Der Kreislauf des Menschen
innerhalb der Sinnes Seelen und Geisteswelt
GA 68b
31 Oktober 1907, Berlin
32. Die Abstammung des Menschen
[ 1 ] [Man hat dasjenige, was uns heute beschäftigen soll, die Frage aller Fragen genannt. Was auch könnte den Menschen, wenn die Frage nur weit genug gefasst wird, tiefer berühren - tiefer berühren, von einem gewissen Gesichtspunkte aus —, als das Nachdenken über seinen Ursprung, über seine Abstammung, denn] ein jeder hat wohl die Ahnung davon, dass in dieser Frage eingeschlossen liegt vieles von dem, was den Menschen allein aufklären kann über sein wahres Wesen, über sein Schicksal und über die Art seines Lebens überhaupt.
[ 2 ] Nun ist es aber von dem Standpunkte aus, von dem heute zu Ihnen gesprochen werden soll über die Abstammung des Menschen, schwer, sich auch nur unseren Zeitgenossen, wenn sie nicht schon durch Geisteswissenschaft irgendwie darauf vorbereitet sind, auch nur verständlich zu machen, denn gegenüber dem, was heute von vielen Seiten vorgebracht wird über Abstammung oder Ursprung des Menschen, wird das, was wir in dieser unserer Betrachtung jetzt zu sagen haben, sich ausnehmen, wie wenn es in einer ganz, ganz anderen Sprache gesprochen wäre; und bei dem großen Interesse, welches heute dieser Frage entgegengebracht wird, und bei der öffentlichen Suggestion — so dürfen wir es vielleicht nennen —, welche nicht die wahre Wissenschaft ist, wohl aber manche Schlagworte, die aus dieser Wissenschaft gefunden worden sind und die heute das Denken vielfach beherrschen, bei alldem wird vieles von dem heute Vorgebrachten vielleicht manchem noch mehr als das schon in den drei letzten Vorträgen [dieser Serie] hier Gesagte noch viel mehr wie eine bloße Träumerei, wie eine Phantastik erscheinen. Wir müssen uns, wenn zwei so grundverschiedene Dinge einander gegenüberstehen wie das, was eine mehr materialistisch — das Wort braucht nicht gepresst zu werden — gefärbte Weltanschauung zu sagen hat über die Abstammung des Menschen und dasjenige was die Geisteswissenschaft, wie wir sie hier betrachten, vorzubringen hat, wenn zwei so verschiedene Dinge einander gegenübertreten, dann, dann muss man vor allen Dingen sich zuerst eines so recht einmal vor die Seele führen. Wer sich heute eingelebt hat in die Begriffe, in die Vorstellungen, die unsere Populärliteratur beherrschen, wenn von Abstammung des Menschen die Rede ist und behauptet wird, es wird über diese Abstammung des Menschen ja [so] gesprochen, wie es nach [sicheren] Tatsachen der Wissenschaft sein muss; [wenn einem das entgegentritt], wenn man sich da hineingelesen hat in die populäre [oder meinetwegen auch in die mehr oder weniger wissenschaftliche] Literatur, so muss man sich doch vor Augen halten, dass die Begriffe, die Vorstellungen, die sich jemand annimmt, nicht immer durchaus beruhen auf wirklicher Betrachtung, [auf] wirklicher Beobachtung, sondern auf [der] Autorität, welche auf eine, man möchte sagen, geheimnisvolle, mystische Art - und zwar dieses Wort im schlimmsten Sinn gebraucht - [übernommen ist von dem, was einmal populär ist], von dem, was einmal Ansehen hat.
[ 3 ] [Und] man muss sich [auch] klarmachen, dass es für diejenigen, die sich gewöhnt haben, in der Richtung, die ihnen da entgegentritt, zu denken, außerordentlich schwer wird, die Vorstellungen, die sie einmal aufgenommen haben, auch nur in irgendein annehmbares Verhältnis zu bringen zu anders gearteten Vorstellungen [die also zum Beispiel vonseiten der Geisteswissenschaft vorgebracht werden]. Deshalb gibt sich insbesondere derjenige, welcher vom Standpunkte der Geisteswissenschaft heute über diese Frage spricht, keiner Illusion darüber hin, dass für alle, die sich mit ihren Denkgewohnheiten ergeben haben dem, was landläufig, [was] scheinbar auf den festen Tatsachen der Wissenschaft begründert ist, [dass er bei denen] ein leichtes Verständnis erzielen könnte. Das wäre allerdings eine Illusion. Dennoch muss von diesem geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus, gerade heute, was da zu sagen ist, vorgebracht werden, denn nach und nach werden sich schon diese Vorstellungen einleben bei all denjenigen, die sich frei machen können von solchen eben angedeuteten [Denkgewohnheiten]. Das sollte vorausgeschickt werden, damit nicht geglaubt werde, der Geisteswissenschafter gebe sich nur solchen Illusionen hin, dass er die, die in strengen Wissenschaftsvorstellungen leben, dass er die im Fluge erobern könne, oder dass es nicht geschehen könne, [dass man solchem entgegentritt], und sagen von ihrem Standpunkte aus, das sei — alles das, was er vorgebracht habe —, der reine Unsinn, [die reine Narretei]. In der Regel ist er imstande, die Gründe, die von d[ies]Jen Gegnern vorgebracht werden, [sehr leicht] selbst vorzubringen. Die Täuschung liegt dann meistens bei denen, die [einem geisteswissenschaftlich entgegentreten, und] da glauben, dass ihre Gründe ihm irgendetwas Neues sein könnten.
[ 4 ] So dürfen wir wohl nach dieser Voraussetzung unbefangen diesen Gegenstand [von dem Standpunkt der Geisteswissenschaft] betrachten. Leicht macht es sich das monistische Denken. [Zu einer] Materialistischen macht es sich die Frage, indem es in merkwürdiger Logik ... /Lücke]. Unsere im Laufe des 19. Jahrhunderts mit so bewundernswürdigen Fortschritten aufgerüstete Naturwissenschaft — [und] niemand anders als der Geisteswissenschafter kann diese Fortschritte der Naturwissenschaft mehr bewundern — unsere Naturwissenschaft hat unter vielem anderem auch den Menschenblick erweitert über die Summe der Lebewesen, die heute um uns herum leben und die in früheren Epochen der Erdentwicklung auf dieser Erde gelebt haben. Deren Überreste [finden] wir mehr oder weniger erhalten in den Schichten unserer Erde, in denen einstmals die [uns] wenig [ent]sprechenden Wesen zu finden sind. Und eine Art Religion, eine Art Bekenntnis, die sich aufgebaut hat auf diese naturwissenschaftliche Tatsache, sie hat [gefolgert] aus der Betrachtung, aus der sinn[es]gemäßen Betrachtung dessen, was die Welt heute um uns herum zeigt, wenn wir die Schichten der Erde betrachten, um nach vorweltlichen Wesen zu forschen, dieses Bekenntnis hat eine Art Entwicklungslehre daraus gemacht, die außerordentlich viel Interessantes, viel Wichtiges, auch viel Richtiges enthält.
[ 5 ] Aber wir können den logischen Fehler, den diese Entwicklungslehre macht, mit wenigen Worten charakterisieren — und wir müssen ihn charakterisieren [in dieser Weise] —, und gerade wenn wir von diesem Punkte unseren Ausgang nehmen, werden wir die Denkmaterialien zusammentragen, um das[jenige Wesen] uns vor die Seele zu stellen, was nachher vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft zu sagen ist. Die Wissenschaft zeigt uns [heute] das vollkommene Wesen neben unvollkommenem Leben. Sie zeigt uns, wenn wir die Schichten unserer Erde durchforschen, eine Stufenfolge von [scheinbar] unvollkommenen Lebewesen [zu scheinbar vollkommenen Wesen], sodass wir sagen können: Dem menschlichen Blicke drängt sich auf, dass ein Lebewesen unvollkommen, das andere Lebewesen vollkommen ist.
[ 6 ] Nun ist durch Umstände und Tatsachen, [die wir hier nicht weiter erläutern wollen], darüber eben ein merkwürdiger logischer Schluss entstanden. Da ist der Schluss entstanden, dass ohne Weiteres unvollkommene Lebewesen sich entwickelt haben, dass abstammt von den unvollkommenen Lebewesen der Mensch, das ist: Der uns entgegentritt als vollkommenstes Lebewesen, soll nach diesem Schluss abstammen von unvollkommenen und immer unvollkommeneren Lebewesen bis hinunter zu dem aller[un]vollkommensten.
[ 7 ] Fassen wir einmal in seiner einfachsten logisch nüchternen Form diesen Schluss ins Auge: Das Vollkommene ist aus dem Unvollkommenen entstanden. Durch einen Vergleich [können wir uns] diesen Schluss klar machen und uns dann fragen, ob er möglich ist. Nehmen wir an, wir sehen zwei Menschen nebeneinander, einen mit genialen Anlagen, der großen Fleiß entwickelt hat im Leben, der es zu etwas Ordentlichem gebracht hat. Nehmen wir einen anderen neben ihm, sehen wir einen anderen Menschen, der geringe Fähigkeit hat, der auch faul und träge war und es zu nichts Ordentlichem gebracht hat. Nun hören wir, dass diese beiden miteinander verwandt sind. Wie sie verwandt sind, darüber sollen wir erst nachdenken, denn so steht ja die Frage in Bezug auf das sogenannte Entwicklungsproblem. Wenn wir [die Wesen um uns herum ansehen], den Menschen betrachten mit seinen [verschiedenen] Organen, [und ihn vergleichen mit] niederen [Formen der Lebewesen, sogenannten unvollkommenen, dann] sehen [wir], dass diese Organe [in mannigfaltiger Weise] ähnlich sind. [Wir sehen, dass der] Mensch etwas anders gebaut, aber im Grunde [genommen] nur umgeformt, dieselben Knochen hat wie niedere Lebewesen. [Wir könnten] zahlreiche andere Gründe [anführen], die uns sagen [könnten]: Ja, eine Verwandtschaft müssen wir annehmen. Aber wie diese Verwandtschaft ist, das ist nicht etwa erforscht durch Tatsachen, sondern erschlossen. Es darf sich niemand dem Glauben, [der Illusion] hingeben, dass die Abstammung des Höheren über das Niedere erforscht ist, es ist erschlossen.
[ 8 ] Wenn wir [also] wissen, dass sie, [die zwei gegenüberstehenden Menschen], verwandt sind, [wenn wir] durch irgendetwas feststellen können, dürfen wir dann den Schluss ziehen, dass [derjenige], der die genialen Anlagen hat, der fleißig war und es zu etwas Ordentlichem gebracht hat, [von dem anderen abstammt, der faul und lässig war und sich nicht vervollkommnet hat]? Wer ein wenig nachdenkt, wird sich klarmachen können, wie unnatürlich eine solche Schlussfolgerung wäre, [und] wie leicht [er] richtiggestellt werden [könnte] in seinem Denken, wenn ihm nachgewiesen würde, dass der eine wie der andere [dieser] Mensch[en] von [den]selben Eltern abstammt, der eine sich nur hinaufentwickelt hat zu seinem Fleiße, der andere aber zurückgegangen ist, sich hinunterentwickelt hat. Es ist ungeheuer trivial, [was ich sehe], und es könnte scheinen, als ob eine bewundernswürdige Theorie, die heute in der Welt herrscht, [durch eine /unleserlich] Trivialität] widerlegt werden soll.
[ 9 ] Leider aber ist es so, [dass, wenn wir genau zuschauen], dieser logische Schnitzer [unterläuft], weil man weiß, dass das höhere Lebewesen verwandt ist, [und daraus] geschlossen wird, das höhere stamme ab vom niederen — [indem man meint, dass man sagen könnte, der höherentwickelte Mensch stammt ab von dem niederen, faulen Menschen].
[ 10 ] Jetzt dehnen wir einmal diese kleine Betrachtung aus, sagen wir, auch auf die verschiedenen Völker, die nebeneinander leben, [ein] niedrig stehendes Volk und [ein] höher stehendes Volk. Man ist heute gewohnt geworden, zu denken, dass ein höher geartetes Volk mit bedeutender geistiger Bildung [und Kulturerrungenschaften] sich herausentwickelt habe aus einem solchen Zustand, in dem heute ein niedrig stehendes Volk ist. Genau derselbe Schluss, wie man ihn machen würde, wenn man diese zwei Menschen nebeneinander [stellt] heute, man könnte dann unter Umständen ebenso korrigiert werden, wenn man [die] Tatsachen erforschen könnte, wie [Geistes-]Wissenschaft allerdings [dazu imstande ist, dass es nicht der Fall ist, dass das geistig höher gebildete Volk abstammt vom niederen, sondern dass] im Gegenteil, eine gemeinschaftliche Abstammung [der beiden] vorliegt, dass ein geistig höher Entwickeltes sich nach der einen Seite, das andere zum Niedergange hin entwickelt hat. Sodass wir, wenn wir die Abstammung untersuchen, hinaufgeführt werden zu einem gemeinschaftlichen Urvolke, nicht zu dem, das heute neben dem anderen lebt, sondern zu einem gemeinschaftlichen. Da beide nebeneinander leben, stammen [sie in gleicher Weise vom Urvolk ab]. Nur hat sich das eine hinauf-, das andere [in gewisser Beziehung] hinunterentwickelt.
[ 11 ] Wollen wir uns das ein bisschen konkreter vor Augen führen, [damit unsere Sinne sich bestimmte, konkrete Vorstellungen dabei bilden können]. Sie alle wissen, dass, als die europäischen Einwanderer zuerst hinübergezogen sind nach dem amerikanischen Kontinent, sie [dort] ein [sogenanntes] Urvolk, [ein Volk, von dem] man [in naturhistorischem Denken] glaubt, dass es frühere Stufen der gegenwärtigen Völker darstellt [angetroffen haben]. Jene waren gewiss dazumal [von europäischem Gesichtspunkt aus] auf einer niedrigen Kulturstufe, aber wenn man einen solch absoluten Gesichtspunkt anlegt, kann man doch [in seinem Urteil sehr daneben] gehen. Wir wollen, um das anzusehen, uns einmal [eine Szene] vor Augen stellen. [Die Europäischen haben nicht immer so schön gewirtschaftet. Sie haben] nicht immer die schönsten Mittel gewählt, um den freien Mann auszurotten. Einer der letzten Häuptlinge [der freien Leute], die aus den Gegenden waren, [aus] denen in Nordamerika [die Indianer] vertrieben worden sind, [einer der Letzten] stand gegenüber einem europäischen Eroberer, einem Anführer einer europäischen Kultur. Weggenommen waren den Einwohnern Amerikas ihre Ländereien, auch dem Stamme, dem jener Indianerhäuptling angehörte. [Die Szene hat sich vor gar nicht langer Zeit abgespielt.] Man hatte den Leuten, [dem Häuptling] versprochen Land für das, was man ihnen wegnimmt, und man hatte es nicht gehalten.
[ 12 ] Da stand gegenüber dem Anführer der Europäer der Anführer der «Rothäute». Eine Rede ist uns erhalten, die der Anführer der amerikanischen Urbevölkerung gerichtet hat an die Europäer, die seinen Stamm überwunden haben und [ihnen] kein Land gegeben haben, [eine Rede die ich Ihnen nicht einmal in einer wortwörtlichen Übersetzung geben kann, sondern nur dem Begriffe nach, dem nach, was sie enthält. Ungefähr dieses sagte jener Häuptling zu dem Europäer]: Ja, ihr Europäer, ihr habt uns versprochen für das Land, dessen Erde bedeckt die Leichen unserer freien Brüder, anderes Land, gegeben habt ihr uns das andere Land nicht. Das kommt davon her, weil der bleiche Mann an anderes glaubt als der freie Mann. Der bleiche Mann hat merkwürdige Zaubermittel, wo kleine Zauberwesen darauf stehen, da schaut er hinein und da sieht er, was für ihn recht/Recht ist, da sieht er, was wahr und falsch ist. - Der Häuptling hat einmal die Bücher gesehen und hielt die Buchstaben für solche Zauberwesen, [Zaubergeister, die die Europäer zu solchen Maßnahmen veranlassen]. — An solche Zaubergeister glaubt der [freie Mann] nicht, der freie Mann liest nicht, was in solchen Zauberbüchern steht, der freie Mann geht hin[aus] und hört, wie das Wasser rauscht und wie im Wald die Bäume rauschen und das versteht er. Denn aus dem Wasserrauschen und aus dem Bäumerauschen spricht zu ihm der Große Geist. Der sagt immer die Wahrheit, und weil ihr nicht kennt den Großen Geist, der die Wahrheit spricht im Wasserrauschen und dem Rauschen der Bäume, deshalb verhaltet ihr euch so. Der bleiche Mann kann den freien Mann nimmermehr verstehen, Sonst würde er nicht mit seinen Waffen herumtrampeln auf der Erde, welche die Gebeine [unserer Brüder deckt] und welche einmal Rache nehmen wird an den Bleichen!
[ 13 ] Uns interessiert an dieser merkwürdigen Rede des freien Mannes allerdings der Hinweis auf den Großen Geist, den er überall vermutete. Im Rauschen der Bäume, [im Rieseln der Quellen], selbst in Donner und Blitz, [in allen Naturerscheinungen] sprach zu ihm [der göttliche], der große Geist. Merkwürdig an dieser «wilden» Bevölkerung: [diese monotheistische Religion], dieses Fernsein alles Aberglaubens in ihrer durch gewiss mancherlei Aberglauben, der vorhanden war, durchleuchtenden Grundüberzeugung in religiösem Sinn. Man braucht wahrhaftig nicht sonderlich weit zu gehen mit seiner Logik, dann wird man einsehen können, dass von denen, die überwunden worden sind durch die Europäer, von denen stammen allerdings nicht die Europäer ab, aber beide, [die europäische wie diese amerikanische Bevölkerung], stammen ab von einem gemeinsamen Volke, welches sicher eine wunderbare Naturreligion gehabt haben muss. Das wird eine Hypothese sein, wenn man auf dem Standpunkt der sinnesphysischen Tatsachen [steht]; das ist eine Gewissheit, wenn man [geisteswissenschaftlich mit denjenigen Methoden forscht, worüber wir in den nächsten Vorträgen sprechen werden, namentlich im zweitnächsten, der über Einweihung handelt]. Die amerikanische Bevölkerung, sie war zurückgegangen in gewisser Beziehung, hatte die rein ursprüngliche Vorstellung verloren und nach anderer Seite [zu einem niedrigen] sich hinentwickelt; der Europäer von seinem Standpunkte sich hin[aufJentwickelt. Da geht uns der Begriff von einer Entwicklung auf, wie er uns ganz, ganz andere [Aus-] Sichten zeigt als jener einfache Begriff der Entwicklung, den man uns so gerne hinstellen möchte als den einzig Möglichen. Wir sehen, wie diese Entwicklung ganz und gar nicht einfach ist, [wie wir] voraussetzen [müssen] frühere Zustände des Daseins, aus denen das Heutige [her] vorgegangen ist; [wie dasjenige, was heute als Unvollkommenes im Unvollkommenen lebt], sich ausnimmt wie ein Abgezweigtes, das nach der Unvollkommenheit hin sich entwickelt. Wenn wir zurückgehen könnten in Zeiten urferner Vergangenheit, würden wir Völker finden, die die Ahnherren sind der europäischen [Bevölkerung] wie auch jener überwundenen amerikanischen Indianer. Der Weg der Entwicklung ging so, dass eine gerade Entwicklung [Richtung] hinführte zu der heutigen ausgebildeten Bevölkerung. Die[jenige] aber, [die] nicht mitkam, nicht aufnahm, was hätte führen können zur Vollkommenheit, kam zu einem Niedergange. Nicht von ihnen stammen die anderen ab, sondern sie [stammen] von einem gemeinsamen Vorfahren ab, andere sind hinweggeschritten. [Sie sind nicht bloß /unsichere Lesung] zurückgeblieben auf anderem Standpunkt, sondern] weil sie zurückgeblieben sind, zeigen sie heute einen Zustand, der in alten Zeiten niemals vorhanden war. Weil [sie sich] nicht fortentwickeln konnten, sind [sie] zurückgegangen.
[ 14 ] D[ies]en Begriff können wir nun ausdehnen auf alle Lebewesen. Wenn wir ihn so ausdehnen, gehen wir zurück zu den den Menschen näherstehenden Säugetieren. Jede einfache Entwicklungslehre möchte annehmen, dass die höheren Säugetiere die Vorfahren des Menschen waren. Heute ist zwar dieser Begriff von der ganz brutalen Abstammung des Menschen von den Affen in einer gewissen Weise fallen gelassen, aber die Denkweise liegt doch dem zugrunde, was scheinbar anders vorgebracht wird. Stellen wir uns mit dem Begriffe die Verwandtschaft des Menschen mit den höheren Affen vor, werden wir sagen: Von jenem Urwesen, das in urferner Vergangenheit vorhanden war und zu dem sich der Mensch hinaufentwickelt hat, stammen zwar die heutigen Affen ab, aber sie sind stehen geblieben auf [einem älteren Standpunkt], stellen daher in heutigem Zustand, [in ihrer heutigen Gestalt] keine Ahnherren der Menschheit dar, sondern das heruntergekommene Gebilde, [das eine alte Form hat festhalten wollen; das sich korrumpiert hat]. Sieht daher der heutige Mensch diesen Affen an, sieht er ihn namentlich mit dem Gemüte an, [dann] erscheint er ihm wie eine Karikatur seines eigenen Wesens, keineswegs wie ein Ahnherr, [und wer mit solchen Gefühlen ausgerüstet ist, empfindet es] wie eine Art Beschämung ... [unleserlich], wenn die Ursprungseigenschaften des Menschen korrumpiert werden.
[ 15 ] [Und so kommen wir Schritt für Schritt zurück von höheren zu viel niedrigeren Wesen. Wir kommen in urferner Vergangenheit zu Vorfahren des Menschen, die wir nicht suchen dürfen in Wesen, die ähnlich sind den heutigen Menschen — je weiter es zurückgeht, desto unähnlicher werden sie den Wesen, die heute existieren. Ganz anders gestaltet sind sie]; von jenen Ahnen des Menschen stammen ab, wie eine zurückgebliebene und deshalb in den Niedergang gekommene Wesenheit, die niederen Säugetiere und weitere niedere Lebewesen. Wenn wir zurückgehen bis zu den einfachsten Lebewesen, [die heute leben, meinetwegen] aus einer Zelle bestehende Lebewesen, [von denen man auch den Menschen ableiten möchte], dann müssten wir sagen, ja, diese Lebewesen stehen in Verwandtschaft mit dem Menschen unzweifelhaft. Aber damals als der Mensch in urferner Vergangenheit einen Ahnherrn hatte, [von dem auch diese einfachen Einzeller abstammen, da] schaute der Mensch ganz anders aus, war sein Ahnherr ein ganz anderes Wesen: Die am weitesten zurückgebliebenen, daher am wenigsten die Urform [des menschlichen Wesen] darstellenden Lebewesen sind die einfachen. Denn sie haben sich am frühesten abgezweigt, haben, [seit] sich der Mensch vervollkommnet hat, einen Niedergang durchgemacht, [eine Niedergangsrichtung eingeschlagen und stellen am allerwenigsten die Urform dar].
[ 16 ] Jetzt wollen wir auf diese Urform des Menschen selber eingehen vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt. [Da müssen wir einen Blick werfen auf das Wesen des Menschen, wie wir es schon häufiger uns vor Augen geführt haben.] Wir können nicht vom Standpunkte der Geisteswissenschaft [den Menschen] in jener einfachen Weise ansehen wie in der materiellen Wissenschaft den physischen Leib.
[ 17 ] [In dem, was die materielle Wissenschaft als das Einzige ansieht, dem Menschenleib, gründet nur ein Glied der menschlichen Wesenheit — das soll nur kurz angedeutet werden —, das nur dieselben Kräfte und Stoffe hat wie die scheinbar leblose Materie — die Wissenschaft aber sieht diesen Leib nur aus diesen Stoffen und Kräften so implizit zusammengesetzt, dass diese Stoffe und Kräfte nicht ihre Form erhalten könnten, wie das Materielle sich die Form erhält], wenn nicht des Menschen physischer Leib durchsetzt wäre, durchtränkt wäre von dem zweiten Gliede seiner Wesenheit von dem Äther- oder Lebensleib. Dieser Äther- oder Lebensleib ist für den Geisteswissenschafter - [wie schon die letzte Woche hier gezeigt hat] - eine Wirklichkeit, eine höhere Wirklichkeit als der physische Leib, denn er ist der Bildner und Schöpfer des physischen Leibes. Dieser Ätherleib oder Lebensleib, der in einem jeden Augenblick Ihres Lebens ein Kämpfer ist gegen die Auflösung des physischen Leibes, denn in dem Augenblicke, in dem sich der Ätherkörper trennt [vom physischen Leib], [tritt der Tod ein], ist der physische Leib Leichnam. Diesen Äther- oder Lebensleib hat der Mensch gemeinschaftlich mit allen Lebewesen, Pflanzen und Tieren. Das dritte [Glied nennen wir in der geistigen Wissenschaft aus guten Gründen Astralleib]. Der astralische Leib ist Träger von Lust und Leid, von Freude und Schmerz, allen Instinkten, Trieben, Leidenschaften, Vorstellungen und Gefühlen, von all dem, was in des Menschen Inneren lebt. Dieser astralische Leib ist drittes Glied der menschlichen Wesenheit. Er hat es gemeinschaftlich nur mehr mit der Tierwelt, nicht mehr mit der Pflanzenwelt. [Dann haben wir vor acht Tagen schon angeführt] das vierte Glied der menschlichen Wesenheit, durch das der Mensch die Krone der irdischen Schöpfung ist, dasjenige, von dem wir sagen könnten, dass es in der deutschen Sprache mit dem einzigen Namen bezeichnet wird, der sich von allen Namen unterscheidet, der Name unseres Ichs. Der Ich-Name, wenn man darüber nachdenkt, zeigt uns die Wesenheit des [Ichs], an. [Aber wenden Sie sich zunächst einmal zu] Fichte, [der den Ausspruch getan hat]:
Die meisten Menschen möchten sich viel lieber für ein
Stück Lava im Monde als für ein Ich ansehen.
[ 18 ] Dieses Ich kann nur von innen durch sich selbst genannt werden. Niemals kann der Name Ich an mein Ohr dringen, wenn er mein eigenes Ich bezeichnet, das kann nur von sich aus mit dem Namen Ich bezeichnet werden. Das haben die [gefunden und] erkannt, [die auf Geisteswissenschaft ...]: Hier ist das eigentliche Heiligtum, das innerste Glied der menschlichen Natur, zu dem nichts anderes von irdischen Dingen Zutritt hat, sondern wo menschliche göttliche Wesenheit zu einem dringt. [Des Menschen göttliche Wesenheit kündigt sich in dem Ich an.] Indem die Seele zu sich das Wörtchen «Ich» ertönen lässt, spricht sie zu ihm aus, was [von der Religion] bezeichnet wird als der Gott im Menschen. Dieses vierte Glied [der menschlichen Wesenheit] hat der Mensch nicht mehr gemeinschaftlich mit anderen Wesen, sondern für sich und ist dadurch die Krone der irdischen Schöpfung. ... /Unleserliche Wörter]
[ 19 ] [So haben wir den Menschen zunächst als Vierheit vor uns, und derjenige, welcher von sogenannt monistischem Standpunkt aus spricht, möchte daher dieser geisteswissenschaftlichen Anschauung nicht bloß Dualismus, womit so viel Unfug getrieben wird, vorwerfen, sondern gleich] «Viererlismus» [vorwerfen, aber] dann soll er auch gleich dem, der sagt, dass Wasser besteht aus Sauerstoff und Wasserstoff, [einmal den Dualismusvorwurf machen. Ist es ein Fehler, wenn man das Licht in seinen Grundfarben aufsucht, ist nur derjenige ein Monist, dem es nicht einfällt, das Ding in seine Einzelglieder zu zergliedern, oder der, der von dem Einzelnen behauptet, dass es das Umfassende ist?]
[ 20 ] Nur der ist ein Monist, welchem es nicht einfällt, das Ding in seine eigenen Glieder zu zergliedern oder von einem einzigen Gliede behauptet, dass es das Ganze umfassend ist. Dann wird das Wort Monismus zu einem Schlagwort, was gar nicht berücksichtigt, wie die Tatsachen stehen. [Aber schließlich wird heute viel mit Schlagworten, nicht mit Tatsachen gearbeitet.]
[ 21 ] Nun können wir des Menschen Ursprung und Abstammung nur einsehen, wenn wir die Verhältnisse dieser Glieder der menschlichen Wesenheiten beim gegenwärtigen Menschen einmal ins Auge fassen. Da müssen wir unterscheiden den Menschen in zwei wesensverschiedenen Zuständen, in denen er uns entgegentritt, im Wachen und im Schlaf. Das sind zwei grundverschiedene Zustände. Es war eine merkwürdige Tatsache, als Du Bois-Reymond, [der Naturforscher], sagte [und es ist schon im ersten dieser Vorträge darauf aufmerksam gemacht worden] auf der Leipziger Naturforscherversammlung: «Wenn man alles das, was in des Menschen physischen Leib vorgeht, alle diese /unleserlich] [komplizierten Bewegungen und] Vorgänge untersuchen würde, man könnte ja das [dabei] erforschen, wie sich Wasserstoff und Sauerstoff und Kohlenstoff und Stickstoff [so bewegen wie sie ... und ... werden, das könnte man alles] untersuchen, aber niemals würde man aus diesen Bewegungen erklären können die einfachste Bewusstseinstatsache «Ich empfinde Rot», «Ich rieche Rosenduft». [Und ebenso kann er auch bei einem, der mit wunderbaren Instrumenten alle Bewegungen sehen würde. Was würde er sehen?] Bewegung würde er sehen, aber nicht [die Seelenvorgänge] [«Ich sehe Rot und empfinde Rosenduft»].
[ 22 ] Es ist der schlimmste materialistische Aberglaube und im Grunde genommen sehr interessant, dass selbst auf naturwissenschaftlichem Boden aufmerksam darauf gemacht worden ist, [obwohl er bedeutsame Schnitzer gemacht hat,] [dass] niemals die Bewusstseinstatsache von einfachster Empfindung /wnleserlich] erklärt werden kann aus den Tatsachen [aus den Vorgängen] des physischen Leibes. Den schlafenden Menschen [können wir] verstehen, den wachenden niemals. Warum? Wenn der Mensch schläft, zeigen sich alle diese Tatsachen in einen unbestimmten Abgrund hinuntergesunken, und weil das fehlt, können wir das, [was übrig bleibt] verstehen. [Im Grunde genommen hat] Du Bois-[Reymond auch mit Recht —- er] ist selbst Materialist — die Tatsache des Lebens nicht erklärbar gefunden.
[ 23 ] [Um uns das klarzumachen, wollen wir den Unterschied] zwischen dem wachen und dem schlafenden Menschen ins Auge fassen. Im wachen Leib haben wir anwesend den astralischen Menschen mit dem physischen und Ätherleib verbunden. Im schlafenden Menschen dagegen haben wir den astralischen Leib getrennt, herausgegliedert vom physischen Leib [und vom Ätherleib. Dadurch unterscheidet sich Wachsein und Schlafen, dass der astralische Leib von dem physischen und Ätherleib im Schlaf getrennt ist, im wachen Zustand mit physischem und Ätherleib verbunden ist.]
[ 24 ] Allerdings, wenn Sie sich rein materiell-räumlich vorstellen, dass da so eine Art materielle Wolke [als astralischer Leib] herausfährt aus dem physischen Leib, haben Sie noch eine recht materialistische Vorstellung /unleserlich]. [Man darf nicht in Abrede stellen, dass das], was sich vielfach Theosophie nennt, auch angekränkelt [ist] von diesem Materialismus; [der Materialismus hat in einer solchen Art die Vorstellung ergriffen, dass die Gegner des Materialismus selbst mit materialistischen Vorstellungen arbeiten]. Die Menschen müssen sich nach und nach erst erziehen, sich die Trennung des Ätherleibes vom physischen Leibe geistig vorzustellen und [zu] wissen, dass man dann, wenn man Raumesausdrücke braucht, [diese als] Bilder, [als Gleichnis] sich nimmt.
[ 25 ] Der Mensch, wie er heute in seiner Entwicklung ist, ist [beim Schlaf] nur nicht imstande, seine physischen Organe wahrzunehmen; verbindet sich /unleserlich] des morgens beim Aufwachen der astralische Leib wiederum mit dem physischen Leib, so kann [er dann durch Augen und Ohren die] physische Umgebung wahrnehmen. Was wahrnimmt, ist [nicht Ihr physischer Leib, sondern das] Ich mit dem astralischen Leib, das des morgens früh in sein Wohnhaus, in den physischen Leib einzieht. Physische Organe sind die Instrumente dieses [mit physischem Leib] ausgerüsteten Ichs. Daher wird niemandem einfallen zu sagen, mein Gehirn [empfindet] eine Farbe, [sieht einen Freund] sondern richtig sagt ein jeder «Ich sehe einen Freund», ich nehme eine Farbe wahr und so weiter.
[ 26 ] Wenn wir diese Tatsache betrachten, dass heute im schlafenden Zustande der Mensch, sein Ich und sein astralischer Leib außerhalb des physischen und Ätherleibes ist, dann fragen jene — [dann müssen wir uns fragen]: Wo ist dann das Ich [mit dem Astralleib]? Das ist auch irgendwo in einer anderen Welt, in einer Welt, die zu den übersinnlichen Welten gehört. Was heißt das? Wo ist diese übersinnliche Welt? [Diejenigen], die Gegner einer Geisteswissenschaft sind, stellen sich vor, dass sich diese Geisteswissenschaft diese übersinnliche Welt in einem Jenseits vorstellt. Hier ist [sie, die übersinnliche Welt, um uns herum]!
[ 27 ] Und wie hat man sich im Sinn der Geisteswissenschaft diese übersinnliche Welt vorzustellen? Nicht anders als [man sich vorzustellen hat] Farben und Licht für den Blinden. Denken Sie sich, Sie haben unter sich einen Blindgeborenen. Das, was um Sie herum ist, Farben und Licht, ist auch um ihn herum, er sieht es nicht. Für ihn ist die Welt das Getastete, was er fühlen kann, ist für ihn die Welt [wie für Sie die Welt ist die Welt des Lichts und der Farben]. Könnten wir aber diesen Blindgeborenen in diesem Augenblicke operieren, dass er sehen würde, aus dem Dunkel, das um ihn herum war, würden aufleuchten die Lichter und die Farben, [und die Welt, die früher nicht für ihn da war. Weshalb ist sie jetzt da? Wir sehen, dass er jetzt sie aus dem Physischen herausgebildet hat.]
[ 28 ] So viel Welten sind tatsächlich in Unendlichkeit vorhanden, als ein Wesen Organe hat, sie wahrzunehmen. [Wir werden in späteren Vorträgen sehen, dass] der Mensch, wie er einstmals in Urzeit die Anlage hatte zu den Augen, die damals noch nicht sehen konnten, aber sehend wurden im Laufe der Entwicklung, dass alle Menschen die Anlage zu dem haben, was man in der Geisteswissenschaft mit Goethe nennt, «die geistigen Ohren, die geistigen Augen». Geistige Augen und Ohren sind in Anlage im Menschen vorhanden und können entwickelt werden. Das ist Absicht der Geisteswissenschaft, dass diese den Menschen die Methoden gibt, in den Zustand kommen zu können, der sich verhält wie der Blindgeborene, [den man] operieren [kann], [zu der Welt der Farben und des Lichtes, und] über eine solche Welt darf [natürlich] der nichts entscheiden, der nichts von ihr weiß, [sondern] einzig und allein das kann eine gesunde Erkenntnistheorie sein, die sagt, das ist da, was wahrgenommen werden kann. Und es sind dies nicht nur Menschen der Zukunft, die wahrnehmen können diese höheren Welten, die um uns herum sind, sondern diese Methoden können angewendet werden auf Menschen der Gegenwart.
[ 29 ] Menschen der Gegenwart wissen als Tatsache, als Urform, dass man sich verhalten kann zu den [höheren] Welten wie der Blindgeborene [zur Welt der Farben und des Lichtes]. Dadurch, dass des Menschen geistige Ohren und Augen erweckt werden, [können] neue Welten aufgehen, die um uns herum sind. In dieser Welt und in keiner anderen ist des Menschen Ich und der astralische Leib, wenn sie des Nachts getrennt sind vom physischen und Ätherleib. Solange nun des Menschen geistige Ohren und Augen nicht geweckt sind, kann er nicht sehen [in dieser geistigen Welt], daher schwindet das Bewusstsein hinunter. Dann aber, wenn geistige Augen und Ohren erweckt sind, kann er sehen.
[ 30 ] Aber niemals kann [darf] über das [Da-]Sein die Wahrnehmung entscheiden. [Sonst könnte ein Blinder, wenn ein Sehender zu ihm sagt, er sehe Farbe und Licht, sagen: Du bist ein Narr, ich sehe ja gar nichts]. Das Sein fällt durchaus nicht zusammen mit der Wahrheit.
[ 31 ] Nun legen wir uns die weitere Frage vor: Was tut dann nun aber dieser astralische Leib während der Nacht und was ist sein Geschäft? [Ist er beschäftigungslos?] Dieser astralische Leib ist während der Nacht wohl beschäftigt. Wenn Sie von Morgen bis zum Abend arbeiten oder Eindrücke der Außenwelt durch Ihre Sinne auf sich wirken lassen, dann geht [fortwährend in Ihnen] vor etwas, und das ist die Ermüdung, Abnützung der Kräfte des physischen Leibes. Warum ist ein gesunder Schlaf so gesund? Weil der Astralleib [während der Nacht an der Fortschaffung der Ermüdung, der abgenützten Stoffe], an der Wiederherstellung der abgenützten Kräfte arbeitet. Was der Astralleib getan hat, empfinden Sie [des Morgens als] eine Erfrischung [wenn Sie es auch nicht wissen, wie er arbeitet].
[ 32 ] So arbeitet dieser astralische Leib die ganze Nacht über, aber wodurch ist [der Astralleib] instand gesetzt, im physischen Leib zu arbeiten? /Unleserlich] er ist instand gesetzt dadurch, dass er jetzt nicht innerhalb, sondern außerhalb des physischen Leibes ist. Ein astralischer Menschenleib, der außerhalb des physischen Leibes ist, kann an diesem Leib arbeiten. Ein solcher, der im Leib wäre, muss sich der Organe des physischen Leibes bedienen, [um die physische Umgebung wahrzunehmen], und kann von ihm [von innen] aus nicht [den abgenutzten physischen Leib] wiederherstellen. Daher ist bei all den Wesen, die ihren Astralleib in sich haben beim Wachzustand, nötig, dass der Wachzustand wechselt mit dem Schlafzustand.
[ 33 ] Wenn der Tod eintritt, [was] geschieht [dann]? Das[jenige], was [sonst] während unseres ganzen Lebens nicht geschieht. Dann trennt sich nicht nur der astralische vom physischen, sondern auch Ätherleib vom physischen. [Wenn Sie den schlafenden Leib vor sich haben, liegen im Bett physischer und Ätherleib in vollkommener Verbindung, der Astralleib ist herausgehoben.] Wenn Sie den Leichnam vor sich haben, dann ist herausgehoben der Ätherleib. Daher folgen jetzt die physischen und chemischen Stoffe ihren eigenen Gesetzen, [der Leib kann nicht mehr zusammenhalten] - und hier haben wir die Tatsache des Todes und die Tatsache vom Schlafen und Wachen vor uns hingestellt. Nur wenn wir diese kennen, dann sind wir imstande, zu begreifen urzeitige Zustände des Menschen, dann können wir einen Blick werfen auf die Abstammung des Menschen.
[ 34 ] Nehmen wir jetzt unseren Begriff wieder auf. [Ich kann heute nicht über alle Einzelheiten reden, sondern nur eine Skizze der menschlichen Abstammung geben]. Gehen wir zurück in eine urferne Vergangenheit. Wir finden einen Menschenvorfahren.
[ 35 ] Aber wie sieht er aus? Ganz anders als der heutige Mensch. Alles, alles in der Menschheit hat sich entwickelt, auch Zustände vom Schlafen und Wachen haben sich entwickelt. Sie sind erst so geworden wie sie heute sind, waren in verflossenen Zeiten ganz anders. [Die] Geisteswissenschaft zeigt an, dass jene Verteilung vom Schlaf und Wachen, wie es heute ist, erst verhältnismäßig spät [in der Erdentwicklung] eingetreten ist, die Regel des Schlafes war in urferner Vergangenheit eine ganz andere. Viel länger geschlafen hat der Mensch, [war viel länger in bewusstlosem Zustand, das heißt], sein astralischer Leib war viel länger außerhalb des physischen Leibes, als er heute ist. Und weil er die Möglichkeit hatte, länger draußen zu sein und der Wachzustand kürzer war, hatte dieser astralische Leib keineswegs so viel zu tun mit dem Ausbessern [des physischen Leibes]. Die Ermüdung war keine so große.
[ 36 ] Heute ist der Nachtzustand ausgefüllt mit Ausbessern [des physischen Leibes]. Wir sehen nur im Traume etwas wie Brocken heraus aus dem bewusstlosen Zustand. In alten Zeiten einer urfernen Vergangenheit hatte nicht die ganze Arbeit [des astralischen Leibes] verwendet werden müssen auf die Ausbesserung des physischen Leibes. Daher war, [wenn auch dumpf und dämmerhaft], dieser [astralische] Leib [mit dem Ich] in einer gewissen [Beziehung] hellseherisch. In gewisser Weise konnte dieser astralische Leib, der, [weil er] nicht so innerlich gebunden war an den physischen und Ätherleib, konnte [er] hineinsehen in seine Umgebung. Er sah das, was an geistiger Welt um ihn herum war. Allerdings wie war es, [das Schauen in hiesige Welt hinein? Was ist zurückgeblieben?] Da ist zurückgeblieben der Traum. Aber Träumen ist so etwas, was nur ein ganz schwacher, [korrumpierter] Nachklang eines [alten], dämmerhaften Hellsehens der ganzen Menschheit ist, wie wir gewisse Organe in uns haben, die früher ihre Aufgabe hatten, [zum Beispiel gewisse] Muskeln in [der] Nähe des Ohrs. [Diejenigen Wesen im Tierreich, die auf dieser Stufe stehen geblieben sind, haben noch diese Muskeln, dass sie die Ohren bewegen.] Man nennt solche Organe, [die heute keine Aufgabe haben, aber in früheren Entwicklungsständen eine Aufgabe hatten], Atavismen. Ein solcher Atavismus ist Träumen. Es war in alten Zeiten in urferner Vergangenheit der Menschheit nicht jenes [unleserlich], was es heute ist, sondern etwas, was den Menschen in reale Zusammen[hänge] brachte mit [seiner] Umgebung. [So sonderbar es aussieht für materialistische Denker, aber ich möchte Ihnen eine [unleserlich] geben und] ein wenig schildern, [wie es] damals [war]. In jenen alten Zeiten, in denen der Mensch in jenem dämmerhaften halbschlafenden Zustand war, konnte er den Menschen nicht so wahrnehmen, dass er [die äußeren Naturen] wahrnehmen [konnte, aber er nahm] wahr, was in der Seele lebte in [anderen] Menschen. Wenn er — [der andere] — wach war und sich [etwas] Arges dachte, dann [nahm er dieses arge Gefühl wahr, es] stieg [wie eine Art leuchtender Körper] für das damalige Bewusstsein als ein Wahrnehmungsvorgang ein Farbbild auf für den Seelenzustand des anderen.
[ 37 ] So nahm der Mensch das Geistige in seiner Umgebung wahr. [Gewiss, für materialistische Denker ist das etwas ganz Närrisches. Aber die Gründe, die dagegen anzuführen sind, wissen die Geistesforscher ganz genau selber. Also: Der Mensch war dazu veranlagt] in Träumen wahr[nehmen zu können]. Aber es kommt nicht darauf an, etwas Träumen zu [nennen]; wenn Träumen eine Wirklichkeit abbildet, dann ist [es doch] reale Wahrnehmung. /Lücke] [Aber wenn es im Traum wahrgenommen ist, so ist es noch nicht schlecht. ... Wir müssen uns] diese alten Träume vorstellen als einen weitaus lebensvolleren, einen Zustand, der eine geistige Welt um den Menschen herum zeigt, die heute auch vorhanden ist, [die der Mensch] aber nicht mehr sehen kann, weil er das alte Hellsehen verloren hat, aber in Zukunft wieder lernen wird, zu sehen.
[ 38 ] Jetzt haben wir diesen Menschen der urfernen Vergangenheit geschildert. Sein astralischer Leib war im Wesentlichen [mächtiger], inhaltsvoller, lebensvoller als jetzt. [Der jetzige] Mensch hat sich erobert dieses [äußere sinnliche] Wahrnehmen durch sein längeres Wohnen im physischen Leib. [Aber es gibt einen Urzustand des Menschen, in dem der Astralleib mehr außerhalb des physischen und Ätherleibs war, als das heute der Fall ist.]
[ 39 ] Machen wir uns einmal klar, was selbst heute noch unter gewissen Verhältnissen der astralische im physischen Leib vermag. Er vermag heute allerdings nicht viel, aber etwas vermag er doch. Wenn Sie ein Schamgefühl der Seele empfinden und Sie erröten, da ist das Erröten ein rein physischer Vorgang, und von was ist es die Folge? Von einem Vorgang im astralischen Leib.
[ 40 ] Der Eindruck, der [das] Schamgefühl hervorgerufen hat — [eine Vorstellungs-, eine Gefühls-Wirklichkeit] —, hat ein Gefühl im Astralleib vorgerufen [und] dieses Gefühl [hat das Blut an die Oberfläche getrieben, sodass hier die Schamesröte erscheint], da sehen Sie, wie das Blut durch Vorgänge in astralischen Leib durch den einen oder anderen Vorgang in Bewegung gesetzt werden konnte. [Heute ist es ziemlich wenig, was der Astralleib arbeiten kann, aber früher hatte er große Macht.] In alten Zeiten war das Verhältnis des astralischen Leibes zum physischen Leib ein ganz anderes. Der astralische Leib konnte nicht nur den physischen [Leib in der geringfügigen Weise, wie es /unleserlich] des Blutes entgegengetreten ist, beherrschen, sondern er hatte die Möglichkeit, diesen physischen Leib] selbst seiner Form nach noch umzugestalten. Damals, als der astralische Leib noch außerhalb war, [hatte er] nicht nur die Aufgabe, [die physischen Stoffe der] Ermüdung fortzuschaffen, sondern [unleserlich] jene hellseherische Fähigkeit konnte [den physischen Leib] umbilden.
[ 41 ] Heute [hat der Mensch] eine andere Stirn. [Gewisse Tiere haben noch jene Stirnbildung und [unleserlich]-Bildung korrumpiert. Der Mensch] hat sie durch Kräfte, die in diesem astralischen Leib waren, nach vorne getrieben. [Wir können [unleserlich] vergegenwärtigen, was diese menschliche Stirn nach vorn getrieben hat.] Indem der Mensch aufrecht gehen lernte und sich aufrecht zu bewegen, da erst lernte er den Sternenhimmel, das was oben ist, in gewisser Weise vorstellen und fühlen. Diese Eindrücke hat das mit den [Augen] nach unten oder das geradeaus gerichtete Auge des Tieres nicht. Als [der Mensch] anfing, den Sternenraum zu durchmessen, nämlich in der Zeit, als der Mensch hellseherische Anschauung hatte, [bewirkte das, was da aufgenommen wurde], dass die Stirn nach vorne drückte, das Gehirn in solche Windungen versetzte, wie der Mensch sie heute hat zu seinen Fähigkeiten. Dieser astralische Leib ist der Schöpfer unseres Vorderhirns und hat [das vordere Gehirn] mitgeschaffen [in Anpassung an die äußere Welt]. So sehen wir förmlich hinein, wie der astralische Leib den physischen Leib mitgeschaffen hat.
[ 42 ] Wie der Astralleib heute nur aus einem blassen in ein rotes Gesicht umwandelt, [wenn Schamesröte ins Gesicht getrieben wird], so hat er in alten Zeiten [das Gehirn] aus dieser [Urform] heraus [in seine heutige Form] geprägt. Jene Wesen in unserer Vorfahrreihe, welche diese Fähigkeit sich erworben haben, steigen auf zu Menschen. [Diejenigen], die diese Fähigkeit sich nicht erworben haben, steigen nicht auf zur Menschheit, verdichten. [So] verknöcherte sich, korrumpiert, eine frühere Entwicklungsstufe [und zeigt sie uns in einem korrumpierten Zustand]. Niemals darf der Mensch etwa vom heutigen Affen abgeleitet werden, der niemals hat diese Kräfte des astralischen Leibes auf sich wirken lassen können. Nun aber fragen wir, wenn wir noch weiter zurückgehen, dann kommen wir zu einer noch loseren Verbindung [zum physischen und Ätherleib]. Immer mehr ist darin [vom physischen und Ätherleib], daher ist immer mächtiger [und mächtiger der] astralische Leib [im Ätherleib], immer mehr imstande, den physischen Leib umzuformen. [Gallertartig war damals der Mensch, wie das heutige noch viel mehr gallertartige Tier.] Als der Mensch in weichem Zustand war, konnte der astralische Leib in mächtiger Weise auf ihn arbeiten.
[ 43 ] [Und] so können wir immer weiter zurückgehen, zu dem Zustande, wo der gesamte astralische Leib außerhalb [des physischen Leibes] war, [wo sich der physische Leib zu dem] Ätherleib so verhielt, wie sich heute [der Körper der] Schnecke zum physischen Haus [der Schnecke] verhält, wo der astralische Leib /unleserlich] ihn gleichsam umschalt und ihn umarbeitet, wie die Schnecke am Haus — in dem Stoff des Hauses wohnt die Schnecke nicht. [So gehört er zu dem physischen und Ätherleib, aber er wohnt noch nicht in ihm, er bearbeitet ihn ganz innen, von außen; und wir finden] Zustände, wenn wir noch weiter zurückgehen, [wo auch der] Ätherleib [selber] noch nicht in dieser innigen Verbindung mit diesem physischen Leib ist, der Äther- noch außerhalb des physischen Leibes ist, und da kommen wir dazu, einzusehen, dass die Glieder der menschlichen Natur, [die heut im wachen Menschen miteinander innerlich verknüpft sind], in uralten Zeiten sich zusammengegliedert haben. Gewiss haben sie einen gemeinsamen Ursprung, aber trotzdem sie aus dem einheitlichen Urwesen stammen und die Einheit, die sie im Menschen bilden, ist eine merkwürdige, [mehrgliedrige] Einheit. Und wenn wir dem astralischen Leib die Fähigkeit zusprechen, den physischen Leib umzugestalten, welche Eigenschaften dürfen wir dann dem [ursprünglich] freien Ätherleib zuschreiben? ... /unleserlich]
[ 44 ] [Je weiter wir in dieser Beziehung zu den Ur-Eigenschaften dieses Leibes zurückgehen, desto besser lernen wir kennen das geheimnisvolle Wirken in der Entwicklung]; dürfen wir dem Astralleib zuschreiben die [Gestaltung und Umgestaltung, die] Verwandlung [und Umarbeitung des physischen Leibes], dann müssen wir dem Ätherleib zuschreiben das stoffliche Hervorbringen des physischen Leibes. [Was heute um uns physischer Leib ist, wie ist es entstanden? Das können wir uns durch ein Bild klarmachen.]
[ 45 ] [Der] Geisteswissenschafter [ist nicht imstande, alles durch Bilder mit [unleserlich] vorzuführen. Dasjenige, was handgreiflich ist, kann man heute mit dem Bild einem jeden Menschen vorführen, das ist etwas, was mehr Assoziationen erregt von einer physisch-materialistischen Anschauung.]
[ 46 ] Durch einen Vergleich können wir uns klarmachen, wie [der materielle] physische Leib des Menschen entstanden ist. Der Mensch glaubt heute so leicht, dass das, was er als Physisches kennt, den Ursprung enthält von dem Lebendigen, das ist wiederum [eine solche] Denkgewohnheit, in Wahrheit ist es nicht so. Wenn man [einmal] sich mit den Vorurteilen, die heute der Wissenschaft [entstammen sollen, aber ihr nicht entstammen] ... /Lücke] Wenn man prüft, wie Dinge sind, [und wir dann die Methode nur lernen, wie man prüft], dann kann man sich durch folgenden Vergleich klarmachen, wie der physische Leib entsteht.
[ 47 ] Nehmen Sie Steinkohle, sie ist heute ein mineralischer Stoff. Sie war aber vor langen Jahren — Pflanzen. Was heute Steinkohlen sind, sind als [graphithaltige] Pflanzen [in mächtigen Wäldern] da gewesen; das Organische hat sich in das Unorganische verwandelt, die Pflanze ist Stein geworden, das Lebendige ist physisch geworden. [Wenn Sie geisteswissenschaftlich forschen können, könnten Sie sehen, wie alle Steine] ursprüng[lich] Lebewesen waren. Wir können nachforschen, [wir können genau nachweisen], dass Steine, [dass ein Bergkristall] in Urzeiten [eine Art] Pflanze war, [wie die Steinkohle. Als Mineralisches in uns ursprünglich lebendig entstanden, so ist des Menschen ganzer physischer Leib einstmals aus dem Ätherleib herausgegliedert worden. So wie Sie heute sehen] die viele Korallentiere, die das Korallenriff, das Physische aufbauen, [Sie sehen, wie sie herauswachsen], sehen, wie die Lebewesen aus ihrem eigenen Leib dieses physische Riff herausarbeiten. So war in einer Zeit vom Menschen[vorfahr] nur dieser Ätherleib vorhanden, [der Astralleib, und der] physische Leib ist aus dem Ätherleib [heraus durch einen Prozess], wie Eis aus dem Wasser; eine Verdichtung ist der Ätherleib, in verdichteter, anderer Form, und da kommen wir in den ursprünglichen Menschheitszustand zurück.
[ 48 ] Da, wo der Ätherleib allein vorhanden war, war überhaupt noch kein physischer Mensch da. Wie hat der physische Mensch angefangen? Es war da der astralische und ätherische Mensch, die gingen dem [physischen] Menschen voran. Der erste physische Mensch war eine kleine physische Eingliederung, wie wenn Kalkkügelchen sich [aus einem Tier] abspalten, [absondern, da sehen Sie das Tier und dann ein kleines Kalkkügelchen], oder [Sie haben] hier ein Gefäß mit Wasser: Zuerst [bildet sich] ein kleines Eiskörnchen, dann vergrößert sich das [nach und nach].
[ 49 ] So war des Menschen ganze physische Natur überhaupt nicht da. Sie bildete sich überhaupt [als kleines, winziges Ding] in[nerhalb des] geistigen, ätherischen [und astralischen, und] was nunmehr sich loslöste vom Ätherischen und Astralischen und zurück, das war dem Niedergang geweiht, das fing von da an, in niedergehender Richtung sich zu entwickeln, [und wurde zu den niedrigsten Lebewesen]. Was aber ergriffen wurde von den Kräften des Äther- und Astralleibes, entwickelte sich höher. [Etwas vom Tier löste sich ab], stufenweise, bis [zu der Stufe, wo der] heutige Mensch da war; nur aus den [Entwicklungs]schritten, die er unternommen hat, hat er überall Wesen zurückgelassen. Das einfachste Wesen, das man heute sieht, von dem man sagt, dass sei der Stammvater [der Menschheit], ist nur ein Seitenzweig [der Menschheitsentwicklung].
[ 50 ] Aber der Mensch [als geistiges Wesen], als astralisches Wesen geht den Lebewesen voran. Er ist der Erstgeborene als Geistwesen. Von ihm [als Geistwesen] stammen [die anderen Wesenheiten], die unvollkommenen Wesen ab, von ihm, der [von Anfang an] alle Anlagen zur höchsten Vollkommenheit [in sich hat]. So war Mensch da als geistiges Wesen, bevor er als physisches [Wesen] da war. [Woher stammen wir also? Aus der Welt, die der Mensch gar nicht sieht]; der Mensch sieht nicht die Welt, in der die astralischen, ätherischen Körper heimisch sind. Da drinnen ist die Welt, aus der der Mensch wirklich abstammt. Daher stammt ursprünglich das, was höchstes Glied des Menschen ist, auf geheimvolle Art, [aus ihm heraus der astralische Leib, der ätherische und] als letztes Glied der physische Leib. Vom Göttlich-Geistigen stammt der Mensch ab, [vom Geistigen stammt der Mensch. Nur] dann betrachten wir das Erscheinen und Abstammung des Menschen im ganz richtigen Lichte, wenn [wir uns] wirklich [zu geistig-wissenschaftlicher Betrachtung erheben. Diese geisteswissenschaftlichen Blicke können im Lauf des Winters in Einzelheiten erläutert werden. Was nun als Programm erscheint, wird in seinen Einzelheiten klar werden. Das wird sich zeigen ...] Das Physische ist aus dem Geistigen heraus geboren. Das Geistige ist etwas, was alles durchdringt, das haben [vor allen Dingen] immer die[jenigen] empfunden, dass der Mensch aus dem Geistigen heraus stammt, die durch ihre gute Anlagen und Erkenntnis keinen materialistischen Sinn [und keine materialistischen Denkgewohnheiten] hatten. Von [den] Gesetzen, die als geistige die ganze Welt durchdringen und durchklingen, von solchen Gesetzen heraus erscheint der Mensch den Geistesforschern stammend. Damit ist Geistesforschung auf keinem anderen Gesichtspunkte stehend, als auf dem[jenigen] Goethes, [den wir als echten Geistesforscher erkannt haben, und den er] in den verschiedensten Formen zum Ausdruck gebracht hat, [unter anderem in jener wunderbaren Gedichtreihe, die mit] «Gott und Welt» [überschrieben ist], in der ein schönes Gedicht ist, «Orphische Urworte», von dem uns heute insbesondere aber die erste Strophe interessiert, weil sie uns zeigt, wie sich Goethe bewusst war der Tatsachen, von denen wir heute gesprochen haben. Er will [in seiner ersten Strophe uns] zeigen, wie das, was im Menschen geistig ist, was von höheren Gesetzen abstammt [als von physischen Gesetzen, die durch äußerliche Sinnestatsachen erklärt werden], auch nicht zerstückelt werden kann durch die Mächte des Zeitlichen, nicht zerstückelt werden kann durch Kräfte des Sinnlichen. [Das will er ausdrücken, wenn er] eine uralte heilige Anschauung anknüpft an [seine eigene Zerstückelung]: Ich und Geistesmenschen sind nicht gebunden an sinn[lich]-physische Gesetze des Leibes, den sie selbst [erst] hervorgebracht, aufgebaut, verwandelt haben, sie sind in ihrem Wesen ewig und unveränderlich, indem sie das verwandeln und umbilden, das sie selbst [als das Ich und astralischer Leib] hervorgebracht haben.
Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen
Die Sonne stand zum Gruße der Planeten
Bist alsobald und immerfort gedichen
[nach dem Gesetz, nach dem du angetreten].
So musst du sein, dir kannst du nicht entfliehen,
So sagten schon Sibyllen und Propheten.
Und keine Macht und keine Zeit zerstückelt
Geprägte Form, die lebend sich entwickelt.
