, die möchte ich als das Bedeutsame hinstellen und als dasjenige, was eben zur Befriedigung der stark vorhandenen Sehnsuchten in der Gegenwart führen kann, Sehnsuchten, ohne deren Befriedigung einfach die Zivilisation der Menschheitsentwickelung nicht weitergehen kann.

[ 29 ] This is a very significant sign that there are already people today who are deeply convinced that mere intellectualism is not enough; a culture of the will is needed to arrive at the insights possible for human beings. And so, when one looks at the phenomena one encounters on a broad scale, one sees that numerous people are indeed coming forward to hear about spiritual matters. Even from the things that, I might say, appear before the eye of the soul in the intervals between, one can see that there are people who now believe once again that a culture of the will is necessary to attain knowledge. All of this, however, shows that there is a strong need for spiritual life today. People, of course, because they lack the courage to approach anthroposophy—since they regard it as something peculiar—believe they can achieve what they are actually striving for through all sorts of other means. But the world will have to come to realize that it can only be achieved through the anthroposophical path. That is to say—please do not misunderstand me: I certainly do not regard what has emerged as anthroposophy to date as universally valid or self-evident. It is only the direction in which this anthroposophy is moving that I would like to highlight as significant—and as that which can lead to the fulfillment of the strong longings present in our time, longings without the fulfillment of which the civilization of human development simply cannot move forward.