Das Zusammenwirken von Ärzten und Seelsorgern
Pastoral-Medizinischer Kurs
GA 318
18 September 1924, Dornach
Elfter Vortrag
[ 1 ] Meine lieben Freunde! Pastoralmedizin, wie sie hier gedacht wird, kann ja im Grunde genommen nur angesehen werden als etwas, was wiederum herausgeholt wird aus spirituellem Erkennen, spirituellem Forschen und das wieder einen Sinn bekommt, wenn überhaupt das Bewußtsein in die Menschheit gelegt wird, daß Spirituelles positiv wirksame Kräfte enthält. Denn in der Zeit, die den Materialismus entwickelt und ausgestaltet hat, ist es ja nicht denkbar, daß man sich zu dem Spirituellen so gestellt hätte, daß man darin irgend etwas, was nun auch einer Behandlung wert ist, gesehen hätte. Dies allerdings, auf das Geistige hinzuschauen, zu suchen gerade im Geistigen diejenigen Möglichkeiten, die zu Heilwerten führen, das war im eminentesten Sinne da innerhalb der alten Mysterienerkenntnis, und es wird sich dasjenige, was wir zur Abrundung unserer Betrachtungen noch werden zu besprechen haben, heute anschließen dürfen an eine Art Anknüpfung der medizinischen Strömung, die nun hier ausgehen soll vom Goetheanum, an altes Mysterienwesen.
[ 2 ] Es ist in der Tat am richtigsten die Sache aufgefaßt im historischen Zusammenhang, wenn das, was hier gewollt wird, in Anknüpfung gedacht wird an allerdings ganz andersgeartete Forschungsmethoden, aber an Forschungsmethoden und an das künstlerische Heilverfahren im alten Mysterienwesen. Nun werden Sie selbstverständlich, meine lieben Freunde, dasjenige, was dieser kurze Kursus über Pastoralmedizin geboten hat, nur als eine Anregung gewissermaßen im ersten Kapitel zu betrachten haben, und als den Beginn des Ausbaues einer Pastoralmedizin, die immer weiter und weitergehen wird durch die Arbeit, die hier von Frau Dr. Wegman und mir geleistet zu werden hat.
[ 3 ] Nun, meine lieben Freunde, möchte ich da zunächst darauf aufmerksam machen, wie die Initiaten der alten Mysterien beschrieben den Weg ihrer Initiation, jenen Weg, der insbesondere dort gegangen worden ist, wo die Mysterien eingelaufen sind in die Heilmysterien. Im Grunde genommen waren alle Mysterien verbunden mit Heilmysterien, aber die einen mehr, die anderen weniger. Es waren alle damit verbunden, weil man Heilen eben als in Zusammenhang stehend mit der ganzen menschlichen Zivilisationsentwickelung ansah. Das hat tiefere Gründe. Der Mensch der alten Zeit sagte sich: Wenn die menschliche Individualität herunterkommt aus geistigen Welten in die physische Erdenwelt durch Konzeption und Geburt, dann tritt das Geistig-Seelische in jene Verwandlung ein, durch die es einen Menschenleib physisch gestalten kann. Wir haben beschrieben, wie diese Gestaltung in den ersten sieben Lebensjahren zum erstenmal durch die Individualität geschieht, währenddem der Menschenleib zuerst durch die Vererbung empfangen wird, derjenige Menschenleib, der im Laufe von sieben bis acht Jahren ganz abgestreift wird.
[ 4 ] So stellte man in recht strengem Sinne vor in den alten Mysterien das Hineinkommen des Menschen aus geistigen Welten in das PhysischSinnliche. Aber man hatte überall das Bewußtsein, daß der Mensch sich nicht so mit seinem physischen Leib verbindet, von vorneherein sich nicht so mit seinem physischen Leib verbindet, wie es eigentlich ganz ursprünglich — wenn ich mich des Ausdruckes bedienen darf — vorgesehen war von den geistigen Mächten, die jenen Teil der Welt lenken, dem die Menschheit angehört. Man hat namentlich demjenigen Teil der Kräfte im Menschen, die durch die Vererbung hineinkommen, immer zugeschrieben, daß sie durch eine Anomalie der gesamten Entwickelung in einem gewissen Sinne überwältigen die Kräfte, die sich der Mensch durch seine Individualität aus vorigen Erdenleben mitbringt. Man hat keine rechte Harmonie gesehen darin, man hat gerade gesagt: Würde ein vollständiges Zusammenklingen des Geistig-Seelischen mit dem Physisch-Leiblichen im Erdenmenschen vorhanden sein, dann würde erstens der Tod nicht die Gestalt haben, die er hat, zweitens aber auch nicht in einem solchen Sinne Krankheit eintreten, wie sie eintritt. Krankheit und Tod betrachtete man als diejenigen Symptome, welche zeigen, daß der Mensch allerdings mehr mit der physischen Erdenwelt zu tun hat, als ursprünglich ihm vorgezeichnet war. Das ist, wenn sie auch heute nicht mehr voll verstanden werden kann, doch eine außerordentlich tiefe Idee, in der viel, viel Wahrheit steckt. Denn es ist wirklich so, daß in dem Moment, wo der Mensch nur ein wenig zu einer höheren Bewußtseinsstufe kommt, er sogleich merkt: der Tod zum Beispiel hat eine ganz andere Gestalt. Er nimmt sich mehr als eine Metamorphose aus denn als das Ende einer Lebensphase und so weiter.
[ 5 ] Dadurch aber war für das ganze alte Bewußtsein das Erziehen des Menschen nahegerückt an das Heilen, und der ganze Erziehungsvorgang wurde eigentlich in sehr alten Zeiten der Menschheitsentwickelung als ein generelles Heilen aufgefaßt. Dadurch war dasjenige, was Mensch an Mensch zu tun hatte, von vorneherein in einem gewissen Sinne medizinisch gedacht, und damit war dann verbunden das Bewußtsein, das sich in den alten Mysterien verknüpfte mit dem Arzt- und mit dem Priesterberuf, die beide zu tun haben sollten mit dem Heilen der Menschen auf Erden. Arzt und Priester waren ja zumeist in alten Zeiten in einer Person vereinigt, ein Vorgang, der eben nur beim alten instinktiven Bewußtsein da sein konnte, der heute nicht da sein kann, wenigstens nicht als regelmäßige Einrichtung. Es war mit diesem Bewußtsein von der Bedeutung des Heilens, das auch im normalen Leben da sein mußte, für jeden Menschen dann verbunden, daß er nach jener Metamorphose, die die Menschen durch den Tod durchmachen, vorzugsweise also in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt, von jenen Seelen, die auf Erden Ärzte oder Priester waren, auf den Weg zur Sonne gewiesen wurde. Die erste Anleitung, um den Sonnenweg nach dem Tode zu finden, den jeder finden muß, weil dort ein Teil desjenigen absolviert wird, was absolviert werden muß zwischen Tod und einer neuen Geburt, die ersten Schritte — so wurde es vorgestellt in alten Zeiten - mußte der Mensch, der durch die Pforte des Todes geschritten war, gewiesen bekommen von dem Arzt oder dem Priester. Das alles aber war eingetaucht in die tiefste Mysterienweisheit. Mysterienweisheit, die wir nur heute anders anschauen müssen, weil die alten Methoden für uns nicht mehr geeignet sind, die aber durchaus im heutigen Zeitpunkt einer Erneuerung wiederum fähig sind, jener Erneuerung, die eben hier versucht werden soll.
[ 6 ] Nun, meine lieben Freunde, wenn ein alter Initiat seine Initiation beschrieben hat, so hat er gesagt: Er wurde, nachdem er die Schwelle überschritten hatte, zuerst bekanntgemacht mit der Wirkung der Elemente, und Elemente nannte man in alten Zeiten dasjenige, was wir heute Aggregatzustände nennen würden: das Feste, das man als Erde bezeichnete, alles Flüssige, das man als Wasser bezeichnete, alles Luftförmige, das man als Luft bezeichnete und alles Gasförmige einschloß, und alles Wärmeartige, das man dem Wärmeäther zuschrieb, das bezeichnete man als Elemente. Das ist etwas, wovon der moderne Physiker sagt: Das gibt es gar nicht. — Für ihn gibt es diese vier Elemente nicht. Es gibt für ihn eine Anzahl von siebzig bis achtzig Elemente, die haben Eigenschaften. Unter gewissen Verhältnissen der Welt ist das eine flüssig, das andere fest oder gasförmig. Der Wärmezustand kommt allen zu. Aber das, was man als Elemente in den alten Zeiten geschildert hat, das gibt es heute nicht. Das sind bloß Eigenschaften von den Realitäten, das sind keine Wirklichkeiten. Ja nun, aber dasjenige, was man heute Elemente nennt, sind eigentlich nur Wirklichkeiten innerhalb der ganz groben physischen Welt, und dasjenige, was in alten Zeiten Elemente genannt wurde, das faßte man so auf, daß man dadurch nicht in die Materie hineinkam, sondern in das Weben und Leben der Materie.
[ 7 ] Sehen Sie, es war weniger bedeutsam einem alten Arzt, ob irgend etwas die eine oder die andere Substanz ist, mit diesem oder jenem äußeren Namen. Es hat natürlich eine Wichtigkeit, aber die kommt erst heraus, wenn man die andere Wichtigkeit, die das Weben und Leben des Materiellen betrifft, ins Auge faßt. Und so kann man irgendeine Substanz nehmen draußen an dem Orte, wo sie in Verwitterung begriffen ist. Da legte der alte Arzt eigentlich einen ganz besonderen Wert darauf, daß eben in dem ganzen Erdenprozeß die Substanz, die er dort nimmt, dem Verwitterungsprozeß ausgesetzt ist, oder er sah besonders darauf, daß er irgendeine Substanz nicht einfach aus dem Mineralreich gewann, wenn sie auch aus dem Pflanzenreich zu gewinnen ist. Er sah also überall auf die Stellung, die in lebender Tätigkeit das Substantielle im Weltenprozeß hat. Will man das durchschauen, dann braucht man aber diese Gliederung nach den vier Elementen, denn dann ist einem vor allen Dingen an einer Substanz wichtig, bei welcher Temperatur sie Erde wird, das heißt, bei welcher Temperatur sie fest wird, oder flüssig wird, oder Wasser oder Luft wird. Das war das Wichtige in alten Zeiten, hinzuschauen auf dasjenige, was im Weltenprozeßß vorgehen muß, damit irgendeine bestimmte Substanz eine bestimmte Form hat. Das war das erste. Darnach beurteilte man erst die Substanz. Heute geht man erst von der Substanz aus, damals ging man aus von dem Prozeß. Und jede Substanz ist ja nur ein festgehaltener Prozeß, auf irgendeiner Stufe festgehaltener Prozeß. Man war von dem ganzen Weben und Leben im Materiellen vor allen Dingen durchdrungen. Und so beschrieb der Initiat, daß er zunächst eingeführt wurde in jenes Schauen, durch das er das Weben und Leben des Substantiellen so schauen konnte, daß es ihm als ein Gewebe der vier Elemente erschien. Das war das erste.
[ 8 ] Das zweite aber, was jeder erzählte und was für ihn die zweite Stufe darstellte, das war, daß er sagte: Er wurde dahin geführt, wo er die «oberen und unteren Götter» kennenlernen konnte. — Was heißt das, da hineingeführt zu werden, wo man die oberen und unteren Götter kennenlernen kann? Ja, sehen Sie, meine lieben Freunde, das haben wir eigentlich schon beschrieben, nur haben wir es in moderner Form beschrieben. Ich sagte Ihnen, wenn das Geistig-Seelische so tief in den physischen Leib und in den ätherischen Leib hinunterzieht, daß der physische Leib und der ätherische Leib das Geistig-Seelische überwältigen, dann entsteht Pathologisches, Pathologisches durch eine Verirrung des Geistig-Seelischen ins Physisch-Leibliche. Da entsteht Pathologisches. In dem Augenblick, wo eben das geschieht, steigt der Mensch tiefer in sich hinein, als er beim gewöhnlichen Aufwachen hineinsteigen sollte, hineinsteigen sollte während des Wachens in seinen physischen Organismus, und er kommt nach unten mit außermenschlichen, unternatürlichen Wirkungen zusammen. Denn nur wenn wir in normaler Relation sind zwischen unserer geistig-seelischen und physisch-leiblichen Organisation, leben wir im Natürlichen. In dem Augenblick, wo wir tiefer hineintauchen, intensiver hineintauchen in unsere physische Leiblichkeit, kommen wir mit dem Unternatürlichen in Beziehung. Da kommen wir mit dem in Beziehung, worinnen Elementarwesen, Wesen höherer Hierarchien auf verschiedenen Stufen ihrer Entwickelung mit hereinwirken in den Menschen. Und das ist eben einfach eine Tatsache: man kommt mit den Göttern in Beziehung, die unterhalb der Naturwirkungen ihre Tätigkeit entfalten.
[ 9 ] Wie hätte also ein alter Initiat auch sagen können, wenn er einen mehr neutralen Ausdruck gebraucht hätte, der die Sache verhüllt darstellte, weil ihn niemand verstand als wieder Initiaten, wie hätte er sagen können: Er sei hinuntergeführt worden zu den unteren Göttern? — Er hätte sagen können: Ich habe die Natur der menschlichen Krankheiten kennengelernt, denn die führt zu den unteren Göttern.
[ 10 ] Nehmen wir das andere, das ja in dem Sinne, wie ich das auch an der Grenze des Pathologischen und Normalen gezeigt habe: in des Heiligen Leben hineinführen kann, wo das Geistig-Seelische herausgeht, mehr herausgeht als es herausgehen sollte, sozusagen den Schlafzustand belebt. Das kennenzulernen bezeichnete der alte Initiat als sein Zusammensein mit den oberen Göttern. So daß man also hat, schematisch gedacht, was der Richtigkeit entspricht: Natur, Unternatur, Übernatur (siehe Zeichnung). Das Visionäre, das schauende Leben, das Leben, das den Menschen in die geistige Welt einführt, das nannte der Initiat: Zusammensein mit den oberen Göttern.
[ 11 ] Nun bekommt man sehr leicht, meine lieben Freunde, wenn so geredet wird von den oberen und unteren Göttern eine falsche Vorstellung über die Rangordnung. Sehen Sie, Sie müssen sich die Sache so vorstellen. Wenn ich einfach sage: Natur, Unternatur, Übernatur, Krankheit, visionäres Leben, dann bin ich versucht, die unteren Götter als die untergeordneten auch anzusehen. Aber sehen Sie, so ist die Sache nicht. In Wirklichkeit ist die Sache so: Stellen wir uns vor, hier hätten wir die Natur, und nach oben führt es zu einem Kreis, nach unten führt es zu einem Kreis (siehe Zeichnung), und das, was wir hier oben finden, vereinigt sich nach der anderen Seite mit dem unteren. Zeichnen wir den Kreis größer, so bekommen wir dieses, zeichnen wir ihn noch größer, so bekommen wir dieses, noch größer, bekommen wir dieses, und wenn wir ihn immer größer machen, so bekommen wir zuletzt eine Gerade. Hier ein Stück Kreis, der fortgeht, aber nachdem er ins Unendliche hineingegangen ist, zurückkommt von der anderen Seite. Das bezeugt, daß diese Bezeichnung als untere und obere Götter nicht so aufzufassen ist als eine Rangordnung, sondern nur als die verschiedene Art, wie sie an die Menschen herankommen, daß sie aber als durchaus gleicher Rangordnung miteinander wirkend und im unendlichen Fernpunkt zusammenstrebend gedacht worden sind. Deshalb war alles, was Krankheit und Sehertum war, in alten Zeiten so angesehen, daß, wenn es der Mensch durchschaut, er in die geistige Welt hineinschaut. Eine Art, die geistige Welt zu durchschauen, ist diese: wirklich bekannt zu werden mit Krankheit und Sehertum. Dies aufgefaßt, gibt uns zu gleicher Zeit die Möglichkeit, das, was da in alten Zeiten im Bewußtsein der Menschen vorhanden war, in die neuere Zeit hineinzunehmen. Denn fragen wir uns innerhalb des modernen Bewußtseins: Was läßt sich mit dem Gebiet der unteren Götter in unserem modernen Bewußtsein identifizieren? — Sehen Sie, dasjenige, was wir, wenn wir die göttliche Dreifaltigkeit vorstellen, den Vater nennen, das ist dasjenige, was im eminentesten Sinne der Unternatur angehört. Der Vater, er gehört der Unternatur an, und wie haben wir uns im Sinne einer wirklichen geistigen Auffassung in der Erkenntnis zu diesem Vatergott zu stellen?
[ 12 ] Nun, meine lieben Freunde, wir schauen hin auf den Menschen, wir schauen den Menschen an in seinem tagwachenden Zustande, wir schauen ihn an in seinem nachtschlafenden Zustande, wir vergleichen beide Zustände. Sehen wir den Menschen im vollen Wachen an, so können wir wissen, dann ist er so, wie er in der physischen Welt eingegliedert ist in die Ordnung dieser physischen Welt. Denn so, wie sich die Erde einmal herausgegliedert hat aus den Vorstadien, wie sie auf dem Wege ist nach einer weiteren Evolution, so muß er erkannt werden aus Saturn, Sonne, Mond. Im Wachzustand gehört er in dieser Beziehung zur Erde, steht naturgemäß in der Erde drinnen. Er steht auf dem Niveau der Natur im Wachzustande drinnen.
[ 13 ] Nicht so, wenn der Mensch im Schlafe ist. Wenn der Mensch im Schlafe ist, meine lieben Freunde, da liegt im Bette physischer Leib und Ätherleib, da ist außer dem physischen Leib und Ätherleib der Astralleib und das Ich. Aber schauen wir uns den physischen Leib und Ätherleib an. Was hat denn da dieses Stück Mensch, das da in physischem Leib und Ätherleib daliegt? Dasjenige hat es, allerdings in vorgerückterem Zustande, was es in der alten Saturnentwickelung, in der alten Sonnenentwickelung empfangen hat. Das ist weitergeschritten. Aber jetzt im Schlaf hat der Mensch seine Weiterentwickelung des Saturn- und Sonnendaseins, er hat gar nicht sein Mondendasein in dem, was da im Bette liegt, darinnen. Das hat er gar nicht drinnen. So daß wir sagen müssen: indem die Natur fortgeschritten ist, ist sie hinausgegangen vom Monden- zum Erdendasein. Aber indem der Mensch den Schlafzustand nötig hat, bewahrt die Natur unter sich im schlafenden Menschen eine Unternatur, eine Natur, die eigentlich nur während der Saturn- und Sonnenzeit war. Das ist die Unternatur. Das liegt allen Wesen dadurch, daß ein Menschengeschlecht da ist, zugrunde. Der Mensch taucht wirklich in die Unternatur im Schlafzustande unter, und aus diesem Untertauchen -ich habe es Ihnen ja schon gezeigt in den verflossenen Tagen dieses Kursus — tauchen wieder die Krankheiten herauf. Da ist das Gebiet des Vatergottes. Wir tauchen schlafend in das Gebiet des Vatergottes ein, in die Unternatur tauchen wir ein, in das Gebiet des Vaters.
[ 14 ] Nehmen wir das Sehertum des Menschen, so stellt das eigentlich dar eine Durchleuchtung jener Glieder der menschlichen Wesenheit, die im Schlafe aus dem physischen und Ätherleibe heraußen sind, des Ichs und des astralischen Leibes. Wird der Mensch wissend darinnen, dann ist das der entgegengesetzte Zustand des Krankseins, der andere Pol des Krankseins. Und der Mensch ist eingetaucht in das Gebiet des Geistes mit seinem astralischen Leib und Ich.
[ 15 ] So sehen wir, daß der Mensch in seiner Erdenorganisation sich herausreißen kann aus der Natur nach zwei Richtungen hin, nach der Richtung der Unternatur zum Vater, nach der Richtung zur Übernatur zum Geiste, und der Christus ist seit dem Mysterium von Golgatha der Vermittler von beiden Welten, der Durchgeistiger des Naturdaseins, der Durchgeistiger des normalen Menschendaseins, der immer da die Harmonie hervorzurufen hat zwischen Unternatur und Übernatur. Die Unternatur wird ja im normalen Verlauf des Schlafens und Wachens immer wieder ausgeglichen. Die Übernatur wird ausgeglichen bei jenen Sehern, die immer die Möglichkeit haben, ins gewöhnliche Menschenleben zurückzukehren nach ihrer Willkür. Ist der Mensch im Aufwachen nicht imstande, das, was er in der Unternatur erlebt hat, auszugleichen, so kommt die Krankheit, die sich im physischen und ätherischen Leib auslebt. Ist der Mensch nicht imstande, dasjenige, was er sehend erleben kann im Gebiete des Geistes, hineinzubringen in den vollen Wachzustand, in den naturgemäßen Verlauf seines Erdenlebens, so kommen die Seelen- oder Geisteskrankheiten zustande und somit der andere Pol.
[ 16 ] Nun nehmen wir einmal die physische Krankheit. Was geschieht, wenn der Heilungsprozeß eintritt? Der Mensch wird von dem Erleben der Unternatur zum Erleben der Natur geführt, von dem Vater zu Christus, denn der Christus ist das geistige Leben in der Natur. Von dem Vater zu Christus, und das tut im wesentlichen der Arzt. Im wesentlichen ist es des Arztes Aufgabe, zu erkennen, wie der von der Unternatur befallene Mensch zu Christus zurückgebracht wird, nachdem der Vater, wenn wir es bildlich ausdrücken, die Herrschaft an Christus, den Sohn abgegeben hat. Das ist eben dasjenige, was in einer mehr modernen Sprache die Mysterienweisheit ausdrücken würde. Man würde sagen: der Initiat wird geführt, nachdem er hier auf Erden ein richtiges Christus-Bewußtsein hat, auf der einen Seite zum Vater, auf der anderen Seite zum Geist. Und vom Vater her, indem er sich bewußt wird, wie der Weg da ist, auf dem geleitet werden muß vom Vater zum Christus, auf diesem Wege liegen alle Heilungsprozesse.
[ 17 ] Und hier beginnt das moderne Mysterium, meine lieben Freunde, das Mysterium, das die große Weltenprobe abgibt für wirkliche Arzneiwissenschaft. Und darauf muß ich am Ende des Kursus über Pastoralmedizin hindeuten, damit daraus dasjenige erfließen soll, was zunächst als Gesundung in den Arzt einziehen soll. Nehmen wir einmal an, der Arzt lernt, so wie wir es angedeutet haben in diesem Kursus, nach und nach diese einzelnen Heilungsprozesse, indem er kennenlernt die defekten Organe, kennenlernt dasjenige, was draußen im Reiche der Natur entsprechend den Organen wirkt mit dem Geiste versehen, so daß wir den Geist in den Menschenkörper als den Heilenden einführen. Er lernt, wie man es in diesem Fall, wie man es in jenem Fall macht. Das alles verbindet sich in ihm zu einem Gesamtwissen. Aber indem er in dem wirklichen Wissen vorgerückt ist, ist es anders, als indem man vorrückt in dem heutigen Wissen. Wenn Sie heute eine pathologische Anatomie oder eine Heilmittellehre in die Hand nehmen und sie gründlich studieren, sind Sie am Ende nur insoferne weiter als am Anfang, indem Sie das ganze Ding in sich haben — wenn Sie es in sich haben -, aber weitergedrungen mit jedem Kapitel sind Sie nicht in Ihrer gesamten menschlichen Haltung. Aber das ist das Wesen des Gesamtwissens, daß man mit seiner gesamten menschlichen Haltung weiterkommt.
[ 18 ] Wenn Sie in diesem Sinne Medizin aufnehmen, wie es hier gemeint war in diesem Kursus über Pastoralmedizin, so kommen Sie Schritt für Schritt weiter. Und dasjenige, was sich Ihnen zuletzt als ein Resultat ergibt, das, meine lieben Freunde, ist nichts Geringeres, als daß Sie sich sagen: Jetzt, nachdem ich das ganze medizinische Wissen hinter mir habe, sehe ich ein alles dasjenige, was beim Mysterium von Golgatha vorgegangen ist, bis zu demjenigen Momente, wo der Christus durch die Todespforte auf Golgatha gegangen ist. Sie verstehen den Gang des Christus vom Vater zu dem Golgathatode hin. Das ist das Mysterium. Man glaubt zunächst nicht, daß das eine mit dem anderen verbunden ist, aber es ist verbunden. Es ist so verbunden, daß Sie wirklich gerade durch das Hineinschauen in das Heilverfahren begreifen, was da geschehen ist im Kosmos, daß der Vater den Sohn geschickt hat, damit er durch den Tod auf Golgatha durchgegangen ist; und in dem, was im Tode auf Golgatha geschehen ist, meine lieben Freunde, sehen Sie dann nicht einen Tod, sondern ein Zusammenwirken von allem, was geschehen ist in dem Tod, der kein Tod ist, sondern der die Überwindung des Todes ist, der die Heilung des ganzen Menschenwesens ist. Das ist der Gang des Arztes vom Vater zum Sohn, bis dieser auf Golgatha stirbt. Alle einzelnen Heilerkenntnisse bringen einen immer ein Stück weiter, um das zuletzt zu begreifen.
[ 19 ] Pastoralmedizin ist nicht nur dasjenige, was der Pastor und der Arzt zusammen ausüben sollen, das ist nicht allein dieses, sondern Pastoralmedizin ist dasjenige, was zunächst zusammenzubringen ist, damit durch den Arzt der eine Teil des Mysteriums von Golgatha wirklich durchschaut werden kann. Das ist der Gipfelpunkt, der Kulminationspunkt der Medizin, alles Kranksein der Menschen zu begreifen, damit man das Mysterium von Golgatha bis zum Tode hin als den großen Heilungsprozeß einsehen kann. Pathologie der sich entwikkelnden Menschheit, Therapie: das Sterben auf dem Kreuze — es wird im Zusammenhang angesehen werden, wenn wirkliche Medizin da ist.
[ 20 ] Der Priester hat zu verfolgen alles dasjenige, was erlebt wird vom Menschen, wenn er aus dem Leibe herauskommt in die andere Welt hinein, die die Welt des Geistes ist. Dadurch wird der Priester immer mehr und mehr bekannt mit demjenigen, was des Menschen Verwandtschaft mit dem Geiste, mit dem Spiritus Sanctus ist, mit dem durchaus Heiligen Geiste. Und sein Weg ist der, die Vermittlung zu übernehmen zwischen dem Geiste und dem Sohne, dem Christus, darinnen die Theologie auszubilden, den Weg zu finden von Christus zum Geiste, vom Geist zum Christus. Wieder kann man eine Summe von Erkenntnissen, von Lebensinhalten erwerben über diesen Weg, den man die Menschen zu führen hat vom Geist zu Christus, von Christus zum Geist. Und gipfeln muß dieser Weg darin, daß die einzelnen Etappen der Theologie dem Menschen verständlich machen, welches der Weg des Christus für die Menschheit war nach dem Durchgang durch den Tod auf Golgatha, der der große Heilungsprozeß war. So daß jetzt die Frage entsteht: Was wird durch diesen Heilungsprozeß als Fähigkeit im Menschen erzeugt, damit er in die geistige Welt einrücken könne? — Dadurch gipfelt alles dasjenige, was Theologie sein soll, in dem Erfassen desjenigen, was mit der Christus-Individualität geschieht, nachdem sie durch den Tod auf Golgatha gegangen ist.
[ 21 ] Des Christus Weg nach Golgatha: die höchste Kulmination des Arztweges. Des Christus Weg von Golgatha weiter: die höchste Kulmination des Priesterweges.
[ 22 ] Wiederum scheint es namentlich vielen Theologen der neueren Zeit so, als ob beide Dinge gar nicht zusammengehörten. Denn es gibt ja heute Theologen, die überhaupt nichts vom auferstandenen Geist und weiterwirkenden Christus wissen wollen. Aber wenn wir im Sinne einer Erneuerung der Mysterien sprechen, dann kommt das Ereignis von Golgatha, das Mysterium von Golgatha hinein und dann können wir sagen, die alte Formel, welche der Initiat hatte für seinen Initiatenweg, und die da lautete: Ich bin geführt worden durch die Elemente, und dann zu den unteren und zu den oberen Göttern -, diese Formel muß für den modernen Initiaten heißen: Ich bin geführt worden durch dasjenige, was die Elemente auflöst in ihren Vorgängen die Elemente sind jetzt die chemischen Elemente, die achtzig, sie lösen sich in Vorgänge auf - und ich werde weitergeführt, indem ich zum Vater nach unten, zum Geiste nach oben gehe und die Wirksamkeit des Christus auf beiden Wegen wahrnehme.
[ 23 ] Und wenn Sie für Ihre esoterische Vertiefung, meine lieben Freunde, eine Zusammenfassung dieses Kursus aus der Pastoralmedizin mitnehmen wollen, dann nehmen Sie mit die Worte, die da lauten:
Ich werde gehen den Weg,
Der die Elemente in Geschehen löst
Und mich führt nach unten zum Vater
Der die Krankheit schickt zum Ausgleich des Karma
Und mich führt nach oben zum Geiste
Der die Seele in Irrtum zum Erwerb der Freiheit leitet
Christus führt nach unten und nach oben
Harmonisch Geistesmensch in Erdenmenschen zeugend.
[ 24 ] Werden Sie ganz durchdrungen von dem, was in dieser Skizzen meditation liegt, dann werden Sie lebendig im Geiste mitgenommen haben, was ich geben wollte in diesem Kursus für Pastoralmedizin.
[ 25 ] Ansprache an die Mediziner (ohne Beisein der Priester)
[ 26 ] Meine lieben Freunde! Indem Sie hier an diesem Kursus mit den Theologen zusammen teilgenommen haben, konnte ja einmal entwickelt werden dasjenige, was in dem heutigen Menschheitsbewußtsein bei Theologen und Medizinern harmonisch zusammenklingen soll. Es gibt gerade dann, wenn man im Bewußtsein voll das verarbeitet, was Haltung dieses Kursus war, es gibt das zweifellos für dieses Bewußtsein eine gewisse Konsequenz, meine lieben Freunde, die Konsequenz, daß im Arbeiten für Menschenheil Arzt und Priester koordiniert sein müssen. Keinesfalls darf dasjenige Verhältnis bestehen, das den Arzt subordiniert dem Priester, nicht ihm völlig koordiniert. Dieses Bewußtsein muß der Arzt immer mehr und mehr entwickeln. Und das gehört zu demjenigen, was er als das Aspirantentum der neuen medizinischen Esoterik aufzufassen hat. Nur dann, wenn der Arzt sich weiß neben dem Priester in voller Gleichgeltung, dann wird er auch zur geistigen Welt so stehen können, wie er stehen soll. Daher mußte dasjenige, was für Euch, meine lieben Freunde, aus diesem Kursus folgen soll, das sein, daß Ihr das Bild vor Euch hinstellt seelisch: Für den Priester der Opferkelch, für den Arzt der Merkurstab. Und im Besitz des Merkurstabes muß sich der esoterische Arzt wieder fühlen lernen. Das ist etwas, was er neben dem Priester allein zu wissen hat. Denn nur dadurch, daß das völlig gewußt wird, kann jene edle Begeisterung in der Arztseele entstehen, die da notwendig ist, wenn der Arzt wirklich praktizierender Arzt, Heiler in der Welt sein will. Ja, meine lieben Freunde, das gibt Euch allein die Möglichkeit, hinzuarbeiten zu derjenigen Stellung, die Ihr aus der anthroposophischen Bewegung heraus - ich spreche jetzt hauptsächlich zu den praktischen Ärzten — erringen sollt. Das soll Euer Bewußtsein werden. Von diesem Bewußtseinsgesichtspunkte aus sollt Ihr arbeiten, um zustande zu bringen im Anschluß an dasjenige, was ja von Seiten der Sektion, der Medizinischen Sektion, nur Anregung sein kann, sollt Ihr arbeiten an demjenigen, was zustande bringen kann eine wirkliche Ärzteschaft, die aus der Anthroposophie heraus arbeitet, wie gearbeitet wird in der Priesterschaft aus der Anthroposophie heraus. Aber Ihr müßt Euch bewußt sein, gerade wenn Ihr das Verhältnis der Koordination betrachtet, daß es heute noch viel schwerer ist, anthroposophischer Arzt zu sein, als anthroposophischer Priester zu sein. Denn bedenkt allein, der anthroposophische Priester tritt vor die Welt hin, ohne daß er irgendwie abhängig bleibt von irgendwelchen äußeren priesterlichen Mächten. Der Arzt, der praktizierender Arzt sein will, muß anerkannt sein, muß sein von der Außenwelt anerkanntes Studium hinter sich haben. Er ist also von vorneherein nicht in der Lage, so, wie unsere Priester in einer Priestergemeinschaft vor die Welt hintreten, in einer Ärztegemeinschaft hintreten zu können. Dennoch, diese Gemeinschaft ist möglich. Diese Gemeinschaft muß in den Herzen derjenigen, die sich ehrlich anschließen wollen an die Heilpraktik des Goetheanums, ausgeübt werden. Sie muß im Grunde genommen viel innerlicher sein, als der Zusammenhalt in der Priesterschaft ist. Sie muß mit einem ganz bestimmten Bewußtsein diejenigen, die da im Sinne der Anthroposophie als Ärzte wirken wollen, verbinden mit dem Quell dieser Wirksamkeit hier am Goetheanum. Zu erstreben einen solchen Quell der Wirksamkeit hier am Goetheanum für das Medizinische, das ist das Sinnen und Trachten der Zusammenarbeit von Frau Dr. Wegman und mir. Und nur in dem Sichanschließen an dasjenige, was hier Quell sein soll, nur in dem Bewußtsein der Zusammengehörigkeit kann eigentlich der Sinn dessen liegen, was Heiler mitnehmen aus dem Medizinischen Kurs an der Medizinischen Sektion am Goetheanum: Reales Zusammengehörigkeitsgefühl mit demjenigen, was von dem angedeuteten Zentrum ausgehen soll. Und so darf ich wohl am Schluß gerade zu Euch, meine lieben Freunde, sagen: Suchet den Weg, der in diesem Sinne den Zusammenschluß der praktischen Ärzteschaft darstellt. Suchet den Weg zu diesem Zusammenschluß. Ihr werdet ihn finden. Und es wird unsere Sorge am Goetheanum sein, daß Ihr ihn finder.
[ 27 ] Daß damit ein erster Schritt getan werde, ist von Frau Dr. Wegman und mir Veranlassung genommen worden, zunächst einen ersten esoterischen Impuls dadurch zu geben, daß ein durchaus erweiterbarer esoterischer Kern geschaffen worden ist, der, wie gesagt, durchaus erweiterbar ist, der aber aus guten Gründen zunächst nur aus einer Anzahl von praktischen Ärzten besteht, welche ihrerseits jene Angelobung geleistet haben, die für das esoterisch-medizinische Wirken notwendig ist. Dieser Kern besteht aus den praktischen Ärzten: Dr. Walter, Dr. Bockholt, Dr. Zeylmans, Dr. Glas, Dr. Schickler, Dr. Knauer, Dr. Kolisko. Zwei andere Persönlichkeiten sind noch in Aussicht genommen, die sind jetzt nicht hier. - Da aber der Zusammenschluß real erfolgen sollte, nicht bloß durch Ernennung, so konnte zunächst dieser Zusammenschluß nur innerhalb dieser sieben Persönlichkeiten geschehen, die sich mit all ihrem menschlichen Tun in den Dienst der von hier in der Zukunft ausgehenden medizinischen Ideen stellen werden und die damit die Einleitung geben zu jener esoterisch-medizinischen Strömung, die allmählich vom Goetheanum ausgehen soll.
[ 28 ] Meine lieben Freunde, esoterische Maßnahmen liegen in bestimmten Untergründen eben begründet. Niemand braucht sich übergangen zu fühlen, denn der Kreis ist erweiterbar, und es wird jeder, der der Medizinischen Sektion angehört, als auf dem Weg in diesen Kreis betrachtet, insofern er ein praktizierender Arzt ist. Es muß sich aber die Leitung der Medizinischen Sektion, die nun auch die Leitung dieses medizinischen Kreises ist, vorbehalten, jeweilig den Zeitpunkt anzugeben für die einzelnen Mitglieder der Sektion, wann durch sie eine Erweiterung dieses Kreises eintreten kann. Dieser Kreis ist zunächst gebildet worden in vollständigem Einvernehmen zwischen Frau Dr. Wegman und mir und umfaßt diese Personen: Dr. Walter, Dr. Bockholt, Dr. Glas, Dr. Zeylmans, Dr. Schickler, Dr. Knauer, Dr. Kolisko.
[ 29 ] Hoffen wir, daß alles sich so entwickelt, daß dieser Kreis immer mehr und mehr erweitert werden kann. Denn in der Leitung dieses Kreises wird die Erfüllung jener Absichten liegen, die verbunden sind mit allem, was auf medizinischem Gebiet hier geschieht, die vor allen Dingen durchstrahlen dasjenige, was ich Ihnen, meine lieben Freunde, vermitteln wollte in diesem Kursus über Pastoralmedizin. Er hat sich von selbst so gestaltet, daß er mehr für Ärzte als für Priester gehalten worden ist, obwohl zunächst die Priesterschaft die äußere Anregung dazu gegeben hat. Aber diese Gestaltung ist ja dadurch gekommen, daß gerade für die Ärzteschaft, die aus Anthroposophie heraus arbeitet, erst die Mittel und
[ 30 ] Wege geschaffen werden müssen, welche sie zu einem Zusammenschluß führen können, der schwierig ist, während er verhältnismäßig leicht war innerhalb der Priesterschaft. Innerhalb der Priesterschaft ist es leichter möglich, daß durch einzelne Persönlichkeiten auch Schwächerstehende gehalten werden können. Innerhalb der Ärzteschaft wäre das aus dem Grunde unmöglich, weil in einem viel höheren Sinne, als es beim Priester der Fall ist, der Arzt auf seine eigene Persönlichkeit gestellt ist. Den wirklichen Priester hält der Kultus. Der Kultus stellt ihn hin vor die Welt. Und er ist das, was er ist, im Grunde genommen dadurch, daß durch seine Persönlichkeit der Geist wirkt, der im Kultus ist. Der Arzt muß in Beziehung stehen mit den Menschen. Er muß eingehen können von seiner Person aus auf alles Menschliche. Er muß die starke Kraft in sich selber fühlen, Götterwirken - denn Götterwirken ist es, was in der Gesundheit des Menschen sich auslebt -, Götterwirken in die Welt hereinzutragen. Er muß mit seiner Person völlig für seine Mission eintreten. Sein ganzer Arztdienst, sein ganzer Heilerdienst ist in jedem einzelnen Fall sich modifizierender, individueller Kultus. Und, meine lieben Freunde, im höchsten Sinne zu wissen, daß Arztdienst Gottesdienst ist, das wird die Grundlage, das Fundament abgeben für dasjenige, was Euch den Weg finden lassen wird, wirklich dasjenige in die Welt zu bringen mit richtiger Gesinnung, was hier vom Goetheanum aus angestrebt wird.
[ 31 ] Möge so dasjenige, was ich habe sagen wollen in diesem Kursus über Pastoralmedizin, von Euren Herzen aufgenommen werden. Möge es wohlgefällig aufgenommen werden, daß diejenigen, die hier zunächst als Mitglieder des esoterischen Kernes haben miteinander verbunden werden können, möge immer weiter und weiter in diesem Sinne gewirkt werden. Dann wird auch dasjenige, was ich legen wollte keimhaft in diesen Kursus über Pastoralmedizin, durch Eure Herzen, durch Euren Sinn, durch Euren Geist in der Welt wirken.
[ 32 ] Das ist es ja, was vom Goetheanum aus als das beste geschehen kann: Menschen zu finden, die draußen in der Welt stehen auf den verschiedensten Gebieten menschlichen Wirkens, und deren Intentionen immerzu ein Echo desjenigen sind, was gesagt wird, gewirkt werden soll hier vom Goetheanum aus. Tut Ihr das auf Eurem Gebiet, dann wird ein Band der Zusammengehörigkeit, goetheanischer Geist Eure Herzen und Seelen verbinden und wir werden zum Menschenheil Früchte immerzu auferstehen sehen, dann, wenn Ihr den Weg immer wieder und wieder findet hierher zum Goetheanum. Denn alles, was hier getan wird, ist ja doch immer nur Fragment, immer nur ein Teil, immer zunächst Anfangskapitel. Je mehr wir hoffen können, daß das Anregung dafür ist, daß der Einzelne mehr und mehr davon mitnimmt, desto mehr erreicht es sein Ziel. Das ist das, was ich Euch bitte, als dasjenige, was ich Euch sagen möchte, mit auf den Weg zu nehmen. Und damit möchte ich mit einem innigen Herzensgruß an Euch alle diesen Kursus über Pastoralmedizin zum Abschluß gebracht haben.
