Anthroposophy
A Summary After Twenty-one Years
GA 234
9 February 1924, Dornach
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Anthroposophy: A Summary After Twenty-one Years, tr. SOL
Achter Vortrag
Eighth Lecture
[ 1 ] Gestern versuchte ich zu zeigen, wie man durch eine intimere Beobachtung des 'Traumlebens des Menschen nahe herangeführt werden kann an die Initiationswissenschaft. Es wird nun meine Aufgabe sein, das, was ich gestern versuchte, Ihnen gewissermaßen vom Standpunkte des gewöhnlichen Bewußtseins aus anzudeuten, heute zu vertiefen dadurch, daß ich denselben Gegenstand ins Auge fasse vom Gesichtspunkte der imaginativen Erkenntnis aus, also so, wie sich die Dinge, die wir gestern betrachtet haben, ausnehmen, wenn derjenige sie anschaut, der es dazu gebracht hat, in Imaginationen die Welt zu überschauen. Sehen wir zunächst ab von dem Unterschied zwischen den beiden Traumarten, von denen gestern gesprochen worden ist, nehmen wir also die Träume als solche. Wir kommen zu einer gültigen Betrachtung, wenn wir schildern, wie das imaginative Leben, das imaginative Schauen sich selber findet gegenüber einem Traum, den der mit Imaginationen Begabte hat. Nun vergleichen wir das mit jener Selbstanschauung, zu der der Imaginierende kommt, wenn er auf seine eigene Menschenwesenheit zurückblickt, wenn er die menschlichen Organe, sei es an sich selbst, sei es an anderen Menschen, imaginativ betrachtet, oder auch den organischen Zusammenhang, das heißt den ganzen Menschen als einen Organismus. Sehen Sie, beides, sowohl die Traumwelt wie der physische und auch ätherische Menschenorganismus, nehmen sich vor dem imaginativen Bewußtsein ganz anders aus, als vor dem gewöhnlichen Bewußtsein. Der Imaginierende kann auch träumen, und er träumt unter Umständen ebenso chaotisch wie die anderen Menschen. Er kann ganz gut aus den eigenen Erlebnissen heraus die Traumeswelt beurteilen, denn neben dem imaginativen Leben, das ein innerlich geordnetes, innerlich lichtvolles ist, fließt eben durchaus die Traumwelt wie beim gewöhnlichen Bewußtsein ab, geradeso wie es ja auch dem äußeren Wachleben gegenüber ist. Ich habe oftmals betont, daß derjenige, der zu einem wirklichen geistigen Anschauen kommt, nicht etwa ein solcher Träumer oder Schwärmer wird, daß er fortwährend nur in höheren Welten lebt und die äußere Wirklichkeit nicht sieht. Derjenige, der so ist, daß er nur fortwährend in höheren Welten lebt oder von höheren Welten träumt und die äußere Wirklichkeit nicht sieht, ist kein Initiierter oder Eingeweihter, sondern er ist, wenn auch vielleicht nur seelenpathologisch, aber doch pathologisch zu nehmen. Wirkliche Initiierten-Erkenntnis führt nicht vom gewöhnlichen physischen Leben und seinen einzelnen Verhältnissen hinweg, sondern im Gegenteil, es macht zu einem sorgfältigeren, gewissenhafteren Beobachter, als man ohne die Fähigkeit des Schauens ist. Und man kann schon sagen, wenn jemand keinen Sinn hat für die gewöhnlichen Wirklichkeiten, kein Interesse hat für die Einzelheiten des Lebens, kein Interesse hat für die Einzelheiten im Leben der anderen Menschen, wenn er so «erhaben» — ich sage aber das unter Gänsefüßchen —, wenn er so «erhaben» hinschwebt über das Leben und sich nicht kümmert um dessen Einzelheiten, so kann das allein schon ein Zeichen sein, daß es bei ihm nichts ist mit einem wirklichen Schauen. So daß der Imaginierende — ich rede jetzt nur von ihm, er kann natürlich auch ein inspirierter, ein intuitiver Mensch sein — das Traumleben aus seiner eigenen Erfahrung sehr gut kennt. Aber ein Unterschied in der Auffassung gegenüber dem Traume ist doch vorhanden. Der Imaginierende empfindet den Traum als etwas, mit dem er sich verbindet, mit dem er in einem viel stärkeren Maße eins wird, als das durch das gewöhnliche Bewußtsein sein kann. Er vermag den Traum ernster zu nehmen. Und eigentlich berechtigt erst die Imagination, den Traum ernst zu nehmen, denn sie befähigt dazu, gewissermaßen hinter das Träumen zu sehen und am Traum aufzufassen vorzugsweise seinen dramatischen Fortgang, seine Spannungen und Lösungen, seine Katastrophen, seine Krisen, nicht so sehr den einzelnen Trauminhalt. Der einzelne Trauminhalt fängt einen bei der. Imagination sogar an, weniger zu interessieren. Viel mehr interessiert einen, ob der Traum zu einer Krisis führt, zu einer Freude führt, ob er zu etwas führt, was einem leicht wird oder schwer wird und dergleichen.
[ 1 ] Yesterday I attempted to show how a closer observation of “human dream life” can bring one closer to the science of initiation. My task now will be to hint at what I attempted yesterday, so to speak, from the standpoint of ordinary consciousness, and to deepen that understanding today by approaching the same subject from the perspective of imaginative insight—that is, by showing how the things we considered yesterday appear to someone who has developed the ability to survey the world through imaginative visions. Let us first set aside the difference between the two types of dreams discussed yesterday; let us simply consider dreams as such. We arrive at a valid perspective when we describe how the imaginative life—imaginative vision—manifests itself in relation to a dream experienced by someone gifted with the power of imagination. Now let us compare this with that self-perception to which the imaginative person arrives when he looks back on his own human being, when he contemplates the human organs imaginatively—whether in himself or in other people—or even the organic connection, that is, the whole human being as an organism. You see, both the dream world and the physical and etheric human organism appear quite differently to the imaginative consciousness than they do to ordinary consciousness. The imaginative person can also dream, and under certain circumstances, their dreams may be just as chaotic as those of other people. They are quite capable of assessing the dream world based on their own experiences, for alongside the imaginative life—which is inwardly ordered and filled with inner light—the dream world unfolds just as it does in ordinary consciousness, just as it does in relation to outer waking life. I have often emphasized that the person who attains true spiritual vision does not become some kind of dreamer or dreamer; that is, he does not live constantly only in higher worlds and fail to see external reality. Anyone who lives constantly only in higher worlds or dreams of higher worlds and does not see external reality is not an initiate; rather, such a person is—even if perhaps only in a psychopathological sense—nevertheless pathological. True initiatic knowledge does not lead away from ordinary physical life and its individual circumstances; on the contrary, it makes one a more careful, more conscientious observer than one would be without the ability to see. And one can certainly say that if someone has no sense of ordinary realities, no interest in the details of life, no interest in the details of other people’s lives—if he is so “sublime” —though I say this in quotation marks—if they float so “sublimely” above life and do not care about its details, that alone can be a sign that they lack true insight. So the imaginative person—I’m speaking only of him now, though he may of course also be an inspired or intuitive person—knows the dream life very well from his own experience. But there is still a difference in perspective when it comes to the dream. The imaginative person experiences the dream as something with which he connects, with which he becomes one to a much greater degree than is possible through ordinary consciousness. He is able to take the dream more seriously. And in fact, it is imagination alone that justifies taking the dream seriously, for it enables one, so to speak, to see beyond the dreaming and to perceive in the dream—above all—its dramatic progression, its tensions and resolutions, its catastrophes, its crises, rather than the individual content of the dream. With imagination, one even begins to take less interest in the individual content of the dream. One is much more interested in whether the dream leads to a crisis, to joy, whether it leads to something that becomes easy or difficult for one, and the like.
[ 2 ] Dieser Verlauf, ich kann nur immer sagen, diese Dramatik des Traumes fängt an einen vorzugsweise zu interessieren, also gerade das, was oftmals das gewöhnliche Bewußtsein nicht interessiert. Man sieht hinter die Kulissen des Traumes. Und wenn man so hinter die Kulissen des Traumes sieht, da wird man aufmerksam darauf, daß man im Traume etwas vor sich hat, was sich zu dem geistigen Menschenwesen in einer ganz bestimmten Weise verhält. Man sagt sich: Der Traum ist wirklich das Menschenwesen in geistiger Beziehung, so wie der Keim einer Pflanze diese Pflanze ist. Man lernt im Trauminhalte, in dieser Traumdramatik vor allen Dingen keimhaft den geistigen Menschen schauen. Und man lernt erfassen in diesem keimhaften Menschen dasjenige, was eigentlich fremd ist in dem gegenwärtigen Leben; fremd ist wie der Pflanzenkeim, den man im Herbst in einem bestimmten Jahre der Pflanze entnimmt, fremd ist dem Pflanzenwachstum dieses Jahres und erst einheimisch wird im Pflanzenwachstum des nächsten Jahres. Und gerade diese Betrachtung des Traumes gibt für das imaginative Bewußtsein die stärksten Eindrücke, weil man in dem träumenden eigenen Wesen immer mehr und mehr verspürt, wie man da etwas in sich trägt, was in das nächste Erdenleben hinübergeht, was sich auswächst zwischen dem Tode und einer neuen Geburt und in das nächste Erdenleben hinüberwächst. Man lernt empfinden den Keim des nächsten Erdenlebens in dem Traum. Das ist außerordentlich wichtig und wird noch erhärtet, wenn man nun dieses besondere Erlebnis, das ein starkes Empfindungserlebnis ist, vergleicht mit jener Anschauung, die man von dem physischen Menschen haben kann, wie er vor einem steht mit seinen einzelnen Organen. Der verändert sich auch vor dem imaginativen Bewußtsein so, daß man nun ein Gefühl bekommt, das ähnlich ist demjenigen, das man hat, wenn die Pflanze, die man als grüne, frische, blühende Pflanze kennengelernt hat, zu verwelken beginnt. Man sagt vor dem imaginativen Bewußtsein, wenn man sich diese Lunge, diese Leber, diesen Magen, namentlich dieses Gehirn des Menschen betrachtet als physische Organe: das ist ja in bezug auf das Geistige etwas Verwelkendes.
[ 2 ] This process—I can only keep saying—the drama of the dream begins to interest one in a special way; that is, precisely what ordinary consciousness often does not find interesting. One looks behind the scenes of the dream. And when one looks behind the scenes of the dream in this way, one becomes aware that in the dream one is faced with something that relates to the spiritual human being in a very specific way. One says to oneself: The dream is truly the human being in a spiritual sense, just as the seed of a plant is that plant. Above all, one learns to perceive the spiritual human being in a germinal form within the content of the dream, within this dream drama. And one learns to grasp, within this germinal human being, that which is actually foreign to one’s present life; foreign like the plant seed that is taken from the plant in the fall of a particular year—foreign to that year’s plant growth and only becoming native to the plant growth of the following year. And it is precisely this contemplation of the dream that provides the strongest impressions for the imaginative consciousness, because within one’s own dreaming being one senses more and more how one carries within oneself something that passes over into the next earthly life—something that develops between death and a new birth and grows into the next earthly life. One learns to sense the seed of the next earthly life in the dream. This is extraordinarily important and is further confirmed when one compares this particular experience—which is a powerful sensory experience—with the view one can have of the physical human being standing before one with his individual organs. Even before the imaginative consciousness, the human being changes in such a way that one now gets a feeling similar to the one one has when a plant—which one has come to know as a green, fresh, blooming plant—begins to wither. In the context of imaginative consciousness, when one considers these lungs, this liver, this stomach, and especially this human brain as physical organs, one might say: in relation to the spiritual, this is something that is withering.
[ 3 ] Sie werden sagen, es sei nichts Angenehmes, durch die Imaginationen dem physischen Menschen wie einem verwelkenden Wesen gegenüberzustehen. Es wird auch nie jemand, der die Initiationswissenschaft kennenlernt, behaupten, sie sei nur dazu da, um den Menschen Annehmlichkeiten zu bieten. Sie soll die Wahrheit geben, nicht dem Menschen Annehmlichkeiten bieten. Aber auf der anderen Seite muß man auch darauf aufmerksam machen, daß, indem man den physischen Menschen als ein verwelkendes Wesen kennenlernt, man in ihm eben den geistigen Menschen sieht. Sie können sozusagen den geistigen Menschen nicht aufleuchten sehen, wenn Sie nicht den physischen in einer gewissen Weise wie ein vermoderndes, welkendes Wesen erkennen lernen.
[ 3 ] You will say that it is no pleasant experience to confront, through the power of imagination, the physical human being as a withering entity. Nor will anyone who becomes acquainted with the science of initiation ever claim that it exists merely to offer people comfort. Its purpose is to reveal the truth, not to offer people comfort. But on the other hand, one must also point out that, by coming to know the physical human being as a withering being, one sees in him precisely the spiritual human being. You cannot, so to speak, see the spiritual human being come to life unless you learn to recognize the physical human being, in a certain sense, as a decaying, withering being.
[ 4 ] So wird die Erscheinung des Menschen dadurch ja nicht häßlicher, sondern im Gegenteil schöner und auch wahrer. Und wenn man so das geistige Hinwelken der menschlichen Organe beobachten kann, dann erscheinen einem diese physischen Organe mit ihrem ätherischen Inhalt wie etwas, was nun aus der Vergangenheit des vorigen Erdenlebens herübergekommen ist und im gegenwärtigen Erdenleben verwelkt. Und so kommt man wirklich zu der Vorstellung, daß in der Entwickelung des verwelkenden Menschen, verwelkend aus seinem Wesen des vorigen Erdenlebens heraus, sich der Keim bildet für das zukünftige Erdenleben. Am meisten welkt ja das menschliche Haupt. Und gerade wie ein Ausfluß des menschlichen Hauptes erscheint der imaginativen Betrachtung der 'Traum.
[ 4 ] This does not make a person’s appearance any uglier; on the contrary, it makes it more beautiful and also more true. And when one can observe the spiritual withering of the human organs in this way, these physical organs, with their ethereal content, appear as something that has come over from the past of the previous earthly life and is now withering away in the present earthly life. And so one truly comes to the idea that in the development of the withering human being—withering from the essence of their previous earthly life—the seed is formed for the future earthly life. The human head withers the most, after all. And it is precisely as an outflow from the human head that the “dream” appears to the imaginative observer.
[ 5 ] Dagegen am wenigsten verwelkend, fast ähnlich dem gewöhnlichen 'Traum, wird der Stoffwechsel-Gliedmaßenorganismus des Menschen vor dem imaginativen Anschauen, und damit am wenigsten welk, am meisten verbunden seiner Form, seinem Inhalte nach mit der Zukunft des Menschen; während der rhythmische Organismus, das, was in der Brusthöhle verborgen ist, die Verbindung zwischen beiden ist. Das ist etwas, was das Gleichgewicht hält.
[ 5 ] In contrast, the human organism’s metabolic-limb system—which withers the least, almost like the ordinary ‘dream’—appears before the imaginative gaze, and thus, being the least withered, is most closely connected in form and content to humanity’s future; while the rhythmic organism—that which is hidden within the chest cavity—serves as the link between the two. This is what maintains the balance.
[ 6 ] Gerade vor einer geistigen Betrachtung wird das menschliche Herz ein merkwürdiges Organ. Vor einer geistigen Betrachtung welkt das physische Herz hin, aber es bleibt fast — fast, sage ich, nicht ganz —, es bleibt fast, indem es geistig-imaginativ auftritt, nur verschönert, veredelt in seiner Form, die es als physisches Herz hat, bestehen.
[ 6 ] It is precisely in the face of spiritual contemplation that the human heart becomes a remarkable organ. In the face of spiritual contemplation, the physical heart withers away, but it remains—almost, I say, not quite—it remains, appearing in a spiritual-imaginative way, merely beautified and ennobled in the form it possesses as a physical heart.
[ 7 ] Daher wird eine gewisse Wahrheit darinnen liegen können, wenn man den geistigen Anblick des Menschen so etwa hinmalen wollte, daß ein verhältnismäßig weise erscheinendes, vielleicht sogar ältliches Antlitz verbunden wäre mit kindlichen Füßchen und Händchen, Flügeln, um das Erdenentfernte anzudeuten; daß aber in irgendeiner Weise an das physische Organ immerhin erinnernd das Herz angedeutet wäre.
[ 7 ] Therefore, there may be some truth in depicting the spiritual image of a human being in such a way that a face appearing relatively wise—perhaps even elderly—is combined with childlike feet and hands, and wings, to suggest a detachment from the earth; but that the heart would be implied in a way that still somewhat recalls the physical organ.
[ 8 ] Hat man nämlich die imaginative Anschauung des Menschen, dann wird so etwas, was man versucht hat zu malen, nicht symbolisch sein in dem schlechten Sinne, den das Symbolische in der heutigen Zivilisation hat, wo es strohern ist, sondern es wird Elemente des physischen Seins enthalten, solche, die zu gleicher Zeit aus dem physischen Sein herausheben. Und man könnte auch folgendes sagen — man muß nämlich anfangen, ein bißchen in Paradoxien zu reden, wenn man von der geistigen Welt spricht, weil die geistige Welt tatsächlich gegenüber der physischen ja ganz anders ausschaut, deshalb paradox ausschaut —, man möchte sagen, wenn man beginnt, mit imaginativer Erkenntnis den Menschen anzuschauen, so hat man dem Kopfe gegenüber das Gefühl: Ach, wie scharf mußt du jetzt denken, um dich diesem Kopf des Menschen gegenüber aufrechtzuerhalten. Man kommt sich, wenn man über den Kopf des Menschen mit imaginativem Bewußtsein nachsinnt, nach und nach ganz schwachsinnig vor, weil man mit den scharfsinnigsten Gedanken, an die man sich gewöhnt hat im Leben, nicht leicht herankommen kann an dieses Wundergebilde des menschlichen Hauptes als physisches Gebilde.
[ 8 ] For if one has an imaginative view of the human being, then something one has attempted to paint will not be symbolic in the negative sense that the symbolic has in today’s civilization—where it is more superficial—but will contain elements of physical being, elements that at the same time transcend physical being. And one could also say the following—for one must begin to speak in paradoxes a bit when discussing the spiritual world, since the spiritual world does indeed appear quite different from the physical world, and therefore appears paradoxical—one might say that when one begins to view the human being through imaginative insight, one has the following feeling in relation to the head: Oh, how sharply you must think now to hold your own in the face of this human head. When one contemplates the human head with imaginative consciousness, one gradually begins to feel quite feeble-minded, because even with the most acute thoughts one has grown accustomed to in life, it is not easy to approach this wondrous structure of the human head as a physical form.
[ 9 ] Nun verwandelt es sich in Geistiges, ist noch viel wunderbarer in seinem Verwelken, wenn es die Form so stark zeigt; denn tatsächlich, die Windungen des Gehirnes werden wie etwas, was in sich enthält, verwelkt, tiefe Geheimnisse der Weltengestaltung. Man schaut ja so tief in die Geheimnisse der Weltengestaltung hinein, wenn man den Menschenkopf anfängt zu verstehen, und man fühlt sich fortwährend «auf den Kopf geschlagen», wenn man den Kopf verstehen will.
[ 9 ] Now it transforms into something spiritual; its withering is all the more wondrous when it reveals its form so powerfully; for indeed, the convolutions of the brain wither away like something that contains within itself the deep mysteries of the structure of the worlds. One really does look so deeply into the mysteries of the structure of the worlds when one begins to understand the human head, and one feels constantly “struck on the head” when one wants to understand the head.
[ 10 ] Dagegen wenn man die Gliedmaßen und das Stoffwechselsystem des Menschen verstehen will mit imaginativem Bewußtsein, dann sagt man sich: Da hilft dir dein scharfer Verstand nicht, da mußt du eigentlich schlafen und träumen von dem Menschen. Denn in bezug auf diese Organisation faßt sich der Mensch am besten auf, wenn von ihm geträumt wird, wachend geträumt wird.
[ 10 ] On the other hand, if one wants to understand the human limbs and the metabolic system through imaginative consciousness, one tells oneself: Your sharp intellect won’t help you here; you actually have to sleep and dream about the human being. For when it comes to this organization, the human being is best understood when one dreams of him—when one dreams while awake.
[ 11 ] Also Sie sehen, man muß einrücken in ein sehr differenziertes Anschauen, wenn man beginnt, den Menschen imaginativ zu betrachten seiner physischen Organisation nach. Man muß gescheit werden, furchtbar gescheit, wenn man seinen Kopf betrachtet. Man muß ein Träumer werden, wenn man sein Stoffwechsel-Gliedmaßensystem betrachtet. Beim rhythmischen System muß man wirklich wie hin und her pendeln zwischen Träumen und Wachen, wenn man dieses Wundergebilde des rhythmischen Systems des Menschen in imaginativem Anschauen erfassen will. Aber all das stellt sich eben dar als Rest des früheren Erdenlebens. So daß dasjenige, was der Mensch an sich erlebt beim Wachen, Rest des früheren Erdenlebens ist. Das spielt nur in das gegenwärtige Erdenleben herein, gibt ihm so viel, als ich gestern ihm zugeschrieben habe im Handeln zum Beispiel, wo ich sagte: Nur so viel, als der Mensch von seinen Handlungen träumt, vollzieht er eigentlich selber wirklich; das andere tun die Götter an ihm. — So weit spielt die Gegenwart herein. Das andere kommt alles aus früheren Erdenleben. Das sieht man dem Menschen an, wenn man ihn in seiner physischen Organisation verwelkend vor sich hat. Und schaut man auf das hin, was er von sich weiß, indem er träumt, schlafend träumt, dann hat man dasjenige, was er vorbereitet für das nächste Erdenleben, vor sich. Man kann die Dinge sehr gut voneinander unterscheiden.
[ 11 ] So you see, one must adopt a very nuanced perspective when one begins to view the human being imaginatively in terms of his physical organization. One must become wise—terribly wise—when one looks at his head. One must become a dreamer when one looks at his metabolic-limb system. When it comes to the rhythmic system, one really must oscillate back and forth between dreaming and waking if one wants to grasp this marvelous structure of the human rhythmic system through imaginative observation. But all of this presents itself precisely as a remnant of a previous earthly life. So that what a person experiences in themselves while awake is a remnant of a previous earthly life. This merely plays a role in the present earthly life, contributing to it only as much as I attributed to it yesterday in the context of action, for example, where I said: Only to the extent that a person dreams of their actions do they actually carry them out themselves; the rest is done to them by the gods. — That is the extent to which the present plays a role. Everything else comes from previous earthly lives. One can see this in a person when one observes their physical body withering away before one’s eyes. And if one looks at what the person knows about themselves through their dreams—the dreams they have while asleep—then one has before one what they are preparing for their next earthly life. One can distinguish these things from one another very clearly.
[ 12 ] So daß die Imagination unmittelbar aus dieser Betrachtung des Menschen, des wachenden und schlafenden Menschen hinführt zu der Anschauung jener Entwickelung, die von Erdenleben zu Erdenleben geht.
[ 12 ] Thus, the imagination leads directly from this contemplation of the human being—the waking and sleeping human being—to the vision of that development that extends from one earthly life to the next.
[ 13 ] Aber eine ganz besondere Stelle nimmt ja in diesem sowohl wachenden wie schlafenden Menschen jenes Seelenelement ein, das wir die Erinnerung nennen, dasjenige, was im Gedächtnis bewahrt wird. Betrachten Sie Ihre gewöhnlichen Erinnerungen. Sie wissen: was Sie erinnern, das holen Sie als Gedanken, als Vorstellungen aus sich heraus. Sie bilden Vorstellungen vergangener Erlebnisse. Sie wissen: in diesen Erinnerungen verlieren die Erlebnisse ihre Lebendigkeit, ihre Eindrucksfähigkeit, ihre Farben und so weiter. Die Erlebnisse sind verblaßt in der Erinnerung. Aber auf der anderen Seite muß uns diese Erinnerung doch wiederum als sehr stark mit dem Wesen des Menschen zusammenhängend erscheinen, ja mehr als das, als das Wesen des Menschen selbst erscheinen. Der Mensch ist nur gewöhnlich nicht ehrlich genug, um sich nach dieser Richtung das Nötige zu gestehen.
[ 13 ] But that element of the soul which we call memory—that which is preserved in the mind—occupies a very special place in this human being, whether awake or asleep. Consider your ordinary memories. You know that what you remember, you draw from within yourself as thoughts, as mental images. You form mental images of past experiences. You know that in these memories, the experiences lose their liveliness, their power to make an impression, their colors, and so on. The experiences have faded in memory. But on the other hand, this memory must nevertheless appear to us as something very closely connected to the essence of the human being—indeed, more than that, as the essence of the human being itself. It is just that people are usually not honest enough to admit to themselves what is necessary in this regard.
[ 14 ] Aber ich frage Sie: Wenn Sie in sich hineinblicken, um einmal so recht darauf zu kommen, was Sie eigentlich nach dem sind, was Sie Ihr Ich nennen, ist denn das etwas anderes als die Erinnerungen? Sie werden kaum etwas anderes in sich finden als die Erinnerungen an das Leben, wenn Sie auf Ihr Ich zurückgehen wollen. Sie finden allerdings diese Erinnerungen von einer Art Aktivität durchzogen, aber die bleibt sehr schattenhaft und dunkel. Das, was lebendig erscheint als Ich, sind eben für das Erdenleben die Erinnerungen.
[ 14 ] But I ask you: When you look within yourself to truly grasp what you actually are—that which you call your “self”—is that anything other than memories? You will hardly find anything within yourself other than memories of your life if you wish to go back to your “I.” You will, however, find these memories permeated by a kind of activity, but it remains very shadowy and obscure. What appears to be alive as the “I” is, for earthly life, precisely these memories.
[ 15 ] Diese Welt der Erinnerungen, auf die Sie sich nur zu besinnen brauchen, um sie zunächst in ihrem ganzen Schattenhaften, Schemenhaften vor sich zu haben, diese Welt der Erinnerungen, was wird sie vor dem imaginierenden Bewußtsein? Sie verbreitert sich sogleich, sie wird ein mächtiges Tableau vor der Imagination, durch das man alles das in Bildern überschaut, was man in dem gegenwärtigen Erdenleben durchlebt hat. Man möchte sagen (es wird gezeichnet), wenn dies der Mensch ist, dies die Erinnerung in ihm: durch die Imagination wird diese Erinnerung sogleich ausgedehnt bis zur Geburt hin. Man fühlt sich wie aus dem Raume heraußen; da ist alles Geschehen. Man schaut so in ein Tableau hinein, indem man das ganze bisherige Erdenleben überschaut. Die Zeit wird zum Raum. Wie in eine Allee schaut man hinein. Man überschaut dieses ganze Bisherige in einem Tableau, in einem Panorama, und man kann sagen: die Erinnerung verbreitert sich, dehnt sich aus. Sie ist wie in einem einzigen Zeitmomente, wenn wir sie im gewöhnlichen Bewußtsein haben. Sie ist ausgedehnt in der Zeit, wenn wir sie vor dem imaginierenden Bewußtsein haben. Vor dem gewöhnlichen Bewußtsein, da ist es wirklich so: Wenn man zum Beispiel, sagen wir, vierzig Jahre alt geworden ist und man erinnert sich an etwas, was man vor zwanzig Jahren erlebt hat, aber man imaginiert nicht, man stellt gewöhnlich vor, ja dann ist es so, wie wenn es zwar weit fort wäre, weit fort im Raume, aber doch da wäre. Wenn man imaginiert, weiß man jetzt: es ist dageblieben; es ist ebensowenig verschwunden wie die fernen Bäume einer Allee. Es ist da. Wie in eine Allee hinein, so schaut man hinein in dieses Tableau. Und man erkennt, daß diese Erinnerung, die man im gewöhnlichen Bewußtsein in sich trägt, eine arge Illusion ist.
[ 15 ] This world of memories—which you need only call to mind to see it before you, at first in all its shadowy, ghostly form—this world of memories: what does it become before the imagining consciousness? It immediately expands; it becomes a powerful tableau before the imagination, through which one surveys in images everything one has experienced in one’s present earthly life. One might say (it is depicted): if this is the human being, this is the memory within him—through the imagination, this memory is immediately extended all the way back to birth. One feels as if standing outside in space; there, everything has taken place. One looks into a tableau in this way, surveying one’s entire earthly life up to this point. Time becomes space. It is as if one were looking down an avenue. One surveys this entire past in a tableau, in a panorama, and one can say: the memory broadens, expands. It is as if it were a single moment in time when we experience it in ordinary consciousness. It is extended in time when we experience it through the imagining consciousness. In ordinary consciousness, it is truly like this: If, for example, you have reached the age of forty and you remember something you experienced twenty years ago—but you are not imagining it, you are merely recalling it—then it is as if it were far away, far away in space, yet still there. When one imagines it, one now knows: it has remained there; it has not disappeared any more than the distant trees of an avenue. It is there. Just as one looks into an avenue, so one looks into this tableau. And one realizes that this memory, which one carries within oneself in ordinary consciousness, is a terrible illusion.
[ 16 ] Es ist wirklich so, wenn man das, was man im gewöhnlichen Bewußtsein als Erinnerung in sich trägt, als eine Wirklichkeit auffaßt, wie wenn man bei einem Baum einen Querschnitt macht und das, was man da Tafel 11 drinnen sieht, diesen einen Querschnitt für die Wirklichkeit des Baumstammes hält. Dieser eine Querschnitt ist eigentlich ein Nichts. Es ist ja nur ein Bild, das sich da ergibt, der Baumstamm ist oberhalb und unterhalb des Querschnittes. Und so ist es wirklich, wenn man imaginierend die Erinnerungen erfaßt. Da merkt man die ganze Nichtigkeit der einzelnen Erinnerungsgehalte; da wird das Ganze ausgedehnt bis eben nahe zu der Geburt hin, und sogar unter Umständen weiter über die Geburt hinaus. Da wird alles Vergangene gegenwärtig. Es ist da; es zeigt sich zwar perspektivisch entfernt, aber es ist da.
[ 16 ] It is truly the case that if one regards what one carries within oneself as a memory in ordinary consciousness as reality, it is as if one were to make a cross-section of a tree and consider what one sees inside—as shown in Plate 11—to be the reality of the tree trunk. That single cross-section is actually nothing. It is, after all, only an image that emerges there; the tree trunk extends above and below the cross-section. And this is truly the case when one grasps memories through imagination. There one perceives the utter insignificance of the individual contents of memory; there the whole is extended back nearly to birth, and under certain circumstances even beyond birth. There, everything past becomes present. It is there; it may appear distant in perspective, but it is there.
[ 17 ] Und hat man das einmal erfaßt, hat man solch eine Anschauung, dann tritt eben jene Erkenntnis ein, die einer fortwährenden Beobachtung fähig ist, die einem sagt, daß der Mensch, wenn er seinen physischen Leib verläßt mit dem Tode, kurze Zeit nach dem Tode, einige Tage, diese Rückschau als sein selbstverständliches Leben hat. Indem der Mensch durch die Pforte des Todes geht, hat er zunächst durch mehrere Tage als sein Erleben dieses, daß er so in sein Lebenspanorama hineinschaut; in mächtigen Bildern, in leuchtenden, glänzenden, eindrucksvollen Bildern sein Leben anschaut.
[ 17 ] And once one has grasped this, once one has such an insight, then that very insight sets in—one capable of continuous observation—which tells us that when a person leaves their physical body at death, shortly after death—for a few days—they experience this retrospection as their natural state of being. As a person passes through the gate of death, they initially experience—for several days—this: looking back into the panorama of their life; viewing their life in powerful images, in luminous, dazzling, and striking images.
[ 18 ] Nun handelt es sich darum aber, weiterzuschreiten mit der imaginativen Erkenntnis. Wenn man nun weiterschreitet mit der imaginativen Erkenntnis, dann bereichert sich das Leben in einer gewissen Weise; dann faßt man das natürlich auch in entsprechender Weise auf, was man sonst eben anders auffaßte. Sagen wir zum Beispiel, man faßt auf das Verhalten, das man anderen Menschen gegenüber hat, das Benehmen anderen Menschen gegenüber. Man faßt auf die Absichten, die man hatte bei diesem Benehmen, die Handlungen, die man ausgeführt hat, die Art und Weise, wie man zu den Menschen gewesen ist. Darüber mag man im gewöhnlichen Leben mehr oder weniger im einzelnen Falle nachdenken, je nachdem man mehr oder weniger gedankenlos ist; aber jetzt ist es eben da. Man hat eine Vorstellung von der Art seines eigenen Verhaltens. Aber was man da auffaßt, ist dennoch eigentlich nur ein Teil der Sache. Nehmen wir einmal an, man erweise einem anderen Menschen eine Guttat oder eine böse Tat. Man wird Erfolge sehen aus der guten Tat, die Zufriedenheit des anderen Menschen, das Befriedigtsein, vielleicht auch wird er in dieser oder jener Hinsicht gefördert sein. Man wird also jene Folgen einer solchen Handlungsweise sehen, die in der physischen Welt eintreten können. Hat man eine böse Tat ausgeführt, wird man sehen können, wie man den Menschen geschädigt hat, wie der Mensch unbefriedigt geworden ist, wie er sogar vielleicht physisch Leid davongetragen hat und so weiter. Das alles wird, wenn man nicht davor flieht, wenn es einem nicht unangenehm ist, die Folgen seiner Taten bei dem anderen Menschen zu beobachten, das alles wird man innerhalb des physischen Lebens beobachten können. Aber das ist nur eine Seite der Sache. Jede Handlung, die wir begehen Menschen gegenüber, ja auch Handlungen, die wir begehen den anderen Naturreichen gegenüber, hat noch eine andere Seite. Nehmen wir einmal an, Sie erweisen einem Menschen eine Guttat. Diese Guttat, sie hat in den geistigen Welten ein Dasein, eine gewisse Bedeutung. Sie wärmt gewissermaßen in den geistigen Welten; sie ist wie der Ausgangspunkt von geistigen Wärmestrahlungen. Seelenwärme in der geistigen Welt strömt aus von einer guten Tat, die man einem anderen Menschen erweist. Seelenkälte strömt aus von einer bösen Tat, die man einem anderen Menschen erweist. Und so ist es wirklich, als ob man Seelenwärme und Seelenkälte hineintrüge in die geistige Welt nach der Art, wie man sich zu anderen Menschen verhält. Andere Handlungen des Menschen wiederum sind so, als ob sie nach der einen oder anderen Richtung wie hell leuchtende Strahlen wirkten in der geistigen Welt; andere wirken verfinsternd in der geistigen Welt; kurz, man kann sagen, man erlebt von dem, was man vollbringt im Leben auf Erden, eigentlich nur die Hälfte.
[ 18 ] The point now, however, is to proceed further with imaginative insight. When one proceeds further with imaginative insight, life is enriched in a certain way; then, naturally, one also perceives in a corresponding way what one would otherwise have perceived differently. Let’s say, for example, that one reflects on one’s behavior toward other people—one’s conduct toward them. One reflects on the intentions one had in this behavior, the actions one carried out, and the way one treated people. In ordinary life, one might reflect on this to a greater or lesser extent in individual cases, depending on how thoughtless one is; but now it is simply there. One has an idea of the nature of one’s own behavior. But what one perceives there is, in fact, only part of the picture. Let’s suppose, for example, that one does a good deed or a bad deed for another person. One will see the results of the good deed—the other person’s contentment, their satisfaction—and perhaps they will also be helped in one way or another. So one will see those consequences of such an action that can occur in the physical world. If one has committed a wrong deed, one will be able to see how one has harmed the person, how the person has become dissatisfied, how they may even have suffered physical pain, and so on. All of this—provided one does not shy away from it, provided one is not uncomfortable observing the consequences of one’s actions in another person—all of this can be observed within physical life. But that is only one side of the matter. Every action we perform toward other people—indeed, even actions we perform toward the other kingdoms of nature—has another side as well. Let’s suppose, for example, that you do a good deed for someone. This good deed has an existence in the spiritual worlds, a certain significance. It brings warmth, so to speak, to the spiritual worlds; it is like the source of spiritual warmth. Spiritual warmth in the spiritual world flows from a good deed done for another person. Spiritual coldness flows from an evil deed done to another person. And so it is truly as if one were bringing spiritual warmth and spiritual coldness into the spiritual world in accordance with the way one behaves toward other people. Other human actions, in turn, are as if they were shining like bright rays in one direction or another in the spiritual world; others have a darkening effect in the spiritual world; in short, one could say that one actually experiences only half of what one accomplishes in life on Earth.
[ 19 ] Geht man nun an das imaginative Bewußtsein heran, dann schwindet eigentlich vor diesem imaginativen Bewußtsein dasjenige, was das andere Bewußtsein ja ohnehin schon weiß. Ob ein Mensch gefördert oder geschädigt wird, das ist Sache des gewöhnlichen Bewußtseins, es einzusehen; aber das, was eine Handlung, sei sie gut, sei sie böse, sei sie weise, sei sie törichter Art, in der geistigen Welt wirkt an Seelenwärme, an Seelenkälte, an Seelenleuchte, an Seelenverfinsterung und so weiter — es ist eine große Mannigfaltigkeit da —, das steigt auf vor dem imaginativen Bewußtsein, das beginnt da zu sein. Und man sagt sich: Deshalb, weil du das nicht gewußt hast, als du dein gewöhnliches Bewußtsein wirken ließest in deinen Handlungen, deshalb war es nicht etwa nicht da. Man sagt sich, laß dir nur ja nicht einfallen, daß dasjenige, was du nicht gewußt hast bei deinem Handeln: daß es Quellen von Seelenstrahlungen leuchtender und wärmender Art sind, daß dadurch, daß du das nicht gesehen hast, nicht erlebt hast, daß es etwa nicht da sei. Laß dir das ja nicht einfallen. Du hast es durchlebt, aber in deinem Unterbewußtsein. Du bist durch das alles durchgegangen. So wie deine Augen, deine Seelenaugen des höheren Bewußtseins es jetzt sehen: hast du bei einer Wohltat, die du einem anderen erwiesest, einen gefördert, hast du bei einer bösen Tat einen geschädigt, so erlebte dein Unterbewußtsein ganz parallel gehend dabei, was die Tat in der geistigen Welt bedeutete.
[ 19 ] When one approaches imaginative consciousness, what the other form of consciousness already knows actually fades away in the face of this imaginative consciousness. Whether a person is helped or harmed is a matter for ordinary consciousness to discern; but what an action—be it good, evil, wise, or foolish—brings about in the spiritual world in terms of warmth of soul, coldness of soul, radiance of soul, darkness of soul, and so on—there is a great diversity there—this rises up before the imaginative consciousness, which begins to emerge there. And one says to oneself: It is precisely because you did not know this when you allowed your ordinary consciousness to guide your actions that it was not, as it were, absent. You tell yourself, don’t even think for a moment that what you were unaware of in your actions—that they are sources of soul radiations of a luminous and warming nature—might not have been there simply because you didn’t see it or experience it. Don’t even think that. You lived through it, but in your subconscious. You have gone through all of this. Just as your eyes—the eyes of your soul in higher consciousness—now see it: when you performed a good deed for another and helped them, or when you committed a wicked act and harmed someone, your subconscious mind experienced, in parallel with those events, what the deed meant in the spiritual world.
[ 20 ] Und in dem Augenblicke, wo der Mensch mit dem imaginativen Bewußtsein so weit ist, daß dieses imaginative Bewußtsein sich genügend intensiviert hat, da schaut er nicht nur hin wie auf ein Panorama seiner Erlebnisse, sondern da wird er genötigt, darauf aufmerksam zu werden, daß er ja gar nicht ein ganzer Mensch ist, wenn er das nicht durchlebt, was er da undurchlebt gelassen hat, diese andere Seite seiner Handlungen, diese andere Seite seines Erdenlebens. Man beginnt, sich gegenüber diesem Lebenspanorama, das bis zur Geburt oder über die Geburt hinausreicht, ganz krüppelhaft vorzukommen, wie wenn einem etwas abgeschlagen wäre. Man sagt sich fortwährend: Das hättest du doch miterleben sollen; du bist ja eigentlich so, wie wenn dir dein Auge ausgeschlagen wäre, dein Bein abgeschlagen wäre; du bist ja nicht ein ganzer Mensch. Du hast ja die Hälfte deiner Erlebnisse in Wirklichkeit nicht gehabt. Das muß im Laufe des imaginierenden Bewußtseins eintreten, daß man sich also verstümmelt fühlt in bezug auf die Erlebnisse, daß man vor allen Dingen fühlt, wie einem das gewöhnliche Leben etwas zudeckt.
[ 20 ] And at the very moment when a person has reached a stage in their imaginative consciousness where that consciousness has intensified sufficiently, then he does not merely gaze upon it as if it were a panorama of his experiences; rather, he is compelled to realize that he is not a complete human being unless he lives through what he has left unlived—that other side of his actions, that other side of his earthly life. One begins to feel utterly crippled in the face of this panorama of life, which extends back to birth or even beyond it, as if something had been cut off. One keeps telling oneself: You really should have experienced that; you are, in fact, as if your eye had been gouged out, your leg had been cut off; you are not a whole human being. In reality, you haven’t had half of your experiences. This must occur in the course of imaginative consciousness—that one feels mutilated with regard to one’s experiences, that one feels, above all, how ordinary life obscures something from one.
[ 21 ] In unserer heutigen materialistischen Zeit ist ja das ganz besonders heftig, denn diese heutige materialistische Zeit glaubt überhaupt nicht daran, daß die menschlichen Handlungen mehr Wert und Bedeutung haben, als sie für das unmittelbare Leben haben, das sich äußerlich in der physischen Welt abspielt. Daß sich in der geistigen Welt noch etwas Besonderes abspielt, das betrachtet man mehr oder weniger als eine Torheit, wenn es behauptet wird; aber es ist eben da. Und vor dem imaginierenden Bewußtsein tritt dieses Gefühl der Verstümmeltheit auf. Man sagt sich: Du mußt dir wirklich die Möglichkeit bieten, zu erleben, was du alles nicht erlebt hast. Das aber geht fast gar nicht; das geht fast nur in Einzelheiten, in sehr geringem Maße.
[ 21 ] In our present-day materialistic age, this is particularly acute, for this materialistic age does not believe at all that human actions have any more value or significance than they have for immediate life, which unfolds externally in the physical world. The idea that something special is still taking place in the spiritual world is more or less regarded as folly when it is asserted; yet it is indeed there. And this feeling of incompleteness arises in the imaginative consciousness. One tells oneself: You really must give yourself the opportunity to experience all that you have not yet experienced. But that is almost impossible; it is possible only in details, to a very limited extent.
[ 22 ] Das ist es ja, was als Ernst über demjenigen lagern wird, der tiefer durchschauend in das Leben hineinsieht: daß er im Grunde genommen während des Erdenlebens von diesem Leben vieles nicht erfüllen kann, daß er gewissermaßen einen Schuldschein ausstellen muß auf die Zukunft, daß er sagen muß: Das Leben stellt Aufgaben für das Erleben, die man in diesem Erdenleben gar nicht absolvieren kann. Man muß sie dem Weltenall schuldig bleiben und sagen: Ich werde das erst durchleben können, wenn ich durch den Tod gegangen bin. Es ist dies eine starke, wenn auch oftmals recht tragische Bereicherung des Lebens, die die Initiationsweisheit gibt, daß man das unvermeidliche Schuldigwerden gegenüber dem Leben empfindet und die Notwendigkeit einsieht, einen Schuldschein gegenüber den Göttern auszustellen, zu sagen: Das kann ich erst erleben, wenn ich gestorben bin; dann kann ich erst eintreten in ein solches Erleben, wie ich es dem Weltenall schuldig geworden bin.
[ 22 ] That is precisely what will weigh heavily on the mind of anyone who looks more deeply into life: that, fundamentally speaking, there are many things in this life that he cannot fulfill during his time on earth; that, in a sense, he must issue a promissory note to the future; that he must say: Life presents tasks for experience that one cannot possibly complete in this earthly life. One must remain indebted to the universe and say: I will only be able to live through this once I have passed through death. This is a profound, if often quite tragic, enrichment of life, bestowed by the wisdom of initiation: the realization that one inevitably becomes indebted to life and the recognition of the necessity to issue an IOU to the gods, to say: “I can only experience this once I have died; only then can I enter into the kind of experience to which I have become indebted to the universe.”
[ 23 ] Dieses Bewußtsein, daß das innere Leben zum Teil in einer Art von Wechsel auf die Zukunft nach dem Tode geschehen muß, dieses innerliche Bewußtsein vertieft ungeheuer das Menschenleben. — Geisteswissenschaft ist nicht nur dazu da, daß man theoretisch das eine oder das andere wissen lernt. Derjenige, der Geisteswissenschaft so studiert, wie man andere Dinge studiert, der tut eigentlich nützlicher, ein Kochbuch zu studieren. Da wird er wenigstens dazu gedrängt, die Sache nicht bloß theoretisch zu betrachten. Denn das Leben sorgt dafür, hauptsächlich das Leben des Magens und was sich daran reiht, daß man ein Kochbuch ernster nimmt als eine bloße Theorie. Es ist schon notwendig, daß Geisteswissenschaft, wenn sie an den Menschen herantritt, das Leben empfindungsgemäß, herzgemäß vertieft.
[ 23 ] This awareness—that inner life must, in part, take place in a kind of transition toward the future after death—this inner awareness profoundly deepens human life. — Spiritual science is not merely a means of learning one thing or another in a theoretical sense. Anyone who studies spiritual science the same way one studies other subjects would actually be better off studying a cookbook. At least there, one is compelled not to view the matter merely theoretically. For life itself—primarily the life of the stomach and everything connected with it—ensures that one takes a cookbook more seriously than mere theory. It is indeed necessary that spiritual science, when it approaches human beings, deepen life in a way that resonates with feeling and the heart.
[ 24 ] Es gibt eine ungeheure Vertiefung des Lebens, wenn man auf dieses Schuldigwerden den Göttern gegenüber aufmerksam wird und sich sagt: Die Hälfte des Lebens auf Erden kann man eigentlich nicht durchleben, weil es sich unter der Oberfläche des Daseins verbirgt. Lernt man durch Initiation kennen, was sich da sonst verbirgt für das gewöhnliche Bewußtsein, dann kann man schon ein wenig hineinsehen in das, was man schuldig geworden ist. Und man könnte dann sagen: Mit dem gewöhnlichen Bewußtsein sieht man, daß man schuldig wird, aber man kann den Schuldschein nicht lesen, den man selber ausstellen sollte. Mit dem initiierten Bewußtsein kann man zwar den Schuldschein lesen, aber man kann ihn nicht bezahlen im gewöhnlichen Leben. Man muß warten, bis der Tod kommt. Und hat man dieses Bewußtsein erlangt, hat man so das menschliche Gewissen vertieft, daß dieses Bewußtsein des Schuldiggewordenseins ganz lebendig in einem ist, dann ist man reif geworden, das Menschenleben weiter zu verfolgen nach jenem rückschauenden Tableau, von dem ich gesprochen habe, wo man zurückgeht bis zu der Geburt. Und dann sieht man, wie nach einigen Tagen dieses beginnt: daß man das erleben muß, was man unerlebt gelassen hat.
[ 24 ] There is a tremendous deepening of life when one becomes aware of this sense of guilt toward the gods and says to oneself: One cannot truly live through half of life on earth, because it lies hidden beneath the surface of existence. If, through initiation, one comes to know what is otherwise hidden from ordinary consciousness, then one can already glimpse a little of what one has become indebted for. And one might then say: With ordinary consciousness, one sees that one is becoming indebted, but one cannot read the debt note that one ought to issue oneself. With an initiated consciousness, one can indeed read the debt note, but one cannot pay it off in ordinary life. One must wait until death comes. And once one has attained this consciousness—once one has deepened one’s human conscience to such an extent that this awareness of having become guilty is fully alive within one—then one has become ripe to continue the human life beyond that retrospective tableau I spoke of, where one goes back all the way to birth. And then one sees how, after a few days, this begins: that one must experience what one has left unexperienced.
[ 25 ] Für jede einzelne Tat, die man Menschen gegenüber oder auch der Welt gegenüber getan hat, muß man nun erleben, was man unerlebt gelassen hat. Die letzten Taten, die man vor seinem Tode getan hat, die treten zuerst auf; dann geht es weiter zurück im Leben. Zuerst wird man aufmerksam auf die Weltbedeutung der bösen Taten oder guten Taten, die man zuletzt getan hat. Was man auf Erden an ihnen erlebt hat, bleibt weg; was sie für die Welt bedeuten, das wird jetzt durchlebt.
[ 25 ] For every single deed one has committed toward other people or toward the world, one must now experience what one failed to experience. The last deeds one performed before death appear first; then the process moves further back in one’s life. First, one becomes aware of the significance for the world of the evil or good deeds one most recently performed. What one experienced of them on earth is set aside; what they mean for the world is now lived through.
[ 26 ] Und weiter zurück geht es. Man erlebt sein Leben rückwärts laufend noch einmal. Man weiß, man ist während dieser Zeit, indem man so sein Leben rücklaufend noch einmal erlebt, die Weltbedeutung dieses Lebens erlebt, man ist während dieser Zeit noch mit der Erde verbunden, denn es ist nur die andere Seite der Erdentaten, die man da erlebt.
[ 26 ] And the journey continues further back. One relives one’s life in reverse. One knows that during this time—while reliving one’s life in reverse—one experiences the world significance of that life; during this time, one is still connected to the Earth, for it is only the other side of one’s earthly deeds that one experiences there.
[ 27 ] Sehen Sie, da fühlt dann der Mensch so, als wenn sein weiteres zukünftiges Leben im Schoße des Weltenalls jetzt getragen würde. Es ist eine Art Embryonalleben für das weitere Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, was da der Mensch erlebt, nur daß er nicht von einer Mutter embryonal getragen wird, sondern von der Welt, nämlich von der Welt dessen, was er hier im physischen Dasein nicht erlebt hat. Er lebt sein physisches Dasein noch einmal zurück, aber in der Weltenbedeutung. Da erlebt er es mit einem stark geteilten Bewußtsein. Wenn wir hier in der physischen Welt leben und die Wesen, die um uns herum sind, anschauen, dann fühlen wir uns als Mensch so recht wie ein König den anderen Wesen gegenüber. Selbst wenn wir den Löwen den König der Tiere nennen, so fühlen wir uns als Menschen über ihn noch immer erhaben. Der Mensch fühlt die Wesen der anderen Reiche als unter ihm stehend. Er kann die anderen beurteilen; er schreibt aber den anderen nicht zu, daß sie ihn beurteilen können. Er steht über den anderen Wesen der anderen Reiche der Natur. Ja, ein anderes Gefühl hat der Mensch, wenn er nach dem Tode durch das Erleben durchgeht, das ich eben geschildert habe. Da fühlt er sich nicht Reichen der Natur gegenüber, über die er erhaben ist, sondern er fühlt sich Reichen der geistigen Welt gegenüber, denen gegenüber er unterhaben ist. Er fühlt sich jetzt als das Niedrigste und die anderen über ihm stehend.
[ 27 ] You see, at that moment a person feels as if their future life were now being carried in the womb of the universe. What a person experiences there is a kind of embryonic life for the life that lies ahead between death and a new birth—only that they are not carried embryonically by a mother, but by the world, namely by the world of what they have not experienced here in physical existence. They relive their physical existence once more, but in a cosmic context. There they experience it with a consciousness that is strongly divided. When we live here in the physical world and look at the beings around us, we as human beings feel, quite rightly, like kings in relation to the other beings. Even when we call the lion the king of the animals, we as human beings still feel superior to him. Human beings perceive the beings of the other kingdoms as inferior to themselves. They can judge others; yet they do not attribute to others the ability to judge them. They stand above the other beings of nature’s other kingdoms. Indeed, a human being has a different feeling when, after death, he passes through the experience I have just described. There he does not feel himself to be facing the realms of nature, over which he is exalted, but rather he feels himself to be facing the realms of the spiritual world, in relation to which he is subordinate. He now feels himself to be the lowest, with the others standing above him.
[ 28 ] Und indem er so durchgeht durch das vorher Unerlebte, fühlt er überall die Wesenheiten, die jetzt über ihn erhaben sind, denen gegenüber er unterhaben ist. Diese Wesenheiten bringen ihre Sympathien und Antipathien demgegenüber, was er durchlebt infolge seines Erdenlebens. Da ist man überall in diesem Erleben unmittelbar nach dem Tode wie in einem Regen drinnen, in einem geistigen Regen. Man durchlebt seine Tat noch einmal, nämlich ihre geistigen Seiten, aber indem man diese Taten durchlebt, tropfen herunter die Sympathien und Antipathien der erhabenen Wesenheiten, die über einem stehen. Da wird man überschüttet und übergossen von den Sympathien und Antipathien. Und da überkommt einen in geistiger Wesenheit das Fühlen: Dasjenige, worauf die Sympathien der erhabenen Wesenheiten der höheren Hierarchien strahlen, das wird in das Weltenall aufgenommen und bildet im Ferneren einen guten Einschlag im Weltenall; dasjenige, worauf die Antipathien der erhabenen Wesenheiten fallen, das wird zurückgewiesen. Man fühlt davon, das würde ein schlimmer Einschlag im Weltenall sein, wenn man es nicht an sich halten würde.
[ 28 ] And as he passes through this previously unexperienced realm, he senses everywhere the beings who are now superior to him, to whom he is subordinate. These beings express their sympathies and antipathies toward what he is experiencing as a result of his earthly life. In this experience immediately after death, one is everywhere as if immersed in a rain—a spiritual rain. One relives one’s deeds once more—namely, their spiritual aspects—but as one relives these deeds, the sympathies and antipathies of the exalted beings who stand above one drip down. There, one is showered and drenched by these sympathies and antipathies. And then, as a spiritual being, one is overcome by the realization: that which is illuminated by the sympathies of the exalted beings of the higher hierarchies is absorbed into the universe and, in the distant future, will have a positive impact on the universe; that which is met with the antipathies of the exalted beings is rejected. One senses that this would have a terrible impact on the universe if one did not keep it to oneself.
[ 29 ] Eine böse Tat, einem Menschen gegenüber verrichtet, wird übertropft von den Antipathien der erhabenen Wesenheiten. Und man fühlt: Diese Verbindung mit den Antipathien der erhabenen Wesenheiten würde etwas außerordentlich Schlimmes für das Weltenall bedeuten, wenn man nun nicht das, was eine böse Tat für das ganze Weltenall bedeutet, an sich fassen würde, wenn man es aus sich herauslassen würde. Und aus diesem Grunde sammelt man auf dasjenige, was die Antipathien der erhabenen Wesenheiten empfängt.
[ 29 ] An evil deed committed against a human being is overwhelmed by the antipathies of the sublime beings. And one senses: This connection with the antipathies of the exalted beings would mean something extraordinarily terrible for the entire universe if one were not to grasp, in and of itself, what an evil deed means for the entire universe—if one were to let it flow out of oneself. And for this reason, one gathers toward that which receives the antipathies of the exalted beings.
[ 30 ] Und damit legt man die Grundlage für das Karma, für das, was dann hinüberwirkt ins nächste Erdenleben, damit es durch andere Taten seinen Ausgleich finde.
[ 30 ] And in this way, one lays the foundation for karma—for that which then carries over into the next earthly life, so that it may be balanced through other actions.
[ 31 ] Man kann, ich möchte sagen, mehr von der Außenseite her diesen Durchgang des Menschenwesens durch das Seelengebiet nach dem Tode schildern, wie ich es in meinem Buche «Theosophie» getan habe. Da schildert man mehr nach den Gedankengängen, die man gewohnt worden ist in unserem Zeitalter. Jetzt, wo ich gewissermaßen rekapitulierend noch einmal schildere innerhalb der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, was ja Systematik der Anthroposophie ist, möchte ich die Dinge mehr innerlich schildern, so daß Sie verspüren können, wie der Mensch das mit seinem Menschenwesen, mit seiner Menschenindividualität erlebt im Zustande nach dem Tode.
[ 31 ] One can, I would say, describe this passage of the human being through the realm of the soul after death more from an external perspective, as I have done in my book Theosophy. There, the description follows the lines of thought to which we have become accustomed in our age. Now that I am, in a sense, summarizing and describing once again within the General Anthroposophical Society what the system of Anthroposophy is, I would like to describe these things from a more inner perspective, so that you can sense how the human being experiences this with his human nature and his human individuality in the state after death.
[ 32 ] Dann aber, wenn man dieses so durchschaut, kann man noch einmal einen Blick zurückwerfen auf die Traumeswelt, und dann erscheint einem diese Traumeswelt in einem neuen Lichte. Wenn man so schaut, wie ein Mensch nach dem Tode die geistigen Seiten seiner Erdentaten, seines Erdendaseins erlebt, auch seiner Erdengedanken, dann kann man wiederum zurückblicken auf den träumenden Menschen, auf all das, was der Mensch während des Schlafes erlebt hat und dann sagt man sich: Während des Schlafes hat der Mensch das schon einmal, aber nur ganz unbewußt durchlebt. Und es tritt jener Unterschied auf zwischen dem Schlafeserleben und dem Erleben, das man jetzt hat nach dem Tode. Betrachten Sie das menschliche Erdenleben. Die wachen Zustände sind da, immer unterbrochen vom Schlaf. Nun, nehmen wir an, daß einer keine Schlafmütze ist, so bringt er ungefähr ein Drittel seines Lebens schlafend zu. Während dieses Drittels seines Lebens durchlebt er tatsächlich, nur weiß er nichts davon, diese andere geistige Seite seiner Taten. Der Traum wirft ja nur ein ganz leichtes Wellenkräuseln auf. Da merkt man manches von dieser anderen Seite im Traume, aber es ist ein schwaches Wellenkräuseln oben. Der tiefe Schlaf aber läßt unbewußt erleben alles das, was die geistige Seite des Tageslebens ist.
[ 32 ] But once one has come to understand this, one can look back once more at the world of dreams, and then that world of dreams appears in a new light. When one considers how a person, after death, experiences the spiritual aspects of their earthly deeds, their earthly existence, and even their earthly thoughts, then one can look back again at the dreaming person, at everything the person experienced during sleep, and then one says to oneself: During sleep, the person has already lived through this once before, but only completely unconsciously. And that is where the difference lies between the experience of sleep and the experience one now has after death. Consider human life on Earth. There are waking states, always interrupted by sleep. Now, let’s assume that someone isn’t a heavy sleeper; in that case, they spend about one-third of their life asleep. During this third of their life, they are in fact experiencing—though they are unaware of it—this other spiritual aspect of their actions. Dreams, after all, create only a very slight ripple. One may notice some aspects of this other side in a dream, but it is merely a faint ripple on the surface. Deep sleep, however, allows one to unconsciously experience everything that constitutes the spiritual aspect of daily life.
[ 33 ] Man kann schon sagen: Im bewußten Tagesleben erlebt man, was die Menschen denken und fühlen, wie sie gefördert oder nicht gefördert sind durch uns selber. Im Schlafe erlebt man unbewußt, was die Götter denken über unsere Taten und über unsere Gedanken während des wachen Lebens; aber man weiß eben nichts davon. Deshalb kommt sich derjenige, der in die Geheimnisse des Daseins hineinblickt, so verstümmelt vor, wie ich es Ihnen beschrieben habe, so mit einer Schuld belastet. Das ist alles im Unterbewußten geblieben. Nach dem Tode wird es wirklich bewußt durchlaufen. Und deshalb wird derjenige Teil des Lebens, der verschlafen worden ist, eben noch einmal durchlebt, das heißt ungefähr ein Drittel des Erdenlebens der Zeit nach. Wenn also jemand durch den Tod gegangen ist, so lebt er Nacht für Nacht wiederum zurück; nur wird das, was er unbewußt Nacht für Nacht gelebt hat, jetzt bewußt durchlebt. Man kann schon sagen, obwohl es fast scheint, als wollte man über diese außerordentlich ernsten Dinge spotten: Verschläft einer den größten Teil seines Lebens, so dauert dieses Nacherleben nach dem Tode länger; ist er ein Kurzschläfer, dauert es kürzer; durchschnittlich eben ein Drittel, weil er ein Drittel verschläft. Wird also einer im physischen Erdenleben sechzig Jahre alt, so dauert dieses Durchleben nach dem Tode zwanzig Jahre. Und während dieses Durchlebens macht man für die geistige Welt eine Art Embryonalzustand durch.
[ 33 ] One could certainly say: In our conscious daily life, we experience what people think and feel, and how they are—or are not—encouraged by us. In sleep, one unconsciously experiences what the gods think about our deeds and our thoughts during waking life; but one is simply unaware of it. That is why the person who glimpses into the mysteries of existence feels so mutilated, as I have described to you, so burdened with guilt. All of this has remained in the subconscious. After death, it is truly relived consciously. And that is why the part of life that was slept through is relived once more—that is, roughly one-third of one’s earthly life—afterward. So when someone has passed through death, they relive it night after night; only now, what they lived unconsciously night after night is now lived through consciously. One might even say—though it almost seems as if one were mocking these extraordinarily serious matters—that if a person sleeps through most of their life, this reliving after death lasts longer; if they are a light sleeper, it lasts shorter; on average, exactly one-third, because they sleep through one-third of it. Thus, if a person reaches the age of sixty in their physical earthly life, this reliving after death lasts twenty years. And during this reliving, one undergoes a sort of embryonic state for the spiritual world.
[ 34 ] Dann, wenn man das durchgemacht hat, hat man eigentlich erst die Erde los. Dann umhüllt sie einen nicht mehr, die Erde. Dann wird man für die geistige Welt, die man durchlebt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, eigentlich erst geboren. Man fühlt das dann nach dem Tode wie die Geburt für die geistige Welt, wenn man herausschlüpft aus den Schalen des Erdendaseins, die man bis dahin, allerdings geistig, an sich getragen hat.
[ 34 ] Only then, once you’ve gone through that, do you truly break free from the earth. Then the Earth no longer envelops you. Only then are you truly born into the spiritual world that you experience between death and a new birth. After death, you feel this as a birth into the spiritual world, as you slip out of the shells of earthly existence that you have carried within you—albeit spiritually—up to that point.

