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World History from an Anthroposophical Perspective
GA 233

26 December 1923, Dornach

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Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] Fast genau auf den Tag ist es, daß ich vor dreizehn Jahren in Stuttgart in einem Vortragszyklus, den ich auch gehalten habe zwischen Weihnachten und Neujahr, über dasselbe Thema sprach, zu dem auch dieser Vortragszyklus gehört. Nur werde ich den Gesichtspunkt, der dazumal dem Thema nach gewaltet hat, etwas zu verändern haben.

[ 1 ] It is almost exactly thirteen years to the day that I spoke in Stuttgart as part of a lecture series—which I also gave between Christmas and New Year’s—on the same topic that this lecture series addresses. However, I will have to modify slightly the perspective that prevailed regarding the topic at that time.

[ 2 ] Wir haben uns ja damit beschäftigt, in den zwei Einleitungsvorträgen an unsere Seele ein Verständnis dafür heranzubringen, wie gründlich sich die Gemüts-, die Seelenverfassung der Menschheit im Laufe der geschichtlichen Entwickelung und namentlich der vorgeschichtlichen Entwickelung geändert hat. Wir brauchen auch diesmal, zunächst wenigstens, nicht weiter zurückzugehen als einige Jahrtausende. Sie wissen ja, daß wir geisteswissenschaftlich als den wichtigsten Zusammenhang, der sich ergibt für das Geschichtliche und Vorgeschichtliche seit der sogenannten atlantischen Katastrophe, von welcher die Erde befallen worden ist, denjenigen betrachten, den man gewöhnlich die Zeit der Erdenvereisung, die jüngere Eiszeit, nennt. Dazumal aber ging ja auch der letzte Akt des Unterganges des atlantischen Kontinents vor sich, der heute den Boden des Atlantischen Ozeans bildet. Und nach dieser atlantischen Katastrophe haben wir dann bis zu unserer Zeit, worauf ja oftmals aufmerksam gemacht worden ist, fünf aufeinanderfolgende große Kulturzeiträume, von denen die ersten ja der geschichtlichen Überlieferung vollständig entfallen sind. Denn dasjenige, was im Oriente drüben als Schrifttum — auch in den herrlichen Veden, in der tiefgehenden Vedantaphilosophie — enthalten ist, das sind ja nur Nachklänge dessen, was man schildern muß, wenn man jene Kulturepoche darstellen will, von der ich immer als der urindischen, der urpersischen, auch in meiner «Geheimwissenschaft», spreche.

[ 2 ] In the two introductory lectures, we have sought to help our souls understand just how profoundly the mental and spiritual constitution of humanity has changed in the course of historical development—and particularly during prehistoric development. This time, too—at least to begin with—we need not go back further than a few millennia. As you know, from the perspective of spiritual science, we regard the period commonly referred to as the time of the Earth’s glaciation—the Younger Ice Age—as the most significant context for historical and prehistoric events since the so-called Atlantean catastrophe that struck the Earth. At that time, however, the final act of the downfall of the Atlantic continent—which today forms the floor of the Atlantic Ocean—was also taking place. And following this Atlantic catastrophe, as has often been pointed out, we have had five successive major cultural epochs up to our own time, the first of which have been completely lost to historical tradition. For what is contained in the writings of the East—including the magnificent Vedas and the profound philosophy of Vedanta—are merely echoes of what must be described if one wishes to portray that cultural epoch of which I always speak as the primordial Indian and primordial Persian eras, as I do in my *Secret Science*.

[ 3 ] Nun, auch bis dahin wollen wir heute nicht zurückgehen, sondern wir wollen jenen Zeitraum ins Auge fassen, den ich öfter bezeichnet habe als die chaldäisch-ägyptische Kulturperiode, die der griechischen vorangegangen ist. Wir haben darauf aufmerksam machen müssen, daß in dieser Zeit zwischen der atlantischen Katastrophe und dem griechischen Zeitalter sich mit Bezug auf die Erinnerungsfähigkeit, die Menschen-Gedächtniskraft, und mit Bezug auf das menschliche Zusammenleben große Veränderungen vollzogen haben. Ein solches Gedächtnis, wie wir es heute haben, so daß wir uns in der Zeit nach rückwärts etwas vergegenwärtigen können, ein solches Zeitgedächtnis war ja in dieser dritten nachatlantischen Kulturperiode noch nicht vorhanden, sondern es war ein Gedächtnis vorhanden, das gebunden war an rhythmisches Erleben, wie ich es dargestellt habe. Und das ist ja hervorgegangen aus dem, was besonders stark während der atlantischen Periode vorhanden war: das lokalisierte Gedächtnis, wo der Mensch überhaupt nur ein Gegenwartsbewußtsein in sich trug, aber durch alles mögliche, was er in der Außenwelt entweder vorfand oder selber hinsetzte, Merkzeichen hatte, durch die er sich mit der Vergangenheit nicht nur seiner eigenen Persönlichkeit, sondern mit der Vergangenheit der Menschheit überhaupt in eine Beziehung setzte.

[ 3 ] Well, we don’t want to go back that far today, but rather we want to focus on the period I have often referred to as the Chaldean-Egyptian cultural period, which preceded the Greek era. We have had to point out that during this time between the Atlantean catastrophe and the Greek era, major changes took place with regard to the capacity for recollection—human memory—and with regard to human coexistence. A memory such as we have today—one that allows us to recall the past—such a sense of time did not yet exist in this third post-Atlantean cultural period; rather, there was a memory bound up with rhythmic experience, as I have described. And this emerged from what was particularly strong during the Atlantean period: localized memory, in which human beings possessed only a consciousness of the present, but had markers—derived from all manner of things they either encountered in the external world or placed there themselves—through which they established a relationship not only with the past of their own personality but with the past of humanity as a whole.

[ 4 ] Merkzeichen waren aber nicht nur diejenigen, die unmittelbar auf der Erde angebracht waren, sondern Merkzeichen waren auch gerade in den älteren Zeiten die Konstellationen am Himmel, insbesondere die Planetenkonstellationen, aus denen man in ihrer Wiederholung oder variierten Wiederholung erkannte, wie die Dinge in Vorzeiten waren. So daß eigentlich für die Bildung des äußeren lokalisierten Gedächtnisses einer älteren Menschheit Himmel und Erde zusammenwirkten.

[ 4 ] Landmarks, however, were not only those directly placed on the earth; rather, especially in ancient times, landmarks were also the constellations in the sky—particularly the planetary constellations—from whose repetition or varied repetition one could discern how things had been in times past. Thus, heaven and earth actually worked together to form the external, localized memory of an ancient humanity.

[ 5 ] Aber diese ältere Menschheit war auch in ihrer ganzen menschheitlichen Konstitution anders beschaffen als die spätere oder gar als die Menschheit unserer Zeit. Die Menschheit unserer Zeit trägt in sich im Wachzustande das Ich und den astralischen Leib so unvermerkt im physischen Leibe, daß die meisten Menschen ja eigentlich es nicht bemerken, wie dieser physische Leib, als eine viel bedeutungsvollere Organisation als er selbst ist, den astralischen Leib und die Ich-Organisation in sich trägt neben dem Ätherleib. Sie kennen ja diese Zusammenhänge. Eine ältere Menschheit aber empfand den Tatbestand des eigenen Seins ganz anders. Und zu einer solchen Menschheit kehren wir noch zurück, wenn wir in die frühere dritte nachatlantische Kulturperiode, in die ägyptisch-chaldäische, zurückkehren. Da erlebte sich der Mensch als Geist und Seele im hohen Maße noch außerhalb seines physischen und Ätherleibes, auch wenn er wach war. Er wußte zu unterscheiden: Das habe ich an mir als meinen Geist und meine Seele — Ich und astralischen Leib nennen wir es —, und das ist verbunden mit meinem physischen und meinem Ätherleibe. Der Mensch ging als diese Zweiheit durch die Welt. Er nannte seinen physischen Leib und seinen Ätherleib nicht Ich, sondern er nannte Ich zunächst nur seinen Geist und seine Seele, dasjenige, was geistig war und was nach unten in einer gewissen Weise in Zusammenhang, aber in einem für ihn merkbaren Zusammenhang mit dem physischen und mit dem Ätherleib war. Und in diesem Geist-Seelischen, in diesem Ich und astralischen Leib empfand der Mensch das Hereindringen der göttlich-geistigen Hierarchien, so wie der Mensch heute das Hereindringen der Natursubstanzen in seinen physischen Leib empfindet.

[ 5 ] But this earlier humanity was also, in its entire human constitution, of a different nature than later humanity or even than the humanity of our time. Humanity of our time carries within itself, in the waking state, the “I” and the astral body so imperceptibly within the physical body that most people do not actually notice how this physical body—which is a far more significant organization than the astral body itself—carries the astral body and the “I” organization within itself alongside the etheric body. You are, of course, familiar with these connections. An earlier humanity, however, perceived the reality of its own being quite differently. And we return to such a humanity when we look back to the earlier third post-Atlantean cultural period, the Egyptian-Chaldean period. At that time, human beings still experienced themselves as spirit and soul to a high degree outside their physical and etheric bodies, even while they were awake. They knew how to distinguish: This is what I have within me as my spirit and my soul—we call it the “I” and the astral body—and this is connected to my physical and etheric bodies. Human beings moved through the world as this duality. They did not call their physical body and their etheric body “I”; rather, they initially called only their spirit and soul “I”—that which was spiritual and which was connected downward in a certain way, but in a connection perceptible to them, with the physical and etheric bodies. And within this spirit-soul realm—within this “I” and astral body—human beings perceived the penetration of the divine-spiritual hierarchies, just as human beings today perceive the penetration of natural substances into their physical bodies.

[ 6 ] In diesem physischen Leib empfindet ja der Mensch so, daß er weiß, er nimmt mit der Nahrung, mit der Atmung die Substanzen der äußeren Naturreiche auf. Die sind vorher draußen, dann in ihm. Die wirken so, daß sie durch ihn durchgehen, Bestandteile von ihm werden. Dazumal wußte der Mensch, der eine gewisse Trennung seines Geist-Seelischen von seinem Physisch-Ätherischen empfand, daß Angeloi, Archangeloi bis hinauf zu den höchsten Hierarchien Geistig-Substantielles seien, das nun auch durch sein Geistig-Seelisches durchgeht, zu Bestandteilen, wenn ich mich so ausdrücken darf, von ihm wird. So daß der Mensch in jedem Augenblicke seines Lebens sagen konnte: In mir leben die Götter. — Und er faßte sein Ich nicht als von unten durch physische und ätherische Substanzen aufgebaut auf, sondern er faßte sein Ich als ihm durch Gnade geschenkt, von oben, von seiten der Hierarchien kommend, auf. Und gewissermaßen wie eine Last, wie ein Vehikel, wie etwas, dessen er sich wie des Lebenswagens bediente, um vorwärts zu kommen in der physischen Welt, faßte er sein Physisch-Ätherisches auf. Wenn man dies nicht in entsprechender Weise ins Seelenauge faßt, so versteht man eigentlich den historischen Hergang der Menschheitsentwickelung nicht.

[ 6 ] In this physical body, a human being experiences it in such a way that he knows he is taking in the substances of the outer natural realms through food and breathing. These substances are first outside him, then inside him. They act in such a way that they pass through him and become part of him. At that time, human beings—who sensed a certain separation between their spiritual-soul aspect and their physical-etheric aspect—knew that the angels, archangels, and all the way up to the highest hierarchies were spiritual-substantial beings that now also passed through their spiritual-soul aspect, becoming, if I may put it that way, components of them. So that human beings could say at every moment of their lives: “The gods live within me.” — And they did not conceive of their “I” as built up from below through physical and etheric substances, but rather as something bestowed upon them by grace, coming from above, from the hierarchies. And in a sense, he regarded his physical-etheric body as a burden, as a vehicle, as something he used—like a chariot of life—to move forward in the physical world. Unless one grasps this in the appropriate way with the eye of the soul, one does not truly understand the historical course of human development.

[ 7 ] Nun könnten wir an verschiedenen charakteristischen Beispielen diesen historischen Hergang der Menschheitsentwickelung verfolgen. Wir wollen heute gewissermaßen einen Faden vor uns hinstellen, einen Faden, den ich eben auch schon dazumal vor dreizehn Jahren berührt habe, indem ich anknüpfte dazumal an jenes histotisch-sagenhafte Dokument, welches die älteste Phase jener Entwickelung darstellt, von der ich sprechen will, nämlich das Gilgamesch-Epos. Aber das Gilgamesch-Epos ist eben zum Teil sagenhaft, und ich werde den Vorgang, den ich, wie gesagt, vor dreizehn Jahren dargestellt habe, heute so darstellen, wie er sich aus dem geistigen Anschauen heraus unmittelbar ergibt.

[ 7 ] Now we could trace this historical course of human development using various characteristic examples. Today, let us, so to speak, lay out a thread before us—a thread that I also touched upon thirteen years ago, when I drew upon that historical-mythological document which represents the earliest phase of the development I wish to discuss, namely, the Epic of Gilgamesh. But the Epic of Gilgamesh is, after all, partly legendary, and today I will present the process—which, as I said, I described thirteen years ago—in the way it arises directly from spiritual contemplation.

[ 8 ] Da haben wir in einer Stadt Vorderasiens — Uruk nennt sie das Gilgamesch-Epos — eine von jenen Eroberernaturen, von denen ich gestern gesprochen habe, die so recht herausgewachsen waren aus jenen Seelen- und sozialen Menschheitsverfassungen, die gestern charakterisiert worden sind. Gilgamesch nennt ihn das Epos. Also wir haben es da mit einer Persönlichkeit zu tun, die in der Zeit, von der wir jetzt reden, ebenso beschaffen war, wie ich es nun charaktetisiert habe, die viele alte Menschheitseigentümlichkeiten noch bewahrt hatte aus früheren Zeiten. Aber so klar es für diese Persönlichkeit in der damaligen Zeit war, daß sie gewissermaßen die Doppelheit ist zwischen dem Geistig-Seelischen, in das die Götter hereinragen, und dem Physisch-Ätherischen, in das die Erden- und Kosmossubstanzen, die physischen und ätherischen Substanzen hineinragen, so sehr ist auch dieses eine Tatsache, daß in der Zeit, in der diese Persönlichkeit, von der das Gilgamesch-Epos spricht, lebte, gerade die charakteristischen Menschen, die repräsentativen Menschen bereits in einer Übergangsepoche zur späteren Menschheitsentwickelung standen. Und dieser Übergang bestand darinnen, daß das Ich-Bewußtsein, das verhältnismäßig kurz vorher beim GeistigSeelischen oben war, wenn ich mich so ausdrücken darf, hinuntergesenkt sich hatte in das Leiblich- Ätherische, so daß also Gilgamesch gerade unter denen war, die anfingen, nicht zu seinem GeistigSeelischen, in dem die Götter gefühlt wurden, Ich zu sagen, sondern zu dem, was irdisch-ätherisch an ihm war. Das war diese neue Seelenverfassung.

[ 8 ] There, in a city of the Near East—Uruk, as the Epic of Gilgamesh calls it—we find one of those conquering personalities I spoke of yesterday, who had truly emerged from those spiritual and social conditions of humanity that were characterized yesterday. The epic calls him Gilgamesh. So we are dealing here with a personality who, in the era we are now discussing, was just as I have described him—one who had retained many ancient human characteristics from earlier times. But just as it was clear to this personality at that time that he was, so to speak, the duality between the spiritual-soul aspect, into which the gods reach, and the physical-etheric realm, into which the substances of the Earth and the cosmos—the physical and etheric substances—extend, it is equally a fact that during the time in which this individual, of whom the Epic of Gilgamesh speaks, lived, precisely those characteristic human beings—the representative human beings—were already in a transitional epoch leading to later human development. And this transition consisted in the fact that the ego-consciousness, which relatively shortly before had been situated, so to speak, in the spiritual-soul realm, had descended into the physical-etheric realm, so that Gilgamesh was among those who were beginning to focus not on his spiritual-soul realm—in which the gods were sensed— but rather to that which was earthly-etheric in him. That was this new state of the soul.

[ 9 ] Aber in diese Seelenverfassung, von der wir sagen können, es ist das Ich heruntergezogen aus dem Geistig-Seelischen, als bewußtes Ich heruntergezogen in das Leiblich-Ätherische, in dieser Persönlichkeit waren zugleich noch jene alten Gewohnheiten: jene alte Gewohnheit, vorzugsweise dasjenige nur gedächtnismäßig zu erleben, was im Rhythmus erlebt wurde, und es war jene innere Empfindung da, welche fühlte, man muß mit den Kräften des Todes bekannt werden, weil eigentlich nur die Kräfte des Todes dasjenige ergeben, was den Menschen zur Besonnenheit bringt. Nun, gerade dadurch, daß man es in dieser Gilgamesch-Persönlichkeit zu tun hat mit einer Seele, die dazumal schon durch viele Erdeninkarnationen gegangen war, aber in die neue Form des Menschendaseins, die so war, wie ich sie jetzt geschildert habe, eingetreten war, gerade dadurch war diese Persönlichkeit, ich möchte sagen, in einem physischen Dasein, das eine gewisse Unsicherheit in sich trug. Die Berechtigung sozusagen der Eroberergewohnheiten und des rhythmischen Gedächtnisses fingen an, nicht mehr für die Erde zu gelten. Und so waren die Erlebnisse dieser Persönlichkeit durchaus die Erlebnisse einer Übergangsepoche.

[ 9 ] But within this state of the soul—which we can describe as the “I” drawn down from the spiritual-soul realm, the conscious “I” drawn down into the physical-etheric realm—this personality still retained those old habits: that old habit of experiencing—primarily through memory—only what had been experienced in rhythm, and there was that inner feeling that one must become acquainted with the forces of death, because in truth only the forces of death yield what brings a person to a state of composure. Now, precisely because this Gilgamesh personality involved a soul that had already passed through many earthly incarnations but had entered the new form of human existence—as I have just described it—precisely because of this, this personality was, I might say, in a physical existence that carried a certain uncertainty within it. The validity, so to speak, of the habits of the conqueror and of rhythmic memory began to no longer apply to the Earth. And so the experiences of this personality were indeed the experiences of a transitional epoch.

[ 10 ] Daher passierte es, daß, als diese Persönlichkeit aus der alten Gewohnheit heraus eben gerade jene Stadt, die im Gilgamesch-Epos Uruk genannt wird, durch Eroberung sich aneignete, daß Konflikte kamen in dieser Stadt. Zunächst wurde diese Persönlichkeit nicht gern in der Stadt gesehen, wurde als Fremder empfunden, wäre auch wohl allein mit all den Schwierigkeiten, die sich in der Stadt ergeben hatten, nicht zurechtgekommen. Da fand sich, weil das Schicksal sie dahin führte, eine andere Persönlichkeit — das Gilgamesch-Epos nennt sie Enkidu —, eine Persönlichkeit, die verhältnismäßig spät auf die Erde heruntergestiegen war aus jenem planetarischen Dasein, das ja die Erdenmenschheit eine Zeitlang geführt hat in dem Sinne, wie ich das in meiner «Geheimwissenschaft» beschrieben habe. Sie wissen ja: Nach und nach während der atlantischen Zeit sind die Seelen heruntergekommen, die einen früher, die anderen später, nachdem sie sich in sehr frühen Zeiten der Erdenentwickelung von der Erde nach dem Kosmos auf verschiedene Planeten zurückgezogen hatten.

[ 10 ] Thus, when this figure, acting out of old habit, conquered and annexed the very city mentioned in the Epic of Gilgamesh as Uruk, conflicts arose in that city. At first, this individual was not welcome in the city; he was perceived as a stranger and would likely not have been able to cope on his own with all the difficulties that had arisen there. Then, because fate led him there, another individual appeared—the Epic of Gilgamesh calls him Enkidu—an individual who had descended to Earth relatively late from that planetary existence which, as I have described in my *Secret Science*, had guided Earth’s humanity for a time. As you know, during the Atlantean era, souls gradually descended—some earlier, others later—after having withdrawn from Earth into the cosmos and settled on various planets during the very early stages of Earth’s development.

[ 11 ] Wir haben es in Gilgamesch zu tun mit einer Persönlichkeit, mit einer Individualität, die verhältnismäßig früh zur Erde wieder zurückgezogen ist, also in der Zeit, von der ich spreche, viele Erdeninkarnationen erlebt hatte. Bei der anderen Persönlichkeit, die nun auch nach jener Stadt hingezogen wurde, haben wir es zu tun mit einer solchen, die verhältnismäßig lange im planetarischen Dasein geblieben war und sich spät erst wiederum auf die Erde begeben hat. Das ist ja von einem etwas anderen Gesichtspunkte in meinem Vortragszyklus, der vor dreizehn Jahren in Stuttgart gehalten worden ist über Geschichte vom Standpunkte der Geisteswissenschaft, zu lesen.

[ 11 ] In Gilgamesh, we are dealing with a personality—an individual—who returned to Earth relatively early and had thus experienced many earthly incarnations during the period I am referring to. As for the other personality, who was also drawn to that city, we are dealing with one who had remained in planetary existence for a relatively long time and only returned to Earth later in life. This can be read from a somewhat different perspective in my lecture series, which was held thirteen years ago in Stuttgart, on “History from the Perspective of Spiritual Science.”

[ 12 ] Diese Persönlichkeit nun, die kam in innige Freundschaft mit Gilgamesch, und zusammen konnten sie dann wirklich haltbare soziale Zustände in der Stadt Uruk in Vorderasien herstellen. Das war namentlich dadurch möglich, daß dieser zweiten Persönlichkeit verhältnismäßig viel geblieben war von jenem Wissen, das durch wenige Erdeninkarnationen noch bewahrt geblieben war aus dem kosmischen Aufenthalte außerhalb der Erde. Da war, wie ich schon damals in Stuttgart sagte, bei dieser Persönlichkeit eine Art Hellsichtigkeit, Hellhörigkeit, Hell-Erkenntnis vorhanden. Und aus dem Zusammenflusse desjenigen, was aus den alten Eroberergewohnheiten und aus dem auf Rhythmus hinzielenden Gedächtnis bei der einen Persönlichkeit vorhanden war, und aus dem Hineinschauen in die Weltengeheimnisse der anderen Persönlichkeit erwuchs, so wie das ja in älteren Zeiten zumeist der Fall war, der Aufbau der sozialen Ordnung in jener Stadt Vorderasiens. Friede zog in diese Stadt ein, Glück der Bewohner zog ein, und alles wäre zunächst in Ordnung gewesen, wenn nicht ein bestimmtes Ereignis eingetreten wäre, das den ganzen Lauf der Tatsachen in einer anderen Weise wiederum orientiert hat.

[ 12 ] This personality, then, became close friends with Gilgamesh, and together they were able to establish truly sustainable social conditions in the city of Uruk in the Near East. This was made possible in particular by the fact that this second individual had retained a relatively large amount of the knowledge that had been preserved through a few earthly incarnations from the cosmic sojourn outside Earth. As I already mentioned back then in Stuttgart, this individual possessed a kind of clairvoyance, clairaudience, and claircognizance. And from the convergence of what remained in one personality—the old habits of conquest and a memory attuned to rhythm—and the other personality’s insight into the mysteries of the worlds, the social order of that city in the Near East took shape, just as was usually the case in earlier times. Peace came to this city, happiness came to its inhabitants, and everything would have been in order at first, had it not been for a certain event that redirected the entire course of events in a different direction.

[ 13 ] Da war in jener Stadt eine Art Mysterium, das Mysterium einer Göttin, und dieses Mysterium bewahrte außerordentlich viele Geheimnisse der Welt. Aber es war im Sinne der damaligen Zeit eine Art, ich möchte sagen, synthetischen Mysteriums, das heißt, da waren gesammelt in diesem Mysterium die verschiedensten Mystetienoffenbarungen Asiens. Und zu den verschiedenen Zeiten wurden die Mysteriengehalte in einer variierten, metamorphosierten Weise dort gepflegt und gelehrt. Das verstand zunächst diejenige Persönlichkeit, die im Epos den Namen Gilgamesch trägt, nicht, klagte an diese Mysterienstätte, daß sie Widerspruchsvolles lehre. Und dadurch, daß von maßgebender Seite — denn die beiden Persönlichkeiten, von denen ich spreche, waren ja diejenigen, die eigentlich der ganzen Stadt die Ordnung und die Verwaltung gaben —, dadurch, daß von einer so bedeutungsvollen Stelle das Mysterium angeklagt wurde, ergaben sich Schwierigkeiten, die zuletzt dazu führten, daß die Mysterienpriester sich an diejenigen Mächte wandten, an die man sich eben in den alten Mysterien wenden konnte. Sie werden ja heute sich nicht verwundern, daß man sich in den alten Mysterien wirklich an die geistigen Wesenheiten der höheren Hierarchien wenden konnte, da ich Ihnen doch gestern gesagt habe: Asien war in alten orientalischen Zeiten ja eigentlich nur der unterste Himmel, und in diesem untersten Himmel wußte man die göttlich-geistigen Wesen gegenwärtig und verkehrte mit ihnen. — Dieser Verkehr wurde insbesondere in den Mysterien gepflegt. Und so wandte sich denn die Priesterschaft der Ischtarmysterien an diejenigen geistigen Mächte, an die sie sich sonst immer gewendet hatte, wenn sie Erleuchtungen wollte, und da kam denn das zustande, daß diese geistigen Mächte eine gewisse Strafe über die Stadt verhängten.

[ 13 ] There was a kind of mystery in that city—the mystery of a goddess—and this mystery held an extraordinary number of the world’s secrets. But in the spirit of the times, it was a kind of—I would say—synthetic mystery, that is, this mystery brought together the most diverse mystery revelations of Asia. And at various times, the contents of the mysteries were cultivated and taught there in a varied, transformed manner. At first, the figure known in the epic as Gilgamesh did not understand this; he accused this place of mystery of teaching contradictory doctrines. And because the accusation came from an authoritative source—for the two figures I am speaking of were, after all, the ones who actually provided the entire city with its order and administration— because the mystery was denounced by such an authoritative source, difficulties arose that ultimately led the mystery priests to turn to those powers to which one could turn in the ancient mysteries. You will not be surprised today to learn that in the ancient mysteries one could indeed turn to the spiritual beings of the higher hierarchies, since I told you yesterday: In ancient Oriental times, Asia was, in fact, merely the lowest heaven, and in this lowest heaven people knew the divine-spiritual beings to be present and communed with them. — This communion was cultivated especially within the Mysteries. And so the priesthood of the Ishtar Mysteries turned to those spiritual powers to which they had always turned when seeking enlightenment, and as a result, these spiritual powers imposed a certain punishment upon the city.

[ 14 ] Man drückte das dazumal so aus, daß man sagte: Etwas, was eigentlich eine höhere geistige Kraft ist, wirkt in Uruk als tierische Gewalt, als gespensterhafte tierische Gewalt. — Es kam allerlei über die Bewohner, physische Krankheiten, aber namentlich seelische Zetrüttungen. Und die Folge davon war, daß die eine Persönlichkeit, die sich zu Gilgamesch geschlagen hat, die im Epos Enkidu genannt wird, infolge dieser Schwierigkeiten starb, aber eigentlich zur Fortsetzung der Mission der anderen Persönlichkeit auf Erden auch nach dem Tode geistig bei dieser Persönlichkeit verblieb. So daß wir also die spätere Lebenszeit, die spätere Entwickelung jener Persönlichkeit, die im Epos den Namen Gilgamesch trägt, so aufzufassen haben, daß auch weiterhin ein Zusammenwirken ist zwischen den zwei charakterisierten Persönlichkeiten, aber so, daß Eingebungen, Erleuchtungen des Gilgamesch von seiten des Enkidu in der Folgezeit stattfanden, so daß Gilgamesch allein fortdauernd handelte nicht nur aus seinem eigenen Willen heraus, sondern aus dem Willen der beiden, aus dem Zusammenflusse des Willens der beiden.

[ 14 ] At the time, this was expressed by saying: Something that is actually a higher spiritual force is at work in Uruk as an animalistic force, as a ghostly animalistic force. — All manner of afflictions befell the inhabitants—physical illnesses, but especially psychological upheavals. And the consequence of this was that the one personality who had allied himself with Gilgamesh—the one called Enkidu in the epic—died as a result of these difficulties, but in fact remained spiritually with this personality on earth even after death to continue the other personality’s mission. Thus, we must understand the later life and development of that personality who bears the name Gilgamesh in the epic as continuing to involve a collaboration between the two distinct personalities—but in such a way that inspirations, and insights received by Gilgamesh from Enkidu in the subsequent period, so that Gilgamesh alone continued to act not only out of his own will, but out of the will of both, out of the convergence of their two wills.

[ 15 ] Damit habe ich Ihnen wieder etwas hingestellt, was in diesen alten Zeiten durchaus eine Möglichkeit war. So eindeutig war das menschliche Gemüt nicht in jener alten Zeit, wie es heute ist. Daher konnte es auch in dem Sinne nicht das Erlebnis der Freiheit geben wie heute. Es konnte durchaus entweder ein geistiges Wesen, das niemals auf Erden sich verkörpert hatte, durch den Willen einer irdischen Persönlichkeit wirken, oder es konnte, wie es ja bei Gilgamesch der Fall war, eine Persönlichkeit, die schon durch den Tod gegangen war, die ein Postmortem-Leben führte, durch den Willen einer Persönlichkeit auf Erden sprechen, handeln. Und so war es bei Gilgamesch. Und aus dem, was sich auf diese Weise aus dem Zusammenflusse der zwei Willen ergab, stieg in Gilgamesch vor allen Dingen eine ziemlich klare Erkenntnis davon auf, in welcher historischen Lage er sich eigentlich befand. Er fing an, gerade durch den Einfluß des ihn inspirierenden Geistes zu wissen, daß das Ich sich heruntergesenkt hat in den sterblichen physischen und in den Ätherleib, und es fing für Gilgamesch an, das Problem der Unsterblichkeit eine intensiv starke Rolle zu spielen. Alle seine Sehnsucht ging darauf hin, irgendwie hinter dieses Problem der Unsterblichkeit zu kommen. Die Mysterien, die dasjenige bewahrten, was über Unsterblichkeit auf Erden in der damaligen Zeit zu sagen war, die öffneten sich zunächst Gilgamesch nicht. Diese Mysterien hatten ja noch die Tradition und aus den Traditionen heraus auch zum großen Teil die lebendige Erkenntnis, die vorhanden war, während auf der Erde die Urweisheit in der alten atlantischen Zeit waltete.

[ 15 ] With this, I have once again presented you with something that was certainly a possibility in those ancient times. The human mind was not as clear-cut in those ancient times as it is today. Therefore, the experience of freedom, as we understand it today, could not exist in that sense back then. It was certainly possible either for a spiritual being who had never incarnated on Earth to act through the will of an earthly personality, or—as was indeed the case with Gilgamesh—for a personality who had already passed through death and was leading a postmortem life to speak and act through the will of a personality on Earth. And so it was with Gilgamesh. And from what arose in this way from the convergence of the two wills, a rather clear realization emerged in Gilgamesh, above all else, of the historical situation in which he actually found himself. Precisely through the influence of the spirit inspiring him, he began to realize that the “I” had descended into the mortal physical body and the etheric body, and the problem of immortality began to play an intensely significant role for Gilgamesh. All his longing was directed toward somehow getting to the bottom of this problem of immortality. The mysteries, which preserved what could be said about immortality on Earth at that time, did not initially reveal themselves to Gilgamesh. These mysteries still held the tradition—and, to a large extent, the living knowledge derived from those traditions—that had existed while primordial wisdom reigned on Earth during the ancient Atlantean era.

[ 16 ] Aber die Träger dieser Urweisheit, die einstmals auf der Erde wandelten als geistige Wesenheiten, sie hatten sich längst zurückgezogen und die kosmische Kolonie des Mondes gegründet. Denn es ist die reine Kinderei, zu meinen, daß der Mond der starre, erfrorene Körper sei, als den ihn die heutige Physik schildert. Der Mond ist der Weltaufenthalt vor allen Dingen derjenigen geistigen Wesenheiten, welche die ersten großen Lehrer der Erdenmenschheit waren, die der Erdenmenschheit einstmals die Urweisheit gebracht haben und die sich, bald nachdem der Mond als physischer Weltenkörper die Erde verlassen und seinen eigenen Ort im Planetensystem eingenommen hat, nach diesem Monde zurückgezogen haben. Derjenige, der heute durch imaginative Erkenntnis die Möglichkeit hat, den Mond wirklich kennenzulernen, lernt auch noch in dieser kosmischen Kolonie jene geistigen Wesenheiten kennen, die einstmals die Lehrer der Urweisheit der Menschheit auf der Erde waren. Was diese einst gelehrt hatten, aber auch jene Impulse, durch die man selbst in einer gewissen Beziehung zu dieser Urweisheit kommen kann, bewahrten die Mysterien. Allein eine rechte Verbindung zwischen diesen Mysterien Vorderasiens zum Beispiel und der Persönlichkeit, die im Epos Gilgamesch genannt wird, gab es nicht. Aber durch den übersinnlichen Einfluß des Freundes, der im Postmortem-Zustande mit Gilgamesch vereinigt war, kam der innere Drang in Gilgamesch, Wege in der Welt aufzusuchen, durch die er imstande sein könne, etwas über die Unsterblichkeit der Seele zu erfahren.

[ 16 ] But the bearers of this primordial wisdom, who once walked the Earth as spiritual beings, had long since withdrawn and founded the cosmic colony on the Moon. For it is sheer childishness to believe that the Moon is the lifeless, frozen body that modern physics describes it as being. The Moon is, above all, the cosmic abode of those spiritual beings who were the first great teachers of humanity on Earth, who once brought primordial wisdom to humanity, and who, shortly after the Moon—as a physical celestial body—left the Earth and took its own place in the planetary system, withdrew to this Moon. Those who today, through imaginative insight, have the opportunity to truly come to know the Moon also encounter, within this cosmic colony, those spiritual beings who were once the teachers of humanity’s primordial wisdom on Earth. The mysteries preserved not only what these beings had once taught, but also those impulses through which one can, in a certain sense, come into contact with this primordial wisdom. However, there was no true connection between these mysteries of the Near East, for example, and the figure known as Gilgamesh in the epic. But through the supersensible influence of the friend who was united with Gilgamesh in the postmortem state, an inner urge arose within Gilgamesh to seek out paths in the world through which he might be able to learn something about the immortality of the soul.

[ 17 ] Im Mittelalter ist es üblich geworden, wenn man etwas über die geistige Welt erfahren wollte, sich in das Innere des Menschen zu versenken. In der neueren Zeit ist nun, ich möchte sagen, ein noch innerlicherer Vorgang üblich. Aber in jenen älteren Zeiten, von denen ich jetzt spreche, wußte man ganz genau: Die Erde ist nicht jener Gesteinsklotz, als den ihn etwa die heutige Geologie beschreibt, sondern die Erde ist ein lebendig beseeltes, geistiges Wesen. — Und so wie etwa ein kleines Tier, wenn es über den Menschen läuft, den Menschen kennenlernen kann, indem es über die Nase läuft, über die Stirne läuft, durch die Haare läuft und durch diese Reise sein Wissen erwirbt, so war es in der damaligen Zeit, daß der Mensch, indem er sich auf die Wanderung über die Erde machte, die Erde in ihren verschiedenen Konfigurationen an verschiedenen Orten kennenlernte und daß er dadurch Einblicke gewann in die geistige Welt. Er gewann sie, ob ihm nun der Zugang zu den Mysterien gestattet war oder nicht, er gewann sie. Und es ist wirklich keine Äußerlichkeit, daß von Pythagoras und ähnlichen Leuten erzählt wird, daß sie zur Erwerbung ihrer Erkenntnisse eben große Wanderungen machten. Man ging die Erde ab, um in der Mannigfaltigkeit ihrer Konfigurationen dasjenige aufzunehmen, was aus der verschiedenen Gestaltung der geistig-seelisch-physischen Erde an verschiedenen Orten dieser Erde zu beobachten war. Heute können die Menschen nach Afrika, nach Australien reisen, sie erleben ja doch mit Ausnahme der Äuferlichkeiten, die sie anglotzen, nicht viel anderes, als was sie zu Hause auch erleben. Denn für die radikalen Verschiedenheiten, die da bestehen zwischen verschiedenen Erdenflecken, ist eben die menschliche Empfänglichkeit erstorben. In der Zeit, von der ich jetzt spreche, war sie nicht erstorben. Und so bedeutete schon der Drang, durch eine Wanderung über die Erde hin etwas zu bekommen für die Lösung des Problems der Unsterblichkeit, für Gilgamesch etwas sehr Bedeutsames.

[ 17 ] In the Middle Ages, it became customary, when one wished to learn about the spiritual world, to immerse oneself in the inner world of the human being. In more recent times, I would say, an even more inward process has become common. But in those earlier times I am speaking of now, people knew quite precisely: The Earth is not that lump of rock as described, for example, by modern geology, but rather the Earth is a living, animated, spiritual being. — And just as, for example, a small animal, when it runs over a human being, can get to know that person by running over their nose, over their forehead, through their hair, and acquiring knowledge through this journey—so it was in those days that the human being, by setting out on a journey across the Earth, came to know the Earth in its various configurations in different places and thereby gained insights into the spiritual world. They gained these insights, whether or not they were granted access to the mysteries; they gained them nonetheless. And it is by no means a mere coincidence that stories are told of Pythagoras and others like him who undertook great journeys precisely to acquire their knowledge. People traveled the Earth to take in, through the diversity of its configurations, what could be observed in the various forms of the spiritual, soul, and physical Earth at different locations on this planet. Today, people can travel to Africa or Australia, yet—with the exception of the superficialities they gaze at—they experience little that is different from what they experience at home. For human receptivity to the radical differences that exist between various parts of the Earth has simply died out. In the time I am now speaking of, it had not yet died out. And so the very urge to gain something through a journey across the Earth—for the solution to the problem of immortality—was something very significant for Gilgamesh.

[ 18 ] Und so trat er denn diese Wanderung an. Diese Wanderung war für ihn von einem immerhin sehr, sehr bedeutenden Erfolge. Er traf in einer Gegend, die etwa in demselben Gebiete liegt, von dem in der neueren Zeit viel die Rede war, das aber in bezug auf seine sozialen Zustände natürlich sich sehr geändert hat, er traf in dem Gebiete des sogenannten Burgenlandes, über das gestritten worden ist, ob es zu Zisleithanien oder zu Ungarn gehören sollte, in einem Gebiet also des Burgenlandes, ein altes Mysterium. Der Oberpriester dieses Mysteriums wird im Gilgamesch-Epos Xisuthros genannt. Er traf ein altes Mysterium, das eine echte Mysterien-Nachform der alten atlantischen Mysterien war, natürlich in einer Metamorphose, wie das in einer so späten Zeit der Fall sein konnte.

[ 18 ] And so he set out on this journey. For him, this journey was, after all, a very, very significant success. He arrived in a region that lies roughly in the same area that has been much discussed in recent times, but which, of course, has changed greatly in terms of its social conditions; he arrived in the region of the so-called Burgenland, over which there had been disputes as to whether it should belong to Zisleithania or to Hungary—in a region of the Burgenland, that is, an ancient mystery. The high priest of this mystery is named Xisuthros in the Epic of Gilgamesh. He encountered an ancient mystery that was a genuine reincarnation of the ancient Atlantean mysteries—naturally in a transformed form, as was to be expected at such a late period.

[ 19 ] Und in der Tat, in dieser Mysterienstätte wußte man die Erkenntnisfähigkeit des Gilgamesch zu beurteilen, zu würdigen. Man wollte ihm entgegenkommen. Es wurde ihm eine Prüfung auferlegt, die dazumal vielen Schülern der Mysterien auferlegt worden ist. Die Prüfung bestand darin, gewisse Exerzitien zu machen bei vollem Wachsein durch sieben Tage und sieben Nächte. Das ging für ihn nicht. Und so unterwarf er sich denn nur dem Surrogat einer solchen Prüfung. Und dieses Surrogat bestand darin, daß ihm gewisse Substanzen zubereitet wurden, die er in sich aufnahm und durch die er in der Tat eine gewisse Erleuchtung bekam, wenn auch, wie es auf diesem Felde immer der Fall ist, wenn nicht gewisse Ausnahmebedingungen garantiert sind, diese in gewissem Sinne zweifelhaft waren. Aber eine gewisse Erleuchtung war nun bei Gilgamesch vorhanden, eine gewisse Einsicht in die Weltenzusammenhänge, in das geistige Gefüge der Welt. So daß, als Gilgamesch diese Wanderung vollendet hatte und wiederum zurückkehrte, in ihm in der Tat eine hohe geistige Einsicht vorhanden war.

[ 18 ] And so he set out on this journey. For him, this journey was, after all, a very, very significant success. He arrived in a region that lies roughly in the same area that has been much discussed in recent times, but which, of course, has changed greatly in terms of its social conditions; he arrived in the region of the so-called Burgenland, over which there had been disputes as to whether it should belong to Zisleithania or to Hungary—in a region of the Burgenland, that is, an ancient mystery. The high priest of this mystery is named Xisuthros in the Epic of Gilgamesh. He encountered an ancient mystery that was a genuine reincarnation of the ancient Atlantean mysteries—naturally in a transformed form, as was to be expected at such a late period.

[ 20 ] Er wanderte etwa die Donau entlang, südwärts der Donau entlang wiederum zurück in seinen Heimatort, in seinen gewählten Heimatort. Aber bevor er in diesem Heimatort ankam, unterlag er, weil er eben nicht in der anderen Weise, die ich geschildert habe, sondern in jener etwas schwierigen Weise die Einweihung in das nachatlantische Mysterium erhalten hatte, er unterlag der ersten Versuchung, einer furchtbaren Zornanwandelung über ein Ereignis, das ihn traf, eigentlich etwas, das er hörte von dem, was in der Stadt vorging. Er hörte es, bevor er in der Stadt anlangte. Eine furchtbare Zornaufwallung überkam ihn, und durch diese Zornaufwallung wutde fast vollständig die Erleuchtung verdunkelt, so daß er ohne diese ankam.

[ 20 ] He wandered along the Danube, southward along the Danube, and then back to his hometown—his chosen hometown. But before he arrived at this home town, he succumbed—because he had received his initiation into the post-Atlantean mystery not in the other way I have described, but in that somewhat difficult way—he succumbed to the first temptation: a terrible outburst of anger over an event that had befallen him, actually something he had heard about what was happening in the city. He heard about it before he arrived in the city. A terrible surge of anger overwhelmed him, and this surge of anger almost completely obscured his enlightenment, so that he arrived without it.

[ 21 ] Dennoch aber, und das ist das Eigentümliche dieser Persönlichkeit, bestand ja die Möglichkeit fort, im Zusammenhange mit dem verstorbenen Freunde, mit dem Geiste des verstorbenen Freundes in die geistige Welt hineinzublicken oder wenigstens Mitteilungen zu bekommen von der geistigen Welt. Nun ist es aber doch ein anderes, durch eine Initiation unmittelbar hineinzuschauen in die geistige Welt oder Mitteilungen zu bekommen von einer Persönlichkeit, die im Postmortem-Zustande ist. Man kann aber doch sagen: Etwas von einer Einsicht in das Wesen der Unsterblichkeit ist bei Gilgamesch geblieben. — Und ich sehe jetzt ab von dem, was dann durchgemacht wird nach dem Tode; diese Ereignisse, die da durchgemacht werden, die spielen ja in das Bewußtsein nächster Inkarnationen, heute und damals, noch nicht sehr stark hinein: in das Bewußtsein! In das Leben, in die innere Konstitution gewiß sehr stark, aber nicht in das Bewußtsein.

[ 21 ] Nevertheless—and this is what makes this individual so unique—the possibility remained of gaining a glimpse into the spiritual world in connection with the deceased friend, with the spirit of the deceased friend, or at least of receiving messages from the spiritual world. However, it is quite another matter to look directly into the spiritual world through an initiation or to receive messages from a person who is in the postmortem state. Yet one can say that Gilgamesh retained some insight into the nature of immortality. — And I will now set aside what is experienced after death; these events that are experienced there do not yet play a very strong role in the consciousness of subsequent incarnations, whether today or in the past: in the consciousness! Certainly they have a very strong influence on life and on the inner constitution, but not on the consciousness.

[ 22 ] Sehen Sie, da habe ich Ihnen zwei Persönlichkeiten geschildert, die miteinander zum Ausdrucke bringen die menschliche Geistesverfassung in der dritten nachatlantischen Kulturperiode, ungefähr in ihrer Mitte, die durchaus noch so lebten, daß an der Art ihres Lebens stark bemerkbar war, wie der Mensch aus einer Zweiheit besteht. Denn der eine, Gilgamesch, war sich ja dieser Zweiheit bewußt, wenn er auch einer der ersten war, die es durchgemacht hatten, daß das Ich-Bewußtsein sich heruntergesenkt hat, das Ich sich heruntergesenkt hat in das Physisch-Ätherische. Der andere hat, weil er wenige Inkarnationen auf der Erde mitgemacht hatte, eine Hell-Erkenntnis gehabt, wodurch er überhaupt die Einsicht hatte, daß} es Materie, Stoff, ja gar nicht gibt, daß alles geistig ist, daß das sogenannte Stoffliche nur eine andere Form des Geistigen ist.

[ 22 ] You see, I have described to you two personalities who, together, embody the human state of mind in the third post-Atlantean cultural epoch, roughly at its midpoint; they still lived in such a way that the nature of their lives clearly revealed how human beings consist of a duality. For one of them, Gilgamesh, was indeed aware of this duality, even though he was one of the first to have experienced the descent of the “I”-consciousness—the descent of the “I” into the physical-etheric realm. The other, because he had undergone only a few incarnations on Earth, possessed a clairvoyant insight through which he came to understand that matter, substance, does not exist at all, that everything is spiritual, and that the so-called material realm is merely another form of the spiritual.

[ 23 ] Sie können sich ja vorstellen: alles das, was der Mensch heute denkt und empfindet, konnte er ja bei einer solchen Konstitution seines Wesens selbstverständlich nicht denken und empfinden. Sein ganzes Denken und Empfinden war eben anders. Und was an solche Persönlichkeiten herankommen konnte, war natürlich nicht unser heutiges Schulmäßiges, weder etwas, das dem heutigen Volksschulmäßigen noch dem höheren Schulmäßigen ähnlich war, sondern alles, was geistig, kulturell, zivilisatorisch an die Menschen herankam, floß ja aus den Mysterien heraus, kam in irgendeiner Weise zur Mitteilung durch allerlei Kanäle in die breitesten Massen der Menschen. Aber die eigentlichen Pfleger waren die Priesterweisen in den Mysterien.

[ 23 ] You can imagine: with such a constitution of his being, a person could naturally not think or feel all the things that people think and feel today. His entire way of thinking and feeling was simply different. And what could reach such personalities was, of course, not our modern school system—neither something resembling today’s elementary school system nor the higher school system—but rather, everything that reached people intellectually, culturally, and in terms of civilization flowed from the Mysteries and was communicated in one way or another through all manner of channels to the broadest masses of people. But the true custodians were the priest-sages of the Mysteries.

[ 24 ] Nun war das Eigentümliche bei beiden Persönlichkeiten, von denen ich spreche, daß sie in jener Inkarnation, die ich eben geschildert habe, durch ihre besondere Seelenart den Mysterien, gerade den Mysterien ihrer Umgebung nicht nahestehen konnten. Derjenige, der im Gilgamesch-Epos Enkidu genannt wird, er stand nahe den Mysterien durch seine außerirdischen Aufenthalte; derjenige, der Gilgamesch genannt wird, hat eine Art Initiation erlebt in einem nachatlantischen Mysterium, die aber nur halbe Früchte in ihm getragen hat. Aber all das wirkte so, daß wie im eigenen Sein dieser Persönlichkeiten etwas gefühlt wurde von ihnen, das sie ähnlich machte der menschlich irdischen Vorzeit. Beide konnten sich sagen: Wie sind wir denn geworden? Was haben wir denn mitgemacht mit der Erdenentwickelung? Wir sind ja so, wie wir sind, eben durch die Erdenentwickelung geworden. Was haben wir denn da mitgemacht?

[ 24 ] Now, what was peculiar about both of the personalities I am speaking of was that, in the incarnation I have just described, their particular nature of soul prevented them from being close to the mysteries—specifically, the mysteries of their surroundings. The one called Enkidu in the Epic of Gilgamesh was close to the mysteries through his stays on other planets; the one called Gilgamesh experienced a kind of initiation into a post-Atlantean mystery, but it bore only partial fruit within him. But all of this had the effect that, within the very being of these personalities, something was felt that made them similar to humanity’s earthly prehistory. Both could ask themselves: How did we come to be? What have we actually experienced in the course of Earth’s evolution? We have become who we are precisely through Earth’s evolution. What have we actually experienced there?

[ 25 ] Die Unsterblichkeitsfrage, an der Gilgamesch gelitten, mit der er gerungen hat, die hing ja dazumal gerade dutch das, was in den menschlichen Seelen war, mit notwendigen Einsichten über die irdische vorzeitliche Entwickelung zusammen. Und man konnte eigentlich über die Unsterblichkeit der Seele nicht im damaligen Sinne denken oder empfinden, wenn man nicht zu gleicher Zeit eine gewisse Einsicht davon hatte, wie die Seelen der Menschen, die ja auch bei den urältesten Entwickelungsphasen der Erde, während des Monden- und Sonnenzustandes und so weiter schon dabei waren, dasjenige, was dann irdisch geworden ist, an sich haben herankommen sehen. Man fühlte, man gehört zur Erde dazu; man muß, um sich selber zu erkennen, seinen Zusammenhang mit der Erde durchschauen.

[ 25 ] The question of immortality—which tormented Gilgamesh and with which he wrestled—was, after all, closely intertwined at that time with what lay within the human soul, along with essential insights into prehistoric earthly development. And one could not really think or feel about the immortality of the soul in the sense of that time unless one simultaneously had a certain understanding of how human souls—which were already present even during the Earth’s most ancient phases of development, during the lunar and solar states and so on—had witnessed what later became earthly drawing near to them. One felt that one belonged to the Earth; in order to know oneself, one must understand one’s connection to the Earth.

[ 26 ] Nun waren die Geheimnisse, die in allen asiatischen Mysterien gepflogen wurden, in erster Linie kosmische Mysterien, die gerade den Hergang der Erdenentwickelung im Zusammenhange mit dem Kosmos zu ihrem Lehr- und Weisheitsinhalte hatten. Es trat in diesen Mysterien in einer ganz lebendigen Weise, so daß es im Menschen zu Ideen werden konnte, vor die Menschen hin eine Überschau von dem, wie die Erde sich entwickelt hat und wie in dem Wellen und Wogen der Substanzen und Kräfte der Erde durch Sonnen-, Monden- und Erdenzeit der Mensch sich mit all diesen Substanzen entwickelt hat. Das wurde in aller Lebendigkeit vorgeführt.

[ 26 ] Now, the mysteries practiced in all Asian mystery traditions were, first and foremost, cosmic mysteries, whose teachings and wisdom centered specifically on the course of the Earth’s development in relation to the cosmos. In these mysteries, a vivid picture was presented—one that could take root as ideas within people—offering them an overview of how the Earth has developed and how, amid the ebb and flow of the Earth’s substances and forces through the solar, lunar, and terrestrial eras, humanity has evolved alongside all these substances. This was demonstrated with great vitality.

[ 27 ] Eines derjenigen Mysterien, in denen solche Dinge vorgeführt wurden, hatte sich erhalten bis in sehr späte Zeiten. Es ist die Mysterienstätte von Ephesus, die Mysterienstätte der Artemis von Ephesus. Diese Mysterienstätte von Ephesus, sie war ja so, daß sie in ihrem Mittelpunkte das Bildnis der Göttin Artemis hatte. Wenn heute einer die Nachbildungen der Göttin Artemis von Ephesus anschaut, so hat er nur die groteske Empfindung einer Frauengestalt mit lauter Brüsten, weil er keine Ahnung hat, wie solche Sachen in alten Zeiten erlebt worden sind. Auf das Erleben dieser Dinge kam es ja in alten Zeiten an. Die Schüler der Mysterien hatten Vorbereitungen durchzumachen, durch die sie dann zum eigentlichen Zentrum der Mysterien geführt wurden. Das Zentrum dieser ephesischen Mysterien war dieses Artemisbildnis. Wenn sie zu diesem Zentrum geführt wurden, so wurden sie eins mit einem solchen Bildnis. Der Mensch hörte auf, indem er vor diesem Bildnis stand, das Bewußtsein zu haben, er sei irgend etwas da in seiner Haut drinnen. Er bekam das Bewußtsein, daß er das ist, was das Bild ist. Er identifizierte sich mit dem Bilde. Und dieses Sich-Identifizieren im Bewußtsein mit dem Götterbilde zu Ephesus, das hatte die Wirkung, daß man nun nicht mehr hinschaute auf die Reiche der Erde, die einen umgaben, auf Steine, Bäume, Flüsse, Wolken und so weiter, sondern indem man sich hineinfühlte in das Bildnis der Artemis, bekam man innerlich die Anschauung seines Zusarmmenhanges mit den Ätherwelten. Man fühlte sich eins mit der Sternenwelt, mit den Vorgängen in der Sternenwelt. Man fühlte nicht die irdische Substantialität innerhalb der menschlichen Haut, man fühlte sein kosmisches Dasein. Man fühlte sich im Ätherischen.

[ 27 ] One of the mystery cults in which such rituals were performed had survived until very late times. It is the mystery sanctuary of Ephesus, the sanctuary of Artemis of Ephesus. This mystery sanctuary of Ephesus was such that it had the image of the goddess Artemis at its center. When someone today looks at the replicas of the goddess Artemis of Ephesus, they are left with only the grotesque impression of a female figure with prominent breasts, because they have no idea how such things were experienced in ancient times. It was the experience of these things that mattered in ancient times. The initiates of the mysteries had to undergo preparations that led them to the very center of the mysteries. The center of these Ephesian Mysteries was this image of Artemis. When they were led to this center, they became one with such an image. Standing before this image, the person ceased to have the awareness that he was something inside his own skin. He gained the awareness that he was what the image was. He identified with the image. And this identification in consciousness with the divine image at Ephesus had the effect that one no longer looked upon the earthly realms surrounding one—stones, trees, rivers, clouds, and so on—but by feeling one’s way into the image of Artemis, one gained an inner perception of one’s connection with the etheric worlds. One felt at one with the world of the stars, with the processes taking place in the world of the stars. One did not feel the earthly materiality within one’s human skin; one felt one’s cosmic existence. One felt oneself to be in the etheric.

[ 28 ] Und durch dieses Sich-Fühlen im Ätherischen ging einem auf, was frühere Zustände des Erdenerlebens des Menschen waren und des Erdenerlebens an sich. Heute schauen wir die Erde so an, daß sie, wie gesagt, eine Art Gesteinsklotz ist, der die Gewässer trägt über einen großen Teil seiner Oberfläche hin, der umgeben ist von einem Luftkreis, in dem Sauerstoff und Stickstoff und andere Stoffe sind, in dem vor allen Dingen das ist, was der Mensch zum Atmen braucht und so weiter. Und wenn die Menschen heute in dem, was gebräuchliche Naturerkenntnisse sind, zu spekulieren, zu beobachten, die Beobachtung zu deuten anfangen — dann kommt schon etwas Rechtes heraus! Denn dasjenige, was diesen heutigen Zuständen in urältesten Zeiten vorangegangen ist, das kann nur durch Geistesschau erlangt werden. Aber ein solches Geistesschauen über Urzustände der Erde und der Menschheit ging den Schülern von Ephesus auf, wenn sie sich mit dem Götterbilde identifizierten, und sie lernten erkennen, wie dasjenige, was heute Atmosphäre um die Erde ist, einst nicht so war, wie es jetzt ist, sondern wie das, was da vorhanden war in dieser Erdenumgebung an der Stelle, wo heute die Atmosphäre ist, wie das außerordentlich feines, flüssig-flüchtiges Eiweiß war, Eiweißsubstanz. So daß alles, was auf der Erde lebte, zu seiner Entstehung die Kräfte dieser über die Erde hin flüchtigflüssigen Eiweißsubstanz brauchte und auch in dieser lebte. Und man schaute an, wie dasjenige, was in dieser Eiweißsubstanz schon in einem gewissen Sinne da war, fein verteilt, aber durchaus mit der Tendenz, überall zu kristallisieren (siehe Zeichnung, rötlich), was da in fein verteiltem Zustande als Kieselsäure war, eine Art Sinnesorgan der Erde darstellte, das die Imaginationen, die Einflüsse überall vom Kosmos her in sich aufnahm. So daß man in dem Kieselsäuregehalt der irdisch-eiweißartigen Atmosphäre überall reale, äußerlich vorhandene Imaginationen hatte.

[ 28 ] And through this sense of being in the etheric realm, it became clear what the earlier states of human experience on Earth—and of earthly experience itself—had been. Today we view the Earth as, as I said, a kind of rocky mass that carries water over a large part of its surface, surrounded by an atmosphere containing oxygen, nitrogen, and other substances—above all, what human beings need to breathe, and so on. And when people today begin to speculate, observe, and interpret their observations within the framework of current scientific knowledge—then something true does emerge! For what preceded these present-day conditions in the most ancient times can only be attained through spiritual insight. But such spiritual insight into the primordial states of the Earth and humanity dawned on the disciples of Ephesus when they identified with the image of the gods, and they came to recognize how what is now the Earth’s atmosphere was not always as it is today, but rather—in the Earth’s environment where the atmosphere now exists—was an extraordinarily fine, liquid, and volatile protein substance. So that everything that lived on Earth required, for its formation, the forces of this protein substance—which was a volatile liquid spreading over the Earth—and also lived within it. And one observed how that which was already present in this protein substance in a certain sense—finely dispersed, yet with a definite tendency to crystallize everywhere (see drawing, reddish)—which existed in a finely dispersed state as silicic acid, constituted a kind of sensory organ of the Earth that absorbed within itself the imaginations and influences coming from all over the cosmos. Thus, within the silica content of the Earth’s protein-like atmosphere, there were everywhere real, externally existing imaginations.

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[ 29 ] Diese Imaginationen hatten die Form von riesigen pflanzlichen Organismen, und aus dem, was sich als Imaginationen dem Irdischen einbildete, entwickelte sich ja später durch Aufnahme der atmosphärischen Substanz das Pflanzliche, zuerst in einer flüchtigflüssigen Form im Umkreis der Erde. Später erst senkte es sich in den Boden ein und wurde das spätere Pflanzliche. Und außer dem Kieselsäurehaltigen war in diese Albuminatmosphäre eingebettet Kalkiges in feiner Verteilung. Aus dem Kalkigen heraus entstand wiederum unter dem Einflusse der Gerinnung dieses Eiweißes das Tierische. Und der Mensch fühlte sich in alledem darinnen. Der Mensch fühlte, er war in den Urzeiten eins mit der ganzen Erde. Er lebte in dem, was sich in der Erde als Pflanzen bildete durch Imagination, er lebte in dem, was sich im Irdischen als Tierisches bildete, so wie ich es eben jetzt geschildert habe. Jeder Mensch empfand sich im Grunde genommen als ausgedehnt über die ganze Erde, als eins mit der Erde. So daß die Menschen, wie ich es in bezug auf das menschliche Ideenvermögen in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» für die Platonische Lehre noch dargestellt habe, ineinandersteckten.

[ 29 ] These imaginations took the form of gigantic plant organisms, and from what appeared to the earthly realm as imaginations, the plant kingdom later developed through the absorption of atmospheric substance, initially in a volatile, liquid form in the Earth’s vicinity. Only later did it sink into the ground and become what would later be the plant kingdom. And in addition to the silica-containing matter, finely dispersed calcareous material was embedded in this albuminous atmosphere. From the calcareous material, in turn, the animal kingdom arose under the influence of the coagulation of this protein. And human beings felt themselves to be part of all of this. Human beings felt that in primeval times they were one with the entire Earth. They lived within what took shape in the Earth as plants through imagination; they lived within what took shape in the earthly realm as the animal kingdom, just as I have just described. Every human being essentially perceived himself as extending across the entire Earth, as one with the Earth. Thus, as I have described in relation to the human capacity for ideas in my book *Christianity as a Mystical Fact* with regard to the Platonic teaching, human beings were intertwined.

[ 30 ] Sehen Sie, das Schicksal ergab, daß jene beiden Persönlichkeiten, von denen ich in Stuttgart damals gesprochen habe, jetzt wieder spreche, wiederum verkörpert waren als Angehörige des ephesischen Mysteriums und da das, was ich nunmehr skizziert habe, innig in ihre Seelen aufnahmen. Dadurch wurde in einer gewissen Weise ihr Seelisches innerlich konsolidiert. Sie nahmen als Erdenweisheit jetzt durch das Mysterium auf, was ihnen früher nur im Erlebnis, aber zum großen Teil im unbewußten Erlebnis zugänglich war. Dadurch war also auf zwei voneinander getrennte Inkarnationen das Erleben des Menschlichen bei diesen Persönlichkeiten verteilt. Dadurch aber trugen sie in sich ein starkes Bewußtsein der Zusammengehörigkeit des Menschen mit der oberen, mit der geistigen Welt, aber zugleich ein starkes, ein intensives Empfindungsvermögen für alles das, was irdisch ist.

[ 30 ] You see, fate decreed that those two individuals I spoke of back then in Stuttgart—and of whom I am speaking again now—were once more embodied as participants in the Ephesian Mystery, and that they took what I have now outlined deeply into their souls. In a certain sense, this led to an inner consolidation of their souls. Through the Mystery, they now absorbed as earthly wisdom what had previously been accessible to them only through experience—and largely through unconscious experience. Thus, the experience of the human condition was distributed across two separate incarnations for these individuals. As a result, however, they carried within themselves a strong awareness of humanity’s connection to the higher, spiritual world, yet at the same time a strong, intense sensitivity to all that is earthly.

[ 31 ] Denn sehen Sie, wenn einem bei zwei Dingen diese zwei Dinge immer durcheinanderfließen, wenn man sie nicht auseinanderhalten kann, dann verschwimmen sie ineinander; wenn sie sich aber deutlich unterscheiden, dann kann man jedes an dem anderen beurteilen. Und so konnten denn diese beiden Persönlichkeiten auf der einen Seite das aus dem Leben heraus folgende Geistige der oberen Welt, das in ihnen lebte als Nachklang der früheren Inkarnationen, beurteilen. Und jetzt, da ihnen die Sache im Mysterium überliefert wurde, im ephesischen Mysterium unter dem Einflusse der Göttin Artemis, jetzt konnten sie beurteilen, wie die Dinge auf der Erde außer dem Menschen entstanden sind, wie allmählich das Außermenschliche auf Erden sich herausgebildet hat aus einem ursprünglichen Substantiellen, das den Menschen mitumfaßte. Dadurch wurde das Leben gerade dieser Persönlichkeiten, das zum Teil noch in die letzte Zeit fällt, in der Heraklit in Ephesus lebte, dann aber in die spätere Zeit, es wurde das Leben dieser Persönlichkeiten ein besonders innerlich reiches, ein innerlich von Weltengeheimnissen stark durchzucktes. Und es entstand auch ein starkes Bewußtsein davon, wie der Mensch in seinem Seelenleben zusammenhängen kann nicht bloß mit dem, was sich horizontal auf der Erde ausbreitet, sondern mit dem, was nach oben sich breitet, wenn der Mensch seine Wesenheit nach oben dehnt. Und diese innere Seelenkonfiguration, die diese beiden Persönlichkeiten, die miteinander gewirkt hatten in der älteren ägyptisch-chaldäischen Periode, die dann miteinander gelebt haben zur Zeit des Heraklit also, könnte man sagen, aber noch etwas später, im Zusammenhange mit dem ephesischen Mysterium, es konnte dieses Zusammenwirken sich nun fortsetzen. Die Seelenkonfiguration, die sich bei beiden ausgebildet hatte, die ging ja dann durch den Tod, ging durch die geistige Welt durch und bereitete sich zu einem Erdenleben vor, von dem aus im Grunde genommen vieles zum Problem werden mußte, auf verschiedene Art natürlich zum Problem werden mußte. Und gerade an der Art und Weise, wie sich diese beiden Persönlichkeiten in den historischen Gang der Erdenentwickelung hineinstellen mußten, sieht man, wie durch die Erlebnisse der Seelen aus früheren Zeiten, die sich dann karmisch in die späteren Erdenleben hinein fortsetzen, wie die Dinge sich vorbereiten, die dann im späteren Leben in ganz anderen Metamorphosen der Einverleibung in die Erdenmenschheitsentwickelung erscheinen.

[ 31 ] For you see, when these two things are always intertwined—when one cannot distinguish between them—then they blur into one another; but when they are clearly distinct, then one can judge each by the other. And so these two personalities were able, on the one hand, to assess the spiritual aspect of the higher world that arose from life—which lived within them as an echo of their earlier incarnations. And now that the matter had been handed down to them in the mystery, in the Ephesian mystery under the influence of the goddess Artemis, they were now able to assess how things on Earth came into being apart from human beings, how the non-human on Earth gradually developed out of an original substantial reality that encompassed human beings as well. As a result, the lives of these very personalities—which partly still fell within the period when Heraclitus lived in Ephesus, but then extended into a later era—became lives of particular inner richness, lives deeply permeated by the mysteries of the world. And a strong awareness also arose of how human beings, in their soul life, can be connected not merely to what extends horizontally across the earth, but to what extends upward when human beings stretch their being upward. And this inner soul configuration—which these two personalities, who had worked together during the earlier Egyptian-Chaldean period and who then lived together during the time of Heraclitus, so to speak, though somewhat later, in connection with the Ephesian Mystery—allowed this collaboration to continue. The soul configuration that had developed in both of them then passed through death, passed through the spiritual world, and prepared itself for an earthly life in which, fundamentally speaking, many things were bound to become problems—in various ways, of course. And it is precisely in the way these two personalities had to position themselves within the historical course of Earth’s development that one sees how, through the souls’ experiences from earlier times—which then continue karmically into later Earth lives—things are prepared that later appear in entirely different metamorphoses of incorporation into the development of Earth humanity.

[ 32 ] Und ich führe dieses Beispiel aus dem Grunde an, weil diese beiden Persönlichkeiten dann auftreten in einer außerordentlich wichtigen Epoche der historischen Entwickelung, auf die ich dazumal in Stuttgart auch hingewiesen habe. Denn eigentlich habe ich diese Sachen alle schon von einem gewissen Gesichtspunkte vor dreizehn Jahren besprochen. Diese Persönlichkeiten, die also durchgegangen waren dutch ein weit ausgedehntes Weltenleben in der ägyptisch-chaldäischen Epoche, die dann dieses Weltenleben innerlich vertieft haben, so daß sich ihre Seelen konsolidiert hatten in einer gewissen Weise, diese Persönlichkeiten lebten in späteren Inkarnationen auf als Aristoteles und Alexander der Große. Und erst dann, wenn man diese Untergründe in den Seelen von Aristoteles und Alexander dem Großen ins Auge faßt, kann man, wie ich schon in Stuttgart in jenem historischen Kapitel dargestellt habe, verstehen, worinnen eigentlich das besteht, was dazumal auf eine so problematische Weise in diesen Persönlichkeiten in der Dekadenz des Griechentums beim Ausgangspunkte der römisch-romanischen Hertschaft, was dann durch diese Persönlichkeiten gewirkt hat. Davon wollen wir dann morgen im nächsten Vortrag weiter sprechen.

[ 32 ] And I cite this example for the reason that these two figures appeared during an extraordinarily important epoch of historical development, which I also pointed out at the time in Stuttgart. For in fact, I had already discussed all these matters from a certain perspective thirteen years ago. These figures, who had thus passed through a vast world life during the Egyptian-Chaldean epoch and who subsequently deepened this world life inwardly—so that their souls had, in a certain sense, become consolidated—these figures were reborn in later incarnations as Aristotle and Alexander the Great. And only when one takes these underlying currents in the souls of Aristotle and Alexander the Great into account can one—as I have already outlined in Stuttgart in that historical chapter—understand what actually constituted that which, at that time, manifested in such a problematic way in these personalities during the decadence of Greek civilization at the dawn of Roman -Roman rule—and what subsequently worked through these figures. We will continue to discuss this tomorrow in the next lecture.