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The Rudolf Steiner Archive

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Social Ideas, Social Reality
and Social Practice I
GA 337a

9 June 1920, Stuttgart

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5. Die Propagierung der Dreigliederungsidee

On Propaganda of the Threefold Social Order

[ 1 ] Rudolf Steiner: Meine sehr verehrten Anwesenden! Es hegt wohl in der Natur eines solchen Studienabends, daß ich nicht einen eigentlichen Vortrag halte, sondern zunächst einiges aphoristisch vorbringe, damit sich dann anschließen kann eine möglichst weitgehende Diskussion über dasjenige, was dem einen oder anderen der verehrten Zuhörer am Herzen liegt und was im Interesse der Fortführung unserer Propaganda für die Dreigliederung des sozialen Organismus nötig erscheint. Es ist mir bedeutet worden, daß eine wichtige Frage jetzt die ist nach der besonderen Art, wie die Propaganda für diese Dreigliederungsidee in der nächsten Zeit einzurichten ist. Ich war ja nicht anwesend bei den letzten Studienabenden und falle gewissermaßen mit dem, was ich heute sagen kann, aus dem Zusammenhang vielleicht heraus. Aber gerade diese Propagandafrage wurde mir als etwas sehr Bedeutsames hingestellt.

[ 1 ] It will be more in keeping with the character of a study-evening, such as this, if I do not deliver a regular lecture, but begin simply by offering a few remarks, which may lead on to as wide a discussion as possible of the particular subjects which the different members of the audience may have more especially at heart, and which may seem needful for the further work of propagating the Threefold Social Order. It has been intimated to me, that an important question at this moment is that of propaganda; a how and through what means the idea of the Threefold Order can best be propagated during the coming months. Since I was not present at the last study-evenings, it is possible that what I say to-day may be apart from the general context; but this question of propaganda was represented to me as being of particular importance.

[ 2 ] Nun ist wohl kaum fruchtbar, heute über die Art und Weise zu sprechen, wie nun die Dreigliederung zu propagieren ist, wenn man nicht das, was man dabei beabsichtigt, basiert auf die Erfahrungen, die bisher gemacht worden sind. Beim Besprechen einer solchen Sache möchte ich doch darauf hinweisen, daß es sich gegenüber der heutigen Weltlage ja wirklich nicht darum handeln kann, wie man die eine oder andere ganz ins einzelne gehende Angelegenheit, namentlich auf wirtschaftlichem Gebiet, sich ausgestaltet zu denken hat - von Maßregeln im kleinen sollte man sich tatsächlich heute nicht mehr sehr viel versprechen. Man sollte sich heute einen Blick dafür aneignen, wie im Grunde genommen doch nur etwas zu erreichen ist von einem - ich möchte sagen - Eingehen auf das Große. Wir haben ja mit unserer Propaganda merkwürdige Erfahrungen gemacht. Und der Grundton, der uns immer wieder kam aus diesen Erfahrungen, ist der, wie schwer es eigentlieh heute ist, selbst in dieser Zeit der Not, nur an die Menschenseelen heranzukommen mit demjenigen, was man in geistiger, in politischer, in wirtschaftlicher Beziehung unbedingt für nötig halten muß.

[ 2 ] Well, it is hardly very profitable, to-day, to discuss the ways and means in which the propaganda of the Threefold Order should be carried on, unless one is prepared to base anything one may propose to do upon the experiences we have actually had up till now. In discussing a subject of this kind, I must really point out once more, that, in face of the general situation throughout the world to-day, it can really not be a question of how one thinks of arranging every detail in one particular concern,—especially not in the economic field. From any measures on a small scale, one can truly no longer hope for much to-day. To-day we should after all be learning to see, that at bottom nothing is to be accomplished except by treating things on a big scale, as I might say. As regards our propaganda, — I spoke of it last time at one of these very study-evenings, and called attention to the fact, that with our propaganda we have met with very interesting experiences. And the dominant note of our repeated experiences was always this: how very difficult it is really today, even in these times of need, to approach men's souls at all with the very thing which in all respects,—spiritual, political, economical,—one must feel to be absolutely needful.

[ 3 ] Ich habe das letzte Mal darauf hingewiesen, wie gewisse Pläne ja gescheitert sind und wie wir daher genötigt waren, gewisse Einzelheiten in Angriff zu nehmen, die sich ja allmählich konzentriert haben in unserer Unternehmung «Der Kommende Tag». Wir wissen selbstverständlich ganz genau, daß diese Unternehmung, wenn unsere Gesamtpropaganda für die Dreigliederungsidee nicht durchschlagend wirken kann, zunächst im Grunde genommen doch nur ein recht wenig befriedigendes Surrogat sein kann - und das in jeder Beziehung. Denn worauf es heute ganz besonders ankommt, das ist - das muß immer wieder und wiederum betont werden -, daß in möglichst viele Köpfe hineingeht ein Verständnis für die tragende Kraft der Dreigliederungsidee. Ohne daß wir eine genügend große Anzahl von Menschen haben, welche diese Dreigliederungsidee wirklich verstehen, ist nicht auszukommen. Und dieses Verständnis bezieht sich ja auf vieles, meine verehrten Anwesenden. Ich möchte da auf etwas Konkretes hinweisen.

[ 3 ] I pointed out last time, how certain proposed plans had failed, and how we were therefore obliged to fall back upon more or less individual enterprises, which, as you know finally concentrated in our business-undertaking, the Kommender Tag. We are quite well aware, that if our propaganda for the Threefold idea does not succeed in making its way through as a whole, this single undertaking can at best be but a very unsatisfying substitute in every respect. For the thing, above all, which is of importance to-day,—and it cannot be too often repeated,—is, that an understanding of the threefold idea, as an active onward-bearing force, should make its way into as many heads as possible. Unless we have a sufficiently large number of people who really understand this Threefold idea, there is no getting on. This understanding applies to many things, let me say. And here I should like to point to a concrete instance.

[ 4 ] Sehen Sie, als wir hier mit unserer Propaganda begonnen haben, haben wir ja zunächst versucht, nach der eben angegebenen Richtung zu arbeiten, möglichst viele verständnisvolle Seelen zu gewinnen. Es sind die konkreten Fragen auch des Wirtschaftslebens wirklich erörtert worden. Da ist zum Beispiel - und nicht nur einmal, sondern öfter - von mir eine ganz bestimmte Frage des Wirtschaftslebens zur Erörterung gekommen: es war die Frage der Preisbildung. Ich habe darauf aufmerksam gemacht, daß diese Preisbildungsfrage eine Kardinalfrage ist; es handelt sich darum, daß einfach im volkswirtschaftlichen Prozeß gewisse andere Fragen - selbst die Lohnfrage und dergleichen - nicht primär zu erledigen sind, sondern erst auf Grundlage der Preisfrage. Ich habe darauf aufmerksam gemacht, daß man nur einen ganz bestimmten Preis für irgendeinen Artikel als eine gesunde Tatsache im wirtschaftlichen Leben ansehen kann. Mit anderen Worten: Ein bestimmter Artikel muß für einen bestimmten Preis innerhalb eines wirtschaftlichen Zusammenhanges zu erreichen sein. Danach müssen die volkswirtschaftlichen Verhältnisse geregelt werden. Das Ungesundeste ist, den Preis als etwas in beliebiger Weise Steigerbares anzusehen und dann anzufangen mit der Schraube ohne Ende: die Lohnverhältnisse einzurichten nach den sich nach Belieben steigernden Preisen. Steigen die Preise, dann steigen die Löhne; [steigen die Löhne, dann steigen die Preise] und so fort. Man faßt die ganze Sache am verkehrten Ende an. Ich habe damals solch eine konkrete Frage aus volkswirtschaftlichen Untergründen heraus erörtert. Was war die Folge? Wir haben dazumal Versammlungen gehabt, bei denen ja zum größten Teil nur Proletarier erschienen waren. Die bürgerlichen Kreise haben sich ferngehalten, weil sie gemeint haben, wir würden alles einrichten, damit es nur dem Proletariat gefalle. Kurz, wir haben einiges Verständnis gefunden in den Kreisen der Proletarier, die uns dazumal gehört haben. Aber dieses Verständnis ist vollständig versiegt; die Leute blieben nach und nach weg. Sie haben ihre alten Ladenhüter aus den Parteischablonen vorgebracht als Fragen, dann blieben sie nach und nach weg. Und so versiegte eine der Kardinalfragen einfach.

[ 4 ] When we first started our propaganda here, we began, as you know, by working in the way I have just indicated: by trying to win over as large a number as possible of souls with understanding. And the actual questions of economic life too were practically discussed. There is one very definite question of economic life for instance, which was discussed by me not once but many times: and that was the question of price-adjustment. I have often pointed out, that this question of price-adjustment is a cardinal one; that the fact of the matter is simply, that in the economic process there are of course other questions, but that even such questions as wages, and the like, are not the primary ones to be settled; but that these also must be settled on the basis of the price-question; that a quite definite price for any particular article is the only state of things which can be regarded as a healthy one in economic life. In other words: a definite article must be obtainable for a definite price within any particular set of economic combinations; and this must be the standard to which economic relations are adjusted. There can be nothing more unsound that to look upon prices as something that can be put up and down at convenience; and then begins the endless screw, of adjusting the rate of wages to suit the prices, and then putting up the prices again at convenience to suit the wages; if prices rise, then wages rise, and so on ad infinitum. This is laying hold of the whole matter by the wrong end. In those days I used to take for discussion a concrete question of this kind from the bed-rock of general economics. What was the result? In those days we used to have meetings which were attended for the greater part by working men only. The middle-class circles held aloof, for they thought that we arranged things only to suit the working classes. Well, in short, we met with some understanding amongst the particular circles who, in those days, listened to us. But this understanding completely dried up. The people gradually left off coming. They produced all their old stock-in-trade of questions from the regulation party shibboleths; and then they gradually stayed away; and one of the cardinal questions simply dried up in this way.

[ 5 ] Ich greife ein Beispiel heraus, es könnten viele andere angeführt werden. Ich hatte vor kurzem Gelegenheit, mit einem im Wirtschaftsleben gründlich drinstehenden, geschäftstüchtigen Manne eines europäischen Staatswesens, nicht des deutschen, zu sprechen. Es kam dabei heraus, daß er einfach aus seiner Praxis heraus als praktischer Geschäftsmann zu der Ansicht gekommen ist: Das Wichtigste, das man anfassen muß, ist das Problem der Preisbildung. Ja, meine sehr verehrten Anwesenden, ich bin überzeugt davon: Mit Leuten, die Geschäftsleute sind und die zugleich denken, kommt man schon zurecht. Ich muß gestehen, ich habe bis jetzt recht wenig Menschen von dieser Sorte gefunden. Ich habe oft Geschäftsleute gefunden, die nicht wirklich denken, sondern die noch immer die Denkgewohnheit haben, es handle sich vor allen Dingen darum, daß man ein Praktiker sei. Und ein Praktiker ist man, wenn man darauf ausgeht, daß der Staat oder sonst jemand für einen denkt; sie glauben: «Die werden es schon machen». So hat man es ja auch während des Krieges in Deutschland gemacht. Man hat gedacht, die Leute im Großen Hauptquartier werden die Sache schon verstehen. Also, wie gesagt, ich habe wenige Leute gefunden, die zugleich Geschäftsleute sind und denken, aber wenn man solche heute findet, dann kommen die ganz zweifellos aus ihrem Denken über die praktischen Geschäftsverhältnisse zu den gleichen Ergebnissen, wie Sie sie in meinen «Kernpunkten» dargestellt finden. Sie müssen nicht meine «Kernpunkte» vergleichen mit dem und sie prüfen nach dem, was in den vertrackten Parteiprogrammen enthalten ist. Diese Programme der zehn Parteien, die jetzt in den Reichstag gewählt wurden - der wird ja ein unmögliches Gebilde sein -, sie sind alle gleich unbrauchbar und unmöglich. Es handelt sich darum, daß man dasjenige, was in den «Kernpunkten» steht, mit der wirklichen Lebenspraxis vergleicht, mit dem, was tatsächlich im realen Leben notwendig ist. Man muß allerdings über dieses reale Leben auch nachdenken wollen und nicht bloß ein Prediger von alten Schablonen und Ladenhütern sein. Aber diese Art der Propagierung, die will ja nicht um sich greifen, die will nicht wirklich prüfen dasjenige, was [in den «Kernpunkten»] selbstverständlich nur auf einer Anzahl von Seiten gesagt werden konnte, denn man kann nicht gleich eine ganze Bibliothek schreiben; die würde noch weniger gelesen werden als die «Kernpunkte». Aber statt das, was in den «Kernpunkten» gesagt wird, zu vergleichen mit dem, was man lernen kann in der Fabrik als Wirtschafter, als Techniker, stattdessen wir herumhantiert mit Altem, mit alten Parteischablonen und -programmen. Und das Praktische, was die «Kernpunkte» meinen, das wird - statt es zu vergleichen mit der Praxis - verglichen mit irgendwas, was in dem oder jenem Kopf als Vorurteil nistet und als Praxis angesehen wird.

[ 5 ] I am just picking out one example; there are many others that might be quoted. And I cannot help thinking, in comparison, of an occasion I had, not long ago, to talk with a thoroughly practical business man, who is in the thick of business-life under a state-system which is not the German one; and in the course of our conversation it came out, that, simply from his own experience as a practical businessman, he had arrived at the view, that the most important thing to be dealt with is the problem of price-adjustment. Yes! of this—let me say—I am convinced: with people, who are business people, and at the same time can think, one finds no difficulty. I must confess that, so far, I have met with remarkably few people of this description. I have met with business-people who did not think, but who are under the habit of thought, even today, of regarding it as the all-important matter that one is ‘a practical man,’ and that one is ‘a practical man’ when one takes care that the State—or some other institution—thinks for one: one can leave it to them.—This was the way things were done too in Germany during the war; It must be left to the people above, at headquarters; they must know all about it!—And so, as I was saying, I have not met with many as yet, but when one does meet with such people to-day, who are business-men and at the same time can think, they arrive quite infallibly, through their own practical thinking on business matters, to the same results as you find in my Roots of the Social Question.1Die Kernpunkte der sozialen Frage published in English under the title of The Threefold Commonwealth. You must not compare my Roots of the Social Question, and test what you find there, with the crazy things in the party-programmes. The party-programmes of the fourteen parties just elected to this impossible Reichstag (it will be a quite impossible conglomeration!) are all alike equally impracticable and impossible. The point about what you find in the Roots of the Social Question is, that it must be compared with a real practice of life, with what the actual facts of life require,—that is to say if one really thinks about actual life, and does not merely go crying the old stock-in-trade and the regulation shibboleths. But this method of propaganda, as we have seen, makes no headway: the method of really examining what, of course, had to be said on a limited number of pages. For one can't write a whole library off-hand; and it would be only less read than The Roots of the Social Question! But instead of people comparing what is said in The Roots of Social Question with the things one can learn in the factory as a business-man or a practical technician, they go hawking about the old, old party shibboleths and party-programmes; and the real practical thing of which the book is talking, instead of being compared with real practice, is compared with some bee or other, that is buzzing in some particular bonnet, and is supposed to be ‘the practical thing.’

[ 6 ] Was wir zunächst erreichen müssen, ist: Wir müssen uns entschließen, dahin zu wirken, daß eingesehen wird, daß es wirklich nicht so leicht ist, mit den öffentlichen Verhältnissen zurechtzukommen. Ich habe dazumal versucht, dieses Buch zu schreiben aus den Notwendigkeiten der Zeit heraus, und ich muß sagen, für mich ist es eine bittere Pille, eine bittere Erfahrung, daß jetzt Menschen auftreten, die da fordern, man solle dasjenige, was in den «Kernpunkten » steht, zu einem Kohl verarbeiten und bloß auf etwa einem Bogen Papier verzapfen. Denn das wollen die Leute: Sie wollen auf einem Bogen Papier oder womöglich gar nur auf einem kurzen Flugblatt entgegennehmen, was in den «Kernpunkten» schon so kurz als möglich gesagt ist. Wenn Sie mich fragen, worin heute das Elend der Zeit liegt, dann sage ich: Es liegt gerade darin, daß man heute noch immer nach so etwas verlangt. - Man will nicht zur Gründlichkeit übergehen. Aber man will auf einem kohlartig zusammengedruckten Bogen - wie er ja auch schon als Auszug der «Kernpunkte» erschienen ist -, alles das haben, was man sorgfältig kennenlernen müßte. Solange diese Gesinnung herrscht, solange wird man nichts erreichen auf dem Wege, auf dem heute notwendig etwas erreicht werden muß. Gewiß, ich werde demnächst die «Kernpunkte» auch so erscheinen lassen, daß ich in einer besonderen Vorrede auf einem Bogen kurz dasjenige zusammenstelle, was in den «Kernpunkten» enthalten ist. Aber dann soll es nur dienen als eine Art von Vorbereitung, die den «Kernpunkten» vorangedruckt ist, gewissermaßen um vorzubereiten für das Lesen der ganzen Schrift. Aber wer glaubt, er könne auf noch weniger Seiten [als in der Vorrede] dasjenige verstehen, was heute notwendig ist, der hat eben kein Herz für das, was heute wirklich geschehen muß. Das ist es, was zuallererst zu bedenken ist, wenn wir es ernst meinen mit dem, was wir die Propagandafrage nennen können.

[ 6 ] This, then, is the first thing we have to achieve. We must decide to direct our efforts to making people see, that it is really not so easy to settle public affairs. I must say that for me it is a bitter pill, a bitter experience in this respect, that after I tried to write this book at that time from the actual needs of the time, people should now come and demand, that what is written in The Roots of the Social Question should be boiled down into a general mess, and drained off onto a page or two. That is what these people want! They want to have everything laid before them in a couple of pages,—which already in the book is stated as shortly as ever is possible! Or perhaps they would like to have it on a single leaflet for distribution! If you ask me to-day: In what does the trouble lie in our present age? I can only answer: The trouble lies just in this fact, that people can still to-day make such a demand as this; and that they are not willing, even now, to go to the bottom of things. Things that require careful study, they want to have crammed together anyhow on a couple of printed sheets,—such as already have appeared as an abstract of the Roots of the Social Question. So long as this is people's attitude of mind, nothing will be accomplished in the only way in which anything can be accomplished to-day. It is true that I propose very soon to issue a new edition of the Roots of the Social Question, with a special introduction, in which I shall shortly summarise in a couple of pages the contents discussed in the book.2This Introduction to the 2nd edition of the "Roots of the Social Question" ("Threefold Commonwealth") has appeared (translated) in No. 1 of the present Study Series. But this is only intended to be used as a sort of preparatory introduction, printed as the beginning, by way of preparation for reading the book in full. But if anyone imagines that he can learn from still fewer pages what it is necessary to understand to-day, it simply means that he has no feeling for the things that have actually to be done to-day. This is the very first thing we have to consider, if we are really in earnest about what we may term the propaganda-question.

[ 7 ] Denn nehmen Sie die konkrete Tatsache: Unsere Zeitschrift «Dreigliederung des sozialen Organismus» hat bis jetzt neunundvierzig Nummern. Neunundvierzig Nummern! Nehmen Sie diese neunundvierzig Nummern, lesen Sie sie der Reihe nach durch, und Sie werden sehen, wieviel wir da im Grunde genommen zusammengetragen haben von alledem, was für die Menschheit zunächst notwendig ist zu wissen über die Dreigliederungsfrage. Neunundvierzig Nummern haben wir erscheinen lassen. Da steht wirklich schon alles drinnen, was zunächst notwendig ist zu wissen. Aber man verlangt von uns immer noch Auskunft über diese oder jene Frage. Und was müssen wir uns heute sagen? Wir haben im Grunde genommen diese neunundvierzig Nummern der «Dreigliederung » geschrieben, aber das ganze Material ist vorläufig verpufft. Stehen wir da nicht fast vor der Notwendigkeit, daß wir nun wiederum mit unserer Zeitschrift von Anfang anfangen müssen, daß wir Nummer eins und die folgenden Nummern genauso erscheinen lassen müssen, wie sie erschienen sind? Nachdem im Grunde genommen vieles verpufft und gar nicht in die Köpfe hineingegangen ist von dem, was wir gesagt haben, soll uns immer wieder etwas Neues einfallen? Nun, gar zu viel Einfälle können sie schließlich doch nicht von uns verlangen, die Menschen draußen. Dasjenige, um was es sich handelt, wäre, zunächst die Dreigliederungsidee tatsächlich so, wie sie ist, zu propagieren. Dem steht natürlich unendlich viel entgegen, aber all dieses Viele liegt lediglich im menschlichen Willen. Es ist notwendig, daß die Seelen heute aufwachen und daß man es ernst nimmt mit dem, um was es sich eigentlich handelt.

[ 7 ] Just take this concrete fact, that our weekly paper, the Threefold Social Order,3"Dreigliederung des sozialen Organismus," of which the first number appeared in July 11, 1919, and contains, amongst other things, an article by Dr. Carl Unger giving the history (up to that date) of the Threefold Movement. has already brought out 49 numbers:—49 numbers. Take these 49 numbers, read them through in succession, and you will see what an amount we have collected together in them of practically all the things which it is more immediately necessary for mankind to know about the Threefold question. We have already issued 49 numbers; and really there is to be found in them all that is more immediately necessary to know. Yet what can we only tell ourselves to-day? People still come to us, asking for information about some point or other. They are always asking for information about this point or that. As a matter of fact we have written these 49 numbers of the Threefold Order, and the whole of the material is for the time being flung away. Doesn't it look as though we should be almost obliged to begin over again from the beginning; to give out No. 1 again just as before, and then all the following numbers, just as they appeared before! Having said really a great deal here, which was thrown to the winds, which never made its way into people's heads at all, are we always expected to find something new to say! Well, they can't after all expect too much—the people outside;—they can't expect us always to be finding something new. What is wanted now, would be to set to work and actually propagate the Threefold idea, as it is. Of course there are any number of things in the way of this; but they all reside entirely in the human will. They reside in the fact, that it is necessary that people's souls to-day should wake up; and that they should take the things seriously which are really in question.

[ 8 ] Sehen Sie, da ist eine Frage, an der sich heute die Menschen auch fortwährend vorbeidrücken. Es ist diejenige Frage, von der die «Kernpunkte» von Anfang an ausgegangen sind, auf der im Grunde genommen die ganze Dreigliederungspropaganda beruhen muß - nicht sachlich, aber in bezug auf das Wesen der Propagierung. Es ist die Erkenntnis, daß wir es in der sogenannten sozialen Frage heute wahrhaftig nicht zu tun haben mit dem, wovon die meisten Menschen reden. Die meisten Menschen fragen ja, indem sie von der sozialen Frage reden: Was soll man mit dieser oder jener Institution machen? Was soll man auf diesem oder jenem Gebiet einrichten? Wer so redet, hat überhaupt kein Verständnis für das, was in unserer Zeit vorgeht - aus dem einfachen Grund nicht, weil er nicht einsieht, daß Sie heute die glänzendsten Einrichtungen machen können und daß Sie, wenn Sie sie gemacht haben, dann hinterher trotzdem sehr bald genau dieselbe Agitation haben, wie Sie sie vorher hatten. Jetzt ist die Menschheitsverfassung so: Nehmen Sie zum Beispiel die jetzige Mehrheitssozialdemokratie, die eine lange Zeit Oppositionspartei war. In dem Augenblick, wo diese Mehrheitssozialisten zur Herrschaft kamen, bildete sich die sogenannte Unabhängige Sozialdemokratische Partei. Würde diese zur Herrschaft kommen, so würde sich wiederum eine neue Oppositionspartei bilden, die Kommunisten. Würden diese zur Herrschaft kommen, so würde schon wieder eine neue Oppositionspartei da sein. Es handelt sich heute gar nicht darum, mit irgendwelchen Vorschlägen zu kommen für einzelne Einrichtungen, sondern es handelt sich darum, daß die soziale Frage heute eine richtige Menschheitsfrage ist, eine Frage des Menschenwertes und des Menschheitsbewußtseins.

[ 8 ] There is one question, for instance, which people to-day invariably seek to evade. But it is the one from which the Roots of the Social Question sets out from the very first, and upon which, practically speaking, the whole of the Threefold propaganda must be based, not in substance, but as regards the way of propaganda: namely, the recognition, that in the so-called ‘social question’ to-day, we most certainly are not dealing with what most people talk about under that name. Most people, in talking about the social question, talk about what should be done with this or that institution, about the systems to be adopted in one or other department. Anyone who talks in this way has absolutely no understanding of what is going on in our present age; for the simple reason, that he does not see, that to-day you might make the most splendid institutions—if that were possible!—and that afterwards, when you have made them, you will soon have exactly the same agitation going on as before. As mankind is constituted at the present day, you may have a party, which for a long while has been in opposition;—take for example the Majority Socialists at the present time: the moment these Majority Socialists come into power, another party forms, of the so-called Independent Socialists. If these were to come into power, a new party again would form in opposition,—the Communists. And if these were to come into power, another new opposition party would soon be in the field. The fact we have to recognise is, that we are not dealing to-day with anything that can be touched by any sort of projects for particular institutions, but that the social question to-day is a human question, a question strictly of human worth and human consciousness.

[ 9 ] Und man sieht das klarer, was die soziale Frage ist, wenn man einmal Umschau hält in Ländern, in denen noch nicht alles zusammengebrochen ist, sondern erst demnächst zusammenbrechen wird. Da gibt es auf der einen Seite die ehemals führenden Kreise. Diese Kreise sehen zunächst, daß alles Geschäftsleben stockt, daß sich in den Magazinen ungeheure Vorräte ansammeln, daß man nur noch mit Mühe soviel herausschlägt, um die Arbeiter zu bezahlen, und man macht sich Gedanken: Wenn die Sache so fortgeht, wird man die Arbeiter bald nicht mehr bezahlen können. Man wird aber auch nicht [die Waren] losschlagen können, die man in den Magazinen lagernd hat. Das alles sieht man ja, aber man denkt sich: Ein Wunder wird schon kommen, und dann wird es demnächst doch anders werden. Auf dieses Wunder wartet man, damit man nicht nötig hat nachzudenken, was man eigentlich tun soll. Auf der anderen Seite stehen diejenigen da, die eine ganz andere Sprache führen, die breiten Massen des Proletariats der zivilisierten Welt. Von dem, was unter diesen breiten Massen vorgeht, haben die eben charakterisierten führenden Kreise nicht die geringste Ahnung. Aber es ist in diesem Proletariat ein Wille vorhanden, ein Wille, der seine Fragen in Begriffe, in Ideen kleidet, und in dem Augenblick, wo diese verwirklicht werden, würden sie alles, was wir an menschlicher Zivilisation haben, zugrunderichten, alles, alles zugrunderichten, alles hinwegfegen. Und die führenden Klassen denken sich, sie werden demnächst wieder zurückkehren können vielleicht zum Jahre 1913 oder Anfang 1914, um da wiederum anzufangen, wo sie damals aufgehört haben, und dann würden sich ganz willig aus diesen breiten Massen auch die Menschen finden, die wiederum so arbeiten, wie sie dazumal gearbeitet haben. Nein, wir haben es heute nicht zu tun mit einer Frage der Institutionen, sondern mit einer Menschheitsfrage. Und wir müssen einsehen, daß wir bei den führenden Klassen schon seit langer, langer Zeit eben nicht das geringste Verständnis gefunden haben für das, was ihre Aufgabe ist. Ja, glauben Sie denn, daß aus den Massen heraus sich überhaupt etwas anderes entwickeln wird als das, was wir hier in Stuttgart, wo wir mit der Dreigliederungspropaganda begonnen haben, zu unserem Entsetzen erleben mußten?

[ 9 ] And one sees, what the social question really is, if one looks about one in countries, where everything has not yet crashed, but where the crash is still to come. There one may see, on the one side, the classes who formerly held the reins. These people see so far as that all business is coming to a stand-still: that enormous stocks of goods are piling up in the business-houses; that they have difficulty in making enough to pay their workmen, and are beginning to think, that if things go on in the same way, they soon won't be able to pay them at all; that they also won't be able to get rid of the stock in the warehouses. All this they see so far quite well; but they fancy, that some miracle will come about, and then, in a little while, things will be different. And so they sit waiting for the miracle, in order not to have to use their own brains, and think what ought really to be done. And, standing over on the other side, one sees those people who talk a very different language: namely the broad masses of the working class throughout the civilised world. Of what is going on amongst these broad masses, the first description of people have, nevertheless, not the faintest notion. But in these working-classes there exists a will: a will, that clothes its problems in conceptions, in ideas, which, the moment they are actually realised, will mean the destruction of everything we possess in the form of human civilisation:—ideas that destroy everything, everything,—that sweep everything away. And the leading classes imagine, that in a little while maybe things will have gone back again to the year 1913, or the Spring of 1914, and they will begin again whore they left off at that time;—and that then, amongst these broad masses, they will still find people to come quite willingly, and work again as they used to work in those days. No! to-day it is no question of institutions with which we have to deal, but a question of human beings. And we have to recognise, that amongst the leading classes for a very long time past there has not been the faintest sign of understanding for the task they had to perform. And do you think, then, that from the masses anything could possibly come, except what we experienced to our horror here in Stuttgart, when we started with our Threefold propaganda?

[ 10 ] Sehen Sie, unter zwei Voraussetzungen hätte das, was wir im April vorigen Jahres begonnen haben, sehr gut seinen Fortgang nehmen können - unter zwei Voraussetzungen. Die eine wäre die gewesen, daß es gelungen wäre, ohne Berücksichtigung der proletarischen Führer die breiten Massen des Proletariats für eine verständnisvolle Lebensauffassung zu gewinnen. Das war auf dem besten Wege. Auf der anderen Seite hätte es sich darum gehandelt, daß diejenigen, die einen gewissen Einfluß hatten innerhalb des Bürgertums, der Bourgeoisie, uns jetzt die Hand gereicht, uns Vertrauen entgegengebracht hätten und sich gesagt hätten: Da wird einmal der Versuch gemacht, eine Brücke zu bauen zwischen dem Proletariat und den anderen.

[ 10 ] You must consider, that there were two conditions under which the beginning we made, in April last year, might quite well have been carried further. Under two conditions:—the one would have been, that we should have succeeded, regardless of their leaders, in winning over the broad masses of the working classes to a really understanding conception of life. That was on a very fair road to success. And the next thing would have been, on the other side, if the people with some influence amongst the middle-classes—the bourgeoisie—would have held out a hand, would have shown us some confidence; if they had said to themselves: ‘Here is at least an attempt being made to construct a bridge between the working classes and the others.’

[ 11 ] Was hätte geschehen müssen? Sie können sich denken, daß die Sache nicht leicht ist, denn zu alle dem, was heute so redet wie Stresemann oder dergleichen Leute oder was irgendwie in dem Geruch steht, nach jener Seite hinzuschielen, zu dem wird das Proletariat unter keinen Umständen jemals Vertrauen haben. Aber, meine sehr verehrten Anwesenden, wir waren doch auf dem Wege, einfach durch Vernunftgründe zu dem Proletariat sprechen zu können. Und es wäre nur notwendig gewesen, daß uns von Seiten der Bourgeoisie soviel Verständnis entgegengebracht worden wäre, daß man uns gesagt hätte: Gut, wir wollen versuchen abzuwarten, wozu ihr imstande seid. Wir wollen zugeben, daß unter uns selbst zahlreiche Leute sind, die nicht dieses Vertrauen gewinnen können, weil sie es sich verscherzt haben, aber man wird, wenn man so vorgeht, die Brücke schlagen können.

[ 11 ] And what actually happened? As you can think, the matter is no easy one to-day; for as to the sort of thing which Stresemann talks, and the like,—or which bears the least odour of any leanings in that direction,—in nothing of this sort will the working classes ever, under any circumstances, place the slightest confidence. But, for all that, we were really in a fair way to appeal to the working classes simply on common-sense grounds; and all that was needed, would have been, that the bourgeoisie on their side should have met us with so much understanding as to say: ‘Alright: we will do our best, and wait and see what you can do. We will admit that amongst ourselves, there are a large number of people who cannot hope to win the necessary confidence, for they have trifled this confidence away; but, by this line of proceeding, it will be possible to bridge the gap.’

[ 12 ] Was ist statt dessen geschehen? Die Leute, die solches Verständnis hätten aufbringen sollen, die haben sich breitbeinig hingestellt und haben erklärt: Das sind ja Leute, die uns fast oder ganz nach dem Bolschewismus hinführen! Das sind ja Leute, die es alle nur mit dem Proletariat halten! - Nicht das geringste Verständnis konnte auf dieser Seite gefunden werden. Und unter solchen Verhältnissen konnten die Führer des Proletariats, mit denen man nichts zu tun haben durfte, leicht dann dieses Proletariat wiederum uns entfremden. Das ist es, was dazumal die Sache scheitern machte.

[ 12 ] But, instead of this, what happened? The people who should have met us with this much understanding, planted themselves down across the path, and declared:iThese people are leading us straight into Bolshevism,—or not far short of it! They are hand-in-glove with the proletariatell Not the least understanding was to be met with on that side. And under these circumstances it then grew too late; so that the leaders of the working class, who should have been left out of it, found it easy to step in and alienate the workers from us again. That is what spoilt the matter for us, and why it came to grief at that time.

[ 13 ] Und auch alles das, was wir tun könnten mit Bezug auf Propaganda, das würde wiederum scheitern müssen, wenn zum Beispiel die Ansicht vordringen würde: Ja, was in der Dreigliederungszeitung steht, ist ja zu schwer verständlich. Wenn mir einer das sagt, dann betrachte ich es als meine Aufgabe, ihm in aller Höflichkeit - höflich muß man ja gewöhnlich mit solchen Leuten sein -, ihm in aller Höflichkeit klarzumachen: Gerade weil man solange immer gesucht hat, das unverständlich zu finden, was aus der wirklichen Lebenspraxis heraus ist und immerfort gefordert hat: Ihr solltet auf ein anderes Niveau heruntersinken, um zu schreiben, - deshalb haben wir das Elend. Und du bist der Repräsentant derjenigen, die uns in das Elend hineingebracht haben. Indem du forderst, man solle nach dem Verständnis schreiben, das dir zum Munde gewachsen ist, zeigst du dich eben als ein Schädling aus dem Kreise derjenigen, die uns in die heutige Situation hineingebracht haben. Solange wir nicht in der Lage sind - in aller Höflichkeit selbstverständlich, wenn es sich um einen einzelnen Fall handelt -, solange wir nicht in der Lage sind, genügend Menschen zu finden, die das Herz dazu haben, endlich zu sagen: Es muß ein neuer Morgen kommen mit neuen Leuten; es muß hinweggefegt werden alles das, was von diesen schrecklichen alten Parteien da ist; es muß etwas ganz Neues entstehen! - solange ist alles Reden über die wirksamsten Propagandamittel einfach für die Katz.

[ 13 ] But, in the same way, anything we might now do in respect of propaganda, would also inevitably come to grief, if the general kind of view were to be, for instance, as regards the paper: “Yes; but the articles in the Threefold Order are so difficult to understand!”—When anybody says that to me, I look upon it as my duty to tell him, with all politeness (politeness is necessary with such people as a rule); so I politely explain to him, that it is just for this reason,—that people have so long had a tendency to think everything un-understandable which comes from the real practice of life, and have always demanded that one should descend to a lower level when it comes to writing,—that now we find ourselves in trouble. And you—I say—are a representative of the people who have brought us into trouble. And when you demand, that one should write to suit the kind of understanding which passes current with you, you simply show yourself to be a specimen of the detrimentals who have brought us to this present pass. And so long as we are not in a position, (with all due politeness, of course, for the individual instance!),—so long as we cannot find a sufficient number of people with the courage at last to say, ‘A new day will have to come, with new people! There must be a clean sweep of everything to do with these horrible old parties; something quite new must come to life!’—until we can do this, all discussion as to the most effective ways of propaganda is so much talk for the cat!

[ 14 ] Wir leben heute nicht in einer Zeit, in der die kleinlichen Mittel irgendwie verfangen, sondern wir leben in einer Zeit, in der es dringend notwendig ist, daß eine genügend große Anzahl von Menschen von gleicher Sprache und gleichen Gedanken sich einsetzen, nicht nur sich begeistern. Ich glaube, meine verehrten Anwesenden, mancher fragt sich, warum es denn eigentlich so in crescendo geht, daß in immer stärkeren und stärkeren Worten gesprochen wird, namentlich auch von mir. Nun, das hat einen sehr einfachen Grund. Denken Sie doch nur einmal: Wenn man die Veranstaltungen dazu getroffen hat, daß ein Teil der Menschheit wach werden soll, und wenn man merkt, wie immer mehr Menschen sanft entschlummern, dann erhöht sich bei dem, was man zu sagen hat, in demselben Maße auch die Stimme, weil man das instinktive Bedürfnis hat, das Schlafbedürfnis seiner Mitmenschen zu überwinden. Und in bezug auf das notwendige Auffassen der sozialen Fragen der Gegenwart können wir wahrhaftig nicht sagen, daß das Schlafbedürfnis unserer Mitmenschheit in der letzten Zeit geringer geworden ist. Man faßt ja sogar innerhalb unserer Bewegung die Sache am allerallerverkehrtesten Ende an. Ich habe neulich einen Vortrag gehalten über die Idee der Dreigliederung, über die Notwendigkeit, das Geistesleben auf seine eigene Basis zu stellen. Es wurde mir in einer außerordentlich gutmütigen, gutmeinenden Weise erwidert: Hier bei uns ist es eigentlich nicht nötig, daß man sich über die Unfreiheit des Geisteslebens beklagt; wir haben einen hohen Grad von Freiheit des Geisteslebens; uns spricht der Staat sehr wenig eigentlich in dasjenige hinein, was wir auf dem Gebiete des Schulwesens unternehmen.

[ 14 ] We are not living to-day in an age when anything whatever can be done by little measures; we are living in an age when it is an urgent necessity, that a sufficiently large number of people, holding the same language and the same ideas, should be capable of throwing themselves actively into the thing,—not merely of being ‘quite enthusiastic’ about it. I think that many of you must be asking himself, why there should be this continual crescendo in the way of speaking; why the words that I myself use, for instance, should grow ever stronger and stronger? Well, for a very simple reason. Only think for a moment: when one has been trying to induce a part of mankind to wake up; when one has taken the practical steps to enable a part of mankind to wake up; and one sees people falling ever more softly and soundly asleep,—then one's voice too grows louder in proportion, then everything one has to say grows proportionately louder, because one feels the instinctive necessity of overcoming the sleepiness of one's fellow-men! And as regards their conceptions of the urgent social questions of the day, we truly cannot say that the sleepiness of our fellow-humanity has grown any less of late. Things are taken up, even in our own movement, from an utterly wrong end. I delivered a lecture recently on the idea of the Threefold Order, and the necessity of placing the spiritual life upon its own footing. And in reply, somebody said in the most good-natured, well-meaning way: ‘Here, amongst us, there is really no occasion to complain of the lack of freedom in spiritual life. We possess a very considerable degree of freedom in our spiritual life. Amongst us, the State really interferes very little in anything we may choose to do as regards our school-system.’

[ 15 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, die Leute, die so sprechen, sind das beste Zeugnis dafür, wie notwendig die Befreiung des Geisteslebens ist. Denn diejenigen, die noch spüren, wie unfrei sie sind, das sind die, die man noch besser brauchen kann. Diejenigen, die es aber nicht einmal mehr spüren, wie unfrei sie sind, die die schon in ihre Köpfe hineingetrichterten staatspädagogischen Ideen für ihre eigene innere Freiheit halten und keine Ahnung haben, wie weit die volkspädagogische Sklaverei geht, das sind diejenigen, die eigentlich alles aufhalten. Man muß die Sache eben gerade am rechten Ende fassen können. Diejenigen, die unbewußt Sklaverei für Freiheit halten, das sind diejenigen, die uns natürlich nicht vorwärtskommen lassen. Und so muß man sagen: Es handelt sich darum, vor allen Dingen einzusehen, daß alles gegenseitige Verständnis verlorengegangen ist zwischen den breiten Massen und denjenigen, die durch lange Zeiten hindurch die Aufgabe gehabt hätten, so zu sprechen in der Welt, daß diese breiten Massen heute nicht in ihren Zeitungen und so weiter diejenigen Ansichten vertreten, die sie eben vertreten. Man darf namentlich nicht glauben, daß irgendein [wirkliches Geistesleben] aus der breiten Masse des Proletariats kommt.

[ 15 ] Let me say to you, that people who talk in this way are the very best testimony to the necessity of emancipating our spiritual life. People who still have some sense of how unfree they are, are people for whom one can find much more use. But the people, who no longer have even a sense of their own lack of freedom, who take the State-educational ideas, that have been pumped into their heads, to come from their own inner freedom, and have not the faintest notion of how far this public-educational slavery extends,—these are the people really, who are the drag upon everything. It is a question of taking hold of things by the right end. And people who, without knowing it, take slavery for freedom, are the people who, naturally, hinder us from getting forwards. One may say, therefore, that the first matter above all, is to recognise, that all mutual understanding has been lost between the broad masses and those other people, whose special task for long years past it should have been, to hold such a language in the world, that these broad masses should not to-day be advocating, in their newspapers and everywhere, the kind of views which they are advocating.

[ 16 ] Ich habe neulich zu Pfingsten in einem anderen Lande eine sozialistische Zeitung gelesen. Da standen die kuriosesten Pfingstartikel, da wurde alles, alles vom Geist abgewiesen und darauf hingewiesen, daß der einzige Geist derjenige sei, der aus den breiten Massen herauskomme. Durch diese Pfingstartikel einer sozialdemokratischen Zeitung mit bolschewistischem Anstrich fühlt man sich so [in ein Bild] versetzt, daß man sich sagt: Jetzt sollte ich irgendwo abfangen diesen Geist, der da wie ein Rauch aufsteigt aus den breiten Massen. - Ja, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn man sich dann anschickt, irgend etwas nur zu denken, geschweige denn zu erfassen von diesem Geist der breiten Massen, dann hat man doch das Gefühl: Das ist ein viel schlimmerer Aberglaube als jener Aberglaube, der in jedem Strauche, in jedem Baum irgendeinen Dämon oder eine Elfe oder dergleichen sieht. Die modernen Menschen haben ja keine Ahnung, in welchen Formen des Aberglaubens sie eigentlich in Wirklichkeit leben. Und worauf kommt das denn schließlich hinaus? Sehen Sie, es kommt darauf hinaus, daß die Menschen durchaus zu bequem sind, daran zu denken, wie ein neues Geistesleben wirklich gebaut werden muß. Sehen Sie, das hat man nun seit Jahrzehnten gründlich erleben können. Kommt man dann an die Menschen heran mit der Zumutung, daß jetzt ein neues Geistesleben gebaut werden muß, ja, dann findet man allenfalls Menschen, welche sich entschließen, daß sie außer dem, was sie sonst im Leben treiben, noch für den Sonntagnachmittag oder für den Zweigabend oder für die Zeit, in der sie gerade anthroposophische Bücher lesen, sich widmen dieser neuen Geistesbewegung. Aber daß sie einen Zusammenhang suchen würden zwischen dieser neuen Geistesbewegung und demjenigen, was sie sonst im Leben treiben, dazu können sie sich doch nicht entschließen.

[ 16 ] I read lately—in another country—the Whitsuntide number of a socialist newspaper. They were the queerest Whitsun articles, that were in it! Everything to do with ‘Spirit’ was rejected altogether, and it was pointed out instead, that the only kind of Spirit is the one which proceeds from the broad masses. Well, one really feels oneself wrought into such a state of mind by such Whitsun articles in a socialist paper of bolshevist tendencies, that one begins to say to oneself: ‘Where can I catch it? where can I hold of it, this “Spirit,” which is coming up like a smoke out of the broad masses?’ And then, when one really sets to work to try and form even some conception, let alone to grasp this Spirit of the broad masses,—then I can only say that one has after all the feeling: It is a far worse superstition, than the kind of superstition which sees a hobgoblin or a fairy in every bush and tree. The men of modern times have no notion really, under what forms of superstition they are living as a matter of fact. And what does it all amount to? Well, you know, it amounts after all to this: that people are much too easy-going to give their minds to the necessity of really building up a new spiritual life. This is an experience which one has had very thorough opportunities of learning for many years past. Directly one approaches people with any appeal for the necessity of building up a new spiritual life, one finds a certain number of people no doubt, who, in addition to their other occupations in life, can make up their minds,—on Sunday afternoons, or Branch-evenings, or for the time they spend on anthroposophical reading,—to devote themselves to this new spiritual movement. But, as to trying to make any connection between this new spiritual movement and their other occupations in life,—this is something which they cannot make up their minds to do.

[ 17 ] Aber auch zahlreich, ganz zahlreich sind die anderen Menschen, die da kommen und sagen: Ja, was du da willst, das wollen ja im Grunde genommen die besseren Katholiken und die besseren Evangelischen auch; da war ein Pastor, der hat von der Kanzel ganz im anthroposophischen Sinne gesprochen; im Grunde genommen findet man alles das, was du da willst, auch da und dort. - Die Leute, die Kompromisse schließen wollen bis zu dem Grade, daß sie eigentlich die Anthroposophie untergehen lassen möchten in dasjenige, was die Menschen gewohnt sind, die findet man schon sehr zahlreich. Die Menschen, die gegenüber dem, was gewollt werden muß, gerade im Sinne des gestrigen öffentlichen Vortrages, doch auch dem Grundsatz huldigen: «Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht einen Tropfen naß» - diese Menschen sind heute ganz besonders zahlreich. Und solange wir nicht die Möglichkeit gewinnen, in möglichst viele Köpfe hinein das Bewußtsein zu bringen, daß vor allen Dingen ein neues Geistesleben notwendig ist ein Geistesleben, das durchgreifend ist -, solange kommen wir nicht vorwärts. Wenn wir dieses neue Geistesleben haben, wenn wir nicht mehr genötigt sind, zu kämpfen mit den unverständigen Intellektuellen, dann werden wir wiederum etwas haben, was sprechen kann zu den Menschen so, daß das Sprechen soziale Tatsachen bewirken kann.

[ 17 ] But there are numbers and numbers of other people, who come to one and say: ‘After all, what you want, is really what the better sort of Catholics, or the better sort of Protestants, want too. Why there was some clergyman, again, whose sermon from the pulpit was quite in the anthroposophical direction! More or less everything that you are aiming at is to be found in this or the other quarter as well.’—People who would like to make compromises, to the extent of being ready to let Anthroposophy be practically swamped by the sort of thing they are used to,—such people are to be found in plenty. People, who, even in matters that call for resolute will,—such as we spoke of in the public lecture yesterday—nevertheless still follow the principle ‘Wash my fur, but don't wet it by a single drop,’—such people are peculiarly plentiful in these days. And until we find means to put a clear understanding into as many heads as possible, that what is needed before all else is a new spiritual life, a spiritual life that lays hold on everything,—until we find means to do this, we shall get no further. When we have this new spiritual life,—when we no longer have the senselessness of the intellectuals to contend with,—then we shall once more have something that can speak to men in such a way, that the speaking has power to call forth social facts.

[ 18 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, die Menschen sollten sich nur einmal die Vorstellung machen, was das Wort für eine Wirkung haben kann. Sie sehen heute über die ganze zivilisierte Welt hin, soweit sie zugänglich ist, wenn Sie in der Eisenbahn oder im Auto fahren, überall Dörfer und Städte, und in diesen Dörfern und Städten sehen Sie Kirchen, Kirchen, die gebaut worden sind. Diese Kirchen waren alle nicht da vor einer gar nicht zu langen Zeit. In den ersten Jahrhunderten unserer christlichen Zeitrechnung war in diesem heute mit Kirchen besäten Europa etwas ganz anderes da. Und wenige waren es damals, die unter die Menschen getreten sind, allerdings unter eine frischere, weniger schlafende Menschheit, und diese wenigen, die haben es aus ihren Worten heraus bewirkt, daß heute Europa diese Gestalt hat. Hätten die Menschen, die das bewirkt haben, dieselbe Gesinnung gehabt etwa, wie sie diese Dutzendführer unserer sämtlichen vierzehn Parteien haben - es wären ganz gewiß vielleicht nicht einmal ein Dutzend Kirchen gebaut worden. Es ist doch die innere Kraft des Geistes, welche die sozialen Tatsachen schaffen muß. Aber dann muß diese innere Kraft des Geistes eben getragen sein von Menschen, die wirklich den Mut haben, sie zu tragen. Und heute stehen wir einmal vor der Tatsache, daß das alte Geistesleben, das dazumal begründet worden ist in seinem Inhalte, sich nur aufrechterhalten kann durch Gewaltmaßregeln, durch Vorurteile, durch Gewohnheit, daß es aber im Grunde genommen, wenn die Menschen innerlich wahr und ehrlich sind, nicht aufrechterhalten werden kann, daß es ersetzt werden muß durch ein neues Geistesleben; wir kommen gar nicht anders vorwärts als dadurch, daß wir es ersetzen durch ein neues Geistesleben. Jede Art des Kompromisses ist heute eine Unmöglichkeit. Und ehe man nicht einsieht, daß es notwendig werden muß, an die Stelle all dieser alten Dinge etwas ganz Neues zu setzen, das aber vom Geiste heraus die Kraft zur sozialen Gestaltung entwickelt, eher kommen wir nicht weiter. Daher, meine sehr verehrten Anwesenden, betrachte ich es in einem gewissen Sinne als von sehr untergeordneter Bedeutung, ob man sich über die kleinen Mittel der Propagierung so oder so unterhält, ob man es so oder so macht, - es kann alles von einem gewissen Standpunkte aus sehr gut oder spottschlecht sein. Darum handelt es sich nicht, sondern darum handelt es sich - was ich immer wieder und wiederum in unserer Dreigliederungszeitschrift ausgesprochen habe -, daß wir eine genügend große Anzahl von Menschen finden, welche unsere Ideen mutvoll zu vertreten entschlossen sind, welche entschlossen sind, nicht immer wieder und wiederum mit dem Schlendrian des Alten zu kommen.

[ 18 ] If people would but form a conception of what can be done by the power of the Word! Look over the whole civilised world today, whereever you may travel, by train or by motor-car; everywhere you see towns and villages, and in all these towns and villages churches: churches, that have been built. These churches were none of them there, not so very long ago. In the first centuries of our present, Christian era, all over this Europe, now strewn with churches, there was something very different. Yet they were but a small Few, who went out amongst the people,—though indeed amongst a fresher age of man, less given to sleep. And these small Few it was, who through the power of their words gave Europe the face it wears to-day. Had the people, who accomplished this, been of the same type of mind as—say the sample-dozen leaders of our collective 14 parties, probably not so many as a dozen of these churches would have been built. It is the inner power of the spirit, after all, which must create social facts. But then, this inner power of the spirit must find its carriers in men, who really have courage to carry it. And today we simply have to face the fact, that everything, which in those days was founded on its own inner grounds, can only now be maintained in place by measures of force, by prejudice, by custom,—and that, at bottom, it is not possible to maintain it, if people's minds are true and honest;—that a new spiritual life must be set in its place;—that there is no other possible way for us to go forwards, except by setting a new spiritual life in place of the old. Every sort of compromise is an impossibility to-day. And until people recognise that it will be inevitably necessary to put something entirely new in the place of all these old things, but something which shall draw from the spirit the power to create a new social order,—till then, we shall get no further.—And therefore I must say to you, that I regard it, in a way, as a matter of very minor importance, whether all the petty measures of propaganda are discussed in this manner or that,—whether it is done in this manner or that; it may all, from a certain point of view, be very good, or miserably bad: that is not the important matter; the really important matter, as I have said over and over again in our paper, The Threefold Order, is this: that we should find a sufficiently large number of people who will make up their minds to stand out courageously for our ideas, who will make up their minds not for ever to be wanting to drift back into the old grooves.

[ 19 ] Jetzt, meine sehr verehrten Anwesenden, stehen wir mitten drinnen in Gründungen, die eben zusammengefaßt sind unter diesem «Kommenden Tag». Was mir dabei am meisten auffällt, ist, daß doch immer wieder gutmeinende Menschen kommen und sagen: Ja, eigentlich muß man das ganz anders machen, da mußt du einen Fachmann berufen, da mußt du einen Praktiker berufen. - Es ist das Jammervollste, was man erlebt, wenn man dann einmal einem solchen Ansinnen nachgibt. Denn aus solchem Ansinnen geht eigentlich hervor, daß versucht wird, den alten unpraktischen Schlendrian auch wieder zu uns hineinzuverpflanzen. Nicht darum handelt es sich, daß wir die alten sogenannten Praktiker in unsere Institution hineinverpflanzen, sondern daß wir uns klar sind: Diejenigen, die auf irgendeinem Gebiet unter Umständen den besten Ruf heute haben, indem sie die alte Routine zu handhaben wußten, sind für uns am wenigsten zu gebrauchen. Und diejenigen sind am besten zu gebrauchen, die bereit sind, neue Arbeit zu leisten aus unmittelbarster, innerster Initiative heraus, und die sich nichts einbilden auf dasjenige, was sie aus den alten Verhältnissen heraus gelernt haben. Ohne daß wir ablegen diese Einbildung auf das, was noch aus den alten Verhältnissen herausgeholt ist, ohne das kommen wir auf keinen Fall weiter. Das ist es, was wir heute durchschauen müssen. Und schließlich sage ich Ihnen: Propagieren wir vor allen Dingen dasjenige, was nun wirklich seit mehr als Jahresfrist versucht worden ist zu schaffen. Man sollte nicht immerfort versuchen, superklug zu sein, indem man doch nur das Alte umbiegen will, um es in irgendeine andere Form zu bringen, und sich dabei - verzeihen Sie den Ausdruck - die Finger ableckt, wie gescheit man ist, und glauben: die fangen alles unpraktisch an, da muß das oder das gemacht werden.

[ 19 ] At the present moment, as you know, we are busy setting on foot the various businesses, collectively comprised under this Kommender Tag. What strikes me more than anything else about it is, that well-meaning people keep coming and saying: ‘Really, you know, that ought to be done quite differently; you ought to call in a specialist; you ought to call in a practical man.’—It is the most pitiable experience one can gb through, if one does for once give in and follow the suggestion. For such a suggestion really implies, that the person wants to import the old unpractical groove-drifting amongst us again. What we need, is not to import the old so-called practical men into our institutions; on the contrary, what we need, is clearly to recognise, that the people who may happen to-day to have the best reputation in any department, and know best how to handle the old routine, are the worst people for our purpose. And the best people for our purpose are those who are prepared to do new work from their own quite inner and spontaneous initiative, and who do not plume themselves in any way on what they have learnt under the old conditions. Unless we leave off pluming ourselves on anything we have attained to under the old conditions, we shall in no case get any further. This is what we must clearly recognise to-day. And in conclusion I would say to you as regards our propaganda: Let us spread abroad in the first place what we have really been endeavoring to do for more than a year past; and don't let us always try to be over-clever and always want to twist round the attempts that have been made, and give them a different shape again; in order then—excuse the expression!—to lick one's fingers over one's own cleverness, and for ever be repeating: ‘They are so unpractical in everything they start! This ought to be done, and that ought to be done!’

[ 20 ] Man versuche nur einmal, [sich vor Augen zu halten,] was es heißt, daß neunundvierzig Nummern der Dreigliederungszeitung verpufft sind. Warum sind sie verpufft? In Wirklichkeit müßte heute die Dreigliederungszeitung soweit sein, daß wir sie jeden Tag als Tageszeitung erscheinen lassen könnten. Warum sage ich das? Weil ich tatsächlich auch heute auf dem gleichen Standpunkte stehen muß wie im April und Mai vorigen Jahres, als wir diese Sache begonnen haben. Glauben Sie, es wäre eine Redewendung gewesen, es wäre ein Phrase gewesen, daß ich eine große Anzahl von Reden dazumal mit den Worten geschlossen habe: Man entschließe sich zu irgend etwas, bevor es zu spät ist! - Dazumal handelte es sich darum, daß man für gewisse Dinge den richtigen Zeitpunkt zu erkennen hatte. Für viele Dinge ist es heute einfach zu spät. Heute können wir auf den Wegen, auf denen wir dazumal alles mögliche versuchten, selbstverständlich nicht weiterkommen. Es handelt sich heute gar nicht darum, daß wir uns irgendwie noch einlassen auf eine Diskussion mit all den alten Ladenhütern, seien es die der Bekenntnisse, seien es die der Parteien. Heute handelt es sich darum, daß wir ganz fest auf dem Boden desjenigen stehen, was wir zu sagen haben und es in möglichst viele Köpfe hineinbringen. Anders kommen wir nicht vorwärts. Denn es ist für vieles eben einfach zu spät geworden. Und es wird auch unter Umständen recht bald zu spät sein für manches, was noch geschehen kann, namentlich für die Verbreitung unserer Ideen, wenn wir immer wieder und wiederum nur auf irgendwelche Nebensachen bedacht sind und nicht auf die Hauptsache gehen: auszubreiten unsere Ideen.

[ 20 ] Just reflect for a moment what it means: 49 numbers of the Threefold. Order—of our paper—flung away and come to nothing! And why did they come to nothing? The Threefold Order ought really by now to be so far on, that we could bring it out as a daily paper. Why do I say this? Because as a matter of fact today I can still only take the same standpoint as was expressed in the words I used when we first began this thing, in April and May of last year. Do you imagine that it was a form of speech, that it was a phrase, when I concluded a great number of my speeches in those days with the words: we must make up our minds to do whatever it might be, before it is too late!—For many things it is simply too late to-day. By the paths along which we attempted to do all manner of things in those days, we to-day can obviously get no further. To-day it is not in the least our business to enter into any sort of discussion with the old stock-in-trade arguments whether of the creeds or the parties. Our business today, is to stand firm upon the ground of what we have to say, and to introduce it into as many heads as possible. In no other way shall we get forwards. For as a fact, for many things it is now simply too late. And it may possibly very soon be too late also for other things, which it is still possible to do, namely for the spreading of our ideas,—if we are for ever turning our minds to all sorts of secondary matters, instead of going straight for the main thing, which is to spread our ideas.

[ 21 ] Ich sagte vorhin: Das, was wir begründeten als den Kommenden Tag, das kann ja im Grunde genommen nur ein unbefriedigendes Surrogat sein. Warum denn? Weil wir eben uns keine Illusionen vormachen, daß wir praktisch sein können, ohne auf praktische Taten uns zu stützen. Wir versuchen, wirtschaftlich tätig zu sein, aber da kommen dann die Leute und fragen einen: Ja, wie muß man denn einen Gewürzkrämerladen einrichten, damit er sich möglichst gut in den dreigliedrigen sozialen Organismus hineinstellt? - Gewiß, wir wollen in dem Kommenden Tag wirtschaftliche Unternehmungen begründen, aber da handelt es sich darum, daß man sie wirklich praktisch anfaßt. Und wie sollte man heute praktisch die Sache anfassen, wenn man sich sagen muß: Wirtschafte ich mit einer bestimmten Sorte von Unternehmungen, so muß ich, damit ich da rationell wirtschaften kann, auch eine andere Gruppe von Unternehmungen haben - zum Beispiel zu einer bestimmten Gruppe von industriellen Unternehmungen muß ich eine bestimmte Gruppe von landwirtschaftlichen Unternehmungen haben. Ja, können Sie denn das? Das ist ja heute alles unmöglich. Der Staat macht es Ihnen ja unmöglich, eine solche praktische Einrichtung zu treffen. So groß ist heute ja die Gewalt des Staates. Nicht darum handelt es sich, daß Unpraxis vorliegt, sondern daß Gewalt auf der anderen Seite die Sache unmöglich macht.

[ 21 ] I said, that this concern we have founded, the Kommender Tag; can after all be only an unsatisfactory substitute. And why? Simply because we are under no delusions that we can possibly be practical without basing ourselves upon practical actions. We are endeavoring to take an active share in practical business-life; and then people come and ask one: ‘How, exactly, ought one to set up a grocery shop, so as to be as much as possible on the lines of the Threefold Commonwealth?’ Of course, we are trying to found business undertakings in the Kommender Tag; but there it is a case of handling them really practically. And how, is one, for instance, to handle the matter really practically to-day, when one can only tell oneself: If I intend to carry on a particular kind of undertaking, then, in order to carry out the thing rationally, I must have another set of undertakings. For a particular set of industrial undertakings, for instance, I must have a particular set of agricultural undertakings. Well, but can you do it? It is all impossible as things are to-day. The State makes it quite impossible for you to make this particular kind of practical arrangement. So great is the external power of the State to-day. It is not a question of any want of practicality; but simply that the thing is made impossible on the other side by external power.

[ 22 ] Daher sollten diejenigen Menschen, die nun tatsächlich auf irgendeinem Gebiete des wirtschaftlichen Lebens stehen, doch heute wahrhaftig nicht über untergeordnete Fragen sich unterhalten, sondern sie sollten sich darüber unterhalten, wie die verschiedenen wirtschaftlichen Berufsstände, die wirtschaftlichen Assoziationen überhaupt loskommen von dem, was politischer Staat ist, wie sie sich aus ihm herausschälen können. Solange zum Beispiel die Techniker, solange diese und jene Leute nichts anderes denken, als Einrichtungen zu treffen, die am besten hineinpassen in das gegenwärtige Staatsleben, solange kommen wir keinen Schritt weiter. Erst dann kommen wir vorwärts, wenn darüber diskutiert wird: Wie kommen wir los? Wie gründen wir ein wirklich freies Wirtschaftsleben, in dem nicht organisiert wird von oben herunter, sondern assoziiert wird, wo sich Berufsstände an Berufsstände sachlich angliedern? Es ist ja noch nicht einmal das allererste ABC von der Dreigliederung in den praktischen Diskussionen drinnen, sondern immer wieder wird unter der Rücksichtnahme auf die gegenwärtigen Verhältnisse weiter gequacksalbert und herumgeredet. Aber all dieses Herumreden führt zu nichts heute. Erwehren wir uns der Leute, die immer wieder und wiederum sagen: Wie ist es denn mit dem und jenem? - Wir werden erst anfangen, vernünftig reden zu können, wenn wir ein Stück weiter sind in der Dreigliederung, wenn wir wirklich so drinnenstehen in dieser Propaganda für die Dreigliederung, daß eine genügend große Anzahl von wirtschaftenden Menschen wissen: Wir können überhaupt nichts Vernünftiges reden, solange wir noch immer darauf kalkulieren, daß uns das Wirtschaftsleben durch Staatseinrichtungen gemacht wird. Nur in dem Maße, in dem man drinnensteht in einem freien Wirtschaftsleben, das nichts zu tun hat mit Politik, kann man erst vernünftig reden - vorher ist es Unsinn. Ebenso kann man nicht über Reformen des Geisteslebens sprechen, solange man sich nicht klar ist, daß man überhaupt nicht anfangen kann, darüber sich zu unterhalten, ehe man nicht in einer freien geistigen Organisation drinnensteht. Man muß sich wenigstens bewußt sein: Solange man in einer geistigen Organisation drinnen ist, die vom Staate abhängt, solange muß man Unsinn reden, solange kann man nicht reformieren. Sehen Sie, damit ist scharf der Punkt bezeichnet, auf den es ankommt. Es handelt sich nicht um Kleinigkeiten, sondern um Großigkeiten. Und je mehr man das einsehen wird, desto mehr wird man gerade auf dem Gebiete der Lebenspraxis erreichen.

[ 22 ] And therefore those persons, who actually now possess a standing in one or other department of economic business-life, should really not spend their time to-day in discussing subordinate questions, but should discuss together instead, how these various ‘business-estates’ of the Body Economic can make themselves free of the political State and everything involved with it,—how they can manage to slip out of it. So long as the technical experts, so long as all these various people are concerned with nothing but how to make arrangements that may best fit in with the life of the existing State, we shall get no step further;—not till they begin to discuss: How can we get free? how can we establish a really free economic life, where things are not ‘organised’ from above downwards, where, instead of ‘organisation,’ there is ‘association,’ in which the different ‘business-estates’ link up together through the actual course of business?—As yet there is not the first, elementary A.B.C. of this in our practical discussions of the Threefold system, but only the same old talk and the same old tinkering round and round, always with a respectful eye on existing conditions. All this roundabout talk leads nowhere to-day. We must be chary of the people who are for ever saying, ‘But how about this, and how about thatl! for the fact of the matter is, that we shall first be able to begin to discuss things sensibly, when we are a bit further on with the separation of the three systems; when we actually have thrown ourselves so completely into the propaganda for the threefolding of the body social, that a sufficiently large number of people in economic life definitely know: ‘Nothing we can say has any sense, so long as we still continue to reckon on the whole of our economic life being arranged for us by the State. Only in proportion as we manage to get free, will discussion begin to have any sense. Until then, everything we may say is nonsense.’—And, in the same way, there is just as little sense in discussing reforms in the spiritual life, until one is clear, that one can't even begin to converse on the subject, before one is actually living in a free spiritual system. One must at least be fully aware, that so long as one is living in a spiritual system which is dependent on the State, all one may say can have no sense,—that, so long as this is the case, one cannot reform anything. This, you see, very clearly marks out the point which is the important one: It is a question, not of little things, but of big things; and the more this comes to be recognised, so much more will it be possible to accomplish in the field of practical life.

[ 23 ] Sie werden sagen: Was haben wir nun, wenn eine solche Philippika gehalten wird über die Frage, wie sollen wir Propaganda treiben? Aber wenn Sie überlegen, was ich gesagt habe, so werden Sie doch finden, daß, solange man sich auch in unseren Kreisen unterhält über die kleinste Art und Weise der Propaganda - ich möchte das nennen eine «Siebenundzwanzig Kreuzer»-Propaganda, wie man in Österreich sagt, weil man dort einmal Geschäfte gegründet hatte, wo jeder Artikel für siebenundzwanzig Kreuzer zu haben war -, solange werden wir nicht weiterkommen. Wir werden dann erst weiterkommen, wenn man Herz und Sinn hat für die großen, treibenden Kräfte, denn auf diese großen, treibenden Kräfte kommt es heute an.

[ 23 ] You will say: ‘What is the use of giving us such a philippic, when what we are asking is, how to carry on our propaganda?’ When you come to think over what I have said however, you will see, that even with what I might call an ‘elevenpence ha'penny propaganda’ (as they say in Austria, where they used to have shops in which every article could be bought for elevenpence halfpenny), that, even so, we shall get no further, so long as, even in our own circles, people discuss every petty detail of ways and means. We shall only begin to get further, when people have hearts and minds for the great motor forces of the world; for it is a question of these great motor forces to-day.

[ 24 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, ich habe schon vieles vergeblich geredet in der Richtung hin, daß es auf die großen, treibenden Kräfte ankommt. Aber ich werde nicht müde werden, doch in der Hauptsache wiederum ablehnend zu sein gegen alles dasjenige, was heute Kompromisse schließen und im Kleinlichen aufgehen möchte. Ich werde nicht müde werden, immer wieder und wiederum hinzuweisen darauf, wie es notwendig ist, heute die großen weltbewegenden Fragen wirklich zum Verständnis der breitesten Massen zu bringen. Deshalb fühle ich mich auch immer genötigt, die öffentlichen Vorträge in dem Stile zu halten wie gestern und zu trotzen all den superklugen Leuten, die sagen, man müßte verständlicher zur großen Masse reden. Sie meinen damit gewöhnlich nur sich selbst, ihr eigenes Niveau. Ich werde immer die Anschauung vertreten: die Menschen, die so reden, das sind gerade die Schädlinge, das sind die, die wir überwinden müssen.

[ 24 ] Well, I have said a great deal to the same effect before now, and all in vain;—namely that it is a question of the great motor forces of the world. Still, I shall never grow weary of persisting, in general principle, to decline everything which leans towards the making of compromises to-day. I shall never weary of pointing out, again and again, the necessity of bringing the great world-moving questions of the day really to the comprehension of the very broadest masses of the people. And for this reason too, I always feel myself obliged to deliver the public lectures in the style I did yesterday, and to defy all the over-clever people who say, that one ought to talk more intelligibly to the masses,—meaning as a rule themselves only and their own intellectual niveau.

[ 25 ] Und dazu müssen wir kommen, den Mut zu haben, uns zu sagen: Ja, es muß etwas ganz Neues begründet werden. Es ist so, wie ich neulich in unserer Zeitschrift geschrieben habe, daß die alten Parteien im Grunde genommen gar nicht mehr da sind, daß sie nur noch als Lüge und Phrase da sind und aus Leuten bestehen, die, weil sie nichts Neues wissen, mit den Schlagworten der alten Parteien sich drapieren. Das ganze [Parteien-]Getriebe, auch der letzten Tage, beweist gerade, wie sehr in radikalster Beziehung ein Neues notwendig ist.

[ 25 ] I shall always maintain the view, that it is the people who talk in this way, who are the detrimentals; these are the people whom we have to overcome. And we must come so far as to have the courage to say to ourselves: ‘Yes, indeed! The foundations must be laid of something quite new!’ The truth is—as I wrote lately in our paper,—that the old parties, practically speaking, no longer exist; they only exist any longer as lies and phrases, and are made up of people who, knowing of nothing new, drape themselves with the empty catchwords of the old parties; and all the while, the whole business is nonsense (including what has been going on in these last days), and directly proves how radically something new is needed.

Nach den Ausführungen von Rudolf Steiner melden sich verschiedene Persönlichkeiten mit Diskussionsbeiträgen und Fragen zu Wort:

(At the close of a desultory discussion Dr. Steiner concluded as follows:)

Siegfried Dorfner: Was sich da in den letzten Tagen abgespielt hat, macht es offenkundig: Was von den Parteien kommt, ist nichts als kleinlicher Unsinn. Nötig ist eine grundsätzliche Kritik der ganzen bisherigen Politik der Parteien. Es geht um die Propagierung des Wahrhaftigen. In dieser Beziehung ist die kompromißlose Haltung der Jesuiten bemerkenswert. Die verkünden: Auch wenn noch so viele Gläubige sich von der Kirche ab wenden, so ist doch das Wichtige, daß nicht eine einzige Wahrheit verlorengeht. Nur auf die Aufrechterhaltung der Wahrheiten kommt es den Jesuiten an, auf nichts anderes sonst. Müßte man nicht auch in bezug auf die Propagierung der Dreigliederung eine ähnliche Haltung einnehmen? Man kann ja nicht mit dem Denken der Menschen rechnen; in den Massen ist kein Denken vorhanden. So muß irgendwie aus dem Leben heraus ein Weg gefunden werden. Man muß zu den Menschen, die an der Maschine stehen, sprechen. Man kann auf ihr Vertrauen zählen, aber nur solange man selber in der gleichen Klasse steht.

Not translated

Herr Roser: Die Wirkung geht tatsächlich nur vom Menschen zum Menschen. Die Menschen wollen den Dreigliederungsgedanken nicht in einer Zeitung lesen; sie wollen ihn aus persönlichen Beziehungen heraus erfahren. Es ist jetzt ein Jahr her, da bemühte man sich um die Verwirklichung der Dreigliederungsidee. Wenn damals jemand versagte, so war es die bürgerliche Klasse; sie ist dafür verantwortlich, daß die Dreigliederungsbemühungen fehlschlugen. Man kann nicht den Verhältnissen die Schuld geben; sondern es sind immer die Menschen, die versagen.

Not translated

Ein Diskussionsteilnehmer: Wie stellt sich Herr Dr. Steiner, wie stellt sich die Dreigliederung zum Syndikalismus?

Not translated

Ein anderer Diskussionsteilnehmer: Ich möchte fragen, wie es von Herrn Dr. Steiner gedacht ist, daß von der Organisation «Der Kommende Tag» aus die Dreigliederung weiter um sich greifen kann?

Not translated

Georg Herberg: Zunächst zur Frage der richtigen Propaganda. Man muß praktische Lösungsvorschläge aus der Sicht der Dreigliederung ausarbeiten, zum Beispiel zur Kleidungs- und Wohnungsfrage, damit das Volk eine praktische Handhabe hat. Für die Lösung der Wohnungsfrage sind eigentlich die Regierungsbaumeister, die Diplomingenieure verantwortlich. Aber da stellt sich ein anderes wichtiges Problem: Es ist das Mißverhältnis zwischen Technikern und Juristen, das in unserer Gesellschaft herrscht. Die Juristen nehmen die führenden Stellungen ein; sie sind maßgebend für die politischen Entscheide. Von ihnen kommen die klangvollen Worte, von ihnen ertönt das erbauliche Sagen. Das, was von den Juristen, und das, was von den Technikern repräsentiert wird, muß zusammenwachsen. Der Kreislauf zwischen Erzeugung, Verkehr und Verbrauch der Waren muß ja auch geschlossen sein; und es ist der Techniker, der für das Gebiet der Erzeugung zuständig ist. Um die Interessen und Aufgaben der Techniker in der Gesellschaft richtig wahrnehmen zu können, müßte ein «Akademikerbund für Techniker» ins Leben gerufen werden.

Not translated

Robert Wolfgang Wallach: Es ist im Grunde deprimierend, daß es im Zusammenhang mit der Dreigliederung überhaupt eine Propagandafrage gibt. Wir müßten diese Idee doch so lebendig in uns tragen, daß wir unmittelbar zu den Menschen wirken könnten, einfach dadurch, daß wir den Mensch im Menschen ansprechen. Der Straßenkehrer braucht den Hausherrn, und der Hausherr braucht den Straßenkehrer; beide sind aufeinander angewiesen. Es sollte deshalb nicht mehr vorkommen, daß der Straßenkehrer den Hausherrn scheel ansieht und umgekehrt.

Not translated

[ 26 ] Rudolf Steiner: Meine sehr verehrten Anwesenden! Es ist in dieser Diskussion leider allzuwenig gesprochen worden über die eigentliche Dreigliederungsidee, sondern nur über manches andere. Ich möchte doch ein wenig zurückführen auf die Dreigliederungsidee und auf das, was damit zusammenhängt, indem ich einzelne Fragen, die behandelt worden sind, herausgreife und dadurch wiederum auf den Vortrag zurückkommen werde.

[ 26 ] It is regrettable that so little has been said about the Threefold idea itself in the course of the discussion, and only about all sorts of other matters. I should like just to bring back the theme a little to the Threefold idea and to the things connected with it. I will therefore pick out several questions that have been raised, and so lead back to the theme of the lecture. One of the questions raised was; What my attitude is—or the attitude of the Threefold idea—towards Syndicalism?

[ 27 ] So ist die Frage gestellt worden, wie ich mich zum Syndikalismus stelle oder wie die Dreigliederung sich dazu stellt. Sehen Sie, wir haben versucht - wahrhaftig - uns zu den verschiedensten Strömungen zu stellen. Ich selbst würde auch heute noch dasjenige sagen müssen, was ich oftmals über den Syndikalismus gesagt habe, daß ja in gewissen syndikalistischen Kreisen ein Bewußtsein davon lebt, wie sehr der Zusammenschluß der einzelnen Berufsstände, der einzelnen Berufszweige und so weiter, also der syndikalistische Gedanke, ein gewisser Weg sein kann, wenigstens im Wirtschaftsleben zu einem Fruchtbaren zu kommen. Alles das will ich durchaus anerkennen, zum Beispiel auch, daß der Syndikalismus in einem weniger sklavischen Verhältnis zum Staatsgedanken steht als zum Beispiel der gewöhnliche marxistische Sozialismus. Auch das will ich durchaus anerkennen und habe es oftmals anerkannt. Allein ich möchte sagen: All diese Richtungen - ich sage nicht der Gegenwart - all diese Richtungen gehören ja nicht der Gegenwart, sondern der Vergangenheit an und ragen nur deshalb noch in die Gegenwart hinein, weil die Leute, die sich früher so [nach irgendeiner solchen Richtung] genannt haben, durchaus nicht umlernen können. Man kann sagen, eigentlich haben schon die ganzen Parteischablonen ihre Bedeutung gegenüber den Verhältnissen der Gegenwart verloren. Nur die Menschen, die früher zu diesen Dingen gehörten, die durch diese Parteischablone charakterisiert werden, sie haben sich noch nicht dazu bequemt, sich mit etwas anderem zu bezeichnen als mit [den Namen der] alten Parteischablonen. Sehen Sie, es hatte einen gewissen Sinn bis zum Jahre 1914, daß sich die Leute mit einem solchen Namen benennen, wie sich zum Beispiel heute noch Herr von Heydebrand «und der Lasa» nennt und so weiter. Aber heute hat es keinen Sinn mehr. So hat auch heute das Festhalten an solchen vergangenen Dingen, wie der Syndikalismus ist, keine rechte Bedeutung mehr.

[ 27 ] Well, as you know, we have endeavoured, really, to find an attitude towards a great many movements of all kinds. I myself could only say the same about Syndicalism to-day, as I have often said about it before: that in certain circles of syndicalist tendencies one undoubtedly finds a consciousness of how much might be done by means of combining the various business-callings, the various branches of business, and that this, the ‘syndicalist’ idea, might lead in a way to certain fruitful results, at any rate in economic life. All this I am quite ready to acknowledge;—as also, for example, that Syndicalism takes up, in a way, a less slavish position towards the idea of the ‘State,’ than Marxian Socialism does for instance. This I am perfectly ready to acknowledge, and have often acknowledged it before. But all such movements in this direction belong, after all, not to the present day, but to a past one; and only project themselves on into the present day, because the people who adopted the name at an earlier date, have since been incapable of learning new conceptions. One might say really, that the whole set of party-shibboleths have lost their meaning for present-day conditions,—only that the people, who in past days belonged to the things these party shibboleths stand for, have not get made up their minds to label themselves with anything else but old party-shibboleths. Down to the end of 1914, you see, there was still a certain sense in people calling themselves by a party-name, such for instance as v.H.... and L.... still do to-day; but to-day there is no longer any sense in it. And yet people still go on calling themselves by the names of these parties. In the same way, to go on clinging to-day to bye-gone things like Syndicalism, has no real meaning any longer.

[ 28 ] Und solange der Versuch gemacht werden konnte, an die Menschen heranzukommen, von denen man glauben konnte, daß ihr Gehirn noch «weich» genug ist, um über diese alten Parteischablonen hinwegzukommen, solange ist er gemacht worden. Aber man muß da von den Verhältnissen etwas lernen. Und heute ist es wirklich dringend notwendig, daß man von den Verhältnissen etwas lernt. Und so muß ich sagen, ich empfinde heute gar nicht mehr die Gewalt der Frage «Wie stelle ich mich zum Syndikalismus?», sondern ich erkläre Ihnen: Ich habe versucht, mich auch zum Syndikalismus zu stellen, das heißt innerhalb des Syndikalismus Leute zu finden, die fähig wären, durch ein noch «weiches» Gehirn die Dreigliederung zu begreifen - aber auch das war vergeblich. Daher muß heute so geredet werden - wie ich es heute Abend getan habe -, daß es sich darum handelt, auf dem festen Boden der Dreigliederung zu stehen und sich nicht zu kümmern um das andere. Denn es handelt sich heute darum, daß wir eine genügend große Anzahl von Menschen finden müssen, die die Dreigliederung verstehen; ob sie nun aus diesem oder jenem Lager kommen, aus dem syndikalistischen oder aus einem anderen, das ist uns ganz gleichgültig. Wir kümmern uns heute nicht mehr darum, wie die Dreigliederung zu den Syndikalisten steht, sondern wir warten es ab, wie sich die Syndikalisten zur Dreigliederung stellen wollen. Im Verlauf des letzten Jahres haben wir gelernt, daß alles andere etwas Vergebliches ist, und heute kann nur derjenige wirken, der etwas lernen kann.

[ 28 ] And so, having made the attempt to approach such people as might be hoped to have brains still plastic enough to get beyond these old party-shibboleths,—so long as the attempt could be made, we made it. But one must learn a little wisdom from the circumstances in this case;—and indeed it is urgently necessary to-day to learn wisdom from circumstances. And therefore I must confess, that to-day I no longer feel any force in the question: What is my attitude towards Syndicalism? I can only assure you, that I have also tried to find an attitude towards Syndicalism; that is to say, I have tried to find people amongst the syndicalists who might be able, by means of a still more plastic brain, to understand the idea of the Threefold Order:—but that too was all in vain. And therefore, to-day, it is necessary to speak as I have spoken to-night, and to say, that our business is to take our stand on the firm ground of the Threefold idea, and not to trouble about anything else. For, what we have to do to-day is, to find a sufficiently large number of people who understand the idea of the Threefold Order; and whether they come to us from this camp or that, from the syndicalist camp, or any other, is to us a matter of complete indifference. We no longer trouble ourselves to-day about what is the attitude of the Threefold idea to the syndicalists; we can wait and see, what attitude the syndicalists will adopt towards the Threefold idea. Anything else would be so much wisdom learnt in vain in the course of the last year; and no one can work effectively to-day who is not capable of learning wisdom.

[ 29 ] Dann ist die Frage gestellt worden, wie es gedacht ist, daß von der Organisation «Der Kommende Tag» aus die Dreigliederung weiter um sich greifen kann.

[ 29 ] And then the question was asked: ‘In what way is it proposed to widen out the organisation of the ‘Kommender Tag,’ so that the Threefold movement may spread?’

[ 30 ] Da bitte ich Sie doch, gerade bei einer solchen Einzelfrage ins Auge zu fassen, daß die Dreigliederungsidee ihrer ganzen Anlage nach etwas durchaus Praktisches ist und nicht in irgendeinem blauen Nebeldunst schwimmt, sondern daß es sich um etwas Konkretes handelt. Der Kommende Tag ist gegründet worden, weil eingesehen worden ist, daß das heutige, gewöhnliche Bankwesen im Laufe des 19. Jahrhunderts allmählich ein schädigendes Element geworden ist in unserem Wirtschaftsleben. Darauf habe ich bei meiner letzten Anwesenheit auch an einem Studienabend hingewiesen. Ich habe gezeigt, daß etwa seit dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts das Geld im Wirtschaftsleben der modernen Zivilisation eine ähnliche Rolle spielt wie die abstrakten Begriffe in unserem Denken, daß es allmählich ausgelöscht hat alles konkrete Streben, daß es wie ein verdeckender Schleier sich hinüberlegt über das, was sich in wirtschaftlichen Kräften ausleben muß. Und daher entsteht heute die Notwendigkeit, etwas zu begründen, was nicht bloß eine Bank ist, sondern was die wirtschaftlichen Kräfte so konzentriert, daß sie zu gleicher Zeit Bank sind und zu gleicher Zeit im Konkreten wirtschaften. Also es besteht die Notwendigkeit, etwas zu begründen, was zusammenfaßt wirklich konkretes Wirtschaften und die Organisation dieser Wirtschaftszweige, so wie sonst in einer Bank das Wirtschaftsleben zusammengefaßt wird, aber ohne auf wirtschaftliche Verhältnisse Rücksicht zu nehmen, nur in abstrakter Weise. Das heißt, es wird hier im Kommenden Tag praktisch versucht, zu überwinden die Schäden des Geldwesens.

[ 30 ] Well, here, I must really beg you—especially in the question of an isolated case like this,—to bear in sight, that the Threefold idea, in its whole character, is something eminently practical; that we are dealing with something that is concrete, and not floating in a blue haze. The ‘Kommender Tag’ was founded, because it was recognised that the usual bank-system, as it is to-day, has gradually in the course of the nineteenth century come to be a injurious element in our economic life. I pointed this out when I was here last time, at another of the study-evenings. I showed that, more or less from the first third of the nineteenth century on, money has played a similar role in the economic life of modern civilisation, to that of abstract conceptions in our thinking-process: that it has gradually blotted out all concreteness of aim and effort; that it has spread itself like a cloak over the things that must find their expression in economic energies. And therefore it has become necessary to-day to found something, which is not merely a bank, but makes a centre of concentration for economic forces which are both a bank and, at the same time, engaged in concrete economic activity:—to found, that is, something which combines in itself real, concrete economic activities with the organisation of these special branches of economic activity,—in the same way as is done by a bank, where economic activities are included, but abstractly, without regard to the conditions of actual economy. That is to say, a practical attempt is here being made to overcome the injury done by the money-system.

[ 31 ] Wir erleben es heute, daß allerlei Leute, Gesell und andere - es gibt ja sonderbare «Gesellen» des Lebens - heute herumtanzen und vom freien Gelde reden. Das sind Utopisten. Das sind Abstraktlinge. Um was es sich handelt, ist, daß man durch eine Erkenntnis des praktischen Lebens darauf kommt, wo eigentlich die Schäden liegen. Und ein Schaden liegt darin, daß sich das Bankwesen wirtschaftlich so gestaltet hat, wie es heute ist. Im wirtschaftlichen Leben steht heute das Bankwesen so drinnen, wie die Gedanken im Seelenleben eines Menschen drinnenstehen, der alles gleich in Abstraktionen umsetzt und der sich nicht um einzelne konkrete Dinge kümmert, mit denen man es zu tun hat, sondern alles in hohe Abstraktionen umsetzt. Der Mensch, der alles in hohe Abstraktionen umsetzt - und das sind die meisten heutigen Menschen -, ein solcher Mensch kommt niemals zu einer wirklichen Erfassung der Wirklichkeit. Sehen Sie, solche Abstraktionen können Sie heute an jedem Sonntag auf jeder Kanzel hören. Solche Abstraktionen, bei denen sich die Leute, weil sie sich herausträumen können aus dem Leben für einen Sonntagnachmittag, so ungeheuer wohl fühlen, haben nichts mehr zu tun mit dem Leben. Und dasselbe, was für das einzelne Seelenleben die wesenlose Abstraktion ist, die sich hinauf in ein Wölkenkuckucksheim flüchtet, das ist für das wirtschaftliche Leben das bloß im Geld sich auslebende Bankwesen.

[ 31 ] To-day we have seen all sorts of people,—Gesell, [Silvio Gesell, originator of the Free-Money (‘stable money’) movement.—‘Gesell’ in German means ‘fellow.’] and other strange ‘fellows’ in life,—dancing around, and talking about ‘free money.’ Those are the utopians! Those are the abstractionists! What is wanted in reality, is to look at practical life, and learn to see where the centres of injury really lie. And one centre of injury lies in the fact, that the bank-system has taken the economic form that it has to-day. The bank-system in our economic life to-day plays the same part as a man's thoughts in the life of his soul, when he translates everything at once into abstractions, and troubles himself no further about the particular, concrete things which one sees and has to do with, but translates everything into lofty abstractions. A man who translates everything into lofty abstractions,—and that is the majority of people to-day,—never arrives at any real understanding of realities. Abstractions of this kind you can hear today on any Sunday from any pulpit. Abstractions of this kind have no longer anything to do with the actual life of the people who find it so thoroughly happy and comfortable to be lulled away from life in this manner for the space of a Sunday afternoon. And what for the individual souls life this substanceless abstraction is, that flies away to its airy cloud-castles, the same for economic life is the bank-system, that lives in the transaction of money.

[ 32 ] Deshalb konnte man, indem man einen Versuch im Kleinen machte - der hoffentlich ins ganz Große sich auswächst -, die Dinge so gestalten, daß man gewissermaßen zurückführt das Geld zur Wirtschaft und die Wirtschaft hinaufführt zum Geld, so daß das Geld wiederum etwas ist, was zur Erleichterung und zum InBewegung-Bringen des Wirtschaftens dient. Wie unsere Gedanken nicht dazu dienen sollen, uns in abstrakte Höhen zu erheben und uns wohl dabei zu fühlen, sondern dazu, daß wir die konkreten Tatsachen des Lebens in Bewegung bringen, so handelt es sich darum, daß wir das Geld hineinstellen ins wirkliche Wirtschaftsleben. Wir wollen Wirtschaftszweige betreiben und nicht uns hineinsetzen in eine Bank und nur Geldgeschäfte machen, denn Geldgeschäfte an sich sind der größte Schaden unseres Wirtschaftslebens seit dem 19. Jahrhundert und dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Also, mit dem Kommenden Tag ist einfach eine praktische Idee aufgegriffen. Und ehe man nicht einsehen wird, daß es sich hier darum handelt, Ideen ganz praktisch zu denken bis ins Einzelnste, wird man auch nicht den Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus verstehen.

[ 32 ] And so it was possible to make an experiment in little, which, let us hope, will grow into something quite big, and in which things could be so arranged, that the money is brought back as it were into the economic activities, and the economic activities carried up into money; so that money, here, again becomes something which serves to make economic activities more feasible and easier to set in motion. Just as our thoughts are not for the purpose of carrying us aloft into abstract sublimities where we feel happy and comfortable, but of enabling us to set in motion the concrete facts of life; so too, with money, the important thing is to bring it down into actual economic industry, to carry on the different branches of practical economy, and not to sit ourselves down in a bank and transact business, in money:—for money-transactions in themselves are the most injurious element we have in economic life, in the nineteenth and beginning of the twentieth century. Here we have then simply a practical idea, taken up and also practically conceived. And until people recognise that it is a case here of quite practically conceiving ideas down into every particular, they will not succeed in understanding the League for the Threefold Social Order.

[ 33 ] Und nun möchte ich aufmerksam machen auf etwas, was ein wenig zusammenhängt mit dem ganzen Ton, den ich heute anzuschlagen versuchte, auf eine Seite, auf die Herr Dorfner hingewiesen hat - auf die Jesuiten. Da findet man, wenn auch für eine Sache, mit der ich nun wahrhaftig nichts zu tun haben will, eine wirksame Art, die Dinge zu vertreten. Sie können immer wiederum hören von jener Seite: Und wenn Tausende und Tausende unserer Anhänger abfallen, wenn wir Tausende und Tausende verlieren, so macht uns das nichts. Es würde uns erst etwas machen, wenn wir eine einzige Wahrheit verlören! - Immer wieder und wiederum können Sie das hören von jener Seite, auf die Herr Dorfner hingewiesen hat: Mögen abfallen Tausende und Tausende von Anhängern, aber es darf nicht eine einzige Wahrheit verloren gehen. Daß da, wo so gesprochen wird für eine Sache, mit der ich wahrhaftig nichts zu tun haben will, eine wirksame Art für Propaganda vorliegt, das könnte man einsehen. Also man könnte sich stellen auf den Boden: Nichts ist es, viele Anhänger zu haben, aber alles ist es, auf dem Boden seiner Wahrheiten stehen zu können, ohne Kompromißbildung, ohne irgendwo hinzuschielen [und zu denken], kriegst du den auch, mußt du dem ein bißchen schöntun. Um diese Art der Propaganda handelt es sich bei der Dreigliederung nicht. Da handelt es sich darum, möglichst viele Menschen zu gewinnen für dasjenige, was die Dreigliederung enthält - wahrhaftig nicht deshalb, weil man in die Dreigliederung verliebt ist oder weil man starrköpfig ist, sondern weil man einsieht: Nur auf diese Weise geht es weiter.

[ 33 ] And now I should like to direct your attention to something which is not unconnected with the general note which I have been endeavoring to strike to-day: to a quarter, namely, which was alluded to by Mr.D.... (i.e. the Jesuits).—And although the cause is one, with which I, truly, will have nothing to do; yet you certainly find things advocated there in a very forceful manner. You may hear continually from that quarter: ‘Thousands and thousands of our followers may fall away; yet, though we should lose thousands and thousands, this matters nothing to us; the thing alone that could matter to us, would be the loss of a single truth!’ You may hear this over and over again from the quarter to which Mr.D.... alluded: ‘Thousands and thousands of our followers may fall away from us; but not a single truth must be let fall!’ Where people speak in this way on behalf of a cause, with which I, truly, will have nothing to do, it is easy to see, that they have here a very forceful manner of propaganda. And this is the thing which is needed7 to have strength to take up the stand, that it matters nothing to have numbers of followers; but that it matters everything to have strength to take our stand on the truths we possess, with no making of compromises, no sidelong glances to one side or another: "Can I get hold of this person? should I make myself agreeable to that person?" That is not what is needed to-day; but what is needed is, that we should win over as many people as possible to the ideas of the Threefold Order,—really not because one is enamoured of the Threefold Order, or because one is set on one's own notions; but because one sees that there is no other may of carrying on further.

[ 34 ] Nun, es erübrigt sich wohl, auf das einzugehen, was Herr Dr. Herberg gesagt hat über «Diplombaumeister» und «Regierungsbaumeister » in ihrem Mißverhältnis zu den Juristen. Diese Dinge sind es, die durch die allerelementarsten Diskussionen des Bundes sich längst erledigt haben. Und, nicht wahr, es geht auch schon ganz und gar nicht, daß, wenn wir im Sinne der Dreigliederung diskutieren, wir gewissermaßen ganz und gar uns außerhalb des Bodens der Dreigliederung stellen. Denn sehen Sie, es würde schließlich doch auch einen sonderbaren Eindruck machen, wenn wir zum Beispiel vom freien Geistesleben sprechen und eine Diskussion aufwerfen würden, ob es denn nun richtig wäre, die alten Bezeichnungen für die am Gymnasium wirkenden Leute zu ersetzen durch Titel wie «Studienassessor» und so weiter. Das sind alles Fragen, die auf dem Boden des alten Staatswesens stehen. So ist es auch mit den «Regierungsbaumeistern»; es kann sich nicht darum handeln, wie diese den Juristen gegenüberstehen. Denn in dem Augenblick, wo man auf die Dreigliederung eingeht, kann man nicht mehr von «Regierungsbaumeistern» sprechen, sondern da stehen wir auf dem Boden jenes politischen Staates, der streng demokratisch das umfaßt, wo jeder mündige Mensch jedem anderen mündigen Menschen als gleicher gegenübersteht. Es kann sich nicht darum handeln, wie dieser demokratische Staat sich verhält zu dem, dem ein solcher Titel gegeben werden soll und dergleichen mehr. Überhaupt, wir müssen uns angewöhnen, etwas mehr in das Reelle hineinzugehen.

[ 34 ] Well, it is hardly necessary, I think, to go into the subject raised by Dr.H.... as to the licensed architects,—the State-architects,—and their relations with the legal profession. These are things which were all settled long ago in the most elementary discussions of the League. And you will agree that is quite out of the question, when we are talking on the lines of the Threefold Order, that we should take up a standpoint altogether off Threefold ground. For it would after all, you know, make a curious impression, if when we were talking—say—of the free spiritual life, we were to start a discussion, as to whether it might be advisable, from a certain point of view, to alter the old titles of the heads of the University Colleges and call them "Directors of Studies", or something of that sort! These are all questions which are based on the old forms of the social State. And the same with the State-architects: it really cannot matter, what their relations are with the legal profession; for, the moment one enters upon the Threefold Commonwealth, it is not possible to talk of Government-architects, since one is talking here on the basis of a political State, which is strictly democratic ground, and comprises in its sphere those things in which every full-grown man meets every other full-grown man as an equal; and it really cannot be a question of the line this democratic State would take as regards a person on whom some title is to be conferred, and things of that kind. In short, we must accustom ourselves, altogether, to go rather more into realities.

[ 35 ] Sehen Sie, es passiert einem ja so manches im Leben, und man kann sich an so manches Erlebnis erinnern. So war ich zum Beispiel einmal mit einer sozialistischen Persönlichkeit zusammen, die ein guter Sozialist war, und ich sprach mit ihr über einen sehr, sehr hohen Regierungsbeamten. Ich hielt diesen sehr, sehr hohen Regierungsbeamten für total unfähig, für einen ganz unmöglichen Menschen. Und ich sagte, ich würde meinen, [das beste] für jenen sehr hohen Regierungsbeamten wäre eigentlich, wenn er von seinem Posten wegkäme und Straßenkehrer würde - das wäre der richtige Beruf für ihn. Sie hätten nur sehen sollen, welches Entsetzen die sozialistische Persönlichkeit erfaßte bei der Zumutung, daß nun der ihr wohlbekannte Mann Straßenkehrer werden müßte. Ja, das war ja allerdings nur ein Gedanke, aber er scheint mir auf mehr Realität hinzuweisen, als der Gedanke - verzeihen Sie schon -, der soeben ausgesprochen wurde: der Hausherr solle den Straßenkehrer nicht scheel ansehen, und der Straßenkehrer den Hausherrn nicht! - Ja, damit lösen wir die soziale Frage wahrhaftig nicht, daß wir uns nicht scheel ansehen. Es handelt sich ja wirklich darum, daß in unserer heutigen sozialen Ordnung der Hausherr den Straßenkehrer braucht und der Straßenkehrer den Hausherrn, aber wenn sie bloß sich nicht scheel ansehen, wird die soziale Frage doch wahrscheinlich nicht gelöst werden. Und ob man sich auf irgend etwas was einbildet oder nichts einbildet, das sind schließlich Fragen, die wirklich mit den Sachlichkeiten und ernsten Realitäten des gegenwärtigen Lebens im Grunde genommen gar nichts zu tun haben. Es handelt sich wirklich nicht darum, daß wir heute den Menschen nur klarmachen: der Hausherr braucht den Straßenkehrer und der Straßenkehrer braucht den Hausherren. Da haben wir doch immer im Hintergrund so ein bißchen die Idee: der Straßenkehrer soll Straßenkehrer bleiben, und der Hausherr soll Hausherr bleiben, sie sollen sich nur nicht scheel ansehen, - was ja gewiß dem Hausherren leichter fallen wird als dem Straßenkehrer. Aber ich glaube, mit all diesen Dingen, die etwas stark nach Moralinsäure riechen, kommen wir heute nicht auf einen grünen Zweig, sondern heute handelt es sich nicht bloß darum, daß wir uns nicht scheel ansehen, sondern daß wir Hand anlegen, daß es anders werde, daß wir vor allen Dingen das erreichen, wiederum Verständnis [für einander] zu finden über die Klassen hinweg. Und dieses Verständnis wird zu einer ganzen Umgestaltung des Lebens führen, nicht nur zu einem Augenverdrehen von der Scheelheit zur Gradheit, sondern zu ganz anderen Dingen. Und gehen Sie durch, was intendiert ist in der Dreigliederungsidee, da werden Sie sehen, daß in der Tat herauskommt etwas, wonach sich die Menschheit heute sehnen muß, wenn sie etwas davon versteht, was sich weltgeschichtlich verwirklichen will. Und auf solche Dinge hat man heute hinzusehen, nicht auf etwas, was bloß moralisierend ist und was doch wiederum anknüpft an die alten Formen, die sich noch immer im gegenwärtigen sozialen Leben ausleben. Nein, wir müssen uns heute klar sein, daß wir ein neues Geistesleben brauchen, das aus dem Boden dieses Geisteslebens selber hervorgeht. Mag es im einzelnen bei der Durchführung der Dreigliederung noch so schlecht gemacht worden sein, es muß doch immer wieder und wiederum gesagt werden, daß diese Dreigliederung auf dem Boden steht: Nur einem Umdenken, nur einem Umwandeln der menschlichen Gedanken und Empfindungen bis ins tiefste Innere hinein werden wir eine Besserung verdanken und nichts anderem.

[ 35 ] One meets with so many strange things in life, of which one is so often reminded. For instance, I was in company once with a certain socialistic celebrity—a very sound socialist—and we were discussing a very, very exalted Government official. I held this very, very exalted Government official to be totally incompetent, in fact a hopelessly impossible person; and I said, that I thought really the proper profession for this very exalted Government official would be, to give up his job and take to the business of a road-sweeper. You should just have seen the horror which overcame the socialistic gentleman at the suggestion that this person, with whom he was well-acquainted, could possible become a road-sweeper! Well, of course it was only just an idea; but still it seems to me that this idea was more in the direction of reality than—forgive me for saying!—the one put forward just now in this form, that ‘the gentleman should not look askance at the road-sweeper, nor the road-sweeper at the gentleman. Really, we shall not solve the social question simply by not looking askance at each other! The point of the matter really is, that in our present order of society the gentleman needs the road-sweeper, and so forth,—but, if he merely doesn't look askance at him, the social question will hardly be solved. And whether one plumes oneself on something, or whether one doesn't, are, after all, questions that have nothing whatever to do in reality with the actual business-facts and the grave realities of life at the present day. It really is not the important matter for us to-day, merely to demonstrate to people that the gentleman needs the road-sweeper, and the road-sweeper needs the gentleman. For, in the background, we have still, after all, just a little the notion, that the road-sweeper should remain a road-sweeper, and the gentleman should remain a gentleman, in the position where each happens to be placed to-day; only they should not look askance at each other,—which will certainly be an easier matter for the gentleman than for the road-sweeper! But in my opinion, all these things (which savour rather strongly of moralic acid!) will not help us to a blade of grass to-day; for the urgent matter is not, to-day, that we should merely not look askance at each other, but that we should turn our hands to making things different; and, first and foremost, that we should succeed in coming to an understanding, above and beyond classes. And this understanding will lead to a total reconstruction of the forms of life,—not merely to twisting eyes round from skewness to straightness, but to very different things besides. And if you go through the whole tendency that lies in the Threefold idea, you will see that, here, there can be a question of its leading in actual fact to something which mankind cannot but long for today, in so far as they understand anything of the forces that are striving to realisation in world-history. These are the things upon which we must turn our eyes to-day, and not upon something, which is mere moralising, and yet is linked with those forms of social life which happen to be in force at the present day.