Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume II
GA 236
10 May 1924, Dornach
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Esoteric Considerations of Karmic Connections, tr. SOL
Achter Vortrag
Eighth Lecture
[ 1 ] Wir werden heute eine Art von Betrachtung anstellen, die von der Außenseite her in die Entwickelung des Karma des Menschen hineinweist. Von der Außenseite, sage ich, das heißt von der Seite der menschlichen äußeren Gestaltung, wie sie uns in der Physiognomie des Menschen entgegentritt, in dem Gebärdenspiel, in alldem, was die äußere Offenbarung des Menschen und der physischen Welt ist. Denn ich habe ja schon bei der Betrachtung einzelner karmischer Zusammenhänge darauf aufmerksam gemacht, wie gerade durch die Betrachtung von scheinbar geringfügigen Kleinigkeiten am Menschen man karmische Zusammenhänge beobachten kann. Und so ist es auch, daß das Äußere des Menschen ja vielfach ein Bild von dem gibt, wie der Mensch in seinem moralischen Verhalten, in seinem geistigen Verhalten in einem vorigen Erdenleben oder in einer Reihe von vorigen Erdenleben war. Man kann in dieser Richtung geradezu gewisse Typen von Menschen betrachten, und man wird dann gerade durch die Betrachtung dieser Typen von Menschen finden, wie ein gewisser Typus auf ein ganz bestimmtes Verhalten in irgendeinem der vorigen Erdenleben zurückgeht.
[ 1 ] Today we will undertake a kind of examination that looks at the development of human karma from the outside. From the outside, I say—that is, from the perspective of the human being’s external form, as it appears to us in human physiognomy, in gestures, and in everything that constitutes the external manifestation of the human being and the physical world. For I have already pointed out, in my consideration of individual karmic connections, how it is precisely through the observation of seemingly trivial details in a person that one can discern karmic connections. And so it is also true that a person’s outward appearance often provides a picture of what that person was like in terms of moral and spiritual behavior in a previous earthly life or in a series of previous earthly lives. One can indeed examine certain types of people in this regard, and by observing these types, one will discover how a particular type can be traced back to a very specific behavior in one of their previous earthly lives.
[ 2 ] Um nicht im Abstrakten herumzusprechen, nehmen wir die Sache durch Beispiele. Sagen wir zum Beispiel, jemand habe ein Erdenleben damit verbracht, daß er sich mit den Dingen im Leben, die an ihn herangetreten sind, recht genau beschäftigt hat, daß er für vieles ein intimes, ein gutes Interesse hatte, daß er an nichts vorbeigegangen ist, weder an Menschen noch an Sachen noch an Erscheinungen vorbeigegangen ist. Sie werden ja auch Gelegenheit haben, im gegenwärtigen Leben das an Menschen beobachten zu können.
[ 2 ] To avoid getting bogged down in abstractions, let’s look at some examples. Let’s say, for example, that someone spent an earthly life engaging quite closely with the things in life that came their way, that they had a deep and genuine interest in many things, and that they did not overlook anything—neither people, nor things, nor phenomena. You will, after all, have the opportunity to observe this in people in your present life.
[ 3 ] Man kann Menschen kennenlernen, die, sagen wir zum Beispiel, die alten griechischen Staatsmänner besser kennen als die gegenwärtigen Staatsmänner. Wenn man sie nach irgendeinem wie Perikles oder Alcibiades oder Miltiades und so weiter frägt, dann wissen sie Bescheid, weil sie das in der Schule gelernt haben. Wenn man sie um irgend etwas frägt, was in der Gegenwart in ähnlicher Weise vorgeht, dann wissen sie kaum Bescheid.
[ 3 ] You can meet people who, let’s say, for example, know the ancient Greek statesmen better than today’s statesmen. If you ask them about someone like Pericles, Alcibiades, Miltiades, and so on, they know the answers because they learned about them in school. But if you ask them about anything similar happening today, they hardly know anything about it.
[ 4 ] Das kann man aber auch in bezug auf die ganz gewöhnliche Lebensbeobachtung finden. Ich habe ja auch in dieser Beziehung schon manches angeführt, was gewiß denen, die oftmals glauben auf der höchsten Spitze des Idealismus zu stehen, sonderbar vorkommt. Ich habe zum Beispiel angeführt, daß es Menschen gibt, Männer, die einem etwa erzählen, wenn man am Nachmittag mit ihnen spricht, sie hätten am Vormittag eine Dame auf der Straße gesehen. Wenn man sie frägt, was sie für ein Kleid angehabt habe, so wissen sie es nicht! Es ist schließlich unglaublich, aber es ist wahr: es gibt solche Menschen.
[ 4 ] But this can also be found in the most ordinary observations of life. I have, after all, already cited quite a few examples in this regard that certainly seem strange to those who often believe themselves to be standing at the very pinnacle of idealism. For example, I have pointed out that there are people—men—who, if you speak with them in the afternoon, will tell you that they saw a lady on the street that morning. If you ask them what kind of dress she was wearing, they don’t know! It is, after all, unbelievable, but it is true: such people exist.
[ 5 ] Nun, nicht wahr, man kann solch einer Sache die verschiedensten Auslegungen geben. Man kann sagen: Der Mensch ist von so hoher Geistigkeit, daß es ihm eben, wenn er in dieser Lage ist, viel zu unbedeutend erscheint, auf so etwas achtzugeben. Aber das ist nicht von einer wirklich durchdringenden Geistigkeit. Es mag von einer hohen Geistigkeit sein, aber auf die Höhe allein kommt es nicht an, sondern es kommt auf die Eindringlichkeit oder Oberflächlichkeit der Geistigkeit an. Von einer eindringlichen Geistigkeit ist es eben nicht, weil es ja schon ganz bedeutsam ist, was der Mensch zu seiner Einhüllung gebraucht, und in einem gewissen Sinne ist das ebenso bedeutsam, wie zum Beispiel, was er für eine Nase hat, oder was er für einen Mund hat. Es gibt eben Menschen, die haben für alles im Leben Aufmerksamkeit. Sie beurteilen die Welt nach dem, was sie von der Welt erfahren. Andere Menschen, die laufen so durch die Welt, wie wenn sie gar nichts interessierte. Sie haben alles, was an sie herankommt, nur wie eine Art Traum aufgenommen, der gleich wiederum verrinnt.
[ 5 ] Well, isn’t it true that one can interpret such a thing in all sorts of ways? One might say: Human beings are of such a high spiritual nature that, when they find themselves in this situation, paying attention to such a thing simply seems far too insignificant to them. But that does not stem from a truly penetrating spirituality. It may be a matter of high spirituality, but it is not the height alone that matters; rather, it depends on the depth or superficiality of that spirituality. It is simply not a sign of penetrating spirituality, because what a person uses to cover themselves is, in fact, quite significant, and in a certain sense, it is just as significant as, for example, the shape of their nose or the shape of their mouth. There are simply people who pay attention to everything in life. They judge the world based on what they experience of it. Other people go through the world as if nothing interested them at all. They take in everything that comes their way merely as a kind of dream that immediately fades away.
[ 6 ] Dies sind zwei, ich möchte sagen, polarische Gegensätze von Menschen. Aber wie man das nun auch beurteilen mag, meine lieben Freunde, ob Sie nun von einem Menschen, der nicht weiß, was die Dame, die er am Vormittag gesehen hat, für ein Kleid angehabt hat, glauben, daß das hoch oder niedrig ist, darauf kommt es nicht an, sondern wir wollen heute besprechen, was das für einen Einfluß auf das Karma des Menschen hat. Und es macht eben einen großen Unterschied, ob ein Mensch für die Dinge des Lebens aufmerksam ist, sich für alles einzelne interessiert, oder ob er unaufmerksam für die Dinge des Lebens ist. Gerade Einzelheiten sind für das ganze Gefüge des geistigen Lebens ungeheuer bedeutend, nicht wegen dieser Einzelheiten, sondern weil eine solche Einzelheit auf eine ganz bestimmte Seelenverfassung hinweist.
[ 6 ] These are, I would say, two polar opposites of people. But however you may judge this, my dear friends—whether you consider a person who does not know what kind of dress the lady he saw this morning was wearing to be of high or low character—that is not the point. Rather, today we want to discuss what kind of influence this has on a person’s karma. And it makes a great difference whether a person is attentive to the things of life, takes an interest in every detail, or is inattentive to the things of life. Details, in particular, are immensely significant for the entire structure of spiritual life—not because of the details themselves, but because such a detail points to a very specific state of the soul.
[ 7 ] Denken Sie nur an den Professor, der immer sehr schön vorgetragen hat und dabei immer auf einen Punkt gesehen hat, nämlich auf die obere Brusthälfte eines Hörers immer starr die Augen hingerichtet hat. Er ist niemals aus dem Konzept gekommen, sondern hat immer recht schön vortragen können. Eines Tages kam er aus dem Konzept: er guckte hin, er mußte immer wieder weggucken — und nachher ging er hin zu dem Hörer und fragte: Warum haben Sie sich nun den Knopf, der immer abgerissen war, angenäht? Das hat mich ganz aus dem Konzept gebracht! — Er hatte immer auf den fehlenden Knopf hingesehen, das hatte ihm Konzentration gegeben. Es ist unbedeutend, nicht wahr, ob man auf einen abgerissenen Knopf sieht oder nicht sieht; aber für die ganze Seelenverfassung ist es bedeutend, ob man das tut oder nicht. Und wenn man die karmischen Linien beobachten will, dann hat das schon eine außerordentlich große Bedeutung.
[ 7 ] Just think of the professor who always lectured so beautifully, yet always focused on one specific spot—namely, the upper half of a student’s chest, staring intently at it the whole time. He never lost his composure, but was always able to lecture quite beautifully. One day he lost his train of thought: he looked over, he had to look away again and again—and afterward he went over to the student and asked, “Why did you sew on that button that was always torn off? That completely threw me off!” — He had always looked at the missing button; that had helped him concentrate. It’s insignificant, isn’t it, whether one looks at a torn-off button or not; but for one’s entire state of mind, it’s significant whether one does so or not. And if one wants to observe the karmic lines, then this has an extraordinarily great significance.
[ 8 ] Also betrachten wir zunächst einmal diese zwei Menschentypen, von denen ich gesprochen habe. Sie brauchen sich nur an das zu erinnern, was ich öfter über das Hinübergehen des Menschen von einem Erdenleben in das andere gesagt habe: Es ist ja so, daß der Mensch in einem Erdenleben einen Kopf hat, dann die übrige Gestalt, und dasjenige, was übrige Gestalt ist, außer dem Kopfe, das hat einen gewissen Kräftezusammenhang. Der physische Leib des Menschen wird den Elementen übergeben. Die physische Substanz trägt natürlich der Mensch nicht von einem Erdenleben ins andere herüber. Aber den Kräftezusammenhang, den ein Mensch in seinem Organismus hat außer dem Kopf, den trägt er durch das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, und das wird der Kopf des nächsten Erdenlebens, während der Kopf des gegenwärtigen Erdenlebens sich aus dem Gliedmaßensystem und dem übrigen Organismus des vorigen Erdenlebens gebildet hat. So verwandelt sich immer, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, das Außerkopfliche von einem Erdenleben hinüber in den Kopf des anderen Erdenlebens. Und der Kopf ist immer das Ergebnis des Außerkopflichen vom vorigen Erdenleben. Das gilt nun für den ganzen Kräftezusammenhang in der Gliederung der menschlichen Wesenheit.
[ 8 ] So let’s first consider these two types of people I’ve been talking about. You need only recall what I have often said about the human being’s transition from one earthly life to the next: The fact is that in one earthly life, a human being has a head, then the rest of the physical form, and that which constitutes the rest of the physical form—apart from the head—possesses a certain interplay of forces. The human being’s physical body is surrendered to the elements. Of course, a human being does not carry the physical substance over from one earthly life to the next. But the interplay of forces that a human being possesses in their organism apart from the head—that is carried through the life between death and a new birth, and it becomes the head of the next earthly life, whereas the head of the present earthly life was formed from the limb system and the rest of the organism of the previous earthly life. Thus, if I may use the expression, the non-head aspect of one earthly life is always transformed into the head of the next earthly life. And the head is always the result of the non-head aspect of the previous earthly life. This applies to the entire interplay of forces in the structure of the human being.
[ 9 ] Wenn jemand mit großer Aufmerksamkeit durch das Leben ging und er nicht gerade eine ausschließlich sitzende Lebensweise hatte — und solche Menschen sind sehr schwer heute karmisch zu beobachten, weil es die in früheren Zeiten ja gar nicht gegeben hat; wie Menschen mit einer ausschließlich sitzenden Lebensweise sich in dem nächsten Erdenleben ausnehmen werden, das muß man erst abwarten, denn solche Erdenleben, wo man nur sitzt, gibt es ja eigentlich erst in der Gegenwart —, nun also, wenn der Mensch aufmerksam auf die Dinge seiner Umgebung wurde, mußte er ja immer zu diesen Dingen gehen, er mußte seine Glieder regsam machen, seine Glieder in Tätigkeit bringen. Der ganze Körper kam in Tätigkeit, nicht nur die Sinne, die zu dem Kopfsystem gehören, sondern der ganze Körper kam in Regsamkeit, Das, was da der ganze Körper mitmacht, wenn der Mensch aufmerksam ist, das geht hinüber in die Kopfbildung des nächsten Erdenlebens, und das hat eine ganz bestimmte Wirkung. Es wird dann der Kopf des Menschen im nächsten Erdenleben so, daß er einen sehr starken Drang hat, solche Kräfte in den übrigen Organismus, der dann im nächsten Erdenleben sich angliedert, hineinzuschicken, daß die Kräfte der Erde sehr stark auf diesen Organismus wirken.
[ 9 ] If someone lived their life with great attentiveness and did not lead an exclusively sedentary lifestyle—and such people are very difficult to observe karmically today, because they did not exist at all in earlier times; as for how people with an exclusively sedentary lifestyle will fare in their next earthly life, we’ll have to wait and see, since such earthly lives—where one does nothing but sit—have really only existed in the present—well, if a person became attentive to the things around them, they always had to go to those things; they had to make their limbs active, to set their limbs in motion. The entire body became active—not just the senses belonging to the head system, but the entire body became animated. What the whole body undergoes when a person is attentive carries over into the formation of the head in the next earthly life, and this has a very specific effect. In the next earthly life, the person’s head will then be such that they have a very strong urge to send such forces into the rest of the organism—which will then become integrated into the next earthly life—so that the forces of the Earth act very strongly upon this organism.
[ 10 ] Und nun müssen Sie bedenken: Wenn das, schematisch gezeichnet, der Kopf des Menschen ist, und das die übrige Organisation ist, so wird ja in den ersten sieben Lebensjahren alles, was in dieser übrigen Organisation ist, Muskeln, Knochen und so weiter, vom Kopfe aus gebildet. Der Kopf schickt diese Kräfte hinein. Jeder Knochen ist so gebildet, wie er vom Kopf aus gebildet werden soll. Wenn nun der Kopf durch die Art des Erdenlebens, wie ich es geschildert habe, die Tendenz hat, eine starke Verwandtschaft zu den Kräften der Erde zu entwickeln, was geschieht dann? Dann werden, ich möchte sagen, durch die Gunst des Kopfes die Erdenkräfte bei dem Aufbau des Menschen schon im Embryonalleben mehr protegiert, aber namentlich auch in dem Leben bis zum Zahnwechsel. Die Kräfte der Erde werden vom Kopfe sehr, sehr stark protegiert, und die Folge ist, daß ein solcher Mensch alles das in besonderer Ausbildung bekommt, was von den Kräften der Erde abhängt. Das heißt, er bekommt große Knochen, starke Knochen, er bekommt zum Beispiel außerordentlich breite Schulterblätter, die Rippen sind gut ausgebildet. Alles trägt den Charakter des gut Ausgebildeten. Aber in alledem sehen Sie, wie da die Aufmerksamkeit im vorigen Erdenleben herübergebracht wird in das gegenwärtige Erdenleben, wie da der Organismus gebildet wird. Alles das geht ja zwar räumlich vom Kopfe aus, aber eigentlich doch von der Seele und vom Geiste. Denn an all diesen Bildekräften sind Seele und Geist beteiligt, und wir können daher von so etwas immer auf das Seelisch-Geistige sehen. Daher ist es, daß wir bei solchen Menschen sehen: der Kopf ist erdverwandt geworden durch die Umstände im vorigen Erdenleben, wie ich sie geschildert habe. Das können wir der Stirne absehen, sie ist nicht besonders hoch — denn hohe Stirnen sind nicht erdverwandt —, aber sie ist scharf und stark ausgebildet, und dergleichen Dinge mehr.
[ 10 ] And now you must consider: If this, drawn schematically, is the human head, and that is the rest of the body, then during the first seven years of life, everything in the rest of the body—muscles, bones, and so on—is formed by the head. The head sends these forces into the body. Each bone is formed exactly as the head intends it to be. Now, if the head—due to the nature of earthly life as I have described it—tends to develop a strong affinity with the forces of the earth, what happens then? Then, I would say, through the head’s favor, the forces of the earth are given greater prominence in the development of the human being as early as the embryonic stage, but especially during the period leading up to the change of teeth. The forces of the earth are very, very strongly favored by the head, and the result is that such a person receives special development in everything that depends on the forces of the earth. That is to say, they develop large bones, strong bones; for example, they have exceptionally broad shoulder blades, and their ribs are well-developed. Everything bears the character of being well-developed. But in all of this you can see how the focus from the previous earthly life is carried over into the present one, and how the organism is formed. All of this does indeed emanate spatially from the head, but in reality it originates from the soul and the spirit. For the soul and the spirit are involved in all these formative forces, and we can therefore always trace such things back to the soul-spiritual realm. That is why we see in such people that the head has become earth-related through the circumstances of the previous earthly life, as I have described them. We can see this in the forehead; it is not particularly high—for high foreheads are not earth-related—but it is sharply defined and strongly developed, and there are other such characteristics as well.


[ 11 ] Also wir sehen, der Mensch entwickelt sich so, daß seine Knochen kräftig ausgebildet werden. Und das Eigentümliche ist: Wenn stark herüberwirken solche erdverwandten Kräfte aus dem früheren Erdenleben, dann wachsen die Haare sehr schnell. So daß wir bei Kindern, deren Haare sehr schnell wachsen, immer das in Zusammenhang bringen müssen mit ihrem Aufmerksamkeitsleben im vorigen Erdendasein. Es ist schon so, daß sich der Mensch aus seinem moralisch-geistigen Verhalten in irgendeinem Erdenleben seinen Körper im nächsten Erdenleben formt.
[ 11 ] So we see that human beings develop in such a way that their bones become strong. And what is peculiar is this: when such earth-related forces from a previous earthly life exert a strong influence, the hair grows very quickly. So with children whose hair grows very quickly, we must always connect this to their life of attention in their previous earthly existence. It is indeed true that human beings shape their bodies in their next earthly life based on their moral and spiritual behavior in some previous earthly life.
[ 12 ] Dagegen werden wir immer bestätigt finden, wie das Geistig-Seelische an dieser Bildung des Menschen beteiligt ist. Bei einem solchen Menschen, dessen Karma so ist, wie ich es geschildert habe — daß er aus einem besonderen starken Hang zur Aufmerksamkeit für das Leben im nächsten Erdenleben starke Knochen bekommt, wohlausgebildete Muskeln bekommt —, bei einem solchen Menschen werden wir sehen, daß er mutig durchs Leben geht. Er hat sich durch das auch zur gleichen Zeit, ich möchte sagen, das Natürliche, die natürliche Kraft eines mutvollen Lebens angeeignet.
[ 12 ] On the other hand, we will always find confirmation of how the spiritual-soul aspect is involved in this formation of the human being. In such a person, whose karma is as I have described—that is, who, through a particularly strong inclination toward attentiveness to life in the next earthly existence, develops strong bones and well-developed muscles—we will see that this person goes through life courageously. Through this, he has also, at the same time—I would say—acquired the natural strength of a courageous life.
[ 13 ] Nun ist es schon einmal so, daß man in der Zeit, in der man abging von der Beschreibung der aufeinanderfolgenden Erdenleben, aber noch die Kenntnisse hatte, die man eigentlich nur hat, wenn man auf wiederholte Erdenleben hinblick, was zum Beispiel in der Zeit des Aristoteles noch der Fall war. Aristoteles konnte in seiner «Physiognomik» noch wunderbar schildern, wie die äußere Gesichtskonfiguration mit der moralischen Haltung, mit der moralischen Verfassung eines Menschen zusammenhängt.
[ 13 ] Now, it is certainly true that during the period when people moved away from describing successive earthly lives, they still possessed the knowledge that one actually has only when looking toward repeated earthly lives—which was still the case, for example, in Aristotle’s time. In his Physiognomy, Aristotle was still able to describe wonderfully how the external configuration of the face is related to a person’s moral attitude and moral disposition.
[ 14 ] Dagegen betrachten wir einmal Feiglinge, furchtsame Menschen. Es sind solche, die im vorigen Erdenleben sich für nichts interessiert haben. Sie sehen, das Karmabetrachten hat auch eine gewisse Bedeutung für die Hineinstellung in das Leben mit Bezug auf die Zukunft. Es ist ja schließlich eine Befriedigung der Wißbegierde, aber nicht allein der Wißbegierde, wenn wir das gegenwärtige Erdenleben auf die früheren zurückführen. Denn wenn wir unser gegenwärtiges Erdenleben mit einiger Selbsterkenntnis nehmen, so können wir uns vorbereiten für das nächste Erdenleben. Huschen wir so oberflächlich durch das Leben, indem uns nichts interessiert, dann können wir sicher sein, daß wir im nächsten Erdenleben ein Furchthase werden. Das aber kommt wiederum dadurch zustande: indem sich die wenig teilnahmsvolle Wesenheit des unaufmerksamen Menschen wenig mit der Umgebung verbindet, so bekommt die Kopforganisation im nächsten Leben keine Verwandtschaft mit den Erdenkräften. Die Knochen bleiben unentwickelt, die Haare wachsen langsam; der Mensch hat sehr häufig O- oder X-Beine.
[ 14 ] In contrast, let us consider cowards, fearful people. These are individuals who, in their previous earthly life, were not interested in anything. You see, considering karma also has a certain significance for one’s attitude toward life with regard to the future. After all, it satisfies our thirst for knowledge—but not just that—when we trace our present earthly life back to our previous ones. For if we approach our present earthly life with some self-awareness, we can prepare ourselves for the next one. If we rush so superficially through life, with nothing to interest us, then we can be certain that in our next earthly life we will become a timid hare. But this, in turn, comes about because the unengaged being of the inattentive person connects only minimally with its surroundings, so that in the next life the head organization develops no affinity with the forces of the Earth. The bones remain underdeveloped, the hair grows slowly; the person very often has bowlegs or knock-knees.
[ 15 ] Das sind solche Dinge, die durchaus den Zusammenhang zwischen dem Geistig-Seelischen auf der einen Seite und dem Natürlich-Physischen auf der anderen Seite sehr intim zeigen. Ja, meine lieben Freunde, man kann bis in die Einzelheiten der Konfiguration des Kopfes, an dem ganzen Menschen hinüberschauen in die vorigen Erdenleben.
[ 15 ] These are the kinds of things that clearly reveal the very intimate connection between the spiritual-soul aspect on the one hand and the natural-physical aspect on the other. Yes, my dear friends, one can look beyond the entire human being—right down to the details of the head’s structure—and into past earthly lives.
[ 16 ] Diese Dinge sagt man aber nicht, um gerade an ihnen die Beobachtung zu machen. Alle die Beobachtungen, die ich Ihnen mitgeteilt habe zur Vorbereitung der Karmabetrachtungen, die sind ja nicht auf äußerliche Weise, sondern durchaus auf innerliche Weise durch geisteswissenschaftliche Methoden zustande gekommen. Aber gerade diese geisteswissenschaftlichen Methoden zeigen, wie der Mensch äußerlich eigentlich gar nicht so hingenommen werden darf, wie ihn die heutige Physiologie und Anatomie nimmt. Daß man einfach die Organe kennenlernt und ihren gegenseitigen Zusammenhang, das hat im Grunde genommen gar keinen Sinn. Denn der Mensch ist ein Bild. Zum Teil ist er ein Bild dessen, was die Kräfte sind zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, zum Teil ein Bild seines vorigen Erdenlebens, und es hat gar keinen Sinn, Physiologie oder Anatomie so zu treiben, wie sie gegenwärtig getrieben werden: daß man nur den Menschen nimmt, wie er dasteht, und dann eins nach dem anderen, was an ihm ist, betrachtet. Denn der Kopf zum Beispiel steht viel mehr im Zusammenhang mit dem vorigen Erdenleben, als er mit dem Körper, den der Mensch in diesem Erdenleben bekommt, im Zusammenhang steht.
[ 16 ] But one does not say these things in order to make observations specifically about them. All the observations I have shared with you in preparation for the reflections on karma were not arrived at through external means, but rather entirely through internal means using spiritual scientific methods. But it is precisely these spiritual-scientific methods that show how, externally speaking, the human being should not actually be understood in the way that modern physiology and anatomy conceive of him. Simply getting to know the organs and their interrelationships makes no sense at all, fundamentally speaking. For the human being is an image. In part, he is an image of the forces that exist between death and a new birth; in part, an image of his previous earthly life; and it makes no sense at all to practice physiology or anatomy the way they are currently practiced—that is, to simply take the human being as he stands and then examine, one by one, the parts that make him up. For the head, for example, is much more closely connected to the previous earthly life than it is to the body that the human being receives in this earthly life.
[ 17 ] So daß man also sagen kann: Gewisse physische Prozesse versteht man erst, wenn man auf die vorigen Erdenleben zurückschaut. Ein Mensch, der die Welt kennengelernt hat in einem früheren Erdenleben, bei dem ist es halt so, daß er schnell wachsende Haare hat. Ein Mensch, der die Welt wenig kennengelernt hat in einem vorigen Erdenleben — Sie können es beobachten —, bei dem entwickeln sich ganz langsam wachsende Haare. Die liegen dann an die Oberfläche des Körpers an, währenddem diejenigen, die sich am intensivsten interessiert haben in einem vorigen Erdenleben, die sich überintensiv interessiert haben, die ihre Nase in alles hineingesteckt haben, struppiges Haar haben. Das ist ein ganz richtiger Zusammenhang. So können wir die mannigfaltigsten Körperkonfigurationen auf Erlebnisse in einem der vorigen Erdendaseine zurückbeziehen. Das geht wirklich bis auf die Einzelheiten der Konstitution. Nehmen wir zum Beispiel einen Menschen, der in einem Erdenleben viel sinnt, viel nachsinnt. Ja, sehen Sie, der wird im nächsten Erdenleben ein schmächtiger, magerer Mensch sein. Wer in irgendeinem Erdenleben wenig nachsinnt, sondern mehr so im Erfassen der Außenwelt lebt, der ist im nächsten Erdenleben veranlagt, viel Fett anzusetzen. Das hat wiederum eine Bedeutung für die Zukunft. Man kann geistige Magerkuren nicht für das eine Erdenleben gut durchführen, da müssen schon physische Kuren eventuell, wenn sie helfen, zu Hilfe kommen; aber für das nächste Erdenleben kann man ganz entschieden dadurch eine Magerkur machen, daß man viel sinnt, daß man also viel nachdenkt, namentlich über solches viel nachdenkt, was einem Mühe macht, von der Art, wie ich es gestern geschildert habe. Es braucht nicht Meditieren zu sein, sondern es braucht einfach viel Nachsinnen, viel Willen zu sein, innere Entscheidungen zu treffen. Es ist wirklich ein solcher Zusammenhang zwischen der geistig-moralischen Art, wie der Mensch in einem Erdenleben lebt, und seiner physischen Konstitution in seinem nächsten Erdenleben. Das kann man nicht genügend betonen.
[ 17 ] So one can say: Certain physical processes can only be understood by looking back on previous earthly lives. A person who has come to know the world in a previous earthly life—well, that person simply has hair that grows quickly. A person who has experienced little of the world in a previous earthly life—you can observe this—develops hair that grows very slowly. This hair lies flat against the surface of the body, whereas those who took the most intense interest in a previous earthly life—who were overly curious, who stuck their noses into everything—have shaggy hair. This is a very real connection. In this way, we can trace the most diverse physical configurations back to experiences in one of the previous earthly lives. This really extends down to the details of one’s constitution. Take, for example, a person who reflects a great deal, who ponders deeply, in one earthly life. Yes, you see, in the next earthly life that person will be a slight, thin person. Anyone who, in any earthly life, reflects little but instead lives more in the perception of the external world is predisposed in their next earthly life to put on a lot of fat. This, in turn, has significance for the future. One cannot effectively carry out spiritual weight-loss regimens for a single earthly life; in such cases, physical treatments may need to be employed if they are helpful. But for the next earthly life, one can most certainly undertake a “weight-loss regimen” by thinking deeply—that is, by reflecting a great deal, particularly on matters that cause one distress, of the kind I described yesterday. It need not be meditation, but it simply requires a great deal of deep reflection and a strong will to make inner decisions. There truly is such a connection between the spiritual-moral way in which a person lives during one earthly life and their physical constitution in their next earthly life. This cannot be emphasized enough.
[ 18 ] Nehmen Sie andere Fälle. Nehmen Sie zum Beispiel den Fall, daß in einem Erdenleben ein Mensch, sagen wir, so lebt, daß er ein Denker ist. Darunter verstehe ich nicht einen Professor — es ist gar nicht scherzhaft gemeint —, sondern ich verstehe darunter einen Menschen, der meinetwillen hinter dem Pflug gehen kann und dennoch viel denken kann. Es kommt gar nicht darauf an, in welcher Lebenslage man denkt, sondern Denker kann man wirklich auch dann sein, wenn man hinter dem Pflug geht oder sonst irgendein Handwerk besorgt. Aber ein solcher Denker wird dadurch, daß er im Denken hauptsächlich dasjenige beschäftigt, was ja mit dem Erdenleben abfällt, und daß er unbeschäftigt läßt, was in die nächste Inkarnation die Kräfte hinüberschickt und an der Kopfbildung teilnimmt, ein solcher Mensch wird in einem neuen Erdenleben auftreten mit einem weichen Fleisch, mit zartem, weichem Fleisch. Aber das Eigentümliche ist dieses: Wenn er viel denkt, so wird in seinem nächsten Erdenleben seine Haut sehr wohlgebildet sein, die ganze Oberfläche des Körpers, die Haut, wird sehr wohlgebildet sein. Und wiederum, wenn Sie Menschen finden, deren Haut zum Beispiel Flecken zeigt, Leute mit unreiner Haut, so können Sie von da aus immer schließen — es müssen natürlich andere Gründe dazukommen, man kann nicht aus einem Merkmal gleich ganz unbedingt schließen, aber im allgemeinen sind doch die Angaben richtig, die ich heute über den Zusammenhang des Seelisch-Geistigen und des Physischen mache —, daß das Menschen sind, die in einem früheren Erdenleben wenig gedacht haben. Leute also mit viel Sommersprossen waren ganz gewiß nicht Denker in einem vorigen Erdenleben.
[ 18 ] Consider other cases. Take, for example, the case where a person lives a life on Earth—let’s say—as a thinker. By this I do not mean a professor—and I am not joking at all—but rather a person who, for my sake, could walk behind a plow and still think deeply. It does not matter at all in what circumstances one thinks; one can truly be a thinker even while walking behind a plow or engaged in any other kind of manual labor. But such a thinker—by focusing his thoughts primarily on that which is left behind in earthly life, and by neglecting that which carries the forces over into the next incarnation and contributes to the development of the mind—such a person will appear in a new earthly life with soft flesh, with delicate, soft flesh. But the peculiar thing is this: If they think a great deal, their skin in their next earthly life will be very well-formed; the entire surface of the body—the skin—will be very well-formed. And conversely, if you find people whose skin, for example, shows blemishes—people with blemished skin—you can always infer from this—though, of course, other factors must be taken into account, one cannot draw an absolute conclusion based on a single characteristic alone, but in general the observations I am making today regarding the connection between the soul-spiritual and the physical are correct—that these are people who thought little in a previous earthly life. Thus, people with many freckles were certainly not thinkers in a previous earthly life.
[ 19 ] Das sind die Dinge, die zugleich zeigen, wie gerade Geisteswissenschaft sich nicht nur um das Abstrakt-Geistige kümmert, sondern auch um das Wirken des Geistigen im Physischen. Ich habe es ja oft betont, es ist nicht so stark schade, daß der Materialismus bloß auf die Materie hinschaut, sondern schade ist es, die Tragik des Materialismus ist es, daß er von der Materie nichts wissen kann, weil er das geistige Wirken in der Materie nicht erkennt. Man sollte gerade bei der Menschenbetrachtung erst recht auf die Materie sehen, denn in der Materie drückt sich, gerade bei der Menschengestalt, beim ganzen menschlichen Wesen das Wirken des Geistigen aus. Die Materie ist die äußere Offenbarung des Geistigen.
[ 19 ] These are the things that show how the spiritual sciences, in particular, are concerned not only with the abstract spiritual realm, but also with the influence of the spiritual on the physical. As I have often emphasized, it is not so much a pity that materialism focuses solely on matter; rather, the tragedy of materialism is that it cannot know anything about matter because it fails to recognize the spiritual influence within it. When considering human beings, one should look all the more closely at matter, for it is in matter—especially in the human form, in the entire human being—that the workings of the spiritual are expressed. Matter is the outward manifestation of the spiritual.
[ 20 ] Sie können es schon in den «Leitsätzen» sehen, die zu allerletzt jetzt gegeben worden sind in dem Mitteilungsblatt, das dem «Goetheanum» beigelegt ist, daß das Haupt des Menschen, der Kopf, nur richtig betrachtet wird, wenn man die imaginative Erkenntnis schon auf das ÄAußerliche anwendet; denn der menschliche Kopf in seiner Gestaltung, in Ohrengestaltung, namentlich dann aber auch in Nasen-, Augengestaltung, er ist eigentlich nach dem Muster der Imagination gegeben. Er besteht aus äußerlich sichtbaren Imaginationen.
[ 20 ] You can already see in the “Guiding Principles,” which were most recently published in the newsletter enclosed with the “Goetheanum,” that the human head can only be properly understood when one applies imaginative insight to its external form; for the human head, in its form—in the shape of the ears, but especially also in the shape of the nose and eyes—is actually formed according to the pattern of the imagination. It consists of externally visible imaginations.
[ 21 ] Das gilt aber auch von der Art, wie der Mensch gebaut ist. Es gibt Menschen, welche den unteren Teil des Rumpfes länger haben als den oberen Teil, also vom unteren Anfang des Rumpfes bis zur Brust länger haben, und dann den oberen Teil, von der Brustmitte bis zum Hals, kürzer haben.
[ 21 ] This also applies to the way the human body is built. There are people whose lower torso is longer than their upper torso—that is, the section from the lower end of the torso to the chest is longer—and whose upper torso, from the center of the chest to the neck, is shorter.
[ 22 ] Ist dieser Teil von der Brustmitte bis zum Hals kürzer als der untere Teil des Rumpfes, so hat man es mit einem Menschen zu tun, welcher in der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt ein solches geistiges Leben durchgemacht hat, daß er sehr schnell den Aufstieg im Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt bis zu der Mitte durchgemacht hat. Da ist er sehr schnell gegangen. Dann geht er langsam und behaglich herunter zum neuen Erdenleben.
[ 22 ] If this section—from the center of the chest to the neck—is shorter than the lower part of the torso, then we are dealing with a person who, in the period between death and a new birth, has undergone such a spiritual life that he has very quickly ascended through the life between death and a new birth up to the middle. They have moved very quickly. Then they descend slowly and comfortably into their new earthly life.


[ 23 ] Hat man es aber zu tun mit einem Menschen, dessen oberer Teil vom Hals bis zur Brustmitte länger ist als der untere Teil von der Brustmitte bis zum Ende des Rumpfes, dann hat man es mit einem Menschen zu tun, der langsam, bedächtig bis zur Mitte gegangen ist in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt und dann schneller hinuntergeht zum Erdenleben. So daß man also in der Physiognomie, ja in den Maßen des menschlichen Mittelkörpers, die Nachwirkung von der Art und Weise hat, wie der Mensch die erste Hälfte des Durchganges vom Tod zu einer neuen Geburt durchmachte gegenüber der zweiten Hälfte.
[ 23 ] But if one is dealing with a person whose upper part—from the neck to the center of the chest—is longer than the lower part—from the center of the chest to the end of the torso—then one is dealing with a person who has moved slowly and deliberately toward the middle in the life between death and a new birth, and who then descends more quickly into earthly life. Thus, in physiognomy—indeed, in the proportions of the human torso—one can see the aftereffects of the way in which the person experienced the first half of the passage from death to a new birth, as compared to the second half.
[ 24 ] Es ist wirklich das, was am Menschen physisch ist, durchaus ein Abbild desjenigen, was dem Menschen geistig zugrunde liegt. Und das hat nun eine Folge für das Leben. Denn wenn Sie die Menschen nehmen, a mit kurzer Oberbrust und langer Unterbrust, und die Menschen, b mit langer Oberbrust und kurzer Unterbrust — es ist natürlich extrem gezeichnet —, so ist es so: Diese Menschen hier mit langem Unterrumpf und kurzem Oberrumpf, das sind solche, die vom Anfange an zeigen, daß sie sehr schlafbedürftig sind. Das ist bei den anderen nicht der Fall; die sind weniger schlafbedürftig. Sie sehen also an einem Menschen, je nachdem er schlafbedürftig ist oder nicht, was sich wiederum in den Maßen seines Mittelleibes ausdrückt, ob er schneller oder langsamer durchgegangen ist durch die erste Hälfte des Lebens zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, beziehungsweise schneller oder langsamer durch die zweite Hälfte durchgegangen ist.
[ 24 ] What is physically present in a human being is, in fact, a reflection of what underlies the human being spiritually. And this has consequences for life. For if you take, on the one hand, people with a short upper torso and a long lower torso, and, on the other hand, people with a long upper torso and a short lower torso—this is, of course, an extreme example—then the situation is as follows: These people here with a long lower torso and a short upper torso are those who, from the very beginning, show that they have a great need for sleep. This is not the case with the others; they require less sleep. So you can tell from a person—depending on whether they require a lot of sleep or not, which in turn is expressed in the proportions of their midsection—whether they passed through the first half of life between death and a new birth more quickly or more slowly, or whether they passed through the second half more quickly or more slowly.
[ 25 ] Aber das hängt ja wiederum mit dem vorigen Erdenleben zusammen. Ein Mensch, der im vorigen Erdenleben, nicht durch Anlage, sondern mehr durch Erziehung und durch sein Leben, stumpf war für das Leben, nicht so sehr, daß er sich nicht interessiert hat, der aber stumpf war — er konnte eigentlich nichts richtig, er ging nicht darauf aus, die Dinge richtig zu begreifen, er konnte dabei sogar aufmerksam sein, seine Nase überall hineinstecken, aber es blieb bei der Neugierde und bei einer oberflächlichen Erfassung, er blieb stumpf —, ein solcher Mensch hat dann kein Interesse an der ersten Hälfte des Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Er bekommt erst Interesse, wenn es über die Mitternachtshöhe des Lebens hinausgegangen ist und er heruntersteigt.
[ 25 ] But that, in turn, is connected to one’s previous earthly life. A person who, in a previous earthly life—not by nature, but rather through upbringing and the course of his life—was indifferent to life—not so much that he lacked interest, but who was nonetheless indifferent—could not really do anything properly; he did not seek to understand things correctly, he might even have been attentive, sticking his nose into everything, but it remained at the level of curiosity and a superficial grasp; he remained dull—such a person then has no interest in the first half of life between death and a new birth. He only becomes interested once life has passed the midnight point and he begins his descent.
[ 26 ] Dagegen ein Mensch, der sich angewöhnt, mit seinem Verstande überall einzudringen, auch mit seinem Gemüte überall einzudringen, ein solcher Mensch bekommt großes Interesse für die erste Hälfte, für den Aufstieg, und macht schnell den Abstieg durch. So daß man wieder sagen kann: Wenn einem ein Mensch im Leben entgegentritt, der eine Schlafratte ist, dann ist das zurückzuführen auf ein solches stumpfes Leben im vorigen Erdenleben. Ein Mensch, der regsam ist, der keine Schlafratte ist, der meinetwillen sogar nötig hat, erst irgend etwas zu tun, damit er einschläft — es gibt ja Bücher, nicht wahr, die man als Schlafmittel benützen kann —, also ein Mensch, der das nötig hat, der ist nicht stumpf gewesen, sondern regsam gewesen, mit seinem Verstande, mit seinem Gemüte eindringlich regsam gewesen.
[ 26 ] In contrast, a person who gets into the habit of penetrating everything with their intellect—and also with their emotions—develops a keen interest in the first half, in the ascent, and quickly goes through the descent. So that one can say again: If one encounters a person in life who is a sleepyhead, this can be traced back to such a dull life in a previous earthly existence. A person who is active, who is not a “sleep rat,” who—for my sake—even needs to do something first in order to fall asleep—after all, there are books, aren’t there, that can be used as sleep aids—so a person who needs that was not dull, but active; they were intensely active with their intellect and with their emotions.
[ 27 ] Man kann weitergehen. Es gibt Menschen — ja, wie soll ich sie nennen? Sagen wir, sie sind Gernesser, sie essen gerne; andere essen nicht so gerne. Ich will nicht sagen, gefräßige Menschen und nichtgefräßige Menschen, nicht wahr, das schickt sich nicht in ernster Betrachtung; aber ich will also sagen, es sind Menschen, die gerne essen, und solche, die weniger gerne essen.
[ 27 ] We can take this further. There are people—well, what should I call them? Let’s say they are food lovers; they enjoy eating; others don’t enjoy eating as much. I don’t want to say “gluttonous people” and “non-gluttonous people”—that wouldn’t be appropriate in a serious discussion—but what I mean is, there are people who enjoy eating, and those who enjoy it less.
[ 28 ] Auch das hängt in einer gewissen Weise mit dem zusammen, was der Mensch beim Durchgang durch das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt vor und nach der Mitternachtshöhe des Daseins erlebt. Die Mitte ist die Mitternachtshöhe des Daseins.
[ 28 ] This, too, is connected in a certain way to what a person experiences during the passage through life—between death and a new birth—before and after the midnight peak of existence. The midpoint is the midnight peak of existence.
[ 29 ] Da gibt es Menschen, welche, ich möchte sagen, sehr hoch hinaufsteigen in das Geistige, und Menschen, welche nicht sehr hoch hinaufsteigen, für die eben die Mitternachtshöhe nicht so hoch ist. Solche Menschen, die sehr hoch hinaufsteigen, die werden essen, um zu leben. Solche Menschen, die nicht hoch hinaufsteigen, die leben, um zu essen.
[ 29 ] There are people who, I would say, ascend very high into the spiritual realm, and people who do not ascend very high—for whom the “midnight height” is not so high. Those who ascend very high will eat to live. Those who do not ascend very high live to eat.


[ 30 ] Damit sind schon Unterschiede im Leben angegeben. Und man kann sagen, die Art und Weise, wie ein Mensch sich verhält gerade bei solchen Verrichtungen, die mit der Förderung oder Nichtförderung seines physischen Daseins zusammenhängen, aus denen kann man ersehen, wie sein karmisches Leben aus einem früheren Erdendasein herüberkommt.
[ 30 ] This already points to differences in life. And one can say that the way a person behaves, especially in such activities that are connected with the promotion or non-promotion of their physical existence, reveals how their karmic life carries over from a previous earthly existence.
[ 31 ] Wer sich Beobachtungsfähigkeit nach dieser Richtung angeeignet hat, der sieht einfach in der Art und Weise, wie sich jemand bei Tisch etwas nimmt, also im Zugreifen, eine Geste, die ganz besonders stark zurückführt auf die Art und Weise, wie das vorige Erdenleben herüberleuchtet.
[ 31 ] Anyone who has developed this kind of observational skill can easily see, in the way someone takes food at the table—that is, in the way they reach for it—a gesture that points particularly strongly back to the way in which their previous earthly life shines through.
[ 32 ] Ich rede heute vom Physischen; ich will dann morgen mehr von den moralischen Seiten reden, aber man muß das Physische durchaus auch ins Auge fassen, sonst wird das Gegenteil weniger verständlich werden. Die Menschen, die furchtbar vehement zugreifen, bei denen man sieht, wenn sie nur eine Birne anfassen beim Essen, so tun sie das mit Begeisterung — solche Menschen, das sind diejenigen, die im vorigen Erdenleben sich mehr an die Trivialitäten des Lebens gehalten haben, die nicht hinaus konnten über die Trivialität des Lebens, die festgehalten worden sind in dem, was nicht aufsteigt bis zum moralischen Erfassen des Lebens, was im Gewohnheitsmäßigen, im Konventionellen sitzen bleibt und so weiter. Auch das hat wiederum eine große Bedeutung für die Lebenspraxis selber. Die Dinge erscheinen uns ja heute, weil wir ungewohnt sind solcher Betrachtungen, oftmals sogar kurios, und wir lachen darüber. Aber sie sind im allertiefsten Ernst zu betrachten, denn Sie sehen, es gibt ja heute gewisse Gesellschaftsklassen, die gehen ganz in den trivialen Gewohnheiten des Lebens auf; die eignen sich eigentlich nicht gerne irgend etwas an, was aus den gewöhnlichen, gebräuchlichen Lebensgewohnheiten herausgeht.
[ 32 ] Today I am speaking about the physical aspect; tomorrow I will discuss the moral aspects in greater detail, but one must certainly also take the physical aspect into account, otherwise the opposite will be less understandable. People who eat with tremendous vigor—those who, even when simply picking up a pear while eating, do so with enthusiasm —such people are those who, in their previous earthly life, clung more to the trivialities of life, who could not rise above the triviality of life, who were held fast in that which does not ascend to a moral understanding of life, which remains stuck in habit and convention, and so on. This, too, has great significance for the practice of life itself. After all, because we are unaccustomed to such reflections, these things often seem strange to us today, and we laugh at them. But they must be regarded with the utmost seriousness, for, as you can see, there are certain social classes today that are completely absorbed in the trivial habits of life; they are actually reluctant to adopt anything that goes beyond the ordinary, customary habits of life.
[ 33 ] Man darf dies übrigens nicht bloß, meine lieben Freunde, so auf den Habitus des Benehmens anwenden, sondern man kann es zum Beispiel auch auf die Sprache anwenden. Es gibt Sprachen, bei denen darf man gar nichts willkürlich sagen, weil alles streng vorgeschrieben ist im Satzgefüge; man darf das Subjekt nicht an einen anderen Ort stellen und so weiter. Es gibt Sprachen, bei denen kann man das Subjekt hinstellen, wo man es hinstellen will, und das Prädikat auch; die haben dann in sich die Anlage, daß sich die Menschen innerhalb solcher Sprachen individuell entwickeln können.
[ 33 ] Incidentally, my dear friends, this should not be applied merely to one’s manner of behavior; it can also be applied, for example, to language. There are languages in which one cannot say anything arbitrarily, because everything is strictly prescribed in the sentence structure; one cannot move the subject to a different position, and so on. There are languages in which you can place the subject wherever you want, and the predicate as well; these languages inherently have the potential to allow people to develop individually within them.
[ 34 ] Nun, das ist nur ein Beispiel, wie stark triviale Gewohnheiten angeeignet werden und der Mensch nicht hinaus kann aus der Trivialität. Ein Erdenleben, das in solcher Trivialität verbracht wird, führt in ein nächstes hinein, in dem man gefräßig ist. Man steigt dann nicht hoch genug hinauf in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt — man wird gefräßig.
[ 34 ] Well, this is just one example of how deeply trivial habits become ingrained and how people cannot escape this triviality. A life on Earth spent in such triviality leads into the next one, in which one is gluttonous. One then does not rise high enough in the life between death and rebirth—one becomes gluttonous.
[ 35 ] Da nun heute die Zeit anbrechen soll, wo die Menschen wirklich nicht nur, wie das in der materialistischen Epoche der menschlichen Entwickelung der Fall ist, mit dem einen Erdenleben rechnen, sondern wo die Menschen auf die ganze Erdenentwickelung hinsehen und wissen, daß dasjenige, was in einem Erdenleben von einem getan und vollbracht wird, hinübergetragen wird in ein nächstes Erdenleben, daß die Menschen selber aus einer Epoche in die andere das Geschehen hinübertragen, da, wo dieses Bewußtsein auftreten soll, ist es schon notwendig, daß selbst in die Erziehungsprinzipien sowohl der aufwachsenden Kinder wie der Erwachsenen solche Dinge hineingenommen werden.
[ 35 ] Now that the time is to dawn when people truly do not merely expect to live a single earthly life—as is the case in the materialistic epoch of human development—but when people look toward the entire course of earthly development and know that what a person does and accomplishes in one earthly life is carried over into the next earthly life—that human beings themselves carry these events from one epoch into the next—it is already necessary, where this awareness is to arise, that such considerations be incorporated even into the educational principles for both growing children and adults.
[ 36 ] Nun möchte ich noch auf zwei Menschentypen aufmerksam machen. Es gibt einen Menschentypus, der kann alles ernst nehmen, und dabei meine ich nicht bloß das äußere Ernstnehmen. Man kann sich ja durchaus ernste Menschen denken, die sogar viel Tragisches in ihrer Seelenverfassung haben und die dennoch lachen können, denn wenn man gar nicht lachen kann — und es gibt doch lächerliche Dinge im Leben —wenn alles an einem so vorübergeht, daß man nicht lachen kann, dann muß man auch stumpf sein. Also man kann schon lachen. Aber trotzdem man ein Mensch ist, der über Lächerliches gut lachen kann, kann man doch in der Grundverfassung seiner Seele ein ernster Mensch sein.
[ 36 ] Now I would like to draw attention to two types of people. There is a type of person who can take everything seriously, and by that I don’t mean merely appearing serious on the outside. One can certainly imagine serious people who even have a great deal of tragedy in their inner state and who can still laugh; for if one cannot laugh at all—and there are, after all, ridiculous things in life—if everything passes one by in such a way that one cannot laugh, then one must also be numb. So, one can certainly laugh. But even though one is a person who can laugh heartily at the ridiculous, one can still be a serious person at the core of one’s soul.
[ 37 ] Aber dann gibt es den anderen Typus von Menschen, der überhaupt nichts tut als lachen, den alles zum Lachen reizt, der, wenn er etwas erzählt, dabei lacht, ganz gleichgültig, ob es komisch oder nicht komisch ist. Man kann Menschen kennenlernen, die, wenn sie anfangen zu erzählen, gleich das Gesicht zum Lachen verzerren und selbst die ernsteste Sache in eine Art von Grinsen, in eine Art von Lachen kleiden. Es sind das Extreme, die ich schildere, aber die gibt es, diese Extreme.
[ 37 ] But then there is another type of person who does nothing but laugh, who finds everything amusing, who laughs while telling a story, regardless of whether it’s funny or not. You can meet people who, as soon as they start telling a story, contort their faces into a smile and turn even the most serious subject into a kind of grin, a kind of laugh. These are the extremes I’m describing, but they do exist, these extremes.
[ 38 ] Sehen Sie, dieses ist ein Grundzug der Seele. Wir werden morgen sehen, wie das seine moralische Seite hat. Ich will heute hauptsächlich die physische Seite berühren. Das führt wiederum zurück auf die karmische Entwickelungsströmung. Ein Mensch, der einen ernsten Zug in seinem Leben hat, wenn er auch lachen kann, bei dem wirken starke Kräfte, solide Kräfte, möchte ich sagen, aus dem vorigen Erdenleben in dieses Erdenleben herüber. Wenn man einem solchen ernsten Menschen begegnet, einem Menschen, der Sinn hat für ernste Seiten des Lebens, der stehenbleibt in der Betrachtung der ernsten Seiten des Lebens, nachdenklich wird über die ernsten Seiten des Lebens, dann kann man sagen: Diesem Menschen kann man es anfühlen, daß er sozusagen in seinem Wesen seine früheren Erdenleben trägt. Man wird ernst in seiner Lebensauffassung dadurch, daß die früheren Erdenleben nachwirken, richtig nachwirken. Man wird ein ewig mit dem Munde tänzelnder Schwätzer, der selbst bei den ernstesten Sachen, wenn er sie erzählt, lacht, wenn die früheren Erdenleben nicht nachwirken. Wenn der Mensch durch eine Reihe von Erdenleben oder wenigstens durch ein Erdenleben gegangen ist, in dem er wie ein halb Schlafender gelebt hat, da wird er dann im nächsten Erdenleben ein solcher, der den Ernst nicht bewahren kann, der an die Dinge des Lebens nicht mit dem nötigen Ernst herangehen kann. So daß man aus der Art, wie sich ein Mensch verhält, sehen kann, ob er seine vorigen Erdenleben wohl angewendet hat, oder ob er sie mehr oder weniger dumpf verschlafen hat.
[ 38 ] You see, this is a fundamental trait of the soul. Tomorrow we will see how this relates to its moral aspect. Today I want to focus primarily on the physical aspect. This, in turn, leads back to the karmic current of development. A person who has a serious streak in their life—even if they can laugh—is influenced by strong forces, solid forces, I would say, carrying over from their previous earthly life into this one. When one encounters such a serious person—a person who has a sense for the serious aspects of life, who pauses to contemplate them, and who reflects on them—then one can say: One can sense that this person, so to speak, carries his or her previous earthly lives within his or her very being. One’s outlook on life becomes serious as a result of the lingering effects—the true lingering effects—of one’s past earthly lives. One becomes an eternal chatterbox, always prattling away, who laughs even when recounting the most serious matters, if the past earthly lives do not continue to exert their influence. If a person has gone through a series of earthly lives—or at least one earthly life—in which they lived as if half-asleep, then in their next earthly life they will become someone who cannot maintain a sense of seriousness, who cannot approach the matters of life with the necessary seriousness. Thus, from the way a person behaves, one can see whether they have made good use of their previous earthly lives, or whether they have more or less slept through them in a daze.
[ 39 ] All das führt aber dazu, sich zu sagen: Man darf gar nicht den Menschen, so wie er uns entgegentritt als Mensch, mechanisch oder auch nur nach dem Muster des gewöhnlichen Organismus betrachten. Das darf man nicht tun, sondern man muß den Menschen in seiner Gestalt und bis in seine Bewegungsmöglichkeiten hinein als ein Bild der geistigen Welt betrachten.
[ 39 ] All of this, however, leads us to conclude that we must not view human beings—as they appear to us as human beings—mechanically or even merely according to the model of an ordinary organism. We must not do that; rather, we must view human beings in their form and down to their very possibilities of movement as an image of the spiritual world.
[ 40 ] Da hat man zunächst die Hauptesorganisation. Diese Hauptesorganisation ist im wesentlichen durch die früheren Erdenleben mitbedingt. Und wir können schon sagen: Am richtigsten betrachten wir ein menschliches Haupt, wenn wir all das lernen, was man lernen kann über das imaginative Vorstellen. Sonst nirgends, nur dem menschlichen Haupte gegenüber kann man das imaginative Vorstellen in der Sinneswelt anwenden, das, was man sonst immer braucht als imaginatives Vorstellen, um in die geistige Welt hineinzuschauen. Man muß mit der Imagination ja anfangen, wenn man in die geistige Welt hineinschauen will; da erscheinen einem zuerst die geistig-ätherischen Bilder der geistigen Wesenheiten. In der physischen Welt gibt es außer dem menschlichen Kopf nichts, was an Imaginationen erinnert, aber am menschlichen Kopf, bis in seine innere Organisation, bis in den Wunderbau des Gehirnes ist eigentlich alles ein physisch-sinnliches Abbild des Imaginativen.
[ 40 ] First, there is the organization of the head. This organization of the head is essentially shaped by one’s previous earthly lives. And we can already say: We view the human head most accurately when we learn everything there is to learn about imaginative visualization. Nowhere else but in relation to the human head can one apply imaginative visualization in the sensory world—that very imaginative visualization one otherwise always needs to look into the spiritual world. One must indeed begin with imagination if one wishes to look into the spiritual world; there, the spiritual-etheric images of spiritual beings first appear to us. In the physical world, there is nothing besides the human head that resembles imaginations, but in the human head—down to its inner organization, down to the marvelous structure of the brain—everything is actually a physical-sensory reflection of the imaginative.
[ 41 ] Wenn Sie weitergehen, dann kommen Sie dazu, etwas am Menschen zu betrachten, was eigentlich viel schwieriger zu betrachten ist — man macht sich es nur gewöhnlich leicht —, das ist, eine Auffassung davon zu gewinnen, wie der Mensch seinen Atem aufnimmt, wie er also sein rhythmisches System in Bewegung setzt, wie er den Atem dann überführt in die Blutzirkulation. Dieses ungeheuer lebendige Spiel, das den ganzen Körper durchsetzt, ist sogar viel komplizierter, als man denkt, denn zunächst ist es ja so, nicht wahr: der Mensch nimmt den Atem auf (Zeichnung, gelb), der Atem setzt sich um in die Blutzirkulation (rot), aber auf der anderen Seite geht der Atem wieder über in das Haupt, und er steht in einer gewissen Beziehung zu der ganzen Tätigkeit des Gehirnes (grün). Es ist das Denken einfach ein verfeinertes Atmen. Und wiederum geht die Blutzirkulation über in dasjenige, was die Impulse der Bewegungen der Gliedmaßen sind (blau-grün).
[ 41 ] If you go further, you will come to observe something about the human being that is actually much more difficult to observe—we usually just make it easy for ourselves—namely, to gain an understanding of how a person takes in their breath, how they set their rhythmic system in motion, and how they then transfer the breath into the blood circulation. This incredibly vibrant interplay, which permeates the entire body, is actually much more complex than one might think, for at first glance it seems this way, doesn’t it: a person inhales (drawing, yellow), the breath is transformed into the blood circulation (red), but on the other hand, the breath flows back into the head, and it stands in a certain relationship to the entire activity of the brain (green). Thinking is simply a refined form of breathing. And in turn, the blood circulation gives rise to the impulses that govern the movements of the limbs (blue-green).


[ 42 ] Wenn man dieses rhythmische System des Menschen, das sich ausdrückt nun nicht in einer ruhigen Lage, sondern in einer immer fortdauernden Beweglichkeit, wenn man dieses rhythmische System des Menschen nimmt, muß man diesen Unterschied genau beachten. Den Kopf des Menschen betrachtet man ja am besten dadurch, daß man ihn als abgeschlossene, ruhige Gestaltung betrachtet, daß man auch sein Inneres, zum Beispiel das Gehirn, partienweise betrachtet, wie eine Partie neben der anderen ruht. Über den Kopf erfährt man nichts, wenn man zum Beispiel die Blutzirkulation im Kopfe durch Anatomie oder Physiologie kennenlernt; denn das, was die Blutzirkulation im Kopfe vollbringt, bezieht sich gar nicht auf den Kopf, das bezieht sich bloß auf das, was der Kopf an Rhythmus braucht. In dieser Beziehung ist der Kopf genauso wie die Blutzirkulation. Das, was man sehen kann, wenn man einen Teil des Knochengerüstes vom Kopfe abhebt und da die Zirkulation anschaut, das bezieht sich gar nicht auf den Kopf, der Kopf muß als ruhendes Organ betrachtet werden, wo eines neben dem anderen liegt.
[ 42 ] When considering this rhythmic system of the human being—which is expressed not in a state of rest but in a state of constant movement—one must pay close attention to this distinction. After all, the best way to observe the human head is to view it as a self-contained, tranquil form, and to examine its inner parts—such as the brain—in sections, seeing how one section rests beside the next. One learns nothing about the head, for example, by studying the blood circulation in the head through anatomy or physiology; for what the blood circulation accomplishes in the head does not pertain to the head at all—it pertains solely to what the head requires in terms of rhythm. In this respect, the head is exactly like the blood circulation. What one can see when one lifts a part of the skull’s bony structure and observes the circulation there has nothing to do with the head at all; the head must be regarded as a resting organ, where one part lies next to another.
[ 43 ] Das kann man nicht, wenn man auf das rhythmische System übergeht, das vorzugsweise in der Brust lokalisiert ist. Da muß man alles in der Regsamkeit betrachten, in der Regsamkeit der Blutzirkulation, des Atmens, des Denkens, des Sich-Bewegens. Es ist dieser Prozeß sogar bis ins Physische hinein noch viel weiter zu betrachten.
[ 43 ] This is not possible when one shifts to the rhythmic system, which is primarily located in the chest. There, one must consider everything in terms of activity—the activity of blood circulation, breathing, thinking, and movement. This process must be considered even further, extending into the physical realm.
[ 44 ] Betrachten Sie den Atmungsprozeß. Indem er in den Blutprozeß übergeht, dann auch ins Gehirn hinüberspielt, bildet sich Kohlensäure, also ein Säure im menschlichen Organismus. Indem aber der Atmungsprozeß ins Gehirn, in das Nervensystem überhaupt hinüberspielt, bilden sich aus den Säuren Salze; da lagern sich Salze ab.
[ 44 ] Consider the respiratory process. As it transitions into the circulatory process and then extends to the brain, carbon dioxide—that is, an acid—forms in the human organism. However, as the respiratory process extends into the brain and the nervous system as a whole, salts are formed from the acids; these salts are then deposited.
[ 45 ] So daß man sagen kann: Indem der Mensch denkt, sondert sich Erdiges ab. Im Kreislauf selbst lebt Flüssiges. Im Atem lebt Gasförmiges. Und in dem Bewegen, wenn das übergeht in die Bewegungen, da lebt Feuriges. Es sind die Elemente in all dem enthalten, aber die Elemente in Regsamkeit, in fortwährendem Entstehen und Vergehen. Diesen Prozeß, den kann man eigentlich nicht durch sinnliches Anschauen erfassen. Diejenigen, die ihn in der Anatomie durch sinnliches Anschauen auffassen wollen, die verstehen ihn eigentlich nie. Man muß viel dazu tun können aus der inneren produktiven Kraft des Geistes, um diesen Prozeß zu verstehen. Wenn man die Auseinandersetzungen, die sich auf den rhythmischen Prozeß beziehen, in den gewöhnlichen Anatomie- und Physiologievorträgen hört, dann ist es wirklich so, daß man aus der toten Beschreibung, die da gegeben wird — diejenigen, die das durchgemacht haben, werden das bezeugen können —, eigentlich das Gefühl hat, daß das weit von der Wirklichkeit entfernt ist. Ja, wer unbefangenen Sinnes sich das anhört und dann die Zuhörer dabei ins Auge faßt, der hat eigentlich das Gefühl, daß diese Zuhörer durch die Ode, die sie da empfangen, eigentlich alle absterben müßten, sitzenbleiben müßten auf den Bänken, gar nicht mehr weiter könnten, nicht mehr kriechen könnten. Denn es müßte gerade dieses Zirkulationssystem nach allen Seiten hin in regster Lebendigkeit geschildert werden, so daß der Mensch immer vom Sinnlichen ins Übersinnliche übergeht, vom Übersinnlichen wieder ins Sinnliche zurückgeht und in eine Art musikalischer Stimmung bei diesem Schildern hineinkommt.
[ 45 ] So one can say: As human beings think, the earthy element is set apart. The liquid element lives within the cycle itself. The gaseous element lives in the breath. And in movement—when that transitions into movements—the fiery element lives. The elements are contained in all of this, but they are elements in motion, in a state of constant becoming and passing away. This process cannot actually be grasped through sensory observation. Those who seek to comprehend it in anatomy through sensory observation will never truly understand it. One must be able to draw deeply upon the inner creative power of the spirit to understand this process. When one hears the discussions relating to the rhythmic process in ordinary anatomy and physiology lectures, it is truly the case that, based on the lifeless description given there—those who have gone through this will be able to attest to it—one actually has the feeling that it is far removed from reality. Indeed, anyone who listens to this with an open mind and then looks into the eyes of the audience actually gets the feeling that these listeners, as a result of the “ode” they are receiving, should all be dying, should remain seated on the benches, unable to go any further, unable even to crawl. For it is precisely this circulatory system that must be depicted in all its directions with the liveliest vitality, so that the listener constantly moves from the sensory to the supersensory, returns from the supersensory to the sensory, and enters into a kind of musical mood through this depiction.
[ 46 ] Dann, wenn man so etwas hat, dann kommt man auch in innere Seelengewohnheiten hinein, durch die das Karma zu verstehen ist. Wir werden darüber morgen zu sprechen haben. Aber das, was man da hat, das ist dann ein sinnliches Abbild der Inspiration.
[ 46 ] Then, when one has something like that, one also enters into inner spiritual habits through which karma can be understood. We will discuss this tomorrow. But what one has there is a sensory reflection of inspiration.
[ 47 ] Wie man also bei der Hauptesbetrachtung ein sinnliches Abbild der Imagination hat, so hat man in der Betrachtung des rhythmischen Systems des Menschen, wenn diese Betrachtung regelrecht gemacht wird, ein Abbild der Inspiration.
[ 47 ] Just as one has a sensory image of the imagination in the primary contemplation, so too, when this contemplation is carried out properly, one has an image of inspiration in the contemplation of the human rhythmic system.
[ 48 ] Und geht man über auf das Stoffwechsel-Gliedmaßensystem — ja, an dem, was heute in Anatomie und Physiologie betrachtet wird vom Stoffwechsel-Gliedmaßensystem, hat man ja nicht die Kräfte dieses Stoffwechsel-Gliedmaßensystems, sondern nur dasjenige, was herausfällt, was abgeworfen wird. Alles, was im Stoffwechsel-Gliedmaßensystem Inhalt ist der heutigen wissenschaftlichen Betrachtung, gehört gar nicht zum Aufbau und zu der Organisation des Menschen, sondern ist herausgeworfen — der Darminhalt ist nur das Extremste —, aber überhaupt alles, was im Stoffwechsel-Gliedmaßensystem physisch wahrnehmbar ist, gehört nicht zum Menschen, sondern ist abgesondert vom Menschen, nur daß das eine länger, das andere kürzer liegenbleibt. Der Darminhalt bleibt kürzer übrig; das, was sich in Muskeln, Nerven und so weiter absondert, bleibt länger übrig. Aber zum Menschen gehört das, was im Stoffwechsel-Gliedmaßensystem physisch-sinnlich nachgewiesen werden kann, nicht, sondern ist Ausscheidung, Ablagerung. Dagegen ist alles das, was zum Stoffwechsel-Gliedmaßensystem gehört, von übersinnlicher Art. So daß man beim Stoffwechsel-Gliedmaßensystem, wenn man eine Menschenbetrachtung anstellt, übergehen muß zu dem, was rein übersinnlich im Sinnlichen drinnen lebt.
[ 48 ] And if we turn to the metabolic-limb system—indeed, what is currently considered in anatomy and physiology as part of the metabolic-limb system does not represent the actual forces of this system, but only what is excreted, what is cast off. Everything that constitutes the metabolic-limb system in today’s scientific view does not at all belong to the structure and organization of the human being, but is expelled—the intestinal contents are merely the most extreme example—but in general, everything that is physically perceptible in the metabolic-limb system does not belong to the human being, but is separated from the human being, except that one remains for a longer time and the other for a shorter time. Intestinal contents remain for a shorter time; what is excreted in muscles, nerves, and so on remains for a longer time. But what can be physically and sensually detected within the metabolic-limb system does not belong to the human being; rather, it is excretion, a deposit. In contrast, everything that belongs to the metabolic-limb system is of a supersensible nature. Thus, when considering the metabolic-limb system in the context of a study of the human being, one must turn to that which lives purely supersensibly within the sensible realm.
[ 49 ] Man muß also das Stoffwechsel-Gliedmaßensystem beim Menschen sich so vorstellen, daß physische Arme und so weiter in Wirklichkeit geistig sind und in diesem Geistigen das Ich entwickeln. Wenn ich meine Arme, meine Beine bewege, werden fortwährend Ausscheidungen gemacht, und diese Ausscheidungen sieht man. Aber die sind nicht das Wesentliche. Sie können, wenn Sie das Greifen des Armes, der Hand erklären wollen, sich nicht berufen auf das Physische, sondern Sie müssen sich auf das Geistige berufen; auf das, was da längs des Armes geistig ist, auf das kommt es an beim Menschen. Das, was Sie sehen, ist bloß Ausscheidung in bezug auf das Stoffwechsel-Gliedmaßensystem (siehe Zeichnung, dunkle Schraffierung: das Sichtbare; helle Schraffierung: das «Geistige»).
[ 49 ] One must therefore conceive of the human metabolic-limb system in such a way that physical arms and so on are in reality spiritual, and it is within this spiritual aspect that the “I” develops. When I move my arms and legs, secretions are constantly being produced, and these secretions are visible. But these are not the essential aspect. If you want to explain the grasping action of the arm or the hand, you cannot refer to the physical aspect; rather, you must refer to the spiritual aspect—to that which is spiritual along the length of the arm; that is what matters in human beings. What you see is merely a secretion in relation to the metabolic-limb system (see drawing, dark hatching: the visible; light hatching: the “spiritual”).


[ 50 ] Ja, wie soll man denn überhaupt eine karmische Betrachtung anstellen, wenn man glaubt, das, was man im Stoffwechsel-Gliedmaßensystem sieht, das sei der Mensch? Das ist er ja gar nicht. Man kann erst eine karmische Betrachtung anstellen, wenn man weiß, was der Mensch ist. Und dasjenige, was man da in der Betrachtung haben muß, das ist ein Jetzt allerdings in der Sinnenwelt befindliches, trotzdem aber noch übersinnliches Abbild der Intuition.
[ 50 ] Yes, how is one even supposed to make a karmic assessment if one believes that what one sees in the metabolic-limb system is the human being? That is not the human being at all. One can only make a karmic assessment once one knows what a human being is. And what one must have in mind in this assessment is an image of intuition—one that, while situated in the sensory world at present, is nonetheless still supersensory.
[ 51 ] So daß Sie, meine lieben Freunde, sagen können: Kopfbetrachtung ist eigentlich imaginativ projiziert in die Sinneswelt. Rhythmische Menschenbetrachtung muß eigentlich inspiriert sein, wirksam innerhalb der Sinnesbeobachtung, wirksam in der Sinnenwelt. Betrachtung des Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen muß intuitiv, übersinnlich in der Sinneswelt sein.
[ 51 ] So that you, my dear friends, can say: Intellectual contemplation is, in fact, imaginatively projected into the sensory world. Rhythmic contemplation of the human being must, in fact, be inspired, effective within sensory observation, effective in the sensory world. Contemplation of the metabolic-limb human must be intuitive and supersensory within the sensory world.
[ 52 ] Das ist sehr interessant, denn man hat in der Menschenbetrachtung Bilder für Intuition, Inspiration und Imagination. Und man kann lernen an einer regelrechten Betrachtung des Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen, was eigentlich im Übersinnlichen die Intuition ist. Man kann lernen an einer regelrechten Betrachtung des rhythmischen Menschen, was im Übersinnlichen die Inspiration ist. Man kann lernen an einer ordentlichen Kopfbetrachtung, was im Übersinnlichen eine imaginative Betrachtung ist.
[ 52 ] This is very interesting, because in the study of the human being, we have images for intuition, inspiration, and imagination. And through a proper examination of the metabolic-limb human, one can learn what intuition actually is in the supersensible realm. Through a proper contemplation of the rhythmic human being, one can learn what inspiration actually is in the supersensible realm. Through a proper contemplation of the head, one can learn what an imaginative contemplation is in the supersensible realm.
Kopfbetrachtung: imaginativ, projiziert in die Sinneswelt. Rhythmische Betrachtung: inspiriert, wirksam in der Sinneswelt. Betrachtung des Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen: intuitiv, übersinnlich in der Sinneswelt.
Contemplation of the head: imaginative, projected into the sensory world. Rhythmic contemplation: inspired, effective in the sensory world. Contemplation of the metabolic-limb human: intuitive, supersensory in the sensory world.
[ 53 ] Das ist dasjenige, was in den «Leitsätzen» des letzten Mitteilungsblattes angedeutet ist und was durchaus jeder, der nun wirklich emsig die bisherigen Zyklen betrachtet, eigentlich selber finden kann.
[ 53 ] This is what is hinted at in the “Guiding Principles” of the last newsletter, and it is something that anyone who really takes a close look at the cycles so far can actually discover for themselves.
[ 54 ] Nun haben wir heute, meine lieben Freunde, versucht, die karmimischen Zusammenhänge in bezug auf das Physische zu betrachten. Wir wollen dann morgen dazu übergehen, die karmischen Zusammenhänge in bezug auf das Moralisch-Geistige des Menschen näher ins Auge zu fassen.
[ 54 ] Today, my dear friends, we have attempted to examine the karmic connections as they relate to the physical realm. Tomorrow, we will move on to taking a closer look at the karmic connections as they relate to the moral and spiritual aspects of human beings.
