Human Questions and Cosmic Answers
GA 213
15 July 1922, Dornach
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Human Questions and Cosmic Answers, tr. SOL
Zehnter Vortrag
Tenth Lecture
[ 1 ] Es ist ja immerhin etwas, das berücksichtigt werden sollte, daß vor einiger Zeit von den Gegnern der auf dem Wiener anthroposophischen Kongreß vorgebrachten Dinge eine Versammlung einberufen worden ist, in welcher von den verschiedensten Rednern aus dem materialistischen Sinn der Gegenwart heraus gesprochen wurde, und daß zum Schluß ein besonders materialistisch gesinnter Arzt die verschiedenen Reden in ein Schlagwort zusammenfaßte, das eine Art Devise darstellen sollte für die Gegner anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft, in das Schlagwort: Kampf gegen den Geist. — Es ist eben tatsächlich so, daß es heute Menschen gibt, welche den Kampf gegen den Geist als eine wirkliche Devise anschauen.
[ 1 ] It is, after all, something that should be taken into account: some time ago, opponents of the ideas presented at the Vienna Anthroposophical Congress convened a meeting at which a wide variety of speakers addressed the issues from the materialistic perspective of the present, and that, in the end, a particularly materialistically minded physician summarized the various speeches into a catchphrase intended to serve as a kind of motto for the opponents of anthroposophically oriented spiritual science: “The Struggle Against the Spirit.” — It is indeed the case that there are people today who regard the struggle against the spirit as a genuine motto.
[ 2 ] Wenn solch ein Wort ertönt, so wird man doch immer wieder daran erinnert, wie viele Menschen, gutgeartete, gutmeinende Menschen, es in der Gegenwart gibt, die gegenüber dem, was in der zivilisierten Welt waltet, eigentlich in einer Art von Schlafzustand befangen sind, die nicht vernehmen wollen, wohin die Dinge steuern. Man hält Dinge, die von allergrößter Bedeutung sind, für unbedeutende Zeiterscheinungen, für die Meinung von dem einen oder anderen, während es in der Tat so ist, daß sich heute ein im wirklichen Fortgang der menschheitlichen Entwickelung vorhandenes Streben deutlich geltend macht. Und eigentlich müßten alle diejenigen, welche ein Verständnis für eine solche Sache aufbringen können, auch in der intensivsten Weise mit ihrem Herzen dabei sein, um es wirklich aufzubringen.
[ 2 ] Whenever such a word is uttered, one is reminded time and again of how many people—kind-hearted, well-meaning people—there are today who are, in a sense, caught in a kind of slumber when it comes to what is happening in the civilized world, people who do not want to hear where things are headed. Matters of the utmost importance are regarded as insignificant passing trends, as the opinion of one person or another, whereas in fact, a striving that is present in the actual course of human development is clearly making itself felt today. And in fact, all those who are capable of understanding such a cause should be fully committed to it with all their hearts in order to truly bring it about.
[ 3 ] Ich habe nun in Anknüpfung an zwei Persönlichkeiten zu zeigen versucht, wie gerade tiefere Naturen in die neueren Geistesströmungen hineingestellt waren. Ich habe diese zwei Persönlichkeiten kontrastiert, Franz Brentano und Nietzsche, um an ihnen zu zeigen, wie von den verschiedensten Seiten her Menschen, die zunächst durchaus nach dem Geistigen hin orientiert sind, gewissermaßen in der zeitgenössischen naturwissenschaftlichen Denkungsart untergehen. Wenn man Persönlichkeiten, denen das, was ich angedeutet habe, Schicksal ist, ins Auge faßt, dann kann man vielleicht doch noch tiefer ergriffen werden, als wenn solche Dinge nur inabstrakter Charakteristik vorgebracht werden.
[ 3 ] Building on the examples of these two figures, I have now attempted to show how it was precisely the more profound minds that were situated within the newer intellectual currents. I have contrasted these two figures—Franz Brentano and Nietzsche—to illustrate how people who are initially thoroughly oriented toward the spiritual are, in a sense, subsumed by the contemporary scientific way of thinking from a wide variety of angles. When one looks directly at figures for whom what I have indicated is their fate, one may perhaps be moved even more deeply than when such things are presented merely as abstract characteristics.
[ 4 ] Bei Brentano wollte ich anschaulich machen, wie eine Persönlichkeit, die in einer ganz aus dem Katholizismus heraus gestalteten Erziehung aufgewachsen ist, sich auf der einen Seite lebenslänglich bewahrt hat, was das katholische Christentum an Hinneigung zur geistigen Welt in ihre Seele verpflanzt hatte. Gerade in Franz Brentano, der 1838 geboren ist, also gerade in die Zeit hinein gelebt hat, in welcher die naturwissenschaftliche Denkungsweise des 19. Jahrhunderts alles Forschen und Geiststreben der Menschen überflutete, gerade in einer solchen Persönlichkeit zeigt sich, was fortlebt aus sehr alten Weltanschauungsströmungen.
[ 4 ] In the case of Brentano, I wanted to illustrate how a person who grew up with an education shaped entirely by Catholicism retained, on the one hand, throughout his life, what Catholic Christianity had instilled in his soul in terms of a devotion to the spiritual world. It is precisely in Franz Brentano—who was born in 1838 and thus lived at a time when the 19th-century scientific way of thinking was overwhelming all human research and spiritual striving—that we see what endures from very ancient currents of worldview.
[ 5 ] Wenn wir den jungen Brentano ansehen, der in den fünfziger, sechziger Jahren in katholischen Priesterseminarien studierte, so finden wir, wie seine Seele sich mit zweierlei erfüllte, das ihn zunächst in einer sicheren Weise leitete. Das eine ist die katholische Offenbarungslehre, zu der er in einer solchen Stellung stand, wie eben die Theologen der katholischen Kirche seit der Zeit des Mittelalters standen. Die katholische Offenbarung über alles Geistige wird traditionell aufgenommen. Man findet sich hinein in eine Art von durch Gnade dem Menschen zuteil gewordenen Erkenntnis von den übersinnlichen Welten. Damit verband sich dann für Brentano das andere Element, durch das er zunächst verstehen wollte, was er so durch die katholische Offenbarungslehre empfangen hatte. Das war die aristotelische Philosophie, jene Philosophie, welche also noch im alten Griechenland ausgebildet worden ist. Und bis in die Mitte der sechziger Jahre, vielleicht noch etwas länger, lebte in Brentano ein Seelenleben, welches sich ganz im Sinne eines mittelalterlichen Scholastikers sagte: Man muß das, was der Mensch von übersinnlichen Welten wissen soll, so entgegennehmen, wie die Kirche es offenbart, und man kann das Denken zum Forschen über Natur und Leben anwenden nach der Anleitung des größten Lehrers für dieses Forschen, nach der Anleitung des griechischen Philosophen Aristoteles.
[ 5 ] When we look at the young Brentano, who studied in Catholic seminaries in the 1850s and 1860s, we see how his soul was filled with two things that initially guided him in a sure way. One of these is the Catholic doctrine of revelation, to which he held the same position as the theologians of the Catholic Church had held since the Middle Ages. The Catholic revelation concerning all spiritual matters is accepted as tradition. One finds oneself immersed in a kind of knowledge of the supersensible worlds bestowed upon human beings through grace. For Brentano, this was then combined with the other element through which he initially sought to understand what he had thus received through the Catholic doctrine of revelation. This was Aristotelian philosophy—the philosophy that had taken shape in ancient Greece. And until the mid-1860s, perhaps even a little longer, Brentano’s inner life was entirely in the spirit of a medieval scholastic: One must accept what human beings are to know about the supersensible worlds as the Church reveals it, and one may apply thought to the investigation of nature and life according to the guidance of the greatest teacher for such inquiry, according to the guidance of the Greek philosopher Aristotle.
[ 6 ] Diese zwei Dinge, Aristotelismus und katholische Offenbarungserkenntnis, haben ja die mittelalterlichen Scholastiker in ihrem Seelenleben miteinander verbunden, haben sie als vereinbar angesehen. Das lebte in Franz Brentano fort. Er wurde nur erschüttert in einer solchen Anschauung durch das, was ihm als die naturwissenschaftliche Methode dann entgegentrat, so stark erschüttert, daß er, als er seine Privatdozentur in Würzburg antrat, als eine Hauptthese den Satz aufstellte, es müsse in aller Philosophie so verfahren werden wie in der Naturwissenschaft. Und er wollte dann eine Psychologie, eine Seelenlehre begründen, in der das Seelenleben so betrachtet wird, wie die Naturwissenschaft die äußeren Naturerscheinungen betrachtet.
[ 6 ] These two things—Aristotelianism and Catholic revelatory knowledge—were, after all, intertwined in the inner lives of the medieval scholastics, who regarded them as compatible. This tradition lived on in Franz Brentano. He was shaken in this view by what he encountered as the scientific method—so deeply shaken, in fact, that when he took up his position as a private lecturer in Würzburg, he posited as a central thesis that all philosophy must proceed in the same way as the natural sciences. And he then sought to establish a psychology—a theory of the soul—in which the life of the soul is viewed in the same way that the natural sciences view external natural phenomena.
[ 7 ] Man kann also schon sagen: Ein ganz radikaler Umschwung ist bei diesem Menschen eingetreten. Er wollte die Offenbarungserkenntnis und die nur auf das Irdische beschränkte Vernunfterkenntnis ineinanderfügen, also die Forderung: Wissenschaft kann nur sein, was nach dem Muster der naturwissenschaftlichen Methodik gebildet ist. Man sollte sich gefühlsmäßig so recht vor die Seele stellen, was ein solcher radikaler Umschwung eigentlich bedeutet.
[ 7 ] So one can certainly say: A truly radical transformation has taken place in this person. He wanted to integrate revelatory knowledge with rational knowledge—which is limited solely to the earthly realm—that is, the claim that science can only be that which is formed according to the model of the scientific method. One should really take a moment to reflect on what such a radical transformation actually means.
[ 8 ] Worauf ich nun zunächst Ihren Sinn lenken möchte, das ist, daß bis zu diesem Umschwung noch die mittelalterliche scholastische Anschauung in eine außerordentliche Persönlichkeit hereinscheint. Die wirkt fort, wie sie ja heute in vielen Zeitgenossen, die in ehrlicher Art im Katholizismus stehen, fortwirkt, wie sie im Grunde genommen, wenn auch in einer etwas anderen Form, in vielen ehrlichen Bekennern der evangelischen Bekenntnisse vorhanden ist. Wenn ich Nietzsche angeführt habe, so war es aus dem Grunde, weil ja Nietzsche allerdings nicht in seiner Seele ein Fortleben der mittelalterlichen Scholastik hatte, aber etwas anderes lebte in seiner Seele fort, nämlich das, was dann während der Renaissance wie eine Art Reaktion auf die Scholastik zutage getreten ist. Nietzsche hatte eine Art griechischer Kunstweisheit, die die Grundlage bildete für seine ganze Weltauffassung. Er hatte sie so, wie sie etwa die Renaissancemenschen hatten. Aber diese Renaissancemenschen hatten keineswegs schon den Drang und die Neigung, das Geistige in seiner Realität nicht anzuerkennen. Sie verspürten, sie fühlten noch die Realität des Geistigen. So daß auch in Nietzsche etwas aus uralter Zeit herüberlebte in seiner Seele. Und auch er, wie ich Ihnen gestern gesagt habe, mußte in die naturwissenschaftliche Anschauung des 19. Jahrhunderts untertauchen und verlor vollständig, was seine Seele mit einer geistigen Welt verband.
[ 8 ] What I would now like to draw your attention to first is that, up until this turning point, the medieval scholastic worldview still shines through in an extraordinary personality. This perspective continues to exert an influence, just as it does today among many of our contemporaries who are sincere adherents of Catholicism, and just as it is, in essence—albeit in a somewhat different form—present in many sincere adherents of the Protestant confessions. The reason I cited Nietzsche is that, while Nietzsche certainly did not harbor a survival of medieval scholasticism in his soul, something else lived on within him—namely, what later emerged during the Renaissance as a kind of reaction to scholasticism. Nietzsche possessed a kind of Greek artistic wisdom that formed the foundation of his entire worldview. He possessed it in much the same way as the people of the Renaissance did. But those Renaissance people by no means already had the urge or inclination to deny the reality of the spiritual. They still sensed and felt the reality of the spiritual. So that even in Nietzsche, something from time immemorial lived on in his soul. And he, too—as I told you yesterday—had to immerse himself in the 19th-century scientific worldview and completely lost what connected his soul to a spiritual world.
[ 9 ] In dem, was damit angedeutet wird, liegen ungeheuer bedeutende Rätselfragen für den wirklichen Wahrheitssucher der Gegenwart. Nehmen wir einmal die zwei in das Seelenleben hereindringenden Geistesströmungen, wie sie in der mittelalterlichen Scholastik liegen. Veranschaulichen wir uns einmal, was da eigentlich vorliegt. Ich möchte es auf folgende Weise tun. Wir haben innerhalb der mittelalterlichen Scholastik eine Anzahl von, sagen wir, Lehrsätzen über die übersinnliche Welt, zum Beispiel über die Trinität der geistigen Urwesenheit, über die Inkarnation des Christus in dem Leib des Jesus von Nazareth, also eine ganze Reihe von Lehrsätzen, von denen gesagt werden muß, daß sie sich nicht auf die sinnliche, sondern auf die übersinnliche Welt beziehen, die in sehr alten Zeiten einmal von Menschen gefunden worden sind, die damals Initiierte, Eingeweihte waren. Denn man darf sich natürlich nicht vorstellen, daß so etwas wie der Lehrsatz von der Trinität oder der Inkarnation einfach von irgend jemand erfunden worden ist, um die Menschen zu betrügen. Diese Lehrsätze sind vielmehr die Ergebnisse von Erfahrungen, von Erlebnissen einstiger Eingeweihter. Daß man sie als eine übernatürliche Offenbarung ansah, das ist erst eine spätere Anschauung. Solche Lehrsätze sind ursprünglich auf dem Wege der Einweihung gefunden worden. Man gab später nur nicht mehr zu, daß man eine solche Einweihung durchmachen kann und selber zum Beispiel zu der Anschauung der Trinität kommen könnte.
[ 9 ] What is implied here raises profoundly significant questions for the true seeker of truth in the present day. Let us consider the two spiritual currents that permeate the life of the soul, as found in medieval scholasticism. Let us illustrate what is actually at work here. I would like to do so in the following way. Within medieval scholasticism, we have a number of, let us say, doctrines concerning the supersensible world—for example, concerning the Trinity of the spiritual Primordial Being, concerning the Incarnation of Christ in the body of Jesus of Nazareth—that is, a whole series of doctrines of which it must be said that they refer not to the sensible but to the supersensible world, and which were discovered in very ancient times by people who were, at that time, initiates. For one must not, of course, imagine that something like the doctrine of the Trinity or the Incarnation was simply invented by someone in order to deceive people. Rather, these doctrines are the results of experiences and insights gained by the initiates of old. The fact that they were regarded as a supernatural revelation is only a later perspective. Such doctrines were originally discovered through the process of initiation. Later on, people simply stopped admitting that one could undergo such an initiation and, for example, arrive at the concept of the Trinity on one’s own.
[ 10 ] Dogma wird ja etwas erst dadurch, daß man seinen Erkenntnisursprung nicht mehr hat. Wenn jemand ein Eingeweihter ist und die Trinität schaut, so ist sie für ihn kein Dogma, sondern eine Erfahrung. Wenn irgendwo behauptet wird, man könne so etwas nicht schauen, sondern es werde geoffenbart und müsse dann geglaubt werden, dann ist es ein Dogma. Die Verachtung der Dogmen als solcher ist natürlich nicht berechtigt, sondern bloß eine gewisse Stellung der Menschen zu den Dogmen, das ist es, was anfechtbar ist. Wenn man die Dogmen, die einen tiefen geistigen Gehalt haben, zurückverfolgen kann bis zu derjenigen Form, in der sie einmal ein Initiierter ausgesprochen hat, dann hören sie auf, Dogmen zu sein. Aber diesen Weg, den der Mensch durchzumachen hat, um hinzukommen zu dem Orte, wo man die Dinge schaut, machte man eben im Mittelalter nicht mehr. Man hatte alte Lehrsätze, die einmal Initiationsweisheit waren. Sie waren Dogmen geworden. Man sollte sie jetzt bloß glauben. Man sollte sie als Offenbarungserkenntnis hinnehmen. Das war also die eine Strömung, die Offenbarungserkenntnis. Die andere Strömung war nun die Vernunfterkenntnis, das, worüber sich ja der mittelalterliche Scholastiker unterrichten ließ im Sinne der aristotelischen Lehre. Aber man dachte darüber so: Man kann durch diese Vernunfterkenntnis die Natur bis zu einem gewissen Grade erforschen. Man kann auch logische Schlüsse aus dieser Naturerkenntnis ziehen, zum Beispiel den Schluß, daß es einen Gott geben müsse. Die Trinität kann man nicht finden, aber man kann den Vernunftschluß finden, daß es einen Gott geben müsse, daß die Welt einen Anfang genommen hat. Das war dann Vernunfterkenntnis.
[ 10 ] Something only becomes a dogma when one no longer has access to the source of one’s knowledge. If someone is an initiate and beholds the Trinity, it is not a dogma for them, but an experience. If it is claimed anywhere that one cannot perceive such a thing, but rather that it is revealed and must then be believed, then it is a dogma. Contempt for dogmas as such is, of course, not justified; rather, it is merely a certain attitude people have toward dogmas—and that is what is open to challenge. If one can trace dogmas that have a deep spiritual content back to the form in which an initiate once expressed them, then they cease to be dogmas. But this path—which a person must traverse to reach the place where one perceives these things—was no longer followed in the Middle Ages. People had old doctrines that were once the wisdom of initiation. They had become dogmas. One was now simply supposed to believe them. One was supposed to accept them as revelatory knowledge. So that was one current: revelatory knowledge. The other current was rational knowledge—that which the medieval scholasticists studied in the spirit of Aristotelian doctrine. But people thought of it this way: Through this rational knowledge, one can explore nature to a certain degree. One can also draw logical conclusions from this knowledge of nature—for example, the conclusion that there must be a God. One cannot discover the Trinity, but one can arrive at the rational conclusion that there must be a God, that the world had a beginning. That, then, was rational knowledge.
[ 11 ] Es gab durchaus solche Schlüsse, die der mittelalterliche Scholastiker der Vernunfterkenntnis zugestand, die bis an das Übersinnliche herantippte; nur gab man die Anschauung des Übersinnlichen nicht zu. Aber Vernunftschlüsse gab man zu, durch die man zwar nicht die wirklichen Erkenntnisse der Offenbarung verstehen könne, aber durch die man doch herantippen kann an so etwas wie das Dasein Gottes oder den Anfang des Weltendaseins. Präambula fidei nannte man diese Wahrheiten, die durch die Vernunft gefunden werden konnten, und die dann eine Grundlage bilden konnten, um durchzudtingen zu dem, was durch keine Vernunft erkundet werden konnte, sondern was der Inhalt der Offenbarung sein sollte.
[ 11 ] There were certainly conclusions that medieval scholastics attributed to rational knowledge, which came close to the supernatural; however, they did not acknowledge the perception of the supernatural. But rational conclusions were acknowledged—conclusions through which, while one could not understand the actual insights of revelation, one could nevertheless approach such things as the existence of God or the origin of the world. These truths, which could be discovered through reason and which could then serve as a foundation for penetrating to that which could not be explored by reason alone—but which was to be the content of revelation—were called *Präambula fidei*.
[ 12 ] Nun versetzen wir uns, nachdem wir diese beiden Geistesströmungen, Erkenntnisströmungen nebeneinandergestellt haben, in das Gemüt eines Menschen, der sie in seiner eigenen Seele nebeneinanderstellte. In der Zeit, in der die Scholastik geblüht hat — ich habe das seit vielen Jahren oftmals ausgesprochen —, war das, was da in einem Scholastiker lebte, durchaus nicht jenes Schlimme, von dem heute unverständige Leute erzählen, sondern es war zu einer bestimmten Zeit der mittelalterlichen Entwickelung einfach das, was durch die Entwickelung der Menschheit das Gebotene war. Man konnte in einer gewissen Zeit keine andere Anschauung haben. Heute sind die Dinge natürlich überholt. Heute müssen andere Wege zur Erkenntnis und zur menschlichen Seelenbetätigung gefunden werden, als sie in der Scholastik zuhause waren. Aber deshalb sollte man sich doch bemühen, mit Verständnis auch in diese Scholastik einzudringen. Und das kann man nur, wenn man sich jetzt frägt: Wie stand in der Seele eines ehrlichen Scholastikers die Offenbarungserkenntnis neben der auf die Naturerscheinungen und auf einseitige Vernunftschlüsse aus den Naturerscheinungen gerichteten Vernunfterkenntnis? Wie standen diese beiden Dinge nebeneinander?
[ 12 ] Now that we have juxtaposed these two currents of thought, these currents of knowledge, let us put ourselves in the mind of a person who juxtaposed them within his own soul. During the period when Scholasticism flourished—as I have often stated over the years—what lived within a Scholastic was by no means the terrible thing that uninformed people speak of today; rather, at a specific stage in medieval development, it was simply what was required by the course of human evolution. At a certain time, it was impossible to hold any other view. Today, of course, these things are outdated. Today, we must find different paths to knowledge and to the activity of the human soul than those that were characteristic of Scholasticism. But that is precisely why we should still strive to penetrate scholasticism with understanding. And this is possible only if we ask ourselves now: How did revelatory knowledge coexist in the soul of an honest scholastic alongside rational knowledge directed toward natural phenomena and one-sided rational conclusions drawn from those phenomena? How did these two things coexist?
[ 13 ] Was wollte eigentlich solch ein Scholastiker und mit ihm ja alle seine Gläubigen, alle, die in ehrlicher Weise im Katholizismus drinnen standen, wenn er sich in diejenige Seelenstimmung versetzte, die nach der Offenbarung hin ging, wenn er sagte: Was die Dogmen geben, darf man nicht anschauen, das Anschauen ist nicht möglich; man muß es als eine Offenbarung hinnehmen? Der Scholastiker versuchte eine gewisse Seelenstimmung gegenüber der übersinnlichen Welt hervorzurufen. Er war völlig durchdrungen davon, daß diese übersinnliche Welt vorhanden ist und in einer innigen Beziehung steht zu dem, was im Menschen als Seele lebt. Aber im Menschen suchte er keinen Erkenntnisweg, um zu dem, was da als übersinnliche Welt in einer innigen Beziehung zum Menschen steht, unmittelbar durch die eigene Persönlichkeit zu kommen.
[ 13 ] What did such a scholastic—and with him, indeed, all his faithful, all those who were sincerely committed to Catholicism—actually want when he put himself in that state of mind that was oriented toward revelation, when he said: “One must not try to comprehend what the dogmas teach; comprehension is not possible; one must accept them as revelation”? The scholastic sought to evoke a certain state of mind toward the supersensible world. He was completely imbued with the conviction that this supersensible world exists and stands in an intimate relationship to what lives within the human being as the soul. But within the human being, he did not seek a path of knowledge to reach, directly through one’s own personality, that which, as the supersensible world, stands in an intimate relationship to the human being.
[ 14 ] Vergegenwärtigen Sie sich diese Stimmung. Es war die Stimmung gegenüber einem, ich möchte sagen, bekannten Unbekannten, gegenüber einem unbekannten Bekannten, gegenüber einem solchen, das man anbeten und verehren soll, dem man aber doch scheu gegenüberstehen soll, so daß man gewissermaßen nicht zu ihm die Augen aufschlägt.
[ 14 ] Imagine this atmosphere. It was the atmosphere surrounding, I would say, a familiar stranger, an unknown acquaintance—someone one is supposed to worship and revere, yet toward whom one should remain shy, so that, in a sense, one does not dare to look up at him.
[ 15 ] Daneben stand die Vernunfterkenntnis. Die scholastische Vernunft war eine außerordentlich scharfsinnige, etwas, was später nicht wieder erreicht worden ist. Man möchte wünschen — ich habe es auch hier öfter ausgesprochen —, daß die Leute, die heute Naturwissenschaft oder überhaupt Wissenschaft treiben, nur wirklich so scharf denken lernen möchten, wie die Scholastiker haben denken können. Es war eine Vernunfterkenntnis, die sich nur selber versagte, über gewisse Grenzen hinauszugehen: Offenbarungserkenntnis auf der einen, Vernunfterkenntnis auf der anderen Seite. Aber wenn wir nun einmal die Offenbarungserkenntnis und die Vernunfterkenntnis der Scholastiker mit ähnlichen Gebilden von heute konsequent vergleichen, dann zeigt sich da ein großer Unterschied.
[ 15 ] Alongside this stood rational knowledge. Scholastic reason was extraordinarily acute—something that has not been matched since. One might wish—and I have often expressed this here as well—that people who are engaged in the natural sciences or science in general today would learn to think as sharply as the Scholastics were able to. It was a rational understanding that denied itself the ability to go beyond certain limits: revelatory knowledge on the one hand, rational understanding on the other. But if we consistently compare the revelatory knowledge and rational understanding of the Scholastics with similar concepts of today, a great difference becomes apparent.
[ 16 ] Der Scholastiker sagte zu sich selber: Du darfst mit deiner Erkenntnis in das Gebiet nicht eindringen, aus dem du nur Offenbarungen haben sollst. Du darfst nicht etwa in ein Schauen der Trinität, in ein Schauen der Inkarnation eindringen. — Aber in der Offenbarung, die er durch seine Kirche empfing, waren doch Ideen von der Trinität, Ideen von der Inkarnation gegeben. Sie wurden beschrieben. Man sagte sich: das Erkennen dringt nicht vor bis zu diesen Dingen, aber denken kann man sie, wenn man sich eben die Gedanken über diese Dinge im Sinne dessen macht, was geoffenbart ist. Sie können von den mittelalterlichen Scholastikern nicht sagen, sie hätten ein bloßes dunkles mystisches Gefühl von dem Übersinnlichen gehabt. Das war es nicht. Es war schon ein in plastischen Ideen ausgebildetes Denken, das den Inhalt der Offenbarung umfaßte. Man dachte über die Trinität, man dachte über die Inkarnation. Aber man dachte eben nicht so, wie die Gedanken sind, zu denen man selber kommt, sondern wie man Gedanken denkt, die einem geoffenbart werden.
[ 16 ] The scholastic said to himself: You must not use your knowledge to intrude into the realm from which you are to receive only revelations. You must not, for example, venture into a contemplation of the Trinity or a contemplation of the Incarnation.” — Yet in the revelation he received through his Church, ideas about the Trinity and ideas about the Incarnation were indeed present. They were described. People said to themselves: Knowledge does not extend to these things, but one can think about them if one simply reflects on these matters in accordance with what has been revealed. One cannot say of the medieval Scholastics that they had merely a vague, mystical sense of the supernatural. That was not the case. It was, in fact, a form of thinking developed into vivid ideas that encompassed the content of revelation. People thought about the Trinity; they thought about the Incarnation. But they did not think in the same way as they do when they arrive at their own thoughts, but rather as one thinks thoughts that are revealed to them.
[ 17 ] Sehen Sie, auch das entspricht noch einem gewissen Faktum der höheren Erkenntnis. Es gibt ja heute noch immer Leute, welche gewisse atavistisch-hellseherische Anschauungen, wie man es nennen kann, welche traumhafte Imaginationen haben. Es gibt durchaus Menschen, die können sich zum Beispiel in solchen atavistisch-hellseherischen Imaginationen bis zu der Anschauung der atlantischen Vorgänge erheben. Das gibt es noch heute. Glauben Sie nur ja nicht, daß in dem, was solche Menschen als hellseherische Imaginationen haben, keine Gedanken leben. Solche Hellseher haben oftmals viel plastischere Gedanken als unsere sonderbaren Logiker, die aus der heutigen Schulung heraus das Denken lernen. Manchmal möchte man über die Logik derjenigen, die aus der heutigen Schulung heraus das Denken lernen, verzweifeln, während man über die Logik, die sich einfach atavistisch-hellseherisch offenbart, nicht zu verzweifeln braucht; denn die ist oft eine sehr streng entwickelte.
[ 17 ] You see, this, too, corresponds to a certain aspect of higher knowledge. Even today, there are still people who hold certain atavistic-clairvoyant views—as one might call them—who have dreamlike imaginings. There are certainly people who, for example, can rise through such atavistic-clairvoyant imaginings to a perception of the events of Atlantis. This still exists today. Do not for a moment believe that there are no thoughts alive in what such people experience as clairvoyant imaginings. Such clairvoyants often have much more vivid thoughts than our peculiar logicians, who learn to think through today’s educational system. Sometimes one might despair of the logic of those who learn to think through today’s educational system, whereas one need not despair of the logic that simply reveals itself in an atavistic-clairvoyant way; for that is often very rigorously developed.
[ 18 ] Man kann also heute noch immer nachweisen, wie in dem, was übersinnlich wirklich geoffenbart ist für das menschliche Anschauen, schon Denken drinnen lebt. So auch in der mittelalterlichen Scholastik. Das ist ja erst eine Anschauung der neueren Zeit, daß man mit der Erkenntnis auch die Gedanken ausmerzen soll aus dem Oftenbarungsinhalte, so daß der Glaube heute nicht nur die Erkenntnis, sondern auch das Denken aus seinem Inhalt herausdestillieren will. Das haben die mittelalterlichen Scholastiker nicht gemacht. Die haben zwar die Erkenntnis herausdestilliert, nicht aber das Denken. Wenn Sie daher die Dogmatik der mittelalterlichen Scholastik nehmen, so herrscht darin ein sehr stark ausgebildetes Denksystem.
[ 18 ] Thus, even today, one can still demonstrate how thought is already present within what is truly revealed in the supersensible realm for human perception. This was also the case in medieval scholasticism. It is, after all, a view of more recent times that one should, along with knowledge, also eliminate thoughts from the content of revelation, so that faith today seeks to distill not only knowledge but also thought from its content. The medieval scholastics did not do this. They did distill knowledge, but not thought. If you therefore examine the dogmatics of medieval scholasticism, you will find a highly developed system of thought within it.
[ 19 ] Das lebte weiter in einem solchen Menschen wie Franz Brentano. Daher konnte er denken. Er konnte Gedanken fassen. Das sieht man selbst in den Rudimenten seiner Seelenkunde, in der er es nur bis zum ersten Band gebracht hat. Da sieht man es noch, daß er eine gewisse innere Plastik der Gedankenbildung hat, wenn er sich auch fortwährend in einer furchtbaren Weise selber auf die Füße tritt und dadurch nicht vorwärtskommt. Sobald er irgendeinen Gedanken über ein Seelengebilde hat — und er hat solche —, so verbietet er es sich gleich, über die Dinge zu denken. Dieses Verbieten ist heute ja etwas Außerordentliches. Ich habe Ihnen erzählt, wie ein außerordentlich geistvoller Mann, der das bedeutende Buch «Das Ganze der Philosophie und ihr Ende» geschrieben hat, mir in Wien selber vor kurzem sagte: «Ich habe meine Gedanken über das, was hinter den bloßen Vorkommnissen als die Urfaktoren steht.» Aber wissenschaftlich verbietet er sich, diese Gedanken zu haben. Man könnte sich ganz gut denken, hypothetisch natürlich, daß ein naturwissenschaftlich geschulter Mensch heute durch ein Wunder plötzlich hellsichtig würde, und daß er die Hellsichtigkeit bei sich selbst in der schlimmsten Weise bekämpfen würde. Das könnte man sich hypothetisch ganz gut denken, weil die Autorität des am Äußerlichen festhaltenden Erkennens eine ungeheure ist. Das war also das eine, was in der Seele des mittelalterlichen Scholastikers lebte: ein konkret gestalteter Offenbarungsinhalt. Auf der anderen Seite stand eine Vernunfterkenntnis, die auf die Natur ging, die aber auch noch nicht so war, wie unsere heutige Naturerkenntnis. Schlagen Sie, um sich das zu erhärten, nur einmal ein naturgeschichtliches Buch, zum Beispiel von Albertus Magnus auf; da werden Sie Naturobjekte, wie sie heute beschrieben werden, wohl auch finden — sie sind allerdings anders beschrieben, als man sie heute beschreibt —, aber neben dem finden Sie noch allerlei Elementar- und Geistwesen. Da lebt in der Natur noch Geist, und es ist nicht so, daß man nur den ganz trockenen sinnlichen Augenschein als Naturgeschichte und Naturwissenschaft beschreibt. Diese zwei Dinge leben also nebeneinander, ein Offenbarungsinhalt, demgegenüber man sich die Erkenntnis verbietet, den man aber doch denkt, so daß der menschliche Geist ihn immer noch in seinen Gedanken erlangt, und ein Vernunfterkenntnis-Inhalt, der aber noch Geist hat, der jedoch auch noch etwas hat, was man anschauen muß, wenn man es in seiner Wirklichkeit vor sich haben will.
[ 19 ] This lived on in a man like Franz Brentano. That is why he was able to think. He was able to formulate thoughts. One can see this even in the rudiments of his psychology, which he managed to complete only up to the first volume. There one can still see that he possesses a certain inner plasticity in the formation of thought, even though he constantly trips over his own feet in a terrible way and thus fails to make progress. As soon as he has any thought about a psychological structure—and he does have such thoughts—he immediately forbids himself to think about these things. This self-imposed prohibition is, of course, something extraordinary today. I have told you how an extraordinarily witty man, who wrote the significant book *The Whole of Philosophy and Its End*, recently said to me in Vienna: “I have my thoughts about what lies behind mere events as the primal factors.” But scientifically, he forbids himself from having these thoughts. One could quite well imagine—hypothetically, of course—that a person trained in the natural sciences today might, by some miracle, suddenly become clairvoyant, and that he would fight this clairvoyance within himself in the most vehement way. One could quite well imagine this hypothetically, because the authority of knowledge that clings to the external is immense. So that was one thing that lived in the soul of the medieval scholastic: a concretely shaped content of revelation. On the other hand stood a rational understanding that was directed toward nature, but which was not yet like our modern understanding of nature. To confirm this, just open a book on the history of natural science, for example by Albertus Magnus; there you will likely find natural objects as they are described today—though they are described differently than we describe them today—but alongside them you will also find all manner of elemental and spiritual beings. Spirit still lives in nature, and it is not the case that only the very dry, sensory appearance is described as natural history and natural science. These two things thus coexist: a content of revelation—which we forbid ourselves to know but which we nevertheless conceive, so that the human spirit still attains it in its thoughts—and a content of rational knowledge, which still possesses spirit but also has something that must be observed if one wishes to have it before oneself in its reality.




[ 20 ] Die Naturerkenntnis hat sich durchaus aus der mittelalterlichen Scholastik herausentwickelt. Der eine Ast der Scholastik, die Vernunfterkenntnis, hat sich fortentwickelt und wurde zu der modernen Naturanschauung. Aber was ist dadurch geschehen? Stellen Sie sich die Naturerkenntnis-Gedanken eines Scholastikers recht lebhaft vor. Da sind noch geistige Inhalte drinnen. Wovor schützen denn diese geistigen Inhalte den scholastischen Naturforscher des Mittelalters?
[ 20 ] The understanding of nature has indeed evolved from medieval scholasticism. One branch of scholasticism—rational understanding—has developed further and become the modern view of nature. But what has happened as a result? Imagine the ideas about the understanding of nature held by a scholastic philosopher quite vividly. There is still spiritual content there. What, then, did this spiritual content protect the medieval scholastic natural scientist from?


[ 21 ] Vielleicht darf ich das schematisch so darstellen. Nehmen Sie an, dies hier war solch ein mittelalterlicher Scholastiker mit seiner Sehnsucht nach Offenbarungserkenntnis nach oben, Sehnsucht nach Naturerkenntnis nach unten. Aber er hat in der Naturerkenntnis Geistiges. Ich lasse da etwas Rot durchgehen. Er hat in den Offenbarungserkenntnissen das Denken drinnen. Da lasse ich etwas Gelb durchgehen. Wohin will denn eigentlich diese Vernunfterkenntnis? Sie will ja hinaus zu den Objekten, zu den Gegenständen um uns herum. Die Gedanken, die man sich macht, die wollen bei den Gegenständen einschnappen. Sie werden nicht irgendeine Pflanze erkennen wollen, sich einen Begriff machen wollen von der Pflanze, ohne daß Sie darauf rechnen: der Begriff schnappt da ein, er will einschnappen. Aber beim Scholastiker hindert ihn der geistige Inhalt, der noch seine Vernunfterkenntnis durchsetzt, so recht da unten einzuschnappen. Das schnappt nicht vollständig ein, das wird gewissermaßen etwas zurückgeworfen. In was schnappt es nicht hinein? Wenn nämlich die heutige intellektualistische Vernunfterkenntnis in die äußere Natur einschnappt, wenn sie voll einschnappt, so schnappt sie nämlich voll in das Ahrimanische ein. Was bedeutet also die Geistigkeit des mittelalterlichen Scholastikers in bezug auf seine Vernunfterkenntnis? Daß er im Grunde genommen wie an etwas, was so ein bißchen brennt, mit dieser Vernunfterkenntnis heran will. Aber er spürt das Brennen und zuckt immer wieder zurück: Natur ist Sünde! — Er hütet sich vor Ahriman! Das hat nun aber die weitere Entwickelung gebracht: Sie hat im 19. Jahrhundert alles Geistige hinausgeworfen aus der Vernunfterkenntnis, und damit schnappte die Vernunfterkenntnis in das Ahrimanische ein.
[ 21 ] Perhaps I may illustrate this schematically. Suppose this here was a medieval scholastic with his longing for revelatory knowledge directed upward and his longing for knowledge of nature directed downward. But he finds the spiritual in his knowledge of nature. I’ll highlight that in red. His knowledge of revelation contains thinking. I’ll highlight that in yellow. Where, then, does this rational knowledge actually aim? It aims outward toward the objects, toward the things around us. The thoughts one forms are meant to snap into place with the objects. You won’t want to recognize just any plant or form a concept of the plant without expecting that the concept will snap into place—it wants to snap into place. But for the scholastic, the spiritual content that still permeates his rational knowledge prevents him from truly snapping into place down there. It does not snap into place completely; it is, so to speak, thrown back somewhat. Into what does it not snap? For when today’s intellectualistic rational knowledge snaps into external nature—when it snaps in fully—it snaps fully into the Ahrimanic. So what does the spirituality of the medieval Scholastic mean in relation to his rational knowledge? That, fundamentally speaking, he wants to approach this rational knowledge as if it were something that burns just a little. But he feels the burning and keeps pulling back: Nature is sin! — He guards himself against Ahriman! But this is what further development has brought about: In the nineteenth century, it cast everything spiritual out of rational knowledge, and thus rational knowledge snapped into the Ahrimanic.
[ 22 ] Und was sagt denn diese in das äußere Ahrimanische eingeschnappte Vernunfterkenntnis? Sie sagt: Die Welt besteht aus Atomen, Atombewegung wird aller wissenschaftlichen Erkenntnis zugrunde gelegt. Sie erklärt die Wärme, das Licht für Atombewegungen, sie erklärt alles in der Außenwelt für Atombewegungen, denn das befriedigt unser Kausalitätsbedürfnis.
[ 22 ] And what does this rational understanding, which has become entangled in the outer Ahrimanic realm, actually say? It says: The world consists of atoms; atomic motion forms the basis of all scientific knowledge. It explains heat and light as atomic motions; it explains everything in the external world as atomic motions, for this satisfies our need for causality.


[ 23 ] 1872 hielt Da Bois-Reymond in Leipzig seine berühmte Rede über die Grenzen der Naturerkenntnis. Es ist die Rede, in der die Vernunfterkenntnis der Scholastik so weit vorgedrungen ist, daß alles Geistige herausgeworfen wurde; und mit der Devise «Ignorabimus» sollte der Geist des Menschen in das Ahrimanische einschnappen. Und Du Bois-Reymond schildert sehr anschaulich, wie ein Menschenkopf, der nun eine Übersicht hat über alles das, was da an Atomen im Weltenall wirbelt, nicht Grün und nicht Blau, überhaupt keine Farben sieht, sondern nur überall Atombewegungen wahrnimmt. Er spürt keine Wärme, aber überall, wo Wärme ist, fühlt er jene Bewegung, von der ich Ihnen vor acht Tagen hier gesprochen habe. Er suggeriert sich alles ab, was da an Farben, an Wärmezuständen, an Ton und so weiter ist. Er füllt seinen Kopf mit einer Erkenntnis der Welt an, die nur aus Atomen besteht. Stellen Sie sich einmal vor: Die ganze Welt stellt ein solcher Kopf vor als aus Atomen bestehend. Er hat im Kopfe: Schon in dem Momente, wo Cäsar den Rubikon überschritten hat, da gab es in unserem Kosmos diese bestimmte Konstellation von Atomen. Jetzt braucht er nur die Differentialgleichung aufstellen zu können, und so, indem er weiterrechnet, findet er die nächste Konstellation, wieder die nächste und so weiter. Er kann die fernste Zukunft berechnen. Das nannte Du Bois-Reymond, weil es auch ein Ideal von Laplace war, den Laplaceschen Kopf. Da hätten wir also, 1872, einen Intellekt geschildert, der universell die Welt begreift, der da begreift, alles ist Atombewegung, und man braucht bloß die Differentialgleichungen zu kennen und sie dann zu integrieren, und man bekommt die Weltenformel.
[ 23 ] In 1872, Da Bois-Reymond delivered his famous speech in Leipzig on the limits of knowledge of nature. It is the speech in which scholastic rationalism had advanced so far that everything spiritual had been cast aside; and with the motto “Ignorabimus,” the human spirit was to be snapped into the Ahrimanic. And Du Bois-Reymond describes very vividly how a human mind, now having an overview of all the atoms swirling throughout the universe, sees neither green nor blue—no colors at all—but perceives only atomic movements everywhere. He feels no warmth, but wherever there is warmth, he senses that movement I spoke to you about here eight days ago. He blocks out everything—all colors, states of warmth, sound, and so on. He fills his mind with a perception of the world consisting solely of atoms. Just imagine: such a mind conceives the entire world as consisting of atoms. He has this in his mind: Even at the very moment Caesar crossed the Rubicon, there was this specific constellation of atoms in our cosmos. Now he only needs to be able to set up the differential equation, and so, by continuing his calculations, he finds the next constellation, then the next, and so on. He can calculate the most distant future. Du Bois-Reymond called this—since it was also one of Laplace’s ideals—the “Laplacian mind.” So there we have, in 1872, a description of an intellect that comprehends the world universally, that understands that everything is atomic motion, and that one need only know the differential equations and then integrate them to arrive at the formula for the universe.


[ 24 ] Was hat man dadurch aber eigentlich erreicht? Man hat dadurch erreicht, daß man so denken gelernt hat, wie Ahriman denken kann, wie das ahrimanische Ideal des Denkens ist. Die ganze Bedeutung von dem, was in der Zeit geschieht, lernt man erst erkennen, wenn man weiß, was es eigentlich ist. Man wird die Ignorabimusrede hinstellen in der Geschichte der neueren Geistesentwickelung, aber man wird das, was sie wert ist, was sie für eine Bedeutung hat, erst erkennen, wenn man in die Lage kommt, zu zeigen, daß da wirklich der eine Ast der scholastischen Geistesströmung in das Ahrimanische eingeschnappt hat. Sehen Sie, der Scholastiker hielt gewissermaßen seine Erkenntnis in der Schwebe. Sie kam nicht so ganz an das heran, was da draußen ist. Er zog sich stets mit seinem Erkennen vor Ahriman zurück. Dadurch hatte er es ja so notwendig, wirklich scharfsinnige Begriffe auszubilden; denn scharfsinnige Begriffe müssen noch durch menschliche Tüchtigkeit ausgebildet werden. Experimente machen, nun, da braucht man die menschliche Tüchtigkeit nur, um die Apparate zusammenzustellen und so weiter, aber ein so scharfsinniges Denken, wie es die Scholastik gehabt hat, gehört nicht dazu.
[ 24 ] But what has actually been achieved by this? What has been achieved is that one has learned to think in the way Ahriman thinks, in accordance with the Ahrimanic ideal of thought. One can only begin to recognize the full significance of what is happening in our time once one knows what it actually is. The “Ignorabimus” speech will be placed in the history of modern spiritual development, but one will only recognize its true value and significance when one is able to show that one branch of the scholastic spiritual current has indeed branched off into the Ahrimanic. You see, the scholastic, so to speak, kept his knowledge in a state of limbo. It did not quite reach what is out there. He always withdrew from Ahriman with his knowledge. Because of this, he had such a pressing need to develop truly incisive concepts; for incisive concepts must still be formed through human skill. Conducting experiments—well, there one needs human skill only to assemble the apparatus and so on, but a mode of thinking as subtle as that of Scholasticism is not part of it.
[ 25 ] Das bedeutete einen ganz wichtigen Wendepunkt, als man einmal eingeschnappt war in das Ahrimanische. Denn das, was Sie draußen sehen als die sinnlichen Erscheinungen der Welt, als Ihre sinnliche Umgebung, das ist ja nur so lange da, als die Erde da ist. Das geht mit unserem Erdenplaneten zugrunde. Was fortlebt, das sind die Gedanken, die draußen einschnappen. Wenn so etwas gedacht wird wie das, was im Laplaceschen Denken liegt, oder was Du Bois-Reymond als ein Ideal des naturwissenschaftlichen Denkens hingestellt hat, so bedeutet das nicht bloß, daß es gedacht wird, sondern das sind Realgedanken, die draußen einschnappen. Und wenn alles, was wir mit unseren Sinnen überblicken auf der Erde, zugrunde gegangen ist, diese Gedanken können fortleben, wenn sie nicht vorher ausgetilgt werden. Daher ist durchaus die Gefahr vorhanden, daß, wenn so etwas allgemeine Denkweise wird, unsere Erde sich in einen solchen Planeten verwandelt, wie er den Vorstellungen der Materialisten entspricht. Der Materialismus ist nur so lange eine bloße Lehre, als er nicht Realität gewinnt. Aber darnach streben die ahrimanischen Mächte, daß die Gedanken des Materialismus so stark und verbreitet werden, daß das, was zunächst von der Erde übrigbleibt, die Atome sind.
[ 25 ] This marked a very important turning point once one had become entangled in the Ahrimanic. For what you see out there as the sensory phenomena of the world—as your sensory environment—exists only as long as the Earth exists. It will perish along with our planet Earth. What lives on are the thoughts that become embedded in the outer world. When something is thought—such as what lies at the heart of Laplace’s thinking, or what Du Bois-Reymond presented as an ideal of scientific thought—this does not merely mean that it is thought; rather, these are real thoughts that become embedded in the outer world. And when everything we perceive with our senses on Earth has perished, these thoughts can live on—unless they are eradicated beforehand. Therefore, there is a very real danger that, if such thinking becomes the prevailing mindset, our Earth will transform into a planet that corresponds to the materialists’ conceptions. Materialism remains a mere doctrine only as long as it does not become reality. But the Ahrimanic forces strive to make the ideas of materialism so strong and widespread that what ultimately remains of the Earth are the atoms.
[ 26 ] Wenn wir heute sagen, wir müssen alles aus Atomen erklären, so ist das ein Irrtum. Wenn aber alle Menschen anfangen zu denken, es müsse alles aus Atomen erklärt werden, wenn alle Menschen sich Laplacesche Köpfe aufsetzen, dann wird die Erde wirklich so, daß sie aus Atomen besteht. Nicht von Urzeit an ist dies richtig, daß die Erde aus Atomen und ihren Bestandteilen besteht, aber die Menschheit kann das bewirken. Das ist das Wesentliche. Der Mensch ist nicht bloß daraufhin veranlagt, falsche Ansichten zu haben, sondern die falschen Gedanken schaffen falsche Realitäten; wenn die falschen Gedanken allgemein werden, dann entstehen Realitäten.
[ 26 ] When we say today that we must explain everything in terms of atoms, that is a mistake. But if everyone begins to think that everything must be explained in terms of atoms—if everyone adopts a Laplacian mindset—then the Earth will truly come to consist of atoms. It has not been true since time immemorial that the Earth consists of atoms and their constituents, but humanity can bring this about. That is the essential point. Human beings are not merely predisposed to hold false views; rather, false thoughts create false realities; when false thoughts become widespread, realities come into being.
[ 27 ] Diese ahrimanische Gefahr hat sich heute schon gezeigt. Die andere Gefahr in der Offenbarungserkenntnis, die suchte der mittelalterliche Scholastiker zu vermeiden, indem er die Offenbarungserkenntnis noch im Gedankenkleide hatte. Konkrete Gedanken waren es, die den Offenbarungsinhalt erfaßten. Die Dogmen wurden allmählich so wenig durchdacht, daß die Menschen dazu kamen, sie überhaupt im allgemeinen fallenzulassen. Man soll ja Unverstandenes fallenlassen, das ist auf der einen Seite voll berechtigt, und wenn die Menschen nicht mehr die Dogmen bis zum Schauen verfolgen können, so ist es selbstverständlich, daß sie sie fallenlassen. Wozu kommen sie aber dann? Dann kommen sie zu den allerabstraktesten Gedanken einer Abhängigkeit von irgendeinem ganz unbestimmten Ewigen oder Unendlichen. Dann werden nicht mehr Gedanken plastisch ausgebildet, die den Offenbarungsinhalt in sich tragen, sondern dann wird nur irgendeine Abhängigkeit von irgendeinem Unendlichen dunkel mystisch gefühlt. Dann verschwindet der Gedankeninhalt. Dieser Weg ist in der neueren Zeit auch gemacht worden. Er ist der, der zum Luziferischen hinführt. Und ebenso sicher, wie der Weg der Vernunfterkenntnis in der neueren Zeit zum Ahrimanischen geführt hat, ebenso sicher kann der andere Weg ins Luziferische hineinführen.
[ 27 ] This Ahrimanic danger has already made itself evident today. The other danger in revelatory knowledge was one that the medieval scholastic sought to avoid by keeping revelatory knowledge clothed in thought. It was concrete thoughts that grasped the content of revelation. The dogmas were gradually given so little thought that people came to abandon them altogether in general. One is supposed to let go of what one does not understand—which is, on the one hand, entirely justified—and if people can no longer pursue the dogmas to the point of vision, it goes without saying that they will let them go. But what do they arrive at then? They arrive at the most abstract of thoughts—a dependence on some entirely indeterminate Eternal or Infinite. Then thoughts that carry the content of revelation within them are no longer formed in a concrete way; instead, only some vague, mystical sense of dependence on some Infinite is felt. Then the content of thought disappears. This path has also been taken in modern times. It is the one that leads toward the Luciferic. And just as surely as the path of rational knowledge has led to the Ahrimanic in modern times, so surely can the other path lead into the Luciferic.
[ 28 ] Und nun sehen Sie sich noch einmal in dem Sinne, wie ich es geschildert habe, solch einen Geist wie Franz Brentano an. Franz Brentano kommt ganz mit dieser Stimmung an die Natur heran: Nur ja nicht Ahriman berühren! — und an die übersinnliche Welt: Nur ja nicht Luzifer berühren! — Also nur ja nicht atomistisch werden, nur ja nicht Mystiker werden, mit dieser Stimmung kommt er an die Naturwissenschaft heran, die eine so mächtige Autorität ist, daß er sich ihr unterwirft. Er schildert die Seelenerscheinungen im Sinne der naturwissenschaftlichen Methode. Wäre er von einem oberflächlicheren Ausgangspunkt hergekommen, wie etwa viele von den heutigen Psychologen, dann hätte er eben eine ahrimanische Seelenlehre geschrieben, so eine Psychologie, eine «Seelenlehre ohne Seele». Das konnte er nicht. Daher ließ er den Versuch nach dem ersten Bande sein, schrieb die folgenden Bände — vier hätten es werden sollen — nicht mehr, weil etwas in ihm steckte, was ihn gar nicht den Gedanken fassen ließ, ganz ins nur Ahrimanische hineinzusausen.
[ 28 ] And now consider once more, in the sense I have described, a mind such as Franz Brentano’s. Franz Brentano approaches nature entirely with this mindset: Under no circumstances touch Ahriman! — and the supersensible world: Under no circumstances touch Lucifer! — In other words, under no circumstances become atomistic, under no circumstances become a mystic; it is with this attitude that he approaches natural science, which is such a powerful authority that he submits to it. He describes the phenomena of the soul in accordance with the scientific method. Had he come from a more superficial starting point, as many of today’s psychologists do, he would simply have written an Ahrimanic theory of the soul—a psychology, a “theory of the soul without a soul.” He could not do that. Therefore, he abandoned the project after the first volume and did not write the subsequent volumes—there were to have been four—because there was something within him that simply would not allow him to conceive of plunging entirely into the purely Ahrimanic realm.
[ 29 ] Und nehmen Sie Nietzsche. Nietzsche wurde ebenso von der Naturwissenschaft ergriffen. Aber wie nahm er die Naturwissenschaft auf? Er kümmerte sich eigentlich nicht viel um die einzelnen Methoden, sondern er sah nur die naturwissenschaftliche Denkungsweise im allgemeinen an. Er sagte sich: Alles Seelische ist im Physiologischen begründet, ist ein «Menschliches, allzu Menschliches». Was eigentlich göttlich-geistige Ideale sein sollten, ist eine Äußerung, eine Offenbarung des Menschlichen, des Allzumenschlichen. Er lehnte gerade diejenige Art der Erkenntnis ab, die bei Brentano zu finden ist: Vernunfterkenntnis. Er ließ den Willen rege werden in sich. Und, wie ich schon gestern sagte, er zermürbte die Ideale, er zermürbte das Geistige. Das ist die andere Erscheinung, wo eine Persönlichkeit gewissermaßen bis an das Ahrimanische herankommt, aber an das Ahrimanische anschlägt. Statt einzuschnappen, schlägt er an. Er möchte auch den Atomismus ausbilden, aber er schlägt an wie gegen eine Wand.
[ 29 ] And take Nietzsche. Nietzsche, too, was captivated by the natural sciences. But how did he approach the natural sciences? He didn’t really concern himself much with the individual methods; rather, he focused solely on the scientific way of thinking in general. He told himself: Everything psychological is rooted in the physiological; it is “human, all too human.” What should actually be divine-spiritual ideals is an expression, a revelation of the human, of the all-too-human. He rejected precisely that kind of knowledge found in Brentano: rational knowledge. He allowed the will to become active within himself. And, as I said yesterday, he eroded the ideals; he eroded the spiritual. This is the other phenomenon in which a personality, so to speak, approaches the Ahrimanic but comes up against it. Instead of snapping shut, he strikes against it. He would also like to develop atomism, but he strikes against it as if against a wall.
[ 30 ] Und so sehen wir, wie solche Geister im 19. Jahrhundert ihre besondere Seelenstimmung ausbilden, weil sie so unendlich nahe an das herankommen, was als ahrimanische Mächte in unsere Erkenntnis hereinspielt. Das ist das Schicksal solcher Geister im 19. Jahrhundert, daß sie an Ahriman so unglaublich nahe herankommen. Und dann kommen sie entweder in die Lage wie Brentano, daß sie sich gerade an der Grenze scheu zurückziehen und überhaupt nicht weitergehen mit ihrer Erkenntnis, oder daß sie anfangen herumzuschlagen wie Nietzsche. Aber es ist die ahrimanische Macht, die ihre Wogen gerade im 19. Jahrhundert an die Erkenntnis herangebracht hat, was dann herüberwirkt in das 20. Jahrhundert. Und das soll man einsehen. Und die originellen Geister, die im 19. Jahrhundert diese noch halbvermummte Begegnung mit Ahriman persönlich erlebten, hatten das als ein tragisches Schicksal hinter sich stehen. Aber die Schüler, die bekamen nun schon die zubereiteten Gedanken. Diese Gedanken leben in ihnen. Da hat schon die ahrimanische Macht die Gedanken ausgebildet. Die ersten originellen Geister zuckten zurück; die Schüler bekamen die unvollständigen ahrimanischen Gedanken. Die wirken jetzt in ihnen: «Kampf gegen den Geist», gegen den Geist, der eben die Erde nicht den ahrimanischen Mächten übergeben will, Haß gegen den Geist, Kampf gegen den Geist!
[ 30 ] And so we see how such spirits in the 19th century develop their particular spiritual disposition, because they come so infinitely close to what enters our consciousness as Ahrimanic forces. It is the fate of such spirits in the nineteenth century that they come so incredibly close to Ahriman. And then they either find themselves in a situation like Brentano’s, where they timidly retreat right at the threshold and do not proceed any further with their insight, or they begin to lash out like Nietzsche. But it is the Ahrimanic power that brought its waves to the realm of knowledge precisely in the nineteenth century, which then carried over into the twentieth century. And this is what one must understand. And the original spirits who, in the nineteenth century, personally experienced this still half-veiled encounter with Ahriman had this tragic fate looming behind them. But the students—they were now given the thoughts that had already been prepared. These thoughts live within them. The Ahrimanic power had already shaped these thoughts. The first original spirits recoiled; the students received the incomplete Ahrimanic thoughts. These are now at work within them: “Struggle against the spirit”—against the spirit that refuses to surrender the Earth to the Ahrimanic forces—hatred of the spirit, struggle against the spirit!
[ 31 ] Das muß man heute als einen wirklichen Zusammenhang überblicken. Das lebt heute als eine Zeitstimmung, als eine Seelenverfassung. Sie muß man verstehen, damit man wirklich darauf kommt, wie notwendig es ist, eine wirkliche spirituelle Weltanschauung geltend zu machen, in all den verschiedenen Kulturformen, in denen sich eine solche Weltanschauung ausleben muß.
[ 31 ] Today, one must view this as a genuine connection. This lives on today as a zeitgeist, as a state of mind. One must understand it in order to truly grasp how necessary it is to assert a genuine spiritual worldview in all the various cultural forms in which such a worldview must find expression.
