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Erkenntnis und Unsterblichkeit
GA 69b

23 Februar 1911, Basel

7. Anlage, Begabung und Erziehung des Menschen im Lichte der Geisteswissenschaft

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Wenn Geisteswissenschaft sich in bezug auf allgemeine Menschheitsziele die Aufgabe setzt, einzudringen in die geistige Welt, die hinter unserer sinnlichen Welt liegt — der Welt, die wir mit den Sinnen wahrnehmen und mit dem Verstande, der an unser Gehirn gebunden ist, begreifen können —, dann sucht diese Geisteswissenschaft aus der geistigen Welt, in welcher der Menschen Ursprung selber liegt, Kraft und Zuversicht für das Leben der Menschen zu erhalten. Und dabei sucht sie durch die Erkenntnis dessen, was in den Urgründen der Dinge liegt, den einzelnen Menschen zu fördern.

[ 2 ] In noch ganz anderer Weise stehen wir der geistigen Welt gegenüber, wenn wir nicht im allgemeinen, nicht nur für unsere Erkenntnis, nach den Quellen des geistigen Lebens suchen, sondern wenn wir es gewissermaßen mit der Erlösung des Geistes zu tun haben, des realen Geistes hinter dem materiellen Dasein, und wenn es diesem realen Geiste gegenüber zur Aufgabe werden kann, ihm sozusagen zu helfen, daß er zum Durchbruch durch das Physisch-Materielle gelangen kann. In wie vielen Fällen stehen wir doch dem werdenden Menschen gegenüber — dem Menschen, den wir da sehen, wie er von früher Kindheit an den Geist sozusagen aus den verborgenen Tiefen seines Wesens herauszuarbeiten hat, den Geist, der immer mehr und mehr Besitz ergreift von den physischen Gliedmaßen und den geistig-seelischen Fähigkeiten, die an das äußere Instrument des Leibes gebunden sind. Wenn wir es als Erzieher zu tun haben mit diesem realen Geiste, der im Mysterium des Menschen selber ruht und der herausgeholt werden soll, haben wir es in einem noch höheren Sinn mit einem Suchen des Geistes zu tun als bei der bloßen Erkenntnis, die wir sozusagen als Befriedigung für die Sehnsucht unserer Seele suchen.

[ 3 ] Nun ist heute der Geistesforscher in einer besonderen Lage, wenn er den werdenden Menschen betrachten will — diesen werdenden Menschen, der nach und nach Anlagen und Fähigkeiten zutage treten läßt und der fordert, daß wir uns ihm erzieherisch widmen. Der Geistesforscher ist dem werdenden Menschen gegenüber deshalb in einer besonderen Lage, weil er gegenüber diesem realen Leben des Geistes sogleich auf eine der großen Tatsachen der Geisteswissenschaft hinweisen muß, welche sich heute keineswegs der besonderen Gunst der gebildeten Welt erfreut. Diese Tatsache müßte dem aufmerksamen Lebensbeobachter entgegentreten, wenn er sieht, wie vom ersten Augenblick des menschlichen Daseins an das Geistige gleichsam in den tiefen Schichten der menschlichen Wesenheit ruht, wie es sich dann von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Jahr zu Jahr so herausarbeitet, daß er dieses Herausarbeiten förmlich sehen muß in dem Immer-bestimmter-Werden der Physiognomie, der Gesten, der Bewegungen der einzelnen Glieder und der Fähigkeiten, die tiefer im Menschen schlummern. Da schauen wir hin auf das, was sich aus verborgenen Tiefen im werdenden Menschen an die Oberfläche arbeitet, und müssen uns fragen: Wo haben wir den Ursprung dieser Anlagen, dieser Fähigkeiten zu suchen, die sich da langsam herausarbeiten? — Und in bezug auf dieses Suchen ist der Mensch unserer heutigen Zeit keineswegs geneigt, an jene Tatsachen heranzutreten, auf welche die Geistesforschung hinweisen muß. Wir haben verschiedentlich hingewiesen auf diese Tatsache — heute soll sie nur herangezogen werden als Grundlage für unsere eigentliche Betrachtung. Auf einer höheren Stufe ist diese Tatsache eine Wiederholung einer anderen Tatsache, die in der Menschheitsentwicklung auch noch nicht sehr lange bekannt ist.

[ 4 ] Schon öfters ist von mir darauf hingewiesen worden oh, das menschliche Gedächtnis ist im allgemeinen sehr kurz in dieser Beziehung —, daß im 17. Jahrhundert nicht nur Laien, sondern gelehrte Naturforscher davon überzeugt waren, daß Materie, Schlamm zum Beispiel, aus sich heraus Tiere entwickeln könne, Fische und dergleichen, ohne daß ein Lebenskeim in diesen Schlamm hineingelegt worden sei — aus sich selber heraus. Es war ein gewaltiger Umschwung für die Naturwissenschaft, als im 17. Jahrhundert — denken Sie, erst im 17. Jahrhundert! — der große Naturforscher Francesco Redi zuerst jenen Satz vertrat, der der naturwissenschaftlichen Erkenntnis neue, weltenweite Ausblicke eröffnete: Lebendiges kann nur von Lebendigem abstammen. — Wenn ihr glaubt, so sagte er, daß aus Flußschlamm Lebewesen entstehen können, so habt ihr nicht genau untersucht, sonst hättet ihr gefunden, daß im Keim die Quelle des Lebens liegt und daß dieser Keim nur die Materie an sich zieht, um in Erscheinung zu treten. — Es geht mit Wahrheiten oft so, wie es bei Francesco Redi ging. Er entging nur mit knapper Not dem Schicksal des Giordano Bruno, denn auch er wurde als Ketzer angesehen. Heute können wir von den radikalsten Haeckelianern bis zu den Gegnern Haeckels gehen: Innerhalb gewisser Grenzen wird der Satz «Lebendiges kann nur von Lebendigem abstammen» überall anerkannt. Er gilt als Selbstverständlichkeit. Das ist das Schicksal der großen Wahrheiten. Erst gelten sie als Ketzereien, dann, nach einiger Zeit, als Selbstverständlichkeiten. Die Menschen können dann nicht begreifen, wie man jemals etwas anderes glauben konnte.

[ 5 ] Die Geisteswissenschaft hat heute die Aufgabe, diesen Satz auf einer höheren Stufe zu vertreten. Es ist nur ungenau beobachtet, wenn man sagt, das, was sich wie etwas Geheimnisvolles zum Dasein ringt im werdenden Menschen und sich immer bestimmter zum Ausdruck bringt in den Gesten und Gesichtszügen, das stamme bloß aus den vererbten Merkmalen von Vater und Mutter und so weiter. Das ist, wenn man wissenschaftlich vorgeht, geradeso wenig aus diesen vererbten Merkmalen zu erklären, wie das Entstehen des Regenwurms aus der Materie des Flußschlamms ohne einen Regenwurmkeim angenommen werden kann. Da zeigt die Geisteswissenschaft heute, daß für das menschliche Leben das, was da als Wesenskern des Menschen durch die Geburt ins Dasein tritt, zurückgeführt werden muß auf ein anderes, ein ganz seelisches Dasein, in dem sein geistig-seelischer Keim liegt. Und geradeso, wie der Regenwurmkeim äußere physische Substanz heranzieht, um sich zu vergrößern, so zieht auch beim Menschen dieser geistig-seelische Keim lediglich die Eigenschaften, die Kräfte der Eltern, der Vorfahren heran, um sich mit ihrer Hilfe auszubilden.

[ 6 ] Geistig-Seelisches müssen wir auf Geistig-Seelisches zurückführen. Wir müssen das im Menschen vorhandene Seelische ebenso auf einen seelischen Keim zurückführen wie in weiterer Ausbildung auch das Geistige auf einen geistigen Keim. Und indem wir dies annehmen, führt es uns zu der Tatsache der wiederholten Erdenleben, die heute so viele Menschen nicht nur ärgert, sondern die von vielen Menschen empfunden wird wie eine Träumerei oder Phantasterei, wie etwas ganz Abscheuliches. Die Anschauung von den wiederholten Erdenleben sagt uns, daß das Leben, das wir jetzt leben und in dem sich die Fähigkeiten und Eigenschaften entfalten, die Wiederholung von früheren Erdenleben ist und die Grundlage von späteren Leben. Die Lebensabschnitte, wo wir umhüllt sind mit dem fleischlichen Körper, werden vertauscht mit anderen Daseinsformen, um dasjenige, was wir im jetzigen Leben aufgenommen haben, was wir in der Schule des Lebens durchgemacht haben, hineinzutragen in das geistige Leben, um dann, nachdem dies geschehen ist, wieder einzutreten in ein neues physisches Dasein, in dem wieder ein Lebenskeim dasjenige aus der Substanz heranzieht, was er braucht an Eigenschaften und Fähigkeiten, um sich in einen Leib hineinzuleben.

[ 7 ] Wir können also sagen: Wir blicken geisteswissenschaftlich, wenn wir den Menschen aus den geheimnisvollen Grundlagen seines Daseins heraustreten sehen, auf einen geistig-seelischen Wesenskern, der sich entfaltet gemäß seinem früheren Leben und der sich im jetzigen Dasein entwickelt, indem er selber heranzieht die vererbten Merkmale von Vater und Mutter und ihren Vorfahren. Das ist wieder eine solche Wahrheit, welche sich langsam einleben wird in die menschliche Bildung. Heute wird man ja Ketzer nicht mehr verbrennen, aber es wird doch gesagt, daß diejenigen, die so etwas behaupten, nichts von exakter Wissenschaft wüßten, während doch gerade die [Forschungen der Geisteswissenschaft] auf exaktester Wissenschaft beruhen. Man verketzert sie in der Weise, wie eben heute verketzert wird. Aber die Wahrheit von der Wiederverkörperung wird sich einleben, und sie wird allen urteilsfähigen Menschen nicht mehr verrückt, sondern selbstverständlich vorkommen.

[ 8 ] So müssen wir von dem, was beim Kinde als werdende Fähigkeiten zutage tritt, zurückblicken auf das, was sich der Mensch in früheren Erdenleben erworben hat und in diesem Leben zum Ausdruck bringt. Wenn man die gegenwärtige Wissenschaft betrachtet, muß man sagen, eine gewisse Unklarheit herrscht überall, auf allen Gebieten. Die Wissenschaft glaubt, nur hinweisen zu müssen auf das, was von Vater und Mutter, von Großeltern und so weiter herstammt, vererbt ist, und ist froh, wenn sie zeigen kann, daß die Eigenschaften, die sich da oder dort ausleben, in dieser oder jener Weise beim Vater oder Großvater auch vorhanden gewesen sind.

[ 9 ] Schauen wir die ganzen Verhältnisse dessen an, was aus dem Zentrum des Menschen, herübergebracht aus früherem Dasein, sich herauskristallisiert; schauen wir das Verhältnis dieses Kerns zu den vererbten Merkmalen an. Wenn wir alles das betrachten, was der Mensch an Eigenschaften und Talenten ins Dasein bringt, so können wir zwei gesetzmäßig zusammenhängende Tatsachen erblicken in der menschlichen Seele. Die erste ist dasjenige, was in einem Menschen sowohl an seelischen Eigenschaften wie auch an Fähigkeiten auftritt — die Mehrheit der seelischen Eigenschaften und Fähigkeiten sind in gewisser Beziehung unabhängig voneinander, so daß also nicht die eine von der anderen abhängt. Das zeigt die einfache Tatsache, daß jemand sehr musikalisch sein kann und dabei nicht die geringste Anlage hat für Mathematik oder ein anderes Fach der Wissenschaft. Eine Fähigkeit kann glänzen in unserer Seele, ohne daß wir sagen können, daß damit auch andere Fähigkeiten vorhanden sind. In dieser Beziehung sind die einzelnen Fähigkeiten unabhängig voneinander. Dasselbe ist aber auch bezüglich der [seelischen] Eigenschaften der Fall. In einem Menschen kann ein gewisser Hochmut neben anderen recht sympathischen Eigenschaften der Seele vorhanden sein. Und wiederum ist der Hochmut nicht abhängig von den anderen Eigenschaften. Das ist das eine, wenn wir in das menschliche Seelenleben einen Blick tun wollen.

[ 10 ] Die zweite Tatsache ist die, daß die Fähigkeiten und die Eigenschaften, die der Mensch in seiner Seele hat, durch ein gewisses Zentrum, das wir als die Ichheit bezeichnen, zusammengehalten werden und daß sie entweder in Harmonie oder in Disharmonie miteinander sind. Sie alle, die durch das Ich zusammenwirken, sind gewissermaßen unabhängig voneinander und wirken dadurch zusammen, daß der Mensch in sich einen besonderen Wesenskern hat. Wenn wir uns an diese zwei Tatsachen halten, können wir bei gesunder Lebensbeobachtung einen klaren Blick dafür bekommen, wie sich die Eigenschaften und Fähigkeiten von den Eltern und Voreltern auf die Kinder und Nachkommen vererben. Da zeigen sich die einzelnen Eigenschaften und Fähigkeiten wirklich fast wie ausgehend von den Voreltern auf die Nachkommen. Es zeigt sich uns auf der einen Seite, daß, wenn ein Knabe hochmütig ist, er diesen Hochmut von seiner Mutter geerbt hat; ein anderer ist musikalisch, dieselbe Anlage finden wir bei seinem Vater oder bei seiner Mutter. Die Art aber, wie er die Eigenschaften verarbeitet, wie er sie in Zusammenhang bringt, sehen wir deutlich vom seinem eigenen Wesenskern abhängen. Und je genauer, je exakter wir dieses menschliche Leben betrachten, desto mehr ergibt sich uns die Art dieser Abhängigkeit. Wir kommen da am besten zurecht, wenn wir sagen: Die einzelnen Eigenschaften — Hochmut, Demut, mitleidiges Herz und so weiter — erbt der Mensch von seinen Vorfahren, auch die Talente, aber die Art und Weise, wie er sie in seiner Seele zusammenfügt, die führt zurück in sein früheres Dasein, auf seinen geistig-seelischen Wesenskern mit alldem, was im früheren Dasein von seiner Seele errungen worden ist. Wir können dann noch viel genauer angeben, wie die Verhältnisse liegen, wenn wir dieses eigentümliche Arbeiten mit den vererbten Anlagen beobachten. Ich bemerke noch, indem ich von den Vererbungsgesetzen spreche, daß das Gesetze sind, die von der Geisteswissenschaft nicht in demselben Sinne zu erforschen sind wie die physikalischen und chemischen Gesetze. Daher bitte ich zu beachten, daß es kein Einwand ist, wenn gegen ein Gesetz der Geisteswissenschaft gesagt wird: Ja, wenn man ins Leben hineinsieht, zeigt sich, daß die Vererbung nicht in der Weise geschieht, wie hier gesagt worden ist. — Wir müssen aber die Gesetze nehmen, wie physikalische Gesetze genommen werden. Zum Beispiel lehrt die Physik, daß die Bahn, die ein geworfener Stein durchmißt, eine Parabel darstellt; der Stein fällt in einer Parabel. Aber der Widerstand der Luft bewirkt, daß die Bahn des geworfenen Steines keine genaue Parabel ist. Wenn nun jemand kommt und sagt, die Bahn des geworfenen Steines bilde keine Parabel, so ist das nicht richtig. Das physikalische Gesetz gilt doch, und wir haben nur die Möglichkeit, zu einer Erkenntnis der Flugbahn des Steines zu kommen, indem wir ein allgemeines Gesetz gelten lassen. Und wenn einer sagt: Ja, aber da fliegt der Stein nach der Seite, ein Windstoß hat ihn abgetrieben —, so besagt das Vorhandensein des Windes doch nichts gegen das physikalische Gesetz als solches. In diesem Sinne sind auch die Gesetze der Geisteswissenschaft zu nehmen; sie können durch die Verhältnisse modifiziert werden, gelten aber doch so, daß wir nur durch diese Gesetze, wenn wir sie kennen, die Vorgänge verstehen. Betrachten wir nun den Menschen in bezug auf seine Merkmale, indem wir die menschliche Seele selber sinngemäß in zwei Gebiete gliedern, die ja im menschlichen Leben deutlich voneinander unterschieden werden können. Wo Sie auch hinsehen im menschlichen Leben, werden Sie überall klar unterschieden finden ein Gebiet, das man bezeichnen kann als das Gebiet der Interessen, die der Mensch hat, worauf seine Aufmerksamkeit, seine Sympathie und Antipathie, seine Affekte, Triebe und Leidenschaften gerichtet sind; dieses Gebiet der Willens- und Affektnatur ist das eine Gebiet. Das andere ist das Gebiet, das man das Intellektuelle, das Verstandesmäßige, nennen kann, also die Art und Weise, wie der Mensch Vorstellungen bildet, ob er reich oder arm ist an Begriffen und Bildern, ob diese beweglich sind, ob der Mensch Sinnbilder bilden kann oder ob er phantasielos ist, ob er die intellektuellen Elemente hat für das eine oder andere Gebiet. Diese zwei Gebiete sollen zunächst beim werdenden Menschen unterschieden werden. Mit derselben Genauigkeit, mit der wir durch eine gesunde Lebensbeobachtung physikalische Gesetze gewinnen, können wir für diese zwei Gebiete Gesetze finden, die den Zusammenhang ergeben zwischen den Voreltern und den Nachkommen.

[ 11 ] Da sehen wir, daß alles, was das Gebiet der Interessen, der Affekte, der Sympathie und Antipathie, der Leidenschaften, also der triebhaften Richtung des Menschen angeht, immer nur auf die väterliche Vererbung zurückzuführen ist, dagegen dasjenige, was auf die Ausbildung der Elemente des Intellektes, des Verstandesmäßigen geht, auf die mütterliche Vererbung. Solche Gesetze ergeben sich einer treuen Lebensbeobachtung. Es ist natürlich nicht möglich, auf Hunderte von Fällen einzugehen, die leicht angeführt werden könnten von einer gesunden Lebensbeobachtung. Es kann nur darauf hingewiesen werden, daß überall das Leben bestätigt, daß wir das Intellekt- und Phantasiemäßige von mütterlicher Seite, und das temperamentvolle Element, das Interesse, ob wir lebendig oder lässig oder apathisch sind, mehr von der väterlichen Seite her kommt.

[ 12 ] Ich kann mich jetzt nicht auf allgemeine bestätigende Betrachtungen einlassen, sondern kann zunächst nur durch Beispiele das Gesagte erläutern. Man braucht nur hinzuweisen auf ein großes Beispiel, auf Goethe, der sich selber so schön charakterisiert hat in den Worten:

Vom Vater hab’ ich die Statur,
Des Lebens ernstes Führen,
Von Mütterchen die Frohnatur
Und Lust zu fabulieren.

[ 13 ] Das können wir in Hunderten von Fällen finden, wenn wir die Weltgeschichte oder das Leben beobachten. Und weil eine treue Lebensbeobachtung uns diese Worte überall bestätigt, lassen sie uns das Leben so lichtvoll erscheinen.

[ 14 ] Wir gehen aber noch viel zu abstrakt zu Werke, wenn wir das Leben nur im allgemeinen betrachten. Ich sagte, im allgemeinen sei es so, daß das intellektuelle Element auf die Vererbung von mütterlicher Seite zurückzuführen sei. So einfach ist es aber nicht, sondern die Eigenschaften machen, indem sie sich vererben, eine Verwandlung durch — sie metamorphosieren sich. Die Geisteswissenschaft wird heute noch nicht für voll genommen, sonst könnte man heute schon einsehen, wie sehr sie für die äußere Naturwissenschaft befruchtend werden kann. Wenn man beobachtet, wie eine Naturkraft in eine andere umgewandelt wird, zum Beispiel Wärme in Elektrizität, so ist das schon lehrreich genug, aber diese Art und Weise zu beobachten, wird durch die Geisteswissenschaft [auch auf andere Gebiete] übertragen, und sie wird sagen, daß man zum Beispiel auf dem Gebiete der Vererbungen nur dann zurande kommt, wenn man die Umwandlung der Eigenschaften ins Auge faßt.

[ 15 ] Und da zeigt sich, wie die mütterlichen und die väterlichen Eigenschaften Verbindungen eingehen, wenn sie sich auf die Kinder vererben. Wir sehen, wie die mütterlichen Eigenschaften, indem sie sich vererben, vorzugsweise auf die Söhne übergehen. Wenn wir die seelischen Eigenschaften bei der Mutter betrachten, können wir sagen: Diese seelischen Eigenschaften haben vorzugsweise die Tendenz, auf die Söhne überzugehen, aber sie haben die Tendenz, sich dabei zu verwandeln. — Was bei der Mutter [seelischer] Grundcharakter ist, das kann die Mutter vielleicht gar nicht zu besonderen Fähigkeiten ausbilden, weil ihr die Organe fehlen. Man braucht ja die entsprechenden Anlagen dazu. Während die Mutter im engsten Kreise bleiben muß mit ihren Seelenregungen, sehen wir, wie bei den Söhnen die Anlagen der Mutter gleichsam um eine Stufe mehr ins Physische hereinschießen, so daß dieselben Anlagen wieder auftreten im Sohn. Und der Sohn zeigt uns dann in seinen Fähigkeiten, durch welche er auf der Welt wirken kann, was in der Seele der Mutter veranlagt war. Die Mutter hat es als seelische Anlage; der Sohn hat es so, daß er es in die physischen Organe einfließen lassen kann, um es in die Welt hinauszutragen, um es der Welt in Form von Leistungen entgegenzubringen. Bis ins Physische hinein sehen wir bei den Söhnen die seelischen Eigenschaften der Mutter verwandelt.

[ 16 ] Wir haben also den Satz: Die seelischen Eigenschaften der Mutter haben die Tendenz, in die physischen Organe der Söhne einzuziehen und uns wiederum in den an diese Organe gebundenen Kräften der Seele entgegenzutreten. Es bedarf nur eines gesunden Blickes ins Leben und in die allgemeine Menschheitsentwicklung, um das bekräftigt zu finden. Wir können wiederum auf Goethe hinblicken oder auch auf andere Persönlichkeiten, zum Beispiel auf Hebbel. Dieser eigenartige Naturdramatiker Hebbel, der sich nie hat verständigen können mit seinem Vater, hatte eine große dichterische Begabung; er zeigt uns diese Begabung so, daß er die einfache primitive Anlage dazu von seiner Mutter hatte, die nur eine einfache Maurersfrau war. An seinen Tagebuchaufzeichnungen kann man dies verfolgen. Und diese Begabung zeigt sich bei ihm so, daß die seelische Natur der Mutter in eine Organanlage sich umgewandelt hat, herabgestiegen ist in die physische Anlage des Sohnes, wo sie sich auf diese Art und Weise zeigt.

[ 17 ] Das Merkwürdige aber ist, daß sich der treuen Lebensbeobachtung die umgekehrte Tendenz ergibt bei den väterlichen Eigenschaften, die sich mehr ins Physische eingelebt haben, die mehr in der ganzen Persönlichkeit, mit Einschluß der physischen Organanlagen, ruhen. Was der Vater an Eigenschaften hat, das hat die Tendenz, in der Tochter um eine Stufe aufzusteigen und in der Seele der Tochter zu erscheinen wie in Geistig-Seelisches umgesetzt. Dadurch erscheint etwas, was beim Vater nüchtern und pedantisch ist, liebenswürdig in der Seele der Tochter.

[ 18 ] Ich möchte kurz ein Beispiel anführen, wie sich bei Goethe dieses Verhältnis zeigte. Man kann darauf hinweisen, daß in der Tat die alte Frau Rat Goethe in ihrer Seele die Kunst des Fabulierens hatte; die ganze Beweglichkeit, die phantasiemäßige Begabung hatte sie, und wir sehen, wie in Freundeskreisen sich bei ihr diese gewisse Begabungsart auslebte. Wir sehen, wie beim Sohn diese Begabungsart im höchsten Maße in Organanlage umgesetzt war, so daß sie zu weltbewegenden Tatsachen führte. Auf der anderen Seite sehen wir den Vater, den alten Rat Goethe. Wer sich gleich mir weit über dreißig Jahre mit Goethe und allem, was dazu gehört, beschäftigt hat, wird nicht in oberflächlicher Weise mißverstanden werden, wenn er charakterisierend sagt, Goethe habe recht, wenn er schreibe: Vom Vater hab’ ich die Statur, des Lebens ernstes Führen. — Diese Charaktergrundlage übernimmt der Sohn ohne Verwandlung vom Vater.

[ 19 ] Der alte Goethe ist ein durchaus nüchterner, wakkerer, ehrlicher, in gewissen Grenzen sogar mit Größe dastehender Mensch, aber ein Mensch, der, so möchte ich sagen, durch seine ganze Art und Weise, wie er als Persönlichkeit wirkt, im Leben nicht zurechtkommt, es zu nichts Rechtem bringen kann; er kommt zu keiner richtigen Stellung im Frankfurter Rat, er bleibt auf halbem Wege stehen. Bis in seine physischen Fähigkeiten wirkt seine Charakteranlage. Denken wir uns diese nun ins Seelische umgesetzt: Wie würde es uns im Seelischen entgegentreten — dieses Stehenbleiben auf halbem Wege, dieses Niemals-zu-Ende-Kommen? Es würde so in der Seele erscheinen können, daß diese auf einer Seite das Bedürfnis hat, sich an andere anzuschließen, aber doch sich nie dazu entschließen will und immer wieder vor einem Entschluß zurückweicht. Da haben wir als seelische Eigenschaften, was uns als verstandesmäßige Nüchternheit im Rat Goethe entgegentritt. Wir können aber auch die Nüchternheit ins Seelenhafte, in Sentimentalität umgestimmt vor uns haben. Man kann leicht finden, wo — in Seelisches umgesetzt — die äußeren Eigenschaften des alten Rats Goethe weiterleben: bei Goethes Schwester Cornelia, die allerdings früh gestorben ist. In ihr sehen wir die ganzen Seeleneigenschaften als Umwandlung der Eigenschaften des alten Rats Goethe. Und jetzt begreifen wir auch, warum Goethe, der die äußeren Eigenschaften vom Vater, aber das, worauf es bei ihm ankommt, worauf seine Größe beruht, von der Mutter erhalten hat, sich nicht recht mit seinem Vater vertragen konnte, wie die beiden sich abstießen. Bei der Schwester aber wirkten diese Eigenschaften — in Liebenswürdigkeit, in Leidenschaft, in leichte Eitelkeit umgesetzt — so, daß diese eine liebe Kameradin für ihn wurde, in der die [Eigenschaften des Vaters], ins Seelische umgewandelt, neben ihm standen. Die ganze Art und Weise, wie sich Goethes Leben im Elternhaus uns darstellt, zeigt, wie gerade die an tätige Organanlagen gebundenen Fähigkeiten hinübergehen vom Vater auf die Tochter.

[ 20 ] Man könnte auch darauf hinweisen, daß nicht nur der Vater, sondern die ganze väterliche Vorfahrenschaft in Betracht kommt, und ebenso auf der anderen Seite die mütterliche. Wir sehen, wie in Goethe die sonnige Phantasie und die mystische Charakteranlage der mütterlichen Vorfahren sich wiederholen — in höhere Anlagen umgesetzt. Und in der Natur seiner Schwester, die Goethe so hoch schätzte und von der er sich sagen mußte, ihr fehle im Grunde genommen Glaube, Hoffnung und Liebe, denn sie war eine problematische Natur, die auch früh dahinwelkte, sehen wir die väterliche Vorfahrenschaft. Aber da müssen wir diese Eigenschaften, die bei der Schwester wirkten, vom Physischen ins Seelische umgesetzt denken. Wir wissen ja, daß einer von Goethes Onkeln ein Taugenichts geworden ist. Er war ein solcher Mensch, daß man von ihm sagen muß, er hatte es nicht im Kopf und konnte es daher zu nichts bringen. Das ganze Dilettantische dieser Vorfahrenschaft, die nur in Goethes Vater zu einer gewissen Größe gekommen ist, sehen wir ins Seelische umgesetzt in der problematischen Natur von Goethes Schwester.

[ 21 ] Man könnte, wenn man wollte, überall in der Geschichte die Mütter finden, die das, was sie in der Seele haben, übertragen in die physischen Anlagen der Söhne. Deshalb werden so oft die Mütter dargestellt, damit wir die Söhne verstehen sollen. So wird uns auch im vierten Makkabäerbuch die Mutter der sieben getöteten Söhne dargestellt gerade in ihrer eigentümlichen Seelenverfassung, die sich bei den Söhnen als eine um eine Stufe heruntergestiegene, ins Physische getretene Anlage zeigt. Man muß bei Würdigung dieser Tatsache ebenso auf Gesetze zurückgehen, wie wenn man die dynamische Kraft eines Windstoßes erforschen will. Und da kann es sich oftmals zeigen, daß die Begabung eines Sohnes mit ihrer ganzen Intimität sich zurückführen läßt auf die Eigenart der Seelenkämpfe der Mutter. Vielleicht gibt es wenige so interessante Fälle wie das Verhältnis, das die Seele der Mutter von Conrad Ferdinand Meyer — durch ihre Charakteranlage, durch ihr trauriges Geschick — zu der ganzen Art und Weise der Dichtungsart ihres Sohnes hatte. Und wenn wir vor unser geistiges Auge stellen, wie sehr Conrad Ferdinand Meyer an die Persönlichkeit seiner Mutter gebunden war, sehen wir in der wunderbar vornehmen, so ganz unauffälligen Religiosität, in der zarten Art, dem Leben gegenüberzustehen, und in dem vollen Begreifen von tragischen Situationen das, was geblieben ist von der Seele der Mutter.

[ 22 ] So könnte man Hunderte von großen Geistern der Geschichte und des Geisteslebens und von Menschen, die wir im gewöhnlichen Alltagsleben kennen, anführen und würde überall dieses Gesetz bestätigt finden. Man kann also sagen, es hat das, was man als Vater ist, die Tendenz, in der Seele der Tochter zu erscheinen, und das, was die Seele der Mutter ist, in der Organanlage der Söhne. Ein Licht verbreitet sich uns über zahlreiche Lebensverhältnisse, wenn wir dieses Gesetz überschauen; und manches wird uns verständlich über den Zusammenhang und die Beweggründe verschiedener Menschen.

[ 23 ] Was sagt uns nun die Geistesforschung über die Vererbung? Sie sagt uns, es wäre ein Irrtum, wenn wir bloß vererbte Eigenschaften im Menschen suchen müßten. Wir müssen vielmehr zurückgehen neben allen vererbten Eigenschaften auf den zentralen, geistig-seelischen Wesenskern des Menschen, der aus früheren Leben herüberkommt und das, was er vorfindet an Eigenschaften, sich an- und eingliedert, so wie sich der Regenwurmkeim die äußere Substanz eingliedert, diese Substanz in sich aufnimmt und sich gemäß seiner eigenen Wesenheit vergrößert. So sehen wir im menschlichen Wesenskern dasjenige, was wie mit magnetischen Kräften hereingezogen wird in eine solche Familie, wo im Vater und in den sonstigen Vorfahren die Eigenschaften sind, die für diesen seelischen Wesenskern geeignet sind, so daß die Seele durch das entsprechende Zusammenmischen dieser Eigenschaften und durch deren Umwandlung das zum Ausdruck bringen kann, was ihre eigene innere Wesenheit ist. Es fühlt sich eine Seele, welche sich in früheren Leben die Fähigkeit angeeignet hat, sagen wir zum Beispiel, etwas Dichterisches zu leisten, wozu sie die Gabe des Phantasierens braucht, zu einer solchen Mutter hingezogen, die die Gabe des Fabulierens hat — die Gabe, in Bildern zu denken und in leichter Beweglichkeit der Seele diese Bilder zu verwandeln. Aber bei der Vererbung dieser Fähigkeit von der Mutter auf den Sohn besteht die Neigung, diese Eigenschaften bis in das Körperliche hinunterzutragen, und der geistig-seelische Wesenskern muß dasjenige mischen, was er so vorfindet an Seelenanlagen. Die Charakteranlagen des Vaters, die werden hinaufgetragen ins Seelische, in die Seelen der Töchter, da werden sie umgewandelt, aber wenn sie unmittelbar bei den Söhnen erscheinen, da werden sie nicht verwandelt.

[ 24 ] Wir müssen eben auf kompliziertere Verhältnisse blikken, wenn wir den Zusammenhang erklären wollen, wie der eigentliche menschliche Wesenskern sich angezogen fühlt von Eigenschaften gewisser Personen, die dann seine Eltern werden, und wie dieser Wesenskern die Eigenschaften dann so vermischt und in Harmonie bringt, daß er in ihnen seine eigene Wesenheit ausleben kann. Die Geisteswissenschaft sieht allerdings nicht nur das, was zusammengemischt und verwandelt ist aus den Eigenschaften und Anlagen der Vorfahren, sondern sie lenkt auch den Blick auf den geistigen Wesenskern, den wir ins Dasein treten sehen und zurückführen müssen auf frühere Daseinsformen, in denen er sich das angeeignet hat, was ihn dazu befähigt, jene Eigenschaften und Anlagen zu mischen, die er in der Vererbungslinie empfangen kann.

[ 25 ] Nun könnte man sagen, Geisteswissenschaft sei ungeheuer leicht zu widerlegen; man braucht nur die alltäglichsten, trivialsten Begriffe aufzubringen und kann sie ungeheuer leicht widerlegen. Ich habe selbst in einem Nachwort zu der kleinen Schrift «Theosophie und Christentum» darauf hingewiesen, wie leicht man gewisse Darstellungen der Theosophie widerlegen kann, wenn man durchaus von den Vorurteilen der Gegenwart ausgehen will. Man könnte die dort angegebenen Beispiele von leichter Widerlegbarkeit noch vermehren. Die Theosophie muß gegenüber dem, was als Vererbungsmerkmale angesehen wird, hinweisen auf die menschliche Individualität. Sie muß sagen: Der gesunde menschliche Sinn hat an jeder einzelnen menschlichen Individualität, an jedem geistig-seelischen Wesenskern des Menschen dasselbe Interesse, das er beim Tier an der Gattung, an einer Tiergattung hat. — Wir bringen jedem einzelnen Menschen dasselbe Interesse entgegen wie zum Beispiel der Löwengattung. Wir interessieren uns mit demselben Interesse für die menschliche Individualität wie für eine Tiergattung. Man braucht diesen Satz nur mißzuverstehen, oder, wenn er geschrieben ist, ihn nicht ordentlich zu lesen, um ihn ungeheuer leicht zu widerlegen.

[ 26 ] Da kann einer kommen und sagen: Aber was behaupten denn diese Geistesforscher? Sie scheinen nicht zu wissen, daß man ebenso gut die Biographie eines Hundes, einer Katze mit all ihren individuellen Eigenschaften schreiben kann wie bei einem Menschen; man kann auch da alle Unterschiede der einzelnen Tiere aufzählen. — Es ist ungeheuer leicht, solch eine Sache anzuführen gegen die Geisteswissenschaft. Von dieser Geisteswissenschaft ist aber nie behauptet worden, daß man das nicht könne. Ich selbst war in einer Schulklasse, wo sich ein Lehrer bemüht hat, die Biographie einer Stahlfeder zu schreiben. Man kann alles übertragen. Aber eines kann behauptet werden, daß das Interesse, das wir einer einzelnen Katze und so weiter entgegenbringen, nicht dasselbe Interesse ist wie jenes, das wir einem Mitmenschen entgegenbringen. Das Interesse, das wir einem einzelnen Individuum einer Tiergattung entgegenbringen, kann sogar ein gröBeres sein als jenes, das wir für einen einzelnen Menschen haben. Es ist aber ein anderes Interesse, nicht das gleiche; es entspringt aus anderen seelischen Wurzeln. Die Geisteswissenschaft verlangt, daß die Begriffe scharf gefaßt werden. Wenn jemand das nicht tut, dann kann er jene Widerlegungen vorbringen, die auf der Straße zu finden sind. Wir haben es beim Menschen mit einem geistig-seelischen Wesenskern zu tun, und die Geisteswissenschaft verfolgt diesen nicht bloß bis zu den Eltern und Voreltern, sondern sie sagt: Er zieht die Eigenschaften dieser Eltern an sich heran, so wie der Regenwurmkeim den Stoff heranzieht, den er zu seinem Wachstum nötig hat. Nun kann man von der Geisteswissenschaft verlangen: Gibt es etwas, was beweist, und zwar aus dem menschlichen Lebenslauf heraus, daß tatsächlich ein solcher geistig-seelischer Wesenskern vorhanden ist? Aus der Beobachtung des einzelnen Menschenlebens wird es schwer sein, zu unterscheiden zwischen dem, was Hüllennatur ist, und dem, was Wesenskern ist. Dem einzelnen Menschen gegenüber nehmen wir den Standpunkt ein, daß das Zusammenwirken der Hüllen und des Wesenskerns sich nach und nach entfaltet. Beim einzelnen Menschen können wir dies nicht leicht unterscheiden, aber wenn wir den Blick auf eine größere, breitere Basis, auf den Menschen im allgemeinen richten, so zeigt sich uns das Eigentümliche, daß die Menschen in bezug auf ihre Entwicklung sehr verschieden voneinander sind. Nehmen wir an, diese Angabe der Geisteswissenschaft ist richtig. Dann lebt zum Beispiel in einem Menschen ein Wesenskern, der auf ein Leben zurückgeht, in dem dieser Mensch sich eine starke Individualität angeeignet hat. Ein solcher Wesenskern wird viel Mühe haben, die Widerstände zu überwinden, die sich ihm in den vererbten Merkmalen entgegenstellen. Er wird viel Mühe haben, um diese Merkmale so plastisch auszubilden, daß sie seinen geistigen Fähigkeiten entsprechen. Ein starker Wesenskern braucht lange, bis er die Fähigkeiten, die von der Vererbung sind, sich eingliedern und plastisch ausgestalten kann. Dagegen wird ein geistiger Wesenskern, der noch wenig eigene Fähigkeiten erworben hat, sich leicht einfügen in die Merkmale der Vererbung.

[ 27 ] Das drückt sich so aus, daß die Menschen, die kräftigere Individualitäten sind, die einen starken inneren Wesenskern haben, die mit einem reichen Inhalt aus einem früheren Leben herüberkommen, nur langsam in der Lage sind, den aus der Vererbung kommenden Widerstand zu überwinden. Und da erinnern wir uns an die Tatsache, daß gerade große Geister keine sogenannten Wunderkinder sind, sondern daß sie von den Lehrern oft für das Umgekehrte gehalten werden. Erinnern wir uns nur an Alexander von Humboldt, der in seiner Jugend für dumm galt. Sein Wesenskern brauchte eben lange, um die in ihm ruhenden Fähigkeiten herauszubringen. In ihm war ein reicher Wesenskern herübergekommen, und der hatte lange zu tun, bis er die Merkmale der Vererbung, seinem Seeleninhalte entsprechend, umgearbeitet hatte. Durch diesen Seeleninhalt, der lange an den Merkmalen der Vererbung gearbeitet hat, kommt aber auch etwas zustande, was Großes in der Menschheit bewirken kann. Sehen wir dagegen Seelen, die sozusagen wenig mitbringen aus früheren Leben — sie werden sich rasch hineinfinden in die neuen Hüllen und werden die Merkmale der Vererbung leicht herausbilden. Das sind die Wunderkinder, die in den ersten Jahren des Lebens die Talentvollsten zu sein scheinen, dann aber sehr bald aufhören, es zu sein.

[ 28 ] Nehmen wir an, der geistige Wesenskern muß sich durcharbeiten durch das, was ihm von außen geboten wird. Es gehört nur eine klare, richtige Lebensbeobachtung dazu zu erkennen, daß gerade die körperlichen Merkmale auf Vererbung beruhen. An den Fingerformen können wir die Form der Vererbung konstatieren. Dagegen das, was als Keim in der Seele sitzt, wird umso weniger zu erklären sein durch äußerliches Überwinden der vererbten Merkmale, je mehr die Eigenschaften, die in Betracht kommen, im Innern der Seele ihren Sitz haben. Daher kommt es, daß das, was zum Subjektiven der Seele gehört, die Talente für Musik, Mathematik und so weiter, in den frühesten Jahren auftritt, wie die zahlreichen Fälle von Wunderkindern beweisen. Dagegen werden die Talente, zu deren Entfaltung mehr Vererbtes zu überwinden ist, später auftreten. Kurz, alles, was uns bei richtiger Lebensbeobachtung entgegentritt, beweist, daß sich beim Menschen ein Wesenskern herausarbeitet aus alldem, was uns als die vererbten Merkmale einhüllen will. Wir können geradezu, wenn wir die Menschen genau beobachten, sehen, wie die größten Individualitäten ganz langsam den Widerstand der äußeren menschlichen Willensnatur überwinden. Auf diese Tatsachen wollen wir heute nicht näher den Blick richten, aber unter den größten Individualitäten kann man das sehen.

[ 29 ] Ich will nur noch einmal an Goethe erinnern. Bei ihm können wir sehen, wenn wir ihn wirklich verstehen in seiner Größe, wie er als alter Goethe vor uns steht auf der vollen Lebenshöhe, auf der Höhe von Kunst und Weisheit; wir können sehen, daß er sein ganzes Leben hindurch gebraucht hat, um die Individualität gegen die widerstrebenden Hüllen herauszuarbeiten. Und nur der Kurzsichtige könnte [über Goethes späte Werke] sagen: Goethe ist alt geworden. — Wir können heute bei der Beurteilung großer Persönlichkeiten die Tendenz verfolgen, sie in bezug auf ihre Jugend aufzubauschen und in bezug auf das Alter herunterzudrücken. Wir können sogar sagen hören, die Werke des Alters seien alte, matte Sachen, die der Jugend seien frisch. Es wird heute ein Buch in den Handel gebracht, in dem die wahren Dichter, die wahren Individualitäten aus ihren Jugendwerken heraus den Lesern vorgeführt werden.

[ 30 ] Man bedenkt dabei nicht so recht, daß man vielleicht nur durch seine eigene Eigentümlichkeit fähig ist, die Jugend besser zu verstehen. Man täte besser, wenn man mitginge mit der betreffenden Individualität und nicht voraussetzte, daß die Individualität im Alter dümmer geworden ist. Das ist bei Goethe schon zu seinen Lebzeiten geschehen. Da haben die Leute den ersten Teil seines «Faust» gelesen und gesagt: Da ist sprudelnde Jugendkraft darinnen; was Goethe aber im Alter geschrieben hat, das ist so, daß man eben Nachsicht haben muß mit dem Alternden. — Wer aber aus diesem Verständnis heraus das betrachtet, was Goethe darstellt, der wird sagen: Da, im ersten Teil des «Faust», ist noch nicht die volle Individualität Goethes herausgekommen; wir sehen, wie er sich da noch durcharbeitet, und wir sehen, wie diese starke Individualität, die sich ihr ganzes Leben lang selber erzieht, sich hindurcharbeitet durch den Widerstand ihrer Hüllen. Daher sagt Goethe von den Kritikern seines «Faust»:

Da loben sie den Faust,
Und was noch sunsten
In meinen Schriften braust,
Zu ihren Gunsten;
Das alte Mick und Mack,
Das freut sie sehr;
Es meint das Lumpenpack,
Man wär’s nicht mehr!

[ 31 ] Wer die Entwicklung der menschlichen Natur kennt, der weiß, daß die Individualität, je stärker sie ist, desto länger braucht, um sich durchzuarbeiten.

[ 32 ] Da sehen wir schon einen Unterschied zwischen dem, was innerster Wesenskern ist, dessen Ursprung wir ganz woanders zu suchen haben, und dem, was äußere Hülle ist und sich diesem Wesenskerne angliedert. Diesen Unterschied sehen wir besonders dann, wenn wir den Zusammenhang betrachten zwischen Eltern und Kind. Der Mensch ist das ganze Leben hindurch in einer Art Entwicklung begriffen. Diese Entwicklung ist eine aufsteigende und eine absteigende. Zu ersterer rechnet man die Zeit bis zum dreißigsten, vierzigsten, fünfzigsten Jahr, wo der Wesenskern von innen heraus arbeitet, so daß das, was er durchmacht an Schmerz und Leid, Lebenserfahrung wird und sich ausdrückt in der Leiblichkeit, in Mienen und Gesten. Da sehen wir in diesen Lebensaltern immer den inneren Wesenskern an den äußeren Hüllen arbeiten und sie schließlich plastisch ausgestalten, so daß wir davon sprechen können, daß der Mensch bei aufsteigender Linie seinem inneren Wesenskern immer ähnlicher und ähnlicher wird. Betrachten wir den Menschen im vierzigsten Jahr, betrachten wir seine Physiognomie, an der er vierzig Jahre gearbeitet hat, so können wir sagen: Hier ist das Äußere dem Innern ähnlicher als im zwanzigsten Jahr, wo das noch drinnensteckte, noch bloße Fähigkeit war und wo das herausstrebte von innen nach außen. So ist der Mensch im physischen Leibe seiner eigenen Wesenheit nach im späteren Leben sich selbst ähnlicher als im früheren Leben im vierzigsten Jahr ist er sich also selbst ähnlicher als im zwanzigsten Jahr. Das erklärt eine wichtige Tatsache des Lebens, die wiederum wichtig erscheint für manches in den äußeren Tatsachen. Welches ist diese Tatsache, und warum besteht ein solcher Unterschied [zwischen den verschiedenen Lebensaltern]?

[ 33 ] Für den Lebensbeobachter ergibt sich ein Unterschied zwischen Kindern jüngerer Elternpaare und jenen aus späterer Zeit der Ehe geborenen. Nur wer kein Lebensbeobachter ist, merkt diesen Unterschied nicht. Der Wesenskern eines Kindes, der in ein junges Elternpaar eingezogen ist, wird wenig Widerstand in seinen Hüllen finden, weil die Eltern noch wenig in ihr Physisches hineingearbeitet haben. Da wird die Individualität noch mehr in ihre Hüllen hineinarbeiten können; sie findet in ihnen noch nicht eine solche plastische Ausgestaltung der Eigenschaften, die sich in der Vererbungslinie fortpflanzen. Daher können wir sagen, daß die Kinder, die von noch jungen Eltern gezeugt sind, aus der eigenen Individualität heraus den ganzen Menschen besser gestalten können. Die Kinder, die mehr in einer späteren Zeit der Ehe geboren sind, sind jene, deren eigener Wesenskern schwächer ist, und daher angezogen werden von ganz bestimmten Merkmalen, die Vater oder Mutter eingeprägt haben. Daher sehen wir, daß die Kinder, die später geboren werden, im allgemeinen mehr von Vater und Mutter an sich tragen als die früher Geborenen, denn da haben sich im Körper der Eltern die Eigenschaften schon ausgeprägt, die in die Vererbung hineingehen. Da sehen wir, wie die Arbeit der Eltern an sich selbst sich in verschiedener Weise an den Kindern zeigt. Starke Individualitäten, die den Eltern weniger ähnlich sind, sind die aus der Morgenröte einer jugendlichen Ehe stammenden Kinder. Weniger starke Individualitäten, die den Eltern ähnlicher sind, sind jene, die den älteren Ehepaaren geboren werden.

[ 34 ] Solche Tatsachen beleuchtet die Geisteswissenschaft ebenso, wie die Naturwissenschaft die natürlichen Tatsachen beleuchtet. Und wenn wir dieses Gesetz haben, haben wir das Mittel, um sozusagen in lebenspraktischer Weise erzieherisch auf den Menschen zu wirken. Dann eignen wir uns eine ganz bestimmte Gesinnung an. Wer sich als Erzieher von Kindern diese aus der Geisteswissenschaft herausfließende Gesinnung aneignet, der sagt sich immer: Das, was da durch die Geburt ins Dasein getreten ist und immer mehr und mehr sich herausarbeitet, das mußt du betrachten wie ein heiliges Rätsel, das zu lösen ist; es ist etwas, das herauskommt aus früheren Leben. Dazu mußt du den Blick auf die Vorfahrenschaft richten, woher die Merkmale genommen sind. — Daraus ergibt sich dann für den erzieherischen Blick jener Zusammenklang des Wollens und Könnens, jenes Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber dem werdenden Menschen als einem zu lösenden heiligen Rätsel. Wenn wir eine solche Weisheit aufnehmen, die uns so zu dem Zögling stellt, dann prägt sich uns jener Ernst ein, der — ohne zu theoretisieren — den erzieherischen Takt findet, um in jedem besonderen Falle das Rätsel wirklich zu lösen. Dem Taktgefühl ergibt sich in jedem einzelnen Falle das, was wir zu tun haben, um die Gesinnung in richtiger Weise zu befruchten. Wir nehmen dann Abschied von den heute so beliebten Phrasen der Pädagogik.

[ 35 ] Welche Phrase kann man heute öfters hören als jene: Ihr müßt die Individualität des Menschen erziehen. Individuell, ja nicht schablonenhaft [müßt Ihr erziehen], ja nichts tun, was der Individualität widersprechen würde. Wer aber als wirklicher Lebensbeobachter im Leben steht, fragt sich: Was ist denn das eigentlich — individuelle Erziehung? Dieses Wort bleibt so lange eine Phrase, als man nicht weiß, wie sich der Wesenskern zu dem verhält, was ihn einhüllt. Daher ist es Phrase, was da über eine individuelle Erziehung gesagt wird. Wir sind in den meisten Fällen nicht imstande, viel damit anzufangen. Wir müssen so erziehen, wie die Erfordernisse des praktischen Lebens sich ergeben. Wir müssen einsehen, daß wir mit dieser Phrase durchaus nicht durchkommen, sondern daß wir sagen müssen: Wir müssen aus dem heraus erziehen, was veranlagt ist. Wir sind vor allen Dingen dazu berufen, dem Menschen das zu geben, was ihn zu einem brauchbaren Mitglied der menschlichen Gesellschaft macht. Er muß dasjenige können, was innerhalb gewisser Kreise von Menschen verlangt wird, was seine Zeit und die Verhältnisse von ihm verlangen. — An dieser Forderung darf die Phrase der Individualität nicht rütteln. Wer sieht, wie die Geisteswissenschaft den Zusammenhang des Menschen mit der ganzen Welt erfaßt, der steht durchaus nicht machtlos vor den Forderungen des Lebens. Es kann zum Beispiel erforderlich sein, daß ein Sohn, der diese oder jene Eigenschaft hat, diese oder jene Stellung im Leben einnimmt; die Familienzusammenhänge erfordern das. Wer wirklich hineinsieht in die Gesetzmäßigkeit der Dinge, der weiß: So einseitig sind die Menschen nicht, daß man sagen kann, sie seien nur zu dem oder zu jenem brauchbar. Man macht sie zu brauchbaren Menschen, wenn man nicht nur die eine Seite entwickelt. Die Menschen sind vielseitiger, als man gewöhnlich annimmt. Und wer wirklich durch die Verbindung der vererbten Merkmale hindurchsieht auf den geistig-seelischen Wesenskern, der vermag die verschiedenen außerordentlich lehrreichen Vorgänge zu verbinden mit dem, was sich als wirklicher Vorgang dem Blick des Geistesforschers darbietet. Wenn man das sucht, was am Zögling die Individualität ist, so ergibt sich gerade aus den praktischen Forderungen des Lebens heraus die Notwendigkeit, die Individualität anders anzusehen, als sie gewöhnlich in phrasenhafter Weise angesehen wird. Man muß sagen, wer sich befruchten läßt von den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, der bekommt wie hineinfließend in seine ganze Gesinnung einen feinen Takt und nicht nur das Verantwortlichkeitsgefühl, sondern auch all das Können, das er braucht, um im entsprechenden Moment das Richtige zu tun. Es ist ganz merkwürdig, daß man immer, wenn man solche Voraussetzungen macht, im richtigen Moment weiß, was zu tun ist. Um auf ein Beispiel hinzuweisen: Ein Kind [wurde mir zur Erziehung übergeben], dem alle Talente abgesprochen wurden, weil es sich in merkwürdiger Weise bis zum elften Jahre entwickelt hatte, so daß man sagen konnte: Aus dem wird nichts, aus diesem Racker; er hat ja nicht einmal ordentlich lesen und schreiben gelernt! Als dieses Kind mir anvertraut wurde und ich einen gewissen Einfluß auf es zu nehmen begann, konnte ich sagen: Das alles ist nur trügerischer Schein. — Es war nur die Schwierigkeit vorhanden, das äußere Hüllenhafte zu durchbrechen, um den inneren Wesenskern des Kindes zu enthüllen. Der Wesenskern mußte freigelegt werden. Seit jener Zeit sind zwanzig Jahre vergangen, und es hat sich gezeigt, daß es so war, wie ich gesagt hatte. In kurzer Zeit war es möglich, dem geistigen Wesenskern zum Durchbruch zu verhelfen und das zu beweisen, was hier gesagt worden ist.

[ 36 ] So zeigt die Betrachtung des werdenden Menschen, wie notwendig es ist, nicht bloß beim äußeren, physischen Leibe zu bleiben, sondern hindurchzuschauen auf das Spirituelle, das überall hinter dem Sinnlichen steht und das wir erblicken können, wenn wir uns die Fähigkeit dazu erwerben. Für unsere Erkenntnis auch nach dieser Richtung hin ist es wichtig, wenn wir uns Begriffe und Ideen erwerben können, wie sie die Geisteswissenschaft hat.

[ 37 ] Es ist für das praktische Leben von Bedeutung, daß wir an den Geist glauben und ihn hinter der physischen Materie suchen; das zeigt sich uns, wenn wir vor dem werdenden Menschen stehen und in der Erziehung das reale Rätsel zu lösen haben, wie sich der Geist in die physische Materie hineinergießt. Die Geisteswissenschaft ist dazu da, um nicht nur in theoretischer Weise über die drei Begriffe Leib, Seele und Geist zu reden, sondern um das praktische Leben so zu befruchten, daß durch richtige Erziehung ein unmittelbares Ergebnis erzielt werden kann.

[ 38 ] Wenn wir den Menschen so betrachten, dann durchdringt sich auch, indem wir erzieherisch an seinem Werden mitwirken, die menschliche Seele mit jener hohen Wahrheit von der Mission des Menschen in seinem Erdendasein. Dann spüren wir etwas davon, daß wir Menschen zwar voll in der physisch-sinnlichen Welt stehen, daß wir aber berufen sind, in diese physisch-sinnliche Welt dasjenige hereinzutragen, was wir schöpfen können aus dem Geiste heraus. Aus dieser Erkenntnis heraus können wir sagen: Wir sind umgeben von physischsinnlichen Erscheinungen; hinter ihnen steht aber der wirkende Geist. Im werdenden Menschen tritt uns in unbestimmten Talenten, in unbestimmter Physiognomie der physische Mensch entgegen, aber in ihm zugleich der Geist, der sich durch die physische Materie hindurchzuringen hat und dem wir aus einem Rätselhaften zum Dasein in der physischen Welt zu verhelfen haben. Überall, wo wir auf unsere praktische Lebensaufgabe blicken, ist der Mensch berufen, der Materie den Geist aufzuprägen. Überall bewahrheiten sich die Worte, in die wir die heutige Betrachtung zusammenfassen dürfen - auch der zum Dasein ringende Geist zeigt uns die Wahrheit, die mit diesen Worten gesagt werden kann:

Es drängt sich an den Menschensinn
Aus Weltentiefen rätselvoll
Des Stoffes reiche Fülle.
Es strömt in Menschenseelen
Von Weltenhöhen inhaltvoll
Des Geistes klärend Licht.
Sie treffen sich im Menscheninnern
Zu weisheitsvoller Wirklichkeit.