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Geisteswissenschaft und Medizin
GA 312

25 März 1920, Dornach

Fünfter Vortrag

[ 1 ] Indem wir in diesen Betrachtungen immer weiter vordringen zu jenem speziellen Gebiete, wo die Pathologie in die Therapie eindringen und zwischen beiden eine Brücke geschlagen werden soll, wird es notwendig sein, allerlei Dinge zu erwähnen, die gewissermaßen für die Behandlung nur eine Art Ideal darstellen können und die nicht im vollen Umfange überall verwertet werden können. Aber dennoch wird man, wenn man einen Überblick hat über dasjenige, was alles in Betracht käme bei Krankenbehandlung, aus den Einzelheiten das eine oder das andere herausnehmen können und wenigstens wissen, wie man eben fragmentarische Befunde über die Krankheit zu bewerten hat.

[ 2 ] Vor allen Dingen ist es notwendig, den Blick darauf zu werfen, wie bedeutsam für die Behandlung auch des speziellsten Falles die Erkenntnis des gesamten Menschen, den man vor sich hat, ist. Diese Erkenntnis des gesamten Menschen sollte sich auf wichtigste Lebensmomente eigentlich immer erstrecken. Und da mir manchmal Krankenbehandler Vertrauen geschenkt haben, mit mir über das oder jenes gesprochen haben, war ich zum Beispiel oftmals erstaunt, wenn ich gleich nach einigen Worten gefragt habe: Wie alt ist der Kranke eigentlich? — und der Krankenbehandler keine rechte Auskunft darüber geben konnte, das heißt, sich nicht Rechenschaft darüber gegeben hat, wie alt der betreffende Kranke ist. Es ist, wie wir gerade in den nächsten Tagen sehen werden, etwas, was zum Wesentlichsten gehört, daß man vor allen Dingen mit einer ziemlichen Genauigkeit über das Alter des Patienten sich unterrichte, denn die Therapie ist in hohem Grade von dem Alter des Patienten abhängig. Und wenn vorgestern hier von gewissen Dingen angeführt wurde, daß sie in einzelnen Fällen außerordentlich gut helfen, in anderen Fällen nicht, so liegt bei solchen Aussprüchen die Frage außerordentlich nahe: Wie hängt mit dem Nichthelfen das Lebensalter des betreffenden Patienten zusammen? — Darüber, über die Wirkungsweise des Lebensalters, müßten vor allen Dingen bei Heilmitteln ganz genaue Aufnahmen gemacht werden.

[ 3 ] Dann aber handelt es sich um folgendes: Man sollte immer genau ins Auge fassen, wie der betreffende Patient eigentlich gewachsen ist, ob er kurz und gedrungen oder lang und aufgeschossen ist, und es ist von einer großen Bedeutung, schon aus diesem, dem Kurz- und Gedrungensein und dem Lang- und Aufgeschossensein, zu entnehmen, welche Kräfte dasjenige hat, was wir den Ätherleib im Menschen nennen. Es läßt sich — ich habe viel darüber nachgedacht — nicht vermeiden, und Sie werden es wahrscheinlich auch gar nicht wünschen, diese Ausdrücke, die nun schon einmal zur Realität des Menschen gehören, diese Ausdrücke «Ätherleib» und so weiter zu gebrauchen. Man könnte sie ja durch solche, die bei Nichtanthroposophen beliebter sind, ersetzen; allein, das werden wir vielleicht am Schlusse können. Jetzt wollen wir zur besseren Verständigung daran festhalten, wo es nötig ist, doch solche Ausdrücke zu gebrauchen. Den Ätherleib also in seiner, ich möchte sagen, Intensität des Wirkens kann man daraus beurteilen, wie gewachsen der betreffende Mensch ist. Aber man sollte sich auch womöglich — wie gesagt, ich will alles anführen; es ist nicht immer möglich, alles zu berücksichtigen, da man einfach die Daten nicht bekommt, aber es ist gut, von allem zu wissen — vor allen Dingen erkundigen, ob im Jugendalter der Betreffende langsam oder schnell gewachsen ist, das heißt, ob er lange klein geblieben ist oder ob er in verhältnismäßig jungen Jahren schon hoch aufgeschossen war und später dann mit dem Wachsen zurückgeblieben ist. Alle diese Dinge weisen auf dasjenige hin, was man nennen könnte Verhalten des ätherischen Leibes, also sagen wir der funktionellen Äußerungen des Menschen zu seinem physischen Leibe. Und das muß berücksichtigt werden, wenn man ein Verhältnis erkennen will zwischen dem Menschen und seinen Heilmitteln.

[ 4 ] Ferner ist es auch notwendig, das Verhältnis des physischen und des ätherischen Leibes zu den höheren Gliedern der menschlichen Wesenheit zu erkennen, zu dem, was wir den astralischen Leib, also das eigentlich Seelische, und das Ich, das eigentlich Geistige, nennen. Es ist notwendig, daß man das von dem Patienten herausbekommt. So zum Beispiel sollte man nicht vermeiden, die Frage an ihn zu stellen, ob er viel oder wenig Traumleben hat. Wenn ein Patient viel Traumleben hat, so ist das für seine ganze Konstitution außerordentlich bedeutend, denn es bezeugt, daß der astralische Leib und das Ich eine Tendenz haben, eine eigene Tätigkeit zu entfalten, also sich nicht allzu stark und nicht allzu eingehend mit dem physischen Leibe beschäftigen wollen, daß also die eigentlich menschlich-seelischen Bildungskräfte nicht in das Organsystem des Menschen einfließen.

[ 5 ] Ferner sollte man sich, wenn das vielleicht auch unbehaglich ist, erkundigen darüber, ob der betreffende Mensch beweglich, fleißig ist oder ob er zur Trägheit neigt. Denn Persönlichkeiten, welche zur Trägheit neigen, haben eine starke innere Beweglichkeit des astralischen Leibes und des Ich. Es kann das paradox erscheinen, aber diese Beweglichkeit wird ja nicht bewußt, sie ist unbewußt. Und daher, weil sie unbewußt ist, ist der betreffende Mensch dann nicht etwa irgendwie im Bewußtsein fleißig, sondern er ist im Ganzen träge. Denn das, was ich hier als das Gegenteil von Trägheit bezeichne, ist die organische Fähigkeit, mit seinem höheren Menschen in den niederen Menschen einzugreifen, also von seinem astralischen Leibe und von seinem Ich aus wirklich die Tätigkeit überzuleiten auf den physischen Leib und den Ätherleib. Und diese Fähigkeit ist beim Trägen eine sehr geringe. Der Träge ist eigentlich, geisteswissenschaftlich genommen, ein schlafender Mensch.

[ 6 ] Dann sollte man sich erkundigen darüber, ob der betreffende Mensch kurzsichtig oder weitsichtig ist. Kurzsichtige Menschen sind solche, welche ebenfalls eine gewisse Zurückhaltung ihres Ich und ihres astralischen Leibes haben gegenüber dem physischen Leib, und die Kurzsichtigkeit ist gerade eines der wichtigsten Zeichen dafür, daß man es mit einem Menschen, dessen Geistig-Seelisches nicht in das Leiblich-Physische eingreifen will, zu tun hat.

[ 7 ] Dann möchte ich auf etwas hinweisen, was vielleicht einmal ausführbar sein könnte, was außerordentlich wichtig wäre für die Krankenbehandlung und was, wie ich glaube, dann, wenn mehr soziales Gefühl auch in die einzelnen Berufsstände einziehen würde, schon irgendeine praktische Bedeutung gewinnen könnte. Das ist: Es wäre außerordentlich wichtig, wenn Zahnärzte ihre Kenntnis vom Zahnsystem, Werdauungssystem und alledem, was damit zusammenhängt, in der Weise ausnützen würden — natürlich muß man die betreffenden Patienten dafür gewinnen, aber wie gesagt, bei einigem sozialem Gefühle ließe sich das vielleicht erreichen -, daß sie gewissermaßen eine Art Schema ihren Patienten bei jeder Behandlung mitgeben, in dem sie notifizieren, wie sie die Wirksamkeit alles dessen, was mit dem Zahnwuchs zusammenhängt, befunden haben, ob frühe Neigung zu Zahnkaries vorhanden ist und dergleichen, ob die Zähne sich bis in ein späteres Alter gut erhalten. Das ist, wie wir in den nächsten Tagen sehen werden, außerordentlich bedeutsam für die Beurteilung der Gesamtorganisation des Menschen. Und würde der Arzt, der einen einzelnen Krankheitsfall zu behandeln hat, solch eine Signatur, ich möchte sagen, Gesundheitssignatur des Menschen aus dem Zahnbefund bekommen, so würde ihm das ein außerordentlich wichtiger Anhaltspunkt sein können.

[ 8 ] Dann wäre es außerordentlich wichtig, bei den Patienten, wenn ich so sagen darf, ihre physischen Sympathien und Antipathien kennenzulernen. Besonders bedeutsam ist es, zu konstatieren, ob irgendein Mensch, den man zu behandeln hat, zum Beispiel gierig ist auf Salz oder gierig ist auf irgend etwas anderes. Man müßte herausbekommen, nach welchen Nahrungsmitteln der Betreffende besonders gierig ist. Ist er gierig auf alles Salzartige, dann hat man es mit einem Menschen zu tun, bei dem eine zu starke Verbindung des Ich und des astralischen Leibes mit dem physischen Leib und dem Ätherleib vorhanden ist, bei dem gewissermaßen eine zu starke Affinität des Geistig-Seelischen mit dem Physisch-Leiblichen vorliegt. Ebenso sprechen für eine solche starke Affinität die durch äußere mechanische Vorgänge, zum Beispiel durch schnelles Drehen des Körpers, hervorgerufenen Schwindelanfälle. Man sollte sich also überzeugen, ob der Mensch leicht Schwindelanfälle bekommt, wenn er mechanische Bewegungen seines Körpers ausführt.

[ 9 ] Ferner sollte man sich immer unterrichten, und das ist ja wohl ziemlich allgemein bekannt, über die Störungen der Absonderung, über die gesamte Drüsentätigkeit des Menschen, denn wo Störungen der Absonderungen vorliegen, liegt immer auch eine Störung in dem Zusammenhalt des Ich und astralischen Leibes mit dem Ätherleib und physischen Leib vor.

[ 10 ] So habe ich Ihnen einzelnes angegeben, was im Grunde genommen immer zunächst gekannt werden müßte, wenn man einem Patienten gegenübertritt. Es ist einzelnes herausgegriffen, aber Sie werden ja sehen, in welcher Richtung die betreffenden Dinge gehen, insofern sie sich auf die Konstitution des Körpers selbst beziehen. Im Laufe der Zeit werden wir auch davon sprechen, wie man sich informieren soll über die Lebensweise, über die Möglichkeit, gesunde oder schlechte Luft zu atmen und so weiter. Das kann mehr bei der Besprechung der einzelnen Kapitel betrachtet werden. Nun, auf diese Weise wird man zunächst eine Art Einblick bekommen in die Art, wie der Mensch ist, den man zu behandeln hat. Denn nur dann, wenn man das weiß, wird man im speziellen in der Lage sein, festzustellen, wie man irgendein Heilmittel mischen soll.

[ 11 ] Nun möchte ich zunächst im allgemeinen darauf hinweisen, was ja schon aus einzelnen Betrachtungen der vorhergehenden Tage hervorgeht, daß eine innere Verwandtschaft des Menschen zu der ganzen außermenschlichen Welt besteht. Geisteswissenschaftlich wird es oftmals so ausgesprochen, obwohl es zunächst abstrakt ausgesprochen ist, daß der Mensch die übrigen Reiche im Laufe der Entwickelung aus sich herausgesetzt hat und daß daher dasjenige, was außer ihm ist, eine gewisse Verwandtschaft zu seinem eigenen Wesen hat. Wir werden gegenüber dieser abstrakten Manifestation dieses Verhältnisses auf ganz spezielle solche Verwandtschaften immer und immer wieder bei der Organtherapie hinzuweisen haben. Zunächst aber wollen wir uns vor allen Dingen darüber klar sein, worauf nun das Heilverhältnis des Menschen zu der außermenschlichen Natur überhaupt beruht.

[ 12 ] Sie wissen ja, daß auf diesem Gebiete viel herumgestritten wird, daß Heilmethoden, die wir ja im Laufe der Zeit auch noch genauer besprechen werden, miteinander hart im Kampfe liegen. Insbesondere ist einer von diesen Kämpfen hinlänglich bekannt, derjenige zwischen den homöopathisch gesinnten Ärzten und den allopathisch gesinnten Ärzten. Nun würde es Sie vielleicht interessieren, in welcher Weise Geisteswissenschaft in diesen Streit eingreifen soll. Aber das, dieses Eingreifen — ich will heute zunächst ein Allgemeines darüber sagen, bei den einzelnen Dingen näher darauf eingehen —, ist eigentlich ein ziemlich eigentümliches. Denn im Grunde genommen gibt es für dasjenige, was sich der Geisteswissenschaft herausstellt, eigentlich gar keine Allopathen. Es gibt in Wirklichkeit gar keine Allopathen, denn auch dasjenige, was allopathisch als Heilmittel verordnet wird, macht im Organismus einen Homöopathisierungsprozeß durch und heilt eigentlich nur durch diesen Homöopathisierungsprozeß. So daß eigentlich jeder Allopath eine Unterstützung seines allopathischen Verfahrens findet durch die Homöopathisierung des eigenen Organismus, der eigentlich dasjenige vollzieht, was der Allopath unterläßt: die Aufhebung des Zusammenhanges der einzelnen Teile der Heilmittel. Allerdings ist deshalb doch ein beträchtlicher Unterschied, ob man dem Organismus diese Art des Homöopathisierens abnimmt oder nicht, aus dem einfachen Grunde, weil dasjenige, was Heilprozesse im Organismus sind, wohl zusammenhängt mit den Zuständen, in die allmählich die Heilmittel kommen, wenn sie homöopathisiert sind. Der Organismus hat aber in dem, was sonst die Körper der Außenwelt haben, etwas sich gegenüber, mit dem er keine Heilverwandtschaft hat, das er also als einen Fremdkörper in sich hineinbekommt, so daß er eigentlich eine furchtbare Arbeitslast und eine Störung auferlegt bekommt, wenn man ihn beschwert mit all den Kräften, die sich dann äußern, wenn man ihm die Arznei im allopathischen Zustande beifügt. Von den Fällen, wo es unmöglich ist, dem Körper diese Homöopathisierung abzunehmen, wollen wir noch besonders sprechen.

[ 13 ] Nun, so sehen Sie, daß im Grunde genommen das Homöopathisieren etwas ist, was der Natur selber in einem gewissen Grade eigentlich sehr sorgfältig abgelauscht ist, wenn auch der Fanatismus dabei, wie wir auch noch sehen werden, bedeutsame Sprünge gemacht hat. Nun handelt es sich aber darum, kennenzulernen, wie man einen Weg finden kann für die Einzelheiten des Zusammenhanges des Menschen mit der außermenschlichen Umgebung. Und da können wir natürlich, wie ich schon gestern in einem anderen Falle sagte, nicht einfach dasjenige nachplappern, was die alten Ärzte geäußert haben, obwohl ein verständiges Sichvertiefen in ältere medizinische Werke nützlich sein kann, sondern wir müssen uns zum Beispiel darauf einlassen, mit allen Mitteln der modernen Wissenschaft in dieses Wechselverhältnis des Menschen und seiner außermenschlichen Umgebung einzugehen. Da ist zunächst daran festzuhalten, daß man mit der chemischen Untersuchung der Substanzen, also mit einer Art Eingehen in dasjenige, was die einzelnen Substanzen im Laboratorium offenbaren, nicht sehr viel ausrichten kann. Ich habe schon angedeutet, daß man eigentlich dieses Mikroskopieren — das ist ja eine Art Mikroskopieren — ersetzen sollte durch die makroskopische Beobachtung, durch dasjenige, was sich aus der Beobachtung des Kosmos selber ergibt.

[ 14 ] Ich werde heute zunächst signifikante Anordnungen vor Sie hinstellen, die uns gewissermaßen angeben können, in welcher Weise die außermenschliche Welt in einer Art von Dreigliederung entspricht dem dreigliedrigen Menschen. Da müssen wir unseren Blick vor allem richten auf alles dasjenige, was sich löslich zeigt. Sehen Sie, die Löslichkeit ist nämlich die letzte Eigenschaft, die im Entwickelungsprozesse unseres Erdenplaneten von besonderer Bedeutung war. Dasjenige, was sich in der Erde als Festes abgesondert hat, ist ja zu einem großen Teil im Grunde genommen zurückzuführen auf einen kosmischen Lösungsprozeß, der überwunden worden ist und abgetötet, abgesetzt hat die festen Teile. Und bloß an das mechanische Ablagern von Sedimenten zu denken und darauf die Geognosie und Geologie zu gründen, ist ja eine Äußerlichkeit. Es handelt sich schon bei dem, was Erdenbildung ist, was überhaupt die Eingliederung fester Bestandteile in den Erdkörper ist, im wesentlichen um spezielle Fälle des aus der Lösung SichHerauskristallisierens oder aus der Lösung Sich-Absetzens. So also, können wir sagen, daß dasjenige, was im Lösungsprozeß lebt, etwas ist, was, insofern es in der äußeren Natur, in der außermenschlichen Natur sich vollzieht, auch der Mensch aus sich herausgesetzt hat. Da geht irgend etwas draußen beim Lösen vor, was der Mensch aus sich herausgesetzt hat. So daß es sich darum handeln wird, nachzuforschen, welche Beziehung Lösungsprozesse im außermenschlichen Kosmos zu den inneren Vorgängen des menschlichen Organismus haben.

[ 15 ] Von einer fundamentalen Bedeutung ist dasjenige, was ich erwähnt habe, daß gewisse Menschen, die eine zu starke Verbindung ihres Geistig-Seelischen mit dem Physisch-Ätherischen haben, organisch nach Salz dürsten oder hungern, daß sie also in ihrem Organismus den Prozeß des Absetzens von Salzen rückgängig machen wollen, das heißt, daß sie aufheben wollen diesen Erdbildungsprozeß, also im wesentlichen das Salz wiederum zurückführen wollen in einen früheren Zustand der Erdbildung, als derjenige ist, wo sich die Erde verfestigt hat. Auf solche Dinge hinzuschauen, ist von einer ganz besonderen Wichtigkeit. Dadurch blickt man wirklich hinein in die Zusammenhänge zwischen dem menschlichen Organismus und der außermenschlichen Natur. Man kann sich sagen: Diese menschliche Natur hat in sich selber eine Art organisches Bedürfnis, gewisse Prozesse, die in der Außenwelt sich vollziehen, rückgängig zu machen, gegen sie anzukämpfen. Sie wissen, ich habe gestern erwähnt, daß sogar angekämpft wird gegen die Schwere durch die Entstehung des Auftriebes zum Tragen des menschlichen Gehirnes. So ist überhaupt eine Tendenz dieses Ankämpfens da.

[ 16 ] Es handelt sich nun darum: Was bedeutet dieses Ankämpfen zunächst gegen den Erdbildungsprozeß? Es bedeutet das im Grunde nichts Geringeres als ein Freimachen des unteren Menschen von dem Geistig-Seelischen, ein Hinaustreiben des Geistig-Seelischen aus dem unteren Menschen zunächst etwa in den oberen Menschen hinein. In allen Fällen also, wo eine Gier nach Salz vorliegt, läßt uns diese Gier nach Salz erkennen, daß sich in einer gewissen Weise der untere Mensch befreien will von der zu starken Wirksamkeit des Geistig-Seelischen in ihm, daß er diese Wirksamkeit des Geistig-Seelischen gewissermaßen nach dem oberen Menschen abfließen lassen will.

[ 17 ] Nehmen wir an, daß Störungen des unteren Menschen vorliegen, Störungen, die sich erkennen lassen. Wir werden später die Mittel sehen, durch die man sie erkennt, und die einzelnen Krankheiten, zu denen sie führen. Was wird man tun können?

[ 18 ] Nun möchte ich hier eine Betrachtung einschieben, die für diejenigen vielleicht von Bedeutung sein könnte, welche gar zu sehr nach einer gewissen Einseitigkeit in dem Gebrauch von Heilmitteln tendieren. Es besteht auch bei gewissen Menschen eine Art von Abneigung gegen mineralische Heilmittel. Diese Abneigung ist nicht berechtigt, denn wir werden sehen, daß die reinen Pflanzenheilmittel doch nur in ganz bestimmten Grenzen ihre Wirksamkeit haben können und daß gerade in ernsteren Fällen die mineralischen Heilmittel von einer großen Bedeutung sind. Ich bitte Sie also, sich nicht daran zu stoßen, wenn ich gerade bei dieser prinzipiellen Betrachtung von den mineralischen Heilmitteln ausgehe, allerdings, ich möchte sagen, von der Eingliederung der Wirksamkeit dieser mineralischen Heilmittel schon in das Leben, in das organische Leben. Sie können nämlich eine starke Aufklärung erhalten über gewisse Behandlungsweisen des menschlichen Unterleibes in seinem Verhältnis zum Oberleibe, wenn Sie die Auster studieren. Die Auster mit ihrer Schalenbildung, die ist etwas außerordentlich Interessantes. Denn sehen Sie, die Auster treibt ihr kohlensaures Kalkgehäuse eben von innen nach außen. Wenn Sie — da muß allerdings nun die Geisteswissenschaft bei der Untersuchung etwas zu Hilfe kommen-— die Auster geisteswissenschaftlich untersuchen, so kommen Sie dazu, anzuerkennen, daß diese Auster zwar ein sehr niedriges Lebewesen ist in der Tierreihe, daß sie aber im gesamten Kosmos doch eine verhältnismäßig hohe Stelle einnimmt. Sie nimmt dadurch eine solche Stelle ein, daß dasjenige, was der Mensch in sich als sein Denken trägt, von ihr abgesondert wird. Gewissermaßen zeigen die Kräfte, welche die Schale bilden und von innen nach außen leiten, den Weg, wie aus der Auster dasjenige abgeführt wird, was dann, wenn es sich mit ihrem organischen Wachstum verbinden würde, die Auster sehr gescheit machen würde, was die Auster eben zu einem sehr hohen tierischen Wesen gestalten würde. Das wird nach außen geleitet, das wird abgeleitet. Und Sie können förmlich, ich möchte sagen, handgreiflich sehen an diesem Entstehen der Austernschale die Arbeit des kohlensauren Kalkes, der Calcarea carbonica, diese Arbeit, die aus dem Organismus heraus die zu starke geistig-seelische Tätigkeit leitet.

[ 19 ] Finden Sie nun, daß eine überschüssige geistig-seelische Tätigkeit im Unterleibe sich geltend macht, was auch bei bestimmten Krankheitsformen eben auftritt, die wir weiter charakterisieren werden, so werden Sie zu dem Heilmittel greifen müssen, das Sie den Austernschalen oder ähnlichen, ich möchte sagen, durch die geheimnisvollen Kräfte des kohlensauren Kalkes von innen nach außen wirkenden Substanzen zu danken haben. Es wird also etwas Wesentliches in der Heilbehandlung davon abhängen, daß man sich klar ist darüber: in diesem Von-innen-nach-außen-Treiben liegen gewisse Heilkräfte. Sehen Sie, all das, was sich knüpft an solche Heilmittel wie Calcarea carbonica, und das, was mit verwandten Heilmitteln zusammenhängt, wird rationell nur studiert werden können, wenn man es in einem solchen Zusammenhange sieht.

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[ 20 ] Nun verhält sich zu dem, was in den Kräften des kohlensauren Kalkes liegt, wie polarisch entgegengesetzt alles dasjenige, was in den Kräften, sagen wir, zum Beispiel des Phosphors liegt. Wenn — und die Ausdrücke, die ich gebrauche, sind wahrhaftig in ihrer wirklichen Bedeutung nicht weniger wissenschaftlich als dasjenige, was heute oftmals als Wissenschaft figuriert — sich alles Salzartige gewissermaßen so verhält, daß es sich hingibt an die Umgebung, so liegt der Grund darinnen, daß alles Salzartige dadurch entsteht, daß die entsprechenden Substanzen entblößt sind, befreit sind von der inneren Wirkung der Imponderabilien, des Lichtes und anderer Imponderabilien. Ich möchte sagen, alles dasjenige, was salzartig ist, hat durch seinen Entstehungsprozeß das Imponderable so von sich abgestoßen, daß das ihm nicht innerlich eignet.

[ 21 ] Das ganz Entgegengesetzte ist beim Phosphor der Fall. Und alte atavistische Erkenntnisse haben deshalb wirklich nicht ganz unberechtigt diesen Phosphor als Lichtträger bezeichnet, weil sie ganz richtig gesehen haben, daß er das Imponderable, das Licht, wirklich trägt. Dasjenige, was das Salz von sich weghält, das trägt dieser Phosphor in sich. Die also dem Salze polarisch entgegengesetzten Substanzen sind diejenigen, die gewissermaßen das Imponderable, namentlich das Licht, aber auch anderes Imponderable, die Wärme und dergleichen, verinnerlichen, es zu ihrem innerlichen Eigentum machen. Auf diesem Umstande beruht die Heilwirksamkeit alles desjenigen, was im Phosphor liegt und was mit dem Phosphor irgendwie in bezug auf den Heilungsprozeß verwandt ist. Daher ist der Phosphor, der die Imponderabilien verinnerlicht, ganz besonders geeignet dazu, den astralischen Leib und das Ich, wenn sie nicht recht heranmögen an den Menschen, zum Menschen zurückzudrängen.

[ 22 ] Haben Sie also bei irgendeinem Patienten eine Krankheit — und von den einzelnen Krankheiten werden wir eben noch sprechen -, und Sie bekommen heraus, daß der Patient, sagen wir, an gesteigerten Träumen leidet, das heißt also, daß sich der astralische Leib gern vom physischen Leibe absondert, sich mit seiner eigenen Tätigkeit beschäftigt, bekommen Sie von ihm außerdem heraus, daß er zum Beispiel organisch zu peripherischen Entzündlichkeiten neigt, was wiederum ein Beweis dafür ist, daß der astralische Leib und das Ich nicht ordentlich im physischen Leib drinnen sitzen, dann werden Sie die Kraft, mit der der Phosphor seine Imponderabilien hält, dazu benützen können, um diesen astralischen Leib und dieses Ich des Menschen dazu zu bringen, daß sie sich mehr mit dem physischen Leibe beschäftigen. Man wird geradezu bei denjenigen Menschen, die ein unruhiges Schlafleben haben, für die allerverschiedensten Krankheitszustände den Phosphor anwenden können, weil er die Tendenz hat, das Ich und den astralischen Leib in den physischen Leib und in den Ätherleib in der entsprechenden Weise zurückzuführen.

[ 23 ] So sind in einer gewissen Weise Phosphoriges und Salziges einander polarisch entgegengesetzt. Und ich mache Sie darauf aufmerksam, daß man viel mehr darauf achten muß, wie diese Substanzen im ganzen Weltenprozeß drinnenstehen, als auf die einzelnen speziellen Namen, die, sagen wir, von der modernen Chemie den einzelnen Substanzen gegeben werden. Wir werden nämlich noch im Laufe der Zeit sehen, wie man schon auch Phosphor in phosphorähnlich wirkenden Substanzen als Heilmittel benützen kann.

[ 24 ] Sehen Sie, damit haben Sie in der äußeren Natur zwei einander entgegengesetzte Zustände statuiert, das salzartig Wirkende und das phosphorisch Wirkende. Zwischen beiden steht drinnen das merkurial Wirkende. So wie der Mensch ein dreigliedriges Wesen ist: das Nerven-Sinneswesen, das Zirkulationswesen, das Stoffwechselwesen, so wie das Zirkulationswesen vermittelnd steht zwischen dem Stoffwechsel und der Nerven-Sinnestätigkeit, so steht vermittelnd in der äußeren Natur alles dasjenige, was weder in starkem Maße sich hingibt wie das Salzartige noch auch in starkem Maße Imponderabilien in sich verinnerlicht, sondern was, ich möchte sagen, die Waage hält zwischen diesen beiden Tätigkeiten, indem es sich in der Tropfenform ausleben will. Denn im Grunde genommen ist das Merkuriale immer dasjenige, was durch seinen inneren Kräftezusammenhang zur Tropfenform neigt. Auf das kommt es an beim Merkurialen, nicht darauf, daß man die Substanzen, die man heute als Quecksilber bezeichnet, als das Merkuriale anspricht, sondern auf den Kräftezusammenhang, der die Waagschale hält zwischen dem Zerfließen des Salzigen und dem Insichgedrungensein, in dem Zusammenhalten der Imponderabilien. Also darauf kommt es an, den Kräftezustand zu studieren, welcher eben am anschaulichsten in allem Merkurialen enthalten ist. Daher werden Sie auch finden, daß dieses Merkuriale im wesentlichen zusammenhängt mit alledem, was darauf berechnet sein soll, einen Ausgleich herbeizuführen zwischen den Tätigkeiten, für die das Phosphorige geeignet ist, und den Tätigkeiten, für die das Salzartige geeignet ist. Daß die Wirkung im Organismus diesem nicht widerspricht, was ich eben gesagt habe, das werden wir noch sehen, wenn wir speziell von den syphilitischen und ähnlichen Erkrankungen sprechen werden.

[ 25 ] Nun habe ich Ihnen mit der Besprechung dieses Phosphorigen, Merkurialischen und Salzartigen gewissermaßen die besonders anschaulichen Typen aus dem Mineralischen hingestellt. Sie haben allerdings gesehen, daß man beim Salzartigen schon sprechen muß von dem Organprozeß, der in der Austernschalenbildung liegt und der dahintersteht. Dieser Prozeß, der ist in einem gewissen Sinne auch vorhanden, wenn das Imponderable konzentriert wird im Phosphor. Aber da hier alles verinnerlicht wird, ist es eben weniger anschaulich nach außen zu demonstrieren. Nun handelt es sich darum, daß man von der Anschauung dieses typisch in der Außenwelt Gestalteten zu dem geht, was, ich möchte sagen, zu einer anderen Zeit der Mensch aus sich herausgesondert hat, zu dem Pflanzlichen.

[ 26 ] Das Pflanzliche stellt, wie wir schon gestern aus anderen Gesichtspunkten her gesehen haben, gewissermaßen den Gegensatz dar zu dem, was als Tätigkeit im Menschenorganismus vorhanden ist. Aber in der Pflanze selbst können wir deutlich unterscheiden zwischen dreierlei. Dieses Unterscheiden zwischen dreierlei, das drängt sich Ihnen besonders deutlich auf, wenn Sie auf der einen Seite sehen dasjenige, was sich der Erde zu als Wurzel entfaltet, und dasjenige, was in Samen, Früchte und Blüten schießt, was nach oben geht. Schon, ich möchte sagen, in der äußeren Richtung können Sie diesen Gegensatz des Pflanzlichen und des Menschlichen — nicht des Tierischen in diesem Falle — sehen. Ja, es ist sogar hier etwas außerordentlich Wichtiges und Bedeutsames vorhanden. Die Pflanze senkt sich mit ihren Wurzeln in die Erde hinein und strebt mit ihrer Blüte, das heißt mit den Befruchtungsorganen, nach oben. Der Mensch bildet den vollen Gegensatz auch in bezug auf sein Stehen im Kosmos dazu: er wurzelt sich gewissermaßen mit seinem Kopfe in der Richtung nach oben ein, und er strebt mit seinen Befruchtungsorganen nach unten, der Pflanze direkt entgegen. So daß Sie wirklich gar nicht unsinnig tun, wenn Sie sich als ein Bild vorhalten beim Menschen eine Pflanze, die in ihm ruht, die nach oben wurzelt und ihre Blüte nach unten, nach den Befruchtungsorganen, entwickelt. Es ist in besonderer Form das Pflanzliche auf diese Art gerade in den Menschen eingegliedert. Und wiederum ist ein wichtiges Unterscheidungskennzeichen für den Menschen und das Tier dasjenige, daß in der Regel beim Tiere die Pflanze, die in es eingegliedert ist, horizontal gelagert ist, also im rechten Winkel steht zu der Richtung der Pflanze, während der Mensch, ich möchte sagen, gegenüber der Pflanze in seiner Stellung im Kosmos eine vollständige Drehung ausgeführt hat, eine Drehung von 180 Grad. Das ist etwas, was zu dem Lehrreichsten gehört, das man überhaupt finden kann in der Betrachtung des Verhältnisses des Menschen zu der äußeren Welt. Und wenn unsere Medizinstudierenden mehr eingehen würden auf solche makrokosmischen Dinge, so würden sie mehr finden auch über die Kräfte, die noch zum Beispiel in den Zellen wirken, als wenn sie mikroskopieren. Denn bei dem Mikroskopieren kommt doch wirklich sehr wenig heraus, weil die wichtigsten Kräfte, die auch in den Zellen wirken — und Unterschiede sind da, je nachdem das Wesen eine Pflanze oder ein Tier oder ein Mensch ist —, im Makrokosmischen betrachtet werden können. Man kann die Menschenzelle viel besser studieren, wenn man das Zusammenwirken des vertikal nach aufwärts, vertikal nach abwärts Gehenden und des in dem Waagehalten Liegenden studiert. Diese Kräfte, die im Makrokosmos zu beobachten sind, wirken bis in das Zellige hinein. Und das, was in den Zellen wirkt, ist im Grunde genommen nichts anderes als ein Abbild dieser makrokosmischen Wirkung.

[ 27 ] Nun aber, wenn Sie das Pflanzenwesen der Erde betrachten, so müssen Sie vor allen Dingen dieses Pflanzenwesen nicht so ansehen, wie es gewöhnlich angesehen wird, daß Sie so über die Erde hingehen und eine Pflanze neben der anderen betrachten, sie fein spezialisieren, einen zwei- oder dreigliedrigen Namen ersinnen, um dann diese Pflanze in ein Schema eingereiht zu haben, sondern Sie müssen darauf bedacht sein, daß die ganze Erde ein einziges Wesen ist und daß — zwar nicht so, wie es bei den Haaren der Fall ist, die gleich sind untereinander, wenigstens in gewisser Beziehung, während die Pflanzen voneinander verschieden sind — doch die gesamte Pflanzenwelt so sehr zu dem Organismus der Erde gehört, wie Ihre Haare zu Ihrem Organismus gehören. Sie können ebensowenig die einzelne Pflanze als etwas für sich betrachten, wie Sie das einzelne Haar als einen Organismus für sich betrachten können. Daß die Pflanzen verschieden sind, beruht nur darauf, daß die Erde in ihrer Wechselwirkung mit dem übrigen Kosmos nach den verschiedensten Richtungen hin Kräfte entwickelt und dadurch die Pflanzen verschieden organisiert werden. Aber allem Pflanzenwachstumsleben liegt ein Einheitliches in der Erdenorganisation zugrunde. Daher ist es von ganz besonderer Wichtigkeit, auf gewisse Dinge seine Aufmerksamkeit zu richten. Sie finden zunächst, sagen wir, wenn Sie die Pilze betrachten, daß für diese Pilze die Erde selbst eine Art von Standort, eine Art von Mutterboden ist. Sie finden dann, wenn Sie zu den höheren krautartigen Pflanzen übergehen, daß da auch noch die Erde eine Art von Mutterboden ist, daß aber schon dasjenige, was außerirdisch ist, auf diese krautartige Pflanze einen gewissen Einfluß hat, das Licht und so weiter in der Gestaltung der Blüten, auch der Blätter und so weiter. Aber das besonders Interessante ist, daß, wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit, sagen wir, dem Baume zuwenden, Sie sehen werden, daß in der Stammbildung des Baumes, die den Baum zu der mehrjährigen Pflanze macht, eine Fortsetzung desjenigen vorhanden ist, was sonst für die Pflanze, die unmittelbar auf der Erde aufsitzt, die ganze Erde ist. Denn sehen Sie, Sie müssen sich die Sache so vorstellen: Denken Sie sich, Sie haben hier die Erde; aus der Erde sprießt die Pflanze hervor. Dann können wir in der Erde selbst Kräfte suchen, welche dem Pflanzenwachstum zugrunde liegen, die in Wechselwirkung treten mit dem, was aus dem Kosmos hereinströmt. Wenn aber ein Baum wächst, so stülpt sich — bitte jetzt nicht zu stark schockiert zu sein von dem, was ich sagen werde, denn es ist wirklich so — in einer gewissen Weise die Erde über dasjenige, was früher von der Erde direkt in die Pflanze hineingeflossen ist; das schießt in den Stamm hinein, und alle Stämme sind im Grunde genommen Auswüchse der Erde. Daß man es nicht so betrachtet, das rührt nur von der wirklich grauenhaften heutigen materialistischen Vorstellung her, daß man die Erde nur als eine aus Mineral zusammengesetzte vorstellt, also gar nicht dazu vordringt, daß das ja eine unmögliche Vorstellung ist, diese mineralische Erde. Sie hat in sich, diese Erde, neben dem, daß sie das Mineralische absondert, auch die Kräfte, die in das Pflanzenhafte schießen. Das stülpt sich auf und wird zum Stamme. Und dasjenige, was dann am Stamm wächst, das ist in bezug auf den Stamm zu vergleichen mit dem, was in den niederen und krautartigen Pflanzen direkt auf der Erde aufsteht. Ich möchte sagen: Von niederen und krautartigen Pflanzen ist die Erde selber Stamm, und die Pflanzen machen sich einen Extrastamm, die in ihren Blüten- und Samenorganen auf dem Stamm aufsitzen. Daraus ersehen Sie, daß ein gewisser Unterschied vorliegt, ob ich eine Blüte nehme von einem Baum oder ob ich eine Blüte nehme von einem krautartigen Grewächs.

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[ 28 ] Ferner beachten Sie von diesem Gesichtspunkte aus die Parasitenbildung bei den Pflanzen, namentlich die Mistelbildung. Da haben Sie dasjenige, was sonst noch mit der Pflanze organisch verbunden bleibt, das Aufsitzen der blüten- und samentragenden Organe auf dem Stamm, wie eine äußere Absonderung, wie einen Vorgang für sich. So daß Sie also in der Mistelbildung eine Steigerung, verbunden mit einer Art Abtrennung von den Erdenkräften, desjenigen zu sehen haben, was sonst in der Blüten- und Samenbildung vorliegt. Es emanzipiert sich gewissermaßen dasjenige, was in der Pflanze unirdisch ist, gerade in der Mistelbildung. So daß wir das von der Erde Aufstrebende, das sich in Wechselwirkung stellt mit dem Außerirdischen, allmählich in der Blüten- und Samenbildung sich von der Erde absondern sehen und in der Mistelbildung zu einer ganz besonders stark sich individualisierenden Emanzipation kommen sehen.

[ 29 ] Wenn Sie nun das zusammenhalten mit dem, was Sie als Gestaltungen bei den Pflanzen wahrnehmen, so werden Sie sich sagen: Da muß also in bezug auf die Pflanzenwelt ein beträchtlicher Unterschied vorliegen, je nach dem die Pflanze mehr zur Wurzelbildung hinneigt, also vorzugsweise in der Wurzelbildung ihre Wachstumsverhältnisse zum Ausdrucke bringt und kleine oder verkümmerte Blütenbildungen zeigt. Solche Pflanzen neigen mehr zu dem Irdischen hin. Diejenigen Pflanzen, welche sich von diesem Irdischen emanzipieren, sind dann diejenigen, welche eben in Samenbildungen, in Blütenbildungen aufgehen, aber insbesondere die, welche sich als Parasiten geltend machen im Pflanzenreich. Aber die Pflanzen haben die Tendenz, jedes ihrer Organe gewissermaßen zum Hervorstechendsten zu machen — betrachten Sie die Ananas, wie sie den Stamm zum Hervorstechendsten machen will, oder irgendwelche andere Pflanze —, so können Sie sagen: Jedes von den Hauptorganen der Pflanze, Wurzel, Stengel, Blätter, Blüten, Früchte, wird von irgendeiner Pflanzenform zum Hauptorgan erstrebt. Nehmen Sie Pflanzen wie, sagen wir, Equisetum. Sie sehen, wie ihr Bestreben ist, in der Stengelbildung aufzugehen. Andere Pflanzen haben das Bestreben, in der Blattbildung aufzugehen, andere Pflanzen, Stengelbildung und Blatrbildung verkümmern zu lassen und in der Blütenbildung aufzugehen.

[ 30 ] Nun stellt sich heraus, daß eine gewisse Parallelität besteht zwischen diesen verschiedenen Tendenzen des Pflanzenwachstums und dem, was ich heute als die drei Typen der mineralischen Wirksamkeit in der außermenschlichen Natur angegeben habe. Wenn man dasjenige ins Auge faßt, was insbesondere in der sich emanzipierenden Pflanzentätigkeit liegt, in dem, was dann kulminiert in der inneren Wirksamkeit der Parasiten, so hat man etwas, was hinneigt nach der Verinnerlichung der Imponderabilien. Dasjenige, was als Imponderabilien von dem Kosmos der Erde zuströmt, das wird in diesen Organen, wenn sie prädominieren, ebenso konserviert wie in der Phosphorsubstanz. So daß wir also sagen können: In einer gewissen Weise sind phosphorisch die Blüten und Samen und alles dasjenige, was zur Mistelbildung und dergleichen hinneigt. Und umgekehrt finden wir, wenn wir den Verwurzelungsprozeß studieren, dasjenige, was die Pflanze entwickelt, indem sie die Erde als ihren Muttergrund betrachtet, innig verwandt mit der Salzbildung. So daß gerade in der Pflanze uns diese beiden Polaritäten entgegentreten. Und in der vermittelnden Tätigkeit der Pflanze, die Sie ja immer sehen zwischen dem nach aufwärts strebenden Blütigen, Fruchtigen und dem nach unten Festwurzelnden, da haben Sie den Merkurialprozeß drinnen, dasjenige, was den Ausgleich herbeiführt. So daß Sie, wenn Sie nun die umgekehrte Stellung der Pflanze zum Menschen in Betracht ziehen, Sie sich sagen werden, daß alles dasjenige, was innerlich veranlagt ist zur Blüten- und Fruchtbildung, sehr stark Verwandtschaft haben muß mit den Organen des menschlichen Unterleibes und allen den Organen, die von dem menschlichen Unterleib aus orientiert werden, daß dann auch das Phosphorige sehr starke Verwandtschaft haben muß zu den Organen des menschlichen Unterleibes. Daß das durchaus richtig ist, werden wir in den nächsten Tagen sehen. Dagegen alles dasjenige, was in den Pflanzen nach dem Wurzelhaften hinstrebt, das wird besondere Verwandtschaft haben zu alledem, was sich nach oben organisiert. Aber Sie müssen natürlich dabei ins Auge fassen, daß man nicht einfach nach einem äußeren Schema den Menschen in drei Glieder teilen kann, sondern daß dasjenige, was zum Beispiel dem untersten Gliede angehört, das Verdauungssystem, durchaus seine, ich möchte sagen, Fortsetzung anstrebt auch nach dem Haupte. Es ist ja eine ganz, man möchte schon fast sagen, alberne Ansicht, daß in der grauen Hirnsubstanz im wesentlichen die Denksubstanz gegeben ist, denn das ist nicht der Fall. Die graue Hirnsubstanz ist im wesentlichen zur Ernährung des Gehirnes da und ist eigentlich eine Kolonie der Verdauungswerkzeuge zur Ernährung des Gehirnes, während gerade dasjenige, was weiße Hirnsubstanz ist, von einer großen Bedeutung als Denksubstanz ist. Daher werden Sie auch in der anatomischen Beschaffenheit der grauen Hirnsubstanz schon etwas finden, was viel mehr zusammenhängt mit einer totalen Tätigkeit als mit dem, was ihr gewöhnlich zugeschrieben wird. Also Sie sehen, daß, wenn man von Verdauung spricht, man nicht bloß vom Unterleib sprechen kann. Aber es gilt das durchaus, daß, wenn man die Verwandtschaft des Wurzelhaften ins Auge faßt, man es da zu tun hat mit dem, was sich bezieht nicht bloß auf den oberen Menschen, sondern auch auf den übrigen Menschen. Alles dasjenige in der Pflanze, was den Ausgleich bewirkt zwischen dem Blühenden, Fruchtenden und dem Wurzelhaften, was also gewissermaßen in den Blättern und dergleichen im gewöhnlichen Kraut zum Ausdrucke kommt, das wird von einer ganz besonderen Bedeutung sein, auch dann, wenn es im Auszug gewonnen wird, für alles das, was sich auf Störungen der Zirkulation, also auch auf den rhythmischen Ausgleich zwischen dem oberen und unteren Menschen bezieht. Wenn man vorher hingestellt hat Imponderabilien verinnerlichende Mineralien, und die Imponderabilien sich fern haltenden Mineralien, und das, was dazwischen liegt, so sehen Sie, daß man das parallelisieren kann mit, ich möchte sagen, der ganzen Konfiguration der Pflanze. Und damit haben Sie das erste rationelle Mittel, um aus der Pflanze selbst, je nachdem sie Wert darauf legt, dieses oder jenes Organ zur Entwickelung zu bringen, ein Wechselverhältnis herzustellen zum menschlichen Organismus. Wie sich das weiter spezialisiert, das wollen wir noch sehen.

[ 31 ] Wir haben bis jetzt darauf hinweisen können, daß solche Wechselverhältnisse bestehen zwischen Pflanzlichem, Mineralischem und zwischen Menschlichem. In der neueren Zeit ist ja, ich möchte sagen, wie etwas sehr Hoffnungsreiches dann hinzugetreten dasjenige, was Verwandtschaft sein soll, Wechselverhältnis sein soll zwischen dem Menschen und dem Tierischen. Allein, ganz abgesehen davon, daß beim Aufkommen der Serumbehandlung in einer merkwürdigen Weise vorgegangen worden ist, muß auch Prinzipielles geltend gemacht werden gerade gegen diese übliche Serumbehandlung. Sehen Sie, beim Aufkommen der Serumbehandlung, da ist ja in der Tat in einer ganz merkwürdigen Weise von Behring vorgegangen worden. Wenn man nämlich verfolgte die Reden, die gehalten worden sind, und die Veröffentlichungen, die mehr so an der Peripherie sich bewegt haben, die bloß darüber gesprochen haben, was das Serum helfen soll, dann bekam man den Eindruck, als wenn es sich wirklich um eine Reform des ganzen medizinischen Wesens handeln würde. Nun, ging man aber ein auf dasjenige, was die grundlegenden Arbeiten beschrieben, die da gemacht worden sind, so stellte sich das Merkwürdige heraus — und das ist keine Übertreibung, wahrscheinlich weiß es der eine oder andere von Ihnen auch —, daß die Behandlung, die man der Meerschweinchenuntersuchung entnehmen wollte, um sie auf den Menschen zu übertragen, bei einer «merkwürdig großen» Anzahl von Meerschweinchen sich als ungünstig erwiesen hat. Nämlich von der ganzen großen Anzahl von Meerschweinchen, die man mit dem Serum behandelt hat, ist ein einziges gewesen, das einen günstigen Erfolg aufzuweisen hatte; ein einziges Meerschweinchen in seinem also maskierten Tierheilungsprozeß — in dem Momente, als man schon anfing, für die Serumbehandlung die große Trommel zu schlagen! Das möchte ich nur als eine Tatsache anführen. Ich glaube, daß es einige von Ihnen wohl wissen werden. Und diese, ich möchte sagen, außerordentliche Lottrigkeit in einem wissenschaftlichen Auftreten verdient denn doch eigentlich in der Wissenschaftsgeschichte genauer berücksichtigt zu werden.

[ 32 ] Aber was prinzipiell angeführt werden soll heute zum Schlusse und morgen oder in den nächsten Tagen ausgeführt werden soll, das ist doch dieses, daß Sie gesehen haben, daß nicht diejenigen Prozesse des außermenschlichen Wesens die unmittelbar im Menschen wirksamen sind, die so unmittelbar an der Oberfläche liegen, sondern diejenigen, die man erst aus dem tieferen Wesen hervorholen muß.

[ 33 ] Nun ist der Mensch eben in einer gewissen Weise verwandt mit dem, was er herausgesetzt hat, dem Phosphorprozeß, dem Salzprozeß, dem Blütenprozeß, dem Fruchtprozeß, dem Verwurzelungsprozeß, dem Blattentstehungsprozeß, aber so, daß er zu alledem eben in einer wirklichen Umkehrung lebt, daß er in sich trägt die Tendenz, dasjenige, was in dieser außermenschlichen Natur zur Darstellung kommt, aufzuheben, ins Gegenteil umzukehren.

[ 34 ] Das ist nicht dasselbe gegenüber dem Tiere. Denn das Tier hat schon auf halbem Wege diesen Prozeß durchgemacht. Der Mensch steht nicht in demselben Sinne entgegengesetzt zum Tiere. Er steht gewissermaßen zum Tiere im rechten Winkel, während er zur Pflanze im Winkel von 180 Grad steht. Und das ist etwas, was im höchsten Maße in Betracht kommt, wenn die Frage entsteht nach der Anwendung solcher tierischer Mittel, wie es Serum oder der gleichen ist.