Man's Life on Earth and
the Essence of Christianity
GA 349
7 May 1923, Dornach
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Man's Life on Earth and the Essence of Christianity, tr. SOL
12. Über die Wesenheit von Christus, Ahriman und Luzifer in ihrem Verhältnis zum Menschen
12. On the Nature of Christ, Ahriman, and Lucifer in Their Relationship to Humanity
[ 1 ] Guten Morgen, meine Herren! Ist Ihnen etwas eingefallen, was heute noch besprochen werden soll?
[ 1 ] Good morning, gentlemen! Have you thought of anything else we should discuss today?
Fragestellung: Vielleicht würde Herr Doktor über die Wesenheit von Christus, Ahriman und Luzifer im Verhältnis zum Menschen etwas sagen.
Question: Perhaps the doctor would say something about the nature of Christ, Ahriman, and Lucifer in relation to human beings.
[ 2 ] Dr. Steiner: Da muß man noch von einer anderen Seite auf die Wesenheit des Menschen überhaupt eingehen, sonst kommt Ihnen das natürlich als eine Art von Aberglauben vor. Da möchte ich Ihnen auf Grund dessen, was wir schon durchgesprochen haben, das Folgende sagen.
[ 2 ] Dr. Steiner: We need to approach the nature of the human being from another perspective as well; otherwise, this will naturally strike you as a kind of superstition. Based on what we have already discussed, I would like to say the following to you.
[ 3 ] Sehen Sie, meine Herren, man hat heute so das Bewußtsein, als ob der Mensch ein durch und durch ganz gleichartiges Wesen sei. Das ist er nicht; sondern der Mensch ist eigentlich fortwährend in einem Zustande, in dem er auflebt und wiederum stirbt. Man lebt nicht bloß bei der Geburt auf und stirbt nicht bloß mit dem Tode, sondern - ich habe es Ihnen auch schon öfter auseinandergesetzt - man stirbt fortwährend und lebt wiederum auf.
[ 3 ] You see, gentlemen, people today tend to think of human beings as if they were thoroughly uniform creatures. They are not; rather, human beings are actually constantly in a state in which they come to life and die again. One does not merely come to life at birth and die only at death, but—as I have explained to you many times before—one dies continuously and comes to life again.
[ 4 ] Nun, wenn wir zum Beispiel unseren Kopf anschauen, so ist ja der Kopf eigentlich innerlich ganz und gar aus demjenigen bestehend, was man Nervensubstanz nennt. Sie wissen ja, die Nerven laufen sonst nur als Fäden durch den Organismus, aber der Kopf ist innerlich ganz Nerv. Wenn man das zeichnet, so schaut es eigentlich so aus (Zeichnung $. 220): der Kopf, die Stirne; da ist der Kopf innerlich ganz Nerv, eine starke Nervenmasse; dann geht noch etwas von dieser Nervenmasse durch das Rückenmark. Dann aber gehen die Nervenfäden durch den ganzen Körper. Also dasjenige, was nur in Fäden durch den ganzen Körper geht, das ist im Kopfe als eine einheitliche Masse vorhanden. Das ist die Nervenmasse.
[ 4 ] Well, if we look at our head, for example, the head is actually, on the inside, made up entirely of what is called nervous tissue. As you know, nerves usually run through the body as mere threads, but the head is entirely nerve tissue on the inside. If you were to draw this, it would actually look like this (Drawing $. 220): the head, the forehead; internally, the head is entirely nerve, a dense mass of nerves; then part of this nerve mass extends through the spinal cord. But then the nerve fibers extend throughout the entire body. So what runs through the entire body only as fibers is present in the head as a unified mass. That is the nerve mass.
[ 5 ] Wenn Sie zum Beispiel nun noch das Innere des menschlichen Bauches anschauen, so haben Sie darinnen auch noch sehr viele Nerven. Da ist dann das sogenannte Sonnengeflecht. Da ist sehr viel Nerv noch drinnen. Aber in die Arme und Hände und in die Beine und Füße, da laufen eben die Nerven ganz fadenförmig aus.
[ 5 ] For example, if you look at the inside of the human abdomen, you’ll see that there are also a great many nerves there. There’s what’s called the solar plexus. There are still a great many nerves in there. But in the arms and hands, and in the legs and feet, the nerves simply branch out in a thread-like manner.
[ 6 ] Wenn Sie nun wiederum nach etwas anderem hinschauen, nach den Blutgefäßen, dann werden Sie finden: Im Kopfe verlaufen die Blutgefäße ziemlich fein. Dagegen sind die Blutgefäße besonders stark in der Herzgegend ausgebildet; und dann sind ja dicke Blutadern in den Gliedern. So daß man sagen kann: Wir haben auf der einen Seite das Nervensystem, auf der anderen Seite das Blutsystem.
[ 6 ] If you now look at something else—the blood vessels—you will find that in the head, the blood vessels are quite fine. In contrast, the blood vessels are particularly well-developed in the region of the heart; and then, of course, there are thick veins in the limbs. So one can say: On the one hand, we have the nervous system; on the other, the circulatory system.
[ 7 ] Nun ist die Sache so, daß wir aus dem Blut immer wiederum, jeden Tag, jede Stunde, neu geboren werden. Das Blut bedeutet immer die Erneuerung. Würden wir also bloß Blut in uns haben, so würden wir wie Wesen sein, die fortwährend wachsen, größer werden, frisch sind und so weiter. Aber sehen Sie, meine Herren, würden wir bloß Nerven sein, würden wir also nur aus Nerven bestehen, dann würden wir fortwährend abgespannt, müde sein, wir würden eigentlich fortwährend absterben. So daß wir zwei entgegengesetzte Prinzipien in uns haben, das Nervensystem, das uns fortwährend alt werden läßt, sogar dem Tode fortwährend überliefert, und das Blutsystem, das mit dem Nahrungssystem in Zusammenhang steht, das uns fortwährend jung werden läßt und so weiter.
[ 7 ] The fact is that we are continually reborn through the blood—every day, every hour. Blood always signifies renewal. So if we were made up solely of blood, we would be like beings that are constantly growing, becoming larger, staying fresh, and so on. But you see, gentlemen, if we were merely nerves—if we consisted solely of nerves—then we would be constantly strained and tired; in fact, we would be constantly dying. So we have two opposing principles within us: the nervous system, which causes us to grow old constantly—even constantly subjecting us to death—and the circulatory system, which is connected to the digestive system and causes us to grow young constantly, and so on.
[ 8 ] Die Sache, die ich Ihnen jetzt erklärt habe, die kann man nun auch noch weiter ausführen. Sie wissen ja, im Alter werden manche Menschen so, daß man sagen muß, sie sind verkalkt. Verkalkung tritt ein, Sklerose. Die Menschen kommen dann sehr leicht, wenn ihre Adern, wie man sagt, verkalken, also gerade die Blutgefäßwände verkalken, dazu, sich nicht mehr recht bewegen zu können. Und wenn dann eine besonders starke Verkalkung eintritt, dann wird der Mensch vom Schlag getroffen, wie man sagt. Er bekommt einen Schlag. Der Schlag, den der Mensch bekommt, besteht ja nur darinnen, daß seine Blutgefäße verkalken und eben nicht mehr halten.
[ 8 ] The concept I’ve just explained to you can be elaborated on further. As you know, as people age, some become so that one has to say they’ve “calcified.” Calcification sets in—sclerosis. When their arteries—as they say—become calcified, that is, when the walls of their blood vessels calcify, people very easily find themselves unable to move properly. And when particularly severe calcification sets in, the person suffers a stroke, as they say. They have a stroke. The stroke that a person suffers consists simply of their blood vessels calcifying and no longer holding up.
[ 9 ] Was ist denn da eigentlich über den Menschen gekommen, wenn er verkalkt, wenn er sklerotisch wird? Sehen Sie, da ist es so, als ob seine Blutgefäßwände zu Nerven werden wollten. Das ist das Merkwürdige. Die Nerven, die müssen fortwährend absterben. Die Nerven müssen gewissermaßen das ganze Leben in demselben Zustande sein, in dem die Blutgefäße gar nicht sein dürfen. Die Blutgefäße müssen frisch sein. Die Nerven müssen fortwährend zum Absterben geneigt sein. Wenn dagegen der Mensch Nerven bekommt, die zu weich sind, die also nicht genügend, wenn ich mich so ausdrücken darf, verkalkt sind, die zu weich sind, dann wird er verrückt. Also Sie sehen, die Nerven dürfen nicht wie die Blutgefäße sein und die Blutgefäße nicht wie die Nerven.
[ 9 ] What actually happens to a person when they develop calcification, when they become sclerotic? You see, it’s as if the walls of their blood vessels were trying to turn into nerves. That’s the strange thing. Nerves, on the other hand, must constantly die off. In a sense, nerves must remain in the same state throughout their entire life—a state in which blood vessels simply must not be. Blood vessels must remain fresh. Nerves, on the other hand, must be constantly prone to dying off. If, on the other hand, a person develops nerves that are too soft—that is, that are not sufficiently, if I may put it that way, calcified—then he goes mad. So you see, nerves must not be like blood vessels, and blood vessels must not be like nerves.
[ 10 ] Das ist eben das, was uns zwingt, zu sagen, der Mensch hat zwei Prinzipien in sich. Das eine ist das Nervenprinzip. Das verursacht, daß er eigentlich fortwährend alt wird. Vom Morgen bis zum Abend wird man eigentlich immer ein bißchen älter. In der Nacht frischt sich das wieder vom Blut herein auf. So geht das immer, wie der Pendelschlag der Uhr: alt werden, jung werden, alt werden, jung werden. Natürlich, wenn wir vom Morgen bis Abend wachen, dann werden wir eben älter, und wenn wir vom Abend bis zum Morgen schlafen, werden wir wieder jünger; aber ein bißchen etwas bleibt immer übrig. Also es bessert schon die Nacht die Sache aus; aber von jedem Tag Altwerden bleibt ein bißchen übrig. Und wenn dann das beim Menschen eine genügend große Summe gibt, dann stirbt er eben wirklich. Das ist die Geschichte. Wir haben also zwei Dinge im Menschen, die sich einander entgegenarbeiten, das Altwerden, das Jungwerden.
[ 10 ] That is precisely what compels us to say that human beings have two principles within them. One is the nervous principle. This causes them to, in a sense, grow old continuously. From morning to evening, one actually becomes a little older all the time. At night, the body recharges through the blood. It’s always like this, like the swing of a clock’s pendulum: growing old, growing young, growing old, growing young. Of course, when we’re awake from morning to evening, we simply grow older, and when we sleep from evening to morning, we grow younger again; but a little bit always remains. So the night does make up for it to some extent; but a little bit of aging remains from every day. And when that accumulates to a sufficiently large total in a person, then he truly dies. That’s the story. So we have two things in a person that work against each other: growing old and growing young.
[ 11 ] Nun können wir uns das aber auch seelisch anschauen. Ich habe es Ihnen jetzt körperlich erklärt. Sehen Sie, wenn das Jungwerden gar zu stark im Menschen Platz greift, dann bekommt er Rippenfellentzündung oder Lungenentzündung. Es ist nämlich so, daß die Sachen, die ganz gut sind, die ausgezeichnet sind, wenn sie in ihren Grenzen bleiben, dann, wenn sie überhandnehmen, zur Krankheit werden. Die Krankheit ist im Menschen nichts anderes, als daß etwas, was er immer braucht, überhand nimmt. Fieber rührt davon her, daß das Jungwerden viel zu stark in uns wird. Das können wir nicht mehr vertragen. Wir fangen an, zu frisch zu werden mit unserem ganzen Leib. Dann haben wir Fieber oder eine Pleuritis, das ist eine Rippenfellentzündung, dabei, oder eine Lungenentzündung.
[ 11 ] But we can also look at this from a psychological perspective. I have now explained it to you in physical terms. You see, if the process of becoming young takes hold too strongly in a person, then he or she develops pleurisy or pneumonia. The fact is that things which are quite good—even excellent—when they remain within their limits—become a source of illness when they get out of hand. Illness in a person is nothing other than something they always need getting out of hand. A fever arises because the process of growing young becomes far too strong within us. We can no longer tolerate it. We begin to feel too vigorous throughout our entire body. Then we develop a fever, accompanied by pleurisy—that is, inflammation of the pleura—or pneumonia.
[ 12 ] Nun, das Ganze kann man aber auch seelisch anschauen. Sehen Sie, seelisch kann der Mensch auch vertrocknen, oder er kann so werden, wie er sonst körperlich im Fieber wird. Da gibt es gewisse Eigenschaften des Menschen - man hört sie nicht gerne, weil sie besonders heute so viele Menschen haben -, das ist: man wird pedantisch, man wird ein Philister. Sie wissen, daß es ja heute immerhin Philister gibt. Philister gibt es schon. Man wird Philister, man wird Pedant. Man wird, während dem man eigentlich als Schulmeister ein ganz frischer Kerl sein sollte, gerade als Schulmeister vertrocknet. Ja, das ist wiederum dasselbe, wie wenn unsere Blutgefäße verkalken, vertrocknen. Wir können auch seelisch vertrocknen. Und dann wiederum können wir auch seelisch erweichen. Das ist, wenn man ein Schwärmer wird, ein Mystiker oder ein Theosoph wird. Ja, was will man denn da? Da will man nicht ordentlich denken. Da will man mit der Phantasie in alle Welten hinausgreifen, ohne ordentlich zu denken. Das ist dasselbe, wie wenn man körperlich Fieber kriegt. Mystiker werden, Theosoph werden, heißt seelisch Fieber kriegen.
[ 12 ] Well, you can also look at the whole thing from a spiritual perspective. You see, a person can also wither away spiritually, or he can become like he otherwise does physically when he has a fever. There are certain traits in people—people don’t like to hear about them because so many people have them, especially today—namely: one becomes pedantic; one becomes a philistine. You know that there are, after all, philistines today. Philistines do exist. One becomes a philistine; one becomes a pedant. While one should actually be a fresh-spirited fellow as a schoolteacher, one withers away precisely in that role. Yes, that is, in turn, the same as when our blood vessels calcify and harden. We can also wither away spiritually. And then, in turn, we can also soften spiritually. That is when one becomes an enthusiast, a mystic, or a theosophist. Yes, what is the point of that? There, one doesn’t want to think properly. There, one wants to reach out into all worlds with one’s imagination, without thinking properly. That is the same as when one gets a physical fever. To become a mystic, to become a theosophist, means to get a spiritual fever.
[ 13 ] Aber alle zwei Bedingungen müssen wir immer in uns haben. Wir können gar nicht erkennen, wenn wir nicht die Phantasie gebrauchen können, und wir können gar nicht irgendwie etwas zusammenarbeiten, wenn wir nicht ein bißchen Pedanten sind, wenn man nicht allerlei einregistriert und so weiter. Macht man es zu viel, ist man ein Pedant, ein Philister. Macht man es gerade im rechten Maß, ist man eben eine richtige Seele.
[ 13 ] But we must always possess both of these qualities within ourselves. We can’t possibly recognize anything if we can’t use our imagination, and we can’t possibly work together in any way if we aren’t a little pedantic—if we don’t take all sorts of things in and so on. If you do it too much, you’re a pedant, a philistine. If you do it just in the right measure, you’re simply a genuine soul.
[ 14 ] Das ist es, daß man immer irgend etwas hat, was eben im rechten Maße im Menschen sein muß, was aber, wenn es überhand nimmt, körperlich oder seelisch krank macht.
[ 14 ] The point is that there is always something that must be present in a person in just the right measure, but which, if it gets out of hand, causes physical or mental illness.
[ 15 ] Ebenso ist das Geistige, meine Herren. Wir können nicht immer schlafen, wir müssen auch manchmal aufwachen. Denken Sie sich, was das für ein Ruck ist, wenn man aufwacht! Stellen Sie sich nur vor, wie das beim Schlaf ist: Sie liegen da, Sie wissen nichts von Ihrer Umgebung. Wenn Sie einen guten Schlaf haben, kann Sie einer sogar kitzeln und Sie wachen nicht einmal auf. Denken Sie, was das für ein Unterschied ist! Nachher wachen Sie auf, sehen alles, was um Sie herum ist, hören alles, was um Sie herum ist. Das ist ein großer Unterschied. Wenn Sie nun aufwachen - ja, diese Kraft zum Aufwachen müssen wir in uns haben; wenn Sie aber zu stark ist, wenn man immer aufwacht, wenn man gar nicht schlafen kann zum Beispiel, dann ist eben die Aufwachekraft zu stark in uns.
[ 15 ] The same goes for the spiritual realm, gentlemen. We can't always sleep; sometimes we have to wake up, too. Just think what a jolt it is when you wake up! Just imagine what it’s like when you’re asleep: you’re lying there, completely unaware of your surroundings. If you’re sleeping soundly, someone could even tickle you and you wouldn’t even wake up. Think what a difference that makes! Then you wake up, see everything around you, hear everything around you. That’s a huge difference. Now, when you wake up—yes, we must have this power to wake up within us; but if it’s too strong—if you’re always waking up, if you can’t sleep at all, for example—then the power to wake up is simply too strong within us.
[ 16 ] Wiederum gibt es solche Leute, die überhaupt gar nicht recht aufwachen können. Es gibt ja solche Menschen, die ihr ganzes Leben herumdämmern und herumträumen, die immerwährend schlafen mögen. Ja, diese Menschen können nicht aufwachen. Wir müssen die Fähigkeit haben, richtig einschlafen zu können; aber wir dürfen diese Fähigkeit, richtig einzuschlafen, auch nicht zu stark haben. Sonst schlafen wir ewig, wachen gar nicht mehr auf.
[ 16 ] Then again, there are people who simply cannot wake up properly at all. There are, after all, people who spend their entire lives dozing and daydreaming, who would like to sleep forever. Yes, these people cannot wake up. We must have the ability to fall asleep properly; but we must not have this ability to fall asleep too strongly either. Otherwise, we’ll sleep forever and never wake up again.
[ 17 ] So kann man sagen: Wir können in dreierlei Weise gewisse Zustände beim Menschen unterscheiden. Erstens körperlich. Da haben wir auf der einen Seite das Nervensystem. Das ist fortwährend etwas, was zur Verhärtung hinneigt, zur Verkalkung. Wir sagen also:
[ 17 ] So one could say: We can distinguish certain states in human beings in three ways. First, physically. On the one hand, we have the nervous system. It is something that constantly tends toward hardening, toward calcification. So we say:
[ 18 ] Sehen Sie, Sie sind ja alle schon so alt, mit Ausnahme des einzigen, der da unter Ihnen sitzt, daß Sie Ihr Nervensystem ein bißchen verkalkt haben müssen. Denn hätten Sie heute noch Ihr Nervensystem, wie Sie es hatten, als Sie ein halbes Jahr alt waren, da wären Sie alle verrückt. Sie können nicht mehr ein so weiches Nervensystem haben. Diejenigen Leute, die verrückt sind, die haben eben ein kindliches Nervensystem. Also wir müssen die Kraft der Verhärtung, der Verkalkung in uns haben. Und auf der anderen Seite müssen wir die Kraft der Verweichung, der Verjüngung haben. Diese zwei Kräfte müssen sich das Gleichgewicht halten.
[ 18 ] You see, you’re all so old now—with the exception of the one sitting down there among you—that your nervous systems must have calcified a bit. Because if you still had the nervous system you had when you were half a year old, you’d all be crazy. You can no longer have such a soft nervous system. People who are crazy simply have a childlike nervous system. So we must have within us the power of hardening, of calcification. And on the other hand, we must have the power of softening, of rejuvenation. These two forces must maintain a balance.
[ 19 ] Wenn man die Sache seelisch anschaut, dann können wir sagen: Der Verhärtung entspricht seelisch Pedanterie, Philisterhaftigkeit, Materialismus, trockener Verstand.
[ 19 ] If we look at the matter from a psychological perspective, we can say that, on a psychological level, this hardening corresponds to pedantry, narrow-mindedness, materialism, and a dry intellect.
[ 20 ] Das alles muß man überschauen. Ein bißchen Philister müssen wir sein, sonst würden wir ein Springingerl sein. Ein bißchen Pedanten müssen wir sein, sonst würden wir gar nicht richtig unsere Sachen aufheben. Statt daß wir unseren Rock in den richtigen Schrank hängen, würden wir ihn in den Ofen oder in den Schornstein hineinhängen. Also ein bißchen Philister und ein bißchen Pedant sein ist ganz schön, aber es darf eben nicht zu stark sein. Dann haben wir seelisch auch die Kraft in uns zur Phantastik, zur Schwärmerei, zur Mystik, zur Theosophie. Wenn die alle zu stark werden, diese Kräfte, dann werden wir eben ein Phantast, ein Schwärmer. Das dürfen wir nicht werden. Aber wir dürfen auch nicht alle Phantasie weg haben.
[ 20 ] You have to keep track of all of this. We have to be a little bit philistine, otherwise we’d be a scatterbrain. We have to be a little bit pedantic, otherwise we wouldn’t even be able to keep our things in order properly. Instead of hanging our coat in the right closet, we’d hang it in the stove or down the chimney. So being a little bit philistine and a little bit pedantic is all well and good, but it just can’t be too extreme. Then we’ll also have the inner strength for fantasy, for enthusiasm, for mysticism, and for theosophy. If these forces become too strong, then we’ll simply become a dreamer, a fanatic. We mustn’t become that. But we mustn’t lose all our imagination either.
[ 21 ] Ich kannte einmal einen Menschen, der hat alle Phantasie gehaßt, und er ging niemals ins Theater zum Beispiel, in eine Oper schon gar nicht, weil er sagte: Das ist ja alles nicht wahr. — Er hatte eben gar keine Phantasie. Ja, wenn man aber gar keine Phantasie hat, dann wird man eben ein ganz trockenes Subjekt, dann wird man ein Schleicher durchs Leben, nicht ein richtiger, wirklicher Mensch. Also das darf wieder nicht ausarten.
[ 21 ] I once knew a person who hated imagination, and he never went to the theater, for example—and certainly not to the opera—because he said, “None of that is true.” — He simply had no imagination at all. Yes, but if you have absolutely no imagination, then you become a completely dry person; you become someone who just drifts through life, not a real, genuine human being. So that, too, mustn’t get out of hand.
[ 22 ] Wenn wir es nun geistig ansehen, so haben wir die Kraft zur Verhärtung im Aufwachen. Im Aufwachen nehmen wir unseren Körper fest in die Hand, gebrauchen unsere Glieder. Und die Kraft, die sonst im Körper in der Verweichung, in der Verjüngung ist, die haben wir im Einschlafen. Da sinken wir in die Träume hinüber. Da haben wir unseren Körper nicht mehr in der Hand.
[ 22 ] If we now consider this from a spiritual perspective, we have the power to harden ourselves as we wake up. When we are awake, we take firm control of our body and use our limbs. And the strength that is otherwise present in the body—in its softening and rejuvenation—we possess when we fall asleep. Then we drift off into dreams. Then we no longer have control over our body.
[ 23 ] Man kann sagen, der Mensch ist eigentlich fortwährend der Gefahr ausgesetzt, in die eine oder in die andere Sache hineinzufallen, entweder zu stark der Verweichung oder zu stark der Verhärtung zu verfallen.
[ 23 ] One could say that human beings are, in fact, constantly at risk of falling into one extreme or the other—either becoming too soft or too hardened.
[ 24 ] Wenn Sie einen Magneten haben, so wissen Sie, der Magnet zieht das Eisen an. Wir sagen, wir haben zweierlei Magnetismus im Magneten. Die haben wir auch. Wir haben positiven Magnetismus und negativen Magnetismus. Der eine zieht die Magnetnadel an, der andere stößt sie ab. Sie sind entgegengesetzt.
[ 24 ] If you have a magnet, you know that it attracts iron. We say that there are two kinds of magnetism in a magnet. And that’s true. We have positive magnetism and negative magnetism. One attracts the magnetic needle, the other repels it. They are opposites.
[ 25 ] Nicht wahr, im Physischen, im Körperlichen geniert man sich durchaus nicht, den Sachen Namen zu geben. Man braucht Namen. Ich habe Ihnen jetzt etwas beschrieben, körperlich, seelisch und geistig, was jeder von Ihnen immer wahrnehmen kann, immer sieht, worüber jeder von Ihnen sich klar sein kann. Aber wir brauchen Namen. Wenn wir positiven Magnetismus haben, müssen wir uns klar sein, das ist nicht das Eisen; das ist im Eisen drinnen. Etwas Unsichtbares ist im Eisen drinnen.
[ 25 ] Isn’t it true that, in the physical realm, we have absolutely no qualms about giving things names? We need names. I have just described to you something—physical, emotional, and spiritual—that each of you can always perceive, always see, and about which each of you can be clear. But we need names. When we have positive magnetism, we must be clear that this is not the iron itself; it is inside the iron. Something invisible is inside the iron.
[ 26 ] Wer das nicht zugibt, daß etwas Unsichtbares im Eisen drinnen ist, der wird sagen: Du bist ein dummer Kerl! Da soll ein Magnetismus im Eisen drinnen sein? Das ist ein Hufeisen. Damit beschlage ich mein Roß. — Nicht wahr, so einer ist ein Idiot, der nicht zugibt, daß da im Eisen etwas Unsichtbares drinnen ist, der sein Roß damit beschlägt. Man kann dieses Hufeisen zu etwas ganz anderem als zum Hufebeschlagen verwenden, wenn der Magnetismus drinnen ist.
[ 26 ] Anyone who won’t admit that there’s something invisible inside the iron will say, “You’re a stupid guy! Is there really magnetism inside the iron?” That’s a horseshoe. I use it to shoe my horse. — Isn’t that right? Anyone who doesn’t admit that there’s something invisible inside the iron—and who uses it to shoe his horse—is an idiot. You can use this horseshoe for something completely different from shoeing a horse if there’s magnetism inside it.
[ 27 ] Nun, ebenso, sehen Sie, ist erwas Unsichtbares, Übersinnliches, in dem Verhärten drinnen. Und dieses Unsichtbare, Übersinnliche, Wesenhafte, das man beobachten kann, wenn man dazu die Gabe hat, nennt man ahrimanisch. Ahrimanisch sind also die Kräfte, die aus dem Menschen fortwährend eine Art von Leichnam machen möchten. Wären nur ahrimanische Kräfte da, würden wir fortwährend Leichnam werden, und wir würden Pedanten werden, ganz versteinerte Menschen. Wir würden fortwährend aufwachen, wir würden nicht schlafen können.
[ 27 ] Well, in the same way, you see, there is something invisible, supersensible, within that hardening. And this invisible, supersensible, essential quality—which one can observe if one has the gift to do so—is called Ahrimanic. Ahrimanic, then, are the forces that constantly seek to turn human beings into a kind of corpse. If only Ahrimanic forces were at work, we would constantly become corpses, and we would become pedants, completely petrified human beings. We would constantly be awake; we would be unable to sleep.
[ 28 ] Die Kräfte, die uns nun verweichen, verjüngen, die uns zur Phantasie bringen, das sind die luziferischen Kräfte, das sind diejenigen Kräfte, die wir brauchen, damit wir eben nicht ein lebender Leichnam werden. Aber wenn nur die luziferischen Kräfte da wären, ja, da blieben wir unser ganzes Leben lang Kinder. Also in der Welt braucht es die luziferischen Kräfte, damit wir nicht schon mit drei Jahren Greise sind. In der Welt braucht es die ahrimanischen Kräfte, damit wir nicht fortwährend Kinder bleiben. Diese zwei entgegengesetzten Kräfte müssen im Menschen sein.
[ 28 ] The forces that now soften us, rejuvenate us, and inspire our imagination—these are the Luciferic forces; these are the forces we need so that we do not become living corpses. But if only the Luciferic forces were present, well, then we would remain children our entire lives. So in the world, the Luciferic forces are necessary so that we are not already old men by the age of three. In the world, the Ahrimanic forces are necessary so that we do not remain children forever. These two opposing forces must be present in the human being.
[ 29 ] Nun handelt es sich darum, daß diese zwei entgegengesetzten Kräfte ausgeglichen sein müssen. Worin liegt nun die Ausgleichung? Es darf nichts von diesen Kräften überhandnehmen.
[ 29 ] The point is that these two opposing forces must be in balance. What, then, constitutes this balance? Neither of these forces must prevail over the other.
[ 30 ] Sehen Sie, wir schreiben jetzt, nicht wahr, 1923. Diese ganze Zeit von der Zeitenwende bis 1923 ist eigentlich so, daß die Menschheit in der Gefahr steht, den ahrimanischen Kräften zu verfallen. Sie müssen nur bedenken, eigentlich wird man heute da, wo es keine Geisteswissenschaft gibt, ahrimanisch erzogen. Denken Sie nur, unsere Kinder kommen in die Volksschule, müssen da Dinge lernen, die ihnen ganz komisch vorkommen müssen - ich habe es Ihnen schon angedeutet —, an denen sie gar kein Interesse haben können. Sie haben den Vater immer gesehen, habe ich Ihnen gesagt; ja, der schaut so aus, hat Haare, Ohren, Augen, und nachher sollen sie lernen, das da hier (geschrieben): Vater, das ist der Vater. Es ist ihnen ganz fremd. Sie haben kein Interesse dafür. Und so ist es mit allem, was die Kinder zunächst in der Volksschule lernen sollen. Sie haben gar kein Interesse dafür.
[ 30 ] You see, we are now, aren’t we, in 1923. The entire period from the turn of the era until 1923 is actually such that humanity is in danger of falling prey to the Ahrimanic forces. Just consider this: today, wherever there is no Spiritual Science, people are actually being raised in an Ahrimanic way. Just think about it: our children go to elementary school and have to learn things that must seem quite strange to them—as I’ve already hinted at—things in which they can’t possibly have any interest. They’ve always seen their father, as I’ve told you; yes, he looks like this, has hair, ears, eyes, and then they’re supposed to learn that this here (written): “Father”—that’s the father. It’s completely foreign to them. They have no interest in it. And that’s how it is with everything children are initially supposed to learn in elementary school. They have absolutely no interest in it.
[ 31 ] Und dies ist ja der Grund, warum man wiederum vernünftige Schulen einrichten muß, wo die Kinder zunächst das lernen, wofür sie ein Interesse haben können. Würde das Unterrichten so fortgehen, wie man es heute macht, dann würden die Menschen eben sehr früh vergreisen, greisenhaft werden, alt werden, weil das ahrimanisch ist. Das macht den Menschen alt. So wie heute die Kinder in der Schule erzogen werden, so ist das alles ahrimanisch. Das ist eben in diesen neunzehnhundert Jahren so, daß die ganze Entwickelung der Menschheit nach dem Ahrimanischen hingeht. Vorher war es anders.
[ 31 ] And this is precisely why we must once again establish sensible schools where children first learn what they might be interested in. If teaching were to continue as it is today, people would simply grow old very early, become senile, and grow old, because that is Ahrimanic. That is what makes people old. The way children are educated in school today—it’s all Ahrimanic. For the past nineteen hundred years, the entire development of humanity has been moving in an Ahrimanic direction. Before that, it was different.
[ 32 ] Wenn Sie nun zurückgehen, sagen wir, vom Jahre 8000 bis zur Zeitenwende, da war es anders, da waren die Menschen der Gefahr ausgesetzt, daß sie nicht alt werden konnten. Schulen gab es ja nicht in dem heutigen Sinne in diesen alten Zeiten. Schulen gab es nur für diejenigen Menschen, die schon ein respektables Alter erlangt hatten, und die dann richtige Gelehrte werden sollten. Für die gab es Schulen. Für die Kinder gab es ja in alten Zeiten keine Schulen. Die lernten eben im Leben. Dasjenige, was sie sahen, das lernten sie. Also es gab weder Schulen, noch bemühte man sich, den Kindern irgend etwas beizubringen, was ihnen fremd war. Da war die Gefahr vorhanden, daß die Menschen ganz ins Luziferische kamen, daß sie in die Schwärmerei, also ins Luziferische kamen. Und es war auch so. In diesen alten Zeiten, da war viel Weisheit vorhanden, das habe ich Ihnen schon gesagt. Aber natürlich, da mußte erst dieses Luziferische gezügelt werden, sonst hätten sie eigentlich den ganzen Tag Gespenstergeschichten erzählen wollen! Das war dasjenige, was die Leute besonders geliebt haben.
[ 32 ] If you go back, say, from the year 8000 to the turn of the era, things were different then; people were at risk of not living to old age. There were no schools in the modern sense in those ancient times. Schools existed only for those who had already reached a respectable age and were destined to become true scholars. Schools existed for them. In ancient times, there were no schools for children. They simply learned through life. Whatever they saw, that is what they learned. So there were neither schools nor any effort made to teach children anything that was foreign to them. There was a danger that people would fall entirely into the Luciferic realm, that they would succumb to fanaticism—that is, to the Luciferic. And that’s how it was. In those olden days, there was a great deal of wisdom—I’ve already told you that. But of course, this Luciferic tendency had to be reined in first; otherwise, they would have wanted to spend the whole day telling ghost stories! That was what people loved most of all.
[ 33 ] So daß man sagen kann: Vor sehr alten Zeiten, etwa von 8000 bis zur Zeitenwende, war ein luziferisches Zeitalter, und dann kam ein ahrimanisches Zeitalter.
[ 33 ] So one can say: From very ancient times, roughly from 8,000 B.C. to the turn of the era, there was a Luciferic age, and then came an Ahrimanic age.
[ 34 ] Schauen wir uns jetzt einmal das luziferische Zeitalter an. Sehen Sie, da haben diejenigen, die damals in diesen alten Zeiten Gelehrte waren, gewisse Sorgen gehabt. Die damals Gelehrte waren, die lebten ja in solchen turmförmigen Gebäuden. Der babylonische Turm, von dem Ihnen in der Bibel erzählt wird, ist ja nur eines von diesen Gebäuden. Da lebten diese Gelehrten. Diese Gelehrten sagten: Nun ja, wir haben es hier gut. Mit uns will auch unsere Phantasie durchgehen. Wir möchten immer ins Gespenstische, immer ins Luziferische herein. Aber da haben wir unsere Instrumente. Da schauen wir in die Sterne hinaus und sehen, wie die Sterne sich bewegen. Das zügelt unsere Phantasie. Denn wenn ich einen Stern anschaue und will, daß er so geht, so geht er eben nicht so. Da wird also die eigene Phantasie gezügelt.
[ 34 ] Let’s now take a look at the Luciferic Age. You see, the scholars of those ancient times had certain concerns. The scholars of that era lived in tower-like buildings. The Tower of Babel, which is mentioned in the Bible, is just one of these buildings. That is where these scholars lived. These scholars said: Well, we have it good here. Our imagination tends to run wild as well. We’re always drawn toward the ghostly, toward the Luciferic. But we have our instruments. We look out at the stars and see how they move. That reins in our imagination. For when I look at a star and want it to move a certain way, it simply doesn’t move that way. So our own imagination is thus reined in.
[ 35 ] Also die Gelehrten, die wußten, sie lassen sich durch die Weltenerscheinungen ihre Phantasie zügeln. Oder sie hatten physikalische Instrumente. Sie wußten: Wenn ich mir vorstelle, ich habe ein ganz kleines Stückchen Holz, heize ein bißchen ein, da wird ein Riesenfeuer — so kann ich das in der Vorstellung sagen, aber wenn ich es wirklich mache, wird eben aus dem kleinen Stückchen Holz ein kleines Feuer.
[ 35 ] So the scholars knew that they allowed their imagination to be reined in by the phenomena of the world. Or they had physical instruments. They knew: If I create a mental image of having a very small piece of wood and heat it up a little, a huge fire will result—I can say that in my mental image, but if I actually do it, that small piece of wood will simply produce a small fire.
[ 36 ] Das war also eigentlich der Sinn dieser alten Lehranstalten, die wuchernde Phantasie dieser Menschen zu zügeln. Und die Sorge, die diese Leute hatten, die bestand darinnen, daß sie sagten: Ja, da sind nun die anderen alle, es können ja nicht alle Gelehrte werden! Und da gaben sie die Lehren heraus, die manchmal ehrlich waren, manchmal unehrlich. Das sind die alten Religionslehren, die durchaus von der Wissenschaft ausgehen, nur natürlich arteten auch die Priester aus. Und so sind auch die unehrlichen Lehren — die ehrlichen sind zum Teil, zum größten Teil verlorengegangen — auf die Nachwelt gekommen. Das war die Zügelung des Luziferischen.
[ 36 ] So that was actually the purpose of these ancient educational institutions: to rein in the runaway imagination of these people. And the concern these people had was that they said: “Well, there are all the others—they can’t all become scholars!” And so they put forth teachings that were sometimes honest, sometimes dishonest. These are the old religious teachings, which certainly stem from science, though naturally the priests also went astray. And so the dishonest teachings—the honest ones have been lost, for the most part—have been passed down to posterity. That was the reining in of the Luciferic principle.
[ 37 ] Und wie es im Ahrimanischen ist, das wissen Sie ja. Die Wissenschaft von heute strebt immer mehr und mehr dem Ahrimanischen zu. Eigentlich ist unsere ganze Wissenschaft etwas, das uns heute vertrocknet macht. Denn diese Wissenschaft, die kennt eigentlich nur eben das Körperliche, das heißt das Verkalkte, das Materielle. Und das ist dasjenige, was eben in unserer ganzen Zivilisation das Ahrimanische ist.
[ 37 ] And you know, of course, what the Ahrimanic is like. Today’s science is increasingly moving toward the Ahrimanic. In fact, our entire science is something that is drying us up today. For this science really knows only the physical—that is, the ossified, the material. And that is precisely what constitutes the Ahrimanic in our entire civilization.
[ 38 ] Zwischen beiden steht dasjenige drinnen, was man nun im wirklichen Sinne das Christliche nennt. Sehen Sie, meine Herren, das wirkliche Christliche kennt man ja zu wenig in der Welt. Wenn man dasjenige christlich nennt, was man in der Welt kennt, da müßte man ja natürlich das Christliche bekämpfen, das ist ja selbstverständlich.
[ 38 ] Between the two lies what is truly called “Christianity.” You see, gentlemen, true Christianity is all too little known in the world. If one were to call that which is known in the world “Christian,” then one would naturally have to fight against Christianity—that goes without saying.
[ 39 ] Aber diejenige Wesenheit, von der ich Ihnen auch das letzte Mal einiges gesprochen habe, die eben in der Zeitenwende geboren ist und dreiunddreißig Jahre gelebt hat, diese Persönlichkeit, die war ja nicht so, wie es die Leute beschreiben, sondern sie hatte eigentlich die Absicht gehabt, für alle Menschen solche Lehren zu geben, die einen Ausgleich, ein Gleichgewicht zwischen dem Ahrimanischen und dem Luziferischen möglich machten. Und christlich sein heißt eben, den Ausgleich zwischen dem Ahrimanischen und dem Luziferischen suchen. Christlich sein kann man nämlich wirklich nicht so, wie es heute die Menschen oftmals nennen.
[ 39 ] But that being—about whom I also spoke to you a little last time—who was born at the turn of the ages and lived for thirty-three years; this personality was not at all as people describe her, but had actually intended to give teachings to all people that would make possible a balance, an equilibrium, between the Ahrimanic and the Luciferic. And to be Christian means precisely to seek a balance between the Ahrimanic and the Luciferic. For one cannot truly be Christian in the way people often speak of it today.
[ 40 ] Was heißt denn zum Beispiel christlich sein im körperlichen Sinne? Christlich sein im körperlichen Sinne heißt, ich eigne mir Kenntnisse über den Menschen an. Der Mensch kann auch krank werden. Der Mensch bekommt Rippenfellentzündung. Was heißt das, er bekommt Rippenfellentzündung? Das heißt: zu viel Luziferisches ist in ihm. Weiß ich das, daß zu viel Luziferisches in ihm ist - wenn er also Rippenfellentzündung bekommt, ist zu viel Luziferisches in ihm -, dann muß ich sagen: Wenn ich eine Waage habe (Zeichnung $. 230) und die schnellt hier zu stark herauf, dann muß ich die Gewichte wegnehmen. Wenn sie zu stark heruntersinkt, muß ich da Gewichte zugeben. Jetzt sage ich mir: Hat ein Mensch Rippenfellentzündung, so ist das Luziferische zu stark, das Ahrimanische zu schwach. Ich muß etwas Ahrimanisches dazutun, dann gleicht sich das wieder aus.
[ 40 ] What, for example, does it mean to be Christian in a physical sense? To be Christian in a physical sense means that I acquire knowledge about human beings. Human beings can also become ill. A person can develop pleurisy. What does it mean when someone develops pleurisy? It means there is too much Luciferic influence within them. If I know that there is too much Luciferic influence within them—that is, if they develop pleurisy, there is too much Luciferic influence within them—then I must say: If I have a scale (Figure $. 230) and the needle swings too far up here, then I must remove some weights. If it drops too far down, I must add weights there. Now I tell myself: If a person has pleurisy, the Luciferic is too strong and the Ahrimanic is too weak. I must add something Ahrimanic, and then the balance will be restored.
[ 41 ] Nehmen wir also an, ich sage mir ganz richtig: Dieser Mensch hat Rippenfellentzündung; wie kann ich ihm helfen? Ich nehme, sagen wir, ein Stück Birkenholz. Das Birkenholz wächst im Frühling stark. Gerade Birkenholz ist etwas sehr Gutes, namentlich wenn es gegen die Rinde zu liegt; es sind in der Rinde sehr gute Wachstumskräfte drinnen. Die töte ich ab, das heißt, ich verkohle das Birkenholz. Dann habe ich Birkenholzkohle. Was habe ich denn da gemacht aus dem frischen, immerfort sich verjüngenden Birkenholz? Birkenholzkohle habe ich daraus gemacht, Ahrimanisches habe ich daraus gemacht. Und jetzt mache ich ein Pulver aus dieser Birkenholzkohle und gebe es demjenigen ein, der in der Rippenfellentzündung zu viel Luziferisches in sich hat. Dann habe ich das Ahrimanische zu dem hinzugefügt, was er zu viel an Luziferischem hat.
[ 41 ] So let’s assume I correctly diagnose: This person has pleurisy; how can I help him? I take, let’s say, a piece of birch wood. Birch wood grows vigorously in the spring. Birch wood, in particular, is very beneficial, especially when it’s close to the bark; there are very powerful growth forces within the bark. I neutralize those forces—that is, I carbonize the birch wood. Then I have birch charcoal. What have I done with this fresh, constantly regenerating birch wood? I made birch charcoal out of it; I made something Ahrimanic out of it. And now I make a powder from this birch charcoal and give it to the person who has too much Luciferic influence within them due to pleurisy. Then I have added the Ahrimanic to the excess of Luciferic influence they possess.
[ 42 ] Sehen Sie, dann habe ich den Ausgleich geschaffen. Wie ich bei der Waage etwas hinzufügen muß, wenn sie zu hoch hinaufschnellt auf der einen Seite, ebenso habe ich, wenn zu viel Luziferisches in der Rippenfellentzündung da ist, Birkenholzkohle hinzugefügt. Das Birkenholz habe ich mineralisch gemacht dadurch, daß ich es verkohlte. Ahrimanisch ist es gemacht worden.
[ 42 ] You see, that is how I created the balance. Just as I have to add something to the scales when they swing too high on one side, so too, when there is too much Luciferic influence in the pleurisy, I added birch charcoal. I transformed the birch wood into a mineral by charring it. It has been made Ahrimanic.
[ 43 ] Oder nehmen Sie einmal an, ein Mensch bekommt so ein müdes, gelähmtes Aussehen, so daß ich mir sagen kann: den trifft nächstens der Schlag. Da ist zu viel Ahrimanisches in ihm. Jetzt muß ich Luziferisches in ihn hineingeben, damit es sich ausgleicht. Was werde ich denn da tun?
[ 43 ] Or suppose a person takes on such a weary, paralysed appearance that I can say to myself: a stroke is coming for him soon. There is too much Ahrimanic in him. Now I must infuse him with something Luciferic to restore the balance. What, then, will I do?
[ 44 ] Sehen Sie, wenn ich eine Pflanze habe: Da ist die Wurzel. Sie wissen, die Wurzel ist hart. Die enthält viele Salze. Das ist nicht luziferisch. Der Stamm und die Blätter sind auch noch nicht luziferisch. Aber ich gehe da weiter hinauf, und da habe ich eine riechende, eine stark riechende Blüte. Das will fort, geradeso wie die Phantasie fort will, sonst würde ich es gar nicht riechen können. Nun nehme ich aus der Blüte den Saft. Der ist luziferisch. Dann gebe ich es in der richtigen Weise ein, gleiche so das Ahrimanische aus, und ich kann ihn heilen.
[ 44 ] Look, when I have a plant: there’s the root. You know, the root is hard. It contains many salts. That’s not Luciferic. The stem and the leaves aren’t Luciferic yet either. But if I go further up, I find a fragrant, strongly scented flower. It wants to escape, just as the imagination wants to escape; otherwise, I wouldn’t be able to smell it at all. Now I extract the sap from the flower. That is Luciferic. Then I administer it in the proper way, thereby balancing out the Ahrimanic force, and I can heal him.
[ 45 ] Was tut die heutige Medizin? Die heutige Medizin, ja, die probiert. Es kommt ein Chemiker darauf, daß er das Acetylphenetidin entdeckt. Ich brauche Ihnen nicht auseinanderzusetzen, was das ist; das ist ein komplizierter Stoff. Nun nimmt man den in ein Krankenhaus. Da sind meinetwillen dreißig Patienten. Man gibt allen dreißig Patienten Acetylphenetidin ein, nimmt das Fieberthermometer, mißt, notiert, und wenn dabei etwas herauskommt, betrachtet man es als ein Heilmittel.
[ 45 ] What does modern medicine do? Modern medicine—well, it experiments. A chemist comes up with the idea of discovering acetylphenetidine. I don’t need to explain to you what that is; it’s a complex substance. Now they take it to a hospital. Let’s say there are thirty patients there. All thirty patients are given acetylphenetidine; then they take the thermometer, measure the temperature, record the results, and if anything comes of it, they consider it a cure.
[ 46 ] Aber man hat gar keinen Begriff, wie das im menschlichen Körper eigentlich zugeht. Man guckt nicht hinein in den menschlichen Körper. Erst wenn man weiß: bei der Rippenfellentzündung ist zu viel Luziferisches, da muß man Ahrimanisches hinzutun; beim Schlag ist zu viel Ahrimanisches, da muß man Luziferisches dazutun — dann ist es das Richtige. Das ist es, was heute der Menschheit fehlt. Die Menschheit ist in diesem Sinne zu wenig christlich, weil das Christliche der Ausgleich ist. Sehen Sie, ich zeige Ihnen, worin das Christliche in ganz körperlichem Heilen besteht. Darin besteht das Christliche, daß man den Ausgleich sucht.
[ 46 ] But we have absolutely no idea how things actually work inside the human body. We don’t look inside the human body. Only when we know that pleurisy involves too much Luciferic influence—and that we must add Ahrimanic influence to it— in the case of a stroke, there is too much Ahrimanic influence, so one must add Luciferic influence—only then is it right. That is what humanity lacks today. In this sense, humanity is not Christian enough, because Christianity is about balance. You see, I am showing you what the Christian aspect of physical healing consists of. The Christian aspect consists in seeking balance.
[ 47 ] Sehen Sie, das wollte ich ja auch in dieser Holzfigur darstellen, die im Bau sein soll. Da ist oben Luzifer, das Luziferische, das ist alles dasjenige, was beim Menschen Fieberhaftes, Phantasie, Einschlafen ist; und nach unten alles dasjenige, was sich verhärten will, das Ahrimanische. Und zwischen drinnen der Christus.
[ 47 ] You see, that is exactly what I wanted to depict in this wooden figure, which is supposed to be under construction. At the top is Lucifer, the Luciferic—that is everything in human beings that is feverish, imaginative, and sleep-inducing; and at the bottom is everything that seeks to harden, the Ahrimanic. And in between is the Christ.
[ 48 ] Das ist dasjenige, was einen darauf bringt, was man in der Medizin, in der Naturwissenschaft, in der Soziologie, was man überall tun soll. Und heute gehört es eben zu den Menschen, daß sie verstehen, wie Luziferisches und Ahrimanisches in der Menschennatur drinnen ist.
[ 48 ] That is what leads one to understand what one should do in medicine, in the natural sciences, in sociology—in every field. And today, it is simply part of being human to understand how the Luciferic and the Ahrimanic are present within human nature.
[ 49 ] Aber was verstehen denn die Menschen von den Dingen? Da hat einmal ein in Basel und auch noch darüber hinaus sehr berühmter Pastor, Frohnmeyer hat er geheißen, ein sehr berühmter Pastor, vorgetragen. Der hat sich zwar nicht die Mühe genommen, diese Figur anzuschauen, aber er hat wiederum bei einem anderen gelesen, der es vielleicht auch nicht angeschaut hat, sondern wieder abgeschrieben hat, daß hier eine Figur gemacht wird, oben luziferisch, in der Mitte Christus, und unten ahrimanisch. Es sind ja drei Figuren, die übereinander sind, und, nicht wahr, es sind sogar mehrere, Ahriman zweimal, Luzifer auch zweimal. Nun aber, dieser Frohnmeyer hat es so gut gewußt, daß er geschrieben hat: Der Steiner macht da draußen in Dornach etwas ganz Schreckliches, eine Christus-Figur, die oben luziferische Züge hat, und nach unten tierische Merkmale.
[ 49 ] But what do people really understand about these things? Once, a pastor who was very famous in Basel and even beyond—his name was Frohnmeyer, a very famous pastor—gave a lecture. He didn’t bother to look at this figure himself, but he read in a text by someone else—who perhaps hadn’t looked at it either, but had simply copied it—that a figure is depicted here: Luciferic at the top, Christ in the middle, and Ahrimanic at the bottom. There are, in fact, three figures stacked one above the other, and—aren’t there?—there are actually several: Ahriman twice, and Lucifer twice as well. But this Frohnmeyer was so certain of it that he wrote: “Steiner is doing something truly terrible out there in Dornach—a Christ figure that has Luciferic traits at the top and animalistic characteristics at the bottom.”
[ 50 ] Nun, die Christus-Figur hat gar keine luziferischen Züge, sondern einen ganz menschlichen Kopf. Aber das hat er verwechselt. Er hat geglaubt, eine Christus-Figur, die nach oben luziferische Züge hat und nach unten tierische Merkmale. — Nun ist der Christus nach unten überhaupt nicht fertig, sondern es ist noch ein Holzklotz!
[ 50 ] Well, the figure of Christ has no Luciferic traits at all, but rather a completely human head. But he got that mixed up. He believed that the figure of Christ had Luciferic traits at the top and animalistic features at the bottom. — But the Christ figure isn’t finished at all toward the bottom; it’s still just a block of wood!
[ 51 ] So hat dieser nach Wahrheit strebende christliche Pastor die Sache beschrieben, und die ganze Welt sagt nun, das muß doch wahr sein, denn das ist doch ein Pastor, der das geschrieben hat! — Es ist eben schwer, dagegen aufzukommen, wenn die Leute nicht einsehen, nicht begreifen wollen. Sie laufen immer zu den Pastoren, weil sie glauben, was die Pastoren sagen. Aber da haben Sie ein Beispiel von Verleumdung, das also so jämmerrlich ist, daß man sich überhaupt etwas größeres gar nicht denken kann.
[ 51 ] This is how this Christian pastor, who strives for the truth, described the matter, and now the whole world says, “That must be true, after all—it was a pastor who wrote that!” — It’s just hard to counter that when people won’t see reason, won’t understand. They always run to the pastors because they believe what the pastors say. But here you have an example of slander so pitiful that one cannot even imagine anything worse.
[ 52 ] Und merkwürdige Ansichten haben diese Menschen. Der Pastor Frohnmeyer, der hat dies also geschrieben. Nun war damals noch, als er dies geschrieben hat, Dr. Boos hier am Goetheanum. Sie wissen ja, Dr. Boos hat die Manier, ein bißchen mit der Keule dreinzuschlagen. Man mag ja darüber seine Ansicht haben, ob man mit der Keule dreinschlagen soll oder mit dem Bartwisch. Der Bartwisch ist weicher, mehr luziferisch, die Keule ist hart, mehr ahrimanisch. Also es kommt darauf an, mit was man dreinschlagen soll. Aber nun, da hat er also dem Frohnmeyer einmal die Wahrheit gesagt, etwas mit der Keule die Wahrheit gesagt. - Wer kriegt einen Brief von Frohnmeyer? Ich! Ich kriege einen langen Brief von Dr. Frohnmeyer, daß ich doch den Dr. Boos veranlassen soll, nicht so unartig zu sein gegen Dr. Frohnmeyer.
[ 52 ] And these people have some strange views. Pastor Frohnmeyer—he’s the one who wrote this. Now, back when he wrote this, Dr. Boos was still here at the Goetheanum. As you know, Dr. Boos has a habit of coming down hard on things. One can certainly have one’s own opinion on whether one should strike with a club or with a beard brush. The beard brush is softer, more Luciferic; the club is hard, more Ahrimanic. So it depends on what one uses to strike. But anyway, he once told Frohnmeyer the truth—told him the truth with a bit of a club. - Who gets a letter from Frohnmeyer? Me! I get a long letter from Dr. Frohnmeyer telling me that I should get Dr. Boos to stop being so rude to Dr. Frohnmeyer.
[ 53 ] Denken Sie sich einmal, was die Menschen für Begriffe haben. Man kann es gar nicht fassen, was sie für Begriffe haben. Sie verleumden jemanden, wie ich es Ihnen erzählt habe, und nachher wenden sie sich an einen, daß man gegen den, der die Unwahrheit richtigstellt, vorgehen soll!
[ 53 ] Just imagine what kind of ideas people have. It’s hard to believe what they think. They slander someone, just as I’ve told you, and then they come to you asking that action be taken against the person who sets the record straight!
[ 54 ] Das ist eben das Schwierige, daß sich das Publikum, namentlich das bürgerliche Publikum, gar nicht irgendwie bequemt dazu, in diesen Dingen selber zu sehen, sondern es wird eben hingenommen; weil ihnen amtlich die Betreffenden hingesetzt sind, so ist es richtig. Deswegen ist unsere Zivilisation ja so ungeheuer frivol, so gemein in vielen Dingen.
[ 54 ] That is precisely the difficulty: the public—especially the middle-class public—doesn’t even bother to examine these matters for itself, but simply accepts them as they are; because the authorities have designated the people involved, it must be right. That is why our civilization is so incredibly frivolous, so vulgar in so many ways.
[ 55 ] Es handelt sich darum, daß die ganze Denkweise von heute in ein solches Fahrwasser kommen muß, daß man wieder einsieht: mit all diesem Gerede vom Christlichen ist es nichts, sondern man muß es sachlich nehmen. Man muß also wissen, die Medizin kann christlich werden, wenn man zum Beispiel folgendes weiß. Sagen wir, einer zeigt ganz genau, daß, wenn in regelmäßiger Weise der Mensch Zucker gegessen hat, vielleicht schon als Kind, er den Leberkrebs kriegt - das ist ein Ahrimanischwerden der Leber —, und nun muß man wissen, was man dagegen anwenden soll: das entsprechende Luziferische. Geradeso wie ein Mensch unterscheidet zwischen Wärme und Kälte, muß man unterscheiden zwischen Luziferischwerden und Ahrimanischwerden. Nicht wahr, wenn einem die Glieder erstarrt sind, da ist man ahrimanisch geworden. Wenn man nun warme Umschläge, warme Tücher auflegt, so ist das das Luziferische, das gegenwirkt. Und so muß man eben auf allen Gebieten unter allen Umständen wissen, wie es mit dem Menschen beschaffen ist. Dann wird die Medizin christlich.
[ 55 ] The point is that today’s entire way of thinking must be steered into a course where people once again realize: all this talk about Christianity is meaningless; instead, one must approach it objectively. So one must know that medicine can become Christian if, for example, one knows the following. Let’s say someone demonstrates quite precisely that if a person has regularly consumed sugar—perhaps even as a child—they will develop liver cancer—which is a process of the liver becoming Ahrimanic—and now one must know what to apply against it: the corresponding Luciferic force. Just as a person distinguishes between warmth and cold, one must distinguish between becoming Luciferic and becoming Ahrimanic. Isn’t it true that when one’s limbs have become stiff, one has become Ahrimanic? If one then applies warm compresses or warm cloths, that is the Luciferic force that counteracts it. And so, in all fields and under all circumstances, one must know the true nature of the human being. Then medicine becomes Christian.
[ 56 ] Ebensogut muß die Pädagogik, das Schulwesen christlich werden. Das heißt, man muß so erziehen, daß die Kinder nicht greisenhaft werden schon von frühester Kindheit an. Also man muß sie in der Schule mit solchen Dingen anfangen lassen, die ihnen naheliegen, für die sie Interesse haben und so weiter.
[ 56 ] Education and the school system must likewise become Christian. This means that children must be raised in such a way that they do not become like old people from their earliest childhood. Therefore, in school, they must be introduced to things that are familiar to them, that interest them, and so on.
[ 57 ] Sie sehen, wenn man die Sache so auffaßt, so liegt in dem Gebrauch der Ausdrücke ahrimanisch, luziferisch, christlich, gar nicht irgend etwas Abergläubisches, sondern etwas vollkommen Wissenschaftliches. Und das ist es ja auch.
[ 57 ] You see, if one looks at it this way, there is nothing at all superstitious about the use of the terms “Ahrimanic,” “Luciferic,” and “Christian”; rather, it is entirely scientific. And that is indeed the case.
[ 58 ] Wie ging denn die geschichtliche Entwickelung? Ja, nicht wahr, da war eine Zeit von den ältesten christlichen Zeiten bis ins 12., 13. Jahrhundert hin, noch ins 14. Jahrhundert, da war es ja den Christen verboten, die Bibel zu lesen. Das Neue Testament zu lesen war verboten. Das durften ja nur die Priester lesen. Die allgemeinen Gläubigen durften nicht die Bibel lesen. Warum? Ja, weil allerdings die Geistlichen wußten, die Bibel muß man richtig lesen. Die Bibel ist noch in einer Zeit entstanden, in welcher die Menschen nicht so gedacht haben, wie sie heute denken, sondern in der die Menschen bildlich gedacht haben. Also muß man die Bibel richtig lesen. Würden nun die Menschen, ohne daß sie richtig vorbereitet sind, die Bibel lesen, so würden sie darauf kommen, daß die Bibel vier Testamente hat, das Matthäus-Evangelium, das Markus-Evangelium, das Lukas-Evangelium, das Johannes-Evangelium. Nun, die widersprechen einander. Warum widersprechen die einander? Ja, meine Herren, das muß man nur richtig verstehen. Das «Einander-Widersprechen» konnte wirklich ein halbwegs nicht auf den Kopf gefallener Mensch auch schon im 4., 5. Jahrhundert einsehen. Natürlich widersprechen sie einander.
[ 58 ] So how did things unfold historically? Well, you see, there was a period—from the earliest Christian times all the way through the 12th and 13th centuries, and even into the 14th century—when Christians were forbidden to read the Bible. Reading the New Testament was forbidden. Only the priests were allowed to read it. Ordinary believers were not allowed to read the Bible. Why? Well, because the clergy knew that the Bible must be read correctly. The Bible was written at a time when people did not think the way they do today, but rather thought in figurative terms. So one must read the Bible correctly. If people were to read the Bible without being properly prepared, they would conclude that the Bible has four Testaments: the Gospel of Matthew, the Gospel of Mark, the Gospel of Luke, and the Gospel of John. Well, these contradict one another. Why do they contradict one another? Yes, gentlemen, one just has to understand this correctly. Even a person who wasn’t entirely out of their mind could have seen this “contradiction” as early as the 4th or 5th century. Of course they contradict one another.
[ 59 ] Aber denken Sie sich, ich habe den Herrn Burle von vorne photographiert und zeige Ihnen allen das Bild. Nun, da kennen Sie von dem Bilde aus den Herrn Burle. Nun kommt einer und photographiert ihn von der Seite, so daß man das Profil sieht, nicht wahr. Ich zeige Ihnen das, und Sie würden alle sagen: «Das ist nicht der Herr Burle, der schaut ja ganz anders aus; von vorne muß man ihn anschauen, da schaut er so aus. Aber was du mir zeigst von der Seite, das ist nicht der Herr Burle!» - Ja, das ist auch der Herr Burle, aber er ist es nur von zwei verschiedenen Seiten! Und gar, wenn ich ihn von hinten photographieren würde, würden Sie sagen: «Aber er hat doch auch eine Nase, nicht lauter Haare!» Aber das ist ja von verschiedenen Seiten her!
[ 59 ] But just imagine: I took a picture of Mr. Burle from the front and am showing it to all of you. Now, based on that picture, you recognize Mr. Burle. Now someone comes along and takes a picture of him from the side, so that you see his profile, right? I’ll show it to you, and you’d all say: “That’s not Mr. Burle—he looks completely different; you have to look at him from the front—that’s what he looks like there.” “But what you’re showing me from the side—that’s not Mr. Burle!”—Yes, that’s Mr. Burle too, but he’s just shown from two different angles! And if I were to take a picture of him from behind, you’d say, “But he has a nose, doesn’t he? It’s not just hair!” But that’s just from different angles!
[ 60 ] Wenn man nun geistige Vorgänge von verschiedenen Seiten her «photographiert», so nehmen sie sich auch verschieden aus. Man muß eben wissen, daß die Evangelien von vier verschiedenen Seiten her schildern. Daher müssen sie sich einander widersprechen, so wie sich ein Bild von Herrn Burle von vorne, von der Seite, von hinten voneinander unterscheidet.
[ 60 ] If one “photographs” mental processes from different angles, they appear differently. One must simply understand that the Gospels describe events from four different perspectives. Therefore, they are bound to contradict one another, just as a picture of Mr. Burle taken from the front, from the side, and from the back all differ from one another.
[ 61 ] Aber nun sind ja die Zeiten gekommen, in denen die Leute gesagt haben: Das gibt es nicht, sich erst vorbereiten, um die Evangelien zu lesen. Vorbereiten tun wir uns heute überhaupt für nichts mehr. Wir lassen uns in der Schule vorbereiten, da lassen wir uns dressieren; aber wenn wir einmal über die Dressur hinaus sind, so über vierzehn, fünfzehn Jahre, da gibt es nichts mehr vorzubereiten, da müssen wir alles verstehen. - Nun, das ist ja so die normale Ansicht von heute.
[ 61 ] But now the time has come when people have said: “There’s no such thing as preparing yourself first to read the Gospels.” Today, we don’t prepare ourselves for anything at all anymore. We let ourselves be prepared in school—we let ourselves be trained there—but once we’ve moved beyond that training, once we’re past fourteen or fifteen, there’s nothing left to prepare for; we’re supposed to understand everything. —Well, that’s pretty much the prevailing view these days.
[ 62 ] Warum soll denn auch das nicht dazu führen, daß die Leute sehen: Da ist ein Goetheanum, da gehen zur Vorbereitung nicht Kinder hinein, sondern uralte Kerle mit Glatzen wollen noch immer vorbereitet sein. Ja, eine Schule, in die nicht Kinder gehen, sondern nur alte Leute, das muß ja ein Narrenhaus sein! — Sehen Sie, so sagen sie, weil sie sich das gar nicht vorstellen können, daß die Leute noch etwas lernen wollen. So ist es schon heute. Und das ist es, daß wir uns klar sein müssen: Um so etwas, wie die Evangelien zu lesen, muß man richtig sich erst dazu vorbereiten, weil es bildhaft gemeint ist. Geradeso wie wenn heute einer ein chinesisches Schriftstück lesen wollte, so müßte er ja auch erst die Buchstaben kennenlernen. Wenn man heute die Evangelien so nehmen wollte, wie die Evangelien geschrieben sind, so wäre es natürlich ein Unsinn, geradeso wie die chinesische Schrift ein Kritzekratze ist, wenn man sie nicht vernünftig anschaut. Wenn man aber die Dinge richtig versteht, dann kommt man eben darauf, daß alles im Christlichen dahin geht: Du sollst lernen, immer das Ahrimanische mit dem Luziferischen richtig ins Gleichgewicht zu bringen, nicht daß das eine heraufschlägt, das andere hinunterschlägt.
[ 62 ] Why shouldn't that also lead people to think: There's a Goetheanum; it's not children who go there for classes, but ancient, bald old men who still want to be taught. Yes, a school where children don’t go, but only old people—that must be a madhouse! —You see, they say this because they can’t even form a mental image of people still wanting to learn something. That’s already the case today. And this is what we must be clear about: To read something like the Gospels, one must first properly prepare oneself, because they are meant to be figurative. Just as if someone today wanted to read a Chinese document, they would first have to learn the characters. If one were to take the Gospels today as they are written, it would of course be nonsense, just as Chinese writing is just scribbles if one doesn’t look at it properly. But if one understands these things correctly, one comes to realize that everything in Christianity boils down to this: You must learn to always strike the right balance between the Ahrimanic and the Luciferic, so that one does not dominate and the other is suppressed.
[ 63 ] Und deshalb geniert sich die Anthroposophie auch nicht, von dem Christlichen in diesem Sinne zu reden. Sie betont, daß das Christliche nicht darinnen besteht, daß man fortwährend den Christus-Namen im Munde führt und so weiter. Das werfen ja die Leute der Anthroposophie vor, daß sie so wenig von Christus spricht. Nun, ich sage immer: Ja, seht ihr, die Anthroposophie redet nicht viel von Christus, weil sie die Zehn Gebote kennt. Und ihr redet so viel von Christus, weil ihr nicht einmal das Gebot kennt: Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht unnötig aussprechen.
[ 63 ] And that is why anthroposophy has no qualms about speaking of Christianity in this sense. It emphasizes that Christianity does not consist in constantly having the name of Christ on one’s lips and so on. People do, after all, accuse anthroposophy of speaking so little about Christ. Well, I always say: Yes, you see, anthroposophy doesn’t speak much about Christ because it knows the Ten Commandments. And you speak so much about Christ because you don’t even know the commandment: ‘You shall not take the name of the Lord your God in vain.’
[ 64 ] Wenn einer heute als christlicher Pastor predigt, so wird der ChristusName fortwährend ausgesprochen. Man soll ihn nur aussprechen, wenn man wirklich richtig versteht, worauf es ankommt! Das ist es, nicht wahr, wodurch sich die Anthroposophie davon unterscheidet, die wirklich im richtigen Sinne christlich sein will, aber ohne abergläubisch, ohne frömmelnd zu sein, nur wirklich wissenschaftlich sein will, in diesem Sinne wirklich nur wissenschaftlich sein will. Und in dieser Weise betrachtet sie auch dasjenige, was sich hineingestellt hat zwischen die alte Zeit, die luziferisch war, und die neue Zeit, die ahrimanisch ist, betrachtet sie eben dieses Ereignis in Palästina als das Maßgebende für die Weltgeschichte.
[ 64 ] When a Christian pastor preaches today, the name of Christ is constantly spoken. One should utter it only when one truly understands what is at stake! That is precisely what distinguishes anthroposophy—which truly seeks to be Christian in the right sense, but without being superstitious or pious, seeking only to be truly scientific, and in this sense, truly only scientific. And in this way it also views what has come to stand between the old era, which was Luciferic, and the new era, which is Ahrimanic; it regards precisely this event in Palestine as the defining moment in world history.
[ 65 ] Und wenn man wiederum richtig verstehen wird, was da eigentlich auf der Erde geschehen ist, dann wird man eben eigentlich erst wiederum, ich möchte sagen, zu sich kommen. Die Menschen sind ja jetzt außer sich mit ihrer ganz äußerlichen Wissenschaft. Davon wollen wir dann am nächsten Mittwoch um neun Uhr weitersprechen. Das ist dasjenige, was ich auf die Frage zur Antwort geben wollte. Ich glaube, man kann die ganze Sache schon verstehen.
[ 65 ] And once people truly understand what actually happened here on Earth, only then will they—I would say—come to their senses. People are, after all, completely absorbed in their purely external science right now. We’ll continue discussing this next Wednesday at nine o’clock. That is what I wanted to say in response to the question. I believe one can already understand the whole matter.
