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The Emergence of Natural Science
in World History
and its Subsequent Development
GA 326

3 January 1923, Dornach

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Achter Vortrag

Eighth Lecture

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, liebe Freunde, in fortdauernder Weise kommen Kundgebungen an des Verbundenseins und des Schmerzteilens. Ich werde mir erlauben, morgen oder übermorgen die betreffenden Kundgebungen hier mitzuteilen.

[ 1 ] Ladies and gentlemen, dear friends, messages of solidarity and sympathy continue to arrive. I will take the liberty of sharing those messages here tomorrow or the day after tomorrow.

[ 2 ] Ich habe versucht zu zeigen, wie einzelne Gebiete des naturwissenschaftlichen Denkens in der neueren Zeit entstehen. Ich möchte eine Ausführung einschalten, welche bestimmt sein soll, ein wenig zu beleuchten dasjenige, was sich da vollzogen hat in dieser Bildung naturwissenschaftlicher Anschauungen, weil man besser verstehen kann, um was es sich da eigentlich im Gesamtfortgange der Menschheitsentfaltung handelt, wenn man von einem gewissen Gesichtspunkte aus auf die Dinge Licht wirft. Man muß sich ja durchaus klar darüber sein, daß dasjenige, was in der äußeren Kultur und Zivilisation der Menschheit auftritt, innerlich, ich möchte sagen, wie von einer Art von Pulsschlag durchströmt ist, durchzuckt ist, einem Pulsschlag, der von tieferen Einsichten herrührt, die nicht gerade immer als solche Einsichten wirken müssen, die gelehrt werden, sondern die auf eine andere Weise tatsächlich der Entwickelung zugrunde liegen, auf eine Weise, die ich nun auch in den nächsten Tagen noch andeuten werde. Jetzt möchte ich nur sagen, daß man besser versteht, um was es sich nach dieser Richtung handelt, wenn man dasjenige zu Hilfe nimmt, was in bestimmten Zeiten Initiationswissenschaft war, Wissenschaft von den tieferen Grundlagen des Lebens und des Weltgeschehens.

[ 2 ] I have attempted to show how individual areas of scientific thought have emerged in modern times. I would like to insert a discussion intended to shed some light on what has taken place in the formation of scientific views, because one can better understand what is actually at stake in the overall course of human development when one sheds light on these matters from a certain perspective. One must be absolutely clear that what appears in the outer culture and civilization of humanity is, inwardly, I might say, is permeated by, or coursed through, a kind of pulse—a pulse that springs from deeper insights which do not necessarily always manifest as such, as insights that are taught, but which in fact underlie development in another way—a way that I will also hint at in the coming days. For now, I would simply like to say that one can better understand what is at stake in this regard by drawing on what, at certain times, was known as the science of initiation—the science of the deeper foundations of life and world events.

[ 3 ] Wir wissen, je weiter wir in der Menschheitsentwickelung zurückgehen, desto mehr treffen wir auf ein instinktives geisteswissenschaftliches Erkennen, auf instinktives hellsichtiges Anschauen desjenigen, was gewissermaßen hinter den Kulissen des Daseins vorgeht. Und wir wissen ferner, daß es in der Gegenwart möglich ist, zu einem tieferen Wissen zu kommen, weil, wenn ich mich populär ausdrücken will, seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts nach der Entwickelung der Hochflut materialistischer Anschauungen und materialistischer Empfindungen, die im 19. Jahrhundert eingetreten sind, sich einfach durch das Verhältnis der geistigen Welt zur physischen Welt die Möglichkeit ergeben hat, daß geistige Erkenntnisse unmittelbar wiederum aus der übersinnlichen Welt herausgeholt werden. Es ist möglich seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, die menschliche Erkenntnis so zu vertiefen, daß es dazu kommt, geistig in seinen Grundlagen dasjenige anzuschauen, was sich im äußeren Naturgeschehen abspielt.

[ 3 ] We know that the further back we go in human evolution, the more we encounter an instinctive spiritual-scientific understanding, an instinctive clairvoyant perception of what is happening, so to speak, behind the scenes of existence. And we also know that it is possible in the present to attain a deeper understanding because—to put it in layman’s terms— since the last third of the 19th century—following the flood of materialistic views and feelings that swept through the 19th century—the very relationship between the spiritual world and the physical world has made it possible to draw spiritual insights directly from the supersensible world once again. Since the last third of the 19th century, it has been possible to deepen human knowledge to such an extent that one can spiritually contemplate, at its very foundations, what takes place in the external natural world.

[ 4 ] So daß man etwa sagen kann: Eine ältere, instinktive Initiationswissenschaft macht einer exoterischen Menschheitszivilisation Platz, einer Zivilisation, in der von einem unmittelbaren Geistwissen wenig zu spüren ist in der Welt. Und dann kommt wiederum eine neue Morgenröte von Geistwissen, jetzt vollbewußtem, nicht mehr instinktivem Geisteswissen.

[ 4 ] So that one might say, for example: An older, instinctive science of initiation gives way to an exoteric human civilization—a civilization in which there is little trace of direct spiritual knowledge in the world. And then, in turn, a new dawn of spiritual knowledge breaks—this time fully conscious, no longer instinctive spiritual knowledge.

[ 5 ] Wir stehen im Anfange dieser Entwickelung eines neuen Geisteswissens. Es wird das aber in die Zukunft hinein sich weiter entfalten. Wenn man nun Einblicke hat in dasjenige, was der Mensch als seine Erkenntnis ansah während der Zeit der alten, instinktiven Initiationswissenschaft, dann ergibt sich einem auf dem Hintergrunde dieser Einsichten, daß bis zum Beginne des 14. Jahrhunderts in der zivilisierten Welt Ansichten vorhanden waren, die nicht unmittelbar zu vergleichen sind mit unseren heutigen Naturerkenntnissen, weil sie von ganz anderer Art waren, die andrerseits noch weniger zu vergleichen sind mit demjenigen, was etwa die heutige Wissenschaft Seelenkunde oder Psychologie nennt. Auch da muß man sagen, daß sie anderer Art war. Man hat sowohl das Geistig-Seelische des Menschen wie auch das Physisch-Natürliche in einer gewissen Weise in Vorstellungen gefaßt, die heute gar nicht mehr von den Menschen, die nicht ausdrücklich sich mit Initiationswissenschaft befassen, verstanden werden. Es war eine ganz andere Art, zu denken, zu empfinden.

[ 5 ] We are at the beginning of this development of a new spiritual knowledge. However, it will continue to unfold into the future. If one now gains insight into what human beings regarded as their knowledge during the time of the ancient, instinctive science of initiation, then, against the backdrop of these insights, it becomes clear that up until the beginning of the 14th century, views existed in the civilized world that cannot be directly compared to our present-day understanding of nature—because they were of an entirely different nature—and which, on the other hand, are even less comparable to what modern science calls the study of the soul or psychology. Here, too, one must say that it was of a different nature. Both the spiritual-psychic aspects of the human being and the physical-natural aspects were, in a certain way, conceptualized in terms that are no longer understood at all today by people who do not explicitly engage with the science of initiation. It was an entirely different way of thinking and feeling.

[ 6 ] Wenn wir nun mit dem, was alte Initiationswissenschaft war, diese auch durch die Geschichte teilweise wenigstens bekannten Einsichten des früheren Zeitalters vergleichen, so finden wir, trotz der mangelhaften Überlieferung, daß vorhanden waren tiefe Einsichten, tiefe Vorstellungen über den Menschen, über das Verhältnis des Menschen zur Welt und so weiter. Man läßt sich heute nicht gern darauf ein, etwa so etwas zu würdigen, wie das Werk über die Einteilung der Natur von Johannes Scotus Erigena im 9. Jahrhundert. Man läßt sich nicht darauf ein, weil man solch ein Werk nicht als ein historisches Denkmal nimmt aus einer Zeit, in der eben ganz anders gedacht wurde als heute, in der so gedacht wurde, wie man es gar nicht mehr versteht, wenn man solch ein Werk heute liest. Und wenn gewöhnliche Philosophen in ihrer Geschichtsschreibung solche Dinge darstellen, so hat man es eigentlich nur mit Worten zu tun. Ein Eingehen auf den eigentlichen Geist eines solchen Werkes, wie das von Johannes Scotus Erigena über die Einteilung der Natur, wobei Natur etwas ganz anderes bedeutet als das Wort Natur in der späteren Naturwissenschaft, ein Eingehen auf diesen Geist ist eigentlich nicht mehr da. Kann man bei geisteswissenschaftlicher Vertiefung doch darauf eingehen, so muß man sich merkwürdigerweise folgendes sagen: Dieser Scotus Erigena hat Ideen entwickelt, die auf einen den Eindruck machen, daß sie außerordentlich tief hineingehen in das Wesen der Welt, aber er hat diese Ideen ganz zweifellos in einer nicht zulänglichen, nicht eindringlichen Form in seinem Werke dargestellt. Wenn man sich nicht der Gefahr aussetzen würde, gegenüber einem immerhin überragenden Werke der Menschheitsentwickelung respektlos zu sprechen, so würde man im Grunde eigentlich sagen müssen, daß schon Johannes Scotus Erigena selbst nicht mehr völlig gewußt hat, was er schreibt. Man sieht das seiner Darstellung an. Für ihn selber waren, wenn auch nicht in dem Grade, wie es für die heutigen Geschichtsschreiber der Philosophie der Fall ist, doch schon die Worte, die er aus der Tradition entnommen hat, mehr oder weniger nur Worte, deren tiefen Inhalt er selber nicht mehr einsah. Man ist eigentlich immer mehr genötigt, wenn man diese Dinge liest, in der Geschichte zurückzugehen. Und von Scotus Erigena wird man ja, das ist leicht ersichtlich aus seinen Schriften, unmittelbar geführt auf die Schriften des sogenannten Pseudo-Dionysius des Areopagiten. Ich will jetzt auf dieses Entwickelungsproblem nicht eingehen, wann der gelebt hat und so weiter. Und von diesem Dionysius dem Areopagiten wird man wiederum weiter zurückgeführt. Da muß man dann schon wirklich ausgerüstet mit Geisteswissenschaft weiterforschen, und man kommt endlich etwa, wenn man in das 2., 3. Jahrtausend vorchristlicher Zeit zurückgeht, zu tiefen Einsichten, die eben der Menschheit verlorengegangen sind, die eben nur in einem schwachen Nachklange vorhanden sind in solchen Schriften wie denen von Johannes Scotus Erigena.

[ 6 ] If we now compare what was once the science of initiation with the insights of earlier times—some of which are at least partially known to us through history—we find, despite the fragmentary nature of the tradition, that there were profound insights and deep conceptions regarding human beings, their relationship to the world, and so on. People today are reluctant to acknowledge the value of, for example, the 9th-century work by Johannes Scotus Erigena on the classification of nature. They are reluctant to do so because they do not regard such a work as a historical monument from a time when people thought very differently from today—a time when people thought in ways that are no longer comprehensible when reading such a work today. And when ordinary philosophers present such things in their historical writings, one is really dealing only with words. A genuine engagement with the actual spirit of such a work—such as Johannes Scotus Erigena’s treatise on the classification of nature, in which “nature” means something entirely different from the word “nature” in later natural science—such an engagement with this spirit is, in fact, no longer present. If, however, one were to delve into this through the humanities, one would, strangely enough, have to admit the following: Scotus Erigena developed ideas that give the impression of delving extraordinarily deeply into the essence of the world, but he undoubtedly presented these ideas in his work in an inadequate, non-penetrating form. If one were not to run the risk of speaking disrespectfully of a work that is, after all, a towering achievement in human development, one would essentially have to say that even Johannes Scotus Erigena himself no longer fully understood what he was writing. This is evident from his exposition. For him, even if not to the same degree as is the case for today’s historians of philosophy, the words he drew from tradition were, to a greater or lesser extent, merely words whose deeper meaning he himself no longer grasped. In fact, when reading these works, one feels increasingly compelled to go back in history. And from Scotus Erigena—as is readily apparent from his writings—one is led directly to the writings of the so-called Pseudo-Dionysius the Areopagite. I do not wish to go into this issue of historical development now—when he lived and so on. And from this Dionysius the Areopagite, one is in turn led even further back. At that point, one really must continue researching, equipped with spiritual science, and finally—when one goes back to the 2nd or 3rd millennium B.C.—one arrives at profound insights that have been lost to humanity, insights that exist only as a faint echo in writings such as those of Johannes Scotus Erigena.

[ 7 ] Aber auch noch wenn wir uns richtig vertiefen können in die Werke selbst der Scholastiker, dann werden wir finden, daß hinter der unglaublich pedantisch-schulmäßig zugerichteten Darstellung tiefe Ideen liegen über die Art, wie der Mensch die äußere Welt, die ihm entgegentritt, auffaßt; wie in diesem Auffassen auf der einen Seite lebt das Übersinnliche, auf der anderen Seite lebt das Sinnliche und so weiter. Und wenn man die fortlaufende Tradition nimmt, die sich auf Aristoteles wiederum begründet, der in einer logisch-pedantischen Weise ein altes Wissen, das ihm überliefert war, selbst wieder zusammengefaßt hat, so stößt man auf dasselbe: Tiefe Einsichten, die einmal in alten Zeiten gut verstanden worden sind, die ins Mittelalter hineinreichen, die wiederholt werden in den aufeinanderfolgenden Zeitepochen und die immer weniger verstanden werden. Das ist das Charakteristische dann. Und im 13., 14. Jahrhundert verschwindet dann das Verständnis fast vollständig, und es tritt ein ganz neuer Geist auf, eben der kopernikanisch-galileische Geist, den ich Ihnen ja in den letzten Vorträgen seinem Wesen nach zu charakterisieren versuchte.

[ 7 ] But even if we are able to delve deeply into the works of the Scholastics themselves, we will find that behind the incredibly pedantic, academic presentation lie profound ideas about the way in which human beings perceive the external world that confronts them; how, in this perception, the supersensible lives on the one hand, the sensible on the other, and so on. And if one considers the continuous tradition that is in turn grounded in Aristotle—who himself, in a logical and pedantic manner, summarized ancient knowledge that had been handed down to him—one encounters the same thing: Profound insights that were once well understood in ancient times, extending into the Middle Ages, are repeated in successive historical epochs yet are understood less and less. That is the defining characteristic. And in the 13th and 14th centuries, this understanding then disappears almost entirely, and a completely new spirit emerges—namely, the Copernican-Galilean spirit, the essence of which I have attempted to characterize for you in my recent lectures.

[ 8 ] Überall, wo man solche Nachforschungen, deren Geist ich eben jetzt angedeutet habe, anstellt, findet man, daß dieses alte Wissen, das so von Epoche zu Epoche, immer weniger verstanden, fortgepflanzt wird bis ins 14. Jahrhundert herein, daß dieses alte Wissen im wesentlichen bestand in einem innerlichen Erleben desjenigen, was im Menschen selbst vor sich geht, also in dem Erleben — es wird das sehr verständlich sein nach den Auseinandersetzungen der letzten Tage — des MathematischMechanischen beim menschlichen Sich-Bewegen, in dem Erleben eines gewissen Chemischen, wie wir heute sagen würden, bei der inneren Säftebewegung des Menschen, die vom ätherischen Leib durchzogen ist. So daß wir wirklich das Schema, das ich Ihnen gestern auf die Tafel geschrieben habe (siehe S. 109), auch gewissermaßen geschichtlich betrachten können. Wir können es nämlich so betrachten: Sehen wir heute wiederum mit unserer Initiationswissenschaft das Wesen des Menschen an, so haben wir den physischen Leib, den ätherischen Leib oder Bildekräfteleib, den astralischen Leib — das innerlich Seelische — und die Ich-Organisation. Ich habe nun schon gestern gesagt, es bestand eben, als aus der alten Initiationswissenschaft hervorgehend, ein innerliches Erleben des physischen Leibes, ein innerliches Erleben desjenigen, was Bewegung ist, ein innerliches Erleben der Dimensionalität des Raumes, Erleben aber auch von anderen physisch-mechanischen Vorgängen, und wir können dieses innerliche Erleben das Erleben des Physikalischen im Menschen nennen. Zugleich ist dieses Erleben des Physikalischen im Menschen eben das Erkennen von physikalisch-mechanischen Gesetzen: eine Physik des menschlichen Wesens nach dem physischen Leibe hin gab es. Niemandem wäre es eingefallen damals, Physik anders zu suchen als durch das Erleben im Menschen. Im galilei-kopernikanischen Zeitalter wird nun mit der Mathematik zugleich, die ja dann auf die Physik angewendet wird, dasjenige, was so innerlich erlebt wird, herausgeworfen aus dem Menschen und nur noch abstrakt erfaßt. So daß wir also sagen können: Die Physik rückt aus dem Menschen heraus, während sie vorher im Menschen selbst beschlossen war.

[ 8 ] Wherever one undertakes such research—the spirit of which I have just outlined—one finds that this ancient knowledge, which was passed down from epoch to epoch, becoming less and less understood as it reached the 14th century, essentially consisted of an inner experience of what takes place within the human being, that is, in the experience—and this will be very understandable in light of the discussions of the past few days—of the mathematical-mechanical aspect of human movement, in the experience of a certain chemical process, as we would say today, in the inner flow of humors within the human being, which is permeated by the etheric body. So we can indeed view the diagram I wrote on the board for you yesterday (see p. 109) from a historical perspective, so to speak. For we can view it this way: If we look again today at the nature of the human being through our initiatory science, we have the physical body, the etheric body or body of formative forces, the astral body—the inner soul—and the ego organization. As I mentioned yesterday, there was—arising from the old science of initiation—an inner experience of the physical body, an inner experience of what constitutes movement, an inner experience of the dimensionality of space, as well as an experience of other physical-mechanical processes; and we can call this inner experience the experience of the physical in the human being. At the same time, this experience of the physical in the human being is precisely the recognition of physical-mechanical laws: there was a physics of the human being oriented toward the physical body. It would never have occurred to anyone at that time to seek physics in any way other than through experience within the human being. In the Galilean-Copernican era, however, with the advent of mathematics—which is then applied to physics—that which is experienced so inwardly is cast out of the human being and grasped only in the abstract. Thus, we can say: Physics moves out of the human being, whereas previously it was contained within the human being itself.

[ 9 ] Einen ganz ähnlichen Prozeß erlebte man mit dem, was innerlich im Menschen erfahren wurde als Säftevorgänge, Vorgänge der wässerigen, der flüssigen Bestandteile des menschlichen Organismus. Ich wies gestern auf Galen in den ersten christlichen Jahrhunderten hin, der den Menschen innerlich so beschrieb, daß er sagte: Im Menschen lebt «schwarze Galle», die in den Säfteströmen zirkuliert, «Blut», «Schleim» und die gewöhnliche Galle, die «weiße» oder «gelbe Galle». Durch das Ineinanderströmen, durch das sich gegenseitige Beeinflussen dieser Säfteströmungen entwickelt sich das menschliche Wesen in der physischen Welt. Aber dasjenige, was da Galen behauptete, das hatte er nicht durch Methoden, die unseren heutigen physiologischen Methoden ähnlich sind, sondern das beruhte im wesentlichen noch auf innerem Erleben. Galen hatte es zwar auch schon traditionell. Aber was er traditionell hatte, was er einfach der Überlieferung entnahm, das erlebte man einstmals innerlich im flüssigen Teile des menschlichen Organismus, der vom ätherischen oder Bildekräfteleib durchzogen ist.

[ 9 ] A very similar process was observed in what was experienced internally in human beings as humoral processes—processes involving the aqueous, liquid components of the human organism. Yesterday I referred to Galen in the early Christian centuries, who described the human being internally by saying: Within the human being lives “black bile,” which circulates in the humoral streams, “blood,” “phlegm,” and the ordinary bile, the “white” or “yellow bile.” Through the intermingling and mutual influence of these humoral currents, the human being develops in the physical world. But what Galen asserted was not based on methods similar to our modern physiological methods; rather, it was essentially grounded in inner experience. Galen, of course, had also inherited this knowledge through tradition. But what he had received through tradition—what he simply drew from tradition—was once experienced inwardly in the fluid part of the human organism, which is permeated by the etheric or formative body.

[ 10 ] Aus dieser Tatsache heraus schilderte ich auch im Beginne meiner «Rätsel der Philosophie» die griechischen Philosophen nicht so, wie man sie gewöhnlich schildert. Wenn Sie in den gewöhnlichen Geschichten der Philosophie nachlesen, so finden Sie ja überall die Sache so verzeichnet: Thales dachte nach über den Ursprung desjenigen, was in der Sinneswelt ist, und er suchte den Ursprung, den Ausgangspunkt für alles im Wasser. Heraklit suchte den Ausgangspunkt im Feuer, andere in der Luft, andere im Festen, zum Beispiel in einer Art von Atomen und so weiter. Daß so etwas gesagt werden kann, ohne daß man sich Rechenschaft darüber gibt, daß es im Grunde unerklärlich ist, warum der Thales gerade das Wasser, der Heraklit das Feuer als den Ursprung der Dinge erklärte, das fällt ja heute den Menschen nicht weiter auf. Sie brauchen nur nachzulesen in meinem Buche «Die Rätsel der Philosophie» und Sie werden sehen, wie einfach die Ansicht des Thales, die sich ausdrückte in dem Satze: Alles ist aus dem Wasser entsprungen —, auf einem inneren Erlebnis beruhte. Er fühlte die Tätigkeit dessen, was man dazumal eben das Wässerige nannte, und mit dieser innerlichen Tätigkeit fühlte er verwandt dasjenige, was dem äußeren Naturvorgang zugrunde liegt, und er schilderte also aus inneren Erlebnissen heraus das Äußere. Ebenso Heraklit, der, möchte ich sagen, von anderem Temperament war. Thales war, wie wir heute sagen würden, eben Phlegmatiker, der in dem innerlichen «Wasser» oder «Schleim» lebte. Er schilderte also die Welt als ein Phlegmatiker: Alles ist aus dem Wasser entsprungen. — Heraklit war der Choleriker, der das innerliche «Feuer» erlebte. Er schilderte die Welt so, wie er sie erlebte. Und daneben gab es, nicht mehr verzeichnet heute in der äußeren Überlieferung, noch eindringlichere Geister. Die wußten noch mehr über die Dinge. Dasjenige, was sie wußten, ging dann weiter und war als Überlieferung vorhanden in den ersten christlichen Jahrhunderten, so daß Galen eben von seinen vier Bestandteilen des inneren Säftewesens des Menschen sprechen konnte.

[ 10 ] Based on this fact, I also described the Greek philosophers at the beginning of my *Riddles of Philosophy* in a way that differs from how they are usually portrayed. If you read the standard histories of philosophy, you will find this account everywhere: Thales reflected on the origin of what exists in the sensory world, and he sought the origin, the starting point for everything, in water. Heraclitus sought the starting point in fire, others in air, others in the solid, for example, in a kind of atom, and so on. The fact that such things can be said without giving any thought to the fact that it is, in essence, inexplicable why Thales specifically declared water, and Heraclitus fire, to be the origin of things—this does not strike people as odd today. You need only read my book *The Riddles of Philosophy* and you will see how simply Thales’s view—expressed in the sentence: “Everything has sprung from water”—was based on an inner experience. He sensed the activity of what was simply called “the watery” in those days, and he felt that this inner activity was akin to that which underlies external natural processes; thus, he described the external world based on his inner experiences. The same was true of Heraclitus, who, I would say, had a different temperament. Thales was, as we would say today, a phlegmatic who lived in the inner “water” or “phlegm.” He thus described the world as a phlegmatic would: “Everything has sprung from water.” — Heraclitus was the choleric who experienced the inner “fire.” He described the world as he experienced it. And alongside them there were even more penetrating minds, no longer recorded in the external tradition today. They knew even more about these things. What they knew was then passed on and existed as tradition in the early Christian centuries, so that Galen was able to speak of his four constituents of the human internal humoral system.

[ 11 ] Das, was man da wußte über das innere Säftewesen, wie diese vier Gattungen von Säften: gelbe Galle, schwarze Galle, Blut und Schleim ineinandergehen, sich mischen — was man heute für eine Kinderei ansieht, nun, das ist ja begreiflich —, das ist eigentlich dasjenige, was innere menschliche Chemie ist. Eine andere Chemie gab es eben damals nicht. Denn dasjenige, was man äußerlich als Erscheinungen ansah, die heute in das Gebiet der Chemie gehören, das beurteilte man nach diesen inneren Erlebnissen, so daß wir von einer inneren Chemie reden können, die auf Erlebnissen des vom Ätherleib durchzogenen Säftemenschen, wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf, beruht. Und so haben wir in der älteren Zeit diese Chemie an den Menschen gebunden. Sie tritt später heraus, ebenso wie die Mathematik und wie die Physik, und wird äußerliche Chemie (siehe Schema). Denken Sie nur einmal, wie diese Physik und diese Chemie der älteren Zeiten von den Menschen empfunden worden sind! Sie sind empfunden worden als etwas, was gewissermaßen ein Stück von ihnen selbst war, nicht als etwas, was bloß Beschreibung einer äußeren Natur mit ihren Vorgängen ist. Das war das Wesentliche. Es war erlebte Physik, erlebte Chemie. In einer solchen Zeit, in der man die äußere Natur in seinem physischen, in seinem Ätherleib fühlte, erlebte man auch dasjenige, was im astralischen Leibe ist und was in der Ich-Organisation ist, anders als später. Wir haben heute eine Psychologie. Aber diese Psychologie, sie ist — man sollte sich es gestehen, aber man tut es nicht —, sie ist tatsächlich ein Inventar von lauter Abstraktionen. Denken, Fühlen, Wollen finden Sie da drinnen wie auch Gedächtnis, Phantasie und so weiter eigentlich nur als Abstraktionen angeführt. Das entstand allmählich aus dem, was man da nun als seinen eigenen Seeleninhalt noch gelten ließ. Die Chemie und die Physik hatte man herausgeworfen, Denken, Fühlen und Wollen, das warf man nicht heraus, das behielt man, aber es verdünnte sich allmählich so, daß es eigentlich nur noch ein Inventar wurde von den wesenlosesten Abstraktionen. Das läßt sich auf die leichteste Weise beweisen, daß das wesenlose Abstraktionen wurden. Denn, nehmen wir zum Beispiel die Leute, die etwa im 15., 16. Jahrhundert noch vom Denken, Wollen sprachen. So wie sie sprachen — bitte, nehmen Sie ältere Schriften über diese Dinge —, hat das alles noch den Charakter des Konkreteren. Man hat das Gefühl, wenn so ein Mensch über das Denken redet, dann redet er noch so, als ob dieses Denken wirklich noch eine Summe von inneren Vorgängen in ihm wäre, als ob die Gedanken sich stoßen würden, sich tragen würden. Es ist auch noch ein Erleben von Gedanken. Die Sache ist noch nicht so abstrakt, wie sie später geworden ist. Später ist sie so etwas geworden, daß dann, als das 19. Jahrhundert gekommen ist und das Ende des 19. Jahrhunderts, es den Philosophen leicht geworden war, diesen Abstraktionen überhaupt alle Realität abzusprechen und nur noch davon zu sprechen, daß es innere Spiegelbilder seien und so weiter, was ja in besonders geistreicher Weise eben der öfter angeführte Richard Wahle gemacht hat, der nun das Ich, das Denken, Fühlen und Wollen nur noch für Illusionen erklärt. Aus Abstraktionen werden sie dann Illusionen, die inneren Seeleninhalte.

[ 11 ] What people knew back then about the inner nature of the humors—how these four types of humors: yellow bile, black bile, blood, and phlegm—interact and mix—which we today regard as child’s play, well, that’s understandable—is actually what constitutes inner human chemistry. There simply was no other chemistry back then. For what was viewed externally as phenomena that today belong to the realm of chemistry was judged according to these inner experiences, so that we can speak of an inner chemistry based on the experiences of the “humoral man”—if I may use that expression—permeated by the etheric body. And so, in earlier times, we linked this chemistry to the human being. Later, it emerged—just as mathematics and physics did—and became external chemistry (see diagram). Just think for a moment how the physics and chemistry of earlier times were experienced by people! They were experienced as something that was, in a sense, a part of themselves, not merely a description of external nature and its processes. That was the essential point. It was experienced physics, experienced chemistry. In such a time, when people felt external nature in their physical body, in their etheric body, they also experienced what is in the astral body and what is in the “I”-organization differently than they did later. Today we have psychology. But this psychology—one should admit it, though one does not—is in fact a collection of nothing but abstractions. Thinking, feeling, and willing, as well as memory, imagination, and so on, are actually listed there only as abstractions. This arose gradually from what one still regarded as the content of one’s own soul. Chemistry and physics had been cast aside; thinking, feeling, and willing—these were not cast aside; they were retained, but they gradually became so diluted that they essentially became nothing more than a collection of the most insubstantial abstractions. The easiest way to prove that these became insubstantial abstractions is as follows: Take, for example, the people who, as late as the 15th and 16th centuries, still spoke of thinking and willing. The way they spoke—please consult older writings on these subjects—all of this still has the character of something concrete. One gets the feeling that when such a person speaks of thinking, they still speak as if this thinking were truly a sum of inner processes within them, as if thoughts were colliding and carrying one another. It is still an experience of thoughts. The matter was not yet as abstract as it later became. Later, it developed to such an extent that, by the time the 19th century arrived and toward the end of the 19th century, it had become easy for philosophers to deny any reality to these abstractions altogether and to speak of them only as inner mirror images and so on—which, in a particularly witty manner, was precisely what the often-cited Richard Wahle did, who now explains the “I,” thinking, feeling, and willing as nothing more than illusions. Abstractions then become illusions—the inner contents of the soul.

[ 12 ] Eben in derjenigen Zeit, in der der Mensch sein Gehen als einen Vorgang gefühlt hat, der sich mit ihm und der Welt zugleich abspielt, in der er seine Säftebewegung gespürt hat, so daß er wußte, wenn er sich, sagen wir, im heißen Sonnenscheine bewegt, also äußere Wirkungen da sind, so bewegen sich Blut und Schleim in ihm anders, als im kalten Winter. Er erlebte die Blut-Schleimbewegungen in sich, aber er erlebte sie zusammen mit dem Sonnenschein oder mit der Abwesenheit des Sonnenscheins. So wie er ja das Physische und Chemische mit der Welt zusammen erlebte, so erlebte er auch Denken, Fühlen, Wollen mit der Welt zusammen. Er versetzte sie nicht bloß in sein Inneres in der Art wie spätere Zeiten, wo sie allmählich zu vollständigen Abstraktionen verdufteten, sondern in dem Erfahren dessen, was da vor sich geht im Menschen, und jetzt nicht in dem, was Säftebewegung ist, oder was physische Bewegungen, physische Kräfteentfaltungen sind, sondern in dem, was der astralischen Wesenheit des Menschen, dem Seelischen angehört, in diesem Erleben war das enthalten, was für die damalige Zeit Gegenstand einer Psychologie war (siehe Schema $.120).

[ 12 ] Precisely at the time when human beings perceived their walking as a process taking place simultaneously within themselves and in the world, when they sensed the movement of their bodily fluids—so that they knew that when they moved, say, in the hot sunshine—that is, when external influences were present—their blood and phlegm moved differently within them than they did in the cold of winter. He experienced the movements of blood and phlegm within himself, but he experienced them together with the sunshine or the absence of sunshine. Just as he experienced the physical and chemical aspects together with the world, so too did he experience thinking, feeling, and willing together with the world. He did not merely internalize them in the manner of later times, when they gradually evaporated into complete abstractions, but rather through the experience of what is taking place within the human being, and not in the movement of bodily fluids, or in physical movements and the unfolding of physical forces, but in what belongs to the human being’s astral nature—the soul—this experience encompassed what was the subject matter of psychology at that time (see Diagram $.120).

[ 13 ] Die wurde nun ganz an den Menschen gebunden. Mit dem heraufkommenden naturwissenschaftlichen Zeitalter stieß also der Mensch die Physik hinaus in die Welt, die Chemie hinaus in die Welt; die Psychologie stieß er in sich selber hinein. Man kann diesen Prozeß bei Baco von Verulam, bei John Locke namentlich verfolgen. Alles dasjenige, was erfahren wird als Seeleninhalt an der Außenwelt: Ton, Farbe, Wärmequalität, wird hineingestoßen in den Menschen.

[ 13 ] It was now bound entirely to human beings. With the dawn of the age of natural science, human beings thus projected physics out into the world, chemistry out into the world; psychology, however, they projected inward into themselves. One can trace this process particularly in the works of Bacon of Verulam and John Locke. Everything that is experienced as the content of the soul in relation to the external world—sound, color, and thermal qualities—is thrust into the human being.

[ 14 ] Noch mehr spielt sich dieser Prozeß ab in bezug auf die Ich-Organisation. Die Ich-Organisation wurde allmählich wirklich ein recht dünnes Erlebnis. So, wie man da in sich hineinschaut, ist das Ich allmählich etwas Punktartiges geworden. Daher es wiederum für die Philosophen sehr leicht geworden ist, es wegzudisputieren. Nicht das Ich-Bewußtsein, aber das Erlebnis des Ich war für ältere Zeiten ein Inhaltserfülltes, Vollwirkliches. Und das Erleben des Ich drückte sich aus in dem, was nun eine Wissenschaft war, höher als die Psychologie, eine Wissenschaft, die man Pneumatologie nennen kann. Auch diese nahm der Mensch in späteren Zeiten in sich herein und verdünnte sie zu seiner wirklich recht dünnen Ich-Empfindung (siehe Schema S.120).

[ 14 ] This process plays out even more in relation to the organization of the self. The organization of the “I” gradually became a rather tenuous experience. As one looks within oneself, the “I” has gradually become something like a point. Consequently, it has in turn become very easy for philosophers to argue it away. Not “I”-consciousness, but the experience of the “I” was, in earlier times, something rich in content and fully real. And the experience of the “I” found expression in what was then a science higher than psychology—a science that might be called pneumatology. In later times, humanity also internalized this and diluted it into its truly rather tenuous sense of the “I” (see diagram, p. 120).

[ 15 ] Wenn der Mensch das Innenerlebnis seines physischen Leibes hatte, hatte er das Physikerlebnis, er hatte zu gleicher Zeit dasjenige, was in der äußeren Natur als gleichartig mit den Vorgängen in seinem physischen Leibe vor sich geht. Und so ähnlich ist es mit dem Ätherleib. Bei diesem wurde nun nicht nur das Ätherische, sondern auch die physische Säftewelt, aber beherrscht von dem Ätherischen, innerlich erlebt. Was wird denn erlebt innerlich, indem der Mensch das Psychologische wahrnimmt, indem er die Vorgänge seines astralischen Leibes erlebt? Da wird innerlich erlebt dasjenige, was, wenn ich mich so ausdrücken darf, der Luftmensch ist. Wir sind ja nicht nur feste organische Gebilde, säftehaltige organische Gebilde, also wässerige Gebilde, sondern wir sind ja fortwährend auch innerlich gasig-luftig. Wir atmen die Luft ein, atmen sie wieder aus. In innigem Vereine mit der innerlichen Luftverarbeitung erlebte der Mensch den Inhalt der Psychologie. Daher war sie konkreter. Als man das Lufterlebnis herausgeworfen hatte, dasjenige, was man auch äußerlich verfolgen kann, herausgeworfen hatte aus dem Denkinhalte, da wurde der Denkinhalt eben immer mehr abstrakt, bloßer Gedanke. Denken Sie, wie der indische Philosoph in seinen Übungen gestrebt hat, sich so recht bewußt zu werden, daß im Atmen, im Atmungsprozeß etwas Verwandtes mit dem Denkprozeß vor sich ging. Er machte einen geregelten Atmungsprozef, um in seinem Denken vorwärtszukommen. Er wußte, Denken, Fühlen, Wollen ist etwas, was nicht solch luftiges Zeug ist, wie wir es heute anschauen, sondern was immerhin mit der äußeren Natur und namentlich mit der inneren Natur nach dem Atmen hin zusammenhing, was also zusammenhing mit der Luft. Kann man also sagen: Das Physikalische, das Chemische warf der Mensch aus seiner Organisation heraus, so kann man auch sagen: Das Psychologische sog er ein, aber er warf das äußere Element, nämlich das Luft-Atemerlebnis heraus. Aus dem Physischen und Chemischen warf er sich selber heraus und beobachtete nur mehr als Physik und Chemie die äußere Welt; aus dem Psychologischen warf er die äußere Welt, die Luft heraus, und ebenso warf er aus dem Pneumatologischen das Wärmehafte heraus. Dadurch wurde es zu der Dünnheit des Ichs gemacht.

[ 15 ] When a person had the inner experience of his physical body, he had the physical experience; at the same time, he experienced what was taking place in the external natural world in a manner analogous to the processes occurring within his physical body. And it is similarly the case with the etheric body. In this case, not only the etheric but also the physical world of fluids—though dominated by the etheric—was experienced inwardly. What, then, is experienced inwardly when a person perceives the psychological, when they experience the processes of their astral body? What is experienced inwardly is what, if I may put it this way, constitutes the “air-human.” After all, we are not merely solid organic structures—sap-filled organic structures, that is, watery structures—but we are also constantly gaseous and airy on the inside. We inhale the air and exhale it again. In intimate union with this inner processing of air, human beings experienced the substance of psychology. That is why it was more concrete. Once the experience of air—that which can also be observed externally—was cast out of the content of thought, that content became increasingly abstract, a mere thought. Consider how the Indian philosopher strove in his exercises to become truly aware that in breathing—in the process of breathing—something akin to the thought process was taking place. He practiced a regulated breathing process in order to make progress in his thinking. He knew that thinking, feeling, and willing are not merely “airy-fairy” matters, as we view them today, but are, after all, connected to external nature and, in particular, to inner nature as it relates to breathing—that is, connected to the air. So if one can say that human beings cast the physical and the chemical out of their organization, one can also say that they drew in the psychological—but they cast out the external element, namely the experience of breathing air. He cast himself out of the physical and chemical realms and observed the external world solely as physics and chemistry; from the psychological realm, he cast out the external world—the air—and likewise, from the pneumatological realm, he cast out the warmth. This is what made the “I” so thin.

[ 16 ] Also wenn ich dies, physischen Leib und Ätherleib, den unteren Menschen nenne (siehe Schema S.120), astralischen Leib und Ich-Organisation den oberen Menschen nenne, so kann ich sagen: Die geschichtliche Entwickelung beim Übergange von einem älteren Zeitalter zu dem naturwissenschaftlichen zeigt, daß der Mensch das Physische, das Chemische aus sich herauswarf und in seine physischen und chemischen Begriffe nur mehr die äußere Natur aufnahm. In der Psychologie und Pneumatologie entwickelte der Mensch Vorstellungen, aus denen er die äußere Natur herauswarf und nur noch das erlebte, was noch davon im Inneren in seinen Vorstellungen übrig blieb. In der Psychologie blieb ihm so viel übrig, daß er wenigstens noch Worte hatte für Seeleninhalte. Für das Ich blieb ihm so wenig übrig, daß die Pneumatologie, teilweise vorbereitet allerdings durch die Dogmatik, aber auch sonst vollständig verschwand. Es schrumpfte alles zu dem Punkte des Ich zusammen.

[ 16 ] So when I refer to the physical body and the etheric body as the “lower human being” (see diagram, p. 120), and to the astral body and the “I-organization” as the “upper human being,” I can say: Historical development during the transition from an earlier age to the age of natural science shows that human beings cast out the physical and the chemical from within themselves and incorporated only external nature into their physical and chemical concepts. In psychology and pneumatology, human beings developed concepts from which they cast out external nature and experienced only what remained of it within their inner concepts. In psychology, so much remained that they at least still had words for the contents of the soul. So little remained for the “I” that pneumatology—though partly prepared for by dogmatics—disappeared entirely. Everything shrank down to the point of the “I.”

[ 17 ] Das trat an Stelle desjenigen, was einst rein einheitlich erlebt worden ist, wenn man sagte: Man hat vier Elemente, Erde, Wasser, Luft, Feuer; die Erde erlebt man in sich selber, wenn man den physischen Leib erlebt; das Wasser erlebt man in sich selber, wenn man den Ätherleib erlebt als Säftebeweger und Säftemischer und Entmischer; die Luft erlebt man, wenn man den astralischen Leib erlebt in Denken, Fühlen und Wollen, denn das Denken, Fühlen und Wollen erlebte man als wogend auf dem innerlichen Atmungsvorgang; und die Wärme oder das Feuer, wie man es damals nannte, erlebte man in der IchEmpfindung.

[ 17 ] This took the place of what was once experienced as purely unified, when one said: There are four elements: earth, water, air, and fire; one experiences earth within oneself when one experiences the physical body; one experiences water within oneself when one experiences the etheric body as the mover, mixer, and separator of life forces; one experiences air when one experiences the astral body in thinking, feeling, and willing, for thinking, feeling, and willing were experienced as undulating upon the inner breathing process; and warmth, or fire, as it was called at the time, was experienced in the sense of the “I.”

[ 18 ] So können wir also sagen: In einer Umwandelung des ganzen Verhältnisses des Menschen zu sich selber entwickelte sich die naturwissenschaftliche Anschauung der neueren Zeit. Und wenn man mit diesen Einsichten eben die geschichtliche Entwickelung verfolgt, so findet man erstens das, was ich Ihnen früher gesagt habe, und in jeder neuen Epoche neue Darstellungen der alten Überlieferungen, aber immer weniger verstanden. Und merkwürdige Zeugnisse solcher alten Überlieferungen sind dann die Anschauungen etwa eines Paracelsus, van Helmonts, Jakob Böhmes.

[ 18 ] We can therefore say: The modern scientific worldview developed out of a transformation of the entire relationship of human beings to themselves. And if one traces historical development with these insights in mind, one finds, first of all, what I told you earlier, and in every new epoch new interpretations of the old traditions—but ones that are understood less and less. And remarkable testimonies to such old traditions are the views of figures such as Paracelsus, van Helmont, and Jakob Böhme.

[ 19 ] Bei Jakob Böhme hat derjenige, der sich Einsichten in solche Dinge verschaffen kann, unmittelbar die Erfahrung, daß da ein außerordentlich einfacher Mensch spricht, der aus Quellen seine Erkenntnis hat, die heute zu besprechen ja nicht möglich sind, die zu weit führen würden, daß aber eigentlich in einer Weise, die wirklich deshalb schwer verständlich ist, weil sie sehr ungeschickt ist, Jakob Böhme in dieser ungeschickten Darstellung tiefe alte Einsichten aufnimmt, die sich einfach volksmäßig fortgepflanzt haben. In welcher Lage war denn so jemand wie Jakob Böhme? Während Giordano Bruno, der demselben Zeitalter angehört, in der für ihn neuesten Phase der Entwickelung der Menschheit so drinnensteht, wie ich das in einem früheren Vortrage dieses Kurses dargestellt habe, sehen wir bei Jakob Böhme, daß er ganz offenbar zur Hand bekommt allerlei Werke, die heute natürlich verschollen sind. Durch eine innere Anlage geht ihm auf an Werken, die buntestes Zeug in der äußeren Darstellung repräsentieren, daß das auf einen Ursinn zurückgeht. Und er stellt wiederum, ich möchte sagen, unter ungeheuren inneren Hemmnissen, wodurch die Sache eben ungeschickt wird, diese Urweisheit, die er von noch ungeschickteren, unzulänglichen Überlieferungen übernommen hatte, dar. Er konnte aber zurückgehen zu einer früheren Stufe infolge seiner inneren Erleuchtung.

[ 19 ] With Jakob Böhme, anyone who is able to gain insight into such matters immediately experiences that an extraordinarily simple man is speaking—a man whose knowledge comes from sources that cannot be discussed here today, as they would lead too far afield—but who, in a manner that is truly difficult to understand precisely because it is so clumsy, Jakob Böhme incorporates deep, ancient insights into this clumsy presentation—insights that have simply been passed down in a folk tradition. What, then, was the situation of someone like Jakob Böhme? While Giordano Bruno, who belonged to the same era, was so deeply immersed in what he considered the latest phase of human development—as I described in an earlier lecture in this course—we see in the case of Jakob Böhme that he quite evidently had access to all sorts of works that have, of course, been lost today. Through an inner disposition, he perceives in works that present the most varied material in their outward form that this traces back to a primal meaning. And he, in turn—I would say, amid immense inner obstacles that make the result somewhat clumsy—presents this primordial wisdom, which he had inherited from even clumsier, inadequate traditions. Yet he was able to return to an earlier stage as a result of his inner enlightenment.

[ 20 ] Und geht man nun in das 15., 16. Jahrhundert, und namentlich ins 17. und 18. Jahrhundert, und sieht man über solche einzelnen Erscheinungen wie Paracelsus und Jakob Böhme, die eigentlich nur da sind wie Denkmäler einer alten Zeit, hinweg und nimmt das, was im fortlaufenden exoterischen Strom der Menschheitsentwickelung vorhanden ist, so bekommt man, indem man den Maßstab der Initiationswissenschaft anlegt und die Sache mit ihrem Lichte beleuchtet, den Eindruck: Da weiß keiner mehr irgendwie von den tieferen Grundlagen des Weltenwesens. Da ist schon das eingetreten, daß Physik herausgeworfen ist aus dem Menschen, daß Chemismus herausgeworfen ist aus dem Menschen, da tritt schon der Spott auf über Alchimie. Man hatte ja natürlich recht mit diesem Spott, denn dasjenige, was noch erhalten war von den alten Traditionen als mittelalterliche Alchimie, darüber konnte man spotten. Man hatte die ins Innere des Menschen genommene Psychologie und eine sehr dünne Pneumatologie. Also man hatte gebrochen mit demjenigen, was man früher vom Menschen gewußt hat, und man erlebte auf der einen Seite das vom Menschen Getrennte, auf der anderen Seite das in den Menschen chaotisch Hineingeworfene. Und man möchte sagen, überall zeigte sich in dem, was man nun als Menschenerkenntnis anstrebte, diese eben charakterisierte Tatsache.

[ 20 ] And if we now turn to the 15th and 16th centuries, and especially to the 17th and 18th centuries, and if one looks beyond individual figures such as Paracelsus and Jakob Böhme—who are really only there as monuments to a bygone era—and considers what is present in the ongoing exoteric stream of human development, then, by applying the standard of initiatory science and illuminating the matter with its light, one gets the impression: No one really knows anything anymore about the deeper foundations of the nature of the world. What has already happened is that physics has been cast out of the human being, that chemistry has been cast out of the human being; mockery of alchemy is already arising. Of course, this mockery was justified, for what remained of the ancient traditions—namely, medieval alchemy—was indeed worthy of ridicule. What remained was a psychology that had been internalized within the human being and a very superficial pneumatology. So people had broken with what had previously been known about the human being, and they experienced, on the one hand, that which was separated from the human being, and on the other hand, that which had been chaotically thrown into the human being. And one might say that this very fact, just characterized, was evident everywhere in what was now being sought as knowledge of the human being.

[ 21 ] Da tritt zum Beispiel im 17. Jahrhunderte eine Anschauung auf, die, wenn man sie als einzelne Anschauung ins Auge faßt, eigentlich ziemlich unverständlich bleibt, die aber, in die Historie hineingestellt, ganz verständlich wird, da taucht die Ansicht auf, daß die ganze Summe der Vorgänge, die ein Mensch in seinem Inneren als Ernährungsvorgänge hat, auf einer Art von Gärung beruhen. Dasjenige, was der Mensch als Nahrungsmittel aufnimmt, das speichelt er ein, durchdringt es mit Säften, zum Beispiel der Pankreas, und da vollziehen sich verschiedene Grade von Gärungsprozessen, wie man es etwa nannte. Wenn man vom heutigen Anschauen aus, das ja natürlich auch wieder nur ein Vorübergehendes ist, diese Dinge betrachtet, so kann man ja natürlich darüber höhnen. Aber dann strebt man nicht nach Einsicht, sondern höchstens nach einer professoralen Darstellung. Wenn man aber darauf eingeht, so sieht man, woher solche allerdings merkwürdigen Ansichten über den Menschen kommen. Ganz im Verglimmen sind die alten Traditionen, die noch bei Galen und noch früher auf inneren Erlebnissen beruhten und einen guten Sinn hatten. Und dasjenige, was jetzt äußerlich als abgestoßene Chemie da sein sollte, das ist nur in den allerersten Elementen da. Das Innere hat man nicht mehr; das Äußere hat sich noch nicht entwickelt. Und so ist man in der Lage, nur in außerordentlich schwachen neuchemischen Vorstellungen, wie etwa einer unbestimmt gedachten Gärung, von den innerlichen Ernährungsvorgängen sprechen zu können. Und es waren die Nachzügler der Galenlehre, welche zwar noch etwas fühlten, daß man ausgehen muß, wenn man den Menschen verstehen will, von seiner Säftebewegung, also von dem Flüssigen in ihm, welche aber zu gleicher Zeit schon anfingen, das Chemische nur an den äußeren Vorgängen zu betrachten, und welche also die äußerlich betrachteten Gärungsvorgänge nun auf den Menschen anwendeten. Der Mensch war ein leerer Sack geworden, weil er nichts mehr in sich erlebte. In diesen leeren Sack füllte man dasjenige jetzt hinein, was äußere Wissenschaft geworden war. Nun, damals im 17. Jahrhundert war es noch wenig. Da hatte man unbestimmte Vorstellungen über Gärungen und ähnliche Prozesse. Die schob man jetzt in den Menschen hinein. Das war im 17. Jahrhundert die sogenannte Jatrochemische Schule.

[ 21 ] For example, in the 17th century, a view emerged that—when considered in isolation—remains quite incomprehensible, but which becomes entirely understandable when placed within the context of history: the view that the entire sum of the processes a human being undergoes internally as part of digestion is based on a kind of fermentation. Whatever a person ingests as food is mixed with saliva, permeated with digestive juices—from the pancreas, for example—and various degrees of “fermentation processes,” as they were called, take place there. If one considers these things from today’s perspective—which, of course, is itself merely a passing phase—one can naturally scoff at them. But then one is not striving for insight, but at most for a professorial exposition. If, however, one delves into the matter, one sees where such admittedly strange views about human beings come from. The old traditions—which, as far back as Galen and even earlier, were based on inner experiences and made good sense—are fading away entirely. And what is now supposed to exist externally as a crude chemistry is present only in its very most basic elements. The inner aspect is no longer present; the outer aspect has not yet developed. And so one is able to speak of the inner nutritional processes only in terms of extraordinarily weak, neo-chemical concepts, such as a vaguely conceived fermentation. And it was the stragglers of Galenic doctrine who, while still sensing to some extent that one must start with the movement of humors—that is, with the fluid within the human being—in order to understand the human being, had at the same time already begun to view the chemical aspect solely in terms of external processes, and who thus applied the externally observed processes of fermentation to the human being. Human beings had become empty sacks because they no longer experienced anything within themselves. Into these empty sacks, people now poured what had become external science. Well, back then in the 17th century, it was still limited. People had vague notions about fermentation and similar processes. These were now projected onto human beings. This was the so-called iatrochemical school of the 17th century.

[ 22 ] Wenn man die Jatrochemiker in Betracht zieht, so sagt man sich, die haben noch in ihren Vorstellungen so etwas wie kleine Schatten der alten Säftelehre, die auf innerem Erleben beruhte. Andere aber, die mehr oder weniger Zeitgenossen dieser Jatrochemiker waren, die hatten auch solche schattenhaften Vorstellungen gar nicht mehr, und die fingen nun an, den Menschen so zu betrachten, wie er sich etwa ausnimmt, wenn wir heute ein Anatomiebuch aufschlagen. Wenn wir heute ein Anatomiebuch aufschlagen, da wird der Mensch so dargestellt: Meinetwillen wird ein Knochensystem dargestellt, der Magen, das Herz, die Leber dargestellt, und unwillkürlich bekommt dann derjenige, der das verfolgt, den Eindruck, als ob das der ganze Mensch wäre und der aus mehr oder weniger festen Organen mit scharfen Konturen bestünde. Diese sind ja auch da in gewisser Beziehung. Aber das Feste — das Erdige, im alten Sinne gesprochen — ist ja höchstens ein Zehntel vom Menschen. Im übrigen ist der Mensch eine Flüssigkeitssäule. Natürlich nicht in der Mitteilung, aber in der betrachtenden Methode wurde das allmählich ganz vergessen, daß der Mensch eine Flüssigkeitssäule ist, und daß in dieser Flüssigkeitssäule drinnen sich bilden diese Organe mit den festen Konturen, die darinnen nur schwimmen, die man heute eben einfach aufzeichnet und dadurch insbesondere bei Laien die Vorstellung hervorruft, als ob man damit den Menschen verstanden hätte. Wenn Sie die heutigen Bilder des anatomischen Atlasses anschauen, da haben Sie das entwickelt, aber es gibt ein falsches Bild. Es ist nur ein Zehntel vom Menschen. Den anderen Menschen müßte man darstellen, indem man hineinzeichnet in diese Gebilde, in Magen, Leber usw., einen fortwährenden Säftestrom in der mannigfaltigsten Weise, ein Ineinanderwirken von Säften, eine Wechselwirkung von Säften (siehe Zeichnung S.128). Wie das eigentlich ist, darüber hat man ganz falsche Vorstellungen bekommen, weil man gewissermaßen nur mehr die festbegrenzten Organe des Menschen betrachtete. Und so kam es zum Beispiel, daß im 19. Jahrhundert die Leute außerordentlich frappiert waren, daß, wenn der Mensch das erste Glas Wasser trinkt — ich will jetzt von Wasser sprechen —, daß das den Eindruck macht, es geht ganz durch durch den Menschen und wird von seinen Organen überall verarbeitet in der Weise, wie es aufgefaßt wird. Wenn er aber das zweite, wenn er das dritte Glas Wasser trinkt, so macht das gar nicht den Eindruck, als ob das in derselben Weise verarbeitet würde. Diese Dinge hat man dann bemerkt, aber man kann sie nicht mehr erklären, weil man eine ganz falsche Anschauung, wenn ich mich so ausdrücken darf, vom Flüssigkeitsmenschen gewonnen hat, in dem der Ätherleib die treibende Wesenheit gewesen ist, die die Flüssigkeiten mischt und entmischt, die organische Chemie im Menschen bewirkt.

[ 22 ] When one considers the iatrochemists, one might say that their ideas still contain something like faint shadows of the ancient theory of humors, which was based on inner experience. Others, however, who were more or less contemporaries of these iatrochemists, no longer held such shadowy notions at all, and they began to view human beings as they appear, for example, when we open an anatomy textbook today. When we open an anatomy book today, the human being is depicted as follows: for the sake of argument, a skeletal system is shown, along with the stomach, the heart, and the liver, and anyone following this description inevitably gets the impression that this is the whole human being, consisting of more or less solid organs with sharp contours. These are, of course, present to a certain extent. But the solid—the earthly, to use the old term—is, at most, one-tenth of the human being. For the rest, the human being is a column of fluid. Of course, not in the actual description, but in the way it is viewed, the fact that the human being is a column of fluid has gradually been entirely forgotten—as has the fact that within this column of fluid these organs with their solid contours are formed, organs that simply float within it. Today, these are simply depicted, thereby creating the impression—especially among laypeople—that by doing so one has understood the human being. If you look at today’s illustrations in the anatomical atlas, you’ll see that this has been developed, but it presents a false image. It represents only one-tenth of the human being. To depict the rest of the human being, one would have to draw within these structures—the stomach, liver, and so on—a continuous flow of humors in the most varied ways, an interplay of humors, an interaction of humors (see drawing on p. 128). People have come to hold completely false notions about how this actually works, because, in a sense, they have focused almost exclusively on the clearly defined organs of the human body. And so it came to pass, for example, that in the 19th century people were extraordinarily struck by the fact that when a person drinks the first glass of water—I will speak of water now—it gives the impression that it passes right through the person and is processed by their organs everywhere in the way it is received. But when they drink the second or the third glass of water, it doesn’t give the impression at all that it is being processed in the same way. These things were observed at the time, but they can no longer be explained because we have developed a completely false conception—if I may put it that way—of the “fluid human,” in which the etheric body was the driving force that mixes and separates the fluids, bringing about organic chemistry within the human being.

[ 23 ] Nun, im 17. Jahrhundert hat man wirklich angefangen, diesen Flüssigkeitsmenschen nach und nach ganz zu ignorieren und nur die fest begrenzten Teile ins Auge zu fassen. Dadurch kam allmählich das heraus, daß man den Menschen ansah wie einen Zusammenhang von festen Teilen. Da, innerhalb dieser Welt von fest begrenzten Teilen, spielt sich alles in mechanischer Ordnung ab. Da stößt eins das andere; das bewegt sich; da werden Dinge gepumpt, da wirken die Dinge in der Art von Saugpumpen oder Druckpumpen. Mechanisch also betrachtet man den Menschenleib wie einen nur durch den Zusammenhang von fest begrenzten Organen existierenden Leib. Und allmählich wurde aus der jatrochemischen Ansicht, eigentlich gleichzeitig schon mit ihr, die jatromechanische oder gar jatromathematische Anschauung. Da florierte natürlich ganz besonders stark eine solche Anschauung, daß das Herz eigentlich eine Pumpe sei, die das Blut durch den Körper pumpt — nicht wahr, so richtig mechanisch —, weil man nicht mehr wußte, daß die innerlichen Säfte des Menschen innerliches Leben haben, daß also die Säfte sich selbst bewegen, daß das Herz nur ein Sinnesorgan ist, um diese Säftebewegung in seiner Art wahrzunehmen. So kehrte man die ganze Sache um, sah nicht mehr hin auf die Säftebewegung, auf die innere Lebendigkeit der Säftebewegung, auf den Ätherleib, der da drinnen wirkt, und das Herz wurde ein mechanischer Apparat, ist es im Grunde genommen heute noch für die meisten sogenannten Physiologen und Mediziner.

[ 23 ] Well, in the 17th century, people really began to gradually ignore this “fluid human” entirely and to focus only on the clearly defined parts. As a result, it gradually became apparent that humans were viewed as a system of distinct parts. Within this world of clearly defined parts, everything unfolds in a mechanical order. One thing pushes against another; things move; things are pumped; things function like suction pumps or pressure pumps. Mechanically, then, the human body is viewed as a body existing solely through the interconnection of clearly defined organs. And gradually, out of the iatrochemical perspective—actually, almost simultaneously with it—emerged the iatromechanical or even iatromathematical view. Naturally, the view that the heart is essentially a pump that pumps blood through the body—in a strictly mechanical sense—flourished particularly strongly, because people no longer realized that the human body’s internal humors possess an inner life, that the humors thus move of their own accord, and that the heart is merely a sensory organ for perceiving this movement of the humors in its own way. Thus, the whole matter was turned on its head; attention was no longer directed toward the movement of the humors, toward the inner vitality of that movement, or toward the etheric body at work within—and the heart became a mechanical apparatus, which, in essence, it still is today for most so-called physiologists and physicians.

[ 24 ] Also die Jatrochemiker haben noch einen Schatten vom Wissen über den Ätherleib. In demjenigen, was Galen vortrug, war durchaus ein volles Bewußtsein des Ätherleibes vorhanden. In demjenigen, was van Helmont zum Beispiel vortrug oder Paracelsus, ist ein schattenhaftes Bewußtsein vorhanden von dem Ätherleib, ein noch schattenhafteres bei den offiziellen Jatrochemikern, die die Schule versorgten. Gar kein Bewußtsein mehr von diesem Ätherleib war vorhanden bei den Jatromechanikern. Da war alle Vorstellung vom ÄÄtherleib verduftet, und man stellte den Menschen nur als physischen Leib vor, da aber nur nach seinen festen Bestandteilen, die man aber jetzt behandelte mit der Physik, die man nun auch schon herausgeworfen hatte aus dem Menschen, die man also äußerlich anwendete auf den nicht mehr verstandenen Menschen. Man hatte zuerst den Menschen zu einem leeren Sack gemacht — ich möchte das Beispiel noch einmal gebrauchen —, hatte draußen die Physik in abstrakter Weise begründet und nun diese Physik zurück in den Menschen geworfen. So daß man nicht die lebendige Wesenheit des Menschen hatte, sondern einen leeren Sack, ausgefüllt mit Theorien.

[ 24 ] So the iatrochemists still possess a faint glimmer of knowledge about the etheric body. In what Galen expounded, there was indeed a full awareness of the etheric body. In the teachings of van Helmont, for example, or Paracelsus, there is a faint awareness of the etheric body; an even fainter one among the official medical chemists who taught at the schools. The medical mechanists, however, had no awareness whatsoever of this etheric body. Every notion of the etheric body had vanished, and human beings were conceived of solely as physical bodies—but only in terms of their solid constituents, which were now treated with physics, a discipline that had already been expelled from the human being and was thus applied externally to a human being who was no longer understood. First, they had turned the human being into an empty sack—I would like to use this example again—they had established physics in an abstract way outside of the human being and had now thrown this physics back into the human being. So that what they had was not the living essence of the human being, but an empty sack filled with theories.

[ 25 ] So ist es heute noch. Denn dasjenige, was uns heute etwa die Physiologie oder die Anatomie vom Menschen erzählt, das ist ja nicht der Mensch, es ist die aus dem Menschen herausgeworfene Physik, die nun umgeändert ist, indem man sie wiederum in den Menschen hineingestopft hat. Gerade wenn man so recht innerlich die Entwickelung betrachtet, so sieht man, wie das Schicksal da ging. Die Jatrochemiker hatten noch ein Schattenbewußtsein vom Ätherleib, die Jatromechaniker gar nichts mehr davon. Da kam einer, Stahl. Er war eigentlich, wenn man sein Zeitalter berücksichtigt, ein außerordentlich gescheiter Mensch. Er hatte offenbar bei den Jatrochemikern sich umgesehen. Diese innerlichen Gärungsprozesse, die erschienen ihm unzulänglich, weil sie ja auch nur die schon nach außen geworfene Chemie wiederum in den Menschensack zurückversetzen. Die Jatromechaniker erst recht, denn die versetzen ja nur die äußere mechanische Physik in den Menschensack zurück. Aber vom Ätherleib als der treibenden Kraft der Säftebewegung war nichts mehr da, keine Tradition. Es gab keine Möglichkeit, sich darüber zu informieren. Was tat Stahl im 17., 18. Jahrhundert? Er erfand sich etwas, weil in der Tradition nichts mehr da war — er erfand sich etwas. Er sagte sich: Das, was im Menschen vor sich geht an physikalischen, an chemischen Vorgängen, das kann doch wirklich nicht auf diese Physik und Chemie gebaut sein, die man da nun für die Außenwelt findet. Aber er hatte nichts anderes, um es in den Menschen hereinzubringen. So erfand er sich dasjenige, was er «Lebenskraft» nannte. Dadurch begründete er die dynamische Schule. Es war also eine nachträgliche Erfindung für etwas, was man verloren hatte. Stahl war eigentlich tatsächlich noch von einem gewissen Instinkt beseelt. Ihm fehlte etwas. Weil er es nicht hatte, so erfand er es wenigstens: Lebenskraft. Das 19. Jahrhundert hatte wieder alle Mühe, diese Lebenskraft loszukriegen. Sie war ja auch in Wirklichkeit nichts weiter als eine Erfindung, und man hat also wieder sich alle Mühe gegeben, diese Lebenskraft loszukriegen.

[ 25 ] That is still the case today. For what human physiology or anatomy tells us today is not the human being itself; it is the physics that has been extracted from the human being and has now been transformed by being crammed back into the human being. Especially when one truly contemplates this development from within, one sees how fate unfolded. The iatrochemists still had a faint awareness of the etheric body, while the iatromechanists had none at all. Then came a man named Stahl. He was, in fact—considering his era—an extraordinarily intelligent person. He had evidently looked into the work of the iatrochemists. These inner processes of fermentation seemed inadequate to him, because they merely returned the chemistry that had already been cast outward back into the human body. This was even more true of the medical-mechanists, for they merely returned the external mechanical physics back into the human body. But there was nothing left of the etheric body as the driving force behind the movement of the humors—no tradition at all. There was no way to learn about it. What did Stahl do in the 17th and 18th centuries? He invented something for himself, because there was nothing left in the tradition—he invented something for himself. He told himself: The physical and chemical processes taking place within the human being surely cannot be based on the physics and chemistry that we now find in the external world. But he had nothing else to introduce into the human being. So he invented what he called “vital force.” Through this, he founded the dynamic school. It was, therefore, a retroactive invention for something that had been lost. Stahl was, in fact, still animated by a certain instinct. He was missing something. Since he didn’t have it, he at least invented it: vital force. The 19th century, in turn, went to great lengths to rid itself of this “vital force.” In reality, it was nothing more than an invention, and so people once again went to great lengths to rid themselves of this “vital force.”

[ 26 ] Es ist also tatsächlich so, daß man ringt, in diesen leeren Sack «Mensch» wiederum etwas hineinzubringen, was irgendwie hineinpaßt. So kam man darauf, wiederum auf der anderen Seite sich zu sagen: Das Maschinelle haben wir. Wie eine Maschine sich bewegt und reagiert, das weiß man. Und so steckte man in den leeren Menschensack die Maschine hinein: «L’homme machine» von de La Mettrie. Der Mensch ist eine Maschine. Der Materialismus oder eigentlich Mechanismus des 18. Jahrhunderts wie etwa im «Systeme de la nature» von Holbach, das Goethe in seiner Jugend so furchtbar gehaßt hat, er ist die Ohnmacht, an das Wesen des Menschen heranzukommen mit demjenigen, was in der äußeren Natur in der damaligen Zeit schon und später so wirksam geworden ist. Und noch das 19. Jahrhundert nagte an diesem Unvermögen: An den Menschen konnte man nicht herankommen.

[ 26 ] So it is indeed the case that we struggle to put something back into this empty sack called “human” that somehow fits inside. And so, on the other hand, we came to say to ourselves: We have the mechanical aspect. We know how a machine moves and reacts. And so they stuffed the machine into the empty sack of “humanity”: “L’homme machine” by de La Mettrie. Man is a machine. The materialism—or rather, the mechanism—of the 18th century, as found, for example, in Holbach’s *Système de la nature*, which Goethe hated so intensely in his youth, represents the inability to grasp the essence of the human being using what was already present in external nature at that time and later became so influential. And even the 19th century was gnawed by this inability: one could not get to the core of human nature.

[ 27 ] Nun aber wollte man doch mit irgend etwas den Menschen vorstellen. Also verfiel man darauf, ihn als höher entwickeltes Tier vorzustellen. Das Tier verstand man zwar auch nicht, denn mit Ausnahme der Pneumatologie brauchte man für das Verständnis des Tieres nun auch im alten Sinne Physik, Chemie, Psychologie. Aber daß man für das Tier so etwas auch braucht, wenn man es verstehen will, das merkte man zunächst nicht. Man ging halt von etwas aus, nicht wahr. Und so führte man den Menschen früher, im 18. Jahrhundert, auf die Maschine, im 19. Jahrhundert auf das Tier zurück. Das alles ist historisch gut zu begreifen. Im ganzen Fortgang der Menschheitsent. wickelung hat das seinen guten Sinn, denn unter dem Einflusse dieser Unkenntnis vom Menschenwesen entstanden die neuzeitlichen Empfindungen über den Menschen. Wären die alten Ansichten geblieben von der innerlichen Physik, von der innerlichen Chemie, der vom Menschen außerhalb seiner selbst erlebten Psychologie und Pneumatologie, so wäre zum Beispiel die Freiheitsentwickelung niemals in der Menschheitsentwickelung erwacht. Der Mensch mußte sich als elementares Wesen verlieren, um sich als freies Wesen zu finden. Das konnte er nur, wenn er gewissermaßen eine Weile zurücktrat von sich, sich nicht mehr beachtete, sich mit dem Äußeren befaßte und, wenn er Theorien über sich wollte, das in sich hereinnahm, was nun zum Verständnis der äußeren Welt sehr gut paßte. In dieser Zwischenzeit, in der der Mensch sich mit sich Zeit ließ, um so etwas wie Freiheitsempfindung zu entwickeln, in dieser Zwischenzeit entwickelte der Mensch die naturwissenschaftlichen Vorstellungen, jene Vorstellungen, die, ich möchte sagen, so robust sind, daß sie die äußere Natur begreifen können, aber zu grob sind für das Wesen des Menschen, weil er sich nicht die Mühe machte, sie so zu verfeinern, daß sie auch den Menschen mitbegreifen. Es entstanden die naturwissenschaftlichen Begriffe, die auf die Natur gut anwendbar sind, ihre großen Triumphe feiern, die aber unbrauchbar sind, um das Wesen des Menschen in sich aufzunehmen.

[ 27 ] But people still wanted to use something to explain human beings. So they settled on presenting humans as highly evolved animals. Admittedly, animals were not fully understood either, because—with the exception of pneumatology—understanding animals in the traditional sense also required physics, chemistry, and psychology. But at first, people did not realize that one also needs such things to understand animals. They simply started from a certain premise, didn’t they? And so, in the past—in the 18th century—people traced humanity back to the machine, and in the 19th century, to the animal. All of this can be well understood from a historical perspective. Throughout the entire course of human development, this has its own valid purpose, for it was under the influence of this ignorance regarding the human being that modern conceptions of humanity arose. Had the old views persisted—regarding inner physics, inner chemistry, and the psychology and pneumatology experienced by human beings as external to themselves—then, for example, the development of freedom would never have emerged in the course of human evolution. Human beings had to lose themselves as elemental beings in order to find themselves as free beings. They could do this only by, so to speak, stepping back from themselves for a while, no longer paying attention to themselves, engaging with the external world, and—when they sought theories about themselves—incorporating into themselves what now fit very well with their understanding of the external world. During this interim period, in which humanity took its time to develop something like a sense of freedom, during this interim period humanity developed the concepts of the natural sciences—those concepts which, I would say are so robust that they can grasp external nature, but are too crude for the essence of the human being, because he did not take the trouble to refine them to the point where they could also encompass the human being. Scientific concepts emerged that are well-suited to nature and celebrate its great triumphs, but which are useless for encompassing the essence of the human being.

[ 28 ] Hieraus sehen Sie auch, daß ich wirklich nicht eine Kritik liefere über das Naturwissenschaftliche, sondern daß ich nur Charakteristik liefern will. Gerade dadurch erlangt ja der Mensch sein ganzes Freiheitsbewußtsein, daß er nicht mehr belastet war mit alledem, wovon er eigentlich belastet sein mußte, als er so eigentlich die ganze Sache noch in sich trug. Dieses Freiheitserlebnis für den Menschen kam, als der Mensch sich eine Wissenschaft zimmerte, die in ihrer Robustheit nur für die äußere Natur paßte, und da sie ja doch nun eben nicht eine Totalität ist, natürlich auch wiederum Kritik erfahren kann, nicht anwendbar ist auf den Menschen, anwendbar ist eigentlich nur am bequemsten als Physik, in der Chemie fängt es schon an zu hapern, die Psychologie wird eigentlich ein vollständiges Abstraktum. Aber die Menschen mußten durch ein Zeitalter, das in dieser Weise verläuft, hindurchgehen, um eben nach einer ganz anderen Seite, nach der Seite des Freiheitsbewußtseins, zu einer individuell nuancierten Moralauffassung von der Welt zu kommen. Man kann die Entstehung der Naturwissenschaft im neueren Zeitalter nicht verstehen, wenn man sie nur einseitig betrachtet, wenn man sie nicht so betrachtet, daß sie eine Parallelerscheinung ist des nun in demselben Zeitalter heraufkommenden Freiheitsbewußtseins des Menschen und alles dessen, was moralisch und religiös mit diesem Freiheitsbewußtsein zusammenhängt.

[ 28 ] From this you can also see that I am truly not offering a critique of the natural sciences, but rather that I merely wish to provide a characterization. It is precisely through this that human beings attain their full sense of freedom—that they were no longer burdened by all that they actually had to bear when they still carried the whole thing within themselves. This experience of freedom for human beings came when they cobbled together a science that, in its robustness, was suited only to external nature, and since it is, after all, not a totality, it can naturally be subject to criticism; it is not applicable to human beings—it is actually most conveniently applicable only in physics; in chemistry it already begins to falter, and psychology actually becomes a complete abstraction. But people had to pass through an age that unfolded in this way in order to arrive at a completely different perspective—the perspective of an awareness of freedom—and at an individually nuanced moral conception of the world. One cannot understand the emergence of the natural sciences in the modern era if one views them only one-sidedly, if one does not regard them as a parallel phenomenon to the consciousness of freedom now emerging in the same era—and to everything that is morally and religiously connected with this consciousness of freedom.

[ 29 ] Daher sehen wir, wie solche Leute, die wie Hobbes oder Bacon die Ideen der Naturwissenschaft begründen, wie denen die Möglichkeit entfällt — lesen Sie sich das nach bei Hobbes —, den Menschen anzugliedern an dasjenige, was Geist und Seele im Weltenall ist. Und es kommt bei Hobbes das heraus, daß er auf der einen Seite schon, ich möchte sagen, in radikalster Weise die naturwissenschaftlichen Vorstellungen im Keime bildet, daß er auf der anderen Seite aus dem menschlichen sozialen Leben auch alles Geistige herauswirft, den Krieg aller gegen alle statuiert, also nichts Bindendes anerkennt, das von irgendeinem Übersinnlichen kommt im sozialen Leben, daher er in einer etwas karikierten Form eigentlich zum ersten Mal theoretisch das Freiheitsbewußtsein bespricht.

[ 29 ] Therefore, we see how such people—who, like Hobbes or Bacon, lay the foundations for the ideas of natural science—find themselves unable—read Hobbes’s work on this—to connect human beings to that which constitutes the mind and soul in the universe. And what emerges from Hobbes is that, on the one hand, I would say, in the most radical way, nips the concepts of natural science in the bud; on the other hand, he expels everything spiritual from human social life, establishes the war of all against all, and thus recognizes nothing binding in social life that comes from any supernatural source—which is why, in a somewhat caricatured form, he is actually the first to discuss the consciousness of freedom theoretically.

[ 30 ] Ja, geradlinig ist eben durchaus die Entwickelung der Menschheit nicht. Man muß die nebeneinander hergehenden Strömungen betrachten, dann erst kommt man dazu, den Sinn der geschichtlichen Entwickelung des Menschen zu begreifen.

[ 30 ] Yes, the development of humanity is certainly not linear. One must consider the parallel currents; only then can one come to understand the meaning of humanity’s historical development.