Second Scientific Course
The warmth at the boundary between positive and negative materiality
Insights from Spiritual Science on the Development of Physics
GA 321
8 March 1920, Stuttgart
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Second Scientific Course, tr. SOL
Achter Vortrag
Eighth Lecture
[ 1 ] Wir haben gestern das Experiment gemacht, das zeigen soll nach den gebräuchlichen Anschauungen, wie sich mechanische Arbeit, die wir hervorgerufen haben, indem wir ein Schaufelrad zur Drehung und damit zur Reibung an einer Wassermasse gebracht haben, in Wärme umwandelt. Wir haben Ihnen gezeigt, daß das Wasser, an dem sich das Schaufelrad rieb, wärmer wurde.
[ 1 ] Yesterday, we conducted an experiment designed to demonstrate, according to common understanding, how mechanical work, which we produced by causing a paddle wheel to rotate and thus generate friction against a mass of water, is converted into heat. We showed you that the water rubbed against by the paddle wheel became warmer.


[ 2 ] Heute wollen wir gewissermaßen das Umgekehrte machen. Wir haben gestern gezeigt, daß irgendwie gesucht werden muß eine Erklärung dafür, daß, wenn wir jetzt die Tatsachen besser aussprechen als durch den Gedanken der bloßen Verwandlung, unter dem Einfluß einer geleisteten Arbeit Wärme entstehen kann. Jetzt wollen wir einen umgekehrten Vorgang verfolgen. Wir wollen hier zunächst Dampf erzeugen, wollen also richtig auf dem Weg eines Verbrennungsprozesses Druck erzeugen, Spannung hervorrufen — also ein Mechanisches aus der Wärme — und wollen nach demselben Prinzip, nach dem alle Dampfmaschinen bewegt werden, umsetzen diese Wärme auf dem Umweg des Druckes in mechanische Arbeit. Dadurch, daß wir den Druck wirken lassen nach der einen Seite hier auf die Fläche unten, dadurch wird dieser Kolben hier in die Höhe getrieben (siehe Zeichnung Seite 118). Dadurch, daß wir wiederum abkühlen den Dampf, wird der Druck vermindert, der Kolben geht wiederum zurück, und wir bekommen die mechanische Arbeit, die auf- und absteigende Bewegung. Wir werden dabei verfolgen können, wie das Wasser, das wiederum entsteht, wenn wir hier abkühlen, das Kondensationswasser, in dieses Gefäß hineingeht, und wir werden dann untersuchen, ob nun, nachdem wir den ganzen Vorgang sich haben abwickeln lassen, die Wärme, die wir hier erzeugt haben, sich ganz umgewandelt hat in solche Arbeit, in die Arbeit des Auf-und-Abbewegens dieses Kolbens, oder ob uns irgendwie eine Wärme verlorengegangen ist. Die Wärme, die verlorengeht, die sich nicht umwandelt, würde in der Hitze des Wassers erscheinen müssen. Es würde dann das Kondensationswasser in dem Fall, wo die ganze beweglicher Wärme verwendet wird zur Erzeugung von mechanischer Arbeit, unfähig sein, eine Erhöhung der "Temperatur aufzuzeigen. Findet eine Erhöhung der’ Temperatur statt, das heißt, können wir an diesem Thermometer konstatieren, daß das Wasser über die gewöhnliche Temperatur erwärmt ist, dann rührt diese Erwärmung her von der Wärme, die wir angewendet haben. Dann hat sich nicht die ganze Wärme in Arbeit verwandelt, wir waren nicht imstande dazu, es ist noch etwas übriggeblieben. Wir wollen also konstatieren, ob die ganze Wärme in Arbeit verwandelt werden kann, oder noch etwas übrigbleibt und sich an der Erwärmtheit des Kondensationswassers zeigt. Das Wasser hat 20°, wir werden dann sehen, ob das Kondensationswasser wirklich bis 20° abgekühlt ist, also alle Wärme zur Arbeit verwendet wird, oder ob die Temperatur dieses Kondensationswassers steigt und dadurch Wärme verlorengehen würde. Jetzt kondensieren wir den Dampf, das Kondenswasser tropft hinüber, und auf diese Art kann natürlich jetzt eine Maschine getrieben werden. Wenn der Versuch vollständig gelingt, können Sie sicher sein, daß das Kondenswasser hier eine wesentliche Erhöhung der Temperatur aufzeigt, und es ist dieses der Weg, auf dem man zeigen kann, daß, wenn man den zum gestrigen umgekehrten Versuch macht, Wärme überzuführen in mechanische Arbeit, die eben darin besteht, daß der Kolben sich auf und ab bewegt, daß es dann unmöglich ist, alle Wärme, die man erzeugt hat, vollständig in mechanische Arbeit überzuführen; daß, wenn Wärme in mechanische Arbeit übergeführt wird, immer Wärme zurückbleibt, daß wir also in jeder solchen zur Erzeugung mechanischer Arbeit verwendeten Wärme einen Teil haben, der als Rest bleibt, sich nicht umwandeln läßt in mechanische Arbeit. Wir wollen zunächst auch hier nur die Erscheinung festhalten, aber jetzt uns die Gedanken vorführen, welche sich die gebräuchliche Physik und diejenigen, die auf ihr mit ihren Anschauungen fußen, über die ganze Sache machen.
[ 2 ] Today, we want to do the opposite, so to speak. Yesterday, we showed that we must somehow find an explanation for the fact that, if we now express the facts more accurately than through the idea of mere transformation, heat can be generated under the influence of work performed. Now we want to follow a reverse process. First, we want to generate steam, i.e., we want to generate pressure and tension in the course of a combustion process—in other words, we want to create something mechanical from heat—and, following the same principle that drives all steam engines, we want to convert this heat into mechanical work via the detour of pressure. By applying pressure on one side here on the surface below, this piston is driven upwards (see drawing on page 118). By cooling the steam again, the pressure is reduced, the piston moves back, and we obtain mechanical work, the upward and downward movement. We will be able to observe how the water that is produced when we cool it down, the condensation water, enters this vessel, and we will then examine whether, after we have allowed the entire process to unfold, the heat we have generated here has been completely converted into such work, into the work of moving this piston up and down, or whether we have somehow lost heat. The heat that is lost, that is not converted, would have to appear in the heat of the water. In the case where all the mobile heat is used to generate mechanical work, the condensation water would then be unable to show an increase in temperature. If there is an increase in temperature, that is, if we can see on this thermometer that the water is heated above the usual temperature, then this heating comes from the heat we have applied. Then not all the heat has been converted into work; we were not able to do so, and something has remained. So we want to determine whether all the heat can be converted into work, or whether something remains and is reflected in the warmth of the condensed water. The water is at 20°, so we will see whether the condensed water has really cooled down to 20°, meaning that all the heat has been used for work, or whether the temperature of this condensed water rises and heat is lost as a result. Now we condense the steam, the condensation water drips over, and in this way, of course, a machine can now be driven. If the experiment is completely successful, you can be sure that the condensation water here shows a significant increase in temperature, and this is the way in which it can be shown that, if one performs the opposite experiment to yesterday's, converting heat into mechanical work, which consists precisely in the piston moving up and down, it is then impossible to convert all the heat that has been generated completely into mechanical work; that when heat is converted into mechanical work, heat always remains, so that in every instance of heat used to generate mechanical work, there is a portion that remains as a residue and cannot be converted into mechanical work. For now, we will simply note the phenomenon, but now we will present the ideas that conventional physics and those who base their views on it have about the whole matter.
[ 3 ] Wir haben es zunächst mit der ersten Tatsache zu tun, daß wir überhaupt verwandeln können, wie man sagt, Wärme in mechanische Arbeit, und mechanische Arbeit in Wärme. Daraus hat sich, wie ich ja schon erwähnte, die Ansicht gebildet, daß jede solche Form von sogenannter Energie — Wärmeenergie, mechanische Energie, und man könnte das Experiment auch für andere Energien machen - in eine andere sich umwandeln läßt. Von dem Maße der Umwandlung wollen wir jetzt absehen, und nur an der Tatsache festhalten. Nun sagt der gegenwärtige physikalische Denker: Es ist also unmöglich, daß, wenn irgendwo eine Energie erscheint, eine Kraftwirkung erscheint, diese von irgend etwas anderem herkommt als von einer schon vorhandenen anderen Energie. Wenn ich also irgendwo ein in sich geschlossenes System von Energien habe, zunächst von Energien einer bestimmten Form, und es treten andere Energien mit auf, so müssen diese die Umwandlung der schon vorhandenen Energien des geschlossenen Systems sein. Nirgends kann in einem geschlossenen System eine Energie anders denn als Umwandlungsprodukt erscheinen. Eduard von Hartmann, der, wie ich schon angedeutet habe, die gegenwärtigen physikalischen Ansichten in seine philosophischen Begriffe faßt, hat diesen sogenannten ersten Satz der mechanischen Wärmetheorie ausgesprochen mit den Worten: «Ein Perpetuum mobile der ersten Art ist eine Unmöglichkeit.» Was wäre ein Perpetuum mobile der ersten Art? Ein Perpetuum mobile der ersten Art wäre eben eine Einrichtung, wodurch eine Energie als solche in einem geschlossenen Energiesystem entstehen würde. So daß also Eduard von Hartmann die hierauf bezügliche Tatsachenreihe eben dahin zusammenfaßt, daß er sagt: «Ein Perpetuum mobile der ersten Art ist eine Unmöglichkeit.»
[ 3 ] First, we are dealing with the initial fact that we can convert, as they say, heat into mechanical work and mechanical work into heat. From this, as I have already mentioned, the view has developed that every such form of so-called energy—heat energy, mechanical energy, and one could also conduct the experiment for other energies—can be converted into another. Let us now disregard the extent of the conversion and stick to the fact alone. Now, the current physical thinker says: It is therefore impossible that when energy appears somewhere, a force effect appears, that this comes from anything other than another already existing energy. So if I have a self-contained system of energies somewhere, initially energies of a certain form, and other energies appear, then these must be the conversion of the energies already present in the closed system. Nowhere in a closed system can energy appear other than as a product of conversion. Eduard von Hartmann, who, as I have already indicated, incorporates current physical views into his philosophical concepts, has expressed this so-called first law of mechanical heat theory in the following words: “A perpetual motion machine of the first kind is an impossibility.” What would a perpetual motion machine of the first kind be? A perpetual motion machine of the first kind would be a device by which energy as such would be generated in a closed energy system. Eduard von Hartmann summarizes the relevant facts by saying: “A perpetual motion machine of the first kind is an impossibility.”
[ 4 ] Nun kommen wir zu der zweiten Tatsachenreihe, die sich uns durch das heutige Experiment veranschaulicht hat: Wir können in einem in sich scheinbar geschlossenen System von Energien die eine Energie in die andere umwandeln. Dabei zeigt sich, daß die Umwandlung aber doch gewissen Gesetzmäßigkeiten unterliegt, die mit der Qualität der Energien zusammenhängen, und zwar so, daß eben Wärmeenergie sich nicht ohne weiteres ganz umwandeln läßt in mechanische Energien, sondern immer ein Rest bleibt. So daß es also unmöglich ist, Wärmeenergie in einem geschlossenen System so in mechanische Energie umzuwandeln, daß nun wirklich alle Wärme als mechanische Energie erscheint. Würde man dies erreichen können, daß alle Wärme als mechanische Energie erscheint, dann würde man wiederum die mechanische Energie umwandeln können in Wärme. Es würde möglich sein, daß in einem solchen geschlossenen System eine Energiequalität in die andere sich umwandeln würde. Man würde damit die Möglichkeit geboten haben, immer das eine in das andere umzuwandeln. Eduard von Hartmann drückt wiederum diesen Satz so aus, daß er sagt: Ein solches geschlossenes System, in dem man zum Beispiel die ganze vorhandene Wärme umwandeln könnte in mechanische Arbeit, wo man mechanische Arbeit wiederum umwandeln könnte in Wärme, wo also ein Kreislauf entsteht, wäre ein Perpetuum mobile der zweiten Art. Aber auch ein solches Perpetuum mobile der zweiten Art ist eine Unmöglichkeit, sagt er, und dies sind im Grunde genommen für die Denker des 19. Jahrhunderts und des angehenden 20. Jahrhunderts auf dem Gebiete der Physik die zwei Hauptsätze der sogenannten mechanischen Wärmelehre:
[ 4 ] Now we come to the second series of facts, which has been illustrated to us by today's experiment: in a seemingly closed system of energies, we can convert one form of energy into another. However, it is apparent that this conversion is subject to certain laws that are related to the quality of the energies, in such a way that thermal energy cannot be completely converted into mechanical energy without residue. It is therefore impossible to convert thermal energy into mechanical energy in a closed system in such a way that all the heat actually appears as mechanical energy. If it were possible to achieve this, so that all heat appeared as mechanical energy, then it would in turn be possible to convert the mechanical energy into heat. It would be possible for one quality of energy to be converted into another in such a closed system. This would offer the possibility of always converting one into the other. Eduard von Hartmann expresses this sentence in such a way that he says: Such a closed system, in which, for example, all the heat present could be converted into mechanical work, where mechanical work could in turn be converted into heat, where a cycle is created, would be a perpetual motion machine of the second kind. But even such a perpetual motion machine of the second kind is impossible, he says, and these are basically the two main principles of the so-called mechanical theory of heat for thinkers of the 19th century and the early 20th century in the field of physics:
[ 5 ] «Ein Perpetuum mobile der ersten Art ist eine Unmöglichkeit.» «Ein Perpetuum mobile der zweiten Art ist eine Unmöglichkeit.» Die Sache hängt sogar mit der Geschichte der Physik im 19. Jahrhundert zusammen. Der erste, der aufmerksam gemacht hat auf diese scheinbare Umwandlung des Wärmewesens in andere Energieformen oder anderer Energieformen in Wärme, das war ja Julius Robert Mayer, der im wesentlichen aufmerksam geworden ist auf den Zusammenhang zwischen Wärme und anderen Energieformen als Arzt, indem er in der heißen Zone eine andere Beschaffenheit des venösen Blutes bemerkt hat als in der kalten Zone und daraus schloß auf eine andere Art der physiologischen Arbeit in dem einen und in dem anderen Falle beim menschlichen Organismus. Er hat dann hauptsächlich aus diesen seinen Erfahrungen, die er vermehrt hat, später eine etwas verwuselte Theorie aufgestellt, und bei ihm hat eigentlich diese "Theorie noch keinen andcren Umfang als den: Man könne entstehen lassen aus der einen Energieform die andere. — Dann ist die Sache von verschiedenen anderen Leuten, unter anderen von Helmboltz, weiter ausgearbeitet worden. Schon bei Helmholtz tritt nun eine eigentümliche Form des physikalisch-mechanischen Denkens als Ausgangspunkt der ganzen Betrachtung auf. Nimmt man gerade die wichtigste Abhandlung von Helmholtz, durch die er die mechanische. Wärmetheorie zu stützen versucht in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts, so liegt diese schon und zwar als Postulat — dem Hartmannschen Gedanken zugrunde: Ein Perpetuum mobile der ersten Art ist eine Unmöglichkeit; weil ein Perpetuum mobile unmöglich ist, müssen die verschiedenen Energiearten nur Umwandlungen voneinander sein, es kann niemals eine Energieform aus dem Nichts entstehen. Man kann den Satz, von dem man ausgeht als einem Axiom: Ein Perpetuum mobile der ersten Art ist eine Unmöglichkeit -, umwandeln in den anderen: Die Summe der Energien im Weltensystem ist konstant. Es entsteht niemals eine Energie, es vergeht niemals eine Energie. Es verwandeln sich nur die Energien. Die Summe der Energien im Weltensystem ist konstant. — Die beiden Sätze
[ 5 ] “A perpetual motion machine of the first kind is an impossibility.” “A perpetual motion machine of the second kind is impossible.” The matter is even connected with the history of physics in the 19th century. The first person to draw attention to this apparent conversion of heat into other forms of energy, or other forms of energy into heat, was Julius Robert Mayer, who essentially became aware of the connection between heat and other forms of energy as a physician when he noticed that venous blood had a different composition in hot zones than in cold zones and concluded from this that there was a different type of physiological work in the human organism in each case. Based mainly on these experiences, which he expanded upon, he later developed a somewhat confused theory, and for him this “theory” had no other scope than this: that one form of energy can be converted into another. The matter was then further elaborated by various other people, including Helmholtz. Already in Helmholtz's work, a peculiar form of physical-mechanical thinking appears as the starting point for the entire consideration. If we take Helmholtz's most important treatise, in which he attempts to support the mechanical theory of heat in the 1840s, it is already based on Hartmann's idea as a postulate: A perpetual motion machine of the first kind is impossible; because a perpetual motion machine is impossible, the different types of energy must be mere transformations of each other; energy can never arise from nothing. The statement from which we start, “A perpetual motion machine of the first kind is impossible,” can be transformed into another: The sum of energies in the world system is constant. Energy is never created, energy is never destroyed. Energy is only transformed. The sum of energy in the world system is constant. — The two statements
«Es gibt kein Perpetuum mobile der ersten Art.»
«Die Summe aller Energien im Weltenall ist konstant.»
“There is no perpetual motion machine of the first kind.”
“The sum of all energy in the universe is constant.”
enthalten im Grunde genommen genau dasselbe. Nun, darum handelt es sich, daß wir mit der Denkweise, die wir schon angewendet haben bei all unseren Betrachtungen, einmal in diese ganze Anschauungsart ein wenig hineinleuchten.
basically contain exactly the same thing. Now, the point is that we should shed a little light on this whole way of thinking using the approach we have already applied in all our considerations.
[ 6 ] Man sieht hier an einem solchen Experiment, daß, wenn man den Versuch macht, Wärme in sogenannte Arbeit umzuwandeln, dann Wärme gewissermaßen für die Umwandlung in Arbeit verlorengeht, daß Wärme wieder erscheint, daß also nur ein Teil der Wärme in Arbeit, in eine andere Energie, in mechanische Energieformen, umgewandelt werden kann. Man kann dann das, was man daran sieht, auf das Weltenall anwenden. Das ist auch geschehen von den Denkern des 19. Jahrhunderts. Etwa so sagten sich diese Denker: In der Welt, in der uns vorliegenden Welt, in der wir leben, ist mechanische Arbeit vorhanden, ist Wärme vorhanden. Fortwährend geschehen Prozesse, durch die Wärme in mechanische Arbeit umgewandelt wird. Wir sehen, daß Wärme da sein muß, damit wir überhaupt mechanische Arbeit erzeugen können. Denken Sie nur einmal, wie wir einen großen Teil unserer Technik darauf eben gestützt haben, daß wir aus der ursprünglichen Verwendung von Wärme mechanische Arbeit zutage treten lassen. Aber dabei wird sich immer zeigen, daß wir Wärme niemals vollständig umwandeln können in mechanische Arbeit, daß immer ein Rest bleibt. Und wenn das so ist, müssen sich diese Reste so summieren, daß keine mechanische Arbeit mehr geleistet werden kann, daß wir einfach nicht mehr zurückverwandeln können die Wärme in mechanische Arbeit. Die Reste der unverwendbaren Wärme summieren sich, und das Weltenall geht entgegen jenem Zustand, in dem sich alle mechanische Arbeit in Wärme verwandelt haben wird. Man hat auch gesagt, das Weltenall, in dem wir leben, geht seinem Wärmetod entgegen, wie man es auch etwas gelehrter nennen kann. Über den sogenannten Entropiebegriff wollen wir in einer der kommenden Betrachtungen noch sprechen. Jetzt interessiert uns zunächst, daß man hier aus einem Experiment heraus Gedanken schöpfte über den Gang unseres zunächst für den Menschen in Betracht kommenden Weltenalls.
[ 6 ] Such an experiment shows that when one attempts to convert heat into so-called work, heat is lost in the conversion into work, that heat reappears, and that therefore only part of the heat can be converted into work, into another form of energy, into mechanical energy. What we see here can then be applied to the universe. This is what the thinkers of the 19th century did. These thinkers said something like this: In the world we live in, mechanical work exists, heat exists. Processes are constantly taking place that convert heat into mechanical work. We see that heat must be present in order for us to generate mechanical work at all. Just think how we have based a large part of our technology on the fact that we can extract mechanical work from the original use of heat. But in doing so, it will always become apparent that we can never completely convert heat into mechanical work, that there will always be a residue. And if that is the case, these residues must accumulate to such an extent that no more mechanical work can be performed, that we simply cannot convert the heat back into mechanical work. The residues of unusable heat accumulate, and the universe is heading toward a state in which all mechanical work will have been converted into heat. It has also been said that the universe in which we live is heading toward heat death, as it is also known in more scholarly terms. We will discuss the concept of entropy in one of our future considerations. For now, we are interested in the fact that an experiment gave rise to ideas about the course of our universe, which is of primary concern to humans.
[ 7 ] Eduard von Hartmann hat die Sache nett ausgeführt, indem er sagt: Man sieht also — physikalisch beweisbar -, daß der Weltenprozeß, in dem wir leben, zunächst dadurch verläuft, daß in ihm Vorgänge sind: auf der einen Seite Wärmeprozesse, auf der anderen Seite mechanische Prozesse, daß aber zuletzt alle mechanischen Prozesse übergehen werden in Wärmeprozesse. Dann wird keine mechanische Arbeit mehr geleistet werden können. Das Weltenall ist an seinem Ende angekommen. Es zeigen uns also die physikalischen Erscheinungen, sagt Eduard von Hartmann, daß der Weltenprozeß ausbummelt. Dieses ist seine Art, über die Vorgänge, innerhalb welcher wir leben, sich auszusprechen. Wir leben also in einem Weltenall, das uns durch seine Prozesse erhält, aber darin besteht die Tendenz, immer bummliger zu werden und zuletzt ganz auszubummeln — ich wiederhole nur Eduard von Hartmanns eigene Worte.
[ 7 ] Eduard von Hartmann explained the matter nicely by saying: We can see—and this can be proven physically—that the world process in which we live initially proceeds through processes: on the one hand, heat processes, and on the other, mechanical processes, but that ultimately all mechanical processes will transition into heat processes. Then no more mechanical work will be possible. The universe will have reached its end. Physical phenomena show us, says Eduard von Hartmann, that the world process is winding down. This is his way of expressing himself about the processes within which we live. We therefore live in a universe that sustains us through its processes, but there is a tendency for it to become increasingly sluggish and ultimately to come to a complete standstill — I am merely repeating Eduard von Hartmann's own words.
[ 8 ] Nun müssen wir uns aber über das Folgende klar werden: Gibt es denn irgend so etwas wie die Möglichkeit, in einem geschlossenen System eine Summe von Prozessen hervorzurufen? Merken Sie wohl, was ich sage: Wenn ich an der Summe meiner Experimentierwerkzeuge stehe, so stehe ich doch wahrlich nicht im Vakuum, im leeren Raum, und selbst dann, wenn ich glauben könnte, daß ich im leeren Raum stehe, bin ich ja noch nicht ganz sicher, ob nicht dieser leere Raum sich nur dadurch als leer zeigt, daß ich zunächst nicht wahrnehme, was in ihm noch drinnen ist. Stehe ich denn jemals mit meinem Experimentieren innerhalb irgendeines geschlossenen Systems? Ist denn nicht dasjenige, was ich selbst im einfachsten Experiment verrichte, ein Eingriff in den gesamten Prozeß des Weltenalls, das mich zunächst umgibt? Darf ich anders vorstellen, wenn ich zum Beispiel hier diese ganze Sache mache, als daß das in dem Zusammenhang des ganzen Weltenprozesses etwas Ähnliches ist, wie wenn ich eine kleine Nadel nehme und mich hier steche? Wenn ich hier steche, empfinde ich einen Schmerz, der hält mich ab, einen Gedanken zu fassen, den ich sonst erfaßt hätte. Aber ganz gewiß darf ich nicht, wenn ich das, was hier geschieht, in seinem ganzen Zusammenhang betrachten will, bloß den Druck der Nadel und die Lädierung der Haut, der Muskeln ins Auge fassen, denn ich würde ja dadurch nicht den ganzen Prozeß ins Auge fassen. Der Prozeß ist damit nicht erschöpft. Denken Sie einmal, ich nehme durch eine Ungeschicklichkeit eine Nadel, steche mich, spüre den Schmerz. Ich werde abrücken. Das, was da auftritt als eine Wirkung, das ist doch ganz entschieden nicht zu erfassen, wenn ich bloß dasjenige, was hier in diesem Hautteil vor sich geht, ins Auge fasse. Und dennoch ist das Abrücken von der Nadel nichts weiter als eine Fortsetzung derjenigen Prozesse, die ich beschreibe, wenn ich eben nur den ersten Teil ins Auge fasse. Wenn ich den ganzen Prozeß beschreiben will, muß ich Rücksicht nehmen darauf, daß ich da mit meiner Nadel nicht in die Kleider gestochen habe, sondern in den Organismus, den ich als Ganzes aufzufassen habe, der seinerseits wiederum reagiert als ganzer Organismus und als solcher dasjenige hervorruft, was dann die Folge des ersten ist.
[ 8 ] Now, however, we must be clear about the following: Is there such a thing as the possibility of bringing about a sum of processes in a closed system? Please note what I am saying: when I stand with the sum of my experimental tools, I am certainly not standing in a vacuum, in empty space, and even if I could believe that I am standing in empty space, I am still not entirely sure whether this empty space only appears to be empty because I do not initially perceive what else is in it. Am I ever standing with my experimentation within any closed system? Is not what I do even in the simplest experiment an intervention in the entire process of the universe that surrounds me? When I do this whole thing here, for example, can I present it in a mental image other than something similar, in the context of the entire world process, to taking a small needle and pricking myself here? When I prick myself here, I feel a pain that prevents me from grasping a thought that I would otherwise have grasped. But if I want to consider what is happening here in its entire context, I certainly cannot just consider the pressure of the needle and the damage to the skin and muscles, because then I would not be considering the entire process. The process is not exhausted by this. Imagine that, through clumsiness, I take a needle, prick myself, and feel the pain. I will move away. What occurs as an effect cannot be grasped if I only consider what is happening here in this part of the skin. And yet, moving away from the needle is nothing more than a continuation of the processes I describe when I only consider the first part. If I want to describe the whole process, I must take into account that I did not prick my clothes with my needle, but rather the organism, which I must consider as a whole, which in turn reacts as a whole organism and as such causes what is then the consequence of the first.
[ 9 ] Darf ich ohne weiteres hier, indem ich solch ein Experiment mir vor Augen stelle, sagen: Ich habe erwärmt, mechanische Arbeit hervorgerufen, die Wärme, die da übriggeblieben ist im Kondensationswasser, die ist eben übriggeblieben durch sich selbst? Ich stehe ja nicht mit der ganzen Einrichtung hier so im Zusammenhang, wie wenn ich sie da (in den Finger) eingebohrt hätte. Es könnte ja die Entstehung oder das Behalten der Wärme, das Auftreten im Kondensationswasser, zusammenhängen mit der Reaktion des ganzen großen Systems auf den Prozeß hier, wie mein Organismus reagiert auf den kleinen Prozeß des Stechens der Nadel. Dasjenige, was ich also vor allen Dingen zu berücksichtigen habe, ist: Daß ich niemals die Experimentalanordnung als ein geschlossenes System ansehen darf, sondern mir bewußt bleiben muß, daß diese ganze Experimentalanordnung unter den Einflüssen der Umgebung steht und auch der Energien, die eventuell aus dieser Umgebung wirken.
[ 9 ] Can I simply say here, when I imagine such an experiment: I have heated, caused mechanical work, and the heat that remains in the condensation water has remained there by itself? I am not connected to the entire setup here in the same way as if I had drilled it (into my finger). The generation or retention of heat, its occurrence in the condensation water, could be related to the reaction of the entire large system to the process here, just as my organism reacts to the small process of pricking the needle. So what I have to take into account above all else is that I must never view the experimental setup as a closed system, but must remain aware that this entire experimental setup is subject to the influences of the environment and also to the energies that may be acting from this environment.


[ 10 ] Halten Sie mit diesem nun ein anderes zusammen: Nehmen Sie an, Sie haben zunächst wieder im Gefäß eine Flüssigkeit mit der Niveaufläche, wodurch Sie voraussetzen Kraftwirkung senkrecht auf die Niveaufläche. Denken Sie nun, es gehe diese Flüssigkeit durch Abkühlung in einen gestalteten festen Körper über. Es ist ganz unmöglich, daß Sie sich jetzt nicht denken, daß diese Richtungen hier, diese Kraftrichtungen nicht von einer anderen in irgendeiner Weise durchkreuzt werden. Denn diese Kraftrichtungen bewirken ja eben, daß ich das Wasser in einem Gefäß aufbewahren muß, daß nur durch die Niveaufläche die Form des Wassers da ist. Wenn nun bei der Verfestigung eine geschlossene, gestaltete Form entsteht, ist es unbedingt notwendig, vorauszusetzen, daß nun Kräfte hinzutreten zu denen, die früher vorhanden waren. Das liefert die unmittelbare Anschauung, daß da Kräfte hinzutreten zu denen, die früher vorhanden waren. Und zunächst ist der Gedanke ganz absurd, zu glauben, daß jene Kräfte die Gestalt bewirken, die irgendwie schon im Wasser drinnen gewesen wären, denn sie hätten ja sonst, wenn sie drinnen gewesen wären, im Wasser die Gestalt bewirken müssen. Sie sind also aufgetreten. Sie können nicht im Wassersystem enthalten gewesen sein, sie müssen von außerhalb des Wassersystems an dieses herangekommen sein. Nehmen wir daher die Erscheinung so, wie sie ist, so müssen wir sagen: Wenn irgendwo eine Gestalt auftritt, so tritt sie tatsächlich als eine Neuschöpfung auf. Bleiben wir nur innerhalb desjenigen, was wir anschaulich konstatieren können, so tritt die Gestalt als eine Neuschöpfung auf. Wir sehen es ja förmlich anschaulich, wenn wir aus einer Flüssigkeit einen festen Körper entstehen lassen. Die Gestalt tritt anschaulich auf als Neuschöpfung, und sie wird wieder aufgehoben, wenn wir den Körper in eine flüssige Form umwandeln. Man fasse nur so etwas einmal auf nach dem, was die Anschauung liefert. Was folgt denn aus dem ganzen Vorgang, wenn man wirklich das Anschauliche in einen Begriff umwandelt? Es folgt daraus, daß sich der feste Körper selbständig zu machen versucht, daß er versucht, in sich ein geschlossenes System zu bilden, daß er einen Kampf mit seiner Umgebung eingeht, um ein geschlossenes System zu werden.
[ 10 ] Now combine this with another: Suppose you again have a liquid in the vessel with a level surface, whereby you assume a force acting vertically on the level surface. Now imagine that this liquid is transformed into a solid body by cooling. It is quite impossible not to think that these directions here, these directions of force, are not crossed by another in some way. For these directions of force cause me to store the water in a vessel, so that the shape of the water is only there because of the level surface. If a closed, shaped form is created during solidification, it is absolutely necessary to assume that forces are now added to those that were previously present. This provides the immediate insight that forces are added to those that were previously present. And at first, the idea is quite absurd to believe that those forces that were somehow already present in the water cause the shape, because if they had been present, they would have had to cause the shape in the water. So they have appeared. They cannot have been contained in the water system; they must have come to it from outside the water system. If we therefore take the phenomenon as it is, we must say: when a form appears somewhere, it actually appears as a new creation. If we remain only within the realm of what we can clearly observe, the form appears as a new creation. We see this clearly when we create a solid body from a liquid. The form appears clearly as a new creation, and it is abolished again when we transform the body into a liquid form. Let us just consider this for a moment based on what our perception tells us. What follows from the whole process when we really transform what we perceive into a concept? It follows that the solid body tries to become independent, that it tries to form a closed system within itself, that it enters into a struggle with its environment in order to become a closed system.
[ 11 ] Ich möchte sagen, man kann es hier mit Händen greifen, daß hier durch die Verfestigung des Flüssigen der Versuch der Natur vorliegt, zu einem Perpetuum mobile zu kommen. Das Perpetuum mobile entsteht nur nicht, weil das System sich nicht selbst überlassen wird, weil die ganze Umgebung darauf wirkt. So können Sie zu der Anschauung vorrücken: In unserem uns gegebenen Raum ist fortwährend an den verschiedenen Punkten die Tendenz vorhanden zur Entstehung eines Perpetuum mobile. Aber sofort entsteht gegen diese Tendenz eine Gegentendenz. So daß wir sagen können: Wenn irgendwo die Tendenz entsteht, ein Perpetuum mobile zu bilden, so bildet sich in der Umgebung die Gegentendenz, die Entstehung des Perpetuum mobile zu verhindern. Wenn Sie die Denkweise so orientieren, dann modifizieren Sie die abstrakte Denkweise der modernen Physik des 19. Jahrhunderts ganz und gar. Die geht davon aus: Ein Perpetuum mobile ist unmöglich, daher — und so weiter. Wenn man in der Tatsachenwelt stehen bleibt, muß man sagen: Ein Perpetuum mobile will fortwährend entstehen. Nur die Konstitution des Weltenalls verhindert dies.
[ 11 ] I would like to say that it is obvious here that the solidification of the liquid is nature's attempt to achieve perpetual motion. The perpetual motion machine does not come into being only because the system is not left to its own devices, because the entire environment acts upon it. So you can advance to the view that in our given space there is a constant tendency at various points for a perpetual motion machine to come into being. But immediately a counter-tendency arises against this tendency. So we can say: whenever the tendency to form a perpetual motion machine arises somewhere, a counter-tendency forms in the environment to prevent the formation of the perpetual motion machine. If you orient your thinking in this way, you completely modify the abstract thinking of 19th-century modern physics. It assumes that a perpetual motion machine is impossible, therefore — and so on. If you remain in the world of facts, you have to say: a perpetual motion machine wants to arise continuously. Only the constitution of the universe prevents this.
[ 12 ] Und die Gestalt eines festen Körpers, was ist sie? Sie ist der Ausdruck des Kampfes. Dieses Bild, das sich im festen Körper bildet, das ist der Ausdruck des Kampfes zwischen der Substanz als Individualität, die ein Perpetuum mobile bilden will, und der Verhinderung der Bildung des Perpetuum mobile durch das ganze All, das relative All, in dem sich dieses Perpetuum mobile bilden will. Die Gestalt eines Körpers ist das Resultat der Verhinderung dieses Strebens, ein Perpetuum mobile zu werden, ich könnte auch sagen statt Perpetuum mobile, weil das vielleicht da oder dort besser gefallen würde, eine Monade, ein in sich selbst geschlossenes, seine eigenen Kräfte in sich tragendes und seine Form erzeugendes Körperwesen.
[ 12 ] And what is the form of a solid body? It is the expression of struggle. This image, which forms in the solid body, is the expression of the struggle between the substance as individuality, which wants to form a perpetual motion machine, and the prevention of the formation of the perpetual motion machine by the entire universe, the relative universe, in which this perpetual motion machine wants to form. The form of a body is the result of the prevention of this striving to become a perpetual motion machine. I could also say, instead of a perpetual motion machine, because that might be more appropriate here or there, a monad, a self-contained body that carries its own forces within itself and generates its own form.
[ 13 ] Wir kommen, und hier liegt ein entscheidender Punkt, geradezu dazu, umzukehren den ganzen Ausgangspunkt nicht der Physik, insofern sie Experimente liefert, die auf Tatsachen beruhen, sondern der ganzen physikalischen Denkweise des 19. Jahrhunderts. Sie arbeitete mit ungültigen Begriffen. Sie konnte nicht sehen, wie in der Natur doch das Streben überall vorlag nach dem, was sie für unmöglich hielt. Es war dieser Denkweise verhältnismäßig leicht, es für unmöglich zu erklären, aber es ist nicht aus dem abstrakten Grunde unmöglich, aus dem heraus die Physiker angenommen haben, das Perpetuum mobile sei unmöglich, sondern es ist deshalb unmöglich, weil in dem Augenblick, wo es entstehen soll an irgendeinem Körper, sogleich die Umgebung den Neid empfindet — wenn ich jetzt einen Ausdruck moralischer Art anwenden darf - und das Perpetuum mobile nicht entstehen läßt. Es ist aus einer Tatsachengrundlage, nicht aus einer logischen Grundlage heraus unmöglich. Sie können sich denken, wieviel Verkehrtheiten in einer Theorie stecken müssen, die abseits von der Wirklichkeit gerade ihre Grundpostulate aufstellt. Wenn man bei der Wirklichkeit stehen bleibt, kommt man eben nicht herum um dasjenige, was ich Ihnen gestern zunächst im Schema anführte. Wir werden dieses Schema in den nächsten Tagen noch weiter ausarbeiten.
[ 13 ] We come, and here lies a crucial point, to reverse the entire starting point, not of physics, insofar as it provides experiments based on facts, but of the entire physical way of thinking of the 19th century. It worked with invalid concepts. It could not see how, in nature, there was a universal striving toward what it considered impossible. It was relatively easy for this way of thinking declare it impossible, but it is not impossible for the abstract reason that physicists assumed perpetual motion to be impossible; rather, it is impossible because the moment it is supposed to arise in any body, the environment immediately feels envy—if I may use a moral expression here—and does not allow perpetual motion to arise. It is impossible on the basis of facts, not on the basis of logic. You can imagine how many contradictions there must be in a theory that establishes its basic postulates apart from reality. If one sticks to reality, one cannot avoid what I first presented to you yesterday in the diagram. We will continue to elaborate on this diagram in the coming days.
[ 14 ] Ich sagte Ihnen: Wir haben zunächst das Gebiet der festen Körper. Diese festen Körper sind diejenigen, welche in sich feste Gestalten zeigen. Wir haben gewissermaßen anstoßend an das Gebiet der festen Körper das Gebiet der Flüssigkeiten. Die Gestalten lösen sich auf, verschwinden, wenn der feste Körper in die Flüssigkeit übergeht. Wir haben den vollen Gegensatz zum Festen in dem Auseinanderstreben, in dem Die-Gestalt-Aufheben des gasförmigen Körpers: negative Gestalt. Wie aber äußert sich denn diese negative Gestalt? Sehen wir vorurteilslos auf gasige oder luftförmige Körper hin, betrachten wir sie zum Beispiel da, wo sich bei ihnen zeigt, wie wahrnehmbar werden kann dasjenige, was bei ihnen der Gestalt entspricht. Ich habe Sie gestern hingewiesen auf das Gebiet der Akustik, der Tonwelt. Sie wissen, im Gasigen beruht das Tönende in seinem Entstehen auf den Verdichtungen und Verdünnungen. Mit Verdichtung und Verdünnung haben wir es aber auch beim ganzen Gas zu tun, wenn wir die Temperatur ändern. Suchen wir also, indem wir die Flüssigkeit überspringen, dasjenige, was dem bestimmt Gestalteten des festen Körpers im Gase entspricht, so müssen wir es suchen bei der Verdichtung und Verdünnung. Im festen Körper haben wir die bestimmte Gestalt; im Gas haben wir Verdichtung und Verdünnung.
[ 14 ] I told you: First we have the realm of solid bodies. These solid bodies are those that have solid forms. Adjacent to the realm of solid bodies, so to speak, we have the realm of liquids. The forms dissolve and disappear when the solid body transitions into liquid. We have the complete opposite of the solid in the striving apart, in the dissolution of the shape of the gaseous body: negative shape. But how does this negative shape manifest itself? If we look at gaseous or airy bodies without prejudice, if we observe them, for example, where they show how perceptible that which corresponds to their shape can be. Yesterday I pointed you to the field of acoustics, the world of sound. You know that in gases, sound is produced by compressions and rarefactions. But we also deal with compression and rarefaction in the whole gas when we change the temperature. So if we skip over liquids and look for what corresponds to the definite form of solid bodies in gases, we must look for it in condensation and rarefaction. In solid bodies we have definite form; in gases we have condensation and rarefaction.


[ 15 ] Und kommen wir zu dem, was das an das Gas angrenzende Gebiet ist, das wie die Flüssigkeit an das Gebiet der festen Körper angrenzt — und wir wissen ja: Wie die festen Körper das Bild der Flüssigkeit geben, die Flüssigkeit das Bild der Gase in ihrer Gesamtheit, so die Gase das Bild der Wärme -, so haben wir uns das Gebiet der Wärme als das nächste vorzustellen. Als nächstes Gebiet werde ich mir zunächst ein x zu postulieren haben. Und wenn ich zunächst nur durch Analogie — wir werden sie verifizieren in den nächsten Betrachtungen — weiterzukommen versuche, so muß ich statt Verdichtung und Verdünnung etwas weiteres suchen in diesem x-Gebiet drinnen. Ich muß für Verdichtung und Verdünnung etwas Entsprechendes in dem x suchen (mit Überspringung der Wärme), wie ich hier (unten) auch das Flüssige übersprungen habe. Wenn Sie zuerst eine feste, geschlossene Gestalt haben, dann dazu kommen, daß beim Körper, der gasig ist, sich das Gestaltete nur noch im flüssig Gestalteten der Verdichtung und Verdünnung ausdrückt, und Sie denken sich gesteigert die Verdichtung und Verdünnung, was muß denn da werden? Solange Verdichtung und Verdünnung da ist, ist natürlich noch immer Materie da. Aber wenn Sie nun weiter verdünnen und immer weiter verdünnen, so kommen Sie ja zuletzt aus dem Gebiet des Materiellen heraus. Und Sie müssen als die weitere Fortsetzung, einfach indem Sie in dem Charakter des Ganzen bleiben, sagen: materiell werden — geistig werden. Sie kommen, indem Sie über das Gebiet der Wärme hinaufsteigen, in das x hinein; Sie kommen, einfach wenn Sie festhalten den Charakter, der da liegt im Übergang von der festen Gestalt in die flüssige Gestalt, vom Verdichten und Verdünnen in das Materiesein und Nicht-Materiesein hinein. Sie können nicht anders, als von Materiesein und Nicht-Materiesein zu sprechen. Das heißt: Wir kommen, indem wir durch das Gebiet der Wärme durchschreiten, tatsächlich in etwas hinein, was sich in gewissem Sinne als eine gerechte Fortsetzung erweist dessen, was wir in den unteren Gebieten beobachtet haben. Der feste Körper widerstrebt der Wärme, die Wärme wird mit ihm nicht recht fertig. Der flüssige Körper geht schon mehr auf die Intentionen der Wärme ein. Das Gas folgt ganz und gar den Intentionen der Wärme, es läßt mit sich machen, was die Wärme mit ihm machen will, es ist in seinen materiellen Vorgängen ganz und gar ein Bild des Wärmewesens selber. Ich kann sagen: Das Gas ist im wesentlichen in seinem eigenen substantiellen Verhalten dem Wärmewesen ähnlich. Der Ähnlichkeitsgrad der Materie mit der Wärme wird immer größer, je weiter ich vorschreite vom festen Körper durch den flüssigen Körper zum Gas. Das heißt: Flüssigwerden und Verdampfen der Materie bedeutet ein Ähnlichwerden der Materie mit der Wärme. Aber indem ich dann das Gebiet der Wärme überschreite, indem also die Materie gewissermaßen ganz der Wärme ähnlich wird, hebt sie sich selber auf. So stellt sich für mich die Wärme hinein zwischen zwei sehr stark voneinander verschiedene Gebiete, die essentiell verschieden sind: das Geistgebiet und das Materiegebiet. Zwischen drinnen steht das Wärmegebiet. Nur wird uns jetzt der Übergang in die Realität etwas schwierig, denn wir haben auf der einen Seite da hinaufzusteigen in das, wo es immer geistiger zu werden scheint, und auf der anderen Seite da hinunter, wo es scheint immer materieller zu werden. Und da geht es scheinbar in die Unendlichkeit hinauf, in die Unendlichkeit hinunter (siehe Pfeile im Schema).
[ 15 ] And now let us turn to the area adjacent to gas, which, like liquid, is adjacent to the area of solid bodies — and we know that just as solid bodies represent the image of liquids, liquids represent the image of gases in their entirety, and gases represent the image of heat — we must imagine the area of heat as the next one. As the next area, I will first have to postulate an x. And if I initially try to proceed only by analogy—we will verify this in the following considerations—then I must look for something else in this x area instead of compression and rarefaction. I must look for something corresponding to compression and rarefaction in x (skipping heat), just as I have skipped the liquid here (below). If you first have a solid, closed form, then come to the conclusion that in the case of a gaseous body, the form is only expressed in the liquid form of condensation and dilution, and you imagine increased condensation and dilution, what must happen? As long as there is condensation and dilution, there is of course still matter. But if you continue to dilute and dilute further and further, you will eventually leave the realm of the material. And you must say, as a further continuation, simply by remaining in the character of the whole: become material — become spiritual. By ascending above the realm of warmth, you enter into x; you enter, simply by holding fast to the character that lies in the transition from solid form to liquid form, from condensation and dilution into materiality and non-materiality. You cannot help but speak of materiality and non-materiality. That is to say: as we pass through the realm of warmth, we actually enter into something that, in a certain sense, proves to be a just continuation of what we have observed in the lower realms. The solid body resists warmth; warmth cannot quite cope with it. The liquid body is already more responsive to the intentions of heat. The gas follows the intentions of heat completely; it allows heat to do with it what it wants; in its material processes, it is completely a reflection of the nature of heat itself. I can say that gas is essentially similar to the heat entity in its own substantial behavior. The degree of similarity between matter and heat increases the further I proceed from the solid body through the liquid body to the gas. This means that the liquefaction and evaporation of matter signifies a becoming similar of matter to heat. But when I then cross over into the realm of heat, when matter becomes, so to speak, completely similar to heat, it cancels itself out. Thus, for me, heat stands between two very different realms that are essentially different: the realm of spirit and the realm of matter. Between them lies the realm of heat. However, the transition to reality is now somewhat difficult for us, because on the one hand we have to ascend to where it seems to become more and more spiritual, and on the other hand we have to descend to where it seems to become more and more material. And there it seems to ascend into infinity and descend into infinity (see arrows in the diagram).
[ 16 ] Aber nun bietet sich eine andere Analogie, die ich Ihnen heute noch hinzeichne aus dem Grunde, weil durch anschauliche Verfolgung der einzelnen Naturtatsachen sich in der Tat eine gesunde Naturwissenschaft entwickeln kann und es vielleicht nützlich sein kann, die Sache sich einmal durch die Seele ziehen zu lassen. Wenn Sie das Spektrum, wie es gewöhnlich entsteht, betrachten, so haben Sie Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo, Violett.
[ 16 ] But now another analogy presents itself, which I will outline to you today for the reason that, by vividly pursuing the individual facts of nature, a healthy natural science can indeed develop, and it may be useful to let the matter sink into the soul. If you look at the spectrum as it usually appears, you have red, orange, yellow, green, blue, indigo, and violet.


[ 17 ] Sie haben die Farbenreihe in ungefähr sieben Nuancen wie in einem Bande nebeneinander verlaufend. Aber Sie wissen ja auch, daß das Spektrum hier nicht ein Ende hat und auch hier nicht, daß wir hier (links), indem wir das Spektrum verfolgen, zu immer wärmeren und wärmeren Gebieten kommen und zuletzt ein Gebiet haben, wo nicht mehr Licht, wohl aber noch Wärme auftritt, das ultrarote Gebiet. Jenseits des Violett haben wir auch kein Licht mehr, wir bekommen das Ultraviolett, das nur noch chemische, das heißt also materielle Wirkungen entfaltet.
[ 17 ] You have the color series in about seven shades running side by side like in a band. But you also know that the spectrum does not end here, and also that here (on the left), as we follow the spectrum, we come to warmer and warmer areas and finally have an area where there is no more light, but still heat, the ultra-red area. Beyond violet, we also have no more light; we get ultraviolet, which only has chemical, i.e., material effects.


[ 18 ] Aber Sie wissen ja auf der anderen Seite, daß im Sinne der Goetheschen Farbenlehre diese Linie hier dadurch zu einem Kreis gemacht werden kann und man die Farben anders anordnen kann, daß man nun nicht bloß betrachtet das Verhalten des Lichtes, aus dem ein Spektrum sich bildet, sondern betrachtet die Dunkelheit, aus der ein Spektrum sich bildet, das dann in der Mitte nicht Grün, sondern Pfirsichblüte hat und von da ausgehend die anderen Farben. Ich bekomme, wenn ich die Dunkelheit betrachte, das negative Spektrum. Und stelle ich die beiden Spektren zusammen, so bekomme ich zwölf Farben, die sich genau unterscheiden lassen in einem Kreis: Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo, Violett. Hier wird das Violett immer mehr und mehr der Pfirsichblüte ähnlich, hier sind zwei Nuancen zwischen Pfirsichblüte und Violett, hier wiederum zwei Nuancen zwischen Pfirsichblüte und Rot, und Sie bekommen dann, wenn Sie die Gesamtheit dieser Farbennuancen verfolgen, gewissermaßen zwölf Farbenzustände, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf. Daraus können Sie ersehen, daß das, was man gewöhnlich als Spektrum schildert, auch dadurch entstanden gedacht werden kann, daß Sie sich denken, ich könnte durch irgend etwas diesen Farbenkreis hier entstehen lassen, und würde ihn immer größer und größer machen nach der einen Seite hin; dadurch würden mir diese oberen fünf Farben immer mehr und mehr hinausrücken, bis sie mir zuletzt entschwänden; die untere Biegung ginge nahezu in die Gerade über, und ich bekäme dann die gewöhnliche Spektrumfolge der Farben, indem mir nur die anderen fünf Farben nach der anderen Seite entschwunden sind.
[ 18 ] But you know, on the other hand, that in the sense of Goethe's theory of colors, this line here can be turned into a circle and the colors can be arranged differently, so that one no longer merely observes the behavior of the light from which a spectrum is formed, but observes the darkness from which a spectrum is formed, which then has peach blossom in the middle instead of green, and the other colors starting from there. When I look at the darkness, I get the negative spectrum. And if I put the two spectra together, I get twelve colors that can be precisely distinguished in a circle: red, orange, yellow, green, blue, indigo, violet. Here, the violet becomes more and more similar to peach blossom; here, there are two nuances between peach blossom and violet; here, again, two nuances between peach blossom and red; and then, if you follow the entirety of these color nuances, you get, so to speak, twelve color states, if I may use that expression. From this you can see that what is usually described as a spectrum can also be thought of as arising from the idea that I could create this color circle here through something, and would make it bigger and bigger on one side; as a result, these upper five colors would move further and further away until they finally disappeared; the lower curve would almost become a straight line, and I would then obtain the usual spectrum sequence of colors, with only the other five colors disappearing on the other side.
[ 19 ] Ich stellte jetzt zuletzt die Farben hin. Könnte es nicht auch da (Schema Seite 128) mit dem Gehen ins Unendliche so etwa der Fall sein, wie hier beim Spektrum? Daß ich nämlich etwas Besonderes herausbekäme, wenn ich nun suchte: Was wird, wenn das, was da (Schema) in die Unendlichkeit scheinbar fortgeht, sich zum Kreis rundet und da wiederum zurückkommt? Könnte es nicht so etwas geben wie eben eine Art von anderem Spektrum, das mir umfaßte auf der einen Seite den Zustand von über der Wärme bis hinunter zur Materie, das ich aber nach der anderen Seite hin auch so zum Schließen bringen kann wie hier das Farbenspektrum zur Pfirsichblüte-Farbe? Diesen Gedankengang wollen wir morgen weiter fortsetzen.
[ 19 ] I now placed the colors last. Couldn't it also be the case (diagram) with going into infinity, as it is here with the spectrum? Namely, that I would get something special if I now searched: What happens when what seems to go into infinity (diagram) rounds into a circle and comes back again? Could there be something like a different spectrum that encompasses, on the one hand, the state from above heat down to matter, but which I can also close on the other side, as here with the color spectrum to the color of peach blossoms? We will continue this train of thought tomorrow.
