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Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume III
GA 237

1 August 1924, Dornach

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Achter Vortrag

Eighth Lecture

[ 1 ] Es wird sich nunmehr darum handeln, darzustellen, wie der einzelne Anthroposoph sich in seinem Karma erlebt eben einfach dadurch, daß er aus den Vorbedingungen heraus, von denen ja gesprochen worden ist, in die Anthroposophische Gesellschaft oder wenigstens in die anthroposophische Bewegung nun sich hineingestellt hat. Dazu wird noch notwendig sein, daß ich einiges heute erläuternd zu dem hinzufüge, was ich am letzten Montag hier auseinandergesetzt habe. Ich habe hingewiesen auf die bedeutungsvolle übersinnliche Lehrschule im Beginne des 15. Jahrhunderts, die so charakterisiert werden darf, daß man sagt: In ihr war Michael selber der große Lehrer. Und Scharen von Menschenseelen, welche dazumal zwischen dem Tod und einer neuen Geburt standen, aber auch Scharen von solchen geistigen Wesenheiten, die nicht dazu bestimmt sind, in eine Erdeninkarnation überzugehen, sondern die in einem ätherischen oder sonstigen höheren Dasein die Äonen, in denen wir leben, zubringen, sie alle, diese Wesenheiten, also menschliche, übermenschliche, untermenschliche Wesenheiten, sie gehörten sozusagen dazumal zur umfassenden Schülerschaft der Michaelischen Macht. Und ich habe Ihnen ja auch schon am letzten Montag einiges von dem charakterisiert, was dazumal der Inhalt der betreffenden Lehre war.

[ 1 ] The task now will be to describe how the individual anthroposophist experiences his or her karma simply by having placed himself or herself—based on the preconditions that have already been discussed—within the Anthroposophical Society or at least within the anthroposophical movement. To this end, it will be necessary for me to add some explanatory remarks today to what I discussed here last Monday. I referred to the significant supersensible school of teaching at the beginning of the 15th century, which may be characterized by saying: In it, Michael himself was the great teacher. And multitudes of human souls who at that time stood between death and a new birth, but also multitudes of such spiritual beings who are not destined to pass into an earthly incarnation, but who spend the eons in which we live in an etheric or other higher existence—all of them, these beings, that is, human, superhuman, and subhuman beings, belonged, so to speak, to the comprehensive body of students of the Michaelic Power at that time. And last Monday I already outlined for you some of what constituted the content of that teaching at the time.

[ 2 ] Heute wollen wir einmal den einen Punkt zunächst herausheben: die Michaelische Herrschaft, die die vorletzte, also eigentlich gegenüber der gegenwärtigen die letzte war, die durch drei Jahrhunderte gedauert hat und im Alexanderzeitalter in der vorchristlichen Zeit ihr Ende gefunden hat, diese Michaelische Herrschaft, sie zog sich dann zurück; andere Erzengelherrschaften kamen über die Erde. Die Michael-Gemeinschaft war zur Zeit, als auf Erden das Mysterium von Golgatha stattfand, vereint eben mit den geistigen und menschlichgeistigen Wesenheiten, die zu ihnen gehörten. Sie empfanden das Mysterium von Golgatha so, daß der Christus dazumal ihren Bereich, den Sonnenbereich, verließ, währenddem die damals auf der Erde lebenden Menschen das Mysterium von Golgatha so empfinden mußten, daß der Christus zu ihnen auf die Erde kam.

[ 2 ] Today we would like to begin by highlighting one point: the Michaelic reign, which was the penultimate one—that is, actually the last one preceding the present one—which lasted for three centuries and came to an end during the Age of Alexander in pre-Christian times; this Michaelic reign then withdrew; other archangelic reigns came to Earth. At the time when the Mystery of Golgotha took place on Earth, the Michaelic community was united precisely with the spiritual and human-spiritual beings who belonged to them. They perceived the Mystery of Golgotha in such a way that Christ left their realm—the solar realm—at that time, whereas the people living on Earth at that time had to perceive the Mystery of Golgotha as Christ coming down to them on Earth.

[ 3 ] Das ist ein gewaltiger, ich möchte sagen, ins Riesengroße sich erstreckender Gegensatz im Erleben der einen und der anderen Art von Seelen, und wir müssen uns recht herzlich in diesen Gegensatz vertiefen.

[ 3 ] This is a tremendous—I would even say vast—contrast in the experience of these two types of souls, and we must immerse ourselves wholeheartedly in this contrast.

[ 4 ] Dann fing die Zeit an, in der allmählich die kosmische Intelligenz, also das intelligente Wesen, welches ausgebreitet ist über die ganze Welt, welches in der unbeschränkten Verwaltung des Michael stand bis zum Ende der Alexanderzeit, allmählich in den Besitz der Menschen auf Erden überging, Michael sozusagen entfiel.

[ 4 ] Then began the era in which cosmic intelligence—that is, the intelligent being that is spread throughout the entire world and which had been under Michael’s unlimited administration until the end of the Alexandrian era—gradually passed into the possession of the people on Earth; Michael, so to speak, ceased to exist.

[ 5 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, die Entwickelung der Menschheit ging ja in bezug auf diese Dinge in der folgenden Art vonstatten. Bis zum Ende der Alexanderzeit, ja bis in die Nach-Alexanderzeit, und für einzelne Menschengruppen noch lange darüber hinaus, war immer das Bewußtsein vorhanden, daß, wenn einer intelligent war, er nicht selber in sich diese Intelligenz entwickelte, sondern daß sie ihm geschenkt wurde aus den geistigen Welten. Wenn man etwas dachte, das gescheit war, so schrieb man die Tatsache, daß es gescheit war, der Inspiration der geistigen Wesenheiten zu. Das ist eben neueren Datums, daß man sich die Gescheitheit, das Intelligentsein selber zuschreibt. Und das ist deshalb, weil die Verwaltung der Intelligenz aus der Hand des Michael in die Hände der Menschen übergegangen ist.

[ 5 ] You see, my dear friends, the development of humanity proceeded in the following manner with regard to these matters. Until the end of the Alexandrian era—indeed, into the post-Alexandrian era, and for certain groups of people long beyond that—there was always the awareness that if someone was intelligent, they did not develop that intelligence within themselves, but rather that it was bestowed upon them from the spiritual worlds. If one thought something clever, one attributed the fact that it was clever to the inspiration of spiritual beings. It is only a recent development that people attribute cleverness and intelligence to themselves. And this is because the administration of intelligence has passed from the hands of Michael into the hands of human beings.

[ 6 ] Michael fand, als er Ende der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts wiederum seine Regentschaft in der Führung der Erdengeschicke antrat, Michael fand die ihm seit dem 8. oder 9, nachchristlichen Jahrhundert vollständig entfallene kosmische Intelligenz im Bereiche der Menschen unten.

[ 6 ] When Michael resumed his reign as the guide of Earth’s destiny in the late 1870s, he found that the cosmic intelligence, which had been completely lost to him since the 8th or 9th century A.D., was present among the people below.

[ 7 ] So war es schon im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, als die Michael-Herrschaft sich wiederum ausbreitete nach der Gabriel-Herrschaft. Da kam Michael sozusagen, indem er zu den intelligenten Menschen kam, zu dem, wovon er sagen konnte: Da finde ich wieder, was mir entsunken ist, was ich früher verwaltet habe. Und es bestand ja der große Streit im Mittelalter zwischen den führenden Persönlichkeiten des Dominikanerordens und denjenigen, die sich in der Fortsetzung des asiatischen Alexandrinismus nach Spanien hinübergezogen hatten, wie in Averroes und den Seinigen, eigentlich darinnen, daß Averroes und die Seinigen, also die mohammedanischen Nach-Aristoteliker, sagten: Intelligenz ist etwas Allgemeines. Sie sprachen nur von einer Pan-Intelligenz, nicht von einer einzelnen menschlichen Intelligenz. Es war das, was einzelne menschliche Intelligenz ist, für Averroes nur eine Art Spiegelung im einzelnen Menschenkopfe von dem, was aber in Realität nur allgemein vorhanden ist.

[ 7 ] This was already the case in the last third of the 19th century, when Michael’s dominion once again spread following Gabriel’s dominion. Michael came, so to speak, by reaching out to intelligent people, to that which he could say: “Here I find again what had slipped away from me, what I once administered.” And indeed, the great dispute in the Middle Ages between the leading figures of the Dominican Order and those who had migrated to Spain as part of the continuation of Asian Alexandrianism—such as Averroes and his followers—centered on the fact that Averroes and his followers, that is, the Muslim post-Aristotelians, asserted: “Intelligence is something universal.” They spoke only of a pan-intellect, not of an individual human intellect. For Averroes, what constitutes individual human intellect was merely a kind of reflection in the individual human mind of that which, in reality, exists only in a general sense.

[ 8 ] Denken Sie sich einmal, jemand hat einen Spiegel, der so ist (siehe Zeichnung), und ich könnte statt dieser neun Teile des Spiegels auch hundert und tausend und Millionen Teile herzeichnen natürlich. Hier wäre ein Gegenstand, der sich spiegelt. So war es für Averroes, der von Thomas von Aquino ganz>lebhaft bekämpft wurde: Der Verstand, die Intelligenz war für ihn in der Tradition an die alte Michaelzeit eine Pan-Intelligenz, eine Intelligenz, die nur eine war; die einzelnen menschlichen Köpfe spiegelten das, so daß, wenn der menschliche Kopf nicht mehr wirkte, es keine individuelle Intelligenz gab. Was war denn also tatsächlich eigentlich der Fall?

[ 8 ] Just imagine: someone has a mirror that looks like this (see drawing), and instead of these nine parts of the mirror, I could of course draw a hundred, a thousand, or even a million parts. Here would be an object that is reflected. That was the case for Averroes, who was vigorously opposed by Thomas Aquinas: For him, in the tradition of the ancient Michaelic era, the mind—or intelligence—was a pan-intelligence, an intelligence that was one and the same; individual human minds merely reflected it, so that if the human mind ceased to function, there would be no individual intelligence. So what was actually the case?

[ 9 ] Ja, sehen Sie, das, was Averroes sich vorstellte, das war richtig bis zum Ende der Alexanderzeit, das war einfach eine kosmisch-menschliche Tatsache bis zum Ende der Alexanderzeit; er hat es festgehalten. Die Dominikaner haben die Evolution der Menschheit aufgenommen, sie haben gesagt: So ist es nicht! — Sie hätten natürlich auch sagen können: Es war einmal so, doch es ist heute nicht mehr so! — Aber das haben sie nicht getan; sie nahmen nur den Tatbestand, der eben im 13. Jahrhundert war, der dann besonders stark kam im 14., 15. Jahrhundert. Sie sagten: Jetzt hat jeder seinen eigenen Verstand. — Das war eben dasjenige, was da eintrat.

[ 9 ] Yes, you see, what Averroes envisioned was true until the end of the Alexandrian era; it was simply a cosmic-human fact until the end of the Alexandrian era; he recorded it. The Dominicans took up the evolution of humanity and said: That’s not how it is! — Of course, they could also have said: “It used to be that way, but it’s no longer the case today!” — But they didn’t do that; they simply took the reality as it was in the 13th century, which then became particularly pronounced in the 14th and 15th centuries. They said: “Now everyone has their own mind.” — That was precisely what was happening.

[ 10 ] Und das zur völligen Klarheit zu bringen, das war die Aufgabe jener übersinnlichen Schule, von der ich am letzten Montag gesprochen habe. Das wurde in allen Metamorphosen in dieser übersinnlichen Schule immer wieder und wiederum betont, indem immer wieder und wiederum der Grundcharakter der alten Mysterien geschildert wurde. In einer großartigen anschaulichen Weise in übersinnlichen, nicht Imaginationen, die kamen erst im Beginne des 19. Jahrhunderts, aber in übersinnlichen Inspirationen wurde geschildert dasjenige, wovon ich in der Lage war, hier öfter den Abglanz zu geben, indem ich altes Mysterienwesen schilderte.

[ 10 ] And to bring this into complete clarity—that was the task of that supersensible school I spoke about last Monday. This was emphasized again and again in all the metamorphoses within this supersensible school, as the fundamental character of the ancient mysteries was described time and again. In a magnificent and vivid way—not through imaginations, which did not appear until the beginning of the 19th century, but through supersensible inspirations—that which I have been able to reflect here on several occasions was described, as I depicted the essence of the ancient mysteries.

[ 11 ] Dann aber wurde auch auf die Zukunft hingewiesen, auf das, was neues Mysterienwesen werden sollte, auf all dasjenige, was nun nicht wie das alte Mysterienwesen in den Menschen hineinkam, der auf der Erde nicht die Intelligenz hatte, der daher in traumhafter Weise die übersinnlichen Welten erleben konnte, sondern auf dasjenige Mysterienwesen, das wir anfangen müssen zu verstehen auf anthroposophischem Gebiete, das mit der völligen Intelligenz der Menschen, mit der klaren, lichtvollen Intelligenz absolut vereinbar ist.

[ 11 ] But then attention was also drawn to the future—to what was to become the new mystery tradition, to all that which, unlike the old mystery tradition, did not enter into people who lacked intelligence on Earth and who could therefore experience the supersensible worlds in a dreamlike manner, but rather to that mystery tradition that we must begin to understand in the field of anthroposophy—one that is absolutely compatible with human intelligence in its entirety, with clear, luminous intelligence.

[ 12 ] Aber gehen wir ein wenig auf die Intimitäten der Lehre jener übersinnlichen Schule ein. Diese Intimitäten führten ja zu der Erkenntnis von dem, wovon sich eigentlich in den Weltanschauungen der Menschen auf Erden seit der alten hebräischen Zeit und wiederum innerhalb der christlichen Zeit nur eine Art Abglanz fand, wovon auch heute noch, wo schon tiefere Einsichten herrschen sollten, bei der weitaus größten Anzahl der Menschen sich nur noch ein traditioneller Abglanz findet: Es ist die Lehre von der Sünde, von dem sündhaften Menschen, von dem Menschen, der eigentlich am Ausgangspunkte der menschlichen Entwickelung dazu bestimmt gewesen wäre, nicht so tief in das Materielle herunterzusteigen, als er nun heruntergestiegen ist.

[ 12 ] But let us delve a little into the inner workings of the teachings of that supersensible school. These inner aspects led, after all, to the recognition of that which, in the worldviews of people on Earth since ancient Hebrew times and again during the Christian era, has been reflected only as a kind of faint echo—and of which, even today, when deeper insights should already prevail, only a traditional echo remains among the vast majority of people: It is the doctrine of sin, of the sinful human being, of the human being who, at the very outset of human evolution, was actually destined not to descend so deeply into the material realm as he has now descended.

[ 13 ] Eine gewisse noch gute Version dieser Lehre findet sich ja zum Beispiel bei Saint-Martin, bei dem «Unbekannten Philosophen», der durchaus noch seine Schüler lehrt, daß der Mensch in der Tat ursprünglich, bevor die Menschenentwickelung auf der Erde begann, auf einer gewissen Höhe stand, und daß er heruntergesunken ist durch eine Ursünde, die Saint-Martin den kosmischen Ehebruch nennt. Durch eine Ursünde ist der Mensch heruntergesunken zu demjenigen Stande, in dem er heute sich befindet. Nun, dadurch aber hat ja gerade SaintMartin auch hingewiesen auf das, was in der Lehre von der Sünde während der ganzen menschlichen Entwickelung vorhanden war: die Anschauung, daß der Mensch nicht auf der Höhe steht, auf der er stehen könnte. Alle Lehre von der Erbsünde wurde mit Recht mit dieser Anschauung verbunden, daß der Mensch eigentlich ursprünglich von seiner Höhe heruntergesunken ist.

[ 13 ] A certain version of this doctrine that is still sound can be found, for example, in Saint-Martin, the “Unknown Philosopher,” who indeed still teaches his disciples that humankind did in fact originally stand at a certain height before human evolution began on Earth, and that it fell through an original sin, which Saint-Martin calls “cosmic adultery.” Through original sin, humankind has fallen to the state in which it finds itself today. Now, in doing so, Saint-Martin has also pointed to what has been present in the doctrine of sin throughout human development: the view that humankind does not stand at the level at which it could stand. All teachings on original sin were rightly linked to this view that humanity has, in fact, originally fallen from its former height.

[ 14 ] Dadurch aber, daß man die Konsequenzen dieser Anschauung zog, hatte man eine ganz bestimmte Nuance der Weltanschauung herausgearbeitet, die Nuance, welche sagte: Da der Mensch nun einmal sündhaft geworden ist — und sündhaft werden, heißt eben heruntersinken von der ursprünglichen Höhe —, so kann er nicht so die Welt durchschauen, wie er sie sindenlos, wie er vor seinem Falle war, hätte anschauen können. Der Mensch sieht daher die Welt trübe. Er sieht sie nicht in ihrer wahren Gestalt, er sieht sie voller Illusionen und Phantasmen. Er sieht gerade das, was er draußen in der Natur schaut, sieht nicht, wie es ist mit seinem geistigen Hintergrunde; er sieht es in materieller Form, die in Wirklichkeit gar nicht da ist. Das heißt, der Mensch ist sündhaft für die Anschauung der alten Zeiten und für die Tradition vielfach noch heute. So daß also auf der Erde von denjenigen auch, die die Tradition der Mysterien bewahrten, durchaus gelehrt wurde: Der Mensch kann die Welt nicht so anschauen, er kann in der Welt nicht so fühlen, er kann in der Welt nicht so tun, wie er denken, fühlen und tun würde, wenn er nicht sündhaft geworden wäre, das heißt, wenn er von der Höhe, zu der ihn ja die zu ihm gehörigen Götter ursprünglich bestimmt haben, nicht heruntergefallen wäre.

[ 14 ] However, by drawing the consequences of this view, a very specific nuance of the worldview had been elaborated—the nuance that stated: Since human beings have, after all, become sinful—and to become sinful means precisely to sink from their original height—they cannot perceive the world as they could have perceived it before their fall, when they were sinless. Human beings therefore see the world through a haze. They do not see it in its true form; they see it as full of illusions and phantoms. He sees precisely what he observes out in nature, but does not see it in light of its spiritual background; he sees it in a material form that in reality does not exist at all. This means that, from the perspective of ancient times and tradition, human beings are still, in many ways, sinful even today. Thus, even among those on earth who preserved the tradition of the Mysteries, it was certainly taught: Human beings cannot view the world in this way; they cannot feel in the world in this way; they cannot act in the world as they would think, feel, and act if they had not become sinful—that is, if they had not fallen from the heights to which the gods belonging to them had originally destined them.

[ 15 ] Wenn wir nun hinschauen auf alle die führenden Geister aus der Reihe der Archangeloi, welche nacheinander sich so ablösen in der irdischen Herrschaft, daß diese Herrschaft immer durch etwa drei bis dreieinhalb Jahrhunderte ausgeübt wird, wie in den letzten drei bis vier Jahrhunderten durch Gabriel, jetzt durch Michael weiter durch drei Jahrhunderte, die da kommen werden, wenn wir auf die ganze Reihe dieser Archangeloi-Wesen: Gabriel, Raphael, Zachariel, Anael, Oriphiel, Samael, Michael hinschauen, so können wir das Verhältnis, das zwischen ihnen und den höheren Geistern der höheren Hierarchien besteht, etwa in der folgenden Art charakterisieren.

[ 15 ] If we now look at all the leading spirits from the ranks of the Archangels, who succeed one another in earthly dominion in such a way that this dominion is always exercised for about three to three and a half centuries—as it has been for the last three to four centuries by Gabriel, and now by Michael for the next three centuries to come—if we look at the entire series of these Archangeloi beings—Gabriel, Raphael, Zachariel, Anael, Oriphiel, Samael, and Michael—we can characterize the relationship that exists between them and the higher spirits of the higher hierarchies in roughly the following way.

[ 16 ] Bitte, nehmen Sie die Worte, die trivial klingen — aber man hat ja nur Menschenworte —, nehmen Sie die Worte für diese erhabenen Dinge nicht, ich möchte sagen, leicht hin; sie sind nicht leicht gemeint. Von allen diesen Engeln, deren sieben an der Zahl sind, haben sechs sich zwar nicht ganz — am meisten Gabriel, auch er nicht ganz —, aber doch sechs verhältnismäßig sehr stark sich abgefunden mit der Tatsache, daß die Menschen vor der Maja, vor der großen Illusion stehen, weil sie durch ihre Qualität, die nicht dem entspricht, wozu sie ursprünglich bestimmt waren, herabgestiegen sind von dieser ihrer ursprünglichen Gestalt. Einzig und allein Michael ist derjenige, der eben — ich muß mich, ich möchte sagen, banal ausdrücken — nicht nachgeben wollte und der mit denen, die Michael-Geister sind auch unter den Menschen, auf dem Standpunkte steht: Ich bin der Verwalter der Intelligenz. Die Intelligenz muß so verwaltet werden, daß in sie nicht eintritt die Illusion, die Phantastik, das, was den Menschen nur dunkel und nebulos in die Welt hineinschauen läßt.

[ 16 ] Please do not take the words that sound trivial—but we have only human words, after all—please do not take the words used to describe these sublime things lightly; they are not meant lightly. Of all these angels, seven in number, six have—though not entirely (most of all Gabriel, though not even he entirely)—but still, six have come to terms, relatively very strongly, with the fact that human beings stand before Maja, before the great illusion, because, through their nature—which does not correspond to what they were originally intended for—they have descended from their original form. Michael alone is the one who—I must, I might say, put it in banal terms—simply did not want to give in and who, together with those who are Michael spirits even among human beings, takes the stance: “I am the steward of intelligence.” Intelligence must be stewarded in such a way that it is not infiltrated by illusion, fantasy, or that which causes people to view the world only in a dark and nebulous manner.

[ 17 ] Meine lieben Freunde, zu durchschauen, wie da Michael dasteht als der größte Opponent in der Erzengelschar, das ist ein ungeheuer erhebender Anblick, das ist etwas überwältigend Grandioses. Und jedesmal, wenn eine Michaelzeit da war, geschah auch auf Erden dieses, daß die Intelligenz als Mittel zur Erkenntnis nicht nur kosmopolitisch wurde, wie ich es schon dargestellt habe, sondern so wurde, daß die Menschen sich durchdrangen mit dem Bewußtsein: Wir können doch zur Gottheit hinauf.

[ 17 ] My dear friends, to see Michael standing there as the greatest adversary among the archangels—that is an immensely uplifting sight; it is something overwhelmingly magnificent. And every time a Michael era arrived, this also occurred on Earth: intelligence, as a means of knowledge, not only became cosmopolitan, as I have already described, but also led people to be imbued with the awareness: We can indeed ascend to the Divine.

[ 18 ] Dieses «Wir können doch zur Gottheit hinauf», das spielte eine ungeheuer große Rolle am Ende der letzten alten Michaelzeit. Da waren, von Griechenland ausgehend, überall die Stätten der alten Mysterien so, daß über sie hingezogen war die Atmosphäre der Entmutigung. Entmutigt waren diejenigen, die in Unteritalien, in Sizilien die Nachfolger der alten pythagoreischen Schule waren, entmutigt waren sie, weil der Zauberglanz, der einmal im 6. vorchristlichen Jahrhundert über der pythagoreischen Schule gewaltet hatte, verglommen war. Wiederum wurde — auch von den in die pythagoreischen Mysterien Eingeweihten — gesehen, wie das Illusionäre, das materialistisch Illusionäre sich über die Welt hin verbreitet.

[ 18 ] This idea—“We can, after all, ascend to the Deity”—played an immensely important role at the end of the last ancient Michael era. At that time, starting from Greece, the sites of the ancient mysteries were such that an atmosphere of discouragement hung over them. Those who were the successors of the ancient Pythagorean school in Southern Italy and Sicily were discouraged; they were discouraged because the magical splendor that had once reigned over the Pythagorean school in the 6th century B.C. had faded. At the same time, even those initiated into the Pythagorean mysteries could see how the illusory—the materialistic illusion—was spreading throughout the world.

[ 19 ] Entmutigt waren die Töchter und Söhne der alten ägyptischen Mysterien. Oh, diese ägyptischen Mysterien, sie waren schon zur Alexanderzeit so entmutigt, daß sie, ich möchte sagen, nur noch wie Schlacken alter wunderbarer Metallflüsse fortpflanzten solche tiefen Lehren, wie sie sich zum Ausdrucke brachten in der Osiris-Sage oder in dem Hinaufschauen zu dem Serapis. Drüben in Asien, wo waren jene mutigen, gewaltigen Erhebungen in die geistige Welt, wie sie etwa ausgingen von den Diana-Mysterien in Ephesus? Selbst die Samothrakischen Mysterien, die Weisheiten der Kabiren, sie konnten nurmehr von denjenigen, die in sich selber den Impuls zum Aufschwunge, zum Großen trugen, entziffert werden; nur von denen, die so in ihrer Seele geartet waren, konnten noch die Rauchwolken, die aufstiegen aus Axieros, Axiokersos, Axiokersa, den Kabiren, entziffert werden.

[ 19 ] The daughters and sons of the ancient Egyptian mysteries were disheartened. Oh, those Egyptian mysteries—even in Alexander’s time they were already so discredited that, I might say, they perpetuated such profound teachings—as expressed in the Osiris legend or in the reverence for Serapis—only as the dross of ancient, wondrous streams of metal. Over in Asia, where were those courageous, mighty ascents into the spiritual world, such as those that emanated from the Diana Mysteries in Ephesus? Even the Samothracian Mysteries, the wisdom of the Cabiri—they could now be deciphered only by those who carried within themselves the impulse toward ascent, toward the Great; only those whose souls were so disposed could still decipher the clouds of smoke rising from Axieros, Axiokersos, Axiokersa—the Cabiri.

[ 20 ] Entmutigung war überall eingetreten! Überall ein Empfinden, möchte ich sagen, desjenigen, was man in den alten Mysterien versuchte zu überwinden, indem man sich an das Geheimnis des Sonnenmysteriums wandte, das eigentlich das Geheimnis des Michael ist überall ein Empfinden: der Mensch kann nicht!

[ 20 ] Discouragement had set in everywhere! Everywhere, I would say, there was a sense of precisely what the ancient mysteries sought to overcome by turning to the mystery of the Sun—which is, in fact, the mystery of Michael—everywhere there was a sense that: human beings cannot!

[ 21 ] Diese Michaelzeit war eine Zeit der großen Prüfung. Plato war im Grunde genommen nur noch eine Art von wässerigem Extrakt des alten Mysterienwesens. Aus diesem Extrakt wurde dann das Intellektuellste durch den Aristotelismus geholt, und Alexander nahm es auf seine Schultern.

[ 21 ] This Michaelic era was a time of great trial. Plato was, in essence, nothing more than a kind of watered-down extract of the ancient mystery tradition. Aristotelianism then extracted the most intellectual elements from this extract, and Alexander took them upon his shoulders.

[ 22 ] Das war damals das Michael-Wort: Der Mensch muß zur PanIntelligenz kommen, zur Erfassung des Göttlichen auf der Erde in sündloser Form. Es muß verbreitet werden überallhin das Beste, was gewonnen worden ist, über die entmutigten Mysterienstätten hin, mit dem Mittelpunkte in Alexandrien. Das war der Impuls des Michael. Und dies ist eben das Verhältnis des Michael zu den anderen Archangeloi: daß er in der stärksten Weise protestierte gegen den Fall der Menschen.

[ 22 ] That was Michael’s message at the time: Humanity must attain Pan-Intelligence—the ability to perceive the Divine on Earth in a sinless form. The best of what has been attained must be spread far and wide, to the disheartened mystery centers, with Alexandria as the focal point. That was Michael’s impulse. And this is precisely Michael’s relationship to the other Archangels: that he protested most vehemently against the Fall of humanity.

[ 23 ] Das ist aber auch. dasjenige, was der wichtigste Inhalt seiner Lehre ist, wie er sie in jener übersinnlichen Lehrschule, von der ich letzten Montag gesprochen habe, den Seinigen beigebracht hat. Dieser wichtigste Inhalt ist der: Wenn nun die Intelligenz unter den Menschen sein wird, wenn nun die Intelligenz, entfallen dem Schoße der Michaeliten, unten auf der Erde sein wird, dann müssen die Menschen in diesem Michaelischen Zeitalter spüren, empfinden müssen sie, daß sie sich da zu retten haben, weil die Intelligenz nicht befallen werden darf von der Sündhaftigkeit, weil dieses Zeitalter der Intelligenz benutzt werden muß, um in reiner Intelligenz, frei von der Illusion, zum spirituellen Leben aufzusteigen.

[ 23 ] But that is also the very essence of his teaching, as he imparted it to his followers in that supersensible school of which I spoke last Monday. This most important aspect is this: When intelligence is to be among human beings—when intelligence, having fallen from the bosom of the Michaelites, is down on Earth, then people in this Michaelic Age must sense—they must feel—that they must save themselves there, because intelligence must not be afflicted by sinfulness, because this Age of Intelligence must be used to ascend to spiritual life in pure intelligence, free from illusion.

[ 24 ] Das ist dasjenige, was die Stimmung ist auf der Michael-Seite gegenüber der Stimmung auf der Ahrimanseite. Denn ich habe den Gegensatz auch schon letzten Montag charakterisiert: wie von Ahriman die stärksten, die allerstärksten Anstrengungen schon gemacht werden und weiter gemacht sein werden, diese unter die Menschen geratene Intelligenz sich anzueignen, die Menschen von sich besessen zu machen, so daß Ahriman in den Menschenköpfen die Intelligenz besitzen würde.

[ 24 ] This is the difference between the atmosphere on the Michael side and that on the Ahriman side. For I already characterized this contrast last Monday: just as Ahriman is already making—and will continue to make—the strongest, the very strongest efforts to appropriate this intelligence that has found its way among human beings, to make human beings possessed by him, so that Ahriman would possess this intelligence within human minds.

[ 25 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, man muß, möchte ich sagen, diesen Ahriman, das heißt diese Scharen des Ahriman, nur kennen. Es ist nicht damit getan, daß man den Namen Ahriman verächtlich findet und einer Schar von verächtlichen Wesen den Namen des Ahriman gibt. Damit ist gar nichts getan. Worauf es ankommt, ist, daß in Ahriman vor allen Dingen eine Weltenwesenheit vor uns steht von denkbar höchster Intelligenz, eine Weltenwesenheit, die schon ganz ins Individuelle hereingenommen hat die Intelligenz. Ahriman ist nach jeder Richtung hin im hohen Grade überintelligent; eine blendende Intelligenz beherrscht er, die aus dem ganzen menschlichen Wesen kommt, nur nicht aus demjenigen Teil des menschlichen Wesens, das sich gerade in der menschlichen Stirne menschlich formt.

[ 25 ] You see, my dear friends, one must—I would say—simply know this Ahriman, that is, these hosts of Ahriman. It is not enough simply to regard the name “Ahriman” with contempt and to apply the name “Ahriman” to a host of contemptible beings. That accomplishes absolutely nothing. What matters is that, in Ahriman, we are faced above all with a cosmic being of the highest conceivable intelligence—a cosmic being that has already fully incorporated intelligence into the individual. Ahriman is, in every respect, highly super-intelligent; he possesses a dazzling intelligence that emanates from the entire human being—just not from that part of the human being that takes human form specifically in the human forehead.

[ 26 ] Würden wir den Ahriman in menschlicher Imagination nachbilden, so müßten wir ihm eine zurücklaufende Stirn geben und einen frivolzynischen Ausdruck, weil alles bei ihm aus diesen niederen Kräften kommt, aber aus diesen niederen Kräften kommt eben die höchste Intelligenz. Mit Ahriman sich etwa in eine Diskussion einzulassen, würde bedeuten, daß man geradezu zerschmettert würde von der logischen Folgerichtigkeit, von der grandiosen Treffsicherheit, mit der er seine Argumente handhabt. Für die Welt der Menschen, so ist die Meinung Ahrimans, muß sich erst entscheiden, ob Klugheit oder Torheit herrschen wird. Und töricht nennt Ahriman alles, was nicht in voller persönlicher Individualität die Intelligenz in sich schließt. Denn jedes Ahrimanwesen ist persönlich überintelligent, so wie ich es Ihnen eben geschildert habe, kritisch in der Ablehnung alles Unlogischen, spottend, verächtlich denkend.

[ 26 ] If we were to depict Ahriman in the human imagination, we would have to give him a receding forehead and a frivolous, cynical expression, because everything in him stems from these lower forces—yet it is precisely from these lower forces that the highest intelligence arises. To engage in a discussion with Ahriman, for example, would mean being utterly overwhelmed by the logical consistency and the magnificent precision with which he handles his arguments. As far as the human world is concerned, Ahriman believes, it must first decide whether wisdom or folly will prevail. And Ahriman calls everything foolish that does not encompass intelligence within itself in full personal individuality. For every Ahrimanic being is personally super-intelligent, just as I have just described to you—critical in its rejection of all that is illogical, mocking, and contemptuous in its thinking.

[ 27 ] Sehen Sie, wenn man so Ahriman vor sich hat, dann wird man natürlich auch den vollen Gegensatz zwischen Ahriman und Michael empfinden. Denn Michael kommt es auf das Persönliche der Intelligenz gar nicht an; für den Menschen ist nur stets die Versuchung da, die Intelligenz nach dem Musterbilde des Ahriman auch persönlich zu machen. Ahriman hat eigentlich von Michael ein sehr verächtliches Urteil, Ahriman hat von Michael das Urteil, daß Michael dumm, töricht sei. Natürlich ist das in Relation zu sich selber: weil Michael nicht persönlich die Intelligenz an sich heranziehen will, sondern weil Michael will und wollte durch Jahrtausende, durch Äonen, die PanIntelligenz verwalten, und jetzt auch wiederum, indem die Menschen die Intelligenz haben sollten, sie als etwas gemeinsam Menschliches, als etwas, was allen Menschen als solchen als die allgemeine Intelligenz zugute kommt, verwalten will.

[ 27 ] You see, when one has Ahriman standing before one like this, one naturally senses the complete contrast between Ahriman and Michael. For Michael, the personal aspect of intelligence is of no consequence at all; for human beings, there is always the temptation to make intelligence personal as well, following Ahriman’s model. Ahriman actually holds a very contemptuous view of Michael; Ahriman judges Michael to be stupid and foolish. Of course, this is in relation to himself: because Michael does not wish to appropriate intelligence for himself personally, but rather because Michael has sought—and continues to seek—through millennia, through eons, to administer Pan-Intelligence, and now, once again, by ensuring that human beings possess intelligence, he wishes to administer it as something shared by all humanity, as something that benefits all human beings as such in the form of general intelligence.

[ 28 ] Gewiß, wir würden recht tun als Menschen, wenn wir uns sagen würden: der Glaube, daß wir die Gescheitheit allein für uns haben können, der ist töricht. Denn wir können nicht gescheit nur für uns sein. Wenn wir jemandem etwas logisch beweisen wollen, so setzen wir doch gerade voraus, daß für ihn dieselbe Logik gilt, und für den dritten wieder dieselbe Logik. Wenn einer eine eigene Logik haben könnte, ja, dann könnten wir ihm ja nichts beweisen wollen nach unserer Logik. Es ist eben die Eigentümlichkeit dieses Michael-Zeitalters, daß das durchaus auch in das Fühlen gehen muß, was schließlich einzusehen ist.

[ 28 ] Certainly, we would be right, as human beings, to tell ourselves: the belief that we alone can possess wisdom is foolish. For we cannot be wise only for ourselves. If we want to prove something logically to someone, we assume that the same logic applies to them, and the same logic applies to a third person as well. If someone could have their own logic, then we certainly could not attempt to prove anything to them using our logic. It is precisely the peculiarity of this Michael Age that this must also extend to our feelings, which is ultimately something we must come to understand.

[ 29 ] Und so tobt eigentlich hinter den Kulissen des Daseins der Kampf des Ahriman gegen den Michaelismus. Und das ist, wie ich schon am letzten Montag sagte, etwas, was zur Aufgabe des Anthroposophen gehört: eine Empfindung dafür zu haben, daß dieses jetzt so ist, daß sozusagen der Kosmos in diesem Kampfe drinnensteht.

[ 29 ] And so, behind the scenes of existence, the struggle between Ahriman and Michaelism is actually raging. And that is, as I said last Monday, something that is part of the anthroposophist’s task: to have a sense that this is how things are now, that the cosmos, so to speak, is caught up in this struggle.

[ 30 ] Sehen Sie, Bedeutung gewann dieser Kampf, der im Kosmos schon war seit dem 8., 9. Jahrhundert, als nach und nach die kosmische Intelligenz dem Michael und seinen Scharen entsank, herunterkam unter die Erdenmenschen, aktuell wurde das erst, als die Bewußtseinsseele in jenem Zeitpunkte, auf den ich so oft hingedeutet habe, im Beginne des 15. Jahrhunderts, sich in der Menschheit zu entwickeln begann. Da sehen wir auch auf Erden in einzelnen Geistern, die dazumal eben auf der Erde lebten, etwas wie eine Spiegelung von dem, was in der großen übersinnlichen Lehrschule, von der ich letzten Montag gesprochen habe, stattfand; da sehen wir, daß etwas davon in den einzelnen Erdenmenschen sich spiegelte.

[ 30 ] You see, this struggle—which had already been taking place in the cosmos since the 8th, 9th centuries, when, little by little, the cosmic intelligence descended from Michael and his hosts down to the people of Earth, only became relevant when the consciousness soul—at that point in time to which I have so often alluded, at the beginning of the 15th century—began to develop within humanity. There we also see on Earth, in individual souls who lived on Earth at that time, something like a reflection of what took place in the great supersensible school of which I spoke last Monday; there we see that something of this was reflected in individual human beings on Earth.

[ 31 ] Wir haben ja in der letzten Zeit so vieles von himmlischen Spiegelungen in irdischen Schulen und Anstalten erörtert. Wir haben von der großen Schule von Chartres gesprochen, wir haben von anderen gesprochen. Aber auch für einzelne Menschen kann da gesprochen werden. Und da haben wir die merkwürdige Erscheinung, daß gerade da, wo die Bewußtseinsseele in der zivilisierten Menschheit sich zu entwickeln beginnt, da, wo das wahre Rosenkreuzertum diesen Aufgang, diesen Anfang des Impulses zur Bewußtseinsseele in die Hand zu nehmen hat, daß da in einen Geist dieses Zeitalters wie ein Blitz hineinschlug etwas von diesem überirdischen Impuls. Das war in Raimundus de Sabunda im 15. Jahrhundert. Und es ist fast wie ein irdischer Abglanz der großen übersinnlichen Michael-Lehre, die ich Ihnen nun charakterisiert habe, was da Raimundus de Sabunda lehrte im Beginne des 15. Jahrhunderts.

[ 31 ] We have, after all, discussed so much lately about heavenly reflections in earthly schools and institutions. We have spoken of the great school of Chartres; we have spoken of others. But we can also speak of individual human beings in this context. And here we have the remarkable phenomenon that precisely where the soul of consciousness begins to develop within civilized humanity—where true Rosicrucianism must take hold of this dawn, this beginning of the impulse toward the soul of consciousness—something of this supermundane impulse struck the spirit of that age like a bolt of lightning. This occurred in Raimundus de Sabunda in the 15th century. And what Raimundus de Sabunda taught at the beginning of the 15th century is almost like an earthly reflection of the great supersensible Michael teaching that I have now described to you.

[ 32 ] Er sagte: Die Menschen sind von dem Standpunkte, der ihnen ursprünglich von den zu ihnen gehörigen Göttern verliehen war, heruntergefallen. Wären sie auf diesem Standpunkte geblieben, sie hätten um sich alles das, was in den wunderbaren Kristallformen des Mineralreiches, was in dem ungeformten Mineralreiche lebt, was in den hundert- und tausendfältigen Formen des Pflanzlichen lebt, was in den Formen des Tierischen lebt, was sich regt und bewegt in Wasser, Luft, was sich regt und bewegt im Warmen und Irdischen, sie hätten all das so gesehen, wie es in seiner wahren Gestalt ist.

[ 32 ] He said: Human beings have fallen from the station originally bestowed upon them by the gods to whom they belong. Had they remained in that station, they would have seen all that surrounds them—what exists in the wondrous crystal forms of the mineral kingdom, what lives in the unformed mineral kingdom, what lives in the hundreds and thousands of forms of the plant kingdom, what lives in the forms of the animal kingdom, what stirs and moves in water and air, and what stirs and moves in the warm and earthly realms—they would have seen all of this as it truly is.

[ 33 ] Raimundus von Sabunda erinnerte daran, wie einstmals im Sephirotbaum, in den Aristotelischen Kategorien, in jenen allgemeinen Begriffen, die so sonderbar ausschauen für den, der sie nicht versteht, wie in alledem enthalten ist dasjenige, was durch die Intelligenz hinaufführen soll in die geistige Welt. Wie trocken, wie schrecklich trocken nimmt sich für die Menschen aus, was in den Aristotelischen Kategorien enthalten ist, wenn da in den Logiken gelernt wird: Sein, Verhalten, Tun, da, dort — zehn solche Kategorien, zehn solche allgemeinen Begriffe. Da sagen die Menschen: Das ist natürlich zum Davonlaufen, solche allgemeinen Begriffe zu lernen, ist zum Davonlaufen! Warum soll man sich denn für zehn solche allgemeine Begriffe: Sein, Haben, Werden und so weiter, warum soll man sich denn dafür echauffieren? — Das ist aber gerade so, wie wenn jemand sagen würde: Da ist der Goethesche «Faust», da machen die Leute ein Wesen aus dem Goetheschen «Faust»! Der besteht doch nur aus a, b, c, d, e, f bis z! Es ist nichts anderes drinnen in dem Buch, nur in verschiedenen Kombinationen, als a, b, c, d, e, f bis z. Und einer, der nicht lesen kann und den Goetheschen «Faust» in die Hand nimmt, der wird nicht darauf kommen, was für eine ungeheure Größe darinnen ist, sondern wird immer nur a, b, c, d, e, f bis z sehen. Einer, der nicht weiß, wie a, b, c, d zu kombinieren sind, der nicht weiß, wie sie gegeneinander sich verhalten, der kann den «Faust» eben nicht lesen.

[ 33 ] Raimundus of Sabunda recalled how, in the Tree of Sephirot, in the Aristotelian Categories, and in those general concepts that seem so strange to those who do not understand them, all of these contain that which is meant to lead us upward through the intellect into the spiritual world. How dry, how terribly dry what is contained in the Aristotelian Categories seems to people when they are taught in logic: Being, Behavior, Action, here, there—ten such categories, ten such general concepts. Then people say: That’s enough to make you run away—learning such general concepts is enough to make you run away! Why on earth should one get worked up over ten such general concepts: Being, Having, Becoming, and so on? — But that is just like someone saying: There’s Goethe’s Faust—people make a big deal out of Goethe’s Faust! It consists only of a, b, c, d, e, f through z! There’s nothing else in that book—just a, b, c, d, e, f through z in various combinations. And someone who can’t read and picks up Goethe’s Faust won’t realize what immense greatness lies within it, but will always see only a, b, c, d, e, f through z. Someone who doesn’t know how to combine a, b, c, and d—who doesn’t know how they relate to one another—simply cannot read Faust.

[ 34 ] Sehen Sie, so ist es auch in bezug auf das Lesen der Worte mit den Aristotelischen Kategorien; ihrer sind zehn: Sein, Quantität — Menge, Qualität — Eigenschaft, Relation, Raum, Zeit, Lage, Verhalten, Tun, Leiden — ihrer sind nicht so viele wie Buchstaben. Es sind die geistiger Buchstaben. Wer Sein, Verhalten, Tun und so weiter in der richtigen Weise zu handhaben weiß, so wie man die einzelnen Buchstaben zu handhaben weiß, damit sie den «Faust» ergeben, der ahnt noch etwas von dem, was Aristoteles über diese Dinge zum Beispiel in der Unterweisung des Alexander gesagt hat.

[ 34 ] You see, the same is true when it comes to reading the words of Aristotle’s Categories; there are ten of them: Being, Quantity—Amount, Quality—Property, Relation, Space, Time, Position, Behavior, Action, Suffering—there are not as many of them as there are letters. They are the spiritual letters. Whoever knows how to handle Being, Behavior, Action, and so on in the right way—just as one knows how to handle the individual letters so that they form “Faust”—can still sense something of what Aristotle said about these things, for example, in The Education of Alexander.

[ 35 ] Raimundus von Sabunda, er machte noch aufmerksam auf so etwas, er wußte noch von so etwas. Er sagte: Sieht man hin auf das, was zum Beispiel noch im Aristotelismus war, so ist es etwas, was geblieben ist von jenem alten Standpunkte, von dem die Menschen heruntergesunken sind im Beginne der menschlichen Erdenentwickelung. Daran haben sie sich noch im Anfang erinnert: das war das «Lesen im Buche der Natur». Aber die Menschen sind eben so tief heruntergefallen, daß sie nicht mehr in Wahrheit in dem «Buche der Natur» lesen können. Daher hat ihnen Gott, der sich ihrer erbarmte, die Bibel gegeben, oder das «Buch der Offenbarung», damit sie nicht ganz hinwegkommen von dem, was das Göttlich-Geistige ist.

[ 35 ] Raimundus of Sabunda drew attention to such things; he was still aware of them. He said: If one looks at what remained, for example, in Aristotelianism, it is something that has survived from that ancient standpoint from which humanity had fallen at the beginning of human development on Earth. They still remembered this in the beginning: that was ‘reading the Book of Nature.’ But human beings have fallen so far that they can no longer truly read the ‘Book of Nature.’ Therefore, God, who took pity on them, gave them the Bible—or the ‘Book of Revelation’—so that they might not stray entirely from what is divine and spiritual.

[ 36 ] Also Raimundus von Sabunda hat noch im 15. Jahrhundert gelehrt: Das «Buch der Offenbarung» ist da für den sündigen Menschen, weil der nicht versteht, in dem «Buche der Natur» zu lesen; aber er hat es so gelehrt, daß er schon gedacht hat: Die Menschen müssen wieder die Möglichkeit finden, in dem «Buche der Natur» zu lesen. Und das ist der Impuls des Michael: die Menschen, nachdem die von ihm verwaltete Intelligenz unter sie gekommen ist, wieder dazu zu bringen, das große Buch der Natur wiederum aufzuschlagen, in dem «Buche der Natur» zu lesen.

[ 36 ] Raimundus of Sabunda taught as late as the 15th century: The “Book of Revelation” exists for sinful human beings because they do not know how to read the “Book of Nature”; but he taught this in such a way that he had already conceived the idea: People must once again find the ability to read the “Book of Nature.” And this is Michael’s impulse: to lead people—now that the intelligence he administers has come among them—to open the great Book of Nature once more and to read the “Book of Nature.”

[ 37 ] Eigentlich sollte jeder, der in der anthroposophischen Bewegung ist, fühlen, daß er sein Karma nur verstehen kann, wenn er erst weiß: An ihn geht persönlich die Aufforderung, wiederum in dem «Buche der Natur» geistig zu lesen, die geistigen Hintergründe der Natur zu finden, nachdem Gott die Offenbarung für die Zwischenzeit gegeben hat.

[ 37 ] In fact, everyone in the anthroposophical movement should feel that they can only understand their karma once they know: The call is directed personally to them to once again read spiritually in the “Book of Nature” and to discover the spiritual background of nature, now that God has given revelation for the interim period.

[ 38 ] Nehmen Sie auf den Sinn, der enthalten ist in meinem Buche «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens». In diesem Buche werden Sie auf der letzten Seite sehen — nur eben in der Gestalt, wie ich es dazumal schreiben konnte und schreiben mußte —, daß es sich darum handelte, die anthroposophische Bewegung in dem Sinne zu führen, daß wiederum gelesen werden kann nicht nur in dem «Buche der Offenbarung», von dem ich sagte, daß noch Jakob Böhme darin gelesen hat, sondern auch in dem «Buche der Natur». Die stümperhaften, die ungenügenden, die oftmals schauderhaften Anfänge der neueren Naturwissenschaft, sie müssen umgewandelt, metamorphosiert werden durch eine spirituelle Weltanschauung in ein wirkliches Lesen in dem Buche der Natur. Auch ist, glaube ich, der Ausdruck vom «Buche der Natur» am Ende des Buches «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens» gebraucht. Vom Anfang an hatte die anthroposophische Bewegung dieses «Schibboleth». Vom Anfange an war das ein Appell an diejenigen Menschen, die nun hören sollten auf die Stimme ihres Karma, mehr oder weniger unterbewußt und dunkel vernehmen sollten den Ruf: Mein Karma wird etwas affiziert und ergriffen von dem, was als Michael-Botschaft da in die Welt tönt; ich habe durch mein Karma etwas damit zu tun.

[ 38 ] Please take to heart the meaning contained in my book Mysticism at the Dawn of Modern Spiritual Life. On the last page of this book, you will see—though only in the form in which I was able and had to write it at the time—that the aim was to guide the anthroposophical movement in such a way that people might once again be able to read not only the “Book of Revelation,” which, as I said, Jakob Böhme had already read, but also the “Book of Nature” . The amateurish, inadequate, and often appalling beginnings of modern natural science must be transformed, metamorphosed through a spiritual worldview into a true reading of the Book of Nature. I believe, too, that the expression “Book of Nature” is used at the end of the book Mysticism at the Dawn of Modern Spiritual Life. From the very beginning, the anthroposophical movement had this “shibboleth.” From the very beginning, it was an appeal to those people who were now to listen to the voice of their karma, who were to perceive, more or less subconsciously and obscurely, the call: My karma is being affected and stirred by what resounds into the world as the Michael Message; through my karma, I have something to do with it.

[ 39 ] Es sind ja schließlich Menschen, die dagewesen sind, die immer da sind, die da kamen, die immer wieder kommen und kommen werden, welche bereit sind, in einem gewissen Sinne hinwegzugehen von der Welt, sich zu sammeln in dem, was sich als Anthroposophische Gesellschaft zusammenfaßt. In welchem Sinne, mehr oder weniger, dieses Hinweggehen von der Welt aufzufassen ist, als wirklich, als formell und so weiter, das ist ja eine Sache für sich, aber eine Art Hinweggehen ist es für die einzelnen Seelen, eine Art Hingehen zu etwas, was anders ist als dasjenige, aus dem sie herausgewachsen sind. Die mannigfaltigsten karmischen Ergebnisse kommen ja an den einzelnen Menschen heran. Der eine erlebt das oder jenes dadurch, daß er sich aus Zusammenhängen herausreißen muß, daß er sich vereinigt mit denen, die die Michael-Botschaft pflegen wollen. Da sind solche, die diesen Anschluß an die Michael-Botschaft wie eine Art von Erlösung empfinden. Dann sind aber solche, die es empfinden, als ob sie in eine Lage versetzt sind wie etwa: Ich werde hingezogen zu Michael auf der einen Seite, zu dem Ahrimanismus auf der anderen Seite; ich kann nicht wählen, ich stecke durch das Leben darinnen! — Da sind solche, die ihr Mut herausreißt, die aber noch einen äußeren Zusammenhang haben. Da sind solche, die leicht den äußeren Zusammenhang finden; auch das ist möglich, und vielleicht sogar für den heutigen Zustand der Anthroposophischen Gesellschaft noch das Allerbeste. Aber immer stehen Menschen, die innerhalb der anthroposophischen Bewegung stehen, anderen gegenüber, die nicht darinnen stehen, auch solchen, mit denen sie von früheren Erdenleben her karmisch tief verbunden sind. Da sehen wir dann hinein in die merkwürdigsten karmischen Fäden.

[ 39 ] After all, there are people who have been there, who are always there, who came there, who keep coming back and will continue to come, who are willing, in a certain sense, to turn away from the world and gather within what is known as the Anthroposophical Society. In what sense—to a greater or lesser extent—this “turning away” from the world is to be understood—as real, as formal, and so on—is a matter in itself, but for the individual souls it is a kind of turning away, a kind of moving toward something that is different from that from which they have outgrown. The most diverse karmic consequences do, after all, come to bear on the individual human being. One person experiences this or that by having to tear oneself away from certain connections, by uniting with those who wish to uphold the Michael Message. There are those who experience this connection to the Michael Message as a kind of salvation. But then there are those who feel as if they have been placed in a situation such as: I am drawn to Michael on the one hand, to Ahrimanism on the other; I cannot choose—I am caught up in this through my life! — There are those who summon their courage but still have an external connection. There are those who easily find that external connection; that, too, is possible, and perhaps even the very best thing for the current state of the Anthroposophical Society. But people within the anthroposophical movement are always confronted with others who are not part of it, including those with whom they are deeply connected karmically from previous earthly lives. There we gain insight into the most remarkable karmic threads.

[ 40 ] Verstehen können wir diese merkwürdigen karmischen Fäden nur, wenn wir uns erinnern werden an diese Voraussetzungen, die wir jetzt durchgesprochen haben, wo wir wirklich gesehen haben, wie die Seelen, die heute aus dem Unbewußten heraus den Drang empfinden hin zur anthroposophischen Bewegung, etwas miteinander durchgemacht haben in früheren Erdenleben, Dinge durchgemacht haben, indem sie zum größten Teile zu den Scharen gehörten, die die Michael-Botschaft im Übersinnlichen im 15., 16., 17. Jahrhundert gehört haben, die dann im Beginne des 19. Jahrhunderts den mächtigen imaginativen Kultus durchgemacht haben, von dem ich hier gesprochen habe. Wir sehen einen mächtigen kosmisch-tellurischen Ruf an die karmischen Zusammenhänge der Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft herangehen. Wir haben ja letzten Montag gehört, wie der sich über das ganze 20. Jahrhundert erstrecken wird, und wie die Kulmination eintreten wird am Ende des 20. Jahrhunderts.

[ 40 ] We can only understand these strange karmic threads if we recall the premises we have just discussed, in which we have truly seen how the souls who today feel, from within the unconscious, an urge toward the anthroposophical movement, have gone through certain experiences together in earlier earthly lives—experiences in which they, for the most part, belonged to the multitudes who heard the Michael message in the supersensible realm during the 15th, 16th, and 17th centuries, and who then, at the beginning of the 19th century, underwent the powerful imaginative cult of which I have spoken here. We see a powerful cosmic-terrestrial call approaching the karmic connections of the members of the Anthroposophical Society. We heard last Monday, after all, how this call will extend throughout the entire 20th century, and how the culmination will occur at the end of the 20th century.

[ 41 ] Davon, meine lieben Freunde, möchte ich dann am nächsten Sonntag sprechen.

[ 41 ] That, my dear friends, is what I would like to talk about next Sunday.