Mystery Sites of the Middle Ages
Rosicrucianism and the Modern Principle of Initiation
GA 233a
13 January 1924, Dornach
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Mystery Sites of the Middle Ages, tr. SOL
Sechster Vortrag
Sixth Lecture
[ 1 ] Die Michael-Periode, in welche die Welt ja schon seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts eingetreten ist und in welche die Menschen mit ihrem Bewußtsein immer mehr und mehr werden eintreten müssen, unterscheidet sich von früheren Michael-Perioden ganz beträchtlich. Es ist ja in der Entwickelung der Menschheit auf Erden so, daß in dieses Menschenleben von Zeit zu Zeit die einzelnen von den sieben großen Archangeloi-Geistern eingreifen, so daß nach bestimmten Perioden sich eine solche Weltenlenkung wie die durch Gabriel, Uriel, Raphael, Michael und so weiter wiederholt. Aber unsere Zeitperiode ist doch eine wesentlich andere als die frühere Michael-Periode. Es beruht dies darauf, daß der Mensch seit dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts in einem ganz anderen Verhältnisse zur geistigen Welt steht, als er jemals früher gestanden hat. Und dieses Stehen zur geistigen Welt bedingt auch ein besonderes Verhältnis zu dem das Menschengeschick lenkenden Geist, den man eben mit dem alten Namen Michael bezeichnen kann.
[ 1 ] The Michael Period, which the world has in fact been in since the last third of the 19th century and into which human beings will increasingly have to enter with their consciousness, differs quite considerably from earlier Michael Periods. It is, after all, the nature of human development on Earth that from time to time the individual spirits of the seven great Archangels intervene in human life, so that after certain periods, a pattern of world guidance such as that exercised by Gabriel, Uriel, Raphael, Michael, and so on is repeated. But our present era is nevertheless fundamentally different from the earlier Michael period. This is because, since the first third of the 15th century, humanity has stood in a completely different relationship to the spiritual world than it ever has before. And this relationship to the spiritual world also entails a special relationship to the Spirit who guides human destiny, whom we can refer to by the ancient name Michael.
[ 2 ] Dasjenige, was ich auch jetzt wieder als das Rosenkreuzertum bezeichnet habe, hat ja, wie ich bemerklich gemacht habe, nach den verschiedensten Seiten hin zur Scharlatanerie getrieben, und das meiste von dem, was auf die Menschheit gekommen ist als Rosenkreuzerei, ist ja eigentlich Scharlatanerie. Aber wie ich in früheren Auseinandersetzungen dargelegt habe, es hat eine solche Individualität gegeben, die man mit dem Namen Christian Rosenkreutz bezeichnen kann und die in gewisser Weise tonangebend ist für die Art und Weise, wie beim Heraufkommen der neueren Menschheitsphase ein erleuchteter Geist, ein erkennender Geist in ein Verhältnis zur geistigen Welt sich setzen kann.
[ 2 ] What I have once again referred to as Rosicrucianism has, as I have pointed out, veered in all sorts of directions toward charlatanism, and most of what has come to humanity under the name of Rosicrucianism is, in fact, charlatanism. But as I have explained in earlier discussions, there was an individual who can be identified by the name Christian Rosenkreutz and who, in a certain sense, sets the tone for the way in which, with the advent of the newer phase of humanity, an enlightened spirit, a discerning spirit, can establish a relationship with the spiritual world.
[ 3 ] Man möchte sagen, Christian Rosenkreutz war es beschieden, die verschiedensten, denkbar höchsten Fragen, Rätselfragen an das Dasein zu stellen, zu stellen gegenüber früheren Erfahrungen der Menschen in einer ganz neuen Weise. Denn während das Rosenkreuzertum heraufkam und mit dem, was man später faustisches Streben nannte, mit faustischem Streben nach der geistigen Welt hin den Menschensinn lenkte, kam ja auf der anderen Seite die abstrakte und naturalistische Wissenschaft herauf. Und anders standen die allerdings durchaus selbstverständlich anerkennenswerten — Träger dieser neueren Geistesrichtung, ein Galilei, ein Giordano Bruno, ein Kopernikus, ein Kepler, zur Welt als diejenigen, die nicht bloß eine formell-abstrakte, sondern eine wahre Erkenntnis der Dinge bewahren wollten. Denn die letzteren merkten an ihrem ganzen Menschensein, wie die Zeit und damit das Verhältnis der Götter zur Menschheit anders geworden war.
[ 3 ] One might say that Christian Rosenkreutz was destined to pose the most diverse and highest conceivable questions—enigmatic questions about existence—in a completely new way, in contrast to humanity’s earlier experiences. For while Rosicrucianism was emerging and directing human consciousness toward the spiritual world through what would later be called Faustian striving—Faustian striving for the spiritual world—abstract and naturalistic science was simultaneously on the rise. And the proponents of this newer intellectual movement—Galileo, Giordano Bruno, Copernicus, and Kepler, who certainly deserve our respect—approached the world differently from those who sought to preserve not merely a formal, abstract understanding of things, but a true understanding. For the former sensed, in their very being as human beings, how the times—and with them, the relationship of the gods to humanity—had changed.
[ 4 ] Man kann sagen, bis ins 12., 13. Jahrhundert herein noch rudimentär, aber bis ins 4. nachchristliche Jahrhundert herein ganz deutlich konnte der Mensch reale Erkenntnisse über die geistige Welt aus sich heraus schöpfen. Der Mensch konnte, indem er diejenigen Übungen durchmachte, die die Übungen der alten Mysterien waren, aus sich heraus die Geheimnisse des Daseins schöpfen. Und es war wirklich für diese ältere Menschheit so, daß die Eingeweihten das, was sie der Menschheit zu sagen hatten, aus den Tiefen ihrer Seele an die Oberfläche ihres Denkens, ihrer Ideenwelt zogen. Sie hatten das Bewußtsein, daß sie ihre Erkenntnisse aus dem Inneren der Menschenseele heraus schöpften.
[ 4 ] It can be said that, although still in a rudimentary form well into the 12th and 13th centuries, human beings were able to draw real insights into the spiritual world from within themselves quite clearly as far back as the 4th century A.D. By undergoing the practices that constituted the ancient mysteries, human beings were able to draw the mysteries of existence from within themselves. And it was truly the case for this earlier humanity that the initiates drew what they had to say to humanity from the depths of their souls to the surface of their thinking, to their world of ideas. They were conscious that they drew their insights from within the human soul.
[ 5 ] Die Übungen, die durchgemacht wurden, gingen ja darauf hin, das Menschengemüt im stärksten Maße zu erschüttern, dem Menschengemüte Erfahrungen beizubringen, die man im gewöhnlichen Leben nicht macht. Dadurch wurden gewissermaßen die Geheimnisse der Götterwelt aus dem menschlichen Inneren herausgeholt. Aber der Mensch kann nicht die Geheimnisse, die er aus sich herausholt, indem er sie aus sich herausholt, auch schauen. Und auch während des alten instinktiven Hellsehens hat man ja die Geheimnisse der Welt geschaut, geschaut in Imagination, schauend gehört in Inspiration, man hat sich mit ihnen verbunden in Intuition — aber das alles ist nicht möglich, wenn der Mensch gewissermaßen bloß allein dasteht. Es ist das ebensowenig möglich, wie ich ein Dreieck zeichnen kann, wenn ich keine Tafel habe. Das Dreieck, das ich auf die Tafel zeichne, das versinnlicht mir dasjenige, was ich rein geistig in mir habe. Also das ganze Dreieck, alle Gesetze des Dreiecks sind in mir, aber ich zeichne das Dreieck auf die Tafel; dadurch bringe ich mir dasjenige, was eigentlich in mir ist, nahe. Nun, das ist eine äußere Zeichnerei. Wenn es sich darum handelt, reale Erkenntnisse nach Art der alten Mysterien aus dem Menschen heraus zu schaffen, dann müssen diese Erkenntnisse in gewissem Sinne irgendwo hingeschrieben werden. Sie müssen nämlich eingetragen werden, damit sie geschaut werden können, in das von alters her so genannte Astrallicht, in die feine Substantialität des Akasha. Da muß alles hineingeschrieben werden. Aber man muß diese Fähigkeit entwickeln können, in das Astrallicht hineinzuschreiben.
[ 5 ] The exercises that were undertaken were indeed intended to shake the human soul to its very core, to impart to the human soul experiences that one does not have in ordinary life. Through this, the mysteries of the divine world were, so to speak, drawn out from within the human being. But a person cannot perceive the mysteries that they draw out of themselves simply by drawing them out. And even during the time of ancient, instinctive clairvoyance, people did perceive the mysteries of the world—they perceived them through imagination, heard them through inspiration, and connected with them through intuition—but none of this is possible when a person stands, so to speak, all alone. It is just as impossible as my being able to draw a triangle if I have no blackboard. The triangle I draw on the blackboard makes tangible for me what I have purely mentally within myself. So the entire triangle, all the laws of the triangle, are within me, but I draw the triangle on the blackboard; in doing so, I bring closer to myself that which is actually within me. Now, that is an external act of drawing. When it comes to bringing forth real insights from within the human being in the manner of the ancient mysteries, then these insights must, in a certain sense, be written down somewhere. For they must be inscribed—so that they can be perceived—into what has been called since ancient times the astral light, into the subtle substance of the Akasha. Everything must be written there. But one must be able to develop this ability to write into the astral light.
[ 6 ] Und diese Fähigkeit hing im Laufe der Menschheitsentwickelung von verschiedenerlei ab. Ich will zunächst von ganz alten Zeiten absehen. Von der ersten nachatlantischen Epoche, der urindischen, will ich absehen, da war die Sache etwas anders. Aber ich will mit der urpersischen Epoche beginnen, in dem Sinne, wie ich sie in meinem «Umriß einer Geheimwissenschaft» beschrieben habe. Da gab es instinktives Hellsehen, da gab es Erkenntnisse über die göttlich-geistige Welt, und sie konnten dadurch ins Astrallicht hineingeschrieben werden, so daß der Mensch sie auch schauen konnte, dadurch daß die Erde, die feste Erde, einen Widerstand gab. Das Schreiben geschieht natürlich mit den Geistorganen, aber die Geistorgane brauchen einen Widerstand. Nicht auf die Erde wird selbstverständlich dasjenige geschrieben, was in dieser Weise geschaut wird, in das astralische Licht wird es geschrieben, aber die Erde bildet einen entsprechenden Widerstand. Und dadurch, daß der Widerstand der Erde in der urpersischen Epoche von den Erkennenden gefühlt werden konnte, dadurch waren in ihnen die Erkenntnisse, die sie aus ihrem Innern schöpften, auch zu Schauungen geworden.
[ 6 ] And this ability depended on various factors throughout the course of human development. I will first set aside the very ancient times. I will set aside the first post-Atlantean epoch, the Proto-Indian epoch, since things were somewhat different then. But I will begin with the Proto-Persian epoch, as I described it in my *Outline of a Secret Science*. At that time there was instinctive clairvoyance; there was knowledge of the divine-spiritual world, and this knowledge could be inscribed into the astral light so that human beings could also perceive it, because the Earth—the solid Earth—provided a resistance. The writing, of course, takes place through the spiritual organs, but the spiritual organs require a resistance. Of course, what is perceived in this way is not written onto the Earth itself; it is written into the astral light, but the Earth provides a corresponding resistance. And because the resistance of the Earth could be sensed by those who were enlightened during the Proto-Persian epoch, the insights they drew from within themselves had also become visions.
[ 7 ] In der nächsten Epoche, in der ägyptisch-chaldäischen Epoche, konnte alles, was an Erkenntnissen von den Eingeweihten aus der Seele heraus geschöpft wurde, durch das flüssige Element in das Astrallicht eingeschrieben werden. Sie müssen sich das jetzt nur richtig vorstellen. Der Eingeweihte der urpersischen Epoche schaute auf die feste Erde hin, und überall, wo Pflanzen waren, wo Steine waren, spiegelte ihm das Astrallicht seine eigene Anschauung zurück. Der Eingeweihte der ägyptisch-chaldäischen Epoche schaute ins Meer, in den Fluß, er schaute auch in den herabströmenden Regen, in den aufsteigenden Nebel. Er sah, wenn er in den Fluß, wenn er in das Meer sah, die dauernden Geheimnisse. Diejenigen Geheimnisse, die sich auf Vergängliches beziehen, auf das Schaffen der Götter im Vergänglichen, die schaute er in dem herabströmenden Regen, in dem aufsteigenden Nebel. Sie müssen nur durchaus sich bekannt machen mit der Vorstellung, daß jene prosaisch nüchterne Art, wie wir heute Regen und Nebel wahrnehmen, nicht die der Alten war. Den Alten sagten Regen und Nebel viel; sie enthüllten ihnen die Geheimnisse der Götter.
[ 7 ] In the next epoch—the Egyptian-Chaldean epoch—all the insights drawn from the soul by the initiates could be inscribed into the astral light through the liquid element. You just have to picture this correctly. The initiate of the Proto-Persian epoch looked upon the solid earth, and wherever there were plants, wherever there were stones, the astral light reflected his own vision back to him. The initiate of the Egyptian-Chaldean epoch looked into the sea, into the river; he also looked at the falling rain and the rising mist. When he looked into the river, when he looked into the sea, he saw the enduring mysteries—those mysteries that pertain to the transitory, to the gods’ creative work within the transitory—he saw them in the falling rain and in the rising mist. You simply must familiarize yourselves with the idea that the prosaic, matter-of-fact way in which we perceive rain and fog today was not that of the ancients. To the ancients, rain and fog spoke volumes; they revealed to them the mysteries of the gods.
[ 8 ] Und in der griechisch-lateinischen Periode, da waren die Schauungen wie eine Fata Morgana in der Luft. Der Grieche sah auch seinen Zeus, seine Götter im Astrallichte, aber er hatte das Gefühl, daß das Astrallicht ihm die Götter spiegelte unter den entsprechenden Umständen. Daher versetzte er seine Götter an Orte, an denen eben die Luft in entsprechender Weise einen Widerstand für die Einschreibungen in das Astrallicht bieten konnte. Und so blieb es bis ins 4. nachchristliche Jahrhundert.
[ 8 ] And during the Greco-Roman period, these visions were like a mirage in the air. The Greeks also saw their Zeus and their gods in the astral light, but they had the feeling that the astral light reflected the gods to them under the right circumstances. Therefore, they placed their gods in locations where the air itself could provide the necessary resistance for the images to be imprinted in the astral light. And so it remained until the 4th century A.D.
[ 9 ] Es waren durchaus sogar unter den ersten Kirchenvätern, namentlich den griechischen Vätern, viele — das kann sogar noch aus ihren Schriften nachgewiesen werden —, welche diese Fata Morgana der eigenen Schauungen durch den Widerstand der Luft im Astrallichte schauten, welche also eine klare Erkenntnis davon hatten, daß aus dem Menschen heraus durch die Natur sich das göttliche Wort, der Logos, offenbarte. Dann nur wurde das immer schwächer und schwächer. Und Nachklänge waren noch vorhanden bei einigen besonders begnadeten Menschen bis ins 12., 13. Jahrhundert herein. Als aber die abstrakte Erkenntnis kam, als die Zeit kam, in der die Menschen nur angewiesen waren auf die logische Gedankenfolge und dasjenige, was sich aus der Sinnesbeobachtung ergibt, da boten nicht Erde und nicht Wasser und nicht Luft einen Widerstand für das Astrallicht, sondern einzig und allein das Element des Wärmeäthers.
[ 9 ] Indeed, even among the early Church Fathers—particularly the Greek Fathers—there were many—as can even be demonstrated from their writings—who perceived this mirage of their own visions through the resistance of the air in the astral light; they thus had a clear understanding that the divine Word, the Logos, was revealed from within the human being through nature. But then this became weaker and weaker. And echoes of it were still present in some particularly gifted individuals well into the 12th and 13th centuries. But when abstract knowledge emerged—when the time came in which people relied solely on logical chains of thought and on what arises from sensory observation—it was neither earth, nor water, nor air that offered resistance to the astral light, but solely the element of the warmth-ether.
[ 10 ] Sehen Sie, das wissen natürlich diejenigen nicht, die ganz in abstrakten Gedanken aufgehen, daß diese abstrakten Gedanken doch auch eingeschrieben werden ins Astrallicht. Sie werden es. Aber indem sie eingeschrieben werden, bietet für sie einzig und allein das Element des Wärmeäthers das Widerstehende.
[ 10 ] You see, those who are completely absorbed in abstract thoughts naturally do not realize that these abstract thoughts are, in fact, also inscribed in the astral light. They are. But as they are inscribed, the element of the warmth ether is the only thing that offers resistance to them.




[ 11 ] Nun ist folgendes der Fall. Erinnern wir uns, daß in der urpersischen Epoche die Menschen die feste Erde als Widerlage hatten, um die Eintragungen ins Astrallicht zu sehen. Dasjenige, was in solcher Weise im Astrallichte enthalten ist, daß die feste Erde die Widerlage bietet, das strahlt weiter (siehe Zeichnung; hell). Aber es strahlt nur bis zur Mondensphäre. Weiter geht es nicht. Von da aus strahlt es wieder zurück, so daß es sozusagen bei der Erde bleibt. Man sieht die Geheimnisse sich spiegeln durch die Erde. Sie bleiben, weil die Mondensphäre drückt. Gehen wir nach der ägyptisch-chaldäischen Periode: Das Wasser (blau) auf der Erde spiegelt; dasjenige, was da gespiegelt wird, geht bis zur Saturnsphäre. Die drückt; dadurch ist die Möglichkeit vorhanden, daß der Mensch mit seinen Schauungen auf der Erde zusammen bleibt.
[ 11 ] Now, the following is the case. Let us recall that during the Proto-Persian epoch, human beings used the solid earth as a counterpoint from which to view the inscriptions in the astral light. That which is contained in the astral light in such a way that the solid Earth serves as a counterpoint continues to radiate (see diagram; bright). But it radiates only as far as the lunar sphere. It does not go any further. From there, it radiates back again, so that it remains, so to speak, near the Earth. One sees the mysteries reflected through the Earth. They remain because the lunar sphere exerts pressure. Let us move on to the Egyptian-Chaldean period: The water (blue) on the Earth reflects; what is reflected there extends as far as the Saturnian sphere. This sphere exerts pressure; as a result, it is possible for human beings to remain connected to the Earth with their visions.
[ 12 ] Gehen wir in die griechisch-lateinische Periode, also noch bis ins 12., 13. Jahrhundert, so waren die Schauungen im Astrallicht durch die Luft eingetragen. Das geht eigentlich bis zum Ende der Weltensphäre, dann kehrt es um. Es ist am flüchtigsten, es ist am undichtesten, aber es ist doch noch so, daß der Mensch vereinigt bleibt mit seinen Schauungen. Die Eingeweihten aller dieser Zeiten konnten jederzeit sich sagen: Dasjenige, was wir als Schauung gehabt haben durch Erde, Wasser, Luft, das ist da, das gibt es. — Als aber jetzt die neueste Zeit kam, da war nur das Element des Wärmeäthers noch das Widerstehende. Aber das Element des Wärmeäthers trägt alles das, was in es eingeschrieben wird, in die Weltenweiten hinaus, aus dem Raume hinaus in die geistigen Welten hinein. Es ist nicht mehr da.
[ 12 ] If we look at the Greco-Latin period—that is, up through the 12th and 13th centuries—visions in the astral light were carried through the air. This actually extends to the end of the world sphere, and then it reverses. It is the most fleeting, the most permeable, yet it is still the case that the human being remains united with his visions. The initiates of all these ages could say to themselves at any time: “What we have experienced as a vision through earth, water, and air—that is there; it exists.” —But when the most recent age arrived, only the element of the warmth-ether remained as the resisting force. But the element of the warmth-ether carries everything that is inscribed into it out into the vastness of the worlds, out of space and into the spiritual worlds. It is no longer there.
[ 13 ] Und es ist schon so: Wenn Sie den allerpedantischsten Professor heute sehen, der Ideen hat — Ideen muß er allerdings haben, das müßte ja immer erst untersucht werden im einzelnen Falle, weil er sie sehr selten hat —, aber wenn er Ideen hat, sind sie durch den Wärmeäther im Astrallicht eingetragen. Aber der Wärmeäther ist etwas Flüchtiges, Verfließendes. Alles geht gleich durcheinander. Die Dinge gehen hinaus in die Weltenweiten.
[ 13 ] And it is indeed true: If you see the most pedantic professor today who has ideas—he must have ideas, of course; that would always have to be examined on a case-by-case basis, because he very rarely has them—but if he has ideas, they are conveyed through the heat ether into the astral light. But the heat ether is something fleeting, something that flows away. Everything gets mixed up right away. Things flow out into the vastness of the universe.
[ 14 ] Solch eine Persönlichkeit wie Christian Rosenkreutz wußte um die Tatsache, daß die Eingeweihten der alten Zeiten mit ihren Schauungen zusammengelebt haben, daß sie sich dasjenige, was sie geschaut hatten, dadurch bekräftigt haben, daß sie wußten: Es ist da, es reflektiert sich irgendwo am Himmel, sei es in der Monden-, sei es in der Planetensphäre, sei es am Weltenall-Ende. Es reflektiert sich. — Nun reflektierte sich nichts. Nichts reflektierte sich für das unmittelbare wache Anschauen. Die Leute konnten jetzt Ideen finden über die Natur, das Kopernikanische Weltensystem konnte entstehen, alle Ideen konnten gefunden werden: sie versprühen im Wärmeäther in die Weltenweiten hinaus.
[ 14 ] A figure such as Christian Rosenkreutz was aware of the fact that the initiates of ancient times lived in harmony with their visions, that they confirmed what they had seen by knowing: It is there; it is reflected somewhere in the heavens—be it in the lunar sphere, be it in the planetary sphere, be it at the very edge of the universe. It is reflected. — Yet now nothing was reflected. Nothing was reflected for direct, waking observation. People could now conceive of ideas about nature; the Copernican system of the world could emerge; all ideas could be conceived: they radiate out into the vastness of the universe through the warmth-ether.
[ 15 ] Da kam es denn, daß Christian Rosenkreutz auf die Eingebung eines höheren Geistes den Weg fand, doch nun die Rückstrahlung wahrzunehmen, trotzdem es sich handelte um Rückstrahlung durch den Wärmeäther. Das geschah dadurch, daß andere dumpfe, unterbewußte, schlafähnliche Zustände des Bewußtseins zu Hilfe genommen wurden, Zustände, in denen der Mensch auch normalerweise außer seinem Leibe ist. Da konnte man wahrnehmen, daß zwar nicht im Raume, aber doch in der Welt, in der geistigen Welt das eingeschrieben ist, was mit den modernen abstrakten Ideen über die Dinge erkundet wird. Und so stellte sich für die Rosenkreuzerei das Merkwürdige heraus, daß wie in einem Übergangsstadium diese Rosenkreuzer sich bekannt machten mit allem, was über die Natur in der Zeitepoche erforscht werden konnte. Das nahmen sie in sich auf, verarbeiteten es so, wie nur ein Mensch es verarbeiten kann. Sie hatten wirklich dasjenige, was die anderen nur zur Wissenschaft machten, bis zur Weisheit getrieben. Dann bewahrten sie es in ihrer Seele und versuchten, in einer möglichsten Reinheit nach intimen Meditationen hinüberzuschlafen. Und dann geschah es, daß ihnen die geistig-göttlichen Welten — nicht das Weltenende, aber die geistig-göttlichen Welten — zurückbrachten dasjenige, was in abstrakten Ideen erfaßt wurde, in einer geistig konkreten Sprache.
[ 15 ] And so it came to pass that Christian Rosenkreutz, guided by the inspiration of a higher spirit, found a way to perceive the reflection, even though it was a reflection through the heat ether. This was achieved by drawing upon other dull, subconscious, sleep-like states of consciousness—states in which a person is normally out of their body. In these states, one could perceive that, while not in physical space, what is explored through modern abstract ideas about things is inscribed in the world—the spiritual world. And so it turned out, curiously enough, that the Rosicrucians, as if in a transitional stage, familiarized themselves with everything that could be researched about nature during that epoch. They absorbed this, processed it in the way that only a human being can. They had truly elevated to the level of wisdom what others had merely turned into science. Then they preserved it in their souls and sought, with the greatest possible purity, to drift off to sleep after deep meditation. And then it came to pass that the spiritual-divine worlds—not the end of the world, but the spiritual-divine worlds—returned to them what had been grasped in abstract ideas, in a spiritually concrete language.
[ 16 ] In Rosenkreuzerschulen wurde schon das Kopernikanische Weltensystem gelehrt; aber in besonderen Bewußtseinszuständen kamen die Ideen desselben so zurück, wie ich es in diesen Tagen hier erklärt habe. So daß in der Tat gerade von den Rosenkreuzern eingesehen wurde, daß dasjenige, was man zunächst in der modernen Erkenntnis erhält, erst gewissermaßen den Göttern entgegengetragen werden muß, damit sie es in ihre Spache umsetzen und es den Menschen wiedergeben.
[ 16 ] The Copernican system of the world was already being taught in Rosicrucian schools; but in certain states of consciousness, the ideas behind it emerged just as I have explained here in recent days. Thus, in fact, it was precisely the Rosicrucians who recognized that what is initially gained through modern knowledge must first, so to speak, be presented to the gods so that they may translate it into their language and convey it back to humanity.
[ 17 ] Daß das sein kann, ist ja bis in die Gegenwart geblieben. Denn es ist so, meine lieben Freunde: Studieren Sie heute, indem Sie von dem hier gemeinten rosenkreuzerischen Initiationsprinzip berührt worden sind, den Haeckelismus mit all seinem Materialismus, studieren Sie ihn, und lassen Sie sich durchdringen von dem, was Erkenntnismethoden sind nach «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?»: Was Sie in Haeckels «Anthropogenie» über die menschlichen Vorfahren in einer Sie vielleicht abstoßenden Weise lernen, lernen Sie es in dieser abstoßenden Weise, lernen Sie alles dasjenige darüber, was man durch äußere Naturwissenschaft lernen kann, und tragen Sie das dann den Göttern entgegen, und Sie bekommen dasjenige, was in meinem Buche «Geheimwissenschaft» über die Evolution erzählt ist. Das ist, sehen Sie, der Zusammenhang zwischen dem schwachen, matten Wissen, das der Mensch mit seinem physischen Leibe hier erwerben kann, und dem, was ihm mit der gehörigen Gesinnung, mit der gehörigen Vorbereitung durch dieses Gelernte die Götter geben können. Aber der Mensch muß ihnen dasjenige, was er auf der Erde lernen kann, entgegenbringen, denn die Zeiten sind eben andere geworden.
[ 17 ] The fact that this is possible has remained true to the present day. For the fact is, my dear friends: If you are studying today—having been touched by the Rosicrucian principle of initiation referred to here—Haeckelism with all its materialism, study it, and allow yourselves to be permeated by what methods of knowledge are according to “How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?”: What you learn in Haeckel’s *Anthropogeny* about human ancestors—in a way that you may find repulsive—learn it in this repulsive way; learn everything that can be learned through external natural science, and then offer it up to the gods, and you will receive what is described in my book *Esoteric Science* regarding evolution. That, you see, is the connection between the weak, feeble knowledge that human beings can acquire here with their physical bodies, and what the gods can give them—with the proper attitude and the proper preparation through what they have learned. But human beings must offer the gods what they can learn on Earth, for times have indeed changed.
[ 18 ] Noch ein anderes ist ja eingetreten. Heute kann ein Mensch so viel er will streben: so aus sich heraus schöpfen, wie es die alten Eingeweihten getan haben, kann er nicht mehr. Es gibt die Seele nicht in derselben Weise noch etwas her, wie sie es hergegeben hat dem alten Eingeweihten. Das wird alles unrein, das wird alles von Instinkten durchdrungen, wie es bei den spiritistischen Medien zutage tritt, wie es auch sonst in krankhaften, pathologischen Zuständen zutage tritt. Dasjenige, was nur aus dem Innern kommt, das wird alles unrein, denn die Zeit für dieses Aus-dem-Innern-Schöpfen ist vorüber. Sie war schon vorüber mit dem 12., 13. Jahrhundert, denn es ist so, daß man das, was geschehen ist, annähernd in folgender Art ausdrücken kann.
[ 18 ] Yet another change has come about. Today, a person can strive as much as he wants: but he can no longer draw from within himself the way the ancient initiates did. The soul no longer gives forth in the same way as it did to the ancient initiates. Everything becomes impure; everything becomes permeated by instincts, as is evident in spiritualist mediums, and as is also evident in other pathological conditions. That which comes solely from within becomes impure, for the time for this drawing from within has passed. It had already passed by the 12th and 13th centuries, for what has happened can be expressed, roughly, in the following way:
[ 19 ] Die Eingeweihten der urpersischen Epoche haben ja vieles in das Astrallicht mit Hilfe des Widerstandes der Erde hineingeschrieben. So war denn, als der erste Eingeweihte der urpersischen Epoche auftrat, eigentlich das ganze für die Menschen bestimmte Astrallicht wie eine unbeschriebene Tafel. Wie gesagt, ich werde später noch sprechen von der urindischen Epoche, aber ich will heute nur bis zu der urpersischen zurückkehren. Es war die ganze Natur, alle Elemente, Festes, Flüssiges, Luftförmiges, Wärmeartiges eine unbeschriebene Tafel. Nun schrieben die Eingeweihten der urpersischen Epoche so viel auf diese Tafel, als man schreiben kann durch den Widerstand der Erde. Da waren zunächst die von den Göttern an die Menschen kommen sollenden Geheimnisse in das Astrallicht hineingeschrieben. Die Tafel war bis zu einem gewissen Maße beschrieben, zu einem anderen Maße noch leer. Es konnten die Eingeweihten der ägyptisch-chaldäischen Epoche kommen und konnten auf ihre Art weiterschreiben, indem sie ihre Schauungen durch den Widerstand des Wassers erlangten. Ein anderer Teil der Tafel wurde beschrieben.
[ 19 ] The initiates of the Proto-Persian epoch did, in fact, inscribe much into the astral light with the help of the Earth’s resistance. Thus, when the first initiate of the Proto-Persian epoch appeared, the entire astral light intended for human beings was, in effect, like a blank slate. As I said, I will speak later about the Proto-Indian epoch, but today I wish only to return to the Proto-Persian epoch. All of nature—all the elements, the solid, the liquid, the gaseous, and the thermal—was a blank slate. Now the initiates of the Proto-Persian epoch inscribed as much onto this slate as could be inscribed through the Earth’s resistance. First, the mysteries intended to be revealed to humanity by the gods were inscribed into the astral light. The tablet was inscribed to a certain extent, but remained blank to another extent. The initiates of the Egyptian-Chaldean epoch were able to come and continue writing in their own way, having attained their visions through the resistance of water. Another part of the tablet was inscribed.
[ 20 ] Es kamen die griechischen Eingeweihten. Sie beschrieben den dritten Teil der Tafel. Nun ist die Naturtafel vollgeschrieben. Sie war mit dem 13., 14. Jahrhundert ganz vollgeschrieben. Man fing an, in den Wärmeäther hineinzuschreiben. Der aber versprüht. Man schrieb eine Zeitlang in den Wärmeäther hinein, bis ins 19. Jahrhundert herein. Man ahnte gar nicht, daß das auch im Astrallichte steht. Aber jetzt ist die Zeit, wo die Menschen einsehen müssen: Nicht aus sich heraus im alten Sinne können sie die Geheimnisse der Welt finden, sondern dadurch, daß sie ihr Gemüt so vorbereiten, daß sie nun das, was schon ganz vollgeschrieben ist auf der Tafel, nun lesen können. Dazu muß man sich heute vorbereiten, dazu muß man sich heute reif machen, daß man nicht aus sich heraus schöpft wie die alten Eingeweihten, sondern daß man im Astrallichte lesen kann, was darinnen steht. Dann wirkt inspirierend gerade dasjenige, was man aus dem Wärmeäther heraus bekommt. Und dann wirkt das, was man aus dem Wärmeäther bekommt, dadurch, daß einem die Götter entgegenkommen und einem in der Realität entgegentragen, was man sich hier auf der Erde erarbeitet hat, dann wirkt es wiederum zurück auf dasjenige, was auf der geschriebenen Tafel steht durch Luft, Wasser, Erde.
[ 20 ] The Greek initiates arrived. They described the third part of the tablet. Now the tablet of nature is completely filled. It was completely filled by the 13th and 14th centuries. People began to write into the warmth ether. But it radiates outward. People wrote into the warmth ether for a time, well into the 19th century. They had no idea that this was also inscribed in the astral light. But now is the time when people must realize: They cannot discover the mysteries of the world from within themselves in the old sense, but rather by preparing their minds so that they can now read what is already fully inscribed on the tablet. To do this, one must prepare oneself today; one must become ready today—not to draw from within oneself as the ancient initiates did, but to be able to read in the astral light what is written there. Then it is precisely what one receives from the warmth ether that has an inspiring effect. And then what one receives from the warmth ether takes effect through the gods coming to meet one and bringing one, in reality, what one has worked out here on Earth; this, in turn, acts back upon what is written on the tablet through air, water, and earth.
[ 21 ] Und so ist tatsächlich heute die Naturwissenschaft die Grundlage für das Schauen. Lernt man erst durch Naturwissenschaft die Eigentümlichkeiten von Luft, Wasser, Erde kennen und erlangt man die inneren Fähigkeiten, dann strömt heraus, indem man schaut in das Luftige, in das Wäßrige, indem man schaut in das Erdige, es strömt heraus das Astrallicht. Aber es strömt nicht heraus wie ein unbestimmter Nebel, es strömt so heraus, daß man die Geheimnisse des Weltendaseins und des Menschenlebens drinnen lesen kann. Was lesen wir denn?
[ 21 ] And so, in fact, natural science today is the foundation for seeing. Once we have come to know the characteristics of air, water, and earth through the natural sciences and have acquired the inner abilities, then—as we gaze into the airy, the watery, and the earthy—the astral light flows forth. But it does not flow forth like an indistinct mist; it flows forth in such a way that one can read within it the mysteries of the existence of the world and of human life. What, then, do we read?
[ 22 ] Wir lesen heute als Menschheit dasjenige, was wir selber hineingeschrieben haben. Denn was heißt denn das: die alten Griechen, die alten ägyptisch-chaldäischen, die alten persischen Menschen haben es eingeschrieben? Das heißt ja: Wir selber haben es hineingeschrieben in unseren früheren Erdenleben.
[ 22 ] Today, as humanity, we are reading what we ourselves have written there. For what does it mean when it says that the ancient Greeks, the ancient Egyptians and Chaldeans, and the ancient Persians inscribed it? It means that we ourselves wrote it there during our earlier earthly lives.
[ 23 ] Sehen Sie, geradeso wie unser Gedächtnis, unser inneres Gedächtnis für die gewöhnlichen Dinge, die wir im Erdenleben erfahren, uns bewahrend ist, so ist es das astralische Licht mit dem, was wir hineingeschrieben haben, was um uns herum sich ausbreitet, was eine beschriebene Tafel darstellt mit Bezug auf die Geheimnisse, die wir selber hineingeschrieben haben. Das ist zugleich dasjenige, was wir lesen müssen, wenn wir wiederum auf die Geheimnisse kommen wollen. Es ist eine Art von Evolutionsgedächtnis, das da auftreten muß in der Menschheit. Und es muß allmählich ein Bewußtsein davon entstehen, daß ein solches Evolutionsgedächtnis da ist, daß eigentlich heute die Menschheit in bezug auf ihre früheren Kulturepochen im Astrallichte so lesen muß, wie wir im späteren Alter in unserer Jugend lesen durch unser gewöhnliches Gedächtnis. Weil dies zum Bewußtsein der Menschen kommen soll, habe ich gerade die Vorträge, die ich während der Weihnachtszeit hier gehalten habe, so gehalten, daß Sie daran sehen konnten: Es handelt sich wirklich darum, Geheimnisse, die wir heute brauchen, aus dem Astrallichte heraus zu holen. — Es ist also die alte Einweihung wesentlich auf das Subjektive gegangen. Die neue Einweihung geht auf das Objektive.
[ 23 ] You see, just as our memory—our inner memory of the ordinary things we experience in earthly life—preserves us, so too does the astral light, with what we have inscribed into it, spread out around us, representing a written tablet in relation to the mysteries we ourselves have inscribed into it. This is also what we must read if we wish to return to these mysteries. It is a kind of evolutionary memory that must emerge within humanity. And a gradual awareness must arise that such an evolutionary memory exists—that, in fact, humanity today must read in the astral light about its earlier cultural epochs just as we, in later life, read about our youth through our ordinary memory. Because this is to come into people’s consciousness, I deliberately structured the lectures I gave here during the Christmas season in such a way that you could see: It is truly a matter of drawing out of the astral light the mysteries we need today. — Thus, the old initiation focused essentially on the subjective. The new initiation focuses on the objective.
[ 24 ] Das ist der große Unterschied. Denn das Subjektive ist alles in die äußere Welt hineingeschrieben, was Götter in den Menschen hineingeheimnißt haben. Was sie hineingeheimnißt haben in seinen Empfindungsleib, es ist herausgekommen während der urpersischen Epoche. Was sie hineingeheimnißt haben in seine Empfindungsseele, es ist herausgekommen während der ägyptisch-chaldäischen Periode. Was sie hineingeheimnißt haben in seine Gemüts- oder Verstandesseele, es ist herausgekommen während der griechischen Epoche. Aber die Bewußtseinsseele, die wir nun entwikkeln sollen, sie ist selbständig, sie setzt nichts mehr aus sich heraus. Aber sie steht gegenüber demjenigen, was schon da ist. Wir müssen als Menschen unsere Menschheit im Astrallichte wiederfinden. Das ist das Eigentümliche der Rosenkreuzerei, daß diese Rosenkreuzerei in einer Übergangszeit dabei stehenbleiben mußte, in gewisse traumhafte Zustände hineinzukommen und gewissermaßen die höhere Wahrheit desjenigen zu träumen, was die Wissenschaft nüchtern hier in der Natur findet. Das ist aber das Eigentümliche seit dem Beginn der Michael-Epoche, seit dem Ende der siebziger Jahre im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, daß dasselbe, was während der alten Rosenkreuzerzeit in der geschilderten Weise erreicht worden war, nun in bewußter Weise erreicht werden kann. So daß man heute sagen kann: Es braucht nicht mehr jenen anderen Zustand, der halbbewußt ist, aber es braucht einen höheren bewußten Zustand. Und dann, dann kann man mit den Naturerkenntnissen, die man sich erwirbt, hineintauchen in die höhere Welt, und das, was man sich als Naturerkenntnis erworben hat, das taucht einem entgegen aus der höheren Welt; indem man das ins Astrallicht Eingeschriebene wieder liest, taucht es einem entgegen in geistiger Realität. Und das, was man da tut, daß man hinausträgt in eine geistige Welt die hier errungenen Naturerkenntnisse oder auch die Schöpfungen der naturalistischen Kunst oder auch die Empfindungen der naturalistisch im Innern der Seele wirkenden Religion — denn im Grunde ist ja auch die Religion naturalistisch geworden —, indem man das alles hinaufträgt, begegnet man in der Tat, wenn man die Fähigkeiten dazu entwickelt, Michael. Und so kann man sagen: Die Rosenkreuzerei ist dadurch gekennzeichnet, daß ihre erleuchtetsten Geister eine starke Sehnsucht hatten, Michael zu begegnen. Sie konnten es nur wie im Traume. Seit dem Ende des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts können die Menschen in bewußter Weise dem Geiste Michael begegnen.
[ 24 ] That is the great difference. For the subjective realm consists of everything inscribed into the outer world that the gods have instilled within human beings. What they instilled into his sensory body emerged during the Proto-Persian epoch. What they have instilled in the soul of sensation emerged during the Egyptian-Chaldean period. What they have instilled in the soul of feeling or intellect emerged during the Greek epoch. But the soul of consciousness, which we are now to develop, is independent; it no longer projects anything outward from itself. Yet it stands in contrast to what already exists. As human beings, we must rediscover our humanity in the astral light. This is the distinctive feature of Rosicrucianism: that during a transitional period, Rosicrucianism had to remain in a state of entering certain dreamlike states and, in a sense, dreaming the higher truth of what science soberly discovers here in nature. But this has been the distinctive feature since the beginning of the Michael Epoch—since the end of the 1870s in the last third of the 19th century—that the very same thing which had been attained during the old Rosicrucian era in the manner described can now be attained consciously. So that today we can say: We no longer need that other, semi-conscious state, but we do need a higher, conscious state. And then—then, with the knowledge of nature that one acquires, one can plunge into the higher world, and what one has acquired as knowledge of nature emerges toward one from the higher world; as one re-reads what is inscribed in the astral light, it emerges toward one in spiritual reality. And what one does there—carrying out into a spiritual world the knowledge of nature gained here, or the creations of naturalistic art, or even the feelings of a religion that works naturalistically within the soul—for, after all, religion, too, has essentially become naturalistic—by carrying all of this upward, one does indeed encounter Michael, provided one develops the abilities to do so. And so one can say: Rosicrucianism is characterized by the fact that its most enlightened spirits had a strong longing to encounter Michael. They could do so only as if in a dream. Since the end of the last third of the 19th century, people have been able to consciously encounter the spirit of Michael.
[ 25 ] Aber Michael ist eben eine eigenartige Wesenheit. Michael ist eine Wesenheit, die eigentlich nichts offenbart, wenn man ihr nicht aus emsiger geistiger Arbeit von der Erde aus etwas entgegenbringt. Michael ist ein schweigsamer Geist. Michael ist ein in sich verschlossener Geist. Während andere der regierenden Erzengel vielredende Geister sind — im geistigen Sinne natürlich —, ist Michael ein durchaus verschlossener Geist, ein wenig redender Geist, der höchstens spärliche Direktiven gibt. Denn das, was man von Michael erfährt, ist eigentlich nicht das Wort, sondern — wenn ich mich so ausdrücken darf — der Blick, die Kraft des Blickes. Und das beruht darauf, daß eigentlich Michael sich am meisten zu tun macht mit demjenigen, was die Menschen aus dem Geistigen heraus schaffen. Er lebt in den Folgen des von den Menschen Geschaffenen. Die anderen Geister leben mehr mit den Ursachen, Michael lebt mehr mit den Folgen. Die anderen Geister impulsieren im Menschen dasjenige, was der Mensch tun soll. Michael wird der eigentlich geistige Held der Freiheit sein. Er läßt die Menschen tun, aber nimmt dann das, was aus Menschentaten wird, auf, um es weiter fortzutragen im Kosmos, um dasjenige, was Menschen damit noch nicht wirken können, weiterzuwirken im Kosmos.
[ 25 ] But Michael is, after all, a peculiar being. Michael is a being who actually reveals nothing unless one offers him something in return through diligent spiritual work from Earth. Michael is a silent spirit. Michael is a spirit who keeps to himself. While the other ruling archangels are talkative spirits—in the spiritual sense, of course—Michael is a thoroughly reserved spirit, a spirit who speaks little and gives only sparse directives at most. For what one learns from Michael is not actually the word, but—if I may put it this way—the gaze, the power of the gaze. And this is because Michael is actually most concerned with what human beings create from the spiritual realm. He lives in the consequences of what human beings have created. The other spirits are more concerned with the causes; Michael is more concerned with the consequences. The other spirits inspire in human beings what they are meant to do. Michael will be the true spiritual hero of freedom. He allows human beings to act, but then takes up what results from their actions to carry it further into the cosmos, so that what human beings cannot yet bring about through their actions may continue to unfold in the cosmos.
[ 26 ] Man hat anderen Wesenheiten aus der Hierarchie der Archangeloi gegenüber das Gefühl: von ihnen kommen die Impulse, das oder jenes zu tun; im größeren oder geringeren Grade kommen von ihnen die Impulse. Aber Michael ist derjenige Geist, von dem zunächst nicht Impulse kommen, weil seine wirklich repräsentative Herrschaftsperiode diejenige ist, die jetzt kommt, wo die Dinge aus der menschlichen Freiheit kommen. Wenn aber der Mensch aus seiner Freiheit heraus, angeregt durch das Lesen des Astrallichtes, bewußt oder unbewußt dies oder jenes tut, so trägt Michael das, was menschliche Erdentat ist, in den Kosmos hinaus, daß es kosmische Tat wird. Er kümmert sich um die Folgen, andere Geister mehr um die Ursachen.
[ 26 ] One has the feeling, with regard to other beings in the hierarchy of the Archangels, that the impulses to do this or that come from them; to a greater or lesser degree, the impulses come from them. But Michael is the Spirit from whom no impulses come at first, because his true, representative period of rule is the one that is now coming, when things arise from human freedom. But when a human being, out of his or her own freedom and inspired by reading the astral light, consciously or unconsciously does this or that, Michael carries what is a human deed on Earth out into the cosmos so that it becomes a cosmic deed. He concerns himself with the consequences; other spirits are more concerned with the causes.
[ 27 ] Aber Michael ist nicht nur ein verschlossener, schweigsamer Geist, Michael kommt, indem er an den Menschen herantritt, mit einer deutlichen Abweisung von vielem an den Menschen heran, in dem der Mensch heute noch auf Erden lebt. So zum Beispiel alles das, was sich im Menschen- oder im Tierleben oder im Pflanzenleben an Erkenntnissen bildet, die auf die vererbten Eigenschaften gehen, die auf dasjenige gehen, was sich in der physischen Natur forterbt, das ist so, daß es einem vorkommt: Michael stößt es abweisend von sich. Er will damit zeigen, daß solche Erkenntnisse dem Menschen für die geistige Welt nichts fruchten können. Nur was der Mensch unabhängig von dem rein Vererbbaren in der Menschheit, in der Tierheit, in der Pflanzenheit findet, das läßt sich vor Michael hinauftragen. Und da bekommt man nicht die so vielsagende abweisende Handbewegung, sondern man bekommt den zustimmenden Blick, der einem sagt: Das ist gerecht gedacht vor der Lenkung des Kosmos. — Denn das ist dasjenige, was man immer mehr und mehr erstreben lernt: gewissermaßen zu sinnen, um durchzustoßen bis zum Astrallichte, zu schauen die Geheimnisse des Daseins und dann vor Michael hinzutreten und den zustimmenden Blick zu bekommen, der einem sagt: Das ist richtig, das ist gerecht vor der Lenkung des Kosmos.
[ 27 ] But Michael is not merely a reserved, taciturn spirit; when Michael approaches human beings, he does so with a clear rejection of much of what characterizes human life as it is lived on Earth today. For example, all the insights that arise in human, animal, or plant life and are based on inherited characteristics—on that which is passed down in physical nature—give the impression that Michael rejects them outright. He wishes to show that such insights cannot bear fruit for human beings in the spiritual world. Only what human beings find independently of what is purely inherited in humanity, in the animal kingdom, and in the plant kingdom can be carried up before Michael. And there one does not receive that telling, dismissive gesture of the hand, but rather the approving glance that tells one: This is rightly conceived in the light of the cosmos’s guidance. — For this is what one learns to strive for more and more: to contemplate, as it were, in order to break through to the astral light, to behold the mysteries of existence, and then to step before Michael and receive the approving glance that tells one: “This is right; this is just in the eyes of the cosmos.”
[ 28 ] Und so ist es bei Michael, daß er eine strenge Abweisung für alles das hat, was auch zum Beispiel das Trennende der menschlichen Sprachen ist. Solange man seine Erkenntnisse in die Sprache nur einhüllt, sie nicht hinaufträgt in den Gedanken, so lange kommt man nicht in die Nähe des Michael. Daher besteht auch heute in der geistigen Welt im Grunde genommen ein vielbedeutsamer Kampf. Denn auf der einen Seite ist eben hereingetreten in die Menschheitsentwickelung der Michael-Impuls: er ist da; aber auf der anderen Seite ist innerhalb der Menschheitsentwickelung vieles, was diesen Michael-Impuls eben nicht aufnehmen will, was diesen MichaelImpuls zurückweisen will. Und zu dem, was diesen Michael-Impuls zurückweisen will, gehören zum Beispiel heute die Nationalitätsempfindungen. Sie loderten auf im 19. Jahrhundert, wurden stark im 20. Jahrhundert immer mehr und mehr. Nach dem Nationalitätsprinzip ist in der letzten Zeit viel, man kann nicht sagen, geordnet, sondern geunordnet worden. Es ist eben wirklich geunordnet worden. Das alles widerstrebt im furchtbarsten Sinne dem Michael-Prinzip. Das alles enthält ahrimanische Kräfte, die entgegenstreben dem Hereinwirken, dem Hereinimpulsieren der Michael-Kräfte in das Erdenleben des Menschen. Und so schaut man denn heute diesen Kampf von nach oben anstürmenden ahrimanischen Geistern, die das nach oben tragen möchten, was aus den vererbten Nationalitätsimpulsen herauskommt und was Michael streng abweist, zurückweist.
[ 28 ] And so it is with Michael that he has a strict rejection of everything that, for example, divides human languages. As long as one merely wraps one’s insights in language, rather than elevating them into thought, one does not come close to Michael. That is why, even today, a profound struggle is essentially taking place in the spiritual world. For on the one hand, the Michael impulse has indeed entered human evolution: it is there; but on the other hand, there is much within human evolution that simply does not want to receive this Michael impulse, that wants to reject it. And among the forces that seek to reject this Michael impulse are, for example, nationalistic sentiments today. They flared up in the 19th century and grew ever stronger in the 20th century. In recent times, much has been—one cannot say “ordered,” but rather “disordered”—according to the principle of nationality. It has truly become disordered. All of this runs counter to the Michael principle in the most terrible sense. All of this contains Ahrimanic forces that strive against the influence and the impetus of the Michael forces entering human life on Earth. And so today we witness this struggle waged by Ahrimanic spirits storming down from above, who wish to carry upward what arises from the inherited impulses of nationality—and which Michael strictly rejects and repels.
[ 29 ] Es ist in der Tat heute nach dieser Richtung hin der lebhafteste Geisteskampf vorhanden, weil über einen großen Teil der Menschheit das ja ausgegossen ist, daß nicht Gedanken vorhanden sind, sondern daß die Menschen in Worten denken. So aber in Worten denken ist kein Weg zu Michael. Zu Michael kommt man nur, wenn man durch die Worte hindurch zu wahren inneren Geist-Erlebnissen kommt, wenn man nicht an den Worten hängt, sondern zu wahren inneren Geist-Erlebnissen kommt. Das ist ja in der Tat das Geheimnis der modernen Einweihung: über die Worte hinauszukommen zum Erleben des Geistigen. Das ist nichts, was gegen die Empfindung der Schönheit der Sprache verstößt. Denn gerade dann, wenn man nicht mehr in der Sprache denkt, dann fängt man an, die Sprache zu empfinden und als Empfindungselement in sich und von sich strömen zu haben. Aber das ist etwas, was von dem Menschen heute erst angestrebt werden muß.
[ 29 ] Indeed, the most intense spiritual struggle today is taking place in this direction, because a great portion of humanity has fallen into the trap of thinking not in thoughts, but in words. But thinking in words is not the path to Michael. One reaches Michael only by going beyond the words to true inner spiritual experiences—not by clinging to the words, but by attaining true inner spiritual experiences. This is, in fact, the secret of modern initiation: to go beyond words to the experience of the spiritual. This is not something that conflicts with the appreciation of the beauty of language. For it is precisely when one no longer thinks in language that one begins to feel language and to have it flow within oneself and from oneself as an element of feeling. But this is something that people today must first strive to achieve.
[ 30 ] Es ist vielleicht zunächst von den Menschen gar nicht für die Sprache zu erringen, sondern zuerst durch die Schrift. Denn auch in bezug auf die Schrift ist es so, daß die Menschen nicht die Schrift haben, sondern die Schrift die Menschen hat. Was heißt das, die Schrift hat die Menschen? Das heißt, man hat im Handgelenk, in der Hand einen bestimmten Schriftzug. Man schreibt mechanisch aus der Hand heraus. Das fesselt den Menschen. Ungefesselt wird der Mensch dann, wenn er so schreibt, wie er malt oder zeichnet, wenn ihm jeder Buchstabe neben dem anderen etwas wird, was er zeichnet:
[ 30 ] Perhaps language cannot be attained by people at first, but only through writing. For even with regard to writing, it is the case that people do not possess writing, but rather writing possesses people. What does it mean that writing possesses people? It means that one has a certain style of handwriting in one’s wrist and hand. One writes mechanically, as if by instinct. This binds a person. A person becomes unbound when they write the way they paint or draw, when each letter, side by side with the next, becomes something they are drawing:


[ 31 ] wo nicht das, was man gewöhnlich eine Handschrift nennt, vorhanden ist, sondern wo man die Form des Buchstabens zeichnet, wo man sich also objektiv zum Buchstaben verhält, so daß das Wesentliche das Anschauen ist.
[ 31 ] where what is usually called a handwriting does not exist, but rather where the form of the letter is drawn—that is, where one relates to the letter objectively, so that the essential aspect is the act of looking.
[ 32 ] Aus diesem Grunde war es, warum — so paradox das heute erscheint — in gewissen Rosenkreuzerschulen das Schreibenlernen bis zum vierzehnten, fünfzehnten Lebensjahre untersagt war, so daß diese Form, dieser Mechanismus, der sich in der Schrift entlädt, nicht in den menschlichen Organismus hineingekommen ist, sondern daß erst, wenn die Anschauung ausgebildet war, der Mensch an die Buchstabenform herangekommen ist; und dann sollte er sogleich, wenn er die konventionellen Buchstaben lernte, die man für den menschlichen Umgang braucht, auch andere lernen, die spezifischen Rosenkreuzer-Buchstaben, die man als Geheimschrift ansieht, von der man sagt, das ist eine Geheimschrift. Sie war nicht als Geheimschrift gemeint, sie war so gemeint, daß man für ein A zu gleicher Zeit kennenlernen sollte ein anderes Zeichen: ©, damit man nicht haftete an dem einen Zeichen, sondern loskam von den Zeichen und gewissermaßen einem das A als Laut etwas Höheres wurde als dieses A- und dieses O-Zeichen, während sich sonst der Buchstabe des A identifiziert mit dem, was als A schwebend, webend als Laut sich uns entringt.
[ 32 ] This was the reason why — as paradoxical as it may seem today — in certain Rosicrucian schools, learning to write was prohibited until the age of fourteen or fifteen, so that this form, this mechanism that manifests itself in writing, did not enter the human organism; rather, only once the power of perception had been developed did the individual begin to engage with the form of letters; and then, as soon as they learned the conventional letters needed for human interaction, they were also to learn others—the specific Rosicrucian letters—which are regarded as a secret script, about which it is said, “This is a secret script.” It was not intended as a secret script; rather, the intention was that, for an “A,” one should simultaneously learn another symbol: O, so that one would not become fixated on a single symbol, but would detach oneself from the symbols, and, in a sense, the “A” as a sound would become something higher than this “A” and this “O” symbol, whereas otherwise the letter “A” is identified with what, as an “A,” floating and weaving as a sound, eludes us.


[ 33 ] Und mit der Rosenkreuzerei kam da auch viel in das Volk hinein. Denn es war ein Hauptgrundsatz der Rosenkreuzerei, daß von den kleinen Kreisen, in denen die Leute vereinigt waren, diese Leute auszogen in die Welt, wie ich schon gesagt habe, indem sie zumeist die Tätigkeit des Arztes ausübten, aber während sie Ärzte waren, in weiten Kreisen, wo sie hinkamen, Erkenntnisse verbreiteten. Es war so, daß mit diesen Erkenntnissen sich aber auch gewisse Gesinnungen verbreiteten, Gesinnungen, die man überall antrifft, wo die Spuren der Rosenkreuzerei sind. Sie nehmen manchmal groteske Formen an, diese Gesinnungen. Aber tatsächlich, eine dieser Gesinnungen war diejenige, die darin zum Ausdrucke kam, daß man diese ganze moderne Art, sich zum Schreiben und zum Drucken gar zu verhalten, als eine schwarze Kunst ansah. Denn in der Tat, nichts hindert einen mehr, im Astrallichte zu lesen, als das gewöhnliche Schreiben. Dieses Fixieren auf künstliche Art, das hindert einen ja sehr, im Astrallichte zu lesen. Man muß das immer erst überwinden, dieses Schreiben, wenn man im Astrallicht lesen will.
[ 33 ] And with the Rosicrucian movement, much of this also found its way into the hearts of the people. For it was a fundamental principle of the Rosicrucian movement that members of the small circles in which people were united would go out into the world—as I have already said—mostly practicing medicine, but while they were doctors, they spread their insights far and wide wherever they went. It was the case, however, that along with this knowledge, certain attitudes also spread—attitudes that one encounters everywhere where traces of the Rosicrucian movement can be found. These attitudes sometimes take on grotesque forms. But in fact, one of these attitudes was expressed in the view that this entire modern way of approaching writing and printing was regarded as a black art. For in fact, nothing hinders one more from reading in the astral light than ordinary writing. This artificial fixation—it really does hinder one greatly from reading in the astral light. One must always first overcome this writing if one wishes to read in the astral light.
[ 34 ] Und da kommen zwei Dinge zusammen, von denen ich eines vor einiger Zeit genannt habe: daß der ganze Mensch mit innerer Tätigkeit beim Produzieren der geistigen Erkenntnisse dabei sein soll. Ich legte Ihnen das Bekenntnis ab, daß ich viele Notizbücher habe, in denen ich aufschreibe oder aufzeichne das, was sich mir ergibt. Ich schaue sie dann gewöhnlich nicht mehr an. Aber dadurch, daß man nicht den Kopf, sondern den ganzen Menschen betätigt, dadurch kommen diese auch den Menschen ergreifenden Erkenntnisse heraus. Derjenige, der das tut, der gewöhnt sich nach und nach auch an, wirklich nicht viel zu geben auf das, was er physisch sieht im Fixierten, sondern bei der Tätigkeit stehenzubleiben, um sich nicht die Fähigkeit zu verderben, nun im Astrallichte zu schauen. Aber auch einfach dadurch, daß man sich zurückhält und möglichst beim Fixieren in gewöhnlicher Schrift nicht an dem haftet, was Schrift ist, sondern entweder nach dem Gefallen an den Buchstaben zeichnet — dann ist es ja so, wie wenn man malt, dann ist es eine Kunst —, oder aber, daß man nicht reflektiert auf das, was man aufschreibt. Nur dadurch erwirbt man sich die Fähigkeit, die Eindrücke, die Impressionen des Astrallichtes sich nicht zu verderben.
[ 34 ] And this brings together two things, one of which I mentioned some time ago: that the whole person, with inner activity, should be involved in the process of producing spiritual insights. I confessed to you that I have many notebooks in which I write down or record whatever comes to me. I usually don’t look at them again afterward. But by engaging not just the head but the whole person, this is how these insights—which truly move people—emerge. The person who does this gradually gets used to not placing much value on what they physically see in the written record, but rather to remain in the act itself, so as not to spoil their ability to see in the astral light. But also simply by exercising restraint and, when writing in ordinary script, not clinging to the written form itself, but either drawing according to one’s preference for the letters—for then it is like painting, and thus an art—or by not reflecting on what one is writing down. Only in this way does one acquire the ability not to spoil the impressions of the astral light.
[ 35 ] Wenn man also genötigt ist, in der Weise sich zur Schrift zu verhalten, wie das heute der Fall ist, dann verdirbt man sich den geistigen Fortschritt. Daher ist es ja so, daß bei unserer WaldorfschulPädagogik gerade darauf ein großer Wert gelegt wird, daß die Menschen mit dem Schreiben nicht so weit kommen, wie es heute bei der profanen Pädagogik der Fall ist, daß wirklich der Mensch im Geistigen herinnen bleiben kann. Denn das ist notwendig.
[ 35 ] So if one is compelled to approach writing in the way that is common today, one hinders one’s own spiritual progress. That is why our Waldorf school pedagogy places such great emphasis on ensuring that people do not progress as far in writing as is the case today in conventional pedagogy, so that the human being can truly remain within the spiritual realm. For that is necessary.
[ 36 ] Es muß wiederum die Welt dazu kommen können, das Einweihungsprinzip als solches unter die Zivilisationsprinzipien aufnehmen zu können. Denn nur dadurch kommt eben das zustande, daß der Mensch hier auf Erden in seiner Seele etwas ansammelt, mit dem er hintreten kann vor Michael, so daß der zustimmende Blick ihn trifft: Das ist weltgerecht. — Dann wird dadurch der Wille befestigt, der Mensch eingegliedert in den geistigen Fortgang der Welt. Dann wird dadurch der Mensch ein Mitarbeiter desjenigen, was durch Michael, jetzt beginnend in der Michael-Epoche, in die Menschheits- und Erdenentwickelung eingefügt werden soll.
[ 36 ] The world must once again be able to incorporate the principle of initiation as such among the principles of civilization. For only in this way can a human being here on earth accumulate something in his soul with which he can present himself before Michael, so that Michael’s approving gaze falls upon him: “This is in harmony with the world.” — This strengthens the will and integrates the human being into the spiritual progress of the world. Through this, the human being becomes a co-worker in that which, beginning now in the Michael Epoch, is to be woven into the development of humanity and the Earth.
[ 37 ] Es sind also viele, viele Dinge, welche zu berücksichtigen sind, wenn der Mensch in der richtigen Weise über jenen Abgrund hinübersetzen will, von dem ich gestern gesprochen habe und an dem im Grunde genommen ein Hüter steht. Wie dieser Abgrund sich auftat in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts, wie sich nun unter dem Einflusse solcher Erkenntnisse, wie ich sie heute wieder dargelegt habe, der Mensch, rückschauend zu diesem Abgrund, zu diesem Hüter verhalten kann, davon sollen dann die nächsten Vorträge handeln.
[ 37 ] There are, therefore, many, many things to take into account if one wishes to cross over in the right way that abyss I spoke of yesterday—an abyss that, in essence, is guarded by a guardian. How this abyss opened up in the 1840s, and how—under the influence of insights such as those I have outlined again today—a person, looking back at this abyss, can relate to this guardian: these are the topics the next lectures will address.
