Der Kreislauf des Menschen
innerhalb der Sinnes Seelen und Geisteswelt
GA 68b
2 Juni 1909, Budapest
51. Die Westlichen Wege der Einweihung
[ 1 ] Woher stammen diese Erkenntnisse der geistigen Welten und welcher Weg führt dazu in der Gegenwart?
[ 2 ] Vier Naturwege gibt Dr. Steiner an:
1. Die gesamte Traumwelt. Erste Kategorie.
2. Zweite Kategorie: Ahnung, Vision.
3. Zweites Gesicht.
4. Der Rosenkreuzerweg.
[ 3 ] Der Traum ist der atavistische Rest gleichsam eines alten Bewusstseinszustandes.
[ 4 ] Vision und Ahnung liegen im Unterbewusstsein.
[ 5 ] Zweites Gesicht tritt auch nicht ins Bewusstsein.
[ 6 ] Ahnung, Vision, Deuteroskopie. Beispiel dafür.
[ 7 ] Untertauchen in Wasser mit dem Bewusstsein von oben.
[ 8 ] Zeitungsbericht
[ 9 ] «Pester Lloyd», 56. Jahrgang, Nr. 130, Budapest, Donnerstag, den 3. Juni 1909, Morgenblatt, S. 4-5
[ 10 ] (Theosophischer Kongress in Budapest.) Von Pfingstsonntag bis heute tagte hier der V. europäische Theosophische Kongress. Derselbe hielt seine Sitzungen im Festsaale der Pester Lloyd-Gesellschaft. Zahlreiche Teilnehmer waren aus England, Frankreich, Italien, Russland, Deutschland, Holland und Bulgarien erschienen. Die Ungarische Theosophische Gesellschaft war durch ungefähr achtzig Mitglieder vertreten. Es wurden zahlreiche Vorträge über Religionsphilosophie, Okkultismus, Pädagogik, Ästhetik usw. gehalten. Im Festsaale waren Bilder und Zeichnungen religiösen Charakters ausgestellt. Insbesondere die Bilder von Aladär Kriesch, Alexander Nagy, Robert Nädler und Bela v. Takäch fanden großen Beifall. Pfingstmontagabends wohnten die Kongressmitglieder der Ausführung der Madäch[’]schen «Tragödie des Menschen» im Nationaltheater an. Es fanden auch zwei öffentliche Vorträge statt. Am 1. Juni hielt Madame Annie Besant einen Vortrag in englischer Sprache über «Das erweiterte Bewusstsein». Die überzeugende Eloquenz der Vortragenden machte nachhaltigen Eindruck. Der heutige Vortrag Dr. Rudolf Steiners wies den Weg in die Geisteswelt. Für den Bestand einer solchen führte der Vortragende das hellseherische Bewusstsein an, welches sich einerseits im Traum, andererseits in der Ahnung, in der Vision und in dem anderen Gesichte manifestiert. Der Traum war nach Dr. Steiner ursprünglich Vermittler geistiger Wahrnehmungen, erst später verkümmerte er zu einer Wahrnehmungswelt von Unwirklichkeiten. Die Vision und die anderen Zustände des hellscherischen Bewusstseins sind ein Zurücktauchen in die ursprüngliche geistige Wahrnehmungswelt, begleitet von den Vorstellungen der sinnlichen Welt, in welcher wir leben. Die Theosophie sucht nun die Fähigkeit zu wecken, mit dem Ichbewusstsein, welches erst durch die sinnlichen Wahrnehmungen entstanden ist, in die geistige Welt einzutreten, dieses Ichbewusstsein mit dem hellseherischen zu verbinden. Denn erst dadurch werden Wahrnehmungen des Letzteren Bilder wirklicher Vorgänge, Erfahrungen und Erlebnisse. Ist einmal diese ‘ähigkeit geweckt, hat der Mensch eine höhere Stufe der Vollkommenheit erreicht, von welcher aus er für die wirkliche Wohlfahrt und Freiheit der Menschheit wirken kann.
[ 11 ] Der Vortrag wurde von dem zahlreichen Auditorium mit gespanntem Interesse angehört und reichlich mit Beifall gelohnt. Die ausländischen Theosophen waren entzückt von den Schönheiten Budapests und von der ungarischen Gastfreundschaft; sie schieden aus unserer Mitte als begeisterte Ungarnfreunde.
