Spiritual Science and Medicine
GA 312
2 April 1920, Dornach
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Spiritual Science and Medicine, tr. SOL
Dreizehnter Vortrag
Thirteenth Lecture
[ 1 ] Es könnte sein, daß insbesondere an drei Tatsachenreihen zuerst die mehr materialistisch gesinnte medizinische Richtung sich wendet zu der mehr geisteswissenschaftlich orientierten, und das wird sein höchstwahrscheinlich bei Tatsachenreihen, an deren Besprechung wir nunmehr auch herantreten müssen. Es wird sein bei der Beobachtung alles dessen, was zusammenhängt mit den Geschwulstbildungen und namentlich mit ihrer eventuellen Heilung. Und es wird zutage treten bei einer wirklich rationellen Auffassung der sogenannten Geisteskrankheiten und dann bei den therapeutischen Erkenntnissen, die man sich wird erwerben müssen für das Anwenden äußerer Mittel, also Einreibungen, Einsalbungen und dergleichen. Wir können kaum hoffen, mit den gewöhnlichen physikalischen Untersuchungen — ohne daß wenigstens geisteswissenschaftliche Einsichten die Richtung, die Orientierung angeben — nahezukommen solchen Dingen, wie all den Geschwulstbildungen, die dann gipfeln in der Karzinombildung. Es ist heute die Psychiatrie in einem so traurigen Zustande namentlich dadurch, daß von ihr keine Brücke führt ins Bewußtsein der Menschen nämlich — denn die Brücken in der Natur sind überall vorhanden — zu der gewöhnlichen anderen Pathologie und Therapie, daß man sich auf diesen beiden Gebieten vielleicht am ehesten bequemen wird, in geisteswissenschaftliche Betrachtung einzutreten. Es wird namentlich notwendig sein, zu beachten alles dasjenige, was Geisteswissenschaft wird sagen können, und man braucht ja heute nur meine Literatur zu berücksichtigen, und man wird finden, daß sie schon recht viel nach dieser Richtung hin gesagt hat. Man wird berücksichtigen müssen das ganze Eingreifen des Ätherleibes in den menschlichen Organismus.
[ 1 ] It may be that, particularly in light of three sets of facts, the more materialistically oriented school of medicine will first turn toward the more Spiritual Science-oriented one, and this will most likely occur in connection with the sets of facts that we must now also begin to discuss. This will be evident in the observation of everything related to tumor formation and, in particular, to their possible cure. And it will become apparent in a truly rational understanding of so-called mental illnesses and, furthermore, in the therapeutic insights that will need to be acquired for the application of external remedies—that is, rubs, ointments, and the like. We can hardly hope, with ordinary physical examinations—without at least some insights from the Spiritual Science to provide direction and orientation—to come close to understanding such things as all the tumor formations that ultimately culminate in the development of carcinoma. Psychiatry today is in such a sorry state, particularly because it offers no bridge to people’s consciousness—for bridges in nature are everywhere—to the usual other fields of pathology and therapy; it is perhaps in these two areas that one will be most willing to engage in Spiritual Science consideration. In particular, it will be necessary to take into account everything that Spiritual Science has to say; one need only consider my writings today to find that they have already said quite a great deal in this direction. One will have to take into account the entire interaction of the etheric body with the human organism.
[ 2 ] Man sollte ja nicht bloß sagen, daß man unbedingt Hellseher sein müsse, um über die Tätigkeit des Ätherleibes im menschlichen Organismus zu sprechen. Denn man kann ja an sehr vielen Prozessen, die einfach den Tätigkeiten des Ätherleibes entgegengesetzt sind, sehen, daß der Ätherleib in einer gewissen Weise nicht tätig ist oder wenigstens nicht ordentlich tätig ist. Und um auf diesem Gebiete zu gültigen Vorstellungen zu kommen, wird es nötig sein, einmal ins Auge zu fassen alles dasjenige, was mit Entzündungen zusammenhängt, was sich auf dem Boden von Entzündungen entwickelt, und alles dasjenige, was mit Geschwulstbildungen zusammenhängt, gewissermaßen von da ausgehend den menschlichen Organismus zerstört. Bei Geschwulstbildungen ist es ja das sehr berechtigte Bestreben, das nur heute gegenüber den sozialen Zuständen, die eben dann daneben auch geändert werden müssen — nicht die äußeren, sondern die sozialen Zustände, in welche die Medizin hineinspielt, Hygiene namentlich —, noch nicht durchführbar ist, daß immer wiederum aus einem berechtigten Ideal heraus gefordert wird, bei Geschwulstbildungen das Messer des Chirurgen zu entbehren. Nur handelt es sich darum, daß man Ersatz schafft für dasjenige, was das Messer des Chirurgen erreicht und nicht erreicht — erreicht gewiß in einer gewissen Beziehung, aber auch nicht erreicht. Zweifellos werden auch sehr viele, die heute einfach deshalb, weil noch keine Auskunftsmittel dafür da sind, für das Messer des Chirurgen eintreten, in dem Augenblicke sich zum Gegenteile bekehren, wenn eben Auskunftsmittel geschaffen werden.
[ 2 ] One shouldn't simply say that one must necessarily be a clairvoyant in order to speak about the activity of the etheric body in the human organism. For one can see from a great many processes that are simply opposed to the activities of the etheric body that the etheric body is, in a certain sense, not active—or at least not functioning properly. And in order to arrive at valid mental images in this area, it will be necessary to consider everything related to inflammation—that which develops on the basis of inflammation—and everything related to tumor formation, which, so to speak, destroys the human organism starting from there. In the case of tumor formation, it is indeed a very justified aspiration—one that, however, cannot yet be realized given today’s social conditions, which must also be changed in parallel—not the external conditions, but the social conditions into which medicine plays a role— namely hygiene—are not yet feasible, that the call is repeatedly made, based on a legitimate ideal, to do without the surgeon’s scalpel in cases of tumor formation. The point, however, is to create a substitute for what the surgeon’s scalpel achieves and does not achieve—it certainly achieves certain things, but there are also things it does not achieve. Undoubtedly, many who today advocate for the surgeon’s scalpel simply because the means of diagnosis do not yet exist will change their minds the moment such diagnostic methods are developed.
[ 3 ] Nun brauche ich Ihnen ja nicht die ganze Wesenheit der Entzündungsvorgänge auch in ihren verschiedenen spezifischen Gestaltungen nach den Organen auseinanderzusetzen. Das ist etwas, wovon ich sagen kann, daß es ja bekannt ist. Aber nicht bekannt ist gerade dasjenige, was gewissermaßen als einheitlicher Vorgang über allen Entzündungsvorgängen schwebt. Diesen einheitlichen Vorgang kann man am besten dadurch charakterisieren, daß man sagt: Bei all dem, was eine wirkliche Entzündung ist, sei sie eine sehr kleine, sei sie eine sehr große, was auf Grundlage von Entzündungen dann zur Geschwürbildung führt, bei all dem ist für, ich will jetzt so sagen, die geisteswissenschaftliche Untersuchung noch zu bemerken, daß der ganze Ätherleib des Menschen als solcher wirkt, man sich also immer noch verlassen kann darauf, daß man irgend etwas tun könne, um nur die in einem gewissen Sinne, nach einer Richtung hin träge gewordene Wirkung des Ätherleibes zurückzuführen auf ihre normale Verteilung, so daß der ganze Ätherleib des Menschen in gesundem Sinne wirkt. Es ist eigentlich nur Hinleitung der Tätigkeit des Ätherleibes nach ganz bestimmten Richtungen, während der gesunde Ätherleib seine Tätigkeit über alle entsprechenden Richtungen des Organismus erstrecken muß. Das ist im wesentlichen auch so, daß man sagen kann: Man kann Reaktionen finden — wir werden über solche noch sprechen —, die den Ätherleib, der zum Beispiel träge wird nach einem gewissen Organsystem hin, wiederum anregen können, wenn er im ganzen noch gesund ist, nach dieser Richtung hin seine, wenn ich so sagen darf, universelle Tätigkeit zu entfalten.
[ 3 ] Now, I certainly don’t need to explain to you the entire nature of inflammatory processes, including their various specific manifestations in different organs. That is something I can say is already well known. But what is not well known is precisely that which, so to speak, hovers as a unified process above all inflammatory processes. This unified process can best be characterized by saying: In everything that is a true inflammation—whether very small or very large, and which, on the basis of inflammation, then leads to ulcer formation—in all of this, I’ll put it this way—from the perspective of Spiritual Science—that the entire etheric body of the human being acts as such; one can therefore still rely on the fact that something can be done to restore the activity of the etheric body—which has, in a certain sense, become sluggish in one particular direction—to its normal distribution, so that the entire etheric body of the human being functions in a healthy manner. It is really just a matter of directing the activity of the etheric body toward very specific directions, whereas a healthy etheric body must extend its activity across all the corresponding directions of the organism. Essentially, this is such that one can say: One can find reactions—we will speak of such later—that can once again stimulate the etheric body, which, for example, has become sluggish toward a certain organ system, to unfold its, if I may say so, universal activity in that direction, provided it is still healthy as a whole.
[ 4 ] Anders ist es bei den Geschwulstbildungen, bei allen Arten von Geschwulstbildungen. Da handelt es sich darum, daß gewisse Vorgänge im physischen Leib sich direkt als Feinde ausnehmen der Tätigkeit des Ätherleibes, daß sich gewissermaßen Vorgänge im physischen Leibe einfach auflehnen gegen die Tätigkeit des Ätherleibes und daß dann für diese Bezirke des physischen Leibes der Ätherleib nicht mehr wirksam ist.
[ 4 ] The situation is different with regard to tumors—all types of tumors. In these cases, certain processes in the physical body directly oppose the activity of the etheric body; in a sense, certain processes in the physical body simply rebel against the activity of the etheric body, and as a result, the etheric body is no longer effective in these areas of the physical body.
[ 5 ] Nun hat aber der Ätherleib eine sehr große Regenerationsfähigkeit, und man kann immer beobachten mit geisteswissenschaftlichen Mitteln, daß, wenn man das Hindernis beseitigen kann, den Feind beseitigen kann, der seiner Tätigkeit auf einem gewissen Gebiete entgegensteht, man dann der Sache doch beikommen kann. So daß man sagen kann: Bei Geschwülsten wird es sich darum handeln, gewissermaßen durch Naturtätigkeit das Hinwegschaffen der dem Ätherleib entgegenstehenden physischen Tätigkeiten hervorzurufen, so daß der Ätherleib wiederum hinwirken mag an die Stelle, wo er sonst nicht hinwirkt.
[ 5 ] However, the etheric body possesses a very great capacity for regeneration, and one can always observe through methods of Spiritual Science that if one can remove the obstacle—that is, eliminate the enemy—that stands in the way of its activity in a certain area, then one can indeed overcome the problem. Thus, one can say: In the case of tumors, the task will be, so to speak, to bring about—through the workings of nature—the elimination of the physical activities that oppose the etheric body, so that the etheric body may once again exert its influence in the place where it otherwise does not.
[ 6 ] Das wird gerade von einer großen Bedeutung werden bei, sagen wir, der Karzinombehandlung. Das Karzinom zeigt ja ohne weiteres, wenn es nur sachgemäß beobachtet wird, daß es trotz seiner mannigfaltigen Formen doch darstellt eine Revolution gewisser physischer Kräfte gegen die Kräfte des Ätherleibes. An der Wirkung, die man zum Beispiel sehr charakteristisch sehen kann an den inneren Karzinombildungen, wo Verhornungen eintreten, die mehr im Hintergrunde bleiben, aber in der Tendenz doch vorhanden sind auch bei den mehr an der Oberfläche zu gelegenen Karzinombildungen, an ihr ist zu sehen, wie die physische Bildung eben übergreift über jene ätherische Bildung, die an diesem betreffenden Orte sein sollte. Studiert man daher diese beiden Dinge richtig, so kommt man zuletzt zu der Anschauung, die auch nun fast mit Händen zu greifen ist, daß Entzündungen und Geschwürbildungen den vollen Gegenpol darstellen gegen die Geschwulstbildungen. Richtig polarische Gegensätze sind diese zwei Dinge. Wenn ich sage, daß sich das mit Händen greifen läßt, so bitte ich Sie nur, sich zu erinnern an die Erfahrungen, die Sie machen können, wenn ein nach der Oberfläche zu gelegenes Karzinom auftritt, wo sehr häufig verwechselt werden kann das, was sich da abspielt, mit Pseudogeschwüren, wenigstens nach gewissen Richtungen hin. So wird sich vor allen Dingen das Studium dahin erstrecken müssen, diese Polarität genauer zu studieren.
[ 6 ] This will become particularly significant in, say, the treatment of carcinoma. For carcinoma clearly shows—if it is properly observed—that despite its manifold forms, it nevertheless represents a revolution of certain physical forces against the forces of the etheric body. From the effect—which can be seen very characteristically, for example, in internal cancerous formations where keratinization occurs, which remains more in the background but is nevertheless present in tendency even in cancerous formations located closer to the surface—one can see how the physical formation actually overrides the etheric formation that should be present at that particular location. If one therefore studies these two things correctly, one ultimately arrives at the insight—which is now almost tangible—that inflammations and ulcerations represent the complete opposite of tumor formations. These two phenomena are true polar opposites. When I say that this is something one can almost grasp with one’s own hands, I simply ask you to recall the experiences you may have when a carcinoma located near the surface occurs—a condition in which what is taking place there can very often be mistaken for pseudoulcers, at least in certain respects. Above all, the study will have to focus on examining this polarity more closely.
[ 7 ] Nun, natürlich stören bei diesen Dingen sehr häufig nicht gerade alte, aber, ich möchte sagen, mittelalterliche Namengebungen — nicht auf das Mittelalter bezügliche, sondern sogar auf ein sehr nahe hinter uns liegendes Mittelalter bezügliche Namengebungen. Es ist nicht ganz richtig, wenn man die Geschwulstbildungen als «Neubildungen» bezeichnet. Sie sind es höchstens in dem ganz trivialen Sinne, daß sie früher nicht dagewesen sind, aber sie sind es in dem Sinne nicht, daß sie etwa auf dem Boden des von der Haut bedeckten Organismus selber erwachsen. Sondern dadurch, daß der physische Leib in einem Prozeß so stark in Gegensatz tritt gegen den Ätherleib, ordnet sich der äußere Leib gewissermaßen auch dem Äußeren, der dem Menschen feindlichen Natur unter, und es öffnet die Geschwulstbildung allen möglichen äußeren Einflüssen einen starken Zugang.
[ 7 ] Well, of course, what often causes problems with these things are not exactly old, but—I would say—medieval naming conventions—not those related to the Middle Ages, but even those related to a Middle Ages that lies very close behind us. It is not entirely correct to describe these growths as “new formations.” They are such, at most, in the very trivial sense that they did not exist before, but they are not such in the sense that they grow, for example, from the surface of the organism itself, which is covered by skin. Rather, because the physical body, in a process, comes into such strong opposition to the etheric body, the outer body, in a sense, also submits to the external environment—to nature, which is hostile to human beings—and this opens the tumor formation to all manner of external influences.
[ 8 ] Nun handelt es sich darum, daß man auch wiederum, ich möchte sagen, das Gegenbild zu all diesen Dingen studiert. Da verweise ich Sie in der außermenschlichen Natur auf das Studium, sagen wir zunächst, der Viscumbildung. Es ist notwendig, daß da zunächst das Augenmerk darauf gerichtet wird, wie die Viscumarten sich auf anderen Pflanzen entwickeln. Aber es ist das gar nicht einmal das Wesentliche. Das Wesentliche. ist gewiß für die Botanik die Schmarotzernatur der Mistel. Aber für das Studium der Beziehung der außermenschlichen Natur zur menschlichen ist es im Grunde genommen viel wichtiger, daß die Mistel dadurch, daß sie auf anderen Pflanzen, auf Bäumen wächst, gezwungen ist, in anderem Jahresrhythmus ihre Vegetation durchzuführen, daß sie also zum Beispiel ihre Blütenbildung bereits abgeschlossen hat, bevor die Bäume, auf denen sie wächst, mit ihrer Laubbildung im Frühling beginnen, daß sie also eine Art Winterpflanze ist, daß sie gewissermaßen sich nicht aussetzt — diese Mistel ist eine Pflanze, welche sich, ich möchte sagen, aristokratisch gebärdet -, indem sie sich durch das Laub der Bäume schützt vor den zu intensiv wirkenden Sonnenstrahlen oder Lichtwirkungen des Sommers. Wir müssen ja nach den vorgestern beschriebenen Vorgängen die Sonne immer nur als den Repräsentanten der Lichtwirkungen betrachten. Dies würde der Gegenstand einer physikalischen Betrachtung sein und gehört nicht hieher. Man kann ja nicht ganz vermeiden das, was aus einer nicht ganz richtigen Naturbetrachtung in unsere Sprache eingezogen ist. Aber die ganze Art und Weise, wie die Mistel wächst und gedeiht dadurch, daß sie eben sich an anderen Pflanzen ansetzt, das ist das besonders Wichtige. Dadurch eignet sich die Mistel eben ganz besondere Kräfte an. Sie eignet sich die Kräfte an, die etwa in der folgenden Weise bezeichnet werden können: sie will vermöge ihrer Kräfte alles dasjenige nicht, was die geraden Organisationskräfte, die geradlinig sich entwickelnden Organisationskräfte wollen, und sie will dasjenige, was die geradlinig sich entwickelnden Organisationskräfte nicht wollen. Auch da wird die Sache erst klar werden, wenn man sie so auffaßt, daß man sagt: Wenn, ganz schematisch gezeichnet (siehe Zeichnung Seite 251), hier eine Stelle ist im physischen menschlichen Leibe, die sich durch ihre Kräfte auflehnt gegen das ganze Hereinwirken der Ätherkräfte, so daß die Ätherkräfte sich gewissermaßen stauen und haltmachen und dadurch das, was wie eine Neubildung aussieht, eben entsteht, so ist es die Mistel, welche dieser Einsackung, die sich da gebildet hat, entgegenwirkt. Sie zieht gewissermaßen das wiederum an die Stelle hin, wo es nicht hin will.
[ 8 ] Now the point is that one must also, I would say, study the opposite of all these things. In this regard, I refer you to the study of—let us say, for the time being—mistletoe formation in the non-human natural world. It is necessary to first focus attention on how mistletoe species develop on other plants. But that is not even the essential point. The essential point for botany is certainly the parasitic nature of the mistletoe. But for the study of the relationship between non-human nature and human nature, it is fundamentally much more important that the mistletoe, by growing on other plants—on trees—is compelled to carry out its life cycle according to a different annual rhythm—that is, for example, that it has already completed its flowering before the trees on which it grows begin to produce foliage in the spring; that it is, in other words, a kind of winter plant; that it does not, so to speak, expose itself—this mistletoe is a plant that, I would say, behaves in an aristocratic manner—by shielding itself from the sun’s rays or the light effects of summer, which are too intense, through the foliage of the trees. According to the processes described the day before yesterday, we must always regard the sun merely as the representative of light effects. This would be the subject of a physical analysis and does not belong here. Of course, one cannot entirely avoid what has crept into our language from a not entirely correct view of nature. But the whole way in which the mistletoe grows and thrives by attaching itself to other plants—that is what is particularly important. Through this, the mistletoe acquires very special powers. It acquires powers that can be described roughly as follows: by virtue of its powers, it does not want anything that the straight organizational forces—the forces that develop in a straight line—want, and it wants what the forces that develop in a straight line do not want. Here, too, the matter will only become clear if one understands it in this way: If, to put it very schematically (see diagram on page 251), there is a spot here in the physical human body that, through its own forces, rebels against the entire inflow of etheric forces, so that the etheric forces, as it were, become blocked and come to a standstill, thereby giving rise to what appears to be a new formation—then it is the mistletoe that counteracts this blockage that has formed there. It draws it, so to speak, back to the place where it does not want to go.


[ 9 ] Auch da können Sie durch das Experiment, das ja selbstverständlich, ich möchte sagen, nur per Gelegenheit gemacht werden kann, sich irgendwie überzeugen. Sie werden diese Antitendenz der Mistel gegen die geradlinige Organisation an einer Tatsache gut studieren können, nämlich wenn Sie beobachten, wie die Mistel auf das Abgehen der Nachgeburt wirkt. Sie hält nämlich die Nachgeburt im menschlichen Organismus zurück, das heißt, sie macht in ihrer Art das Gegenteil von dem, was die geradlinige Organisation eigentlich will. Das ist etwas, was geradezu zu den wesentlichsten Eigenschaften des Mistelwirksamkeitsprozesses gehört, so etwas zu bewirken wie die Nachgeburt zurückhalten, also die gewöhnliche Organisation aufzuhalten, Bei Prozessen, die dann feiner sind im menschlichen Organismus, die aber eigentlich auf demselben beruhen wie das Zurückhalten der Nachgeburt, tritt einem das natürlich viel weniger entgegen. Aber ganz dasselbe, was nun eben stark wirkt, wenn die Mistel da entgegenwirkt der geradlinigen Organisationstendenz, das tritt einem entgegen bei den Bildern, die man bekommt, wenn man die Mistelwirksamkeit überhaupt in Betracht zieht. Nicht wahr, wenn man merkt, daß die Mistel entgegenwirkt den Tendenzen des Ätherleibes, der zum Beispiel den physischen Leib nicht im richtigen Maße ergreifen will, und bringt man dann eine gewisse Mistelwirkung zustande, so ergreift der Ätherleib den physischen Leib zu stark, und es entstehen Krampfanfälle. In anderen Fällen entsteht gerade durch die Mistelwirkung dieses eigentümliche Gefühl, dad man immerfort umfallen könnte. Das sind Dinge, die dann wiederum damit zusammenhängen, daß zum Beispiel im wesentlichen die Mistel pollutionsbefördernd ist.
[ 9 ] Here, too, you can convince yourself to some extent through the experiment—which, of course, I would say, can only be conducted on an ad hoc basis. You will be able to study this counter-tendency of mistletoe against linear organization quite well by observing how mistletoe affects the expulsion of the afterbirth. It actually holds back the afterbirth in the human organism; that is, in its own way, it does the opposite of what linear organization actually aims to do. This is something that belongs to the very most essential characteristics of the mistletoe’s process of action—to bring about something like the retention of the afterbirth, that is, to hold back the ordinary organization. In processes within the human organism that are more subtle but are actually based on the same principle as the retention of the afterbirth, this naturally presents itself much less prominently. But the very same thing that now has such a strong effect when mistletoe counteracts the linear tendency toward organization is what one encounters in the images that arise when one considers the effect of mistletoe at all. Isn’t it true that when one notices that mistletoe counteracts the tendencies of the etheric body—which, for example, does not want to grasp the physical body to the proper degree—and one then brings about a certain mistletoe effect, the etheric body grasps the physical body too strongly, and convulsions arise? In other cases, it is precisely the effect of mistletoe that gives rise to this peculiar sensation that one might fall over at any moment. These are things that, in turn, are related to the fact that, for example, mistletoe essentially promotes pollutions.
[ 10 ] Also überall können Sie sehen, auch mit dem Entstehen der Epilepsie zum Beispiel zusammenhängend, daß die Mistel in sich hat dieses dem menschlichen Organismus Entgegenwirken. Das aber hängt zusammen eben weniger mit ihrem Schmarotzertum als damit, daß sie auch sich — wenn ich den trivialen Ausdruck gebrauchen darf, namentlich die Wiener werden mich verstehen — eine Extrawurst braten läßt von der ganzen Natur. Sie läßt sich insoferne eine Extrawurst braten, als sie eben nicht gedeihen will im gewöhnlichen Jahreslauf, nach dem Frühling hin blühen und dann Früchte tragen, sondern daß sie zu einer anderen Zeit, eben zu einer Extrazeit, während der Winterszeit, diese Dinge entwickelt. Damit konserviert sie diejenigen Kräfte, welche eben entgegenwirken dem gewöhnlichen Gang der Ereignisse. Würde man nicht zu stark Anstoß erregen damit, so könnte man sagen, wenn man hinschaut auf die Mistelbildungen und die wirksame Natur in Betracht zieht: Diese wirksame Natur ist dabei irrsinnig geworden, sie macht alles zur Unzeit in bezug auf die Mistel. Das ist aber gerade dasjenige, was man eben wiederum benützen muß, wenn auf der anderen Seite der menschliche Organismus physisch irrsinnig wird, und das wird er ja zum Beispiel gerade in der Karzinombildung. Da handelt es sich dann darum, gerade für solche Zusammenhänge sich ein Verständnis zu entwickeln.
[ 10 ] So everywhere you can see—even in connection with the onset of epilepsy, for example—that mistletoe possesses this ability to counteract the human organism. But this has less to do with its parasitic nature than with the fact that it, too—if I may use the colloquial expression, and the Viennese in particular will understand me—gets special treatment from nature as a whole. It gets special treatment insofar as it does not thrive according to the usual course of the year—blooming in the spring and then bearing fruit—but rather develops these things at a different time, specifically at an “extra” time, during the winter. In this way, it conserves those forces that counteract the usual course of events. If it weren’t too controversial to say so, one might observe, when looking at mistletoe growth and considering its active nature: this active nature has gone mad in this process; it does everything at the wrong time as far as the mistletoe is concerned. But this is precisely what one must make use of when, on the other hand, the human organism becomes physically deranged—which it does, for example, in the formation of carcinoma. The task then is to develop an understanding specifically for such connections.
[ 11 ] Nun ist die Mistel zweifellos dasjenige, durch dessen Potenzierung man erreichen wird müssen das Ersetzen des Chirurgenmessers bei den Geschwulstbildungen. Es wird sich nur darum handeln, daß man namentlich die Mistelfrucht, aber durchaus im Zusammenhang mit anderen Kräften der Mistel selber, in der richtigen Weise wird behandeln können, um sie zum Heilmittel zu machen.
[ 11 ] Mistletoe is undoubtedly the substance whose potentization will be necessary to replace the surgeon’s scalpel in the treatment of tumors. The only issue will be ensuring that the mistletoe fruit—in particular, but certainly in conjunction with other properties of the mistletoe itself—can be properly prepared to make it a remedy.
[ 12 ] Nicht wahr, das Irrsinnige ist ja zum Beispiel auch darinnen enthalten, daß der ganze Bestand des Misteltums daran gebunden ist, daß die Befruchtung der Mistel auf das Übertragen durch den Vogelflug angewiesen ist in allen diesen Dingen; nicht wahr, die Mistel würde aussterben, wenn nicht die Vögel immerfort wiederum die Befruchtungssubstanzen von einem Baum zum andern tragen würden. Kurioserweise wählen diese Befruchtungssubstanzen auch noch den Weg durch die Vögel durch, so daß also die Mistelsubstanzen erst in den Leib der Vögel aufgenommen und wieder entleert werden, um dann auf einem anderen Baume weiterzusprossen. Das alles sind Dinge, die eben hineinschauen lassen, wenn man sie sachgemäß beobachtet, in den ganzen, wenn ich so sagen darf, Mistelbildungsprozeß. Und es handelt sich dann darum, daß man namentlich die Leimsubstanz, die leimartige Substanz der Mistel in den richtigen Zusammenhang bringt mit einem Verreibungsmittel und man allmählich eine sehr hohe Potenzierung dieser mistelartigen Substanz herausbringt.
[ 12 ] Isn’t it true, for example, that the absurdity also lies in the fact that the entire existence of the mistletoe depends on the fact that its fertilization relies on transmission by birds in flight in all these respects; isn’t it true that the mistletoe would die out if the birds did not constantly carry the fertilizing substances from one tree to another? Curiously, these fertilizing substances also choose to travel via the birds, so that the mistletoe substances are first taken into the birds’ bodies and then excreted, only to sprout anew on another tree. All of these are things that, when observed properly, provide insight into the entire—if I may say so—mistletoe formation process. And the point is to place the glue-like substance of the mistletoe in the proper context with a trituration medium and gradually bring out a very high potency of this mistletoe-like substance.
[ 13 ] Dann wird es sich darum handeln, daß man spezialisiert für die verschiedenen Organe hin — ich werde darauf noch eingehen — zum Teil nach dem Standort der Mistel, ob sie auf dem oder jenem Baume wächst. Aber ein anderes, was wichtig ist, wird sein, daß man es dahin bringt, in Heilmitteln etwas zu erzeugen, was darauf beruht, daß diese leimartige Substanz mit gewissen Metallsubstanzen zusammenwirkt, mit Metallsubstanzen, die selbstverständlich auch durch den Metallinhalt anderer Pflanzen erreicht werden können. Aber in dem Zusammenwirken, sagen wir, zum Beispiel der Mistel einfach vom Apfelbaum und dem Verreiben etwa mit Silbersalzen würde sich etwas ergeben, was in hohem Grade allen Unterleibskrebsen entgegenwirken könnte.
[ 13 ] Then it will be a matter of specializing for the various organs—I will come back to this later—in part based on the location of the mistletoe, whether it grows on this or that tree. But another important aspect will be to develop remedies based on the fact that this gelatinous substance interacts with certain metallic substances—substances that can, of course, also be obtained from the metal content of other plants. But the interaction—let’s say, for example, between mistletoe from an apple tree and the trituration of silver salts—would produce something that could be highly effective in counteracting all cancers of the lower abdomen.
[ 14 ] Sie werden nun verstehen, daß ich über diese Dinge aus dem Grunde vorsichtig sprechen muß, weil auf der einen Seite die Tendenz, die damit angegeben wird, absolut richtig ist, auf gut fundierten geisteswissenschaftlichen Forschungen beruht, weil aber auf der anderen Seite in dem Augenblicke, wo nun der praktische Heilungsprozeß anfängt, die volle Abhängigkeit von der Verarbeitung der Mistelsubstanz anfängt, da eigentlich im Grunde genommen kaum die Kenntnisse da sind, um den Prozeß in der richtigen Weise zu betreiben. Hier liegt es natürlich, wo Geisteswissenschaft nur dann günstig wirken könnte, wenn sie tatsächlich in fortwährendem Zusammenwirken mit dem stehen könnte, worauf ja so vieles bei der anderen Ärzteschaft beruht, nämlich mit dem klinischen Prozesse. Und das ist es, was die Beziehungen der Geisteswissenschaft zu der Medizin so schwierig macht, weil ja die beiden Dinge, klinische Beobachtungsmöglichkeiten und geisteswissenschaftliche Untersuchungen, einfach heute durch unsere sozialen Einrichtungen noch ganz auseinanderfallen müssen. Aber gerade aus dem wird eingesehen werden können, daß eigentlich nur auf einen grünen Zweig zu kommen ist, wenn sich beides miteinander verbindet. Also es wird sich darum handeln, daß tatsächlich Erfahrungen gesammelt werden nach dieser Richtung, denn Sie werden ja kaum der Außenwelt irgendwie mit solchen Dingen anders imponieren können, als daß Sie ihr wenigstens Verifikationen durch äußere klinische Berichte und so weiter geben können. Es ist nicht so sehr eine innere Notwendigkeit als gerade eine äußere Notwendigkeit, daß man das braucht.
[ 14 ] You will now understand that I must speak cautiously about these matters because, on the one hand, the trend indicated by them is absolutely correct, is based on well-founded research in the Spiritual Sciences; but on the other hand, the moment the practical healing process begins—and full dependence on the processing of the mistletoe substance begins—there is, in fact, hardly enough knowledge to carry out the process in the proper manner. This is, of course, where Spiritual Science could have a beneficial effect only if it were actually able to stand in constant interaction with that upon which so much in the rest of the medical profession is based—namely, the clinical process. And this is what makes the relationship between Spiritual Science and medicine so difficult, because today, due to our social institutions, these two areas—clinical observation and spiritual scientific research—are simply forced to remain completely separate. But it is precisely from this that one can see that success can only be achieved if the two are combined. So the task will be to actually gather experience in this direction, because you will hardly be able to impress the outside world with such matters in any other way than by providing at least some verification through external clinical reports and so on. It is not so much an internal necessity as an external one that this is needed.
[ 15 ] Es wird sich auch beweisen lassen, daß die Mistelwirkung wirklich auf dem beruht, was ich jetzt auseinandergesetzt habe. Man braucht ja nur dann methodisch vorzugehen. Denn man wird sich sagen: Nach dem, was ich vor einigen Tagen hier gesagt habe, sind ja eigentlich die Stammbildungen der Bäume mehr Auswüchse der eigentlichen Erdensubstanz, sind eigentlich nur kleine Hügel, in denen das Vegetabile noch drinnen ist, auf denen dann schon dasjenige, was sonst mit dem Baum zusammengehört, wächst. Nun, wenn erst noch die Mistel darauf wächst, nicht wahr, so wächst sie ja eigentlich mit ihrer Wurzelung der Erde entgegen, indem sie es sich auf dem Baume selber bequem macht. Daher ist zu erwarten, daß, wenn man mit solchen Pflanzen Versuche macht, welche sich den irrsinnigen Aristokratismus der Mistel aneignen, ohne zu gleicher Zeit sich die Boheme-Eigenschaft des Schmarotzertums beizulegen, man mit solchen Pflanzen eine ähnliche Erfahrung machen könnte. Nun, das wird man auch. Wenn man ausgehen wird darauf, Winterpflanzen auf ihre Antitendenz gegen die normale Tendenz des menschlichen Organismus zu untersuchen, also auch die normale Krankheitsbildungstendenz, so wird man erwarten können, daß Pflanzen, die es angemessen finden für sich, ihre Blüten im Winter zu treiben, eben ähnliche Wirkungen haben müssen. Da braucht man ja denn nur die Versuchsreihe auszudehnen auf so etwas wie zum Beispiel Helleborus niger, die gewöhnliche Christblume, und man wird finden, daß man in der Tat ähnliche Wirkungen erzielt. Nur muß man den ganzen Gegensatz in Betracht ziehen, wie ich ihn Ihnen wenigstens vorläufig schon charakterisiert habe, zwischen dem Männlichen und dem Weiblichen. So daß man mit Helleborus niger kaum Wirkungen, stark sichtbare Wirkungen bei Frauen erzielen wird, aber immerhin vernehmbare Wirkungen bei der Mannesnatur, wenn Geschwulstbildungen vorliegen und man in einer ähnlichen Weise versucht, eine höhere Potenzierung zu bekommen, wie ich es für das Viscum angegeben habe.
[ 15 ] It will also be possible to prove that the effect of mistletoe is indeed based on what I have just explained. One need only proceed methodically. For one will say to oneself: According to what I said here a few days ago, the trunks of trees are actually more like outgrowths of the earth’s substance itself; they are really just small mounds in which the vegetative substance is still contained, upon which then grows that which otherwise belongs to the tree. Well, if mistletoe grows on top of that as well, doesn’t it, then it actually grows with its roots toward the earth while making itself comfortable on the tree itself. Therefore, it is to be expected that if one conducts experiments with such plants—which adopt the absurd aristocratic nature of mistletoe without simultaneously acquiring the bohemian quality of parasitism—one might have a similar experience with them. Well, that is indeed the case. If one sets out to examine winter plants for their tendency to counteract the normal tendencies of the human organism—including the normal tendency to develop disease—one can expect that plants which find it appropriate to bloom in winter must have similar effects. All one needs to do, then, is to extend the series of experiments to include, for example, Helleborus niger, the common Christmas rose, and one will find that similar effects are indeed achieved. However, one must take into account the entire contrast—as I have already characterized it for you, at least for the time being—between the masculine and the feminine. Thus, with Helleborus niger, one will hardly achieve any effects—strongly visible effects—in women, but at least perceptible effects in men when tumors are present, and if one attempts in a similar manner to obtain a higher potency, as I have indicated for Viscum.
[ 16 ] Beim Arbeiten in dieser Weise muß man auf solche Verhältnisse wirklich Rücksicht nehmen, ob eine Pflanze im Winter oder im Sommer gedeiht, ob sie ihre Wirksamkeit dadurch bekommt, daß sie sich so verhält wie die Mistel oder mehr zur Erde neigt als diese. Die Mistel mag nicht gerne zur Erde, die Schwarze Nieswurz, die Christblume, mag an die Erde heran, ist daher mehr mit dem männlichen Kräftesystem verwandt, das ja wiederum mehr mit dem Irdischen verwandt ist, wie ich vor ein paar Tagen ausgeführt habe, während das weibliche Kräftesystem mehr mit dem Außertellurischen verwandt ist. Diese Dinge müssen eben durchaus berücksichtigt werden. Namentlich wird es sich darum handeln, da einen gewissen Einblick in die Naturvorgänge selbst zu gewinnen. Deshalb versuchte ich es auch in dieser Weise, wie wir es getan haben, zu charakterisieren, gewissermaßen zu zeigen, wie die Kräfte drauBen sind, versuchte moralische Vorstellungen zu Hilfe zu nehmen, die einem aber ganz gut dienen können, wie Bohemiens, Aristokraten, Irrsinn und so weiter, weil die in der Tat nicht ganz inadäquat sind in bezug auf dasjenige, was da eigentlich in Betracht kommt.
[ 16 ] When working in this way, one must truly take such conditions into account: whether a plant thrives in winter or in summer, whether it derives its potency from behaving like mistletoe or from leaning more toward the earth than mistletoe does. Mistletoe does not like to grow close to the ground, whereas the black hellebore, the Christmas flower, does like to grow close to the ground; it is therefore more closely related to the masculine force system, which in turn is more closely related to the earthly realm, as I explained a few days ago, whereas the feminine force system is more closely related to the non-terrestrial realm. These things must certainly be taken into account. Specifically, the aim will be to gain a certain insight into the natural processes themselves. That is why I also attempted to characterize it in the way we did—to show, so to speak, how the forces are out there—and tried to draw on moral images that can serve us quite well, such as those of bohemians, aristocrats, madness, and so on, because they are in fact not entirely inadequate in relation to what is actually at stake here.
[ 17 ] Nun, wenn man dann solche Vorstellungen gewinnt, so wird einem auch der charakteristische Unterschied entgegentreten, der da zwischen der Wirksamkeit des Mittels von außen und des Mittels von innen ist. Ehe wir aber das in Betracht ziehen können, müssen wir uns doch noch Vorstellungen vor Augen stellen, die uns erst zu diesem Unterschied in der richtigen Weise hinführen können. Es ist zum Beispiel durchaus etwas, was für gewisse Krankheiten, die jetzt auftreten, wird zu studieren sein müssen: daß man für diese gewissermaßen neuartigen Krankheiten — ich habe gestern schon darauf hingedeutet — wird so etwas für den Heilprozeß zu studieren haben, wie zum Beispiel, daß man Carbo vegetabilis eine gewisse längere Zeit einfach dem Sumpfgas exponiert, einfach im Sumpfgas liegen läßt und dann, wenn es sich genügend imprägniert hat mit Sumpfgas, erst die Verreibung macht. Dadurch wird man etwas bekommen, was in gewisser Art äußerlich wirksam wäre als Salbe und dergleichen, insbesondere wenn man etwa die Verreibung mit Substanzen macht, die dann noch die Wirkung begünstigen können. Es handelt sich darum, einfach die technische Methode für so etwas zu finden. Wenn die Verreibung durch irgendwelche technische Methoden, die ganz gewiß gefunden werden können, mit Talk-Erde zum Beispiel, gemacht wird, dann würde man in diesem Mittel etwas haben, was in gewisser Art äußerlich wirksam wäre als Salbe und dergleichen.
[ 17 ] Well, once one has formed such mental images, one will also encounter the characteristic difference between the effectiveness of an external remedy and that of an internal one. But before we can consider this, we must first form mental images that can properly lead us to this distinction. For example, there is certainly something that will need to be studied in relation to certain diseases that are now emerging: that for these somewhat novel illnesses—as I already hinted at yesterday—we will have to study certain aspects of the healing process, such as, for example, simply exposing Carbo vegetabilis to marsh gas for a certain extended period of time, simply leaving it in the marsh gas, and then, once it has become sufficiently impregnated with marsh gas, performing the trituration. This will yield a substance that would be effective externally, in a certain sense, as an ointment or the like, especially if the trituration is carried out with substances that can further enhance the effect. The point is simply to find the technical method for something like this. If the trituration is carried out using technical methods—which can certainly be developed—such as with talc, for example, then this remedy would contain something that would, in a certain sense, be effective for external use as an ointment or the like.
[ 18 ] Aber es handelt sich darum nun, einen solchen Prozeß auch zu durchschauen. Man wird ihn nicht durchschauen, wenn man sich nicht den Blick zunächst dadurch schärft, daß man auch in der Psychiatrie gesund denken lernt. Sie dürfen mir glauben, daß der Geisteswissenschafter eigentlich, wenn ich drastisch reden darf, schon geärgert wird bei dem bloßen Ausdruck Geisteskrankheit, denn es ist töricht, den Ausdruck Geisteskrankheit zu gebrauchen, weil der Geist immer gesund ist und eigentlich nicht erkranken kann. Es ist ein Unsinn, von Geisteskrankheiten zu sprechen. Es handelt sich immer darum, daß der Geist in seiner Fähigkeit, sich zu äußern, von dem physischen Organismus gestört wird, und nie um eine eigentliche Erkrankung des geistigen oder seelischen Lebens selber. Das sind alles nur Symptome, was da auftritt.
[ 18 ] But the point now is to see through such a process. One will not be able to understand it unless one first sharpens one’s perspective by learning to think clearly even within the field of psychiatry. Believe me when I say that the scholar of Spiritual Science—if I may speak bluntly—is actually already annoyed by the very term “mental illness,” for it is foolish to use the term “mental illness,” since the spirit is always healthy and cannot actually become ill. It is nonsense to speak of mental illnesses. It is always a matter of the mind’s ability to express itself being disrupted by the physical organism, and never a matter of an actual illness of the mental or psychological life itself. What occurs there are all merely symptoms.
[ 19 ] Nun aber muß man seinen Blick für die konkreten einzelnen Symptome schärfen. Und da wird es sich darum handeln, daß Sie vielleicht sich entwickeln sehen, was man etwa nennen könnte die erste Anlage und dann die weitere Fortentwickelung von, sagen wir, so etwas wie einem religiösen Wahnsinn oder was dem ähnlich ist — nicht wahr, die Ausdrücke sind alle nicht genau, weil die Bezeichnungsweise auf diesem Gebiete eine außerordentlich konfuse ist, aber wir müssen doch eben die Worte gebrauchen. Das alles sind selbstverständlich nur Symptome. Aber nehmen wir an, daß sich so etwas entwickelt, so wird es sich dann darum handeln, allerdings ein Bild gewinnen zu können von diesem ganzen Entwickelungsgang. Dann aber, wenn man dieses Bild gewonnen hat, wird es nötig sein, bei einem Menschen, der dieses Bild zeigt, genau hinzuschauen auf irgendwelche Abnormitäten im Lungenbildungsprozeß, nicht im Atmungsprozeß, sondern im Lungenbildungsprozeß, im Stoffwechsel der Lunge. Denn auch der Ausdruck Gehirnkrankheit ist eigentlich ein nicht ganz richtiger. Wenn der Ausdruck Geisteskrankheit ganz falsch ist, so ist der Ausdruck Gehirnkrankheit eigentlich halb falsch, denn auch dasjenige, was an Entartungen im Gehirn auftritt, ist eigentlich immer sekundär. Das Primäre liegt bei den Krankheiten niemals in dem, was sich in dem oberen Menschlichen, sondern immer in dem unteren Menschlichen abspielt. Das Primäre liegt eigentlich immer in den Organen, zu denen die vier Organsysteme gehören, dem Leber-, Nieren-, Herz- und Lungensystem. Und wichtiger als alles andere ist bei jemandem, der zu denjenigen Formen des Wahnsinns neigt, wo das Interesse am äußeren Leben abstirbt und der Mensch innerlich brütend wird und Wahnvorstellungen nachgeht, daß man eine Vorstellung von der Beschaffenheit seines Lungenprozesses bekommt. Das ist außerordentlich wichtig.
[ 19 ] But now one must sharpen one’s focus on the specific individual symptoms. And this will involve observing what might be called the initial predisposition and then the further development of, let’s say, something like religious madness or something similar—isn’t that right? The terms aren’t precise, because the terminology in this field is extraordinarily confusing, but we have to use the words anyway. All of these are, of course, merely symptoms. But let’s assume that something like this develops; in that case, the task will be to gain a clear picture of this entire developmental process. But once we have gained this picture, it will be necessary, in a person who exhibits this picture, to look closely for any abnormalities in the process of lung formation—not in the respiratory process, but in the process of lung formation, in the metabolism of the lungs. For even the term “brain disease” is actually not entirely accurate. If the term “mental illness” is entirely incorrect, then the term “brain disease” is actually only half-correct, for even what occurs in the form of degenerative changes in the brain is, in fact, always secondary. In diseases, the primary cause never lies in what takes place in the upper human realm, but always in the lower human realm. The primary cause actually always lies in the organs that make up the four organ systems: the liver, kidney, heart, and lung systems. And what is more important than anything else in the case of someone who is prone to those forms of insanity in which interest in external life dies away and the person becomes inwardly brooding and pursues delusions, is to gain a mental image of the nature of their pulmonary process. This is extraordinarily important.
[ 20 ] Ebenso ist es wichtig, daß man bei Leuten, bei denen dasjenige auftritt, was man Eigensinn, Dickköpfigkeit, Rechthaberei nennen könnte, also alles dasjenige, was eine gewisse Unbeweglichkeit des Begriffssystems darstellt, ein starres Stehenbleibenwollen beim Begriffssystem, daß man durch das sich dazu führen läßt, nachzusehen, wie es mit dem Leberprozeß des betreffenden Menschen steht. Denn bei einem solchen Menschen ist immer der innere organische Chemismus dasjenige, was nicht ordentlich wirkt. Selbst dasjenige, was man gewohnt worden ist als Gehirnerweichung etwa zu bezeichnen im trivialen Leben, das sind alles sekundäre Dinge. Das Primäre liegt gerade bei den sogenannten geistigen Erkrankungen in den Organsystemen, wenn es auch manchmal schwieriger zu beobachten ist. Und weil es in den Organsystemen liegt, deshalb ist es manchmal so trostlos, zu sehen, wie man gerade durch geistige Behandlung diesen Dingen am allerwenigsten beikommt, wie man tatsächlich viel eher bei wirklichen organischen Erkrankungen durch geistige Behandlung etwas ausrichten kann als gerade bei sogenannten Geisteskrankheiten. Man wird sich geradezu angewöhnen müssen, Geisteskrankheiten mit Heilmitteln zu behandeln. Das ist das Wesentliche, und das ist dasjenige, was eben das zweite Gebiet ist, wo die äußere medizinische Richtung sich den Weg wird suchen lassen müssen, um zur Geisteswissenschaft hin zu kommen.
[ 20 ] It is also important, in the case of people who exhibit what might be called obstinacy, stubbornness, or dogmatism—that is, everything that represents a certain inflexibility in their conceptual framework, a rigid insistence on clinging to that framework—to allow oneself to be guided to examine the state of the liver process in the person in question. For in such a person, it is always the inner organic chemistry that is not functioning properly. Even what we have become accustomed to calling “dementia,” for example, in everyday life—these are all secondary matters. The primary cause, especially in so-called mental illnesses, lies in the organ systems, even if it is sometimes more difficult to observe. And because the root of the problem lies in the organ systems, it is sometimes so disheartening to see how mental therapy is the least effective way to address these issues—how, in fact, one can achieve much more with mental therapy in cases of actual organic diseases than in so-called mental illnesses. We will have to get into the habit of treating mental illnesses with remedies. That is the essential point, and that is precisely the second area where the conventional medical field will have to find its way toward Spiritual Science.
[ 21 ] Der richtige Beobachter wird eigentlich auf diesem Gebiete immer der wirklich durchgebildete Psychologe sein. Denn in dem psychischen Leben mit seiner großen Mannigfaltigkeit, mit seiner Art, oftmals nur andeutend zu wirken, liegt außerordentlich viel, und da muß man sich eine richtige Beobachtungsmöglichkeit wirklich allmählich aneignen. Ich kann das durch ein Beispiel erläutern: einfach deshalb, weil es beim Menschen gar nicht so steht, daß er in bezug auf seine Fähigkeiten — womit ich jetzt alles dasjenige meine, was auch in den Befähigungen liegt durch das körperliche Organisiertsein, das ja das Werkzeug wird für das geistige Organisiertsein — nicht einfach geartet ist, nicht einfach gestaltet ist. So sonderbar das klingt, es ist durchaus möglich, daß irgend jemand Eigenschaften an sich hat, durch die man gezwungen ist, ihn als einen Schwachkopf zu bezeichnen, als einen schwachsinnigen Menschen, daß er aber Dinge von sich gibt, die geistreich und genial sind. Das ist durchaus möglich. Das ist aus dem Grunde möglich, weil jemand durch seinen Schwachsinn sehr suggerierfähig sein kann, sehr leicht die geheimnisvollen Einflüsse der Umgebung in sich spiegeln kann. Kulturhistorisch-pathologisch kann man da die interessantesten Beobachtungen machen. Man braucht ja selbstverständlich bei den Ergebnissen solcher Untersuchungen nicht Namen zu nennen; dadurch wird natürlich auch der Glaube etwas erschüttert, aber es geht nicht gut, Namen zu nennen. Es ist insbesondere im Journalismus die Eigentümlichkeit vorhanden, daß eigentlich schwachsinnige Köpfe deshalb gute Journalisten werden können, weil sie imstande sind, durch ihren Schwachsinn nicht ihre eigensinnige Meinung zu geben, sondern dasjenige, was Meinung der Zeit ist. Die spiegelt sich durch sie, so daß zum Beispiel die Ausführungen schwachsinniger Journalisten viel interessanter sind als die Ausführungen eigensinniger, starksinniger Journalisten. Man erfährt viel mehr dasjenige, was die Menschheit denkt, durch schwachsinnige Journalisten als durch starksinnige Journalisten, die immer darauf aus sind, ihre eigene Meinung zu bilden. Da kommt - es ist nur ein extremer Fall, der aber im Leben immer wieder eintritt — das zustande, was man im höchsten Maße eine Maskierung des eigentlichen Falles nennen kann. Man merkt aus dem Grunde einen bestehenden Schwachsinn nicht, weil zunächst etwas auftritt, was sogar eine sehr genialische Äußerung sein kann. Nun natürlich, im gewöhnlichen Leben macht das nicht viel, denn schließlich schadet es ja nicht, wenn unsere Zeitungen durch Schwachsinnige geschrieben werden, wenn sie nur Gutes bringen, nicht wahr. Aber gerade in den radikalen Fällen, wo dann die Sache den Punkt überschreitet und in die Krankheitsform übergeht, führt es dazu, daß man sich wirklich einen unbefangenen, einen sehr unbefangenen Blick aneignen muß für die Beobachtung eines Seelenzustandes von Menschen, die eben in das psychiatrische Gebiet dann hineinfallen. Da wird man nicht immer nach dem, worin sich maskiert hat ihre Seelentätigkeit, beurteilen können, sondern man wird nach tiefer liegenden Symptomen urteilen müssen. Man wird sich daher immer sagen müssen: Bei der Beobachtung des Seelenzustandes ist das Verfallen in Irrtum am allerallerstärksten überhaupt möglich, weil es sich nicht so sehr darum handelt, ob der Mensch zum Beispiel gescheite Gedanken äußert, sondern ob er, wenn er gescheite Gedanken äußert, zum Beispiel zur Tendenz neigt, diese gescheiten Gedanken öfter zu wiederholen, als es nötig ist für den Zusammenhang. Das Wie, wie jemand seine Gedanken äußert, das ist das Wichtige. Ob jemand Gedanken sehr häufig wiederholt oder ob jemand Gedanken ausläßt, so daß man keine Übergänge hat, das ist viel wichtiger, als ob die Gedanken gescheit oder dumm sind. Es kann einer ein ganz gesunder Mensch sein und trotzdem dumm, bloß physiologisch dumm, nicht pathologisch dumm. Es kann einer gescheite Gedanken äußern und die Disposition zur sogenannten Geisteskrankheit in sich haben, auch ihr verfallen, was dann daran zu bemerken ist, viel eher als an etwas anderem, daß er an Auslassungen von Gedanken leidet oder daß er an öfteren Wiederholungen von Gedanken leidet. Derjenige, der an öfteren Wiederholungen leidet, trägt immer eine Anlage in sich, die im Grunde mit einem nicht ordentlichen Lungenbildungsprozeß zusammenhängt. Derjenige, der an Auslassungen von Gedanken leidet, trägt immer die Zusammenhänge mit einem nicht richtig funktionierenden Leberprozeß in sich. Die anderen Dinge stehen in der Mitte drinnen.
[ 21 ] In this field, the true observer will always be the thoroughly trained psychologist. For there is an extraordinary wealth of information in psychological life, with its great diversity and its tendency to manifest itself often only subtly; and one must truly acquire the ability to observe it properly, step by step. I can illustrate this with an example: simply because it is not at all the case with human beings that, in terms of their abilities—by which I now mean everything that also lies in the capacities derived from their physical constitution, which, after all, becomes the instrument for their mental constitution—they are not simply a certain type, not simply a certain form. As strange as it sounds, it is entirely possible for someone to possess characteristics that compel one to label them a fool, a mentally deficient person, yet for them to produce things that are witty and ingenious. That is entirely possible. This is possible because a person, due to their mental deficiency, can be highly suggestible and can very easily reflect the mysterious influences of their environment within themselves. From a cultural-historical and pathological perspective, one can make the most interesting observations here. Of course, there is no need to name names when presenting the results of such investigations; doing so naturally shakes people’s beliefs somewhat, but it is not advisable to name names. Journalism, in particular, has the peculiarity that people who are actually mentally deficient can become good journalists precisely because their mental deficiency prevents them from expressing their own stubborn opinions; instead, they reflect the prevailing opinion of the time. This is mirrored through them, so that, for example, the writings of mentally deficient journalists are far more interesting than those of stubborn, strong-willed journalists. One learns far more about what humanity thinks from feeble-minded journalists than from strong-willed journalists, who are always intent on forming their own opinions. This results—it is merely an extreme case, but one that occurs time and again in life—in what can be called, to the highest degree, a masking of the actual situation. For this reason, one does not notice the underlying foolishness, because at first something appears that may even be a very ingenious statement. Now, of course, in everyday life this doesn’t matter much, because after all, it doesn’t hurt if our newspapers are written by fools, as long as they report good news, does it? But precisely in the extreme cases, where the matter crosses the line and develops into a pathological condition, this leads to the necessity of truly adopting an unbiased—a very unbiased—perspective when observing the mental state of people who then fall into the realm of psychiatry. In such cases, one cannot always judge based on the form in which their mental activity has masked itself, but must instead judge based on deeper-lying symptoms. One must therefore always bear in mind: When observing a mental state, the risk of falling into error is the greatest of all, because it is not so much a matter of whether a person, for example, expresses sensible thoughts, but rather whether, when expressing sensible thoughts, they tend, for instance, to repeat those sensible thoughts more often than is necessary for the context. The “how”—how someone expresses their thoughts—that is what matters. Whether someone repeats thoughts very frequently or omits thoughts, so that there are no transitions, is far more important than whether the thoughts are sensible or foolish. A person can be perfectly healthy and yet still foolish—merely physiologically foolish, not pathologically so. A person can express intelligent thoughts and yet harbor a predisposition to so-called mental illness, or even succumb to it; this can be recognized much more readily than by any other sign by the fact that the person suffers from omissions of thoughts or from frequent repetitions of thoughts. Those who suffer from frequent repetitions always carry within them a predisposition that is fundamentally linked to an abnormal lung development process. Those who suffer from omissions of thoughts always carry within them a connection to a malfunctioning liver process. The other factors lie somewhere in between.
[ 22 ] Auch diese Dinge lassen sich ja, ich möchte sagen, im Leben studieren. Da, wo etwas noch Nahrungs- oder Genußmittel ist und noch nicht als Heilmittel, wenigstens im gewöhnlichen Sinne, angewendet wird, da kann man zum Beispiel sehen — ich habe das übrigens bei früheren Gelegenheiten auch öffentlich, wenigstens in gewissen Kreisen, erwähnt —, wie der Kaffee eine ganz deutliche, ausgesprochene Wirkung hat auf den ganzen symptomatischen Prozeß des Seelenlebens. Man sollte auf solche Wirkungen eigentlich nichts geben, denn sie machen nur die Seele träge, wenn man sich auf sie verläßt, aber sie sind eben doch vorhanden. Man kann mangelnde Logik sich durch Kaffeegenuß ersetzen, das heißt, man kann durch Kaffeegenuß tatsächlich den Organismus so disponieren, daß aus ihm mehr Kräfte herausgeholt werden können zur Logik, als wenn einer nicht Kaffee genießt. Daher sollte es zu den Mitteln der auf die gegenwärtige Anschauung gebauten Journalistengewohnheiten gehören, daß die Journalisten viel Kaffee trinken sollen, damit sie nicht so viel an den Federstielen knabbern müssen, um die Gedanken miteinander in Verbindung zu bringen. Das gilt nach der einen Seite hin. Nach der anderen Seite ist der Teegenuß dasjenige, was uns verhindert, einen Gedanken pedantisch immer professorenhaft an den anderen zu knüpfen, wodurch wir uns, wenn es ins Extreme kommt, nicht eigentlich geistreich äußern, sondern so, daß wir immer den anderen genau unseren eigenen logischen Prozeß vormachen; da werden wir immer langweilig. Die Berufe, die ja jetzt in dem Stadium des Abkommens sind, denen man aber aus ihrer alten Organisation hätte ein Mittel anzugeben gehabt, wie sie möglichst geistreich sein können, ohne es innerlich zu werden, sondern bloß durch ein äußeres Genußmittel, denen hätte man natürlich anraten müssen, Tee zu trinken. Wie der Kaffee ein gutes Journalistengetränk ist, so ist der Tee ein außerordentlich wirksames Diplomatengetränk, wodurch eben das Gewöhnen an abgerissene Gedanken, die so hingeworfen werden und durch die man eben geistreich erscheinen kann, im wesentlichen gefördert wird.
[ 22 ] These things, too, can be studied—I would say—in life. Where something is still a food or a luxury item and is not yet used as a remedy—at least in the ordinary sense—one can see, for example—and I have, incidentally, mentioned this publicly on earlier occasions, at least in certain circles—how coffee has a very clear, pronounced effect on the entire symptomatic process of the soul’s life. One shouldn’t really pay any attention to such effects, for they only make the soul sluggish if one relies on them, but they are, after all, present. One can compensate for a lack of logic by drinking coffee; that is to say, by drinking coffee one can actually prepare the organism in such a way that more mental energy can be drawn from it for logical thinking than if one did not drink coffee. Therefore, it should be part of the journalistic practices based on the current worldview that journalists drink plenty of coffee, so that they do not have to chew on their pen holders so much in order to connect their thoughts. That applies on the one hand. On the other hand, drinking tea is what prevents us from pedantically, in a professorial manner, linking one thought to the next, whereby—when taken to the extreme—we do not actually express ourselves wittily, but rather always demonstrate our own logical process to others; this is when we always become boring. The professions that are now at the stage of compromise—but for which, given their old organizational structure, one would have had to suggest a way for them to be as witty as possible without actually becoming so internally, but merely through an external stimulant—should naturally have been advised to drink tea. Just as coffee is a good drink for journalists, tea is an extraordinarily effective drink for diplomats, one that essentially fosters the habit of using disjointed thoughts—those thrown out casually—through which one can appear witty.
[ 23 ] Gerade solche Dinge sind wichtig zu wissen, denn wenn man diese Dinge richtig zu würdigen versteht und die nötige moralische Seelenverfassung hat, dann weiß man, daß diese Dinge selbstverständlich in einem moralischen Leben auf andere Weise gefördert werden müssen als durch diese oder jene Diät. Aber um sich zu belehren über gewisse Naturzusammenhänge, sind solche Dinge außerordentlich wichtig, wie es auch im Kulturzusammenhang wichtig ist, zum Beispiel einmal einen Blick zu werfen auf den sehr niedrigen Zuckergenuß, wie er in Rußland üblich war, und auf den sehr reichlichen der westlichen Welt, der englischen Welt. Da wird man dann finden, daß einfach da, wo die Dinge nicht durch eine seelische Entwickelung paralysiert werden, das Darleben des Menschen sehr deutlich einen Abdruck desjenigen zeigt, was da eigentlich den Menschen zugeführt wird: bei dem Russen, der durch ein gewisses Hingegebensein an die Außenwelt sich äußert, ein geringes Ich-Gefühl hat, das höchstens theoretisch dann ersetzt wird und das mit dem geringen Zuckergenuß zusammenhängt, und dagegen bei dem Engländer, der ein starkes Selbstgefühl hat, das organische Grundlagen hat, das hängt zusammen mit dem starken Zuckergenuß. Es ist aber namentlich hier weniger auf die Tatsache des Genießens zu sehen als auf den Drang. Denn die Tatsache des Genießens entwickelt sich eben aus dem Drang, aus der Sehnsucht des Genießens, und daher ist es wichtig, diese Dinge besonders ins Auge zu fassen.
[ 23 ] It is precisely these kinds of things that are important to know, because if one understands how to properly appreciate them and possesses the necessary moral disposition, then one knows that, naturally, in a moral life, these things must be fostered in ways other than through this or that diet. But in order to learn about certain natural relationships, such things are extraordinarily important—just as it is important in a cultural context, for example, to take a look at the very low sugar consumption that was customary in Russia, and at the very high consumption in the Western world, the English-speaking world. There one will then find that, simply where things are not paralyzed by a lack of spiritual development, a person’s way of life very clearly reflects what is actually being provided to them: in the case of the Russian, who expresses himself through a certain devotion to the external world and has a weak sense of self—which is replaced, if at all, only theoretically—and which is connected to low sugar consumption; whereas in the case of the Englishman, who has a strong sense of self rooted in organic foundations, this is connected to high sugar consumption. However, here in particular, the focus should be less on the act of enjoyment itself than on the urge. For the act of enjoyment develops precisely from the urge, from the longing for enjoyment, and therefore it is important to pay special attention to these things.
[ 24 ] Wenn Sie nun in Betracht ziehen, daß eigentlich der wirkliche Ursprung der sogenannten Geistes- und Seelenkrankheiten in den Organsystemen des unteren Menschen gesucht werden muß, dann werden Sie gerade da auf Wechselwirkungen im Menschen hingewiesen, die nicht außer acht gelassen werden dürfen, wenn es sich um Pathologisch-Therapeutisches handelt. Diese Wechselwirkungen zwischen dem, was ich einfach bezeichnet habe als den unteren und den oberen Menschen, müssen sowohl beim Pathologischen wie beim Therapeutischen immer in Betracht gezogen werden, sonst wird man niemals eine ordentliche Ansicht auch darüber gewinnen können, wie nun äußere Einflüsse, durch die man auf den Kranken wirken will, auf diesen Kranken wirken. Es ist ein großer Unterschied, ob man dem Kranken Wärme — oder Wasserwirkung dutch die Füße oder durch den Kopf beibringt. Aber man bekommt keine Ratio in diese Dinge hinein, wenn man nicht erst in solchen Dingen auf die großen Unterschiede des Funktionierens zwischen dem unteren und dem oberen Menschen aufmerksam wird. Daher werden wir jetzt, soweit sich das für uns auch auf diesem Gebiete machen läßt, noch den äußeren Einfluß auf den Menschen besprechen.
[ 24 ] If you now consider that the true origin of so-called mental and emotional illnesses must actually be sought in the organ systems of the lower human being, then you will be made aware of interactions within the human being that must not be disregarded when dealing with pathological and therapeutic matters. These interactions between what I have simply referred to as the lower and upper human must always be taken into account in both pathology and therapy; otherwise, one will never be able to gain a proper understanding of how external influences—through which one seeks to affect the patient—actually affect that patient. There is a great difference between applying heat—or the effects of water—to the patient through the feet or through the head. But one cannot make sense of these things unless one first becomes aware of the significant differences in functioning between the lower and the upper human being. Therefore, we will now discuss external influences on the human being, to the extent that this is feasible for us in this field as well.
