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The Rudolf Steiner Archive

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Nachträge zur Abteilung Mitgliedervorträge
GA 246

May 1909, Oslo

20. Über Novalis

[ 1 ] [Im] letzten Drittel [des] achtzehnten Jahrhunderts [war das] Kolorit des Geisteslebens sehr verschieden im Norden und Süden Deutschlands. Einerseits die Wolff’sche Philosophie, der trotz ihrer Verdienste der Geist der Theosophie gefehlt.

[ 2 ] Hamann (Freund von Herder ), der geschrieben [Lücke in der Mitschrift]

[ 3 ] Herder selber ahnte von den Metamorphosen der spirituellen Wahrheit. Herder hat in sein Buch über die hebräische Urkunde (?) [Lücke in der Mitschrift]

[ 4 ] Schöpfung der Welt empfinden aufs Neue in jedem Sonnenaufgang. Scharf stand seine Spiritualität [im Gegensatz] mit dem verkörperten Rationalismus und besonders zu Kant.

[ 5 ] Nachklänge der Philosophie Jakob Böhmes gab es in vielen Kreisen und Schulen, woraus manches strömte, worin sich hereinergoss die Rosenkreuzer-Weisheit, siehe zum Beispiel Lessings «Erziehung des Menschgeschlechts»: «Ist nicht die ganze Ewigkeit mein®, rief er aus als Testament. - So in Norddeutschland.

[ 6 ] In Süddeutschland ganz anders, namentlich in Württemberg. Die tief inspirierte Persönlichkeit Bengel (durch höhere Individuen inspiriert), er wurde spiritueller Lehrer des Christoph Oetinger. Philosophia sacra nannten sie ihre Theosophie.

[ 7 ] 1772 - nicht jeder hätte verstehen können seine Schriften, aber viel spirituelles Leben war darin ausgeströmt.

[ 8 ] «Über Harmonie der Töne» hat dann Fricker geschrieben. Swedenborg wurde auch von Fricker inspiriert.

[ 9 ] Novalis [wurde] in diesem Milieu geboren, wo beide Strömungen zusammenflossen. In Franken geboren. Schelling- und Hegelwarenauch Süddeutsche. In Tübingen gab es einen Stift: Zentrum, wo in Philosophie gegossen [wurde], was im Süden als spirituelle Weisheit strömte.

[ 10 ] Da lebten auch Hölderlin und Oetinger. Theosophie lebte in den Gesprächen dieser Männer.

[ 11 ] In Mitteldeutschland war Markus Völker (Zentrallicht der aus sich heraus alles wusste), wies alles von sich, was logische Verbindung war, weil Hellseher.

[ 12 ] Zwölf Jahre vor Oetingers Tode wurde Novalis geboren. Sein Leben: Erinnerung an frühere Leben. Damals in Jena Gassen erfüllt von philosophischen Unterhaltungen. Fichte hatte recht zu sagen: Was man als ein Philosoph ist, das hängt davon ab, was man für eine Persönlichkeit ist. [Fichte hatte] Verständnis für Symbolik: Zwei Kerzen, Licht vor Vortrag löschte er aus. Weihevolle Stimmung ging von ihm und Schiller auf Novalis aus.

[ 13 ] In Leipzig lernte er kennen Schlegel.

[ 14 ] Gnosis, Mathesis genannt, weil sie so sicher auf Grundlage sich stütze wie Mathematik. Diese Mathematik wurde für Novalis ein großes Gedicht. Er konnte die Linien füllen mit spirituellem Leben und Liebe; wie ein großes göttliches Weltengedicht von Zahlen und Formen.

[ 15 ] Novalis meint: Schlafen ist Seelenverdauen. Wachen: Seelengenuss.

[ 16 ] Geognosie: Heute etwas Abstraktes, wie das Knochensystem der Erde. Wie der Mensch die Knochen nicht versteht, ohne ihren Zusammenhang mit dem ganzen Menschen. Novalis nennt Goethe deshalb einen Anthropognosten.

[ 17 ] Wenn unsere Seele elastisch genug [wäre, dann] würde Mensch sich immer in geistiger Welt fühlen. Weiser Unterschied zwischen alter und neuer Initiation.

[ 18 ] Erstens: Physischer Leib geschwächt. Zweitens: Geist gestärkt. Askesce — Charakteristikum der alten und neuen Einweihung.