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Human Questions and Cosmic Answers
GA 213

16 July 1922, Dornach

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Human Questions and Cosmic Answers, tr. SOL
  1. Menschenfragen und Weltenantworten

Elfter Vortrag

Eleventh Lecture

[ 1 ] Ich mußte während der letzten Betrachtung wiederholt darauf aufmerksam machen, wie in der Blütezeit des Mittelalters innerhalb der europäischen Zivilisation zwei Geistesströmungen durch die besten Seelen gehen, jene beiden Geistesströmungen, die ich gestern genauer charakterisierte als die Offenbarungserkenntnis und die Vernunfterkenntnis innerhalb der Scholastik. Nun mußten wir ja betonen, daß die Offenbarungserkenntnis in dem Sinne, wie sie innerhalb der Scholastik auftritt, durchaus nicht irgend etwas mystisch oder abstrakt Unbestimmtes ist, sondern daß sie ein Erkenntnisinhalt ist, der in scharf konturierten, scharf geformten Begriffen auftritt. Nur daß man diesen Begriffen nicht zugesteht, daß sie unmittelbar in menschlicher Erkenntnis gefunden werden können, sondern darauf aufmerksam macht, daß sie von jedem einzelnen, der in ihren Besitz gelangen soll, aus der Überlieferung der Kirchen genommen werden müssen, die eben in ihren Überlieferungen und in ihrem kontinuierlichen Fortbestand das Recht haben, solchen Erkenntnisinhalt gewissermaßen aufzubewahren.

[ 1 ] During the last reflection, I had to repeatedly point out how, during the heyday of the Middle Ages within European civilization, two spiritual currents flowed through the finest souls—those two spiritual currents that I characterized in more detail yesterday as revelatory knowledge and rational knowledge within Scholasticism. Now, we had to emphasize that knowledge of revelation, in the sense in which it appears within Scholasticism, is by no means something mystical or abstractly indeterminate, but rather that it is a body of knowledge that appears in sharply defined, clearly formed concepts. The only difference is that these concepts are not considered to be directly accessible through human cognition; rather, it is pointed out that they must be derived from the tradition of the Churches by every individual who is to acquire them, for it is precisely in their traditions and in their continuous existence that the Churches have the right, so to speak, to preserve such cognitive content.

[ 2 ] Der zweite Erkenntnisinhalt war dem menschlichen Forschen, dem menschlichen Streben freigegeben; aber es mußten diejenigen, die nun wirklich innerhalb der wahren scholastischen Richtung drinnenstanden, anerkennen, daß mit diesem Vernunfterkenntnis-Inhalt keinerlei Erkenntnis aus der übersinnlichen Welt erlangt werden kann.

[ 2 ] The second body of knowledge was open to human inquiry and human endeavor; but those who were truly within the true scholastic tradition had to acknowledge that no knowledge of the supersensible world could be gained through this body of rational knowledge.

[ 3 ] Damit ist also in der geistigen Blüte des Mittelalters zugegeben, daß gewissermaßen dasjenige historisch erhalten werden mußte an Erkenntnis, was den Menschen für die damalige Gegenwart nicht mehr zugänglich war. Ich habe aber auch schon angedeutet, daß es nicht immer so war. Wenn wir weiter zurückgehen, das Mittelalter hindurch bis in die ersten christlichen Jahrhunderte, dann finden wit, daß dieser besondere Charakter der Offenbarungserkenntnis nicht schon in gleich scharfer Weise betont wird, wie das im späteren Mittelalter der Fall war. Und wenn man etwa einem Griechen, sagen wir der athenischen Philosophenschule, so etwas vorgehalten hätte wie eine Trennung der Erkenntnis nach einer bloßen Vernunfterkenntnis und einer nur durch Offenbarung gegebenen Erkenntnis — die Offenbarung in dem Sinne genommen, wie sie im Mittelalter genommen worden ist —, so würde der griechische Philosoph das eben gar nicht verstanden haben. Er hätte keinen Begriff damit verbinden können, daß, wenn einmal durch außerweltliche Macht dem Menschen ein Erkenntnisinhalt über das Übersinnliche mitgeteilt worden ist, der dann bleiben sollte, er nicht neuerdings wiederum mitgeteilt werden könnte. Der Grieche verstand, daß man nicht durch die gewöhnliche Erkenntnismethode zu dem höheren geistigen Inhalte kommen könne; allein er verstand es so, daß man von den Erkenntnisfähigkeiten, die man nun einmal als Mensch hat, durch geistige Schulung, durch den Weg der Initiation aufsteigen kann zu höheren Erkenntnisfähigkeiten. Dann tritt man eben in diejenige Welt ein, in der man zu schauen vermag, was für das Übersinnliche die Wahrheit, die Erkenntnis ist.

[ 3 ] Thus, even at the height of the Middle Ages’ intellectual flowering, it was acknowledged that, in a sense, those aspects of knowledge that were no longer accessible to people in the present had to be preserved for posterity. However, I have also already indicated that this was not always the case. If we go further back, through the Middle Ages to the early Christian centuries, we find that this particular character of revelatory knowledge is not emphasized as sharply as it was in the later Middle Ages. And if one had presented to a Greek—say, from the Athenian school of philosophy—such a distinction between knowledge based on pure reason and knowledge given solely through revelation—revelation understood in the sense in which it was understood in the Middle Ages—the Greek philosopher would simply not have understood it at all. He would not have been able to conceive of the idea that, once the content of knowledge concerning the supersensible had been communicated to a human being by an otherworldly power, it would remain fixed and could not be communicated anew. The Greek understood that one could not arrive at the higher spiritual content through the ordinary method of cognition; but he understood that, through spiritual training and the path of initiation, one could ascend from the cognitive faculties that one possesses as a human being to higher cognitive faculties. Then one simply enters that world in which one is able to perceive what constitutes truth and knowledge regarding the supersensible.

[ 4 ] Und gerade mit Bezug auf diese Sache ist für das ganze abendländische Zivilisationsleben eine Wendung eingetreten zwischen dem, was in den Jahrhunderten vorhanden war, in denen die griechische Philosophie in Plato, in Aristoteles noch geblüht hat, und dem, was dann aufgetreten ist etwa am Ende des 4. nachchristlichen Jahrhunderts. Ich habe ja die eine Seite dieser Sache schon öfter betont. Ich habe betont: Das Ereignis von Golgatha ist in einer Zeit geschehen, in welcher noch viel von alter Initiationsweisheit, alter Initiationserkenntnis vorhanden war. Und wahrhaftig, genügend viele Leute haben die alte Initiationsweisheit angewendet, um aus ihrer Initiation heraus das Golgatha-Ereignis mit den Mitteln der übersinnlichen Erkenntnis zu begreifen. Initiierte bemühten sich, alles, was sie zusammentragen konnten an Initiationserkenntnis, aufzuwenden, um zu verstehen, wie eine solche Wesenheit wie der Christus, der vor der Zeit des Golgatha-Mysteriums nicht mit der irdischen Entwickelung vereinigt war, sich mit einem irdischen Leib verbindet und nun mit der menschlichen Entwickelung vereinigt bleibt. Was das für ein Wesen ist, wie diese Wesenheit sich verhalten hat, bevor sie heruntergestiegen ist in das Irdische, alles das waren Fragen, zu deren Beantwortung man höchste Initiationsfähigkeiten auch zur Zeit des Mysteriums von Golgatha anwendete.

[ 4 ] And precisely with regard to this matter, a turning point has occurred in the entire history of Western civilization—between what existed during the centuries when Greek philosophy was still flourishing in Plato and Aristotle, and what then emerged around the end of the 4th century A.D. I have, in fact, emphasized one aspect of this matter on several occasions. I have emphasized that the event of Golgotha took place at a time when much of the ancient wisdom of initiation and ancient initiatory knowledge still existed. And indeed, a sufficient number of people applied this ancient wisdom of initiation to comprehend the event of Golgotha through the means of supersensible knowledge, drawing upon their own initiation. Initiates strove to draw upon all the initiatory knowledge they could gather in order to understand how a being such as the Christ—who, prior to the time of the Golgotha Mystery, had not been united with earthly evolution—could unite with an earthly body and now remain united with human evolution. What kind of being this is, how this being behaved before descending into the earthly realm—all these were questions to which the highest initiatory abilities were applied even at the time of the Mystery of Golgotha.

[ 5 ] Nun aber sehen wir, daß die alte Initiationsweisheit, die in Vorderasien, in Nordafrika, auch innerhalb der hellenischen Kultur durchaus vorhanden war und sich auch nach Italien herüber, sogar weiter noch nach Europa herein erstreckte, daß diese Initiationsweisheit vom 5. nachchristlichen Jahrhundert an überhaupt immer weniger und weniger verstanden wird. Man redete dann von einzelnen Namen so, daß man die Träger dieser Namen innerhalb der christlichen Zivilisation des Abendlandes als ziemlich verächtliche Persönlichkeiten hinstellte, mindestens als Persönlichkeiten, mit denen sich ein richtiger Christ nicht befassen sollte. Man bestrebte sich aber auch, möglichst die Spuren alles früheren Wissens von dem, was eigentlich in solchen Persönlichkeiten war, zu verwischen.

[ 5 ] But now we see that the ancient wisdom of initiation—which was certainly present in the Near East, in North Africa, and also within Hellenic culture, and which extended across to Italy and even further into Europe—has been understood less and less since the 5th century A.D. People then spoke of certain names in such a way as to portray the bearers of those names within Western Christian civilization as rather contemptible figures—or at least as figures with whom a true Christian should not associate. Efforts were also made, however, to erase as much as possible any traces of earlier knowledge regarding what such figures actually represented.

[ 6 ] Es ist merkwürdig, daß eine Persönlichkeit wie Franz Brentano aus seiner mittelalterlichen Tradition heraus für seine eigene Seele noch durchaus den Haß gegen alles das erbte, was damals in Persönlichkeiten wie zum Beispiel PJozin lebte, von dem ja auch außerordentlich wenig gewußt wurde, der aber als ein Philosoph angesehen wurde, mit dem sich ein richtiger christlicher Bekenner nicht befassen sollte. Brentano teilte diesen Haß auf Plotin. Er hat ihn auf sich vererben lassen. Er hat eine Abhandlung geschrieben: «Was für ein Philosoph manchmal Epoche macht», und er meinte damit Plotin, den Philosophen des 3. nachchristlichen Jahrhunderts, der in jenen Geistesströmungen drinnen stand, die eigentlich mit dem 4. Jahrhundert dann vollständig versiegten und an die man in der späteren christlichen Entwickelung keine Erinnerung bewahren wollte.

[ 6 ] It is curious that a figure such as Franz Brentano, drawing from his medieval tradition, still inherited for his own soul a deep hatred for everything that was embodied at that time in figures such as PJozin—about whom, admittedly, very little was known, but who was regarded as a philosopher with whom a true Christian believer should not concern himself. Brentano extended this hatred to Plotinus. He allowed it to be passed down to him. He wrote a treatise titled “What Kind of Philosopher Sometimes Marks an Epoch,” and by this he meant Plotinus, the philosopher of the 3rd century A.D., who was part of those intellectual currents that actually dried up completely by the 4th century and of which later Christian development sought to retain no memory.

[ 7 ] Was in den gebräuchlichen Geschichtsphilosophien über sehr hervorragende Geister jener Zeit der ersten christlichen Jahrhunderte gesagt wird, das ist ja zumeist nicht etwa nur das Notdürftigste, sondern es ist so, daß nicht im geringsten eine zusammenhängende Vorstellung über diese Geister daraus gewonnen werden kann. Es ist ja natürlich, daß es auch in der Gegenwart noch große Schwierigkeiten bereitet, sich über die drei oder vier ersten christlichen Jahrhunderte eine ordentliche Vorstellung zu machen. So zum Beispiel über die Art und Weise, wie das, was bei Plato und Aristoteles vorhanden war, fortgewirkt hat, und was ja ohnedies schon in einem gewissen Sinne entfremdet war der tieferen Weisheit der Mysterien, in deren Besitz aber solche Persönlichkeiten, wie ich sie meine, in den ersten drei bis vier christlichen Jahrhunderten noch waren. Es ist ja heute eigentlich kaum eine ordentliche Plato-Erkenntnis in den gebräuchlichen Geschichten der Philosophie vorhanden. Wenn Sie sich dafür interessieren, so schlagen Sie sich doch zum Beispiel das Kapitel über Plato in der Geschichte der griechischen Philosophie von Paul Deussen auf, wo Deussen davon spricht, wie eigentlich Plato über die Idee des Guten im Verhältnisse zu den anderen Ideen gedacht hat. Da können Sie Sätze finden wie diesen: Plato nahm einen persönlichen Gott nicht an, sonst wären die Ideen, die er annahm, ja nicht durch sich selbständig gewesen; Plato konnte einen wesenhaften Gott nicht anerkennen, weil die Ideen selbständig sind. — Allerdings, sagt Deussen, setzt Plato wiederum die Idee des Guten über die anderen Ideen. Allein | das soll nicht heißen, daß die Idee des Guten als irgend etwas wesenhaft Selbständiges über den anderen Ideen stehe; denn, was die Idee des Guten ausdrücke, das sei nur eine gewisse Familienähnlichkeit, die in allen Ideen vorhanden sei.

[ 7 ] What is said in the standard philosophies of history about the truly outstanding minds of that era—the first Christian centuries—is, for the most part, not merely the bare minimum; rather, it is such that not even the slightest coherent picture of these minds can be derived from it. It is, of course, the case that even today it is still very difficult to form a proper understanding of the first three or four Christian centuries. For example, regarding the way in which the legacy of Plato and Aristotle continued to exert an influence—a legacy that was, in a certain sense, already alienated from the deeper wisdom of the Mysteries, yet which figures such as those I have in mind still possessed during the first three to four Christian centuries. In fact, there is hardly any proper understanding of Plato to be found today in the standard histories of philosophy. If you are interested in this, do take a look, for example, at the chapter on Plato in Paul Deussen’s History of Greek Philosophy, where Deussen discusses how Plato actually conceived of the Idea of the Good in relation to the other Ideas. There you will find statements such as this: Plato did not assume a personal God; otherwise, the Ideas he posited would not have been independent in themselves; Plato could not acknowledge an essential God because the Ideas are independent. — However, Deussen notes, Plato does place the Idea of the Good above the other Ideas. However, | this does not mean that the Idea of the Good stands above the other Ideas as something essentially independent; for what the Idea of the Good expresses is merely a certain family resemblance present in all Ideas.

[ 8 ] Bitte, setzen Sie sich jetzt einmal ordentlich auf Ihre Stühle und schauen Sie sich Deussens Logik, diese Logik eines hervorragenden Philosophen der Gegenwart, genauer an. Da hat Plato die Ideen. Die sind selbständig. Jetzt hat Plato auch noch die Idee des Guten. Die darf aber nicht irgend etwas sein, was die anderen Ideen dirigiert, sondern die Ideen haben untereinander eine Familienähnlichkeit. Durch die Idee des Guten wird nur die Familienähnlichkeit ausgedrückt. Ja aber, woher kommen denn Familienähnlichkeiten? Wenn irgendwo eine Familienähnlichkeit ist, so kommt sie doch von der Abstammung von einem Übergeordneten mindestens, wenn man den Ausdruck gebrauchen wollte. Die Idee des Guten, die weist auf eine Familienähnlichkeit; also müßte man ja erst recht an den Stammvater herankommen!

[ 8 ] Please, sit down properly in your chairs now and take a closer look at Deussen’s logic—the logic of this outstanding contemporary philosopher. Plato has his Ideas. They are independent. Now Plato also has the Idea of the Good. But this cannot be just anything that directs the other Ideas; rather, the Ideas share a family resemblance among themselves. The Idea of the Good merely expresses this family resemblance. Yes, but where do family resemblances come from? If there is a family resemblance anywhere, it must come from descent from a superior entity—at least, if one were to use that expression. The Idea of the Good points to a family resemblance; so one would have to trace it back to the progenitor all the more!

[ 9 ] Ja, das steht in hervorragenden Philosophiegeschichten der Gegenwart! Die Menschen, die so etwas schreiben, werden Autoritäten in der Gegenwart. Die Leute lernen das und merken nicht, daß es der reine Unsinn ist. Man kann natürlich jemandem, der solch einen Unsinn redet über die griechische Philosophie, auch nicht zutrauen, daß er sehr viel über die indische Weisheit zu sagen hat. Aber dennoch, wenn Sie heute irgendwo etwas Autoritatives über die indische Weisheit suchen, so wird auf Paul Deussen gedeutet. Die Dinge sind schon schlimm.

[ 9 ] Yes, that’s what you’ll find in today’s outstanding histories of philosophy! The people who write such things become authorities in the present day. People learn this and don’t realize that it’s pure nonsense. Of course, you can’t trust someone who spouts such nonsense about Greek philosophy to have much to say about Indian wisdom either. But still, if you’re looking for an authoritative source on Indian wisdom anywhere today, people point to Paul Deussen. Things are really bad.

[ 10 ] Ich wollte damit nur sagen, daß gegenwärtig auch für das Auffassen der Platonischen Philosophie selbst nicht viel Sinn vorhanden ist. Der gegenwärtige Intellektualismus ist eben dazu sehr wenig imstande. Daher kann auch so etwas nicht verstanden werden, was immerhin wenigstens noch zu den Überlieferungen gehört. Das ist, daß Plotin, der neuplatonische Philosoph — so nennt man ihn ja immer —, ein Schüler war des Ammonius Sakkas, der im Beginne des 3. nachchristlichen Jahrhunderts gelebt hat, aber nichts geschrieben, sondern nur einzelne Schüler unterrichtet hat. Geschrieben haben die hervorragendsten Geister gerade dieser Zeit überhaupt nichts, weil sie der Meinung waren, daß der Weisheitsinhalt als ein Lebendiges da sein müsse, daß er nicht übertragen werden könne durch die Schrift von dem einen auf den anderen, daß er nur von Mensch zu Mensch im unmittelbaren persönlichen Verkehr übertragen werden müsse. Nun wird von Ammonius Sakkas noch eines erzählt, dessen Bedeutung den Leuten wiederum nicht klar wird. Es wird erzählt, daß er sich bemühte, gegenüber den schrecklichen Streitereien der Anhänger des Aristoteles und der Anhänger Platos Einigkeit zu erzielen, indem er zeigte, wie eigentlich Plato und Aristoteles durchaus in Harmonie miteinander stehen.

[ 10 ] I simply wanted to say that, at present, there is not much point even in attempting to understand Platonic philosophy itself. Contemporary intellectualism is simply too incapable of doing so. Consequently, something like this—which, after all, still belongs to the traditional body of knowledge—cannot be understood either. Namely, that Plotinus, the Neoplatonic philosopher—as he is always called—was a student of Ammonius Saccas, who lived at the beginning of the 3rd century CE but wrote nothing, teaching only a few individual students. The most outstanding minds of that very era wrote nothing at all, because they believed that the content of wisdom must exist as a living entity, that it could not be transmitted from one person to another through writing, but must be conveyed only from person to person through direct, personal interaction. Now there is another story told about Ammonius Sakkas, the significance of which, once again, is not clear to people. It is said that he strove to achieve unity in the face of the terrible disputes between the followers of Aristotle and those of Plato by showing how Plato and Aristotle were, in fact, entirely in harmony with one another.

[ 11 ] Ich möchte Ihnen einmal nur in wenigen Strichen charakterisieren, wie dieser Sakkas etwa über Plato und Aristoteles gesprochen haben könnte. Er charakterisierte seinerseits: Plato gehörte noch demjenigen Zeitalter an, in welchem viele Menschen ihren unmittelbaren Seelenweg hinauf in die geistige Welt fanden, mit anderen Worten, in welchem die Menschen das Initiationsprinzip noch gut kannten. Aber in älteren Zeiten, so mag etwa Ammonius Sakkas gesagt haben, war das logisch-abstrakte Denken gar nicht entwickelt. Davon sind nur die ersten Spuren jetzt vorhanden — ich meine «jetzt» im Beginne des 3, nachchristlichen Jahrhunderts. Gedanken, von Menschen ausgebildet, gab es eigentlich auch noch zu Platos Zeiten nicht. Aber während ältere Initiierte alles das, was sie den Menschen zu geben hatten, nur in Bildern, in Imaginationen gaben, war Plato einer der ersten, welcher die Imaginationen umwandelte in abstrakte Begriffe. Wenn man sich den mächtigen Bildinhalt vorstellt (rot), zu dem auch Plato den Menschen hinaufschauen lassen wollte, so war es durchaus so, daß sich für ältere Zeiten dieser Bildinhalt eben bloß in Imaginationen ausdrückte (orange), aber für Plato schon in Begriffen (weiß). Aber diese Begriffe strömten gewissermaßen aus dem göttlich-geistigen Inhalt herunter (Pfeile). Plato sagte: Die unterste Offenbarung, gewissermaßen die verdünnteste Offenbarung des göttlich-geistigen Inhaltes, sind die Ideen, Aristoteles hatte nicht mehr eine so intensive Möglichkeit, sich zu diesem geistigen Inhalt hinaufzuheben. Daher hatte er gewissermaßen nur das, was unterhalb des Bildinhaltes war, er hatte nur den Ideengehalt. Aber den konnte er noch als einen geoffenbarten auffassen. Es ist kein Unterschied zwischen Plato und Aristoteles, so sagte etwa Sakkas, als allein der, daß Plato höher hinaufschaute in die geistige Welt, und Aristoteles weniger hoch hinaufschaute in die geistige Welt.

[ 11 ] I would like to briefly outline how Sakkas might have spoken about Plato and Aristotle, for example. He characterized it as follows: Plato still belonged to that age in which many people found their direct spiritual path upward into the spiritual world—in other words, in which people were still well acquainted with the principle of initiation. But in earlier times, as Ammonius Sakkas might have said, logical-abstract thinking was not yet developed at all. Only the first traces of this are present now—I mean “now” at the beginning of the 3rd century A.D. Thoughts, as formed by human beings, did not actually exist even in Plato’s time. But while the older initiates conveyed everything they had to give to humanity solely through images and imaginations, Plato was one of the first to transform these imaginations into abstract concepts. If one imagines the powerful imagery (red) toward which Plato, too, wanted people to look up, it was certainly the case that in earlier times this imagery was expressed merely in imaginations (orange), but for Plato it was already expressed in concepts (white). Yet these concepts flowed down, as it were, from the divine-spiritual content (arrows). Plato said: The lowest revelation—in a sense, the most diluted revelation—of the divine-spiritual content is the Forms; Aristotle no longer had such an intense capacity to elevate himself to this spiritual content. Therefore, he had, so to speak, only what lay below the visual content; he had only the content of the Forms. But he could still conceive of this as something revealed. There is no difference between Plato and Aristotle, as Sakkas, for example, said, other than that Plato looked higher up into the spiritual world, and Aristotle looked less high up into the spiritual world.

[ 12 ] Damit glaubte Ammonius Sakkas die Streitigkeiten hinwegzufegen, die unter den Anhängern des Aristoteles und des Plato vorhanden waren. Und wenn sich auch der Weisheitsgehalt schon unter Plato und Aristoteles dem intellektualistischen Auffassen näherte, so waren immerhin in jenen alten Zeiten noch Möglichkeiten vorhanden, daß der eine oder der andere Mensch auch wirklich in persönlicher Erfahrung sehr weit in die Region des geistigen Schauens hinaufkam. Und so muß man sich schon vorstellen, daß solche Menschen, wie Ammonius Sakkas und sein Schüler Plotin, in der Tat noch voll von inneren unmittelbaren Geist-Erlebnissen waren und vor allen Dingen solche Geist-Erlebnisse hatten, daß bei ihnen die Anschauung über die geistige Welt einen vollkonkreten Inhalt hatte. Man hätte natürlich solchen Menschen nicht von einer äußeren Natur sprechen können, wie man es heute tut. Solche Menschen haben in ihren Schulen von einer geistigen Welt gesprochen, und die Natur unten, die heute vielen als das Ein und Alles gilt, war nur der unterste bildliche Ausdruck für das, was ihnen als geistige Welt bewußt war. Wie solche Menschen sprachen, davon kann man eine Vorstellung geben, wenn man einen der Nachfolger des Sakkas betrachtet, der noch tiefe Einsichten hatte und diese in das 4. Jahrhundert hinübertrug: Jamblichos.

[ 12 ] In this way, Ammonius Sakkas believed he could sweep away the disputes that existed among the followers of Aristotle and Plato. And even though the content of wisdom had already begun to approach an intellectualist conception under Plato and Aristotle, there were still possibilities in those ancient times for one person or another to actually ascend very far into the realm of spiritual vision through personal experience. And so one must imagine that such people as Ammonius Sakkas and his student Plotinus were in fact still filled with direct inner spiritual experiences and, above all, had such spiritual experiences that their perception of the spiritual world had a fully concrete content. Of course, one could not have spoken to such people of an “outer nature” in the way we do today. In their schools, such people spoke of a spiritual world, and the nature below—which today is regarded by many as the be-all and end-all—was merely the lowest figurative expression of what they were conscious of as the spiritual world. One can get an idea of how such people spoke by considering one of Sakkas’s successors, who still possessed deep insights and carried them over into the 4th century: Iamblichus.

[ 13 ] Stellen wir einmal das Weltbild des Jamblichos vor unsere Seele. Er hat etwa in der folgenden Weise zu seinen Schülern gesprochen. Er sagte: Will man die Welt verstehen, so darf man nicht auf den Raum schauen, denn im Raume ist nur der äußere Ausdruck der geistigen Welt vorhanden. Man darf auch nicht auf die Zeit schauen, denn in der Zeit spielt sich bloß die Illusion von dem ab, was wirklicher, wahrer Welteninhalt ist. Man muß aufschauen zu denjenigen Mächten in der geistigen Welt, welche die Zeit und den Zusammenhang der Zeit mit dem Raum gestalten. Man schaue hinaus in das ganze Weltenall. Alljährlich wiederholt sich der Kreisgang, der sich sichtbarlich äußerlich in der Sonne ausdrückt. Aber diese Sonne kreist durch den Tierkreis, durch die 12 Sternbilder. Das soll man nicht nur anglotzen. Denn in dem wirken und weben 360 himmlische Mächte, und sie sind es, die alles das bewirken, was im Laufe eines Jahres an Sonnenwirksamkeit ausgeht für die ganze den Menschen zugängliche Welt, und sie wiederholen den Zyklus in jedem Jahre. Wenn sie allein regierten, so würde das Jahr 360 Tage haben —, so etwa hatte Jamblichos seinen Schülern gesagt. Aber da bleiben 5 Tage übrig. Diese 5 Tage sind von 72 unterhimmlischen Mächten, den Planetengeistern, dirigiert. Ich zeichne dieses Fünfeck in den Kreis, weil ja 72 zu 360 sich verhält wie 1 zu 5. Die 5 übrigbleibenden Weltentage des Jahres, in denen also gewissermaßen die 360 himmlischen Mächte eine leere Zeit lassen würden, die werden dirigiert von den 72 unterhimmlischen Mächten. Nun wissen Sie ja, daß das Jahr nicht bloß 365 Tage, sondern noch einige Stunden mehr hat; für diese Stunden sind nach Jamblichos 42 irdische Mächte da.

[ 13 ] Let us now consider Jamblichus’s worldview. He spoke to his students in roughly the following manner. He said: “If one wishes to understand the world, one must not look to space, for space contains only the outer expression of the spiritual world. Nor should one look to time, for time merely presents the illusion of what is the real, true content of the world. One must look up to those powers in the spiritual world that shape time and the relationship between time and space. Look out into the entire cosmos. Every year, the cyclical movement repeats itself, manifesting visibly in the sun. But this sun circles through the zodiac, through the 12 constellations. One should not merely stare at this. For within it, 360 heavenly powers are at work and weaving, and it is they who bring about everything that emanates from the sun’s activity over the course of a year for the entire world accessible to human beings, and they repeat the cycle every year. If they alone ruled, the year would have 360 days—or so Iamblichus had told his students. But that leaves 5 days remaining. These 5 days are governed by 72 subcelestial powers, the planetary spirits. I draw this pentagon within the circle because 72 to 360 is in the same ratio as 1 to 5. The five remaining world-days of the year—during which, so to speak, the 360 celestial powers would leave a void—are governed by the 72 subcelestial powers. Now, as you know, the year has not just 365 days, but a few more hours as well; according to Iamblichus, there are 42 earthly powers for these hours.

[ 14 ] Weiter sagte Jamblichos zu seinen Schülern: Die 360 himmlischen Mächte hängen zusammen mit allem, was menschliche Hauptesorganisation ist. Die 72 unterhimmlischen Mächte hängen zusammen mit allem, was Brustorganisation, Atmungs- und Herzorganisation ist, und die 42 irdischen Mächte hängen zusammen mit all dem, was im Menschen die rein irdische Organisation der Verdauung, des Stoflwechsels und so weiter ist.

[ 14 ] Jamblichus went on to say to his students: The 360 celestial powers are connected to everything that constitutes the human head. The 72 subcelestial powers are connected to everything that constitutes the chest, respiratory, and cardiac systems, and the 42 earthly powers are connected to everything in the human being that constitutes the purely earthly systems of digestion, metabolism, and so on.

[ 15 ] So wurde der Mensch hineingestellt in ein geistiges System, in ein geistiges Weltsystem. Heute beginnen wir unsere Physiologien damit, daß wir auseinandergesetzt bekommen, wieviel der Mensch an Kohlenstoff, an Wasserstoff, Stickstoff, Schwefel, Phosphor, Kalk und so weiter aufnimmt. Wir setzen den Menschen in Beziehung zu dem, was leblose Natur ist. Jamblichos würde in seinen Schulen den Menschen dargestellt haben, wie er zu den 42 irdischen, zu den 72 zwischenhimmlischen oder planetarischen und zu den 360 himmlischen Mächten steht. Wie heute der Mensch dargestellt wird als etwas, was aus den Stoffen der Erde zusammengesetzt ist, so wurde der Mensch dazumal dargestellt als etwas, was herunterfließt aus den Kräften, aus den Agenzien des geistigen Weltenalls. Man kann nur sagen, es war eine ungeheure, eine hohe Weisheit, welche damals in diesen Schulen vertreten worden ist. Man kann begreifen, daß Plotin, der erst im achtundzwanzigsten Lebensjahre dazu gekommen ist, ein Zuhörer des Ammonius Sakkas zu werden, sich wie in einer anderen Welt fühlte, weil er fähig war, etwas von dieser Weisheit aufzunehmen. Und diese Weisheit wurde noch an vielen Stätten in den ersten vier Jahrhunderten nach dem Mysterium von Golgatha gepflegt. Mit dieser Weisheit versuchte man auch zu verstehen, wie der Christus heruntergekommen war zum Jesus von Nazareth. Man versuchte zu verstehen, wie der Christus sich in diese ganze mächtige Welt geistiger Hierarchien, in dieses geistige Weltengebäude hineinstellt.

[ 15 ] Thus, human beings were placed within a spiritual system, a spiritual world system. Today, we begin our studies of physiology by learning how much carbon, hydrogen, nitrogen, sulfur, phosphorus, calcium, and so on the human body absorbs. We relate human beings to what is inanimate nature. In his schools, Iamblichus would have depicted human beings in relation to the 42 earthly, the 72 intercelestial or planetary, and the 360 celestial powers. Just as human beings are portrayed today as something composed of the elements of the earth, so were they portrayed in those days as something flowing down from the forces, from the agents of the spiritual universe. One can only say that it was an immense, a lofty wisdom that was taught in those schools at that time. One can understand that Plotinus, who did not become a student of Ammonius Saccas until he was twenty-eight years old, felt as if he were in another world because he was able to absorb something of this wisdom. And this wisdom continued to be cultivated in many places during the first four centuries following the Mystery of Golgotha. With this wisdom, people also sought to understand how the Christ had descended to become Jesus of Nazareth. They sought to understand how the Christ placed himself within this entire mighty world of spiritual hierarchies, within this spiritual edifice of the worlds.

[ 16 ] Und nun will ich noch ein Kapitel der Jamblichos-Weisheit, die er in seinen Schulen vortrug, behandeln. Er sagte: Da sind also 360 himmlische Mächte, da sind 72 planetarische Mächte und 42 irdische Mächte. Da sind also im ganzen 474 göttliche Wesenheiten der verschiedensten Rangordnungen. Ihr könnt nun, so sagte Jamblichos zu seinen Schülern, nachschauen im fernsten Osten, da werdet ihr sehen, daß es dort Völker gibt, die euch ihre Götternamen nennen. Dann geht ihr zu den Ägyptern, die nennen euch wiederum ihre Götternamen, zu anderen Völkern, auch diese nennen euch ihre Götternamen. Dann geht ihr zu den Phöniziern, dann zu den Hellenen, wiederum findet ihr Götternamen. Und geht ihr hinüber zu den Römern, wieder findet ihr Götternamen. Wenn ihr die 474 Götternamen nehmt, so sind alle diese verschiedenen Götter der verschiedenen Völker darinnen: Zeus, Apollo, auch Baal, Amon, der ägyptische Gott, alle Götter gehören zu diesen 474. Daß die Völker verschiedene Götter haben, das liegt nur daran, daß das eine Volk sich von den 474 Göttern 12 oder 17 herausgenommen hat, das andere 20 oder 25, das andere Volk 3, 4 und so weiter. Aber wenn man diese verschiedenen Gottheiten der verschiedenen Völker richtig versteht, dann bekommt man 473 heraus. Und der höchste, der vornehmste, derjenige, der in einer bestimmten Zeit zur Erde niedergekommen ist, das ist der Christus.

[ 16 ] And now I would like to discuss another chapter of Jamblichus’s wisdom, which he taught in his schools. He said: There are, then, 360 celestial powers, 72 planetary powers, and 42 earthly powers. So there are a total of 474 divine beings of the most diverse ranks. “You can now,” Jamblichus said to his students, “look to the farthest East, where you will see that there are peoples there who will tell you the names of their gods. Then go to the Egyptians; they, in turn, will tell you the names of their gods; go to other peoples, and they, too, will tell you the names of their gods. Then go to the Phoenicians, then to the Hellenes—there, too, you will find names of gods. And if you go over to the Romans, you will again find names of gods. If you take these 474 names of gods, all these different gods of the various peoples are included among them: Zeus, Apollo, as well as Baal, Amun, the Egyptian god—all the gods belong to these 474. The fact that the peoples have different gods is simply because one people has selected 12 or 17 from the 474 gods, another 20 or 25, yet another 3 or 4, and so on. But if one correctly understands these various deities of the different peoples, then one arrives at 473. And the highest, the most noble—the one who descended to Earth at a specific time—that is Christ.

[ 17 ] Es war gerade in dieser Weisheit eine tiefe Tendenz, Frieden zu stiften unter den verschiedensten Religionen, aber nicht aus einem unbestimmten Gefühl heraus, sondern indem man erkennen wollte, wie eben für den, der aus dem Weltengebäude heraus die 474 Götter wirklich kennenlernte, die verschiedenen Gottheiten der verschiedenen Völker sich einreihten in ein großes System, und man hat den ganzen Götterolymp aller Völker der alten Zeit so verstehen wollen, daß das alles in dem Christentum gipfelte. Gekrönt werden sollte dieses Gebäude davon, daß eben verstanden werden sollte, wie der Christus im Jesus von Nazareth seinen Platz zu seiner Erdenwirksamkeit gefunden hatte.

[ 17 ] It was precisely in this wisdom that there lay a profound tendency to foster peace among the most diverse religions—not out of some vague sentiment, but by seeking to recognize how, for those who truly came to know the 474 gods from within the structure of the world, the various deities of different peoples fit into a grand system; and one sought to understand the entire Olympian pantheon of all the peoples of antiquity in such a way that it all culminated in Christianity. This edifice was to be crowned by the realization of how Christ had found his place in Jesus of Nazareth for his earthly mission.

[ 18 ] Wenn man so hineinschaut in jene allerdings heute nicht mehr gültige Geisteswissenschaft — denn heute müssen wir auf eine andere Weise Geisteswissenschaft betreiben —, dann bekommt man eine ungeheure Achtung vor dem, was da gelehrt worden ist über das übersinnliche Weltenall, über den übersinnlichen Kosmos. Aber abhängig machte man die Erkenntnis dieses Weltenalls davon, daß immer die Weisheit übertragen werden sollte durch unmittelbare Schülerschaft gegenüber den älteren Eingeweihten; daß die Weisheit nur demjenigen übertragen werden sollte, den man zuerst in bezug auf seine Erkenntnisfähigkeiten wirklich bis zu der entsprechenden Stufe vorbereitet hatte, auf der er die Wesenheit des einen oder des anderen Gottes begreifen mußte.

[ 18 ] When one looks into that spiritual science—which, admittedly, is no longer valid today, for today we must practice spiritual science in a different way—one develops an immense respect for what was taught there about the supersensible universe, about the supersensible cosmos. But knowledge of this universe was made contingent upon the principle that wisdom should always be transmitted through direct discipleship under the guidance of older initiates; that wisdom should be imparted only to those whom one had first truly prepared, in terms of their cognitive abilities, to the appropriate level at which they were required to comprehend the essence of one god or another.

[ 19 ] Man kann sagen: Überall, in Griechenland, in Ägypten, in Vorderasien wurde das innerhalb derjenigen Kreise, auf die es ankam mit Bezug auf die geistige Kultur, so angesehen, nicht aber innerhalb der römischen Welt. Diese römische Welt hatte ja allerdings auch noch Überreste jener alten Weisheit. Plotin selber lehrte lange Zeit in Italien, innerhalb der alten römischen Welt. Aber in die alte römische Welt war ein abstrakter Geist eingezogen, ein Geist, der nicht mehr im früheren Sinne den Wert der menschlichen Persönlichkeit verstehen konnte, den Wert des Wesenhaften überhaupt. Der Geist des Begrifflichen war eingezogen im Römertum, der Geist der Abstraktion; zwar noch nicht so wie in der späteren Zeit, aber weil er erst in seinen elementaren Formen war, wurde er, ich möchte sagen, um so energischer festgehalten.

[ 19 ] One could say: Everywhere—in Greece, in Egypt, in the Near East—this was viewed in this way within the circles that mattered in terms of spiritual culture, but not within the Roman world. The Roman world, however, still retained remnants of that ancient wisdom. Plotinus himself taught for a long time in Italy, within the ancient Roman world. But an abstract spirit had taken hold in the ancient Roman world—a spirit that could no longer comprehend, in the former sense, the value of the human personality or the value of the essential in general. The spirit of conceptualization had taken hold in Roman culture—the spirit of abstraction; though not yet to the extent seen in later times, precisely because it was still in its elementary forms, it was, I might say, clung to all the more vigorously.

[ 20 ] Und so sehen wir denn, als das 4. nachchristliche Jahrhundert beginnt, auf dem Boden von Italien eine Art von Schule, welche den Kampf gegen das alte Initiationsprinzip aufnimmt, welche überhaupt den Kampf aufnimmt gegen das Präparieren des einzelnen Menschen zur Initiation hin. Eine Schule sehen wir entstehen, welche alles das sammelt und sorgfältig registriert, was von den alten Initiationen überliefert ist. Diese Schule, die aus dem 3. in das 4. Jahrhundert noch herüberwächst, geht darauf aus, das römische Wesen selber zu verewigen, an die Stelle des unmittelbaren individuellen Strebens jedes einzelnen Menschen die historische Tradition zu setzen. Und in dieses römische Prinzip wächst nun das Christentum hinein. Verwischt werden sollte gerade von dieser Schule, die am Ausgangspunkte jenes Christentums steht, das erst etwa im 4. nachchristlichen Jahrhundert beginnt, verwischt werden sollte namentlich alles, was man innerhalb der alten Initiation immerhin noch hat finden können über das Wohnen des Christus in der Persönlichkeit des Jesus.

[ 20 ] And so, as the 4th century A.D. begins, we see emerging on Italian soil a kind of school that takes up the struggle against the ancient principle of initiation—indeed, that takes up the struggle against the very preparation of the individual for initiation. We see a school emerging that collects and carefully records everything that has been handed down from the ancient initiations. This school, which continues to develop from the third into the fourth century, aims to immortalize the Roman essence itself, to replace the immediate individual striving of each person with historical tradition. And Christianity now grows into this Roman principle. It was precisely this school—which stands at the starting point of that Christianity that did not begin until around the 4th century CE—that sought to obscure, in particular, everything that could still be found within the ancient initiation regarding the indwelling of Christ in the personality of Jesus.

[ 21 ] In dieser römischen Schule hatte man den Grundsatz: So etwas, wie es Ammonius Sakkas gelehrt hat, wie es Jamblichos gelehrt hat, darf nicht auf die Nachwelt kommen. — Geradeso wie man dazumal im breitesten Umfange darangegangen ist, die alten Tempel zu zerstören, die alten Altäre auszumerzen, zu vernichten, was vom alten Heidentum übriggeblieben war, so ging man in einer gewissen Weise geistig daran, alles, was die Auffindungsprinzipien der höheren Welt waren, auszulöschen. Und so setzte man, um ein Beispiel herauszugreifen, an die Stelle dessen, was man noch von Jamblichos und Ammonius Sakkas gewußt hatte: daß der einzelne Mensch sich hinaufentwickeln kann, um zu begreifen, wie der Christus im Leibe des Jesus Platz nimmt —, an die Stelle dessen setzte man das Dogma von der einen göttlichen Natur oder den zwei Naturen in der Persönlichkeit des Christus. Das Dogma sollte voll bewahrt werden, und die Einsicht, die Einsichtsmöglichkeit sollte verschüttet werden. Innerhalb des alten Rom ging die Umwandlung der alten Weisheitswege in die Dogmatik vor sich. Und man bemühte sich, alle Nachrichten, alles, was an das Alte erinnerte, möglichst zu zerstören, so daß von solchen Leuten wie Ammonius Sakkas, wie Jamblichos, nur die Namen geblieben sind. Von zahlreichen anderen, die als Weisheitslehrer in den südlichen Gegenden Europas waren, sind nicht einmal die Namen geblieben. So wie all die Altäre gestürzt worden sind, wie all die Tempel ausgerottet, bis auf den Boden verbrannt worden sind, so ist auch alte Weisheit ausgetilgt worden, so daß die Menschen heute nicht einmal ahnen, was in den ersten vier Jahrhunderten nach dem Mysterium von Golgatha noch im Süden Europas an Weisheit gelebt hat.

[ 21 ] This Roman school adhered to the principle: Nothing like what Ammonius Sakkas taught, or what Iamblichus taught, must be passed on to posterity. — Just as they had set about, on the broadest scale, destroying the ancient temples, eradicating the ancient altars, and annihilating what remained of the old paganism, so, in a certain sense, they set about spiritually to eradicate everything that constituted the principles of discovery of the higher world. And so, to take one example, in place of what was still known from Iamblichus and Ammonius Saccas—namely, that the individual human being can develop upward to comprehend how Christ takes his place in the body of Jesus—in place of that, the dogma of the single divine nature or the two natures in the person of Christ was substituted. The dogma was to be fully preserved, and the insight—the very possibility of insight—was to be buried. Within ancient Rome, the transformation of the ancient paths of wisdom into dogma was taking place. And efforts were made to destroy, as far as possible, all records—everything that reminded people of the past—so that of figures such as Ammonius Saccas and Iamblichus, only their names remain. Of the many others who were teachers of wisdom in the southern regions of Europe, not even their names have survived. Just as all the altars were toppled, just as all the temples were razed to the ground and burned to the ground, so too was ancient wisdom eradicated, so that people today have no idea what wisdom still lived on in southern Europe during the first four centuries after the Mystery of Golgotha.

[ 22 ] Von dem aber, was da vorgegangen ist, erreichte die Kunde doch immerhin auch die anderen Menschen, die sich für solche Dinge interessierten, die da sahen, wie allerdings in rasendem Tempo das alte Römertum zugrunde ging, wie das Christentum sich ausbreitete. Aber nachdem man das, was, ich möchte sagen, an glorreichem Empfang dem Mysterium von Golgatha bereitet worden war, ausgelöscht hatte, konnte man ja die Vereinigung des Christus mit dem Jesus nur noch in einem Dogma sehen, das dann durch die Konzilien mehr oder weniger abstrakt aus romanisch-römischem Geist heraus festgelegt worden ist. Ausgelöscht wurde die lebendige Weisheit, und die Abstraktion, die dann als Offenbarungsinhalt weiterwirkte, trat an ihre Stelle.

[ 22 ] But news of what had happened did, after all, reach the other people who were interested in such matters—those who saw how, at a breakneck pace, the old Roman world was crumbling and how Christianity was spreading. But after what I would call the glorious reception given to the Mystery of Golgotha had been eradicated, the union of Christ with Jesus could be seen only as a dogma, which was then defined more or less abstractly by the councils out of the Roman-Catholic spirit. The living wisdom was eradicated, and abstraction—which then continued to operate as the content of revelation—took its place.

[ 23 ] Die Geschichte von diesen Dingen ist ja wie ausgelöscht, aber dazumal, in den ersten christlichen Jahrhunderten, gab es zahlreiche Menschen, die sagten: Ja, es leben solche Eingeweihte, wie Jamblichos einer war. Das sind diejenigen, die von dem wirklichen Christentum erzählten. Für die ist der Christus der «Christus». Aber was haben die Römer immer mehr und mehr gemacht? Die Römer haben aus dem Christentum gemacht, was man nur «Die Galiläer» nennen kann. Das war eine Zeitlang, als das 3., 4. Jahrhundert begann, ein Ausdruck, der gebraucht wurde, um ein großes Mißverständnis zuzudecken. Als das Christentum immer weniger und weniger verstanden wurde, sprach man immer mehr und mehr von den Galiläern; immer weniger wußte man von dem Christus, immer mehr gab man auf die menschliche Persönlichkeit des «Galiläers».

[ 23 ] The history of these things has, as it were, been erased, but back then, in the early Christian centuries, there were many people who said: Yes, there are such initiates as Iamblichus was. These are the ones who spoke of true Christianity. For them, the Christ is “the Christ.” But what did the Romans do more and more? The Romans turned Christianity into what can only be called “the Galileans.” For a time, at the beginning of the 3rd and 4th centuries, this was a term used to cover up a great misunderstanding. As Christianity was understood less and less, people spoke more and more of the Galileans; the less people knew about the Christ, the more they focused on the human personality of the “Galilean.”

[ 24 ] Aus diesem geistigen Milieu heraus ist dann Julianas, der sogenannte Apostat, erwachsen, der noch vieles von Schülern des Jamblichos aufgenommen hat, der noch etwas davon wußte, daß ein geistiges Weltenall da ist, das herunterreicht bis in die einzelnen Naturdinge hinein. Von den Schülern des Jamblichos hat Julianus der Apostat noch gehört, wie bis in das einzelne Tier, in die einzelne Pflanze hinein die Kräfte wirken von den 360 himmlischen Mächten, den 72 Zwischenmächten, den planetarischen Mächten, den 42 irdischen Mächten. Man verstand in der damaligen Zeit noch so etwas, wie es sich wunderbar ausdrückt in einer Legende, die in bezug auf die Persönlichkeit des Plotin erzählt wird und die eine tiefe Bedeutung hat. Diese Legende lautet: Es gab schon viele, welche nicht mehr glauben wollten, daß jemand mit dem göttlichen Geist inspiriert sein könnte, und die sagten, daß jemand, der selber behauptet, er wisse etwas von der göttlich-geistigen Welt, von einem Dämon besessen sei. Deshalb wurde Plotin vor den ägyptischen Isistempel geschleppt, wo sich entscheiden sollte, welcher Dämon den Plotin von sich besessen gemacht hätte. Und als die ägyptischen Priester kamen, die noch eine Kenntnis von diesen Dingen hatten, und, vor dem Isisaltar, mit all den Kultushandlungen, die dazumal möglich waren, den Plotin prüften, siehe, da kam statt eines Dämons die Gottheit selbst zum Vorschein! — Es gab also in jenen Zeiten immerhin noch die Möglichkeit, wenigstens zuzugeben, daß man prüfen könne, ob irgend jemand in sich den guten Gott oder einen Dämon trüge.

[ 24 ] It was from this spiritual milieu that Julianus, the so-called Apostate, emerged; he had absorbed much from the disciples of Iamblichus and still knew something of the existence of a spiritual universe that extends down into the individual elements of nature. From the disciples of Iamblichus, Julian the Apostate had heard how the forces of the 360 heavenly powers, the 72 intermediate powers, the planetary powers, and the 42 earthly powers work their way down into every individual animal and every individual plant. People in those days still understood such things, as is wonderfully expressed in a legend told about Plotinus that carries profound significance. This legend goes as follows: There were already many who no longer wanted to believe that anyone could be inspired by the divine Spirit, and who claimed that anyone who asserted to know anything about the divine-spiritual world was possessed by a demon. For this reason, Plotinus was dragged before the Egyptian Temple of Isis, where it was to be determined which demon had possessed him. And when the Egyptian priests arrived—who still possessed knowledge of these matters—and tested Plotinus before the altar of Isis using all the ritual practices available at that time, behold, instead of a demon, the deity herself appeared! — So in those days, at least, there was still the possibility of acknowledging that one could test whether anyone harbored within themselves the good God or a demon.

[ 25 ] Von solchen Dingen hörte Julian der Apostat noch. Aber auf der anderen Seite klang in seinen Ohren auch noch so etwas wie jene Schrift, die viel in den ersten christlichen Jahrhunderten im Römerreich herumging und die man eine Predigt des Apostels Petrus nannte, die aber eine Fälschung war. In dieser Schrift wurde gesagt: Seht hin auf die gottlosen Hellenen, die sehen in jedem einzelnen Naturwesen ein Göttlich-Geistiges. Das ist gottlos, das dürft ihr nicht! Ihr dürft in der Natur, in dem Tier, in der Pflanze nicht irgend etwas Göttlich-Geistiges sehen, ihr dürft euch nicht erniedrigen zu dem Glauben, daß im Sonnengang oder im Mondengange irgend etwas Göttliches enthalten sei. — So klang es an Julianus den Apostaten heran, von der einen und von der anderen Seite her. Und er faßte eine tiefe Liebe zu dem Hellenentum. Er wurde zu der tragischen Persönlichkeit, welche in dem Sinne des Jamblichos über das Christentum reden wollte.

[ 25 ] Julian the Apostate still heard of such things. But on the other hand, something like that writing—which had circulated widely in the Roman Empire during the early Christian centuries and was called a sermon by the Apostle Peter, though it was a forgery—also rang in his ears. This text stated: “Look upon the godless Hellenes, who see something divine and spiritual in every single creature of nature. This is godless; you must not do this! You must not see anything divine or spiritual in nature, in animals, or in plants; you must not stoop to the belief that there is anything divine in the course of the sun or the moon.” — This is how it sounded to Julian the Apostate, coming from both sides. And he developed a deep love for Hellenism. He became the tragic figure who sought to speak about Christianity in the spirit of Iamblichus.

[ 26 ] Es ist gar nicht auszudenken, was etwa in Europa geschehen wäre, wenn nicht das Römertum, sondern das Christentum Julians des Apostaten gesiegt hätte, wenn gesiegt hätte sein Wille, die Initiationsschulen wiederum aufzubauen, so daß die Menschen selber hätten Einsicht nehmen können, wie der Christus in dem Jesus gewohnt hat und wie der Christus zu den anderen Volksgöttern stand. Julian Apostata wollte nicht die heidnischen Tempel zerstören. Er wollte sogar den Tempel zu Jerusalem, den Judentempel wieder herstellen. Er wollte die heidnischen Tempel wieder herstellen, und er nahm sich auch der Christen an. Nur eben Wahrheit wollte er haben. Er wurde vor allen Dingen durch jene Schule des alten Rom gestört, von der ich gesprochen habe, die das alte Initiationsprinzip auslöschen wollte und auch in Wirklichkeit ausgelöscht hat und die bloß die Traditionen, die registrierten alten Initiationsweisheiten an deren Stelle setzen wollte.

[ 26 ] It is impossible to imagine what might have happened in Europe, for example, if not Roman culture but the Christianity of Julian the Apostate had prevailed—if his desire to reestablish the schools of initiation had succeeded, so that people could have seen for themselves how Christ dwelt within Jesus and how Christ related to the gods of other peoples. Julian the Apostate did not want to destroy the pagan temples. He even wanted to restore the temple in Jerusalem, the Jewish temple. He wanted to restore the pagan temples, and he also took the Christians under his wing. He simply wanted the truth. Above all, he was disturbed by that school in ancient Rome I have spoken of—the one that sought to eradicate the ancient principle of initiation and, in fact, did eradicate it—and which sought merely to replace it with traditions, the recorded ancient wisdom of initiation.

[ 27 ] Und man wußte es ja einzurichten, daß Julian im richtigen Momente von einer persischen Lanze getroffen wurde. Dazumal fiel das Wort, das seither niemals, auch nicht von Ibsen verstanden worden ist, das aber aus der damaligen Tradition heraus verstanden werden kann: Leider nicht der Christus, der Galiläer hat gesiegt! — Denn in diesem Todes-, in diesem Sterbemomente stand vor Julian Apostatas prophetischem Blick die Aussicht, daß nun immer mehr und mehr die Anschauung von dem göttlichen Christus schwinden werde, und der «Galiläer», der nur aus dem Galiläerstamm heraus stammende Mensch, allmählich wie ein Gott verehrt werden wird. Die ganze Entwickelung, die dann immer weiter heraufkam, bis in der neueren Zeit, im 19. Jahrhundert, die Theologie den Christus in dem Jesus vollständig verloren hatte, sie sah, mit einem ungeheuren Seherblick dazumal, in seinem dreißigsten Lebensjahre, Julian der Apostat voraus. Apostat war er in bezug auf das, was eigentlich erst kam. Der Apostat war eigentlich ein Apostel in bezug auf das, was ein Erfassen des Mysteriums von Golgatha im Geiste war und wieder werden muß.

[ 27 ] And they managed to arrange it so that Julian was struck by a Persian lance at just the right moment. At that moment, the words were spoken—words that have never since been understood, not even by Ibsen, but which can be understood in the context of the tradition of that time: “Alas, it is not the Christ; the Galilean has triumphed!” — For in that moment of death, in that dying moment, the prophetic gaze of Julian the Apostate beheld the prospect that the vision of the divine Christ would now fade more and more, and that the “Galilean”—the man who was merely of Galilean descent—would gradually come to be worshiped as a god. The entire development that then continued to unfold, until in more recent times, in the 19th century, theology had completely lost the Christ in Jesus—Julian the Apostate foresaw this, with an immense visionary insight at that time, when he was thirty years old. He was an apostate in relation to what was actually yet to come. The Apostate was, in fact, an apostle with regard to what was—and must once again become—a spiritual grasp of the Mystery of Golgotha.

[ 28 ] Neuere geologische Schichten bedecken immer die alten, und man muß erst durch die neueren Schichten hindurch, wenn man zu den alten hinunterkommen will. Man möchte vielleicht nicht glauben, wie dick die Schichten sind, die historisch abgelagert sind im Menschenwerden. Denn, was sich da vom 4. Jahrhundert ab unter dem Einfluß des Romanismus als Schichten gelegt hat über die ersten Auffassungen des Mysteriums von Golgatha, das ist sehr dick. Aber wir müssen wiederum die Möglichkeit finden, durch ursprüngliche Geisteserkenntnisse diese Schichten zu durchdringen, um auch das Altehrwürdige, das als Geistiges ebenso hinweggefegt worden ist wie die alten heidnischen Altäre, wiederzufinden.

[ 28 ] Newer geological strata always cover the older ones, and one must first pass through the newer strata if one wishes to reach the older ones. One might find it hard to believe just how thick the layers are that have historically been deposited in the process of human development. For what has been laid down there since the 4th century under the influence of Romanism—as layers covering the earliest conceptions of the Mystery of Golgotha—is very thick. But we must once again find a way to penetrate these layers through original spiritual insights, in order to rediscover that which is time-honored—that which, as a spiritual reality, has been swept away just as the old pagan altars were.

[ 29 ] Die ägyptischen Priester haben noch konstatiert, daß Plotin nicht einen Teufel, einen Dämon, sondern einen Gott in sich trug. Im europäischen Westen konstatierte man aber, daß er jedenfalls einen Dämon in sich hatte. Lesen Sie die Dinge nach bis herauf zu der Rede von Brentano «Was für ein Philosoph manchmal Epoche macht», dann werden Sie finden: Die ägyptischen Tempelpriester konstatierten, daß in dem Plotin, in dem Philosophen des 3. nachchristlichen Jahrhunderts, nicht ein Dämon, sondern ein Gott lebte; Brentano konstatierte, daß nicht ein Gott, sondern ein Dämon in ihm lebte.

[ 29 ] The Egyptian priests further observed that Plotinus did not harbor a devil or a demon within himself, but rather a god. In Western Europe, however, it was observed that he certainly had a demon within him. If you read through the text up to Brentano’s essay “What Kind of Philosopher Sometimes Marks an Epoch,” you will find: The Egyptian temple priests observed that within Plotinus, the philosopher of the 3rd century A.D., there lived not a demon but a god; Brentano observed that there lived within him not a god but a demon.

[ 30 ] Und das ist es, was nun auch geschah im 19. Jahrhundert: daß die Götter für Dämonen und die Dämonen für Götter angesehen wurden, daß man nicht mehr unterscheiden konnte im Weltenall zwischen Göttern und Dämonen. Das aber lebt dann in dem Chaos unserer Zivilisation weiter.

[ 30 ] And that is precisely what happened in the 19th century: gods were regarded as demons and demons as gods, so that it was no longer possible to distinguish between gods and demons in the universe. But this continues to live on in the chaos of our civilization.

[ 31 ] Ja, es macht schon nachdenklich, wenn man diese Dinge sachgemäß ins Auge faßt. Ich wollte Ihnen nur ein Kapitel Geschichte heute vortragen, ganz objektiv, denn selbstverständlich mußte alles sein, was geschichtlich geworden ist. Aber auch das muß wiederum sein, daß, wenn es notwendig war, daß die Menschen ein gewisses Zeitalter hindurch über gewisse Dinge unaufgeklärt blieben, sie dann nachträglich wiederum aufgeklärt werden und diese Aufklärung auch wirklich entgegennehmen.

[ 31 ] Yes, it certainly gives one pause when one considers these things objectively. I just wanted to present a chapter of history to you today, completely objectively, because, of course, everything that has become history had to be that way. But it must also be the case that, if it was necessary for people to remain uninformed about certain things throughout a certain era, they will subsequently be enlightened about them and truly embrace that enlightenment.