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The Rudolf Steiner Archive

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Der Kreislauf des Menschen
innerhalb der Sinnes Seelen und Geisteswelt
GA 68b

5 April 1906, Berlin

31. Die Planetenentwicklung

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Über ein sehr schwieriges, ich möchte fast sagen, bedenkliches Thema werde ich heute zu sprechen haben: über die Entwicklung eines Planeten, vor allen Dingen natürlich anknüpfend an die Entwicklung unseres eigenen Planeten im theosophischen Sinne. Und mehr vielleicht als bei irgendeinem anderen dieser Vorträge wird es heute nötig sein, an die volle Unbefangenheit der Zuhörer zu appellieren. Denn für eine solche Betrachtungsweise, wie man sie gegenwärtig fast einzig und allein gewohnt ist — also im materiellen, rein physischen Sinne eine solche Frage zu behandeln wie diejenige der Planeten-Entwicklung —, wird dasjenige, was die Theosophie zu sagen hat, selbstverständlich ganz phantastisch erscheinen müssen.

[ 2 ] Auch ist der Umfang dessen, was wir heute zu besprechen haben, sehr groß. Und das Forschungsgebiet, um das es sich dabei handelt, ist ein so entlegenes, dass ich Ihnen selbstverständlich heute ganz unmöglich — in einem kurzen Vortrag — ausführlich über die Art und Weise werde sprechen können, wie solche Erkenntnisse gewonnen werden. Ganz unmöglich werde ich Ihnen eine Herleitung geben können dessen, was ich zu sagen habe. Ich werde nur erzählen können, nur aufmerksam machen können auf dasjenige, was ausführlich zu besprechen nicht einen, sondern viele, viele Vorträge, ja Bücher, umfassen müsste. Ich werde gar nicht einmal in der Lage sein, Ihnen den Gegenstand so vorzuführen, wie er dem sogenannten Okkultisten oder Geheimforscher sich darbietet, sondern ich werde meine Zuflucht nehmen müssen zu Vergleichen, zu Analogien.

[ 3 ] Ich bitte Sie, dabei zu berücksichtigen, dass die Art und Weise, wie ich den Gegenstand heute behandeln werde, nicht zugleich diejenige ist, in welcher der Geheimforscher oder Okkultist zu diesen Resultaten kommt, sondern dass es sich heute nur, wenn irgendein Gleichnis herangezogen wird, um die Möglichkeit handelt, sich überhaupt verständlich zu machen. Die Erkenntnisse selbst sind aus ganz anderen Quellen gewonnen. Und wenn wir ausführlich in einem der nächsten Vorträge über innere Entwicklung sprechen werden, so werden wir auch etwas über die Quellen, aus denen solche Erkenntnisse wie die heutigen geschöpft sind, erfahren.

[ 4 ] Im Sinne der theosophischen Weltanschauung ist der Mensch — das durfte ich Ihnen gerade auch in Anknüpfung an Vorträge der letzten Wochen erwähnen —, ein werdendes, ein in Entwicklung begriffenes Wesen.

[ 5 ] Er sieht in eine Zukunftsperspektive hinein, welche ihn berechtigt, zu sagen, in seiner Brust befinde sich — wiederum ein Vergleich — etwas Geistiges, ein Ruhesein, ein göttlicher Funke, besser gesagt, ein Ruhesein, ein göttlicher Same. Der Mensch der Zukunft wird etwas ganz anderes sein als heute. Nun kann der Einwand erhoben werden: Wie kann der Mensch wissen, was er in der Zukunft sein wird? Er kann es aus dem Grunde wissen, weil er die Anlage, den Keim der Zukunft schon in sich trägt. Der Sinn der Selbsterkenntnis ist kein anderer als der: Anlagen, Keime, die heute noch tief verborgen in der Menschenbrust ruhen, zu studieren, um aus ihnen zu entnehmen, was der Mensch in der Zukunft werden kann. So sieht der Mensch in seine eigene Zukunft hinein.

[ 6 ] Auf der anderen Seite sind alle höheren Wesen — Sie wissen aus früheren Vorträgen, dass die Theosophie von höheren Wesen spricht als der Mensch es ist —, alle göttlichen Wesen sind für die theosophische Weltanschauung Wesenheiten, die gleichartig sind mit den Menschen, die auf ähnlicher Stufe ihre Entwicklung durchgemacht haben, wenn auch auf anderen Schauplänen. Man könnte sagen: Die Götter haben auch ihre Zeit des Menschentums in früheren Epochen abgedient. Sie waren Menschen und sind zu dem schon geworden, was der Mensch in der Zukunft werden wird. So sind in der theosophischen Weltanschauung göttlich-geistige Wesen über die Stufe der Menschheit hinausgeschrittene Individualitäten.

[ 7 ] Der Mensch ist ein noch nicht bis zur Stufe der Göttlichkeit sich emporgerungenes Wesen. In diesem Sinne müssen wir den Menschen hineinstellen in eine ganze Stufenfolge von Wesenheiten. Dann werden wir die Voraussetzung geschaffen haben, um im Sinne einer geistigen Forschung die planetarische Entwicklung betrachten zu können. Ausdrücklich sei hervorgehoben, dass diese geistige Forschung, wenn im richtigen Sinne verstanden, in keiner Weise der sinnlichen wissenschaftlichen Forschung unserer Tage widerspricht, ebenso wenig wie es widerspricht, wenn ein Anatom den Leichnam eines großen Künstlers anatomisch durchforscht, und seine anatomischen Resultate registriert; ebenso wenig wie es widerspricht dem, was ein Kunstgeschichtsforscher über diese Künstler zu sagen hat, ebenso wenig widerspricht dasjenige, was der mit dem Materiellen sich beschäftigende Forscher über Mond, Sonne und Erde zu sagen hat, dem, was die Theosophie über diese Weltkörper zu sagen hat. Beide Dinge gehen durchaus verträglich nebeneinander her. Und wenn auch das dem materiell Forschenden gewiss auch vom Standpunkte des Unfehlbarkeitsdünkels sich den Ergebnissen der geistigen Forschung schroff gegenüberstellt, so müssen wir doch sagen, eine solche Opposition ist nicht minder möglich als die Opposition des Anatomen, der einen Leichnam seziert und etwas finden wird gegen das, was ein Kunsthistoriker über diesen Menschen sagt.

[ 8 ] Dies vorausgesetzt — wenn wir hinaufblicken in die Weltenkörper, wo wir nicht nur materielle Dinge zu sehen haben, sondern in diesen Dingen den Ausdruck für geistige Wesenheiten zu sehen haben, werden wir auch für den Menschen den Ausdruck finden, in dem Gedanken, den Goethe in «Faust» angedeutet hat, als er den Erdgeist charakterisierte:

In Lebensfluten, im Tatensturm
Wall ich auf und ab
Webe hin und her!
Geburt und Grab,
Ein ewiges Meer,
Ein wechselnd Weben,
Ein glühend Leben.
So schaff ich am sausenden Webstuhl der Zeit
Und wirke der Gottheit lebendiges Kleid.

[ 9 ] Wer sich nicht aufschwingen kann dazu, einzusehen, dass es eine Wirklichkeit ist, von dem Geiste des Merkur und der Sonne zu sprechen, und dass das, was das Auge sieht und wir mit unseren Instrumenten erforschen können, sich zu dem, was in der Theosophie gesprochen wird, genau ebenso verhält wie die äußeren Körper des Menschen zu seiner Seele, wer sich nicht dazu aufschwingen kann, für den werden die theosophischen Ergebnisse vergeblich gesprochen sein.

[ 10 ] Als es noch eine mehr bewusste geistige Forschung in der Gelehrsamkeit gab als die heutige, da waren schon die Benennungen unserer Weltkörper, vor allen Dingen derjenigen, die zu unserem Sonnensystem gehören, in einem ganz anderen Sinne gemeint. Die alten Benennungen Merkur, Mars, Jupiter usw. meinten nicht bloß die materiellen Körper; in diesen materiellen Körpern sahen sie die Leiber von geistigen Wesenheiten. Und die Namen galten den geistigen Wesenheiten, sodass wir in «Merkur» ursprünglich den Namen haben für den planetarischen Geist des Merkur. Ebenso für Mond, Sonne, Mars, Venus usw. Das ist eine Voraussetzung, an die wir uns durchaus halten müssen, wenn wir das verstehen wollen, was ich jetzt gesagt habe.

[ 11 ] Zunächst lassen Sie mich den Sinn der Erdentwicklung in einem Vergleiche hinmalen. Versetzen Sie sich zurück in einen früheren Zeitpunkt unserer Erdenentwicklung, in den Zeitpunkt, den unsere Naturforschung auch annehmen muss: nämlich in den Zeitpunkt vor dem Betreten der Erde durch den Menschen. Unsere Naturforschung gibt durchaus einen solchen Zeitpunkt an, in dem die verschiedenen anderen niederen Wesen in mannigfaltigen Formen da waren, und einen Zeitpunkt, in dem der Mensch im Wesentlichen in seiner jetzigen Gestalt, als sinnlich-wirkliches Wesen, diese Erdenentwicklung betreten hat. Über die Form regen Sie sich nicht auf. Sie soll nichts anderes besagen als, wenn wir zurückgehen in der naturwissenschaftlichen Forschung, so werden wir einen Zeitpunkt finden, wo der Mensch noch nicht da war.

[ 12 ] Betrachten wir die Erde, wie sie sich in diesem Zeitpunkt darstellt. Wir haben den Zeitpunkt, in dem der Mensch in keiner Weise etwas an dieser Erde verändert haben kann. Gar nichts ist von dem Menschen an dieser Erde gearbeitet gewesen. Denn er war ja überhaupt noch nicht da. Wir müssen also sagen: Der Zeitpunkt, von dem wir jetzt sprechen, stellt uns die Erde so dar, wie sie von den Naturkräften hergerichtet worden ist. Damit der Mensch aber eingreifen kann mit seiner eigenen Kulturarbeit — geistig-religiös gesprochen —, würde sich das so ausnehmen, dass ich sagen müsste: Die Erde ist aus der Hand der Götter, ohne menschliches Eingreifen, dem Menschen überantwortet worden.

[ 13 ] Nun beginnt die stufenweise Arbeit des Menschen an der Erde. Wenn wir die rein geschichtliche Forschung verfolgen, so erfahren wir, dass diese uns lehrt, wie erst mit primitiven Werkzeugen der Mensch die Erde zu bearbeiten anfängt. Wir stellen uns vor, wie von ihm zu beiden Seiten des Nils Steine herangetragen werden, und wie nun die Pyramiden geformt werden. Noch weiter blicken wir zurück, wo die Menschen mit einfachen Werkzeugen, aus Feuerstein geformt, die ersten Kulturwerke schufen. Wir sehen, [wenn wir] weiter[schreiten], wie der Mensch immer mehr [die] Naturkräfte in seine Hand bekommt. Zunächst ist uns dann klar, dass das, was uns heute in die Augen fällt, nicht da wäre, wenn nicht menschlicher Geist und menschliche Hände gearbeitet hätten. Versuchen wir, uns in die Zeit zu versetzen, in der noch keine menschliche Hand, kein menschlicher Geist gearbeitet hat. Versuchen Sie sich klarzumachen, was die Dinge um Sie herum sind. Sie sind das Ergebnis von Naturkräften, das Ergebnis aber auch von menschlicher Arbeit. So blicken wir zurück auf den Zeitpunkt, wo die menschliche Arbeit eingesetzt hat.

[ 14 ] Lassen wir nun den Blick heraufschweifen bis in unsere Zeit, wo menschliche Arbeit diesen Planeten umgeändert hat. Vergleichen wir die Oberfläche unserer Erde mit der Oberfläche von dazumal. Wir versetzen uns an die Stelle eines Beobachters, der außer unserer Erde wäre und diese zwei Zeitpunkte miteinander vergleichen und der dann sagen kann: Das ist die Erde, ohne dass menschliche Arbeit eingegriffen hatte, und dann auf der anderen Seite, das hat die menschliche Arbeit getan. — Diese Menschenarbeiten können weiterschreiten. Sie werden immer mehr den Erdplaneten umgestalten. In Gedanken können Sie sich mindestens den späteren Zeitpunkt der Erdentwicklung denken, wo wiederum ein unbefangener Beobachter diesen Erdplaneten anschaut, jetzt aber so, dass, wenn er sie von außen anschaut, es ihn vorkommen würde, wie wenn Sie diesen Raum anschauen würden. Hier ist nichts mehr, was bloß Naturgeschehen hat. Da finden Sie nichts mehr von ursprünglichen Kräften, wie sie ein Fließen im Freien sind. Es ist alles künstlich aufgebaut. So könnten Sie sich einen Zeitpunkt der Erdentwicklung denken, wo tatsächlich alles, was durch Menschenhand umzugestalten ist, durch die Menschenhand wirklich umgestaltet worden ist so, dass der Beobachter eine zum Kunstwerk umgestaltete Erde sehen würde. Allerdings müsste die Natur noch mehr von den menschlichen Arbeitskräften umgewandelt und von den Menschen erobert werden.

[ 15 ] Aber nichts hindert uns daran, zu denken, dass die Elektrizität und andere Naturkräfte, die in den Dienst der Menschen gerückt worden sind, ja, dass noch viel bedeutsamere Erdenkräfte in den Dienst der menschlichen Kultur gestellt werden können. Da sehen wir die Erde zunächst in der jetzigen Entwicklung an einem Ziele angekommen. Wir leisten unsere Arbeit so, dass der Mensch sie nach diesem Ziele hin leistet. Wenn wir nicht eingreifen könnten in das Wachstum der Pflanzen, wenn es nicht wäre, wie es geschehen ist, so könnten wir nicht Herr werden über die Kräfte der Entstehung der höheren Lebewesen, sondern es könnte nur das Leblose, die mineralische Natur vollständig umgewandelt werden, sodass die Form des Planeten das Ergebnis seiner Arbeit beim Endziel des Erdenplaneten wäre.

[ 16 ] Jetzt blicken wir noch einmal zurück zu dem Zeitpunkte, wo die menschliche Arbeit noch nicht eingesetzt hat. Alles, was schon dagewesen ist, was schon entwickelt war, das betrachtet die theosophische Weltanschauung in keiner anderen Weise. Alles Entstandene und Gewordene ist also ähnlich zustande gekommen wie diese Prozesse, die ich Ihnen jetzt vergleichsweise habe andeuten dürfen. Die Wesenheiten, von denen ich gesagt habe, dass sie von Menschen zu Göttern aufgestiegen sind, und die die Menschen als die Höheren anschen, sie haben damals ihre Arbeit getan. Ebenso wie ein jüngeres Wesen, wenn die Erde an ihrem Ziele angelangt sein wird, den Erdplaneten aus der Hand der Menschen empfangen wird und dann daran weiterarbeiten kann, ebenso hat der Mensch diesen Planeten empfangen aus den Händen der Götter. Dasjenige, was er vorgefunden hat, haben die Götter werden lassen, ganz genau in derselben Weise und Form, wie der Mensch die Erde hat entstehen lassen. So ist die bloße Naturentwicklung, ehe es eine Kultur auf diesem Erdplaneten gegeben hat, ehe ein einfacher Mensch, mit einfachen Werkzeugen oder, sagen wir, mit den Händen, irgendwie etwas berührt hat auf der Erde, war die Erde das Werk der Götter. Der Mensch hat in seiner Art von diesem Zeitpunkte an die Arbeit der Götter übernommen.

[ 17 ] Blicken wir die Sache von einem anderen Gesichtspunkte an, von dem Standpunkte der Erkenntnis. Der Mensch sucht zu erforschen, was rings um ihn ist, er sucht sich Gedanken zu machen über das, was denkerisch an und in der Welt ist. Schon öfter habe ich den Vergleich gebraucht: Wenn in diesem Glas kein Wasser wäre, dann könnte ich keines herausschöpfen. Alle unsere Gedanken, wenn wir über die Welt nachdenken, haben ihre Bedeutung. Sollen sie eine Bedeutung haben für die Welt, so müssen sie in der Welt drinnen sein. Natürlich wäre es ganz lächerlich, sich Gedanken über eine Welt machen zu wollen, in der keine Gedanken verkörpert sind. Wenn der Mensch über eine Welt nachdenkt und zu Gedanken über die Welt kommt, so muss die Welt — vergleichsweise — nach diesen Gedanken gebaut worden sein. Wenn der Mensch nun die Gesetze erforscht und zu Naturgesetzen kommt, was sind dann für ihn diese Naturgesetze, die sich in Gedanken ausdrücken? Nichts anderes, als was der Mensch daraus schöpft, ähnlich, wie er das Wasser aus dem Glase schöpft. Und ähnlich wie der Uhrmacher die Uhr nach seinen Gedanken geformt hat, und ein anderer hinterher, ohne dass er den Uhrmacher kennt, die Uhr besser zerlegen kann, ebenso kommt der Mensch und zergliedert die Welt hinterher. Er braucht den, der die Gedanken hineingelegt hat, gar nicht zu kennen. Und sonderbar wäre es zu sagen: Kein Uhrmacher hat die Gedanken in das Uhrwerk gelegt.

[ 18 ] Die neuere Wissenschaft hat so oft gesagt: Wir brauchen keine geistigen Urheber der Welt. Die Wissenschaft hat uns endlich dahin geführt, diese Welt rein mechanisch zu begreifen und zu verstehen, wie die einzelnen Glieder ineinander greifen. Also brauchen wir keinen Schöpfer. — Das ist gerade so gescheit, wie wenn einer behauptet, weil einer die Uhr zu zerlegen versteht, so braucht er keinen Uhrmacher anzunehmen. Dass die Welt mechanisch begreiflich ist, das ist kein Beweis dafür, dass sie nicht ursprünglich nach Gedanken aufgebaut ist. Wenn wir also die Natur sehen in ihren Naturkräften und aus diesen auf die Gesetze schließen, so sind für die Philosophie diese Naturkräfte der Ausdruck ursprünglicher Göttergedanken und die Arbeit der Menschen in der Kunst, das sind Gedanken an einer späteren Arbeit gleicher Art wie die Arbeit der Götter an der Natur draußen. Sicht sich der Theosoph einen Felsen an, einen Kristall oder selbst ein Pflanzengebilde — obgleich hier die Sache schwieriger wird — dann sagt er sich: Alles das ist dem Geiste nach auf dieselbe Weise entstanden, wie entstanden ist eine Maschine, ein Kunstwerk, wie ein Kunstwerk eines Malers oder Musikers. Nur sind die Letzteren jüngere Produkte aus dem menschlichen Geist, der ein werdender Gott ist, wie die anderen aus dem reifen Gottesgeist heraus, der längst die Stufe der Menschen überschritten hat. Dies ist der Geist.

[ 19 ] Nun gehen wir etwas genauer auf die Sache ein. Wenn wir den Menschen so betrachten, wie er heute ist und lebt, [und] wenn wir nur etwas in der Geschichte zurückgehen, [so] erfahren [wir], dass alles, was uns umgibt, verhältnismäßig seit recht kurzer Zeit um uns geschaffen worden ist und dass der Mensch vor Jahrhunderten mit ganz anderen, primitiveren Kulturmitteln arbeitete. Und wenn wir weiter zurückgehen, so werden diese Kulturmittel immer primitiver, und da zeigt uns die Kulturgeschichte, dass die Menschen, die in den frühesten Zeiten leben, aus Stein sich Messer und Werkzeuge herausgeschlagen haben. So kommen wir also zu einem ursprünglichen Menschen auf der Erde, der in Bezug auf alles, was heute Ergebnis der intellektuellen Kultur ist, noch sehr weit zurück war. Der Verstand jenes Menschen, den die heutige Wissenschaft so gern den Urmenschen nennt, war sehr primitiv. Wir sehen also, dass sich die Verstandesfähigkeit in dieser Zeit entwickelt hat, herausgestaltet hat. So verfolgen wir selbst die Verstandesentwicklung zurück. Weiter gehen ja die Menschheits-Forschungen in der Kulturgeschichte nicht.

[ 20 ] Nun aber beginnt die Geistesforschung, die theosophische Forschung. Sie spricht in allerernstestem Sinne von der Entwicklung, von der Entwicklung alles dessen, was es gibt in unserer Umgebung. So, wie sich der Verstand nach und nach entwickelt hat, der anfangs nur ganz primitive Kulturmittel wie Feuersteinmesser und so weiter schaffen konnte, das Getreide zwischen zwei Mahlsteinen zerrieb, so war der Verstand nicht nur primitiv, sondern er war gar nicht da. Der Verstand, diese Intellektualität ist geworden. Die Intellektualität beginnt da — auf ebensolchen geistigen Tatsachen fußend, wie unsere Wissenschaft auf materiellen Tatsachen fußt — die Dinge weiter zu verfolgen, von denen die Kulturgeschichte spricht. Die Kulturgeschichte hebt aus den Erdschichten heraus, was sie findet. Einen ganz anderen Gesichtsausdruck hatte der Mensch offenbar. Sein Gehirn war das Werkzeug des Geistes, des noch nicht so entwickelten wie später. Aber von da aus gehen wir zurück in noch fernere Urzeiten. Und was ich öfter schon erwähnt habe, muss ich wiederum hier einschalten, um alles zu einem Ganzen zu machen. Wir kommen zu Menschen-Vorfahren zurück, die allerdings die Geologie nicht aufzuweisen vermag, die noch nicht Werkzeuge machten, die noch nicht das hatten, was wir Verstandeskraft, Intellektualität nennen, die aber dafür andere Geisteskräfte besaßen. Aus der materiellen Naturwissenschaft wissen Sie, dass die Erde nicht immer so ausgesehen hat wie heute, dass sie in ihrer Gestalt kontinuierliche Veränderungen durchgemacht hat, dass da, wo heute Land ist, früher Meer war, und das da, wo heute Meer ist, Land war. Die theosophische Weltanschauung spricht von Tatsachen, die selbst der Naturwissenschaftler wenigstens hypothetisch zugibt. Der Teil der heutigen Erdoberfläche, der heute vom Atlantischen Ozean ausgefüllt wird, der zwischen Europa, Afrika und Amerika liegt, der war einstmals Land. Das ist eine Tatsache für die geistige Forschung. Die Abhandlung von [Arldt] über Atlantis gibt nur Auskunft über die Tier- und Pflanzenwelt. Die theosophische Forschung aber spricht von der Gestalt des Menschen. Der Verstand war dazumal noch nicht entwickelt, andere geistige Fähigkeiten waren dazumal maßgebend.

[ 21 ] Vergleichsweise können Sie sich klarmachen, wie das gekommen ist. Wenn sehende Tiere einwandern in finstere Höhlen, so verlieren sie das Gesicht. Andere Kräfte bilden sich aus. Die Schkraft geht zurück. So ist überhaupt in der Entwicklung die Tatsache zu verzeichnen, dass mit der Ausbildung der einen Fähigkeit die andere allmählich zurücktreten muss. So treten mit der Ausbildung des Verstandes, der Intellektualität, andere geistige Kräfte, die der Mensch vor Zeiten hatte, zurück.

[ 22 ] Eine gewisse Art des Hellsehens, des dämmerhaften dunklen Hellsehens war eine hervorragende geistige Kraft bei der Bevölkerung der alten Atlantis. Das waren Menschen, deren Vordergehirn noch nicht entwickelt war. So war es bei den atlantischen Menschen, deren Vordergehirne nicht entwickelt gewesen sind; sie waren nicht intellektuell, aber mit einer gewissen Hellsichtigkeit begabt. Das Nachdenken war bei ihnen noch nicht ausgebildet. Daher konnte [der atlantische Mensch] auch keine Kultur haben. Keine Messer und Beile konnte er sich machen, er lebte eben auf eine ganz andere Art, aber er war in gewisser Beziehung hellsichtig. Sein Bewusstsein war so ausgebildet, dass er nicht nur in seiner Umgebung dasjenige wahrnehmen konnte, was die Sinne vermitteln, was durch die Tore der Sinne eintritt in die menschliche Seele, sondern seine Seele war imstande, noch Seelisches wahrzunehmen, wenn auch in einer sehr abgeschatteten Weise. Kam er in die Nähe eines anderen Menschen, dann nahm er nicht nur wahr, wie der Mensch ausschaute, nicht nur wahr, was der Mensch sieht, sondern er konnte anschaulich wahrnehmen, was für moralische Qualitäten der andere Mensch hatte. Das Seelische, das Innere, die Instinkte, die Leidenschaften und Begierden konnte er wahrnehmen mit einem ganz anders gearteten Geistesgemüt. Kam er in die Nähe eines Menschen, der wüste Begierden hatte, dann hatte er etwas anderes; man würde es heute Halluzinationen nennen. Es stiegen Farbgebilde in ihm auf von dem, was in jenem Wesen lebte. So war also eine ganze andere Wahrnehmung in jenen Zeiten vorhanden. So haben wir also ungefähr die atlantische Bevölkerung charakterisiert.

[ 23 ] Mit dieser Erkenntnistätigkeit war auch eine andere praktische Tätigkeit verknüpft. Sie können in meiner Zeitschrift «Lucifer — Gnosis», in den Aufsätzen von «13», Genaueres über diese Dinge lesen. Da ist es beschrieben, wie dazumal die Menschen arbeiteten. Werkzeuge hatten sie nicht, aber ebenso, wie sie hellsichtig waren, so waren sie in gewisser Weise mit magischem Wollen begabt. Sie waren fähig, das, was heute der Mensch nicht mehr kann, zu vollbringen. Sie waren fähig, eine Pflanze in ihrem Wachstum zu fördern, sie schneller wachsen zu lassen. Ich könnte Ihnen noch manches andere erzählen. Ich meine aber, das ist schon genug, denn es würde das in bedenklichster Weise aufgefasst werden können. Sie sehen aber, dass wir hier in einen Zeitpunkt unserer Erdentwicklung zurückleuchten, der einen ganz anderen Menschen hatte. Aber das müssen Sie bedenken: Ein anderes Wesen, das im Mittelpunkte einer solchen Entwicklung steht, fordert auch eine ganz andere Umgebung.

[ 24 ] Erforschen wir die Erde selbst in diesen uralten Zeiten, so ist diese Erde auch ganz anders. Die Verteilung von Wasser, Nebel, Wolken, Luft, die wir heute in der Umgebung der Erde haben, die gab es noch nicht in der alten Atlantis. Sie war ganz anders. Es war sozusagen die Luft geradezu geschwängert von Wasser. Nicht hatten wir es zu tun mit einer solchen Verteilung des Wassers in der Luft wie heute, sondern mit einer fortwährenden nebligen Luft. Wenn die germanische Mythologie von einem Nebelheim spricht, so ist das eine Erinnerung an die alte Atlantis mit ihrer Nebelluft. Erst bei dem späteren Prozess unserer Erdbildung gestaltet sich das heraus, was wir heute in unserer Umgebung haben. Erst mit dieser Umgebung war das Fortschreiten der Sinnes- und Verstandesentwicklung möglich. So blicken wir auf eine andere Gestaltung des Menschen und des Erdplaneten zurück. Den Menschen haben wir in gewisser Beziehung geistig als göttlich anzusehen, aber dieser unterscheidet sich doch wieder erheblich von der Geistigkeit unserer Zeit. Die Geistigkeit jener Zeit ist zurückgetreten. Aber das Erkennen, das den Verstand gebaut hat, ist hervorgetreten in unserer Zeit. Es hat das andere zurückgedrängt.

[ 25 ] Es wird ja für die Menschen eine andere Entwicklung kommen, wo die beiden vereint sein werden: selbstbewusste Verstandeserkenntnis mit dem zurückgetretenen Hellsehen. Das ist es, was beim Hellsehen wie eine Prophetie späterer Epochen jetzt schon hervortritt. Der Atlantier war noch nicht so bedeutend verschieden von den Menschen von heute, aber er war in gewisser Weise verschieden. Wenn ich mich grob und trivial ausdrücken darf, so möchte ich sagen: Er war noch nicht in so dichter Materie verkörpert, er war noch nicht so verhärtet in seinen Materien wie seit jener Zeit. Gerade so, wenn Sie die Tiere verfolgen, und hinaufkommen bis zu den Knorpelfischen und Knochenfischen, wie Sie zu Wesenheiten kommen, die in weniger dichter Materie verkörpert sind, so haben wir auch da Menschen gehabt, die einen feineren Organismus hatten, den sie dann mehr zu beherrschen verstanden.

[ 26 ] Der Naturforscher [Lord Kelvin] führt uns zurück in solche Zeiten — allerdings hypothetisch. Der Naturforscher hat ausgerechnet, wann sich die Erde in einem Zustande befunden haben muss, der noch kein Leben auf der Erde duldete. Nach der Menge von Wärme, die sie heute noch immer verliert und die sie einstmals besessen haben muss, muss sie einstmals so warm gewesen sein, dass auf ihr Wesen, welche heute auf ihr leben — wie Pflanzen, Tiere, Menschen —, damals nicht gelebt haben konnten. Mag diese Hypothese mehr oder weniger begründet sein — aber sie ist schr geistvoll und stützt sich auf gute Grundlagen. Es wird ausgerechnet, wie die Erde vor 30 Millionen Jahren in einem Zustande war, in dem es kein Pflanzenreich, kein Tierreich und kein Menschenreich gegeben hat. Diese waren in einem ganz anderen Zustand als planetarische Wesen.

[ 27 ] Verfolgen wir sie bis zu einem immer mehr und mehr feuerflüssigen und einem mehr und mehr feinmateriellen Zustand zurück. Also, was der Mensch als physischen Leib an sich trägt, das war damals noch nicht vorhanden. Wenn Sie den Gedanken festhalten, den ich vor Sie hingestellt habe, dann werden Sie ihn sich vergegenwärtigen und ausdenken können, wie des Menschen geistiger Teil damals doch gelebt haben kann, wie auch das, was geistig-seelisch in der Tier- und Pflanzenwelt ist, gelebt haben kann auf diesem Planeten, bevor er hervorgetreten ist in Pflanze, Tier und Mensch. Wir verfolgen den Menschen, wo er physisch weicher war, und dann noch, wo er viel feiner war, bis zu Zuständen, die sich gegenüber unserem heutigen Fleisch gallertartig und weiter zurück ätherisch und noch früher geistig ausnehmen, so dass wir ihn, indem wir in die Vergangenheit hineinblicken, immer vergeistigt finden. So haben wir alle Wesen zu betrachten.

[ 28 ] Wir kommen da auf einen Erdplaneten zurück, der in seiner Gestalt überhaupt noch kein festes Knochengerüst für unsere Erde darstellt, sondern eine weiche Nebelmasse. Wenn Sie sich nun die Wesen, die wir jetzt zurückverfolgt haben, weiter betrachten, so finden wir den Erdplaneten keineswegs so materiell, wie ihn die Naturwissenschaft darstellt. Wir finden ihn als noch flüssig, wo noch Pflanzen-, Tiere- und Menschenformen aufgetreten sind. Wir finden ihn aber auch schon bevölkert von Wesen in geistigem Zustande. So sehen wir, wie die Erde sich weiterentwickelt.

[ 29 ] Ich möchte noch durch einen Vergleich klarmachen das, was natürlich etwas schwierig zu fassen ist. Betrachten Sie die heutige Steinkohle, Sie graben sie aus der Erde heraus. Sie ist heute leblos. Wenn Sie auf Jahrmillionen der Vergangenheit zurückblicken, dann war diese Steinkohle noch innerhalb weit ausgedehnter Wälder. Diese Wälder mit ihrem Gehölz gingen zugrunde, wurden von der Erde bedeckt und verwandelten sich — im Laufe von Jahrmillionen — in das, was wir als Steinkohle herausgraben. Das ist der tote Leichnam ehemaliger Pflanzengebilde. Die Pflanze ist zu Stein geworden.

[ 30 ] Soweit die äußere materielle Betrachtungsweise. Für die geistige Forschung ergibt sich noch etwas anderes. Der Geistesforscher sieht, wie das Lebendige zu Totem wird, wie ein Stein geworden ist aus dem Lebendigen. Aber die Geistesforschung sagt: Ein jeglicher Stein — ob Sie einen Bergkristall nehmen oder ein anderes Gestein —, alles ist in ähnlicher Weise entstanden wie die Steinkohle. Nicht ist irgendetwas Lebendiges aus Totem entstanden. So wenig wie aus der Steinkohle hervorwachsen würde die Pflanze, ebenso wenig ist jemals aus etwas Totem etwas Lebendiges entstanden. Umgekehrt ist es: Das Tote ist aus dem Lebendigen entstanden. Aber was wir an Steinen und Felsen und Kristallen um uns haben, ist nichts anderes als versteinertes Leben. Das Leblose ist aus dem Lebendigen hervorgegangen. So ist die Erde einstmals ein Körper, der überhaupt noch nichts Lebloses hatte. Das Leblose, das Gestein, ist erst ein später Absatz, ein Niederschlag aus dem Lebendigen heraus. Und es ist schon die Frage ganz falsch gestellt, wenn jemand erforschen will, wie das Lebendige aus dem Toten entsteht, denn es entsteht nur das Tote aus den Lebendigen.

[ 31 ] Wenn Sie ein gallertartiges niederes Tier ansehen, wie wir sie im Sinne der materialistischen Naturwissenschaft denken, wenn Sie sich vorstellen, wie deren einzelne Glieder differenziert sind und wie der Mensch aber doch sich herausentwickelt hat aus einem undifferenzierten gleichmäßigen Körper, und wie dann aus einem solchen Wesen Wesen mit Knorpeln und Wesen mit Knochen entstanden sind, deren Knochengerüst eine Art Versteinerung ist — so ist das ganze Knochengerüst der Erde versteinert, kristallisiert, es ist das, was das Leben zurückgelassen hat. Wenn wir das verfolgen in Bezug auf eine andere Gestalt unserer Erde, mit immer dünnerer und dünnerer Materie, finden wir: Alles verändert sich, das Leblose hört auf. Diese dünne Materie ist zu gleicher Zeit eine belebte. Und endlich — setzen Sie denselben Gedanken fort, ich brauche ihn nur anzudeuten —, dann kommen Sie noch weiter zurück auf Zeiten, wo Sie bewahrheitet finden können den noch höheren Satz, dass ebenso, wie später das Leblose aus dem Lebendigen entstanden ist, das Materiell-Lebendige überhaupt aus den Geistigen entstanden ist. Ebenso wenig, wie das Leblose der Ursprung des Lebens ist, ebenso wenig ist das bloße Leben der Ursprung des Geistes, sondern der Geist ist der Ursprung des Lebens.

[ 32 ] Allerdings in entfernt ähnlicher Weise müssen wir uns vorstellen, dass unsere Erde ehemals ein geistiges Wesen war, und dass sich das Leben aus diesem Geistwesen heraus entwickelt hat durch eine Art Verhärtung, wie später aus dem Leblosen sich das Lebendige entwickelt hat. Und so verfolgen wir die Erde bis in den Zustand zurück, wo sie ein Geistwesen war. Da war des Menschen Seele selbst in einer ganz anderen Art vorhanden. Indem wir den Menschen weiter und weiter zurückverfolgen, zeigt es sich, dass er ganz andere Fähigkeiten hatte, hellseherische Fähigkeiten. Es entschwindet uns aber, je weiter wir ihn zurückverfolgen, seine Selbstständigkeit. Wir finden ihn in absoluter Unselbstständigkeit als einen Teil der göttlichen Wesen, welche diese Erde in diesem ursprünglichen Zustande bilden. So blicken wir zurück auf einen ursprünglichen Erdenzustand, in dem der Mensch ein Glied der Götter war, sich noch nicht abgeschnürt hatte von dem allgemein göttlichen Dasein, ein Glied an ihrem Organismus ist, wie Ihre Hand an Ihrem Organismus.

[ 33 ] So bildet der Mensch einen Teil dieses geistig gedachten Erdenzustandes, so haben wir den Erdplaneten zurückverfolgt. Nun gehen Sie nochmals mit mir durch, was jetzt geschieht in diesem Erdplaneten. Wir müssen uns nun vorstellen, dass zunächst das Geistige sich abtrennt und ein Lebendiges zurücklässt, sich zu einem Lebendigen verhärtet und ein Geistiges belebt, sodass wir jetzt eine Erde haben, die aus Geist und Materie besteht. Und das Lebendige gliedert sich an ein Mineralisches und Totes. Der Mensch ist ein richtiges Doppelwesen; wenn wir ihn verfolgen, so müssen wir verfolgen, wie sich auf der einen Seite der physische Organismus herausgebildet und auf der anderen Seite ein Geistiges sich entwickelt hat. Dieser Geist war ursprünglich in der Geist-Erde enthalten. Der Geist muss aber in einer ganz anderen Entwicklungsrichtung gedacht werden als der Körper. Vergleichen Sie: Wenn Sie den Körper erblicken — er erscheint, seinem äußeren Aufbau nach, als vollkommene Ausgestaltung dieser äußeren sinnlichen Wesenheit. Seinem Geiste nach erscheint er so, dass wir auf eine großartige, gewaltige Zukunft hinsehen. Unsere seelischgeistigen Eigenschaften erscheinen uns erst als Anlage. Das wird Ihnen den Gedanken plausibel machen, dass wir es mit zwei Entwicklungsrichtungen zu tun haben auf unserer Erde.

[ 34 ] Zunächst haben wir den Anfangszustand unserer Erde zu beobachten. Sie entwickelt sich so, dass sich, bis zu einem gewissen Zeitpunkte hin, ausgeschieden haben Mineralien, Pflanzen und Tiere und die menschliche Gestalt, dieses Sinneswesen. Das führt uns an den Zeitpunkt heran, als sie Träger des Geistes werden. Da werden sie befruchtet von einem Teil, der nicht eingegangen ist in die früher gewordene Materie. Nehmen wir einen Vergleich. Wenn jemand zu Ihnen kommt und sagt: Hier habe ich Wasser. Das ist eine bestimmte Substanz, und ich werde dieses Wasser in einem Teile abkühlen, sodass Eisschollen entstehen. — Wenn nun jemand sagte: Das Eis ist auch Wasser, nur in einer anderen Form, so müssten wir das zugeben. Wenn aber jemand kommen würde und sagen wollte: Es ist Eis und nicht Wasser, so wäre das Unsinn. So können wir auch sagen: Die Materie ist überhaupt nichts anderes als Geist. Sie verhält sich wie das Eis zum Wasser, sie ist verdichteter, verhärteter Geist, meinetwegen kristallisierter Geist.

[ 35 ] Verfolgen wir die Erde nach dem geistigen Zustande bis zu einem gewissen Zeitpunkte. Da verwandelt sich der Geist in diese materielle Form hinein. Es entstehen Menschen, Tiere, Pflanzen, Mineralien. Das ist der Zeitpunkt, den ich vorhin charakterisiert habe, der Zeitpunkt, wo noch kein Mensch aus innerem Antrieb an dieser Erde gearbeitet hat. Da ist das Sinneswesen dagewesen, so wie das Eis im Wasser. Denken Sie sich das Eis mitten drinnen, aber es ist noch Wasser darum vorhanden. Sobald der Mensch als Sinneswesen die nötige Vollkommenheit erreicht hatte, war er in die Möglichkeit versetzt, den geistigen Funken aufzunehmen und sich von ihm beleben zu lassen. Er nahm aus dem Geistigen den göttlichen Funken in sich auf. Der Mensch war bis zu einer gewissen sinnlichen Stufe der Entwicklung heraufgelangt. Er ist ein wirklicher Zeuge des Geistes und fängt an als ein kleiner Gott die Arbeit der früheren Götter als seine Kulturarbeit fortzusetzen.

[ 36 ] So können Sie sich vorstellen die Entwicklung eines Planeten aus dem Geiste heraus bis zum Leben und von da bis zum Leblosen. Die Befruchtung des höchsten Lebendigen geschieht durch den Geist und die Weiterarbeit des Geistigen bis zu seiner Eigenheit durch die Materie. Da haben wir einen Planeten vor uns. Nun werden Sie fragen: Dieser Erdplanet, woher hat er die Möglichkeit genommen, dass er gerade dieses Mineralreich mit so gestalteten Kristallen, mit so gestalteten Pflanzen, Tieren und Menschen aus sich heraus kristallisierte? — Wenn in dem Glase sich etwas kristallisieren soll, so müssen in dieser Form die Kräfte herrschen, welche die Kristallisation vollbringen können.

[ 37 ] Wir wissen innerhalb der theosophischen Weltanschauung von dem einzelnen Menschen, dass er einen ewigen, unvergänglichen Wesenskern hat, dass er nicht mit seiner Geburt entstanden ist. Wir kennen die Lehre von den wiederholten Erdenleben, wir wissen, dass die Menschen bestimmte Schicksale haben, aus dem einfachen Grunde, weil der Mensch in früheren Erdenleben sich alles selbst vorbereitet hat. Wir haben in verschiedenen Vorträgen die Entwicklung der Seele in verschiedenen Erdenleben geschildert erhalten, wir haben gesehen, dass zwischen zwei Inkarnationen dieses Leben verläuft. Der Mensch ist nichts anderes als die Wiederverkörperung eines früheren Menschen. Wir wissen das aus der Lehre von Wiederverkörperung und Karma.

[ 38 ] In universeller Weise haben wir es mit einer Inkarnation der Planeten selbst zu tun. Wie der Mensch, der nicht an Geisteswunder glaubt, sondern an geistige Naturtatsachen, die Seele des Menschen nicht aus dem Nichts hervorgehen lässt, ebenso wenig haben die Gelehrten des 17. Jahrhunderts Regenwürmer aus dem Flussschlamm hervorgehen lassen. So ist es nichts anderes, als dass das Geistig-Seelische sich nur aus dem Geistig-Seelischen heraus entwickelt. Das ist gewiss als Erfahrung früherer Entwicklungstatsachen. Ebenso haben wir die Tatsache zu betrachten, dass die Erde jetzt solche Pflanzen, Tiere und Menschengestalten aus sich ausschachtet. Wir haben die Ursache zu suchen dann in früheren Verkörperungen unserer Erde. Genauso wie zwischen zwei MenschenInkarnationen eine Zwischenzeit verläuft, so verläuft zwischen zwei planetarischen Inkarnationen eine Zwischenzeit. Wie wir von Menschen sprechen, von Inkarnationen, so sprechen wir von Planeten, von «Manvantaren». So sehen wir, die Erde ist ein wiederverkörperter Planet von ehemals, und zwischen zwei solchen Planeten liegt ein Zwischenraum, ein «Pralaya». So sehen wir zurück auf einen anderen Zustand, in dem diese Erde noch nicht ein solcher Planet war, wie sie heute ist, sondern wir blicken auf einen unvollkommenen Zustand unserer Erde zurück. So wie der Mensch in der heutigen Inkarnation Fähigkeiten und Kräfte hat, die er aus Ereignissen und Erfahrungen des Lebens herausgeholt hat, so hat sich die Erde heraufgeschwungen als Ganzes aus früheren Inkarnationen, um kennenzulernen die regelmäßigen Gestaltungen der Mineralien, Pflanzen und Tiere. So haben wir unseren jetzigen Planeten und einen Vorgänger. Ein paar Worte noch über diesen Vorgänger. Was hat dieser Vorgänger offenbar für Eigenschaften gehabt? Die geistige Forschung kann sie genau verfolgen, aber ich möchte sie heute nicht — weil aus der Luft gegriffen erscheinend — vor Sie hinstellen. Welche Fähigkeiten hat sie erlangt, um gerade die Menschen so weit heraufzubringen, dass sie von einem Geist hat befruchtet werden können? Gerade bis zu dem Zeitpunkte war der Mensch eine Art höheres Tier gewesen, er war bis hart vor die Grenze gekommen, wo die Entwicklung einsetzt. Das andere kann ich nur andeuten. Um den Fortschritt begreiflich zu machen, der stattgefunden hat von einem früheren Planeten bis zu unserem heutigen, da müssen wir uns den eigentlichen Sinn der Erdenentwicklung klarmachen. Der Okkultismus spricht davon, dass dieser Sinn der Folgende ist. Der Okkultist weiß es: Der Geist der Erdentwicklung ist die Liebe, und der Geist des vorhergehenden ist die Weisheit. In unseren Entwicklungsstufen kommt die Liebe zum Ausdruck, und in den früheren die Weisheit. Auch das können Sie sich vergleichsweise klarmachen. Wenn Sie sich es klarmachen, so werden Sie finden, dass unser ganzes materielles Erdengerüst verkörperte Weisheit ist. Sehen Sie sich den Bergkristall an. Man muss studieren, Verstand anwenden, um zu begreifen, man muss rechnen. Der Geist, den man heraussaugt, der muss hineingelegt worden sein. Die Naturforscher haben es nicht so weit gebracht, diese Gestalten zu begreifen. Je weiter wir hineindringen, umso mehr werden wir begreifen, dass wir nicht Unweisheit, sondern Weisheit vor uns haben. Sehen Sie einen menschlichen Oberschenkelknochen, betrachten Sie ihn durch ein Mikroskop. Sie finden da nicht eine kompakte Masse. Sie finden feine Balken, schöner als das beste Haus. Denn es ist da alles ausgespannt, dass mit dem kleinsten Kraftaufwand die größte Last getragen werden kann. Wenn ein Balken aufgelegt ist in einem gewissen Winkel, so kann Materie gespart werden. Hier ist der Wunderbau aufgeführt.

[ 39 ] Der Anatom weiß, wie uns der Wunderbau des menschlichen Herzens berührt, und das[s er] vollkommener ist als das, was der Mensch heute in seiner Seele entwickelt. Das sind Leidenschaften, Begierden. Er kann sie noch so läutern, so wie der Wunderbau des Herzens sind sie nicht. Der Mensch trinkt Kaffee, Tee, Bier und hemmt dadurch die Tätigkeit des Herzens oder regt sie an. Durch die ganze Entwicklung der Erde könnten Sie verfolgen einen weisheitsvollen Bau. Das ist das, was sich als materielles Grundgerüst ausgebildet hat. So blicken wir zurück auf ein Grundgerüst, das nichts anderes war als die Anlage zu einer neuen Inkarnation. Da war alles veranlagt, was als Grundgerüst aufgebaut wurde, das ist damals veranlagt worden. Was jetzt auf der Erde von den Menschen geschieht, das ist das, was Leidenschaften, Triebe und Begierden anregen und verursacht haben. Betrachten Sie einen unzivilisierten «Neger»; seine Seele folgt blind den Instinkten, den Leidenschaften. Es gibt da keine moralischen Begriffe. Der Mensch frisst seinen Nebenmenschen auf. Allmählich läutert sich die Seele. Aber weise ist das Grundgerüst aufgebaut, das in seinen Leidenschaften so unvollkommen ist. Als die Erdentwicklung wieder begann, da gestaltete sie das früher erworbene Grundgerüst wieder heraus. Was auf dieser Erde geschehen soll, ist die Läuterung von Trieben, Leidenschaften und Instinkten. Alles ist geworden, auch das weise Grundgerüst, wie aus unserer Erde Instinkte und Triebe, moralische Begriffe und so weiter, das religiös Schaffende und [das] Ahnen einer Seele [entstanden]. So entstammen sie Stück für Stück den früheren elementarischen Zuständen, wie die Weisheit des Baues unseres Grundgerüstes.

[ 40 ] Glauben Sie nicht, dass aus dem Nichts heraus dieses oder jenes, der Schenkel oder das Herz sich aus dem Nichts gestaltet und so der Träger der Leidenschaften und der Moral wird. Um von den blinden Trieben und den Instinkten zu der Reinheit der moralischen Weisheit zu kommen, musste in langer Erfahrung erst herauswachsen diese Weisheit des Grundbaues. Dieses Herz musste sich aus den Erfahrungen des früheren planetarischen Geistes herausbilden. So ist die Weisheit, die dem Grundgerüste unserer Erde zugrunde liegt, die Erfahrung einer früheren planetarischen Inkarnation des Erdgeistes. Auf der Erde haben wir einen anderen Sinn. Hier wird nicht Weisheit erfahren, hier wird eingeimpft, eingeflößt, was weise aufgebaut worden ist — die Veredelung von Trieben, Begierden und Leidenschaften. Die Wesen veredeln sich, indem sie in einem äußeren Verhältnis zueinander leben. Dieses äußere Verhältnis der Erdenwelt ist Egoismus, wie er in allen Wesen vorhanden ist. Er ist Liebe. Diese Tendenz der Entwicklung der Liebe ist genau ebenso der Sinn der Erdentwicklung, wie der Sinn beim Vorgänger der Erdentwicklung die Entwicklung zur Weisheit war. Wenn die Erdenentwicklung an ihrem Ziele angelangt sein wird, dann wird alles, was heute noch Egoismus ist beim Menschen und bei anderen Wesen, sich verwandelt haben in Liebe.

[ 41 ] Und die nachfolgende Inkarnation wird die Liebe ebenso in sich tragen, wie die Erde die Weisheit in sich trug. So geht ein ursprünglicher Planet, der die Weisheit sich erwirbt, über in alles, was die Menschen hier vollbringen an der Hinentwicklung der Erdenentwicklung zu einer verkörperten Liebe. Wenn wir in die Zukunft blicken, so bedeutet das einen perspektivischen Ausblick, einen Hinblick darauf, dass der Mensch sich vergottet und sich zum Träger der Liebe macht, um es dann wieder abzugeben an den Nachfolger, und dem er wieder angehören wird als höheres Wesen, wie die höher entwickelten Wesen, die der Erdentwicklung vorstanden und ihr heute noch vorstehen.

[ 42 ] Jetzt kann ich nur noch dasjenige, was der wirkliche Okkultismus zu sagen hat über die äußere Darstellung dieses Sinnes der Entwicklung, hinzufügen. So wie immer etwas abgeworfen werden muss, wenn eine höhere Entwicklung stattfindet, so ist es auch bei unseren heutigen Pflanzen. Ursprünglich waren sie nicht in der Gestalt vorhanden. Sie können nur gedeihen auf einem Boden, der mineralisch ist; aus dem können sie herauswachsen. Reden wir also von einem ursprünglich bloßen Leben und davon, dass das Mineralische erst nach und nach sich herauskristallisiert hat, dann sind unsere heutigen Pflanzen nicht vorhanden gewesen in dem ursprünglichen Leben, aber andere Pflanzenformen. Diese Pflanzenformen haben sich auf der einen Seite verhalten zum Mineralreich, und auf der anderen Seite weiterentwickelt zum heutigen Pflanzenreich, das ohne das Mineralreich nicht leben wird. Das ist der Sinn der höheren Entwicklung, dass er sich auf einen Boden stellt. Die Pflanze hat einen Teil heruntergedrückt, das Mineralreich, auf dem es steht. Das Tierreich hat das Pflanzenreich ausgeschieden und nährt sich von ihm. Das Pflanzenreich assimiliert die Kohlensäure, die der Mensch ausstößt und atmet Sauerstoff aus, welchen der Mensch braucht. Wenn Sie in die Menschenwelt selbst hineinblicken, dann können Sie sich sagen, dass der äußeren Welt Herr — [der] Mensch — nur leben kann auf der Grundlage — das 13. Kapitel des Johannes-Evangeliums ergibt das, wo der Christus Jesus darstellt, dass es ihm bewusst ist, dass ein höheres Wesen nur auf dem Grunde eines niederen sich erheben kann, wie die Pflanze nur auf den mineralischen Boden, das Tier auf dem pflanzlichen Boden. Es ist alles helfend und heilend auf dem Apostel-Boden. Daher die große Dankbarkeit, die in dem Gleichnis der Fußwaschung zum Ausdruck kommt. Der Geist ist zugleich der Ursprung dieses Bodens, aber es muss immer auch Boden-Substanzialität zurückgenommen werden, damit feiner Geartetes, Jüngeres sich auf dem Grunde desselben entwickeln kann.

[ 43 ] So konnte sich die spätere Gestalt, welche die Geistigkeit angenommen hat, nur dadurch entwickeln, dass die Materie ausgeschlossen worden ist. Ebenso wie das ursprüngliche Leben das Mineralreich ausstieß, so wurde auch der Mond ausgestoßen. So ist die Mondmaterie als der abgeworfene Bruder der Erdentwicklung zu betrachten, der im früheren planetarischen Dasein mit ihr vereint war. Der Mond ist abgestoßen und steht in geistiger Beziehung noch zur Erde. Er ist notwendig dieser Erde wie das Mineralreich dem Pflanzenreich, wie das Pflanzenreich dem Tierreich.

[ 44 ] Wenn wir weiter zurückgehen, so werden wir nicht nur die Erde mit dem Mond vereinigt sehen, mit dem, was die Geheimforscher den Mond genannt haben, der heutige Mond ist nur der ausgeworfene Leichnam. Ähnlich ist es mit der Sonne. Damit habe ich Ihnen eine Perspektive zeigen können, wie die theosophische Anschauung hineinblickt in die Planetenentwicklung. Die Planeten, wie sie heute am Himmel uns erscheinen, stellen sich dar für die theosophische Forschung in einer gewissen Verwandtschaft. Was heute Sonne ist, was heute Mond ist, das ist entstanden im Laufe der Entwicklung. Sie stellen andere Phasen der Entwicklung dar. Wenn Sie in Ihren eigenen Grund und Ursprung zurückblicken, so werden Sie zu dem Kinde sagen können: Das stellt mir ein Bild meiner eigenen Entwicklung dar. So stellen sich die Okkultisten in gewisser Weise die Planeten zusammen, so dass sie sich ausnehmen wie Kindheitsstadien gegenüber der Erdentwicklung. Andere Planeten stellen sich dar wie solche, die schon viel früher das Stadium erreicht haben, in dem die Erde heute ist.

[ 45 ] So stellen sich die Okkultisten diese Entwicklung so dar, dass sie die sieben Planeten in eine Reihe bringen, die in ihren einzelnen Gliedern eine Verwandtschaft haben, wie sie in den aufeinanderfolgenden Stufen der Menschheitsentwicklung zum Ausdruck kommt. So wie diese darstellt dasjenige, was auch nebeneinander stehen kann, so stellt sich für den Geheimforscher das nebeneinander dar in dem, was jeder Einzelne auch durchmachen kann, nämlich: diese Entwicklung durch Formen hindurch, die erhalten sind in den der Erde benachbarten Planeten. Das drückt die Geheimwissenschaft aus in Gedächtnismerkzeichen. Das sind die Namen der Wochentage. «Billige Philosophie» — werden viele dagegen einwenden. In den sieben Wochentagen stellen sich die Planeten der eigenen Erdentwicklung dar. Von Sonnabend müssen wir anfangen. Die Marsentwicklung [findet] auf der Erde [statt]. Diejenige Entwicklung, in welcher der Mensch eingreift und die bis zum Schluss der Entwicklung verharren wird, nennt die Geheimforschung die Merkurentwicklung. Es entsprechen also:

dem Sonnabend der Saturn,
dem Sonntag die Sonne
dem Montag der Mond
dem Dienstag der Mars
dem Mittwoch der Merkur
dem Donnerstag der Jupiter
dem Freitag die Venus

[ 46 ] So haben Sie in den Namen der Wochentage, in den verschiedensten Sprachen, überall ein Merkzeichen für die planetarische Entwicklung.

Diagram 1

[ 47 ] Diese Entwicklung konnte ich nur ein Stück lang verfolgen, nämlich von der Erde zum Mond zurück. So sehen Sie, dass und wie durch die theosophische Forschung Sinn und Bedeutung in diese Entwicklung hineinkommt. Diejenigen, welche nicht nur eine Empfindung haben für unsere Forschung, sondern auch für die tieferen Kräfte, für die Kräfte in der Entwicklung, sie haben immer verstanden, dass die Erde von einer Entwicklung herkommt und zu einer weiteren Entwicklung fortschreitet, dass sie der Planet ist, der die Entwicklungsstufe der Liebe darstellt, und die Weisheit durch die Liebe zur höheren Form entwickelt. Das Nächste, was uns dann umgibt, das sind die Fluten der Entwicklung des Erdplaneten, die sich als Tendenz zur Liebe darstellen.

[ 48 ] Einer der großen Geister empfand das in einem Gedicht, als er den Sinn der Erdentwicklung darstellen wollte, als er hinaufblickte auf das nächste Ziel der Erdentwicklung, als er hinaufblickte auf das, worüber der Mensch nicht hinausblicken kann. Da erschien es ihm wie ein Blick des göttlichen Geistes, wie ein Kreis, in dem die Unendlichkeit des göttlichen Geistes sich ausdrücken kann. So wenig erscheint diesem hervorragenden Geist, dass die Menschheitsentwicklung, der ganze Sinn der planetarischen Entwicklung sich auszudrücken vermag in dem kleinen Geist der Erde. Aber doch verrät ihm der Geist der Erde das, was seine Wesenheit ist, was geworden ist aus früheren Kräften, und was verwandelt wird in spätere Kräfte. Und wenn ich vom menschlichen Standpunkte aus rede, so erscheint uns der Sinn der planetarischen Entwicklung als die Entwicklung zur Liebe. Das spricht auch Dante, der große Denker und Dichter, in den Worten aus:

Die Kreisung, die in dir also empfangen
sich zeigte, wie zurückgestrahltes Licht,
als ich sie ein’ge Zeit ringsum betrachtet,
schien mir in sich, in ihrer eigenen Färbung
mit unserm Bildnis ausgemalt zu sein,
weshalb mein Schaun sich ganz darein versenkte.
Wie sich der Geometer ganz vertiefet,
den Zirkel auszumessen, und nachsinnend
nicht findet das Prinzip, das er bedarf:
so ging es mir bei jenem neuen Anblick.
Ich wollte sehn, wie sich denn zu dem Kreise
das Bild verhielt, und wie hinein es passe;
doch hierzu gnügten nicht die eignen Schwingen,
ward nicht mein Geist von einem Blitz getroffen,
der ihm das brachte, was er sich ersehnte.
Hier brach die Kraft der hohen Phantasie,
doch schon bewegte meinen Wunsch und Willen,
so wie ein Rad, das gleicher Umschwung treibet,
die Liebe, die beweget Sonn’ und Sterne.