Man's Life on Earth and
the Essence of Christianity
GA 349
18 April 1923, Dornach
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Man's Life on Earth and the Essence of Christianity, tr. SOL
10. Warum erinnert man sich nicht an die vorigen Erdenleben?
10. Why Can't We Remember Our Past Lives?
[ 1 ] Guten Morgen, meine Herren! Nun wollen wir das, was wir betrachtet haben, noch ergänzen. Ich habe Ihnen ja am Ende der letzten Stunde gesagt, daß die Leute hauptsächlich einwenden: Das mag schon alles richtig sein mit dem Leben, bevor wir in einen irdischen Leib hineinkommen, und auch mit vorhergehenden Erdenleben, aber warum erinnert man sich nicht daran? - Und nun werde ich Ihnen zunächst heute ausführlich diese Frage beantworten, warum man sich nicht erinnert, und wie diese Erinnerung beschaffen ist.
[ 1 ] Good morning, gentlemen! Now let’s expand on what we’ve been discussing. As I told you at the end of the last session, people mainly object: “That may all be true about life before we enter an earthly body, and also about previous earthly lives, but why don’t we remember it?”—And today I will first answer this question in detail: why we do not remember, and what this memory is like.
[ 2 ] Nun müssen wir zunächst noch etwas vom menschlichen Körper betrachten, denn es handelt sich wirklich darum, daß man sich wissenschaftlich ausdrückt.
[ 2 ] Now we must first consider something about the human body, because this is really a matter of expressing oneself scientifically.
[ 3 ] Sehen Sie, in dieser Beziehung, in der Frage nach den wiederholten Erdenleben, da sind ja die Leute heute sogar mit der Beurteilung von Menschen, die von diesen wiederholten Erdenleben etwas wußten oder wissen, geradezu komisch. Da gab es einen sehr großen Geist innerhalb der deutschen Zivilisation, Lessing, der gelebt hat im 18. Jahrhundert. Dieser Lessing hat außerordentlich viel Geistiges geleistet. Er wird auch heute noch allgemein anerkannt. Und wenn so die Professoren aus der deutschen Literaturgeschichte an den Universitäten vortragen, da tragen sie oftmals monatelang über Lessing vor. Sie wissen ja auch, daß sich von einem der Lessingforscher, wie man sagt, ein Buch findet auch in der sozialdemokratischen Literatur, von Franz Mehring, «Die Lessing-Legende». Da wird Lessing von einem anderen Standpunkte dargestellt. Man kann nicht sagen, daß das, was dort dargestellt wird, richtig ist; aber jedenfalls gibt es auch sogar innerhalb der sozialdemokratischen Literatur von Franz Mehring ein ganz dickes Buch über Lessing. Kurz, Lessing wird als ein sehr großer Mann angeführt. Aber dieser Lessing, von dem heute auch noch überall Stücke aufgeführt werden an den Theatern, die sehr geschätzt werden, dieser Lessing hat, als er schon sehr alt war, ein kürzeres Werk geschrieben: «Die Erziehung des Menschengeschlechts.» Und da steht am Schluß, daß man ja eigentlich mit der Betrachtung der Seele gar nicht zurecht kommt, daß man eigentlich nichts Richtiges wissen kann über das seelische Leben ohne die Annahme der wiederholten Erdenleben, und daß man ja da, wenn man weiter nachdenkt, eigentlich auf diejenigen Ansichten kommt, die schon die primitiven Menschen gehabt haben. Die haben nämlich alle an wiederholte Erdenleben geglaubt. Das ist etwas, wovon man ja erst später abgekommen ist, als man «modern» geworden ist. Und Lessing hat gesagt: Warum sollte denn etwas gerade dumm sein, weil es die ältesten, die frühesten Menschen geglaubt haben? — Kurz, Lessing hat selber gesagt, daß er mit dem seelischen Leben des Menschen nur zurecht kommt, wenn er sich an diesen Urglauben von den wiederholten Erdenleben hält.
[ 3 ] You see, in this regard—the question of repeated earthly lives—people today are downright ridiculous in the way they judge those who knew or know something about these repeated earthly lives. There was a truly great mind within German civilization, Lessing, who lived in the 18th century. This Lessing achieved an extraordinary amount intellectually. He is still widely recognized today. And when professors of German literary history lecture at universities, they often spend months lecturing on Lessing. You probably also know that one of the Lessing scholars—as they say—has written a book that can even be found in social democratic literature, by Franz Mehring, titled *The Lessing Legend*. In it, Lessing is portrayed from a different perspective. One cannot say that what is presented there is correct; but in any case, even within the social democratic literature of Franz Mehring, there is a very thick book about Lessing. In short, Lessing is held up as a truly great man. But this Lessing—whose plays are still performed everywhere in theaters today and are highly regarded—wrote a shorter work when he was already very old: *The Education of the Human Race*. And at the end of it, he states that one cannot really come to terms with the contemplation of the soul, that one cannot truly know anything about spiritual life without assuming the existence of repeated earthly lives, and that, if one thinks about it further, one actually arrives at the very views that primitive people already held. For they all believed in repeated earthly lives. This is something from which people only later departed, as they became “modern.” And Lessing said: Why should something be considered foolish simply because the oldest, the earliest humans believed in it? — In short, Lessing himself said that he can only make sense of the spiritual life of human beings if he adheres to this primordial belief in repeated earthly lives.
[ 4 ] Nun ist das aber, wie Sie sich denken können, eine furchtbare Verlegenheit für unsere heutigen sogenannten Forscher. Denn diese Forscher, die sagen: Lessing, das war einer der größten Männer aller Zeiten. Aber die wiederholten Erdenleben, das ist eine Dummheit. — Ja, wie kommt man da zurecht? - Nun ja, da ist Lessing eben schon alt gewesen. Da ist er schwachsinnig geworden. Die wiederholten Erdenleben, die nehmen wir nicht an! - Sehen Sie, so sind die Leute. Solange ihnen etwas paßt, nehmen sie es an und stempeln den Betreffenden zu einem großen Menschen. Wenn er aber eben einmal etwas gesagt hat, was ihnen nicht paßt, dann ist er für die Zeit schwachsinnig geworden.
[ 4 ] Now, as you can imagine, this is a terrible predicament for our so-called researchers today. Because these researchers say: “Lessing was one of the greatest men of all time. But the idea of repeated earthly lives—that’s nonsense.” — Yes, how does one deal with that? — Well, Lessing was just old by then. He had become senile. We don’t accept the idea of repeated earthly lives! — You see, that’s how people are. As long as something suits them, they accept it and label the person in question a great man. But if he just happened to say something that didn’t suit them, then he’s considered to have become senile at that time.
[ 5 ] Nur passieren da manchmal ganz merkwürdige Dinge. So zum Beispiel gibt es einen großen Naturforscher, William Crookes. Nun, ich bin nicht mit allem einverstanden, was er sagt, aber jedenfalls gilt er als einer der größten Naturforscher. Er hat in unserer Zeit gelebt, am Ende des 19. Jahrhunderts. Nun, der hat sich immer am Vormittag mit Naturwissenschaften abgegeben. Da mußte er in sein Laboratorium gehen, und er hat da große Entdeckungen gemacht. Wir hätten das alles nicht, Röntgen und so weiter gar nicht, wenn er, Crookes, das nicht vorgearbeitet hätte. Aber nachmittags hat er sich immer mit Seelenforschung beschäftigt. Wie gesagt, ich bin nicht mit allem einverstanden, aber jedenfalls hat er sich damit beschäftigt. Da mußten nun die Leute auch sagen, nicht wahr: Ja, der muß dann immer vormittags gescheit und nachmittags dumm gewesen sein, gleichzeitig dumm und gescheit! So sind schon die Dinge.
[ 5 ] But sometimes very strange things happen there. For example, there’s a great natural scientist, William Crookes. Well, I don’t agree with everything he says, but in any case, he’s considered one of the greatest natural scientists. He lived during our time, at the end of the 19th century. Well, he always spent his mornings working on the natural sciences. He’d have to go to his laboratory, and that’s where he made great discoveries. We wouldn’t have any of this—X-rays and so on—if he, Crookes, hadn’t laid the groundwork for it. But in the afternoons, he always devoted himself to the study of the soul. As I said, I don’t agree with everything he said, but in any case, that’s what he was concerned with. So people had to say, didn’t they: “Yes, he must have been smart in the mornings and stupid in the afternoons—smart and stupid at the same time!” That’s just the way things are.
[ 6 ] Nun kommt noch etwas. Sie werden überall hören - ich habe Ihnen das schon, wie ich über die Farben sprach, auseinandergesetzt —, die Naturforscher betrachten Newton als den größten Naturforscher aller Zeiten. Er ist es nicht, aber sie betrachten ihn so. Nun kommt da wieder eine Verlegenheit. Dieser Newton, den die Leute als den größten Naturforscher betrachten, der hat nun auch ein Buch geschrieben über dasjenige, was gewöhnlich das Ende der Bibel bildet, über die ApokaIypse. Also wieder eine Verlegenheit!
[ 6 ] Now here’s something else. You’ll hear this everywhere—I’ve already explained it to you when I was talking about colors—natural scientists regard Newton as the greatest natural scientist of all time. He isn’t, but that’s how they see him. Now here’s another problem. This Newton, whom people regard as the greatest natural scientist, has also written a book about what usually forms the end of the Bible—the Apocalypse. So, yet another problem!
[ 7 ] Kurz, diejenigen Menschen, die überhaupt alle Möglichkeit, Seelenforschung zu treiben, ablehnen, die kommen gerade den größten Naturforschern gegenüber, auch den größten Geschichtsschreibern gegenüber, in eine furchtbare Verlegenheit, in eine ganz furchtbare Verlegenheit, weil, wenn einer wirklich die Wissenschaft ernst nimmt, er dann gar nicht anders kann, als diese Wissenschaft auch auf das Seelische auszudehnen. Und dazu findet man überall Gelegenheit. Ich habe Ihnen gesagt: Man muß eben beobachten. Nun kann man nicht immer alles absehen an dem alltäglichen Leben, namentlich, wenn man es nicht zuerst gelernt hat. Aber die Natur und manchmal die Menschheit macht für uns selbst auch Experimente, die man gar nicht künstlich herbeiführen soll, aber wenn sie einmal gemacht sind, kann man sie studieren. Man kann sich darnach richten, kann sich wenigstens anregen lassen. Nun gibt es ein Experiment, das ist eigentlich wichtig, charakteristisch, wenn man etwas über das Seelenleben des Menschen gelten lassen will. Den physischen Leib, den lassen ja alle gelten, denn sonst müßten sie ja alle den Menschen ableugnen. Darüber streitet man nicht. Den hat jeder. Jetzt sagt die Naturwissenschaft heute: Der physische Leib ist der einzige, alles müssen wir nach dem physischen Leib erklären.
[ 7 ] In short, those people who reject any possibility of conducting research into the soul at all place even the greatest natural scientists—and even the greatest historians—in a terrible predicament, a truly terrible predicament, because if one truly takes science seriously, one has no choice but to extend that science to the spiritual realm as well. And opportunities to do so can be found everywhere. I have told you: One simply has to observe. Now, one cannot always foresee everything in everyday life, especially if one has not first learned how to do so. But nature—and sometimes humanity itself—conducts experiments for us that one should not attempt to bring about artificially; yet once they have taken place, one can study them. One can use them as a guide, or at least draw inspiration from them. Now there is an experiment that is actually important—and characteristic—if one wants to accept anything about the inner life of human beings. As for the physical body, everyone accepts it, for otherwise they would all have to deny the existence of human beings. That is not a matter of dispute. Everyone has one. Now, modern science says: The physical body is the only reality; we must explain everything in terms of the physical body.
[ 8 ] Nun gibt es etwas, was uns, wenn wir es richtig beobachten, auf einmal zeigt, daß der Mensch auch noch die drei anderen Leiber hat, den unsichtbaren Ätherleib, den Astralleib und das Ich. Eines gibt es, was man ganz naturwissenschaftlich beobachten kann - es gibt vieles, aber eines besonders, das man ganz naturwissenschaftlich beobachten kann und das dann zeigt, wie der Mensch tatsächlich in Zustände kommen kann, wo er uns zeigt, daß ein Ätherleib vorhanden ist und ein astralischer Leib und ein Ich.
[ 8 ] Now there is something that, if we observe it correctly, suddenly shows us that human beings also have the three other bodies: the invisible etheric body, the astral body, and the “I.” There is one thing that can be observed entirely from a scientific perspective—there are many such things, but one in particular that can be observed in this way, and which then shows how a human being can actually enter states in which he reveals to us that an etheric body, an astral body, and an “I” exist.
[ 9 ] Sehen Sie, da gibt es Leute in Europa, die haben das Bedürfnis, sich zu betäuben. Jetzt werden ja auch vielfach andere Mittel verwendet. Ich habe Ihnen gesagt, daß man jetzt zum Beispiel Kokain verwendet, um sich zu betäuben; aber zu allen Zeiten hat man in Europa das Opium verwendet, um sich zu betäuben. Es gab immer solche Leute, die, wenn sie mit dem Leben nicht zufrieden waren, oder wenn sie zu viel Sorgen gehabt haben, nicht wußten, was sie da machen sollten, die sich dann eben mit Opium berauschten. Sie haben ein wenig Opium, immer nur eine geringe Menge von Opium genommen. Was ist da eingetreten? Zunächst, wenn einer eine geringe Menge Opium nimmt, dann kommt er in einen Zustand des innerlichen Erlebens; er denkt nicht mehr, er fängt an, in wüsten Bildern zu träumen. Das gefällt ihm sehr, das tut ihm sehr wohl. Diese Träume werden immer berauschender. Bei dem einen ist es dann so, daß er das graue Elend kriegt, daß er anfängt, in sich zu gehen, wie ein Sünder sich zu benehmen; ein anderer fängt an zu toben, zu rasen, daß er sogar Mordlust kriegt. Und dann schlafen die Leute ein. Also dieser Opiumgenuß besteht eigentlich darin, daß die Leute sich stürmisch durch ein äußeres Gift in den Zustand bringen, der darin besteht, langsam ins Schlafen hinüberzugehen.
[ 9 ] You see, there are people in Europe who feel the need to numb themselves. Nowadays, of course, other substances are often used as well. I’ve told you that people now use cocaine, for example, to numb themselves; but opium has been used in Europe throughout history to numb oneself. There have always been people who, when they were dissatisfied with life or had too many worries and didn’t know what to do, would simply get high on opium. They took a little opium—always just a small amount. What happened then? First of all, when someone takes a small amount of opium, they enter a state of inner experience; they stop thinking and begin to dream in wild images. They like this very much; it makes them feel very good. These dreams become increasingly intoxicating. For some, this leads to a sense of gloomy misery; they begin to turn inward and behave like sinners; others start to rage and run wild, even developing a desire to murder. And then people fall asleep. So this opium use actually consists of people using an external poison to violently bring themselves into a state that involves slowly drifting off to sleep.
[ 10 ] Wenn man das alles betrachtet, was eigentlich da am Menschen vorgeht, dann kommt man darauf — wir können es ja sehen —: Der Mensch kommt zunächst in sehr aufgeregte Träume hinein, fängt an zu phantasieren, dann schläft er ein. Da ist also etwas weggegangen von ihm. Gerade das ist weggegangen von ihm, was macht, daß er ein vernünftiger Mensch ist, was in ihm lebt, damit er ein vernünftiger Mensch ist. Das ist weg. Aber bevor es weggeht, und auch noch, nachdem es weg ist, lebt er in den allerwüstesten, aufgeregtesten Träumen. Nach einiger Zeit wacht er auf und er ist bis zu einem gewissen Grade wiederum hergestellt, bis er wiederum anfängt, Opium zu nehmen. Also er macht sich, nur stürmisch, zu einem schlafenden Menschen.
[ 10 ] When you consider everything that is actually going on inside a person, you come to the conclusion—as we can see—that a person first enters a state of very vivid dreams, begins to fantasize, and then falls asleep. So something has left them. Precisely that which makes them a rational human being—that which lives within them, enabling them to be a rational human being—has left them. It is gone. But before it leaves, and even after it has left, they live in the wildest, most agitated dreams. After some time, he wakes up and is, to a certain extent, restored—until he begins taking opium again. So he transforms himself, albeit turbulently, into a sleeping person.
[ 11 ] Nun kann man sehen: Wenn der Mensch durch den Opiumrausch einschläft, da wirkt in ihm nicht dasjenige, was ihn vernünftig macht, sondern da wirkt in ihm dasjenige, was ihn belebt; sonst könnte er nicht wieder aufwachen, sonst müßte er sterben. Da wirkt in ihm dasjenige, was ihn momentan belebt. Und man kann sehen, wie in der Nacht auch ein gewisser Kampf im Leibe ist, damit man wieder aufwachen kann. So arbeitet da im Menschen etwas, wo das Vernünftige nicht dabei ist; dasjenige, was wiederum den Körper belebt. Durch das Gift surbt der Körper etwas ab. Das treibt die Vernunft heraus. Aber das Belebende ist noch in ihm drinnen, denn sonst könnte er nicht wieder aufwachen. Also was ist da durch einen geringen Opiumgenuß beeinflußt worden? Das belebende Prinzip. Bei einem schwachen Opiumgenuß ist der Ätherleib beeinflußt worden.
[ 11 ] Now one can see: When a person falls asleep under the influence of opium, it is not the part of him that makes him rational that is at work, but rather the part that sustains his life; otherwise he could not wake up again, otherwise he would have to die. It is the part that sustains his life at that moment that is at work within him. And one can see how, even at night, there is a certain struggle within the body so that one can wake up again. So something is at work within the person where reason is not involved—that which, in turn, animates the body. The poison causes the body to wither somewhat. This drives reason out. But the life-giving force is still within him, for otherwise he could not wake up again. So what has been influenced by a small dose of opium? The life-giving principle. A small dose of opium has affected the etheric body.
[ 12 ] Nun denken Sie sich, einer nimmt aber zu viel oder vergiftet sich absichtlich mit Opium. Da geschieht nicht dasselbe, sondern — das ist ganz merkwürdig — da geschieht dasjenige, was beim schwachen Opiumgenuß zuletzt geschieht. Was da zuletzt geschieht, das geschieht beim starken Opiumgenuß zuerst: Der Mensch schläft gleich ein. Also es zeht nicht langsam das Vernünftige weg, sondern rasch geht das Vernünftige heraus, ganz rasch. Aber es bleibt doch jetzt etwas in ihm, was beim schwachen Opiumgenuß gar nicht in ihm drinnen war. Das kann man wiederum sehen.
[ 12 ] Now imagine that someone takes too much or deliberately poisons themselves with opium. The same thing doesn’t happen; rather—and this is quite strange—what happens is what ultimately happens with a mild dose of opium. What happens last in that case happens first with a strong dose of opium: the person falls asleep immediately. So it doesn’t slowly erode one’s rationality; rather, rationality vanishes rapidly—very rapidly. But something remains within them now that wasn’t there at all with a mild dose of opium. You can see that, too.
[ 13 ] Physischer Leib Atherleib:: schwacher Opivmgenuß Astralleib: starker Opiumgenuß Jch : gewohnheitsmäßiger Opiumgenuß
[ 13 ] Physical body, etheric body: mild opium use; astral body: heavy opium use; I: habitual opium use
[ 14 ] Nehmen wir also an, jemand nimmt so viel Opium, daß er wirklich vergiftet ist. Da tritt zunächst das ein, daß er einschläft. Dann aber fängt der Körper an, unruhig, unvernünftig zu werden, er röchelt, schnarcht; dann kommen Krämpfe. Und dabei bemerkt man etwas ganz Eigentümliches: Das Gesicht wird ganz rot und die Lippen ganz blau.
[ 14 ] So let’s assume that someone takes so much opium that they are truly poisoned. The first thing that happens is that they fall asleep. But then the body begins to become restless and irrational; they wheeze and snore; then convulsions set in. And at that point, you notice something quite peculiar: the face turns completely red and the lips turn completely blue.
[ 15 ] Nun erinnern Sie sich an all das, was ich Ihnen das letzte Mal gesagt habe. Ich habe Ihnen gesagt: Alle Atmungsstörungen geschehen beim Ausatmen. Nun, worin besteht denn das Schnarchen zum Beispiel, zuerst Röcheln, dann Schnarchen - worin besteht denn das? Sehen Sie, schnarchen tun diejenigen Menschen, die nicht ordentlich ausatmen können. Wenn der Mensch ordentlich ausatmet, wenn das sein Mund ist, dann geht die Luft herein, dann nach einiger Zeit geht sie wieder heraus; da ist dann eingeschaltet in den Luftgang das Zäpfchen, das Sie sehen, wenn $ie in den Mund hineinschauen. Und dann oben ist so etwas, was auf- und niedersteigt, das Gaumensegel; das bewegt sich. Zäpfchen und Gaumensegel, die bewegen sich fortwährend durch Ein- und Ausatmen, wenn es normal, richtig geschieht. Wenn aber das Einatmen geschieht, und dann das Ausatmen nicht richtig, wenn es aufstößt, dann kommt das da hier, das Gaumensegel und das Zäpfchen, ins Zittern, und daher entsteht das Röcheln und dann das Schnarchen.
[ 15 ] Now, remember everything I told you last time. I told you: All breathing disorders occur during exhalation. Well, what exactly is snoring, for example—first a wheezing sound, then snoring—what exactly is that? You see, people who can’t exhale properly are the ones who snore. When a person exhales properly—if they’re using their mouth—the air goes in, and after a while, it comes back out; the uvula, which you can see when you look inside the mouth, is involved in the airway. And then up there is something that moves up and down—the soft palate; that moves. The uvula and the soft palate move continuously as a result of inhaling and exhaling, when this happens normally and correctly. But if inhalation occurs and then exhalation doesn’t happen properly—if it gets stuck—then these parts here, the soft palate and the uvula, start to tremble, and that’s what causes the rattling and then the snoring.
[ 16 ] Also man kann an dem sehen, daß das jetzt etwas mit dem Atmen zu tun hat, Denn derjenige, der sich bloß einen Opiumrausch anzüchtet durch weniges Opium, der kommt in die anderen Zustände, die ich Ihnen beschrieben habe: in eine Art Opiumdelirium, in Raserei. Er schläft langsam ein. Aber wenn er jetzt schnell einschläft durch großen Opiumgenuß, kommt er ins Schnarchen, zu Krämpfen; das Gesicht wird rot, die Lippen blau. Wenn Sie sich erinnern an all das, was ich Ihnen gesagt habe, so werden Sie dem eine große Bedeutung zuschreiben, daß das Gesicht rot und die Lippen blau werden. Denn ich habe Ihnen gesagt: Der Mensch hat rotes Blut dadurch, daß Sauerstoff eingeatmet wird. Wenn sich das Blut mit dem Sauerstoff mischt, wird es rot; wenn sich das Blut mit dem Kohlenstoff mischt, wird es blau. Wenn es ausgeatmet wird, ist es blau. Wenn Sie also jemand sehen, der das Gesicht rot hat und die Lippen blau, was bedeutet denn das? Ja, unter dem Gesicht ist zu viel eingeatmete Luft, zu viel rotes Blut, das von der Einatmung herrührt. Und daß die Lippen blau sind, was bedeutet denn das? Da ist zu viel von dem Blut, das eigentlich heraus soll. Das stockt da drinnen. Das könnte schon weitergehen zu der Stelle in der Lunge, wo sich dann die Kohlensäure befreit, wo die Kohlensäure ausgeatmet werden kann. — Also Sie haben bei einem durch Opium vergifteten Menschen das, daß die ganze Atmung stockt. Und dadurch zeigt sich auf der einen Seite das rote Blut im Gesicht, auf der anderen Seite das blaue Blut in den Lippen.
[ 16 ] So you can see from this that it has something to do with breathing. For anyone who induces an opium high with just a little opium enters the other states I have described to you: a kind of opium delirium, a frenzy. He slowly falls asleep. But if they fall asleep quickly after consuming a large amount of opium, they begin to snore and experience convulsions; their face turns red, and their lips turn blue. If you recall everything I’ve told you, you’ll attach great significance to the fact that the face turns red and the lips turn blue. For I have told you: Human blood is red because oxygen is inhaled. When blood mixes with oxygen, it turns red; when blood mixes with carbon dioxide, it turns blue. When it is exhaled, it is blue. So when you see someone with a red face and blue lips, what does that mean? It means there is too much inhaled air in the face—too much red blood resulting from inhalation. And what does it mean that the lips are blue? There is too much of the blood that is actually supposed to be expelled. It’s stagnating inside. It could continue on to the part of the lung where carbon dioxide is released, where it can be exhaled. — So, in a person poisoned by opium, the entire respiratory process comes to a standstill. And as a result, on the one hand, the red blood appears in the face, and on the other hand, the blue blood appears in the lips.
[ 17 ] Dieses ist außerordentlich interessant, meine Herren. Was sind denn die Lippen? Sehen Sie, die Lippen, die sind im Gesicht ganz eigentümliche Organe. Wenn Sie das Gesicht haben, so müssen Sie eigentlich das Gesicht so zeichnen, und da ist überall die Haut nach außen; da ist es überall mit Haut bedeckt nach außen. Aber an den Lippen ist es nämlich ein Stück Innenhaut. Da kommt das Innere nach außen. Da ist ein Stückchen Innenhaut. Der Mensch öffnet sein Inneres nach außen, indem er Lippen hat. Wenn Sie also die Lippen blau haben statt rot, dann bedeutet das, daß alles Innere zu stark von blauem Blut ausgefüllt ist. — Also Sie sehen: Beim Opiumvergifteten wirkt der Körper so, daß er nach außen alles unverbrauchte Blut schickt - es drängt sich an die Oberfläche - und nach innen alles blaue Blut schickt.
[ 17 ] This is extraordinarily interesting, gentlemen. What exactly are the lips? You see, the lips are very peculiar organs on the face. If you have a face, you actually have to draw it this way, and everywhere else the skin faces outward; everywhere else it is covered with skin on the outside. But the lips, in fact, are a piece of inner skin. There, the inside comes to the outside. There is a small piece of inner skin. Humans open up their inner self to the outside by having lips. So if your lips are blue instead of red, that means that everything inside is too heavily filled with blue blood. — So you see: In someone poisoned by opium, the body functions in such a way that it sends all the unused blood outward—it pushes to the surface—and sends all the blue blood inward.
[ 18 ] Diese Dinge haben auch einmal ursprüngliche Menschen gewußt, die Geschichte mit dem blauen Blut nach innen. Wenn einer zu viel blaues Blut im Innern hat, dann sagten sie: Derjenige, der zu viel blaues Blut im Innern hat, der ist zunächst ein solcher Mensch, der wenig Seelisches hat, bei dem die Seele herausgegangen ist. Daher wurde «blaublütig» zu einem Schimpfwort. Und man hat, als man die Adeligen im Volk die «Blaublütigen» genannt hat, sagen wollen: Bei denen ist die Seele fort. —- Es ist sehr merkwürdig, wie in der Volksweisheit diese Dinge in einer wunderbaren Weise drinnenleben. Das ist sehr interessant. An der Sprache können Sie nämlich ungeheuer viel lernen.
[ 18 ] Even the people of old knew these things—the story of blue blood within. If someone had too much blue blood inside, they would say: “The one who has too much blue blood inside is, first and foremost, a person with little soul—one whose soul has departed.” That is why “blue-blooded” became a term of derision. And when people referred to the nobility as the “blue-blooded,” they meant to say: Their souls are gone. —- It is very remarkable how these things live on in folk wisdom in such a wondrous way. That is very interesting. You can learn an immense amount from language.
[ 19 ] Nun können Sie aber sehen: Da ist etwas, was im Menschen wirkt, und was zum Beispiel in der Pflanze nicht wirkt. Denn wenn Sie der Pflanze einen Giftstoff beibringen, dann bleibt der Giftstoff irgendwo oben, breitet sich nicht aus. Sie finden ja zum Beispiel eine sehr giftige Pflanze in der sogenannten Belladonna, in der Tollkirsche. Ja, die Tollkirsche, die läßt ihr Gift ganz oben; sie läßt es nicht in sich übergehen. Wenn der Mensch ein solches Gift nimmt, wirkt das so, daß es den Körper in der Weise in Anspruch nimmt, daß es das rote Blut nach außen und das blaue Blut nach innen treibt. Ja, die Pflanzen leben auch. Jene Pflanzen haben ihren Ätherleib in sich, haben das in sich, was blau gelassen wird, was herrührt vom schwachen Opiumgenuß, nicht vom starken. Das bewirkt erst die Empfindung beim Menschen. Hätte die Pflanze Blut, so hätte sie auch eine solche Empfindung, wie die Menschen und die Tiere. Der Mensch und die Tiere haben es ohne den Opiumgenuß, wenn der Ätherleib mit dem physischen streitet; es wird sogleich das Blut nach außen gedrängt, und es bleibt etwas zurück im Körper, und das macht im Körper diese Unordnung. Und das ist der Astralleib. So daß man sagen kann: Der Astralleib, der wird beeinflußt beim starken Opiumgenuß.
[ 19 ] But now you can see: there is something that has an effect in human beings but not, for example, in plants. For if you introduce a toxin into a plant, the toxin remains somewhere near the top and does not spread throughout the plant. You’ll find, for example, a very poisonous plant in what’s called belladonna, or deadly nightshade. Yes, the deadly nightshade keeps its poison right at the top; it doesn’t let it permeate its entire being. When a human ingests such a poison, it affects the body in such a way that it drives the red blood outward and the blue blood inward. Yes, plants are alive, too. These plants have their etheric body within them; they contain within themselves that which remains blue—which stems from the mild use of opium, not from the strong. That is what first produces the sensation in humans. If the plant had blood, it would also have a sensation like that of humans and animals. Humans and animals experience this without the use of opium when the etheric body conflicts with the physical body; the blood is immediately forced outward, and something remains behind in the body, causing this disorder within the body. And that is the astral body. So one can say: The astral body is influenced by the strong use of opium.
[ 20 ] Jetzt gibt es noch eine dritte Art von Opiumgenuß. Dieser Opiumgenuß ist sogar in der Welt sehr verbreitet, obwohl nicht in Europa, mehr zum Beispiel unter einer gewissen Sorte von Türken und namentlich in Asien und Hinterindien, bei den malaiischen Völkern. Da nehmen diese Menschen immer nur so starke Mengen von Opium, daß sie es gerade noch vertragen können, daß sie wieder richtig aufwachen, und nicht sterben davon. Dadurch machen sie in einer merkwürdigen, interessanten Weise all dasjenige durch, was der Opiumesser überhaupt durchmacht. Nur gewöhnen sie sich nach und nach daran, und dadurch machen sie die Geschichte mehr bewußt durch. Die Türken schildern dann: Ja, wenn ich Opium genossen habe, dann bin ich im Paradiese gewesen. — Das ist also schon so in diesen phantastischen Ausgestaltungen. Und die Malaien in Hinterindien, die möchten nun auch das alles sehen. Dadurch gewöhnen sie sich den Opiumgenuß an, weil sie das auch alles sehen möchten. Nun kann man das verhältnismäßig lange durchführen, und dadurch kommt man dazu, sich zu sagen: Nun ja, es gibt eben noch etwas anderes.
[ 20 ] Now there is a third way of consuming opium. This method of opium consumption is actually very widespread throughout the world—though not in Europe—but rather, for example, among a certain class of Turks and, in particular, in Asia and the East Indies, among the Malay peoples. These people always take just enough opium to barely tolerate it—enough so that they can wake up again properly and not die from it. In this way, they experience, in a strange and interesting manner, everything that an opium user generally goes through. Only they gradually become accustomed to it, and as a result, they go through the experience more consciously. The Turks then describe it this way: “Yes, when I have taken opium, I have been in paradise.” — So this is already the case in these fantastical manifestations. And the Malays in the East Indies—they, too, would like to see all of that. As a result, they become accustomed to opium use because they, too, want to see all of that. Now, this can be carried on for a relatively long time, and as a result, one comes to say to oneself: “Well, yes, there is simply something else.”
[ 21 ] Aber man muß nun sagen: Wenn diese Leute, die da immer wiederum gewohnheitsmäßigerweise das Opium fressen - sie fressen es nämlich gewohnheitsmäßigerweise —, wenn diese Phantasten nur das sehen würden, dann würden sie doch nach einiger Zeit die Geschichte über kriegen. Aber, sehen Sie, da ist es sehr merkwürdig. Diese Menschen nämlich stammen ab von den ersten Menschen auf der Erde, die noch etwas gewußt haben von der ewigen Seele, von der Seele, die durch die verschiedenen Erdenleben hindurchgeht. Sie haben etwas davon gewußt. Jetzt ist das den Menschen verloren gegangen. Diese Menschen nun, die nicht durchgemacht haben die europäische Zivilisation, die versetzen sich durch den Opiumgenuß in den Zustand, um da etwas zu spüren von der Ewigkeit der Seele. Es ist ja furchtbar — aber sie führen immer wieder eine Krankheit in sich hinein. Weil der gesunde Körper in der Gegenwart, wenn er sich nicht geistig anstrengt, eben gar nichts wissen kann von der Unsterblichkeit der Seele, deshalb ruinieren diese Leute ihren Körper nach und nach, damit nach und nach das Seelische herausgedrängt wird.
[ 21 ] But one must say: If these people, who habitually consume opium—for they do consume it out of habit—if these dreamers could only see that, then after a while they would come to their senses. But, you see, this is very strange. For these people are descended from the first humans on Earth who still knew something of the eternal soul—the soul that passes through the various earthly lives. They knew something of this. Now this knowledge has been lost to humanity. These people, who have not experienced European civilization, use opium to put themselves into a state where they can sense something of the soul’s eternity. It is terrible, of course—but they are repeatedly bringing illness upon themselves. Because the healthy body in the present, if it does not exert itself spiritually, can know absolutely nothing of the immortality of the soul, these people gradually ruin their bodies so that, little by little, the spiritual is forced to the fore.
[ 22 ] Nun kann man etwas sehr Eigentümliches beobachten, wenn man solche Menschen anschaut, die in dieser Weise gewohnheitsmäßig Opium nehmen und es auch deshalb eine Zeitlang aushalten: nach einiger Zeit werden sie ganz bleich. Wenn sie früher auch eine gute Hautfarbe gehabt haben, jetzt werden sie bleich.
[ 22 ] Now, one can observe something very peculiar when looking at people who habitually take opium in this way and are therefore able to tolerate it for a while: after some time, they become very pale. Even if they once had a healthy complexion, they now become pale.
[ 23 ] 1Das bedeutet bei dem Malaien noch etwas ganz anderes wie bei dem Europäer. Der Malaie schaut dann wirklich schon wie ein Gespenst aus, wenn er bleich wird, weil er gelblich-braun ist. Dann, nach einiger Zeit, werden die Menschen so, wie wenn es um die Augen herum ganz hohl wäre. Dann fangen sie an abzumagern, nachdem sie vorher schon angefangen haben, nicht mehr recht gehen zu können; sie gehen nur so humpelnd. Dann fangen sie an, auch nicht mehr denken zu wollen, werden sehr vergeßlich. Und zuallerletzt kriegen sie den Gehirnschlag.
[ 23 ] 1This means something entirely different for a Malay than it does for a European. A Malay really does look like a ghost when he turns pale, because his skin is yellowish-brown. Then, after some time, people look as if the area around their eyes were completely hollow. Then they begin to lose weight, after having already started to have difficulty walking; they walk with a limp. Then they begin to lose the will to think and become very forgetful. And finally, they suffer a stroke.
[ 24 ] So sind die Erscheinungen. Das ist sehr interessant zu beobachten. Bevor die Glieder ungelenk werden, so daß sie nicht mehr ordentlich gehen können, bekommen sie eine starke Stuhlverstopfung; also die Gedärme funktionieren nicht mehr. Nach dem, wie ich Ihnen das beschrieben habe, können Sie ja sehen: Da wird nach und nach der ganze Körper untergraben.
[ 24 ] That is how the symptoms manifest. It is very interesting to observe. Before the limbs become stiff, so that they can no longer walk properly, they experience severe constipation; in other words, the bowels are no longer functioning. From what I have described to you, you can see that the entire body is gradually being undermined.
[ 25 ] Nun gibt es aber etwas höchst Eigentümliches. In dieser Beziehung sind ja noch nicht viele Erfahrungen da, weil die Leute auf das nicht achten; aber diese Erfahrungen könnten sehr leicht gemacht werden. Denn wie diese Menschen gewohnheitsmäßige Opiumesser werden, das kennt man ja, das ist vielfach beschrieben worden. Aber jetzt sollen die Leute doch nur einmal probieren — das tun sie ja heute in anderer Beziehung sehr häufig -: Wenn sie dieselbe Dosis Opium, die der Mensch zum gewohnheitsmäßigen Genuß hat, einem Tiere geben, dann wird das Tier entweder nur etwas lebhaft werden, also ins erste Stadium kommen, wo der Ätherleib durcheinander getrieben wird, oder aber es kommt ins zweite Stadium, wenn es genügend kriegt, und stirbt. Beim Tier gibt es das nicht, was der Opiumesser, der gewohnheitsmäßige Opiumesser so hat, wie ich es Ihnen zuletzt beschrieben habe. Beim Tier gibt es das nicht.
[ 25 ] Now, however, there is something most peculiar. There isn’t much experience in this regard yet, because people don’t pay attention to it; but such experiments could be conducted very easily. For how these people become habitual opium users is well known—it has been described many times. But now people should just try it once—which they do very frequently today in other contexts—: If they give an animal the same dose of opium that a person takes for habitual use, then the animal will either become only slightly more lively—that is, enter the first stage, where the etheric body is thrown into disarray—or, if it receives enough, it will enter the second stage and die. In animals, there is no such effect as that experienced by the opium user—the habitual opium user—as I described to you just now. In animals, this does not occur.
[ 26 ] Was zeigt das, meine Herren? Ja, das zeigt: Wenn das Opium, so stark, wie es da ist, in den astralischen Leib hineinkommt, und ein nicht richtiges Verhältnis zwischen blauem und rotem Blut bewirkt, so schießt beim Tier ja immerfort blaues und rotes Blut in horizontaler Richtung durcheinander. Beim Menschen, der aufrechtgehen lernt, bei dem schießt blaues und rotes Blut nicht ganz in der Richtung (es wird gezeichnet), sondern mehr so, weil er sich aufrichtet, ineinander; nicht mehr horizontal, sondern von oben nach unten, von unten nach oben. Das bewirkt, daß der Mensch auch ein gewohnheitsmäßiger Opiumesser werden kann.
[ 26 ] What does this show, gentlemen? Yes, it shows this: When opium, as potent as it is here, enters the astral body and causes an imbalance between blue and red blood, blue and red blood constantly rush through the animal’s body in a jumbled, horizontal direction. In humans, who learn to walk upright, the blue and red blood do not flow entirely in the direction shown in the diagram, but rather—because they stand upright—intermingle; no longer horizontally, but from top to bottom and from bottom to top. This means that humans, too, can become habitual opium users.
[ 27 ] Nun habe ich Ihnen aber gesagt: Dadurch, daß der Mensch aufrecht ist, dadurch hat er ein Ich. Die Tiere haben kein Ich, weil sie einen horizontalen Rücken haben. Was wird denn also von diesem gewohnheitsmäßigen Opiumfresser beeinflußt? Das Ich. So daß wir also sagen können: Ich - gewohnheitsmäßiger Opiumgenuß. Und nun haben wir durch das Opium alle drei Leiber des Menschen entdeckt, die übersinnlich sind: für den schwachen Opiumgenuß den Ätherleib, für den starken den Astralleib, und für den gewohnheitsmäßigen Opiumgenuß das Ich. Sie schen, man kann das, wenn man nur richtig beobachten kann, naturwissenschaftlich wunderbar ausbilden.
[ 27 ] But I have already told you: It is because human beings stand upright that they have an “I.” Animals have no “I” because their backs are horizontal. So what, then, is influenced by this habitual opium user? The “I.” Thus we can say: “I” – habitual opium use. And now, through opium, we have discovered all three of the human bodies that are supersensory: the etheric body for light opium use, the astral body for heavy use, and the “I” for habitual opium use. You see, if one can only observe correctly, this can be wonderfully elucidated through the natural sciences.
[ 28 ] Aber Sie sehen jetzt auch: So ein Malaie mit seinem gewohnheitsmäßigen Opiumgenuß kommt ja auf etwas Riesiges. Er kommt auf das Ich. Und was kriegt er denn? Worauf freut sich denn dieser Malaie oder dieser Türke, wenn er gewohnheitsmäßig Opium genießt? Worauf freut er sich denn? Ja, er freut sich darauf, weil dann sein Gedächtnis in einer wunderbaren Weise aufwacht. Er überschaut rasch sein ganzes Erdenleben und noch viel mehr. Auf der einen Seite ist es furchtbar, weil er es dadurch erreicht, daß er seinen Körper krank macht; auf der anderen Seite wirkt aber die Begierde, das Ich kennenzulernen, so stark in ihm, daß er gar nicht widerstehen kann. Er freut sich schon, wenn dieses riesige Gedächtnis hergestellt wird.
[ 28 ] But you can see now, too: A Malay like that, with his habitual opium use, ends up with something enormous. He arrives at the “I.” And what does he get? What is this Malay or this Turk looking forward to when he habitually uses opium? What is he looking forward to? Yes, he looks forward to it because then his memory awakens in a wonderful way. He quickly surveys his entire earthly life and much more besides. On the one hand, it is terrible because he achieves this by making his body sick; on the other hand, however, the desire to know the “I” is so strong within him that he cannot resist it at all. He is already looking forward to the moment when this vast memory is established.
[ 29 ] Aber schen Sie, es ist so: Wenn der Mensch etwas zu viel tut, dann ruiniert ihn das. Wenn der Mensch zu viel arbeitet, ruiniert ihn das; wenn der Mensch zu viel denkt, ruiniert ihn das. Und wenn der Mensch fortwährend ein zu starkes Gedächtnis hervorruft, dann ruiniert es seinen Körper. Alle die Erscheinungen, die ich Ihnen beschrieben habe, sind einfach von dem zu starken Gedächtnis. Das ist zunächst da. Und nachher — ich habe es Ihnen beschrieben — wird der Mensch lässig in bezug auf sein Gehen. Er erinnert sich nicht mehr innerlich, wie er die Beine vorsetzen soll. Das ist ja unbewußtes Gedächtnis. Und dann wird er vergeßlich. Also gerade dasjenige, was er erreicht, das ruiniert ihn. Aber absehen kann man, gewahr werden, erkennen kann man, daß das Ich dann vorhanden ist, wenn der gewohnheitsmäßige Opiumgenuß da ist.
[ 29 ] But you see, it’s like this: When a person does something to excess, it ruins them. When a person works too much, it ruins them; when a person thinks too much, it ruins them. And when a person constantly forces their memory to work too hard, it ruins their body. All the symptoms I’ve described to you are simply the result of an overly active memory. That’s what’s there at first. And later—as I’ve described to you—a person becomes careless in the way they walk. They no longer remember inwardly how to move their legs forward. That is, after all, unconscious memory. And then they become forgetful. So it is precisely what they have achieved that ruins them. But one can foresee, become aware of, and recognize that the “I” is present when habitual opium use is taking place.
[ 30 ] Was tut die heutige Naturwissenschaft? Nun, wenn Sie ein Buch aufschlagen, dann finden Sie auch das beschrieben, was ich Ihnen gesagt habe; Sie finden beschrieben, daß beim kleinen Opiumgenuß der Mensch in ein Delirium kommt und so weiter, daß beim starken Opiumgenuß der Mensch zuerst einschläft, und dann sein Körper gleich zerstört wird. Er stirbt, nachdem er im Gesicht rot, an den Lippen blau geworden ist. Und beim gewohnheitsmäßigen Opiumgenuß kommen auch alle diese Dinge. Aber was beschreiben diese Leute? Sie beschreiben nur den physischen Leib, was da vorgeht; sie beschreiben, daß der Opiumfresser röchelt, Krämpfe kriegt, schnarcht. Sie beschreiben, daß der gewohnheitsmäßige Opiumesser abmagert, nicht mehr gehen kann, vergeßlich wird, und zuletzt einen Gehirnschlag bekommt, weil das Gedächtnis ihm das Gehirn zerstört; so müssen wir es anschauen. Das wird alles beschrieben, aber alles dem physischen Leib zugeschrieben.
[ 30 ] What does modern science do? Well, if you open a book, you’ll find exactly what I’ve told you described there; you’ll find it described that with a small dose of opium, a person falls into a delirium and so on, and that with a strong dose of opium, a person first falls asleep, and then his body is immediately destroyed. He dies after his face turns red and his lips turn blue. And with habitual opium use, all these things also occur. But what do these people describe? They describe only what happens to the physical body; they describe how the opium addict gasps for breath, has convulsions, and snores. They describe how the habitual opium user wastes away, can no longer walk, becomes forgetful, and finally suffers a stroke because the memory destroys his brain; this is how we must view it. All of this is described, but it is all attributed to the physical body.
[ 31 ] Aber das ist eben ein Unsinn; denn sonst müßte man alles, was physisch ist, nur dem physischen Leib zuschreiben. Alle die Erscheinungen, die da auftreten, sehen wir auch bei der Pflanze. Wir können aber auch nicht sagen: der Mensch ist bloß eine Pflanze. Denn beim starken Opiumgenuß zeigt sich die Wirkung am astralischen Leib, und nur beim Menschen zeigt sich das, was beim gewohnheitsmäßigen Opiumgenuß da ist. Wenn die Tiere nämlich etwas hätten von einem gewohnheitsmäßigen Opiumgenuß, wenn sie nicht gleich davon zugrunde gingen, dann würden Sie sehen, daß es viele Tiere gibt, die einfach das Opium, das man da in den Pflanzen findet, genießen würden. Warum würden sie es genießen? Ja, weil die Tiere das, was sie fressen wollen, durch die Gewohnheit machen. Wenn also die Tiere etwas davon hätten, dann würden die Tiere das Opium fressen, das in den Pflanzen drinnen ist. Wenn sie es nicht tun, so rührt das nur davon her, daß sie eben nichts davon haben.
[ 31 ] But that is simply nonsense; for otherwise one would have to attribute everything that is physical solely to the physical body. We also observe all the phenomena that occur there in plants. Yet we cannot say either that human beings are merely plants. For when opium is consumed in large quantities, the effect manifests in the astral body, and only in humans does what occurs with habitual opium consumption become apparent. For if animals derived any benefit from habitual opium consumption—if they did not perish immediately from it—then you would see that there are many animals that would simply enjoy the opium found in plants. Why would they enjoy it? Well, because animals determine what they want to eat based on habit. So if animals derived any benefit from it, they would eat the opium contained in the plants. If they do not, it is simply because they derive no benefit from it.
[ 32 ] Das alles kann man durch Naturwissenschaft erkennen. Aber nun handelt es sich darum: Kann man das alles, das Gedächtnis, das der Malaie durch Krankheit herstellt, durch gesunde Mittel erreichen? Da müssen wir uns eben erinnern, daß die Urbevölkerung der Erde gewußt hat, daß die Menschen immer wieder auf der Erde leben. Und Lessing, der hat eben gesagt, wie ich Ihnen vorhin erzählt habe: Warum soll das deshalb dumm sein, weil die ursprünglichen Menschen daran geglaubt haben? - Diese ursprünglichen Menschen, die haben überhaupt noch nicht so abstrakte Gedanken gehabt wie wir. Die haben noch keine Naturwissenschaft gehabt. Die haben alles mythologisch angeschaut. Wenn sie eine Pflanze angeschaut haben, haben sie nicht studiert: da sind solche und solche Kräfte drinnen -, sondern sie haben gesagt: da ist so und so Geistiges drinnen. - Sie haben alles in Bildern gesehen. Sie haben überhaupt noch mehr im Geistigen gelebt. ... (Lücke im Stenogramm.) Es ist so, daß der Mensch sich dann mit dem Fortschritt so entwickeln kann, daß er mehr im Leiblichen lebt. Nur dadurch konnte er ein freier Mensch werden, sonst wäre er immer beeinflußt worden. Frei waren die Menschen in der Urzeit nicht; aber Geistiges haben sie noch gesehen. Nun wir, meine Herren, wie wir jetzt sind, wir haben ja wirklich die abstrakten Gedanken, die uns schon in der Schule eindressiert werden. Sehen Sie, wir können sogar sagen: Die wichtigsten Tätigkeiten, auf welche die Menschheit heute so stolz ist, sind eigentlich etwas Abstraktes.
[ 32 ] All of this can be understood through the natural sciences. But the question now is: Can all of this—the memory that the Malay creates through illness—be achieved through healthy means? Here we must remember that the Earth’s indigenous peoples knew that human beings live on Earth again and again. And Lessing, as I told you earlier, said: Why should it be foolish simply because the original humans believed in it?—These original humans did not yet have thoughts as abstract as ours. They had no natural science yet. They viewed everything through a mythological lens. When they looked at a plant, they didn’t analyze it—saying, “There are such-and-such forces within it”—but rather they said, “There is such-and-such a spiritual essence within it.” — They saw everything in images. They lived even more in the spiritual realm. ... (Gap in the transcript.) The fact is that, with progress, human beings can develop in such a way that they live more in the physical realm. Only through this could they become free human beings; otherwise, they would always have been influenced. People in primeval times were not free; but they could still perceive the spiritual. Now, gentlemen, as we are today, we really do have the abstract thoughts that are drummed into us already in school. You see, we can even say: The most important activities of which humanity is so proud today are actually something abstract.
[ 33 ] Ich habe gestern zu den Pädagogen, die hier sind, gesagt: Ja, wenn das Kind so ungefähr sieben Jahre alt wird, soll es etwas lernen. Es soll lernen, nachdem es sein ganzes Leben bisher gelernt hat, daß der Mensch, der vor ihm steht, den es kennt, der Vater ist - es soll jetzt lernen, daß das da hier (es wird geschrieben) «Vater» bedeutet. Das soll das Kind plötzlich lernen. Es hat ja gar nichts zu tun mit diesem «Vater». Das sind ja ganz merkwürdige Zeichen, die mit dem Vater gar nichts zu tun haben! Das soll das Kind plötzlich lernen. Es sträubt sich dagegen. Denn der Vater, das ist der und der Mann, der solche Haare hat, eine solche Nase hat; das hat es immer gesehen. Das Kind sträubt sich dagegen, daß das Geschriebene nun «Vater» bedeuten soll.
[ 33 ] Yesterday I said to the educators who are here: Yes, when the child is about seven years old, it should learn something. After having spent its entire life so far learning that the person standing before it—whom it knows—is its father, the child is now supposed to learn that this here (it’s written) means “father.” The child is suddenly supposed to learn this. It has absolutely nothing to do with this “father.” These are very strange symbols that have nothing to do with the father at all! The child is supposed to learn this all of a sudden. It resists this. Because the father—that’s this man, the one with that kind of hair, that kind of nose; that’s what it has always seen. The child resists the idea that what is written is now supposed to mean “father.”
[ 34 ] Das Kind hat «Ah!» rufen gelernt, wenn es sich verwunderte. Jetzt soll es plötzlich dazu kommen, daß das da hier A sein soll. Das ist eben ganz abstrakt, hat gar keinen Bezug zu dem, was das Kind bisher gekannt hat. Da muß man erst die Brücke schaffen, damit das Kind darauf kommt, so etwas zu lernen. Ich will Ihnen auch sagen, wie man die Brücke schaffen kann.
[ 34 ] The child has learned to exclaim “Ah!” when surprised. Now, all of a sudden, it is expected that this here should be A. That is entirely abstract; it has absolutely no connection to what the child has known so far. First, you have to build a bridge so that the child can come to the point of learning something like that. I’d also like to tell you how to build that bridge.
[ 35 ] Man sagt zum Beispiel dem Kind: Sieh einmal, was ist das? - (Siehe Zeichnung.) Wenn man dem Kind das aufzeichnet und es fragt: Was ist das? - Was wird dann das Kind sagen? - Ein Fisch! Das ist ein Fisch! da wird es nicht sagen: Da erkenne ich nichts darin. Darin (in dem geschriebenen Wort «Vater») kann es nicht sagen: Da erkenne ich den Vater wieder. Aber den Fisch erkennt es darin (im gezeichneten Fisch).
[ 35 ] For example, you say to the child: “Look, what is this?”—(See drawing.) If you draw this for the child and ask, “What is this?”—what will the child say?—“A fish!” “That’s a fish!”—it won’t say, “I don’t recognize anything in that.” It can’t say, “I recognize my father” in the written word “father.” But it does recognize the fish in the drawing of the fish.
[ 36 ] Nun sage ich: Sprich mir einmal aus «Fisch»; jetzt lasse weg das i und das spätere, sprich nur aus das F, womit der Fisch anfängt. Sieh einmal, jetzt werde ich dir das einfach aufzeichnen: F. - Ich habe also vom Fisch das F herausgegriffen. Das Kind malt zunächst den Fisch auf, bekommt dann das F heraus. Man muß es nur vernünftig machen, daß es nicht abstrakt ist, daß es aus dem Bilde herauskommt; dann lernt das Kind selbstverständlich gern. Das kann man bei jedem Buchstaben machen. Man muß sich das nur nach und nach aneignen.
[ 36 ] Now I say: Say the word “Fisch” to me; now leave out the “i” and the rest—just say the “F” that starts the word “Fisch.” Look, I’ll just write this down for you: F. — So I’ve isolated the “F” from “Fisch.” The child first draws the fish and then isolates the “F.” You just have to do it sensibly, so that it isn’t abstract and so that it emerges from the picture; then the child will naturally enjoy learning. You can do this with any letter. You just have to master it step by step.
[ 37 ] Bei uns in der Waldorfschule hat einmal einer der Lehrer sehr schön erklärt, wie die römischen Ziffern nach und nach entstehen. Bei V ging es plötzlich nicht. Wie kann eine V werden? Nun, sehen Sie, was ist denn das da hier? (Dr. Steiner hält seine Hand in die Höhe.) Sie sagen natürlich: eine Hand ist noch immer eine Hand. Aber ist da nicht etwas darinnen? 1, II, III, III, V Finger. Jetzt male ich einmal diese Hand an die Tafel (siehe Zeichnung), so, daß ich die zwei Dinge ausgestreckt habe (den Daumen, und daneben die vier andern Finger). Jetzt habe ich eine Hand, da ist die V drinnen; fünf ist das ausgesprochen. Jetzt mache ich das etwas einfacher, und Sie haben die römische Zahl V aus der Hand, die fünf Finger hat, herausbekommen.
[ 37 ] Here at our Waldorf school, one of the teachers once explained very beautifully how Roman numerals gradually came into being. But when it came to V, it suddenly didn’t work. How can a V be formed? Well, look—what is that right here? (Dr. Steiner holds up his hand.) Of course, you’ll say: a hand is still just a hand. But isn’t there something inside it? 1, II, III, III, V fingers. Now I’ll draw this hand on the board (see drawing), so that I have these two parts extended (the thumb, and next to it the four other fingers). Now I have a hand; the V is inside it; that’s five, to put it plainly. Now I’ll make it a little simpler, and you’ve derived the Roman numeral V from the hand that has five fingers.
[ 38 ] Also sehen Sie, meine Herren, es kommt darauf an, daß wir ja heute plötzlich in eine ganz abstrakte Welt hineingesetzt werden. Wir lernen schreiben, wir lernen lesen; das hat gar nichts zu tun mit dem Leben. Dadurch aber haben wir das verlernt, was die Menschen hatten, die noch nicht schreiben und lesen konnten.
[ 38 ] So you see, gentlemen, the point is that today we are suddenly thrust into a completely abstract world. We learn to write, we learn to read; that has nothing to do with life. But as a result, we have forgotten what people knew who could not yet read or write.
[ 39 ] Nun dürfen Sie aber nicht etwa sagen, wie die anderen Leute draußen von der Sorte unserer Gegner: Der Steiner hat uns in der Stunde gesagt, die Leute waren gescheiter, als sie noch nicht Schreiben und Lesen hatten; dann sagen die gleich: ja, der will, daß die Leute nicht mehr schreiben und lesen lernen! - Das will ich nicht. Die Leute sollen ja immer mitgehen mit der Zivilisation, erst recht schreiben und lesen lernen. Aber man soll nur auch nicht das verlieren, was man notwendig durch Schreiben und Lesen verlieren kann. Man muß erst wieder durch Geistiges darauf kommen, wie das Menschenleben eben ist.
[ 39 ] But now you mustn’t go saying, like those other people out there—the sort who are our opponents—that “Steiner told us just now that people were smarter back when they hadn’t yet learned to read and write”; then they’ll immediately say: “Yes, he wants people to stop learning to read and write!”—That’s not what I want. People should, of course, always keep pace with civilization—and certainly learn to read and write. But we mustn’t lose what we are bound to lose through reading and writing. We must first rediscover, through spiritual means, what human life is really like.
[ 40 ] Und nun will ich Ihnen von zwei Menschen etwas ganz Einfaches sagen. Der eine, der zieht sich abends aus und nimmt seinen Hemdkragen ab, in dem er zwei Knöpfchen hat, eins hinten, eins vorn - ich nehme so ein Beispiel, das nahe liegt, weil ich so einen Hemdkragen trage. Der eine Mensch, der macht das ganz gedankenlos, macht sein erstes Knöpfchen los, sein zweites. Jetzt legt er sich ins Bett. Morgens dann, ja, da läuft er im ganzen Zimmer herum und sucht und frägt: Wo sind meine Hemdknöpfe? — Er findet sie nicht. Er erinnert sich nicht daran. Warum? Weil er es gedankenlos gemacht hat.
[ 40 ] And now I want to tell you something very simple about two people. One of them undresses in the evening and takes off his shirt collar, which has two little buttons—one in the back, one in the front—I’m using this example because it’s obvious to me, since I wear a shirt collar like that myself. This person does it completely without thinking—unbuttoning the first button, then the second. Now he gets into bed. Then in the morning, well, he runs all around the room looking for them and asking, “Where are my shirt buttons?”—He can’t find them. He doesn’t remember. Why? Because he did it without thinking.
[ 41 ] Jetzt ein anderer. Der hat sich nicht gerade angewöhnt, daß er die Hemdknöpfe immer an denselben Fleck legt - das kann man ja auch tun, aber das hieße dann, sich faul machen -, aber er sagt sich: Wenn ich das Hemdknöpfchen ablege, so lege ich das eine neben meinen Leuchter hin, und das andere lege ich dorthin. - Er wendet also den Gedanken darauf, legt sie nicht gedankenlos hin, sondern wendet den Gedanken darauf. Ja, der steht morgens auf, geht direkt hin, nimmt die Hemdknöpfchen wieder weg, wo er sie hingelegt hat, braucht nicht im ganzen Zimmer herumzusuchen: Wo sind meine Hemdknöpfchen, wo habe ich meine Hemdknöpfchen? - Was ist denn da der Unterschied? Der ganze Unterschied ist der, daß der eine an die Sache gedacht hat und sich daran erinnert, und daß der andere an die Sache nicht gedacht hat und sich nicht daran erinnert, Ja, aber erinnern kann man sich erst am Morgen. Es nützt einem nichts, wenn man sich abends hinlegt und sich erinnern will, sondern erinnern kann man sich erst am Morgen, wenn man am Abend daran gedacht hat.
[ 41 ] Now another one. He hasn’t exactly gotten into the habit of always putting his shirt buttons in the same spot—you could do that, of course, but that would mean being lazy—but he tells himself: When I take off the shirt button, I’ll put one next to my candlestick, and I’ll put the other one over there. —So he gives it some thought; he doesn’t just put them down mindlessly, but gives it some thought. Yes, he gets up in the morning, goes straight there, picks up the shirt buttons again from where he put them, and doesn’t have to search all over the room: “Where are my shirt buttons? Where did I put my shirt buttons?” —What’s the difference, then? The whole difference is that one person thought about the matter and remembers it, while the other didn’t think about it and doesn’t remember it. Yes, but you can only remember it in the morning. It does you no good to lie down at night and try to remember; you can only remember it in the morning if you thought about it the night before.
[ 42 ] Meine Herren, schauen wir jetzt ein wenig in die Geschichte hinein. Nach dem, was ich Ihnen das letzte Mal gesagt habe, waren ja all unsere Seelen schon da zu einer Zeit, als nur wenige Menschen noch das Denken gelernt hatten. Man hat überhaupt noch nicht gedacht, früher. In Urzeiten lebten die Menschen im Geistigen. Aber das ist schon abnorm gewesen, wenn einer gedacht hat früher. Früher, im Mittelalter, hat man überhaupt noch nicht gedacht. Sie denken ja erst seit dem 15. Jahrhundert; so wie wir heute alles gedankenvoll auffassen, hat man noch nicht gedacht. Das kann man geschichtlich nachweisen. Kein Wunder, daß Sie sich heute an die früheren Leben nicht erinnern! Jetzt haben die Menschen denken gelernt. Jetzt ist die Zeit in der geschichtlichen Entwickelung, wo die Leute denken gelernt haben. Da werden sie sich ebenso an ihr jetziges Erdenleben im nächsten Leben erinnern, wie sich der Mensch jetzt am Morgen an sein Hemdknöpfchen erinnert. Das heißt, die Geschichte ist so, daß wenn jetzt jemand richtig denken lernt an die Dinge der Welt, so denken lernt, wie ich es Ihnen zeigte, dann ist das so, wie wenn er an sein Hemdknöpfchen denkt. Und so, wie der heutige Naturforscher es macht, ist es so, wie wenn man nicht an die Hemdknöpfchen denkt. Wenn einer bloß beschreibt: Da tritt ein Delirium ein, da bekommt man blaue Lippen, wird rot im Gesicht und so weiter -, so ist es so, daß er an die wichtigsten Sachen nicht denken wird im nächsten Leben, daß er sich überhaupt gar nicht mehr zurückerinnern wird, alles in Verwirrung bringt, wie der andere, der alles durcheinander schmeißt, weil er schnell weg muß und seine Sachen nicht finden kann. Derjenige aber, der denkt, daß das einfach vom Ätherleib, Astralleib, Ich herrührt, lernt so denken, daß er im nächsten Erdenleben ordentlich sich erinnern kann. Erst da wird es sich zeigen. Und nur einige werden gegenwärtig angeleitet, da es im letzten Erdenleben eben wenige gegeben hat, die die Sache gewußt haben. Die kommen heute darauf und können die andern aufmerksam machen. Und dann, wenn sie das machen, wie es in meinen Büchern steht, wenn gemacht wird, was in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» steht, so kann es sein, daß den Menschen auch in der Gegenwart aufleuchtet, daß sie in früheren Erdenleben schon gelebt haben. Aber wir fangen eben an mit der anthroposophischen Geisteswissenschaft. Daher werden sich die Leute allmählich wieder erinnern.
[ 42 ] Gentlemen, let’s take a brief look at history. As I told you last time, all of our souls were already here at a time when only a few people had yet learned to think. People didn’t think at all back then. In ancient times, people lived in the spiritual realm. But it was considered abnormal for anyone to think back then. In the Middle Ages, people didn’t think at all. They’ve only been thinking since the 15th century; people didn’t think in the thoughtful way we do today. This can be historically proven. No wonder you don’t remember your past lives today! Now people have learned to think. We’ve reached the point in historical development where people have learned to think. In their next life, they will remember their present earthly life just as a person remembers the button on their shirt this morning. That is to say, the story is this: if someone now learns to think correctly about the things of the world—to think as I have shown you—then it is just as if they were thinking about their shirt button. And the way today’s natural scientist goes about it is just like not thinking about shirt buttons at all. If someone merely describes: ‘A delirium sets in, one’s lips turn blue, one’s face turns red, and so on’—then it is the case that in the next life they will not think of the most important things, that they will not be able to recall anything at all, and will bring everything into confusion, just like the other person who throws everything into disarray because they have to leave in a hurry and cannot find their things. But the one who realizes that this simply stems from the etheric body, the astral body, and the I learns to think in such a way that he can remember clearly in his next earthly life. Only then will it become apparent. And only a few are being guided at present, since in the last earthly life there were very few who understood the matter. They are coming to realize this today and can draw others’ attention to it. And then, if they do as described in my books—if they follow the instructions in *How to Gain Knowledge of the Higher Worlds*—it may happen that people will realize even in the present that they have already lived in previous earthly lives. But we are just beginning with anthroposophical Spiritual Science. Therefore, people will gradually begin to remember again.
[ 43 ] Nun wird gesagt: Ja, aber man kann sich doch nicht daran erinnern; und wenn der Mensch nicht eine Erinnerung an frühere Erdenleben hat, so kann er also keine früheren Erdenleben gehabt haben. — So aber kann man auch sagen: Der Mensch kann nicht rechnen, man kann es beweisen, daß der Mensch nicht rechnen kann - und jetzt führt einer zum Beweis ein kleines Kind von vier Jahren herein und zeigt, daß das gar nicht rechnen kann. Es ist ein Mensch und kann doch nicht rechnen! Man wird ihm sagen: Das wird schon rechnen lernen. Wenn man die Menschennatur kennt, weiß man, daß es rechnen lernen wird. — Wenn heute einer einen Menschen aufzeigt, der sich nicht erinnern kann an seine früheren Erdenleben, so muß man ihm sagen: Ja, aber es ist früher auch nichts getan worden, daß die Menschen sich erinnern können. Im Gegenteil, es gibt heute noch so viele Nachzügler aus früheren Zeiten, die möchten die Leute dumm erhalten, daß sie gar nichts wissen vom Geistigen, so daß sie gar nicht wissen, was sie im nächsten Erdenleben erinnern sollen, daß sie ganz konfus werden, wie der mit dem Hemdknopf. Zuerst muß der Mensch im Leben denken lernen, woran er sich später erinnern soll.
[ 43 ] Now it is said: Yes, but one cannot remember it; and if a person has no memory of previous earthly lives, then he cannot have had any previous earthly lives. — But then one might also say: A person cannot do arithmetic; one can prove that a person cannot do arithmetic—and now someone brings in a four-year-old child as proof and shows that the child cannot do arithmetic at all. It is a human being and yet cannot do arithmetic! People will say: “He’ll learn to do math eventually.” If you understand human nature, you know that he will learn to do math. — If someone today points to a person who cannot remember his past earthly lives, you must tell him: “Yes, but nothing was done in the past to enable people to remember.” On the contrary, there are still so many stragglers from earlier times who want to keep people ignorant, so that they know nothing at all about the spiritual realm—so that they have no idea what they are supposed to remember in their next earthly life, and become completely confused, just like the man with the shirt button. First, a person must learn to think in this life about what they are supposed to remember later.
[ 44 ] Also Anthroposophie ist dazu da, daß sie die Menschen aufmerksam macht auf dasjenige, an das sie sich später erinnern sollen. Und diejenigen, die Anthroposophie verhindern wollen, die wollen eben die Menschen dumm erhalten, daß sie sich an nichts erinnern sollen. Und das ist das Wichtige, meine Herren, daß man einsieht, daß der Mensch eben erst lernen muß, die Gedanken richtig anzuwenden. Heute verlangen die Menschen die Gedanken zu definieren und verlangen, daß in den Büchern richtige Definitionen stehen. Ja, meine Herren, schon im alten Griechenland hat man das gewußt. Da hat einer besonders die Leute schulen wollen im Definieren. Heute sagt man in der Schule: Du mußt lernen: Was ist das Licht? — Ich hatte einmal einen Kameraden; wir sind zusammen in der Volksschule gewesen, dann kam ich in eine andere Schule, und er wurde im Lehrerseminar zum Lehrer ausgebildet. Ich habe ihn mit siebzehn Jahren wieder getroffen; da ist er schon ein ausgeprägter Lehrer gewesen. Da fragte ich ihn: Was hast denn du über das Licht gelernt? - Da sagte er: Licht ist die Ursache des Sehens der Körper. - Da ist ja gar nichts einzuwenden. Man kann ebenso sagen: Was ist denn die Armut? Die Armut kommt von der pauvret@! Das ist ungefähr dasselbe, wenn einer so definiert. Aber solches Zeug muß man viel lernen.
[ 44 ] So anthroposophy exists to make people aware of what they should remember later on. And those who want to prevent anthroposophy—they simply want to keep people ignorant so that they won’t remember anything. And that is the important thing, gentlemen: to realize that human beings must first learn to use their thoughts correctly. Today, people demand that thoughts be defined and insist that books contain correct definitions. Yes, gentlemen, this was already known in ancient Greece. There, one person in particular wanted to train people in the art of defining. Today, in school, they say: “You must learn: What is light?” — I once had a friend; we went to elementary school together, then I went to a different school, and he trained to become a teacher at the teachers’ college. I met him again when I was seventeen; by then he was already a fully-fledged teacher. So I asked him: “What did you learn about light?”—And he said: “Light is the cause of seeing objects.” - There’s certainly nothing wrong with that. You could just as easily say: “What is poverty?” Poverty comes from “pauvret@”! It’s pretty much the same thing when someone defines it that way. But you have to learn a lot of stuff like that.
[ 45 ] Nun hat schon im alten Griechenland einmal einer ein solches gescheites Lernen verspottet. Die Kinder haben in der Schule gelernt: Was ist ein Mensch? Ein Mensch ist ein lebendes Wesen, welches zwei Beine und keine Federn hat. - Nun hat ein Bub, der besonders schlau war, darüber nachgedacht, hat einen Hahn genommen, hat ihn gerupft und am nächsten Tag brachte er ihn im gerupften Zustand dem Lehrer und sagte: Herr Lehrer, ist das ein Mensch? Der hat keine Federn und hat zwei Beine! - Das war die Stärke der Definition. So stimmen ungefähr mit den Definitionen die Dinge, die heute im allgemeinen in unseren Büchern noch stehen.
[ 45 ] Well, even back in ancient Greece, someone once mocked this kind of clever learning. The children learned in school: What is a human being? A human being is a living creature that has two legs and no feathers. - Now, a boy who was particularly clever thought about this, took a rooster, plucked it, and the next day brought it—still plucked—to the teacher and said: “Teacher, is this a human? It has no feathers and has two legs!” - That was the strength of the definition. The things that are generally still found in our books today are roughly in line with those definitions.
[ 46 ] In allen Büchern, auch in den sozialen Büchern, die geschrieben werden, werden die Lebenszustände so geschildert, wie ungefähr die Definition gemacht wird: Ein Mensch ist ein lebendes Wesen, das zwei Beine und keine Federn hat. Dann schließt man weiter. Natürlich, wenn Sie zuerst ein Buch haben mit einer Definition, dann können Sie alles mögliche logisch daraus schließen; aber es wird nie auf den Menschen passen, sondern es kann auch auf den Hahn passen, der nur gerupft worden ist. So sind unsere Definitionen! Dasjenige, worauf es ankommt, ist, daß man die Sache in der Wirklichkeit sehen muß.
[ 46 ] In all books—including those on social issues—the conditions of life are described in a way that roughly follows the definition: A human being is a living creature that has two legs and no feathers. Then one draws further conclusions. Of course, if you start with a book containing a definition, you can logically deduce all sorts of things from it; but it will never apply to a human being—it might just as well apply to a rooster that has just been plucked. That’s how our definitions are! What matters is that you have to see things as they really are.
[ 47 ] In der Wirklichkeit sieht die Sache so aus, daß man sagen muß, wie zum Beispiel hier (Schema Seite 183): Physischer Leib; Ätherleib, der wird bei schwachem Opiumgenuß beeinträchtigt; astralischer Leib bei starkem Opiumgenuß; Ich bei gewohnheitsmäßigem Opiumgenuß. Und wenn man nun geistige Wissenschaft treibt, wenn man wirklich den Menschen so erkennen lernt, daß man nicht bloß wie im Traume beschreibt: Solche Zustände treten auf —, sondern daß man sich auskennt. Da wirkt der Astralleib, da wirkt der Ätherleib, da wirkt das Ich drinnen -, dann hat man richtige Gedanken, nicht bloß Definitionen. Und dann, wenn man heute, im jetzigen Erdenleben, richtige Gedanken aufgenommen hat, dann erinnert man sich richtig an das gegenwärtige Erdenleben. So wie man sich jetzt nur mit Mühe allmählich an frühere Erdenleben erinnert, wie ich es beschrieben habe, so wird man sich später gut daran erinnern, wenn man sich nicht krank macht, wie durch den Opiumgenuß, wenn man nicht den Körper beeinflußt, sondern die Seele eben durch geistige Übungen dahin bringt, das Geistige wirklich kennenzulernen.
[ 47 ] In reality, the situation is such that one must say, as for example here (diagram on page 183): the physical body; the etheric body, which is affected by mild opium use; the astral body by heavy opium use; and the “I” by habitual opium use. And when one engages in spiritual science—when one truly learns to understand human beings in such a way that one does not merely describe them as if in a dream—“Such states occur”—but rather gains real insight— Then the astral body is active, the etheric body is active, the “I” is active within—then one has true thoughts, not merely definitions. And then, if one has absorbed true thoughts today, in this present earthly life, one will remember this present earthly life correctly. Just as one now only gradually recalls past earthly lives with great effort, as I have described, so will one remember them well later on—provided one does not make oneself ill, as through the use of opium, and provided one does not influence the body, but rather leads the soul, through spiritual exercises, to truly come to know the spiritual.
[ 48 ] So sehen Sie, wie wirklich eine geistige Wissenschaft in der Anthroposophie entsteht. Sie müssen eben beachten, daß gerade Anthroposophie nicht darauf aus ist, Aberglaube zu treiben. Also wenn zum Beispiel die Leute irgendwo etwas Außerordentliches über spiritistische Dinge gemeldet finden, dann fangen sie an zu sagen: Das ist doch so, wie wenn sich eine geistige Welt verraten würde. - Aber im Menschen verrät sich die geistige Welt! Wenn sich die Menschen um einen Tisch herumsetzen und den ins Klopfen bringen, dann sagen sie: Da muß ein Geist drinnensitzen. - Aber wenn vier Menschen herumsitzen, sind ja vier Geister da! Man muß sie nur kennenlernen! Da macht man aber im Gegenteil die Menschen lieber bewußtlos; da muß ein Medium dabei sein. Sehen Sie sich den Zeitungsabschnitt an, den Sie mir vor einigen Wochen gegeben haben. Da ist zum Beispiel beschrieben, wie irgendwo in England die Leute in volle Aufregung gekommen sind, weil in der Nacht die Sachen von den Ständern herunterfielen, Fensterscheiben eingeschlagen wurden und so weiter. Da müssen geistige Dämonen wirken, sagten die Leute. - Mir war am auffälligsten bei der Geschichte - wenn man auch Genaueres erst sagen kann, wenn man es gesehen hat -, aber mir war am auffälligsten bei der Geschichte, daß da auch erwähnt worden ist, daß die Leute ein ganzes Heer von Katzen hatten! Nun, wenn man ein ganzes Heer von Katzen hat, und zwei oder drei davon tollwütig werden, da sollten Sie sehen, wie diese «Geistererscheinungen» alle vor sich gehen! Aber wie gesagt, man müßte das erst genau wissen; dann darf man erst darauf eingehen.
[ 48 ] This is how you can see how a true spiritual science truly emerges in anthroposophy. You must keep in mind that anthroposophy, in particular, is not interested in promoting superstition. So, for example, when people come across reports of something extraordinary regarding spiritualist matters, they begin to say: “That’s just as if the spiritual world were revealing itself.”—But the spiritual world reveals itself in human beings! When people sit around a table and make it knock, they say, “There must be a spirit sitting inside.”—But if four people are sitting around, there are four spirits there! You just have to get to know them! But instead, people prefer to put others into a trance; a medium has to be present. Take a look at the newspaper clipping you gave me a few weeks ago. It describes, for example, how people somewhere in England were thrown into a state of great agitation because, during the night, objects fell off the shelves, window panes were smashed, and so on. “Spiritual demons must be at work,” the people said. —What struck me most about the story—though one can’t say anything more precise until one has seen it oneself—but what struck me most about the story was that it also mentioned that the people had a whole army of cats! Well, if you have a whole army of cats, and two or three of them go rabid, just wait and see how all these “ghostly apparitions” play out! But as I said, one would have to know the details first; only then can one go into it.
[ 49 ] Sehen Sie, ich wurde einmal sehr gedrängt, einer spiritistischen Sitzung beizuwohnen. Nun, ich sagte, ich will das tun —, weil man ja solche Dinge n'ır beurteilen kann, wenn man sie gesehen ha:. Da war nun ein Med.um, es war eigentlich furchtbar berühmt, ein ganz derühmtes Medium, und nachdem die Leute sich gesetzt hatten, erst ein bißchen betäubt worden sind durch eine Musik, die gemacht worden ist — es saß alles betäubt da —, fing das Medium an, so richtig nach dem Wunsch der Leute, immerfort Blumen aus der Luft herunterfliegen zu lassen! Nun hat ein jedes Medium einen sogenannten Impresario, wenn es ein richtiges Medium ist. Nun, die Leute haben ihren Obolus entrichtet, nachdem sie ihren Genuß gehabt haben. Denjenigen, die es veranstaltet hatten, kam es hauptsächlich darauf an, daß der Obolus zurückgelassen wurde. Und ich sagte — die Leute sind dann furchtbar fanatisch, die fangen an, mit einem zu raufen, wenn man sie aufklären will, gerade die sind am schlimmsten —, aber einigen Vernünftigen sagte ich, sie sollen einmal, aber nicht am Ende, sondern am Anfang, untersuchen; da werden sie die Blumen in dem Buckel des Impresario drinnen finden! - So werden Sie überall die Sachen finden.
[ 49 ] You see, I was once strongly urged to attend a séance. Well, I said I would do it—because, after all, you can’t really judge such things until you’ve seen them for yourself. So there was this medium—actually, a terribly famous one, a truly renowned medium—and after the people had taken their seats and had been lulled into a trance by some music that had been played—everyone was sitting there in a trance—the medium began, just as the people wanted, to make flowers fly down from the air over and over again! Now, every medium has a so-called impresario, if it’s a genuine medium. Well, the people paid their fee after they’d had their fun. For those who had organized the event, the main thing was that the fee was paid. And I said—people get terribly fanatical then; they start to fight with you if you try to set them straight; those are the worst of all—but to a few reasonable people I said they should take a look, not at the end, but at the beginning; there they’ll find the flowers inside the impresario’s hump! —That’s how you’ll find things everywhere.
[ 50 ] Gerade über den Aberglauben muß man hinaus sein, meine Herren, wenn man von der geistigen Welt sprechen will. Man darf nirgendswo auf etwas hereinfallen, weder auf tollwütige Katzen noch auf einen buckeligen Impresario, sondern man kommt nur auf den Geist, wenn man auf nichts Abergläubisches mehr hereinfällt und überall mit wirklicher Wissenschaft vorgeht.
[ 50 ] One must move beyond superstition, gentlemen, if one wishes to speak of the spiritual world. One must not be taken in by anything—neither by rabid cats nor by a hunchbacked impresario—but one can only reach the spirit by no longer falling for superstition and proceeding everywhere with true science.
