Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Nachträge zur Abteilung Mitgliedervorträge
GA 246

19 März 1906, Berlin

4. Autorität und Überzeugung

[ 1 ] Vorwurf: In der Theosophischen Gesellschaft würde dem Autoritätsglauben gehuldigt, Glaube an große Autoritäten. Wer noch keine hellseherischen Eigenschaften habe, müsse den andern glauben. Wie stellt man sich überhaupt zu dem, was die Theosophische Gesellschaft will?

[ 2 ] Auch in Bezug auf diese Dinge hat die Menschheit eine lange Entwicklung (durchgemacht). Die Wahrheit ist ebenfalls einem Entwicklungsgang unterworfen, die Menschheit hat ihre Ansichten darüber geändert.

[ 3 ] Wir wollen den Blick schweifen lassen von den Gefilden Indiens bis jetzt. Wir müssen uns klar sein, dass auch damals schon in unseren Gegenden Mystik vorhanden war; zwar von der indischen sehr verschieden. In der Vorzeit Europas (lebten) hier Menschen, die geistiges Anschauen der Dinge hatten, astrales Anschauen der Dinge. Was ist das?

[ 4 ] Am Träumen klargemacht: [Der Traum] bringt sinnbildlich die Umgebung zur Anschauung. Wenn heute sich der Mensch dem Schlaf überlässt, versinkt die Helle, die Welt unserer Sinne in Dunkelheit; [dann ist die] Seele wie in finsterem Abgrund. Sie lebt selbstverständlich - sie ist in der astralen Welt -, sie kann nur da nicht wahrnehmen, weil sie keine Sinne dazu hat.

[ 5 ] Zwar auch die Germanen hatten keine Organe, aber höhere Wesen liehen ihnen ihre Sinnesorgane. Das heutige menschliche Auge wird sich selbstständig machen. Der Mensch sieht durch sein Auge, nicht das Auge sieht. Könnte der Mensch sein Auge mit einem Ich versehen, so (würde es) selbstständig. [Der] Zwischenzustand zwischen der Fähigkeit, dem Ich das sehen zu vermitteln, und dem selbstständigen sehen wäre ein Versinken in die Dunkelheit. Durch diesen Zustand ist die Menschheit durchgegangen.

[ 6 ] So war es bei unseren Vorfahren, die Götter sahen durch die Menschen. Nun haben die Götter an die Menschen das astrale sehen abgegeben, dafür Zustand der Dunkelheit. Dies ist wundervoll dargestellt in der Sage von Baldur, der hinabgestoßen wird in die Dunkelheit. In den Göttersagen Abbild des astralen Schauens. Eingeweihte haben dieses astrale Schauen geleitet.

[ 7 ] Während unsere Vorfahren noch dieses astrale Schauen hatten, breitete sich unsere Kultur aus. Das Christentum flutete darüber hin. - Alle, die Europa bewohnten, hatten damals natürliches Schauen. Besonders im ungebildeten Volke viele Anklänge; der Gelehrte weiß nicht, auf welchem tiefen Grunde sie ruhen.

[ 8 ] Dann kam die Zeit, wo dieses astrale Schauen ganz verhüllt wurde. (Der Mensch) eroberte sich sein Verstandes-Schauen, sein Alltagsbewusstsein.

[ 9 ] Gehen wir weiter zurück, so (kommen wir zu) Zeiten, wo alles vor der Menschheit offen dalag. Jetzt verhüllt, muss künstlich hervorgeholt werden durch okkulte Schulung. In jener Zeit, als nicht der Ozean zwischen Amerika und Europa flutete, sondern ein großer Kontinent lag mit jenen Menschen mit der hervorragenden Stirn, wenig entwickeltem Verstande, aber astralem Schauen - wir nennen diese Rasse die vierte, wir sind die fünfte. Wir nennen dies: Schauen im Astrallichte. Dies ist der fünften Wurzelrasse verloren gegangen und nur durch Yoga oder okkulte Schulung zu erreichen.

[ 10 ] Die erste Art, wie der Mensch dies künstlich herausentwickelt hat: indische (Kultur) /Lücke in der Mitschrift] sind von der Atlantis herübergekommen; da: Nebel, Niflheim, noch kein Regenbogen. Jahrzehntausende gedauert, wie der Atlantische Ozean darüberflutete. Verteilung von Wasser und Land. Regen und so weiter in der fünften Wurzelrasse anders. Dass Noah den ersten Regenbogen gesehen hat, ist eine kosmologische Tatsache. Innerhalb der alten Nebelmasse beleuchtete der Mensch durch sein eigenes astrales Licht (die Gegenstände und sah sie). Durch Anpassung an diese äußere Außenwelt entstand, was wir den Verstand nennen.

[ 11 ] Diejenigen, die damals von Osten nach Westen (von Westen nach Osten) zogen unter der Führung von Manu, begründeten in Asien ein großes Reich.

[ 12 ] Mensch von heute:

1. physischer Leib,
2. Ätherleib, Lebensprinzip, davon abgetrennt
3. Empfindungsleib, Träger der
4. Empfindungsseele, steckt im Empfindungsleib wie das Schwert in der Scheide,
5. Verstandesseele, wo künstlerisches Schaffen, besonders bei den Griechen, höher,
6. Bewusstseinsseele, darin Kraft des
7. Manas, des Ich,
8. Buddhi, bei den meisten nur als Anlage,
9. Atma, Wesenskern, auch nur in Anlage; eigentlich nur 9 reduziert auf 7, da 3 und 4 eins, und 6 und 7.

[ 13 ] Dies (gilt) vorzugsweise für den Menschen der fünften Wurzelrasse. Atlantier: andere Einteilung. Nach und nach haben sich die Glieder herausgebildet und -gewunden. Bei den Indern noch alles im Ätherleib enthalten, konnte bei ihnen die höchsten Kräfte entwickeln durch Sonnengeflecht im Unterleib. In Vorderasien Empfindungsleib besonders ausgebildet. Bei den Ägyptern, Juden, Babyloniern, Assyrern war besonders die Empfindungsseeele ausgebildet; dann bei den Griechen und Römern die Verstandesseele; und bei uns in der fünften Rasse die Bewusstseinsseele, die auf sich gebaute Persönlichkeit. Die sechste [Wurzelrasse] wird das Geistselbst in sich aufnehmen; in einer siebten wird sie die Buddhi aufnehmen und so weiter.

[ 14 ] Erstens: Schon als Embryo gestaltet sich die Seele ihren Leib. Der Ätherleib ist derjenige Leib, der das Sonnengeflecht ausbildet. Die alte indische Rasse sollte daher ihre okkulte Schulung [Lücke in der Mitschrift] durch Pflege des Unterleibes, des Sonnengeflechtes. Durch das somnambule Bewusstsein Kontrolle der Gedanken nicht da. Das ist der Grundgedanke der alten indischen Kultur: ein durch Yoga-Schulung herausgebrachtes Schauen des Sonnengeflechtes. Es beginnt daher unsere Kultur mit der nicht kontrollierbaren Autorität. Die Yogis saßen zu den Füßen der Rishis. Heute in der Rasse Untergangsstimmung; sie steht in der Abendröte ihrer Kultur.

[ 15 ] Zweitens: Vorderasiatische Kultur, die den Empfindungsleib ausgebildet hat. Der Mensch empfindet den Antrieb, die Welt umzugestalten. Zwei Mächte: Eine ideale und die [entgegenstrebende Macht] - Ormuzd und Ahriman. Jetzt geht [der Menschenseele] zum ersten Mal das Göttliche auf im Physischen. Der Inder sehnte sich nach dem astralischen Schauen; jetzt, bei dem ackerbauenden Volke: anders. Daraus entstand Licht- und Feuerdienst. In der Sonne, im Feuer lebt ein Gott.

[ 16 ] Drittens: Die Kultur auf die unmittelbare Wahrheit gebaut. Empfindungsseele ausgebildet, brachte Ordnung hinein, schaut hinaus in den Sternenraum und nimmt die Götter wahr. Seele war S/Lücke in der Mitschrift] und unterschied [Lücke in der Mitschrift] erblickte in den verschiedenen Planeten Werke der Götter - daraus Sternendienst. In Persien Magier-Lehre. Empfindungsleib = feiner Äther, wirkt als Naturkraft, entwickelt magische Kräfte. Dann Sprache studiert; Kunst der Prophezeiung; Yoga drückt sich aus im Prophetentum.

[ 17 ] Viertens: Dann (geht) die Kultur weiter auf die äußeren Teile über. Bei den Griechen Phantasie, Kunst, Formkunst, wie sie die Seele einprägt (in den Stoff). Entzücken Goethes, als er sah, was [Lücke in der Mitschrift] Und nun in der griechischen Seele auch Wissenschaft zum ersten Mal entwickelt. 600 Jahre vor Christus Thales.

[ 18 ] Vorher noch etwas anderes, was sich vorbereitet hat in einem kleinen Ausschnitt. Im alten Judentum wird das, was so lange im ganzen Kosmos gelegen [hatte], auf ein Volk angewendet. So wurde vorbereitet, was das Göttliche ganz ins Innere verlegte. Die Welle, die von dieser Kultur ausging, befruchtete nun die sich im Norden selbstständig entwickelnde Kultur.

[ 19 ] Fünfte Rasse: Das Geistige hatte seine Gestalt verloren, also das Materielle ausgebildet. Wollten nur an Realitäten glauben. Damit der tiefe Riss zwischen Wissenschaft und Glaube. Wissenschaft, die immer mehr realistisch wird. Bei den alten Indern Sonnengeflecht ausgebildet, bei den Persern das Magische und so weiter, dann nur die Religion des bloßen Glaubens, die (die) Wissenschaft sich nur auf die Materie beschränken lässt. So heute: Die Persönlichkeit fand das Göttliche in sich selbst; sie muss aufnehmen das Geistige. Wir haben jetzt das Vorherrschen der Bewusstseinsseele, des Urteils, der Kritik.

[ 20 ] Die Zukunft besteht darin, dass die Persönlichkeit wieder den Geist aufnimmt. Auf Autorität und Unterweisung war die alte Kultur gebaut, auf Bruderschaft die heutige; erzwungenes Wissen war die alte, freies Wissen ist die heutige. Aus dem Glauben wird sich Verehrung für den Menschen entwickeln. Gewinnen wir Liebe für die Individualität des Menschen, werden wir den andern, der schneller vorwärts eilt - oder der zurückbleibt -, als Bruder ansehen, weil derselbe göttliche Geist in ihm lebt. Anstelle der alten keine neue Autorität, sondern Liebe zu den Meistern, völlige Freiheit. Sie sagen uns nicht das «Was», sondern das «Wie», wie sie es gemacht haben, wie auch wir es machen sollen. Der Meister ist kein Dogmatiker, sondern ein Ratgeber. Die theosophische Lehre ist eine Erziehung zur Freiheit. Wir erkennen den Gott in dem sich entwickelnden Menschen, in dem Menschenbruder; und der höchste ist der Meister. Die Theosophie ist das Freieste, das Dogmen-Loseste, das es geben kann. Kein Zwang, aber eine künftige Führung in der Liebe und Freiheit, weil die Liebe eine Pflanze ist, die in Freiheit gedeiht.

[ 21 ] Der heutige Mensch besteht aus:

1. physischem Leib

2. Ätherleib = Lebensprinzip (bei den Indern ausgebildet) davon abgetrennt
3. Empfindungsleib darin &
4. Empfindungsseele => eins wie Schwert in Scheide (bei Assyrern, Babyloniern, Ägyptern)
5. Verstandesseele (bei Griechen, Römern)
6. Bewusstseinsseele (bei uns)
7. Manas - Ich
8. Buddhi
9. Atma