Rudolf Steiner in the Waldorf School
GA 298
20 June 1922, Stuttgart
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Rudolf Steiner in the Waldorf School, tr. SOL
14. Ansprache an der zweiten ordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins «Freie Waldorfschule»
14. Speech at the Second Regular General Meeting of the “Freie Waldorfschule” Association
[ 1 ] Nach den geschäftlichen Verhandlungen ergreift Rudolf Steiner das Wort:
[ 1 ] After the business negotiations, Rudolf Steiner takes the floor:
[ 2 ] Im ganzen darf ausgesprochen werden, daß manches, was aus unseren Zielen hervorgegangen ist, doch eigentlich eine Einzelerscheinung ist innerhalb eines großen Tatsachenkomplexes. Da gestatten Sie mir, daß ich selbst einiges bemerke und namentlich über das, was als Erfahrung vorliegt seit der Zeit, seit wir die Waldorfschule begründet haben.
[ 2 ] All in all, it can be said that some of what has emerged from our goals is, in fact, merely an isolated phenomenon within a vast complex of realities. Allow me, then, to make a few observations of my own, particularly regarding the experiences we have had since the time we founded the Waldorf School.
[ 3 ] Wir haben ja die Waldorfschule begründet als einen Teil der Auswirkung, welche hervorgehen sollte aus der Geistesbewegung, die mehr als zwei Jahrzehnte alt ist. Ohne diese Geistesbewegung ist auch die Waldorfschule nicht zu denken. Im besonderen ging der Plan zur Begründung der Waldorfschule von unserem lieben Freunde Emil Molt aus in der Zeit, in der für die großen Menschheitsfragen aus der Not der Zeit heraus ein gewisses Interesse vorhanden war. Man darf sagen, als wir, rechnend auf dieses Interesse, im Jahr 1919 damit begonnen haben, in den verschiedensten Richtungen in die Gebiete des öffentlichen Lebens von anthroposphischen Gesichtspunkten aus wirken zu wollen, wir dürfen sagen, daß seit jener Zeit wirklich recht reichliche Erfahrungen gemacht werden konnten nach einer bestimmten Richtung hin.
[ 3 ] We founded the Waldorf School as part of the impact that was to emerge from the spiritual movement, which is more than two decades old. Without this spiritual movement, the Waldorf School would be inconceivable. In particular, the plan to establish the Waldorf School originated with our dear friend Emil Molt at a time when, out of the distress of the era, there was a certain interest in the great questions of humanity. It is fair to say that when, counting on this interest, we began in 1919 to work in various directions within the spheres of public life from an anthroposophical perspective, we can say that since that time we have indeed been able to gain quite a wealth of experience in a specific direction.
[ 4 ] Zunächst traf man auf ein bestimmtes Interesse, das versprach, weitere Kreise zu umfassen. Es war ein großes Interesse unter der Menschheit 1919, nach dieser oder jener Richtung so zu wirken, daß an die Stelle der Niedergangskräfte Aufgangskräfte treten könnten. Man sieht auch heute noch, daß nicht bloß in Mitteleuropa, sondern in der ganzen Welt für die Erziehungsfragen das allgemeinste Interesse vorhanden ist. Es ist doch eine auffällige Tatsache, daß in diesem Jahr das Shakespeare-Geburtstagsfest in Stratford eigentlich im Zeichen von Erziehungsfragen abgehalten worden ist. Sie wissen, ich habe damals bei diesem Fest selbst Vorträge zu halten gehabt, und die Veranstaltung stand durchaus im Zeichen der Erziehungsfragen; es war ja auch ein Komitee für die neuen Erziehungsideale, welches diese Veranstaltung besorgte. Im Sommer werden wir wieder Gelegenheit haben, in Oxford eine Veranstaltung zu haben, und von zwölf Vorträgen werden neun im engeren Sinne die Erziehungsfragen behandeln. Das zeigt, daß immerhin für die Erziehungsfragen heute ein Interesse vorhanden ist.
[ 4 ] At first, there was a certain interest that promised to spread to wider circles. In 1919, there was great interest among people in working in one direction or another so that forces of renewal could take the place of forces of decline. Even today, one can still see that there is widespread interest in educational issues, not only in Central Europe but throughout the world. It is, after all, a striking fact that this year’s Shakespeare birthday celebration in Stratford was actually held under the banner of educational issues. As you know, I myself gave lectures at that celebration, and the event was entirely focused on educational issues; after all, it was a committee for new educational ideals that organized the event. This summer we will again have the opportunity to hold an event in Oxford, and of the twelve lectures, nine will deal specifically with educational issues. This shows that there is, after all, an interest in educational issues today.
[ 5 ] Dieses Interesse findet man auch sonst überall. Man findet heute schon durchaus, daß im weitesten Kreise die Erziehungsfragen für die allerwichtigsten Fragen gehalten werden. Man findet zahlreiche Menschen, welche den richtigen Glauben haben, daß alles Reden über soziale Fragen doch keinen rechten Boden hat, wenn nicht von Erziehungsfragen ausgegangen wird. Man ist sich klar geworden, daß das Chaos, in welches die Menschheit hineingeraten ist und immer weiter hineingeraten wird, daß dieses Chaos im wesentlichen herbeigeführt worden ist dadurch, daß man auch auf die geistigen Fragen der Menschheitsentwikkelung nicht den rechten Wert gelegt hat.
[ 5 ] This interest can be found everywhere else as well. It is already quite evident today that, in the broadest sense, questions of education are considered to be the most important issues. There are numerous people who hold the correct belief that all discussion of social issues lacks a solid foundation unless it begins with questions of education. It has become clear that the chaos into which humanity has fallen—and continues to fall—has essentially been brought about by the failure to attach the proper importance to the spiritual aspects of human development.
[ 6 ] Das Interesse ist aber, wenn ich es so ausdrücken möchte, ein Gedankeninteresse. Die Art und Weise, wie dieses Interesse sich darlebt, zeigt so recht, daß es sich um eine Art Gedankeninteresse handelt. Man veranstaltet - wie man auch sonst heute Kongresse veranstaltet -, man veranstaltet auch Erziehungskongresse. Man kommt zusammen und redet über Erziehungsfragen, und es ist nicht zu leugnen, daß bei solchen Versammlungen außerordentlich gescheite Dinge geredet werden. Es wird heute mit außerordentlicher Gescheitheit geredet. Gescheit ist ein großer Teil der Menschheit, und dann liegt auch das vor, daß unter den ganz gescheiten Menschen der größte Teil sich heute selbst gerne reden hört. Dadurch sind die denkbar besten Vorbedingungen geschaffen, um Kongresse abzuhalten, um da zu beraten, wie man die Wege finden kann aus den chaotischen Zuständen.
[ 6 ] But this interest is, if I may put it that way, an intellectual interest. The way this interest manifests itself clearly shows that it is a kind of intellectual interest. People organize—just as they organize other kinds of conferences today—they also organize education conferences. They come together and discuss educational issues, and there is no denying that extraordinarily intelligent things are said at such gatherings. People speak with extraordinary intelligence today. A large part of humanity is intelligent, and on top of that, the fact remains that among the truly intelligent people, the majority today enjoy hearing themselves speak. This creates the best possible conditions for holding conferences and discussing how to find a way out of these chaotic circumstances.
[ 7 ] Wenn es von solchen Kongressen abhängen würde, würden wir auf dem besten Wege sein. Das, meine verehrten Anwesenden, sollten wir doch sehr in acht nehmen. Ich habe es öfter ausgesprochen, ich bin überzeugt davon, wenn heute sich zwölf oder eine andere Zahl von Menschen zusammenfindet, die ein Programm aufzustellen sich vornimmt, wie man in der besten Weise Kinder erziehen soll, so wird das Allergescheiteste zustande kommen. Ich meine es im vollen Ernst. Programmpunkte, die in der schönsten Weise dasjenige aufstellen, was die besten pädagogischen Grundsätze sind für die Behandlung des Kindes und so weiter, in dieser Richtung gibt es heute eine ausgezeichnete Literatur. Literatur reden die Leute auf den Kongressen. Es kommt darauf an, daß die Arbeit, die zu leisten ist, aus dem vollen Leben geleistet wird. Man hat es niemals mit dem wirklichen Leben zu tun, wenn man Programme aufstellt. Man hat es im wirklichen Leben mit einer Anzahl von Schülern zu tun und mit einer Anzahl von Lehrern. Mit Menschen hat man es zu tun. Diese Menschen werden das leisten, was zu leisten ist, was sie leisten können.
[ 7 ] If it were up to such conferences, we would be well on our way. That, ladies and gentlemen, is something we should really bear in mind. I have said this many times before, and I am convinced that if twelve or any other number of people were to come together today with the intention of drawing up a program on the best way to educate children, the wisest possible outcome would result. I mean this in all seriousness. Program items that beautifully set forth the best pedagogical principles for dealing with children and so on—there is excellent literature on this subject today. People at these conferences talk about literature. What matters is that the work to be done be drawn from real life. When you draw up programs, you are never dealing with real life. In real life, you are dealing with a number of students and a number of teachers. You are dealing with people. These people will accomplish what needs to be accomplished—what they are capable of accomplishing.
[ 8 ] Dazu aber, daß dies, was geleistet werden kann, geleistet wird, dazu kommt es darauf an, daß man die Hände frei hat, um aus dem Menschlichen heraus zu wirken. Da kommen wir dazu, daß es wirklich heute viel weniger darauf ankommt, daß Gedankeninteresse vorhanden ist für die großen Fragen des Daseins, sondern daß der Wille dazu vorhanden sei, wirklich die Bedingungen herbeizuführen, unter denen ein solches Erziehungswesen möglich ist. Da liegt das Merkwürdige vor, währenddem wirklich das weitgehendste Interesse vorhanden ist im Gedanken, in der Empfindung, daß das oder jenes sein müßte -, es liegt das Merkwürdige vor, daß zu diesem Gedankeninteresse kein wirkliches Willensinteresse dazukommt. Sehen Sie, daß dieses Willensinteresse nicht dazukommt, das ist der Grund, warum ich sagte, dasjenige, was auf unseren Kongressen verhandelt wird, ist eigentlich Literatur, ist nicht dasjenige, was sich in die Tat umsetzt.
[ 8 ] However, in order for what can be accomplished to actually be accomplished, it is essential to have one’s hands free to act from within the human realm. This brings us to the point that what really matters today is not so much that there is intellectual interest in the great questions of existence, but rather that there is the will to actually bring about the conditions under which such an educational system is possible. Herein lies the curious thing: while there is indeed the widest possible interest in thought—in the feeling that this or that ought to be—it is curious that this intellectual interest is not accompanied by a genuine interest of the will. You see, the fact that this interest of the will is missing is the reason why I said that what is discussed at our congresses is actually literature; it is not what is put into practice.
[ 9 ] Eine der wichtigsten Tatsachen in bezug auf dasjenige, wovon auch diese Waldorfschule ausgegangen ist, ist die, daß wir in der Lage waren, die anthroposophische Bewegung zu einer verhältnismäßig sehr großen zu machen. Die anthroposophische Bewegung ist eine große geworden. Das zeigt sich darinnen, daß schwer geschriebene Bücher höchste Auflagenzahlen sich erringen. Überall springt das Interesse hervor, das das Gedankeninteresse ist, das sogar insoweit über das Gedankeninteresse hinausgeht, daß sich diejenigen Menschen finden in der anthroposophischen Bewegung, die auch ein Empfindungs- und Herzensinteresse haben. In all unseren gegenwärtigen Bewegungen finden sich Menschen zusammen, die unter Umständen ein bloßes Gedankeninteresse haben, das bei denjenigen, die etwas rührig sind, in ein Redeinteresse übergeht. In der anthroposophischen Bewegung sind diejenigen Menschen versammelt, welche intensives menschliches Bedürfnis haben, die für ihre Seele etwas notwendig haben, die weiterkommen möchten in bezug auf den Gehalt der menschlichen Wesenheit. So ist es, wenn man das mehr theoretische, das Erkenntnisinteresse, Empfindungsinteresse, wenn man das mehr theoretisch betrachtet. Es gibt heute sehr viele Menschen, die sagen sich: Da gibt es etwas, wo man sich seine geistigen Interessen befriedigen kann. - So ist es heute. Ich hoffe, es hat alle Garantien des Wachstums in sich, trotz der skandalösen Gegnerschaft.
[ 9 ] One of the most important facts regarding the principles on which this Waldorf school was also founded is that we were able to grow the anthroposophical movement into a relatively large one. The anthroposophical movement has become a large one. This is evident in the fact that books that are difficult to read achieve the highest print runs. Everywhere, interest springs forth—an intellectual interest that even goes beyond mere intellectual curiosity to the extent that the anthroposophical movement attracts people who also have an emotional and heartfelt interest. In all our current movements, people come together who, under certain circumstances, have a purely intellectual interest, which, among those who are somewhat active, turns into an interest in discussion. The anthroposophical movement brings together those who have an intense human need, who require something for their souls, who wish to make progress with regard to the essence of the human being. This is how it is when one considers the more theoretical—the interest in knowledge and the interest in feeling—from a more theoretical perspective. There are many people today who say to themselves: “There is something here where one can satisfy one’s spiritual interests.”—That is how it is today. I hope it holds within it all the guarantees of growth, despite the scandalous opposition.
[ 10 ] Dasjenige, was uns fehlt, das sind Menschen, die nicht bloß Interesse haben, daß die anthroposophische Bewegung so groß als möglich sei, daß sie so viel als möglich geistigen Inhalt hervorbringt, sondern Menschen, die ein Interesse daran haben, daß diese anthroposophische Bewegung auch gemacht wird, die Mitarbeiter sind am Zustandekommen der anthroposophischen Bewegung. Die sind außerordentlich wenig. Wir haben sehr viel hörende Menschen, Menschen, welche für sich etwas haben wollen, aber wir haben außerordentlich wenig Menschen, die im vollen Sinne des Wortes Mitarbeiter sind.
[ 10 ] What we lack are people who are not merely interested in ensuring that the anthroposophical movement is as large as possible and that it produces as much spiritual content as possible, but rather people who are interested in making this anthroposophical movement a reality—people who are actively involved in bringing about the anthroposophical movement. There are very few of them. We have a great many people who are just listeners—people who want something for themselves—but we have very few people who are collaborators in the full sense of the word.
[ 11 ] Sehen Sie, als unser Wiener Kongreß veranstaltet worden ist, der ja nicht in einem solchen Sinne ein Kongreßß war wie andere Kongresse unsere Kongresse gehen davon aus, daß sich Menschen versammeln, die etwas entgegenehmen können, was sie nach Hause tragen sollen, während die anderen solche sind, daß ein jeder, was er zuhause hat, abladen will -, als dieser Kongreß veranstaltet worden ist, da handelte es sich darum, daß Arbeiter da sein mußten, die ihn vorbereiteten und ihn zustande brachten, daß Redner da sein mußten. Da ist es immer wieder eine kleine Anzahl von Freunden, die sich tatächlich ihre Beine fast auslaufen müssen, die sich ihre Finger wund schreiben müssen, die ihr Portemonnaie ausleeren müssen. Dann ist es eine kleine Anzahl von Freunden, es sind die Waldorflehrer und eine andere kleine Anzahl, die unter diesen Mitwirkungen sich fast alle Monate einmal gründlich überarbeiten, die eigentlich immer furchtbar überarbeitet sind.
[ 11 ] You see, when our Congress of Vienna was held—which, of course, was not a “congress” in the same sense as other congresses; our congresses are based on the premise that people gather to receive something they are to take home with them, whereas others are such that everyone wants to unload what they have at home—when this congress was held, the reality was that workers had to be there to prepare it and bring it to fruition, and that speakers had to be there. Time and again, it is a small number of friends who actually have to wear themselves out, who have to write until their fingers are sore, who have to empty their wallets. Then there is a small number of friends—the Waldorf teachers and a few others—who, through these contributions, thoroughly overwork themselves almost once a month and are, in fact, always terribly overworked.
[ 12 ] Aber wenn dann ein solcher Kongreß zu Ende gegangen ist, dann ist wiederum ein Stück Erfahrung nach der Richtung gemacht - auch wenn die Sache so erfolgreich war, wie es der Kongreß in Wien ist -, dann tritt doch das ein, daß man sagen muß: Ja, alle Bedingungen sind geschaffen, um so etwas, wie etwa auch unser Waldorfschulwesen weiter auszubreiten. Aber die Bedingungen sind so geschaffen, daß für die geringe Anzahl der mitarbeitenden Persönlichkeiten die Sache über den Kopf wächst. Immer wieder muß Ausschau gehalten werden, wo man neue Mitarbeiter finden kann. Ich möchte da - vielleicht werden nicht alle übereinstimmen -, ich möchte da meine Erfahrung ganz offen aussprechen. Es ist heute so, daß ich glauben muß, daß die Möglichkeit bestünde, immer mehr Mitglieder in reichlicher Zahl zu gewinnen. Ich habe in Wien den Eindruck bekommen, Menschen sind genug da, welche heranzuziehen wären, Mitarbeiter im besten Sinne des Wortes zu werden.
[ 12 ] But once such a congress has come to an end—even if it was as successful as the one in Vienna—we have gained some experience in this direction, and yet we must admit: Yes, all the conditions are in place to further expand something like our Waldorf school system. But the conditions are such that the task becomes too much for the small number of people involved. We must constantly be on the lookout for new collaborators. I would like—and perhaps not everyone will agree—to speak quite openly about my experience in this regard. The situation today is such that I must believe there is the potential to attract an ever-increasing number of members in ample numbers. In Vienna, I gained the impression that there are enough people there who could be drawn in to become collaborators in the best sense of the word.
[ 13 ] Aber - und da schließt sich dasjenige, was unsere allgemeine Sorge ist, mit der Sorge für die Waldorfschule zusammen - da tritt das entgegen, daß es nicht möglich ist, irgendwie den Kreis der Mitarbeiter zu vergrößern, aus dem Grunde, weil wir kein Geld haben. Überall haben die Leute die Möglichkeit, ihre Mitarbeiter zu halten. Wir haben diese Möglichkeit in einer sehr mangelhaften Weise. Die Hauptfrage ist immer diese: Wie bieten wir den Leuten eine Existenzmöglichkeit, wenn sie sich aus ihren bisherigen Existenzmöglichkeiten herausreißen. — Das ist der Fall. Wir brauchen heute, wenn wir weiterkommen wollen, eine große Anzahl von Mitarbeitern. Es reicht unsere Mitarbeiterschaft dafür nicht aus. So kann einfach dasjenige, was besorgt wird, nur mit Aufreibung der einzelnen Kräfte besorgt werden, und das, was mit einer großen Aufreibung der Kräfte besorgt wird, das ist höchstens ein Zehntel von dem, was heute schon nach den Bedingungen, die vorhanden sind, geleistet werden könnte; was geleistet werden könnte, wenn wir in entsprechender Weise mit einer vollen Mitarbeiterschaft rechnen könnten. Insbesondere nach dem Wiener Kongreß, wo man sehen konnte, daß das als Erfahrung hervorquillt, was ich ausgesprochen habe.
[ 13 ] But—and this is where our general concern converges with our concern for the Waldorf School—the problem is that it is not possible to expand the staff in any way, simply because we have no money. Everywhere else, people have the means to retain their staff. We have this means only to a very limited extent. The main question is always this: How do we offer people a means of livelihood when they break away from their previous means of livelihood? — That is the case. Today, if we want to make progress, we need a large number of staff members. Our current staff is not sufficient for this. Consequently, the work that gets done can only be accomplished by exhausting individual capacities, and what is accomplished through such intense exertion amounts to at most one-tenth of what could already be achieved today under existing conditions—what could be achieved if we could count on a full staff. This is particularly evident following the Congress of Vienna, where it became clear that what I have stated is borne out by experience.
[ 14 ] Natürlich handelt es sich nicht darum, daß man einen gewöhnlichen Appell richtet an die Börsen derer, welche schon Mitglieder sind. Darum handelt es sich nicht, sondern nur darum, um es einmal ganz stark auszusprechen, daß eben immer dann, wenn gerade in der letzten Zeit ein Appell gerichtet worden ist an den Willen, die Sache versagte.
[ 14 ] Of course, this is not about making a routine appeal to the stock exchanges of those who are already members. That is not the point; rather—to put it very strongly—it is simply that whenever an appeal has been made to the will of the people, particularly in recent times, the effort has failed.
[ 15 ] Schließlich hängt die Waldorfschul-Bewegung mit der Dreigliederungsbewegung zusammen. Die Waldorfschul-Bewegung ist nur denkbar in einem freien Geistesleben. Dasjenige, was wir zuerst gefunden haben an einem Gedankeninteresse, ist nicht übergegangen in ein Willensinteresse. Als dann versucht worden ist das einzige Mittel, über Mitteleuropa hinauszugehen, die Begründung des Weltschulvereins in die Tat umzusetzen, da scheiterte die Begründung des Weltschulvereins, der die ganze zivilisierte Welt umfassen sollte. Der Versuch, dasjenige, was unter den Leuten ist an Glauben, daß das Erziehungswesen ein anderes sein müßte, aufzurütteln, dasjenige, was da angestrebt worden ist als Weltschulverein, hat kläglich Fiasko gemacht. Man fühlt sich so entsetzlich zurückgestoßen, wenn man an den Willen appelliert. Ich sage nicht, ich appelliere ans Geld in diesem Falle jetzt. An Geld fehlt es uns, aber viel mehr fehlt es uns an dem Willen. Es ist das Interesse kein gründlich tiefgehendes, sonst würde sich das Interesse auf die richtigen Gebiete erstrecken.
[ 15 ] Ultimately, the Waldorf school movement is connected to the threefold social order movement. The Waldorf school movement is conceivable only within a free spiritual life. What we initially found in an interest in thought has not developed into an interest in will. When an attempt was then made to put into practice the only means of extending beyond Central Europe—the founding of the World School Association—the establishment of the World School Association, which was intended to encompass the entire civilized world, failed. The attempt to stir up the belief among people that the educational system ought to be different—that is, what was aspired to as the World School Association—ended in a miserable fiasco. One feels so terribly rebuffed when one appeals to the will. I am not saying that I am appealing for money in this case now. We lack money, but what we lack even more is the will. The interest shown is not truly profound; otherwise, it would extend to the right areas.
[ 16 ] Wir konnten die Waldorfschule begründen. Herr Stockmeyer hat den Erlaß vorgelesen, der doch darauf hinausläuft, daß wir an Ostern 1925 die erste Klasse und so nach und nach die vier unteren Klassen verlieren. Woanders hätten wir sie kaum errichten können. Mit der Begründung der Waldorfschule ist der richtige Zeitpunkt erfaßt worden, in dem es möglich war, so etwas zu tun. — Immer tritt uns das entgegen, daß man auf so etwas hinweisen kann als auf stark wirkende Niedergangskräfte, wenn das Unterrichtswesen einem allgemeinen Schematismus ausgeliiefert wird. Immer wieder kann man darauf hinweisen, wie da, wo das auf der letzten Phase angekommen ist, was da in der Verfassung der Grundschule gegeben ist, man kann darauf hinweisen: im Lunatscharskyschen Schulsystem in Sowjetrußland, da ist es durchgeführt! Da denken die Leute so, wie sie bei uns denken werden, wenn man das bis zu seinen vollen Konsequenzen durchführt. Das Elend im Osten von Europa ist dasjenige, was herauskommt, wenn eine solche Denkweise von unfreien Schulen die Wege in die Praxis findet.
[ 16 ] We were able to establish the Waldorf School. Mr. Stockmeyer read aloud the decree, which essentially means that by Easter 1925 we will lose the first grade and, little by little, the four lower grades. We could hardly have established it anywhere else. The founding of the Waldorf School took place at just the right moment when it was possible to do such a thing. — We are constantly confronted with the fact that one can point to such things as powerful forces of decline when the educational system is left at the mercy of a general schematism. Time and again, one can point out that where this has reached its final stage—as embodied in the structure of the elementary school—one can point to the example of Lunacharsky’s school system in Soviet Russia, where it has been implemented! There, people think the way they will come to think here if this approach is carried through to its full consequences. The misery in Eastern Europe is the result of such a way of thinking—originating from unfree schools—finding its way into practice.
[ 17 ] Mit solchen Reden heute Begeisterung zu erwecken, daß die Leute in ihren Seelen das geistige Blut rieseln fühlen, und fühlen: da muß eine große Anzahl von Menschen, die das einsehen, sich einsetzen, da muß eine Öffentliche Meinung verbreitet werden — mit solchen Reden, ich muß sagen, wenn ich gerade immer vom Verbreiten der geistigen Idee übergehen konnte in den letzten zwanzig Jahren dazu, eine solche Sprache zu führen, die nicht bloß an die Herzen in theoretischem Sinne, sondern an die Herzen auch als Willensorgane appellierte -, ich fühlte mich in der Anthroposophischen Gesellschaft, später auch in anderen Gesellschaften so, daß ich mir dachte: Haben denn die Leute keine Ohren? - Es scheint, als ob man dasjenige nicht hören konnte, was von dem Wort in die Tat gehen sollte. Es war etwas, was zur Verzweiflung führen konnte, was am Fiasko des Weltschulvereins zu erleben war.
[ 17 ] To stir up enthusiasm today with such speeches that people feel the spiritual blood coursing through their souls, and realize: a large number of people who understand this must get involved; public opinion must be spread—with such speeches, I must say, while I have always been able to move from spreading the spiritual idea over the past twenty years to using language that appealed not merely to the hearts in a theoretical sense, but also to the hearts as organs of the will—I felt within the Anthroposophical Society, and later in other societies as well, that I thought to myself: Do people not have ears? - It seems as if people were unable to hear what was meant to move from word to deed. It was something that could lead to despair, as was evident in the fiasco of the World School Association.
[ 18 ] Die Zahlen des Schuletats sprechen für sich; aber dasjenige, was weit über das Zahlensprechen hinausgeht, das ist das, was betont werden müßte: das ungeheure Leid, das man heute empfindet, wenn man an die Interesselosigkeit stößt, die in weitesten Kreisen vorhanden ist. Da müssen wir uns sagen: Gewiß, das Interesse ist in diesen Kreisen vorhanden für so etwas wie die Waldorfschule, aber es muß auch das Interesse für die Grundlagen, die der Waldorfschule gegeben worden sind, das muß in viel intensiverer Weise sich ausbreiten, als das sich irgendwie heute zeigt.
[ 18 ] The figures in the school budget speak for themselves; but what goes far beyond the language of numbers—that is what must be emphasized: the immense suffering one feels today when confronted with the apathy that prevails in the widest circles. We must acknowledge: Certainly, there is interest in these circles in something like the Waldorf School, but there must also be interest in the foundations upon which the Waldorf School is built—and this interest must spread in a far more intense way than is currently evident.
[ 19 ] Wie denkt man, wenn so etwas wie dieser Erlaß vorgelesen wird? Man denkt: Ja, vielleicht werden sich Mittel und Wege finden, um nun doch so ein paar Jahre die unteren Klassen durchzudrücken. Selbst in engeren Kreisen kommt nicht viel anderes heraus, als daß man denkt: Vielleicht werden wir doch ein paar Jährchen die Möglichkeit haben, das durchzuführen. Aber darum handelt es sich, daß sich heute ein jeder dahintersetzt. Es muß das Schulwesen sich in freier Weise entwickeln, wie es seit dem Jahre 1919 betont worden ist. Das kann natürlich nicht anders sich verwirklichen, als wenn wir zu den Mitgliedern unserer verschiedenen Vereine, die ganz einverstanden sind, daß so etwas da ist, daß man dasjenige, was sie bieten wollen, empfängt, daß sich zu ihnen hin immer mehr finden, welche tätig mittuende Mitglieder werden. Zuerst muß der Wille entstehen!
[ 19 ] What do you think when something like this decree is read aloud? You think: Yes, maybe we’ll find a way to push through the lower grades for a few more years after all. Even in more intimate circles, the general sentiment is that perhaps we’ll have the opportunity to carry this out for a few more years after all. But the point is that everyone is now getting behind this. The school system must develop freely, as has been emphasized since 1919. Of course, this can only be realized if we reach out to the members of our various associations—who fully agree that such a system exists—so that what they have to offer is accepted, and so that more and more people are drawn to them and become active, participating members. First, the will must arise!
[ 20 ] Ich möchte sagen, meine Rechnung geht so: Wenn die Zahlen sprechen, so können wir sagen, wir haben kein Geld. Dann wird wiederum durch Geldsammeln mit Ach und Krach ein Loch ausgefüllt. Aber auch in der Methode kommen wir nicht weiter. Wir kommen nur mit der Methode vorwärts, die in Aussicht genommen war, wie vom Weltschulverein gesprochen worden ist. Wir müssen einen tatkräftigen Glauben haben, daß dasjenige, was getan wird, wirklich ein Bestandteil der öffentlichen Meinung wird. Wir brauchen, um die Waldorfschule zu halten, und um Schulen weiter zu begründen, wir brauchen eine öffentliche Meinung, die immer größer wird, die dahin geht, daß es im Sinne des alten Schulwesens nur zu Niedergangskräften in der Menschheit führt. Das brauchen wir. Wenn wir uns dazu durchringen können, nicht bloß immer da und dort so eine Schnakerlschule zu begründen, um eine Art pädagogischer Kurpfuscherei durchzuführen, wenn wir uns dazu entschließen, unsere Erziehungsgrundsätze in die Öffentlichkeit hineinzutragen, so daß sie innere Überzeugung von Eltern und Nichteltern werden, nur dann kommen wir vorwärts!
[ 20 ] I would like to say that this is how I see it: If the numbers speak for themselves, then we can say we have no money. Then, in turn, a hole is filled by raising money with great difficulty. But even with this approach, we are not making any progress. We can only move forward with the approach that was envisaged, as discussed by the World School Association. We must have a firm conviction that what is being done will truly become part of public opinion. In order to maintain the Waldorf School and to continue establishing new schools, we need a public opinion that is constantly growing—one that recognizes that the old school system leads only to forces of decline within humanity. That is what we need. If we can bring ourselves not merely to establish a few small, isolated schools here and there to carry out a sort of pedagogical quackery, but if we resolve to bring our educational principles into the public sphere so that they become a deep conviction among parents and non-parents alike—only then will we make progress!
[ 21 ] Jetzt verzeihen Sie, wenn ich gewissermaßen wirklich nicht vermeide, zu sagen: Ich weiß, daß viele das, was ich jetzt gesagt habe, als richtig anerkennen werden, es ganz richtig finden werden, aber man erkennt es erst als richtig an, wenn man etwas tut! Wenn man etwas tut! Deshalb müßte vor allem darauf gesehen werden, daß wir nicht nur aus dem Kreis der Mittel heraus, die wir schon haben, aus unseren Zweigen heraus und den schon geleerten Börsen Schulen begründen, so gut es geht; wir müssen uns bemühen, für die Ideen zu wirken, so daß die Ideen in eine immer größere Anzahl von Menschen hineinkommen.
[ 21 ] Now please forgive me if I really cannot help but say—so to speak—that I know many will acknowledge what I have just said as true, will find it entirely correct, but one only truly acknowledges it as true when one takes action! When one does something! That is why we must above all ensure that we do not merely establish schools—as best we can—using only the resources we already have, drawing from our branches and our already depleted funds; we must strive to promote these ideas so that they reach an ever-growing number of people.
[ 22 ] In dieser Beziehung haben wir die gegenteilige Erfahrung gemacht. Die gegenwärtige Nummer der Dreigliederungszeitung kündet an, daß sie in Zukunft eine Zeitschrift sein wird für die Anthroposophie. Warum? Weil die vielversprechenden Anfänge in der Erkenntnis der Dreigliederung im Sande verlaufen sind. Weil wir im Grunde genommen zurückkehren müssen zu dem, was wir damals schon im Duktus hatten vor der Dreigliederungsbewegung. Trotzdem über Dreigliederung viel gesprochen wird, ist es wiederum so, daß man in Verzweiflung gerät, wenn man mit den Menschen redet. Daß das etwas werden soll, was öffentliche Meinung werden sollte, das brauchen wir vor allen Dingen, wenn wir mit der Waldorfschule vorwärtskommen wollen.
[ 22 ] In this regard, our experience has been quite the opposite. The current issue of the *Dreigliederungszeitung* announces that in the future it will become a journal for anthroposophy. Why? Because the promising beginnings in the understanding of the threefold social order have come to nothing. Because, fundamentally, we must return to what we already had in mind before the Threefold Social Order movement. Although there is much talk about the Threefold Social Order, it is once again the case that one falls into despair when speaking with people. For this to become something that could shape public opinion—that is what we need above all else if we want to make progress with the Waldorf school.
[ 23 ] Ich muß sagen, ich spreche das seit längerer Zeit aus. Aber alles findet eher Anklang, als das, was ich heute gesagt habe. Ich möchte sagen, wenn ich als Glauben nur ansehe, was im Willen der Menschen lebt kein Mensch glaubt, daß man mit dem Glauben etwas erreichen könnte, daß aus dem freien pädagogischen Wesen heraus allein der Menschheit geholfen werden könnte. Das würde uns dann erst dazu führen, daß die Menschen, die es noch tun können, auch uns in pekuniärer Weise entgegenkommen würden, daß wir nicht immerfort gegenüber anderen Bewegungen das Nachsehen haben.
[ 23 ] I must say, I’ve been saying this for quite some time. But everything else tends to resonate more than what I said today. I would like to say that if I regard as “faith” only what lives in people’s will, no one believes that anything can be achieved through faith, or that humanity can be helped solely through the free, educational nature of things. That would then lead us to a point where those who are still able to do so would also support us financially, so that we would not constantly be at a disadvantage compared to other movements.
[ 24 ] Die anthroposophische Bewegung, sie ist dasjenige, auf das die Waldorfschul-Bewegung gebaut ist. Wenn sie auch durch solche skandalösen Dinge zurückgedrängt werden kann, sie hat innerliche Lebendsbedingungen in sich. Es werden viele Verbindungen gegründet mit reichlichen Geldmitteln, die keine Lebensbedingungen in sich haben. Es werden immer wieder Verbindungen gegründet, man hat für sie Geld. Sie gehen zugrunde. Wenn man alles dasjenige, was die Menschheit heute für unnötige Verbindungen ausgibt, wenn man das könnte alles in unsere Kanäle hineinleiten, dann würden die Berichte anders ausschauen. Dann würde Herr Leinhas sagen müssen, unser Reservefonds ist so groß, daß wir suchen müssen, ihn fruchtbringend anzulegen.
[ 24 ] The anthroposophical movement is the very foundation upon which the Waldorf school movement is built. Even if it can be set back by such scandalous events, it possesses an inner vitality of its own. Many organizations are founded with ample financial resources but lack this inner vitality. Organizations are constantly being founded—there is money for them—but they eventually fail. If all the money that humanity spends today on unnecessary organizations could be channeled into our efforts, the reports would look very different. Then Mr. Leinhas would have to say, “Our reserve fund is so large that we must find ways to invest it profitably.”
[ 25 ] Ich glaube gar nicht daran, daß es heute in der Hauptsache daran fehlt, daß wir nicht Geld haben könnten. Es fehlt daran, daß wir gar nicht versuchen in Wirklichkeit uns geltend zu machen mit dem Willen, unser als richtig erkanntes Stück des geistigen Lebens geltend zu machen innerhalb der Welt. Was würde es nützen, wenn ich auseinandergesetzt hätte, daß es in einer gewissen befriedigenden Weise war, wie wir im vorigen Jahre gewirkt haben? Aber hier, wenn es sich um eine Mitgliederversammlung handelt, da ist es notwendig, daß man aus einer solchen Ecke heraus spricht. Ich bin doch ganz davon überzeugt, je besser unsere Waldorfschule wird - wenn wir nicht die Möglichkeit finden, unsere Erziehungsimpulse in die öffentliche Meinung hineinzutragen, dann helfen uns alle unsere Rechenkünste nichts.
[ 25 ] I don’t believe at all that the main problem today is that we might not have money. The problem is that we aren’t actually trying to assert ourselves with the determination to establish our part of spiritual life—which we recognize as true—within the world. What good would it do if I had explained that the way we worked last year was, in a certain sense, satisfactory? But here, when it comes to a general meeting, it is necessary to speak from this perspective. I am, after all, fully convinced that no matter how much better our Waldorf School becomes—if we do not find a way to bring our educational ideas into the public consciousness, then all our financial skills will be of no use to us.
[ 26 ] Der Wille muß da sein in einer immer größer werdenden Anzahl von Menschen, alle zu überzeugen. Neben dem muß die Meinung verbreitet werden, daß es zum Heile der Menschheit notwendig ist, daß so etwas, wie es in der Waldorfschule keimhaft veranlagt ist, immer weiter und weiter wachse.
[ 26 ] There must be a determination among an ever-growing number of people to convince everyone. In addition, the view must be spread that, for the good of humanity, it is necessary for something like what is in its infancy at the Waldorf School to continue to grow further and further.
[ 27 ] Das ist dasjenige, was ich in den Teil der Herzen hineingesprochen haben möchte, in denen der Willensimpuls liegt. Man kann recht weit kommen, wenn man nur einmal sich darauf besinnt, worauf es ankommt: daß es darauf ankommt, daß wir wirklich die öffentliche Meinung durch unseren Willen dahin bringen, wo sie sein soll. - Das ist dasjenige, was ich zu sagen habe.
[ 27 ] That is what I would like to instill in those parts of the heart where the impulse of the will resides. One can go quite far if one simply reflects on what really matters: that what matters is that we truly use our will to steer public opinion to where it should be. — That is what I have to say.
Aussprache im Anschluß an die Mitgliederversammlung vom 20. Juni 1922
Discussion following the general meeting on June 20, 1922
[ 28 ] Ich habe hinzuzufügen, daß eine große Anzahl von Eltern die Forderung ausgesprochen hat, daß von seiten der Waldorfschule etwas getan wird, damit das Verhältnis der Lehrerschaft zur Elternschaft geregelt wird. Was können die Eltern selbst für die Kinder tun? — Ich möchte sagen, daß wir uns in der allernächsten Zeit darüber in sorgfältiger Weise besinnen, wie nach dieser Richtung hin gewirkt werden kann. Ich selbst werde versuchen, bei Elternabenden nach dieser Richtung hin dasjenige vorzubringen, was im Sinne dieser vielen Unterschriften vorgebracht werden soll. In dieser Richtung werden wir uns bestreben, das Mögliche in der allernächsten Zeit zu tun.
[ 28 ] I should add that a large number of parents have called on the Waldorf School to take steps to formalize the relationship between the teaching staff and the parents. What can the parents themselves do for the children? — I would like to say that in the very near future we will carefully consider how we can work toward this goal. I myself will try, at parent-teacher conferences, to address the concerns reflected in these many signatures. We will strive to do whatever we can in this regard in the very near future.
[ 29 ] Die Erweiterung des Mitarbeiterkreises können wir nur gewinnen unter Verwirklichung der Umstände, von denen ich gesprochen habe. Es muß erst etwas getan werden, um die Meinung der Öffentlichkeit so zu gestalten, daß tatsächlich in weiterem Umfang gearbeitet werden kann. Dann wird es möglich sein, gar manches zu machen. Aber so lange das, was auf unserem Boden erwächst, das Geheimnis der Mitglieder bleibt, so lange werden wir nicht vorwärts kommen.
[ 29 ] We can only succeed in expanding our membership by creating the conditions I have described. First, steps must be taken to shape public opinion in such a way that we can actually carry out our work on a broader scale. Then it will be possible to accomplish quite a lot. But as long as what is growing on our soil remains a secret among our members, we will not make any progress.
[ 30 ] Es wird unter anderem eine Frage gestellt mit Bezug auf den in der Ansprache erwähnten behördlichen Erlaß.
[ 30 ] Among other things, a question is raised regarding the official decree mentioned in the speech.
[ 31 ] Dr. Steiner: Das würde uns nicht helfen, wenn wir bei der Behörde vorstellig werden. Es müssen möglichst viele Leute dafür gewonnen werden, daß eine solche Schule da sein soll. Die Behörde handelt ganz recht, wenn die Sache Gesetz ist. Es handelt sich darum, daß Meinungen sich festsetzen, die eine wirksame Kraft sind. Es handelt sich um etwas viel Tiefergehendes. Wir müssen uns zu dem entschließen, die Sache mehr in einer großzügigen Weise aufzufassen, uns zu sagen: Dasjenige, was wir für richtig halten, muß eine öffentliche Meinung werden. Es handelt sich darum, daß wir diese Idee in möglichst viele Köpfe hineinbringen. Das muß erreicht werden, daß möglichst viele Leute eine andere Meinung haben.
[ 31 ] Dr. Steiner: It wouldn’t help us to appeal to the authorities. We need to win over as many people as possible to the idea that such a school should exist. The authorities are acting entirely correctly if the matter is governed by law. The point is that opinions must take root and become a powerful force. This is about something much deeper. We must resolve to take a more generous view of the matter and tell ourselves: What we believe to be right must become public opinion. The point is to get this idea into as many minds as possible. We must ensure that as many people as possible hold a different opinion.
[ 32 ] Dr. Steiner (auf eine Anregung antwortend): Davon kann gar keine Rede sein. - Die Entstehung der öffentlichen Meinung ist das einzige Mittel, um die anderen Mittel zur Diskussion zu bringen. Die öffentliche Meinung zu gewinnen, ist unser einziger praktischer Weg. Wir haben es nicht getan, weil viel zu wenige unter uns sind, die an eine solche Sache glauben. Ich habe mir den Weltschulverein so vorgestellt, daß er in einer bestimmten Art propagiert würde. Wenn der Monatsbeitrag ein Franken sein könnte, da kann man schon das erreichen, was von einem solchen Weltschulverein erreicht werden müßte. Da würde es sich bloß darum handeln, daß der Einzelne in dem Sinne wirkt, daß die Begeisterung im Willen darin ist. Ohne daß wir das tun, kommen wir nicht weiter, sondern wir kommen dazu, unsere letzten Reserven auszugeben. Selbst wenn wir noch viele wohlmeinende Mitglieder finden, praktisch ist es nicht durchführbar. Selbst wenn so etwas realisierbar würde, wir würden nur unsere letzten Reserven verbrauchen. Die letzte Erfahrung hat uns gezeigt, daß es notwendig ist, daß man die Kreise heranzieht, die schon Interesse haben für unsere Sache, die aber dadurch abgehalten werden, daß bei der Mehrzahl der bestehenden Mitgliedschaft der Drang besteht, sie klein zu erhalten.
[ 32 ] Dr. Steiner (responding to a suggestion): That is out of the question. — The formation of public opinion is the only way to bring other means up for discussion. Winning over public opinion is our only practical path. We haven’t done it because there are far too few among us who believe in such a cause. I had a mental image of the World School Association being promoted in a certain way. If the monthly dues could be one franc, we could certainly achieve what such a World School Association would need to achieve. It would simply be a matter of each individual acting in such a way that enthusiasm is rooted in their will. Without doing this, we will not make any progress; instead, we will end up exhausting our last reserves. Even if we were to find many more well-meaning members, it is not practically feasible. Even if such a thing were to become feasible, we would only be depleting our last reserves. Our recent experience has shown us that it is necessary to draw in those circles that already have an interest in our cause but are held back by the fact that the majority of the existing membership feels compelled to keep the organization small.
[ 33 ] Das darf doch gesagt werden, daß es ganz gut ist, wenn man nach Festsetzung eines gewissen Mitgliederbeitrages nicht etwa den ausschließt, der einfach nicht in der Lage ist, das Ganze zu zahlen. Zu dem Statutenparagraphen wollen wir das unter uns behalten, daß man auch weniger bezahlen kann.
[ 33 ] It’s fair to say that, once a certain membership fee has been set, it’s a good idea not to exclude those who simply aren’t able to pay the full amount. As for that section of the bylaws, let’s keep it among ourselves that it’s possible to pay less.
