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Rhythms in the Cosmos and in the Human Being
GA 350

13 June 1923, Dornach

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Rhythms in the Cosmos and in the Human Being, tr. SOL
  1. Rhythmen im Kosmos und im Menschenwesen

5. Vom Wirken des Schutzengels

5. The Work of the Guardian Angel

[ 1 ] Hat jemand eine Frage?

[ 1 ] Does anyone have a question?

[ 2 ] Fragesteller (Herr Burle): Ich möchte ein Erlebnis aus meiner Jugend schildern, das mit dem Schicksal zusammenhängt und das man zum Beispiel in der Religion so schildert, als wenn wir einen Schutzengel hätten. Ich habe einmal als Kegeljunge Kegel aufgestellt, ich war damals neun oder zehn Jahre alt, und wie ich eben damit beschäftigt war, aufzustellen, da ruft eine Stimme: Weg! — so intensiv, daß ich rasch weggesprungen bin. Und einen Augenblick später ist gerade die große Kugel mit großer Wucht dahergesprungen, wo ich stand. Ich fragte: Wer hat mich gerufen? — aber es wollte es niemand gewesen sein, und die Stimme konnte auch nicht daher gekommen sein.

[ 2 ] Questioner (Mr. Burle): I would like to describe an experience from my youth that has to do with fate—the kind of thing that, in religion, for example, is described as if we had a guardian angel. Once, when I was a skittles boy setting up the pins—I was nine or ten years old at the time—and just as I was busy setting them up, a voice called out, “Get out of the way!”—so intensely that I quickly jumped out of the way. And a moment later, the large ball came flying with great force right where I had been standing. I asked, “Who called me?”—but no one claimed to have done so, and the voice couldn’t have come from there either.

[ 3 ] Der andere Fall war in einer Schmiede, wo die Leute ihre Pflugschare geschliffen haben. Es war da ein großes Rad. Wir waren fünf, sechs Knaben und amüsierten uns dort. Ich war vielleicht elf Jahre alt. Ich stand auf die Radspeiche, um das Rad hinunterzudrükken. Das hatte mir gefallen. Da sagte ich zu den andern Knaben: Zieht die Schnellfalle hervor, dann werde ich von einer Stufe auf die andere treten. Sie haben alle fest gezogen, aber:es nicht fertig gebracht. Trotzdem ich der Kleinste war, bin ich hin, um nachzusehen. Das Rad war sehr schnell herumgesaust, und es wäre offenbar mein Tod gewesen, wenn sie die Schnellfalle in die Höhe gebracht hätten.

[ 3 ] The other incident took place in a blacksmith’s shop where people were sharpening their plowshares. There was a large wheel there. There were five or six of us boys, and we were having fun there. I was maybe eleven years old. I stood on one of the wheel’s spokes to push the wheel down. I enjoyed doing that. Then I said to the other boys, “Pull out the quick-release lever, and I’ll step from one step to the next.” They all pulled hard, but couldn’t manage it. Even though I was the smallest, I went over to take a look. The wheel had whirled around very quickly, and it would obviously have been the end of me if they had raised the quick-release lever.

[ 4 ] Es würde mich freuen, wenn Herr Doktor sich äußern würde, ob in einem solchen Falle sich eine höhere Macht äußern kann.

[ 4 ] I would be grateful if the doctor could comment on whether a higher power can manifest itself in such a case.

[ 5 ] Dr. Steiner: Nun, meine Herren, möchte ich zu Ihnen einmal über solche Dinge sprechen, aber hier muß natürlich alles so besprochen werden, daß es sich wissenschaftlich rechtfertigen läßt. Solche Dinge werden von anthroposophischer Geisteswissenschaft nicht bloß so genommen, wie sie sehr häufig von den Leuten genommen werden, die sich allerlei Aberglauben hingeben, sondern diese Dinge müssen natürlich auch — denn sie sind viel wichtiger für das Leben, als man denkt durchaus wissenschaftlich betrachtet werden. Nun will ich Ihnen zunächst eines sagen, wie zur Vorbereitung.

[ 5 ] Dr. Steiner: Well, gentlemen, I would like to speak with you about such matters, but here, of course, everything must be discussed in a way that can be scientifically justified. Anthroposophical spiritual science does not simply accept such things as they are very often accepted by people who indulge in all sorts of superstitions; rather, these things must, of course—since they are much more important for life than one might think—be considered from a thoroughly scientific perspective. Now, I would like to tell you one thing first, by way of preparation.

[ 6 ] Sehen Sie, es ist ja eigentlich nur ein ganz kleiner Teil des Lebens, den der Mensch beachtet. Einen großen Teil beachtet er nicht, und weil er ihn nicht beachtet, so glaubt er, dieser Teil des Lebens sei nicht da. Nehmen Sie zum Beispiel an: Wenn irgendwo jemand an einem Hause vorübergeht und es fällt in diesem Augenblick von oben ein Ziegelstein herunter und erschlägt ihn, so beachtet man das sehr stark, und es macht natürlich in den Kreisen, in denen der Betreffende bekannt ist, und auch sonst, ein großes Aufsehen. Man redet viel darüber. Man hat das eben beobachtet und redet viel darüber.

[ 6 ] You see, people actually pay attention to only a very small part of life. They ignore a large part of it, and because they ignore it, they believe that this part of life does not exist. Take this example: If someone is walking past a house somewhere and, at that very moment, a brick falls from above and kills him, people pay very close attention to it, and naturally it causes quite a stir among those who knew the person involved, as well as elsewhere. People talk about it a lot. They’ve just witnessed it and are talking about it a lot.

[ 7 ] Nehmen Sie nun aber folgendes an: Irgend jemand will des Morgens weggehen. Nun bemerkt er im letzten Augenblick, als er weggehen will, daß er etwas vergessen hat, was unbedingt noch geordnet werden muß, und dadurch verzögert er sich um fünf Minuten. Jetzt geht er weg. Nun fällt der Ziegelstein fünf Minuten bevor er vorbeikommt herunter, und da er vorbeikommt, tut er ihm nichts. Wäre er fünf Minuten früher gegangen, so würde ihm der Ziegelstein den Kopf eingeschlagen haben. Aber kein Mensch redet dann natürlich darüber, denn kein Mensch kann ja auch das übersehen. Kein Mensch kann wissen — er selber vergißt ja das natürlich, kein Mensch beachtet das —, was da geschehen wäre, wenn er sich nicht ein paar Minuten verzögert hätte. Nun, sehen Sie, diese Dinge werden eben nicht beachtet, aber sie sind ja geradeso im Leben vorhanden. Unzählige solche Dinge, wo wir durch unser Schicksal abgehalten werden von einem Unglück, sind da, sie werden aber gar nicht beachtet. Die studiert man aus dem Grunde nicht, weil sie sich nicht so leicht verfolgen lassen. Man kann sie nur verfolgen, wenn irgendwie die Sache besonders auffallend ist, wenn sie die Aufmerksamkeit herausfordert. Dann verfolgt man solche Dinge.

[ 7 ] But now suppose the following: Someone wants to leave in the morning. At the very last moment, just as he is about to leave, he realizes that he has forgotten something that absolutely must be taken care of, and this delays him by five minutes. Now he leaves. The brick falls five minutes before he passes by, and since he passes by, it doesn’t hurt him. If he had left five minutes earlier, the brick would have smashed his head in. But of course, no one talks about it afterward, because no one can possibly foresee that. No one can know—he himself, of course, forgets it, and no one pays attention to it—what would have happened if he hadn’t been delayed by a few minutes. Well, you see, these things simply aren’t noticed, but they are just as present in life. There are countless such instances where fate spares us from misfortune, yet they go completely unnoticed. We don’t study them precisely because they aren’t so easy to track. We can only track them if the situation is particularly striking in some way, if it demands our attention. Only then do we pay attention to such things.

[ 8 ] Da war einmal ein Mensch, der sehr viel an seinem Schreibtisch saß, und unten hat die übrige Familie gelebt. Er ging oft in diese seine obere Stube hinauf. Nun träumte ihm einmal, daß für ihn an einem bestimmten Tag ein großes Unglück bevorstünde, daß er erschossen würde. Nun, was tat der Betreffende? Er erzählte das den anderen; man sagte ihm, er solle sehr vorsichtig sein, denn er könnte in diesen Tagen erschossen werden. Er ging deshalb nicht aus, sondern blieb den ganzen Tag in seiner Stube sitzen. Aber er hatte doch so einen unheimlichen Eindruck von dem Traume, denn er hatte ja schon öfter erfahren — es liegt das eben weiter in der Zeit zurück, als die Menschen auf solche Dinge mehr geachtet haben —, daß es solche Wahrträume gibt. Er hatte ein unangenehmes Gefühl. Und durch dieses unangenehme Gefühl wurde er eben auch auf sich aufmerksam. Und da stellte sich das ein, daß er in einem bestimmten Augenblick unruhig wird und durch diese innere Unruhe aufstehen muß von seinem Sitz. In demselben Moment kracht ein Schuß gerade an seinem Stuhl vorbei! Er besaß nämlich ein altes Gewehr von viel früher her, das da im Vorraum hing — die Tür war offen —, das hatte ein Diener in die Hand genommen. Er hatte nicht daran gedacht, daß es geladen ist, hat unvorsichtigerweise das Gewehr so gehalten, es ist losgegangen, und der Schuß ist da vorbeigegangen, wo der Mensch vorher gesessen hat.

[ 8 ] Once upon a time, there was a man who spent a great deal of time sitting at his desk, while the rest of his family lived downstairs. He often went up to his room on the upper floor. One day, he had a dream that a great misfortune awaited him on a certain day—that he would be shot. So what did he do? He told the others about it; they told him he should be very careful, because he might be shot in the coming days. So he didn’t go out, but stayed in his room all day. But he still had such an eerie feeling about the dream, for he had already experienced—this goes back to a time when people paid more attention to such things—that such prophetic dreams exist. He had an uneasy feeling. And it was precisely this uneasy feeling that made him become aware of himself. And then it happened that, at a certain moment, he grew restless and, driven by this inner restlessness, had to get up from his seat. At that very moment, a shot rang out, whizzing right past his chair! He owned an old rifle from long ago that was hanging in the entryway—the door was open—and a servant had picked it up. He hadn’t thought to check if it was loaded; he carelessly held the rifle, it went off, and the shot flew past the spot where the man had been sitting.

[ 9 ] Also sehen Sie, da ist eine doppelte Verkettung von Schicksal. Da ist zuerst ein banaler Traum da. Auf der anderen Seite wird er wiederum, weil sein Schicksal eben noch nicht erfüllt ist, weil er noch leben soll, just im rechten Momente durch einen inneren Drang weggetrieben. Aber jetzt kommt das andere in Betracht. Sehen Sie, er hätte ja in demselben Momente auch ganz gut hören können: Geh weg! — wie Sie es gehört haben (zu Herrn Burle gewendet). Er hätte das ebensogut hören können. Wie wäre das zustandegekommen? Sehen Sie, wenn man von einer geistigen Welt spricht, so muß man sich klar sein darüber, daß man nicht dumm reden darf von der geistigen Welt. Man würde aber immerhin dumm reden von der geistigen Welt, wenn man glauben würde — was ja übrigens viele Leute, wenigstens diejenigen, die Spiritisten sind, glauben —, in der geistigen Welt seien Deutsche und Franzosen und Engländer und Spanier und Chinesen. Aber die müßten doch da sein, wenn man aus der geistigen Welt «Geh weg!» hören würde, denn dann müßte irgendein geistiges Wesen deutsch reden. Zu einem Franzosen würde es ja französisch reden, denn wenn es deutsch reden würde, dann würde der ja das für einen unartikulierten Laut halten oder würde es heute gar für etwas sehr Böses halten. Also das wäre sehr töricht gedacht, wenn man sich vorstellen würde, das «Geh weg!» hätte ein Geist gesprochen, denn der Geist kann nicht ein Deutscher oder ein Franzose oder ein Engländer sein. Das ist ja der Unsinn der Spiritisten, daß man sich durch ein Medium in Verbindung zu setzen meint mit den Toten und Antwort bekommt und glaubt, so sprechen die Geister. Sie tun das natürlich nicht. Trotzdem sie vorhanden sind, tun sie es nicht. Aber das Folgende ist der Fall.

[ 9 ] So you see, there is a double chain of fate at work here. First, there is a mundane dream. On the other hand, because his fate has not yet been fulfilled—because he is still meant to live—he is driven away at just the right moment by an inner urge. But now the other aspect comes into play. You see, at that very moment he could just as easily have heard: “Go away!”—as you heard it (turning to Mr. Burle). He could just as easily have heard that. How would that have come about? You see, when one speaks of a spiritual world, one must be clear that one must not talk foolishly about the spiritual world. But one would certainly be speaking foolishly about the spiritual world if one believed—which, incidentally, many people, at least those who are spiritualists, do believe—that in the spiritual world there are Germans, French, English, Spaniards, and Chinese. But they would have to be there if one were to hear “Go away!” from the spiritual world, for then some spiritual being would have to speak German. It would speak French to a Frenchman, after all, because if it spoke German, the Frenchman would take it for an inarticulate sound—or might even consider it something very evil today. So it would be a very foolish notion to imagine that the “Go away!” was spoken by a spirit, for a spirit cannot be a German, a Frenchman, or an Englishman. That is precisely the nonsense of the spiritualists—that they believe they can communicate with the dead through a medium, receive answers, and assume that is how spirits speak. Of course, they do not do that. Even though they exist, they do not do it. But the following is the case.

[ 10 ] Diese Art von Verbindung mit der geistigen Welt, die einem die Möglichkeit gibt, von einer geistigen Welt auch wissenschaftlich zu sprechen, die setzt voraus, daß man sich erst abgewöhnt zu meinen, daß die Geister in einer irdischen Sprache sprechen. Man muß erst die übersinnliche Welt kennenlernen und dann erst übersetzen können in eine gewöhnliche Sprache, was die Geister in einer übersinnlichen Sprache sprechen. Wenn der Betreffende, der an seinem Schreibtisch gesessen hat, also gehört hätte «Geh weg!» — so hätte das auch ganz gut sein können. Aber die Sache ist nämlich so, meine Herren: Sie haben von mir gehört, daß der ganze Mensch erfüllt ist von Vernunft. Ich habe Ihnen ja einmal auseinandergesetzt: Die Leber nimmt Vorgänge wahr im menschlichen Unterleib, die Lunge nimmt wahr, der ganze Mensch ist ein Sinnesorgan. Das Herz nimmt wahr, durch das Herz nimmt man die Blutzirkulation wahr. Aber im gewöhnlichen Leben braucht man diese Organe nicht zum Wahrnehmen. Man braucht seine Augen und seine Nase, aber man braucht diese Organe nicht zum Wahrnehmen. Diese Organe haben eine ganz bestimmte Eigentümlichkeit. Nehmen Sie zum Beispiel die Leber, meine Herren! Sehen Sie, wenn man die Leber herausschneidet aus dem Körper, dann ist sie also dieses Organ, das Sie bei den Tieren kennen, weil Sie ja wahrscheinlich schon irgendwelche Leber gesehen haben, mindestens Gänseleber. Aber dieses Organ hat einen Ätherleib, der mit dem anderen Ätherleib in Zusammenhang Tafel s steht (Zeichnung, gelb), und hat auch einen astralischen Leib (violett) und dann wird es erst noch durchzogen von dem Ich. Also dieses Organ, die Leber, hat ja etwas Geistiges. In Ihrem Kopf nehmen Sie das Geistige wahr, aber in ihrer Leber nehmen Sie das Geistige bewußt nicht wahr. Da können Sie, so wie Sie im gewöhnlichen Leben organisiert sind, nichts übersehen, geradeso wie ich Ihnen neulich erklärt habe, daß Sie das Geistige nicht wahrnehmen in Ihrer kleinen Augenlinse. Aber man kann den ganzen Himmel mit der kleinen Augenlinse sehen. Durch alle Kopforgane sprechen eigentlich geistige Wesenheiten fast nicht. Da spricht die ganze Welt, die Sterne mit ihren Bewegungen und so weiter, die sprechen durch die Kopforgane. Aber durch die anderen Organe, zum Beispiel durch die Leber, da sprechen tatsächlich auch geistige Wesenheiten. Zu der Leber spricht der Magen, aber auch geistige Wesenheiten, zu der Lunge auch. Zu all den Organen, die man im gewöhnlichen bewußten Leben nicht braucht, sprechen geistige Wesenheiten.

[ 10 ] This kind of connection with the spiritual world—which makes it possible to speak about a spiritual world in scientific terms—requires that one first stop assuming that spirits speak in an earthly language. One must first become acquainted with the supersensible world and only then be able to translate into ordinary language what the spirits speak in a supersensible language. If the person in question, who was sitting at his desk, had heard “Go away!”—that could very well have been the case. But the fact is, gentlemen: You have heard from me that the whole human being is imbued with reason. I have explained this to you before: The liver perceives processes in the human abdomen; the lungs perceive; the whole human being is a sensory organ. The heart perceives; through the heart, one perceives blood circulation. But in ordinary life, one does not need these organs for perception. We need our eyes and our nose, but we do not need these organs for perception. These organs have a very specific characteristic. Take the liver, for example, gentlemen! You see, when the liver is removed from the body, it is this organ that you are familiar with from animals, because you have probably seen a liver of some kind before—at least goose liver. But this organ has an etheric body that is connected to the other etheric body (see diagram, yellow), and it also has an astral body (violet), and on top of that, it is permeated by the “I.” So this organ, the liver, does indeed have a spiritual aspect. In your head, you perceive the spiritual, but in your liver, you do not consciously perceive the spiritual. Given the way you are organized in ordinary life, you cannot perceive anything there—just as I explained to you recently that you do not perceive the spiritual in your small eye lens. Yet you can see the entire sky with that small eye lens. Spiritual beings hardly ever speak through any of the head organs. The whole world speaks—the stars with their movements and so on—they speak through the organs of the head. But spiritual beings also speak through the other organs, for example, through the liver. The stomach speaks to the liver, but so do spiritual beings; the same is true of the lungs. Spiritual beings speak to all the organs that one does not need in ordinary conscious life.

[ 11 ] Nun, meine Herren, wenn der Kopf eigentlich darauf angewiesen ist, nur dasjenige wahrzunehmen, was er draußen in der äußeren Welt erblickt, so ist gerade das Innere des Menschen, die unteren Organe, darauf angelegt, in der geistigen Welt wahrzunehmen. Diese Organe sind aber außerordentlich fein. Sie sind wirklich recht fein. Und daß sie fein sind, das können Sie schon daraus entnehmen, was manchmal für Zustände aus solchen Organen herauskommen. Diese Zustände beachtet man meistens nicht, und man beachtet sie nicht, weil unsere Medizin so unvollkommen ist. Sehen Sie, Sie werden ja schon irgendeinmal erfahren haben, daß einer von einer riesigen Angst Diarrhöe kriegt. Man beachtet es nicht, weil man sich gar nicht vorstellt, daß von der Angst die Diarrhöe kommen kann. Sie kommt aber davon. Da ist ein Einfluß von der Außenwelt da. Aber dieser Einfluß kann dann auch von der geistigen Welt da sein. Und aus der geistigen Welt heraus geschieht es schon so, daß diese Organe in der Tat wahrnehmen, aber ganz andere Dinge wahrnehmen, als in der Außenwelt sind.

[ 11 ] Well, gentlemen, if the head is essentially limited to perceiving only what it sees out there in the external world, then it is precisely the inner being of the human being—the lower organs—that is designed to perceive the spiritual world. These organs, however, are extraordinarily subtle. They are truly quite subtle. And you can tell just how delicate they are from the conditions that sometimes arise from such organs. These conditions are usually overlooked, and they are overlooked because our medicine is so imperfect. You see, you’ve probably experienced at some point that someone can get diarrhea from intense fear. People don’t pay attention to it because they can’t even imagine that diarrhea could be caused by fear. But it is caused by it. There is an influence from the external world at work here. But this influence can also come from the spiritual world. And from the spiritual world, it happens that these organs do indeed perceive—but they perceive things entirely different from those in the external world.

[ 12 ] Ich habe Ihnen ja jetzt schon öfter gesagt: Wir Menschen gehen durch verschiedene Erdenleben. Ja, wenn die Menschen bisher so ohne weiteres durch verschiedene Erdenleben hätten durchgehen sollen, so würden sie das nicht gekonnt haben. Wenn der Mensch sich hier auf der Erde von klein auf entwickeln soll, so muß er einen Führer haben, nämlich einen Erzieher oder Lehrer oder so etwas, sonst würde er ja ganz dumm bleiben. Solch einen Führer hat aber wirklich der Mensch in der geistigen Welt, der ihn von Erdenleben zu Erdenleben führt und der auch wirklich achtgibt im einzelnen Erdenleben nicht für die Dinge, über die wir frei sind, über die wir selber vernünftig nachdenken, aber für die Dinge, über die wir nicht nachdenken können, mit denen aber unsere Menschenorganisation zusammenhängt. Und so kommt es, daß, wenn da einer sitzt und in einer gewissen Ängstlichkeit ist, er dann besonders empfindlich wird für dasjenige, was ihm bevorsteht. Diese Empfindlichkeit muß man auch in der richtigen Weise beurteilen. Man muß ganz genau unterscheiden: Tritt diese Empfindlichkeit für das Geistige ein, oder ist diese Empfindlichkeit doch noch physisch erklärbar. Wenn einer nicht kritisch ist, so kann er gar nicht über diese Dinge richtig sprechen.

[ 12 ] As I’ve told you many times before: We humans go through various earthly lives. Yes, if people had been expected to simply go through various earthly lives up to this point, they would not have been able to do so. If a person is to develop here on Earth from an early age, he must have a guide—namely, an educator, a teacher, or someone similar—otherwise he would remain completely ignorant. But in the spiritual world, a person does indeed have such a guide, who leads them from one earthly life to the next and who truly pays attention—not to the things in each individual earthly life over which we have freedom, the things we can reason about on our own, but to the things we cannot think about, yet which are connected to our human constitution. And so it happens that when someone is sitting there feeling a certain anxiety, they become particularly sensitive to what lies ahead. This sensitivity must also be assessed correctly. One must distinguish very carefully: Does this sensitivity pertain to the spiritual, or can it still be explained in physical terms? If one is not critical, one cannot speak correctly about these things at all.

[ 13 ] Ich will Ihnen hiervon auch noch ein Beispiel sagen. Da gab es einmal eine Kranke, die wohnte im vierten Stock eines Hauses, und der Arzt mußte täglich zu ihr kommen auch noch in der Zeit, in der sie schon am gesunden war, denn die Sache war ziemlich gefährlich. Der Arzt kam zu dieser Kranken nicht etwa jeden Tag zu derselben Stunde, sondern zu ganz verschiedenen Stunden, aber diese Kranke wußte jeden Tag oben im vierten Stock ganz genau: Jetzt kommt der Arzt — auch wenn er noch ganz unten war. Wenn er noch außer dem Hause vor dem Tore war, da wußte sie schon: Jetzt kommt der Arzt. — Namentlich aber wußte sie es, wenn er noch ganz unten war im Flur des Hauses, bevor er noch eine Stufe erstiegen hatte. Das erzählten die Leute dem Arzt und sagten: Ja, die weiß das durch Hellsehen. — Nun, der Arzt war zunächst ein bißchen kribbelig. Ärzte glauben das nicht gleich. Aber nun, als er immer wieder und wieder angeranzt wurde von den Leuten, die ihm sagten: Ja, unsere Tochter ist hellsehend, die weiß, wenn Sie da unten sind — da sagte er einmal: Ich will die Geschichte doch ausprobieren! — Und er zog sich ganz leise die Stiefel aus, bevor er ins Tor hineinging. Und da wußte sie es nicht! Nun, sehen Sie, solche Fälle gibt es natürlich auch, und die muß man richtig prüfen. Denn diese Kranke hatte einfach ein fein empfindliches Gehör gekriegt durch das lange Liegen und hat unten die Tritte wahrgenommen, die man sonst von unten nicht hörte. Wenn man von allem gleich sagt, das ist Hellsichtigkeit, so hat man natürlich kein Recht, von geistigen Welten zu reden. Man muß ganz genau zu unterscheiden wissen zwischen dem, was eben mit den Sinnen noch wahrgenommen werden kann und dem, was nicht mehr mit den Sinnen wahrgenommen werden kann.

[ 13 ] I’d like to give you another example of this. There was once a sick woman who lived on the fourth floor of a building, and the doctor had to visit her every day—even after she had already begun to recover—because her condition had been quite serious. The doctor didn’t visit this patient at the same time every day, but at all sorts of different times; yet every day, up on the fourth floor, she knew exactly: “The doctor is coming now”—even when he was still all the way downstairs. Even when he was still outside the building, standing at the gate, she already knew: “The doctor is coming now.” — But she knew it especially well when he was still all the way downstairs in the building’s hallway, before he had even climbed a single step. People told the doctor this and said, “Yes, she knows that through clairvoyance.” — Well, at first the doctor was a little uneasy. Doctors don’t believe that right away. But then, as he was repeatedly hounded by the people who told him, “Yes, our daughter is clairvoyant; she knows when you’re down there”—he finally said, “I’ll put this to the test!” And he quietly took off his boots before walking through the gate. And she didn’t know! Well, you see, cases like that do exist, of course, and they have to be properly investigated. Because this patient had simply developed a very sensitive sense of hearing from lying in bed for so long and perceived the footsteps downstairs that one wouldn’t normally hear from below. If you immediately label everything as clairvoyance, then of course you have no right to speak of spiritual worlds. One must be able to distinguish very precisely between what can still be perceived with the senses and what can no longer be perceived with the senses.

[ 14 ] Die Dinge, die da spielen, zeigen aber, daß die Sinne außerordentlich empfindlich werden können. Denn im gewöhnlichen Leben ist ja natürlich der Mensch nicht fähig, wenn er im vierten Stock ist und unten Tritte sind, sie gleich zu hören. Aber wie die Sinne am Kopfe und sonst die Sinne empfindlich werden können, so können auch die inneren Organe, die ja auch Sinne sind, eben empfindlich werden für das Geistige. Und wenn also dann zum Beispiel die Leber unter dem Eindruck steht: heute könnte ich erschossen werden —, so ist sie besonders empfindlich, und die Folge davon ist, daß die Leber hören kann, aber jetzt nicht in irgendeiner italienischen oder deutschen Sprache, die Warnung von dem geistigen Wesen, das ja wirklich da ist.

[ 14 ] However, the events described there show that the senses can become extraordinarily sensitive. For in everyday life, of course, a person on the fourth floor is not able to hear footsteps below immediately. But just as the senses in the head and elsewhere can become sensitive, so too can the internal organs—which are also senses—become sensitive to the spiritual. And so, for example, if the liver is under the impression that “I might be shot today,” it becomes particularly sensitive, and the result is that the liver can hear—though not in any Italian or German language—the warning from the spiritual being that is indeed present there.

[ 15 ] Aber denken Sie sich, nun geschieht das Wunderbare: Die Leber muß das ja erst abgeben an den Kopf, sonst kann es der Mensch nicht wahrnehmen; denn da wird das auf dem Wege von der Leber bis zum Kopf übersetzt in die Sprache, die der Mensch spricht. Das ist das Wunderbare dabei, da liegt nämlich erst das Rätselvolle. Da können Sie erst sagen, was für ein merkwürdiges Wesen dieser Mensch denn ist. Er ist nicht etwa allein imstande, Ahnungen zu haben, sondern, was viel wunderbarer ist, dasjenige, was ihm in der geistigen Sprache zukommt, das übersezt er eigentlich unbewußt in seine Sprache.

[ 15 ] But just imagine—this is where the miracle happens: The liver must first transmit this to the head; otherwise, a person cannot perceive it. For on its way from the liver to the head, it is translated into the language that the person speaks. That is the marvelous thing about it—that is where the mystery lies. Only then can you say what a remarkable being the human being really is. Not only is the human being capable of having intuitions, but—what is far more marvelous—what comes to them in the spiritual language, they actually translate unconsciously into their own language.

[ 16 ] Daraus können Sie aber sehen: Alles das, was in manchen spiritistischen Zirkeln aufgeschrieben wird, das wird zu den Unterleibern gesagt. Nur sind die Leute darauf aus, das nicht zuzugeben. Sie glauben, die Geister sprechen italienisch oder französisch, aber das kommt alles aus dem Menschen selber. Und dennoch, es ist eine Beziehung zur geistigen Welt auch in diesen Sitzungen vorhanden, nur eine sehr schlimme. Die wird dann in allerlei Dinge übersetzt.

[ 16 ] But you can see from this: Everything that is written down in some spiritualist circles is spoken to the lower abdomen. It’s just that people are reluctant to admit it. They believe the spirits speak Italian or French, but it all comes from the person themselves. And yet, there is a connection to the spiritual world even in these sessions—just a very negative one. This is then expressed in all sorts of ways.

[ 17 ] Aber aus diesem sehen Sie, daß man ja, wenn so etwas auftritt wie dieses «Geh weg!», sich klar sein muß: Die eigentliche Verbindung mit der geistigen Welt bleibt einem immer noch dunkel. Man hat keine rechte Vorstellung, wenn man sich einfach vorstellt: der Schutzgeist hat einem ins Ohr geraunt —, sondern man muß wissen, auf welchem Umwege das geschieht. Dann begreift man auch noch etwas anderes. Dann begreift man, daß die Leute so etwas sehr leicht widerlegen können. Denn für einen gewöhnlichen Menschen ist das mit dem Menschen, der sich die Schuhe ausgezogen hat, eine Widerlegung. Der sagt: Die Leute glauben, das sei Hellsehen, Hellhören, aber es war da kein Hellhören, sondern ein gewöhnliches Hören. Also ist das bei dem anderen Fall auch so.

[ 17 ] But from this you can see that when something like this “Go away!” occurs, one must be clear about one thing: the actual connection with the spiritual world still remains a mystery to us. One doesn’t really grasp it if one simply imagines that the guardian spirit whispered in one’s ear—but one must know the indirect path through which this happens. Then one also comes to understand something else. Then one realizes that people can very easily refute such things. For an ordinary person, the story of the man who took off his shoes serves as a refutation. They say: People believe this is clairvoyance or clairaudience, but it wasn’t clairaudience—it was ordinary hearing. So it’s the same in the other case as well.

[ 18 ] Ja, das ist eben das, meine Herren, was man zuerst untersuchen muß! Und da sieht man dann, wenn man die nötige Vorsicht übt, daß in der Tat auf diesen Umwegen fortwährend von der geistigen Welt aus mit menschlichem Schicksal gearbeitet wird, besonders stark natürlich in der Kindheit. Warum in der Kindheit? Ja, in der Kindheit ist nämlich der astralische Leib viel tätiger, da arbeitet der astralische Leib viel intensiver, Später arbeitet er nicht mehr so intensiv. Wenn die Leber beim Kind noch weich ist, so kann der astralische Leib das, was er in der geistigen Welt hört, auf die Leber übertragen. Später, wenn die Leber hart geworden ist, kann er nichts mehr übertragen.

[ 18 ] Yes, that is precisely what one must examine first, gentlemen! And then, if one exercises the necessary caution, one sees that, in fact, the spiritual world is constantly at work on human destiny through these indirect channels—particularly strongly, of course, during childhood. Why during childhood? Well, during childhood the astral body is much more active; it works much more intensely then. Later on, it no longer works as intensely. When a child’s liver is still soft, the astral body can transmit what it hears in the spiritual world to the liver. Later, when the liver has hardened, it can no longer transmit anything.

[ 19 ] Nun müssen Sie denken, was solch ein Ereignis wie das, was von Herrn Burle erlebt worden ist, für eine Bedeutung hat, wenn einem also eigentlich der Tod bevorsteht und nicht das eintritt, was durch die äußere Natur der Dinge ganz gut vorgesehen ist. Denn Sie hätten dazumal, wie Sie das «Geh weg!» gehört haben, draufgehen können? (Wird bestätigt.) Also Sie wären draufgegangen. Solche Fälle gibt es viele im Leben des Menschen. Nur, viele bemerkt man nicht. Aber das ist einer, den Sie stark bemerkt haben.

[ 19 ] Now you must consider what significance an event such as the one experienced by Mr. Burle has—that is, when death is actually imminent and yet what is quite naturally expected does not occur. After all, at that moment, when you heard the “Go away!”, you could have died, couldn’t you? (This is confirmed.) So you would have died. There are many such cases in human life. It’s just that many go unnoticed. But this is one that you noticed very clearly.

[ 20 ] Nun aber haben Sie, bevor Sie Ihr jetziges Erdenleben durchgemacht haben, viele frühere durchgemacht, Ja, meine Herren, was man früher in den Erdenleben durchgemacht hat, das will sich ja in der richtigen Weise ausleben. Das will sich so ausleben, daß man zum Beispiel in diesem Leben jetzt ein richtig langes Leben hat, damit alles sich so ausleben kann, wie es durch die früheren Erdenleben bedingt ist. Nun kann dem die äußere Natur sogar widersprechen. Ich kann eines Tages durch die äußeren Verhältnisse einem Unglück ausgesetzt sein, könnte sterben müssen, und die Sache könnte so werden, daß ich, sagen wir, wenn ich sterbe, eigentlich meinem vorigen Erdenleben nach in unverhältnismäßig früher Zeit sterbe. Es ist nach dem vorigen Erdenleben nicht richtig, daß ich so früh sterbe, weil ich noch etwas zu tun habe auf der Erde. Nun könnte ich auch sterben. Glauben Sie nicht, daß das ganz unbedingt gesichert ist, daß ich nicht sterbe! Ich könnte auch sterben, das Unglück könnte eintreten. Ich könnte sterben, aber mein ganzes Schicksal würde geändert. Denn ich habe eben das Stückchen Erdenleben, das ich noch hätte durchleben sollen, dann nicht. Das ganze Schicksal würde geändert! Da greift nun diese geistige Wesenheit ein, die den Menschen von Erdenleben zu Erdenleben führt, und kann ihn warnen. Da liegt immer ein Grund vor, daß sie ihn warnen kann. Aber natürlich sind die Verhältnisse außerordentlich verwickelt, und irgendeinmal kann es auch so liegen, daß diese Wesenheit, die den Menschen schützen will, wenn wir das Wort so anwenden wollen, anderen Wesenheiten unterliegt, die sie abhalten, die sie weghalten. In der geistigen Welt können durchaus auch solche Kämpfe stattfinden. Aber wenn böse Wesenheiten, wenn ich mich so ausdrücken darf, kein besonderes Interesse daran haben, dann kommt die Warnung durch. Und so ist sie dazumal durchgekommen. Und daß da ganz besondere Dinge eintreten können, auch äußerlich, ja, das kommt auch unzählige Male vor.

[ 20 ] But before you lived through your present earthly life, you lived through many previous ones. Yes, gentlemen, what one has experienced in past earthly lives is meant to be lived out in the proper way. This means, for example, that in this life one now has a very long life so that everything can play out as determined by one’s previous earthly lives. Now, external circumstances may even contradict this. One day, due to external circumstances, I might be exposed to misfortune, might have to die, and the situation could turn out such that—let’s say—if I die, I would actually be dying at a disproportionately early time relative to my previous earthly life. According to my previous earthly life, it is not right for me to die so early, because I still have something to do on Earth. Now, I could also die. Do not believe that it is absolutely certain that I will not die! I could die; misfortune could strike. I could die, but my entire destiny would be altered. For I would then not have lived out that small portion of earthly life that I was still supposed to experience. My entire destiny would be altered! This is where the spiritual being who guides a person from one earthly life to the next intervenes and can warn him. There is always a reason why it can warn him. But of course, the circumstances are extraordinarily complex, and sometimes it may also be the case that this being, who wants to protect the person—if we may use the term that way—is subject to other beings who hold her back, who keep her at a distance. Such struggles can certainly take place in the spiritual world as well. But if evil beings—if I may put it that way—have no particular interest in the matter, then the warning gets through. And that is how it got through back then. And the fact that very special things can occur—even outwardly—yes, that happens countless times as well.

[ 21 ] Sie haben sich gewundert, nicht wahr, beim zweiten Fall, den Sie aus Ihrem Leben erzählten, warum da nicht weiter gedreht worden ist. Denn wenn da weiter gedreht worden wäre, so hätten Sie zugrundegehen müssen. Die anderen konnten das Wasser nicht laufen lassen, Sie allein konnten es dann. Nun, woran lag das? Sie konnten gar nicht äußerlich sehen, woran das lag. (Herr Burle: Nein!) Es lag daran, daß diese Sie warnen oder Sie erhalten wollende geistige Wesenheit den Willen der anderen in diesem Moment gelähmt hat. Das wirkt immer durch den Menschen selber durch, nicht auf eine äußere Weise, nicht durch einen anderen. Der Wille war in diesem Moment in den anderen gelähmt, sie kriegten es nicht fertig, die Muskeln zu bewegen. Also so sind die Dinge, so hängen die Dinge zusammen. So daß man immer, wenn man von der geistigen Welt reden will, sicher sein muß, daß die geistige Welt durch den Menschen wirkt. Geradeso wie man ohne Auge nicht eine Farbe sehen kann, so kann man ohne diese innere Tätigkeit des Menschen nicht die geistige Welt wahrnehmen. Das ist ja dasjenige, was man immer beachten muß, wenn man richtige Wissenschaft treiben und nicht in Aberglauben kommen will. Denn das ist also so, daß das, was auf der Erde ist, die verschiedenen Sprachen, nicht mehr gilt für die geistige Welt, sondern es gelten da nur solche Sprachen, die man eben erst lernen muß. Will man in die geistige Welt eindringen — und ich habe ja beschrieben, was man da für Übungen machen muß, um in die geistige Welt einzudringen —, dann muß man vor allen Dingen, während man in die geistige Welt eindringt, sich abgewöhnen können das Denken. Nicht für immer, das wäre ja schlimm, aber für die Momente, wo man in die geistige Welt eindringen will. Denn das menschliche Denken, das ist nur für diese irdische Welt. Daher ist das Denken auch so verwandt mit dem Sprechen. Wir denken ja eigentlich in Worten in der physischen Welt, und nur dadurch, daß man sich allmählich gewöhnt, nicht in Worten zu denken, kommt man der geistigen Welt nahe.

[ 21 ] You were wondering, weren’t you, regarding the second incident you recounted from your life, why filming didn’t continue there. Because if filming had continued there, you would have perished. The others couldn’t let the water flow; only you were able to do so at that moment. Well, what was the reason for that? You couldn’t see from the outside what the reason was. (Mr. Burle: No!) It was because that spiritual being—who wanted to warn you or protect you—paralyzed the will of the others at that moment. This always works through the person themselves, not in an external way, not through someone else. At that moment, the will of the others was paralyzed; they were unable to move their muscles. That is how things are; that is how they are connected. So whenever one wishes to speak of the spiritual world, one must be certain that the spiritual world acts through human beings. Just as one cannot see a color without eyes, so one cannot perceive the spiritual world without this inner activity of the human being. That is precisely what one must always bear in mind if one wants to pursue true science and avoid falling into superstition. For the fact is that what exists on Earth—the various languages—no longer applies to the spiritual world; rather, only those languages apply there that one must first learn. If one wishes to enter the spiritual world—and I have, after all, described the exercises one must perform to do so—then, above all else, while entering the spiritual world, one must be able to wean oneself from thinking. Not forever—that would be terrible—but for those moments when one wishes to enter the spiritual world. For human thinking is meant only for this earthly world. That is why thinking is so closely related to speech. After all, we actually think in words in the physical world, and it is only by gradually accustoming oneself to thinking without words that one draws near to the spiritual world.

[ 22 ] Und jetzt will ich Ihnen erklären, wie es ist, wenn der Mensch direkt in die geistige Welt hineinsieht. Denken Sie sich also, der Herr Burle wäre in dem Momente, wo ihm das passiert ist, daß dann zu ihm «Geh weg!» gesagt worden ist, ein Hellseher gewesen, aber ein richtiger Hellseher, was wäre dann geschehen? Wenn der Herr Burle ein Hellseher gewesen wäre, dann hätte er nicht innerlich diese furchtbar geistreiche Arbeit zu verrichten gebraucht, das erst ins Deutsche zu übersetzen, was ihm ein geistiges Wesen gesagt hatte, aber etwas anderes wäre gekommen. Denn da hätte er gelernt, wie dasselbe geistige Wesen deuten kann, Gebärden machen kann, Zeichen machen kann. Denn die geistigen Wesen reden nicht in Worten, sondern die machen Gebärden. Natürlich nicht solche Gebärden, wie ein Taubstummer sie macht, aber sie machen Gebärden. Die Menschen sind eben meistens nicht zufrieden mit diesen Gebärden, weil sie wie die Spiritisten erwas hören wollen. Aber in der wirklichen geistigen Welt ist es nicht so, da sind die Dinge nicht mit äußerem Ohr hörbar. Man kann gar nicht begreifen, wie ein vernünftiger Mensch sich das vorstellen kann, daß er mit physischen Ohren die Geister hört, denn physische Ohren können da nicht zuhören. Es ist ein Unsinn, zu glauben, die physischen Ohren könnten die Geister hören. Das muß natürlich der Astralkörper von irgendeinem Organ sein, der die Geister hört. Aber das ist auch kein wirkliches äußeres Sehen und Hören, sondern das ist ein Wissen, wie man die Zeichen auffassen muß, die einem diese Wesenheiten machen. Und dann würde Herr Burle, wenn er hellsehend gewesen wäre, statt zu hören: «Geh weg!», ein geistiges Bild gesehen haben, wissen Sie, so wie wenn einer ihn wegschiebt. Und hätte er dann richtig innerlich geistigwahrgenommen, dann hätte er es nicht erst zu übersetzen gebraucht ins «Geh weg!». Aber das geschieht alles still und in Ruhe, und daran sind die Leute nicht gewöhnt, die geistige Welt still, in Ruhe, in Schweigsamkeit aufzunehmen. Man würde auch, wenn irgendwo eine Gefahr schwebt, gar nicht darauf kommen, recht ruhig sein zu wollen. Man ist dann aufgeregt, aber durch die Aufregung wird gerade die geistige Welt dann nicht wahrgenommen. Und wenn dann doch das Schicksal sprechen soll, dann spricht es eben so, daß der Mensch das erst in sich übersetzt.

[ 22 ] And now I want to explain to you what it’s like when a person looks directly into the spiritual world. So imagine if Mr. Burle had been a clairvoyant—a true clairvoyant—at the very moment when this happened to him, when he was told, “Go away!” What would have happened then? If Mr. Burle had been a clairvoyant, then he wouldn’t have had to perform that terribly laborious mental work of first translating into German what a spiritual being had told him—something else would have happened instead. For then he would have learned how that same spiritual being can communicate through gestures and signs. Spiritual beings do not speak in words; rather, they use gestures. Of course, not the kind of gestures a deaf-mute makes, but they do make gestures. People are usually not satisfied with these gestures because, like the spiritualists, they want to hear something. But in the real spiritual world it is not like that; there, things are not audible to the physical ear. It’s impossible to comprehend how a rational person could imagine hearing spirits with physical ears, for physical ears cannot listen there. It’s nonsense to believe that physical ears could hear spirits. It must, of course, be some organ of the astral body that hears the spirits. But this is not really external seeing or hearing either; rather, it is a knowledge of how to interpret the signs these beings give. And then, Mr. Burle, if he had been clairvoyant, instead of hearing “Go away!” would have seen a spiritual image—you know, as if someone were pushing him away. And if he had then perceived it correctly on an inner, spiritual level, he wouldn’t have needed to translate it first into “Go away!” But all of this happens quietly and calmly, and people aren’t accustomed to receiving the spiritual world quietly, calmly, and in silence. Nor would one, if danger were looming somewhere, even think of wanting to remain calm. One is agitated then, but it is precisely this agitation that prevents one from perceiving the spiritual world. And when fate does speak, it speaks in such a way that the person must first interpret it within themselves.

[ 23 ] Sehen Sie, es gibt, wie Sie ja wissen, Menschen, welche sehr leicht mathematisch denken können und solche, die gar nicht mathematisch denken können, solche, die gut rechnen können und solche, die gar nicht rechnen können. Es gibt ja diese verschiedenen Fähigkeiten. Aber gerade wenn man sich recht anstrengt im mathematischen Denken, dann kommt man leichter in das wirkliche Hellsehen hinein, als wenn man gar keinen Begriff hat von mathematischem Denken. Und darin liegt schon der Grund, warum die Menschen heute so schwer hineinkommen in die Anschauung der geistigen Welt. Denn diejenigen, die heute eine Schulung durchmachen, sind ja noch zumeist diejenigen, die durch Griechisch und Latein, Literatur und alles mögliche durchgehen, durch all das, wobei man schlampig denken kann. Ja, die meisten sogenannten gebildeten und gelehrten Leute haben eigentlich nur «schlampet» denken gelernt, weil sie denken in demjenigen, in dem eigentlich die alten Römer oder Griechen gedacht haben, und die anderen lernen das dann von ihnen. Und so existiert heute eben ein furchtbar schlampiges Denken, gar kein Denken, das wirklich Kraft in sich hat. Davon kommt es, daß man heute solche Dinge gar nicht richtig verstehen kann, die aus der geistigen Welt herausgeholt sind. Würden die Leute ein richtiges scharfes Denken haben, dann würden sie ja gerade viel eher zum Verstehen dessen kommen, was in der geistigen Welt vorgeht. Sie können an äußeren Dingen, die in den letzten Jahrhunderten sich abgespielt haben, sehen, wie der Mensch aber wiederum geradezu bestrebt ist, nicht zu der geistigen Welt hinzukommen. Das will ich Ihnen an einem Beispiel erklären.

[ 23 ] You see, as you know, there are people who can think mathematically very easily and those who cannot think mathematically at all; those who are good at calculating and those who cannot calculate at all. These different abilities do exist. But precisely when one makes a real effort at mathematical thinking, it is easier to enter into true clairvoyance than if one has no concept of mathematical thinking at all. And therein lies the very reason why people today find it so difficult to enter into the perception of the spiritual world. For those undergoing an education today are, for the most part, still the ones who go through Greek and Latin, literature, and all sorts of subjects—all of which allow for sloppy thinking. Indeed, most so-called educated and learned people have actually only learned to think “sloppily,” because they think in the same way the ancient Romans or Greeks did, and others then learn this from them. And so today there is a terribly sloppy way of thinking—not thinking at all that truly possesses inner strength. This is why people today cannot properly understand things that are drawn from the spiritual world. If people had truly sharp thinking, they would be much more likely to come to an understanding of what is happening in the spiritual world. You can see from external events that have taken place over the last few centuries how human beings, on the other hand, are downright determined not to turn toward the spiritual world. I’d like to explain this to you with an example.

[ 24 ] Sehen Sie, als ein gewisser Stephenson zuerst darauf aufmerksam gemacht hat, man könne Wagen machen mit eisernen Rädern, die auf Schienen fahren, da wurde das den Gelehrten seiner Zeit vorgelegt. Die Sache ist noch gar nicht lange her. Nun haben die Gelehrten zu rechnen angefangen, haben eine richtige Rechnung gemacht. Was haben sie herausgekriegt? Sie haben ausgerechnet: Niemals würde, wenn hier eine Schiene ist und da ein Rad (es wird gezeichnet), ein Wagen vorwärtskommen, wo das Rad so über die Schiene gehen soll. Es kann nicht sein. — Und sie rechneten weiter und rechneten aus: Es kann nur dann das Rad vorwärtsgehen, wenn die Schiene so gezahnt ist und das Rad auch gezahnt ist, so daß immer ein Zahn, der erhöht ist, in ein solches eingreift. — Also die Gelehrten haben ausgerechnet, daß, wenn die Wagen Zahnräder hätten und die Schienen auch Zähne hätten, in die die Wagenzahnräder eingreifen, es dann gehe, daß die Wagen sich vorwärtsbewegen und haben bewiesen, nur auf diese Weise könnten sich Eisenbahnzüge vorwärtsbewegen. Nun, meine Herren, Sie sehen, es geht ganz famos heute, ohne daß man Zahnräder und gezahnte Schienen hat! Was haben die Leute getan? Es ist noch gar nicht sehr lange Zeit her. Ja, sie haben gerechnet. Das Rechnen behalten sie aber bloß im Kopf, sie lassen nicht den übrigen Menschen darin wirken. Dadurch wird es stumpf, das Rechnen. Gerade das Rechnen ist etwas, wodurch man hell werden kann. Aber die Menschen haben sich im letzten Jahrhundert sogar gegen das Rechnen gestellt. Dadurch ist aber das ganze übrige Denken auch in Verwirrung gekommen. Und 1835, als es soweit war, daß man nicht mehr über «Zahnräder» debattiert hat, sondern die erste Eisenbahn in Deutschland von Fürth nach Nürnberg eingerichtet wurde, da hat man wiederum das Bayerische Ärztekollegium zusammengerufen und hat die gefragt, ob man die Eisenbahn bauen solle, ob es gesund sei. Dieses Dokument ist außerordentlich interessant. Es ist noch nicht so lange her, als Sie denken, das ist noch nicht ein Jahrhundert her. Diese Versammlung von gelehrten Herren hat das Dokument ausgestellt, man solle lieber keine Eisenbahnen bauen, denn diejenigen Leute, die darinnen sitzen, würden außerordentlich nervös werden. Wenn aber die Leute einen zwingen würden, doch Eisenbahnen zu bauen, wenn sie so schnell vorwärtskommen wollen, dann müsse man wenigstens links und rechts vom Zuge große, hohe Bretterwände aufrichten, damit, wenn die Züge vorbeifahren, von dem raschen Vorbeifahren die Bauern nicht Gehirnerschütterungen kriegen würden. Das steht in dem Dokument der gelehrten Herren drinnen.

[ 24 ] You see, when a certain Stephenson first pointed out that it was possible to build cars with iron wheels that run on rails, the idea was presented to the scholars of his time. This was not so long ago. Now the scholars have begun to calculate; they’ve done a proper calculation. What did they find out? They calculated that if there is a rail here and a wheel there (it is drawn), a car would never move forward where the wheel is supposed to run over the rail. It cannot be. — And they continued their calculations and concluded: The wheel can only move forward if the rail is toothed and the wheel is also toothed, so that a raised tooth always engages with a corresponding tooth. — So the scholars calculated that if the cars had gears and the rails also had teeth into which the car gears engage, then the cars could move forward, and they proved that this was the only way trains could move forward. Well, gentlemen, as you can see, things work just fine today without gears or toothed rails! What did people do? It wasn’t all that long ago. Yes, they did calculations. But they keep those calculations only in their heads; they don’t let other people participate in them. As a result, the calculations become dull. Calculation, in particular, is something that can bring clarity. But in the last century, people even turned against calculation. As a result, however, all other thinking has also fallen into confusion. And in 1835, when the time had come to stop debating “gears” and instead establish Germany’s first railroad from Fürth to Nuremberg, the Bavarian Medical Council was once again convened and asked whether the railroad should be built and whether it was healthy. This document is extraordinarily interesting. It wasn’t as long ago as you might think—it hasn’t even been a century. This assembly of learned gentlemen issued the document stating that it would be better not to build railroads, because the people riding in them would become extremely nervous. But if people were to force us to build railroads after all—if they wanted to move forward so quickly—then we would at least have to erect large, high wooden walls on both sides of the tracks so that, when the trains passed by, the farmers would not suffer concussions from the rapid passage of the trains. That is what is written in the document by those learned gentlemen.

[ 25 ] Ja, so haben die Leute geurteilt. Aber glauben Sie nicht, daß sie heute anders urteilen über diejenigen Dinge, die wirklich vorwärtsweisend in die Welt dringen. Sie urteilen heute auch nicht anders. Denn daß man heute lacht über das, was 1835 vorgekommen ist, das ist eben hinterher, und so werden die Leute über das, was heute geschieht, auch erst hinterher lachen können, wenn es fast hundert Jahre her sein wird. Die Leute haben ja überhaupt sich ganz besondere Ideen gemacht über die Dinge, die neu sein sollen. Mit den Eisenbahnen ist es gar nicht so leicht gegangen, denn das hat dem Denken der Menschen lebhaft widerstrebt. Als zum Beispiel in Berlin die erste Eisenbahn nach Potsdam gebaut werden sollte, da mußte der Generalpostmeister gefragt werden, denn er hatte jede Woche die vier Postwagen beaufsichtigt, die von Berlin nach Potsdam und wieder zurück gegangen sind, und da mußte er sein Gutachten abgeben, ob eine Eisenbahn gebaut werden solle. Da gab er sein Gutachten ab: Ja, er lasse doch viermal in der Woche einen Postwagen von Berlin nach Potsdam gehen, und da sitze kaum jemand drinnen. Warum soll man denn eine Eisenbahn bauen, wo im Postwagen niemand drinnen sitzt? — Heute ist es so, daß von Berlin nach Potsdam zehn bis zwölf Züge täglich gehen, und sie sind alle voll. Nur nicht gerade jetzt, in diesem Augenblick, aber sie waren alle voll. Sehen Sie, so schwer können sich die Leute seit ein paar Jahrhunderten hineinfinden in dasjenige, was eigentlich in der Welt geschieht. Daher nimmt man die Dinge nicht wahr, die sich abspielen, und höchstens glaubt man einem Menschen, der, ich möchte sagen, eine äußerliche Autorität ist. Dem glaubt man manchmal etwas. So will ich Ihnen eine Geschichte erzählen.

[ 25 ] Yes, that is how people judged it. But don’t think that they judge things differently today—especially those things that are truly breaking new ground in the world. They don’t judge them any differently today either. For the fact that people today laugh at what happened in 1835 is simply a matter of hindsight, and so people will only be able to laugh at what is happening today in hindsight as well, when it will have been nearly a hundred years ago. People have, after all, formed very particular ideas about things that are supposed to be new. It wasn’t at all easy with the railroads, because that went against people’s way of thinking. For example, when the first railroad from Berlin to Potsdam was to be built, the Postmaster General had to be consulted, since he had supervised the four mail coaches that traveled from Berlin to Potsdam and back every week, and he was asked to give his expert opinion on whether a railroad should be built. So he gave his opinion: Yes, he did indeed run a mail coach from Berlin to Potsdam four times a week, and hardly anyone was riding in it. Why on earth should a railroad be built when no one is riding in the mail coach? — Today, ten to twelve trains run daily from Berlin to Potsdam, and they’re all full. Not right now, at this very moment, but they used to be full. You see, for a few centuries now, people have had such a hard time coming to terms with what is actually happening in the world. That’s why people don’t perceive the things that are taking place, and at most they believe someone who, I would say, is an external authority. Sometimes they believe what such a person says. So I’d like to tell you a story.

[ 26 ] Da war ein ganz berühmter Techniker in England — die Sache ist noch nicht lange her, es ist etwa vierzig Jahre her —, ich glaube, er hieß Varley, ein ganz berühmter Techniker, an dessen Verstand niemand zweifelte. Diesem ganz berühmten Manne passierte folgendes. Er fuhr mit seiner Frau von London aufs Land hinaus, weil seine Schwägerin, die Schwester seiner Frau, sehr krank war; sie war fast eine Sterbende schon. Sie blieben ein paar Tage draußen. Nun, in der ersten Nacht, in der dieser Herr, der also ein ganz berühmter Techniker war, im Bette liegt, bekommt er plötzlich das, was man Alpdrücken nennt, und kann kein Glied rühren. Nicht wahr, wenn dieses Alpdrücken rasch vorübergeht, dann ist es ja nicht weiter schlimm, wenn es aber lange dauert, daß man kein Glied rühren kann und wach bleibt, dann kann man ersticken. Nun lag er da schon eigentlich betäubt, so daß er gerade noch den Gedanken hatte: Ich werde ja ersticken. — Nun, nicht wahr, da ist eine Person, von der man glaubt, sie müsse in ein paar Tagen sterben. Man will außerdem Ruhe halten im Haus. Also versuchte er sich aufzuraffen, es gelang aber nicht. Da plötzlich sieht er neben seinem Bett in aufrechter Stellung die Kranke, und die Kranke spricht ihn an mit seinem Vornamen und sagt: Steh auf! — Und das erschreckt ihn so, daß er durch den Schreck seine Glieder wieder bewegen kann. Da er ein ganz kluger Mensch war, so wußte er, daß er dadurch gerettet war. Nun, er war natürlich froh, daß so etwas geschehen konnte. Das können Sie ja begreifen, denn es sind andere Dinge schon in der Welt geschehen. Es waren Leute fünfzehn, zwanzig Jahre stumm, haben plötzlich einen großen Schreck gekriegt und sind wieder redend geworden. Also ein großer Schreck kann natürlich schon etwas Furchtbares im Menschen erzeugen, was aber auch günstig sein kann. Und am Morgen, als der betreffende Herr aufgestanden war, besuchte er seine Schwägerin, die die ganze Nacht im Bette gelegen hatte. Aber das erste, was sie ihm erzählte, ohne daß er zuerst davon redete — denn er wollte die Kranke damit verschonen, wollte den Traum natürlich nicht erzählen —, das war, daß sie sagte: Du, ich habe in dieser Nacht einen merkwürdigen Traum gehabt. Mir hat geträumt, ich müsse zu dir gehen und dich erschrecken, damit du nicht ersticktest. Und ich bin dann gegangen und habe dich erschreckt, damit du nicht ersticktest. Das war mein Traum. — Sie war ein paar Zimmer weit weg von ihm gelegen.

[ 26 ] There was a very famous engineer in England—this happened not too long ago, about forty years ago—I believe his name was Varley, a very famous engineer whose intelligence no one doubted. The following happened to this very famous man. He drove out of London to the countryside with his wife because his sister-in-law—his wife’s sister—was very ill; she was already on the verge of death. They stayed out there for a few days. Well, on the first night, as this gentleman—who was, as I said, a very famous engineer—lay in bed, he suddenly experienced what is called sleep paralysis and couldn’t move a muscle. You see, if this sleep paralysis passes quickly, it’s not really a big deal, but if it lasts a long time—if you can’t move a muscle and remain awake—you can suffocate. He was lying there, practically numb, so that the only thought he could manage was: I’m going to suffocate. — Well, you see, there’s a person there whom everyone believes will die in a few days. Besides, they want to keep the house quiet. So he tried to pull himself together, but he couldn’t. Suddenly, he saw the sick woman standing upright next to his bed, and she addressed him by his first name, saying, “Get up!”—And that startled him so much that, thanks to the shock, he was able to move his limbs again. Since he was a very clever man, he knew that this had saved him. Well, he was naturally glad that something like this could happen. You can understand that, after all, other things have happened in the world. There have been people who were mute for fifteen or twenty years, who suddenly experienced a great fright and began to speak again. So a great fright can, of course, bring about something terrible in a person, but it can also be beneficial. And in the morning, when the gentleman in question got up, he visited his sister-in-law, who had been in bed all night. But the first thing she told him—without him bringing it up first, since he wanted to spare the sick woman the details and, of course, didn’t want to recount the dream—was that she said: “You know, I had a strange dream last night.” “I dreamed that I had to go to you and startle you so that you wouldn’t suffocate. And then I went and startled you so that you wouldn’t suffocate. That was my dream.”—She had been lying a few rooms away from him.

[ 27 ] Sehen Sie, das ist eine Geschichte, die sich nicht bezweifeln läßt. Ich erzähle Ihnen eben diese Geschichte nur aus dem Grunde, weil sie mitgeteilt ist von einem Menschen, der sonst ganz nüchtern in der Welt gedacht hat, denn er war ein nüchterner Elektriker und berühmt in seinem Fach. Ich möchte nicht auf der Straße aufgelesene Geschichten bringen, aber dies ist eine Geschichte, die ebenso verbürgt ist, wie wenn einem jemand aus dem Laboratorium etwas nennt.

[ 27 ] You see, this is a story that cannot be doubted. I’m telling you this story for the simple reason that it was recounted by a man who otherwise had a very down-to-earth outlook on life—he was a practical electrician and well-known in his field. I don’t want to share stories picked up off the street, but this is a story that’s just as reliable as if someone had told you something from a laboratory.

[ 28 ] Was liegt denn da vor? Ich habe Ihnen ja erzählt, meine Herren, in der Nacht geht das Ich und der astralische Leib aus jedem Menschen heraus. Wenn also die Kranke geschlafen hat, so war in dem Körper, der in dem Bette gelegen hat, das Ich und der astralische Leib nicht drinnen. Da hat dasjenige, was nun dieser sogenannte schützende Geist ist, nicht direkt an den Mann heran gekonnt, denn der Mann hatte das nüchterne Denken, das sich die Menschen durch Jahrhunderte angewöhnt haben. Hätte Herr Burle dazumal das nüchterne Denken gehabt — das hat er natürlich als kleiner Junge ganz gewiß nicht gehabt, denn ein Gelehrter wird er schließlich dazumal ebensowenig gewesen sein wie heute —, so würde er das nicht gehört haben, denn das wird durch das nüchterne Denken übertönt, weggeblasen. Bei diesem Herrn Varley war dieses nüchterne Denken vorhanden. Den hätte sein schützender Geist nicht so ohne weiteres erschrecken können. Da hat dieser schützende Geist sogar den Umweg gemacht, die schlafende kranke Schwägerin in ihrem Astralleib zu benützen, so daß er den Astralleib an sein Bett geführt hat, durch den er dann erschrocken ist. Das hätte ja die Schwägerin niemals gewußt. Einen solchen sogenannten Traum hätte sie gut vergessen können, hätte nichts erzählen können, wenn sie eine gesunde Person gewesen wäre, Sie ist ein paar Tage darnach gestorben, wo ohnedies der Astralleib dann in die geistige Welt hineingeht. Da hat er sich schon vorbereitet gehabt. Dadurch hat die kranke Person wiederum leichter so etwas behalten können, was sie ein paar Tage vor ihrem Tod vernommen hat, was sie ja nachher erfahren sollte. Und die Folge davon war, daß sie auch die Sache gewußt hat.

[ 28 ] What is going on here? As I have already told you, gentlemen, at night the “I” and the astral body leave every human being. So when the sick woman was asleep, the “I” and the astral body were not present in the body lying in the bed. That which is now called the “protective spirit” could not approach the man directly, because he possessed the clear, sober thinking that people have cultivated over the centuries. Had Mr. Burle possessed that sober thinking back then—which, of course, he certainly did not have as a young boy, for he would have been just as far from being a scholar then as he is today—he would not have heard it, for such sounds are drowned out and blown away by sober thinking. Mr. Varley, on the other hand, possessed this sober way of thinking. His guardian spirit could not have frightened him so easily. In fact, this guardian spirit even took the detour of using his sleeping, sick sister-in-law in her astral body, so that it led the astral body to his bed, through which he was then frightened. The sister-in-law would never have known about this. She could easily have forgotten such a so-called dream and would not have been able to recount it had she been a healthy person. She died a few days later, at which point the astral body would have entered the spiritual world anyway. It had already prepared itself for that. As a result, the sick person was able to retain more easily something she had perceived a few days before her death—something she was destined to learn afterward. And the result of this was that she also knew about the matter.

[ 29 ] Sie sehen also, wenn man solche Dinge richtig beobachtet, dann kommt man darauf, eben wirklich über sie so zu sprechen, wie man davon spricht, wenn man irgendwo im Laboratorium eine Retorte hat, eine Flamme darunter hat, man gibt meinetwillen da Schwefel hinein, er ist erst gelb, aber dann wird er braun, später rot. Das kann man beschreiben. So kann man auch beschreiben, wie es mit den geistigen Erscheinungen zugeht, wenn man ein wirklich gesundes Denken darauf anwendet. Aber das muß natürlich die Grundbedingung sein. Nun wird in unserer Zeit alles dadurch verworren gemacht, daß eben dieses verwirrte Denken, das ich Ihnen beschrieben habe, herrschend ist. Und ich habe Ihnen dieses verwirrte Denken nicht bloß deshalb beschrieben, um Ihnen dieses Denken zu beschreiben, sondern ich habe es beschrieben, weil ich Sie darauf aufmerksam machen wollte, wie selbst bei einem Menschen, in dessen Schicksal eingegriffen werden sollte, der also noch etwas auf der physischen Erde zu tun hatte, die Sache so war, daß, da er niemals ein direktes Wahrnehmen hätte haben können, dieser Umweg gewählt wurde über die Kranke. Aber man muß die Sache in der richtigen Weise einsehen.

[ 29 ] So you see, if one observes such things correctly, one comes to speak about them exactly as one would speak about them when, for example, one has a retort somewhere in a laboratory with a flame beneath it; let’s say one puts sulfur into it—at first it is yellow, but then it turns brown, and later red. That can be described. In the same way, one can also describe what happens with spiritual phenomena when one applies truly sound thinking to them. But that, of course, must be the fundamental condition. Now, in our time, everything is made confusing by the very fact that this confused thinking, which I have described to you, is prevalent. And I have described this confused thinking to you not merely for the sake of describing it, but because I wanted to draw your attention to how, even in the case of a person whose destiny was to be intervened in—that is, who still had something to do on the physical earth—the situation was such that, since he could never have had a direct perception, this roundabout route was chosen via the sick woman. But one must understand the matter correctly.

[ 30 ] Ich glaube, ich habe Ihnen schon einmal erzählt, was mir mit dem Arzte Schleich passiert ist, der vor kurzem in Berlin gestorben ist, der also ein ganz berühmter Mann in Berlin war, ein berühmter Chirurg, der aber auch eine gewisse Hinneigung hatte — er war gescheiter als die anderen Ärzte —, solche Dinge zu verstehen. Nun, dem Schleich passierte einmal folgendes. Eines Abends kommt zu ihm ein Mensch und sagt zu ihm: Ich habe mir jetzt gerade eben in meinem Büro eine Feder in meine Hand hineingestoßen, da ist etwas Tinte hineingeflossen. Sie müssen mir die Hand sogleich abnehmen, amputieren, denn sonst sterbe ich an Blutvergiftung. — Schleich sagte: Ja, aber, mein Herr, ich muß mir erst die Wunde ansehen. — Nein, sagte der Mann, das muß gleich gemacht werden! — Das geht nicht, das darf ich doch nicht tun! sagte Dr. Schleich. Dann sah er sich die Wunde an und sagte: Die Wunde kann man ja sehr leicht aussaugen. — Da saugte er ihm die Wunde aus. Der Patient bestand darauf, daß ihm die Hand abgenommen werde. — Ich kann Ihnen die Hand nicht abnehmen —, sagte der Arzt, Da sagte der Mann: Dann muß ich sterben! — Er glaubte nicht, daß die Wunde harmlos war; er sagte, er müsse sterben.

[ 30 ] I think I’ve already told you once what happened to me with Dr. Schleich, who died recently in Berlin—he was a very famous man in Berlin, a famous surgeon, but he also had a certain inclination—he was smarter than the other doctors—to understand such things. Well, the following happened to Schleich once. One evening, a man came to him and said: “I just stabbed a pen into my hand in my office a moment ago, and some ink has seeped in. You must cut off my hand immediately—amputate it—or else I’ll die of blood poisoning.” —“Yes, but, sir,” said Schleich, “I must first examine the wound.”—“No,” said the man, “it must be done right away!”—“That’s not possible; I’m not allowed to do that!” said Dr. Schleich. Then he examined the wound and said, “The wound can very easily be sucked out.” — So he drained the wound for him. The patient insisted that his hand be amputated. — “I can’t amputate your hand,” said the doctor. Then the man said, “Then I’ll have to die!” — He didn’t believe the wound was harmless; he said he would have to die.

[ 31 ] Nun, da wurde dem Dr. Schleich ganz unheimlich. Dann telephonierte ein anderer Arzt bei ihm an und meldete: Der Patient erzählte mir, er sei bei Ihnen gewesen, Sie wollten ihm aber nicht die Hand abschneiden. Jetzt ist er bei mir. — Aber dieser Arzt konnte ihm die Hand auch nicht abnehmen wegen der kleinen Stichwunde. Dr. Schleich konnte die ganze Nacht nicht schlafen, so unheimlich war ihm die Sache.

[ 31 ] Well, that really spooked Dr. Schleich. Then another doctor called him and reported: “The patient told me he’d been to see you, but that you wouldn’t cut off his hand.” Now he’s with me.” — But that doctor couldn’t amputate his hand either because of the small stab wound. Dr. Schleich couldn’t sleep all night—that’s how unsettling the whole thing was to him.

[ 32 ] Am nächsten Tag ging er hin in das Haus, wo der Mann wohnte: er war in der Nacht gestorben! Er wurde seziert, und es war keine Rede von Blutvergiftung. Aber der Mann hat sterben müssen. Nun, Schleich hat sich einfach gesagt: Das ist ein Tod durch Suggestion — wie man heute, nicht wahr, ja weiß: Suggestionen finden statt. Unter dem Eindruck von Suggestion wird alles mögliche gemacht. Man kann ja manches bewirken durch Suggestion.

[ 32 ] The next day, he went to the house where the man lived: he had died during the night! An autopsy was performed, and there was no sign of blood poisoning. But the man had to die. Well, Schleich simply told himself: This is a death caused by suggestion—as we know today, don’t we, that suggestion does occur. Under the influence of suggestion, all sorts of things are done. One can indeed bring about many things through suggestion.

[ 33 ] Damit Sie einen Begriff bekommen, was man durch Suggestion bewirken kann, will ich Ihnen doch das Folgende mitteilen. Zum Beispiel kann man jemandem sagen: Ich lege dir ein Zugpflaster auf, ein Spanisches Pflaster! — aber man klebt ihm bloß ein kleines Löschzettelchen auf, und der kriegt eine große Blase! Da dringt das Seelische in das Körperliche hinein. So etwas kann man bewirken. Das weiß heute jeder, der sich mit solchen Dingen beschäftigt, daß man das machen kann. Schleich sagte sich: Nun, da hat der Mann sich eingebildet, er stirbt. Also hat diese Einbildung suggestiv auf ihn gewirkt, also Tod durch Suggestion.

[ 33 ] To give you an idea of what can be achieved through suggestion, I’d like to share the following with you. For example, you can say to someone: “I’m going to put a drawing plaster on you, a Spanish plaster!” — but you simply stick a small piece of scrap paper on them, and they get a huge blister! That’s how the psychological penetrates the physical. You can bring about something like that. Anyone who deals with such matters today knows that this is possible. Schleich said to himself: “Well, the man imagined he was dying.” So this imagination had a suggestive effect on him—death by suggestion.

[ 34 ] Er wollte mir durchaus nicht glauben, daß das ein Unsinn ist. Das war nämlich in diesem Fall ein Unsinn, daß der Mann den Tod durch Suggestion gehabt habe, denn etwas ganz anderes lag vor. Sehen Sie, die Nerven dieses Mannes waren zerstört, weil er in der Aufregung der neueren Zeit als Büromensch und als Geschäftsmensch ganz zerstörte Nerven hatte; Blut war in die Nerven hineingeflossen. Man konnte das Blut in den Adern ganz gut untersuchen, das war in Ordnung. Und als man die Nerven untersuchte, da war nur so wenig Blut darinnen, was durch äußere Mittel nicht untersucht werden kann, aber die Nerven waren zerstört durch das Eindringen von Blut. Dadurch war der Mann kribbelig geworden, hat sich die Feder in die Hand hineingestoßen, weil er tapsig war, und ohne daß es äußerlich viel bemerkt werden konnte, war er schon ein gezeichneter Mensch für die nächste Nacht. Aus inneren Gründen mußte er sterben, weil sein Nervensystem von Blut durchdrungen war. Und da hat er die Vorahnung bekommen und wurde ängstlich, so daß also die seelische Wirkung gerade umgekehrt war. Schleich hat geglaubt, der habe sich den Tod suggeriert. Den Tod hat er sich nicht suggeriert, der Tod war gekommen durch seine physische Organisation, aber die Vorahnung hat er in der Seele gehabt, daß der Tod kommen wird.

[ 34 ] He absolutely refused to believe me that this was nonsense. In this particular case, it was indeed nonsense to suggest that the man had died as a result of suggestion, because something entirely different was at play. You see, this man’s nerves were destroyed because, in the stress of modern life as an office worker and a businessman, his nerves were completely shattered; blood had flowed into his nerves. The blood in his veins could be examined quite well—it was fine. And when the nerves were examined, there was so little blood inside them—something that cannot be detected by external means—but the nerves were destroyed by the intrusion of blood. As a result, the man had become jittery; he jabbed the pen into his hand because he was clumsy, and even though it wasn’t very noticeable on the outside, he was already a man marked for death the very next night. He had to die for internal reasons, because his nervous system was permeated with blood. And that’s when he got the premonition and became anxious, so that the psychological effect was exactly the opposite. Schleich believed that the man had suggested death to himself. He did not suggest death to himself; death had come about through his physical constitution, but he had the premonition in his soul that death would come.

[ 35 ] Sehen Sie, da haben Sie ein eklatantes Beispiel, wie man richtig denken muß, wenn man in die Geistwelt hineinschauen will. Man muß ganz richtig wissen, wo sozusagen der Hase im Pfeffer liegt, sonst kann man ein großer gelehrter Herr sein und doch die geistige Welt ganz falsch deuten, Das ist ja gerade dem Sir Oliver Lodge passiert, der einer der größten Physiker Englands ist. Dem Oliver Lodge ist gerade das passiert, daß er die geistige Welt falsch gedeutet hat. Denn ihm ist sein Sohn in einer der Schlachten gefallen, die jetzt im Weltkrieg stattgefunden haben. Er war furchtbar traurig, daß er seinen Sohn, Raymond Lodge, verloren hatte, und da ist er verwickelt worden in ein ganzes Gewebe von Medien. Ein sehr geschicktes Medium ist ihm gebracht worden, und es ist arrangiert worden, daß durch dieses Medium sein Sohn Raymond nach dem Tode zu ihm gesprochen hat. Nun, unter dem Eindruck, daß der Sohn gestorben ist auf dem deutschen Kriegsschauplatz, hat das natürlich einen großen Eindruck auf ihn gemacht und war ihm auch ein großer Trost.

[ 35 ] You see, there you have a striking example of how one must think correctly if one wants to gain insight into the spiritual world. You have to know exactly where the crux of the matter lies, so to speak; otherwise, you can be a highly learned gentleman and still interpret the spiritual world completely wrong. That is precisely what happened to Sir Oliver Lodge, who is one of England’s greatest physicists. What happened to Oliver Lodge was precisely that he misinterpreted the spiritual world. For his son had fallen in one of the battles that took place during the World War. He was terribly saddened by the loss of his son, Raymond Lodge, and so he became entangled in a whole web of mediums. A very skilled medium was brought to him, and arrangements were made so that, through this medium, his son Raymond could speak to him after his death. Well, given that his son had died on the German front, this naturally made a great impression on him and was also a great comfort to him.

Wandtafel 1
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Chalkboard 1
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[ 36 ] Aber nun ist Sir Oliver Lodge auch ein außerordentlich großer Gelehrter und glaubt nicht so ohne weiteres. Aber da passierte wieder etwas, wodurch er fast gar nicht anders konnte als glauben. Und siehe, was passiert war, ist das Folgende. Das Medium machte ihm, wie man sagt, aus dem Trancezustand, also aus einem halbbewußten Zustand heraus kund, daß sein Sohn in den letzten Tagen, bevor er gestorben war, sich habe photographieren lassen und erzählte ihm, es seien aber zwei Photographien vorhanden.

[ 36 ] But Sir Oliver Lodge is also an exceptionally great scholar and does not believe things so readily. But then something happened again that left him with almost no choice but to believe. And behold, what had happened was as follows. The medium, as they say, communicated to him from a trance—that is, from a semi-conscious state—that his son had had his photograph taken in the last few days before he died, and told him that there were, in fact, two photographs.

[ 37 ] Nun kommt es sehr häufig vor, daß von solchen Photographen einige Aufnahmen hintereinander gemacht werden, und meistens läßt man die Leute bei der zweiten Aufnahme etwas anders sitzen. Das Medium sagt also, der Sohn sitze anders auf der zweiten Aufnahme und beschreibt, wie diese etwas anders ist als die erste, ganz richtig. Und gleich hat sich Oliver Lodge gesagt: Donnerwetter, wenn das wahr wäre, was die mir beschreibt: ein paar Tage vor dem Tod photographiert, in zwei verschiedenen Stellungen! — Das konnte damals in England noch niemand wissen, daß das wahr ist, weil es kurze Zeit vor dem Tode erst geschehen war; denn die Sitzung hat vierzehn Tage oder drei Wochen nach dem Tod des Sohnes stattgefunden. Siehe da, acht Tage, nachdem die Sitzung stattgefunden hat, kommen auf dem Wege der Post — die Pakete gingen ja damals alle sehr langsam — die zwei Photographien in London an, und es stimmt, stimmt absolut! Also konnte er nichts anderes glauben, nach seiner Ansicht, als der Sohn habe ihm das aus dem Jenseits erzählt.

[ 37 ] It is very common for such photographers to take several pictures in succession, and usually they have the subjects sit in slightly different positions for the second shot. The medium therefore says that the son is sitting differently in the second photograph and describes, quite correctly, how it differs slightly from the first. And Oliver Lodge immediately thought to himself: Good heavens, if what she’s describing to me were true—photographed a few days before his death, in two different poses!—No one in England at the time could have known that this was true, because it had happened only a short time before his death; for the séance took place fourteen days or three weeks after the son’s death. Lo and behold, eight days after the séance took place, the two photographs arrived in London by mail—packages traveled very slowly back then—and they matched, they matched perfectly! So, in his view, he could believe nothing else but that his son had told him this from the afterlife.

[ 38 ] Und doch war es nicht so in diesem Falle, sondern das Medium war schon in Trance, in einen anderen Zustand gekommen und hat ein Vorgesicht gehabt, wie es ja vorkommt, hat also nur ein Vorgesicht davon gehabt. Die Personen, die da um das Medium herum saßen, die haben erst jetzt, nach acht Tagen, von den Photographien gewußt, als sie angekommen waren, das Medium aber hatte ein Vorgesicht davon und hat sie schon acht Tage früher gesehen. Es war also da keine Verbindung mit dem Jenseits, sondern alles geschah auf der Erde. Das Medium hatte nur ein Vorgesicht, und Oliver Lodge hatte sich doch täuschen lassen. So vorsichtig muß man sein! Also alles ist richtig, daß der Mensch über den Tod hinaus lebt, daß er sich auch kundgeben kann, aber sicher muß man sein. Wenn da der Raymond Lodge in englischer Sprache das mitteilt: Zwei Photographien habe ich kurz vor meinem Tode machen lassen, die Stellungen haben sich geändert —, so muß man sich fragen, ob das von ihm stammt. Denn nach dem Tode hört das auf, sich in englischer Sprache mitzuteilen; sonst müßte der Geist auch Englisch können. Die Angaben müssen also aus dem Unterbewußtsein des Mediums herrühren, aus dem, was im gewöhnlichen Leben nicht bewußt ist.

[ 38 ] And yet that was not the case here; rather, the medium had already entered a trance, had entered a different state, and had a premonition—as does happen—so she had merely had a premonition of it. The people sitting around the medium only found out about the photographs now, eight days later, when they arrived; but the medium had had a premonition of them and had already seen them eight days earlier. So there was no connection with the afterlife; rather, everything took place on Earth. The medium had merely had a premonition, and Oliver Lodge had allowed himself to be deceived. That’s how careful one must be! So it is all true that a person lives on beyond death, that they can also make themselves known, but one must be certain. When Raymond Lodge communicates this in English—“I had two photographs taken shortly before my death; the poses have changed”—one must ask oneself whether this actually comes from him. For after death, communication in English ceases; otherwise, the spirit would also have to know English. The information must therefore originate from the medium’s subconscious—from that which is not conscious in ordinary life.

[ 39 ] Ich wollte Ihnen damit, gerade weil ich durch die Frage des Herrn Burle veranlaßt worden bin, heute solche heiklen Dinge zu erzählen, auch sagen, wie vorsichtig man sein muß, denn man ist verantwortlich für das, was man sagt; ich wollte zeigen, wie man nicht nur einen beliebigen Begriff aufnehmen kann, sondern allem nachgehen muß. Und dann erst, wenn man lange nachgedacht hat darüber, kann man sagen: Ja, da hat eben gesprochen ein schützender Geist. — Aber daß die Worte in deutscher Sprache zum Ausdruck gekommen sind, das ist erst durch Vermittlung des Menschen geschehen. Und wenn irgendwelche Menschen irgend etwas nicht machen können, so mußten erst von der geistigen Welt aus ihre Muskeln gelähmt werden. Es muß alles durch den Menschen gehen.

[ 39 ] Precisely because Mr. Burle’s question prompted me to discuss such sensitive matters today, I also wanted to tell you how careful one must be, for one is responsible for what one says; I wanted to show that one cannot simply accept any concept at face value, but must investigate everything thoroughly. And only then, after thinking about it at length, can one say: Yes, a protective spirit has indeed spoken. — But the fact that the words were expressed in the German language happened only through human mediation. And if certain people are unable to do something, their muscles must first have been paralyzed by the spiritual world. Everything must pass through human beings.

[ 40 ] Dann, wenn man das einmal als Grundlage gelernt hat, kann man weitergehen. Davon wollen wir dann am nächsten Samstag weiter sprechen.

[ 40 ] Once you've learned that as a foundation, you can move on. We'll talk more about that next Saturday.