Landwirtschaftlicher Kurs
Geisteswissenschaftliche Grundlagen
zum Gedeihen der Landwirtschaft
GA 327
ohne Datum, Breslau
Auf dem Weg zur Resolution
[Das] Referat von Herrn Stegemann schließt mit folgenden Worten an Doktor Steiner: «Sagen Sie, was Sie glauben, sagen zu müssen.»
[ 1 ] [Wahrscheinlich Rudolf Steiner:] «Einem Landwirt glaubt man mehr wie mir.»
[Wahrscheinlich Ernst Stegemann:] «Wir sprechen die Bitte aus, geben Sie uns weiter, und Sie werden sich bewusst sein, dass mit dieser Bitte Verpflichtungen ausgesprochen sind. Die Basis darin, dass wir dort, wo uns das Leben hinstellt in innerer Einstellung fortlaufend den Tag über so verbringen, dass er diese Verbindung mit dem Geistesforscher aufrechterhalten kann. So können wir dem Einsamkeitsgefühl am besten begegnen.»
[Carl von] Keyserlingk: «Was nützt mir das alles, was Sie hier mitgeteilt haben. Ich kann es nicht verstehen. Ich bin zu dämlich, um es zu verstehen. Ich habe das nicht in der Praxis darinnen, was mir der Herr Doktor gesagt hat. Ich habe es nicht darinnen. — Wir müssen dasselbe tun, was die Landwirte tun, die in der Not sind, das, was man in all unseren landwirtschaftlichen Fachzeitschriften immerfort liest: Jeder Landwirt wird aufgefordert, sich zu Versuchsringen zusammenzuschließen.»
[Wahrscheinlich Ernst Stegemann:] «Ich glaube, wir sind völlig eins. Wir müssen einen Versuchsring haben.»
[Wahrscheinlich Carl von Keyserlingk:] «Wir müssen das in die Tat umsetzen in landwirtschaftlich brauchbarem Sinn, sonst können wir die schönste Sache von Doktor Steiner hören und das verpfuschen und sie gehen verloren. Wir stehen in dem landwirtschaftlichen Beruf. Wir wollen die Landwirtschaft befruchten, für das Landwirtschaftliche; die Landwirte zusammenschließen zu einem Versuchsring, nicht bloß zum Zuhören. Setzen wir uns zusammen und leisten die Arbeit, die dazu erforderlich ist.»
[Ernst] Stegemann: «Sie sollen der Präsident werden. Sie sagen, Sie verstehen alles so gut.»
[Wahrscheinlich Carl von Keyserlingk:] «Ich verstehe es nicht. Wir sind anthroposophische Landwirte — und wenn ich es allein durchsetzen soll, ich werde es allein durchsetzen — in Schlesien. Schließen wir uns zusammen jetzt schon bei dieser Tagung und versuchen wir, Hand in Hand die Sache auszuwirken. Wenn mir [Herr] Stegemann sagt: Ich mache das [schon, was Doktor Steiner sagt), dann verlange ich Zahlen. Wie haben Sie es gemacht? Wann haben Sie ausgesät? Wie viele Arbeitskräfte waren dabei? Ich will Produktionszahlen, einen wissenschaftlich aufgebauten Versuch. Sie haben mir nicht gesagt als Landwirt zum Landwirt, was Sie gemacht haben. Sie haben gesagt: Sie haben gemacht, Sie haben gemacht; aber Sie haben mir nicht gesagt, «wa» Sie gemacht haben. Die wissenschaftlichen Tabellen. Haben Sie sie? Zeigen Sie sie uns. Ich muss doch Versuchsreihentabellen anstellen. Wie machen Sie Ihre Versuche?
Das, was ich von der Akademie her weiß, habe ich allein gelernt. Denken Sie sich, Sie sind ein berühmter Mann in Ihrer Provinz und ich soll auch so etwas sein in meiner Provinz? Wir blamieren unseren hochverehrten Herrn Doktor Steiner. Wir müssen eine Versuchsgruppe machen mit ganz genauen wissenschaftlichen Angaben. Wir können nicht so bloß [Lücke im Stenogramm] Wir sind Landwirte. Wir müssen reden als Landwirte mit- und zueinander. Sonst häute es keinen Wert gehabt, dass Doktor Steiner seine kostbare Zeit opfert. Wenn Sie eine andere Auffassung haben, beuge ich mich Ihrem Urteil nicht und mache es allein mit meinen Mitarbeitern. — Wir sind doch Vertreter der Landwirte hier und nicht Anthroposophen! [Lücke im Stenogramm] Welche Kurve haben Sie denn genommen? Welchen "Tag? Ich bin eben hinten gesessen und schwerhörig bin ich auch noch dazu.»
[Wahrscheinlich Ernst Stegemann:] «Wollen wir diesen Disput unter Landwirten nicht lieber allein führen?»
[Wahrscheinlich Carl von Keyserlingk:] Landwirte sind immer [unleserlich]. Sie haben keine Geheimnisse einer vor dem anderen. Einer zeigt dem anderen unweigerlich seinen Betrieb. Er sagt jede Zahl. Denn der Betrieb kann das gar nicht so nachmachen. Der Betrieb in Marienstein kann das ganz anders machen. Was haben Sie denn für einen Boden? Haben Sie Löss? Ich habe dem Berufskollegen meine Meinung gesagt, und nun sagen Sie mir Ihre Meinung.»
[Ernst] Stegemann (absteckend): «Die Resultate [Lücke im Stenogramm] Hafergras ist nicht möglich in einem Jahr. Ich kann nicht sagen ich habe so und so viel geerntet.»
[Carl von] Keyserlingk: «Was ist das Gewicht?»
[Ernst] Stegemann: «Ich lade [Graf] Keyserlingk ein, das zu betrachten.» [...]
Arbeitsgruppe willkommen.
Ring bildet sich.
Dr. Steiner lehnt ab, dabei zu sein. Man soll ihm die Ergebnisse sagen.
Sechs Uhr abends in der Restauration des Kammermusiksaales:
[Carl von] Keyserlingk: «Ich stelle den Antrag auf Schluss der Tagung.» [Wahrscheinlich Moritz] Bartsch: «Der Graf hat so viel Güter, dass das Wirtschaftliche und (unleserlich)mäßige in den Vordergrund tritt. Ich denke darüber nach, ob jene nicht das Unkraut lieber wachsen lassen sollen, als es auszureißen, weil sonst die Kosten zu groß würden.»
Keyserlingk dankt dem Nichtlandwirt, dass er sich einmischt, um den Landwirten zu zeigen wie nötig uns allen [Stenogramm bricht ab).
