Second Scientific Course
The warmth at the boundary between positive and negative materiality
Insights from Spiritual Science on the Development of Physics
GA 321
5 March 1920, Stuttgart
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Second Scientific Course, tr. SOL
Fünfter Vortrag
Fifth Lecture
[ 1 ] Ich hätte Ihnen gerne heute noch einige Versuche vorgeführt, die jene Tatsachenreihe ergänzen würden, die wir brauchen zu unserem Ziel, allein es ist das heute noch nicht möglich, und ich muß daher den Vortrag etwas anders einrichten, als ich es beabsichtigt hatte, zum Teil, weil es uns nicht gelungen ist, die Apparate in den nötigen Zustand zu versetzen, dann auch, weil man keinen Alkohol bekommen konnte, wie es uns Ja auch gestern an Eis fehlte.
[ 1 ] I would have liked to demonstrate a few more experiments to you today that would supplement the series of facts we need to achieve our goal, but that is not yet possible today, and so I must structure the lecture somewhat differently than I had intended—partly because we were unable to get the apparatus into the necessary condition, and partly because we could not obtain any alcohol, just as we lacked ice yesterday.
[ 2 ] So werde ich im wesentlichen in jener Betrachtung fortfahren, mit der ich gestern begonnen habe. Sie brauchen nur einen Blick zurückzuwerfen auf alle diejenigen Tatsachen, die wir uns vor Augen gestellt haben zum Zwecke eines Überblickes über das Verhalten verschiedener Körper zu dem Wärmewesen, und Sie werden sehen, daß gewisse typische Erscheinungen uns eben entgegentreten so, daß wir sagen können: Es besteht ein Ausdruck in diesen Erscheinungen, der zusammenhängen muß mit dem zunächst uns unbekannten Wärmewesen, mit seinem Verhältnis zum Druck, der auf irgendeinen Körper ausgeübt werden kann, auch zur Gestaltungsfähigkeit, die ein fester Körper zum Beispiel annehmen kann, und eben zum Wärmegrad, zum Wärmezustand, ebenso zur Größe des Rauminhaltes, zum Volumen. Wir können ja verfolgen, wie auf der einen Seite feste Körper sich verflüssigen. Wir können sehen, wie während der Verflüssigung des festen Körpers eine Temperaturerhöhung äußerlich durch Thermometer oder Temperaturmesser nicht zu konstatieren ist, so daß gewissermaßen die Wärmezunahme stillsteht, bis die Verflüssigung zu Ende ist. Wenn wir es dann mit einer Flüssigkeit zu tun haben, dehnt sich diese wieder weiter aus unter der Wärmezunahme. Wir können andererseits sehen, wie ein flüssiger Körper sich in Dampf oder Gas verwandelt und wie dieselben Erscheinungen gewissermaßen des Verschwindens und Wiederauftretens der Temperatursteigerung eintreten, wenn der ganze Körper in den gasigen Zustand übergegangen ist. Wir haben da — Sie können es sich ja selbst vor Augen führen, was damit zusammenhängt - eine Tatsachenreihe, die wir gewissermaßen mit den Augen, den Sinnen und mit den Instrumenten verfolgen können. Dann haben wir gestern aufmerksam gemacht auf gewisse innere Erlebnisse, die der Mensch selber unter dem Einfluß des Wärmewesens macht, die er aber auch macht unter dem Einfluß anderer Sinnesqualitäten, wie des Lichtes, des Tones, die er hat an solchen äußeren Vorgängen, wie Magnetismus und Elektrizität, die es nicht bis zu einer wirklichen Sinnesempfindung, wenigstens unmittelbar, bringen, weil, wie die gebräuchliche Physik sagt, dazu bei dem Menschen keine Organe vorhanden sind. Wir sehen ja das, was Elektrizitätswirkungen, was magnetische Wirkungen sind, nur mittelbar, indem wir konstatieren, wie die magnetischen Körper andere Körper anziehen, und wir sehen bei den Elektrizitätsvorgängen die verschiedensten Wirkungen. Allein, ein unmittelbares Wahrnehmungsvermögen, wie wir es für Licht und Ton haben, haben wir für Elektrizität und Magnetismus nicht.
[ 2 ] So I will essentially continue with the discussion I began yesterday. You need only look back at all the facts we have examined in order to gain an overview of how various bodies behave in relation to heat, and you will see that certain typical phenomena present themselves to us in such a way that we can say: There is an expression in these phenomena that must be related to the nature of heat—which is initially unknown to us—to its relationship to the pressure that can be exerted on any body, to the deformability that a solid body, for example, can assume, and precisely to the degree of heat, to the state of heat, as well as to the size of the spatial volume, to the volume. We can indeed observe how, on the one hand, solid bodies liquefy. We can see how, during the liquefaction of a solid body, an increase in temperature cannot be detected externally by a thermometer or temperature gauge, so that, in a sense, the increase in heat comes to a standstill until the liquefaction is complete. Once we are dealing with a liquid, however, it continues to expand as heat is added. On the other hand, we can observe how a liquid transforms into vapor or gas, and how the same phenomena—the apparent disappearance and reappearance of the temperature increase—occur once the entire body has transitioned to the gaseous state. Here we have—and you can visualize for yourselves what this entails—a series of facts that we can, so to speak, observe with our eyes, our senses, and with instruments. Then, yesterday, we drew attention to certain inner experiences that a person undergoes under the influence of the principle of warmth, but which they also undergo under the influence of other sensory qualities, such as light and sound, and which they experience in connection with external phenomena such as magnetism and electricity—phenomena that do not give rise to a true sensory perception, at least not directly, because, as conventional physics states, humans lack the organs for this. After all, we perceive the effects of electricity and magnetism only indirectly, by observing how magnetic bodies attract other bodies, and we observe a wide variety of effects in electrical phenomena. However, we do not possess a direct faculty of perception for electricity and magnetism, as we do for light and sound.
[ 3 ] Wir haben uns dann besonders vor Augen geführt und müssen besonders festhalten, daß ja unsere eigentlichen passiven Vorstellungen, durch die wir uns erkennend die Welt vergegenwärtigen, eigentlich destillierte höhere Sinneswahrnehmungen sind. Sie werden überall sehen, wo Sie prüfen, daß Sie solche höheren Vorstellungen haben. Sie werden sehen, wie schließlich doch - ich habe das gestern sogar für den Seinsbegriff erwähnt — Ihre höheren Vorstellungen hinterher destillierte Wahrnehmungen der höheren Sinne sind. Sie können noch anklingen hören Töne in den Bezeichnungen, die wir haben in den höheren Vorstellungen, Sie können überall noch durchscheinen sehen, was diese Vorstellungen vom Licht her haben. Nur bei einer ganz bestimmten Reihe von Vorstellungen können Sie das nicht, wie Sie das sehr bald bemerken werden. Sie können es nicht bei den eigentlich mathematischen Vorstellungen. Bei diesen mathematischen Vorstellungen ich meine, insofern es bei ihnen auf Mathematisches ankommt - ist ein Zurückführen auf irgend etwas Tonliches oder Sichtbares nicht vorhanden. Wir dürfen dabei natürlich keine Verwechslung begehen. Der Mensch wird sofort an Tonliches erinnert, wenn er von Schwingungszahlen der Tonwellen redet. Das meine ich hiermit natürlich nicht. Ich meine alles dasjenige, was man an mathematischen Vorstellungen gewinnt und was rein mathematisch ist, also zum Beispiel den Inhalt des pythagoreischen Lehrsatzes, oder daß die Summe der Winkel eines Dreiecks 180° ist, oder daß das Ganze größer ist als seine Teile und so weiter. Dasjenige, was diesen rein mathematischen Vorstellungen zugrunde liegt, das führt nämlich zuletzt nicht zurück auf Gesehenes oder Gehörtes, sondern das führt, wenn man es letztlich verfolgt, eigentlich zurück auf Willensimpulse in uns, so sonderbar das zunächst erscheint. Sie werden überall sehen, wenn Sie sich wirklich aneignen eine Art Psychologie dieser Dinge, daß Menschen, wenn sie ein Dreieck zeichnen — das äußere Dreieck ist ja nur eine Versinnlichung -, daß sie in der Vorstellung, die sie gewinnen, die dreifach um die Ecke gegangene Entfaltung ihres Willens vorstellen, eine dreifach um die Ecke gegangene Entfaltung durch die Handbewegung oder durch das Gehen, durch das Sich-Wenden. Das, was Sie da als Willensvorstellungen drinnen haben, das tragen Sie in Wirklichkeit in ganz rein mathematische Vorstellungen hinein. Das ist ja der eigentliche Unterschied zwischen den anderen Vorstellungen und den mathematischen Vorstellungen, jener Unterschied, der zum Beispiel Kant oder anderen Philosophen so viel Kopfzerbrechens macht. Sie können unterscheiden das innerlich Zwingende der mathematischen Vorstellungen von dem bloß Empirischen, dem Nichtzwingenden der anderen Vorstellungen. Dieser Unterschied rührt davon her, daß die mathematischen Vorstellungen so eng gebunden sind an uns selbst, daß wir unser Willenswesen in sie hineintragen und nur das, was wir innerhalb der Willenssphäre erfahren, in die mathematischen Operationen hineinlegen. Deshalb erscheinen die Ergebnisse uns so gewiß. Und was wir nicht so eng mit uns verbunden fühlen, sondern nur dadurch fühlen, daß ein Organ eingelagert ist an einer Stelle, das erscheint uns ungewiß und empirisch. Das ist der wirkliche Unterschied. Nun muß ich Sie darauf aufmerksam machen, daß, wenn wir in diese Willenssphäre hinuntergehen, wo heraufdämmert in der Abstraktheit die Summe unseres rein mathematischen, geometrischen Vorstellens, wir in das Gebiet des Willens kommen, der in seinem eigentlichen Verlauf, wie er in unseren Organen waltet, uns innerlich so unbekannt ist, wie Elektrizität und Magnetismus uns äußerlich unbekannt sind. Und ich habe das gestern zu veranschaulichen versucht dadurch, daß ich Sie aufforderte, sich vorzustellen, Sie wären ein lebendig denkender Regenbogen und würden in der Farbe des Grün Ihr Bewußtsein halten, daher das Grün nicht wahrnehmen, sondern nach beiden Seiten hin ins Unbekannte eintauchen. Ich habe das Rot verglichen mit. dem Eintauchen in die unbekannte Willenssphäre, und das Blauviolett mit dem Eintauchen nach außen in die elektrische, magnetische und ähnliche Sphären.
[ 3 ] We have thus particularly brought to mind—and must especially note—that our actual passive mental images, through which we cognitively bring the world to mind, are in fact distilled, higher sensory perceptions. You will see, wherever you examine, that you possess such higher mental images. You will see how, ultimately—I even mentioned this yesterday in connection with the concept of being—your higher mental images are, in retrospect, distilled perceptions of the higher senses. You can still hear the echoes of sounds in the terms we use for these higher mental images; you can still see, everywhere, the light that shines through them. Only with a very specific series of mental images can you not do this, as you will soon notice. You cannot do so with strictly mathematical mental images. With these mathematical mental images—I mean, insofar as they pertain to mathematics—there is no way to trace them back to anything auditory or visible. Of course, we must not confuse the two here. People are immediately reminded of sound when they speak of the frequencies of sound waves. That is not what I mean here, of course. I mean everything that is gained through mathematical mental images and that is purely mathematical—for example, the content of the Pythagorean theorem, or that the sum of the angles of a triangle is 180°, or that the whole is greater than its parts, and so on. For what underlies these purely mathematical mental images does not ultimately lead back to what has been seen or heard; rather, if one traces it to its source, it actually leads back to impulses of the will within us, however strange that may seem at first. You will see everywhere—if you truly acquire a kind of psychology of these things—that when people draw a triangle —the external triangle is, after all, merely a sensory representation—that in the mental image they form, they envision the threefold unfolding of their will as it turns the corner three times: a threefold unfolding through the movement of the hand, or through walking, or through turning around. What you have there as mental images of the will, you actually carry over into purely mathematical concepts. That is, after all, the real difference between other concepts and mathematical concepts—the very difference that causes Kant and other philosophers, for example, so much of a headache. You can distinguish the inner compulsion of mathematical mental images from the merely empirical, the non-compelling nature of other mental images. This difference stems from the fact that mathematical mental images are so closely bound to ourselves that we carry our volitional being into them and incorporate into mathematical operations only what we experience within the sphere of the will. That is why the results appear so certain to us. And what we do not feel so closely connected to ourselves—but rather perceive only through an organ located in a particular place—appears to us as uncertain and empirical. That is the real difference. Now I must draw your attention to the fact that when we descend into this sphere of the will—where, in the realm of the abstract, the sum of our purely mathematical and geometric mental images begins to dawn—we enter the realm of the will, which, in its actual course as it reigns within our organs, is as unknown to us internally as electricity and magnetism are unknown to us externally. And I tried to illustrate this yesterday by asking you to create a mental image of yourself as a living, thinking rainbow that was holding your consciousness in the color green—thus not perceiving the green itself, but plunging on both sides into the unknown. I compared red to plunging into the unknown sphere of the will, and blue-violet to plunging outward into the electrical, magnetic, and similar spheres.
[ 4 ] Nun, ich schaltete hier an dieser Stelle unseres Kursus diese, ich möchte sagen, psychologisch-physiologische Betrachtungsweise ein, weil es ganz wesentlich ist, daß bei allen zukünftigen physikalischen Betrachtungen das eigentlich Physikalische wiederum zurückgeführt werde auf den Menschen. Es ist unmöglich, daß jene Konfusionen, welche die Physik heute aufweist, hinauskommen aus der Physik, wenn wir nicht wiederum anknüpfen an den Menschen. Das werden wir bei der weiteren Verfolgung der Wärmeerscheinungen sehen. Aber diese Anknüpfung an den Menschen ist, wenigstens dem heutigen Denken, nicht gar so leicht, und zwar aus dem Grunde, weil der Mensch heute wirklich nicht sehr gut die Brücke zu schlagen versteht zwischen dem, was er äußerlich in der Welt der Raumerscheinungen oder überhaupt der äußeren Sinneserscheinungen wahrnimmt, und dem, was er innerlich erlebt. Es ist heute ein solcher Dualismus vorhanden zwischen alledem, was wir uns als Wissen aneignen über die äußere Welt und alledem, was wir innerlich erleben, daß diese Brücke außerordentlich schwer zu schlagen ist. Aber sie muß gerade zum Heil der physikalischen Wissenschaft geschlagen werden. Daher muß angeknüpft werden, mehr zur Veranschaulichung als zur Erklärung, an eine Erscheinung im Menschen selbst, durch die sich wenigstens in etwas begreiflich wird machen lassen, wie wir uns eigentlich bei der Betrachtung so schwerwiegender physikalischer Erscheinungen, wie denen des Wärmewesens, zu verhalten haben. Ich möchte Sie da auf folgendes hinweisen:
[ 4 ] Well, at this point in our course, I introduced this—I would say—psychological-physiological perspective because it is absolutely essential that, in all future physical considerations, what is actually physical be traced back to the human being. It is impossible for the confusion that physics exhibits today to be resolved within physics itself unless we reconnect with the human being. We will see this as we continue our examination of thermal phenomena. But this reconnection with the human being is—at least for today’s way of thinking—not all that easy, precisely because people today really do not know how to bridge the gap very well between what they perceive externally in the world of spatial phenomena—or, more generally, external sensory phenomena—and what they experience internally. There is such a dualism today between everything we acquire as knowledge about the external world and everything we experience inwardly that this bridge is extraordinarily difficult to build. But this bridge must be built, precisely for the sake of physical science. Therefore, we must refer—more for illustration than for explanation—to a phenomenon within the human being itself, through which it becomes at least somewhat comprehensible how we should actually approach the consideration of such weighty physical phenomena as those of the nature of heat. I would like to draw your attention to the following:
[ 5 ] Nehmen Sie an, Sie lernen ein Gedicht auswendig. Sie werden, indem Sie dieses Gedicht auswendig lernen, zunächst nötig haben, sich die Vorstellungen zu vergegenwärtigen, die diesem Gedicht zugrunde liegen, und Sie werden zunächst immer sehr versucht sein, während Sie das Gedicht dann rezitieren, diese Vorstellungen in sich ablaufen zu lassen. Aber Sie werden auch wissen, daß, je öfter Sie das Gedicht rezitieren, namentlich wenn ein Zeitraum dazwischen liegt, dann eine Zeit kommt, wo Sie sich bis zu einem gewissen Grade ersparen, die Vorstellungen in derselben Intensität innerlich ablaufen zu lassen, wie Sie sie zuerst haben ablaufen lassen. Und es kann — man verachtet das ja sehr, aber wir wollen es doch besprechen -, wenigstens in Annäherung, asymptotisch, möchte ich sagen, eine Zeit kommen, wo wir imstande sind, ohne weiter nachzudenken, was das Gedicht enthält, es einfach mechanisch herzusagen. Gewiß wir werden uns, weil wir ja Menschen sind, dieser Stufe des rein mechanischen Hersagens schon aus dem Gemütszustand nicht gern nähern wollen, aber wenigstens denkbar ist es, daß wir es bis zu dieser Force bringen, daß wir gar nicht mehr nachzudenken brauchen, sondern, wenn wir die erste Zeile anschlagen, läuft das Gedicht herunter, ohne daß wir viel nachdenken. Verspüren Sie, daß das ein Endzustand ist, dem man sich nähert, wie sich die Asymptote der Hyperbel nähert. Das aber führt Sie darauf, daß, wenn wir ein Gedicht sprechen, wir es doch im Grunde genommen mit dem Ineinanderlaufen zweier verschiedener Tätigkeiten unseres Organismus zu tun haben: mit einem mechanischen Ablaufen gewisser Vorgänge unserer Organisation und mit dem Begleiten dieses mechanischen Ablaufens durch unsere seelischen Vorstellungen. Mit etwas also, von dem wir ganz gut sagen können, daß es als MechanischAußerliches im Raume abläuft, und auf der anderen Seite mit etwas, was als Seelisches sich ganz dem Wesen des Raumes entzieht.
[ 5 ] Suppose you are memorizing a poem. As you memorize this poem, you will first need to bring to mind the mental images underlying it, and at first you will always be very tempted, as you recite the poem, to let those mental images play out in your mind. But you will also know that the more often you recite the poem—especially if some time has passed in between—there comes a time when you can, to a certain extent, spare yourself the need to let those mental images play out internally with the same intensity as you did at first. And there may come—though this is often looked down upon, let’s discuss it anyway—at least approximately, asymptotically, I would say, a time when we are able to recite the poem mechanically, without giving further thought to its content. Certainly, because we are human beings, we will be reluctant to approach this stage of purely mechanical recitation simply because of our state of mind, but it is at least conceivable that we might reach a point where we no longer need to think at all; rather, once we begin with the first line, the poem flows out without us having to think much. Do you sense that this is a final state toward which one approaches, just as the asymptote approaches the hyperbola? But this leads you to the realization that, when we recite a poem, we are essentially dealing with the convergence of two different activities of our organism: with the mechanical unfolding of certain processes within our body and with our mental images accompanying this mechanical unfolding. In other words, with something that we can quite rightly describe as a mechanical, external process taking place in space, and, on the other hand, with something that, as a mental phenomenon, entirely eludes the very essence of space.
[ 6 ] Wenn Sie nun - in Gedanken können Sie das ja tun — auf dasjenige, was mechanisch, was physikalisch abläuft, bloß hinhören zum Beispiel bei der Rezitation eines Gedichtes in einer Sprache, die Sie nicht verstehen, dann haben Sie einen mechanischen, einen physikalischen Ablauf. In dem Augenblick, wo Sie sich denken dasjenige, was innerlich begleitet diesen mechanischen Ablauf, haben Sie ein Seelisches, welches Sie nicht zu den Raumerscheinungen dazubringen können. Sie können nicht die Gedanken, mit denen der rezitierende Mensch seine Rezitation begleitet, in den Raum hinaus so versetzen, wie die mechanischen Vorgänge des Sprachablaufes, des Wortablaufes.
[ 6 ] If you now—in your mind, at least—focus solely on what is happening mechanically and physically, for example, when a poem is recited in a language you do not understand, then you are observing a mechanical, physical process. The moment you think about what inwardly accompanies this mechanical process, you have a psychological element that you cannot bring into the realm of spatial phenomena. You cannot project the thoughts with which the reciter accompanies his recitation out into space in the same way as the mechanical processes of speech and the flow of words.
[ 7 ] Ich mache Sie nun aufmerksam auf ein Analogon: Wenn wir verfolgen die Erwärmung, die wir einem festen Körper zufügen, bis er zu seinem Schmelzpunkt kommt, wird die Temperatur immer höher und höher. Wir können das am Thermometer verfolgen, dann sehen wir, daß das Thermometer stehenbleibt, bis der Körper geschmolzen ist. Wenn er geschmolzen ist, fängt das Thermometer wieder an zu steigen. Es ist ja unmöglich zunächst, zu verfolgen thermometergemäß, was mit dem Wärmewesen geschieht, während der Körper schmilzt. Ein Analogon besteht nun zwischen dem, was wir äußerlich verfolgen können mit dem Thermometer, den äußeren physikalischen Vorgängen und dem, was wir an der Wortfolge verfolgen können physikalisch, und ein Analogon besteht zwischen dem, was sich uns entzieht, dem, was der Rezitierende in seiner Vorstellung erlebt, und dem, was mit diesem Wärmewesen geschieht, während das Schmelzen vor sich geht. Sie sehen, hier haben wir ein Beispiel, wo wir wenigstens zunächst analog zurückführen können eine äußerliche Beobachtung auf etwas am Menschen. Wir haben nicht so naheliegende Beispiele für dieses Brükkenschlagen bei anderen Gebieten der menschlichen Betätigung, wie beim Sprechen, weil wir da beim Menschen auf der einen Seite, wenn auch fast in unendlicher Entfernung, die Möglichkeit haben, daß wir das Auswendiggelernte nur herunterratschen mechanisch, und auf der anderen Seite nicht herunterratschen, sondern, ohne daß wir sprechen, nur innerlich denken, wodurch sich das dem Raum entzieht. Wir haben bei anderen Sphären nicht diese menschliche Betätigung, wir haben nicht die Möglichkeit, geradezu zu sehen, wie das eine in das andere übergeht. Vor allen Dingen wird uns das nicht so leicht, wenn wir das Wärmewesen verfolgen wollen, weil wir da schon physiologisch-psychologische Untersuchungen anstellen müssen, wie sich das Wärmewesen verhält, wenn wir es selber in uns aufgenommen haben.
[ 7 ] I would now like to draw your attention to an analogy: If we track the heating we apply to a solid until it reaches its melting point, the temperature keeps getting higher and higher. We can observe this on the thermometer; we see that the thermometer stops rising until the solid has melted. Once it has melted, the thermometer begins to rise again. It is, of course, impossible at first to track, by means of the thermometer, what is happening with the thermal properties of the solid while it is melting. There is now an analogy between what we can observe externally with the thermometer—the external physical processes—and what we can observe physically in the sequence of words; and there is an analogy between what eludes us—what the reciter experiences in his mental image—and what happens to this thermal entity while the melting is taking place. You see, here we have an example where we can—at least initially—draw an analogy between an external observation and something within the human being. We do not have such obvious examples of this bridging in other areas of human activity as we do in speech, because in the case of human beings, on the one hand—even if at an almost infinite distance—we have the possibility of merely rattling off what we have memorized mechanically, and on the other hand, we do not rattle it off but, without speaking, merely think inwardly, whereby it withdraws from the realm of space. In other spheres, we do not have this human activity; we do not have the opportunity to actually see how one thing transitions into another. Above all, this is not so easy for us when we want to investigate the nature of heat, because there we must already conduct physiological and psychological investigations into how heat behaves once we have absorbed it into ourselves.
[ 8 ] Ich habe Ihnen gestern, nur um etwas zu veranschaulichen, gesagt: Ich trete in einen Raum, der behaglich erwärmt ist. Ich setze mich hin und schreibe etwas. Ich kann nicht so leicht den Zusammenhang finden zwischen dem, was ich da erfahre, erlebe, indem ich in den warmen Raum trete, und dem, was innerlich in mir vorgeht, wenn ich meine Gedanken niederschreibe. Ich kann nicht so leicht den Zusammenhang konstatieren, wie ich den Zusammenhang konstatieren kann zwischen dem Abratschen der Sprache und dem Denken innerlich. Deshalb wird es natürlich schwierig, durch inneres Erleben irgend etwas zu finden, was dem Wärmeerlebnis von außen im rein inneren Erleben entsprechen würde. Dennoch handelt es sich darum, daß wir uns allmählich annähern an Vorstellungen, die uns auf diesem Wege weiterführen können. Und da möchte ich zunächst aufmerksam machen auf etwas, was Sie aus der Anthroposophie heraus wissen.
[ 8 ] Yesterday, just to illustrate a point, I told you: I walk into a room that is comfortably warm. I sit down and write something. I cannot easily find the connection between what I experience when I enter the warm room and what is happening inside me as I write down my thoughts. I cannot easily establish this connection, just as I can establish the connection between the sound of speech and inner thought. That is why it naturally becomes difficult to find, through inner experience, anything that would correspond in purely inner experience to the external experience of warmth. Nevertheless, the point is that we are gradually approaching mental images that can lead us further along this path. And here I would first like to draw your attention to something you know from anthroposophy.
[ 9 ] Sie wissen, wenn wir den Versuch machen, unsere Gedanken durch Meditation weiterzuführen, weiterzuführen an innerer Intensität, also wenn wir unser Denken so bearbeiten, daß wir immer wieder und wiederum in den Zustand hineinkommen, wo wir wissen, daß wir innerlich Seelentätigkeit anwenden, ohne den Körper zu Hilfe zu nehmen, dann geschieht das nicht, ohne daß sich unser ganzes inneres Seelenleben verwandelt. Man kann nicht mit den gewöhnlichen abstrakten Gedanken in eine höhere Region des menschlichen Seelenlebens kommen. Die Gedanken werden dann bildlich, und man muß sie erst aus dem imaginativen Element zurückversetzen in unser abstraktes Element, wenn man sie denen vortragen will, die nicht mit dem Imaginativen bekannt sind. Aber Sie brauchen nur einmal eine Darstellung durchzusehen, die sich bemüht, möglichst sachlich zu sein, wie zum Beispiel meine «Geheimwissenschaft im Umriß», die deshalb die reinen Abstraktlinge so schockiert hat. Da muß schon der Versuch gemacht werden, die Dinge ins Bildliche hinüberzuführen, wie ich es bei der Saturn- und Sonnendarstellung habe tun müssen im äußersten Maße. Da finden Sie lauter bildliche Vorstellungen in das andere hineingemischt. Das wird den Menschen sehr schwer, ins Bildliche überzugehen, weil man da nicht mehr die Dinge ins Abstrakte hinüberleiten kann. Dem liegt nämlich zugrunde, daß, wenn wir abstrakt denken, wenn wir uns bewegen in engen Vorstellungen, die die Menschen heute am meisten gewohnt sind und die am liebsten in der Wissenschaft, namentlich in der Naturwissenschaft, angewendet werden, das durchaus Vorstellungen sind, zu denen wir unseren Körper gebrauchen. Wir können zum Beispiel durchaus nicht den Körper entbehren, wenn wir dasjenige, was heute als physikalische Gesetze in den Physikbüchern steht, durchdenken wollen. Da müssen wir so denken, daß wir unseren Körper als Instrument haben. Wenn man in die Sphäre des Imaginativen hinaufkommt, dann müssen die abstrakten Vorstellungen sämtlich verwandelt werden, weil man da eben nicht mehr den Körper verwendet zum inneren Seelenleben.
[ 9 ] You know, when we attempt to deepen our thoughts through meditation—to deepen them in terms of inner intensity—that is, when we train our thinking in such a way that we repeatedly return to the state where we know we are engaging in inner soul activity without relying on the body—then this does not happen without our entire inner soul life being transformed. One cannot enter a higher realm of human soul life with ordinary abstract thoughts. The thoughts then become pictorial, and one must first translate them back from the imaginative element into our abstract element if one wishes to present them to those who are unfamiliar with the imaginative. But you need only look through a single presentation that strives to be as objective as possible—such as my *Outline of Esoteric Science*, which is precisely why it so shocked the purely abstract-minded. One must make an effort to translate things into the pictorial realm, as I had to do to the utmost degree in my descriptions of Saturn and the Sun. There you will find purely pictorial mental images interwoven with the abstract. It is very difficult for people to transition into the pictorial realm, because there one can no longer translate things into the abstract. The underlying reason is that when we think abstractly—when we operate within the narrow mental images to which people today are most accustomed and which are most frequently applied in science, particularly in the natural sciences—these are, in fact, mental images for which we need our physical bodies. For example, we absolutely cannot do without the body if we want to think through what is today presented as the laws of physics in physics textbooks. There we must think in such a way that we use our body as an instrument. When one ascends into the sphere of the imaginative, then all abstract mental images must be transformed, because there one no longer uses the body for the inner life of the soul.
[ 10 ] So können Sie also jetzt hinschauen auf, ich möchte sagen, das ganze Gebiet des imaginativen Denkens. Dieses Gebiet des imaginativen Denkens hat in uns selber nichts mehr zu tun mit demjenigen, was noch an unsere äußere Leiblichkeit gebunden ist. Wir steigen auf in eine Region, wo wir erleben als seelisch-geistiges Wesen, ohne daß das zu tun hat mit unserer äußeren Leiblichkeit. Das heißt aber mit anderen Worten: Wir kommen in dem Augenblick, wo wir aufsteigen ins Imaginative, aus dem Raum hinaus. Wir sind dann selbst nicht mehr im Raum.
[ 10 ] So now you can look at—I would say—the entire realm of imaginative thinking. Within ourselves, this realm of imaginative thinking no longer has anything to do with what is still bound to our external physicality. We ascend into a region where we experience ourselves as soul-spiritual beings, without this having anything to do with our external physicality. But in other words, this means: At the moment we ascend into the imaginative, we step out of space. We ourselves are then no longer in space.
[ 11 ] Sehen Sie, das hat eine sehr bedeutsame Konsequenz. Ich habe Ihnen beim vorigen Kursus einen strengen Unterschied machen müssen zwischen alldem, was bloß phoronomisch ist, und dem, wo dann Mechanisches, wie zum Beispiel die Masse, in unsere Betrachtung eintritt. Solange ich beim Phoronomischen bleibe, brauche ich mir die Dinge nur in Gedanken auf eine Tafel, auf ein Blatt aufzuzeichnen, und ich bekomme die Veranschaulichung dessen, was ich in dem Gebiete der Bewegung, des Rauminhaltes und so weiter denken kann. Aber ich muß eben dann bei dem bleiben, was räumlich und zeitlich anschaulich ist. Warum ist das so? Das ist so aus einem ganz bestimmten Grunde. Sie müssen sich nämlich klar sein darüber: Alle Menschen, wie sie hier auf der Erde leben, sind wie Sie selber im Raum und in der Zeit drinnen. Sie nehmen einen gewissen Raum ein und verhalten sich als Raumkörper zu anderen Raumkörpern. Also, indem Sie über den Raum reden, sind Sie gar nicht in der Lage, etwas ernsthaftig, wenn Sie die Dinge vorurteilslos betrachten, in Kantischen Vorstellungen hinzustellen. Denn wenn der Raum in uns sein könnte, so könnten wir nicht selber im Raum drinnen sein. Wir können uns nur einbilden, daß der Raum in uns ist. Wir werden von dieser Vorstellung, von dieser Einbildung sofort geheilt, wenn wir uns klarwerden, daß dieses Drinnensein im Raum für uns eine sehr reale Bedeutung hat. Wenn der Raum in uns wäre, könnte es keine Bedeutung haben, ob ich in Moskau oder in Wien geboren bin. Das hat aber eine sehr reale Bedeutung, wo ich in den realen Raum hineingeboren bin. Ich bin auch als irdisch-empirischer Mensch durchaus ein Ergebnis der Raumtatsachen, das heißt, ich gehöre als Mensch den Verhältnissen an, die sich im Raum ausbilden.
[ 11 ] You see, this has a very significant consequence. In the previous course, I had to draw a strict distinction between everything that is purely kinematic and those cases where mechanical factors—such as mass—come into our consideration. As long as I stick to the kinematic, I need only sketch things out mentally on a blackboard or a sheet of paper, and I get a visualization of what I can conceive in the realm of motion, spatial volume, and so on. But I must then limit myself to what is spatially and temporally perceptible. Why is that so? It is so for a very specific reason. You must be clear about this: All human beings, as they live here on Earth, are—just like you—embedded in space and time. They occupy a certain space and relate as spatial bodies to other spatial bodies. So, when you speak of space, you are not at all in a position—if you consider things without prejudice—to seriously frame them in Kantian mental images. For if space could be within us, we ourselves could not be within space. We can only imagine that space is within us. We are immediately freed from this mental image, from this illusion, when we realize that this “being within” space has a very real significance for us. If space were within us, it would make no difference whether I was born in Moscow or in Vienna. But where I was born into real space does have a very real significance. Even as an earthly, empirical human being, I am entirely a product of the facts of space; that is to say, as a human being, I belong to the conditions that take shape in space.
[ 12 ] Ebenso ist es mit der Zeit. Sie alle wären andere Menschen geworden, wenn Sie zwanzig Jahre früher geboren worden wären. Das heißt: Ihr Leben hat nicht die Zeit in sich, sondern die Zeit hat Ihr Leben in sich. Sie stehen also als empirischer Mensch im Raum und in der Zeit darinnen. Und indem wir reden über Raum und Zeit, auch wenn wir unsere Willensimpulse in der Geometrie, wie ich es eben erwähnt habe, bildhaft ausdrücken, so ist das deshalb, weil wir selber in den Raumverhältnissen und Zeitverhältnissen drinnenleben und dadurch mit ihnen gerade verwandt sind und so a priori über sie reden können, wie wir das in der Mathematik tun.
[ 12 ] The same is true of time. You would all have become different people if you had been born twenty years earlier. This means: Your life does not contain time, but rather time contains your life. As empirical human beings, you therefore exist within space and time. And when we speak of space and time—even when we express our volitional impulses pictorially in geometry, as I just mentioned—it is because we ourselves live within spatial and temporal relationships and are thus intrinsically connected to them, enabling us to speak of them a priori, just as we do in mathematics.
[ 13 ] Wenn Sie übergehen nur schon zu dem Begriff der Masse, da geht es nicht so. Da müssen Sie sich sagen: Sie machen als Mensch mit Bezug auf die Masse — gestatten Sie den trivialen Ausdruck, die Österreicher werden mich verstehen —, Sie machen sich mit Bezug auf die Masse eine Extrawurst zurecht, während Sie nicht sagen können, daß Sie ein Stück des Raumes oder der Zeit herausreißen, sondern in dem allgemeinen Raum und der Zeit leben Sie drinnen. Sie gehören dazu. Sie nehmen in der Tat, schon wenn Sie essen und trinken, aus der allgemeinen Masse etwas heraus und machen es zu Ihrer eigenen Masse. Diese Masse ist dann in Ihnen. Es ist gar nicht zu leugnen, daß diese Masse mit all ihren Betätigungen, all ihren Potentialen in Ihnen tätig ist. Das ist etwas, was ir Ihnen ist. Aber es ist zu gleicher Zeit dasjenige, worüber wir nicht so reden können, wie über Raum und Zeit. Gerade indem Sie selber teilnehmen, ich möchte sagen, mit Ihrem inneren Eigentum an der Masse, indem Sie sie in sich erleben, gestattet Ihnen diese Masse gar nicht, daß sie in Ihnen so bewußt wird wie Raum und Zeit. Wir kommen also da, wo wir gerade unser eigenes haben von der Welt, in die uns unbekannten Gebiete hinein. Das hängt ja damit zusammen, daß zum Beispiel unser Wille im höchsten Grade von Massevorgängen in uns abhängig ist. Aber die Massevorgänge sind uns gerade unbekannt. Bezüglich ihrer schlafen wir gerade. Und wir verhalten uns zu einem Massevorgang in uns, während unser Wille tätig ist, nicht anders als zwischen Einschlafen und Aufwachen in der Welt irgendwo. Wir wissen von dem einen und anderen nichts. Es ist zwischen diesen beiden Verhaltungen des menschlichen Bewußtseins kein unmittelbarer Unterschied.
[ 13 ] If you even just turn to the concept of the masses, it doesn’t work that way. You have to tell yourself: As a human being in relation to the mass—if you’ll excuse the trivial expression; the Austrians will understand me—you carve out a special place for yourself in relation to the mass, while you cannot say that you’re tearing a piece out of space or time; rather, you live within general space and time. You are part of it. In fact, even when you eat and drink, you take something out of the general mass and make it your own mass. This mass is then within you. There’s no denying that this mass, with all its activities and all its potentials, is at work within you. That is something that belongs to you. But at the same time, it is that which we cannot speak of in the same way we speak of space and time. Precisely because you participate in it yourself—I would say, through your inner ownership of mass—and experience it within yourself, this mass does not allow itself to become as conscious within you as space and time. We thus enter, in the very realm where we possess our own share of the world, into territories unknown to us. This is connected to the fact that, for example, our will is, to the highest degree, dependent on mass processes within us. But these mass processes are precisely what we do not know. We are, as it were, asleep with regard to them. And while our will is active, our relationship to a mass process within us is no different than that between falling asleep and waking up somewhere in the world. We know nothing of either. There is no immediate difference between these two states of human consciousness.
[ 14 ] So kommen wir dazu, das Physikalische an den Menschen allmählich heranzurücken. Es ist dasjenige, wovor sich die Physik so scheut: es an den Menschen heranzurücken. Aber man kommt auch auf keine andere Weise dazu, über die Welt wirklich sachgemäße Vorstellungen zu gewinnen, als indem man ebenso verwandt wird mit dem in der Welt, mit dem man zunächst unverwandt ist, wie man verwandt ist mit Raum und Zeit. Über Raum und Zeit reden wir aus unserer, sagen wir, Vernunft heraus. Daher die Gewißheit der mathematischen und phoronomischen Wissenschaften. Über dasjenige, was wir bloß äußerlich durch unsere Sinne erfahren und was mit der Masse verknüpft ist, können wir nur eben wiederum zunächst durch Erfahrung reden. Aber wir würden anfangen, ebenso darüber reden zu können, wenn wir den Zusammenhang zwischen der Tätigkeit irgendeines Masseteiles in uns und der Tätigkeit der äußeren Masse ebenso klar auseinandersetzen könnten wie das offenbare Verhältnis zwischen uns und der Zeit oder zwischen uns und dem Raum. Das heißt, wir müßten so innig verwachsen mit der Welt auch für die physikalischen Vorstellungen, wie wir verwachsen mit der Welt für die mathematischen oder phoronomischen Vorstellungen.
[ 14 ] This is how we come to gradually bring the physical aspect closer to human beings. It is precisely what physics is so reluctant to do: to bring it closer to human beings. But there is no other way to gain truly accurate mental images of the world than by becoming just as familiar with that which in the world is initially unfamiliar to us as we are with space and time. We speak of space and time from the perspective of, shall we say, our reason. Hence the certainty of the mathematical and kinematic sciences. As for that which we experience merely externally through our senses and which is connected to mass, we can, again, initially speak of it only through experience. But we would begin to be able to speak of it just as well if we could elucidate the connection between the activity of any part of mass within us and the activity of external mass just as clearly as the obvious relationship between us and time or between us and space. That is to say, we would have to be as intimately intertwined with the world for physical concepts as we are for mathematical or kinematic mental images.
[ 15 ] Das ist aber das Eigentümliche, daß wir, während wir vom eigenen Leibe unabhängig werden, worinnen alles sitzt, was wir so verschlafen wie die Willenserscheinungen, während wir aufrücken zum imaginativen Vorstellen, wir einen Schritt hinein in die Welt machen. Wir kommen immer wiederum näher dem, was eigentlich sonst unbekannt in uns waltet, und es gibt keinen anderen Weg, in die Objektivität der Tatsachen hineinzukommen, als in uns selber mit unserer eigenen inneren Seelenentwickelung vorwärts zu schreiten. Während wir uns von unserer eigenen Materialität entfernen, nähern wir uns immer mehr und mehr demjenigen, was draußen in der Welt vorgeht.
[ 15 ] But this is the peculiar thing: as we become independent of our own body—in which everything resides, including what we overlook, such as the manifestations of the will—and as we advance toward mental images, we take a step into the world. We come ever closer to what otherwise reigns unknown within us, and there is no other way to enter into the objectivity of facts than to move forward within ourselves through our own inner spiritual development. As we distance ourselves from our own materiality, we draw ever closer to what is happening out there in the world.
[ 16 ] Allerdings, die elementarsten Erfahrungen auf diesem Gebiet sind nicht so ganz leicht zu machen, denn man muß sich schon darauf verlegen, Dinge zu bemerken, die eigentlich gewöhnlich nicht in Augenschein genommen ‚werden. Aber ich möchte Ihnen da etwas verraten, was Sie vielleicht schon in Erstaunen versetzt. Nehmen Sie an, Sie kommen auf dem Gebiet des imaginativen Vorstellens ein Stück weiter, Sie kommen wirklich hinein in das imaginative Vorstellen. Da tritt etwas in Ihnen ein, was Sie eben vielleicht etwas in Erstaunen versetzen wird. Es wird Ihnen jetzt leichter als früher, ein Gedicht, das Sie gelernt haben, bloß äußerlich hinzuratschen, nicht schwerer wird es Ihnen, sondern leichter. Ja, wenn Sie sich ganz genau beobachten, ohne Schonung Ihres Seelenegoismus, so werden Sie sogar finden, daß Sie viel mehr Neigung haben, ein Gedicht herunterzuratschen, ohne es mit Gedanken zu verfolgen, wenn Sie eine okkulte Entwickelung durchgemacht haben, als wenn Sie eine solche nicht durchgemacht haben. Sie verachten auch nicht mehr so stark dieses Ins-Mechanische-Übergehen, wenn Sie eine okkulte Entwickelung durchgemacht haben, als vorher. Das sind solche Dinge, wie man sie eigentlich gewöhnlich nicht voraussetzt, die man aber meint, wenn man immer wiederum sagt: Die Erlebnisse bei der okkulten Entwickelung sind eigentlich entgegengesetzt den Vorstellungen, die man sich gewöhnlich zuerst macht, wenn man noch nicht eingetreten ist in eine okkulte Entwickelung,
[ 16 ] However, the most basic experiences in this area are not all that easy to have, because you really have to make a conscious effort to notice things that are not usually observed. But I’d like to share something with you that might already amaze you. Suppose you make a bit more progress in the realm of imaginative mental images—you really begin to enter into them. Then something happens within you that might just astonish you. It will now be easier for you than before to simply rattle off a poem you’ve learned—not harder, but easier. Indeed, if you observe yourself very closely, without sparing your soul’s egoism, you will even find that you are much more inclined to rattle off a poem without following it with your thoughts after undergoing occult development than before such development. Nor do you despise this “slipping into the mechanical” as strongly after undergoing occult development as you did before. These are the kinds of things one does not usually anticipate, but which are meant when people repeatedly say: “The experiences during occult development are actually the opposite of the mental images one usually forms at first, before one has entered into occult development,”
[ 17 ] Und so ist es auch, daß, wenn man nur eine weitere Stufe überschreitet, man auch dahin kommt, nun die eigenen Vorstellungen wiederum im gewöhnlichen Leben leichter beobachten zu können. Deshalb kommt für jeden, der okkult etwas vorschreitet, sehr leicht die Gefahr - er ist in der Regel, wenn er eine ordentliche okkulte Schulung durchmacht, durch diese Schulung geschützt, aber es kommt die Gefahr -, nachher ein materialistischer Mensch zu werden. Die Versuchung, ein Materialist zu werden, ist gerade für den, der eine okkulte Entwickelung durchmacht, außerordentlich naheliegend. Ich werde Ihnen an einem Fall sagen, warum.
[ 17 ] And so it is that, once one has crossed just one more threshold, one finds it easier to observe one’s own mental images in everyday life. That is why anyone who makes progress in the occult faces a very real danger—though as a rule, if they undergo proper occult training, they are protected by that training, the danger still exists—of subsequently becoming a materialist. The temptation to become a materialist is particularly strong for those undergoing occult development. I will explain why using a specific example.
[ 18 ] Sehen Sie, im gewöhnlichen Leben liegt ja wirklich das vor, daß Theoretiker behaupten, das Gehirn denkt. Aber im gewöhnlichen Leben hat das noch kein Mensch wahrgenommen. Im gewöhnlichen Leben kann man gut einen Dialog führen, den ich mit einem Jugendfreund in meiner Kindheit geführt habe, der ein krasser Materialist war und es immer mehr und mehr wurde. Der sagte: Wenn ich denke, denkt mein Gehirn. — Ich sagte dazumal immer: Ja, aber wenn du neben mir gehst, sagst du doch immer: Ich will das. Ich denke. Warum sagst du denn nicht: Mein Gehirn will das. Mein Gehirn denkt. Dann lügst du ja fortwährend. — Das ist aus dem Grunde, weil der, der theoretischer Materialist ist, ganz natürlich niemals die Möglichkeit hat, Vorgänge des Gehirns zu beobachten. Er kann die materiellen Vorgänge nicht beobachten. Daher bleibt der ganze Materialismus bei ihm Theorie. In dem Augenblick, wo man nämlich etwas vorschreitet vom imaginativen zum inspirierten Vorstellen, kommt man dazu, nun wirklich Parallelvorgänge im Gehirn beobachten zu können. Da wird einem wirklich dasjenige, was in der Materialität der Leiblichkeit ist, auch anschaulich. Abgesehen davon, daß dasjenige, was man da anschaut in der eigenen Tätigkeit, außerordentlich versucherisch ist, erscheint es einem immer wieder und wiederum als bewundernswert. Denn diese Tätigkeit des Gehirns ist ja in der Anschauung etwas viel Bewundernswürdigeres, als alles, was die theoretischen Materialisten davon beschreiben können. Also liegt die Versuchung vor, weil man zu der anschaulichen Betätigung des menschlichen Gehirns kommt, gerade dann Materialist zu werden. Man ist nur davor auch, wie gesagt, schon geschützt. Aber indem ich Ihnen diese Stufe der okkulten Entwickelung dargelegt habe, habe ich Sie zu gleicher Zeit dahin geführt, Ihnen zu zeigen, wie mit der okkulten Entwickelung man gleichzeitg die Möglichkeit gewinnt, nun auch in die materiellen Vorgänge tiefer sich hineinzubewegen. Das ist das Eigentümliche. Wer bloß als Abstraktling zum Geiste sich erhebt, wird ziemlich ohnmächtig den Naturerscheinungen gegenüber. Wer sich wirklich zum Geist erhebt, der kommt dazu, gerade tiefer in die Natur hineinschauen zu können. Er verwächst dann mit den anderen Erscheinungen der Natur, wie er vorher nur mit Raum und Zeit verwachsen war.
[ 18 ] You see, in everyday life, it is indeed the case that theorists claim the brain thinks. But in everyday life, no one has ever observed this. In everyday life, one can easily recall a conversation I had with a childhood friend who was a staunch materialist and became more and more so over time. He said: “When I think, my brain thinks.” — I always replied back then: “Yes, but when you walk beside me, you always say, ‘I want this. I’m thinking.’ Why don’t you say, ‘My brain wants this’?” ‘My brain thinks.’ Then you’re lying all the time.” — That’s because someone who is a theoretical materialist, quite naturally, never has the opportunity to observe the processes of the brain. He cannot observe the material processes. Therefore, for him, the whole of materialism remains theory. For the moment one takes a step forward from imaginative to inspired mental image, one is able to actually observe parallel processes in the brain. Then what lies in the materiality of the physical body truly becomes vivid to one. Aside from the fact that what one observes there in one’s own activity is extraordinarily alluring, it appears to one again and again as something admirable. For this activity of the brain is, in actual observation, something far more admirable than anything the theoretical materialists can describe about it. Thus, the temptation arises—precisely because one arrives at the vivid activity of the human brain—to become a materialist. But, as I said, one is already protected from this. However, by presenting this stage of occult development to you, I have at the same time led you to see how, through occult development, one simultaneously gains the ability to delve more deeply into material processes. That is what is peculiar about it. Anyone who elevates themselves to the spiritual realm merely as an abstract thinker becomes quite powerless in the face of natural phenomena. Anyone who truly elevates themselves to the spiritual realm comes to be able to look even deeper into nature. They then become one with the other phenomena of nature, just as they were previously one only with space and time.
[ 19 ] Das, was wir da anschaulich gemacht haben, müssen wir jetzt auf die eine Seite stellen gewissermaßen, und das, was uns bis jetzt in den Wärmeerscheinungen entgegentritt, das müssen wir auf die andere Seite stellen. Was ist uns in den Wärmeerscheinungen entgegengetreten? Nun, wir verfolgen das Ansteigen der Temperatur, indem wir einen festen Körper erwärmen bis zum Flüssigwerden. Wir verfolgen, wie die Temperatursteigerung verschwindet für eine Zeit, dann wiederum erscheint, bis der Körper zu sieden, zu verdampfen beginnt. Und wenn wir sie dann wieder weiter verfolgen, können wir noch etwas anderes beobachten. Wir können verfolgen - an dem Experiment, das wir ausführen wollten und demnächst ausführen werden, wird sich das klar zeigen —, daß wir eben ein Gas oder einen Dampf allseitig einschließen müssen, wenn es seine Form haben soll, wie aber auch dieses Gas oder dieser Dampf allseitig drückt auf die Umgebung, allseitig sich zu zerstreuen strebt, und wie wir ihm nur dadurch eine Form beibringen, daß wir diesem Druck einen Gegendruck entgegensetzen, also nur dadurch, daß wir sie ihm von außen beibringen. In dem Augenblick, wo wir durch Temperaturerniedrigung den Übergang zum festen Körper finden, besorgt er es für sich selbst, sich die Form zu geben. Wir erleben, indem wir rein Temperatursteigerung und Temperaturgefälle erleben, äußerlich ein Formen, ein Bilden. Wir erleben ein Sich-Gestalten und eine Auflösung der Gestalt. Das Gas löst uns die Gestalt auf, der feste Körper bildet uns die Gestalt. Wir erleben auch den Übergang zwischen beiden und gerade diesen Übergang in außerordentlich interessanter Weise. Denn denken Sie einmal, wenn Sie den zwischen dem festen Körper und dem Gas in der Mitte stehenden Zustand ins Auge fassen, das Wasser, den flüssigen Körper, so müssen Sie ihn nicht in einem allseitig geschlossenen Gefäß aufbewahren, sondern in einem Gefäß, das nur von unten und von den Seiten geschlossen ist. Oben bildet er die Niveaufläche, auf der die Schwerlinie, die Verbindungslinie eines Teilchens mit dem Mittelpunkt der Erde, immer senkrecht steht, so daß wir sagen können, wir haben hier einen Übergangszustand zwischen Gas und festem Körper. Beim Gas haben wir nirgends eine solche Niveaufläche. Beim Wasser haben wir noch die eine Niveaufläche. Beim festen Körper haben wir dasjenige, was wir beim Wasser nur nach oben haben, rundherum.
[ 19 ] We must now, so to speak, set aside what we have just illustrated, and place on the other side what we have encountered so far in the phenomena of heat. What have we encountered in the phenomena of heat? Well, we observe the rise in temperature as we heat a solid until it melts. We observe how the rise in temperature disappears for a time, then reappears, until the substance begins to boil and evaporate. And when we continue to observe it, we can notice something else. We can observe—as will become clear from the experiment we intended to conduct and will soon carry out— —that we must enclose a gas or vapor on all sides if it is to have a shape, but also that this gas or vapor exerts pressure on its surroundings from all sides, striving to disperse in all directions, and that we can impart a shape to it only by countering this pressure with a counterpressure—that is, only by applying it from the outside. The moment we achieve the transition to a solid by lowering the temperature, the solid takes care of giving itself form. By experiencing purely an increase in temperature and a temperature gradient, we observe, from the outside, a process of taking shape, of forming. We observe a process of taking shape and a dissolution of form. The gas dissolves the form for us; the solid forms the shape for us. We also experience the transition between the two—and this very transition—in an extraordinarily interesting way. For consider this: when you think of the state that lies midway between the solid and the gas—water, the liquid—you need not keep it in a vessel closed on all sides, but rather in one that is closed only at the bottom and on the sides. At the top, it forms the level surface on which the line of gravity—the line connecting a particle to the center of the Earth—always stands perpendicular, so that we can say we have here a transitional state between a gas and a solid. With a gas, we have no such level surface anywhere. With water, we still have that one level surface. In a solid, we have all around us what we have in water only at the top.


[ 20 ] Sehen Sie, das ist ein außerordentlich interessanter und bedeutungsvoller Zusammenhang. Denn der weist uns darauf hin, daß der feste Körper eigentlich überall so etwas wie eine Niveaufläche hat, aber sie sich durch seine eigene Wesenheit besorgt. Wodurch besorgt denn das Wasser sich diese Niveaufläche? Es steht eben auf ihr senkrecht die Schwerlinie der Erde. Es besorgt sich diese Niveaufläche durch die ganze Erde. So daß wir sagen können: Wenn wir Wasser haben, so nimmt ein Punkt dieses Wassers zu der ganzen Erde dasjenige Verhältnis an, das ein Punkt eines festen Körpers zu irgend etwas in seinem Inneren hat. Dadurch ist der feste Körper etwas Abgeschlossenes, was das Wasser nur darstellt in seinem Verhältnis zur Erde. Und das Gas streikt. Das geht dieses Verhältnis zur Erde gar nicht mehr ein. Das entzieht sich diesem Verhältnis zur Erde. Das hat nirgends eine solche Niveaufläche.
[ 20 ] You see, this is an extraordinarily interesting and significant connection. For it points out to us that a solid body actually has something like a level surface everywhere, but it establishes this surface through its own nature. How, then, does water establish this level surface? The Earth’s line of gravity stands perpendicular to it. It derives this level surface from the entire Earth. So we can say: When we have water, a point in that water assumes, in relation to the entire Earth, the same relationship that a point in a solid body has to something within it. As a result, the solid body is a self-contained entity, which water merely represents in its relationship to the Earth. And the gas goes on strike. It no longer enters into this relationship with the Earth at all. It withdraws from this relationship to the Earth. It has no such level surface anywhere.
[ 21 ] Sie sehen aber daraus, daß wir in die Notwendigkeit versetzt sind, .zu einem alten Begriff wiederum zurückzugehen. Ich habe Sie aufmerksam gemacht in einer der vorigen Stunden, daß man noch in der alten griechischen Physik den festen Körper die Erde genannt hat. Das hat man nicht getan aus jenen oberflächlichen Vorstellungen heraus, die man heute oftmals mit solchen Dingen verbindet, sondern das hat man deshalb getan, weil man sich bewußt war: Der feste Körper besorgt für sich selbst etwas, was beim Wasser durch die Erde besorgt wird. Er übernimmt für sich selber die Rolle des Erdigen. Man hat bloß ein Recht zu sagen: Das Erdige sitzt in einem festen Körper. Im Wasser sitzt es nicht ganz drinnen, sondern die Erde behält sich die Rolle, eine Niveaufläche zu bilden, selber vor.
[ 21 ] But you can see from this that we are compelled to return once again to an old concept. I pointed out to you in one of the previous lectures that even in ancient Greek physics, the solid body was called the Earth. This was not done based on those superficial mental images that are often associated with such things today, but rather because people were aware that the solid body performs for itself a function that, in the case of water, is performed by the earth. It assumes the role of the “earthly” for itself. One is merely justified in saying: The “earthly” is present in a solid body. In water, it is not entirely contained within it; rather, the earth reserves for itself the role of forming a level surface.
[ 22 ] Sie sehen also, schon indem man vom festen Körper zum Wasser vorschreitet, macht sich die Notwendigkeit geltend, unsere Betrachtungen nicht nur auszudehnen auf das, was wir vor uns haben, sondern wir können gar nicht über das Wasser eine Auskunft bekommen, wenn wir nicht das ganze, über die Erde verbreitete Wasser als Einheit auffassen und diese seine Einheit zum Mittelpunkt der Erde in Beziehung bringen. Ein Stück Wasser ebenso physikalisch zu betrachten wie ein Stück festen Körpers, ist ein Unsinn, ein ebensolcher Unsinn, wie ein Stück meines kleinen Fingers, das ich abschneiden würde, für sich als Organismus zu betrachten. Es stirbt ja sogleich ab. Es hat als Organismus nur eine Bedeutung mit dem ganzen Organismus zusammen. Die Bedeutung, die der feste Körper für sich hat, hat das Wasser für sich nicht. Es hat sie erst im Zusammenhang mit der ganzen Erde. Und so ist es für alles auf der Erde befindliche Flüssige überhaupt.
[ 22 ] So you see, even by moving from a solid body to water, the necessity arises not only to extend our considerations to what we have before us, but we cannot even obtain information about water unless we conceive of all the water spread across the Earth as a single entity and relate this unity to the center of the Earth. To view a piece of water in the same physical terms as a piece of a solid body is nonsense—just as much nonsense as viewing a piece of my little finger, which I might cut off, as an organism in and of itself. After all, it dies immediately. As an organism, it has meaning only in conjunction with the entire organism. Water does not possess, on its own, the significance that a solid body has. It only has that significance in connection with the entire Earth. And this is true of all liquids found on Earth.
[ 23 ] Und wiederum, wenn wir vom Flüssigen zum Gasförmigen übergehen, kommen wir dazu, daß sich das Gasförmige dem irdischen Gebiet entzieht. Es bildet keine gewöhnliche Niveaufläche. Es nimmt teil an all dem, was nicht irdisch ist. Das heißt: Wir müssen das, was im Gas wirkt, nicht bloß auf der Erde suchen, sondern wir müssen die Umgebung der Erde zu Hilfe nehmen, müssen in weite Räume gehen, und da die Kräfte suchen. Es gibt, wenn wir die Gesetze des Gasigen kennenlernen wollen, nichts anderes als eine astronomische Betrachtungsweise. So sehen Sie, wie das hineingestellt wird in den ganzen Erdenzusammenhang, wenn wir diese Erscheinungen betrachten, die wir bisher nur aufgeführt haben. Und wenn wir an solch einen Punkt kommen, wie der Schmelz- oder Siedepunkt ist, da treten Dinge ein, die uns jetzt ganz merkwürdig werden müssen. Denn, geraten wir zum Schmelzpunkt, so kommen wir von dem Erdigen eines festen Körpers, wo er für sich selbst die Gestalt, den Zusammenhang besorgt, hinein in dasjenige, was allirdisch ist. Die Erde fängt an, den festen Körper zu kapern, indem er in den flüssigen Zustand übergeht. Aus seinem eigenen Bereich geht der feste Körper in den Wirkungsbereich der ganzen Erde über, wenn wir beim Schmelzpunkt ankommen. Er hört auf, eine Individualität zu sein. Und wenn wir den flüssigen Körper in den gasförmigen Zustand überführen, dann kommen wir dazu, daß auch jenes Verhältnis zur Erde, das durch die Bildung der Niveaufläche sich äußert, gelöst wird, daß in dem Augenblick, wo wir zum Gas übergehen, der Körper in den Bereich des Außerirdischen kommt, sich gewissermaßen abhebt vom Irdischen. Wenn wir einem Gas gegenüberstehen, haben wir in den Wirkungskräften des Gases das, was sich der Erde schon entzogen hat. Wir können also, gerade wenn wir diese Erscheinungen betrachten, gar nicht umhin, von dem gewöhnlichen Physikalisch-Irdischen in das Kosmische überzutreten. Denn wir stehen nicht mehr in der Realität drinnen, wenn wir auf das, was wirklich wirkt in den Dingen, nicht aufmerksam werden.
[ 23 ] And again, when we move from the liquid to the gaseous state, we find that the gaseous state withdraws from the earthly realm. It does not form an ordinary level surface. It participates in all that is not earthly. This means: We must not seek what acts within the gas merely on Earth, but we must draw upon the Earth’s surroundings, venture into vast spaces, and seek the forces there. If we wish to understand the laws of the gaseous state, there is no alternative but an astronomical perspective. Thus you can see how this is integrated into the entire context of the Earth when we consider these phenomena, which we have so far merely listed. And when we reach a point such as the melting or boiling point, things occur that must now strike us as quite remarkable. For when we reach the melting point, we move from the earthly nature of a solid body—where it maintains its own form and structure—into that which is wholly earthly. The Earth begins to take over the solid body as it transitions into the liquid state. Upon reaching the melting point, the solid body moves from its own realm into the sphere of influence of the entire Earth. It ceases to be an individual entity. And when we transform the liquid body into a gaseous state, we find that even that relationship to the Earth—which manifests itself through the formation of the level surface—is dissolved; that at the very moment we transition to a gas, the body enters the realm of the non-earthly, detaching itself, as it were, from the earthly. When we encounter a gas, we find within the forces at work in the gas that which has already withdrawn from the Earth. Thus, precisely when we observe these phenomena, we cannot help but move from the ordinary physical-earthly realm into the cosmic realm. For we are no longer within reality if we do not pay attention to what truly acts within things.
[ 24 ] Aber nun treten uns ja andere Erscheinungen gegenüber. Nehmen Sie eine solche Erscheinung, wie die ist, die Sie ja genau kennen, auf die ich ja aufmerksam gemacht habe: daß das Wasser sich sehr merkwürdig verhält, daß Eis auf dem Wasser schwimmt, also weniger dicht ist als Wasser, daß es aber, indem es vom festen in den flüssigen Zustand übergeht und seine Temperatur erhöht, sich zusammenzieht, dichter wird. Dadurch nur kann Eis auf Wasser schwimmen. Da haben wir also zwischen O und 4 Grad etwas, wo das Wasser sich wiederum entzieht den allgemeinen Vorgängen, die uns sonst bei Temperaturerhöhungen entgegentreten, daß ein Körper dünner und dünner wird durch Erwärmung. Dieses Spatium von 4 Graden, wo das Wasser immer dichter wird, ist sehr lehrreich. Was sehen wir denn in diesem Spatium? Da sehen wir, wie das Wasser kämpft. Es ist als Eis ein fester Körper mit seinen inneren Zusammenhängen, eine Art Individualität. Jetzt soll es selbstlos in den ganzen Bereich der Erde übergehen. Diese Selbstlosigkeit will es sich nicht gleich gefallen lassen. Es kämpft gegen dieses Übergehen in eine ganz andere Sphäre. Solche Dinge müssen durchaus beachtet werden. Dann aber wird es auch anfangen Sinn zu haben, darauf hinzuschauen, wie unter gewissen Verhältnissen, also sagen wir beim Schmelzpunkt und Siedepunkt, die thermometrisch konstatierbare Wärme zurücktritt, verschwindet. Sie verschwindet so, wie uns die leibliche Wirksamkeit verschwindet, indem wir ins Imaginative aufsteigen. Wir werden auf diese Dinge noch eingehen. Es wird Ihnen nicht so sehr paradox erscheinen, wenn wir versuchen, zu verfolgen, was denn nun wird, wenn ein Wärmezustand es uns notwendig macht, die Temperatur in die dritte Potenz zu erheben, das heißt also in die für diesen Fall vierte Dimension, also aus dem Raum herauszugehen. Wir wollen uns nun diese Voraussetzung zunächst einmal vor die Seele stellen und dann morgen darüber weiter reden. Es könnte ja auch, wie die Tätigkeit unseres Leibes übergeht ins Geistige, wenn wir ins Imaginative hineinkommen, ebensogut ein Übergang stattfinden zwischen dem Äußerlich-Sichtbaren, was da im Wärmebereich vor sich geht, und Erscheinungen, die dahinterstehen, auf die nur hingedeutet wird, wenn die Wärme als thermometrisch meßbare Wärme vor unseren Augen verschwindet. Wir müssen fragen: Was wird hinter dem Vorhange getan? Was unterrichtet uns über die Vorgänge, die hinter diesem Vorhang vor sich gehen? Das ist die Frage, die wir uns heute stellen wollen. Morgen sprechen wir dann darüber weiter.
[ 24 ] But now we are confronted with other phenomena. Take, for example, a phenomenon such as the one you know very well, the one I have already drawn your attention to: that water behaves in a very peculiar way—that ice floats on water, meaning it is less dense than water—but that, as it transitions from a solid to a liquid state and its temperature rises, it contracts and becomes denser. It is only because of this that ice can float on water. So between 0 and 4 degrees, we have a situation where water once again defies the general processes we otherwise encounter when temperatures rise—namely, that a body becomes thinner and thinner as it heats up. This 4-degree range, where water becomes increasingly dense, is very instructive. What do we see in this range? There we see how water struggles. As ice, it is a solid body with its own internal structure, a kind of individuality. Now it is supposed to selflessly merge into the entire realm of the Earth. It is not willing to accept this selflessness right away. It struggles against this transition into an entirely different sphere. Such things must certainly be taken into account. But then it will also begin to make sense to observe how, under certain conditions—for example, at the melting point and boiling point—the thermometrically measurable heat recedes and disappears. It disappears in the same way that physical activity disappears for us as we ascend into the imaginative realm. We will return to these matters later. It will not seem so paradoxical to you if we try to trace what happens when a state of heat compels us to raise the temperature to the third power—that is, into the fourth dimension in this case—and thus to step outside of space. Let us first take this premise to heart and then discuss it further tomorrow. Just as the activity of our body transitions into the spiritual realm when we enter the realm of the imaginative, a transition could just as well take place between the outwardly visible—what is happening in the realm of heat—and the phenomena lying behind it, to which only an allusion is made when the heat, as thermometrically measurable heat, disappears from before our eyes. We must ask: What is happening behind the curtain? What tells us about the processes taking place behind this curtain? That is the question we want to ask ourselves today. Tomorrow we will continue our discussion.
