Cooperation Between Doctors and Pastoral Caregivers
Pastoral Medicine Course
GA 318
11 September 1924, Dornach
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Pastoral Medicine Course, tr. SOL
Vierter Vortrag
Fourth Lecture
[ 1 ] Meine lieben Freunde! Wir werden heute in unserer Betrachtung ein Kapitel Anthroposophie einschieben, das sonst ja vor Laien nicht in einer solchen Ausführlichkeit behandelt zu werden braucht, das wir aber, wenn wir fortsetzen wollen namentlich die Auseinandersetzungen von gesunder Verantwortlichkeit und krankhafter pathologischer Unverantwortlichkeit, wie sie für den Arzt sowohl wie für den Priester wichtig zu erkennen sind, dann brauchen werden.
[ 1 ] My dear friends! In today’s reflection, we will include a chapter on anthroposophy that normally does not need to be discussed in such detail for laypeople, but which we will need if we are to continue our examination of the distinction between healthy responsibility and pathological irresponsibility—a distinction that is important for both the physician and the priest to recognize.
[ 2 ] Da ist vor allen Dingen von besonderer Bedeutung, daß man hineinschauen kann in die Frage: Was ist am Menschen eigentlich vererbt, was stammt alles aus der Vererbungslinie, und was ist nicht vererbt, sondern muß auf andere Weise in die menschliche Wesenheit hineingebracht werden? — Daß man diese beiden, man könnte sagen, Ingredienzien der menschlichen Wesenheit zu unterscheiden vermag, davon hängt ungeheuer viel ab bei der Beurteilung des gesunden und des kranken Menschen. Wenn der Mensch aus geistig-übersinnlichen Welten in die sinnliche Welt hereintritt, das heißt, wenn die Verbindung desjenigen geschieht, was ihm gegeben wird als aus der Vererbung stammend, wenn er das verbindet mit dem, was er sich mitbringt aus früheren Erdenleben und aus dem Aufenthalt zwischen Tod und neuer Geburt, dann sehen wir ja, wie sich der Mensch, zunächst als Kind, von Tag zu Tag, von Woche zu Woche entwickelt. Aber solange man nicht hinblickt auf den viergliedrigen Menschen nach physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und Ich-Organisation, so lange ist man nicht imstande, diese Entwickelung zu verstehen, weil man nicht durchschauen kann, inwiefern die einzelnen Glieder der menschlichen Wesenheit, die ja ganz verschiedenen Ursprungs sind, aus verschiedenen Welten herkommen, an dieser Entwickelung beteiligt sind.
[ 2 ] Above all, it is of particular importance to examine the question: What in a human being is actually inherited, what stems from the hereditary line, and what is not inherited but must be introduced into the human being in some other way? — The ability to distinguish between these two—one might say—ingredients of the human being is of immense importance in assessing healthy and sick people. When a human being enters the sensory world from the spiritual and supersensory realms—that is, when the integration takes place of what is given to them through heredity, and they combine this with what they bring with them from previous earthly lives and from the interval between death and rebirth—then we see how the human being, initially as a child, develops day by day, week by week. But as long as one does not consider the fourfold human being—comprising the physical body, the etheric body, the astral body, and the ego organization—one is unable to understand this development, because one cannot see through to the extent to which the individual members of the human being—which are, after all, of entirely different origins and come from different worlds—are involved in this development.
[ 3 ] Der Mensch hat zunächst seinen physischen Organismus. Die auffälligste Erscheinung an diesem physischen Organismus ist die, daß er innerhalb desselben zunächst in dem ersten Abschnitt seines Lebens bis zum Zahnwechsel die ersten Zähne hat, die mit dem Zahnwechsel ausgewechselt werden. Nun ist die Auswechselung der Zähne ja nur, ich möchte sagen, das Extremste, was da am Menschen ausgewechselt wird. Denn in Wahrheit trägt der Mensch materiell dasjenige, was er als physischen Leib mit der Kindheit empfängt, mit der Geburt empfangen hat, nur bis zum Zahnwechsel mit sich. Wir streifen fortwährend aus unserer Form heraus die physische Materie ab. Der Vorgang ist allerdings komplizierter, als daß man ihn einfach, wenn man exakt sein will, so vorstellen könnte, daß man sagt: Der Mensch stößt im Laufe von sieben bis acht Jahren seine sämtliche physische Materie ab und erneuert sie. — Es ist etwas daran durchaus stimmend, aber man braucht nur auf den Zahnwechsel selbst hinzuschauen, dann wird man schon finden, daß man sich das etwas modifiziert vorzustellen hat. Denn wäre in dieser Abstraktheit die Sache richtig, müßten wir immer nach sieben Jahren frische Zähne bekommen. Das ist aber nicht der Fall. Wir bekommen sie nur einmal. Nun sind aber die Zähne gerade zu demjenigen gehörig, was nach einmaliger Auswechselung eben nicht eine Erneuerung erfährt. Sie sind im extremsten Sinne dazugehörig. Aber es ist ja der Lauf der Entwickelung des Menschen auf Erden überhaupt so, daß er sozusagen immer mehr und mehr, je älter er wird, von der alten physischen Materie etwas in sich behält. Eine Auswechselung in sieben- bis achtjährigen Zeiträumen der weitaus meisten Teile der physischen Materie findet schon statt, aber wir müssen unterscheiden am Menschen zwischen etwas, was immerhin zurückbleibt; mit dem siebenten Jahre sind es nur die Zähne, die sich dann ansetzen und dann bleiben, aber nach weiteren rhythmischen WiederhÖlungen solcher Übergangszeiten bleiben auch immer in der menschlichen Wesenheit Teile des Materiellen stehen, die nicht ausgewechselt werden, obwohl der größte Teil des Menschen im Verlauf von sieben bis acht Jahren seine Materie durchaus auswechselt. So daß also gesagt werden muß radikal für die sieben ersten Lebensjahre ungefähr, daß der Mensch die gesamte Materie, die er hat, wenn er geboren wird, abstreift, nichts von ihr zurückbehält, sondern nur die in ihnen wirkenden und wesenden Kräfte zurückbehält, die sich die ganz neu akquirierte Materie für die ersten sieben Lebensjahre so aneignen, daß der Mensch die Erneuerung seines physischen Leibes bis zu den Zähnen eben hat mit dem Zahnwechsel. Damit aber, meine lieben Freunde, wird auch verständlich, daß das eigentliche Vererbungsprinzip, so wie es die heutige Naturwissenschaft vorstellt, nur für die ersten sieben Lebensjahre gilt. Nur in diesen ersten sieben Lebensjahren ist die Sache so, daß der Mensch die Eigenschaften, die er in sich trägt, vererbt bekommt von Eltern und Voreltern. Es bildet der physische Leib für diese ersten sieben Lebensjahre gewissermaßen eine Art Modell, nach dem der im Menschen arbeitende Künstler, der da besteht nun in diesen Jahren aus Ätherleib, Astralleib und Ich, einen neuen physischen Leib ausarbeitet. Das sehen wir ja gerade, wie miteinander arbeiten, ich möchte sagen, in künstlerisch arbeitende Wechselwirkung treten dasjenige, was der Mensch sich hereinbringt aus geistigen Welten: seine Individualität, seine Wesenheit und das, was er vererbt bekommt. Ist der Mensch eine starke Natur in bezug auf seine innere Individualität, bringt er sich eine innerlich intensive, starke Astralität und Ich-Wesenheit mit, die wiederum den ätherischen Leib stark machen, dann werden wir einen Menschen aufsprießen sehen, der aus seinem Inneren heraus sich wenig an das Modell hält, sondern nur in den allgemeinen Formen sich an das Modell hält. Für denjenigen, der für wirkliche Gestaltungen einen Sinn hat, für den wird dann schon hervortreten, daß ja natürlich, weil das allgemein menschliche Modell eingehalten werden muß, weil schon eine Affinität zu der Menschenform vorhanden ist, die man vererbt bekommt — Züge davon bleiben über den Zahnwechsel hinaus —, aber für eine feinere Beobachtung ist es durchaus anschaulich, wie bei innerlich starken Individualitäten nach dem Zahnwechsel wesentliche Veränderungen eintreten, die davon herrühren, daß sich die starke Individualität nur wenig an das Modell, das ihr durch die Vererbung überliefert wird, hält.
[ 3 ] Human beings first and foremost have their physical organism. The most striking feature of this physical organism is that, during the first stage of life—up until the change of teeth—it has its first set of teeth, which are replaced when the teeth change. Now, the replacement of the teeth is, I would say, merely the most extreme example of what is replaced in human beings. For in truth, human beings carry with them—in material terms—what they receive as a physical body in childhood, what they received at birth, only until the teeth are replaced. We are constantly shedding physical matter from our form. The process is, however, more complicated than one might simply imagine—if one wants to be precise—by saying: “Over the course of seven to eight years, a person sheds all of their physical matter and renews it.”—There is certainly some truth to this, but one need only look at the process of tooth replacement itself to realize that one must create a mental image of it in a somewhat modified way. For if this were true in such an abstract sense, we would have to get new teeth every seven years. But that is not the case. We get them only once. Yet teeth belong precisely to that category of things which, after a single replacement, do not undergo renewal. They belong to this category in the most extreme sense. But the course of human development on Earth is such that, as one grows older, one retains more and more of the old physical matter within oneself, so to speak. A replacement of the vast majority of physical matter does indeed take place at intervals of seven to eight years, but we must distinguish in human beings between what remains behind; by the age of seven, it is only the teeth that come in and then remain, but after further rhythmic repetitions of such transitional periods, parts of the material substance also remain in the human being that are not replaced, even though the majority of the human being does indeed replace its material substance over the course of seven to eight years. So it must be said, in very general terms, that for the first seven years of life or so, the human being sheds all the physical matter it possesses at birth, and retains nothing of it, but only retains the active and essential forces within them, which the entirely newly acquired matter appropriates for the first seven years of life in such a way that the human being undergoes the renewal of his physical body—right down to the teeth—precisely through the process of teething. But this, my dear friends, also makes it clear that the actual principle of heredity, as modern science has formed its mental image of it, applies only to the first seven years of life. Only during these first seven years of life is it the case that a person inherits the characteristics they carry within themselves from their parents and ancestors. During these first seven years, the physical body serves, so to speak, as a kind of model according to which the artist working within the human being—who during these years consists of the etheric body, the astral body, and the I—crafts a new physical body. We can see precisely how these elements—what a person brings with them from the spiritual worlds: their individuality, their essence—and what they inherit work together, or, I would say, enter into an artistic interplay. If a person has a strong inner individuality—if they bring with them an intensely developed astral nature and sense of self, which in turn strengthen the etheric body—then we will see a person emerge who, from within, adheres only loosely to the model, conforming to it only in general terms. For those who have an eye for true forms, it will then become evident that, naturally, because the general human model must be adhered to—and because there is already an affinity for the human form that is inherited —traces of which remain even after the change of teeth—, but upon closer observation, it is quite evident how, in the case of inwardly strong individuals, significant changes occur after the change of teeth, stemming from the fact that the strong individuality adheres only slightly to the model handed down to it through heredity.
[ 4 ] Wenn wir nachforschen bei einer solchen Individualität wie die hier öfter genannte heilige Theresia, so würde man wegen der schon gestern erwähnten starken Individualität gerade bei solchen Naturen finden, wie sie in den ersten sieben Lebensjahren zwar sehr gleichen ihren Eltern, wie sie aber im neunten und zehnten Lebensjahre Formen annehmen, die einen überraschen, weil da sich erst die eigentliche Individualität herausarbeitet. So daß Vererbung nur gilt für den ersten Lebensabschnitt im strengen Sinne des Wortes, und was später als Vererbung erscheint, ist nicht Vererbung in Wirklichkeit, das muß erkannt werden, das ist Arbeit nach dem Modell, das vererbt ist. Mehr oder weniger wird die Arbeit, die entsteht, dem Modell gleichen. Aber es ist nicht Vererbung, es ist den vererbten Merkmalen nachgebildet. Der bloße Naturwissenschafter, der findet, daß das weitergeht mit dem gewöhnlichen Vererbungsprinzip. Derjenige, der in die Wesenheit des Menschen hineinschaut, weiß, daß ein qualitativ ganz Verschiedenes auftritt für die Ähnlichkeit mit den Eltern nach dem Zahnwechsel als vor dem Zahnwechsel. Vor dem Zahnwechsel sind es wirklich die Kräfte der Vererbung. Nach dem Zahnwechsel sind es die Kräfte, die nach dem Modell arbeiten. Für eine exakte Anschauung darf man ebensowenig sagen, daß der Mensch dasjenige, was er zwischen sieben und vierzehn Jahren, also zwischen Zahnwechsel und Geschlechtsreife, an sich trägt, vererbt hat, wie man von jemandem, der in der Galerie sitzt und die Sixtinische Madonna porträtiert, wie man von dem sagen darf, seine Porträtmalerei hat durch Vererbung von der in der Galerie hängenden Madonna die Eigenschaft erhalten. So ist es schon, daß es fast geglaubt wird.
[ 4 ] If we examine a personality such as Saint Teresa, who has been mentioned here frequently, we would find—precisely because of the strong individuality already mentioned yesterday—that such natures, while very much like their parents during the first seven years of life, take on forms in their ninth and tenth years that are surprising, because it is only then that their true individuality begins to emerge. Thus, heredity applies only to the first stage of life in the strict sense of the word, and what later appears to be heredity is not heredity in reality—this must be recognized—but rather work based on the model that has been inherited. To a greater or lesser extent, the resulting work will resemble the model. But it is not heredity; it is modeled after the inherited characteristics. The mere natural scientist believes that the usual principle of heredity continues to apply. The one who looks into the essence of the human being knows that something qualitatively quite different occurs regarding the resemblance to the parents after the change of teeth than before the change of teeth. Before the change of teeth, it is truly the forces of heredity at work. After the change of teeth, it is the forces that work according to the model. For an accurate understanding, one cannot say that a person has inherited what they carry within themselves between the ages of seven and fourteen, that is, between the change of teeth and puberty, is inherited—just as one cannot say of someone sitting in a gallery painting a portrait of the Sistine Madonna that his portrait painting has acquired its character through inheritance from the Madonna hanging in the gallery. Yet this is precisely what is almost believed.
[ 5 ] Nun sehen Sie aber, an welcher Art von Arbeit in der Hauptsache der Ätherleib sich beteiligt, welche Arbeit der Ätherleib hat; denn wenig beteiligen sich in diesen Jahren bis zum Zahnwechsel noch der astralische Leib und die Ich-Organisation an der Arbeit. Er bildet einen neuen physischen Menschenleib nach dem Modell. Warum tut er das? Die Frage ist allerdings sonderbar gestellt, weil man solche WarumFragen der Natur gegenüber nicht stellen kann. Es soll auch nur eine rhetorische Frage sein. Warum tut er das? Er tut das aus dem Grunde, weil er, wie der Mensch überhaupt in seiner ganzen Wesenheit in den ersten sieben Lebensjahren, noch nicht dazu veranlagt ist, eine andere Art von Eindrücken von der Außenwelt zu empfangen als eine ganz besondere Art von Eindrücken. Und hier stoßen wir auf ein sehr wichtiges Geheimnis der menschlichen Entwickelung, auf ein Geheimnis, das die Frage beantwortet: Was nimmt denn das Kind eigentlich wahr? — Es liegt weit ab von den Vorstellungen, die man gegenwärtig hat, das, was Antwort auf diese Fragen gibt. Aber Sie werden schon darauf kommen, was gemeint ist, wenn ich die Sache in der folgenden Weise darstelle.
[ 5 ] Now you can see what kind of work the etheric body is primarily engaged in—what its task is—for during these years leading up to the change of teeth, the astral body and the “I” organization are still only minimally involved in this work. It is forming a new physical human body according to the model. Why does it do this? The question is, of course, strangely phrased, because one cannot ask such “why” questions of nature. It is meant to be merely a rhetorical question. Why does it do this? It does so because—just as the human being in his or her entirety during the first seven years of life—it is not yet predisposed to receive any other kind of impressions from the external world than a very specific kind of impression. And here we encounter a very important mystery of human development—a mystery that answers the question: What does the child actually perceive? —The answer to these questions lies far removed from current mental images. But you will understand what is meant when I present the matter in the following way.
[ 6 ] Der Mensch lebt, sagen wir, zwischen dem Tod und einer neuen Geburt beziehungsweise einer neuen Konzeption in der geistigen Welt (Tafel 5, oben). In dieser geistigen Welt ist er umgeben von ganz anderen Realitäten, als sie hier in der physischen Welt zu finden sind. Es ist eine ganz andere Welt. Er tritt aus dieser Welt, deren Gesetzmäßigkeit wir andeuten möchten durch diese Linie (weiß), er tritt aus dieser Welt herein in die physische Welt (gelb), setzt sein Leben in der physischen Welt mit einem physischen Körper, den er empfängt, fort; aber in dieser physischen Welt wirken, allerdings verborgen durch das menschliche Sinnesanschauen, weiter dieselben Kräfte, die hier (rot) sind. Wenn Sie einen Baum anschauen, meine lieben Freunde, so wirken darin dieselben geistigen Kräfte, denen Sie gegenüberstehen zwischen Tod und neuer Geburt, nur sind sie verdeckt, verhüllt durch die physische Materie des Baumes. Überall in der physischen Welt, in der wir sind zwischen Geburt und Tod, wirken die geistigen Kräfte auch im Hintergrund der sinnlich-physischen Entitäten. So daß wir die Wirksamkeit der geistigen Welt uns hinein fortgesetzt denken in die Welt, die wir durchleben zwischen Geburt und Tod. Nun ist es in den ersten sieben Lebensjahren so, daß das Kind nichts anderes in Wahrheit mit seiner vollen Wesenheit vereinigen kann als dieses Geistige, in allen Farben, in allen Formen, in aller Wärme, in aller Kälte. Das Kind nimmt eine Fortsetzung der geistigen Wirksamkeiten völlig wahr, wenn es hereintritt in die physische Welt, dann in immer schwächeren Graden bis zum Zahnwechsel. Eine Sinnesempfindung — man beachtet das nicht - ist etwas ganz anderes für ein Kind als für einen Erwachsenen. Eine Sinnesempfindung ist für ein Kind etwas ganz Geistiges. Daher ist es auch, wenn das Kind - wie ich es in der Pädagogik sage - einen jähzornigen Vater neben sich hat, daß es nicht mit Bewußtsein in die jähzornige Geste sieht, sondern das Moralische drinnen in der Geste, das geht in seinen Leib über. So daß das Kind in der Zeit, in der es mit den Kräften arbeitet, um sich seinen physischen Leib, der jetzt sein eigener ist, nach dem Modell zu erarbeiten, daß es in dieser Zeit im Grunde genommen ganz orientiert ist hin auf die geistigen Untergründe, arbeitet aus der Geistigkeit heraus. Was heißt das aber? Was wirkt denn da, wenn die Geistigkeit wirkt, in Wirklichkeit? Scheinbar wirken Farben, Formen, Wärme, Kälte, Rauhigkeit und Glätte in den Sinnesempfindungen. Aber was wirkt denn in Wahrheit? In Wahrheit wirkt nur alles dasjenige, was in irgendeiner Art mit einer Ich-Natur etwas zu tun hat. Auf das Kind machen nur einen Eindruck verborgene geistige Wesenheiten, die mit einer Ich-Natur etwas zu tun haben, also vor allen Dingen geistige Wesenheiten der höheren Hierarchien vom Menschen aufwärts, aber auch die Gruppenseelen der Tiere, die Gruppenseelen der Elementarwesen. Das alles wirkt in Wahrheit auf das Kind, und aus diesen geistigen Kräften, aus dieser großartigen geistigen Dynamik heraus formt es sich aus dem Modell seinen zweiten Leib, der nach und nach heranwächst, und der in dem Ausmaß, als der Zahnwechsel sich vollzieht, als zweiter Leib da ist. Das ist erst der Leib, den sich der Mensch nach der Geburt als seinen eigenen ersten Leib aufbaut, und der herausgebaut ist als physischer Leib aus der geistigen Welt.
[ 6 ] Human beings live, so to speak, between death and a new birth—or rather, a new conception—in the spiritual world (Plate 5, top). In this spiritual world, they are surrounded by realities entirely different from those found here in the physical world. It is a completely different world. They step out of this world—whose laws we wish to indicate with this line (white)—and enter the physical world (yellow), continuing their life in the physical world with a physical body they receive; but in this physical world, the same forces that are shown here (red) continue to be at work, albeit hidden from human sensory perception. When you look at a tree, my dear friends, the same spiritual forces are at work within it as those you encounter between death and a new birth; they are simply concealed, veiled by the tree’s physical matter. Everywhere in the physical world in which we live between birth and death, these spiritual forces are also at work behind the scenes of the physical entities perceived by the senses. Thus we can conceive of the activity of the spiritual world as continuing into the world we experience between birth and death. Now, during the first seven years of life, a child can, in truth, unite nothing else with its full being except this spiritual aspect—in all its colors, in all its forms, in all its warmth, and in all its cold. The child fully perceives a continuation of these spiritual influences when it enters the physical world, and then in increasingly weaker degrees until the change of teeth. A sensory perception—though we often overlook this—is something entirely different for a child than for an adult. A sensory perception is something entirely spiritual for a child. That is why, when the child—as I say in my work on pedagogy—has a quick-tempered father beside them, they do not consciously perceive the quick-tempered gesture, but rather the moral element within the gesture, which passes into their body. So that during the time when the child is working with its forces to develop its physical body—which is now its own—according to the model, the child is, in essence, entirely oriented toward the spiritual foundations and works from a spiritual perspective. But what does that mean? What is actually at work there when the spiritual aspect is at work? On the surface, colors, forms, warmth, cold, roughness, and smoothness seem to be at work in the sensory perceptions. But what is actually at work? In truth, only that which has something to do, in some way, with an “I”-nature is at work. The only things that make an impression on the child are hidden spiritual beings that have something to do with an “I”-nature—that is, above all, spiritual beings of the higher hierarchies from the human level upward, but also the group souls of animals and the group souls of the elemental beings. All of this truly influences the child, and out of these spiritual forces, out of this magnificent spiritual dynamism, the child forms its second body from the model—a body that gradually develops and, as the teeth are replaced, comes into being as the second body. This is the very body that the human being builds up after birth as his or her own first body, and which is formed as a physical body from the spiritual world.
[ 7 ] Sehen Sie, in diesem Lebensalter haben wir also eine ganz besondere Art von Gesetzmäßigkeit in alledem, was im Kinde wirkt, in all der Ungeschicklichkeit, in all der Unorientiertheit, mit denen das Kind seelisch tätig ist, mit denen das Kind sich bewegt, die davon herrühren, daß ein fortwährendes Anpassen stattfinden muß an die physische Welt, da noch halb unbewußt traumhaft um das Kind herum diejenige Welt ist, in der das Kind eigentlich noch darinnensteckt, die geistige Welt. Man wird einmal, wenn die Medizin ihre richtige Spiritualität erlangt haben wird, in diesem Einander-Suchen der geistigen und physischen Welt in den ersten sieben Lebensjahren, die wahren tieferen Ursachen der Kinderkrankheiten sehen, und wir werden manche Aufklärung über dasjenige erhalten, was gerade heute eigentlich, wenn man es nachprüft in den medizinischen Werken, nur Verbalerklärungen hat. Es sind nur Verbalerklärungen, formale Erklärungen, die aber in keine Realität eigentlich hineinführen.
[ 7 ] You see, at this stage of life we have a very special kind of lawfulness in everything that is at work within the child—in all the clumsiness, in all the disorientation with which the child acts psychologically and moves—which stem from the fact that a constant process of adaptation to the physical world must take place, since the world in which the child is actually still immersed—the spiritual world—still surrounds the child in a half-unconscious, dreamlike state. One day, when medicine has attained its true spirituality, we will see in this mutual seeking between the spiritual and physical worlds during the first seven years of life the true, deeper causes of childhood illnesses, and we will gain much insight into what, especially today—if one examines medical works—is actually explained only in verbal terms. These are merely verbal explanations, formal explanations, which, however, do not actually lead to any reality.
[ 8 ] Der Ätherleib hat damit vollauf zu tun in den ersten sieben Lebensjahren; er entwickelt daher ruhig jene Fähigkeiten, die er in den zweiten sieben Lebensjahren enthält, selbständige Fähigkeiten des Ätherleibes, die mehr nach dem Intellekt hingehenden Gedächtnisfähigkeiten. Wer dafür ein Auge hat, sieht die größte Verwandlung im Seelenleben, wenn der erste Lebensabschnitt von sieben Jahren in den zweiten übergeht. Der Ätherleib wird entlastet von seiner Arbeit, die er leisten mußte im vollen Sinn des Wortes in der Ausarbeitung des zweiten Leibes. Er wird entlastet; und wie er entlastet wird, man sieht es genau erst ein, wenn man eben weiß, daß der Mensch nicht mit vierzehn Jahren wieder Zähne bekommt, sondern daß die bleiben, die er hat, daß aber auch noch anderes bleibt in der physisch-materiellen Natur. Das, was da bleibt, was aber in den ersten Lebensjahren auch ersetzt werden muß, das entlastet den Ätherleib, wird frei im Ätherleib. Es ist quantitativ ein Kleines, qualitativ aber etwas ungeheuer Wichtiges. Das ist das, was dann als seelische Eigenschaften ungeheuer wirksam wird. Was der Mensch erspart dadurch, daß er sich keine dritten Zähne anzuschaffen hat, dadurch, daß er manches andere, was in derselben Weise von der Evolution behandelt wird wie die Zähne, nicht neu zu bilden hat, dadurch bleibt etwas übrig vom Ätherleib. Was da übrig bleibt - in den ersten sieben Lebensjahren hineingeflossen ist in die physische Entwickelung -, bleibt jetzt übrig von der physischen Entwickelung, wirkt rein seelisch, wie es ist seiner Wesenheit nach. Mit den Fähigkeiten, an die Sie in der Schule als Lehrer appellieren, die Sie ausbilden, hat das Kind die große Wandlung der Milchzähne in die zweiten Zähne vollzogen und manches andere. Mit den Kräften, die das Kind erspart, weil es keine dritten Zähne zu bilden hat, mit denen fängt es an, die Fähigkeiten der Seele zu entwickeln. Das geschieht in den Tiefen der menschlichen Natur, so daß das Seelische für die ersten sieben Lebensjahre ganz drinnensteckt in der physischen Entwickelung, die wir ebenso als geistig-seelisch wie als physisch-leiblich aufzufassen haben. Wir sehen ein Geistiges wirksam in dem Leibe in den ersten sieben Lebensjahren des Menschen, im vollsten Sinne des Wortes.
[ 8 ] The etheric body is fully engaged in this process during the first seven years of life; it therefore calmly develops the abilities it possesses during the second seven years—the independent abilities of the etheric body, namely the memory faculties that are more oriented toward the intellect. Anyone with an eye for such things can see the greatest transformation in the life of the soul when the first seven-year period of life transitions into the second. The etheric body is relieved of the work it had to perform—in the fullest sense of the word—in the formation of the second body. It is relieved; and one can only truly grasp how it is relieved when one realizes that a person does not grow new teeth at the age of fourteen, but that the teeth one has remain—and that other things, too, remain in the physical-material realm. What remains there—yet must also be replaced in the early years of life—relieves the etheric body, becoming free within it. Quantitatively, it is a small thing, but qualitatively it is something immensely important. This is what then becomes immensely effective as soul qualities. What a person saves by not having to acquire a third set of teeth, and by not having to regenerate certain other things that are treated by evolution in the same way as teeth—through this, something remains of the etheric body. What remains—having flowed into physical development during the first seven years of life—now remains from physical development and acts purely as a soul force, in accordance with its very nature. By the time children have acquired the abilities you, as teachers, draw upon and cultivate in school, they have already undergone the great transformation from baby teeth to permanent teeth, as well as many other processes. With the energies the child saves—since it does not have to form a third set of teeth—it begins to develop the faculties of the soul. This takes place in the depths of human nature, so that, during the first seven years of life, the soul is entirely embedded within physical development, which we must understand as being just as much spiritual-soul as it is physical-bodily. We see a spiritual force at work within the body during the first seven years of a person’s life, in the fullest sense of the word.
[ 9 ] Nun, wie nimmt sich das aber gegenüber der allgemeinen Weltevolution aus? Sehen Sie, innerhalb des Kosmos sind diejenigen Kräfte, mit denen da die Seele in den ersten sieben Lebensjahren arbeitet, die Sonnenkräfte. Von der Sonne scheinen nicht nur die physisch-ätherischen Sonnenstrahlen herab, sondern es scheinen von der Sonne in den physisch-ätherischen Sonnenstrahlen Kräfte herab, die identisch sind mit denjenigen, mit denen unser Ätherleib in den ersten sieben Jahren seinen Leib erneuert: Sonnenentität ist es, die da wirkt. Sehen Sie sich das Kind an, wie es sich nach dem Modell seinen physischen zweiten Leib arbeitet! Das sind lauter Kräfte, die aus dem Sonnenschein absorbiert sind. Verstehen muß man das, wie sich der Mensch in den Kosmos hineinstellt. Und wenn der Mensch in der Art, wie ich das geschildert habe, gewisse ätherische Kräfte freibekommt mit dem Zahnwechsel, die dann wieder zurückwirken auf die astralische Organisation und Ich-Organisation, wird der Mensch zugänglich in der zweiten Epoche des Lebens für das, was er gar nicht war in der ersten Epoche, er wird zugänglich für die Mondenkräfte.
[ 9 ] Well, how does this compare to the general evolution of the world? You see, within the cosmos, the forces with which the soul works during the first seven years of life are the forces of the Sun. Not only do the physical-etheric rays of the sun shine down from the sun, but forces also shine down from the sun within these physical-etheric rays that are identical to those with which our etheric body renews itself during the first seven years: it is the solar entity that is at work here. Look at the child as it builds its second physical body according to this model! These are all forces absorbed from the sunlight. One must understand how the human being positions itself within the cosmos. And when, in the way I have described, a person releases certain etheric forces during the change of teeth—forces that then in turn affect the astral and “I” organizations—the person becomes receptive in the second epoch of life to what he was not at all in the first epoch; he becomes receptive to the lunar forces.
[ 10 ] Die Sonnenkräfte sind ätherische Kräfte in den ersten sieben Lebensjahren, die Mondenkräfte, denen er zugänglich wird mit dem Zahnwechsel, die sind identisch mit den Kräften seines astralischen Leibes. So daß der Mensch eintritt mit dem Zahnwechsel von der Sonnensphäre - in der er weiter auch drinnen bleibt, denn die bleibt wirksam - in die Mondensphäre, und nun arbeitet er an sich zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife mit den Mondenkräften. Mit den Mondenkräften bildet er sich jetzt seinen zweiten eigenen, seinen dritten weltlichen Leib aus, in dem nicht so viel ausgewechselt wird wie in der ersten Lebensepoche, aber immerhin viel ausgewechselt wird. Wiederum aber bleiben Kräfte zurück, jetzt astralischer Natur. Die verändern das Seelische so, wie sich das Seelische verändert um die Zeit der Geschlechtsreife. Die werden frei von der Arbeit am Leibe, so daß der Mensch jetzt, wenn er in die Geschlechtsreife eintritt, in eine Lebensepoche, wo er im Seelischen dasjenige frei zeigt, womit er noch zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife innerhalb seines physischen Leibes zu arbeiten hat.
[ 10 ] The solar forces are etheric forces during the first seven years of life; the lunar forces, to which the child becomes receptive upon losing his baby teeth, are identical to the forces of his astral body. Thus, with the change of teeth, the human being enters from the solar sphere—in which he remains, for it continues to be active—into the lunar sphere, and now, between the change of teeth and sexual maturity, he works on himself with the lunar forces. With the lunar forces, he now forms his second, or third, physical body, in which not as much is renewed as in the first epoch of life, but still a great deal is renewed. Once again, however, forces remain behind, now of an astral nature. These transform the soul just as the soul transforms around the time of sexual maturity. They are freed from the work on the body, so that when a person enters sexual maturity—a phase of life in which they freely reveal in their soul what they still have to work on within their physical body between the change of teeth and sexual maturity—
[ 11 ] So arbeiten wir in der ersten Lebensepoche ausschließlich mit demjenigen, was uns von der Sonne zukommt, und wenn wir das Kind in der Schule haben zwischen Zahnwechsel und Geschlechtsreife, so sind es die Sonnenkräfte, die für das Seelische frei geworden sind. Das ist ja das Große, das Gewaltige im Einsehen der menschlichen Entwickelung, daß man es beim Kinde zwischen Zahnwechsel und Geschlechtsreife, wenn man so seine Seele bildet, mit lauter Sonnenkräften zu tun hat. Die kindliche Seele ist ja so verwandt mit demjenigen, was im Sonnenschein lebt, daß einem das Herz aufgehen kann bei einer solchen Erkenntnis, eine solche Erkenntnis, die doch wirklich Licht verbreitet über dasjenige, was zwischen Mensch und Kosmos vorgeht.
[ 11 ] Thus, in the first stage of life, we work exclusively with what comes to us from the sun, and when we have the child in school—between the change of teeth and puberty—it is the solar forces that have been set free for the soul. This is indeed the great and powerful aspect of understanding human development: that when shaping a child’s soul between the loss of baby teeth and puberty, one is dealing entirely with solar powers. The child’s soul is so closely connected to that which lives in the sunshine that one’s heart can be lifted by such a realization—a realization that truly sheds light on what takes place between the human being and the cosmos.
[ 12 ] Die Mondenkräfte, die werden in dieser zweiten Epoche des Lebens noch zu dem Leiblichen verwendet, sind noch nicht frei geworden für das Seelische. Sie werden frei mit der Geschlechtsreife, dann wirken sie an der Seele mit, und der Umschwung, der jetzt im Seelischen mit der Geschlechtsreife auftritt, rührt davon her, daß sich in das Seelische die Mondenkräfte hineinimprägnieren, so daß das, was der Mensch nach der Geschlechtsreife im Handeln ringsherum tut, ein Zusammenwirken ist zwischen Sonnen- und Mondenkräften.
[ 12 ] The lunar forces, which in this second epoch of life are still directed toward the physical body, have not yet been liberated for the soul. They become free with sexual maturity; then they begin to work upon the soul, and the transformation that now occurs in the soul with sexual maturity stems from the fact that the lunar forces permeate the soul, so that what a person does in their actions after sexual maturity is a collaboration between the solar and lunar forces.
[ 13 ] Damit sehen wir nach den Tiefen der menschlichen Entwickelung, und gewöhnen uns ab, von der Vererbung in dem Sinne zu sprechen, wie es die grobe Naturwissenschaft tut, sehen aber auch nach der anderen Seite, was in dem kindlichen Menschentun lebt. Im kindlichen Menschentun und im kindlichen Menschendenken lebt die Sonne. Die Sonne ist es ja, die uns vom Stein entgegenstrahlt, denn der hat keine Lichtkräfte, der reflektiert uns nur das Sonnenlicht. Das gibt der Naturforscher zu, aber das ist das allergeringste, abstrakteste, meine lieben Freunde. Das Kind strahlt uns auch die Sonnenkräfte zurück zwischen dem siebenten und vierzehnten Lebensjahr. So wie wir vom Stein ansprechen können das Licht als das zurückgestrahlte Licht der Sonne, dürfen wir das, was das Kind tut in seiner zweiten Lebensepoche, als Sonne bezeichnen. Sonne ist nicht bloß da, wo sie konzentriert erscheint. Diese physikalische Ansicht, daß die Sonne bloß da ist (Tafel 5, links), gleicht der von einem Menschen, der in einem Topf eine Suppe sieht und in der Mitte ein Fettauge und meint, bloß das Fettauge sei die Suppe. Ja, unsere physikalischen Anschauungen sind oft sehr kindisch, und wenn man sie enthüllt, wie sie sind, dann lachen die Leute. Man möchte nur wünschen, daß der Wirklichkeit gegenüber mehr gelacht wird. Denn es ist wirklich sehr lächerbar, das, was man heute als Wissenschaft ansieht. Wenn man das Fettauge für die Suppe hält, ist das dasselbe, wie wenn man die Sonne da oben für das Fettauge des Sonnenscheins anschaut, während sie als die Suppe die ganze Welt erfüllt.
[ 13 ] This allows us to look into the depths of human development and to wean ourselves from speaking of heredity in the sense that crude natural science does, while also looking at the other side—what lives in children’s human actions. The sun lives in children’s human actions and in children’s human thinking. It is, after all, the sun that shines back at us from the stone, for the stone has no light of its own; it merely reflects the sunlight to us. The natural scientist admits this, but that is the very least, the most abstract aspect of it, my dear friends. The child, too, reflects the sun’s forces back to us between the ages of seven and fourteen. Just as we can describe the light from a stone as the reflected light of the sun, so may we describe what the child does in its second stage of life as the sun. The sun is not merely where it appears concentrated. This physical view—that the sun is merely there (Plate 5, left)—resembles that of a person who sees soup in a pot, notices a pool of fat in the middle, and thinks that only the pool of fat is the soup. Yes, our physical views are often very childish, and when they are exposed for what they are, people laugh. One can only wish that people would laugh more at reality. For what is regarded as science today is truly very ridiculous. To mistake the film of fat for the soup is the same as looking at the sun up there as the film of fat that is the sunshine, while it, as the soup, fills the entire world.
[ 14 ] Damit eröffnen sich dann die Blicke hinein in den Zusammenhang wiederum zwischen den Mondenkräften und den Fortpflanzungskräften. Denn die Fortpflanzungskräfte bilden auch nach und nach jetzt diesen zweiten eigenen Leib, der zwischen dem siebenten und vierzehnten Lebensjahre ausgebildet wird und fertig ist, wenn die Geschlechtsreife eintritt. So daß dasjenige, was sich der Mensch an Fortpflanzungskräften in dieser Zeit einverleibt, eben Mondenwirkung ist. Die Fortpflanzungskräfte hängen durchaus mit den Mondenwirkungen zusammen, sind Ergebnisse der Mondenwirkungen.
[ 14 ] This, in turn, opens up insights into the connection between the lunar forces and the reproductive forces. For the reproductive forces now gradually form this second body of their own, which develops between the ages of seven and fourteen and is complete when sexual maturity is reached. Thus, what a person incorporates as reproductive forces during this time is precisely the influence of the Moon. The reproductive forces are thoroughly connected to the influences of the Moon; they are the results of those influences.
[ 15 ] Nun kommt der Mensch dazu, sich den dritten eigenen Leib — den vierten nach der Äußerlichkeit betrachteten — zu bilden, nach der Geschlechtsreife bis zum Anfang der Zwanzigerjahre. Die Zeitabschnitte werden in den späteren Jahren nicht mehr so streng wie für die Abschnitte des Zahnwechsels und der Geschlechtsreife. Immer mehr bleibt von der Substanz zurück, verfestigt sich im Menschen, wird Bleibegerüst. Es wird wirklich vieles Bleibegerüst im Menschen nach und nach. Von den Knochen wird, je älter der Mensch wird, immer weniger Materie ausgesondert und erneuert. Auch im übrigen Organismus brauchen gewisse Teile länger zur Aussonderung als andere, und es ist ersichtlich, daß von den Zähnen es einfach gilt: Hat man sie einmal ein zweites Mal bekommen, so ist man, ob man sie später noch hat, davon abhängig, wie lange das nun hält, wenn es fertig ist, so wie man von einem Messer, das man hat, abhängig ist davon, wie lange es hält. Das Messer kann seine Materie nicht erneuern. Zähne können sich auch nicht im wesentlichen erneuern. Gewiß, es ist alles im Fluß, es ist schon Erneuerung da, aber es geht eben in das Stadium des Nichterneuerns hinein, und so haben wir sie als dasjenige, was im wesentlichen viel langsamer den Lebensprozeß vollzieht als der übrige Mensch, viel langsamer in bezug auf die Intensität, daher im umgekehrten Verhältnis schnell in bezug auf die Qualität der Dauer, eben schadhaft werden, bevor die anderen Glieder der menschlichen Natur, die sich immer erneuern können, schadhaft werden können. Aber wenn die Zähne denselben Gesetzen ausgesetzt wären wie manche andere Teile der Menschennatur, dann könnte es keine Zahnärzte geben. Aber wenn die anderen Teile der Menschennatur denselben Gesetzen ausgesetzt wären wie die Zähne, würden wir alle recht jung sterben in unserer modernen Zivilisation. Und wahrscheinlich würde dieser Teil der Schweiz, von dem man sagt, daß die Zahnärzte sehr beschäftigt sind, weil die Zähne so leicht schadhaft werden, gar nicht so sehr bevölkert sein von Menschen, denn man würde ihn für eine Stätte früher Sterblichkeit halten. So hängen die Dinge zusammen.
[ 15 ] Now, from puberty through the early twenties, a person begins to form their third body—the fourth when considered from an external perspective. In later years, these stages are no longer as strictly defined as those of tooth replacement and puberty. More and more of the substance remains, solidifies within the person, and becomes a permanent framework. Indeed, a great deal of this permanent framework gradually accumulates within the person. As a person grows older, less and less matter is shed from the bones and renewed. In the rest of the organism, too, certain parts take longer to shed matter than others, and it is evident that with regard to teeth, the following simply applies: Once you have received them a second time, whether you still have them later depends on how long they last once they are fully formed—just as you depend on a knife you own for how long it lasts. The knife cannot renew its material. Teeth, too, cannot essentially renew themselves. Certainly, everything is in a state of flux; renewal is already taking place, but it is entering the stage of non-renewal, and so we have them as that which, in essence, carries out the life process much more slowly than the rest of the human body—much more slowly in terms of intensity— and therefore, inversely, they deteriorate rapidly in terms of the quality of their longevity—that is, they become damaged before the other parts of human nature, which can constantly renew themselves, have a chance to deteriorate. But if teeth were subject to the same laws as many other parts of human nature, then there could be no dentists. But if the other parts of human nature were subject to the same laws as the teeth, we would all die quite young in our modern civilization. And probably this part of Switzerland, where it is said that dentists are very busy because teeth become damaged so easily, would not be so densely populated, for it would be considered a place of early mortality. That is how things are connected.
[ 16 ] Nun sehen Sie, der Mensch ist also tätig in seinem Inneren in den ersten sieben Lebensjahren mit den Kräften der Sonne, in den zweiten sieben Lebensjahren mit den Kräften des Mondes. Die Sonnenkraft bleibt dabei, aber die Mondenkräfte mischen sich dazu. In den dritten sieben Lebensjahren, von der Geschlechtsreife bis hinein in die Zwanzigerjahre, werden die viel feineren Kräfte der übrigen Planeten des Planetensystems in die menschliche Wesenheit hinein aufgenommen. Da treten in der menschlichen Wesenheit auf die anderen planetarischen Kräfte in dem Wachstumsprozeß, und weil diese schwächer, viel schwächer wirken als Sonne und Mond auf den Menschen, deshalb sind auch die Dinge, die der Mensch dann in sich aufnimmt, viel weniger nach außen hin anschaulich. Wir merken nicht mehr so stark, wie im Anfang der Zwanzigerjahre — währenddem die planetarischen Kräfte zwischen dem vierzehnten und einundzwanzigsten Lebensjahr ungefähr noch im menschlichen Leibe zu tun haben -, wie im Beginn der Zwanzigerjahre diese Kräfte anfangen nun im Seelisch-Geistigen zu wirken. Es sind die Planetenkräfte, die anfangen zu wirken im Seelisch-Geistigen, und derjenige, der Einsicht hat, der sieht dann den Menschen so an, daß er in dieser merkwürdigen Umwandlung, die der Mensch erfährt im Anfang der Zwanzigerjahre, merkt: bis daher haben eben nur Sonne und Mond aus dem menschlichen Tun gesprochen, jetzt modifizieren diese Sonnen- und Mondenwirksamkeit die planetarischen Kräfte. Das grobe Verfahren der Menschen, das grobe Beobachten hat sogar recht wenig Sinn dafür, diese Umwandlung ins Auge zu fassen, aber sie ist da.
[ 16 ] Now you see, during the first seven years of life, the human being works inwardly with the forces of the Sun, and during the second seven years, with the forces of the Moon. The solar force remains, but the lunar forces are added to it. During the third seven-year period, from puberty into one’s twenties, the much finer forces of the other planets in the solar system are absorbed into the human being. This is when the other planetary forces come into play in the human being’s growth process; and because these forces act more weakly—much more weakly—on the human being than the Sun and Moon do, the things the human being then absorbs are also much less visible outwardly. We no longer perceive as strongly as we did in the early twenties—while the planetary forces are still at work in the human body between the ages of fourteen and twenty-one—how these forces begin to take effect in the soul-spiritual realm at the start of the twenties. It is the planetary forces that begin to work in the soul and spirit, and the person who has insight looks at the human being in such a way that, in this remarkable transformation the human being undergoes in the early twenties, he or she realizes: up to this point, only the Sun and the Moon have spoken through human activity; now the planetary forces are modifying these solar and lunar influences. People’s superficial approach and cursory observation have very little sense of this transformation, yet it is there.
[ 17 ] Nun sehen Sie, es ist schon wahr, daß für den, der den Menschen betrachtet in bezug auf Gesundheit und Krankheit, die Erkenntnis dieser Zusammenhänge notwendig ist. Denn, was wissen wir denn eigentlich vom Menschen, sagen wir in seinem elften oder zwölften Lebensjahr, wenn wir da nicht wissen, daß die Mondenkräfte in ihm arbeiten?
[ 17 ] Now you see, it is indeed true that for anyone who observes human beings in terms of health and illness, an understanding of these connections is necessary. For what do we actually know about a human being—say, at the age of eleven or twelve—if we do not know that the forces of the moon are at work within them?
[ 18 ] Nun aber wird im Inneren die Frage entstehen: Wie geht es weiter? Der Mensch muß später auch, wenn auch die zu erneuernden Teile immer geringer werden, er muß jetzt später auch die Dinge erneuern. Nun sehen Sie, bis zum einundzwanzigsten, zweiundzwanzigsten Jahr wirkt ja aufeinanderfolgend Sonne, Mond, das Planetensystem in das menschliche Wachstum hinein. Dann wirken bis zum achtundzwanzigsten Lebensjahr noch die Konstellationen der Fixsterne; das entzieht sich also schon sehr der Beobachtung. Erst mit der Mysterienweisheit schaut man das Hereinspielen des ganzen Fixsternhimmels in den Menschen zwischen dem Anfang seiner Zwanzigerjahre und dem Ende seiner Zwanzigerjahre. Dann wird die Welt hart. Sie will nicht mehr hereinarbeiten in den Menschen; die Welt wird hart. Von diesem eigentümlichen Verhältnis des Menschen zur Welt in seinem achtundzwanzigsten, neunundzwanzigsten Lebensjahre, daß die Welt hart wird, weiß die heutige Wissenschaft kaum mehr etwas. Aristoteles lehrte es noch dem Alexander, indem er ihm sagte: Dann stößt man als Mensch an den Kristallhimmel; der ist hart. - Damit gewinnt der Kristalllimmel, der außerhalb der Fixsternsphäre ist, für die menschliche Anschauung seine Bedeutung, seine Realität. Damit fängt man an einzusehen, daß der Mensch im Weltenall keine Kräfte mehr findet, wenn er Ende der Zwanzigerjahre ist, um zu erneuern. Warum sterben wir denn nicht mit achtundzwanzig Jahren? Diese Welt, die uns umgibt, die läßt uns eigentlich mit achtundzwanzig Jahren sterben. Es ist wahr, wer den Zusammenhang des Menschen mit der Welt sieht, der schaut jetzt mit dem Bewußtsein in die Welt hinaus: O Welt, du erhältst mich eigentlich nur bis zum Ende der Zwanzigerjahre! — Aber gerade indem man das einsieht, fängt man erst an, den Menschen recht zu verstehen in seiner Wesenheit.
[ 18 ] But now the question will arise within: What happens next? Even later on—even though the parts that need to be renewed will become fewer and fewer—a person must still renew these things. Now, you see, up until the age of twenty-one or twenty-two, the Sun, the Moon, and the planetary system successively influence human growth. Then, up until the age of twenty-eight, the constellations of the fixed stars continue to exert their influence; this, however, is already largely beyond observation. Only through the wisdom of the Mysteries can one perceive the interplay of the entire fixed-star sky within the human being between the beginning and the end of their twenties. Then the world becomes hard. It no longer seeks to work its way into the human being; the world becomes hard. Modern science knows almost nothing about this peculiar relationship between the human being and the world during their twenty-eighth and twenty-ninth years of life—that the world becomes hard. Aristotle still taught this to Alexander, telling him: “Then, as a human being, one comes up against the crystalline heaven; it is hard.” - Thus the crystal heaven, which lies outside the sphere of the fixed stars, gains its significance and reality for human perception. Thus one begins to realize that, by the end of one’s twenties, a person can no longer find the forces in the universe necessary for renewal. Why, then, do we not die at the age of twenty-eight? This world that surrounds us actually causes us to die at the age of twenty-eight. It is true that whoever sees the connection between the human being and the world now looks out into the world with the awareness: “O world, you actually sustain me only until the end of my twenties!” — But it is precisely by realizing this that one begins to truly understand human beings in their essence.
[ 19 ] Denn was geschieht jetzt mit ihm, wenn ihn die Welt verläßt mit Bezug auf die Formkräfte, die er sich bildet? Was geschieht jetzt? Es geschieht folgendes in dem eigentümlichen Augenblick, wo mit dem achtundzwanzigsten Jahr der Mensch anfängt deutlich zu zeigen, die alten Wachstumskräfte sind nun gänzlich verfallen. Manche Menschen fangen schon da an einzugehen; manche erhalten sich noch weiter die fortschwimmenden Wachstumskräfte. Aber selbst Goethe wurde schon kleiner, wenn er sich maß im genaueren, als er begann, den zweiten Teil seines «Faust» wieder fortzusetzen. Damals wurde er aber gemessen. Aber er wurde schon früher zusammenfallend. Sehen Sie, von diesem Momente ab, wo uns die Welt verläßt, müssen wir aus den Kräften, die wir bis dahin aufgenommen haben, unsere eigene Erneuerung besorgen. Da können wir allerdings, weil die zu erneuernden Teile immer weniger und weniger werden, nicht in demselben grandiosen Maßstabe arbeiten an unserer neuen Verleiblichung, wie das Kind arbeitet bis auf die Zähne hin, wenn es nach dem Modell seinen ersten eigenen Leib sich bildet. Aber wir haben sehr viele Kräfte in uns angesammelt von Sonne und Mond und Sternen, die wir brauchen, die wir in uns tragen, da wir vom achtundzwanzigsten Jahre an beginnen, die Erneuerung unseres physischen materiellen Leibes zu besorgen. Da werden wir in bezug auf die Menschenwesenheit in ihrer Form der auf der Erde auf sich gestellte Mensch. Damit aber hat der Mensch, der auf der Erde ganz auf sich gestellte Mensch, indem er zueilt diesem Zeitpunkt und wiederum über ihn hinausschreitet, damit hat der Mensch in der Zeit einen Punkt, den er anstrebt, über den er hinauswächst, auf den ich Sie schon gestern von einem ganz anderen Aspekt aus aufmerksam machte (Tafel 5, Mitte). Der Mensch strebt, wenn ich das so zeichnen darf, von seiner Kindheit an, wo er aufnimmt viele Weltenkräfte, immer mehr und mehr einem solchen Punkte zu, der am Ende der Zwanzigerjahre liegt, wo er aufhört, aus Weltenkräften sein Wachstum zu besorgen. Was er weiter tut von da ab, das besorgt er aus den Kräften seines eigenen Leibes. Hier ist in der Mitte ein Punkt, wo der Mensch aufhört, kosmische Kräfte in sich zu verarbeiten, wo er anfängt, aus seinem eigenen Leibe heraus sich die Kräfte zu erarbeiten. Nur scheidet sich das im wirklichen Leben nicht so stark wie hier in der schematischen Darstellung.
[ 19 ] For what happens to him now, when the world withdraws from him with regard to the formative forces he develops? What happens now? The following occurs at that peculiar moment when, upon reaching the age of twenty-eight, a person begins to show clearly that the old growth forces have now completely faded. Some people begin to wither away even then; others retain their lingering growth forces a little longer. But even Goethe was already shrinking—as was measured more precisely—when he began to resume work on the second part of his *Faust*. At that time, however, he was measured. But he had already begun to wither away earlier. You see, from the moment the world begins to leave us, we must bring about our own renewal from the forces we have absorbed up to that point. Since the parts to be renewed become fewer and fewer, we cannot, of course, work on our new embodiment on the same grand scale as a child does—right down to the teeth—when it forms its first body according to the model. But we have accumulated within us a great many forces from the sun, moon, and stars—forces we need and carry within us—since, beginning at the age of twenty-eight, we start to renew our physical, material body. At that point, in terms of human existence, we become the human being who stands on his own on Earth. But with this—the human being who is entirely self-reliant on Earth—as he hastens toward this point in time and in turn moves beyond it, the human being has a point in time toward which he strives, beyond which he grows; a point to which I already drew your attention yesterday from an entirely different perspective (Plate 5, center). If I may illustrate it this way, from childhood onward—when the human being absorbs many cosmic forces—he strives more and more toward such a point, which lies at the end of his twenties, where he ceases to derive his growth from cosmic forces. Whatever he does from that point onward, he accomplishes through the forces of his own body. Here in the center is a point where the human being ceases to process cosmic forces within themselves and begins to develop these forces from within their own body. However, in real life, this distinction is not as sharp as it appears in this schematic representation.


[ 20 ] Im Leben sind oftmals schon in der frühen Kindheit, ich möchte sagen, vorausgenommene Wirkungen aus dem eigenen Leibe vorhanden. Dann merken wir das an pathologischen Erscheinungen des Kindes, am Brüchigwerden der Knochen, namentlich aber an frühen Fettbildungen der Kinder; aber dieser Zusammenhang steckt dahinter. In jedem Augenblicke seines Lebens strebt ja der Mensch entweder nach diesem Punkte hin, oder er strebt von diesem Punkte weg. Sie sehen leicht ein, das ist eine Art Nullpunkt, eine Art Hypomochlion, eine Art Nullpunkt, wo wir in der Zeit zwischen uns und der Welt stehen. Wir haben immer in unserer inneren Dynamik ein Hinstreben oder ein Wegstreben. Das, was da im Menschen stattfindet, indem er nach diesem Nullpunkt hinstrebt oder von ihm wegstrebt, ist ja ein Streben nach einer Null oder von einer Null. Es ist etwas, was wir tun nach einem Nichts hin. Wir streben nach dem, worin die Welt nicht mehr wirkt, worin der Mensch noch nicht wirkt. Zwischen beiden ist eine Art von Null. Wir haben da etwas in uns, was nach einem Nichts hin orientiert ist. Das macht, daß wir freie Wesen sind, Verantwortlichkeit haben. Das ist so in der menschlichen Konstitution begründet, daß wir verantwortliche freie Wesen sind, weil wir beim Übergang von der Welt zu uns durch einen Nullpunkt durchgehen, wie der Waagebalken von rechts nach links, von links nach rechts durch einen Nullpunkt durchgeht, der nicht den Gesetzen folgt, denen die übrige Waage ausgesetzt ist. Sie können sich denken, wenn Sie eine Waage haben (Tafel 5, rechts), daß bier die mechanischen Gesetze gelten, die Sie lernen, hier die mechanischen Gesetze gelten und der Waage eine bestimmte Konfiguration geben, entweder so, daß das oben ist, das unten oder umgekehrt. Das sind die Gesetze der Waage, des Hebels. Aber wenn Sie diesen Punkt nehmen - Sie können die Waage herumtragen, ihre übrige Konfiguration durch die mechanischen Kräfte ist überall dieselbe, wo Sie die Waage herumtragen -, der Punkt ist frei; den können Sie herumtragen, wie wenn er gar nicht mit einer Waage verbunden wäre, die Waage bleibt ganz unberührt davon. So, wenn der Mensch sich ergreift mit seinem seelischen Erleben in dem Punkt, dem er zustrebt vorher, aber nachher mehr davon wegstrebt, so ist wirksam vorher die Welt, nachher er selber, der Mensch. Hier ist nichts wirksam. Aber in der Tendenz hin oder weg kann sich ausleben dasjenige im Menschen, was nicht von der Natur und was nicht von der Welt bestimmt ist, wo ein Hypomochlion sitzt, da ist der Ursprungspunkt seiner Freiheit. Da begreift man die Verantwortlichkeit.
[ 20 ] In life, effects that are, so to speak, predetermined are often already present in one’s own body as early as childhood. We notice this in the child’s pathological symptoms, in the brittleness of the bones, but especially in the early accumulation of fat in children; yet this connection lies behind it all. At every moment of their life, human beings either strive toward this point or away from it. You can easily see that this is a kind of zero point, a kind of hypomochlion, a kind of zero point where we stand in time between ourselves and the world. In our inner dynamics, we are always either striving toward something or moving away from it. What takes place within a human being as they strive toward this zero point or away from it is, after all, a striving toward a zero or away from a zero. It is something we do in the direction of nothingness. We strive toward that in which the world no longer exerts its influence, in which the human being does not yet exert its influence. Between the two lies a kind of zero. We have something within us that is oriented toward nothingness. This is what makes us free beings, endowed with responsibility. This is so grounded in the human constitution that we are responsible, free beings, because in the transition from the world to ourselves we pass through a zero point, just as the beam of a balance scale moves from right to left and from left to right through a zero point that does not follow the laws to which the rest of the scale is subject. You can imagine, if you have a balance (Figure 5, right), that the mechanical laws you learn apply here—these mechanical laws govern the balance and give it a specific configuration, either with the top up, the bottom down, or vice versa. These are the laws of the balance, of the lever. But if you take this point—you can move the scale around; its overall configuration, determined by mechanical forces, remains the same no matter where you move it—this point is free; you can move it around as if it were not connected to the scale at all, and the scale remains completely unaffected by it. So, when a person engages with their inner experience at the point toward which they previously strived but from which they subsequently strive to move away, the world is the active force beforehand, and afterward it is the person themselves. Nothing is at work here. But in the tendency toward or away from it, that which in the human being is not determined by nature or by the world can play itself out; where a hypomochlion is situated, there lies the point of origin of his freedom. There one grasps the concept of responsibility.
[ 21 ] Man muß also, will man zum Beispiel bei einem fünfunddreißigjährigen Menschen sachlich, nicht bloß in einer Laienhaftigkeit und aus Dilettantismus heraus, den Grad seiner Verantwortlichkeit feststellen können, sich fragen: Wirkt etwa zuviel herüber von demjenigen, was sich abnorm ausgebildet hat bis zu dem Punkt Ende der ZwanzigerJahre, ist dieser Punkt mehr oder weniger nach der Jugend oder mehr nach dem Alter gerichtet? — Der Mensch ist voller Verantwortlichkeit, wenn dieser Punkt normal ist, wenn man das ganze menschliche Leben so beurteilen kann nach der Lebensäußerung des Menschen, daß dieser Punkt normal ist. Liegt dieser Punkt zu stark nach der Jugend zurück, das heißt, hört die Welt zu früh auf, auf den Menschen zu wirken, dann muß dieser Mensch geprüft werden daraufhin, ob er nicht leicht, wenn auch im leisen Grade, unter Zwangsideen leidet, ob er nicht leicht seelisch determiniert sein kann, so daß man ihm nicht die volle Verantwortlichkeit zuschreiben kann für seine Taten.
[ 21 ] So, if one wants to determine, for example, the degree of responsibility of a thirty-five-year-old person objectively—and not merely in a layman’s manner or out of dilettantism—one must ask oneself: Does too much of what developed abnormally up to the end of one’s late twenties come across? Is this point oriented more or less toward youth, or more toward old age? — A person bears full responsibility if this point is normal, if one can assess the person’s entire life based on their life expression in such a way that this point is normal. If this point lies too far back toward youth—that is, if the world ceases to influence the person too early—then this person must be examined to determine whether they might be prone, even if only to a slight degree, to obsessive thoughts, or whether they might be easily psychologically conditioned, such that they cannot be held fully responsible for their actions.
[ 22 ] Liegt dieser Punkt zu spät, wird man sich fragen müssen, ob der Mensch nicht durch seine innere Natur gehindert ist daran, die volle Freiheit der Seele zu entwickeln, ob er nicht physisch zu stark determiniert ist, und man ihm deshalb wieder nicht die volle Verantwortlichkeit zuschreiben kann.
[ 22 ] If this point is raised too late, one will have to ask whether human beings are not hindered by their inner nature from developing the full freedom of the soul, whether they are not too strongly determined by physical factors, and whether, for that reason, they cannot be held fully responsible.
[ 23 ] Aber real berufen, zu beurteilen im feineren Sinn, ist der Arzt und der Priester, die wissen müssen, daß man des Menschen Entwickelung so beurteilen kann, daß man ungefähr —- wir werden weiter darauf eingehen, weil zur Pastoralmedizin auch eine tiefe Physiognomik gehört — aus seiner Statur sagen kann, ob er sich im Gleichgewicht darlebt, ob man sagen kann, bei ihm liegt das Lebenshypomochlion am rechten Fleck, das heißt am rechten Zeitpunkt, oder es ist früher oder später.
[ 23 ] But those truly called to judge in the finer sense are the physician and the priest, who must know that one can assess a person’s development in such a way that, based on his stature, one can roughly —- we will discuss this further, because pastoral medicine also involves a deep understanding of physiognomy — one can tell from a person’s stature whether they are living in balance, whether one can say that their “life hypomochlion” is in the right place—that is, at the right time—or whether it is too early or too late.
[ 24 ] Das sind Dinge, die man in der alten Mysterienweisheit als sehr wichtig bei der Beurteilung des Lebens angesehen hat, das sind Dinge, die vergessen worden sind, die aber wieder hinein müssen in die Menschenkunde, wenn die Menschenkunde im umfassenden Sinne beeinflussen soll und im richtigen Sinne medizinisch und pastoral wirken will.
[ 24 ] These are things that were considered very important in the ancient wisdom of the mysteries when assessing life; these are things that have been forgotten but must be reintroduced into the study of humanity if that study is to have a comprehensive influence and achieve its true medical and pastoral purpose.
[ 25 ] Morgen davon weiter.
[ 25 ] More on that tomorrow.
