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The Rudolf Steiner Archive

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Das Zusammenwirken von Ärzten und Seelsorgern
Pastoral-Medizinischer Kurs
GA 318

17 September 1924, Dornach

Zehnter Vortrag

[ 1 ] Meine lieben Freunde! Was in unserer heutigen Zeit beim wirklichen Wirken und Wirkenwollen aus der geistigen Welt heraus immer übersehen wird, ist das, daß zu allem geistigen Wirken gehört, daß in den Gedanken, die der Mensch hat, und in den Gefühlen Aktivität, Schöpferisches sein kann. Was da eigentlich zugrunde liegt, das ist in der Zeit der materialistischen Denkungsweise völlig vergessen worden und ist heute im Grunde genommen der Menschheit ganz unbewußt. Daher wird so vielfach gerade auf diesem Gebiet eine Art Unfug getrieben, ein Unfug, der heute unter uns in der Menschheitszivilisation sogar ziemlich umfangreich waltet. Sie werden ja wissen, daß von allen möglichen zentralen Stellen oder dergleichen, wie man es nennt, allerlei Anweisungen an den Menschen ausgehen, wie man Gedankenkraft entwickeln kann, wie die Gedanken mächtig werden können. Man möchte sagen: Keime von dem, was man früher im Geistesleben genannt hat «schwarze Magie» und auch fortdauernd so nennt, werden dadurch überallhin ausgestreut. Gerade auf solche Dinge, die zu gleicher Zeit seelische und leibliche Krankheitsursachen sind, hat sowohl der Arzt wie der Priester bei ihrer in die Kultur, in die Zivilisationsentwickelung hineingehenden Wirkung zu achten. Denn wenn man gerade auf solche Dinge achtet, leistet man ja dasjenige, was sowohl zur Verhütung als auch zum besseren Erkennen der Krankheit und der Krankheitserscheinungen des menschlichen Seelenlebens bedeutsam ist. Man will mit solchen Anweisungen ja dem Menschen eine in ihm sonst nicht vorhandene Kraft geben, und verwendet das oftmals zu den unlautersten Dingen. Es gibt nach dieser Richtung ja alle möglichen Anweisungen heute schon, wie Handelsagenten dazu kommen können, Geschäfte zu machen und dergleichen. Auf diesem Gebiete wird heute ungeheuer viel an Unfug erarbeiter.

[ 2 ] Aber sehen Sie, was liegt denn dem zugrunde? Diese Dinge müssen immer schlimmer werden, wenn gar nicht eine wirkliche Erkenntnis gerade auf dem Gebiete der Medizin und auf dem Gebiete der Theologie Platz greift nach dieser Richtung. Denn das Denken der Menschen der neueren Zeit, namentlich das wissenschaftliche Denken hat sich ganz ungeheuer ausgebildet unter dem Einfluß des Materialismus. Wenn heute schon vielfach eine Befriedigung darüber ausgesprochen wird, daß der Materialismus im Abnehmen begriffen sei in der Wissenschaft, daß man überall will über den Materialismus Hinausgehendes gestalten, ja, meine lieben Freunde, das macht gerade auf den, der die Dinge durchschaut, einen viel unangenehmeren Eindruck. Diese Wissenschafter, die auf heutige Art den Materialismus überwinden wollen, auch diejenigen Theologen, die auf heutige Art den Materialismus überwinden wollen, die sind vor den Augen dessen, der diese Dinge durchschaut, eigentlich viel schlimmer als die starren Materialisten, die nach und nach durch die Absurdität ihrer eigenen Sache die Sache unmöglich machen. Aber diese Schwätzer über Spiritualismus, über Idealismus und dergleichen streuen den Leuten Sand in die Augen und sich selber auch.

[ 3 ] Denn was wird denn da, sagen wir in Drieschscher Weise oder in anderer Weise getan, um irgend etwas über materielles Geschehen hinaus vertreten zu können? Es werden genau dieselben Gedanken, die jahrhundertelang verwendet worden sind, um bloß das Materielle zu denken, die auch gar keine andere Möglichkeit haben, als das Materielle zu denken, verwendet, um ein angeblich Geistiges zu denken. Das können diese Gedanken gar nicht! Das kann man nur, wenn man in wirkliche Geisteswissenschaft eingeht. Daher kommen solche sonderbaren Dinge heraus, die heute gar nicht bemerkt werden. Es spricht zum Beispiel ein von der Außenwelt offiziell anerkannter, in Wirklichkeit furchtbar dilettantischer Driesch davon, daß man annehmen müsse: «Psychoide». Ja, meine lieben Freunde, wenn Sie irgendeinem Ding eine Ähnlichkeit zuschreiben wollen, muß das Ding irgendwo da sein. Sie können doch nicht sprechen von affenähnlichen Wesen, wenn nie ein Affe da ist. Sie können nie von Psychoiden sprechen, wenn nie eine Seele anerkannt wird im Menschen! Derlei Geschwätz gilt heute als echte, sogar ins Bessere hineinstrebende Wissenschaft. Das muß durchschaut werden. Und dann sind diejenigen, welche mit wissenschaftlicher Bildung drinnenstehen in der anthroposophischen Bewegung, für die Zivilisationsentwickelung etwas wert, wenn sie sich nicht blenden lassen von dem aufflackernden Irrlicht, sondern wenn sie ganz exakt hineinschauen in das, was nun wirklich notwendig ist und gegenüber dem Materialismus gebraucht wird.

[ 4 ] Daher muß schon gefragt werden: Wie ist es möglich, daß aus der heutigen Passivität des Denkens wieder Aktivität, Schöpferisches wird? Wie muß gewirkt werden von Priesterschaft und Ärzteschaft, daß Schöpferisches in die vom Geist geleiteten, geleitet sein wollenden Arbeiten der Menschen hereinfließt? Die Gedanken, namentlich die sich an den materiellen Vorgängen entwickeln, lassen das Schöpferische draußen in der Materie, bleiben selber ganz passiv. Das ist das Eigentümliche der heutigen Gedankenwelt, wie sie überall in der Wissenschaft angewendet wird, daß sie ganz passiv, untätig, inaktiv ist. Daß gar kein Schöpferisches in den Gedanken ist, das hängt mit unserer ganz in die heute passive Wissenschaft eingetauchten Erziehung zusammen. Der Mensch wird schon so gebildet, so erzogen, daß er nur ja nicht zu einem schöpferischen Gedanken kommt, denn man hat gleich Angst, käme er zu einem schöpferischen Gedanken, so würde er nicht die objektive Wirklichkeit feststellen, sondern irgend etwas dazu tun. Das sind die Dinge, die erfaßt werden müssen. Nun aber, wie kann man zu schöpferischen Gedanken kommen? Sehen Sie, zu schöpferischen Gedanken kann man nur dann kommen, wenn man wirklich Menschenerkenntnis entwickelt; denn der Mensch läßt sich nicht unschöpferisch erkennen, weil er dem Wesen nach schöpferisch ist. Man muß nachschaffen, wenn man erkennen will. Man kann mit dem passiven Denken heute nur die Peripherie des Menschen erfassen, muß sein Inneres liegen lassen. Man muß das Hineingestelltsein des Menschen in die Welt wirklich erfassen. Deshalb wollen wir uns heute gewissermaßen etwas wie ein Ziel, das am Ende einer weiten Perspektive liegt, das uns aber die Gedanken schöpferisch machen kann, und wirklich auch das Geheimnis in sich schließt, die Gedanken schöpferisch zu machen, das wollen wir uns einmal vor die Seele hinstellen und dabei manches in unsere Betrachtungen aufnehmen, das Sie schon aus den allgemeinen anthroposophischen Vorträgen wissen.

[ 5 ] Denken wir uns einmal schematisch, meine lieben Freunde, das im Werden wandelnde Weltenall in Form, nun ja, eines Umkreises (Tafel 11). Wir dürfen das schematisch aus dem Grunde, weil ja tatsächlich das werdende Weltenall in der Zeit eine Art rhythmischer Wiederholung darstellt, allerdings in aufsteigender Linie, in absteigender Linie in bezug auf manche Erscheinungen, aber überall finden wir im Weltenall etwas wie Tag- und Nachtrhythmus, sonstige Rhythmen, größere Rhythmen, die da verlaufen zwischen Eiszeit und Eiszeit und so weiter. Wenn wir uns zunächst an denjenigen Rhythmus halten, der für die menschliche Wahrnehmung derjenige mit den größten Intervallen ist, dann kommen wir auf das sogenannte platonische Jahr, das ja immer, als die Weltenbetrachtungen noch besser waren, eine große Rolle in diesen Anschauungen und menschlichen Weltbetrachtungen spielte.

[ 6 ] Dieses platonische Jahr, man kommt zu ihm dadurch, daß man beobachtet den Aufgangspunkt der Sonne am Morgen an dem Tage, wo der Frühling seinen Anfang nimmt, am 21. März des Jahres. Da geht die Sonne an einem bestimmten Punkt des Himmels auf. Man kann diesen Punkt im Sternbild sehen, man notiert ja diesen Punkt durch alle Zeiten hindurch, denn er ändert sich um ein kleines Stück jedes Jahr. Wenn man, sagen wir, im vorigen Jahr beobachtet hat den Frühlingspunkt genau an seinem Orte am Himmel nach den anderen Sternen, also 1923 beobachtet hat, ihn 1924 wieder beobachtet hat, so liegt der diesjährige Aufgangspunkt der Sonne nicht an derselben Stelle, sondern er liegt verschoben in der Richtung, die man sich ziehen kann eben dadurch, daß man das Sternbild des Stieres mit dem Sternbild der Fische durch eine Linie verbindet. In dieser Richtung des Zodiakus verschiebt sich der Frühlingspunkt. So ist er jedes Jahr um ein Stückchen verschoben. Das weist hin darauf, daß in der ganzen Konstellation der Sternenwelt mit jedem Jahr eine Verschiebung stattfindet, die in dieser Weise registriert werden kann. Wenn man nun prüft, wie sich die Summe dieser Verschiebungen ausnimmt — Sie können es ja sehen, wenn eine Verschiebung stattfindet -, ist er in dem Jahre da, in dem Jahre da und so weiter. Einmal kommt die Verschiebung bis hierher, einmal bis hierher, bis sie auf denselben Punkt zurückkommt. Das heißt, es muß nach einem gewissen Zeitraum der Frühlingspunkt wieder an demselben Himmelsorte stehen. Es ist also eine einmalige Umdrehung des ganzen Sonnenweges in bezug auf den Morgenaufgang eingetreten. Wenn man das berechnet, so geschieht es alle 25 920 Jahre im Durchschnitt. So haben wir einen Rhythmus erfaßt, der das größte Intervall enthält, das dem Menschen zunächst in der Wahrnehmung zugänglich ist: das platonische Weltenjahr, das 25920 unserer Jahre ungefähr dauert.

[ 7 ] Da haben wir hinausgeblickt in die Weltenweiten, und wir stoßen da gewissermaßen mit unseren Gedanken an etwas, woran die Zahlen, die wir entwickeln, abprallen. Wir stoßen an etwas, wie an eine Wand, mit unserem Denken. Darüber hinaus geht das Denken zunächst nicht. Da muß dann das Hellsehen kommen, das da hinausgeht. Aber es geht zunächst nicht hinaus das Denken. Alle Entwickelung läuft innerhalb dessen ab, was da umschlossen wird von diesen 25920 Jahren, und wir können ganz gut, wenn wir wollen, diesen Umfang, der allerdings nicht durch Raum, sondern durch Raum-Zeit abgeschlossen ist, wir können ihn vorstellen als eine Art kosmische Uteruswand. Wir stellen ihn also vor als dasjenige, was uns im weitesten Weltenraum umgibt (Tafel 11, rot-gelb). Und jetzt gehen wir von diesem, was uns da im weitesten Weltenraum umgibt als den Rhythmus, der in sich trägt die größten Intervalle, die wir haben, zu demjenigen, was uns zunächst im Menschen als ein kleineres Intervall erscheint, zum Atemzug.

[ 8 ] Sehen Sie, da müssen wir natürlich wiederum approximative Zahlen annehmen, wenn wir den Atemzug nehmen: Achtzehn Atemzüge in der Minute; und rechnen aus, wieviel das im Tage Atemzüge sind, bekommen wir ja 25920 Atemzüge pro Tag beim Menschen.

[ 9 ] Wir haben denselben Rhythmus, den wir draußen haben, mit den großen Intervallen, im Menschen, im Mikrokosmos mit kleinsten Intervallen. Da lebt also der Mensch in einem Weltenall, das er nachbildet in dem Rhythmus, der der Rhythmus des Weltenalls selber ist. Nur für den Menschen, nicht für das Tier, denn gerade in diesen feineren Erkenntnissen sieht man erst recht den Unterschied zwischen Mensch und Tier. Für den Menschen ist es ja so, daß die Kompaktheit, das Wesenhafte seines physischen Leibes nur erkannt werden kann, wenn man es zurückführt auf das platonische Weltenjahr. 25920 Jahre, darinnen wurzelt das Wesen unseres physischen Leibes. Sehen Sie einmal nach in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», welche großen Zeiträume, zunächst durch anderes als durch Zeit-Raum bestimmt, durch die Metamorphose Sonne, Mond, Erde, welche Dinge zusammengetragen werden mußten, nicht in quantitativ zahlenmäßiger Weise, um den menschlichen physischen Leib, so wie er heute ist, zu verstehen aus seinen Elementen heraus.

[ 10 ] Gehen wir dann in die Mitte herein, wo wir die 25 920 Atemzüge haben (Tafel 11), die sozusagen den Menschen hineinstellen in die Mitte des Weltenuterus, dann kommen wir an das Ich heran. Denn in diesen Atemzügen zusammen mit dem, was ich gesagt habe über die Atmung, die nach dem oberen Menschen geht und sich zu dem sogenannten Geistesleben verfeinert, in der Atmung liegt ja die Ausprägung des individuellen Menschenlebens auf Erden. Hier haben wir also das Ich. Wie wir den Zusammenhang erfassen müssen unseres physischen Leibes mit den großen Zeiträumen, mit dem platonischen Weltenjahr, so müssen wir den Zusammenhang unseres Ichs, das wir ja spüren können in jeder Unregelmäßigkeit des Atems, mit unserem Atmungsrhythmus ins Auge fassen.

[ 11 ] Sehen Sie, zwischen diesen beiden Dingen liegt des Menschen Leben auf Erden, zwischen Atemzug und Weltenjahr liegt das Menschenleben. Durch die Atemzüge wird geregelt alles dasjenige, was für das Ich bedeutsam ist. In jenen kolossalen Vorgängen, welche durch den Rhythmus von 25920 Jahren geregelt werden, liegt das Leben unseres physischen Leibes. Was im physischen Leib vorgeht an Gesetzmäßigkeit, hängt so zusammen mit dem großen Rhythmus des platonischen Weltenjahres, wie unsere Ich-Tätigkeit zusammenhängt mit dem Rhythmus unseres Atmens. Zwischen beiden drinnen liegt das Menschenleben, das wieder für uns eingeschlossen ist zwischen physischem Leib, Ätherleib - astralischem Leib und Ich. Wir können von einem gewissen Gesichtspunkte aus sagen, das Menschenleben auf Erden liegt zwischen physischem Leib, Ätherleib - astralischem Leib und Ich, und von einem anderen Gesichtspunkte aus sagen, das Menschenleben vom göttlich-kosmischen Aspekte angesehen, liegt zwischen dem Atmen eines Tages und zwischen dem platonischen Weltenjahr. Das Atmen eines Tages ist ein Ganzes dadurch. Das Atmen eines Tages gehört dadurch zusammen mit dem, was Menschenleben ist.

[ 12 ] Nun betrachten wir aber von diesem kosmischen Standpunkte aus, was zwischen dem menschlichen Atmen, also zwischen dem Weben und Wesen des Ich und dem Geschehen eines platonischen Weltenjahres, also dem Leben und Treiben draußen im Makrokosmos, was da dazwischen liegt. Sehen Sie, mit dem, was in unserem Atmungsorganismus wirken will, ist es so, daß mit der vierundzwanzigstündigen Atmung des Tages, mit dem, was da drinnen liegt zwischen diesem Atmen und dem, was wir in dieser Atmung als einen ganzen Atmungsrhythmus haben, wir jedesmal begegnen jenem Rhythmus, der als Tag- und Nachtrhythmus da ist und zusammenhängt mit dem Sonnenwesen, wie es im Verhältnis zum Erdenwesen steht. Im täglichen Auf- und Untergehen der Sonne, im Hingehen der Sonne über das Himmelsgewölbe, im Verdunkeln der Sonne durch die Erde, in diesem täglichen Herumgehen der Sonne liegt dasjenige, dem wir begegnen mit unserem Atmungsrhythmus.

[ 13 ] Aber damit kommen wir beim Tag an, beim Tag von vierundzwanzig Stunden, beim menschlichen Tag von vierundzwanzig Stunden kommen wir da an. Und jetzt rechnen wir da weiter, wie wir uns da gewissermaßen aus dem Atmen heraus in die Welt hineinarbeiten. Rechnen wir das einmal aus, wie wir uns da hineinarbeiten in dasjenige, was wir begegnen jetzt im Tageslauf des Makrokosmos, wie wir zunächst in ihm drinnenstehen. Sehen Sie, da können wir rechnen: Wir haben einen Tag, nehmen das Jahr meinetwegen zu dreihundertsechzig Tagen — die Dinge können ja approximativ sein —, dann haben wir dreihundertsechzig Tage. Jetzt rechnen wir ungefähr das Menschenleben zu zweiundsiebzig Jahren, das patriarchalische Alter, das angenommen worden ist, und wir bekommen 25920 Tage. Wir haben ein Menschenleben, das wieder ein Ganzes darstellt in zweiundsiebzig Jahren, das einen Rhythmus darstellt, in dem es sich in die Welt hineinstellt, der der gleiche Rhythmus des platonischen Sonnenjahres ist.

[ 14 ] Wir stellen uns mit unserem Atmungsrhythmus in unser ganzes Menschenleben so hinein, daß wir es regeln nach dem Rhythmus 25 920. Wir kommen an bei demjenigen, was nun so in diesem Menschenleben drinnensteht, wie der Atmungszug im Tage steht. Nun, was steht denn in den zweiundsiebzig Jahren, in den 25 920 Tagen so drinnen, wie der Atmungszug, die Ein- und Ausatmung im Atmungszug drinnensteht? Was steht da so drinnen? Wir haben erstens Ein- und Ausatmung. Die erste Phase des Rhythmus. Wir haben zweitens: während des Tages, da stellen wir uns hinein in das Leben, erleben im Leben auch etwas 25 920 mal. Was denn? Schlafen und Wachen. Wir kommen zum zweiten: Schlafen und Wachen. Das wiederholt sich, der Wechselzustand von Schlafen und Wachen im Laufe des Menschenlebens 25 920 mal, ebenso wie sich das Einatmen und Ausatmen 25 920 mal im Laufe eines Tages, während eines Sonnenumganges wiederholt. Aber bedenken Sie, was ist denn dann Einschlafen und Aufwachen, Einschlafen-Aufwachen, Einschlafen-Aufwachen? Jedesmal, wenn wir einschlafen, atmen wir nicht bloß Kohlensäure aus, sondern wir atmen aus als physischer Mensch unseren astralischen Leib und unser Ich. Beim Aufwachen atmen wir es wieder ein. Das ist ein längerer Atemzug, der vierundzwanzig Stunden, ein Tag dauert. Das ist ein zweites Atmen, das sich in demselben Rhythmus bewegt. Wir haben also das kleinste Atmen, das im gewöhnlichen Ein- und Ausatmen besteht. Wir haben das größere Atmen, wo der Mensch schon in die Welt hinauswächst, dasjenige, was sich im Schlafen und Wachen auslebt.

[ 15 ] Gehen wir weiter. Probieren wir jetzt einmal, wie so ein Menschenleben von zweiundsiebzig Jahren im Durchschnitt sich in das platonische Weltenjahr hineinstellt. Diese zweiundsiebzig Jahre, rechnen wir sie so, als ob sie auch einem Jahre angehören, einem ganzen Jahre, das aus solchen Tagen besteht, die ein Menschenleben sind. Rechnen wir also ein großes Weltenjahr, dessen einzelne Tage ein Menschenleben sind und rechnen wir dieses Weltenjahr auch zu 360 Tagen, das heißt zu 360 Menschenleben; wir bekommen: 72 mal 360 Menschenleben = 25920 Jahre, just das platonische Jahr.

[ 16 ] Was tun wir aber denn da, wenn wir dieses platonische Jahr absolvieren? Wir fangen das Leben an und sterben. Was tun wir im Sterben? Im Sterben atmen wir mehr aus als unseren astralischen Leib und Ich mit Bezug auf unsere Erdenorganisation. Wir atmen den Ätherleib heraus ins Weltenall. Ich habe das oft dargestellt, wie der Ätherleib ausgeatmet wird ins Weltenall, wie er sich verbreitet im Weltenall. Wenn wir wieder zurückkommen, atmen wir wieder einen Ätherleib ein. Das ist ein Riesenatmen. Ein Äther Ein- und Ausatmen. Am Morgen atmen wir Astralisches ein. Mit jedem Atemzug atmen wir Sauerstoff ein, aber mit jedem Erdensterben atmen wir den Äther aus, und mit jedem Erdenleben atmen wir den Äther ein.

[ 17 ] Da haben wir also das dritte: Leben und Tod. Wenn wir das Leben so auffassen, daß wir das Leben als das Leben in der Erde auffassen, und den Tod als das Leben zwischen Tod und neuer Geburt, kommen wir an beim platonischen Weltenjahr, indem wir zum kleinsten Atmen zunächst das größere Atmen, und dann zum größeren Atmen das größte Atmen hinzufügen.

1. Ein- und Ausatmung kleinstes Atmen
2. Schlafen und Wachen größeres Atmen
3. Leben, Tod größtes Atmen

[ 18 ] Und so stehen wir zunächst, ich möchte sagen, in der Sternenwelt. Auf der einen Seite ruhen wir nach innen auf unserer Atmung, auf der anderen Seite ruhen wir nach außen auf dem platonischen Weltenjahr. Dazwischen spielt sich unser Menschenleben ab, aber in diesem Menschenleben selber offenbart sich wieder der gleiche Rhythmus.

[ 19 ] Aber was kommt denn nun in diesen Zwischenraum hinein, zwischen dem platonischen Weltenjahr und zwischen unserem Atemzug? Versuchen wir einmal dasjenige, was wir auf Grundlage des Rhythmus gewissermaßen zahlenmäßig so gefunden haben, wie ein Maler, der den Grund macht, um dann darauf zu malen, versuchen wir, nachdem wir diesen Grund gemacht haben, darauf zu malen. Da finden wir, daß sich sowohl mit dem platonischen Weltenjahr, wie auch mit kleineren Zeitenrhythmen, aber ganz offenbar mit dem Jahresrhythmus, abspielt ein fortwährender Wechsel in der äußeren Welt, den wir auch wahrnehmen, und den wir am leichtesten wahrnehmen, wenn wir ihn betrachten zunächst in den Qualitäten von warm und kalt. Wir brauchen nur daran zu denken, daß der Winter kalt ist, der Sommer warm ist, so haben wir das, was sich im Hintergrund als Zahlen ausnimmt, das haben wir qualitativ in Wärme und Kälte; und der Mensch steht mit seinem Leben drinnen in diesem Wechsel von Wärme und Kälte. Ja, sehen Sie, draußen darf es den Zeitenwechsel geben zwischen Wärme und Kälte, gibt ihn auch, und der sogenannten Natur, wenn sie zwischen Wärme und Kälte abwechselt, ist dieser Zeitenwechsel auch ganz heilsam. Das darf der Mensch nicht machen. Der muß gewissermaßen eine normale Wärme, eine normale Kälte - je nachdem man es relativ betrachtet - in sich bewahren. Er muß also innerliche Kräfte entwickeln, durch die er die Sommerwärme für den Winter aufspart und die Winterkälte für den Sommer aufspart. Er muß ausgleichen im Inneren, richtig im Inneren ausgleichen, fortwährend in der menschlichen Organisation so tätig sein, daß sie zwischen Wärme und Kälte, auch wie sie draußen in der Natur sich abspielt, ausgleicht.

[ 20 ] Es sind Wirkungen im menschlichen Organismus, die man gar nicht beachtet. Er trägt innerlich den Sommer in den Winter, den Winter in den Sommer hinein. Wenn es Sommer ist, tragen wir in uns hinein das, was unser Organismus erlebt hat im Winter. Wir tragen durch den Frühlingspunkt hindurch bis nach Johanni hinein den Winter mit, dann gleicht sich das aus. Geht es gegen den Herbst zu, fangen wir an, den Sommer weiter mitzutragen, tragen ihn bis zu Weihnachten, bis zum 21. Dezember, dann gleicht es sich wieder aus. So daß wir diesen Wechsel von Wärme und Kälte fortwährend ausgleichend in uns tragen. Aber was machen wir da?

[ 21 ] Sehen Sie, wenn man jetzt untersucht, was man damit macht, so kommt man zu einem außerordentlich interessanten Resultat. Wenn man den Menschen so auffaßt (Zeichnung $. 144), dann kommt man dazu, anzuerkennen schon durch eine oberflächliche Anschauung, daß sich alles dasjenige, was als Kälte auftritt im Inneren des Menschen, mit der Tendenz zeigt, nach dem Nerven-Sinnesmenschen hinzugehen. So daß man heute nachweisen kann: alles, was als Kälte wirkt, Winterliches, ist beteiligt an der Kopfbildung des Menschen, an der SinnesNervenorganisation. Alles, was sommerlich ist, alles, was Wärme enthält, ist beteiligt am Stoffwechsel-Gliedmaßensystem des Menschen. Schauen wir auf unseren Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen hin, so tragen wir eigentlich in unserer Organisation alles Sommerliche. Schauen wir auf unsere Nerven-Sinnesfunktionen hin, so tragen wir in ihnen eigentlich alles dasjenige, was wir an Winterlichem aus dem Weltenall in uns aufnehmen. So leben wir mit unserem Kopf alle Winter, mit unserem Stoffwechsel-Gliedmaßenorganismus alle Sommer, und schaffen im Inneren durch den rhythmischen Organismus den Ausgleich, schöpfen hin und her Wärme und Kälte, Wärme und Kälte zwischen Stoffwechselsystem und Kopfsystem und kommen zu dem, was das übrige erst regelt. Die Wärme des Stoffes ist ja erst eine Folge der Wärmevorgänge, und die Kälte der Stoffe ist erst eine Folge der Kältevorgänge. Wir kommen auf ein Spiel des Weltenrhythmus in der menschlichen Organisation. Wir kommen dazu, uns zu sagen: Winter im Makrokosmos ist das Schöpferische in der menschlichen Kopfesbeziehungsweise Nerven-Sinnesorganisation. Sommer im Makrokosmos ist das Schöpferische im Stoffwechsel-Gliedmaßensystem des Menschen.

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[ 22 ] Sehen Sie, schaut man so hinein in die menschliche Organisation, dann hat man wieder einen Anhaltspunkt für jene Initiatenmedizin, von der ich geredet habe, daß sie zunächst einen Anfang nimmt mit dem Buch, das Frau Dr. Wegman mit mir ausgearbeitet hat. Man hat einen Anfang von dem, was immer mehr und mehr wirklich eingreifen muß in die Wissenschaft.

[ 23 ] Kriechen wir jetzt hinauf auf die Felsen, wo die Winterpflanzen wachsen, wo der Boden so ist, daß die Winterpflanzen wachsen, wir kommen an dasjenige in der Außenwelt, was mit der Organisation des menschlichen Kopfes zusammenhängt. Nehmen wir an, wir seien jetzt ein Heilmittelsammler in der Welt und wir wollen dafür sorgen, daß jene Geisteskräfte, die bei einer in der Nerven-Sinnesorganisation wurzelnden Krankheit auftreten, geheilt werden durch den Geist in der Außenwelt, kriechen wir hinauf in die hohen Berge, sammeln dort die Mineralien und Pflanzen und bringen von dort die Heilmittel für die Kopfkrankheiten. Wir verfahren aus unserem schöpferischen Denken heraus. Es bringt unsere Beine in Schwung zu jenen Dingen in der Erde, wo wir das Entsprechende finden müssen. Die richtigen Gedanken, die aus dem Kosmos stammen, müssen beschwingen das menschliche Handeln bis in das Konkrete hinein. Unbewußt tun sie das ja dadurch, daß der im Büro arbeitende Mensch, der ja auch Gedanken hat, wenigstens manchmal, daß der nun durch seinen Instinkt getrieben wird, da nun allerlei Wanderungen zu machen. Nur weiß man nicht den Zusammenhang dafür. Es ist ja auch nicht so wichtig. Das wird erst wichtig, wenn man es in medizinischer oder priesterlicher Beobachtung sieht. Aber ein genaues Betrachten der Welt gibt auch eine Beflügelung zu dem, was man im einzelnen zu tun hat.

[ 24 ] Und wieder, merken wir Krankheiten im Stoffwechsel-Gliedmaßensystem, da dringen wir mehr an das Irdisch-Pflanzenhafte und an das Irdisch-Mineralische vor, sehen wir nach dem, was sedimentiert, nicht nach dem, was in kristallinischer Weise oben wächst, und bekommen da das mineralische und pflanzliche Heilmittel. Und so ist es schon so, daß das Zusammenschauen von Vorgängen im Makrokosmos mit demjenigen, was im Menschen ist, wirklich hinüberführt von der Pathologie in die Therapie.

[ 25 ] Sehen Sie, diese Dinge müssen eben wieder ganz klar durchschaut werden. Die alten Zeiten haben solche Zusammenhänge gut erkannt. Hippokrates ist eigentlich schon eine Art Spätling mit Bezug auf alte Medizin. Aber lesen Sie etwas nach in seinen angeblichen Schriften, die aber wenigstens noch in seinem Geiste gehalten sind, Sie werden diese Auffassung durchaus überall spüren. Da ist überall etwas von dem dariinnen, was im Einzelnen, Konkreten anknüpft an diese große Überschau, die man durch so etwas haben kann. Dann kommen die späteren Zeiten, wo für das menschliche Anschauen solche Dinge nicht mehr da waren, wo die Menschen immer mehr und mehr hineingekommen sind in das bloß abstrakte intellektualistische Denken und in das äußerliche Naturbeobachten, das dann zum bloßen Experiment geführt hat. Es muß wieder der Weg zurück gefunden werden zu demjenigen, was einmal Schauen des Zusammenhanges war zwischen Mensch und Welt.

[ 26 ] So sehen Sie, leben wir als Menschen auf der Erde, indem wir zwischen unserem Ich und unserem physischen Leib leben; zwischen Atemzug und Weltenjahr, platonischem Weltenjahr — da leben wir drinnen und grenzen mit unserem Atemzug an den Tag an. Woran grenzen wir mit unserem physischen Leib? Mit dem platonischen Weltenjahr? — Da grenzen wir an die äußersten Verkettungen und Zusammenhänge im Klimawechsel in den großen Naturvorgängen, verändern in diesen großen Naturvorgängen unsere Gestalt, die menschliche Gestalt, so daß aufeinanderfolgende Rassenbildungen erscheinen und so weiter. Wir grenzen aber auch an alles dasjenige, was in kürzerem äußerem qualitativen Wechsel geschieht, wir grenzen an dasjenige, was die aufeinanderfolgenden Jahre uns bringen, die Tage uns bringen, kurz, wir entwickeln uns als Mensch zwischen diesen beiden äußersten Grenzen, emanzipieren uns aber in der Mitte, weil in der Mitte auch im Makrokosmos ein merkwürdiges Element eingreift.

[ 27 ] Man kann ja tatsächlich in Bewunderung versinken, wenn man diesen nach 25920 Jahren ungefähr geordneten Rhythmus auf sich wirken läßt. Es ergibt ja das wirklich bewundernde Versenken dasjenige, was zwischen Weltall und Mensch sich abspielt. Und wenn man sich da ganz hineinversenkt, dann erscheint einem einschließlich des Menschen die ganze Welt nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet. Alles ist, möchte ich sagen, wunderbar geordnet, nur ist es trotzdem Menschenberechnung. Deshalb aber müssen wir an den entscheidenden Stellen, wenn wir sie etwas auseinandersetzen — trotzdem es gilt, trotzdem es drinnen ist —, müssen wir immer an die entscheidenden Stellen das merkwürdige Wort approximativ einfügen. Es geht immer nicht ganz auf. Es ist darinnen die Rationalität, sie ist darinnen, sie ist da, sie lebt, sie wirkt: es lebt alles das, was ich beschrieben habe. Nun stellt sich etwas hinein, etwas ganz Irrationales im Weltenall, was macht, daß, wenn wir uns noch so sehr vertiefen, bewundernd darin aufgehen - sogar als Initiat meinetwegen -, wenn wir irgendeinen Weg machen durch ein paar Stunden, wir doch einen Regenschirm mitnehmen, auch als Initiaten. Wir nehmen einen Regenschirm, weil nun etwas eintritt, was den Irrationalismus hat, wo dasjenige sich offenbart in der Realität, was in den Zahlen doch immer nicht aufgeht, daß man Schaltjahre, Schaltmonate, alles mögliche braucht. Man hat ja zur Zeitbestimmung das immer gebraucht. Dasjenige, was die ausgebildete Astronomie, die in Astrologie und Astrosophie hinein vertiefte Astronomie — denn man kann sich das so ausgebildet denken -, was die bietet, das wird alles wieder zerstört für das unmittelbare Leben durch die Meteorologie, die es nicht zum Rang einer rationalen Wissenschaft bringt, die vom Schauen schon etwas durchdrungen wird, von weiterem Schauen immer mehr durchdrungen wird, die aber einen ganz anderen Weg nimmt, die in dem darinnen lebt, was übrigbleibt von den anderen. Und gerade wenn wir die heutige Astronomie nehmen, die lebt ja wirklich in Namen, die ist wirklich eine Sternnamensgebung, sonst weiter nichts. Deshalb hat ja auch «Serenissimi» Verständnis aufgehört beim Namengeben der Sterne. Er besuchte die Sternwarte seines Landes, ließ sich verschiedenes zeigen, ferne Sterne durch die Teleskope, und dann sagte er, nachdem er das gesehen hatte: Das alles begreife ich. Aber wie Sie wissen, was dieser Stern, der da so weit draußen ist, was der für einen Namen hat, das begreife ich nicht. — Sehen Sie, es gibt ja den Standpunkt selbstverständlich, den Sie in diesem Augenblicke einnehmen, daß Sie über Serenissimus lachen. Es gibt auch einen anderen Standpunkt, daß man so auch über den Astronomen lacht. Ich möchte über den Astronomen mehr lachen, denn im Weltengange steht etwas sehr Merkwürdiges darinnen.

[ 28 ] Wenn Sie nach den alten Benennungen Saturn und so weiter forschen, müssen Sie sich, um etwas zu begreifen, ein bißchen an unseren Sprachkurs erinnern, in dem die allermeisten von Ihnen drinnen sind, müssen sich erinnern, daß die alten Namen gegeben worden sind nach den Lautempfindungen, die die Astrologen und Astrosophen bei einem bestimmten Stern hatten. Und wir können überall bei den alten Sternennamen sagen: sie sind gottgegeben, sie sind geistgegeben. Sie wurden gefragt, wie sie heißen, die Sterne, weil man den Ton des Sternes wahrnahm und immer darnach den Namen gab. Ja, nun gehen Sie bis zu einer gewissen Grenze in der astrosophischen, astrologischen Entwickelung. Sie mußten die Namen vom Himmel herunterholen. Gehen Sie in die neuere Zeit hinein, wo die großen Entdeckungen gemacht worden sind mit den kleinen Sternwichten zum Beispiel, ja, da kollert alles durcheinander. Da heißt der eine Andromeda, der andere hat einen anderen griechischen Namen, da kollert alles willkürlich durcheinander. Man kann nicht den Neptun oder Uranus in derselben Weise mit seinem Namen belegt denken wie den Saturn. Das alles ist menschliche Willkür und Serenissimus hat nur den einen Fehler gemacht, daß er geglaubt hat, die Astronomen haben so fortgefahren wie die alten Astrosophen. Das haben sie nicht getan. Es ist eben nur menschliche Beschränktheit darinnen, während das Wissen der Astrosophen der alten Zeiten, der Astrologen der älteren Zeiten hervorgegangen ist aus dem Verkehr der Menschen mit den Göttern. Aber gerade wenn man heute wieder aufrückt von der Astronomie zur Astrologie, zur Astrosophie und dadurch lebt in etwas wie in einem Makrokosmos, der überall die Ratio hat, da reicht man hin bis zur Sophia. Dann findet man auf der anderen Seite, wie innerhalb dieser Ratio und Sophia in den Dingen, die nicht aufgehen in der Rechnung, darinnen lebt die Meteoronomie, Meteorologie und Meteorosophie, die man eigentlich immer nur nach ihrem eigenen freien Willen befragen kann. Das ist eine andere Dame. Außerlich, im gewöhnlichen physischen Leben, nennt man sie launisch. Aber das Meteorologische ist ziemlich launisch von den Tagesregen bis hinauf zu den Kometen. Aber indem man sich immer mehr hinauflebt von der Meteorologie zu der Meteorosophie, kommt man auch auf bessere Eigenschaften dieser Weltregiererin, auf diejenigen Eigenschaften, die nicht bloß aus der Laune, aus der kosmischen Emotion sind, ich möchte sagen, die aus der inneren Herzlichkeit dieser Dame kommen. Aber es geht eben nicht anders, meine lieben Freunde, als daß man dem Rechnen, dem Denken, alle dem, was sich rationell verfolgen läßt, auch gegenüberstellt die unmittelbare Bekanntschaft mit den Weltenwesen, sie kennenlernt, so wie sie sind. Da zeigen sie sich, sie sind da, zunächst sind sie etwas spröde, sie sind nicht aufdringlich. Beim Rechnen kommt man immer weiter und weiter heran, allerdings, aber man kommt von dem eigentlichen Weltenwesen immer mehr ab. Man kommt nur in zurückgebliebene Taten hinein.

[ 29 ] Kommt man vom gewöhnlichen groben Berechnen zum rhythmischen Berechnen, wie es für die Sphärenharmonie war die Astrologie, so kommt man vom rhythmischen Berechnen zum Anschauen der Weltenorganisation in Figuren, Zahlen, die da sind in der Astrosophie. Aber man kommt nach der anderen Seite hin, ich möchte sagen so, daß sich schon die regierenden Weltenwesen etwas spröde erweisen. Sie sind nicht gleich da. Zuerst zeigen sie einem nur eine Art AkashaPhotographie, von der man aber nicht recht weiß, woher sie einem zugeworfen wird. Da hat man die Welt, aber eben nur überall im Weltenäther gezeichnete Photographien. Aber man weiß nicht, wo sie herkommen.

[ 30 ] Dann tritt die Inspiration ein. Da fängt das Wesen an, durch das Bild heraus sich selber kundzugeben. Wir gehen zunächst aus der Nomie bloß zur Logie. Erst wenn wir ganz durchdringen zur Intuition, dann folgt der Inspiration das Wesen selber, wir kommen an die Sophia. Das ist aber ein persönlicher Entwickelungsweg, der den ganzen Menschen in Anspruch nimmt, der auch Bekanntschaft machen muß mit einer solchen Dame, die sich hinter der Meteorologie verbirgt, in Wind und Wetter, in Mond und Sonne, insoferne sie eingreifen in die Elemente. Da muß nicht nur der Kopf sich engagieren wie bei der Logie, sondern der ganze Mensch.

[ 31 ] Nun können Sie aber daraus ersehen, daß schon auch eine Möglichkeit vorliegt, in dieser Beziehung, sich auf einen Irrweg zu begeben, denn Sie können auch in der Anthroposophie, indem Sie von der Anthroponomie, die eigentlich heute die allein herrschende Wissenschaft ist, zur Anthropologie kommen, können Sie zur Anthroposophie kommen mit dem Kopf. Da haben Sie dann lediglich die Ratio, aber die Ratio lebt nicht. Sie bezeichnet nur die Spuren des Lebens, wo es nicht darauf ankommt, daß man die Einzelheiten berücksichtigt. Das Leben lebt aber gerade in den Einzelheiten, in dem Irrationalen. Da müssen Sie hinunterleiten, was der Kopf erfaßt hat in den ganzen Menschen, und mit dem ganzen Menschen dann aufrücken von der Nomie zur Logie, zur Sophia.

[ 32 ] Das ist dasjenige, was wir fühlen müssen, wenn wir beleben wollen Theologie auf der einen Seite, Medizin auf der anderen Seite durch dasjenige, was wirklich beides beleben kann, die Pastoralmedizin. Das ist dasjenige, was wir dann morgen durch einige Spezialbetrachtungen schließen wollen. Aber die Hauptsache ist diese, daß wir zuerst beim ersten Anhub des Hineingehens in die Pastoralmedizin die Wege kennenlernen, in denen sich in der Betrachtung der Welt die Pastoralmedizin bewegen muß.