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Vom Leben des Menschen und der Erde
Über das Wesen des Christentums
GA 349

3 März 1923, Dornach

Dritter Vortrag

[ 1 ] Guten Morgen! Nun, meine Herren, die letzte Frage über die Farben habe ich natürlich noch nicht ganz beantwortet. Wir wollen sie noch etwas weiter oder zu Ende führen.

[ 2 ] Da kommt heute für uns zunächst dasjenige in Betracht, was am meisten interessant ist, nämlich die menschliche Farbe selber. Sie wissen ja, daß über die Erde hin die Menschen verschiedene Farben zeigen. Von den Europäern, zu denen wir gehören, sagt man, sie seien die weiße Rasse. Nun, Sie wissen ja, eigentlich ist der Mensch in Europa nicht ganz gesund, wenn er käseweiß ist, sondern er ist gesund, wenn er seine naturfrische Farbe, die er im Innern selber erzeugt, durch das Weiße nach außen zeigt.

[ 3 ] Nun haben wir aber außer dieser europäischen Hautfarbe noch vier hauptsächliche andere Hautfarben. Und das wollen wir heute ein bißchen betrachten, weil man eigentlich die ganze Geschichte und das ganze soziale Leben, auch das heutige soziale Leben nur versteht, wenn man auf die Rasseneigentümlichkeiten der Menschen eingehen kann. Und dann kann man ja auch erst im richtigen Sinne alles Geistige verstehen, wenn man sich zuerst damit beschäftigt, wie dieses Geistige im Menschen gerade durch die Hautfarbe hindurch wirkt.

Wandtafel 1
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[ 4 ] Ich möchte Ihnen nun die Farbigkeit der Menschen in der folgenden Weise auseinandersetzen. Gehen wir aus von Europa, wo wir selber wohnen. Da haben wir also - ich kann es Ihnen nur ganz schematisch aufzeichnen — zunächst Europa (siehe Zeichnung), an Europa angrenzend Asien; England, Irland; hier Japan, China, Hinterindien, Vorderindien, Arabien; dahier haben wir dann Afrika angrenzend. Also: Europa, Asien, Afrika. Nun wollen wir da einmal die Menschen, wie sie in den betreffenden Gegenden sind, hineinzeichnen. Wir selber in Europa nennen uns die weiße Rasse. Gehen wir nach Asien hinüber, so haben wir hauptsächlich in Asien die gelbe Rasse. Und wenn wir nach Afrika hinübergehen, da haben wir die schwarze Rasse. Das sind auch die ursprünglichen Rassen. Alles andere, was sonst noch in diesen Gegenden lebt, beruht eben auf Einwanderung. Also wenn wir fragen: Was gehört zu diesen Erdteilen für eine Rasse hinzu? - so müssen wir eben doch sagen: Zu Asien gehört die gelbe Rasse, die Mongolen, die mongolische Rasse, und zu Europa gehört die weiße Rasse oder die kaukasische Rasse, und zu Afrika gehört die schwarze Rasse oder die Negerrasse. Die Negerrasse gehört nicht zu Europa, und es ist natürlich nur ein Unfug, daß sie jetzt in Europa eine so große Rolle spielt. Diese Rassen sind gewissermaßen in diesen drei Erdteilen heimisch.

[ 5 ] Nun wollen wir uns einmal mit der Farbe dieser drei Rassen beschäftigen. Ich habe Ihnen schon das letzte Mal gesagt: Die Farbe hat mit dem Licht zu tun. Wenn man durch das Beleuchtete des Weltenraumes hindurch das Schwarze des Weltenraumes sieht, so erscheint es blau. Wenn man Licht, Beleuchtetes, durch die dunkle Luft hindurch sieht, so erscheint es rötlich, wie bei der Morgen- und Abenddämmerung.

[ 6 ] Wollen wir uns einmal einfach an gewöhnlichen Gegenständen die Farben betrachten. Da unterscheiden Sie zunächst, sagen wir, Schwarz und Weiß. Das sind ja die auffälligsten Farben, Schwarz und Weiß. Wie steht es denn nun mit einem schwarzen Körper? Mit einem schwarzen Körper steht es so, daß er all das Licht, das auf ihn fällt, in sich verarbeitet und gar kein Licht zurückspiegelt. Wenn Sie also hier einen schwarzen Körper haben, so nimmt der alles Licht, das auf ihn fällt, in sich auf, und gar nichts gibt er zurück. Daher erscheint er schwarz, weil er kein Licht spiegelt. Wenn Sie einen weißen Körper haben, der sagt: Ich brauche das Licht nicht; ich will nur das verarbeiten, was in mir selber ist. Ich schicke alles Licht zurück. - Daher ist er weiß. Also ein weißer Körper, der schickt alles Licht zurück. Wir sehen daher seine Oberfläche hell, weiß. Ein schwarzer Körper nimmt alles Licht auf, und auch alle Wärme mit dem Licht, und er wirft gar kein Licht, gar keine Wärme zurück; also erscheint er schwarz, dunkel.

[ 7 ] Sehen Sie, Sie können das näher studieren, wenn Sie sich folgendes überlegen. Nehmen Sie an, hier ist ein Körper auf der Erde; der nimmt alles Licht auf. Zunächst gibt er ein bißchen Licht zurück, erscheint also hell. Aber er läßt sich Zeit und nimmt möglichst viel Licht in sich auf. Nun hat er möglichst viel Licht in sich. Wenn er nun keines mehr aufnehmen kann, und man bringt ihn ins Licht, so erscheint er schwarz.

[ 8 ] Nun nehmen Sie einen Baum an. Der steht zunächst auf der Oberfläche der Erde, nimmt etwas Licht auf, aber viel Licht verschluckt er, viel Wärme verschluckt er. Nun, das geht solange, bis er unter die Erde hinunterstürzt. Wenn er nun eine Zeitlang — das bedeutet aber Jahrtausende oder Jahrmillionen — unter der Erde geblieben ist, was wird er? Schwarze Kohle! Schwarz wird er, weil er, als er ein Baum war, Licht und Wärme in sich aufgenommen hat. Er gibt das nicht her, wenn wir ihn nicht vernichten. Wenn wir ihn verbrennen, dann gibt er es her. Aber wenn wir ihn nur so eine Weile an die Luft legen, da gibt er es nicht her. Da hat er so viel von Licht und Wärme aufgenommen, daß er nichts hergibt. Wir müssen ihn vernichten. Das ist der Zustand der Kohle.

[ 9 ] Nehmen wir an, daß der Körper das Licht nicht weiter aufnimmt, er schickt jetzt alles wieder zurück: dann wird dasjenige, was so beschaffen ist, weiß sein. Das ist der Schnee im Winter. Er schickt alles Licht zurück, nimmt kein Licht und keine Wärme auf. Also wird er weiß. Sie schen an dem Unterschied zwischen Kohle und Schnee, wie das eigentlich ist mit dem Verhältnis der Gegenstände auf Erden zum Weltenraum.

[ 10 ] Wenden wir das auf den Menschen selber im Weltenraum an. Sehen wir uns zunächst die Schwarzen in Afrika an. Diese Schwarzen in Afrika haben die Eigentümlichkeit, daß sie alles Licht und alle Wärme vom Weltenraum aufsaugen. Sie nehmen das auf. Und dieses Licht und diese Wärme im Weltenraum, die kann nicht durch den ganzen Körper durchgehen, weil ja der Mensch immer ein Mensch ist, selbst wenn er ein Schwarzer ist. Es geht nicht durch den ganzen Körper durch, sondern hält sich an die Oberfläche der Haut, und da wird die Haut dann selber schwarz. So daß also ein Schwarzer in Afrika ein Mensch ist, der möglichst viel Wärme und Licht vom Weltenraum aufnimmt und in sich verarbeitet. Dadurch, daß er das tut, wirken über den ganzen Menschen hin die Kräfte des Weltenalls. (Zeichnung $. 56, links.) Überall nimmt er Licht und Wärme auf, überall. Das verarbeitet er in sich selber. Da muß etwas da sein, was ihm hilft bei diesem Verarbeiten. Nun, sehen Sie, das, was ihm da hilft beim Verarbeiten, das ist namentlich sein Hinterhirn. Beim Neger ist daher das Hinterhirn besonders ausgebildet. Das geht durch das Rückenmark. Und das kann alles das, was da im Menschen drinnen ist an Licht und Wärme, verarbeiten. Daher ist beim Neger namentlich alles das, was mit dem Körper und mit dem Stoffwechsel zusammenhängt, lebhaft ausgebildet. Er hat, wie man sagt, ein starkes Triebleben, Instinktleben. Der Neger hat also ein starkes Triebleben. Und weil er eigentlich das Sonnige, Licht und Wärme, da an der Körperoberfläche in seiner Haut hat, geht sein ganzer Stoffwechsel so vor sich, wie wenn in seinem Innern von der Sonne selber gekocht würde. Daher kommt sein Triebleben. Im Neger wird da drinnen fortwährend richtig gekocht, und dasjenige, was dieses Feuer schürt, das ist das Hinterhirn.

Wandtafel 2
Wandtafel 2

[ 11 ] Manchmal wirft die Einrichtung des Menschen noch solche Nebenprodukte ab. Das kann man gerade beim Neger sehen. Der Neger hat nicht nur dieses Kochen in seinem Organismus, sondern er hat auch noch ein furchtbar schlaues und aufmerksames Auge. Er guckt schlau und sehr aufmerksam. Das könnten Sie leicht als Widerspruch auffassen. Aber das ist so: Wenn da vorne der Nerv des Auges sitzt (Zeichnung S. 56), so gehen die Nerven just ins Hinterhirn hinein; die kreuzen sich da. Der Nerv, der geht also ins Hinterhirn. Und weil der Neger das Hinterhirn besonders ausgebildet hat, deshalb guckt er auch so schlau, deshalb ist er ein so schlauer Beobachter der Welt.

[ 12 ] Wenn man das anfängt zu verstehen, so wird einem alles klar. Aber solche Betrachtungen, wie wir sie jetzt wieder machen, die macht die heutige Wissenschaft gar nicht. Sie versteht daher nichts von all dem.

[ 13 ] Gehen wir jetzt vom Schwarzen zum Gelben herüber. Beim Gelben das ist schon verwandt mit dem Roten - ist es so, daß das Licht etwas zurückgeworfen wird, viel aber aufgenommen wird. Also da ist es schon so, daß der Mensch mehr Licht zurückwirft als beim Schwarzen. Der Schwarze ist ein Egoist, der nimmt alles Licht und alle Wärme auf. Der Gelbe, von der mongolischen Bevölkerung, der gibt schon etwas Licht zurück, aber er nimmt noch viel Licht auf. Das macht, daß er eigentlich ein solcher Mensch ist (siehe Zeichnung, Mitte). Also er nimmt viel Licht auf, gibt aber einiges zurück. Er begnügt sich mit weniger Licht. Dieses wenigere Licht, das kann nun nicht im ganzen Stoffwechsel arbeiten. Da muß der Stoffwechsel schon auf seine eigene Kraft angewiesen sein. Das arbeitet nämlich in der Atmung und in der Blutzirkulation. Also beim Gelben, beim Japaner, beim Chinesen, da arbeitet das Licht und die Wärme hauptsächlich in der Atmung und in der Blutzirkulation. Wenn Sie je einem Japaner begegnet sind, so werden Sie bemerkt haben, wie der auf seine Atmung achtet. Wenn er mit Ihnen redet, hält er sich immer zurück, daß die Atmung so recht in Ordnung ist. Er hat ein gewisses Wohlgefühl an der Atmung. Da ist es also so, daß da drinnen im Innern schon weniger verarbeitet wird. Da wird hauptsächlich in der Brust alles verarbeitet. Und das bewirkt, daß der gelbe Mensch nicht sein Hinterhirn so stark ausbildet, sondern das Mittelhirn. Da hat er das, was seine Atmung und seine Blutzirkulation versorgt. Er lebt also doch ziemlich im Innern, der gelbe Asiate. Sie können das auch seinem Gang anmerken; er hat einen mehr lässigen Gang. Er arbeitet nicht so stark mit den Gliedmaßen und dem Stoffwechsel. Der Neger ist viel mehr auf Rennen und auf die äußere Bewegung aus, die von den Trieben beherrscht ist. Der Asiate, der Gelbe, der entwickelt mehr ein innerliches Traumleben, daher die ganze asiatische Zivilisation dieses Träumerische hat. Also er ist nicht mehr so in sich bloß lebend, sondern er nimmt schon vom Weltenall etwas auf. Und daher kommt es, daß die Asiaten so wunderschöne Dichtungen über das ganze Weltenall haben. Der Neger hat das nicht. Der nimmt alles in seinen Stoffwechsel herein und eigentlich verdaut er nur das Weltenall. Der Asiate eratmet es sich, hat es in seiner Blutzirkulation. Daher kann er es auch in Worten von sich geben. Denn die Sprache ist ja auch nur eine umgestaltete Atmung. Ja, es sind schöne, wunderschöne Gedichte. Es sind überhaupt innerliche Menschen. Der Asiate verachtet den Europäer heute, weil er sagt: Das sind äußerliche Menschen. — Wir werden gleich sehen, warum. Das also ist die gelbe Rasse, und sie hängt so zusammen mit der Farbe, wie ich es Ihnen gesagt habe.

[ 14 ] Nun, meine Herren, betrachten wir uns selber in Europa. Wir sind in der Tat dem Weltenall gegenüber eine weiße Rasse, denn wir werfen alles äußere Licht zurück. Wir werfen alles äußere Licht und im Grunde genommen auch alle Wärme zurück. Die Wärme muß schon ganz mächtig werden, wenn wir sie in uns aufnehmen wollen. Und wenn sie nicht da ist, so verkümmern wir, wie es sich an den Eskimos zeigt. Da ist es also so: Da ist der Mensch so, daß er im Grunde genommen alles Licht und alle Wärme zurückwirft - nur wenn sie mächtig wird, nimmt er sie auf -; er wirft sie zurück und entwickelt nur dasjenige an Licht und Wärme, was in seinem Innern durch seine eigene innere Arbeit entsteht. Ja, meine Herren, da kommt ihm nicht das Atmen und die Blutzirkulation zu Hilfe und nicht die Wärmeerzeugung, sondern da muß er durch sein Gehirn, durch seinen Kopf selber dasjenige ausarbeiten, was Licht und Wärme ist. Wir müssen also mit unserem Kopf auch das erarbeiten, was Licht und Wärme ist. Wir werfen eigentlich alles äußere Licht und Wärme zurück. Wir müssen unserem Blut selber die Farbe geben. Das dringt dann durch das Weiße durch, und dadurch bekommen wir diese europäische Menschenfarbe. Die ist also vom Innern. Daher sind wir schon so wie ein weißer Körper, der alles im Innern verarbeitet, und alles Licht und alle Wärme zurückwirft. Wir sind schon so ein weißer Körper. Und während der Mongole das Mittelhirn hauptsächlich braucht, müssen wir Europäer das Vorderhirn anwenden (siehe Zeichnung $. 56, rechts). Dadurch aber stellt sich das Folgende heraus: Der mit dem Hinterhirn, der hat vorzugsweise das Triebleben, das Instinktleben. Der da hier mit dem Mittelhirn hat das Gefühlsleben, das in der Brust sitzt. Und wir Europäer, wir armen Europäer haben das Denkleben, das im Kopfe sitzt. Dadurch fühlen wir gewissermaßen unseren inneren Menschen gar nicht. Denn den Kopf, den fühlen wir nur, wenn er uns weh tut, wenn er krank ist. Sonst fühlen wir ihn nicht. Dadurch aber nehmen wir die ganze Außenwelt auf, werden dadurch leicht Materialisten. Der Neger wird schon kein Materialist. Der bleibt schon innerlich Mensch. Nur entwickelt er innerlich das Triebleben. Der Asiate wird auch nicht Materialist. Der bleibt beim Gefühlsleben. Der kümmert sich nicht so ums äußere Leben wie der Europäer. Von dem sagt er: Der wird nur ein Ingenieur, der sich nur mit dem äußeren Leben beschäftigt. Er ist eben dadurch, daß er sein Vorderhirn entwickeln muß, hauptsächlich auf die Außenwelt hingewiesen. Und mit dem hängt nun zunächst alles zusammen.

[ 15 ] Wir sind also die weiße Rasse. Innerlich ist das Weiß durch unser Blut gefärbt. Dann ist da die gelbe Rasse, die Mongolen, und dann ist da die schwarze Rasse. Und wir können das ganz gut begreifen, wenn wir von den Farben ausgehen. Da erklärt sich die ganze Geschichte.

[ 16 ] Nun brauchen Sie sich aber nur zu überlegen, wie das ist. Die Neger, die leben auf einem Erdstück, wo die Sonne sie sehr, sehr belästigt, eindringt in sie. Also geben sie sich ihr hin, nehmen sie ganz in ihren Körper auf, werden freundschaftlich mit ihr, werfen nichts zurück. Bei den Asiaten, da geht es schon mehr aus dem Heißen der Erde heraus. Die geben nicht mehr so viel zurück. Die werden nicht mehr so freundschaftlich mit der Sonne. Und bei den Europäern, da ist es so, daß sie eigentlich überhaupt nichts von der Sonne bekommen würden, wenn sie nicht ihr eigenes Menschliche entwickelten. Daher ist Europa immer der Ausgangspunkt für alles dasjenige gewesen, was nun das Menschliche so entwickelt, daß das zu gleicher Zeit mit der Außenwelt in Beziehung kommt. Erfindungen sind in Asien sehr wenig gemacht worden. Verarbeitet kann dann die Geschichte werden; aber Erfindungen selber, wie gesagt, das, was durch die Erfahrung mit der Außenwelt entspringt, das können die Asiaten nicht machen.

[ 171+ ] Zum Beispiel war es einmal so mit einem Schraubendampfer. Den hatten die Japaner den Europäern abgeguckt, und nun wollten sie auch allein fahren. Vorher fuhren immer die Europäer und haben die Geschichte dirigiert. Nun wollten sie einmal allein fahren. Die englischen Ingenieure sind zurückgeblieben an der Küste. Plötzlich gerieten die Japaner draußen, die dann das Schiff geleitet haben, in helle Verzweiflung, denn das ganze Schiff drehte sich fortwährend um sich selber. Sie kriegten es nicht heraus, wie sie zu der Drehung die richtige Fortbewegung hinzubringen konnten. Die Europäer, die das wußten, die grinsten natürlich furchtbar am Ufer. Also dieses selbständige Denken, das der Europäer im Umgang mit der Umgebung entwickelt, das haben die Asiaten nicht. Die Japaner werden daher alle europäischen Erfindungen ausbilden; aber selber etwas ausdenken, das werden die Japaner nicht. Es ist einmal so beim Menschengeschlecht, daß die Menschen über die Erde hin eigentlich alle aufeinander angewiesen sind. Sie müssen einander helfen. Das ergibt sich schon aus ihrer Naturanlage.

[ 18 ] Nun, sehen Sie, das hängt aber mit der ganzen übrigen Ausbildung des Menschen zusammen. Denken Sie sich einmal solch einen schwarzen Menschen. Der entwickelt besonders das Triebleben, also dasjenige, was im Innnern kocht. Das gibt viel Asche. Die Asche, die setzt sich dann in den Knochen ab. Dadurch wird er mehr in den Knochen ausgebildet sein als derjenige, der der weißen Rasse angehört. Der verwendet dasjenige, was er im Innern hat, mehr auf das Blut. Daher werden seine Knochen feiner ausgebildet sein. Also der Neger hat grob ausgebildete Knochen, der Europäer hat feiner ausgebildete Knochen. Und das, was Asiaten sind, die gelbe Rasse, die stehen in der Mitte drinnen.

[ 19 ] Jetzt können Sie, wenn Sie den Japaner anschauen, an der ganzen Art und Weise, wie er dasteht und geht, sehen: er ist in seinem Knochenbau so, daß er zwischen dem Europäer und dem Afrikaner mitten drinnen steht. Die Afrikaner haben diese starken Knochen, die immer ausschlagen. Der Europäer, der hat mehr das Blutsystem. Der Japaner, der hat eigentlich alles das, was auf den Atem und vom Atem aus in die Blutzirkulation wirkt.

[ 20 ] Nun aber, meine Herren, bleiben eben die Menschen nicht bloß auf der Erde sitzen. Wenn man in alte Zeiten zurückgehen würde, so würde man schon finden, daß zu Asien die gelbe Rasse, zu Europa die weiße Rasse und zu Afrika die schwarze Rasse gehört. Aber immer ist es auch vorgekommen, daß die Menschen nun ausgewandert sind. Und da können sie nun entweder so herwandern (Zeichnung Seite 53), die Gelben können nach Osten wandern, oder die Schwarzen können nach Westen wandern. So ist es wohl einmal gewesen. Die Gelben sind immer nach Osten gewandert. Da sind sie auf diese Inseln gekommen, die zwischen Asien und Australien sind. Die Gelben wandern nach Osten hinüber. Wenn die Gelben nach Osten hinüberwandern, dann werden sie braun. Da entstehen dann die Malaien; die werden braun. Warum? Ja, warum werden sie braun? Was heißt denn das: sie werden braun? Nicht wahr, wenn sie gelb sind, werfen sie einen bestimmten Grad von Licht zurück; das andere nehmen sie auf. Wenn sie braun werden durch die andere Art, wie sie jetzt in der Sonne leben, weil sie ja von einem anderen Erdstück kommen, dann werfen sie weniger Licht zurück. Sie nehmen mehr Licht in sich auf. Also diese braunen Malaien sind ausgewanderte Mongolen, die sich aber jetzt, weil die Sonne anders auf sie wirkt, angewöhnen, mehr Licht und mehr Wärme aufzunehmen. Bedenken Sie aber, daß sie nicht die Natur dazu haben. Sie haben sich schon angewöhnt, sogar ein solches Knochengerüste zu haben, daß sie nur einen bestimmten Grad von Wärme aufnehmen können. Sie haben nicht die Natur, so viel Wärme aufzunehmen, als sie jetzt als Malaien aufnehmen. Die Folge davon ist, daß sie anfangen, unbrauchbare Menschen zu werden, daß sie anfangen, Menschen zu werden, die am Menschenkörper zerbrökkeln, deren Körper abstirbt. Das ist in der Tat bei der malaiischen Bevölkerung der Fall. Die stirbt an der Sonne. Die stirbt an der Östlichkeit. So daß man sagen kann: Während die Gelben, die Mongolen, noch Menschen in der Vollkraft sind, sind die Malaien schon eine absterbende Rasse. Sie sterben ab.

[ 21 ] Wenn die Neger — was sie allerdings heute weniger tun können, heute sind die Verhältnisse schon anders, aber in Urzeiten war das schon so, wie ich es erzähle - nach dem Westen hinüberwandern - eine Schifffahrt hat es ja immer gegeben, und es waren ja außerdem durch den ganzen Atlantischen Ozean noch Inseln, der Atlantische Ozean war ja früher auch ein Kontinent —, also wenn die Schwarzen nach dem Westen auswandern, da können sie nicht mehr so viel Licht und Wärme aufnehmen wie in ihrem Afrika. Da kommt ihnen weniger Licht und Wärme zu. Was ist die Folge? Ja, ihre Natur ist eingerichtet darauf, so viel als möglich Licht und Wärme aufzunehmen. Ihre Natur ist eigentlich eingerichtet, dadurch schwarz zu werden. Jetzt kriegen sie nicht so viel Licht und Wärme, als sie brauchen, um schwarz zu werden. Daher werden sie kupferrot, werden Indianer. Das kommt davon her, weil sie gezwungen sind, etwas von Licht und Wärme zurückzuwerfen. Das glänzt dann so kupferrot. Das Kupfer ist selber ein Körper, der Licht und Wärme so ein bißchen zurückwerfen muß. Das können sie nicht aushalten. Daher sterben sie als Indianer im Westen aus, sind wiederum eine untergehende Rasse, sterben an ihrer eigenen Natur, die zu wenig Licht und Wärme bekommt, sterben an dem Irdischen. Das Irdische ihrer Natur ist ja ihr Triebleben. Das können sie nicht mehr ordentlich ausbilden, während sie noch starke Knochen kriegen. Weil viel Asche hineingeht in ihre Knochen, können diese Indianer diese Asche nicht mehr aushalten. Die Knochen werden furchtbar stark, aber so stark, daß der ganze Mensch an seinen Knochen zugrunde geht.

[ 22 ] Sehen Sie, so hat sich die Sache entwickelt, daß diese fünf Rassen entstanden sind. Man möchte sagen, in der Mitte schwarz, gelb, weiß, und als ein Seitentrieb des Schwarzen das Kupferrote, und als ein Seitenzweig des Gelben das Braune - das sind immer die aussterbenden Teile.

[ 23 ] Die Weißen sind eigentlich diejenigen, die das Menschliche in sich entwickeln. Daher sind sie auf sich selber angewiesen. Wenn sie auswandern, so nehmen sie die Eigentümlichkeiten der anderen Gegenden etwas an, doch sie gehen, nicht als Rasse, sondern mehr als einzelne Menschen, zugrunde. Aber sie tun dafür noch etwas anderes. Sehen Sie, meine Herren, alles dasjenige, was ich Ihnen jetzt geschildert habe, das sind ja die Dinge, die im Leibe des Menschen vor sich gehen. Die Seele und der Geist sind mehr oder weniger unabhängig davon. Daher kann der Europäer, weil ihn Seele und Geist am meisten in Anspruch nimmt, Seele und Geist am meisten verarbeiten. Der kann es am ehesten vertragen, in verschiedene Erdteile zu gehen.

[ 24 ] Daher ist es auch gekommen, daß, von da oben ausgehend, einstmals eine große Völkerwanderung bis nach Indien hinunterging. Da traf ein Strom weißer Bevölkerung in das Gebiet hinein, wo man gelb wird. Daher kamen dann die Inder, so eine Mischung von Mongolischem und Kaukasischem. Daher die schönsten indischen Dichtungen, das Schönste, was da ist; aber zu gleicher Zeit wiederum etwas, von dem man merkt, es ist schon träge geworden, weil eben das Weiße nicht in seinem eigentlichen Gebiet drinnen ist.

[ 25 ] Und so kann man sagen: Die Weißen können überall hin, können heute sogar nach Amerika hinüber. Alles dasjenige, was an weißer Bevölkerung in Amerika ist, das ist ja von Europa gekommen. Da kommt also das Weiße hinein in die amerikanischen Gegenden. Aber es geschieht ja etwas mit dem Menschen, wenn er von Europa, wo er dazu natürlich gebildet ist, daß er alles im Innern entwickelt, nach Amerika hinüberkommt. Da ist es so, daß gewissermaßen schon etwas sein Hinterhirn in Anspruch genommen werden muß. In Europa, sehen Sie, hat er als Europäer hauptsächlich das Vorderhirn in Anspruch genommen. Nun, in Amerika, da gedeihen diejenigen, die eigentlich zugrunde gehende Neger einmal waren, das heißt, sie gedeihen nicht, sie gehen zugrunde, die Indianer. Wenn man dahin kommt, da ist eigentlich immer ein Kampf zwischen Vorderhirn und Hinterhirn im Kopf. Es ist das Eigentümliche, daß wenn eine Familie nach Amerika zieht, sich niederläßt, dann bekommen die Leute, die aus dieser Familie hervorgehen, immer etwas längere Arme. Die Arme werden länger. Die Beine wachsen auch etwas mehr, wenn der Europäer in Amerika sich ansiedelt - nicht bei ihm selber natürlich, aber bei seinen Nachkommen. Das kommt davon, weil die Geschichte mehr durch das Mittelhirn hindurch nach dem Hinterhirn sich hinzieht, wenn man als Europäer nach Amerika kommt.

[ 26 ] Aber gleichzeitig kommt beim Amerikaner etwas sehr Eigentümliches zustande. Nicht wahr, der Europäer lebt, namentlich wenn er ein Denker wird, ganz in seinem Innern. Wenn er kein Denker wird, denkt er zwar auch nach, aber es gibt das ein Leben, das nicht ganz ausgefüllt ist. Aber sobald der Europäer in Amerika sich ansiedelt, da geht es nicht mehr, daß er so grübelt. Daher kommt folgendes. Wenn Sie ein europäisches Buch lesen, da wird immer bewiesen, man kommt gar nicht mehr heraus aus dem Beweisen. Da liest man ein ganzes Buch durch, vierhundert Seiten durch, nur Beweise; selbst wenn es ein Roman ist, wird immer bewiesen. Meistens ist dann am Ende auf der vierhundertsten Seite doch nichts bewiesen. Der Amerikaner tut das nicht. Wenn Sie ein amerikanisches Buch lesen, da wird alles als Behauptung hingestellt. Da geht es wiederum zurück, wo es dem Instinkt sich nähert. Das Tier beweist überhaupt nichts. Der Löwe beweist nicht, daß er ein anderes Tier fressen will; er frißt es. Der Europäer — wenn er etwas tun will, muß es erst bewiesen sein. Alles muß erst bewiesen sein. Das ist heute der große Unterschied zwischen dem Europäer und dem Amerikaner: Die Europäer beweisen, die Amerikaner behaupten.

[ 27 ] Aber man kann nicht sagen, daß das nicht ebensogut wahr sein kann, was die behaupten. Es wird eben mehr durch den ganzen Menschen eingesehen. Das haben die Amerikaner dem Europäer voraus. Sie nähern sich auf der einen Seite dem Zugrundegehen — der Indianer geht ja zugrunde -, aber wenn man anfängt zugrunde zu gehen, so wird man gescheit. So werden schon die Europäer gescheit, wenn sie hinüberkommen; sie gewöhnen sich ja das Beweisen ab.

[ 28 ] Das ist nicht gerade eine vorwärtsbringende Eigenschaft, das Beweisenwollen. Nicht wahr, wenn man morgens etwas tun soll, so kann man morgens anfangen mit Beweisen, und abends beim Schlafengehen kann man es noch nicht tun, weil man immer noch beweisen muß. Der Amerikaner wird das nicht tun, weil er gar nicht auf das Beweisen eintrainiert, einexerziert ist. Und so kommt es, daß zunächst ganz gewiß Amerika etwas voraus haben wird vor Deutschland. Man kann da ganz interessante Beobachtungen machen. Wenn man ein europäisches Buch in die Hand nimmt, so beginnt es etwa — sagen wir, es ist ein Buch, und solche Bücher werden ja geschrieben, es ist ein Bericht über die Verdauung der Maikäfer —, so beginnt es damit: Das Tiergeschlecht der Maikäfer enthält ja auch Verdauungsorgane; allein sie entziehen sich der gewöhnlichen Beobachtung. Man muß tiefer in die ganze Organisation der Maikäfer eindringen — und so geht es weiter; man muß also alles beweisen. Der Amerikaner beginnt damit: Wenn man einen Maikäfer zergliedert, so findet man in ihm das und das. — Der behauptet, indem er beobachtet. Und so, sehen Sie, ist es bei den Europäern so, daß sie ja ihre Rasseeigentümlichkeiten wegen ihrer ganzen Einrichtung nicht mehr so ausbilden. Sie bilden mehr die seelisch-geistigen Eigenschaften aus. Daher können sie auch in alle übrigen Weltteile eindringen. Mit dem Zugrundegehen geht es natürlich langsam.

[ 29 ] Die Sonne sendet immer mehr oder weniger dasjenige auf die Erde herunter, was Licht oder Wärme ist. Jetzt haben wir den Frühlingspunkt, wie ich Ihnen gesagt habe, in den Fischen. Vorher war er im Widder. Nach einiger Zeit wird er im Wassermann sein. Da wird erst die richtige amerikanische Zivilisation kommen. Bis dahin wird sich immer mehr und mehr Zivilisation nach Amerika hinüberbegeben. Wer das sehen will, kann es heute schon sehen, wie mächtig die Amerikaner werden, und wie Europa allmählich immer mehr und mehr ohnmächtig wird. Und daß es in Europa zu gar keinem Frieden jetzt kommen kann, das beruht eben darauf, daß Europa eigentlich das eigene Land nicht mehr versteht. Nun schlägt sich die ganze Zivilisation nach Amerika hinüber. Es wird langsam gehen; aber wenn die Sonne in ihrem Frühlingspunkte in das Zeichen des Wassermannes eingetreten sein wird, dann wird sie gerade so günstig ihre Strahlen herunterschicken auf die Erde, daß die amerikanische Kultur und Zivilisation dann ganz besonders mächtig sein wird. Das sieht man schon heute.

[ 30 ] Sehen Sie, es ist wirklich so merkwürdig: In Europa herüben kann man das, was wir Anthroposophie nennen, entwickeln. Das muß man aus dem Geist heraus entwickeln. Das geht gar nicht mehr aus den Rasseeigentümlichkeiten heraus. Das muß man aus dem Geiste heraus entwickeln, Und die Menschen, die in Europa nicht heranwollen an den Geist, die werden Europa ins Unglück stürzen.

[ 31 ] Die Amerikaner, die brauchen das heute noch nicht, namentlich diejenigen, die da hinüberreisen. Da können sie sich noch mehr auf die Rasseeigentümlichkeiten stützen. Und so entsteht da drüben in Amerika kurioserweise etwas Merkwürdiges. Wer ganz aufmerksam amerikanische Bücher liest, wer aufmerksam Parlamentsreden liest, wer überhaupt etwas aufnimmt von dem, was heute in Amerika vorgeht, der wird sich sagen: Donnerwetter, das ist ja etwas ganz Merkwürdiges. Wir in Europa bilden die Anthroposophie aus dem Geiste heraus aus. Da drüben bilden sie etwas aus, was so wie eine Art Holzpuppe der Anthroposophie ist. Es wird alles materialistisch. Aber für den, der nicht ein Fanatiker ist, für den hat das, was amerikanische Kultur ist, etwas Ähnliches mit dem, was anthroposophische Wissenschaft ist in Europa. Nur ist dort alles aus Holz. Es ist noch nicht lebendig. Lebendig machen können wir es in Europa aus dem Geiste heraus. Die nehmen es dort aus dem Instinkte heraus.

[ 32 ] Sehen Sie, das können Sie in allen Einzelheiten bemerken. Es wird einmal die Zeit kommen, wo dieser amerikanische «Holzmensch», der eigentlich jeder noch ist, anfangen wird, zu reden. Dann wird er der europäischen Anthroposophie sehr Ähnliches zu sagen haben. Man kann sagen: Wir in Europa bilden Anthroposophie auf geistige Weise aus; der Amerikaner bildet sie auf naturhafte Weise aus. Daher kann ich so oft, wenn ich Anthroposophisches auseinandersetze, darauf hinweisen: Nun ja, so ist es anthroposophisch, und so ist es die amerikanische Karikatur. Das ist die Karikatur davon.

[ 33 ] Wenn aber einer ein Fanatiker ist und sich nicht durch innerliches Leben, sondern durch Fanatismus in die Anthroposophie hereinfindet, dann findet er gerade die schärfsten Schimpfworte für das Amerikanertum, weil - nicht wahr, der Mensch schimpft am meisten über den Affen, weil der Affe ihm ähnlich ist, aber Karikatur ist. Und so ist es wirklich eine solche merkwürdige Geschichte, wie zwischen Nordund Südpol, zwischen dem, was wir geistig uns erringen in Europa und zwischen dem, was man sich da drüben auf naturhafte Weise in Amerika erringt.

[ 34 ] Naturwissenschaftliche Bücher schauen in Amerika ganz anders aus als in Europa. Sie reden eigentlich fortwährend vom Geist, aber sie stellen sich den Geist grobklotzig materiell vor. Daher ist auch der Spiritismus in neuerer Zeit in Amerika aufgekommen. Denn was tut der Spiritismus? Er will vom Geist reden und stellt sich den Geist vor so wie Wolkenerscheinungen, möchte am liebsten alles wie Wolkenerscheinungen haben. Daher ist der Spiritismus ein amerikanisches Produkt; er geht auf den Geist, aber auf materialistische Weise. Das ist eben so interessant, daß in Amerika der Materialismus richtig grassiert, aber eigentlich auf dem Wege zum Geist ist, während, wenn der Europäer Materialist wird, dann stirbt er als Mensch. Der Amerikaner ist ein junger Materialist. Eigentlich sind alle Kinder zunächst materialistisch, wachsen sich dann aus zu dem, was nicht Materialismus ist. So wird sich der amerikanisch krasse Materialismus gerade zu einem Geistigen auswachsen. Das wird sein, wenn die Sonne im Zeichen des Wassermannes aufgeht.

[ 35 ] Nun, Sie sehen, auf diese Weise kann man durchschauen, was wir als Europäer für eine Aufgabe haben. Wir haben gar nicht die Aufgabe als Europäer, über die Amerikaner immer zu schimpfen, sondern wir müssen natürlich über die ganze Erde hin eine Zivilisation begründen, die aus dem Besten zusammengesetzt ist.

[ 36 ] Natürlich, wenn man die Sache so denkt, wie sie der Prinz von Baden gedacht hat, der auf den amerikanischen Europäer Wilson hereingefallen ist, dann geht es nicht. Denn Wilson war nicht ein richtiger Amerikaner. Der hat alle seine Theorien eigentlich von Europa genommen. Dadurch hat er so unfruchtbare Theorien gemacht. Aber das richtige Amerikanertum, das ist dasjenige, was tatsächlich einmal mit dem Europäertum, das auf mehr geistige Weise seine Sache finden wird, sich vereinigen wird. Und dann sieht man, wie man sich eigentlich verhalten muß in der Welt, wenn man so etwas auf diese Weise studiert.

[ 37 ] Und so ist es wirklich ganz interessant: Auf der einen Seite hat man die schwarze Rasse, die am meisten irdisch ist. Wenn sie nach Westen geht, stirbt sie aus. Man hat die gelbe Rasse, die mitten zwischen Erde und Weltenall ist. Wenn sie nach Osten geht, wird sie braun, gliedert sich zu viel dem Weltenall an, stirbt aus. Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse. Wie sie nach Indien gezogen ist, bildete sie die innerliche, poetische, dichterische, geistige indische Kultur aus. Wenn sie jetzt nach dem Westen geht, wird sie eine Geistigkeit ausbilden, die nicht so sehr den innerlichen Menschen ergreift, aber die äußere Welt in ihrer Geistigkeit begreift.

[ 38 ] Und so werden in der Zukunft gerade aus den Rasseeigentümlichkeiten solche Dinge hervorgehen, die man kennen muß, damit man sich richtig hineinstellt ins Leben. Die Menschen bekommen immer weniger eine richtige Einstellung im Leben. Sie wollen eben alles aus dem Blitzblauen heraus haben, die Menschen, und nicht eigentlich lernen.

[ 39 ] Das ist dadurch gekommen, weil eben im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts im Grunde den Menschen, die gebildet worden sind, namentlich die wissenschaftlich gebildet worden sind, ja nichts Menschliches mehr angeboten wurde. Nicht wahr, es geht jetzt so schwer mit der Menschenkunde. Das merken selbst schon die materialistischen Gelehrten. Sie kommen nicht weiter. Und bei der letzten Naturforscherversammlung war es interessant. Da war einer von diesen Naturforschern, der hat es besonders stark gemerkt: man kommt ja nicht mehr weiter, man erfährt durch die gegenwärtige Wissenschaft nichts vom Menschen. Aber er hat nicht gesagt: Also müssen wir uns der Anthroposophie nähern, sondern er hat gesagt: Gebt uns Leichen, damit wir die zergliedern können.

[ 40 ] Sehen Sie, das war alles, was er sagen konnte: Gebt uns Leichen! Mehr Leichen wollen die Menschen haben. Den toten Menschen wollen sie studieren. Das war so ein richtiges Schlagwort: Gebt uns Leichen! — während wir hier die Leichen entbehren können, denn wir wollen den lebendigen Menschen anschauen und studieren. Dazu muß man nur seine Augen aufmachen, und durch seine Augen etwas die Seele, denn den lebendigen Menschen findet man überall. Man begegnet lauter lebendigen Menschen. Nur muß man mit ihnen leben können, damit sie einem das wirklich bekunden, was Menschenwesen ist. Aber die Leute, die heute Gelehrte sind, haben ja tatsächlich ganz schwache Augen. Sie sehen ja nicht den Menschen. Und dann flehen sie sehnsüchtig: Gebt uns Leichen! Da können sie dann studieren. Gebt uns Leichen! In einer solchen Situation waren in den letzten Jahrzehnten die Bildungsanstalten. Da haben die Menschen nichts Menschliches aufgenommen. Daher ist aus allen Wissenschaften das Menschliche herausgekommen.

[ 41 ] Deshalb habe ich in dem ersten Kapitel meiner «Kernpunkte der sozialen Frage» diese Frage behandelt. Ich mußte zeigen, wie diejenigen, die nichts mit der Wissenschaft zu tun gehabt haben, sondern mit der Arbeit, herangekommen sind. Und nun natürlich wollten sie Wissenschaft. Aber die konnten ihnen die anderen nicht geben, die sie scheinbar hatten, die Bourgeois. Und dadurch entstand die ganze Kalamität in der Zivilisation. Die Arbeiter verlangten nach Wissenschaft, und sie war nicht da, weil nur eine Wissenschaft, die menschlos ist, da war. Das habe ich im ersten Kapitel der «Kernpunkte» dargestellt, weil man wirklich erst das verstehen muß, wenn man von der sozialen Frage redet. So war es schon notwendig, daß die «Kernpunkte der sozialen Frage» in dem ersten Kapitel damit begannen.

[ 42 ] Nun, wir haben also die Farben heute etwas weiter behandelt, meine Herren.