Insight from Initiation
GA 227
27 August 1921, Penmaenmawr
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Insight from Initiation, tr. SOL
Die Erlebnisse zwischen dem Tode und einer neuen Geburt
Experiences Between Death and a New Birth
[ 1 ] Ich habe gestern zunächst damit begonnen, die Schlaferlebnisse des Menschen, wie sie gewissermaßen die Vorverkündigungen der Erlebnisse nach dem Tode sind, zu skizzieren. Diese Erlebnisse, die der Mensch im Schlafe durchmacht, liegen durchaus jenseits der sogenannten Schwelle, die wir ja öfters in diesen Tagen erwähnt haben. Und das, was ich zu schildern haben werde, sind wirkliche Erlebnisse eines jeden Menschen auch für den Schlaf, nur daß sie als Erlebnisse während des Erdenlebens nicht in das gewöhnliche Bewußtsein heraufkommen, sondern nur in die Imagination, Inspiration und Intuition. Aber wir dürfen deshalb durchaus nicht etwa glauben, daß diese Erlebnisse, obwohl sie nicht ins Bewußtsein eintreten, nicht da wären. Sie sind da. Der Mensch macht sie durch. Es ist so, wenn ich mich eines Bildes bedienen darf, wie wenn der Mensch mit verbundenen Augen durch ein Zimmer geführt wird: Er sieht die Dinge nicht, aber er muß gehen, muß die Anstrengungen des Gehens machen, er kann im Zimmer mancherlei erleben, das er nur nicht sieht. So ist gewissermaßen das, was ich gerade für die Zeit zwischen dem Einschlafen und Aufwachen zu schildern haben werde, für das Bewußtsein in Finsternis getaucht, weil das Bewußtsein dafür blind ist. Aber, wie gesagt, es wird vom Menschen durchaus durchlebt, durchgemacht, und es treten die Wirkungen des im Schlafe Erlebten während des Wachlebens durchaus ein. So daß wir dasjenige, was der Mensch vom Aufwachen bis zum Einschlafen durchmacht, nur richtig verstehen, wenn wir es ansehen als ein Zusammenwirken dessen, was als Nachwirkung des letzten Schlafes zusammenkommt mit demjenigen, was sich dann durch physischen Leib und Ätherleib während des Tages vollzieht.
[ 1 ] Yesterday I began by outlining human sleep experiences, which are, in a sense, foreshadowings of experiences after death. These experiences, which a person undergoes during sleep, lie entirely beyond the so-called threshold that we have mentioned so often these days. And what I am about to describe are real experiences that every human being has during sleep, except that, as experiences during earthly life, they do not rise into ordinary consciousness but only into the imagination, inspiration, and intuition. But we must by no means believe that these experiences—even though they do not enter consciousness—do not exist. They are there. A person goes through them. It is, if I may use an analogy, as if a person were being led through a room while blindfolded: they do not see things, but they must walk, must make the effort to walk; they can experience all sorts of things in the room that they simply do not see. In a sense, this is what I am about to describe regarding the time between falling asleep and waking up: for consciousness, it is shrouded in darkness because consciousness is blind to it. But, as I said, it is certainly lived through and experienced by the person, and the effects of what is experienced during sleep certainly manifest themselves during waking life. Thus, we can only truly understand what a person goes through from waking until falling asleep if we view it as an interplay between what arises as the aftereffects of the previous sleep and what then takes place through the physical body and the etheric body during the day.
[ 2 ] Wenn der Mensch nun einschläft, dann kommt über ihn zunächst eine Art unbestimmter Angst. Diese Angst wird im gewöhnlichen Erdenleben eben nicht ins Bewußtsein heraufgehoben, nicht vorgestellt, aber sie ist als Vorgang im menschlichen Astralleib und im menschlichen Ich vorhanden, und der Mensch trägt die Folgen seiner Angst während des Schlafes durchaus in den Tageszustand mit herüber. Würde er nicht diese Angst mit herübertragen, würde diese Angst nicht als Kraft während des wachen Lebens im physischen und im Ätherleib wirken, dann würde der Mensch nicht in der Lage sein, seine physische Konstitution zusammenzuhalten, so zusammenzuhalten, daß sie zum Beispiel in der richtigen Weise Salze und ähnliche Stoffe absondert. Die Absonderung, die für den Organismus notwendig ist, die ist durchaus eine Wirkung der unterbewußten Angst während des Schlaflebens. Wir treten also ein, indem wir einschlafen, zunächst in eine Sphäre, ich möchte sagen, der Ängstlichkeit.
[ 2 ] When a person falls asleep, a kind of vague fear first comes over them. This fear is not brought up into consciousness in ordinary earthly life, nor is it imagined, but it exists as a process in the human astral body and in the human “I,” and a person certainly carries the consequences of this fear from sleep into the waking state. If they did not carry this anxiety over with them, if this anxiety did not act as a force during waking life in the physical and etheric bodies, then the person would not be able to maintain their physical constitution—to maintain it in such a way that, for example, it secretes salts and similar substances properly. The secretion that is necessary for the organism is entirely an effect of subconscious anxiety during sleep. Thus, when we fall asleep, we first enter a sphere—I would say—of anxiety.
[ 3 ] Dann tritt ein Zustand der Seele ein, der so ist wie ein fortwährendes Hinüber- und Herüberschwingen von einem innerlich beruhigten und einem innerlich unberuhigten Zustande, ein Hinüber- und Herüberschwingen so, daß der Mensch in jedem Augenblicke, wenn er bewußt diesen Zustand durchleben würde, glauben könnte, daß er in eine Art von Ohnmacht versinkt und dann wiederum aus dieser Ohnmacht erwacht. Also ein Herüberpendeln zwischen Sich-Halten und Ohnmächtigsein, das ist es, was die Angst durchsetzt.
[ 3 ] Then a state of mind sets in that is like a constant oscillation back and forth between a state of inner calm and a state of inner unrest—an oscillation such that, were a person to consciously experience this state at every moment, they might believe that they were sinking into a kind of powerlessness and then awakening from it again. In other words, a swinging back and forth between holding oneself together and being powerless—that is what permeates anxiety.
[ 4 ] Und das dritte ist das Gefühl, vor einem Abgrunde zu stehen, keinen Boden unter den Füßen zu haben und in jedem Momente versinken zu können.
[ 4 ] And the third is the feeling of standing on the edge of an abyss, of having no ground beneath your feet, and of being able to sink at any moment.
[ 5 ] Sie sehen, daß schon hier im Momente, wo der Mensch einschläft, die Dinge beginnen, im Weltenall aus dem Physischen sich herauszuheben und in das Moralische unterzutauchen. Denn der zweite Zustand, in den wir da schlafend eintauchen, läßt sich eigentlich nur beurteilen, wenn wir kosmisch-moralische Gesetze gleich den auf der Erde sonst wirksamen naturalistischen Gesetzen anerkennen, wenn wir sie mit derselben Sicherheit, wie wir uns sagen, ein Stein fällt zur Erde, oder die Dampfmaschine wird durch den Dampf vorwärtsgetrieben, wenn wir sie mit derselben Realität empfinden. Doch wird der Mensch in seinem gegenwärtigen Erdenleben, weil er eben in diesem nur einen bestimmten Grad von Stärke hat, durch die gütige Weltenlenkung davor behütet, jetzt schon im Erdenleben mit.seinem vollen Bewußtsein dasjenige zu erleben, was er eigentlich unbewußt jede Nacht durchmacht.
[ 5 ] You see that even here, at the very moment when a person falls asleep, things begin to rise out of the physical realm and plunge into the moral realm within the universe. For the second state into which we enter when we sleep can really only be understood if we acknowledge cosmic-moral laws just as we acknowledge the natural laws that otherwise operate on Earth—if we perceive them with the same certainty with which we say that a stone falls to the ground or that a steam engine is propelled forward by steam—if we perceive them with the same sense of reality. Yet in his present earthly life—precisely because he possesses only a certain degree of strength in this life—humanity is protected by the benevolent guidance of the universe from experiencing, even now in this earthly existence and with full consciousness, what he actually undergoes unconsciously every night.
[ 6 ] Es ist eben durchaus im Kosmos so eingerichtet, daß auch diejenigen Dinge, die uns in höchster Schönheit entgegenstrahlen, in herrlichstem Glanze, ruhen müssen auf Schmerz, Leid, Entbehrung; und gewissermaßen im Hintergrunde von all dem, was im Vordergrunde schön erscheint, steht eben Schmerz, Entbehrung. Das ist so notwendig im Weltenall, wie notwendig ist, wenn wir ein Dreieck aufzeichnen, daß die Winkelsumme 180 Grad ist. Und der ist eigentlich einfältig, welcher demgegenüber die Frage stellt: Warum haben die Götter den Kosmos nicht so eingerichtet, daß er nur zum menschlichen Wohlgefallen erscheint? Das Sein wirkt eben Notwendigkeiten. Das wurde ja schon empfunden zum Beispiel innerhalb der ägyptischen Mysterienlehre, welche das bewußte Wahrnehmen desjenigen, was da im Schlaf auftrat, der Angst des Hin- und Herschwingens zwischen Sich-Halten und Ohnmächtigsein, des Vor-dem-Abgrunde-Stehens, die Welt der drei ehernen Notwendigkeiten nannte. Die ägyptische Mysterienlehre, die aus alter instinktiver Hellseherkunst heraus von solchen Dingen noch wußte, hat daher gesagt: Wenn der Mensch bewußt in diejenige Welt eintritt, in die er jede Nacht während des Schlafes unbewußt eintritt, so muß er in die Sphäre der drei ehernen Notwendigkeiten getaucht werden.
[ 6 ] It is simply the way of the cosmos that even those things that shine upon us with the utmost beauty, in the most magnificent splendor, must be founded on pain, suffering, and deprivation; and, in a sense, behind everything that appears beautiful in the foreground lie pain and deprivation. This is as necessary in the universe as it is necessary, when we draw a triangle, for the sum of its angles to be 180 degrees. And anyone who asks the question in response—Why did the gods not arrange the cosmos so that it appears solely for human pleasure?—is actually naive. Existence itself brings about necessities. This was already sensed, for example, within the Egyptian mystery teachings, which referred to the conscious perception of what occurred during sleep—the fear of oscillating between self-control and powerlessness, of standing on the brink of the abyss—as the world of the three iron necessities. The Egyptian mystery teachings, which—drawing on ancient, instinctive clairvoyant arts—still knew of such things, therefore stated: When a person consciously enters the world into which they unconsciously enter every night during sleep, they must be immersed in the sphere of the three ironclad necessities.
[ 7 ] Was da der Mensch erlebt, erzeugt nun in ihm wiederum unbewußt eine tiefe Sehnsucht, die Sehnsucht nach dem Gösttlichen, das er dann erlebt als ausfüllend, durchdringend, penetrierend den ganzen Kosmos, wie er ihn jetzt erlebt, denn der Kosmos selber löst sich auf in eine Art von schwebenden, webenden, sich bewegenden Wolkengebilden, könnte man sagen, in denen man drinnen lebt, in denen man in jedem Augenblicke lebend sich fühlen könnte, aber ebensogut in jedem Augenblicke in diesem ganzen Weben und Leben untergehen könnte. Da fühlt der Mensch sein Verwobensein mit dem die Welt durchwebenden, durchwellenden, durchbewegenden Göttlichen. Und jenes pantheistische Gottesgefühl, das bei jedem gesunden Menschen auftritt während des wachen Tageslebens, ist eine Nachwirkung, eine Konsequenz desjenigen, was unbewußt im Schlafe als dieses pantheistische Gottesgefühl erlebt wird. Und der Mensch empfindet tatsächlich da seine Seele angefüllt mit einer, man möchte sagen, aus Angst und Ohnmacht heraus geborenen inneren, eben unbewußten Überzeugung, aber zu gleicher Zeit mit demjenigen, was ihm statt des äußeren Schwerpunktes der physischen Wirkungen einen inneren Schwerpunkt gibt.
[ 7 ] What a person experiences there in turn unconsciously gives rise within them to a deep longing—a longing for the Divine—which they then experience as filling, permeating, and penetrating the entire cosmos as they now perceive it, for the cosmos itself dissolves into a kind of floating, weaving, moving cloud-like formations—one might say—in which one lives, in which one could feel alive at every moment, but just as easily could be lost at any moment in all this weaving and life. There, the human being feels his or her interwoven-ness with the Divine that weaves through, ripples through, and moves through the world. And that pantheistic sense of God, which arises in every healthy person during waking daily life, is an aftereffect, a consequence of what is unconsciously experienced in sleep as this pantheistic sense of God. And there, in fact, a person feels their soul filled with an inner, unconscious conviction—one might say born of fear and powerlessness—but at the same time with that which gives them an inner center of gravity in place of the external center of gravity of physical effects.
[ 8 ] Innerhalb der rosenkreuzerischen Geheimlehre wurde dasjenige, was da den Menschen überkommt, wenn er in die Sphäre der drei ehernen Notwendigkeiten untertaucht, zum Ausdrucke gebracht. Es wurde den Schülern gedeutet, was sie eigentlich nach dem Einschlafen unmittelbar erleben. Es wurde ihnen zum Bewußtsein gebracht: Da versinken eure Tageserlebnisse in sich bewegende, aber Wesenhaftes offenbarende, schwebende Wolkengebilde. Ihr selbst werdet verwoben mit diesen Wolkengebilden, in Angst und Ohnmachtmöglichkeit in ihnen stehend über einem Abgrunde. Aber ihr habt dasjenige gefunden, was ihr euch jetzt in drei Worten zum Bewußtsein bringen sollt, die eure ganze Seele durchweben sollen: Ex Deo nascimur.
[ 8 ] Within the Rosicrucian esoteric teachings, what befalls a person when they enter the sphere of the three iron necessities was articulated. It was explained to the students what they actually experience immediately after falling asleep. They were made aware of the following: There, your daily experiences sink into moving, yet ethereal, floating cloud formations that reveal the essence of things. You yourselves become interwoven with these cloud formations, standing within them above an abyss, in a state of fear and potential powerlessness. But you have found that which you must now bring to your consciousness in three words, words that are to permeate your entire soul: Ex Deo nascimur.
[ 9 ] Dieses bei dem gewöhnlichen Bewußtsein unbestimmte, bei den Schülern der neuen Mysterien ins Bewußtsein heraufgehobene Ex Deo nascimur, das ist dasjenige, was der Mensch zunächst erlebt, wenn er aus dem wachenden Zustande hinüberkommt in den schlafenden Zustand.
[ 9 ] This “Ex Deo nascimur,” which remains undefined in ordinary consciousness but is brought into consciousness by the initiates of the new mysteries, is what a person first experiences when they pass from the waking state into the sleeping state.
[ 10 ] Wir werden im weiteren Verlauf dieser Vorträge sehen, wie dieses Ex Deo nascimur zu gleicher Zeit in der Weltentwickelung der Menschheit eine historische Rolle spielt. Die Rolle aber, die ich Ihnen hier schildere, ist die persönliche, individuelle, die es im Leben jedes einzelnen Menschen hier im Erdendasein spielt.
[ 10 ] As these lectures proceed, we will see how this Ex Deo nascimur simultaneously plays a historical role in the development of humanity. However, the role I am describing to you here is the personal, individual one that it plays in the life of every single human being here on Earth.
[ 11 ] Wenn dann der Mensch weiterschläft, dann tritt zunächst dasjenige ein, daß der gewohnte Anblick, den er hier von der Erde aus für den Kosmos hat, aufhört; während der Mensch hier auf der Erde steht, nächtlich die Sterne hat, die herunterglänzen und herunterleuchten, den Mond hat, tags die Sonne hat, deren Wirkungen in seine Sinne fallen, sieht er in einem gewissen Zeitpunkte des Schlafens wie verschwinden diese ganze Sternenwelt. Die Sterne hören auf, physische Wesen zu sein. Aber da, wo die Sterne für den Sinnesanblick physische Wesen waren, da treten gewissermaßen aus der Sternenstrahlung heraus — die Sternstrahlung selber verschwindet — die Sternengenien, die Sternengeister, die Sternengötter. Und der Kosmos verwandelt sich in dasjenige, was dann für die bewußte Inspiration wahrnehmbar ist, in ein sprechendes Weltenall, in ein Weltenall, das sich durch die Sphärenmusik und durch das Weltenwort kundgibt. Geistlebende Wesen bilden den Kosmos, statt des Sinnenkosmos, der hier vom Gesichtspunkte der Erde aus gesehen werden kann.
[ 11 ] When a person continues to sleep, the first thing that happens is that the familiar view of the cosmos that they have here on Earth ceases; while a person standing here on Earth sees the stars shining and glowing down at night, sees the moon, and during the day sees the sun, whose effects are perceived by the senses—at a certain point during sleep, they see this entire world of stars as if it were disappearing. The stars cease to be physical entities. But where the stars were physical entities to the senses, the star spirits—the spirits of the stars, the gods of the stars—emerge, as it were, from the starlight—the starlight itself disappears. And the cosmos transforms into that which is then perceptible to conscious inspiration—into a speaking universe, a universe that reveals itself through the music of the spheres and through the Word of the World. Spirit-living beings constitute the cosmos, in place of the sensory cosmos that can be seen here from the Earth’s perspective.
[ 12 ] Hier geht der Mensch so durch, daß er, wenn er das, was er erlebt, sich zum Bewußtsein bringen könnte, in der Tat so empfinden würde, wie wenn die Welt zu dem, was er ist als Menschenwesen durch seine guten, durch seine bösen Taten, von allen Seiten des Geistesalls herunter das Urteil spräche. Der Mensch fühlt sich da auch in seinem Menschenwert als eins mit dem Kosmos.
[ 12 ] Here, a person passes through in such a way that, if they could bring what they are experiencing to consciousness, they would indeed feel as if the world were passing judgment on them—as a human being shaped by their good and evil deeds—from every corner of the spiritual realm. In this way, a person also feels at one with the cosmos in terms of their human worth.
[ 13 ] Aber zunächst ist das, was ihn befällt — wenn er es bewußt erleben könnte, wie es die Inspiration erlebt, würde er das merken —, es ist verwirrend. Der Mensch braucht einen Führer. Im gegenwärtigen Zeitalter der Menschheitsentwickelung tritt dieser Führer ein, wenn der Mensch in diesem Erdenleben in seiner Seele, in seinem Herzen die Beziehungen zu dem Mysterium von Golgatha gewoben hat, wenn er innerhalb des Erdenlebens sein Verhältnis gewonnen hat zu dem Christus, der als Jesus durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist. Und das Gefühl, das da den Menschen im unmittelbar gegenwärtigen Zeitalter erfaßt — welche Gefühle den Menschen in anderen Zeitaltern erfaßt haben, davon will ich dann morgen sprechen —, das Gefühl, das den Menschen im gegenwärtigen Zeitalter erfaßt, ist dasjenige, daß seine verwirrte Seele sich auflösen müßte in der Sphäre, die er jetzt betritt, wenn das Wesen, das in seine Vorstellungen, in seine Gefühle, in seine herzlichen Impulse sich eingelebt hat, wenn das Christus-Wesen nicht in dieser Sphäre ihm der Führer würde.
[ 13 ] But at first, what comes over him—if he could experience it consciously, as inspiration experiences it, he would realize this—is confusing. Human beings need a guide. In the present age of human development, this guide steps forward when a person, in this earthly life, has woven connections in their soul and in their heart to the Mystery of Golgotha; when, within this earthly life, they have established a relationship with the Christ who, as Jesus, passed through the Mystery of Golgotha. And the feeling that seizes people in the present age—I will speak tomorrow about the feelings that have seized people in other ages— the feeling that grips people in the present age is that their bewildered soul would have to dissolve into the sphere they are now entering, were it not for the Christ-being—who has taken root in their thoughts, feelings, and heartfelt impulses—to serve as their guide in this sphere.
[ 14 ] Und es ist wiederum so, daß das Gefühl des herannahenden Christus, der der Führer wird, und den man sich vorzustellen hat in dieser Sphäre als ebenso zusammenhängend mit dem Sonnenleben, wie der Mensch selbst mit dem Erdenleben zusammenhängt, daß dieses Herannahen des Christus so empfunden wird, wie es wiederum eine mittelalterliche Schule, eine mittelalterliche Mysterienschule ihren Schülern wachend vor die Seele geführt hat in dem: In Christo morimur. Denn es ist das Gefühl, daß die Seele ersterben müßte, wenn sie nicht in Christus erstürbe, und dadurch für sie der Seelentod zum kosmischen Leben würde.
[ 14 ] span>And it is also the case that the sense of Christ’s approach—who becomes the guide, and whom one must imagine in this sphere as being just as intimately connected to the life of the Sun as human beings themselves are to life on Earth—that this approach of Christ is perceived in the same way that a medieval school, a medieval mystery school, once brought it vividly before the souls of its students in the words: In Christo morimur. For it is the feeling that the soul would have to die first if it did not die in Christ, and thereby the death of the soul would become cosmic life for it.
[ 15 ] Und so lebt sich der Mensch in den Schlaf hinein und durch den Schlaf durch. Und indem er die kosmischen Sterne als Wesenhaftes wahrgenommen hat, indem er in dieser ihm ungewohnten Umgebung war, tritt in ihm nun die Sehnsucht auf, weil er mit Bewußtsein nicht erwachen kann in dieser Sphäre, wiederum in die Sphäre des Bewußtseins zurückzugelangen. Das ist dann der Grund des Aufwachens. Das ist die Kraft, die uns aufwachen macht. Und man hat die Empfindung, die wiederum nur nicht zum Bewußtsein kommt, daß man durch das, was man aus den Sternen gesogen hat, eigentlich aus den Sternenwesen, den Sternengöttern gesogen hat, daß man dadurch nicht geistlos aufwacht, sondern den Geist, der in der Seele wohnt, mitbringt in das körperliche Dasein des Tages.
[ 15 ] And so a person drifts into sleep and lives through it. And because they have perceived the cosmic stars as beings, because they were in this unfamiliar environment, a longing now arises within them—since they cannot awaken with consciousness in this sphere—to return once more to the sphere of consciousness. That is the reason for waking up. That is the force that causes us to wake up. And one has the sensation—which, again, does not reach consciousness—that through what one has drawn from the stars, actually from the star beings, the star gods, one does not awaken spiritless, but rather brings the spirit that dwells in the soul with one into the physical existence of the day.
[ 16 ] Dieses Gefühl, das das dritte Glied der nächtlichen Erlebnisse bildet im persönlichen Erleben des Menschen im Erdendasein, das wurde wiederum in einer mittelalterlichen Mysterienschule den Schülern zum Bewußtsein gebracht in dem dritten Spruche: Per Spiritum Sanctum reviviscimus.
[ 16 ] This feeling, which constitutes the third link in the chain of nocturnal experiences in a person’s personal life on Earth, was in turn brought to the students’ awareness in a medieval mystery school through the third saying: Per Spiritum Sanctum reviviscimus.
[ 17 ] So daß dieses dreigliedrige Durchleben der geistigen Welt jenseits des Hüters der Schwelle, der eben nur vom gegenwärtigen Menschen ignoriert wird, als drei Schritte zu empfinden ist, die zu gleicher Zeit dasjenige in die menschliche Seele einprägen, was man im wahren Sinne die Trinität nennen kann, welche das geistige
[ 17 ] Thus, this threefold experience of the spiritual world beyond the Keeper of the Threshold—which is simply ignored by modern humanity—can be understood as three steps that simultaneously imprint upon the human soul what can truly be called the Trinity, which is the spiritual
[ 18 ] Leben durchtränkt und durchwebt und durchlebt. Was ich Ihnen hier geschildert habe, erlebt der Mensch allnächtlich im Bilde. Und in dieses Bild weben sich die Erlebnisse hinein, die er während des Tages durchgemacht hat, rückwärtsgehend. Geradeso wie wir unsere Erlebnisse hier auf der Erde verwoben in die Ereignisse der Naturvorgänge während unseres Wachens auf Erden finden, so finden wir während dieses Rückwärtserlebens während der Nacht dasjenige, was wir wiederholen, rückwärtsgehend, verwoben in die Erinnerungen der Sternenwelt. Aber all das ist zunächst Bild.
[ 18 ] Life is permeated, interwoven, and lived through. What I have described to you here is what a person experiences every night in a dream. And the experiences they have gone through during the day are woven into this dream, moving backward in time. Just as we find our experiences here on Earth interwoven into the events of natural processes during our waking hours on Earth, so too, during this backward reliving at night, we find what we are re-enacting—moving backward—interwoven into the memories of the world of the stars. But all of this is, for the time being, a vision.
[ 19 ] Realisieren kann es sich erst, nachdem der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist. Hier auf dieser Erde ist es, rückwarts erlebt, Bild. Realisiert wird es, wenn wir jene Rückschau, die ich gestern geschildert habe, nach drei, vier Tagen vollendet haben und nun in Wirklichkeit, nicht bloß bildhaft, wie es jede Nacht geschieht, in die geistige Welt eintreten.
[ 19 ] It can only be realized after a person has passed through the gate of death. Here on this earth, experienced in retrospect, it is a vision. It is realized when, after three or four days, we have completed that retrospective review I described yesterday and now enter the spiritual world in reality—not merely as an image, as happens every night.
[ 20 ] Wenn man die Vorgänge, die nun der Mensch bewußt durchlebt, nachdem er durch die Pforte des Todes gegangen ist, sich richtig verständnisvoll vor die Seele rücken will, so muß man das folgende berücksichtigen. Die Götter, das heißt die geistigen Wesen, welchen wir begegnen — ich möchte sagen aus den verwandelten, metamorphosierten Sternen —, die leben in einer ganz anderen kosmischen Richtung als wir Erdenmenschen während unseres Erdendaseins. Ich sage damit eine sehr bedeutsame Wahrheit über die geistigen Welten, eine Wahrheit, die nur gewöhnlich selbst da, wo mehr theoretisch und weniger anschaulich von den geistigen Welten die Rede ist, nicht berücksichtigt wird. Wir Erdenmenschen tragen in unserem Erdendasein dann, wenn wir bewußt sind, einen physischen und einen ätherischen Leib an uns. Dieser physische und dieser ätherische Leib sind so eingerichtet, daß wir unser Erleben so haben, daß wir von dem Früheren zu dem Späteren leben, daß wir uns also in der Zeit in einer gewissen Strömung befinden. Ich will diese Strömung mit einer roten Pfeillinie bezeichnen (siehe Schema a). Das ist die Eigentümlichkeit unseres physischen und Ätherleibes, daß sie im Kosmos diese Richtung haben (roter Pfeil von links nach rechts). Wenn dieses (siehe Schema b) unser physischer Leib ist (Kreis rot) und dieses unser Ätherleib (Kreis gelb), so bewegen sich physischer Leib und Ätherleib in dieser Richtung (Pfeil b von links nach rechts). Und unser ganzes Erleben in der Welt geschieht, sofern wir Menschenwesen sind, in dieser Richtung.
[ 20 ] If one wishes to truly and comprehensively bring to mind the processes that a human being consciously experiences after passing through the gate of death, one must take the following into account. The gods—that is, the spiritual beings we encounter—I would say from the transformed, metamorphosed stars—live in a completely different cosmic direction than we earthlings do during our earthly existence. In saying this, I am stating a very significant truth about the spiritual worlds—a truth that is usually overlooked, even when discussions of the spiritual worlds are more theoretical and less concrete. We earthly human beings, during our earthly existence and when we are conscious, possess a physical body and an etheric body. These physical and etheric bodies are structured in such a way that our experience unfolds from the earlier to the later, meaning that we are thus situated within a certain flow of time. I will indicate this flow with a red arrow (see diagram a). This is the characteristic of our physical and etheric bodies: they have this direction in the cosmos (red arrow from left to right). If this (see diagram b) is our physical body (red circle) and this is our etheric body (yellow circle), then the physical body and the etheric body move in this direction (arrow b from left to right). And our entire experience of the world, insofar as we are human beings, takes place in this direction.


[ 21 ] Diejenigen Wesenheiten, denen wir begegnen, wenn wir in das Dasein hinaufrücken zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, wo wir das Erleben realisieren, was wir hier während des Schlafes im Bilde erleben, bewegen sich in der entgegengesetzten Richtung. Sie kommen uns fortwährend entgegen. So daß im Verhältnis zu dem, was wir im Erdenleben die Zeit nennen, wir sagen müssen: Die Götter tragen Geistleiber an sich, meinetwillen Lichtleiber, mit denen sie sich aber von der fernsten Zukunft gegen die Vergangenheit hinbewegen. So daß also die Götter sich in dieser Richtung bewegen (Pfeil von rechts nach links, Schema C).
[ 21 ] The beings we encounter as we ascend into existence between death and a new birth—where we experience what we experience here in images during sleep—move in the opposite direction. They are constantly coming toward us. So, in relation to what we call “time” in earthly life, we must say: The gods possess spiritual bodies—or, for my part, bodies of light—with which, however, they move from the most distant future toward the past. Thus, the gods move in this direction (arrow from right to left, Diagram C).


[ 22 ] Und wenn wir in die Zeit eintreten, die wir verbringen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, so nehmen wir ebenso, wie wir hier auf Erden aus den physischen Substanzen unseren physischen Leib annehmen, beim Durchgange durch die Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt die göttlichen Leiber an. Wir umkleiden uns da mit den göttlichen Leibern; wir umkleiden uns da mit dem göttlichen Leibe desjenigen, was ich in meiner «Theosophie» den Geistesmenschen und den Lebensgeist genannt habe. So daß also wir selber, indem wir durch die Pforte des Todes treten, anlegen einen Lebensgeist (weiß) und einen Geistesmenschen (grün), aber dadurch die umgekehrte Richtung im Weltenall bekommen und nach dem Tode zunächst unser Leben zurückleben bis zu der Geburt, beziehungsweise bis zur Empfängnis hin.
[ 22 ] And when we enter the period we spend between death and a new birth, just as we take on our physical body here on Earth from physical substances, so too do we take on divine bodies as we pass through the time between death and a new birth. There we clothe ourselves in the divine bodies; there we clothe ourselves in the divine body of that which I have called in my Theosophy the “spiritual human being” and the “spirit of life.” Thus, as we ourselves pass through the gate of death, we don a Life Spirit (white) and a Spiritual Man (green), but thereby take the opposite direction in the cosmos and, after death, initially relive our lives back to the birth, or rather, to the moment of conception.


[ 23 ] Wir sind also im Leben hier auf Erden von der Geburt oder Empfängnis gegangen — wenn ich dasjenige, was gerade verläuft, nun als Kreis zeichne, um uns die Sache zu verdeutlichen —, wir sind gegangen während unseres Erdendaseins in dieser Richtung (obere Hälfte des Kreises) und gehen nach dem Erdendasein in dieser Richtung zurück (untere Hälfte des Kreises) bis zu unserem zeitlichen Geburts- oder Empfängnisorte. Geradeso wie wenn wir von unserer Heimat einen Ausgang machen, uns zu irgendeinem Orte hinbegeben und wiederum zurückgehen, wir dann im Raume gewissermaßen einen Umkreis beschreiben, so beschreiben wir der Zeit nach — denn in dieser Welt, in die wir eintreten, ist kein Raum mehr, ist aber die Zeit noch vorhanden — einen Hin- und Hergang, so daß wir hingehen zwischen Geburt und Tod, und zunächst, nachdem wir zwischen Geburt und Tod das durchgemacht haben, rückwärtsgehend durchlaufen die nächtlichen Erdenerlebnisse als geistige Realitäten, bis wir zu unserem Ausgangszeitorte wieder zurückkommen. Wir haben den ersten Umkreis vollendet von denjenigen Umkreisen, die wir nach dem Tode zu vollenden haben. Sehen Sie, von diesen Umkreisen im Leben, im Gesamtleben, wird heute in der materialistisch denkenden Zeit wenig gesprochen, und wir müssen schon in der Menschheitsentwickelung auf Erden etwas zurückgehen, wenn wir auf eine Sprache auftreffen wollen, die wirklich entspricht diesen wahren Vorgängen des Menschenlebens. Wenn wir zurückgehen in die orientalische Weisheit, die aus einer nicht so bewußten Einsicht, wie wir es wieder können, sondern aus einem etwas traumhafteren Hellsehen heraus diese Dinge erkannte, so treffen wir innerhalb der orientalisch-indischen Weisheit auf einen wunderbaren Ausdruck. Und wir merken, daß dieser wunderbare Ausdruck entstammt der Einsicht, die wir uns heute wiederum erwerben können, wenn wir wirklich verständnisvoll die Schwelle überschreiten, an dem Hüter der Schwelle bewußt vorbeigehen und bewußt in die geistige Welt eintreten.
[ 23 ] So, in our life here on Earth, we have come from birth or conception—if I were to draw a circle to illustrate this— we have moved in this direction during our earthly existence (upper half of the circle) and, after our earthly existence, we return in this direction (lower half of the circle) to the place of our temporal birth or conception. Just as when we set out from our home, go to some place, and then return, we then, so to speak, describe a circular path in space, so, in terms of time—for in this world into which we enter, there is no longer any space, but time still exists—we describe a back-and-forth journey, so that we travel between birth and death, and initially, after having gone through this between birth and death, we retrace our steps through the nocturnal earthly experiences as spiritual realities until we return to our point of departure. We have completed the first cycle of those cycles we must complete after death. You see, in this age of materialistic thinking, little is said today about these cycles in life, in the totality of life, and we must go back some way in the development of humanity on Earth if we are to find a language that truly corresponds to these genuine processes of human life. If we go back to Eastern wisdom—which recognized these things not through the kind of conscious insight we are capable of today, but rather through a somewhat dreamlike form of clairvoyance—we encounter a wonderful expression within Eastern-Indian wisdom. And we realize that this wonderful expression stems from the insight that we can once again acquire today if we truly cross the threshold with understanding, consciously pass by the Guardian of the Threshold, and consciously enter the spiritual world.
[ 24 ] Wird aus irgendwelchen Theorien, die aus dem Verstande heraus wenigstens halb konstruiert sind, die geistige Welt geschildert, so wird sie auch so geschildert, wie die materialistische Vorstellung sich ungefähr das Weltenall vorstellt, daß der Mensch lebt: Mit der Geburt beginnt er, dann wird er ein Kind, ein Jüngling oder eine Jungfrau, älter, dann geht es bis zum Tode, dann geht es weiter, weiter, weiter, und man zieht so eine Linie, an deren Ende man natürlich nicht kommt, selbstverständlich nicht. Denn jeder, der die Initiation kennt, der weiß, daß es einfach ein Unsinn ist, von diesem Ende zu sprechen, denn diesen Weg bis zum Ende gibt es gar nicht. Es gibt die in sich selber zurückkehrenden Wege. Und der wunderbare Ausdruck, mit dem einstmals die orientalischen Initiierten diese Tatsache benannt haben, der heißt das «Rad der Geburten».
[ 24 ] If the spiritual world is described on the basis of theories that are at least partly constructed by the intellect, it is depicted in much the same way that the materialistic conception imagines the universe in which human beings live: It begins with birth; then one becomes a child, a youth, or a maiden; grows older; then the journey continues until death; then it goes on, on, on—and one draws a line like this, the end of which, of course, one never reaches—not at all. For anyone familiar with initiation knows that it is simply nonsense to speak of this “end,” because this path does not exist all the way to the end. There are paths that return to themselves. And the wonderful expression with which the Eastern initiates once described this fact is called the “Wheel of Births.”
[ 25 ] Von diesem «Rad der Geburten» wird ja viel gesprochen, aber es wird heutzutage wenig auf die Realität hingewiesen. Wir haben in der Tat das erste Rad der Geburten absolviert, wenn wir am Ende unserer Sternenwanderung ankommen, die wir in einem Drittel des Gesamtlebens zurücklegen, das heißt in so viel Zeit, als wir zum Schlafen während der Erdenzeit gebraucht haben. Wir haben dann das erste Rad der Geburten zurückgelegt und wir können dann harren in dem Leben, das wir durchleben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, der Umkreise der weiteren Räder der Geburten.
[ 25 ] There is, of course, much talk about this “Wheel of Births,” but little attention is paid to its reality these days. We have, in fact, completed the first wheel of births when we reach the end of our stellar journey, which we cover in one-third of our total life—that is, in as much time as we spent sleeping during our time on Earth. We have then completed the first wheel of births, and we can then wait in the life we experience between death and a new birth—the cycles of the subsequent wheels of births.
[ 26 ] So ist es, wenn man wiederum mit jenem Erwachen, das für die menschliche Erkenntnis eintritt durch Imagination, Inspiration und Intuition, in jene Welten eindringt, die hinter dem Schleier der sinnlichen Welt liegen, für diejenige Erkenntnis, die einstmals in einer alten Zeit der historischen Weltentwickelung die Menschen als Erbgut jener Vergangenheit besaßen, in der sie den Ihnen schon geschilderten Umgang mit den göttlichen Geistwesen gehabt haben. Wenn man so aus irgendeiner Einsicht in die geistigen Welten zurückkommt zu dem, was so in alten Zeiten die Menschen von den geistigen Welten her gewußt haben, dann trifft man erst auf die Möglichkeit auf, das zu verstehen, was aus den alten Weisheiten herauf zu uns gekommen ist. Und da beginnt dann die ungeheure Bewunderung vor der Urweisheit der Menschheit. So daß eigentlich derjenige, der die Initiation in der Gegenwart in sich aufnimmt, gar nicht anders kann, als mit Bewunderung, mit Verehrung gerade zu den ältesten Zeiten des Erdendaseins des Menschen hinaufzuschauen.
[ 26 ] This is what happens when one, through that awakening that occurs in human cognition via imagination, inspiration, and intuition, one penetrates into those worlds that lie beyond the veil of the sensory world—for the very knowledge that people once possessed in an ancient era of historical world development as a legacy of that past in which they had the contact with the divine spiritual beings that has already been described to you. When one returns in this way—from some insight into the spiritual worlds—to what people in ancient times knew from those spiritual worlds, only then does one encounter the possibility of understanding what has come down to us from the ancient wisdom. And that is when one begins to feel immense admiration for humanity’s primordial wisdom. So that, in fact, anyone who undergoes initiation in the present day cannot help but look back with admiration and reverence to the very earliest times of human existence on Earth.
[ 27 ] Aber Sie sehen daraus auch noch ein anderes. Sie sehen dies daraus, daß man eigentlich nur dann zu der wahren Gestalt dieser alten Anschauungen kommen kann, wenn man sie wiederfindet durch die moderne Geisteswissenschaft. Daher verstehen diejenigen, welche die moderne Geisteswissenschaft ausschließen wollen, ja gar nicht die Sprache, welche gesprochen worden ist von denjenigen, die die alte Urweisheit der Menschheit besessen haben; sie können daher im Grunde genommen gar nicht historisch schildern. Es ist manchmal naiv, wie diejenigen, die nichts wissen von der geistigen Welt, die alten Urkunden der Urvölker auslegen, interpretieren. Da tönen in den Schriften, die sonst vielleicht schon verdunkelte Urweisheit haben, solche wunderbaren Worte wie das «Rad der Geburten». Die muß man verstehen, indem man wiederfindet dasjenige, worauf sie als eine Wirklichkeit deuten. Will man also die Geschichte der Menschheit auf Erden wirklich der Wahrheit gemäß schildern, dann darf man nicht davor zurückschrecken, erst sich mit der Sprachbedeutung bekanntzumachen, die in alten Zeiten vorhanden war.
[ 27 ] But you also see something else in this. You see that one can actually only arrive at the true nature of these ancient views if one rediscovers them through modern spiritual science. That is why those who wish to exclude modern spiritual science do not at all understand the language spoken by those who possessed humanity’s ancient primordial wisdom; consequently, they are fundamentally incapable of providing a historical account. It is sometimes naive to see how those who know nothing of the spiritual world interpret the ancient records of the indigenous peoples. In these writings, which may otherwise contain ancient wisdom that has already been obscured, one finds such wondrous phrases as the “Wheel of Births.” One must understand these by rediscovering that which they point to as a reality. If, then, one truly wishes to describe the history of humanity on Earth in accordance with the truth, one must not shy away from first familiarizing oneself with the linguistic meanings that existed in ancient times.
[ 28 ] Ich hätte ja gut gleich damit beginnen können, die geschichtliche Entwickelung der Menschheit zu schildern und die Ausdrücke zu gebrauchen, die man in den Urkunden findet; dann hat man aber Worte, nichts als Worte, wie sie heute vielfach in der Welt herumflattern, wenn von den alten Urkunden gesprochen wird. Daher muß man, um auch nur jenes Stück von der Welt der Wirklichkeit gemäß zu schildern, das der Mensch während seiner historischen Zeit durchlebt hat, zunächst die Beziehung des Menschen zu den geistigen Welten schildern, denn dadurch nur gewinnt man die Möglichkeit, sich in diese Sprache und in all das hineinzufinden, was getan worden ist in alten Zeiten, um eine Verbindung mit den geistigen Welten zu erhalten. Ich habe Ihnen gestern geschildert, was einstmals die Druidenpriester im Aufstellen der Steine und im Bedecken der Steine getan haben, um aus dem Schatten, der da innerhalb eines solchen Gebildes entstand, mit dem Durchschauen durch die Gesteine den von der geistigen Welt in die physische hereindringenden Willen der geistigen Welt zu erkunden.
[ 28 ] I could well have begun right away by describing the historical development of humanity and using the terms found in the ancient documents; but then one ends up with words—nothing but words—such as those that flutter about the world today whenever people speak of the ancient documents. Therefore, in order to describe even that part of the world of reality that humanity has experienced throughout its historical existence, one must first describe humanity’s relationship to the spiritual worlds; for only through this does one gain the ability to understand this language and all that was done in ancient times to maintain a connection with the spiritual worlds. Yesterday I described to you what the Druid priests once did in erecting and covering the stones, in order to discern—by looking through the stones—the will of the spiritual world penetrating into the physical world from the shadow that arose within such a structure.
[ 29 ] Aber das war noch mit etwas anderem verbunden. In der geistigen Welt ist alles nicht bloß ein Hingang, sondern alles hat auch einen Hergang. Wenn diejenigen Zeitkräfte, die uns tragen durch das physische Erdendasein, uns nach dem Tode wiederum zurücktragen, dann gibt es auch Kräfte, welche in diesen Gebilden von oben nach unten gehen, aber auch solche, welche von unten nach oben gehen. So daß in diesen Gebilden eine abwärtsgehende und eine aufwärtsgehende Strömung von den Druidenpriestern beobachtet worden ist. Und wenn die Druidenpriester an der rechten Stelle des Erdbodens diese Gebilde angebracht hatten, dann konnten sie nicht nur den vom Kosmos herunterwandernden Willen der göttlichen Geister in ihnen erkennen, sondern — weil Eindimensionalität herrschte im Hinaufgehen, sofern das Gebilde an der richtigen Stelle stand — auch die Gutheit oder Schlechtheit der Menschen, die zu ihren Gemeinden gehörten, und die zum Weltenall heraus sprach. So waren diese Steine auch ein Observatorium der Druidenpriester, um in das Innere der Seelen zu schauen, die in Kommunikation mit dem Kosmos standen, der Seelen, die zu den betreffenden Gemeinden gehörten.
[ 29 ] But this was also connected to something else. In the spiritual world, everything is not merely a process of moving away; rather, everything also has a process of coming into being. While the forces of time that carry us through our physical existence on Earth carry us back again after death, there are also forces that move from top to bottom within these structures, as well as those that move from bottom to top. Thus, the Druid priests observed both a downward and an upward current within these structures. And when the Druid priests had placed these structures at the right spot on the earth’s surface, they could not only perceive within them the will of the divine spirits descending from the cosmos, but—because one-dimensionality prevailed in the upward movement, provided the structure stood in the correct location—they could also perceive the goodness or wickedness of the people who belonged to their communities, which spoke out into the universe. Thus, these stones also served as an observatory for the Druid priests, allowing them to peer into the innermost depths of the souls that were in communication with the cosmos—the souls that belonged to the respective communities.
[ 30 ] Alle diese Geheimnisse, alle diese Mysterien knüpfen sich an dasjenige an, was aus alten Zeiten her in einem so dekadenten Zustande übriggeblieben ist. Man versteht es erst, wenn man die Geistwelt wiederum durch die Kraft der eigenen Imagination, Inspiration und Intuition ‚heraufhebt aus ihrem verborgenen Dasein in das Bewußtsein der Menschen.
[ 30 ] All these secrets, all these mysteries are linked to that which has survived from ancient times in such a decadent state. One can only understand it when one once again raises the spiritual world, through the power of one’s own imagination, inspiration, and intuition, ‘lifts it out of its hidden existence and into human consciousness.’
[ 31 ] Solche Kreisbewegungen, die natürlich so, wie ich sie gezeichnet habe, figürlich gemeint sind, denn man bewegt sich Ja in der Sphäre der Eindimensionalität, macht der Mensch in seinem Lebenslauf zwischen dem Tod und einer neuen Geburt wiederholt durch. Und geradeso wie dieser Kreislauf — hingehend von der Geburt bis zum Tode, zurückgehend von dem Tode bis zur Geburt — , so verlaufen hingehend und hergehend Kreisläufe in dem ganzen Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, aber so, daß immer ein Gradunterschied ist im Erleben zwischen dem Hingang und dem Hergang. Hier bei diesem ersten Rad der Geburt liegt ja der Unterschied vor, daß wir den hingehenden Teil erleben bis zum physischen Tode und dann den anderen, den hergehenden Teil unmittelbar in der Zeit, die sich an den physischen Tod anschließt und die dauert, wenn wir sie bemessen würden nach der Zeit hier auf Erden, ein Drittel der irdischen Lebensdauer. Dann ist dieses erste Rad der Geburt vollendet. Dann schließen sich andere an, und wir vollenden solche Räder, Zirkel, bis wir angelangt sind an einer ganz bestimmten Stelle, von der aus wir den Rückweg, die Rückwanderung antreten können in der Art, wie ich das dann morgen schildern werde. Wir vollenden solche Räder, bis wir angelangt sind an demjenigen Punkte unseres gesamten kosmischen Erlebens, der da andeutet den letzten Tod, den wir erlebt haben in unserer vorhergehenden Erdeninkarnation.
[ 31 ] Such circular movements—which, of course, are meant figuratively as I have drawn them, since we are, after all, operating within the realm of one-dimensionality—are repeatedly experienced by human beings in the course of their lives between death and a new birth. And just as this cycle—moving from birth to death, and back from death to birth—so too do cycles of going forth and returning unfold throughout the entire life between death and a new birth, but in such a way that there is always a difference in degree of experience between the going forth and the returning. Here, with this first wheel of birth, the difference lies in the fact that we experience the outward phase up to physical death and then the other, the return phase, immediately in the time that follows physical death—a period that, if measured by earthly standards, lasts one-third of an earthly lifetime. Then this first wheel of birth is completed. Then others follow, and we complete such wheels, or cycles, until we have reached a very specific point from which we can begin the return journey, the return migration, in the manner I will describe tomorrow. We complete such cycles until we reach that point in our entire cosmic experience which signifies the last death we experienced in our previous earthly incarnation.
[ 32 ] Wir durchleben also in solchen Kreisgängen, aber in der ersten Zeit unseres Erlebens nach dem Tode rückschauend und rückerlebend, dasjenige, was wir durchgemacht haben zwischen dem letzten Tode und derjenigen Geburt, die wir als die letzte zu dem Erdendasein durchlebt haben, aus dem wir eben herausgestorben sind. Und jede solche Kreisbewegung entspricht in ihrem Hingange, ich möchte sagen, einem kosmischen Schlafesleben.
[ 32 ] In such cycles, therefore—but in the early stages of our experience after death, looking back and reliving—we experience what we went through between our last death and the birth that was our final earthly existence, from which we have just passed away. And each such cycle corresponds, in its course, I might say, to a cosmic life of sleep.
[ 33 ] Wenn ich diese Kreise weiterzeichnen würde, von hier aus also weiter verlaufend, so würde immer der Hingang entsprechen einem Leben nach dem Tode, indem der Mensch mit seinem ganzen Wesen mehr in dem Kosmos aufgeht, indem er das Bewußtsein hat, er lebt eigentlich in der kosmischen Welt, er ist eins mit der kosmischen Welt.
[ 33 ] If I were to continue drawing these circles—that is, extending them from here—their trajectory would always correspond to life after death, in which a person, with their entire being, becomes more fully absorbed into the cosmos, aware that they are actually living in the cosmic world and are one with it.


[ 34 ] Der Hergang entspricht immer dem, wenn der Mensch aus der kosmischen Welt gewissermaßen in sich zurückkehrt, daß er dasjenige, was er erst im Kosmos erlebt hat, in sich nun verarbeitet, mit seinem Selbst verbunden erlebt. Wie wir hier im Erdenleben durchleben müssen, damit wir ein gesundes Erdendasein haben, den Wechsel zwischen Schlafen und Wachen, so müssen wir in der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt immer wiederum gewissermaßen ein solches Ausfließen in den Kosmos erleben, wo wir uns so groß, so umfassend fühlen, wie der Kosmos ist, wo wir die Gebilde und die Tatsachen des Kosmos als unsere eigenen Gebilde und eigenen Tatsachen empfinden, wo wir uns so weit mit dem Weltenall identifizieren, daß wir sagen: Dasjenige, was du mit deinen sinnlichen Augen angeschaut hast, als du noch ein Erdenbürger warst, das dir da in seinem sinnlichen Abglanz als der Kosmos der sinnlichen Sterne entgegengeschaut hat, in dem lebst du jetzt drinnen. Aber es sind nicht die physischen Sterne, es sind die göttlich-geistigen Wesenheiten, die ihr Dasein mit deinem Dasein verbinden. Du bist gewissermaßen aufgelöst in das kosmische Dasein. In dir leben die göttlich-geistigen Wesen des Kosmos. Mit denen hast du dich zu identifizieren.
[ 34 ] The process always corresponds to what happens when a human being, as it were, returns from the cosmic world to within themselves, so that they now process within themselves what they have just experienced in the cosmos and experience it as connected to their own self. Just as we must experience the alternation between sleep and wakefulness here in earthly life in order to lead a healthy earthly existence, so too must we, in the time between death and a new birth, repeatedly experience, as it were, such an outflow into the cosmos, where we feel ourselves to be as vast, as the cosmos itself, where we perceive the forms and realities of the cosmos as our own forms and realities, where we identify so completely with the universe that we say: That which you beheld with your physical eyes when you were still an earthly being—that which gazed back at you in its physical reflection as the cosmos of the physical stars—you now live within it. But these are not the physical stars; they are the divine-spiritual beings who link their existence to yours. You are, so to speak, dissolved into cosmic existence. The divine-spiritual beings of the cosmos live within you. It is with them that you must identify.
[ 35 ] Das ist gewissermaßen der eine Teil der Erlebnisse zwischen dem Tod und einer neuen Geburt — ob Sie es nun kosmische Nacht oder kosmischen Tag nennen, was Sie da durchleben, die irdischen Ausdrücke, die wir verwenden, sind ja natürlich den Göttern, die in der geistigen Welt leben, höchst gleichgültig. Wir müssen uns nur durch unsere irdischen Ausdrücke das vergegenwärtigen, was wir da draußen erleben. Wir müssen es aber auch in entsprechender Weise schildern.
[ 35 ] In a sense, this is one aspect of the experiences between death and a new birth—whether you call what you go through there “cosmic night” or “cosmic day,” the earthly terms we use are, of course, of no consequence whatsoever to the gods who live in the spiritual world. We simply need to use our earthly terms to bring to mind what we experience out there. But we must also describe it in an appropriate way.
[ 36 ] Dann folgen auf solche Zeiten, in denen wir gewissermaßen zum Weltenall anwachsen, uns mit dem Weltenall identifizieren, andere Zeiten, in denen wir uns zurückziehen in unser eigenes Selbst, gewissermaßen an einen einzigen Punkt, den Punkt unseres Selbstes zurückziehen, wo wir wie in einer kosmischen Erinnerung das alles nun in uns, mit uns als in unserem Selbst vereinigt empfinden, was wir erst ausgegossen in den ganzen Kosmos erlebt haben. Wir fühlen gewissermaßen dieses Rad der Geburt so, daß es eigentlich immer ein Wirbel ist, daß wir dasjenige, was wir mit dem Kosmos erleben, wie da draußen erleben, dann uns aber in unser Selbst zurückziehen und in unserem Selbst den kleineren Dritteil erleben; dann geht es wiederum hinaus; dann folgt wiederum das Zusammenziehen in der Spirale. So daß dieses «Rad der Geburten» auch als eine Spiralbewegung geschildert werden kann, die sich immer wieder und wieder in sich zurückzieht.
[ 36 ] Then, following such times when we, so to speak, grow into the universe and identify with it, there are other times when we withdraw into our own self—withdraw, so to speak, to a single point, the point of our self—where, as in a cosmic memory, we now perceive all that we had previously experienced as poured out into the entire cosmos as now united within us, with us, and in our self. We perceive this “wheel of birth,” so to speak, as essentially always a vortex: we experience what we share with the cosmos as if it were out there, but then we withdraw into our own self and experience within ourselves the smaller third; then it goes out again; then the contraction within the spiral follows once more. Thus, this “wheel of births” can also be described as a spiral movement that withdraws into itself again and again.


[ 37 ] So ist das Fortschreiten in dem Selbsterleben und in der Selbstentäußerung zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. So wie man die irdischen Ereignisse schildern würde im Ablauf von je vierundzwanzig Stunden, und man da drinnen nur schildern würde: die Menschen schlafen und wachen —, so hat man damit dasjenige geschildert, was sich nun für die geistige Welt im Durchgange des Menschen vom Tod zu einer neuen Geburt erlebt. Diese Selbstentäußerung, diese Selbstzurückziehung ist in der geistigen Welt wie Schlafen und Wachen hier im Erdendasein des Menschen. Und wie sich in das Erdendasein des Menschen erst die Ereignisse hineinstellen, die man durchlebt, so stellen sich in dieses Vollenden der Räder von Geburten und Toden jene geistigen Ereignisse hinein, die der Mensch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt durchlebt. Um diese Ereignisse zu begreifen, muß man sich eine gesunde Vorstellung von dem bilden, wie der Mensch eigentlich hier im Erdendasein dasteht.
[ 37 ] Such is the progression in self-experience and self-renunciation between death and a new birth. Just as one would describe earthly events in cycles of twenty-four hours, and within that would simply describe: people sleep and wake—so one has thereby described what is now experienced in the spiritual world during a person’s passage from death to a new birth. This self-renunciation, this withdrawal of the self, is to the spiritual world what sleeping and waking are to human life on earth. And just as human earthly existence is first filled with the events that one experiences, so too is this completion of the cycle of births and deaths filled with those spiritual events that a person experiences between death and a new birth. To understand these events, one must form a sound conception of how a person actually stands here in earthly existence.
[ 38 ] Er wacht ja eigentlich nur mit Bezug auf seine Vorstellungswelt und einen Teil der Gefühlswelt, die sich an die Vorstellung anschließt. Was geschieht, wenn der Mensch die Absicht hat, dies oder jenes zu tun, auch nur eine Kreide zu ergreifen? Dasjenige, was da geschieht, indem die Absicht in der Vorstellung lebt, hinuntersaust in den Willen, der Wille die Muskeln in Anspruch nimmt, bis wir wieder ansichtig werden, wie die Hand die Kreide ergriffen hat — was ja wieder Vorstellung ist —, dasjenige also, was sich hineingliedert in das Erdenleben als Willensäußerung, als Begierdeäußerung, das bleibt für das Erdenleben so in Finsternis gehüllt wie das Schlafesleben des Menschen, auch indem es bei Tag verläuft. Nur in bezug auf das Vorstellen und einen Teil unseres Fühlens wachen wir für das gewöhnliche Bewußtsein. Mit Bezug auf den anderen Teil des Fühlens, der sich an den Willen anlehnt — wo wir billigen oder mißbilligen das, was wir tun wollen — und mit Bezug auf den Willen selber, schlafen wir.
[ 38 ] In fact, he is only truly awake in relation to his world of imagination and a part of his emotional world that is connected to that imagination. What happens when a person intends to do this or that—even just to pick up a piece of chalk? What happens is that the intention, living within the imagination, rushes down into the will; the will engages the muscles, until we become aware once again of how the hand has grasped the chalk — which is, after all, a mental image again — that which thus becomes integrated into earthly life as an expression of the will, as an expression of desire, remains shrouded in darkness for earthly life just as much as a person’s life of sleep, even though it takes place during the day. We are awake to ordinary consciousness only in relation to our mental imagery and a part of our feeling. With regard to the other part of feeling, which is linked to the will—where we approve or disapprove of what we want to do—and with regard to the will itself, we are asleep.
[ 39 ] Die Gedanken nehmen wir aber nicht mit in das Leben nach dem Tode, ebensowenig wie in die Nacht hinein. Ebensowenig nehmen wir die Gedanken, die wir auf der Erde hier gehegt haben, mit in das Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Dort müssen wir uns schon unsere eigenen, jener anderen Welt angemessenen Gedanken bilden.
[ 39 ] But we do not take our thoughts with us into the afterlife, any more than we take them with us into the night. Nor do we take the thoughts we have cherished here on Earth with us into the life between death and rebirth. There, we must form our own thoughts, appropriate to that other world.
[ 40 ] Was wir aber mitnehmen, das ist das, was hier im Unterbewußten bleibt, der Wille und ein Teil der Gefühle, die sich an den Willen anschließen. Gerade mit demjenigen, dessen wir uns hier im Erdenleben unbewußt sind — das ist das, was in unseren Trieben, in unseren Begierden, in unserer ganzen sinnlichen Willensnatur lebt, und alles das, was als Geistiges in dieser Willensnatur lebt —, mit all dem leben wir durch die Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt und machen uns dort über das, was wir so hier unbewußt erleben, bewußt die kosmischen Gedanken.
[ 40 ] But what we take with us is what remains here in the subconscious: the will and a portion of the feelings associated with the will. It is precisely that of which we are unaware here in our earthly life—that is, what lives in our instincts, in our desires, in our entire sensuous, volitional nature, and everything that lives as the spiritual within this volitional nature— with all of this we live through the time between death and a new birth, and there we consciously transform what we experience unconsciously here into cosmic thoughts.
[ 41 ] Da müssen wir uns zum Beispiel klar sein, wenn wir auch nur die Zeit, die wir durchleben im allerengsten Anschluß an die Todespforte, verstehen wollen, daß dasjenige, was wir ja hier auf Erden schon mit Bezug auf den physischen Leib seelisch durchzuleben haben, in dem Augenblicke ein anderes Gesicht bekommt, wo wir keinen physischen Leib mehr haben und durch den Tod gegangen sind. Ihr physischer Leib, die Stoffe, die die Chemie aufzählt, die erleben nicht Durst und Hunger. Das innere Erlebnis von Durst und Hunger ist ein Seelenerlebnis. Aber die Erfüllung dieses Begehrens Durst und Hunger wird hier im Erdendasein durch den physischen Leib herbeigeführt. Der Hunger lebt in der Seele, die Befriedigung des Hungers hier im Erdendasein lebt durch den Leib; der Durst lebt in der Seele, die Befriedigung des Durstes lebt hier auf Erden durch den Leib. Wenn Sie durch die Pforte des Todes treten, dann haben Sie den physischen Leib nicht. Sie haben aber noch Durst und Hunger. Den gewöhnlichen Durst und den gewöhnlichen Hunger tragen Sie durch die Todespforte hindurch, und Sie haben die Zeit, die ja ein Drittel des Erdenlebens ist, das Rückwärtsleben des Nachtlebens, dazu zu verwenden, sich gewissermaßen abzugewöhnen, durstig zu sein, hungrig zu sein, die anderen, nur durch den Leib erfüllbaren Begierden zu erleben. Darin besteht das innere Erleben dieses Lebensdrittels im Verhältnis zum Erdenleben nach dem Tode: daß dasjenige, was nur durch den Leib oder nur auf Erden hier befriedigt werden kann, aus der Seele herausgewöhnt wird, daß die Seele sich freimacht von denjenigen Begierden, die zwar in ihr leben müssen, aber nur durch Leib und Erdenereignisse befriedigt werden können. Was weiter ist, das werden wir später sehen.
[ 41 ] For example, if we wish to understand even just the time we experience in the immediate vicinity of the gates of death, we must realize that what we already experience here on earth in relation to the physical body takes on a different character at the moment when we no longer have a physical body and have passed through death. Your physical body—the substances listed by chemistry—does not experience thirst or hunger. The inner experience of thirst and hunger is a soul experience. But the fulfillment of these desires—thirst and hunger—is brought about here in earthly life through the physical body. Hunger lives in the soul; the satisfaction of hunger here in earthly life is experienced through the body; thirst lives in the soul; the satisfaction of thirst is experienced here on earth through the body. When you pass through the gate of death, you no longer have a physical body. Yet you still feel thirst and hunger. You carry your ordinary thirst and hunger through the gate of death, and you have the time—which, after all, constitutes one-third of earthly life, the “reverse life” of the night—to use to, so to speak, wean yourself from being thirsty, from being hungry, and from experiencing the other desires that can be fulfilled only through the body. This is the inner experience of this third of life in relation to earthly life after death: that which can be satisfied only through the body or only here on earth is weaned from the soul, so that the soul frees itself from those desires which, though they must live within it, can be satisfied only through the body and earthly events. We will see what comes next later.
[ 42 ] Damit habe ich Ihnen einen Teil dessen geschildert, was der Mensch nun zunächst nach dem Durchschreiten der Todespforte durchmacht auf Grundlage dessen, was wir heute gesehen haben. Wir werden morgen weiterschreiten in der Betrachtung dieses Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt und seinem Zusammenhang mit der gesamten Menschheitsentwickelung auf Erden.
[ 42 ] I have thus described to you part of what a human being first experiences after passing through the gate of death, based on what we have seen today. Tomorrow we will continue our examination of this life between death and a new birth and its connection to the overall development of humanity on Earth.
[ 43 ] Aber bewußt müssen wir uns werden, welche Ereignisse sich in dieses Erdenleben hineinstellen. Was heute wiederum durch Imagination, Inspiration und Intuition erforscht werden kann, hatte einstmals die Menschheit in einer Art instinktiven Schauens. Die Nacht war nicht so verschlossen für die Menschen. Der Tag verlief mehr traumhaft und bot in den Traumgebilden auch mehr von der geistigen Welt dar.
[ 43 ] But we must become aware of the events that unfold within this earthly life. What can be explored today through imagination, inspiration, and intuition was once accessible to humanity through a kind of instinctive insight. The night was not so closed off to people. The day had a more dreamlike quality and revealed more of the spiritual world through dream images.
[ 44 ] Wir leben gerade in dem Zeitalter — und darauf möchte ich heute schon aufmerksam machen, der Zusammenhang wird uns in den nächsten Tagen klar vor die Seele treten —, in dem die Menschheit am meisten der Gefahr ausgesetzt ist, daß sie überhaupt den Zusammenhang mit der geistigen Welt verliert. Und es wird vielleicht gerade hier, wo noch so nahe sind die Stätten alter europäischer Druidenerinnerungen, es wird hier der Ort sein, auf gewisse Symptome hinzudeuten, welche nicht an sich das Schlimme sind, aber als Symptom darauf hinweisen, was sich nun nicht allein physisch in unserem Erdendasein vollzieht, sondern was gewissermaßen hinter den Kulissen des Daseins geistig geschieht.
[ 44 ] We are living right now in an age—and I would like to draw attention to this today; the connection will become clearly evident to us in the coming days—in which humanity is most at risk of losing its connection with the spiritual world altogether. And perhaps it is precisely here—where the sites of ancient European Druidic memories are still so close at hand—that we should point to certain symptoms which are not in themselves harmful, but which, as symptoms, indicate what is now taking place not only physically in our earthly existence, but also, in a sense, spiritually behind the scenes of existence.
[ 45 ] Betrachten Sie noch den mittelalterlichen Menschen mit all seinen Schattenseiten, was man heute das finstere Mittelalter nennt, vergleichen Sie ihn mit der heutigen Menschheit. Nur zwei der Symptome möchte ich heute hervorheben, die uns aufmerksam machen können, wie man vom geistigen Gesichtspunkte aus die Welt betrachten soll.
[ 45 ] Consider the people of the Middle Ages with all their dark sides—what we today call the “Dark Ages”—and compare them with humanity today. Today I would like to highlight just two of the symptoms that can draw our attention to how we should view the world from a spiritual perspective.
[ 46 ] Sehen Sie sich ein mittelalterliches Buch an. Jeder einzelne Buchstabe ist wie hingemalt. Man sieht, wie das Auge geruht hat auf diesem Buchstaben. Die ganze Seelenverfassung des Menschen, die also auf dem geschriebenen Buchstaben ruhte, die war noch eher geeignet, sich einzuleben in das, was als Offenbarungen der geistigen Welt über sie kommen konnte.
[ 46 ] Take a look at a medieval book. Every single letter looks as if it were painted. You can see how the eye rested on that letter. The entire state of mind of the person—which thus rested upon the written letter—was even more suited to attuning itself to whatever might come to them as revelations from the spiritual world.
[ 47 ] Und schauen sie sich heute manches Geschriebene an — es ist ja gar nicht mehr zu lesen! Dies sind nicht Buchstaben, die man empfindet wie irgend etwas, woran man seine malerische Freude hat; das ist etwas aus einer mechanischen Handbewegung heraus Geworfenes: [es wird sehr nachlässig das Wort «Penmaenmawr» auf die Tafel geschrieben] — so sieht es schon fast aus, was man heute ab und zu sieht auf diesem oder jenem Papier!
[ 47 ] And just look at some of what’s written today—it’s practically unreadable! These aren’t letters that one perceives as something from which one derives artistic pleasure; they’re something scrawled out of a mechanical hand movement: [the word “Penmaenmawr” is written very carelessly on the blackboard]—that’s almost exactly what one sees now and then on this or that piece of paper!
[ 48 ] Dazu kommt, daß wir beginnen zu schreiben nicht mehr, indem wir mit dem Menschen dabei sind, sondern Schreibmaschinen in Bewegung setzen, wo wir gar keine Erlebnisbeziehung mehr haben zu dem, was uns entgegentritt.
[ 48 ] In addition, we no longer begin to write by being present with people, but by setting typewriters in motion, even though we no longer have any experiential connection to what we encounter.
[ 49 ] Das, mit den Autos zusammen, macht ungefähr diejenigen Symptome aus, aus denen heute geschaut werden kann, was hinter den Kulissen des Daseins vorgeht, wie der Mensch immer mehr und mehr herausgetrieben wird aus der geistigen Welt.
[ 49 ] This, together with the cars, constitutes roughly the symptoms from which we can see today what is going on behind the scenes of existence—how human beings are being driven further and further out of the spiritual world.
[ 50 ] Nun glauben Sie nicht, daß ich als Stockreaktionär vor Ihnen auftreten will und für die Verbannung der Autos, der Schreibmaschinen und selbst dieser schrecklichen Schriftzeichen eintreten möchte! Derjenige, der den Gang der Welt durchschaut, weiß schon, daß diese Dinge alle kommen müssen, berechtigt sind. Also nicht auf das Ausmerzen zielt dasjenige ab, was ich sage, sondern gerade auf die Pflege. Sie müssen kommen; man muß sie hinnehmen, wie man Tag und Nacht hinnehmen muß, obwohl die Begeisterung für diese Dinge eine sehr einseitige werden kann unter den Menschen, die gerade sehr stark zur materialistischen Welt hinneigen. Aber das, was in dieser Weise in der Welt auftritt, was so fürchterlich rumort in den unleserlichen Schriftzeichen, was so fürchterlich rumort in den Schreibmaschinen, und ganz gräßlich die Welt durchsaust in den Autos, dem muß eben gegenübergestellt werden, damit die Menschheit in gesunder Weise sich entwickelt, ein starkes Hineingehen in eine geistige Erkenntnis, in ein geistiges Fühlen, in ein geistiges Wollen.
[ 50 ] Now, don’t think that I want to come across as a die-hard reactionary and advocate for the banishment of cars, typewriters, and even these dreadful written characters! Anyone who understands the workings of the world already knows that all these things must come and are justified. So what I am saying is not aimed at eradicating them, but rather at nurturing them. They must come; one must accept them, just as one must accept day and night, even though enthusiasm for these things can become very one-sided among people who are strongly inclined toward the materialistic world. But what appears in the world in this way—what rumbles so terribly in the illegible characters, what rumbles so terribly in the typewriters, and what races through the world so horribly in cars—must be countered so that humanity can develop in a healthy way: a strong immersion into spiritual knowledge, into spiritual feeling, into spiritual will.
[ 51 ] Nicht darum handelt es sich, das Materielle irgendwie zu bekämpfen, sondern es gerade in seiner Wirklichkeit, in seiner Notwendigkeit kennenzulernen, zu erfassen; aber auch zu erschauen, wie notwendig es ist, daß dem, was sonst die Menschheit zermalmt im physischen Dasein, entgegengestellt werde die starke Geistigkeit. Dann wird durch den Pendelschlag zwischen Autos und Schreibmaschinen und den in geisteswissenschaftlicher Arbeit erarbeiteten Imaginationen, Einsichten in die geistige Welt, die gesunde Entwickelung der Menschheit gerade gefördert werden können, während sie sonst nur beeinträchtigt werden könnte.
[ 51 ] The point is not to fight against the material world in any way, but rather to come to know and grasp it precisely in its reality, in its necessity; but also to recognize how necessary it is that what otherwise crushes humanity in physical existence be countered by a strong spiritual force. Then, through the back-and-forth between cars and typewriters on the one hand, and the imaginations and insights into the spiritual world developed through spiritual scientific work on the other, the healthy development of humanity will be promoted, whereas otherwise it might only be hindered.
[ 52 ] Das darf insbesondere hier in Penmaenmawr gesagt werden, denn hier ist es, wo man auf der einen Seite als ein Erbgut aus alter Druidenzeit empfindet, wie die Imaginationen — ich habe es schon geschildert — gleichsam stehenbleiben; aber man erfährt auch, mit welcher robusten Gewalt diese stehenbleibenden Imaginationen durch die durch die Atmosphäre sausenden Autos von Grund auf zerstört werden.
[ 52 ] This is especially true here in Penmaenmawr, for it is here that, on the one hand, one senses—as a legacy from the ancient Druidic era—how these images—as I have already described—seem to stand still, as it were; but one also experiences the sheer force with which these frozen images are utterly destroyed by the cars whizzing through the atmosphere.
