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Geisteswissenschaft und Medizin
GA 312

26 März 1920, Dornach

Sechster Vortrag

[ 1 ] Bezüglich dessen, was heute auszuführen ist, habe ich eigentlich etwas Sorge. Denn könnte ich ein Vierteljahr darauf verwenden, diese Dinge auszuführen, so würde es nicht leicht sein, sie bloß für Phantasien zu halten. Aber da ich sie gewissermaßen nur um das Folgende, das dann auf die speziellen Seiten des Heilens eingehen soll, völlig verständlich zu machen, kursorisch durchführen kann in dieser heutigen Stunde, so wird manches wie, ich möchte sagen, bloß hingestellt erscheinen. Dennoch werde ich mich bemühen, in der Art, wie ich darstelle, zu zeigen, daß diese Dinge alle gut und sogar besser fundiert sind als diejenigen Dinge, die die heutige Naturwissenschaft zu ihren Grundlagen hat. Da möchte ich heute zunächst davon ausgehen, Ihnen den Pflanzenbildungsprozeß als solchen in seinem kosmischen Zusammenhange hinzustellen. Wir haben ja darauf aufmerksam gemacht, wie im Menschen gewissermaßen funktionell der umgekehrte Prozeß tätig ist, der sich im Pflanzenwerdeprozeß offenbart. Es ist daher notwendig, um die direkte Beziehung der Pflanzenwelt zum Menschen zu finden, diesen Pflanzenwerdeprozeß wenigstens andeutungsweise hier vorzuführen. Wenn Sie die Pflanze sich ansehen, so werden Sie finden, daß sie ganz entschieden zwei entgegengesetzte Tendenzen in ihrem ganzen Bildeprozeß hat. Die eine geht nach der Erde hin. Und ich habe ja schon gestern angedeutet, daß gewissermaßen bei den baumartigen Pflanzen in dem Stamm die Erde gewissermaßen aufgestülpt ist, so daß die Blüten beim Baum mit den dazugehörigen Blättern im Stamm so wurzeln, wie sonst die bloß krautartigen Pflanzen oder gar die niederen Pflanzen in der Erde wurzeln.

[ 2 ] Nun werden wir da hingewiesen auf der einen Seite zu der Tendenz der Pflanzen nach der Erde. Aber auf der anderen Seite strebt die Pflanze von der Erde weg. Sie strebt nicht nur von der Erde weg wie durch eine mechanische Kraft, die sich der Anziehungskraft der Erde entgegensetzt, sondern sie strebt von der Erde in ihrem ganzen, auch inneren Bildungsprozeß weg. Die Vorgänge in der Blüte werden andere als die Vorgänge in der Wurzel. Die Vorgänge in der Blüte werden viel abhängiger von dem Außerirdischen, von dem Außertellurischen als die Vorgänge in der Wurzel. Und auf diese Abhängigkeit der Blütenbildung von den nicht eigentlich irdischen Kräften müssen wir zunächst hinsehen. Denn wir werden finden, daß dieselben Kräfte, die von der Pflanze gebraucht werden, um den Blüten- und Samenbildungsprozeß außen in der Blüte einzuleiten, daß dieselben Prozesse notwendig werden wegen der Ihnen in den vorhergehenden Vorträgen angedeuteten funktionellen Umkehrung des Pflanzenprozesses im Menschen, im menschlichen Unterleibe und in all dem, was die Entleerungen, die Absonderungen und auch was die Grundlage der Sexualität betrifft, zu finden sind. So werden wir gerade, wenn wir diese Beziehung des Menschen zur Pflanze aufsuchen, auch im einzelnen auf den außertellurischen Prozeß der Pflanze ebensogut verwiesen wie auf den tellurischen.

[ 3 ] Ich möchte nicht versäumen, Sie darauf aufmerksam zu machen, daß dasjenige, was ich hier vortrage, nicht entlehnt ist älteren medizinischen Schriften, sondern auf durchaus gegenwärtiger geisteswissenschaftlicher Forschung beruht. Nur muß versucht werden, zuweilen in der Terminologie auf die ältere Literatur zurückzugreifen, weil ja die neuere Literatur eine Terminologie nach dieser Richtung hin noch nicht ausgebildet hat. Aber derjenige, der glauben würde, daß irgend etwas hier vorgetragen wird, was nur älteren Schriften entnommen ist, der würde sich eben sehr irren.

[ 4 ] Wenn Sie das Pflanzenwachstum verfolgen, wie es von dem Irdischen aufwärts geht, so werden Sie zunächst verwiesen werden müssen auf den spiraligen Gang in der Entstehung, in dem Bildeprozeß der Blätter und auch der Blüte. Gewissermaßen befolgen die Bildekräfte der Pflanze eine Art spiraligen Gang um den Stengel herum, Dieser spiralige Gang kann nicht aus inneren Spannkräften etwa der Pflanze abgeleitet werden, sondern er ist zurückzuführen auf die Einwirkung des Außertellurischen, namentlich in seiner Hauptsache auf die Einwirkungen des, sagen wir, scheinbaren — denn es ist ja doch die Bewegung der Erde zur Sonne nur relativ zu nehmen -, also des scheinbaren Sonnenweges. Man kann in einer gewissen Beziehung durchaus studieren nach besseren Anhaltspunkten, als die galileisch-mathematischen sind, den Gang der Sterne aus dem Gang der Bildeprozesse bei der Pflanze. Denn was die Sterne tun, das bildet die Pflanze getreulich nach.

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[ 5 ] Nun aber würde man ganz fehlgehen, wenn man glauben würde, daß nur dieser von der Erde nach aufwärts gehende, von der Sonne abhängige Bildungsgang in der Pflanze tätig sei, sondern es wirken die Sterne zunächst zu einer Resultierenden zusammen mit den durch die Sonne bewirkten Bewegungen unseres Planetensystems, und zwar so, daß gewissermaßen die Sonnenkraft die Pflanze ganz sich aneignen und sie fortwährend fortsetzen würde ins Unendliche, wenn dieser Sonnenkraft nicht entgegentreten würden die sogenannten äußeren Planetenkräfte wiederum mit ihren Spiralen (siehe Zeichnung Seite 119). Denn in Wirklichkeit bewegen sich die Planeten nicht in Ellipsen, sondern in Spiralen. Die ganze kopernikanische Weltanschauung müßte ja eigentlich heute schon geprüft und durch eine andere ersetzt werden. Die sogenannten äußeren Planeten, zu denen wir zu rechnen haben Mars, Jupiter und Saturn — Uranus und Neptun sind nur astronomisch zu unserem System zu zählen, sie gehören nicht in Wirklichkeit zu unserem System, sie sind dadurch in unser System hineingekommen, daß sich Fremdkörper, die außerhalb dieses Systems lagen, gewissermaßen diesem System angeschlossen haben, so daß man schon richtig spricht, wenn man von diesen erst von unserem Planetensystem eingeladenen Körpern, die da mitkommen, die eigentlich Gäste sind, absieht —, diese äußeren planetarischen Kräfte, die bewirken einen Rückgang der nach oben gerichteten Kraft, indem sie dasjenige, was sonst bloß in der Blattspirale zum Ausdruck kommen würde, zurückstauen und die Blütenund Samenbildung bewirken. Wenn Sie also von der Blattbildung an das Werden der Pflanze nach oben betrachten, so müssen Sie seinen Ursprung zuschreiben denjenigen Kräften, die aus dem Zusammenwirken entstehen des Sonnigen mit dem Marshaften, Jupiterhaften und Saturnhaften.

[ 6 ] Nun wirken aber nicht nur diese zwei Elemente zusammen, sondern ihnen wiederum wirkt entgegen dasjenige, was namentlich vom Monde ausgeht und von den sogenannten unteren Planeten, von Merkur und Venus. Merkur, Venus und Mond sind dasjenige, was in der Pflanze die Tendenz zur Erde, nach unten, erzeugt und was seinen bezeichnendsten Ausdruck findet in der Wurzelbildung. So daß alles dasjenige, was irdisch erscheint, eigentlich zugleich beeinflußt ist von den untersonnigen Planeten mit dem Monde im Zusammenhange. Sie haben also in der Pflanze, ich möchte sagen, das ganze zu uns gehörige Planetensystem ausgedrückt. Ehe man nicht kennt, wie sich in der Pflanze das ganze zu uns gehörige Planetensystem ausdrückt und wie es sich andererseits im Menschen wiederum ausdrückt, kann man eigentlich den Zusammenhang zwischen dem Pflanzensystem und dem Menschensystem gar nicht durchschauen.

[ 7 ] Sie brauchen nun ja nur hinzusehen auf die Tatsache, daß, wenn Sie Pflanzen verbrennen, welche nach dem Wurzelhaften hinneigen, welche also den Prozeß der Blüten- und Samenbildung weniger durchmachen als diejenigen Pflanzen, die nach der Blütenbildung hinneigen, oder überhaupt Pflanzenwurzeln verbrennen, daß da wesentlich mehr Aschenbestandteile sind, als wenn Sie Blüten verbrennen, oder auch wenn Sie Misteln oder baumartige Pflanzen verbrennen. Der Unterschied rührt einfach davon her, daß das Untersonnige, das Mondhafte, das Merkurhafte, das Venushafte mehr wirkt auf solche Pflanzen, die nach der Wurzelbildung hin die starke Tendenz zeigen. Da finden Sie in der Asche Eisen, Mangan, Kiesel, also Bestandteile, welche ja direkte Heilmittel darstellen, und die dann als Heilmittel auch auftreten, wenn man irgend etwas aus der Pflanze verwendet. Dagegen finden Sie wenig Aschenbestandteile, wenn Sie die entgegengesetzte Art von Pflanzen verbrennen. Das, was sich da im Verbrennungsprozeß ausdrückt, das ist ja zunächst dasjenige, was, ich möchte sagen, ein richtiges äußeres Dokument ist für diese Zugehörigkeit der Pflanze zum ganzen Kosmos, nicht bloß zu dem, was auf der Erde zu finden ist.

[ 8 ] Betrachten Sie den Pflanzenprozeß noch vollständiger. Er bricht gewissermaßen, wenn wir es nur mit den einjährigen Pflanzen zu tun haben, in einer bestimmten Jahreszeit ab mit der Samenbildung. Diese Samenbildung haben wir also vorzugsweise auf das Außerirdische zurückzuführen. Aber sie wird abgebrochen und sie wird dem Irdischen übergeben und gewissermaßen auf einer niedrigeren Stufe muß sich im neuen Jahre das wiederum fortsetzen, was im alten Jahre auf einer gewissen höheren Stufe angelangt ist. So daß Sie einen merkwürdigen Gang beobachten können in dem ganzen Pflanzenwuchs. Denken Sie sich, das sei die Erdoberfläche, dann haben Sie die ganze Pflanze herausgewachsen aus der Erde, entgegen dem Außerirdischen (siehe Zeichnung Seite 122). Dasjenige aber, was im Außerirdischen gebildet ist, wird wiederum zurückversetzt in die Erde, und der Kreislauf beginnt von neuem. So daß sich, wenn Sie das ganze Pflanzenwachstum betrachten, eigentlich jedes Jahr die Himmelskräfte unter die Erde hineinversenken, damit sie sich verbinden mit den Kräften der Erde und neuerdings sich dieser Kreislauf vollzieht. Sie senken also jedes Jahr hinunter das Blüten-Fruchthafte in das Wurzelhafte und erreichen dadurch jene Zyklen, denen das ganze Pflanzenwachstum unterworfen ist.

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[ 9 ] Sehen Sie, das weist Sie zunächst darauf hin, daß wir es in dem, was wir als die Erdenflora bezeichnen, in der Tat mit etwas zu tun haben, was eine Wechselwirkung der Erde selbst in ihrer Vollständigkeit mit dem Außertellurischen darstellt. Das erstreckt sich nun nicht bloß auf die Gestalt, sondern auch auf den inneren Chemismus und auf das ganze Organsystem. Denn geradeso wie überwunden wird dasjenige, was erdenhaft ist, durch das Kosmische im Mechanischen in der Gestalt, so wird auch gewissermaßen der Erdenchemismus in der Pflanze überwunden durch das Außerirdische, und wenn er bis zu einem gewissen Grade überwunden ist, muß er wiederum zurückversetzt werden in das Irdische, um irdischen Chemismus darzustellen. Sie haben dann nicht weit, sich klarzumachen, daß der irdische Chemismus sich äußerlich zeigt in all dem, was im Aschenhaften sich ausdrückt, daß sich der irdische Chemismus also ausdrücken läßt durch dasjenige, was ausfällt von dem Lebendigen. Das aber unterliegt der Schwere, während das Nachhinaufwachsen der Pflanze ein fortwährendes Überwinden der Schwere und der anderen erdgebundenen Kräfte ist, so daß wir sprechen können von einem polarischen Gegensatz zwischen der Schwere und dem Lichte. Das Licht ist dasjenige, was fortwährend die Schwere überwindet. Und in diesen Kampf zwischen Schwere und Licht, zwischen demjenigen, was nach der Asche hindrängt, und demjenigen, was nach dem Feuer hindrängt, in diesen Prozeß ist die Pflanze in einer gewissen Weise eingespannt. Und wir werden da verwiesen auf diesen polarischen Gegensatz des Aschewerdens und desjenigen, was im Feuer sich offenbart, auf den Gegensatz des Ponderablen und Imponderablen. Nun, da haben wir auf der einen Seite die Pflanzenwelt in ihrem kosmischen Zusammenhange.

[ 10 ] Wenn Sie den Menschen betrachten, so werden Sie ja schon nach den Auseinandersetzungen der vorangehenden Tage nicht finden können, daß Sie mit ihm zurecht kommen, wenn Sie ihn nicht nun auch polarisch orientiert denken. Denn ich habe Ihnen einerseits dargestellt, daß dasjenige, was in der Pflanze von unten nach oben wächst, beim Menschen von oben nach unten wächst, so daß in dem Sexuellen und in den Ausscheidungsprozessen beim Menschen das Blütenhafte und Samenhafte nach unten geht, während das Einwurzelnde nach oben geht. Nur ist es beim Menschen funktionell, bei der Pflanze ist es ein materieller Prozeß.

[ 11 ] Daraus sehen Sie schon, daß wir im Menschen etwas Entgegengesetztes haben von dem, was in der Pflanze vorliegt. Aber wir haben nicht bloß im Menschen das Entgegengesetzte, sondern wir haben auch den Träger des Entgegengesetzten. So daß Sie sich sagen müssen: Sie haben auf der einen Seite im Menschen funktionell gewissermaßen das nach oben sich Einwurzelnde, das nach unten Wachsende, Pflanzenhafte, und darum herum sein Materielles, das nun wiederum die Tendenz von unten nach oben hat. So daß wir dasjenige, was eigentlich bei der Pflanze künstlich gemacht wird, das Herausnehmen aus der Sphäre des Oberen und das Hineinsenken in die Sphäre des Unteren, beim Menschen kontinuierlich haben. Da wirkt immer zusammen eine Tendenz in den Prozessen von oben nach unten und von unten nach oben. Und in diesem Wechselspiel besteht eigentlich das menschliche gesunde und kranke Leben. Und sehen Sie, man versteht wirklich die komplizierten Prozesse des Menschen ganz und gar nicht, wenn man nicht ins Auge faßt, daß die Dinge so sind, wie ich sie eben jetzt dargestellt habe, daß auf der einen Seite ein Träger vorhanden ist, der von der Erde nach oben wirkt, und von der anderen Seite etwas sich einschiebt in diesen Träger, was von oben nach unten wirkt.

[ 12 ] Wie in dem Zusammenspiel dieser Kräfte das Menschenleben im gesunden und kranken Zustand besteht, das kann man leicht einsehen, wenn man, ich möchte sagen, mit halber Verzweiflung vor einer sehr wichtigen Tatsache steht, daß nämlich der menschliche Organismus ganz anders behandelt werden muß, sobald seine oben gelegenen Teile in Betracht kommen und sobald seine gewissermaßen unter dem Herzen gelegenen Teile in Betracht kommen. Da muß der Mensch sogar nach verschiedenen Prinzipien betrachtet werden. Das drückt sich aus in Tatsachen wie zum Beispiel dem für viele rätselhaften Verhalten, sagen wir, der Kraniotabes zu der gewöhnlichen Rachitis, zwei Dinge, die für den, der den Menschen als Einheit betrachtet, so nahe beieinander liegen, während sie eben dadurch, daß sie ihre Ausgänge haben von verschiedenen Gebieten des Menschen, die polarisch entgegengesetzt sind, auch durchaus nach verschiedenen Prinzipien hin angeschaut werden müssen. Das erstreckt sich in bedeutsamer Weise auf den Heilungsprozeß. Daher werden Ärzte, die bei der Rachitis in irgendeiner Weise gewisse Erfolge verzeichnen durch eine Phosphorbehandlung, wahrscheinlich bei der Kraniotabes nicht die geringsten Erfolge verzeichnen bei der Behandlung, sondern es muß da die entgegengesetzte Behandlung durch eine Therapie mit vielleicht irgendeinem kohlensauren Kalk oder dergleichen eintreten. Das ist aber, ich möchte sagen, nur der Ausdruck für eine ganz allgemeine Tatsache, die auszusprechen schon etwas unbehaglich ist, aber die doch durchaus wahr ist. Das ist nämlich diese, daß da, wo es sich um Menschenbehandlung handelt, wo man also auf das medizinische Gebiet kommt, wenn irgend etwas gesagt wird, das Gegenteil davon auch immer für gewisse Fälle richtig sein kann — und das ist das Fatale, sehen Sie. Es ist durchaus möglich, dal irgend jemand einen durchaus richtigen Heilweg für das oder jenes angibt und daß für scheinbar ganz dieselben Erscheinungen am Organismus dieser Heilweg angewendet durchaus kein Heilweg ist, sondern daß der entgegengesetzte eingeschlagen werden muß. So daß man immer in der Medizin die eine Heiltheorie durch eine andere aus dem Felde schlagen kann, wenn man sich nicht dessen bewußt ist, daß eben nur ein Teil des Menschen mit einer Heilmethode behandelt werden kann und ein anderer Teil des Menschen mit einer anderen Heilmethode behandelt werden muß. Das ist dasjenige, was wir gerade hier durchschauen müssen.

[ 13 ] Nun aber handelt es sich darum, daß wir dasjenige, was gewissermaßen bei der Pflanze uns gesondert entgegentritt, was beim Menschen eine Seite seiner Organisation ausmacht, ordentlich ins Auge fassen. Ich habe Sie gestern aufmerksam gemacht auf die drei gewissermaßen der außermenschlichen Natur eigenen Bildungsimpulse, den salzigen Bildungsimpuls, den merkurialen Bildungsimpuls und den Bildungsimpuls, der darinnen besteht, daß gewisse Körper, wie Phosphor oder Schwefel, in sich aufbewahren die Kräfte der Imponderabilien, Träger der Imponderabilien sind.

[ 14 ] Welches ist denn mit Bezug auf dasjenige, was ich heute gesagt habe, der Unterschied zwischen diesen drei verschiedenen inneren Bildungsimpulsen der außermenschlichen Natur? Alles dasjenige, was salzartig ist in seinem Prozeß, also, besser gesagt, zur Salzbildung führt in seinem Prozeß, das ist dasjenige, was überführt die inneren Vorgänge in den Bereich der Schwere. Diejenigen, welche alte medizinische Werke lesen, die würden gut tun, wenn sie überall da, wo vom Salzigwerden der Substanzen geredet wird in alten Schriften, immer hinzudenken würden: Da wird durch diesen Prozeß unterworfen die betreffende Substanz der Kraft der Schwere; während durch den entgegengesetzten Prozeß, durch den Lichtprozeß entzogen werden allerdings dann die Imponderabilien der Kraft dieser Schwere. — So daß also, wenn wir für die übrigen Imponderabilien als Stellvertreter, als Repräsentanten das Licht setzen, wir immer auch in der außermenschlichen Natur durchgehend zu denken haben den Kampf zwischen dem Licht und der Schwere, zwischen demjenigen, was nach dem Außerirdischen strebt, und demjenigen, was die irdischen Substanzen nach dem Mittelpunkt hin tendieren läßt. Wir haben darinnen zunächst den Gegensatz Schwere-Licht und das pendelnde, fortwährende Gleichgewichtsuchen zwischen Schwere und Licht, was sich in dem Merkurialen zum Ausdruck bringt. In dem Merkurialen ist nichts anderes enthalten als dasjenige, was das fortwährende Suchen des Gleichgewichtszustandes darstellt zwischen dem Licht und der Schwere.

[ 15 ] Nun handelt es sich darum, diesen Gegensatz zwischen dem Salzhaften, dem Phosphorischen und dem Merkurialen in der Tat hineinzustellen in den ganzen Kosmos, in das Schwere, in das Lichthafte und in den Gegensatz zwischen beiden, das heißt in das Ausgleichsuchen zwischen beiden. Nun sehen Sie, in diesen vollen Gegensatz ist in einer merkwürdigen Weise hineingestellt die ganze menschliche Herztätigkeit. Das ist ja, ich möchte sagen, das Schreckliche in der gegenwärtigen naturwissenschaftlichen Anschauung, daß man sich — abgesehen von jenem Pump-System, das man auf das Herz anwendet und dessen Unhaltbarkeit ich Ihnen schon dargestellt habe — heute alles so vorstellt, als ob es sich erschöpfen würde in seiner Tätigkeit, die gewissermaßen mit der Haut des betreffenden Wesens nach außen abgeschlossen wäre. Man stellt sich ja heute nicht viel anders vor, als daß das Herz in irgendeinem Zusammenhang halt steht mit dem, was da durch den Körper pulsiert. Aber es ist nicht so, sondern als Organwesen ist der Mensch in den ganzen Weltprozeß eingeschaltet, und das menschliche Herz ist nicht nur ein Organ, das in seinem Organismus ist, sondern es ist etwas, was zum ganzen Weltenprozesse gehört. Und dasjenige, was sich in der Pflanze abspielt, das Zusammenwirken des Obersonnigen und des Untersonnigen, das spielt sich im Menschen ab und findet seinen Ausdruck in den Herzbewegungen. Die Herzbewegungen sind nicht nur ein Abdruck desjenigen, was im Menschen geschieht, sondern durchaus auch ein Abdruck außermenschlicher Verhältnisse. Wenn Sie das Herz des Menschen in Betracht ziehen, so spiegelt sich darinnen, ich möchte sagen, im Grunde genommen der ganze Weltenprozeß. Der Mensch ist eigentlich nur als geistig-seelisches Wesen individualisiert. Er ist eingeschaltet in den ganzen Weltenprozeß dadurch, daß zum Beispiel sein Herz in seinen Schlägen tatsächlich ein Ausdruck ist nicht für das, was im Menschen vorgeht, sondern für jenen Kampf, der zwischen Licht und Schwere sich im ganzen Kosmos abspielt.

[ 16 ] Ich habe öfter für die Laienwelt dieses Hineingestelltsein des Menschen in den Kosmos durch das gröbste Anschauliche darzulegen versucht, indem ich folgende Rechnung angestellt habe. Wenn Sie annehmen, daß der Mensch ungefähr in der Minute achtzehn Atemzüge hat, dann werden Sie finden, daß die Anzahl dieser Atemzüge in einem Tage, in vierundzwanzig Stunden, eine bestimmte ist: Sie bekommen 25920 Züge. Nehmen Sie einen einzigen menschlichen Lebenstag und betrachten Sie, daß Sie im Jahre 365 Tage haben, nehmen Sie an, der Mensch erreicht eine mittlere höchste Lebensdauer — man kann natürlich viel älter werden — von 71 Jahren, so bekommen Sie genausoviele Lebenstage für den menschlichen Lebenslauf als Atemzüge im einzelnen vierundzwanzigstündigen Tag — 25915. Und wenn Sie den ganzen Umlauf der Sonne um den Tierkreis herum nehmen, also ein platonisches Jahr, diejenige Zeit, welche die Sonne braucht, um, sagen wir, wenn sie im Widder aufgeht im Frühlingspunkt, wiederum zurückzukommen, so bekommen Sie 25920 Jahre. Da haben Sie ein merkwürdiges Zahlenbeispiel für den Zusammenhang des Menschen mit dem ganzen Weltenall, denn es stellt Ihnen in Jahren der Sonnenlauf, das platonische Jahr, etwas dar, was durch dieselbe Zahl auszudrücken ist wie die Lebenstage des Menschen. Das, sehen Sie, ist recht anschaulich darzustellen, aber es weist in außerordentliche Tiefen des Weltbestandes hinein. Sie brauchen sich ja nur dasjenige, was wir in der Anthroposophie auch betonen müssen, vor Augen zu halten, daß, wenn der Mensch einschläft, sein Ich und sein astralischer Leib herausrücken aus dem physischen Leib und Ätherleib und beim Aufwachen wiederum hineinrücken. Sie brauchen sich das nur vorzustellen als eine Art von Aus- und Einatmen des Geistig-Seelischen durch den physischen Leib, so haben Sie solche Atemzüge, die da vollzogen werden durch dieses Aus- und Einatmen während eines menschlichen Lebenslaufes, der also für irgend etwas ein Tag sein muß, 25915 oder 25920 — nicht wahr, es sind Schalttage, dadurch kommt dieser Unterschied von fünf wieder heraus. Und wiederum muß irgend etwas im Weltenall sein, was nach derselben Zahl mit einem Sonnenumlauf, scheinbaren Sonnenumlauf zusammenhängt. Da haben Sie einen Rhythmus im Weltengang drinnen, der sich im Großen ausdrückt, der sich ausdrückt im einzelnen menschlichen Lebenslauf und der sich ausdrückt in den Atmungsprozessen des einzelnen Tages. Es wird Ihnen nicht mehr so wunderbar erscheinen, daß aus dem alten atavistischen Anschauen heraus die Vorwelt gesprochen hat von Tagen und Nächten des Brahma, von einem Aus- und Einatmen der Welt, weil sie gefunden hat, daß dieses Aus- und Einatmen der Welt sein kleines mikrokosmisches Bild in dem täglichen Lebensprozeß des Menschen hat.

[ 17 ] Durch solche Dinge, wahrhaftig nicht durch irgendwelche Sympathien und Antipathien, sondern durch solche Dinge, die auf sehr Konkretem beruhen, kommt man eigentlich erst zu einer wahren Verehrung der Urweisheit. Ich kann Ihnen die Versicherung geben, ich wäre kein Verehrer der Urweisheit, wenn ich mich nicht in unzähligen Fällen überzeugt hätte, daß man heute zur Entdeckung von Dingen kommt, die sich in der Urweisheit wiederum finden und die ganz verschwunden sind zwischen dem, was die Menschen der Urweisheit wußten, und dem, was wir heute wiederum erreichen können. Nicht aus einem allgemeinen Hindrängen zur Urweisheit geht das hervor, was derjenige, der wirklich nach Erkenntnis strebt, sich als eine Verehrung der Urweisheit erzieht, sondern es kann gerade aus einem Durchschauen bestimmter, ganz konkreter Verhältnisse hervorgehen.

[ 18 ] Nun, so haben wir, wenn wir das Lichthafte suchen wollen, unseren Blick hinzurichten auf all das, was gewissermaßen in unserem Planetensystem im Obersonnigen ist, im Marshaften, Jupiterhaften, Saturnhaften. Und da alles dasjenige, was auf der Erde geschieht, eine Wirkung in gewissem Sinne desjenigen ist, was außerirdisch vorhanden ist, so müssen wir im Irdischen eben diese Wirkungen desjenigen auffinden, was da im Kosmos vor sich geht. Das führt dahin, in den irdischen Substanzen nicht in einer so abstrakten, phantastischen Weise die Gründe für ihre Konfiguration oder für ihre Aggregatzustände zu suchen, wie es die heutige Molekular-Physik oder Molekular-Atom-Chemie tut. Diese Atom-Chemie schaut gewissermaßen in dasjenige hinein, wohinein man nicht schauen kann, in das Innere der Körperkonstitution, ersinnt allerlei schöne Ahnungen von Atom und Molekül und spricht dann — vielleicht heute schon weniger, aber man hat vor ein paar Jahrzehnten sehr stolz gesprochen — von «astronomischer Erkenntnis» desjenigen, was da im Innern der Körperstruktur vor sich geht. Man hat vor einiger Zeit davon gesprochen. Heute photographiert man diese Dinge, wie ich im vorgestrigen öffentlichen Vortrage gesagt habe; auch in spiritistischen Kreisen photographiert man — Geister. Und da die Naturforscher heute nicht geneigt sind, an die Geisterphotographien zu glauben, so müssen sie es den anderen, die diese Dinge durchschauen, schon gestatten, daß sze nicht an ihre Atomphotographien glauben; denn diese unterliegen demselben wie die Geisterphotographien.

[ 19 ] Dasjenige, mit dem man es zu tun hat in den Pflanzen, das sind nicht die Kräfte, die an die Atome und Moleküle gebunden sind, sondern die Kräfte, die von außerhalb der Erde wirken und die in die irdische Substanz hineinwirken. Also wenn wir eine irdische Substanz konfiguriert haben, so sind es nicht darinnen diese kleinen Dämonen, die Atome und Moleküle, die die Konfiguration bewirken, sondern es sind die kosmischen Kräfte, die in irgendeiner Weise wirken. Wenn, sagen wir, eine Konstellation im Außertellurischen besteht, daß auf einen Punkt der Erde besonders günstig wirken kann, sagen wir, aus unserem Planetensystem der Saturn, er dann günstig wirken kann, wenn möglichst von seiner Wirkungslinie weit weg sind — wenn also hier dieses die Erde ist und der Saturn auf die Erde wirkt (siehe Zeichnung Seite 130) — die andern Wirkungslinien, also Sonnenwirkung, Marswirkung und so weiter nicht in seiner Bahn oder nahe außerhalb seiner Bahn liegen, sondern möglichst weit weg sind, so daß gewissermaßen der Saturn allein wirkt, so wird, da unsere Erde durch andere Gründe spezifiziert ist, wenn gerade an dieser Stelle der Erde eine günstige Disposition vorliegt für diese Saturnkräfte, die nur wenig in diesem Falle beeinflußt werden von andern außerirdischen Kräften, in der irdischen Substanz eine Struktur bewirkt, die eben anders ist, als wenn zum Beispiel der Mars unter denselben Verhältnissen wirkt. Wir sehen in den irdischen Substanzen eben nichts anderes ‚als die Produkte des Zusammenwirkens der Sternenkräfte. So daß in dem Falle, den ich herausgeschnitten habe hier, wo der Saturn auf gewisse Stellen der Erde besonders günstig und durch lange Zeiten wirkt, uns die Wirkung in dem Produkt dann ersichtlich wird, indem wir es da zu tun haben mit der Entstehung von Blei.

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[ 20 ] Das ist der Grund, warum man gewisse irdische Substanzen namentlich metallischer Art mit gewissen Konstellationen im außertellurischen Kosmos zusammenbringen muß. Da kann man eben nicht anders, als dasjenige, was die heutige Forschung, die heutige Geisteswissenschaft bieten kann, wiederum in einen Parallelismus zu bringen mit dem, was früher aus der Urweisheit heraus dargeboten worden ist, was eigentlich erst verstanden werden kann, wenn man es wieder entdeckt. Denn es sind die älteren Schriften für den heutigen chemisch oder physikalisch denkenden Menschen eigentlich im Grunde genommen unmöglich zu lesen. Das kann das Beispiel lehren, das ein nordischer sehr gescheiter Gelehrter in einer Geschichte der Alchemie verzeichnet hat, wo er einen Prozeß darstellt, der, wie er ganz recht sagt, nach den heutigen chemischen Begriffen ein Unsinn ist, denn man findet nichts heraus. Es ist ein Bleiprozeß. Aber der gute Herr hat nicht erkannt, daß damit der Samenbildungsprozeß erklärt wird. Er hat geglaubt, es ist damit der Prozeß im Laboratorium erklärt. Da ist es natürlich ein Unsinn. Daß man aber vollständig die Terminologie, ich möchte sagen, auf einen anderen Plan bringen muß, daß man bei manchen Ausdrükken etwas ganz anderes denken muß, weiß eben der Herr nicht, daher ist es für ihn ein Unsinn. Er hat ebenso recht, wie er unrecht hat, natürlich.

[ 21 ] Man kann also nicht anders, als die irdischen Substanzen in Zusammenhang bringen mit den Kräften, die aus der Umgebung der Erde auf die Erde hereinwirken. Da ergibt das Studium namentlich der Metalle, wenn es so getrieben wird, wie ich es Ihnen auch in diesen Vorträgen andeuten will, eben ganz bestimmte Zusammenhänge, so daß wir zuordnen müssen zum Beispiel das Blei vorzugsweise den durch anderes nicht gestörten Saturnwirkungen, das Zinn den durch anderes nicht gestörten Jupiterwirkungen, das Eisen den durch anderes nicht gestörten Marswirkungen, das Kupfer den durch anderes nicht gestörten Venuswirkungen, das Quecksilber, wie wir es heute in der Chemie so bezeichnen, den durch anderes nicht gestörten Merkurwirkungen — die Alten haben deshalb den Merkur und das Merkur gleich bezeichnet — und wir werden eine Verwandtschaft erkennen müssen zwischen allem Silbrigen — ich sage hier ausdrücklich Silbrigen — und demjenigen, was ungestörte Mondwirkungen sind. Es ist wirklich sehr nett, wenn man in der heutigen Literatur liest, daß in älteren Zeiten die Verwandtschaft des Silbers mit dem Mond konstatiert worden ist dadurch, daß der Mond silberglänzend aussieht, und daß man sich rein nach dieser äußeren Eigenschaft gerichtet hätte. Wer weiß, wie in ihrer Art allerdings sorgfältig die Studien über die einzelnen Metalle waren, die da gemacht worden sind, der wird einem solchen Irrtum nicht unterliegen können. Allein, Sie sehen daraus, daß reichlich Gelegenheit geboten ist nun zu anderen Substanzen. Denn das, was ich Ihnen genannt habe: Blei, Zinn, Eisen, Kupfer, Quecksilber und Silber, sind ja nur die ausgezeichnetsten Substanzen. Es ist reichlich Gelegenheit geboten zu anderen Substanzen dadurch, daß allerlei andere planetarische Wirkungen mit den angedeuteten nun eben in Konkurrenz treten, daß also zum Beispiel in die Linie der Saturnwirkung hineinfallen die Linien der Marswirkung und so weiter. Dadurch entstehen eben die weniger repräsentativen Metalle. Jedenfalls aber haben wir in der Metallwelt der Erde das Ergebnis außertellurischer Kräftewirkungen zu sehen. Damit aber wird in einer gewissen Weise dasjenige, was wir in der Metallwirkung zum Ausdrucke gebracht haben, zusammengeschlossen mit dem, was wir in der Pflanzenbildung sehen. Denn nehmen Sie dasjenige, was in den Agentien von Blei, Zinn und Eisen liegt, so haben Sie ungefähr alles dasjenige zusammen, was nun auch liegen muß in alledem, was zusammenhängt mit der Blüten- und Samenbildung der Pflanzen, insofern sie außer dem Irdischen über der Oberfläche der Erde geschehen, mit alledem, was kupferig, merkurial, silberhaft ist, muß zusammenhängen alles dasjenige, was mit der Wurzelbildung der Pflanze zusammenhängt.

[ 22 ] Während auf der einen Seite das Merkuriale als ein gewisser Ausgleich vorliegt, kommen Sie ja selbstverständlich dazu, auf der anderen Seite einen anderen Ausgleich suchen zu müssen. Denn sehen Sie, das Merkuriale ist der Ausgleich zwischen dem Tellurischen und dem gewissermaßen Übertellurischen. Aber unser ganzes Weltenall ist ja in Wirklichkeit durchsetzt von Geist. Und da stellt sich, ich möchte sagen, eine andere Polarität ein. Wenn Sie sich hier das Irdische vorstellen, dann das Außerirdische, so haben Sie den Gegensatz von Licht und von Schwerkraft im Irdischen und Außerirdischen. Aber damit haben Sie nur die Möglichkeit, auf einen Gleichgewichtszustand hinzublicken zwischen dem Irdischen und Außerirdischen.

[ 23 ] Aber nun gibt es einen anderen Gleichgewichtszustand zwischen dem, was nun gleichmäßig alles Irdische und Außerirdische durchdringt, und diesem selbst, nämlich zwischen dem Geistigen und dem Materiellen, ob das Materielle nun imponderabel oder ponderabel ist. In jedem Punkte des Materiellen muß wiederum das Gleichgewicht gehalten werden zwischen dem Geistigen und diesem Materiellen; aber auch im Weltenall. Das nächste, wo es für uns im Weltenall gehalten wird, ist die Sonne selbst. Die Sonne hält den Gleichgewichtszustand zwischen dem Geistigen im Weltenall und dem Materiellen im Weltenall. Daher entspricht die Sonne, ich möchte sagen, zu gleicher Zeit einem Weltenkörper, der Ordnung hält im planetarischen System, aber auch die Ordnung bewirkt von den Kräften her, die in unser materielles System hereindringen. So wie man feststellen kann den Zusammenhang der einzelnen Planeten mit den Metallen, so wie ich es vorhin charakterisiert habe, so kann man auch feststellen den Zusammenhang zwischen der Sonne und dem Golde. Aber auch hier ist es so, daß die Alten wahrhaftig nicht das Gold geschätzt haben um seines ahrimanischen Wertes willen, sondern um seines Zusammenhanges mit der Sonne willen, um seines Zusammenhanges mit dem Gleichgewicht zwischen Geist und Materie.

[ 24 ] Nun ist das Wichtige, immer den Blick darauf hinzurichten, daß in der Natur eigentlich dasjenige immer in irgendeiner Weise vereinigt ist, was wir trennen sowohl in unseren Gedanken wie auch in dem, was wir schließlich auf der Erde selbst vollbringen. Wir trennen in Gedanken dasjenige, was der Schwerkraft unterliegt, was also zur Salzbildung neigt, von dem, was Lichtträger wird, was also nach der Lichtwirkung hinneigt, und wiederum von dem, was dem Gleichgewichte zwischen beiden unterliegt.

[ 25 ] Aber so ist das nicht in der Natur überall getrennt, sondern in der Natur sind diese Wirkungsweisen miteinander verbunden, ineinandergefügt, so daß sie da sehr künstliche Gebäudesysteme bilden, und das künstliche Gebäudesystem ist schon im Golde enthalten im Leuchten, weil durch das Gold das Geistige gewissermaßen rein in die äußere Welt hereinschaut. Wir werden da auf etwas aufmerksam, was ich Ihnen, ich möchte sagen, in Parenthese sagen möchte, weil Sie ja doch vielleicht ganz fruchtbar darauf hinarbeiten können, die Anregungen, die man schon noch gewinnen könnte aus der alten Literatur, in der neuen Literatur zu verwerten. Wenn Sie die gestern angeführten Dissertationen machen, werden Sie manche Anregungen aus der alten Literatur gewinnen können, wenn Sie nur diese alte Literatur richtig verstehen können. Da ist es außerordentlich wichtig, zu sehen, wie eigentlich die alte Literatur in jeder Substanz alle drei Prinzipien in irgendeiner Zusammenfügung sieht, das Salzhafte, das Merkuriale und das Phosphorige oder Sulfurartige, und wie man bemüht ist, in älteren Zeiten diese drei herauszutrennen aus irgendeiner Substanz. Man war also der Ansicht: Blei entsteht schon auf einem solchen Wege, wie wir es angedeutet haben, aber Blei enthält ebenso wie Gold oder wie Kupfer alle drei Prinzipien, das Salzhafte, das Merkuriale und das Phosphorartige. Und es handelt sich darum, daß, damit wir mit dem Salzigen, Merkurialen, mit dem Phosphorigen den Menschen behandeln können, wir das herausbringen, daß wir es also in einer gewissen Weise abtrennen von dem, womit es verbunden ist. Und auf diesen Prozeß wurde in der älteren Chemie die größte Sorgfalt verwendet. Diesen Prozeß fand man am schwierigsten beim Golde. Daher der römische Ausspruch, der wirklich auch so etwas ist, was wiederum zur Verehrung des Alten führt: «Facilius est aurum facere quam destruere» — «Leichter ist es, Gold zu machen, als Gold zu zerstören.» Denn man dachte sich, daß im Golde die drei wesenhaften Naturprinzipien, das Salzartige, das Merkuriale, das Phosphorige, so fest miteinander verbunden sind, daß man sie aus dem Golde am allerschwersten herausbekommt.

[ 26 ] Nun ist es ja durchaus wahr, wenn man sich genau so verhalten wollte, wie das die Alten in diesem Prozesse für das Herausarbeiten der drei Naturprinzipien getan haben, würde man heute kaum leicht zurecht kommen. Aber wenn man ganz absieht von dem Alten, wie es eben gerade in diesen Vorträgen geschehen soll, wo nur zuweilen Licht geworfen wird auf die alte Literatur, und auf dasjenige eingeht, was heute noch erforscht werden kann, so kommt man eben auch darauf, daß man, um nun herauszubekommen dasjenige, was man braucht von diesen drei Prinzipien, die ich Ihnen gestern und heute charakterisiert habe aus den Natursubstanzen, da tatsächlich in einer gewissen Weise mit den Natursubstanzen den Verbrennungsprozeß vollziehen muß, wodurch man zum Beispiel das Feuertragende, Lichttragende erst abscheidet, daß man dann versuchen muß, aus den Natursubstanzen das Merkuriale zu gewissen Zwekken auch herauszubekommen, so daß einem bloß das nach dem Salzigen Hindrängende zurückbleibt. Das kann man dann mit irgend etwas Säureartigem ausziehen, und man wird ein wirkliches salzartiges Heilmittel, sei es aus Pflanzen, sei es aus Mineralien, bekommen. Auf das Spezielle werde ich dann noch weiter eingehen. Wir werden also in der Natur entweder dasjenige zu suchen haben, was lichttragend ist, um das Außertellurische zu gewinnen, oder wir werden zu suchen haben, aus den irdischen Substanzen dieses Außertellurische hinwegzubekommen und das Tellurische zurückzubehalten, dann werden wir das eigentlich wahre Salzartige haben, oder wir werden versuchen, etwas zu gewinnen, was den Gleichgewichtszustand zwischen beiden darstellt.

[ 27 ] Nun aber kann man da, ich möchte sagen, zwei Wege einschlagen, die in ihrer Art verschieden sind, von denen ein jeder bis zu einem gewissen Grade zum Ziele führt. Man kann eigentlich beide Wege einschlagen. Man kann sich auf den Standpunkt stellen, auf den sich die alten Ärzte gestellt haben, die immer darauf ausgingen, aus den bekannten Substanzen dasjenige herauszuschälen, was nach ihrer Art Phosphor oder Salz oder Merkur war, und die dann das Betreffende verwendeten. Für sie ergab sich die verschiedene, die spezifische Wirkung der Heilmittel dadurch, daß es etwas anderes war, ob sie aus dem Blei oder aus dem Kupfer die betreffenden Dinge bekommen haben. Sie haben also auf den Ursprung Rücksicht genommen. Wenn sie also ein Salz aus Blei herstellten, so war das für sie etwas anderes als das Salz aus Kupfer. So daß sie also, auch wenn sie vom Salz gesprochen haben, eigentlich davon gesprochen haben, daß sie in diesem Salz hier etwas haben bei den verschiedenen Salzen, was allerdings dadurch, daß es Salz ist, irdisch ist, aber dadurch, daß es Salz ist, das hergeleitet ist, sagen wir, aus verschiedenen Metallen, etwas Außertellurisches ist und Beziehung hat zu dem Verschiedensten im Menschen, was wir dann genauer gleich morgen charakterisieren können. Man kann diesen Weg zum Beispiel zur Herstellung des Salzartigen in der Heilkunde einschlagen. Man kann dann den Weg einschlagen, den man eingeschlagen hat, nachdem der andere Weg der Alten versandet war, aber eingeschlagen hat aus einem noch deutlichen Gefühl heraus, daß ja wirklich der Mensch nicht bloß eine Retorte ist, sondern mehr ist. Und das ist der Weg, wo man einfach versucht, durch Hinnahme desjenigen, was da ist, und durch Potenzieren dessen, was da ist, die Kräfte, die den schon vorhandenen Substanzen zugrunde liegen, nutzbar zu machen. Das ist der Weg, der im wesentlichen der Hahnemannschen Richtung innewohnt und der, ich möchte sagen, eine Art Neuaufstieg darstellt aus dem gesamten menschlichen medizinischen Streben heraus, nachdem der alte Weg bereits versandet war, indem man nichts mehr gewußt hat von irgendwelchen außertellurischen oder sonstigen Zusammenhängen.

[ 28 ] Das ist ja eigentlich dasjenige, was, ich möchte sagen, in den Verzweiflungen des modernen Ärztetums liegt, daß man in der modernen Medizin nicht mehr hinschaut auf dasjenige, was eigentlich dem Irdischen zugrunde liegt, auf das Außerirdische, und daß man immer zurechtkommen will mit demjenigen, was nur im Irdischen daliegt. Über das strebt das homöopathische System hinaus; über das strebt natürlich auch die physikalische Heilweise hinaus, die eben, weil sie den Weg nicht mehr hat, den Lichtträger in der richtigen Weise zu verwenden, Phosphor, oder den Luftträger in der richtigen Weise zu verwenden, Merkur, Licht und Luft direkt verwendet. Das ist selbstverständlich auch eine dritte Möglichkeit.

[ 29 ] Aber ein wirklicher, günstiger Weg wird sich nur wieder eröffnen, wenn man durch Geisteswissenschaft eindringt in den Zusammenhang zwischen dem Mineralischen und dem Außertellurischen, zwischen dem Pflanzlichen und dem Außertellurischen und dem Tierischen und dem Außertellurischen. Wenn man beim Tierischen ankommt — ich habe das ja schon gestern angedeutet —, kommt man schon in bedenkliche Nähe des Menschen. Da haben die Alten eine Grenze gemacht, die wir wiederum aus neueren Forschungen heraus suchen wollen. Sie haben nämlich gesagt: Pflanzen — die stehen im Bereich des Planetensystems; Mineralien — die stehen im Bereich des Planetensystems; wenn man aber in die Tierwelt heraufkommt, kommt man aus dem Planetensystem heraus, da wird die Sache so, daß man viel weniger mit den Dingen spielen darf, als wenn man innerhalb des Planetarischen, Außertellurischen stehenbleibt. Die Kräfte liegen viel weiter im Weltenall noch zerstreut, die zu der Tierbildung und dann besonders zur Menschenbildung führen, als die Kräfte in den Mineralien und Pflanzen. Sie haben den Tierkreis gezogen, damit man nicht jenseits dessen, was im Pflanzlichen oder Mineralischen liegt, die Heilkräfte sucht oder wenigstens aufmerksam ist darauf, daß da in ein bedenkliches Gebiet eingetreten wird.

[ 30 ] Nun ist allerdings in dieses Gebiet eingetreten worden auf dem Wege, den ich Ihnen schon gestern anfing zu charakterisieren, den wir auch noch genauer besprechen müssen, wenn wir in das Spezielle der Pathologie und der Serumtherapie hineinkommen. Solche Wege sind gewöhnlich so, daß sie, weil sie zu Einzelnem führen, recht starke Illusionen hervorrufen, durch die dann das vollständig übertüncht wird, was als Gefährliches hinter diesen Dingen steht.

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