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The Rudolf Steiner Archive

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Remedial Education Course
GA 317

1 July 1924, Dornach

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Remedial Education Course, tr. SOL
  1. Curative Education, tr. Adams
  2. Heilpädagogischer Kurs

Sechster Vortrag

Sixth Lecture

[ 1 ] Meine lieben Freunde, den heutigen Tag möchte ich so betrachten, daß wir ihn als Beispiel auffassen, das nach den verschiedenen Seiten dann ausgreifen kann. Ich möchte zunächst, damit wir eine Grundlage haben für das Besprechen, die Krankengeschichte des Sandroe behandeln.

[ 1 ] My dear friends, I would like to view today as an opportunity to use this day as an example that can then be expanded upon in various ways. First, to give us a foundation for our discussion, I would like to go over Sandroe’s medical history.

[ 2 ] Der Junge ist hier seit dem 11. September 1923; er ist neunjährig hier angekommen. Während der Schwangerschaft fühlte sich die Mutter sehr gut und machte im fünften Monat eine Reise durch Spanien. Die Geburt war sehr schwer, er mußte gewendet und mit der Zange geholt werden. Der Junge befand sich im ersten Jahr sehr gut, so daß man gar nicht an eine Abnormität dachte. Mit sechs Monaten hat er einmal sehr lange in der Sonne gelegen, und bekam danach durch dieses Lange-in-der-Sonne-Sein eine Art Ohnmacht und nachher Fieber. Er ist nur drei Monate mit Muttermilch ernährt worden. Dann vom neunten Monate bis zum dritten Jahre aß er sehr schlecht. Er wollte damals gar nichts essen. Im zweiten Sommer fiel den Eltern auf, daß die Augen sich veränderten und weniger klar wurden. Und er konnte auch im zweiten Jahre noch nicht sprechen und noch nicht gehen und begann meistens nachts um vier Uhr ohne Ursache zu schreien. Er hat die Gewohnheit entwickelt - die Gewohnheit, die wir immer zu beachten haben -, am Daumen zu lutschen. Er bekam deshalb Kartons am Ellbogen und nachts bekam er Aluminiumglocken an der Hand zu tragen. Die trug er drei Jahre. Dann blieb die Entwickelung immer zurück. Mit fünf Jahren konnte er noch immer nicht zusammenhängend sprechen. Nun beginnt die Periode des Zahnwechsels. Sie beginnt mit dem siebenten Jahre, die mittleren Zähne sind gewechselt, die oberen noch nicht alle gewechselt. — Hat er noch Zähne gewechselt? Einen Zahn hat er noch bekommen. Der eine Vorderzahn ist auch noch nicht da? — Jetzt ist er da. Der andere war schon dazumal stark entwickelt. Die Mutter gibt an, daß auch sein Vater sich spät entwickelt und auch sehr spät den Zahnwechsel gehabt hat. Nun war er dazumal, als er ankam, schwächlich; 24 Kilo Gewicht. Er hat zarte Knochen. Hände und Füße im Verhältnis zum Körper sind sehr groß. Die Hände sind sehr ungeschickt. Aller äußere Befund ist negativ. Dann haben wir fortschreitend ein Unruhiger- und Schwierigerwerden zu beobachten. Er ißt etwas unmanierlich. Die körperlichen Funktionen sind in Ordnung. Seit Januar 1924 ist er wesentlich ruhiger, menschlicher geworden. Die Dinge der Außenwelt begannen ihn zu interessieren und setzten ihn in Erstaunen. Dasjenige ist eingetreten, was gesucht werden muß herbeizuführen: Aufmerksamkeit auf die Außenwelt, und zwar nicht bloß intellektuelle, sondern vor allen Dingen gemüthafte Aufmerksamkeit auf die Dinge der Außenwelt zu entwickeln. Dinge der Außenwelt setzen ihn in Erstaunen. Es handelt sich darum, daß intellektuelle Aufmerksamkeit nicht therapeutisch wirken kann, sondern daß man das Gefühl, den Willen engagieren muß bei der Aufmerksamkeit gegenüber der Außenwelt. Er wird zu den Menschen zutraulich, und, während er anfangs ziemlich teilnahmslos an den Menschen vorbeigegangen ist, erkennt er sie jetzt wieder. Zum Handeln ist er schwer zu bringen. Was er tut, tut er nicht gern, doch hat er bis zum Januar die nützliche Beschäftigung des Strickens etwas gelernt. Es handelt sich darum, daß man eine solche Beschäftigung an das Kind heranbringt, die es auf der einen Seite zum Mechanischen, zum Bewegtwerden bringt, und auf der andern Seite dazu, doch aufmerksam zu sein; denn man kann beim Stricken Maschen verlieren. Sein liebstes Spiel ist ein Wagen oder Schlitten. Er kann stundenlang nichts anderes sprechen als von seinem Wagen; das ist eine Sache, die anklingt an dasjenige, was ich gestern besprochen habe. Er lernt schnell deutsch sprechen und verstehen. Nun, das ist dasjenige, was der unmittelbare Befund war.

[ 2 ] The boy has been here since September 11, 1923; he arrived here at the age of nine. During her pregnancy, the mother felt very well and took a trip through Spain in her fifth month. The birth was very difficult; he had to be turned and delivered with forceps. The boy was doing very well during his first year, so no one even suspected an abnormality. When he was six months old, he once lay in the sun for a very long time, and as a result of this prolonged exposure to the sun, he experienced a sort of fainting spell followed by a fever. He was breastfed for only three months. Then, from the age of nine months until he was three years old, he ate very poorly. At that time, he wouldn’t eat anything at all. During his second summer, his parents noticed that his eyes were changing and becoming less clear. And even in his second year, he still could not speak or walk, and he usually began screaming for no apparent reason at four o’clock in the morning. He developed the habit—a habit we must always keep in mind—of sucking his thumb. Because of this, he was given cardboard braces on his elbows, and at night he had to wear aluminum bells on his hand. He wore them for three years. After that, his development continued to lag behind. At age five, he still could not speak coherently. Now the period of tooth replacement is beginning. It starts at age seven; the central incisors have been replaced, but not all of the upper ones yet. — Has he lost any more teeth? He’s gotten one more tooth. Is that one front tooth still missing? — It’s in now. The other one was already well-developed back then. The mother states that his father also developed late and went through the tooth-changing phase very late as well. Now, when he first arrived, he was frail; he weighed 24 kilograms. He has delicate bones. His hands and feet are very large in proportion to his body. His hands are very clumsy. All physical findings are normal. We have since observed him becoming progressively more restless and difficult. He eats somewhat without manners. His bodily functions are normal. Since January 1924, he has become considerably calmer and more sociable. He began to take an interest in the outside world, and it filled him with wonder. What we had sought to bring about has occurred: developing attention to the outside world—not merely intellectual attention, but above all emotional attention to the things of the outside world. Things in the outside world fill him with wonder. The point is that intellectual attention cannot have a therapeutic effect; rather, one must engage the feelings and the will when paying attention to the outside world. He is becoming trusting toward people, and while at first he passed people by rather indifferently, he now recognizes them. It is difficult to get him to take action. He does not enjoy what he does, yet by January he had learned a little of the useful activity of knitting. The point is to introduce the child to an activity that, on the one hand, encourages mechanical movement and, on the other hand, requires him to be attentive; for one can lose stitches while knitting. His favorite toy is a car or a sled. He can talk for hours about nothing but his car; this is something that echoes what I discussed yesterday. He is quickly learning to speak and understand German. Well, that was the immediate observation.

[ 3 ] Nun, wenn Sie den Jungen einmal betrachten - komm einmal her, Sandroe! -, dann werden Sie allerlei bemerken. Vor allen Dingen mache ich Sie aufmerksam darauf, daß er eine stark ausgebildete untere Gesichtshälfte hat: Sehen Sie sich diesen Nasenschnitt an und die Mundpartie. Er trägt den Mund ein bißchen offen, wodurch die Zahnbildung bewirkt ist und was nicht unberücksichtigt bleiben darf aus dem Grund, weil diese Dinge Zusammenhang haben durchaus mit der ganzen geistig-seelischen Konstitution. Und man darf hier nicht das Umgekehrte sagen, wegen der Zahnbildung ist der Mund offen; sondern das führt auf gemeinschaftliche Ursachen zurück, daß nämlich von seiten des oberen Menschen der untere Mensch nicht vollkommen beherrscht werden kann. Indem Sie sich das ansehen, werden Sie viel bemerken. Stellen wir uns vor, daß hier der Sitz der Kraft des oberen Menschen ist, des Sinnes-Nervenmenschen. Der wirkt auf den ganzen übrigen Menschen ein. Denn dieser Teil ist ja in der ersten Lebenszeit derjenige, der am meisten entwickelt ist und die meisten Kräfte mitbringt, aus der Embryonalzeit mitbringt und in der Embryonalzeit die meist entwickelten Kräfte hat. Alles übrige ist sozusagen wiederum abhängig. Während das Untere direkt aus der Konstitution des mütterlichen Leibes sich bildet, ist alles übrige abhängig mittelbar von dem, was sich hier bildet. Dasjenige, was sich hier als Kiefersystem, als Gliedmaßensystem bildet — und zu ihm gehört auch das Kiefersystem; das ist Gliedmaßensystem -, das ist völlig einbezogen in das Kopfsystem. Hier ist das Kopfsystem nicht stark genug, um das Gliedmaßensystem völlig einzubeziehen, daher wirken auf das Gliedmaßensystem die äußeren Kräfte zu stark ein. Wenn Sie einen wohlgebildeten Menschen haben mit einem harmonischen Ansatz der unteren Kopfpartie, dann müssen Sie sich vorstellen, daß in möglichst großem Maße das Nervensystem der Beherrscher des Stoffwechsel-Gliedmaßensystems ist. Dann wirken keine äußeren Kräfte in übermäßiger Weise ein. Ist der Kopf nicht fähig, das ganze übrige System zu beherrschen, dann wirken zu stark die äußeren Kräfte ein auf das übrige System. Insbesondere können Sie das sehen daran, daß die Arme nicht das Maß haben und die Beine auch nicht, das sie haben würden, wenn sie einbezogen würden, aber sie sind zu groß entwickelt, weil zu viel äußere Kräfte hineinwirken. Er faßt das mit Humor auf. Ich glaube, Fräulein Dr. Bockholt fragte ihn, warum er den Mund offen habe. Er sagte, damit die Fliegen hereinkommen. Er ist fest dieser Ansicht. Das alles ist zunächst das Obere der Organisation.

[ 3 ] Well, if you take a look at the boy—come here, Sandroe!—you’ll notice all sorts of things. First and foremost, I’d like to draw your attention to the fact that the lower half of his face is very well-developed: look at the shape of his nose and the area around his mouth. His mouth is slightly open, which is caused by the development of his teeth—and this must not be overlooked, because these things are closely connected to his entire mental and spiritual constitution. And one must not say the opposite here—that the mouth is open because of the dental structure; rather, this stems from common causes, namely that the lower human cannot be fully controlled by the upper human. As you look at this, you will notice many things. Let us form the mental image that this is the seat of the power of the upper human being—the sensory-nervous human being. This part influences the rest of the human being. For in the first stage of life, this is the part that is most highly developed and possesses the greatest powers—powers it brings with it from the embryonic stage, when it possesses the most highly developed powers. Everything else is, so to speak, dependent on this. While the lower part forms directly from the constitution of the mother’s body, everything else is indirectly dependent on what forms here. That which forms here as the jaw system, as the limb system—and the jaw system is also part of it; that is the limb system—is completely integrated into the head system. Here, the head system is not strong enough to fully integrate the limb system; therefore, external forces exert too strong an influence on the limb system. If you have a well-formed person with a harmonious structure of the lower part of the head, then you must create a mental image in which the nervous system is the master of the metabolic-limb system. Then external forces do not exert an excessive influence. If the head is not capable of controlling the rest of the system, then external forces exert too strong an influence on the rest of the system. In particular, you can see this in the fact that the arms do not have the proportions—nor do the legs—that they would have if they were integrated, but they are overdeveloped because too many external forces are acting upon them. He takes it with a sense of humor. I believe Dr. Bockholt asked him why he had his mouth open. He said, “So the flies can come in.” He firmly holds this view. All of this, first and foremost, pertains to the upper part of the organization.

[ 4 ] Sie können nun beobachten, daß der Kopf nach beiden Seiten hier (vorne)etwas schmal ist und gerade nach rückwärts zusammengedrückt ist. Da haben Sie wiederum die Schmalköpfigkeit hier. Die drückt aus, daß das intellektuelle System wenig vom Willen durchdrungen ist. Diese Partie (rückwärtige Partie) drückt aus, daß sie stark willensdurchdrungen ist; diese Partie des Kopfes (Vorderkopf) ist diejenige, die für äußere Einflüsse nur zugänglich ist auf dem Wege der Sinneswahrnehmung, während der Hinterkopf allen möglichen äußeren Einflüssen zugänglich ist, so daß schon hier beginnt dieses, was dann stark hervortritt bei den Armen und Beinen. Es vergrößert sich das Gehirn, es breitet sich das Gehirn im Hinterkopfe aus.

[ 4 ] You can now observe that the head is somewhat narrow on both sides here (at the front) and is compressed straight backward. There you have, once again, the narrow-headedness here. This indicates that the intellectual system is not strongly influenced by the will. This part (the back of the head) indicates that it is strongly influenced by the will; this part of the head (the front of the head) is the one that is accessible to external influences only through sensory perception, whereas the back of the head is accessible to all kinds of external influences, so that what later becomes strongly evident in the arms and legs already begins here. The brain enlarges; the brain expands in the back of the head.

[ 5 ] In gewisser Beziehung ist die Betrachtung eines solchen Kindes sehr interessant. Sandroe ist schon interessanter als manches normale Kind, obwohl manches normale Kind angenehmer ist. Hier (vorne) liegt vorzugsweise diejenige Partie des Gehirns, der ganzen Hauptesorganisation des Menschen, die ihre Substanzen, ihre Stoffe aus dem übrigen Organismus heraufgeliefert bekommt. Hier lagert sich dasjenige ab, was der Substanz nach, nicht den Kräften nach, ganz und gar aus der äußeren Nahrung stammt. Dagegen beginnt hier (hinten) dasjenige, was der Substanz nach nicht aus der Nahrung stammt, sondern was aufgenommen werden muß durch die Atmung, durch die Sinne und so weiter, was kosmischen Ursprungs ist. Der Hinterkopf ist schon der Substanz nach kosmischen Ursprungs.

[ 5 ] In a certain sense, observing such a child is very interesting. Sandroe is already more interesting than many normal children, although many normal children are more pleasant. Here (in the front) lies primarily that part of the brain—and indeed the entire central nervous system—which receives its substances from the rest of the organism. This is where that which, in terms of substance—not in terms of forces—derives entirely from external nourishment is deposited. In contrast, here (at the back) begins that which, in terms of substance, does not derive from nourishment but must be taken in through respiration, through the senses, and so on—that which is of cosmic origin. The back of the head is, in terms of substance, already of cosmic origin.

[ 6 ] Dadurch, daß hier (vorne) der Kopf zusammengedrückt ist, was auf einen rein mechanischen Insult zurück weist bei der Geburt beziehungsweise im Embryonalzustand — wahrscheinlich ist es, daß hier ein rein mechanischer Insult vorliegt, wobei Sie auf nichts anderes sehen können als auf das Karma, denn es liegt in den Vererbungskräften nicht begründet -, dadurch, daß hier der Kopf zusammengedrückt'ist, dadurch ist er geneigt, zu wenig Substanz aus den Nahrungsstoffen heraufzubefördern. Überhaupt hat er keine Neigung, gleich die Nahrung in sich zu verarbeiten, weil das Fordernde (vorne) für diese Nahrung hier zu wenig vorhanden ist, so daß Sie aus der äußeren Kopfform einfach sehen, daß er zu einer gewissen Zeit appetitlos sein muß. Hier beginnt die zu geringe Anhäufung desjenigen, was durch die Nahrung aufgenommen wird.

[ 6 ] Because the head is compressed here (at the front)—which points to a purely mechanical injury during birth or in the embryonic stage—it is likely that a purely mechanical injury is present here, in which case you can look to nothing other than karma, since it is not rooted in hereditary forces—because the head is compressed here, he is inclined to absorb too little substance from the food. In general, he has no inclination to process food immediately, because the receptive part (at the front) is insufficient for this food, so that you can simply see from the external shape of the head that he must lack appetite at certain times. This is where the insufficient accumulation of what is absorbed through food begins.

[ 7 ] Die geringe Beherrschung, die ausgeübt wird auf das ganze Gliedmaßensystem, die wirkt sich aus auf das ganze Atmungssystem. Es ist wenig beherrscht, es hat die Tendenz, sich aufzuplustern. Das hängt zusammen mit der ganzen Bildung des Unterkiefers. Er bekommt viel Luft in sich hinein, zu viel Luft. Dadurch aber, daß er zu viel Luft in sich hineinbekommt, sammelt sich Substantielles zu stark hier an und in den Gliedern. So daß bei einem solchen Kinde vor allen Dingen das vorliegt, daß die Einatmung nicht das richtige Verhältnis zur Ausatmung hat. Er hat im Verhältnis zur Ausatmung eine zu starke Einatmung. Dadurch hat er nicht die Möglichkeit, in ausreichendem Maße in sich die Kohlensäure zu entwickeln. Er ist dadurch zu kohlensäurearm.

[ 7 ] The lack of control exerted over the entire limb system affects the entire respiratory system. It is poorly controlled and tends to puff out. This is related to the overall development of the lower jaw. The child takes in a lot of air—too much air. But because the child takes in too much air, substantial matter accumulates excessively here and in the limbs. Consequently, the primary issue with such a child is that inhalation is not in the proper balance with exhalation. In relation to exhalation, inhalation is too strong. As a result, the child is unable to produce sufficient carbon dioxide internally. Consequently, the child has too little carbon dioxide.

[ 8 ] Sie sehen da aber auch zugleich, daß bei einem kohlensäurearmen Menschen das Gliedmaßensystem zu stark entwickelt ist. Damit hängt alles zusammen, was im motorischen System begründet ist. Das motorische System muß nach und nach im Laufe des Lebens ein Diener werden desjenigen, was im intellektuellen System liegt.

[ 8 ] But you can also see there that in a person with low carbon dioxide levels, the limb system is overdeveloped. Everything rooted in the motor system is connected to this. Over the course of a person’s life, the motor system must gradually become a servant to what lies within the intellectual system.

Herr Dr. Steiner sagt zum Kinde:

Dr. Steiner says to the child:

[ 9 ] Nun bleib einmal ein bißchen stehen, geh zu mir her, mach so.

[ 9 ] Now stop for a moment, come over here, do this.

Herr Dr. Steiner macht ihm vor, wie es nach etwas greifen soll. Es macht es nicht.

Dr. Steiner shows him how to reach for something. He doesn't do it.

[ 10 ] Das schadet nichts, wir müssen ihn nicht zwingen, daß er es macht. Sie sehen, daß es ihm schwer wird, es zu machen. Aus alldem ersehen Sie, daß er nicht die entsprechende Kraft hat, sein Stoffwechsel-Gliedmaßensystem richtig zu beherrschen. Würde er es beherrschen, so würde er in der richtigen Weise den Arm heben.

[ 10 ] That’s okay; we don’t have to force him to do it. You can see that he’s having a hard time doing it. From all this, you can see that he lacks the necessary strength to properly control his metabolic-limb system. If he could control it, he would raise his arm correctly.

[ 11 ] Nun, damit hängt zusammen, daß er die verspätete Zahnbildung hat, denn der richtige Zahnwechsel muß damit zusammenhängen, daß gerade zusammenwirken das Sinnes-Nervensystem und das Stoffwechsel-Gliedmaßensystem, welches hergeben muß dasjenige, was dem Zahnwechsel zugrunde zu liegen hat. Alle diese Erscheinungen stehen stark miteinander im Einklang.

[ 11 ] Well, this is related to the fact that he has delayed tooth development, for proper tooth replacement must be connected to the coordinated interaction of the sensory-nervous system and the metabolic-limb system, which must provide what underlies tooth replacement. All these phenomena are closely interrelated.

[ 12 ] Was ist die Folge? Die Folge ist, daß der Junge zunächst, als er geboren wurde und das Stoffwechsel-Gliedmaßensystem noch nicht ausgebildet war, wie es eben bei einem Kinde der Fall ist, daß er es in der ersten Zeit gut beherrschen konnte. Man merkte gar nicht, daß etwas abnorm an ihm war. Erst im Laufe der Zeit, als es herausgewachsen war, erst dann konnte das hervortreten, was als Abnormität vorliegt. Daher liegt die Sache so, daß man erwarten konnte, daß er verhältnismäßig spät zu alldem kommen würde, was auf der Beherrschung des unteren Systems durch das obere beruht: das Sprechen- und Gehenlernen. In den ersten Jahren wäre natürlich die richtige Erziehung diese gewesen, daß man darauf stark Rücksicht genommen hätte, daß man zum Beispiel bei diesem Jungen schon in ganz früher Zeit, wie er noch nicht gehen konnte, angefangen hätte einfach dadurch, daß man seine Gliedmaßen selbst in eurythmischem Sinne bewegt hätte, daß man angefangen hätte mit einer Heileurythmie. Würde man damit begonnen haben, so hätte man dasjenige, was man ausführt in den Gliedmaßen, zur Spiegelung gebracht im Nerven-Sinnesorganismus, und es würde in der Zeit, in der noch alles biegsam war, sich sogar die Kopfform erweitert haben. Man erreicht durch Bewegungsformen, die man frühzeitig auf das Kind anwendet, immerhin sehr viel in der Formierung des Kopfes und man muß ungeheuer froh sein, wenn man in der Formierung des Kopfes so viel erreichen kann. Hier - es wird am Kinde gezeigt - ist es schwierig, wo der Kopf, die Schädelknochen eingeengt sind durch den äußeren Insult, hier ist es schwierig, daß sich der Kopf vergrößert.

[ 12 ] What is the result? The result is that at first, when the boy was born and his metabolic-limb system was not yet fully developed—as is the case with any child—he was able to control it well in the early stages. One did not even notice that there was anything abnormal about him. Only over time, as he grew out of it, did the abnormality begin to become apparent. Therefore, one could have expected that he would develop relatively late in all those areas that depend on the upper system’s control of the lower system: learning to speak and walk. In the early years, of course, the proper approach would have been to take this into careful consideration—for example, with this boy, to have begun very early on, when he was not yet able to walk, simply by moving his limbs in a eurythmic manner, that is, by beginning with therapeutic eurythmy. Had one begun this way, the movements performed in the limbs would have been reflected in the nervous-sensory organism, and during the time when everything was still malleable, even the shape of the head would have expanded. After all, one can achieve a great deal in the formation of the head through movement exercises applied to the child at an early age, and one must be immensely glad when one can achieve so much in the formation of the head. Here—as demonstrated on the child—it is difficult where the head and the skull bones are constricted by external forces; here it is difficult for the head to enlarge.

[ 13 ] Ich hatte einen abnormen Knaben, während meiner Erziehungstätigkeit, im Lebensalter von elfeinhalb Jahren bekommen. Diesem abnormen Knaben standen die Eltern und der Hausarzt, von dem ich im sechsten Kapitel meines «Lebensganges» geschrieben habe, ratlos gegenüber. Der Junge mußte ein Handwerk lernen. Das war etwas Furchtbares. Außer der Mutter, die ruhig war, waren alle außer sich, denn das war etwas Schändliches bei einer angesehenen Bürgerfamilie, daß man einen Jungen ins Handwerk bringen sollte. Dies alles zu besprechen war nicht meine Aufgabe. Der Junge war noch außer allem übrigen hydrozephal, und ich hatte die Bedingung gestellt, daß der Junge mir völlig überlassen würde. Nun handelte es sich darum, daß der Junge so weit gekommen war: er hatte kurz vorher das Examen für eine der ersten Klassen der Volksschule sich abnehmen lassen. Alles, was er da geleistet hat, war, daß er mit einem großen Radiergummi ein großes Loch in ein Heft hineinradiert hat. Außerdem hatte er die merkwürdige Angewohnheit, daß er bei Tisch nichts essen wollte und dasjenige, was an Kartoffelschalen in den Mülleimer hineingetan wurde, mit großem Vergnügen aß. Nach eineinhalb Jahren war es dazu gekommen, daß er die erste Gymnasialklasse besuchen konnte. Die Sache beruhte darauf, daß die Bewegung der Gliedmaßen stark in die Hand genommen wurde und dadurch der Hydrozephalus verschwand. Der Kopf ist kleiner geworden, und das ist ein Anzeichen, daß man einen Erfolg haben kann.

[ 13 ] During my time as a teacher, I had a student who was a troubled boy, aged eleven and a half. His parents and the family doctor—whom I wrote about in the sixth chapter of my *Lebensgang*—were at a loss as to how to deal with this troubled boy. The boy had to learn a trade. That was a terrible prospect. Except for the mother, who remained calm, everyone else was beside themselves, for it was considered shameful in a respectable middle-class family to send a boy into a trade. It was not my place to discuss any of this. On top of everything else, the boy had hydrocephalus, and I had made it a condition that he be placed entirely in my care. The situation was this: the boy had recently taken the exam for one of the first grades of elementary school. All he had accomplished there was to rub a large hole into a notebook with a big eraser. He also had the strange habit of refusing to eat anything at the table, yet he would eat the potato peels thrown into the trash can with great pleasure. After a year and a half, he was able to attend the first grade of high school. This was due to the fact that his limb movements were actively managed, which caused the hydrocephalus to disappear. His head has become smaller, and that is a sign that success is possible.

[ 14 ] Der Kopf, der eingeengt ist hier in die durch einen äußeren Insult zusammengedrängten Schädelknochen, der wird Mühe haben, sich zu vergrößern, aber noch hätte man etwas erreichen können.

[ 14 ] The head, which is confined here within the skull bones compressed by an external injury, will have difficulty expanding, but it would still have been possible to achieve something.

[ 15 ] Nun entsteht für uns die Frage: Was ist das allerbedeutsamste Kennzeichen des Knaben für die Erziehung? - Das allerbedeutsamste Kennzeichen ist das, daß er in einen nicht harmonisch in seinen Kräften ausgebildeten Körper sein geistig-seelisches Wesen hineinzutragen hat. Da liegen karmische Verwicklungen zugrunde. Sie mögen mir es glauben oder nicht, der Junge ist ein Genie. Was meine ich damit? - er versteht es nicht -, ich meine nach seinen karmischen Antezedenzien könnte er es sein. Aber es liegt insoferne eine Abnormität vor, als er unter den gegenwärtigen Verhältnissen, worunter er doch geboren werden mußte, das, was nach seinen Antezedenzien vorliegt, nicht hat ausbilden können. Die Wahl seiner Eltern liegt vor. Die ist in einer gewissen Beziehung eine schwierige. Und so schaut er sich die Welt an durch schwierige körperliche Verhältnisse, die er zunächst dadurch, daß die Kräfte des oberen und unteren Menschen nicht harmonisch ineinander eingreifen, so versteift und verhärtet hat. Man hat es zu tun mit einer Verhärtung des Organismus. Wenn er aufwacht, können der astralische Leib und die Ich-Organisation nicht ordentlich untertauchen. Sie stoßen auf so etwas wie eine Felsennatur des Organismus auf. Nun hängt die ganze Aufmerksamkeit, die wir der Welt entgegenbringen, davon ab, daß wir mit unserem Geistig-Seelischen in der richtigen Weise ins Körperlich-Physische eingreifen können. Es bleibt bei Menschen, die das nicht können, wenn es sich nur um Oberflächliches handelt, zunächst eine Ungeschicklichkeit. Ein Rest von Nicht-EingreifenKönnen, muß ich sagen, der zeigt sich jetzt bei den allermeisten Menschen. Ich finde, verzeihen Sie das harte Wort, daß die meisten Menschen höchst ungeschickt sind. Die Menschen werden nicht geschickt. Sie haben es schwer, geschickt zu werden. Wenn ich Umschau halte über die achthundert Kinder, die wir in der Waldorfschule haben, so kann man nicht sagen, daß sich ein großer Prozentsatz durch große Geschicklichkeit auszeichnet. Sie werden überall bemerken, daß dieses Hineingegossensein des astralischen Leibes und der Ich-Organisation in die physische Organisation bei den meisten Menschen fehlt, weil wir in der Hochblüte des intellektualistischen Zeitalters leben. Unsere Geistesart greift nur ins Knochensystem, nicht mehr ins Muskelsystem ein. Der Mensch, der seine Knochen benützen will, wird deshalb nicht geschickt. Das Intellektuelle ist nur geeignet, ins Knochensystem und seine Beweglichkeit einzugreifen, aber das muß es mit Hilfe der Muskeln tun. Nun ist aber die Unterkriechfähigkeit des astralischen Leibes und der Ich-Organisation ins Muskelsystem denkbar gering. Das hängt davon ab, daß das Zeitalter als solches nicht den tief-religiösen, den ehrlich-religiösen Charakter hat. Die Konfessionen sind nicht wirklich Religion erzeugend. Die Ausbildung von Muskeln an den Knochen hängt davon ab, daß große Vorbilder in der Welt vorhanden sind. Selbst wenn der Mensch nur dem Gedanken nach auf Vorbilder hinschauen kann, entwickelt sich ein Ineinandergreifen des Muskel- und Knochensystems. Die Interesselosigkeit bei diesem Jungen war also von Anfang an ganz besonders vorhanden.

[ 15 ] This raises the question for us: What is the most significant characteristic of the boy in terms of his upbringing? — The most significant characteristic is that he must bring his spiritual and soul nature into a body whose physical faculties have not been developed harmoniously. Karmic entanglements underlie this. Believe it or not, the boy is a genius. What do I mean by that?—he doesn’t understand it—I mean that, based on his karmic antecedents, he could be one. But there is an abnormality insofar as, under the present circumstances into which he was bound to be born, he has not been able to develop what is present according to his antecedents. The choice of his parents is a factor. In a certain sense, it is a difficult one. And so he views the world through difficult physical conditions, which he has initially stiffened and hardened because the forces of the upper and lower human beings do not interact harmoniously. We are dealing with a hardening of the organism. When he wakes up, the astral body and the “I” organization cannot properly submerge. They encounter something like a rock-like nature of the organism. Now, all the attention we direct toward the world depends on our ability to engage with the physical-bodily realm in the right way through our spiritual-soul aspects. In people who cannot do this—even when it comes to superficial matters—there remains, at first, a certain clumsiness. A remnant of an inability to intervene, I must say, is now evident in the vast majority of people. I find—please forgive the harsh word—that most people are extremely clumsy. People do not become skilled; they have a hard time becoming so. When I look around at the eight hundred children we have at the Waldorf School, one cannot say that a large percentage of them is characterized by great dexterity. You will notice everywhere that this infusion of the astral body and the “I” organization into the physical organization is lacking in most people, because we are living in the height of the intellectualist age. Our mindset intervenes only in the skeletal system, no longer in the muscular system. The person who wants to use their bones therefore does not become dexterous. The intellectual is only capable of influencing the skeletal system and its mobility, but it must do so with the help of the muscles. However, the ability of the astral body and the “I”-organization to permeate the muscular system is extremely limited. This stems from the fact that the age as such lacks a deeply religious, sincerely religious character. The denominations do not truly foster religion. The development of muscles attached to the bones depends on the presence of great role models in the world. Even if a person can only look up to role models in thought, an interplay between the muscular and skeletal systems develops. This boy’s lack of interest was therefore particularly pronounced from the very beginning.

[ 16 ] Sie sehen aber: das bewahrheitet sich bei diesem Jungen vollständig, daß die Gedanken nicht alteriert werden. Denn die Gedanken, die ein Mensch produziert, die können als solche nicht falsch sein. Es handelt sich nur darum, ob der Mensch sie bei der richtigen Gelegenheit produziert, ob er zu viel oder zu wenig produziert. Sie sind Spiegelungen der äußeren Ätherkonstitution. Wenn er gefragt wird, warum er den Mund offen hält, antwortet er: Damit die Fliegen hineinfliegen können. — Das ist ungeheuer gescheit, das ist aber ein Gedanke, der falsch angewendet ist. Würde er ihn anwenden später, im Gedanken an eine Maschine, die erfunden werden soll, so könnte dieser Gedanke ein großartiger Erfindergedanke werden. Gedanken sind immer richtig, denn sie sind in der Gedankenkonstitution des Weltenäthers darinnen.

[ 16 ] But you see: this is completely true of this boy—that thoughts are not altered. For the thoughts a person produces cannot, as such, be wrong. The only question is whether a person produces them at the right moment, or whether they produce too many or too few. They are reflections of the external etheric constitution. When asked why he keeps his mouth open, he replies: “So the flies can fly in.” — That is incredibly clever, but it is a thought that has been applied incorrectly. If he were to apply it later, in the context of a machine to be invented, this thought could become a magnificent inventor’s idea. Thoughts are always correct, for they are contained within the thought constitution of the world ether.

[ 17 ] Das Wesentliche ist, daß eine gewisse Möglichkeit vorliegt, das Geistig-Seelische durch die Körperhülle mit der Außenwelt in der richtigen Weise zu verbinden. Da handelt es sich darum, daß man bei einem solchen Kinde in zweifacher Beziehung wirkt. Es ist so, daß es sich nun bei einem solchen Jungen darum handelt, daß man möglichst wenig Eindrücke vor ihn hinstellt und diese wenigen Eindrücke zur Assoziation zu bringen versucht. Daß man alles, was man unterrichtend an ihn heranbringt, in so wenig Elementen an ihn heranbringt, daß es übersichtlich ist. Nun werden die Dinge übersichtlich dadurch, daß man sie übersichtlich macht, daß man möglichst darauf sieht — das gilt nicht nur für ihn, das wird sich bewahrheiten auch bei den andern Kindern -, daß dasjenige, was die Kinder tun sollen, begleitet wird von solchen Dingen, welche die Aufmerksamkeit erregen. Für solche Kinder, die nicht herauskönnen aus ihrem Körper, die das Seelische nicht hineinbringen, die das Körperliche nicht beherrschen, handelt es sich darum, daß wir ihnen Gelegenheit geben, möglichst viel Interesse zu entwikkeln. Nehmen wir an, wir fangen an zu malen (siehe Tafel 9). Da werden wir vor allen Dingen darauf bedacht sein, daß wir gar nicht ängstlich werden, wenn die Kinder — das geschieht auch in der Waldorfschule, verzeihen Sie den harten Ausdruck — Schweinereien machen. Wenn wir darauf sehen, daß alles immer ganz sauber ist, wenn wir darauf sehen, daß immer alles sauber bleibt, wenn die Kinder aus der Klasse herausgehen, das ist dann ein falsches Prinzip. Darauf muß weniger gesehen werden, dagegen muß darauf gesehen werden: die scharfe Aufmerksamkeit von seiten des Unterrichtenden muß darauf verwendet werden, daß die Kinder jeden Handgriff, alles was sie tun, in einer gewissen Weise mit Aufmerksamkeit begleiten müssen. Da gehört dazu, daß man wirklich beim Unterrichten ganz dabei ist, und mehr als bei andern Kindern ist es notwendig, daß man bei diesen Kindern beim Unterrichten ganz dabei ist, vor allen Dingen versucht, durch dieses Dabeisein die Gedankenlosigkeit zu vermeiden.

[ 17 ] The essential point is that there is a certain possibility of connecting the spiritual-soul aspect to the outside world in the proper way through the physical body. The key here is to work with such a child in two distinct ways. With such a boy, the approach is to present as few impressions as possible and to try to help him make associations between these few impressions. Everything taught to him should be presented in as few elements as possible, so that it is clear and easy to grasp. Things become clear by making them clear, by taking care—and this applies not only to him but will also prove true for the other children—that what the children are to do is accompanied by things that arouse their attention. For children who cannot step outside their bodies, who cannot bring their soul into their physical being, and who cannot master their physical selves, the key is for us to give them the opportunity to develop as much interest as possible. Let’s suppose we start painting (see Plate 9). Above all, we will be careful not to become anxious when the children—and this also happens in Waldorf schools, forgive the harsh expression—make a mess. If we insist that everything is always perfectly clean, if we insist that everything remains clean whenever the children leave the classroom, that is a false principle. We must pay less attention to that; instead, we must focus on this: the teacher’s keen attention must be directed toward ensuring that the children accompany every movement, everything they do, with a certain degree of attentiveness. This requires being fully present while teaching, and with these children in particular—more so than with others—it is essential to be fully present during instruction, striving above all to avoid thoughtlessness through this presence.

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[ 18 ] Sieh, jetzt nimm dir den Pinsel, jetzt streichst du über das Papier. Wenn man in dieser Weise die ganze Handhabung begleitet mit dem, was die Aufmerksamkeit erregt, dann hat man viel erreicht. Man wird sehen, daß da bis ins zwölfte, dreizehnte, vierzehnte Jahr hinein noch viel im Biegsamwerden des Organismus geleistet werden kann. Wenn man die Dinge durchführt, da muß man die Möglichkeit haben, zu sagen: Sieh einmal, da ist der Baum, jetzt mach den Baum, der draußen steht (siehe Tafel 9). Man ist eben ganz dabei. Sieh, da kommt das Pferdchen gelaufen. -— Dabei weist man auf die Farben hin. Jetzt kommt dem Pferdchen der Mussolini entgegen, der kleine Hund. Der kleine Hund bellt das Pferdchen an, und das Pferdchen, das macht jetzt so mit den Beinen. — Man versucht, mit möglichster Lebendigkeit das Ganze zu verfolgen. Diese Lebendigkeit, die Geistiges trägt, die überträgt sich wirklich auf die Kinder. Man muß, wenn man in dieser Weise auf die Kinder wirken will, Enthusiasmus und Temperament sich anschaffen. Wenn man im Behandeln des Kindes stumpf ist, wenn man immer sitzen will, wenn man nicht aufstehen will, wenn man nicht geneigt ist, möglichst viel selber in Beweglichkeit überzugehen, dann kann man nicht erziehen. Es handelt sich nicht darum, daß man da besonders abgezirkelte Kunstgriffe anwenden kann, sondern daß man von Fall zu Fall dasjenige tut, um was es sich handelt.

[ 18 ] Look, now take the brush, and now stroke it across the paper. If you accompany the entire process in this way with whatever captures your attention, then you have achieved a great deal. You’ll see that even well into the twelfth, thirteenth, and fourteenth years, much can still be accomplished in terms of developing the organism’s flexibility. When you carry out these activities, you must be able to say: “Look, there’s the tree; now draw the tree standing out there” (see Plate 9). You’re completely immersed in the moment. Look, here comes the little horse running. — At the same time, you point out the colors. Now Mussolini, the little dog, comes toward the little horse. The little dog barks at the little horse, and the little horse starts moving its legs like this. — You try to follow the whole scene with as much liveliness as possible. This liveliness, which carries something spiritual, truly rubs off on the children. If you want to influence children in this way, you must cultivate enthusiasm and temperament. If one is dull in dealing with the child, if one always wants to sit, if one does not want to stand up, if one is not inclined to move about as much as possible oneself, then one cannot educate. It is not a matter of being able to apply particularly calculated tricks, but of doing, on a case-by-case basis, whatever the situation calls for.

[ 19 ] Dann sollte man bei diesen Kindern nicht versäumen, möglichst viel Konversation zu machen. Auf diese Konversation ist er nicht eingegangen. Jetzt geht er darauf ein. Sie können sehen, wie weit er darauf eingeht. Erinnerst du dich, wie du mir gesagt hast einmal, ein Pferdchen ist gekommen? Sag mir einmal, wie groß ist das Pferdchen, hast du das Pferdchen auch schon geführt? — Ja, im Sonnenhof läuft das Pferdchen immer herum. Es tut im Grase liegen. — Ist es im Stall, wenn es regnet, ist auch ein großes Pferdchen dabei? — Ja, es heißt Markis. - Wenn man sich mit ihm beschäftigt, macht er schon jetzt in der Konversation mit, während er früher einen angebrüllt hat. Da ist es außerordentlich interessant, daß er, als wir ihn bekommen haben, nur englisch sprach. Nun hat er sich verhältnismäßig schnell das Deutschsprechen angeeignet. Sie sehen an ihm, wie an einem schönen Beispiel, wie die Sprache sich hier hineingegossen hat in den Ätherleib und physischen Leib. Aber die Organisation der Sprache ist bei ihm fester als bei andern Kindern. Daher wird man bei ihm wunderbar studieren können, wie die Sprachorganisation drinnen sitzt. Er sagt nicht: Ich bin gewesen -, sondern: Ich habe gebeen. - Er findet sich mit der Konfiguration der englischen Sprache in die deutsche Sprache hinein. Ähnliche Dinge sagt er viel. Geh aweg. - Und Sie können sehen an der Art, wie sich die englische Sprache in ihm festgelegt hat, wie versteift der Körper ist. Wenn man nun darauf sieht, daß er viel redet, daß man viel Konversation mit ihm macht, sehen Sie, dann ist Stärkeres zu überwinden als bei andern Kindern. Denn dasjenige, was er schon gelernt hat, setzt sich furchtbar stark fest. Dadurch, daß man aber Leben in ihn hineinbringt, immer neues Leben hineinbringt, dadurch wird das Versteifte innerlich beweglich; wenn man es bei ihm zustande kriegt, daß er sagt: Ich bin gewesen —, so hat er viel überwunden. Dann hat er in sich Beweglichkeit hervorgerufen. Das soll man nicht durch Eintrichtern machen, sondern durch unermüdliches Fortsetzen der Konversation. Vor allen Dingen muß ein solches Kind darauf aufmerksam werden, daß man sich für es interessiert, daß man teilnimmt an dem, was es tut. Man fragt ein solches Kind um dasjenige, was es wissen muß, aus dem, was es vorgenommen hat. Man zeigt Teilnahme an dem, was es erlebt hat. Das ist von Wichtigkeit.

[ 19 ] Then, with these children, one should not fail to engage in as much conversation as possible. He did not address this point earlier. Now he is addressing it. You can see how thoroughly he goes into it. Do you remember how you once told me that a little horse had arrived? Tell me, how big is the little horse? Have you led the little horse around yet? — Yes, the little horse is always running around at Sonnenhof. It likes to lie in the grass. — Is it in the stable when it rains? Is there a big horse there too? — Yes, his name is Markis. - When you spend time with him, he’s already participating in the conversation, whereas before he used to yell at you. It’s extraordinarily interesting that when we first got him, he spoke only English. Now he’s picked up German relatively quickly. You can see in him, as in a fine example, how language has poured itself into his etheric body and physical body. But the organization of language is more firmly established in him than in other children. Therefore, he will be a wonderful subject for studying how the organization of language is structured internally. He doesn’t say, “I have been—,” but rather, “I have given.” - He is finding his way into the German language through the structure of the English language. He says things like this a lot: “Go away.” - And you can see from the way the English language has taken root in him just how rigid his body has become. When you consider that he talks a lot—that you have a lot of conversation with him—you’ll see that there is more resistance to overcome than with other children. For what he has already learned becomes terribly ingrained. But by bringing life into him—constantly infusing new life into him—the rigidity within him becomes flexible; if you can get him to say, “I have been—,” then he has overcome a great deal. Then he has brought about flexibility within himself. This should not be achieved through rote memorization, but through the tireless continuation of conversation. Above all, such a child must realize that one is interested in him, that one takes part in what he does. One asks such a child about what he needs to know, based on what he has undertaken. One shows interest in what he has experienced. This is of great importance.

[ 20 ] Nun brauchen Sie sich nur zu vergegenwärtigen, wie Heileurythmie auf einen solchen Jungen wirken kann. Nehmen wir: er macht Rund L. R ist die Drehung, da dreht sich etwas, da ist schon die Beweglichkeit drinnen. Die meisten von Ihnen, die ja beim Eurythmiekurs sitzen, wissen nun aber auch, was das L bedeutet. Denken Sie nur, was die Zunge für Gestaltungskräfte in sich entwickelt beim L. Daher ist L der Buchstabe, der anzeigt das Anschmiegen, das sich Hineinversetzen in etwas. Er braucht das Geschmeidigmachen des Organismus, um sich hineinzuversetzen in etwas. Nun, wenn Sie bedenken, daß bei einem solchen Jungen der Einatmungsprozeß, wie ich es auseinandergesetzt habe, den Ausatmungsprozeß überwiegt, dann werden Sie sich sagen müssen: Wir müssen sehen, daß der Ausatmungsprozeß möglichst mit Teilnahme angeregt wird, das geschieht im M. Das ist der Ausatmungslaut. Wenn man ihn hervorbringt eurythmisch, so kommt in ihm eben das ganze Gliedmaßensystem zu Hilfe. Im N liegt das Zurückleiten ins Intellektuelle. So daß man machen wird RLMN. - Sie sehen aber auch da: überschaut man einen Tatbestand, dann ist die Sache so, daß man weiß, was man zu tun hat. Man muß wissen, welches die Natur des Lautes ist. Man muß in der Eurythmie darinnenstehen, man muß auf der andern Seite aber auch tatsächlich hineinschauen in die körperliche Organisation. Beides sind Dinge, die man lernen kann, die in der gegenwärtigen Pädagogik vollständig fehlen.

[ 20 ] Now you just need to imagine how therapeutic eurythmy can affect a boy like that. Let’s say: he’s doing the “L” in a circle. “R” stands for rotation—something is turning—and that already contains the element of movement. Most of you, who are attending the eurythmy class, also know what the letter L signifies. Just think of the formative powers the tongue develops when forming the L. That is why L is the letter that indicates the act of nestling, of immersing oneself in something. He needs to make his organism more supple in order to immerse himself in something. Now, if you consider that in such a boy the inhalation process, as I have explained, predominates over the exhalation process, then you will have to say to yourselves: We must ensure that the exhalation process is stimulated as much as possible through active participation; this takes place in the “M.” That is the exhalation sound. When it is produced eurythmically, the entire limb system comes to its aid. In N lies the return to the intellectual. So one will perform RLMN. — But you see here as well: when one surveys a situation, the fact is that one knows what one has to do. One must know the nature of the sound. In eurythmy, one must be fully immersed in it; on the other hand, one must also actually look into the physical organization. Both are things that can be learned, yet they are completely absent from contemporary pedagogy.

[ 21 ] Dann wird man bei einem solchen Jungen selbstverständlich in einem noch höheren Maße einhalten müssen, daß er auf dem Wege des Malens das Schreiben lernen kann. Daher handelt es sich darum, daß man den Unterricht beginnt mit dem Malen in der Weise, wie ich es angedeutet habe.

[ 21 ] With a boy like this, of course, one must take even greater care to ensure that he can learn to write through drawing. Therefore, it is important to begin instruction with drawing in the manner I have indicated.

[ 22 ] Aus alldem können Sie sehen, daß der astralische Leib und die IchOrganisation nicht hineindringen in diesen physischen Leib und Ätherleib. Man muß dem zu Hilfe kommen. Man muß daher auch therapeutisch eingreifen. Was muß man unterstützen? Das Nervensystem, insoferne es die Grundlage ist für den astralischen Leib und die IchOrganisation. Wie kann man das erreichen? Auf das Nervensystem müssen wir zunächst wirken. Wie tut man das? Wir haben da vorzugsweise drei Wege, auf Menschen therapeutisch zu wirken: per os, durch Injektion, durch Bäder oder Abwaschungen. Wenn Sie dem Menschen etwas innerlich eingeben, auf was wirkt es? Auf das Stoffwechselsystem im Grunde genommen. Sie rechnen darauf, daß einfach auf das Stoffwechselsystem gewirkt wird, wenn Sie eingeben. Wollen Sie auf das rhythmische System wirken, dann müssen Sie injizieren, wollen Sie auf das Nervensystem wirken, dann müssen Sie von außen herankommen, dann müssen Sie Bäder geben oder Abwaschungen. Nun wirkt auf die Beweglichkeit des astralischen Leibes, insoferne der astralische Leib untertauchen will, und auch auf die Form des astralischen Leibes stark das Arsen. Leute, die Arsenkuren machen, denen kann man ansehen, wie ihr astralischer Leib ihnen in den physischen Leib hineinrutscht. So daß bei einem solchen Kinde, wo es sich darum handelt, einen Einklang hervorzurufen zwischen astralischem Leib und Ätherleib und physischem Leib, Arsenbäder dasjenige sind, um was es sich handeln muß. Ein gewisses Quantum Levicowasser von bestimmtem Prozentgehalt und darinnen baden lassen, dadurch wird auf das Nervensystem gewirkt und der astralische Leib stark gemacht. Nun muß man hier, da es sich um ein zu schwaches Kräftewirken des Kopfsystems auf den übrigen Körper handelt, muß man auch dem zu Hilfe kommen. Man kann dem Strömen, das vom Kopfe nach der unteren Organisation geht, das insbesondere in den ersten Lebensjahren stark ist, aber auch noch anhält zwischen Zahnwechsel und Geschlechtsreife, ja sogar am Ende der Periode stärker ist als im siebenten, neunten oder elften Jahre, kann man diesem Strömen bei einem solchen Kinde zu Hilfekommen, damit Korrespondenz zwischen Stoffwechselsystem und Nervensystem ist, dadurch, daß man das Sekret der Hypophyse nimmt. Man nimmt das Sekret der Hypophyse — wir erzeugen es -; es hat die Eigentümlichkeit, daß es diesem Kräfteströmen entgegenkommt und vom Kopfe aus harmonisierend auf das Gliedmaßensystem wirkt. So daß sich zusammensetzen wird die Behandlung aus der Hypophysis cerebri, Arsenbädern und Heileurythmie in der Weise, wie ich es angegeben habe. Wenn diese Dinge zusammenwirken, wird man mit einem solchen Jungen weiterkommen.

[ 22 ] From all this you can see that the astral body and the “I” organization do not penetrate into this physical body and etheric body. We must come to their aid. Therefore, one must also intervene therapeutically. What must be supported? The nervous system, insofar as it is the foundation for the astral body and the “I” organization. How can this be achieved? We must first act upon the nervous system. How is this done? We have three primary ways to treat people therapeutically: orally, by injection, and through baths or washings. When you administer something internally to a person, what does it affect? Essentially, the metabolic system. You can count on the fact that administering something will simply affect the metabolic system. If you want to affect the rhythmic system, then you must inject; if you want to affect the nervous system, then you must approach it from the outside—you must administer baths or washings. Arsenic has a strong effect on the mobility of the astral body—insofar as the astral body seeks to submerge itself—and also on the form of the astral body. You can see in people undergoing arsenic treatments how their astral body slips into their physical body. So for a child like this, where the goal is to bring about harmony between the astral body, the etheric body, and the physical body, arsenic baths are exactly what is needed. A certain amount of Levicow water with a specific percentage concentration should be used for bathing; this acts on the nervous system and strengthens the astral body. Now, since the influence of the head system on the rest of the body is too weak, it is necessary to provide additional support. One can support the flow that goes from the head to the lower organization—which is particularly strong in the early years of life but also persists between the change of teeth and puberty, and is even stronger at the end of this period than in the seventh, ninth, or eleventh years—one can support this flow in such a child so that there is correspondence between the metabolic system and the nervous system, by administering the secretion of the pituitary gland. We take the secretion of the pituitary gland—which we produce—; it has the property of counteracting these energy flows and acting harmonizingly from the head down on the limb system. Thus, the treatment will consist of pituitary gland extract, arsenic baths, and therapeutic eurythmy, in the manner I have described. When these elements work together, progress can be made with such a boy.

[ 23 ] Aber sehen Sie, es ist wirklich gerade bei so etwas zu betonen, wie man Sinn haben muß für das Dabeisein bei den Dingen. Man muß gerade beim Erziehen und Unterrichten solcher Kinder durchaus dabei sein. Und aus der anthroposophischen Bewegung werden sich die Möglichkeiten entwickeln, daß man viel dabei ist bei diesen Dingen, wenn überhaupt die Gesinnung da ist, bei allem möglichst viel dabei zu sein. Dem steht doch manches entgegen. Man kriegt manchmal ein bißchen Schmerzen, wenn man in anthroposophische Ansiedlungen oder Zusammenrottungen kommt. Da ist manchmal eine solche bleierne Schwere. Man kriegt die Leute nicht zum Beweglichwerden. Bleierne Schwere ist da; wenn man eine Diskussion beginnt, macht keiner den Mund auf, weil auch die Zunge bleiern schwer ist. Die Leute machen ein «Gesicht bis ans Bauch». Sie sind so wenig geneigt, zum Heiterwerden, zum Lachen zu kommen!

[ 23 ] But you see, it is precisely in situations like this that we must emphasize the importance of being fully present in what we do. Especially when educating and teaching such children, one must be fully present. And the anthroposophical movement will provide opportunities to be deeply engaged in these things—provided, of course, that one has the disposition to be as fully engaged as possible in everything. Yet there are many obstacles to this. It can sometimes be a bit painful to visit anthroposophical communities or gatherings. There is sometimes such a leaden heaviness there. You can’t get people to loosen up. There’s a leaden heaviness; when you start a discussion, no one opens their mouth because even their tongues are as heavy as lead. People pull a “face all the way down to their stomachs.” They are so unwilling to lighten up or laugh!

[ 24 ] Vor allen Dingen, was gehört zum Erziehen von solchen Kindern dazu? Nicht die bleierne Schwere, sondern Humor, wirklicher Humor, Lebenshumor. Man wird trotz allen möglichen gescheiten Kunstgriffen solche Kinder nicht erziehen können, wenn man nicht den nötigen Lebenshumor hat. Also es wird schon Platz greifen müssen in der anthroposophischen Bewegung, daß man Sinn hat für Beweglichkeit. Ich will nicht auf zu viel hinweisen. Aber es ist schon wirklich wahr, am wenigsten wird man verstanden mit dem, was ich, wenn ich gefragt werde, wenn es sich um die eine oder andere Kalamität handelt, was sollen wir tun, wenn ich da antworte: Enthusiasmus haben. Enthusiasmus haben, das ist dasjenige,auf was es ankommt. — Und auf Enthusiasmus kommt es gerade bei Kindern an, welche abnorm sind.

[ 24 ] Above all, what does it take to raise such children? Not a leaden seriousness, but humor—real humor, a sense of life’s humor. No matter how clever the methods, one will not be able to raise such children without the necessary sense of humor in life. So there will have to be room within the anthroposophical movement for a sense of flexibility. I don’t want to dwell on this too much. But it is truly the case that I am least understood when, if I am asked—in connection with one calamity or another—what we should do, I reply: Have enthusiasm. Having enthusiasm—that is what matters. — And enthusiasm is precisely what matters when it comes to children who are abnormal.

[ 25 ] Das ist dasjenige, was ich Ihnen noch heute habe sagen wollen.

[ 25 ] That is what I wanted to tell you today.